Archiv für das Tag 'Strauß'

Sportchefposse, Teil zwei? Aufsichtsrat beurlaubt Arnesen!

22. Mai 2013

Und täglich grüßt das Murmeltier… Wenn es nicht so tragisch wäre, es wäre schon fast wieder komisch. Allerdings offenbart die Sportchef-Posse, die es schon jetzt wieder einmal ist, die Problematik des HSV in vollen Umfängen. Mal wieder wird ein im Geschäft nicht unüblicher Vorgang frühzeitig bekannt und dadurch problematisch – es sagen wie Andreas Rettig sogar schon Kandidaten ab, bevor es offizielle Verhandlungsmandate gibt. Nur, um eines klarzustellen: Der Vorgang findet bundesweit bei fast allen Proficlubs in ähnlicher Form statt. Sogar fast genau so, wie jetzt beim HSV. Der wesentliche Unterschied dabei: Bei den meisten Clubs wird das nicht bekannt, bevor Tatsachen geschaffen werden. Selbst die Entlassung Arnesens wurde vermeldet, bevor der Auflösungsvertrag unterschrieben wurde.

Warum wieder alles bekannt wurde?

Weil schon gremienintern nichts geheim bleibt. Das oberste Vereinsgremium schafft es nicht, geschlossen ein Projekt zu verfolgen. Auch, weil der Personalausschuss (Ertel, Strauß, Meier, Westphalen) eigenmächtig Verhandlungen aufgenommen hatte und die anderen sich übergangenen fühlen. Allerdings, und damit komme ich zum banalen Kern des Kernproblems: wenn die anderen Räte den HSV an erster Stelle hätten, würden sie intern rügen und nach außen ruhig sein – zum Wohle der Sportchefsuche, zum Wohle des HSV. Denn alle wissen, dass das Bekanntwerden Kandidaten die aktuelle Verhandlungsposition des HSV mit möglichen Zugängen schwächt, Spieler abschreckt und die Suche nach einem neuen Sportchef massiv erschwert. Aber leider können einige der elf Räte ihr Ego einfach nicht hinter das Vereinswohl hintenanstellen. Und das kann böse auf den HSV zurückfallen – wenn sie nicht schnell den neuen Mann finden, der alles richtet.

Und auf dem Weg dahin musste der Aufsichtsrat einen ersten Kandidaten wieder streichen: Andreas Rettig. Der DFL-Geschäftsführer sagt ab. „Ich habe einen bis Ende 2015 laufenden Vertrag bei der DFL, den werde ich erfüllen. Das habe ich auch Liga-Präsident Rauball mitgeteilt“, ließ Rettig per Pressemitteilung verlauten. Und es ist kein Geheimnis mehr, dass Rettig der frühen öffentlichen Diskussion um seine Person vorbeugen wollte und durch das sich anbahnenden monatelange Hin und Her Schaden für sich und seinen Posten bei der DFL befürchtet hat. Zu recht.

Es ist schon bitter, dass sich beim HSV auf oberster Ebene gegenseitig Knüppel in die Beine geschmissen werden. Und ausgerechnet derjenige, der bei der letzten Sportchefsuche – damals in seiner Funktion als Journalist – die zugegebenermaßen ebenso dilettantische Sportchefsuche des HSV sinngemäß als dilettantisch bezeichnete, ist jetzt eine der Triebfedern bei der Wiederholung der Posse. Und ich kann nur hoffen, dass der HSV sich der Folgen der damaligen Sportchefposse bewusst wird – denn die führten dazu, dass der HSV heute da steht, wo er steht – und diesmal schnell einen Nachfolger präsentiert.

Wo er beim HSV steht, weiß auch Felix Magath nicht. Der hat zwar den prominentesten Namen aller bisher genannten Kandidaten, steht aber längst nicht ganz oben auf der Liste. Und das, obwohl der Aufsichtsratsvorsitzende Manfred Ertel noch immer einer facebook-Gruppe angehört, die den Arbeitstitel „Lieber Herr Magath, kommen sie nach Hause“ (https://www.facebook.com/pages/busty-kat/179834642095723#!/photo.php?fbid=374538292654598&set=a.319699004805194.71689.319662298142198&type=1&theater) hat. Dem Europapokalhelden Magath lagen zwar inoffizielle Anfragen einzelner Aufsichtsräte vor – aber das hat noch nichts zu bedeuten. Offizielle Anfragen kann es letztlich nur mit Aufsichtsratsmandat vom Personalausschuss der Kontrolleure geben. Und das war bisher nicht der Fall. Im Gegenteil, es kocht mal wieder jeder Rat sein eigenes Süppchen…

Weiterhin oben auf der Wunschliste rangiert dem Vernehmen nach durch die Absage Rettigs jetzt Jörg Schmadtke. Der ehemalige Düsseldorf-Keeper und zuletzt Sportchef von Hannover 96 gilt als schwieriger Zeitgenosse im Umgang, als Talententdecker – aber nicht als Visionär in Sachen Nachwuchsarbeit. Seine Transfers bei Hannover 96 als Basis genommen, würde ich ihm ein gutes Auge attestieren. Allerdings macht es mich ein wenig stutzig, dass sich Schmadtke aus privaten Gründen bis zu seinem Ende im April bei Hannover 96 rausgezogen hatte und immer wieder davon gesprochen hatte, auch einen kompletten Ausstieg nicht auszuschließen. Zumal er dabei immer wieder seinen Wunsch formulierte, in der Nähe seiner in Düsseldorf lebenden Familie sein zu wollen.

Aber, und da bin ich mir ganz sicher, es werden noch viele Namen öffentlich gespielt, ehe es den finalen Kandidaten gibt. Rettig – gestrichen. Magath – teuer und unwahrscheinlich. Schmadtke – sicher ein Kandidat. Ebenso wie KSC-Macher Oliver Kreuzer. Und auch Dietmar Beiersdorfer. Der wurde in den letzten Wochen immer wieder mal angerufen. Auch von Aufsichtsräten. Immerhin ist bekannt, dass Beiersdorfer seine Heimat beim HSV sieht. Und etwas mehr Identifikation mit dem HSV tut dem Klub nur gut. Zumal dann, wenn sie mit fachlicher Kompetenz verbunden ist. Aber Beiersdorfer wollte sich auf keine näheren Gespräche einlassen, solange keine Fakten geschaffen werden. Zudem müsste der Aufsichtsrat – und damit schließt sich eine Beiersdorfer-Rückholaktion eigentlich schon aus – geschlossen hinter der Verpflichtung stehen.

Das ist eine Bedingung von Beiersdorfer, der seine Lehren aus dem unrühmlichen Ende im Juni 2009 gezogen hat. Damals fühlte sich Beiersdorfer vom Aufsichtsrat im Stich gelassen. Zudem teilte Beiersdorfer den Kontrolleuren mit, dass er einen laufenden Vertrag habe (der zudem sehr gut bezahlt ist…), den er grundsätzlich einhalten wolle. Wenn er früher gehen würde, müsste er es dem Klub rechtzeitig mitteilen können. Und dieser Zeitpunkt scheint bereits verpasst zu sein. Und so bliebe Beiersdorfer am Ende einer von vielen Namen, die gehandelt wurden. Einer von vielen. Auch von einigen, die wir noch gar nicht genannt haben – aber sicher nennen werden. Weil einer immer redet.

Reden wollten auch Frank Arnesen und Heung Min Sons Berater Thies Bliemeister über einen neuen Vertrag. Das dürfte hinfällig sein. Ausgerechnet jetzt in der entscheidenden Phase – aber das hatten wir ja schon eingangs des Blogs. Auf jeden Fall aber scheint jetzt nach Tottenham und Dortmund auch Bayer Leverkusen richtig Ernst zu machen. Die Werkself ist wie der BVB an einer Verpflichtung von Bremens vom FC Chelsea ausgeliehenem Kevin de Bruyne (wie gern ich den hier sehen würde….!) interessiert, der Belgier aber tendiert zum BVB. Sollte Bayer seinen Wunschspieler nicht kriegen, soll Son die Lücke schließen. Geld genug ist vorhanden, Champions League ist erreicht – und der HSV führungslos. Wer jetzt auf Sons Verbleib wettet, dürfte gute Quoten bekommen…

Abgelehnt wurde Arnesens Vertragsentwurf für eine Verlängerung des Ersatzkeepers Jaroslav Drobny. Zu teuer, heißt es. Und: nachverhandeln! Nur, wer das macht, ist fraglicher denn je. Scheel wohl eher nicht. Also Jarchow? Oder doch Hilke, der schon beim Transfer van der Vaarts Verhandlungen übernommen hatte? Hauptsache, es macht jemand, bevor sich der/die Spieler gegen den HSV entscheiden.

Es bleibt festzuhalten: Gewonnen hat der HSV mal wieder nichts. Im Gegenteil, er verliert. Mal wieder. Viel Renommee – und viel Zeit. Viel wertvolle Zeit, um zweifellos vorhandene Mängel im Kader zu beheben. Ein kleiner Hoffnungsschimmer: Für Sonntag ist die nächste Aufsichtsratssitzung anberaumt – und es könnte schon Ergebnisse geben. Obwohl, ganz ehrlich? Es sollte unbedingt Ergebnisse geben.

Und zum Abschluss: Dass ich hier eine Petition, bei der inzwischen schon 3000 Leute für Arnesen unterschrieben haben, unerwähnt gelassen habe, hat ebenso wenig politische Hintergründe wie sportliche Relevanz für die Causa Arnesen, die am heutigen Mittwochabend vom Aufsichtsrat persönlich mit Arnesen abgeschlossen werden soll. Ich will auch den Protestmarsch am 29. Mai nicht verschweigen, wo friedlich gegen den Aufsichtsrat demonstriert werden soll, wie es heißt. Der Marsch beginnt am 29. Mai um 18.30 Uhr auf dem Parkplatz braun. Wobei beide Fakten für mich nur einmal mehr unterstreichen, dass im Moment bei diesem HSV nicht viel zusammenpasst. Nicht einmal, was zusammen gehört.

In diesem Sinne, sofern nichts Dramatisches mehr passiert – bis morgen. Da werde ich den Tag über unsere neue facebook-Seite (www.facebook.com/groups/matzab) versorgen und am Abend vom HSV aus Neuruppin berichten.

Bis dahin, Euch allen einen schönen Restmittwoch!
Scholle

Ertel: “Es ist Zeit für einen Neuanfang”

22. Januar 2013

Heute war frei. Zumindest für Trainer und Mannschaft. Allein der Vorstand sowie die elf neuen Aufsichtsräte treffen sich heute Abend in der Imtech-Arena. Dabei sollen die Vorstände den Kontrolleuren aufzeigen, wie der Stand der Dinge ist und wird. Wirtschaftlich wie sportlich eine Prognose abgebe, wobei sich finanziell durch ausbleibende Verkäufe entsprechend auch noch nicht viel verbessert hat. Zudem geht es darum, dass der Aufsichtsrat samt seiner vier neuen Mitglieder Katrin Sattelmair, Ali Eghbal, Jens Meier und Christian Strauß den Vorstand kennenlernt – und andersrum. Vorab hatte ich die Möglichkeit, mit dem neuen Vorsitzenden des Aufsichtsrates, dem 62-jährigen Spiegel-Journalist Manfred Ertel, zu sprechen. Aber lest selbst. Das erste Interview mit dem neuen Aufsichtsratsboss:

Herr Ertel, der Aufsichtsrat hat noch bis 22.15 Uhr getagt. Wie war die Nacht für Sie? Konnten Sie ganz normal einschlafen oder hat Sie die Wahl noch lange beschäftigt?
Manfred Ertel: „Ich habe tatsächlich nicht so gut geschlafen. Aber das kann ich jetzt nicht mit der Wahl in Verbindung bringen. Im Gegenteil, ich habe am Abend noch lange mit meiner Frau telefoniert, die sich sehr für mich gefreut hat.“

Allerdings kommt eine schwierige Aufgabe auf Sie zu. Der Verein steckt sportlich im Umbruch und finanziell im Minus. Der Druck des Vorstandes lastet auch auf dem Aufsichtsrat, der den Großteil der Transfers in den letzten Jahren abgesegnet hat. Warum wollten Sie das Amt trotzdem?
Ertel: „Natürlich spüre ich den neuen Druck. Aber andererseits bin ich auch kein Newcomer in derartigen herausgehobenen Positionen. Zudem freue ich mich sehr über das sehr große Vertrauen der Kollegen und die Zusammensetzung der Führung mit Jens Meier und Eckart Westphalen und Christian Strauß als Finanzausschussvorsitzenden. Wir sind ein sehr gutes Team als Gesamt-AR aber auch in den neuen „Führungspositionen“, verstehen uns auch menschlich sehr gut. Allein das nimmt schon einmal einen Teil des Drucks von mir. Sollten wir so gut weiterarbeiten wie zuletzt mit Alexander Otto und Eckart Westphalen, sind wir richtig gut. Bauen wir das noch aus, wären wir sogar sehr gut.“

Gemessen werden aber auch Sie in und nach Ihrer einjährigen Amtszeit an den Zahlen und Ergebnissen.
Ertel: „Die finanzielle Konsolidierung des Vereins ist eine wirtschaftliche Notwendigkeit, die wir mit vorantreiben wollen. Dabei müssen wir auch, so hart das klingt, den Vorstand überwachen. Das verlangt die Satzung, das müssen wir im Interesse des Vereins und unserer Mitglieder ernst nehmen. Allerdings verstehen wir diese Kontrolle so, dass wir den Vorstand unterstützen und ihm helfen, den Weg freizuräumen. Das Vertrauen in unseren Vorstand ist sehr groß, was schon die zuletzt getätigten Vertragsverlängerungen unserer Vorstände Carl Jarchow und Joachim Hilke dokumentieren. Der Aufsichtsrat will nicht mit steuern, sondern helfen und seiner satzungsgemäßen Aufgabe als Kontrollgremium nachkommen.“

Der Aufsichtsrat war zuletzt sehr auffällig – ist aber eher als Verhinderer der Entwicklungen wahrgenommen.
Ertel: „Wir haben aus den letzten Monaten, in denen der Aufsichtsrat in Teilen der Öffentlichkeit deutlich schlechter dargestellt wurde als er tatsächlich gearbeitet hat, eine wichtige Lehre ziehen können: Wir wollen vereinspolitische Debatten und Streitereien aus dem Aufsichtsrat heraushalten. Unser Ziel ist es, uns streng auf unsere satzungsgemäßen Aufgaben zu konzentrieren. Ich werde auch definitiv nicht alle vier Wochen öffentlich etwas kommentieren. Im Gegenteil. Denn wenn wir still, leise und effektiv arbeiten und möglichst weit im Hintergrund bleiben, haben wir ein wichtiges Ziel erreicht.“

Allerdings wurden auch die 6,4 Millionen Euro, die Sportchef Frank Arnesen im Winter durch Verkäufe einnehmen und einsparen muss, öffentlich. Von einem Aufsichtsrat…
Ertel: „Die Sparauflage kommt ja nicht aus der Mitte des Aufsichtsrates, sondern vom Vorstand selbst. Wir unterstützen dieses Vorhaben, von dem der Vorstand sehr überzeugt ist, ausdrücklich. Und wir warten ab, bis die Transferperiode beendet ist und ein Ergebnis vorliegt.“

Was passiert den, wenn Frank Arnesen das interne Ziel von 6,4 Millionen Euro nicht erreicht?
Ertel: „Ich halte nichts von einer „Wenn-Dann-Pädagogik“. Wir warten ab und hören uns die Schlussfolgerungen des Vorstandes ganz in Ruhe an: Wir sehen den aktuellen Stand nicht als ein halbleeres, sondern als ein halbvolles Glas.“

Die Ziele der Mannschaft sind mit den Top-Ten relativ konservativ formuliert. Marcell Jansen hingegen hat zuletzt kritisch angemerkt, dass der HSV bei seinen Investitionen höhere Ziele haben muss. Er sagte, dass es nicht angehen könne, dass Mannschaften mit deutlich geringeren Etats vor dem HSV stehen.
Ertel: „Man sollte nicht allein auf die Zahlen schauen. Ich finde es gut, dass Marcell als Führungsspieler einen Anspruch an sich selbst und seine Mitspieler formuliert. Das spricht für ihn. Ich glaube auch, dass die Mannschaft gezeigt hat, was sie kann. Mannschaft, Trainer und Vorstand sind auf einem guten Weg.“

Den hatte zuletzt auch der Aufsichtsrat unter der Führung Alexander Ottos eingeschlagen, der trotz etlicher Überredungsversuche nicht von seinem Rücktritt abzubringen war. Wie viel Otto steckt in Ihnen, was haben Sie sich bei Alexander Otto abschauen können?
Ertel: „Von Herrn Otto kann man sich einiges abgucken. Er besitzt beispielsweise eine Autorität, Gelassenheit und ein Geschick für vermittelnde Moderation bei Kontroversen, an der man sich – auch ich – orientieren kann. Sein Motto ‚Vermitteln statt Spalten’ gilt auf jeden Fall auch weiterhin, auch für mich.“

Sie werden öffentlich noch oft als Fan im Aufsichtsrat wahrgenommen. Insbesondere im Blog „Matz ab“ wurde Ihre Wahl sehr kritisch beurteilt. Wie begegnen Sie den Kritiken an Ihrer Person?
Ertel: „Es ist Zeit, jetzt mal einen Schlussstrich unter die Vergangenheit zu ziehen. Via Internet können mit großer Leichtigkeit Behauptungen aufgestellt werden. Und gegen derartige üble Nachrede im Internet und den Blogs kann ich mich schlecht bis gar nicht wehren. Aber ich kann von mir behaupten, dass ich noch immer im Einverständnis mit Leuten auseinandergegangen bin, die mir sehr kritisch begegnet sind und das Gespräch mit mir gesucht haben. Daher kann ich auch nur hoffen, dass mich meine Kritiker nicht anonym via Internet kritisieren, sondern persönlich ansprechen.“

Wie lösen Sie das Kommunikationsproblem?
Ertel: Wir werden allen anbieten, mit uns Kontakt aufzunehmen. Wir überlegen gerade, wie man das am besten umsetzen kann. Da werden wir uns in den nächsten Wochen was einfallen lassen.“

Trotz aller Widerstände haben Sie sich für das höchste Amt im HSV beworben. War Ihnen schon länger klar, irgendwann den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden bekleiden zu wollen? Oder haben Sie gezögert?
Ertel: „Ich bin in letzter Zeit von sehr vielen Leuten aus dem Verein gebeten worden, mich um das Amt zu bewerben. Ich selbst habe aber lange gezögert und mich erst am Sonntag dazu entschlossen, zu kandidieren. Meine zwei engsten Freunde und meine Frau hatten mir sogar davon abgeraten – und sich am Ende sehr mit mir gefreut. Für mich zählt jetzt, dass mir meine Kollegen im Aufsichtsrat einen riesigen Vertrauensvorschuss entgegengebracht haben.“

Das war das erste Interview mit dem neuen Aufsichtsratsboss des HSV. Und ich finde, dass Manfred Ertel entgegen der hier vorherrschenden Meinung sehr wohl einige positive Ansätze liefert. Natürlich sind es bislang auch nur Ansätze, die erst noch mit Taten belegt werden müssen. Klar! Aber so ist es am Anfang doch bei jedem. Von daher halte ich es wie immer und gebe Manfred Ertel zusammen mit seinen Stellvertretern Jens Meier, Eckart Westphalen sowie allen anderen Kontrolleuren die faire Chance, die sie verdient haben. Wer weiß, wie sich die neue Zusammensetzung des Rates auf dessen Arbeit auswirkt?

In diesem Sinne, ich hoffe, dass der Aufsichtsrat den Otto’schen Handlungsstil beibehält und ausbaut. Ich melde mich morgen wieder. Dann wieder mit Fußball, denn da wird um 10 und um 15 Uhr an der Imtech-Arena trainiert.

Euch allen einen schönen Rest-Dienstag,
Scholle

P.S.: Eljero Elia ist heute im Training in Bremen übel umgegrätscht und anschließend mit Schmerzen ins Krankenhaus eingeliefert worden. Dort allerdings gab es schnell Entwarnung: nur eine Fußprellung. Der ehemalige HSV-Profi kann somit am Sonntag bei Bremens 1:3-Niederlage gegen den HSV dabei sein. Gut so!

Da wächst ein echtes Team zusammen! Jarolim kann sich U23 vorstellen

4. Dezember 2012

***Korrektur: Summe Arslan ist nicht fünf- sondern vierstellig****

Es gibt keinen Tag Pause mehr – bis zur Winterpause, die am 16. Dezember beginnt und am 29. Dezember schon wieder für die HSV-Profis endet. Zunächst steht am Freitag Hoffenheim auf dem Plan. Lange Zeit bleibt anschließend nicht, immerhin fliegt die Mannschaft um 23 Uhr zum Testkick nach Brasilien. Ein Termin, der finanziell ebenso notwendig ist wie anstrengend. Dennoch gibt es beim HSV niemanden, den das ärgert. Zumindest nicht offiziell. Auch Heiko Westermann sagt: „Der Verein hat diesen Termin gemacht und braucht die Einnahmen. Das ist normal. Ich glaube auch, dass Brasilien eine lustige Reise wird, wenn wir das Spiel vorher gewinnen“, so der Kapitän, der zwar das erste Mal nach Brasilien reist – aber wenn es nach ihm geht, eben nicht das letzte Mal. Ob das vielleicht schon ein kleiner Test zum Kennenlernen für die WM 2014 mit ihm wird? Westermann lacht und nickt vorsichtig. Er hätte sicher nichts dagegen.

Allerdings ist es bis dahin noch ein weiter Weg. Und auch Westermann ist sich der Chance bewusst, die sich dem HSV aktuell und mal wieder bietet. Mit einem weiteren Heimsieg, dem dann dann bereits dritten in Folge, kann der HSV mal wieder zu den internationalen Plätzen aufschließen. Und anschließend in Leverkusen ist für den HSV auch etwas drin, wie Westermann sagt. „Da haben wir eigentlich immer gut ausgesehen, was zwar nichts zu sagen hat. Was mich aber optimistisch stimmt. Wir müssen unsere Hausaufgaben gegen Hoffenheim machen – und dann auf Zusatzpunkte in Leverkusen hoffen.“

Und das wird nicht leichter, nachdem in Hoffenheim Frank Kramer, der ehemalige U-23-Trainer der TSG, übernimmt. Ein dort gefeierter Jungtrainer, der mit Sicherheit Feuer hat und wie alle anderen neuen Trainer erst einmal „eine ganz andere und viel bessere Ansprache an die Mannschaft“ finden wird, wie alle ach so ehrlichen Profis der TSG formulieren werden. „Die werden jetzt alle richtig Gas geben und sich versuchen, zu empfehlen“, weiß Maxi Beister, der zu gern dabei wäre. „Vom Schmerz her würde ich sagen, es geht. Aber aus medizinischer Sicht scheint das unvernünftig.“

Wohl wahr. Nutznießer ist dafür voraussichtlich Heung Min Son, über den wir im letzten Blog ausreichend berichtet haben. Der Südkoreaner soll helfen, „genau da anzuknüpfen, wo wir gegen Schalke aufgehört haben“, wie Westermann sagt. Soll heißen: Auch gegen Hoffenheim will der HSV Pressing spielen. „Dieses Spielsystem liegt uns am besten“, sagt Westermann. „Vorne attackieren liegt uns.“ Warum dieses kraftaufwändige Spiel nicht für 90 Minuten reicht? „Keine Ahnung“, so der HSV-Kapitän, der die Frage auch nach dem Spiel in Wolfsburg stellte. „Wir sind die letzten 30 Minuten überhaupt nicht mehr in die Zweikämpfe gekommen und haben fast logischerweise den Ausgleich kassiert.“ Ob irgendwer eine Antwort hatte? Westermann verneint. „Ich habe viele gefragt, und von allen kam nur, dass sie topfit sind. Und das sind wir auch alle. Ich kann es mir nur so erklären, dass wir einfach mehr gelaufen sind.“ Und das stimmt tatsächlich. Zumindest im Spiel gegen Wolfsburg waren es 119,2 Kilometer Mannschaftslaufleistung. Und das ist ein wahrlich beachtlicher Wert. Zum Vergleich: die laufstarken Wolfsburger brachten es auf ebenfalls beachtliche 116 Kilometer (Bundesligaschnitt sind ca. 115 Kilometer/Spiel).

Insofern wird sich die Mannschaft ihre Kräfte einfach etwas besser einteilen müssen. „Vielleicht müssen wir das wirklich“, sagt Westermann, der ansonsten auch keine endgültige Lösung parat hat. Klar sei allerdings, dass der HSV weiter den hohen Aufwand betreiben wolle, um auf eine etwaige Verunsicherung des Gegners zu setzen. Das gepaart mit der Sicherheit im Defensivverbund sind die zwei Schlüssel zum Erfolg, wie Westermann sagt. „Wir stehen immer sicherer, stimmen uns immer besser ab“, sagt der Abwehrchef und lobt dabei neben den Außenverteidigern insbesondere seinen Nebenmann Michael Mancienne. „Michael wird immer sicherer. Er bekommt immer mehr Vertrauen in sich selbst. Wir sind eingespielt und der eine hält dem anderen den Rücken frei. Das ist sehr gut.“

Und fürwahr, Mancienne ist ein Spieler, für den man sich vielleicht den einen Tick mehr über dessen gute Leistungen freut. Denn der Brite zählt zu den technisch etwas limitierteren Spielern, die aber auf der Gegenseite das fehlende Talent mit unbändigem Einsatz ausgleichen. „Er ist ein absoluter Teamplayer“, schwärmt Trainer Thorsten Fink, „einer, auf den ich mich verlassen kann.“ Auch deshalb erhält Mancienne weiter den Vorzug vor dem sicher talentierteren Jeffrey Bruma, der sich in der Vergangenheit schon in Sphären wähnte, die er de facto sportlich nicht bestätigen konnte. Bruma hatte sich meines Erachtens zu oft zu sehr auf sein Talent verlassen, während sich Mancienne ob seines Einsatzes und Teamgeistes bei Fink zum Stammspieler mauserte. Wie wichtig Teamgeist aktuell ist, zeigt Westermanns Aussage: „Wir wachsen als Mannschaft immer enger zusammen. Das habe ich hier so noch nie erlebt – aber immer gehofft.“

Bestes Beispiel dafür war der gestrige Montagabend. Da lud Tolgay Arslan (für seine unnötige fünfte Gelbe im Schalke-Spiel) die Mannschaft bei „Mr. Kebap“ zum Essen ein. Und es kamen – 25 Mann. „Es war eine sehr nette Runde“, so Arslan, der am Ende einen vierstelligen Betrag zahlen musste, aber nicht verraten wollte, wie viel es letztlich genau war. „Darum geht es auch nicht“, so der Rechtsfuß, der gegen Hoffenheim wieder zur Startelf gehören wird. „Es war ein schöner Abend für uns als Mannschaft. Ich habe selten so gern eine Strafe beglichen…“

Von 18 bis 23 Uhr saß die Mannschaft in geschlossener Gesellschaft zusammen, speiste und trank. Sogar ein Discjockey wurde gestellt. Zum Vergleich: In der Saison 2010/2011 gab es einmal ein Babypinkeln in der „Bullerei“. Der Termin war lange angekündigt. Doch am Ende kamen gerade mal acht Leute, um mit ihrem Mannschaftskollegen dessen Kinderglück zu feiern. Noch schlimmer kam es, als die Mannschaft sich in derselben Saison zum Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt treffen wollte. Da kamen am Ende gerade drei Leute…

Ich habe es damals häufiger geschrieben und meine es auch heute noch ernst: Solche Abende sind enorm wichtig. Solche Abende geben der Mannschaft oft mehr als Trainingseinheiten. Das ist im kleinen Fußballbereich nicht anders als bei den Profis. Denn genau bei solchen Gelegenheiten formt sich der Zusammenhalt, der am Ende in knappen Spielen über Sieg und Niederlage entscheidet. Insofern: Chapeau, HSV! Zumal es noch deutlich mehr Teilnehmer gewesen wären, wenn die Presseabteilung nicht schon lange vorher für denselben Zeitpunkt die Weihnachtsfeier mit uns Journalisten angesetzt hätte. Dort kamen wie immer auch die Trainer, „die aber allesamt persönlich und begründet bei uns abgesagt hatten“, so Arslan über einen Abend, der mich in den von Westermann formulierten Optimismus einstimmen lässt: Da formt sich eine Mannschaft!

Form nimmt langsam auch die Liste der Kandidaten für den neuen Aufsichtsrat an. Und was lange vermutet wurde, ist jetzt amtlich: Ralf Bednarek, aktuell noch Abteilungsleiter der Supporters, tritt am 13. Januar bei der Jahreshauptversammlung zur Wahl an. Insgesamt werden vier neue Räte zu wählen sein, für die bislang acht Kandidaten feststehen. Neben Bednarek sind das Klaus Krägel, Jens Meier, Stephan F. Rebbe, Otto Rieckhoff, Christian Strauß, Peter von le Fort und Cord Wöhlke. „Ich werde zum 12. Januar meinen Vorsitz bei den Supporters abgeben und mich anschließend zur Wahl stellen“, so Rechtsanwalt Bednarek.

Womit ich das Thema Aufsichtsräte auch schnell wieder beenden will. Das wird früh genug wieder für alle wichtig, hat aber mit der sportlichen Entwicklung aktuell nichts zu tun. Im Gegenteil: denn die macht Spaß…

Spaß am Gespräch hatte heute Abend auch David Jarolim. Der traf sich mit Sportchef Frank Arnesen und sprach über seine nähere Zukunft. „Es war ein sehr gutes Gespräch“, so Jarolim, dem Arnesen nahelegte, die in den Abstiegsstrudel geratene U23 zu retten. „Ich bin froh, dass ich diesen Termin hatte“, so Jarolim, der in den nächsten Wochen abwarten will, ob sich für ihn noch etwas auf dem Transfermarkt für die Bundesliga ergibt. „Wir haben vereinbart, dass wir die nächsten Wochen noch abwarten und uns dann entscheiden“, sagt Jarolim, während Arnesen Verständnis für dessen Haltung hat: „Jaro ist ein vorbildlicher Profi mit toller Reputation – und er ist topfit. Ich kann ihn voll verstehen, dass er noch weiter als Profi spielen will.“ Sollte es sich dennoch nicht ergeben, kann sich Jarolim auch eine Rückkehr zum HSV vorstellen. Als erfahrener Dachs im jungen U23-Team. „Es ist alles vorstellbar“, so Jarolim, der heute Abend noch zurück zur Familie nach Prag fliegt. „Es ist ja auch nicht so, dass ich jedes Angebot annehmen würde. Im Gegenteil: es muss schon sehr gut passen. Ansonsten helfe ich meinem HSV.“

So, bei so viel Harmonie im sportlichen Bereich und weihnachtlicher Musik im Rücken – bevor mir die Tränen kommen verabschiede ich mich lieber für heute mit er klaren Ansage, dass der ehemalige Bremer Marko Marin beim HSV kein Thema ist. Im Anhang findet Ihr zudem noch ein nettes Gewinnspiel für eine sehr nette Veranstaltung. In diesem Sinne, bis morgen! Da wird um zehn Uhr an der Arena trainiert.

Scholle

Gewinnspiel und Ankündigung:

Am Donnerstag den 06. Dezember 2012 präsentiert das HSV-Museum den erfolgreichsten Fußballkomiker Deutschlands: Am Nikolausabend wird Ben Redelings gemeinsam mit dem bekannten HSV-Autor Axel Formeseyn auf der Bühne stehen. Ben Redelings („Ein Tor würde dem Spiel gut tun. Das ultimative Buch der Fußball-Wahrheiten“, „Der Ball ist eine Kugel. Das große Buch der Fußballbücher“, „Fußball ist nicht das Wichtigste im Leben – es ist das Einzige“ u.v.m.) und HSV-Autor Axel Formeseyn („Voll die Latte“, „Unser HSV“) werden zusammen mit Gästen und Zuhörern eine unterhaltsame Reise durch die letzten 50 Jahre Bundesliga bestreiten. Gäste sind die ehemaligen HSV-Profis Rudi Kargus und Stefan Schnoor. Beginn ist um 19.30 Uhr, Einlass ist ab 18 Uhr. Der Eintritt kostet 10 Euro inklusive eines Begrüßungsgetränks. Die Karten gibt es im HSV-Museum oder über den Merchandising-Shop der Supporters.

Oder eben hier. Denn wir verlosen zwei Tickets sowie je ein Buch „Voll die Latte“ und „50 Jahre Bundesliga“, das neue Buch von Redelings. Beantwortet einfach folgende Frage per Email bis zum 5. Dezember 2012 bis 18 Uhr an: preisfrage@abendblatt.de.

Gewinnfrage: Wer bestritt in 50 Jahren Bundesliga die meisten Bundesligaspiele für den HSV und wie viele waren es?

Die Gewinner/innen veröffentlichen wir an dieser Stelle im morgigen Blog, der um voraussichtlich 19 Uhr veröffentlicht wird. Alle Angaben sind ohne Gewähr, der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Viel Erfolg!

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