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Sportchefposse, Teil zwei? Aufsichtsrat beurlaubt Arnesen!

22. Mai 2013

Und täglich grüßt das Murmeltier… Wenn es nicht so tragisch wäre, es wäre schon fast wieder komisch. Allerdings offenbart die Sportchef-Posse, die es schon jetzt wieder einmal ist, die Problematik des HSV in vollen Umfängen. Mal wieder wird ein im Geschäft nicht unüblicher Vorgang frühzeitig bekannt und dadurch problematisch – es sagen wie Andreas Rettig sogar schon Kandidaten ab, bevor es offizielle Verhandlungsmandate gibt. Nur, um eines klarzustellen: Der Vorgang findet bundesweit bei fast allen Proficlubs in ähnlicher Form statt. Sogar fast genau so, wie jetzt beim HSV. Der wesentliche Unterschied dabei: Bei den meisten Clubs wird das nicht bekannt, bevor Tatsachen geschaffen werden. Selbst die Entlassung Arnesens wurde vermeldet, bevor der Auflösungsvertrag unterschrieben wurde.

Warum wieder alles bekannt wurde?

Weil schon gremienintern nichts geheim bleibt. Das oberste Vereinsgremium schafft es nicht, geschlossen ein Projekt zu verfolgen. Auch, weil der Personalausschuss (Ertel, Strauß, Meier, Westphalen) eigenmächtig Verhandlungen aufgenommen hatte und die anderen sich übergangenen fühlen. Allerdings, und damit komme ich zum banalen Kern des Kernproblems: wenn die anderen Räte den HSV an erster Stelle hätten, würden sie intern rügen und nach außen ruhig sein – zum Wohle der Sportchefsuche, zum Wohle des HSV. Denn alle wissen, dass das Bekanntwerden Kandidaten die aktuelle Verhandlungsposition des HSV mit möglichen Zugängen schwächt, Spieler abschreckt und die Suche nach einem neuen Sportchef massiv erschwert. Aber leider können einige der elf Räte ihr Ego einfach nicht hinter das Vereinswohl hintenanstellen. Und das kann böse auf den HSV zurückfallen – wenn sie nicht schnell den neuen Mann finden, der alles richtet.

Und auf dem Weg dahin musste der Aufsichtsrat einen ersten Kandidaten wieder streichen: Andreas Rettig. Der DFL-Geschäftsführer sagt ab. „Ich habe einen bis Ende 2015 laufenden Vertrag bei der DFL, den werde ich erfüllen. Das habe ich auch Liga-Präsident Rauball mitgeteilt“, ließ Rettig per Pressemitteilung verlauten. Und es ist kein Geheimnis mehr, dass Rettig der frühen öffentlichen Diskussion um seine Person vorbeugen wollte und durch das sich anbahnenden monatelange Hin und Her Schaden für sich und seinen Posten bei der DFL befürchtet hat. Zu recht.

Es ist schon bitter, dass sich beim HSV auf oberster Ebene gegenseitig Knüppel in die Beine geschmissen werden. Und ausgerechnet derjenige, der bei der letzten Sportchefsuche – damals in seiner Funktion als Journalist – die zugegebenermaßen ebenso dilettantische Sportchefsuche des HSV sinngemäß als dilettantisch bezeichnete, ist jetzt eine der Triebfedern bei der Wiederholung der Posse. Und ich kann nur hoffen, dass der HSV sich der Folgen der damaligen Sportchefposse bewusst wird – denn die führten dazu, dass der HSV heute da steht, wo er steht – und diesmal schnell einen Nachfolger präsentiert.

Wo er beim HSV steht, weiß auch Felix Magath nicht. Der hat zwar den prominentesten Namen aller bisher genannten Kandidaten, steht aber längst nicht ganz oben auf der Liste. Und das, obwohl der Aufsichtsratsvorsitzende Manfred Ertel noch immer einer facebook-Gruppe angehört, die den Arbeitstitel „Lieber Herr Magath, kommen sie nach Hause“ (https://www.facebook.com/pages/busty-kat/179834642095723#!/photo.php?fbid=374538292654598&set=a.319699004805194.71689.319662298142198&type=1&theater) hat. Dem Europapokalhelden Magath lagen zwar inoffizielle Anfragen einzelner Aufsichtsräte vor – aber das hat noch nichts zu bedeuten. Offizielle Anfragen kann es letztlich nur mit Aufsichtsratsmandat vom Personalausschuss der Kontrolleure geben. Und das war bisher nicht der Fall. Im Gegenteil, es kocht mal wieder jeder Rat sein eigenes Süppchen…

Weiterhin oben auf der Wunschliste rangiert dem Vernehmen nach durch die Absage Rettigs jetzt Jörg Schmadtke. Der ehemalige Düsseldorf-Keeper und zuletzt Sportchef von Hannover 96 gilt als schwieriger Zeitgenosse im Umgang, als Talententdecker – aber nicht als Visionär in Sachen Nachwuchsarbeit. Seine Transfers bei Hannover 96 als Basis genommen, würde ich ihm ein gutes Auge attestieren. Allerdings macht es mich ein wenig stutzig, dass sich Schmadtke aus privaten Gründen bis zu seinem Ende im April bei Hannover 96 rausgezogen hatte und immer wieder davon gesprochen hatte, auch einen kompletten Ausstieg nicht auszuschließen. Zumal er dabei immer wieder seinen Wunsch formulierte, in der Nähe seiner in Düsseldorf lebenden Familie sein zu wollen.

Aber, und da bin ich mir ganz sicher, es werden noch viele Namen öffentlich gespielt, ehe es den finalen Kandidaten gibt. Rettig – gestrichen. Magath – teuer und unwahrscheinlich. Schmadtke – sicher ein Kandidat. Ebenso wie KSC-Macher Oliver Kreuzer. Und auch Dietmar Beiersdorfer. Der wurde in den letzten Wochen immer wieder mal angerufen. Auch von Aufsichtsräten. Immerhin ist bekannt, dass Beiersdorfer seine Heimat beim HSV sieht. Und etwas mehr Identifikation mit dem HSV tut dem Klub nur gut. Zumal dann, wenn sie mit fachlicher Kompetenz verbunden ist. Aber Beiersdorfer wollte sich auf keine näheren Gespräche einlassen, solange keine Fakten geschaffen werden. Zudem müsste der Aufsichtsrat – und damit schließt sich eine Beiersdorfer-Rückholaktion eigentlich schon aus – geschlossen hinter der Verpflichtung stehen.

Das ist eine Bedingung von Beiersdorfer, der seine Lehren aus dem unrühmlichen Ende im Juni 2009 gezogen hat. Damals fühlte sich Beiersdorfer vom Aufsichtsrat im Stich gelassen. Zudem teilte Beiersdorfer den Kontrolleuren mit, dass er einen laufenden Vertrag habe (der zudem sehr gut bezahlt ist…), den er grundsätzlich einhalten wolle. Wenn er früher gehen würde, müsste er es dem Klub rechtzeitig mitteilen können. Und dieser Zeitpunkt scheint bereits verpasst zu sein. Und so bliebe Beiersdorfer am Ende einer von vielen Namen, die gehandelt wurden. Einer von vielen. Auch von einigen, die wir noch gar nicht genannt haben – aber sicher nennen werden. Weil einer immer redet.

Reden wollten auch Frank Arnesen und Heung Min Sons Berater Thies Bliemeister über einen neuen Vertrag. Das dürfte hinfällig sein. Ausgerechnet jetzt in der entscheidenden Phase – aber das hatten wir ja schon eingangs des Blogs. Auf jeden Fall aber scheint jetzt nach Tottenham und Dortmund auch Bayer Leverkusen richtig Ernst zu machen. Die Werkself ist wie der BVB an einer Verpflichtung von Bremens vom FC Chelsea ausgeliehenem Kevin de Bruyne (wie gern ich den hier sehen würde….!) interessiert, der Belgier aber tendiert zum BVB. Sollte Bayer seinen Wunschspieler nicht kriegen, soll Son die Lücke schließen. Geld genug ist vorhanden, Champions League ist erreicht – und der HSV führungslos. Wer jetzt auf Sons Verbleib wettet, dürfte gute Quoten bekommen…

Abgelehnt wurde Arnesens Vertragsentwurf für eine Verlängerung des Ersatzkeepers Jaroslav Drobny. Zu teuer, heißt es. Und: nachverhandeln! Nur, wer das macht, ist fraglicher denn je. Scheel wohl eher nicht. Also Jarchow? Oder doch Hilke, der schon beim Transfer van der Vaarts Verhandlungen übernommen hatte? Hauptsache, es macht jemand, bevor sich der/die Spieler gegen den HSV entscheiden.

Es bleibt festzuhalten: Gewonnen hat der HSV mal wieder nichts. Im Gegenteil, er verliert. Mal wieder. Viel Renommee – und viel Zeit. Viel wertvolle Zeit, um zweifellos vorhandene Mängel im Kader zu beheben. Ein kleiner Hoffnungsschimmer: Für Sonntag ist die nächste Aufsichtsratssitzung anberaumt – und es könnte schon Ergebnisse geben. Obwohl, ganz ehrlich? Es sollte unbedingt Ergebnisse geben.

Und zum Abschluss: Dass ich hier eine Petition, bei der inzwischen schon 3000 Leute für Arnesen unterschrieben haben, unerwähnt gelassen habe, hat ebenso wenig politische Hintergründe wie sportliche Relevanz für die Causa Arnesen, die am heutigen Mittwochabend vom Aufsichtsrat persönlich mit Arnesen abgeschlossen werden soll. Ich will auch den Protestmarsch am 29. Mai nicht verschweigen, wo friedlich gegen den Aufsichtsrat demonstriert werden soll, wie es heißt. Der Marsch beginnt am 29. Mai um 18.30 Uhr auf dem Parkplatz braun. Wobei beide Fakten für mich nur einmal mehr unterstreichen, dass im Moment bei diesem HSV nicht viel zusammenpasst. Nicht einmal, was zusammen gehört.

In diesem Sinne, sofern nichts Dramatisches mehr passiert – bis morgen. Da werde ich den Tag über unsere neue facebook-Seite (www.facebook.com/groups/matzab) versorgen und am Abend vom HSV aus Neuruppin berichten.

Bis dahin, Euch allen einen schönen Restmittwoch!
Scholle

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