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“Siegen oder untergehen”

7. Mai 2015

Christian Streich, der am Spielfeldrand in aller Regelmäßigkeit ausflippt, versucht sich in Ruhe. Bei der heutigen Pressekonferenz war der Trainer des SC Freiburg darum bemüht, seiner Mannschaft die Bedenken zu nehmen, nachdem er auf die gute Verfassung des HSV angesprochen worden war. Der HSV hätte zweifellos eine gute Phase und zwei Spiele gewonnen, die man vom Spielverlauf her nicht gewinnen musste – aber eben gewonnen hat. Es sei aber nur ein Punkt Unterschied, so Streich beruhigend, ehe er wieder ganz der Alte wurde und martialisch ankündigte: „Insofern gibt es nur zwei Wege. Entweder wir zeigen es allen – oder wir gehen in Hamburg unter.“

Ich bin für Letztgenanntes.

Und der HSV auch. Beim heutigen Abschlusstraining legte Bruno Labbadia erneut großen Wert auf das positionelle Verschieben, schnelles Umschalten mit Abschlüssen und Standards. Und während die Mannschaft bei der Generalprobe für den ausverkauften Abstiegskrimi gegen Freiburg in den 1:1-Situationen in aller Regelmäßigkeit kläglich am jeweiligen Keeper scheiterte (Ausnahme Holtby gegen Brunst), wurden die Standards gefährlicher. Angesichts noch nicht eines einzigen Treffers per durch eine Standardsituation (es sei denn Kacars Treffer wird so gewertet…) wird das auch Zeit.

Nicht zum Kader gehören wird erneut Julian Green, der einen Teil des Abschlussspiels sogar allein mit dem Fitnesstrainer arbeiten musste. “Wandschießen“ stand auf dem Programm. Statt des Leihspielers vom FC Bayern, der schon jetzt das Prädikat „Missverständnis“ hat, rückte Maximilian Beister für den verletzten Nicolai Müller in den Kader. Beister spielte im Abschlussspiel durchgehend im B-Team. Ebenso wie Petr Jiracek, der im Falle eines Ausfalls von Rafael van der Vaart nachrücken würde – wonach es heute nicht unbedingt aussah. Der Kapitän schonte sich zwar in einigen Phasen, trainierte aber voll mit. Vor van der Vaart, der wenig überraschend neben Gojko Kacar auf der Doppelsechs agierte, wirkte Lewis Holtby – noch ein wenig übereifrig. Der Linksfuß mit der Pferdelunge lief viel – aber war selten zu sehen. Außer einmal beim 1:1 gegen Brunst. Stattdessen wirkte Zoltan Stieber (spielte rechts für Müller) frisch. Insgesamt, das kann man festhalten, sah es heute nicht so aus, als würde einer der Spieler verkrampfen.

Erneut nicht auf dem Platz und offenbar auf dem Weg zum leisen Abschied war Valon Behrami. Der umstrittene Schweizer mit den Knie- und Oberschenkelproblemen pausiert ebenso wie Ivo Ilicevic, der den HSV am Saisonende definitiv verlassen wird. Ein Schicksal, das Behrami auch nach der Saison mit Ilicevic teilen könnte, sofern sich ein Interessent für ihn findet. Aber warten wir es ab. Aktuell sind auch Spieler plötzlich wieder Hoffnungsträger, die man schon mehrfach verkaufen wollte. Vor allem spielt es aktuell eine untergeordnete Rolle…

Wichtig ist nur, was die Mannschaft morgen auf den Platz bringt. Und vor allem, was dabei herauskommt. Denn so übertrieben dramatisch Streichs Worte auch zunächst klingen mögen, sie entbehren nicht jeder Grundlage. Denn für die Breisgauer könnte eine Niederlage wohl schon vorentscheidend sein, angesichts des Restprogrammes, das unten wie folgt aussieht:

13. Hertha BSC 34 Punkte
(A) Borussia Dortmund
(H) Eintracht Frankfurt
(A) 1899 Hoffenheim

14. Hamburger SV 31 Punkte
(H) SC Freiburg
(A) VfB Stuttgart
(H) Schalke 04

15. SC Paderborn 31 Punkte
(H) VfL Wolfsburg
(A) Schalke 04
(H) VfB Stuttgart

16. SC Freiburg 30 Punkte
(A) Hamburger SV
(H) Bayern München
(A) Hannover 96

17. Hannover 96 30 Punkte
(H) Werder Bremen
(A) FC Augsburg
(H) SC Freiburg

18. VfB Stuttgart 27 Punkte
(H) FSV Mainz 05
(H) Hamburger SV
(A) SC Paderborn

Und obwohl der FC Bayern derzeit sein eigenes Delta durchläuft, dürfte ein Sieg eher unwahrscheinlich sein. Der Druck auf Freiburg ist entsprechend – und Streichs Worte tatsächlich so zu nehmen, wie er sie gesagt hat. Die Breisgauer werden morgen Abend in der Imtech-Arena um ihre letzte Chance spielen – und der HSV wird mit allem Verfügbaren gegenhalten müssen, wenn er das erste Mal seit Ewigkeiten (ich glaube 2008/2009) wieder einen dritten Sieg in Folge einfahren will. „Morgen werdet ihr keine Sekunde mehr Zeit haben – im Gegenteil“, mahnte Labbadia heute. Nicht zu Unrecht.

Adler – Westermann, Djourou, Rajkovic, Ostrzolek – van der Vaart (Jiracek), Kacar – Stieber, Holtby, Olic – Lasogga. So sah die A-Elf heute aus. Und geht man nach den letzten Wochen – dann wird sie so nicht bleiben. Denn eigentlich jedes Mal änderte Labbadia die A-Elf noch einmal über Nacht und überraschte seine Spieler. Ob er es auch diesmal macht? Viele Möglichkeiten bleiben eigentlich nicht. Dass er in der Viererkette etwas ändert halte ich für ebenso ausgeschlossen wie auf der Torwart- und der Sechserposition. Einzig Holtby und noch etwas mehr Stieber bieten die Möglichkeit auf einen Wechsel – und darauf, Beister einen Kaltstart hinlegen zu lassen. Allerdings glaube ich nicht daran. Ich glaube, dass Labbadia der Mannschaft aus Mainz (mit Stieber für Müller) eine erneute Chance geben wird.

„Es ist auch wirklich komplett Banane, wer da morgen aufläuft“, sagte mir Dennis Diekmeier gestern. Wobei es schon ganz gut ist, dass zumindest er nicht dabei ist. Immerhin hat er bislang noch nie gegen Freiburg gewinnen können… Aber im Ernst: Ich glaube, dass Diekmeier nicht mehr der Einzige ist, der so denkt. Auch ein Marcell Jansen, der sich sicherlich gern intensiver von den HSV-Fans verabschieden würde, stößt in das selbe Horn. „Die Mannschaft hat erkannt, worum es geht“, sagt Labbadia – und ich hoffe, er hat Recht. Ich hoffe, dass die Mannschaft auch nach zwei Siegen in Folge und der trügerischen Tabellenplatzierung den Blick dafür hat, dass es gegen Freiburg (sorry!) ein „Alles-oder-Nichts-Spiel“ wird. Und zwar nicht nur für die Gäste. Denn klar ist: So sehr ein Sieg dem HSV helfen würde, so verheerende könnte eine Niederlage sein. Ein echtes Finale eben….

Ich freue mich darauf. Ebenso wie auf die Matz-ab-Sendung im Anschluss für die wir extra einen Glücksbringer verpflichten konnten. In diesem Sinne, alle Mann an Bord!

Bis morgen,
Scholle

P.S.: Sollte van der Vaart doch noch ausfallen, dürfte Jiracek reinrücken – was übrigens gar nicht soooo schlecht wäre. Immerhin erzielte der Tscheche in seiner Bundesligakarriere erst einen einzigen Doppelpack – und zwar gegen den SC Freiburg. An einem Freitagabend… ;-))

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