Archiv für das Tag 'Stuttgart'

Ivica Olic: “Mir tut es weh . . .”

20. April 2014

„Wir dürfen heute enttäuscht sein, aber morgen müssen die Köpfe wieder oben sein. Wir müssen alles dafür tun, dass wir gestärkt in die nächste Woche gehen, wir müssen uns top vorbereiten auf das Spiel in Augsburg. Wir haben schon vor dem Spiel gegen Wolfsburg beschlossen, dass wir einen Tag früher anreisen zu diesem vorletzten Auswärtsspiel, noch einen Tag früher als sonst, wir werden in Augsburg trainieren, und wir wollen und werden dabei sein, wenn am Sonnabend die anderen Club in der Bundesliga spielen, um dann am Sonntag entsprechend nachlegen zu können.“ Sagt HSV-Trainer Mirko Slomka. Und er lässt bei diesen Sätzen keinerlei Zweifel daran aufkommen, ob er noch an die Klassenerhalt des HSV glaubt. Der Coach gibt sich kämpferisch, er beißt noch, er gibt nicht auf – aber reicht das? Sportchef Oliver Kreuzer hat seine Art des Kampfgeistes so formuliert: „Wir fahren nach Augsburg, um dort zu siegen, mit aller Brutalität wollen wir dort gewinnen. Und aus die Maus.“

Schön gesagt. Mich erinnert das an jene Phase, als der HSV noch zehn Spiele vor sich hatte. Damals hatte Kreuzer vorgerechnet: „Aus diesen zehn Partien brauchen wir fünf Siege, um sicher zu sein, dass wir nicht absteigen.“ Jetzt stehen noch drei Begegnungen an – nur noch drei. Und aus den vorangegangenen Spielen wurde gerade einmal zwei Siegchen geholt. Und von den drei Partien, die nun noch kommen geht es zweimal auswärts um die Wurst (Augsburg und Mainz), dazu kommen die Bayern nach Hamburg. Welch eine Ehre. Die großen Bayern. Das letzte Heimspiel der Saison. Geht es nach vielen Experten (heute beim Sport1-Doppelpass) und auch nach vielen, vielen HSV-Fans, ist der Dino bereits abgestiegen. Und wenn man hört, wie sehr nun der mit 3:1 siegreiche VfL Wolfsburg schon fast als „Übermannschaft“ in den Fußball-Himmel gehoben wird (Slomka: „Wolfsburg hat eine Riesen-Klasse“) – wie soll das erst gegen die Bayern werden? Sind die nicht sogar noch etwas besser als die VW-Werkself?

Für Abendblatt-Blogs


Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich immer noch zuletzt.

Nur auf was oder wen fußt diese Hamburger Hoffnung denn jetzt überhaupt noch? Nach der achten Heimniederlage (von insgesamt 18 in dieser Saison!) gab es Mitleid vom Gegner – das ist fast das Schlimmste, was einem passieren kann. Ivica Olic, zugegeben nicht ganz ein „Gegner“, befand nach dem Spiel mitfühlend: „Es ist sehr schade, so ein Verein, eine solche Stadt und so tolle Fans – es tut mir weh. Ich habe hier mit die schönste Zeit meiner Karriere erlebt. Deswegen wünsche und hoffe ich, dass der HSV in der Bundesliga bleibt. Aber was die Mannschaft zuletzt gezeigt hat, ich weiß nicht, ob das reicht – ganz ehrlich, ich habe große Sorge. Sie müssen alles geben, alle müssen kämpfen, um doch noch den Abstieg zu vermeiden.“

Das, lieber „Ivi“, wissen viele schon seit Wochen. Es wissen nicht alle, aber immerhin einige. Und es werden bis zum letzten Spieltag auch noch einige mehr sein, da bin ich mir sicher. Nur ob es dann auch wirklich alle sind, das weiß ich natürlich nicht. Wenn ich das erste Tor schon nach 90 Sekunden sehe, dann fehlt mir jegliches Verständnis. So sieht es wohl auch Ivo Ilicevic: „Wenn man das Tor nach zwei Minuten sieht, das ist einfach zu einfach. Da läuft einer in der zweiten Minute ganz allein auf unser Tor zu und kann den Ball einschieben – und dann läuft man gleich einem Rückstand hinterher. Und das ist nicht so einfach, das ist sogar extrem schwer, weil Wolfsburg natürlich auch eine gute offensive Qualität hat. Zweite Halbzeit haben wir es zwar etwas besser gemacht, aber nach dem 0:3 war es natürlich extrem schwer für uns.“

Uns Heiko Westermann analysierte nach dem Spiel: „Wenn man natürlich so anfängt, nach 90 Sekunden schon das 0:1 . . . Wir haben in der ersten Hälfte vier, fünf katastrophale Fehler gemacht, die Wolfsburg eiskalt bestraft hat. Ansonsten haben wir in der zweiten Halbzeit versucht, aber wir haben, das muss man auch sagen, gegen ganz starke Wolfsburger gespielt haben. Und das wir nicht die Möglichkeiten hatten mit unserem Kader, diese VfL-Mannschaft zu bezwingen. Aber wir stehen noch auf dem Relegationsplatz, wir haben auch keine fünf Punkte Abstand noch oben, wir können noch die Klasse direkt halten. Und solange diese Möglichkeit besteht, muss da auch jeder dran festhalten.“

An diesem frühen Gegentor bissen sich nachher alle fest. Auch Oliver Kreuzer argumentierte: „Bei diesem 0:1 war unsere Defensive unorganisiert.“ Dann sucht der Sportchef dafür nach Gründen. Wieso war die Defensive schon nach Sekunden unorganisiert? Das allein ist doch ein Skandal. Kreuzer findet aber reale Gründe dafür: „Da stellst du den Heiko Westermann wieder ins Zentrum, der hat die letzten fünf oder sechs Spiele Linksverteidiger gespielt, dann stellst du Jiracek nach links – du hast also fast alle umgebaut. Und bis das alles richtig funktioniert hat, stand es schon 0:1. Wie Wolfsburg die Schnittstelle in der Mitte genau getroffen hat.“ Kreuzer nach einer kurzen Pause weiter: „Natürlich hast du den Ball vorher verloren, aber trotzdem, wenn du einigermaßen organisiert bist, dann passiert so etwas nicht. Aber das sind die Dinge, die ich schon angesprochen habe, irgendwie ist es dann einmal zu viel . . .“

Die vielen Verletzten. Natürlich, es fehlt mehr als eine halbe Stamm-Formation, aber das geht anderen Vereinen gelegentlich auch mal so. Und irgendwie kommt man doch bei all diesen Problemen, die der HSV jetzt hat, immer wieder auf die – so sehe ich das – hirnlose Kader-Zusammenstellung. Ich hätte, um es mal auf die Spitze zu treiben, noch einen Innenverteidiger mehr verpflichtet, und vielleicht auch noch den einen oder anderen Spieler mehr ohne Spielpraxis. Das hat gut funktioniert. Zumal sie alle, wirklich alle und jeder, in der Winterpause gesagt haben: „Wir holen nur dann Spieler, wenn die uns sofort helfen.“ Sie haben sich alle, und auch ein jeder, daran gehalten. Bewundernswert. Nein, meine Freunde, wenn hier nicht der Wurm drin ist, wo dann?

Kreuzer glaubt aber immer noch an das Gute im Profi-Fußball – speziell des HSV: „Okay, man muss die Ergebnisse des Sonntags abwarten, aber im Prinzip ist es doch so, dass wir noch nicht abgeschlagen sind. Und die vier Vereine, die dort unten stehen, haben immer noch alle Möglichkeiten. Deswegen wäre es doch Wahnsinn, wenn man da etwas abschenken würde. Abschenken geht gar nicht, das werden wir auch nicht. Wir werden alles geben.“

Das klingt wie immer. Das hören wir schon seit Monaten. Warum aber hat der Abstiegskandidat HSV zum Beispiel nicht auch alles gegeben? Wenn man dort unten steht, dann muss man sich den Hintern aufreißen wollen, und zwar mit der ersten Spielminute an. An nichts anderes darf ein Profi dann noch denken – aber es wird dann doch verschlafen. Pomadig und überheblich und lässig.

Wir werden also wieder einmal alles geben. Nur, und da sind wir wieder bei der alles entscheidenden Frage: reicht das? 18 Niederlagen sprechen eine deutliche Sprache. 18! Mehr hat nur der Tabellenletzte. Und irgendwelche Vereine müssen ja nun mal absteigen. Mir stimmt die Mentalität in dieser HSV-Truppe nach wie vor nicht. Slomka hatte „Herz“ angekündigt, aber hatten alle dieses „Herz“ – und wer kann dazu noch erstliga-reif Fußball spielen? Hakan Calhanoglu befand ehrlich: „Wir haben viele Zweikämpfe verloren, zudem hat die Laufbereitschaft hat nicht so gut gestimmt – das sind die Punkte, die zu dieser Niederlage geführt haben.“

Mirko Slomka ist um seinen Job nicht zu beneiden. Er will auch alles geben. Und dabei weiß er erstens, dass die Qualität nicht reicht, und er weiß zweitens, dass er jetzt trainieren, trainieren und trainieren kann, es würde nichts helfen. Jetzt ist der Psychologe Slomka gefragt. Und als ein solcher redet der Coach ja auch schon seit Wochen mit Engelszungen auf seine Spieler ein. Er will sie stark reden. Aber ob dazu noch die Zeit besteht? Ich fand es aber schon grenzwertig, wenn Mirko Slomka von den Schocks des HSV vor dem Spiel sprach. „Nachmittags erkrankte uns Jonathan Tah, das war ein erster Schock, und dann verletzte sich kurz vor dem Spiel Johan Djourou, sodass wir umbauen mussten – das war Schock Nummer zwei. Es folgte Schock Nummer drei, nämlich das schnelle Gegentor nach 90 Sekunden.“

Mag ja sein, aber Tah als „Schock“ zu bezeichnen, wo er doch bislang unter Slomka kaum zum Einsatz gekommen war, wo Tah doch zuletzt gar keine Rolle – auch aus Verletzungsgründen – mehr gespielt hatte! Nein, dieser „Tah-Schock“ war ein wenig zu hoch gegriffen – und sah dann doch wieder nur nach „schönreden“ aus. Wer suchet, der findet. Man muss nur erfinderisch sein. Slomka befand: „Die Umstellungen kurz vor Spielbeginn, die tun einfach nicht gut.“ Klar. Dennoch darf man so stehen, wie es sich für eine Profi-Mannschaft eigentlich gehören müsste. Und Slomka suchte natürlich nach einem Strohhalm – und fand ihn dann auch: „Nach dem 0:3 hatten wir, und das macht mir große Hoffnungen auf die nächsten Partien, eigentlich unsere beste Phase. Gerade nach diesem schnellen 0:3. Das zeigt, dass die Mannschaft einen großen Charakter hat, dass sie Willensstärke hat.“ Natürlich. Man muss es nur oft genug wiederholen.

Dass der HSV gerade jetzt so viele Verletzte hat, das, so vermuten einige Experten (und Fans?), könnte auch daran liegen, dass Mirko Slomka plötzlich sein Trainingspensum angezogen hat. Trainiert Slomka zu hart? Er wehrt sich: „Ich hatte gerade in den letzten 14 Tagen das Gefühl, dass wir nicht genug getan haben. Dass wir mal eine Einheit gerade deswegen, weil wir diese Probleme haben, mal lockerer angegangen sind. Ich glaube nicht, dass wir zu hart trainieren, im Gegenteil, wir müssen weiter hart arbeiten, um dran bleiben zu können, und wir müssen uns gut vorbereiten. Dass es jetzt einige Verletzte bei uns gibt, das liegt auch daran, dass man da unten steht. Da gibt es häufiger mal Probleme, weil es weh tut, zu Hause zu verlieren, weil es weh tut, immer wieder dagegen anzukämpfen, dass weiß jeder, der mal Fußball gespielt hat.“

Und dann noch zwei Personalien. Im Fernsehen (und wohl nicht nur dort) haben sie sich ja auf Heiko Westermann „eingeschossen“, weil er an den drei Gegentoren eine Mitschuld trug – tragen sollte. Slomka dazu: „Heiko hat eine starke Partie gezeigt, hat auch im Aufbau viele gute Szenen gehabt.“

Und dann die „unterirdische“ Vorstellung von Jacques Zoua. Slomka: „Jacques arbeitet viel für uns, er versucht die Bälle da vorne festzumachen – und es ist ja auch immer eine Frage der Alternative. Und Mattia Maggio hat ja in Hannover zuletzt eine Halbzeit gespielt, aber er hat uns nicht so überzeugt, dass wir nun sagten, dass er deutlich mehr Spielminuten benötigt.“ Das entscheidet, so geht es im Fußball überall, eben immer in erster Linie der Trainer. Wobei ich nichts gegen Mirko Slomka sagen will, denn der „arme Mann“ hat nun wirklich keine Schuld an dieser HSV-Talfahrt. Dafür müssten ganz andere Leute den Kopf hinhalten.

Immerhin: Heute lässt (oder ließ) der HSV die Zweitliga-Partie Paderborn gegen Greuther Fürth beobachten. Wg. einer eventuellen Relegation . . . Da geht noch was. Slomka: „Wenn wir dann am Ende diese beiden Spiele machen dürfen, so muss man es ja fast schon sagen, dann wollen wir gut vorbereitet sein.“ Im ZDF sagte Slomka zu der Frage, ob er sich damit beschäftig hat, dass er der erste HSV-Trainer ist, der absteigt? Der Coach: „Dann werde ich auch der erste HSV-Trainer sein, der mit der Mannschaft aufsteigt.“

Aber vorher gibt es ja noch einige Spielchen – genau drei. Und dann eventuell die Relegation. Denn Nürnberg, das hat diese 1:4-Niederlage heute gegen Leverkusen bewiesen, ist leistungstechnisch mit dem HSV auf Augenhöhe. Ich hoffe ganz stark darauf, dass das so bleibt und der Club am Ende zusammen mit Braunschweig absteigt, während der HSV gegen Paderborn (oder doch den FCK?) die zweite Chance nutzt. Mehr dürfte auch nicht mehr drin sein. Stuttgart jedenfalls, das ist wenig überraschend für mich, ist seit heute weitgehend raus aus dem Absteigskampf. Zumindest dann, wenn sie das 3:0 (Stand 18.46 Uhr) halten…

18.46 Uhr

Ilicevic: “Ich treffe bald wieder – vielleicht schon in Stuttgart”

19. März 2014

Fußball und Aberglaube liegen oft sehr eng beieinander. Da verwundert es auch nicht, dass Ivo Ilicevic nach gefühlten 25 Jahren Verletzungspause jetzt jubeln will. Nach gerade mal zwei Spielen in Folge verletzungsfrei vermeidet Ilicevic den begriff „Neuanfang“. „Weil ich das in letzter Zeit zu häufig gesagt habe und es dann immer wieder Rückschläge gab.“ Genau genommen neunmal sogar. Ein Muskelfaserriss (Ausfall 3 Wochen), Wadenprobleme (1 Woche), Adduktorenprobleme (3 Wochen), wieder die Wade (1 Woche), erneut ein schwerer Faserriss (zwei Monate), eine Bauchmuskelzerrung (drei Monate), eine Zerrung (ein Monat), Oberschenkelprobleme (ein Monat) sowie eine Oberschenkelzerrung (zwei Wochen) stehen bereits auf der Liste des dribbelstarken Offensivspielers. Zusammen sind das gut neun Monate Ausfallzeit, die Rehaphasen nicht einmal mit einberechnet – und das binnen der gerade erst zweieinhalb Jahre beim HSV. Die gesamte Liste umfasst noch einmal sechseinhalb Monate Verletzungspausen. Macht zusammen fast 16 Monate Verletzungspausen in sechseinhalb Jahren Bundesliga. „So viel?“, wundert sich selbst Ilicevic zunächst, um dann einzulenken: „Zuletzt war es schon hart.“

Nachdem in Hamburg alle Untersuchungen – und es wurde von den Zähnen über die Ernährung bis zur muskulären Konstitution alles haarklein durchgecheckt – erfolglos. „Richtig gefunden wurde nichts“, sagt Ilicevic, der sich seither in München behandeln lässt. „Ich habe dort einen Physiotherapeuten, der mich immer wieder einrenkt, weil ich glaube, dass meine Probleme vom Rücken her kommen.“ Immerhin sei er ein sehr wendig spielender Profi, der seine Gelenke dadurch extrem belastet. Bei einer zu schwachen Rumpfmuskulatur kann das schnell zu Fehlbelastungen führen. „Ich bin durch meine Spielweise meist im Rücken belastet – daher dieser Schritt.“

Seine Explosivität braucht der HSV im Abstiegskampf: Ivo Ilicevic (r.)

Seine Explosivität braucht der HSV im Abstiegskampf: Ivo Ilicevic (r.)

Der funktioniert. Umso erfreuter ist er über seine erneute Rückkehr, nachdem in Hamburg schon von der Abgabe des verletzungsanfälligen Offensivspielers die Rede war. „Bei Ivo ist aber die Hoffnung auf das, was er kann, so riesig, dass man ihn einfach nicht abgeben will“, hatte mir Thorsten Fink einst gesagt und damit den Punkt getroffen. Denn was der Rechtsfuß kann, hat er in den letzten beiden Spielen angedeutet. „Ivo hat das Tempo hochgehalten und genau das gemacht, was er machen sollte“, lobte Trainer Mirko Slomka, „das war wie erwartet sehr ordentlich.“


Auch Ilicevic scheint zufrieden zu sein. Zumindest für den Anfang. „Das waren jetzt zwei gute Spiele nacheinander“, sagt Ilicevic, der sich selbst auf die Schippe zu nehmen weiß: „Das kam ja noch nicht allzu oft vor.“ Allerdings hat Ilicevic noch das große Ziel WM vor Augen. Der Kroate will für sein Land nach Brasilien und am liebsten gleich im Eröffnungsspiel gegen den Gastgeber ran: „Es gibt wohl kaum was Größeres, als im Eröffnungsspiel in Brasilien gegen Brasilien zu spielen – außer ein Finale in Brasilien gegen Brasilien“, lacht Ilicevic, der aber sofort betont, dass er zwar das große Ziel habe, vorher aber sein Fokus ausschließlich auf den HSV gerichtet ist. „Ich verbinde beides, da ich weiß, dass ich nur zur WM komme, wenn ich in meinem Verein auch gute Leistungen bringe. Deshalb will ich erst helfen, dass wir die Klasse halten und hoffe, dadurch zur WM zu kommen. Oder besser: Wenn ich gut spiele, bin ich mir eigentlich sicher, dass ich bei der WM dabei bin.“

Klingt gut. Und sehr selbstbewusst. Wobei man an dieser Stelle erklären muss, dass Ilicevic sich mit derartigen Aussagen mehr versucht, Mut zu machen. Auch, weil er seinen Vater nach dessen Tod nachträglich stolz machen will. Der Vater des HSV-Profis war im Dezember nach schwerer Krankheit verstorben und der Verlust hatte bei Ivo ein schweres Loch gerissen. „Der Verlust meines Vaters ist das Schlimmste, was mir passieren konnte“, so Ilicevic, „ich durchlebe eine schwere Zeit. Ich hatte zu ihm eine ganz besonders enge Bindung. Ich spiele mein Leben lang für meine Familie, besonders für meinen Vater. Er war eine ganz besondere Bezugsperson, ich habe fast nie was ohne ihn gemacht. Er hat es geliebt, mich auf dem Platz zu sehen und ich habe immer versucht, ihn besonders stolz zu machen. Und das versuche ich jetzt auch.“ Deshalb trägt Ilicevic unter seinem Trikot ein Shirt mit dem Bild seines verstorbenen Vaters. Zeigen durfte er es noch nicht, aber wenn es nach dem 27-Jährigen geht, wird sich das schon sehr bald ändern. „Ich muss wieder torgefährlicher werden“, so Ilicevic, „aber ich habe dabei ein sehr gutes Gefühl. Ich treffe wieder, das dauert nicht mehr lang. Vielleicht ja schon in Stuttgart.“

Hier der Mobil-Player:


Zumal das neue HSV-Spiel wie maßgeschneidert für den schnellen, dribbelstarken Außenstürmer ist. „Das schnelle Umschalten nach Ballgewinn – zumeist durch das Zentrum – das liegt mir sehr. Es ist fast perfekt für mich und die anderen Offensivspieler. So kann ich meine Stärken am besten ausspielen.“ Soll heißen: Schnelligkeit, Zug zum Tor und Tempodribblings in Eins-gegen-Eins-Situationen. „Er hat eine Qualität, die wir ansonsten so nicht im Kader haben“, haben tatsächlich bislang alle Trainer Ilicevics in Hamburg betont. Eine derart außergewöhnlich hohe Qualität, dass alle geduldig auf ihn warteten. Und Slomka soll der Trainer sein, der die Ernte der Geduld seiner Vorgänger einfahren darf.
Obwohl Ilicevic noch nicht bei 100 Prozent ist. Trotz des „unglaublich großen Nachholbedarfs“, wie er selbst sagt. Manchmal hatte man fast den Eindruck, Ilicevic wolle sich den Frust rauslaufen, so aggressiv wirkte er auf dem Platz. Auch gegenüber den Mitspielern, wie beispielsweise Hakan Calhanoglu, nachdem dieser ihn für einen zu langsam gespielten Pass auf dem Feld kritisierte. „Ich bin nicht wütend, aber heiß. Ich habe lange warten müssen und kann jetzt endlich wieder ran. Daher sieht das nur so aus, wenn wir uns auf dem Platz mal anmachen. Ich habe zu Hakan auch gesagt, dass der Pass scheiße war und das Ding ist vergessen. Sowas gehört einfach dazu.“ Stimmt. Diese Form von interner Reibung ist in der richtigen Dosis letztlich sogar leistungsfördernd.

Wie bei Ilicevic. War der 27-Jährige gegen Frankfurt noch extrem fleißig aber dafür taktisch oft etwas zu wild unterwegs, war er gegen Nürnberg in meinen Augen der auffälligste Akteur auf dem Platz. „Die Spiele waren schon ganz gut, aber ich bin noch nicht da, wo ich hin will. Ich glaube, dafür brauche ich noch ein, zwei Spiele.“ In Stuttgart und zu Hause gegen Freiburg. In Spielen, in denen es für den HSV gegen direkte Konkurrenten um alles geht. „Jedes Spiel ist intensiv, aber da ist noch Steigerungspotenzial. Für uns alle. Stuttgart wird schon enorm schwierig.“

Weil beim VfB ebenso wie beim HSV den Impuls des Trainerwechsels erkennen lässt. „Stuttgart hat viel Qualität und jetzt eine ähnliche Situation wie wir mit dem neuen Trainer.“ Ob er sich zu einer Punkte-Prognose für die beiden nächsten Spiele hinreißen lässt? „Schwer“, so Ilicevic, „aber natürlich hoffen wir auf sechs Punkte. Auf der anderen Seite wissen wir aber, wie hart wir dafür arbeiten müssen. Wir haben in den letzten Wochen gezeigt, dass wir begriffen haben, worauf es im Abstiegskampf ankommt. Wir haben den Kampf angenommen. Und wenn wir das nicht vergessen, und so auftreten wie in den letzten beiden Spielen, dann werden wir auch in Stuttgart gewinnen. Dann könnte es mit sechs Punkten durchaus klappen.“ Und am Saisonende auch für ihn mit der WM-Teilnahme.

Klappen soll es auch für Pierre-Michel Lasogga, der am Donnerstag teilweise ins Mannschaftstraining einsteigen und behutsam herangeführt werden soll. Alles mit dem Ziel, am Sonnabend in Stuttgart aufzulaufen. Gleiches gilt auch für Johan Djourou, dessen MRT-Untersuchung keine gravierende Verletzung hervorgebracht hat. Der Innenverteidiger soll am Freitag wieder voll mittrainieren und am Sonnabend in Stuttgart ebenso wieder auflaufen wie Rafael van der Vaart, an dem sich eine nachvollziehbare aber zu diesem Zeitpunkt in meinen Augen unpassende Diskussion entfacht hat. Sehr zur Verwunderung von Ilicevic: „Der Mann hat eine enorme Qualität. Er spielt super Standards, hat einen enormen Schuss, ein gutes Auge und kann den letzten Pass spielen. Und genau das brauchen wir vorne. Egal, was über ihn geredet wird, wir wissen: Er wird in dieser Saison noch sehr, sehr wichtig für uns.“ So wie er.

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird um 15 Uhr trainiert, während am Freitag wieder unter Ausschluss der Öffentlichkeit geübt werden soll. Mit Djourou – und hoffentlich auch wieder Lasogga.

Scholle

ACH, UND NOCH EIN GEHEIMTIPP: Im Anhang findet Ihr das erste von hoffentlich noch vielen, regelmäßigen dichterischen Ergüssen unseres Blog-Lesers und offensichtlich auch -Dichters Tilo, das er vor dem wichtigen Spiel gegen den FCN verfasst hat. Ich finde aber, dass es noch immer sehr lesenswert ist. Aber überzeugt Euch selbst:

Und wieder ist es nun soweit
Die Hamburgflagge steht bereit
Sonntagmittag, Bundesliga
Bin schon längst im Fussballfieber.

Heut zu Gast bei uns der Glubb
Stehen heute unter Druck
Müssen im 6-Punktespiel
Näher kommen unser’m Ziel.

Das Ziel das ist der Klassenhalt
Brauchen dafür aber bald
Punkte, und zwar möglichst drei
Ansonsten heißt es Liga Zwei.

Bis zur Pause spiel’n wir gut
Tanken wieder frischen Mut
Nur ein Treffer war nicht drin
Weshalb ich nicht zufrieden bin.

Minute 80. fällt er dann
Calhanoglu ist der Mann
Der die Fans zum Jubeln bringt
Dank dem uns hier der Sieg gelingt.

Ein Eigentor fällt kurz darauf
Chancen gab’s für uns zu Hauf
Nun hilft der Club ein wenig mit
Jetzt fehlt zum Sieg nur’n kleiner Schritt.

Doch der Club kommt noch zurück
2:1 nun brauchen wir Glück
Oder’n Adler der den Schuss
Zur Seite boxt… und dann ist Schluss!

Dieser Heimsieg war echt stark
Gespielt und ein Befreiungsschlag
Wir werden immer oben bleiben
NIEMALS in die Zweite steigen.

Mein Herz schlägt schwarz, weiß und blau
Mein Herz schlägt für den HSV.

Wie Jogi Löw dem HSV zum Klassenerhalt verhilft

18. März 2014

Er war noch nicht da. Zumindest nicht auf, dafür aber neben dem Platz: Pierre-Michel Lasogga. Der Angreifer, der sich am Montag in München noch einmal bei Dr. Müller-Wohlfahrt untersuchen ließ, konnte noch nicht voll einsteigen und absolvierte lediglich ein individuelles Programm mit Rehatrainer Markus Günther. Neben der allgemeinen Stärkung der Rumpfmuskulatur standen für den Torjäger heute Behandlungen, etwas Krafttraining und ein Waldlauf an. „Pierre macht alles, was er machen kann und geht an seine Grenzen“, sagt Trainer Mirko Slomka, der die Hoffnung auf einen Einsatz des Topstürmers am Sonnabend in Stuttgart noch nicht aufgegeben hat. „Die Chancen liegen bei 50:50“, so der HSV-Coach, „wir werden alles versuchen, dass er diese Woche noch ins Mannschaftstraining einsteigen kann.“ Allerdings gilt weiterhin, dass nichts riskiert wird. „Es ist deutlich besser und wir arbeiten gemeinschaftlich aber behutsam daran, ihn wieder auf den Platz zu bekommen. Wir werden den Muskel dabei ganz genau beobachten und hoffen, dass er bald wieder dabei ist.“


Hier der Mobil-Player:


Das müsste er allerdings auch, um schon am Wochenende in Stuttgart wieder dabei sein zu können, mit der Mannschaft trainieren. Eine Deadline gibt es dennoch seitens Slomka nicht. „Nein, Pierre ist einer, der nicht viel Zeit braucht, um wieder in die Mannschaft zu finden. Wichtiger dabei ist nur, dass er sich gut fühlt und keine Probleme mehr hat. Dann kann er uns sicher auch helfen.“ Ob die Verletzung tatsächlich nur eine extrem hartnäckige Verhärtung ist? Slomka weicht ein wenig aus, sagt aber: „Aus meiner Sicht ist es sicher auch eine leichte Zerrung gewesen, sonst hätte er nicht so lange pausieren müssen. Aber die Behandlung hat angeschlagen und ich hoffe, wir hoffen, dass Pierre diese Woche noch zurückkehren kann.“

Dem schließe ich mich nur zu gern an. Wobei ich dabei bleibe, dass Jacque Zoua am Sonntag seine Sache relativ betrachtet sehr gut gemacht hat. Er hat einfach das gemacht, was er kann, wobei Slomka mit dem Kameruner noch nicht gänzlich zufrieden ist. „Jacques war viel unterwegs, hat Kilometer abgerissen und gekämpft – aber kann noch mehr. Ich habe ihm gesagt, dass er nie stehen darf. Leider kam das noch vor. Ich weiß allerdings, dass er noch mehr kann, die Innenverteidiger noch konsequenter unter Druck setzen kann. Und daran messe ich ihn. Er muss auch an seine Grenze gehen.“

Harte Worte, denen heute Taten vorausgegangen waren. Denn die Spieler mussten heute wieder lange Wege machen. Im Spiel zunächst drei (Defensive) gegen vier (Offensive) auf mehr als dem halben Platz ebenso wie bei den extensiven 100-Meter-Läufen (2×50) anschließend. Auffällig hierbei: Hakan Calhanoglu legte ein enormes Durchschnittstempo an den Tag, während sein sportlich einst als Ziehvater angedachter Kapitän das Schlusslicht bildete: Rafael van der Vaart. „Er ist mit seinen Läufen aber im vorgegebenen Zeitlimit geblieben“, so Slomka, der weiterhin versucht, seinen Kapitän sportlich in die Spur zu kriegen. „Rafael hat eine Woche lang mit andauerndem, hohen Fieber pausiert und ist am Sonntag weite Wege gegangen.“ Dass die Kondition nicht für 90 Minuten gereicht habe, sei vorher ziemlich klar gewesen. „Daher kann ich nur sagen: Ich wünsche mir einen Kapitän genau so, dass er mir ein Zeichen gibt, wenn der Akku leer ist.“ So geschehen in der 82. Minute gegen Nürnberg. „Es ist besser für uns alle, wenn ein frischer Spieler kommt. Ich hatte von beginn an damit gerechnet, dass Rafa sich irgendwann meldet. Jetzt hat er so lang durchgehalten und bis dahin sein läuferisches Potenzial abgerufen.“ Stimmt. Gelaufen ist van der Vaart erneut relativ viel. Allerdings fehlen dem Niederländer die Läufe im hohen Tempo. Umso besser, das Slomka darauf im Training verschärften Wert legt. Und dass van der Vaart dann hinterherläuft, wundert Slomka nicht. „Er musste schon knapsen, ganz klar. Aber es ist umso wichtiger, dass er die Läufe mitmacht und durchzieht. Er war immer absolut im Zeitlimit – die anderen waren einfach nur zu schnell. Insofern ist alles in Ordnung.“

Gefallen hat Slomka gegen Nürnberg auch die Torschussquote. 26 Torschüsse sind eine überdurchschnittlich gute Quote. Zum Vergleich: Der alles und jedes Team dominierende FC Bayern München brachte es auf 23 Torschüsse. Gegen den BVB hatte der HSV 13, gegen Werder 11, gegen Frankfurt 15 und jetzt 26 Torschüsse – für Slomka das logische Ergebnis bei drei extravagant guten Schützen wie van der Vaart, Ilicevic und allen voran Calhanoglu auf der einen Seite. Auf der anderen Seite aber sieht Slomka seine Taktik aufgehen: Kampfbetontes Auftreten mit schnellem Umschalten nach der Balleroberung. „Bis auf Bayern München ist es in der Liga bei fast allen zu sehen, dass die meisten Großchancen aus Ballgewinnen im Gegenpressing resultieren, die dann mit schnellem Umschalten ausgenutzt werden. Dafür muss aber jede Mannschaft auch bereit sein, unnötige Wege zu gehen, unnötige Sprints zu machen. Nur so schaffen wir Räume für die Mitspieler, die nachkommen. Das haben wir in der letzten Partie über die Außenverteidigerposition gesehen. Da wurden Freiräume geschaffen durch Laufverhalten der Offensivspieler. Durch ihre Läufe wurden Freiräume für die nachrückenden Defensivspieler geschaffen. Auch auf der Sechs durch Tolgay Arslan, der immer wieder durchgestartet ist und Bälle im vorderen Drittel erlaufen, erarbeitet hat. Da müssen wir jetzt nur noch gezielter abschließen.“

Dass es erfolgversprechend ist, darin ist sich Slomka sicher. „Ich hab es ja initiativ für mich als wesentlichen Bestandteil der Deutschen bei der WM in Südafrika gesehen. Die Deutschen haben das fast bis zur Perfektion gespielt“, so Slomka, der bekanntermaßen sehr gut mit Bundestrainer Joachim Löw befreundet ist. 20 Spiele hat er in Südafrika gesehen – auch die Deutschen. Anschließend gab es Besprechungen mit Löw und dessen Assistenztrainer Hansi Flick, die ebenso wie Slomka von Harun Arslan betreut werden. Und er hat für seine Spielphilosophie einiges mitnehmen können. „Ich habe mich mehrfach mit Jogi Löw ausgetauscht und man sieht bei international großen Spielen auch in der Champions League immer wieder, dass die Aktionen nach Ballgewinnen, das Sprintverhalten mit schnellen Läufen nach vorn einfach grundsätzlich für Erfolg stehen. Und das kann man gern auch auf den HSV anwenden. Denn wir haben die Spielertypen dazu.“ Selbst die sprinttechnisch etwas schwächeren Spieler seien zumindest handlungsschnell.

Klingt ebenso gut wie einfach. Wobei Slomka nichts von einem sich verselbständigenden Aufwind hören will. Im Gegenteil. Immer wieder mahnt er zu frühe Zufriedenheit an. „Gerade Nürnberg hat gezeigt, was passiert, wenn man einmal kurz locker lässt. Da waren wir uns zu sicher, und dann passieren Fehler. Wäre dem nicht so gewesen, hätten wir sicher 2:0 gewonnen. Aber die Mannschaft macht auf mich nicht den Eindruck, schon zufrieden zu sein. Das sieht man auch im Training: Die Mannschaft marschiert, sie will, sie sind gierig. Das macht gerade besonders viel Spaß.“

Wobei Spaß sicher nicht wichtig ist angesichts der weiterhin brisanten Tabellensituation vor einer maßgeblich entscheidenden Woche. Erst Stuttgart mit neuem Trainer Huub Stevens und neuem Elan, dann unter der Woche am Mittwoch zu Hause gegen Freiburg. „Das ist für mich die aktuell wichtigste Woche, weil wir jetzt das wirklich nur kleine Zwischenziel, dass wir über dem Strich stehen, ab sofort verteidigen müssen. Schwierig wird es nur, weil viele im Umfeld in Hamburg immer sehr schnell schwärmen. Dabei ist es nach wie vor eine massive Drucksituation. Es ist ganz eng in der Tabelle und alle unter 30 Punkte müssen sich noch mal Gedanken machen, dass sie reingeraten können. Siehe Frankfurt. Die dachten sicher, sie schlagen Freiburg und sind erst einmal sicher. Aber das sind sie nicht.“ Noch weniger der HSV selbst, der am Sonnabend auf den VfB mit dem Rückkehrer Ibisevic und einem neuen Trainer trifft. „Das ist sicher nicht unwichtig. Huub Stevens ist ein sehr erfahrener Trainer und ich bin mir sicher, dass die Ordnung und Disziplin, die bei uns gegen Dortmund entscheidend war, in Stuttgart auf uns wartet. Die haben die gleichen Themen wie wir vor kurzem – und ein Huub Stevens versteht es wunderbar, die Euphorie mitzunehmen. Deswegen ist es sehr schwer, in Stuttgart etwas mitzunehmen. Aber wir wollen unsere Leistung gegen Nürnberg bestätigen.“

Mit viel Kampf, hoher Laufbereitschaft – aber auch spielerischer Qualität. „Ich habe vor Nürnberg schon gesagt, dass wir das kämpferische Element brauchen, um uns hier einen Vorteil zu erarbeiten. Aber im Hinblick auf unsere spielerischen und taktischen Möglichkeiten müssen wir auch die beachten. Ich glaube, dass wir nicht nur kämpfen können, sondern es auch viele Spiele geben wird, in der der HSV dominant auftritt. Daher müssen wir neben dem läuferischen ganz sicher auch den spielerischen Aspekt fordern und fördern.“

Überzeugende Worte gab es in Hamburg in den letzten Wochen, Monaten und Jahren immer wieder. Allein überzeugende Taten gab es selten. Schon deshalb ist der Nürnberg-Auftritt einer, der hoffen lässt. „Wenn wir nur die grundlegenden Dinge aus diesem Spiel in den restlichen Saisonspielen konservieren können, haben wir es selbst in der Hand“, ist sich Sportchef Oliver Kreuzer schon nach dem FCN-Spiel sicher gewesen. Und ich stimme ihm zu. Weil das Training endlich die Leistung auf dem Platz erklärt.

In diesem Sinne, bis morgen! Da wird um zehn und nachmittags unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert.

Scholle

P.S.: Gefehlt haben heute übrigens auch Heiko Westermann, Rene Adler und Johan Djourou. „Heiko hat muskuläre Probleme, Rene Hüftprobleme und Johan Ärger mit dem rechten Oberschenkel“, so Slomka, ehe er teilweise Entwarnung gab: „Es handelt sich bei Rene und Heiko aber um Vorsichtsmaßnahmen. Das ist eher unproblematisch. Wir wollen nichts unnötig riskieren. Einzig bei Johan müssen wir abwarten, was die Röntgenaufnahmen uns zeigen. Es scheint nicht zu schlimm zu seien, allerdings wollen wir die Ergebnisse der Untersuchung abwarten.“

Ilicevic soll gegen Stuttgart Sala ersetzen ****ERGÄNZUNG: Adler war bereits heute zum Medizincheck im UKE****

27. Februar 2012

***ERGÄNZUNG: HSV-Trainer Thorsten Fink wollte sich heute uns gegenüber nicht äußern, als er um 14 Uhr auf Rene Adler angesprochen wurde. Bis es vermeldbare Neuigkeiten gibt, schweige er, so der Trainer. Was Fink verschwieg: Parallel zu seinem Interview absolvierte Adler im Universitätsklinikum Eppendorf seinen Medizincheck. Dieser beinhaltet auch Blutuntersuchungen. Und da die Ergebnisse dieser Proben frühestens heute ausgewertet sein werden, gilt der aufwendige, mehrstündige Medizincheck bislang noch nicht als bestanden.

Dabei ist alles vorbereitet. Zumindest fast alles. Für Mittwochabend wurde intern bereits eine Aufsichtsratssitzung anberaumt, in der zunächst nur über den Transfer von Adler gesprochen werden soll. Einige Aufsichtsräte sind ob der langen Verletztenakte Adlers vorsichtig geworden und fühlen sich bislang von Sportchef Frank Arnesen nur unzureichend über den bevorstehenden Millionentransfer informiert. Problem hierbei: Frank Arnesen ist von heute bis voraussichtlich Donnerstag unterwegs, will sich am Mittwochabend in Malaga das Länderspiel Spaniens gegen Venezuela ansehen. Für eine endgültige Entscheidung müsste Arnesen demnach telefonisch zugeschaltet werden (ob das den Kontrolleuren reicht, wage ich zu bezweifeln) oder gar früher nach Hamburg zurückreisen. Wohl auch deshalb hieß es von HSV-Seiten heute, dass nicht vor Ende der Woche mit der finalen Unterschrift Adlers gerechnet wird.****

Plötzlich war er wieder da. Und kaum einer bekam es anfänglich mit. Denn Jacopo Sala sollte eigentlich heute Abend für die U21 Italiens in Cannes gegen Frankreich sein Länderspielcomeback feiern, wurde jedoch in letzter Sekunde von seinem Nationaltrainer Ciro Ferrara ausgeladen und war überraschend schnell wieder zurück in Hamburg. Für HSV-Trainer Thorsten Fink kam die neue Situation sogar etwas zu schnell. Denn während der HSV-Trainer in unserer Presserunde gegen 14 Uhr noch verkündete, dass er für das Wochenende mit Ivo Ilicevic statt Jacopo Sala in der Startelf plane, weil dieser beim Länderspiel zu viel Kraft lassen könnte, twitterte Sala lustig via Internet, dass er bereits wieder in Hamburg sei und zum Training fahren würde.

Dennoch, Fink wäre nicht er selbst, würde er zu seiner Entscheidung plötzlich nicht mehr stehen. Und deshalb bestätigte seine Ankündigung auch in dem Moment als er erfuhr, dass Sala in Hamburg bleiben und die ganze Woche über mit der Mannschaft trainieren würde. Zumal die Entscheidung im wesentlichen einen sportlichen Hintergrund hat: Fink will im Heimspiel gegen den ehemaligen HSV-Trainer Bruno Labbadia offensiver auftreten als zuletzt, um endlich auch in der eigenen Arena so zu überzeugen wie zuletzt zumeist auswärts. „Unsere Heimspiele waren bislang nicht überzeugend“, gibt Fink zu, „aber da müssen wir hinkommen. Nur mit einem Sieg gegen Stuttgart ist der Punktgewinn in Mönchengladbach auch wirklich was wert.“ Was genau? „Das sehen wir dann. Zumindest aber sind es dann vier Punkte aus zwei Spielen, die uns wieder etwas mehr nach oben als nach unten blicken lassen würden.“

Dennoch, und auch das betonte Fink, der Wechsel vom defensivstärkeren Sala zum Offensivspieler Ilicevic sei nicht mit einem unkontrollierten Angriffsfußball verbunden. „Jacopo arbeitet defensiv sehr gut, hat dort Vorteile und ordentliche Leistungen gezeigt. Daran muss sich auch Ivo messen lassen. Aber von Ivo erwarte ich mir mehr Ideen nach vorn, einen offensiveren Auftritt unserer Mannschaft. Und das brauchen wir gegen Stuttgart, gerade auch in einem Heimspiel“, so Fink, der den zuletzt kaum berücksichtigen kroatischen Nationalspieler für dessen Verhalten ausdrücklich lobt: „Damit honoriere ich auch, dass Ivo immer ruhig geblieben ist und im Training gute Leistungen gezeigt hat.“

Und das stimmt. Ilicevic wirkte nie so, als würde er maulen. Im Gegenteil, von Einheit zu Einheit wirkte der 25-Jährige aggressiver und entschlossener, sich seine Startelfposition zurück zu holen. „Ich habe keine Wahl“, hatte Ilicevic zuletzt gesagt, „ich kann mich nur über gute Trainingsleistungen aufdrängen. Und das versuche ich. Mit allen erlaubten Mitteln.“ Dass er dabei wegen einer vermeintlichen Fehlentscheidung des Trainerteams bei einem Abschlussspiel im Training den Ball mit voller Wucht gen Aushilfsschiedsrichter feuerte – nicht mehr und nicht weniger ein Zeichen für den quasi überbordenden Ehrgeiz des Rechtsfußes.

Denn für Ilicevic wäre es erst die dritte Startelfnominierung seit seinem Wechsel aus Kaiserslautern nach Hamburg vor sechs Monaten. Zunächst warf ihn die Vier-Spiele-Sperre, die er aus Kaiserslautern mitgebracht hatte, aus dem Rennen. Und anschließend musste der dribbelstarke Offensivmann wegen verschiedener Muskelverletzung immer wieder passen. So auch nach seiner guten Wintervorbereitung. Pünktlich zum Rückrundenauftakt plagten Ilicevic Wadenprobleme. Der Kroate musste gegen Dortmund passen und Sala nutzte seine Chance. „So ist Fußball“, sagte Ilicevic, der mit seiner Reservistenrolle deutlich mehr zu kämpfen hatte, als er zugeben mochte, damals. „Ich werde meine Chance kriegen“ hatte der Rechtsfuß zuletzt vor dem Auswärtsspiel in Mönchengladbach gesagt – jetzt soll es soweit sein. Allerdings erhält der Kroate eine Chance mit Auflagen vom Trainer: „Ivo soll offensiv entscheidend sein, muss aber auch defensiv arbeiten.“ Zudem soll der 25-Jährige seinen Mannschaftskollegen Dennis Aogo unterstützen, der zuletzt alle Standards ausführen musste. Und das erledigte der Linksfuß mehr schlecht denn recht. „Ich werde Ivo im Training testen“, so Fink, „vielleicht kann er auch bei Standards eine Option sein.“

Allerdings wollte es sich Fink nicht nehmen lassen, den letzten aktuellen deutschen Nationalspieler ausdrücklich zu loben. Man merkt dem HSV-Trainer immer wieder an, dass er großen Wert auf mündige Spieler setzt. Zumindest auf die, die ihren Worten in seinen Augen auch Taten folgen lassen. „Dennis ist der zweite Mann auf links hinter Philipp Lahm – das ist schon mal nicht schlecht. Und er hat keine großen Schwankungen. Es gibt Spieler, die überragen heute und versagen morgen. Dennis schafft es, seinen Level auf einem schönen Niveau zu halten. Das gefällt mir und lässt ihn immer mehr unter der Rubrik ‚Führungsspieler’ laufen.“

Am Sonnabend gegen Stuttgart trifft Aogo auf einen der vielleicht formstärksten Offensivspieler aktuell: Martin Harnik. Der Österreicher, der beim SC Vier- und Marschlande in der Jugend brillierte und dem HSV vor der Nase von Werder Bremen weggeschnappt wurde, erzielte in den letzten vier Spielen sieben Treffer. Insgesamt bringt es der 24-Jährige bereits auf 13 Treffer und sechs Torvorbereitungen. Dennoch ist Fink nicht bange. Im Gegenteil: „Dennis hat am Freitag in Mönchengladbach sehr, sehr gut gegen Marco Reus ausgesehen. Und der ist im Moment wohl das Beste, was es in Deutschland auf der Position gibt. Harnik ist ein ähnlicher Spielertyp, seine Laufwege gleichen denen von Reus. Deshalb wird Dennis das schon lösen.“

Fink versteht es, seine Spieler für sich zu gewinnen. Mit der Ilicevic-Beförderung setzt der HSV-Coach seinen erfolgreichen Weg, auch die nicht berücksichtigten Spieler bei Laune zu halten, fort. Zuletzt hatte er david Jarolim, Heung Min Son und auch Slobodan Rajkovic über Monate bei Laune halten müssen, nachdem dieser wegen seiner harten Roten Karte gegen Kaiserslautern den Stammplatz an Jeffrey Bruma verloren hatte. Heute wiederum muss er den Niederländer bei Laune halten, weil sich Rajkovic festgespielt hat. Oder etwa nicht? „In der Innenverteidigung kann auch noch was passieren“, sagt Fink. Immerhin habe Rajkovic in dieser Woche ein Kurzturnier mit seiner serbischen Nationalmannschaft zu spielen und er wüsste noch nicht, wie fit sein Verteidiger zurückkäme. Dafür wolle er das machen, was er mit am besten beherrscht: „Ich werde mit dem Spieler reden und dann entscheiden.“ verrät der HSV-Trainer. Das würde er gerade mit denen machen müssen, die „gerade nicht spielen“.

Dazu zählt aus zweierlei Gründen Jaroslav Drobny nicht. Zum einen spielt der Tscheche, zum anderen sieht Fink bei dem viel diskutierten Torwart dafür keine Bedarf. Und das, obwohl heute noch mal bestätigt wurde, dass der Adler-Transfer über die Bühne gehen wird – einen ordentlichen Medizincheck vorausgesetzt. „Jaroslav bringt seine Leistung. Er macht auf mich nicht den Anschein, besondere Gespräche zu brauchen. Ich bin voll zufrieden mit ihm.“ Und obwohl auch Fink den Adler-Transfer einplant, wollte er sich heute noch nicht äußern. „Ich weiß, dass er ein sehr guter Torwart ist, die Nummer zwei in der Nationalelf war. Mehr kann ich nicht dazu sagen. Das mache ich, wenn der Spieler tatsächlich zu uns wechseln sollte.“

Voraussichtlich sollte auch das schnell gehen können, da der Medizincheck Adlers für Mittwoch angesetzt wurde.

Eine Rückkehr ins Mannschaftstraining feierte heute Gökhan Töre. Gut sechs Wochen nach seiner Knie-Operation absolvierte er den Waldlauf mit der Mannschaft und soll auch am Dienstag und für den Rest der Woche mit der Mannschaft trainieren. Allerdings noch ein wenig eingeschränkt. „Gökhan werde ich immer wieder mal rausnehmen, wir bauen ihn behutsam auf. Er ist halt ein sensibles, wertvolles Rennpferd“, scherzte Fink, der sich immer mehr über die Auftritte seiner jungen Talente freuen darf. Nach Töre, Rajkovic, Sala, Lam, mit Abstrichen Mancienne und zuletzt Tolgay Arslan hat er gleich sechs junge Akteure am Start. Dazu gesellen sich noch der etwas bundesligaerfahrenere Heung Min Son und ab Sommer Maximilian Beister. Da ist sich Fink sicher: „Der Junge spielt ab Sommer bei uns, basta. Wie ich das verstanden habe, ziehen sich die Verhandlungen auch nicht, sondern die Verlängerung ist nur noch Formsache.“ Bis 2016 soll der an Düsseldorf verliehene Offensivmann unterschreiben – und das möglichst bald.

In diesem Sinne, der HSV geht seinen Weg unbeirrt weiter. Hin zu jungen Spielern. Und das macht er immer besser, wie ich finde.

Bis morgen!
Scholle

Und zum Schluss noch ein paar ausgewählte Beiträge von Euch, die sehr lesenwert sind. Viel Spaß all denjenigen, die sie noch nicht kennen.

Von Erhard Werthwein:

Hallo Dieter,
bin seit 55 Jahren HSVer. (Jahrgang 1946). Ich wurde durch ein Heftchen zum HSVer. Mein Bruder bekam diese Heftchen(so eine Art Stadionzeitung) und ich las diese. Die waren so faszinierend geschrieben, dass man nicht mehr davon los kam bis zum letzten Buchstaben. Habe mal bei einer Museumsführung danach gefragt, aber leider wusste man nichts davon.
Da war ein Artikel über ³Uns Uwe¹s² Vater Erwin zu lesen, wie er mit gebrochenem Fuß das Spiel zu Ende spielte. Vielleicht weiß Uwe oder die „Alte Garde“ noch von diesen Heften.
Auch das wäre interessant für’s Museum. Vielleicht auch Horst N. vom heutigen Blog. Vielleicht hat noch jemand so ‘nen alten Schinken auf’m Dachboden.
Wäre schön, wenn ich mal im Museum drin stöbern könnte. Ich kann leider nicht zu jedem Heimspiel in HH sein, wohne zwischen Stuttgart und Karlsruhe und sehe daher nur 1-2 Heimspiele p. Saison. Wie jetzt zum Spiel gegen meine Landsleute werde ich live dabei sein. Möchte mich für deine fachlich korrekte Blogs ganz herzlich bedanken. Man merkt ganz einfach, dass du schon aktiver Fußballer warst, das Spiel als
aktiver und nicht nur als „Fan und normaler Zuschauer“ das Spiel anschaust.

Von „altona“:

Dieter: Ich begrüße ganz außerordentlich, in welchem Stil hier im Blogüber Jaro und Drobny von Dir (und Scholle) berichtet wird. Seien wir doch ehrlich. Bei Jaro, Drobny und auch Petric stehen die Zeichen auf
Trennung. Wenn wir dafür Granit Xhaka (bitte Herr Kühne, schauen Sie sich doch noch einmal einige Basel-DVDs an, die Scouting-Abteilung ist sicher behilflich) , Rene Adler und Maxi Beister (zurück-) bekommen, kann ich gut damit leben. Allerdings haben Drobny und Jaro fast immer ihre Leistung gebracht, Petric einige wichtige, entscheidende Tore gemacht. Deswegen finde ich es super,wenn diese Spieler (sollten sie denn den Verein tatsächlich verlassen), bis dahin mit Anstand behandelt werden. Wir wollen ja nicht werden wie die Plastik-Clubs aus Leverkusen und Hoffenheim. Gott bewahre. Die Insider-Informationen über den sich anbahnenden Adler-Transfer sollen jaaus Leverkusen gekommen sein? Was machen denn einige Aufsichtsräte in Leverkusen? Gab es dort eine Werksbesichtigung mit anschließendem Champagner-Abend ?

Von slobocop:

troche, pit, torun, ben-hatira, elia kriegen auch in ihren neuen vereinen
nichts bis gar nichts gebacken, seitdem man sie abgegeben hat. dazu kommen die ausgemusterten alten herren ruud, joris, rost und zé, bei denen der lack nun endgültig ab ist. frank arnesen hat also alles richtig gemacht. wenn man diesen weg im sommer konsequent weiterverfolgt, muss man sich auch von petric, jansen, aogo, kacar, berg und tesche trennen. auch bei diesen spielern wartet man seit jahren darauf, dass endlich mal der knoten platzt. da dies aber faktisch unter diversen trainern nicht passiert ist, kann es wohl nur an den spielern selber liegen. sie sind halt einfach nur mittelmaß, auch wenn sie in unzähligen interviews immer wieder das gegenteil suggerieren wollen. mit jarolim und der ankündigung petric nicht mehr kohle zahlen zu wollen, hat man schon die ersten signale gesetzt. dazu die wahrscheinliche modernisierung auf der torwartposition. jetzt nur nicht nachlassen und den eingeschlagenen weg konsequent zu ende gehen. arslan, bruma, sala, diekmeier, son, lam, besic, töre, mancienne, skjelbred, rajkovic, rincon, ilicevic, beister, dazu adler, guerrero und westermann (wenn er seine klöpse endlich abstellt, er kann es ja) als erfahrene hört sich doch gar nicht mal schlecht an. es fehlen ein guter lv, ein spielstarker sechser (besser wären zwei) und ein laufstarker und schneller stürmer. mit den gehaltseinsparungen und kühne als sponsor sollte das ohne weiteres möglich sein. den rest macht dann thorsten fink. mit brauchbarem spielermaterial kann der mann garantiert einiges ausrichten.

Das perfekte Fußballwochenende – Arnesen trifft Stevens

24. September 2011

So, Leute, heute stimmt nicht nur das Wetter. Auch meine Laune ist noch immer super. Und das trotz einer 1:5-Niederlage meiner Niendorfer gegen starke Buchholzer. Aber das gestrige Spiel hat seine Nachwirkung nicht verfehlt, im Gegenteil: Ich komme trotz eines leichten Katers (der Sieg wurde gefeiert) gar nicht aus dem Lächeln raus. Wenn ich an den Lam denke, wie der gestern aufgezogen hat – genau so erhofft man sich junge Nachwuchstalente. Dazu noch das Ergebnis, das gedrehte Spiel, der erste Sieg, einen Dreier am Freitag und vor allem die starke zweite Halbzeit, die uns die Wochenendspiele entspannt von außen verfolgen lässt – genau so stelle ich mir das perfekte Fußballwochenende vor.

Dazu kommt, dass ich heute mit dem voraussichtlich kommenden Trainer gesprochen habe: Huub Stevens. Der Niederländer wird heute sein erstes persönliches Gespräch mit Frank Arnesen führen, der dafür extra in die Niederlande gereist ist. „Wir werden uns am Wochenende treffen“, verriet Stevens, „aber klar ist auch, dass noch nichts klar ist. Ich war schon ein wenig überrascht, wie offensiv am Freitag mein Engagement verkündet wurde. Nicht, dass ich mir das nicht vorstellen kann, im Gegenteil. Aber geklärt ist eben noch nichts.“

Wird es aber. Beide Seiten wollen miteinander arbeiten und an den Finanzen dürfte der Deal nicht scheitern, zumal Arnesen die Ablösesumme, die er bereit war zu zahlen, bei Stevens spart. „Es gibt aber noch andere Dinge, die stimmen müssen“, sagt Stevens und spricht die Perspektive an. „Die Organisation muss eine gemeinsame Richtung haben. Es muss klar sein, was der Verein will.“ Das ist es. Der Verein plant den Umbruch unverändert weiter. Allerdings mit Spielen wie gegen Stuttgart. Mit Mut, Selbstvertrauen und dem Wissen, gewinnen zu können. „Das Spiel war in der ersten Halbzeit nicht gut“, sagt Stevens, lobt dann aber: „In der zweiten Halbzeit war dann zu sehen, was es ausmacht, wenn die Mannschaft mutig ist und ihr Potenzial abruft. Das sah richtig gut aus. So ist was drin.“

Und auch Stevens hatte neben einer starken Defensive in der zweiten Halbzeit einen Mann besonders auf dem Schirm: Zhi Gin Lam. „Der Junge war sensationell. Von der ersten Minute an mutig und frech. Das hat beim Zugucken richtig Spaß gemacht.“ Und wer glaubt, mit Stevens würde der Umbruch beendet, der irrt. „Nur mit jungen Spielern geht es natürlich nicht. Das war nie anders. Aber wenn ich mir die zweite Halbzeit anschaue, wie ein Töre und natürlich Lam aufgezogen haben, weil sie mutig waren, dann muss ich sagen: so geht das. So kannst Du was erreichen.“

Worte, die ehrlich klangen. Und nach einer Menge Enthusiasmus für die voraussichtlich neue Aufgabe. Und Worte, die mich daran glauben lassen, dass die Konstellation Stevens/HSV passt.

Womit ich allerdings eines nicht vernachlässigen will: meinen Respekt für Rodolfo Cardoso, der mit seinen Bauchentscheidungen gestern richtig lag. Und, endlich habe ich einen HSV gesehen, der in der zweiten Halbzeit besser und nicht unsicherer wurde. Cardoso scheint die richtigen Worte gefunden zu haben. Insbesondere Tesche/Rincon wurden besser. Nein, sie steigerten sich um 100 Prozent. Dazu lieferten Bruma ein blitzsauberes Comeback ab und die Einwechselspieler erfüllten ihren Zweck. Guerrero machte die Bälle sicher, hielt sie in den eigenen Reihen. Dazu spielte Castelen befreit auf und empfahl sich für mehr. Gleiches muss man über Westermann als Rechtsverteidiger sagen.

Womit ich einen Fehler mache. Ich darf nach dem Spiel eigentlich keine einzelnen Spieler hervorheben, da die Mannschaft in der zweiten Halbzeit kollektiv gut spielte. Auch Drobny überzeigte kurz vor Schluss mit einer starken Parade. Und ich habe es gestern schon geschrieben: ich hoffe, dass der Tscheche, der sich definitiv zu viele Gedanken macht, damit gefangen hat. Ich hoffe, dass er endlich wieder an sich glaubt und zu dem Rückhalt wird, den diese Mannschaft zwingend braucht. Im Verbund mit den immer besser werdenden Innenverteidigern (egal ob Bruma, Rajkovic oder Westermann) kann das was werden.

In diesem Sinne, heute etwas kürzer, dafür umso freudiger der Blog. Ich muss mich jetzt um das Einzige kümmern, was jeden HSV-Sieg mit links in den Schatten stellt: meinen Lütten, Tom. Der gehört zum perfekten Fußballwochenende zwingend dazu…

Euch viel Spaß beim entspannten Schauen der restlichen acht Bundesligaspiele.

Scholle (15.47 Uhr)

Was will Petric uns sagen?

10. September 2010

Weiter geht’s, zurück in den normalen Bundesligarhythmus. Endlich. Bevor ich noch einmal zum Thema/Fall Mladen Petric komme, möchte ich Euch kurz erklären, warum die Heimspielstätte des HSV auch morgen gegen den 1. FC Nürnberg noch ohne Schriftzug oder Buchstaben auf dem Dach sein wird. Entgegen anders lautender Meldungen (die auch ich leider verbreitet habe) sollen die ersten Buchstaben in der kommenden Woche montiert werden. Anfang dieser Woche war zu viel Wind, da wurden nur Vorkehrungen und Vorbereitungen getroffen. Jetzt liegen die fertig zusammengebauten Buchstaben im gesicherten Bereich des Stadions und werden nächste Woche in luftige Höhen gehievt, um den „oben ohne“-Zustand endlich zu beenden.

So, nun zu wichtigeren Themen. Ich kann mir gut vorstellen, dass den meisten von Euch heute der Kragen geplatzt ist, als Ihr die Tageszeitungen oder auch die aktuellen Internetbeiträge zum Fall Mladen Petric gelesen habt. Und soll ich Euch mal etwas sagen? Mir ging und geht es genauso. Allerdings muss ich, nachdem ich mir den O-Ton von Armin Veh von der gestrigen Pressekonferenz eben noch einmal im Original angeschaut habe (Videoclip hier), natürlich anmerken, dass sich der Trainer durchaus eine Hintertür offen gehalten hat. Er hat Petric nicht voreilig für das Duell gegen den FCN aus dem Kader gestrichen, sondern die Wahrscheinlichkeit betont, dass der Kroate nicht dabei sein würde.

Aber das ist ja auch eigentlich gar nicht der Aufreger, jedenfalls nicht bei mir. Ich finde die Aussage von Petric nach dem Gespräch mit Sportchef Bastian Reinhardt – Zitat: „Ich werde mich weiter wie bisher professionell verhalten, meine Leistung bringen. Ich bleibe aber dabei, dass nicht alles korrekt abläuft.“ – alles andere als professionell und clever formuliert. Nachdem ich diesen Kommentar von ihm gelesen habe, musste ich mir zwangsläufig zwei Fragen stellen: 1. Ist Petric nach wie vor beleidigt, dass er nicht wechseln durfte? Muss er deshalb immer das letzte Wort haben? 2. Will Petric seine Lage beim HSV bewusst verschlechtern, um im Winter auch ganz sicher den Verein wechseln zu können?

Ich weiß, ich weiß, einige von Euch werden nun wieder argumentieren, dass da ja wirklich etwas schief gelaufen sein muss auf der Kommunikationsebene. Petric deutet ja auch immer wieder an, dass er hier zum Verein zurückkehren musste, der ihn eigentlich loswerden wollte. Aber Ross und Reiter hat er dabei nie genannt. Zum Wohle des Vereins, könnte man meinen. Aber wenn ihm daran wirklich viel gelegen sein sollte, dann würde er diese Thematik jetzt nicht zum wiederholten Male derartig schwammig anmerken, sondern mal Klartext reden, intern und extern. Und dann wäre es gut oder eben auch nicht. Aber mit dieser Art der Andeutungen wie „nicht alles korrekt abläuft“ verursacht der Torjäger mehr Unruhe und Raum für Spekulationen, als es der HSV im sportlichen Bereich gebrauchen kann. Und bei diesem Weg der Konfliktbewältigung handelt es sich gerade bei Petric bestimmt nicht um Äußerungen im Affekt, denn der Stürmer ist auf abseits des Platzes meistens genauso clever wie innerhalb des Strafraums.

Denkt jetzt nicht, dass ich Petric zum Buhmann abstempeln will. Das ist ganz und gar nicht meine Absicht. Ich betone es hier und an dieser Stelle noch einmal: Ich halte ihn für einen begnadeten Stürmer, der Qualitäten mit sich bringt, die dem HSV gut zu Gesicht stehen und auf die der Verein nicht verzichten kann. Trotzdem sollte und müsste er sich einfach mal in die Lage des HSV bei der besagten Wechsel-Thematik versetzen. Egal, wie es abgelaufen ist: Nach dem Ende der Wechselfrist und der Absage an den VfB Stuttgart hat der HSV meiner Meinung nach alle notwendigen Schritte eingeleitet, um den Hausfrieden schnellstmöglich wiederherzustellen. Bernd Hoffmann hat sich mit Petrics Berater getroffen und geredet, Bastian Reinhardt hat das Gespräch mit dem Spieler direkt gesucht, und Armin Veh hat ebenfalls eine Unterhaltung mit dem Kroaten angekündigt. Das zeugt nun wahrlich nicht von Desinteresse, von Abneigung oder einer auf Disharmonie ausgerichteten Haltung der Verantwortlichen, oder?

Vielleicht bewerten wir den Fall aber auch alle über, denn wenn Petric heute Nachmittag beim späten Abschlusstraining (16 Uhr) mitwirkt und in den Kader berufen wird oder auch vorsichtshalber gestrichen wird, dann legt sich die Aufregung urplötzlich – und spätestens, wenn Petric wieder auf den Platz berufen wird (von der Bank oder direkt in die Startelf), ist sowieso wieder alles in Butter. Das Tagesgeschäft Bundesliga ist wirklich einzigartig und schnelllebig wie kaum ein anderes. Überlegt mal: Vor drei Wochen haben sich noch alle über die HSV-Angriffsabteilung mit Petric, Ruud van Nistelrooy und Paolo Guerrero gefreut, jetzt scheint es manchmal fast so, als bereite die Abteilung Attacke nur Probleme. Und diese Diskussionen überschatten fast alle anderen werthaltigen Themen und „Baustellen“.

Ich glaube übrigens, dass Trainer Veh gegen den Club erstmals in dieser Saison von Anfang an auf Piotr Trochowski setzen wird. Der Nationalspieler hat sich in den vergangenen Tagen in einer starken Trainingsform gezeigt, und er ist nach seiner Verletzung und auch nach seiner fehlenden Berücksichtigung für die Nationalmannschaft ausgeruht und strotzt vor Tatendrang. Er könnte für Überraschungseffekte gegen die defensiv zu erwartenden Nürnberger sorgen. So, das war es erst einmal. Ich melde mich heute extra früh, weil die meisten ja freitags früher von der Arbeit wegkommen und womöglich noch nach oder vor der Mittagspause ein paar News zum HSV wollen. Nach dem Abschlusstraining werde ich mich noch einmal ganz kurz melden, um Euch zu sagen, wer denn nun im Kader steht und wer nicht. Und dann gibt es im Fall Petric ja auf jeden Fall ein neues Kapitel.

11:45 Uhr

Eine echte Charakterfrage

31. August 2010

Vorhang auf zum letzten Transferakt dieser Wechselperiode. Ich hatte es vorhin ja schon einmal in Kurzversion erwähnt, nun kann ich Euch ein paar mehr Informationen geben und dem ganzen Thema eine Wertung geben. Die wichtigsten News noch einmal in Kürze zusammengefasst. David Rozehnal ist so gut wie weg, er geht zum OSC Lille nach Frankreich, wo er heute noch einen Vertrag unterzeichnen wird. Rafael van der Vaart wird nicht verpflichtet. Und Mladen Petric bleibt trotz eines Last-Minute-Angebots aus Stuttgart im Kader von Armin Veh. Änis Ben-Hatira, der für ein halbes Jahr an den FC Watford verliehen hätte werden können, bleibt ebenfalls in der Hansestadt.

Kommen wir als erstes zum heikelsten Fall: Petric. Die meisten von Euch und auch ich haben ja schon jede Menge zum Kroaten und dessen Wechselgelüsten geschrieben, denen der HSV einen Riegel vorgeschoben hat. Lasst mich ihn als Schwerpunktthema noch einmal kurz intensiv beleuchten, ehe es von mir eine Abschlussbetrachtung gibt.

Grundsätzlich ist es ja so, dass mich die Wechselabsicht des Angreifers nicht mehr überrascht hat. Erst war er Vehs Lieblingsspieler, wie beschrieben, machte sich große Hoffnungen auf den ersten Posten in vorderster Angriffsreihe, setzte auf Torerfolge und Strafraumszenen. Dann kam die Vorbereitung, in der Trainer Veh auf Ruud van Nistelrooy als einzige Spitze im Zentrum setzte mit drei hängenden dahinter, von denen Petric oft die rechte Bahn zu beackern hatte. Petric glaubte zunächst an eine Übergangssituation, „bis die WM-Fahrer zurückkehren“, doch an seiner Rolle änderte sich auch nach dem Ende der WM-Urlaubszeiten nichts. Gegenüber Veh beklagte sich Petric über seine Rolle nie, aber einige Trainings- und Testspielleistungen wirkten schon wie Demoversionen der Marke „Ich bin hier deplatziert!“.

Als Petric jetzt beim zweiten Ligaspiel in Frankfurt 90 Minuten auf der Ersatzbank schmorte, dachte ich sofort: Oha, wenn da mal nicht einer noch Wechselgelüste aufbringt. Tatsächlich war es so, dass die Berater des Kroaten laut meiner Informationen schon am Sonntag nach dem Spiel den Markt sondiert haben, obwohl Petric noch am Freitag hatte verlauten lassen: „Wir haben so viele gute Spieler für so wenige Positionen auf dem Rasen, dass man auch mit einer Reservistenrolle mal leben muss.“ Am Montag, also gestern, ging beim HSV dann offenbar eine offizielle Anfrage aus Stuttgart für den Nationalspieler ein, der sich seit Sonntag im Kreise seiner Landesauswahl aufhält. Intern soll der HSV aber schon zuvor unmissverständlich festgelegt haben: Ein Verkauf Petrics käme nur infrage, wenn es eine gleichwertige Alternative gäbe und/oder die Ablösesumme derartig hoch wäre, dass sie komplett neue Möglichkeiten eröffnet hätte. Unterm Strich sollen die Schwaben zwischen drei und vier Millionen Euro für Petric geboten haben – zu wenig, um die HSV-Bosse von ihrer Richtlinie abweichen zu lassen. Das Angebot wurde heute Vormittag abgelehnt. Petric landete nicht auf der Transferliste, soll entsprechend enttäuscht sein, und beim HSV bleibt für Trainer Veh und Sportchef Bastian Reinhardt alles beim Alten.

Soll ich Euch etwas sagen? Ich finde, dass der HSV in dieser Personalfrage alles, aber auch wirklich alles richtig gemacht hat. Natürlich kann ich Petric und seine Unzufriedenheit verstehen, aber – und das wird der Kroate eben auch nachvollziehen können – es geht nicht um Einzelschicksale, um zu verteidigende oder auszubauende Torjägerstatistiken und Marktwerte, es geht um das sportliche Wohl des HSV. Und da kann man sich als rational handelnder Vereinsboss nicht allein auf Ruud van Nistelrooy verlassen. Als Trainer schon gar nicht. Mit Petric verfügt Veh über einen mehr als tauglichen Ersatz, den er zudem auf weiteren Positionen einsetzen kann. Darum betrachte ich die Entscheidung des Vorstandes auch nicht als Entscheidung gegen Petric, sondern als Votum für den HSV.

Einige von Euch und vielleicht sogar einige meiner Kollegen werden dennoch die Hände vors Gesicht schlagen und sagen: „Oh nein, jetzt verbreitet Mladen schlechte Stimmung!“ Ich würde es eher so sagen: Jetzt steht der HSV vor der ersten Charakterfrage, und Petric ist diesbezüglich ganz besonders gefragt. Der erste Frust wird beim Vollprofi Petric schnell verzogen sein, und er wird sich spätestens in einer Woche wieder voll auf seine HSV-Aufgaben beschränken können. Ich bin mal gespannt, ob er sich bis dahin „sauber“ verhält und mit öffentlichen Frustbekundungen geizt. Wäre geil, im Sinne des HSV.

Als Trainer und Vereinsvorstand würde ich den Stürmer an seinen eigenen Worten messen. Es ist keine sechs Tage her, dass Petric im Kreis der Hamburger Journaille getönt hat, dass er lieber in einer Mannschaft mit großen Qualitäten und Konkurrenz spiele als bei einem Verein, wo er mangels gleichwertiger Alternativen gesetzt wäre. Und er hat eindeutig klar gestellt: „Ich habe noch nie gestänkert und mache das auch nicht!“

Sollte es dabei bleiben, können wir Beobachter, die Fans und auch das Trainerteam auf weitere Wochen mit personellen Luxusproblemen freuen. Zu Einsätzen kommen die betroffenen Profis in solchen Petric-Lagen (dazu zählen ja auch Piotr Trochowski, Gojko Kacar und bald auch noch Dennis Aogo) ohnehin früh genug, dafür ist auch eine Saison mit Doppelbelastung einfach zu groß.

Was die anderen Personalien betrifft, so gibt es eigentlich nicht viel zu sagen. Rozehnals Abgang war programmiert und das Beste, was dem Tschechen und dem HSV passieren konnte. Van der Vaarts Möchtegern-Verpflichtung war, wie ich aus den innersten HSV-Gremien gehört habe, eine utopische Angelegenheit mit jeder Menge Wunschdenken, weil sich der Deal nie und nimmer finanziell realisiert hätte. Und Ben-Hatiras Verbleib beim HSV, wo er nur noch bei den Amateuren in der Vierten Liga zum Einsatz kommt, wundert mich nicht wirklich. Ehrlicherweise glaube ich, dass er seinen Durchbruch im ganz großen Profifußball nicht mehr schaffen wird. Ihm täte es gut, wenn er erst einmal einen oder zwei Schritte zurückgeht und sich bei einem Verein der Zweiten oder Dritten Liga nachhaltig durchsetzt, um so vielleicht doch noch die Mini-Chance des „zweiten Weges“ zu nutzen.

16:08 Uhr

Wunschhamburger unter Schwaben

12. Juli 2010

Guten Morgen liebe Matz-abber,

nun kommen also doch keine Weltmeister zurück nach Hamburg. Trotz der Dramatik des Spiels gestern Abend und der Tatsache, dass der bayrische Seehund das Siegtor hätte machen können, denke ich, dass Spanien zu Recht Weltmeister geworden ist. Es ist beeindruckend, wie ballfertig und vielseitig diese Iberer sind. Und dass Iniesta das goldene Tor machte, passte perfekt zu seiner Galavorstellung.

Nun aber wieder zum HSV. Joris Mathijsen und Eljero Elia dürfen jetzt drei Wochen lang ihre Wunden lecken. Wenn sie beide mit der Motivation und dem Leistungspotenzial nach Hamburg zurückkehren, das sie gestern und in den Partien zuvor in Südafrika präsentiert haben, sind sie auch beim HSV unverzichtbar. Mal sehen, was in den kommenden drei Wochen passieren wird. Heute am frühen Morgen gibt es mal wieder eine Sommergeschichte, diesmal von Janno aus dem Schwabenländle:

Hallo, nach der Aufforderung, dass sich mal HSV-Jünglinge melden sollen, habe ich meine Geschichte geschrieben. Ich kommentiere das Geschehen im Blog zwar nicht, bin trotzdem ein begeisteter Leser. Im Übrigen ein großes Lob für die Seite, mir gefällt sie sehr.

Das erste Mal, als ich den HSV live im Stadion gesehen habe, habe ich eine Halbzeit lang geschlafen. Ich muss 14 Jahre alt gewesen sein und lebte wie heute noch im Süden Deutschlands, 40 Minuten von Stuttgart und dem VfB entfernt. Mein Vater, der bei einer Hamburger Firma arbeitet, hatte Besuch von einem japanischen Geschäftskollegen und zur Freizeitgestaltung drei Karten für das Spiel Stuttgart gegen Hamburg bekommen. Fußball war in meiner Pubertät zwar noch nicht das große Thema, aber trotzdem war ich sofort dabei, als es hieß, dass noch eine Karte fürs Stadion übrig war. An das Spiel an sich kann ich mich nicht mehr erinnern, zum einen, weil mich das Geschehen da unten auf dem Rasen nur mäßig interessierte und ich lieber die Menschen auf den Tribünen beobachtete, zum anderen, weil ich kurz nach dem Seitenwechsel einschlief. Das Spiel endete 0:0, der Torjubel meines Vaters, der mich hätte aufwecken können, blieb also auch aus.

Die nächsten Jahre hörte ich nicht mehr viel vom HSV. Ich stibitzte meinem Vater zwar ab und zu seine HSV-Mütze, das waren dann aber die meisten Berührungspunkte. Mit der Volljährigkeit kam dann die Saison 2008/2009. Meine Freunde und ich, die dank des UEFA-Cups einen Grund hatten, uns unter der Woche zu treffen und ordentlich Bier zu trinken, verpassten kein Donnerstagspiel. Unsere Runde bestand ausschließlich aus unverbesserlichen Bayern- oder Stuttgart-Fans, nur mich hatte der richtige Verein noch nicht gefunden. Es kamen diese unvergesslichen Wochen, in denen der HSV innerhalb kürzester Zeit viermal auf die Bremer traf und sich die Meisterschaft, Pokal und UEFA-Cup durch die Lappen gingen ließ. Dank meines Vaters vorbelastet und dadurch bestärkt, dass meine „Freunde“ in diesen Duellen fast immer für die Bremer waren, sympathisierte ich natürlich mit dem HSV. Im Rückspiel des UEFA-Cups war es dann soweit: Niederlage, ausgeschieden und das alles nur wegen dieser beschissenen Papierkugel. Innerlich aufgewühlt machte ich mich auf den Weg nach Hause. Die eine oder andere bittere Träne schlich sich dabei in meine Augen, und wenn es einen „magischen Moment“ gibt, dann war es dieser. In meiner Wohnung angekommen, bestellte ich mir sofort ein Trikot meines neuen Lieblingsvereins und diese Entscheidung habe und werde ich niemals bereuen. Vielleicht gar nicht schlecht, dass ich meinen Verein auf diese Art und Weise gefunden habe, die gehässigen „Europapokal!“-Gesänge meiner „Freunde“ jucken mich mittlerweile auch nicht mehr und wenn ich mit meinem Verein bisher hauptsächlich leiden musste (letzte Saison schon wieder im Halbfinale der Europa League), dann wird der nächste Titel bestimmt umso schöner.

Mit freundlichen Grüßen

Janno

Van Nistelrooys Premiere rückt näher

12. Februar 2010

Ich bin heute ziemlich spät dran. Entschuldigt das bitte, aber auf Hamburgs Straßen ging nicht viel, und das lag nicht nur an den paar Schneeflöckchen, die mal wieder vom Himmel rieselten. Dafür ging beim Training ja umso mehr, das hat mir mein Kollege Christian Pletz berichtet – vor allem in Sachen Spaß und Fußball. Trainer Bruno Labbadia bat seine Profis zum Duell „Alt gegen Jung“ zu seinem berühmt-berüchtigten und vor allem sehr beliebten „Ball aus der Luft“-Spiel. Für alle diejenigen, die es noch nicht kennen und auch nicht alle Kommentare zum letzten Blog-Eintrag gelesen haben, hier noch einmal schnell die Regeln und den Ablauf: Zwei Mannschaften werden eingeteilt. Diesmal eben die „Alten“ gegen die „Jungen“. Ein Junger steht im Tor (muss kein Torwart sein). Ein Alter wirft einem Alten einen Ball in ein abgestecktes Viereck etwa elf bis 15 Meter vorm Tor zu, den dieser dann per Kopfball versenken soll. Trifft er, stets 1:0 für alt. Nach seinem Versuch muss er blitzschnell umschalten und ins Tor gehen, denn dann ist der Alte Torwart, und die Jungen können ihrerseits einen Treffer erzielen. Ein Spiel endet bei zehn Toren für ein Team. Und alles geht rasend schnell, mit vielen kleinen Verbalattacken, Fehden, Kritik für den Co-Trainer und Schiedsrichter Eddy Sözer. Die Alten wurden diesmal  deklassiert. Bei fünf verschiedenen Aus-der-Luft-Varianten siegten die Jungspunde mit ihrem „Kopf“ Dennis Aogo 4:1 und ließen es sich am Ende nicht nehmen, einen Freudentanz im Kreise darzubieten. Die Alten mit einem herausragenden Schützen Ze Roberto (nur Kopfbälle lagen ihm nicht) und einem gelegentlich leicht indisponierten Torwarttrainer Claus Reitmaier (vergaß zweimal nach dem Abschluss ins Tor zu eilen) schauten bedröppelt drein.

Stimmungstechnisch geht es also durchweg positiv nach Stuttgart, und daran ändern auch die verletzungsbedingten Ausfälle von Eljero Elia und Jerome Boateng (beide Sprunggelenkprobleme) nichts. Ich bin zwar kein Mediziner, aber wenn ich Elias Auftritte der vergangenen Wochen so betrachte und sie Revue passieren lasse, dann werde ich mehr und mehr den Eindruck nicht los, als ob er in den vergangenen Wochen gelegentlich mit leicht „angezogener Handbremse“ aufgelaufen ist, weil ihn vielleicht immer noch etwas gezwickt hat im lädierten Knöchel – und er gar nicht wie gewohnt den Turbo durchstarten konnte.

Eines ist jedenfalls ganz sicher: Piotr Trochowski wird morgen von Anfang an dabei sein. Er zeigte sich in den vergangenen Tagen in guter Verfassung und war beim Abschlusstraining der Mann für die Freistöße. Ich habe Bruno Labbadia bei den Hereingaben genau beobachten lassen. Entgegen vieler anderer Trainingseinheiten hat der Trainer diesmal vor allem die Verhaltensweisen der Verteidiger, deren Stellungsspiel und Kontaktbereitschaft zum Gegner unter die Lupe genommen. Das dürften die Folgen des Köln-Spiels gewesen sein. Solche „Windeier“ will sich Labbadia nicht noch einmal einschenken lassen.

Und noch etwas finde ich bemerkenswert. Zu Beginn der Trainingseinheit, als die meisten Spieler beim Fünf-gegen-zwei oder Olé-Spiel jauchzten, unterhielt sich Labbadia bestimmt acht Minuten lang abgeschieden mit Ruud van Nistelrooy. Der Niederländer, der im Training wirklich kaum bis gar nicht auffällt (weder positiv noch negativ), zeigte dem Coach gestenreich einige seiner Vorstellungen von Anspielen im und am Strafraum. Der Trainer hörte aufmerksam zu und schien ihm auch seine Angriffsphilosophie detailliert zu erläutern.

„Bahnt sich da etwa eine Überraschung an?“, dachte ich bei mir im ersten Telefonat mit meinem Kollegen und hatte diesen Gedanken fast schon vergessen, bis van Nistelrooy im Abschluss-Spiel plötzlich neben Mladen Petric auftauchte – und Marcus Berg in der gegnerischen Mannschaft. Allerdings, das muss ich zugeben, spielten nicht Elf gegen Elf, daher kann van Nistelrooys Rolle auch nur ein weiterer Schritt zur Eingliederung gewesen sein. Denn wie soll der Niederländer zum Stammspieler werden und sein Startelf-Debüt feiern, wenn er dauerhaft neben Regionalliga-Spielern und Reservisten aufläuft und nie die Verhaltensweisen der Stammkräfte hautnah erlebt?

Weil es ja fast schon Tradition hat, werde ich mich jetzt auf eine Startformation für Stuttgart festlegen, aus Prinzip (und wider besseren Wissens) mal mit van Nistelrooy im Angriff: Rost – Demel, Rozehnal, Mathijsen, Aogo – Trochowski, Jarolim, Rincon, Jansen – Petric, van Nistelrooy. Was mir mein Gefühl für das Endergebnis sagt, ist eigentlich unerheblich. Ich weiß, dass die meisten Experten von einem weiteren Sieg des VfB ausgehen. Und ich weiß auch, dass der HSV in Stuttgart schon jede Menge richtig schlechte Partien abgeliefert hat. Aber ich weiß auch, dass die Schwaben defensiv anfällig sind. Also: 1:1.

Dass angesichts der Tabellenlage sogar ein Remis beim VfB eigentlich zu wenig wäre, um den Abstand zu den Topplatzierten nicht noch weiter wachsen zu lassen, ist mir klar. Aber wie das Phrasenschwein ja schon oft genug gehört hat (und dafür gefüttert wurde): Ist ja kein Wunschkonzert hier. Ich melde mich morgen wieder bei Euch. Schönes Wochenende schon mal im Voraus.

PS: Ich bin gestern wohlbehalten aus München zurückgekehrt.

18:25 Uhr

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