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Ilicevic soll gegen Stuttgart Sala ersetzen ****ERGÄNZUNG: Adler war bereits heute zum Medizincheck im UKE****

27. Februar 2012

***ERGÄNZUNG: HSV-Trainer Thorsten Fink wollte sich heute uns gegenüber nicht äußern, als er um 14 Uhr auf Rene Adler angesprochen wurde. Bis es vermeldbare Neuigkeiten gibt, schweige er, so der Trainer. Was Fink verschwieg: Parallel zu seinem Interview absolvierte Adler im Universitätsklinikum Eppendorf seinen Medizincheck. Dieser beinhaltet auch Blutuntersuchungen. Und da die Ergebnisse dieser Proben frühestens heute ausgewertet sein werden, gilt der aufwendige, mehrstündige Medizincheck bislang noch nicht als bestanden.

Dabei ist alles vorbereitet. Zumindest fast alles. Für Mittwochabend wurde intern bereits eine Aufsichtsratssitzung anberaumt, in der zunächst nur über den Transfer von Adler gesprochen werden soll. Einige Aufsichtsräte sind ob der langen Verletztenakte Adlers vorsichtig geworden und fühlen sich bislang von Sportchef Frank Arnesen nur unzureichend über den bevorstehenden Millionentransfer informiert. Problem hierbei: Frank Arnesen ist von heute bis voraussichtlich Donnerstag unterwegs, will sich am Mittwochabend in Malaga das Länderspiel Spaniens gegen Venezuela ansehen. Für eine endgültige Entscheidung müsste Arnesen demnach telefonisch zugeschaltet werden (ob das den Kontrolleuren reicht, wage ich zu bezweifeln) oder gar früher nach Hamburg zurückreisen. Wohl auch deshalb hieß es von HSV-Seiten heute, dass nicht vor Ende der Woche mit der finalen Unterschrift Adlers gerechnet wird.****

Plötzlich war er wieder da. Und kaum einer bekam es anfänglich mit. Denn Jacopo Sala sollte eigentlich heute Abend für die U21 Italiens in Cannes gegen Frankreich sein Länderspielcomeback feiern, wurde jedoch in letzter Sekunde von seinem Nationaltrainer Ciro Ferrara ausgeladen und war überraschend schnell wieder zurück in Hamburg. Für HSV-Trainer Thorsten Fink kam die neue Situation sogar etwas zu schnell. Denn während der HSV-Trainer in unserer Presserunde gegen 14 Uhr noch verkündete, dass er für das Wochenende mit Ivo Ilicevic statt Jacopo Sala in der Startelf plane, weil dieser beim Länderspiel zu viel Kraft lassen könnte, twitterte Sala lustig via Internet, dass er bereits wieder in Hamburg sei und zum Training fahren würde.

Dennoch, Fink wäre nicht er selbst, würde er zu seiner Entscheidung plötzlich nicht mehr stehen. Und deshalb bestätigte seine Ankündigung auch in dem Moment als er erfuhr, dass Sala in Hamburg bleiben und die ganze Woche über mit der Mannschaft trainieren würde. Zumal die Entscheidung im wesentlichen einen sportlichen Hintergrund hat: Fink will im Heimspiel gegen den ehemaligen HSV-Trainer Bruno Labbadia offensiver auftreten als zuletzt, um endlich auch in der eigenen Arena so zu überzeugen wie zuletzt zumeist auswärts. „Unsere Heimspiele waren bislang nicht überzeugend“, gibt Fink zu, „aber da müssen wir hinkommen. Nur mit einem Sieg gegen Stuttgart ist der Punktgewinn in Mönchengladbach auch wirklich was wert.“ Was genau? „Das sehen wir dann. Zumindest aber sind es dann vier Punkte aus zwei Spielen, die uns wieder etwas mehr nach oben als nach unten blicken lassen würden.“

Dennoch, und auch das betonte Fink, der Wechsel vom defensivstärkeren Sala zum Offensivspieler Ilicevic sei nicht mit einem unkontrollierten Angriffsfußball verbunden. „Jacopo arbeitet defensiv sehr gut, hat dort Vorteile und ordentliche Leistungen gezeigt. Daran muss sich auch Ivo messen lassen. Aber von Ivo erwarte ich mir mehr Ideen nach vorn, einen offensiveren Auftritt unserer Mannschaft. Und das brauchen wir gegen Stuttgart, gerade auch in einem Heimspiel“, so Fink, der den zuletzt kaum berücksichtigen kroatischen Nationalspieler für dessen Verhalten ausdrücklich lobt: „Damit honoriere ich auch, dass Ivo immer ruhig geblieben ist und im Training gute Leistungen gezeigt hat.“

Und das stimmt. Ilicevic wirkte nie so, als würde er maulen. Im Gegenteil, von Einheit zu Einheit wirkte der 25-Jährige aggressiver und entschlossener, sich seine Startelfposition zurück zu holen. „Ich habe keine Wahl“, hatte Ilicevic zuletzt gesagt, „ich kann mich nur über gute Trainingsleistungen aufdrängen. Und das versuche ich. Mit allen erlaubten Mitteln.“ Dass er dabei wegen einer vermeintlichen Fehlentscheidung des Trainerteams bei einem Abschlussspiel im Training den Ball mit voller Wucht gen Aushilfsschiedsrichter feuerte – nicht mehr und nicht weniger ein Zeichen für den quasi überbordenden Ehrgeiz des Rechtsfußes.

Denn für Ilicevic wäre es erst die dritte Startelfnominierung seit seinem Wechsel aus Kaiserslautern nach Hamburg vor sechs Monaten. Zunächst warf ihn die Vier-Spiele-Sperre, die er aus Kaiserslautern mitgebracht hatte, aus dem Rennen. Und anschließend musste der dribbelstarke Offensivmann wegen verschiedener Muskelverletzung immer wieder passen. So auch nach seiner guten Wintervorbereitung. Pünktlich zum Rückrundenauftakt plagten Ilicevic Wadenprobleme. Der Kroate musste gegen Dortmund passen und Sala nutzte seine Chance. „So ist Fußball“, sagte Ilicevic, der mit seiner Reservistenrolle deutlich mehr zu kämpfen hatte, als er zugeben mochte, damals. „Ich werde meine Chance kriegen“ hatte der Rechtsfuß zuletzt vor dem Auswärtsspiel in Mönchengladbach gesagt – jetzt soll es soweit sein. Allerdings erhält der Kroate eine Chance mit Auflagen vom Trainer: „Ivo soll offensiv entscheidend sein, muss aber auch defensiv arbeiten.“ Zudem soll der 25-Jährige seinen Mannschaftskollegen Dennis Aogo unterstützen, der zuletzt alle Standards ausführen musste. Und das erledigte der Linksfuß mehr schlecht denn recht. „Ich werde Ivo im Training testen“, so Fink, „vielleicht kann er auch bei Standards eine Option sein.“

Allerdings wollte es sich Fink nicht nehmen lassen, den letzten aktuellen deutschen Nationalspieler ausdrücklich zu loben. Man merkt dem HSV-Trainer immer wieder an, dass er großen Wert auf mündige Spieler setzt. Zumindest auf die, die ihren Worten in seinen Augen auch Taten folgen lassen. „Dennis ist der zweite Mann auf links hinter Philipp Lahm – das ist schon mal nicht schlecht. Und er hat keine großen Schwankungen. Es gibt Spieler, die überragen heute und versagen morgen. Dennis schafft es, seinen Level auf einem schönen Niveau zu halten. Das gefällt mir und lässt ihn immer mehr unter der Rubrik ‚Führungsspieler’ laufen.“

Am Sonnabend gegen Stuttgart trifft Aogo auf einen der vielleicht formstärksten Offensivspieler aktuell: Martin Harnik. Der Österreicher, der beim SC Vier- und Marschlande in der Jugend brillierte und dem HSV vor der Nase von Werder Bremen weggeschnappt wurde, erzielte in den letzten vier Spielen sieben Treffer. Insgesamt bringt es der 24-Jährige bereits auf 13 Treffer und sechs Torvorbereitungen. Dennoch ist Fink nicht bange. Im Gegenteil: „Dennis hat am Freitag in Mönchengladbach sehr, sehr gut gegen Marco Reus ausgesehen. Und der ist im Moment wohl das Beste, was es in Deutschland auf der Position gibt. Harnik ist ein ähnlicher Spielertyp, seine Laufwege gleichen denen von Reus. Deshalb wird Dennis das schon lösen.“

Fink versteht es, seine Spieler für sich zu gewinnen. Mit der Ilicevic-Beförderung setzt der HSV-Coach seinen erfolgreichen Weg, auch die nicht berücksichtigten Spieler bei Laune zu halten, fort. Zuletzt hatte er david Jarolim, Heung Min Son und auch Slobodan Rajkovic über Monate bei Laune halten müssen, nachdem dieser wegen seiner harten Roten Karte gegen Kaiserslautern den Stammplatz an Jeffrey Bruma verloren hatte. Heute wiederum muss er den Niederländer bei Laune halten, weil sich Rajkovic festgespielt hat. Oder etwa nicht? „In der Innenverteidigung kann auch noch was passieren“, sagt Fink. Immerhin habe Rajkovic in dieser Woche ein Kurzturnier mit seiner serbischen Nationalmannschaft zu spielen und er wüsste noch nicht, wie fit sein Verteidiger zurückkäme. Dafür wolle er das machen, was er mit am besten beherrscht: „Ich werde mit dem Spieler reden und dann entscheiden.“ verrät der HSV-Trainer. Das würde er gerade mit denen machen müssen, die „gerade nicht spielen“.

Dazu zählt aus zweierlei Gründen Jaroslav Drobny nicht. Zum einen spielt der Tscheche, zum anderen sieht Fink bei dem viel diskutierten Torwart dafür keine Bedarf. Und das, obwohl heute noch mal bestätigt wurde, dass der Adler-Transfer über die Bühne gehen wird – einen ordentlichen Medizincheck vorausgesetzt. „Jaroslav bringt seine Leistung. Er macht auf mich nicht den Anschein, besondere Gespräche zu brauchen. Ich bin voll zufrieden mit ihm.“ Und obwohl auch Fink den Adler-Transfer einplant, wollte er sich heute noch nicht äußern. „Ich weiß, dass er ein sehr guter Torwart ist, die Nummer zwei in der Nationalelf war. Mehr kann ich nicht dazu sagen. Das mache ich, wenn der Spieler tatsächlich zu uns wechseln sollte.“

Voraussichtlich sollte auch das schnell gehen können, da der Medizincheck Adlers für Mittwoch angesetzt wurde.

Eine Rückkehr ins Mannschaftstraining feierte heute Gökhan Töre. Gut sechs Wochen nach seiner Knie-Operation absolvierte er den Waldlauf mit der Mannschaft und soll auch am Dienstag und für den Rest der Woche mit der Mannschaft trainieren. Allerdings noch ein wenig eingeschränkt. „Gökhan werde ich immer wieder mal rausnehmen, wir bauen ihn behutsam auf. Er ist halt ein sensibles, wertvolles Rennpferd“, scherzte Fink, der sich immer mehr über die Auftritte seiner jungen Talente freuen darf. Nach Töre, Rajkovic, Sala, Lam, mit Abstrichen Mancienne und zuletzt Tolgay Arslan hat er gleich sechs junge Akteure am Start. Dazu gesellen sich noch der etwas bundesligaerfahrenere Heung Min Son und ab Sommer Maximilian Beister. Da ist sich Fink sicher: „Der Junge spielt ab Sommer bei uns, basta. Wie ich das verstanden habe, ziehen sich die Verhandlungen auch nicht, sondern die Verlängerung ist nur noch Formsache.“ Bis 2016 soll der an Düsseldorf verliehene Offensivmann unterschreiben – und das möglichst bald.

In diesem Sinne, der HSV geht seinen Weg unbeirrt weiter. Hin zu jungen Spielern. Und das macht er immer besser, wie ich finde.

Bis morgen!
Scholle

Und zum Schluss noch ein paar ausgewählte Beiträge von Euch, die sehr lesenwert sind. Viel Spaß all denjenigen, die sie noch nicht kennen.

Von Erhard Werthwein:

Hallo Dieter,
bin seit 55 Jahren HSVer. (Jahrgang 1946). Ich wurde durch ein Heftchen zum HSVer. Mein Bruder bekam diese Heftchen(so eine Art Stadionzeitung) und ich las diese. Die waren so faszinierend geschrieben, dass man nicht mehr davon los kam bis zum letzten Buchstaben. Habe mal bei einer Museumsführung danach gefragt, aber leider wusste man nichts davon.
Da war ein Artikel über ³Uns Uwe¹s² Vater Erwin zu lesen, wie er mit gebrochenem Fuß das Spiel zu Ende spielte. Vielleicht weiß Uwe oder die „Alte Garde“ noch von diesen Heften.
Auch das wäre interessant für’s Museum. Vielleicht auch Horst N. vom heutigen Blog. Vielleicht hat noch jemand so ‘nen alten Schinken auf’m Dachboden.
Wäre schön, wenn ich mal im Museum drin stöbern könnte. Ich kann leider nicht zu jedem Heimspiel in HH sein, wohne zwischen Stuttgart und Karlsruhe und sehe daher nur 1-2 Heimspiele p. Saison. Wie jetzt zum Spiel gegen meine Landsleute werde ich live dabei sein. Möchte mich für deine fachlich korrekte Blogs ganz herzlich bedanken. Man merkt ganz einfach, dass du schon aktiver Fußballer warst, das Spiel als
aktiver und nicht nur als „Fan und normaler Zuschauer“ das Spiel anschaust.

Von „altona“:

Dieter: Ich begrüße ganz außerordentlich, in welchem Stil hier im Blogüber Jaro und Drobny von Dir (und Scholle) berichtet wird. Seien wir doch ehrlich. Bei Jaro, Drobny und auch Petric stehen die Zeichen auf
Trennung. Wenn wir dafür Granit Xhaka (bitte Herr Kühne, schauen Sie sich doch noch einmal einige Basel-DVDs an, die Scouting-Abteilung ist sicher behilflich) , Rene Adler und Maxi Beister (zurück-) bekommen, kann ich gut damit leben. Allerdings haben Drobny und Jaro fast immer ihre Leistung gebracht, Petric einige wichtige, entscheidende Tore gemacht. Deswegen finde ich es super,wenn diese Spieler (sollten sie denn den Verein tatsächlich verlassen), bis dahin mit Anstand behandelt werden. Wir wollen ja nicht werden wie die Plastik-Clubs aus Leverkusen und Hoffenheim. Gott bewahre. Die Insider-Informationen über den sich anbahnenden Adler-Transfer sollen jaaus Leverkusen gekommen sein? Was machen denn einige Aufsichtsräte in Leverkusen? Gab es dort eine Werksbesichtigung mit anschließendem Champagner-Abend ?

Von slobocop:

troche, pit, torun, ben-hatira, elia kriegen auch in ihren neuen vereinen
nichts bis gar nichts gebacken, seitdem man sie abgegeben hat. dazu kommen die ausgemusterten alten herren ruud, joris, rost und zé, bei denen der lack nun endgültig ab ist. frank arnesen hat also alles richtig gemacht. wenn man diesen weg im sommer konsequent weiterverfolgt, muss man sich auch von petric, jansen, aogo, kacar, berg und tesche trennen. auch bei diesen spielern wartet man seit jahren darauf, dass endlich mal der knoten platzt. da dies aber faktisch unter diversen trainern nicht passiert ist, kann es wohl nur an den spielern selber liegen. sie sind halt einfach nur mittelmaß, auch wenn sie in unzähligen interviews immer wieder das gegenteil suggerieren wollen. mit jarolim und der ankündigung petric nicht mehr kohle zahlen zu wollen, hat man schon die ersten signale gesetzt. dazu die wahrscheinliche modernisierung auf der torwartposition. jetzt nur nicht nachlassen und den eingeschlagenen weg konsequent zu ende gehen. arslan, bruma, sala, diekmeier, son, lam, besic, töre, mancienne, skjelbred, rajkovic, rincon, ilicevic, beister, dazu adler, guerrero und westermann (wenn er seine klöpse endlich abstellt, er kann es ja) als erfahrene hört sich doch gar nicht mal schlecht an. es fehlen ein guter lv, ein spielstarker sechser (besser wären zwei) und ein laufstarker und schneller stürmer. mit den gehaltseinsparungen und kühne als sponsor sollte das ohne weiteres möglich sein. den rest macht dann thorsten fink. mit brauchbarem spielermaterial kann der mann garantiert einiges ausrichten.

Das perfekte Fußballwochenende – Arnesen trifft Stevens

24. September 2011

So, Leute, heute stimmt nicht nur das Wetter. Auch meine Laune ist noch immer super. Und das trotz einer 1:5-Niederlage meiner Niendorfer gegen starke Buchholzer. Aber das gestrige Spiel hat seine Nachwirkung nicht verfehlt, im Gegenteil: Ich komme trotz eines leichten Katers (der Sieg wurde gefeiert) gar nicht aus dem Lächeln raus. Wenn ich an den Lam denke, wie der gestern aufgezogen hat – genau so erhofft man sich junge Nachwuchstalente. Dazu noch das Ergebnis, das gedrehte Spiel, der erste Sieg, einen Dreier am Freitag und vor allem die starke zweite Halbzeit, die uns die Wochenendspiele entspannt von außen verfolgen lässt – genau so stelle ich mir das perfekte Fußballwochenende vor.

Dazu kommt, dass ich heute mit dem voraussichtlich kommenden Trainer gesprochen habe: Huub Stevens. Der Niederländer wird heute sein erstes persönliches Gespräch mit Frank Arnesen führen, der dafür extra in die Niederlande gereist ist. „Wir werden uns am Wochenende treffen“, verriet Stevens, „aber klar ist auch, dass noch nichts klar ist. Ich war schon ein wenig überrascht, wie offensiv am Freitag mein Engagement verkündet wurde. Nicht, dass ich mir das nicht vorstellen kann, im Gegenteil. Aber geklärt ist eben noch nichts.“

Wird es aber. Beide Seiten wollen miteinander arbeiten und an den Finanzen dürfte der Deal nicht scheitern, zumal Arnesen die Ablösesumme, die er bereit war zu zahlen, bei Stevens spart. „Es gibt aber noch andere Dinge, die stimmen müssen“, sagt Stevens und spricht die Perspektive an. „Die Organisation muss eine gemeinsame Richtung haben. Es muss klar sein, was der Verein will.“ Das ist es. Der Verein plant den Umbruch unverändert weiter. Allerdings mit Spielen wie gegen Stuttgart. Mit Mut, Selbstvertrauen und dem Wissen, gewinnen zu können. „Das Spiel war in der ersten Halbzeit nicht gut“, sagt Stevens, lobt dann aber: „In der zweiten Halbzeit war dann zu sehen, was es ausmacht, wenn die Mannschaft mutig ist und ihr Potenzial abruft. Das sah richtig gut aus. So ist was drin.“

Und auch Stevens hatte neben einer starken Defensive in der zweiten Halbzeit einen Mann besonders auf dem Schirm: Zhi Gin Lam. „Der Junge war sensationell. Von der ersten Minute an mutig und frech. Das hat beim Zugucken richtig Spaß gemacht.“ Und wer glaubt, mit Stevens würde der Umbruch beendet, der irrt. „Nur mit jungen Spielern geht es natürlich nicht. Das war nie anders. Aber wenn ich mir die zweite Halbzeit anschaue, wie ein Töre und natürlich Lam aufgezogen haben, weil sie mutig waren, dann muss ich sagen: so geht das. So kannst Du was erreichen.“

Worte, die ehrlich klangen. Und nach einer Menge Enthusiasmus für die voraussichtlich neue Aufgabe. Und Worte, die mich daran glauben lassen, dass die Konstellation Stevens/HSV passt.

Womit ich allerdings eines nicht vernachlässigen will: meinen Respekt für Rodolfo Cardoso, der mit seinen Bauchentscheidungen gestern richtig lag. Und, endlich habe ich einen HSV gesehen, der in der zweiten Halbzeit besser und nicht unsicherer wurde. Cardoso scheint die richtigen Worte gefunden zu haben. Insbesondere Tesche/Rincon wurden besser. Nein, sie steigerten sich um 100 Prozent. Dazu lieferten Bruma ein blitzsauberes Comeback ab und die Einwechselspieler erfüllten ihren Zweck. Guerrero machte die Bälle sicher, hielt sie in den eigenen Reihen. Dazu spielte Castelen befreit auf und empfahl sich für mehr. Gleiches muss man über Westermann als Rechtsverteidiger sagen.

Womit ich einen Fehler mache. Ich darf nach dem Spiel eigentlich keine einzelnen Spieler hervorheben, da die Mannschaft in der zweiten Halbzeit kollektiv gut spielte. Auch Drobny überzeigte kurz vor Schluss mit einer starken Parade. Und ich habe es gestern schon geschrieben: ich hoffe, dass der Tscheche, der sich definitiv zu viele Gedanken macht, damit gefangen hat. Ich hoffe, dass er endlich wieder an sich glaubt und zu dem Rückhalt wird, den diese Mannschaft zwingend braucht. Im Verbund mit den immer besser werdenden Innenverteidigern (egal ob Bruma, Rajkovic oder Westermann) kann das was werden.

In diesem Sinne, heute etwas kürzer, dafür umso freudiger der Blog. Ich muss mich jetzt um das Einzige kümmern, was jeden HSV-Sieg mit links in den Schatten stellt: meinen Lütten, Tom. Der gehört zum perfekten Fußballwochenende zwingend dazu…

Euch viel Spaß beim entspannten Schauen der restlichen acht Bundesligaspiele.

Scholle (15.47 Uhr)

Was will Petric uns sagen?

10. September 2010

Weiter geht’s, zurück in den normalen Bundesligarhythmus. Endlich. Bevor ich noch einmal zum Thema/Fall Mladen Petric komme, möchte ich Euch kurz erklären, warum die Heimspielstätte des HSV auch morgen gegen den 1. FC Nürnberg noch ohne Schriftzug oder Buchstaben auf dem Dach sein wird. Entgegen anders lautender Meldungen (die auch ich leider verbreitet habe) sollen die ersten Buchstaben in der kommenden Woche montiert werden. Anfang dieser Woche war zu viel Wind, da wurden nur Vorkehrungen und Vorbereitungen getroffen. Jetzt liegen die fertig zusammengebauten Buchstaben im gesicherten Bereich des Stadions und werden nächste Woche in luftige Höhen gehievt, um den „oben ohne“-Zustand endlich zu beenden.

So, nun zu wichtigeren Themen. Ich kann mir gut vorstellen, dass den meisten von Euch heute der Kragen geplatzt ist, als Ihr die Tageszeitungen oder auch die aktuellen Internetbeiträge zum Fall Mladen Petric gelesen habt. Und soll ich Euch mal etwas sagen? Mir ging und geht es genauso. Allerdings muss ich, nachdem ich mir den O-Ton von Armin Veh von der gestrigen Pressekonferenz eben noch einmal im Original angeschaut habe (Videoclip hier), natürlich anmerken, dass sich der Trainer durchaus eine Hintertür offen gehalten hat. Er hat Petric nicht voreilig für das Duell gegen den FCN aus dem Kader gestrichen, sondern die Wahrscheinlichkeit betont, dass der Kroate nicht dabei sein würde.

Aber das ist ja auch eigentlich gar nicht der Aufreger, jedenfalls nicht bei mir. Ich finde die Aussage von Petric nach dem Gespräch mit Sportchef Bastian Reinhardt – Zitat: „Ich werde mich weiter wie bisher professionell verhalten, meine Leistung bringen. Ich bleibe aber dabei, dass nicht alles korrekt abläuft.“ – alles andere als professionell und clever formuliert. Nachdem ich diesen Kommentar von ihm gelesen habe, musste ich mir zwangsläufig zwei Fragen stellen: 1. Ist Petric nach wie vor beleidigt, dass er nicht wechseln durfte? Muss er deshalb immer das letzte Wort haben? 2. Will Petric seine Lage beim HSV bewusst verschlechtern, um im Winter auch ganz sicher den Verein wechseln zu können?

Ich weiß, ich weiß, einige von Euch werden nun wieder argumentieren, dass da ja wirklich etwas schief gelaufen sein muss auf der Kommunikationsebene. Petric deutet ja auch immer wieder an, dass er hier zum Verein zurückkehren musste, der ihn eigentlich loswerden wollte. Aber Ross und Reiter hat er dabei nie genannt. Zum Wohle des Vereins, könnte man meinen. Aber wenn ihm daran wirklich viel gelegen sein sollte, dann würde er diese Thematik jetzt nicht zum wiederholten Male derartig schwammig anmerken, sondern mal Klartext reden, intern und extern. Und dann wäre es gut oder eben auch nicht. Aber mit dieser Art der Andeutungen wie „nicht alles korrekt abläuft“ verursacht der Torjäger mehr Unruhe und Raum für Spekulationen, als es der HSV im sportlichen Bereich gebrauchen kann. Und bei diesem Weg der Konfliktbewältigung handelt es sich gerade bei Petric bestimmt nicht um Äußerungen im Affekt, denn der Stürmer ist auf abseits des Platzes meistens genauso clever wie innerhalb des Strafraums.

Denkt jetzt nicht, dass ich Petric zum Buhmann abstempeln will. Das ist ganz und gar nicht meine Absicht. Ich betone es hier und an dieser Stelle noch einmal: Ich halte ihn für einen begnadeten Stürmer, der Qualitäten mit sich bringt, die dem HSV gut zu Gesicht stehen und auf die der Verein nicht verzichten kann. Trotzdem sollte und müsste er sich einfach mal in die Lage des HSV bei der besagten Wechsel-Thematik versetzen. Egal, wie es abgelaufen ist: Nach dem Ende der Wechselfrist und der Absage an den VfB Stuttgart hat der HSV meiner Meinung nach alle notwendigen Schritte eingeleitet, um den Hausfrieden schnellstmöglich wiederherzustellen. Bernd Hoffmann hat sich mit Petrics Berater getroffen und geredet, Bastian Reinhardt hat das Gespräch mit dem Spieler direkt gesucht, und Armin Veh hat ebenfalls eine Unterhaltung mit dem Kroaten angekündigt. Das zeugt nun wahrlich nicht von Desinteresse, von Abneigung oder einer auf Disharmonie ausgerichteten Haltung der Verantwortlichen, oder?

Vielleicht bewerten wir den Fall aber auch alle über, denn wenn Petric heute Nachmittag beim späten Abschlusstraining (16 Uhr) mitwirkt und in den Kader berufen wird oder auch vorsichtshalber gestrichen wird, dann legt sich die Aufregung urplötzlich – und spätestens, wenn Petric wieder auf den Platz berufen wird (von der Bank oder direkt in die Startelf), ist sowieso wieder alles in Butter. Das Tagesgeschäft Bundesliga ist wirklich einzigartig und schnelllebig wie kaum ein anderes. Überlegt mal: Vor drei Wochen haben sich noch alle über die HSV-Angriffsabteilung mit Petric, Ruud van Nistelrooy und Paolo Guerrero gefreut, jetzt scheint es manchmal fast so, als bereite die Abteilung Attacke nur Probleme. Und diese Diskussionen überschatten fast alle anderen werthaltigen Themen und „Baustellen“.

Ich glaube übrigens, dass Trainer Veh gegen den Club erstmals in dieser Saison von Anfang an auf Piotr Trochowski setzen wird. Der Nationalspieler hat sich in den vergangenen Tagen in einer starken Trainingsform gezeigt, und er ist nach seiner Verletzung und auch nach seiner fehlenden Berücksichtigung für die Nationalmannschaft ausgeruht und strotzt vor Tatendrang. Er könnte für Überraschungseffekte gegen die defensiv zu erwartenden Nürnberger sorgen. So, das war es erst einmal. Ich melde mich heute extra früh, weil die meisten ja freitags früher von der Arbeit wegkommen und womöglich noch nach oder vor der Mittagspause ein paar News zum HSV wollen. Nach dem Abschlusstraining werde ich mich noch einmal ganz kurz melden, um Euch zu sagen, wer denn nun im Kader steht und wer nicht. Und dann gibt es im Fall Petric ja auf jeden Fall ein neues Kapitel.

11:45 Uhr

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