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Bruma spielt keine Rolle mehr – auch nicht gegen Schalke ****HSV gewinnt 9:0 in Winsen****

23. April 2013

Bei der Planung der Testspiele hatte der Verantwortliche ganz offenbar nicht mit dem Halbfinale Bayern gegen Barca für den heutigen Tag gerechnet. Und Thorsten Fink, als ehemaliger Bayern-Profi, dürfte sich heute besonders ärgern, da der Test in Winsen zwar um 18 Uhr beginnt, die Bustour zurück jedoch höchstwahrscheinlich dazu führen wird, dass er die ersten Minute dieses hochklassigen Halbfinales verpasst. Genau wie die (Journalisten und) Anhänger des HSV, die aus Hamburg oder von noch weiter weg anreisen, um ein Spiel zu sehen, in dem nur die zweite Reihe aufgeboten wird. „Wir wollen die spielen lassen, die zuletzt nicht zum Zuge gekommen sind.“ Wobei durchaus auch wichtige Erkenntnisse zu ziehen sein dürften. Immerhin geht es für Fink noch immer um die Umbesetzung der Rechtsverteidigerposition.

In der Auswahl nicht dabei: Jeffrey Bruma. Der hat zwar vor der Saison 2011/2012 seinen Geländewagen, einen knapp 400 PS starken schwarzen Range Rover, aus England mitgebracht. Allerdings hat es Jeffrey Bruma seither beim HSV nicht auf die Überholspur geschafft. Und das, obwohl der 21-jährige Innenverteidiger noch immer als eines der größten Abwehrtalente im holländischen Fußball gilt. Ein Umstand, dem sich Jeffrey Bruma bewusst ist. Zu bewusst, wie seine Kritiker sagen. „Es muss mentale Gründe haben, weshalb sich Jeff beim HSV nie durchgesetzt hat“, sagt beispielsweise Brumas Landsmann und Ex-HSV-Trainer Huub Stevens und geht noch weiter: „Es gibt beim HSV keinen Innenverteidiger, der von den Voraussetzungen her so gut ist wie Jeff. Aber wer weiß, vielleicht hat Jeffrey es nicht verstanden, sich zu zeigen, sich zu beweisen. Dazu gehört auch der Kopf. Ich bin mir sicher, dass HSV-Trainer Thorsten Fink ein Guter ist und den Bruma, den ich mir vorstelle, nur zu gern in die Startelf gestellt hätte.“

Worte, über die sich Bruma sehr freut („Aus dem Munde eines so guten Trainers ist das ein Riesenkompliment“), die aber bei Trainer Thorsten Fink keine Wirkung mehr haben dürften. Der setzt Bruma nicht ein, tat dies auch ansonsten nicht. Oder besser: nur selten. Nach 22 Startelfeinsätzen in der ersten Saison reichte es in der aktuellen zu gerade mal zehn Spielen von Beginn an. Und auch am Sonntag auf Schalke (17.30 Uhr, Veltins-Arena) kommt kein weiteres hinzu. Fink legte sich bereits fest, am Sonntag wahrscheinlich Jacopo Sala oder vielleicht Zhi Gin Lam als Ersatz für den gelbgesperrten Dennis Diekmeier vorzuziehen. Bruma indes spielt keine Rolle in den Planungen. „Jacopo und Zhi Gin haben gut trainiert und ich muss jetzt sehen, dass ich die spielen lasse, die auch nächste Saison noch bei uns unter Vertrag stehen.“ Und das trifft auf Bruma nicht zu.
Dem wurde vor 14 Tagen (das hatten wir im Blog relativ unbeachtet exklusiv) von Sportchef Frank Arnesen mitgeteilt, dass die Kaufoption in dem am Saisonende auslaufenden Leihvertrag mit dem FC Chelsea nicht gezogen wird. Und während Frank Arnesen keinen Hehl daraus macht, dass er sich deutlich mehr von Bruma erhofft hatte, nannte er seiner Entdeckung andere Gründe: „Ich bin wohl zu teuer, der HSV will aber sparen“, sagt Bruma, der die Ehrlichkeit und den frühen Zeitpunkt der Entscheidung jedoch lobt. „Der HSV wäre eine tolle Option für mich, ich wäre sehr gern geblieben. Die Entscheidung ist hart. Aber so kann ich mich in Ruhe auf die letzten Spiele hier konzentrieren und mein Berater hat genug Zeit, mit mir für die neue Saison die beste Lösung zu finden.“
Angebote dafür gibt es bereits genug. Insbesondere aus der Heimat, wo sich fast alle großen Clubs wie Feyenoord Rotterdam, der PSV Eindhoven oder auch Ajax Amsterdam bereits beim niederländischen Staragenten Rodger Linse nach Bruma erkundigt haben. „Die Heimat ist sicher eine Option. Ich werde aber im Sommer erst mal nach London fliegen und mit Chelsea sprechen“, sagt Bruma. Voraussichtlich wird der 2014 auslaufende Vertrag um mindestens ein weiteres Jahr verliehen, um Bruma dann erneut auf Leihbasis abgeben zu dürfen.
Wirklich viel übrig hat Bruma für ein weiteres Leihgeschäft zwar nicht, aber er weiß, dass er seine anfänglich so vielversprechende Karriere langsam auf die nächste Stufe heben muss, wenn er den Anschluss nicht verpassen will. Und dafür muss er Abstriche machen. In der Bringschuld sieht er sich jedoch nur bedingt: „Ich kann mich nur in Spielen zeigen. Und genau das ist mein primäres Ziel für die kommende Saison. Wenn das der Fall ist, kann ich auch meine Leistung zeigen.“ Nicht so wie in Hamburg. Bruma: „Ich hatte mir natürlich deutlich mehr Spiele erhofft, weil ich mir sicher bin, dass ich über mehrere Spiele in Folge auch zu meiner Leistung gefunden hätte.“
Dabei wird schnell deutlich, weshalb das Engagement Brumas in Hamburg nicht weitergeführt wird. Zu unterschiedlich sind Spieler und Verantwortliche in der Beurteilung seiner Leistung. Denn während Arnesen bei Bruma stagnierende Leistungen im Training erkannt haben will und Fink immer wieder forderte, es müsse in den Trainingseinheiten „deutlich mehr von Jeff“ kommen, sieht sich dieser eher gut. „Ich trainiere sehr gern und immer mit 100 Prozent Einsatz. Ich glaube nicht, dass es an meinen Trainingsleistungen liegt.“
Konsequenz: Bruma, den der HSV im Winter noch verpflichten wollte, spielt beim HSV keine Rolle mehr. Zunächst wollte sich Fink am Dienstag gar nicht erst über Personalien äußern, die nichts mit dem Spiel auf Schalke am Sonntag zu tun haben. Dann aber sagte er: „Jeff könnte eine Rolle spielen – wenn sich in der Innenverteidigung zwei Leute verletzten.“ Soll heißen: Heiko Westermann und Michael Mancienne bleiben gesetzt, erster Ersatz ist Slobodan Rajkovic. Erst dann käme Bruma. Für den Mann, der als A-Nationalspieler kam und als U21-Nationalspieler geht, ein bitterer Abschied.
Zumal Bruma nicht mal mehr für die U23 auflaufen darf, nachdem er in mindestens 50 Prozent der Bundesligaspiele auf dem Platz stand (zehn Mal Startelf, sieben Mal eingewechselt) Wie er mit seinem Saisonende umgeht? „Gar nicht“, sagt Bruma und gibt sich kämpferisch: „Ich habe hier noch lange nicht Schluss. Ich gebe im Training weiter Vollgas und zeige allen, was ich kann.“
Worte, die den Versuch, trotz des Reservisten-Daseins vom niederländischen Nationaltrainer für die U21-EM in Israel im Sommer nominiert zu werden, als Ursache haben. Es ist aber vielleicht auch der Versuch, auf der Zielgerade noch einmal allen zu zeigen, dass er einen Kauf doch wert gewesen wäre. „Ich gehe hier nicht im Streit. Ich bin hier reifer geworden, physisch stärker.“ Und selbstbewusst wie am ersten Tag. „Es war schwierig, da ich Trainerentscheidungen akzeptiere. Aber ich hätte sicher mehr gezeigt, wenn man mir mehr vertraut hätte.“ Und obwohl sein Range Rover vielleicht das Letzte ist, was an bessere Zeiten erinnert, bleibt Bruma optimistisch: „Ich weiß trotzdem, dass ich ein guter Spieler bin. Noch immer. Und das werde ich zeigen.“ Worte, die mich zwar leise für ihn hoffen lassen, die mich aber zumindest daran zweifeln lassen, ob Bruma seine Lage inzwischen erkannt hat.

Denn Bruma droht zum zweiten Elia zu werden. Der kam auch in Hamburg als eines der größten Talente an, spielte in der Imtech-Arena beim T-Home-Cup erst mal Nationalspieler Philip Lahm Knote in die Beine und überragte bis zu seiner üblen Verletzung aus dem Spiel in Mainz. Aber heute ist der Niederländer abgetaucht. Aus seinen ausgiebigen Tattoo-Studio-Besuchen sind inzwischen Familienabende geworden, wie mir meine Bremer Kollegen berichten. Allerdings soll Elia zwar vernünftiger, aber keinesfalls engagierter dabei sein. Im Gegenteil, der pfeilschnelle Dribbelkünstler scheint sich mit Werder nicht so recht arrangieren zu können und fällt mehr durch seine Lethargie denn durch Trainingseifer auf. Was mir auffällt ist, dass beide Spieler mit 17 Jahren schon zu kommenden Superstars stilisiert wurden. Beide hatten – nachdem sie früh aus ihrer Familie geholt und Fußball-vereinen unterstellt worden waren – ein Umfeld, das ihnen nur eintrichterte, wie gut sie sind. Beide hatten Berater, die das große Geld witterten – und auf dem Weg dahin war ihnen kein Kompliment zu hoch gegriffen.

Was folgte ist ein Absturz, der programmiert ist und immer wieder vor-kommt. Beide Talente denken, dass ihr Talent allein schon den Anspruch rechtfertigt, bei großen Teams Stammspieler zu sein. Beide verloren zuerst die zweifellos notwendige Relation – und dann ihre Stammplätze in den Clubs sowie bei der Nationalmannschaft.

Und um eines klarzustellen: Für beide ist es noch lange nicht zu spät. Allerdings müssen beide langsam erkennen, dass der Zug ohne sie abzufahren droht. Und sollten sie dann später irgendwann erkennen, welche Chance sie hatten und was sie alles fahrlässig haben liegen lassen – ich will nicht mit ihnen tauschen. Egal wie viele Millionen bis dahin auf ihren Konten liegen, diese Erkenntnis wäre für mich das Schlimmste…

In diesem Sinne, hoffen wir mal, dass sowohl Jeffrey als auch Eljero die Kurve kriegen. Schließlich sind beide vielleicht ein wenig desorientiert – aber dafür gibt es Entschuldigungsgründe.

Bis nachher! Dann berichte ich Euch in aller Kürze – auch ich will Bayern gegen Barca sehen – vom Test in Winsen.

Scholle

P.S.: Für alle, die es noch nicht mitbekommen haben: Wir sind jetzt auch auf Facebook aktiv. Unter: https://www.facebook.com/groups/matzab
könnt Ihr ab sofort aktuelle Fotos, Videos und kürzere, den Blog ergänzen-de Texte finden. Heute beispielsweise ist ein Kurzinterview mit dem Trainer zu sehen.

P.P.S.: Der HSV hat den Test in Winsen vor 1000 Zuschauern mit 9:0 gewonnen. Die Tore erzielten Rudnevs 0:1, 0:2, 0:9 (4., 10., 82.), 0:3 Bruma (13.), 0:4, 0:7 Arslan (15., 54.), 0:5 Rajkovic (39.), 0:6 Ilicevic (53., FE), 0:8 Maggio (75.). Arslan war der beste Mann auf dem Platz, wirkte nach überstandener Grippe topfit. Und so haben sie gespielt:
Drobny (46. Neuhaus) – Sala, Bruma, Rajkovic, Lam (64. Langer) – Rincon (68. Norgaard), Kacar (64. Tah)- Nafiu (46. Ingreso), Arslan (64. Maggio), Ilicevic (64. Brown) – Rudnevs.

Vorschlag: Ein Orden für die HSV-Fans . . .

8. April 2013

Viele, viele Lesrebriefe, Anrufe und Mails heute – und gestern. Zu viele, sodass ich nicht jedem antworten kann. Vielen Dank aber dafür, es ist ein Zeichen, dass sich noch immer jede Menge HSV-Fans um ihren Club die allergrößten Sorgen machen. Wenn ich auch überrascht bin, dass sie die Zahl derer, die für einen erneuten Trainerwechsel beim HSV plädieren, ständig und sogar – wie ich finde – dramatisch steigt. Irgendwie, das muss ich zugeben, kann ich die Leute ja verstehen, denn es läuft ja zurzeit alles andere als gut, aber dennoch sage ich: Was hat der HSV allein aus den Trainerwechseln dieses Jahrtausends gemacht? Nichts! Null. Keinen Schritt nach vorn.

Mit jedem neuen Coach waren die allergrößten Hoffnungen verknüpft, die jedoch nie gehalten werden konnten. Mal abgesehen davon, dass ein Huub Stevens dem HSV die Erste Bundesliga gerettet hat, als ich es schon nicht mehr für möglich gehalten hatte. Deswegen trage ich Stevens auch auf Händen, obwohl wir uns menschlich nie nahe waren – eher war das Gegenteil der Fall. Aber da muss man Prioritäten setzen. Er hat hier eine Super-Arbeit abgeliefert, und das ist einfach nur anerkennenswert. Er war ganz sicher einer jener Trainer, die durchaus langfristig für den HSV hätten arbeiten können – aber letztlich haben Leute seines Kalibers dann doch aufgegeben, weil es hinten und vorne sowie oben und unten beim HSV nicht gepasst hat. Und genau darüber sollte nicht nur der Verein mal nachdenken, sondern auch die HSV-Fans, die jetzt schon wieder einen neuen Trainer fordern. Es liegt nicht an Thorsten Fink. Ganz sicher, das muss ich zugeben, macht der noch junge Trainer immer wieder mal Fehler, aber daran liegt es doch nicht, dass der HSV schon seit Jahrzehnten auf der Stelle tritt. Fink allein kann den Umschwung sicherlich nicht schaffen, aber er allein kann es auch nicht bewirken, dass der HSV zugrunde geht. Die gesamte Führung ist jetzt gefragt, und zwar nicht im Rumeiern, auch nicht mit „Hände-in-den-Schoß-legen“, sondern damit, mal ganz gehörig mit der Faust auf den Tisch zu schlagen. Tacheles reden, nicht um den heißen Brei herum, sondern die nackte und schonungslose Wahrheit sagen.

Und die Wahrheit ist doch die: Dieser Fußball, der vom HSV gespielt wird, darf nicht Fußball genannt werden. Weil es einfach nur grottig ist. Und diese Ansprüche sollten alle, die beim HSV unter Vertrag stehen, allemal haben. Endlich mal eine Reihe von Spielen in Folge, in denen nicht gestolpert, gepatzt und gestümpert wird, sondern in denen es zur Sache geht, in denen Tempo gebolzt wird und in denen um den Sieg gespielt und gekämpft wird. Und endlich mal wieder kein Rückpass-Festival. Bitte, bitte, endlich einmal wieder kein Rückpass-Festival. Das ist ja nicht mehr zu ertragen. Diese Hilflosigkeit . . .

Bei der Gelegenheit: Klaus Toppmöller war ja auch mal HSV-Trainer. Er muss wohl doch ein wenig gelitten haben, während dieser Zeit, denn wir erinnern uns eventuell noch daran, was der frühere „Coach des Jahres“ noch vor dem Freiburg-Spiel prognostiziert hatte: „Der HSV wird Freiburg überrennen. . .“
Mein Gott, „Toppi“, ich bin ja schon ein lausiger Vorhersager, aber so daneben . . .

Aber zurück zum Wesentlichen:
Wie oft hieß es in der Vergangenheit, dass dem HSV ja deshalb die Hände gebunden wären, weil die Mannschaft noch im Abstiegskampf steht. Deswegen konnten und könnten keine Disziplinarmaßnahmen durchgeführt werden, deswegen konnte der Club oft keinen Spieler (oder keine Spieler), keinen Versager vor die Tür setzen – sie alle wurden noch benötigt. Jetzt aber wäre die Chance da, sich schon von dem einen oder anderen Profi, der es noch immer nicht verstanden hat, zu trennen. Um auch mal ein Zeichen zu setzen. Der HSV kann nicht mehr absteigen, er könnte sogar seine „Zweite“ spielen lassen, und die würde garantiert auch nur mal 2:9 verlieren – trotz der Tatsache, dass sie nun aus der Regionalliga absteigen wird.
Nein, dieser HSV muss endlich einmal ein Zeichen setzen, sonst tanzen ihm die Profis, die hier für allerhöchstens mittelmäßige Leistungen Millionen wegschleppen, weiter auf der Nase herum.

Und ferner bin ich der Meinung, dass nun auch der Sportchef gefordert ist. Ganz dringend sogar. Frank Arnesen müsste seinem Trainer mal deutlich zur Seite stehen, indem er den Profis einmal den Spiegel vor das Gesicht hält. Solche Gurkenspiele, wie sie in diesem Jahr im Volkspark abgeliefert wurden, dürfen nicht länger beschönigt und auch nicht schöngeredet werden. Nicht länger schöngeredet werden. Jetzt ist die gesamte sportliche Führung gefragt – und nicht nur Thorsten Fink. Der HSV ist wieder einmal auf dem besten Wege, zur Lachnummer der Bundesliga zu verkümmern, es ist fünf Minuten vor Zwölf – jetzt muss etwas passieren. Jetzt. Sofort. Es ist dramatisch genug.

In den vergangenen beiden Tagen haben mir genügend HSV-Fans mitgeteilt, dass sie nicht länger gewillt sind, ihre Dauerkarte zu kaufen. Weil diese Art von Anti-Fußball allmählich auch die treuesten Fans aus dem Stadion treibt. Auf meine Antwort, dass die Sommerpause bis jetzt noch jede Wunde geheilt und geschlossen hätte, wurde mir stets geantwortet: „Diesmal nicht. Diesmal vergesse ich nicht – ganz sicher.“ Ich bin gespannt. Und wenn es so wäre, dann täte mir der HSV zwar leid, aber ich hätte Verständnis für jeden dieser frustrierten Anhänger. Denn wer will ein solches Gekicke, das hier dargeboten wird, tatsächlich noch sehen? Wer kann es noch ertragen? Das müssen Masochisten sein. Das geht doch längst schon über das erträgliche Maß hinaus. Und trotz allem sind immer über 50 000 Gucker im Volkspark, wenn es wieder mal losgeht. Ich bewundere den Langmut der HSV-Fans, allein deshalb haben sie mal einen Orden verdient. Europa hat den Friedensnobel-Preis bekommen, also müsste sich doch auch ein Preis oder ein Orden finden lassen für diese einmaligen HSV-Fans, die immer und immer wieder zu ihrem Club stehen. Obwohl sie in schönster Regelmäßigkeit nur noch Gurkenspiele sehen dürfen . . .

Bei der Gelegenheit: Wann sind Sie, wann bist Du, zum letzten Mal so richtig und über 90 Minuten lang vom HSV im Volkspark aus dem Sitz gerissen worden? Von vielen höre ich dann immer wieder: „Das war beim 4:4 gegen Juventus Turin.“
Nur mal zur Probe: das war am 13. September 2000.
Heute schreiben wir den 8. April 2013.

In Hoffenheim haben sie gleich mehrfach in dieser Saison den Trainer vor die Tür gesetzt. Und? Hat es geholfen?
Auf Schalke hat die Öffentlichkeit lange und lautstark gefordert, den Stevens-Nachfolger Jens Keller wieder zu feuern. Und jetzt? Schalke auf dem Weg in die Champions League. Das sind nur zwei Beispiele – von unzähligen. Und die besten Beispiele hat der HSV ja immer noch selbst in seiner Bundesliga-Historie. Allein seit dem Jahr 2000.

Es stimmt doch überall nicht mehr. Rehden ist dazu ein sehr passendes Thema. Wie kann der mit vielen Profis gespickte HSV II in Niedersachsen 1:4 verlieren? 4:1 und aufwärts hätte ich getippt, für den HSV, als ich hörte, wer dort alles aufläuft. Und dann ein solcher fußballerischer Offenbarungseid. Nach dem 2:9 von München ist das ein weiteres Spiel, nach dem sich jeder der Beteiligten schämen sollten – wochen- und monatelang. Aber wer macht das schon? Nicht einer. Obwohl es nach einer solchen Blamage eigentlich Pflicht wäre.
Es ist ja alles so bitter.
Und dennoch greift niemand ein, erst recht niemand durch. Trostlos.
Im Gegensatz zu den Dortmundern, die Bruna Labbadia zuletzt extra nicht (!) unter Artenschutz gestellt hatte, stehen die HSV-Profis offenbar genau unter diesem Artenschutz. „Die Spieler werden jetzt nicht geschlachtet“, hatte Frank Arnesen nach dem 2:9 noch verkündet. Auch nach dem 0:1 gegen Freiburg wurde niemand und keiner geschlachtet. Immerhin: Ein jeder durfte an diesem Montag darüber nachdenken, und zwar zu Hause, welchen Bockmist er da am Wochenende wieder mal verzapft hat. Das ist ja auch schon mal eine Strafe . . .

Und hoffentlich hat Heiko Westermann diese (Frei-)Zeit genutzt, um seine Zukunft zu überdenken. Er soll ja überlegen, ob er von seinem Kapitänsamt zurücktritt, und ich würde ihm dringend raten: sofort! Nicht noch damit bis zum Saisonende warten. Sofort. Dieses Trauerspiel muss ein Ende haben. Weil diese Mannschaft einen solchen Kapitän, der sich stets in jedem Spiel von Minute eins bis zum Abpfiff den Hintern aufreißt, ganz einfach nicht verdient hat. Da soll sich mal ein anderer mit herumschlagen, der wird dann recht bald merken, dass bei dieser Truppe Hopfen und Malz verloren ist. Die braucht keinen Kapitän, die braucht ein Kindermädchen zum Pudern. Und noch einen Grund habe ich, warum Westermann sofort aufgeben sollte: die Pfiffe der Fans. Er wird es in diesem Profi-Leben nicht mehr schaffen, die HSV-Fans auf seine Seite zu ziehen. Ein Fehlpass, und schon geht diese elende Pfeiferei los. Zum Davonlaufen. Zum Heulen. Das sind schon tolle Fans! Hut ab! Da freue ich mich doch lieber mit einem Michael Mancienne, der im Freiburg-Spiel 80 Prozent seiner Pässe an den eigenen Mann gebracht hat. Super! Herzlichen Glückwunsch!

Nicht auszudenken, wenn mal der eine oder andere Pass nicht zum eigenen Mann gekommen wäre – dann wären das lauter Eigentore gewesen, denn ich habe nur Rückpässe von Mancienne auf Rene Adler gesehen. Die sollte man dann doch tatsächlich beherrschen, ansonsten hätte es mal schnell ein 0:9 gegen können. Und passte Mancienne einmal nicht zu Adler zurück, dann war es ein Querpass auf Westermann. Und der durfte dann, weil es lange genug gedauert hatte, die Kugel – teilweise hart bedrängt – nach vorne kloppen und auf die Pfiffe warten, wenn ein Freiburger auf Empfang war. Mancienne war aber stets fein raus . . .
Ja, so bitter und ungerecht kann Fußball sein.
Hoch lebe der HSV!

Wobei ich mich frage, ernsthaft frage, ob sich Rene Adler nicht längst schon fragt, wo er da eigentlich hineingeraten ist – mit seinem Weg nach Hamburg und zum HSV. Aber das ist noch ein ganz anderes Thema.

Ein ganz anderes ist auch noch der Auftritt von Marcell Jansen im NDR-Sportclub am Sonntag. Endlich mal wieder eine großartige Vorstellung eines HSV-Profis. Hervorragend! Ob sich der Nationalspieler damit allerdings einen Gefallen bei seinem Mannschaftskollegen getan hat, wage ich zu bezweifeln, aber darum geht es wahrscheinlich schon lange nicht mehr. Bei keinem.
Ich fand Jansens Auftritt allein schon deswegen gut, weil er erstens nichts beschönigt hat, und weil er zweitens (im Gespräch mit Moderator Gerhard Delling) nicht ein einziges Mal gelächelt oder gelacht hat. Eben den deprimierenden Umständen angepasst. Was Jansen alles gesagt hat, das ist hier zu lesen, es wurde vom NDR freigegeben:

Jansen: „Schwer, mit so viel Frustration umzugehen”

HSV-Profi Marcell Jansen hat im NDR Sportclub deutliche Kritik geübt. Der Nationalspieler, der seit 2008 beim Bundesligisten unter Vertrag steht, bemängelte unter anderem die Einkaufspolitik der Hanseaten und die damit verbundene mangelnde Konstanz: „Ich glaube, es gibt noch zwei Spieler, mit denen ich vor fünf Jahren beim HSV angefangen habe. Ich weiß nicht, wie viele Trainer, Sportdirektoren und andere Verantwortliche den Verein mittlerweile durchlaufen haben“, sagte der 27-Jährige und ergänzte zur aktuellen Diskussion um Führungspersönlichkeiten im Team: „Wir sind im letzten Jahr mit Ach und Krach vor dem ganz Schlimmen bewahrt worden, spätestens das hätte uns wachrütteln sollen. Aber Führungsspieler kann man sich nicht schnitzen, sondern die müssen vom Naturell so sein. Damit muss man sich auseinandersetzen, ob man danach auch verpflichtet hat – über Jahre.“ Der HSV belegt derzeit den elften Tabellenplatz – und steht dort in Jansens Augen auch zu Recht: „Das ist für mich auch eine Qualitätsfrage, die wir so im Moment nicht regeln können. Namen hin oder her, das schaffen wir nicht auf den Platz zu bringen“, sagte er.

Betroffen zeigte sich der HSV-Profi von der peinlichen Pleite der zweiten Mannschaft der Hamburger, die trotz Unterstützung von sechs Bundesliga-Stars am Sonntag in der Regionalliga mit 1:4 in Rehden verlor und als Tabellenvorletzter akut vom Abstieg bedroht ist. „Es wäre dramatisch für den Verein, wenn die zweite Mannschaft in der nächsten Saison in der Oberliga spielt, weil wir gute, talentierte, junge Spieler zur nächsten Saison bekommen. Wenn die in der Oberliga spielen müssen statt eine Liga höher, ist das sehr problematisch“, betonte der Verteidiger und ergänzte: „Das spiegelt ein bisschen die Situation wider, wie sie insgesamt ist. Da müssen wir Spieler uns auch alle fragen, ob das von der Einstellung her so das Richtige ist.“ Es sei schwierig, mit so viel Frustration umzugehen, meinte Jansen, der auch das geplante Grillen mit den Fans kritisierte: „Der Ernst der Lage in der letzten Saison war um einiges beschissener. Da hätte man überlegen sollen, zur neuen Saison vielleicht ein Grillen zu machen. Aber nicht wenn man 2:9 verliert. Dann ist man gestraft genug. Dann brauche ich kein Grillen. Das braucht kein Mensch.“ Nach dem Heimspiel der Hamburger am 20. April gegen Fortuna Düsseldorf laden die Spieler alle Zuschauer zu Fleisch, Wurst und Getränken ein, um sich nach der 2:9-Klatsche bei Bayern München mit ihren enttäuschten Anhängern zu versöhnen.

Das Grillen braucht also kein Mensch. Und damit lieg Jansen – ebenfalls richtig! Volltreffer! Beendet das Grillen, bevor der 21. April 2013 gekommen ist, denn es würde nur Ärger geben. Auch zu diesem Thema habe ich Anrufe und Mails erhalten. Viele schlagen nur vor: absagen! Und einige beschweren sich, dass sie ihre Gratis-Wurst erst am Tag nach dem Düsseldorf-Spiel erhalten sollen: „Sauerei!“ Weil sie doch von außerhalb kommen, und nicht am nächsten Tag – für die eine läppische Wurst – noch mal nach Hamburg kommen können.

Sollte das Grillen aber stattfinden, dann sollte der HSV allen jenen Fans, die von außerhalb kommen und nicht noch einmal kommen können, eine Wurst nach Hause senden. Gut wäre es auch, wenn diese Wurst dann auf jeden Fall schon mal halb angegrillt wäre, damit es dann mit dem Verzehr schneller klappt. Und noch besser wäre es, wenn es zwei Würste wären, die in den Versand gehen, denn dann könnte man sich ja noch das Mittagessen sparen. Und jeder Zuschauer sollte dann auch vor dem Düsseldorf-Spiel auf der Eintrittskarte ankreuzen können, ob die Wurst mit Ketschup oder Senf geliefert werden sollte. Senf dann der scharfen Düsseldorfer Art, oder doch nur mittelscharf? Und Ketschup mit Paprika oder ohne? Die angekreuzten Karten sollten nach Verlassen der Arena dann in einen Briefkasten an der Ecke Nord-Ost eingeworfen werden . . .

Sorgen gibt es, die gibt es gar nicht.
Deswegen: sagt dieses unsägliche Grillen ab! Bitte. Der Schuss könnte sonst schnell mal nach hinten losgehen

Noch einmal kurz in eigener Sache. Ich wurde für „Matz ab live“ von einigen kritisiert. Was grundsätzlich gut ist, denn das war ja alles auch sachlich. Und nicht ganz unbegründet. Dennoch möchte ich schnell mal erklären, warum was passiert ist – und warum auch nicht. Wer es nicht weiß: Ernst-Otto Rieckhoff (ehemals Schatzmeister und Aufsichtsrats-Chef des HSV) und der frühere Bundesliga-Profi Carsten Kober waren bei „Scholle“ und mir zu Gast, und sie waren sehr gut (auch wenn mir der „Master of Grätsche“ nur Widerworte gab!). Vielen Dank noch einmal auch an dieser Stelle dafür.
Ich wurde kritisiert, dass ich erstens zu viel selbst gesprochen habe, und dass ich zweitens Otto Rieckhoff zu oft unterbrochen habe. Daraus wurde gefolgert: Rieckhoff hätte bestimmt noch richtig ausgepackt, wenn Matz nicht zu viel selbst erzählt hätte, und wenn er ihn nicht so oft unterbrochen hätte.

Dazu möchte ich festhalten: es stimmt. Oder: die Vorwürfe stimmen. Fast jedenfalls.
Wenn ich so viel – oder zu viel – erzählt habe, dann denke ich, dass ich einfach Flagge zeigen muss. Ich möchte, will und kann mich nicht hinter den Meinungen anderer Leute verstecken, ich möchte allen selbst mitteilen, was ich und wie ich über das Spiel und den HSV denke (auch wenn ich es vorher schon im Blog geschrieben habe!). Drauf wartet vielleicht trotz allem der eine oder andere HSV-Fan. Diesmal habe ich, das sei zugestanden, aber vielleicht übertrieben. Wobei das dann eventuell auch am Resultat von 0:1 lag. Weil der HSV doch die Freiburger „überrennen“ sollte.

Zurück zum Thema:
Das mit dem „Auspacken“ von Otto Rieckhoff. Er hätte nicht mehr „ausgepackt“. Das hat er mir noch am Sonntag, also eine Nacht nach „Matz ab live“, versichert. Rieckhoff ist ein HSVer durch und durch, der hätte doch nicht ausgepackt, der hätte niemanden diskreditiert, der hätte doch nicht für Unruhe sorgen wollen. Richtig ist allerdings, dass Otto Rieckhoff noch zwei Dinge ansprechen wollte, es aber dann in der Aufregung um dieses 0:1 „vergessen“ hatte. Auch wohl deshalb, weil die Zeit zu knapp war. Rieckhoff aber hat eingesehen, dass ich ihm gegen Ende der „Sendung“ noch zweimal einen Ball auf die Torlinie gelegt hatte. Da hatte er die Chance, versäumte aber das Verwandeln – weil er diese Chancen nicht erkannt hatte. Ich habe ihm aber zugesagt, dass er das bei passender Gelegenheit noch nachholen darf – bei einer neuen „Matz-ab-live-Sendung“.

Dass ich ihn dann tatsächlich einige Mal unterbrochen habe, das liegt einfach und allein nur daran, dass zu lange Monologe (egal von wem) eine solche „Sendung“ nicht gerade beleben, sondern eher langweilen. Deswegen möchte ich mit meinen (gelegentlichen) Unterbrechungen etwas für Tempo sorgen. Nur das ist der Grund.

Grundsätzlich war es am Sonnabend so, dass ich schon unmittelbar nach „Matz ab live“ von den zuschauenden „Benno Hafas“ und „JU aus Q“ (schwer?) kritisiert worden bin. Wegen meiner Unterbrechungen, wegen meiner Vorträge. Ich ziehe mir den Schuh an, das habe ich schon erklärt, und dann wollen wir mal sehen, wie es beim nächsten Mal wird.

Ich bin aber richtig gut gelaunt wegen der Kritik, zeigt sie mir doch, dass erstens sachlich kritisiert wird (bei der Gelegenheit: vielen Dank an das großartige Moderatoren-Team!), und dass zweitens „Matz ab live“ immer mehr gesehen wird. Vielen Dank auch dafür!

PS: Morgen, am Dienstag, wird um 10 Uhr im Volkspark geübt – und am Abend um 18 Uhr in Lübeck gegen den in Not geratenen VfB gespielt. Da darf sich dann wahrscheinlich die Rehden-Truppe rehabilitieren.

PSPS: Mein Kollege Mirko Schneider hat mir gerade ein besonderes Liedchen zugemailt: „Norbert und die Feiglinge“ mit „Trotzdem HSV“. Passend zur Gesamtlage des Vereins. Sollte man mal reinhören . . .

18.01 Uhr

Eine Zugfahrt, die ist lustig . . .

16. Dezember 2012

Eine Zugfahrt, die ist lustig,
eine Zugfahrt die ist schön,
denn da kann man fremde Länder
und noch manches andre sehn.
Hol-la-hi, hol-la-ho,
hol-la-hi-a hi-a hi-a, hol-la-ho.

Eine Zugfahrt, die macht müde,
eine Zugfahrt die macht schlapp,
und dann liefert man im Westen
einen miesen Kick nur ab.
Hol-la-hi, hol-la-ho,
hol-la-hi-a hi-a hi-a, hol-la-ho.

Eine Zugfahrt, die ist lästig,
eine Zugfahrt ist kein Flug,
fragt der Schaffner nach der Karte
hat man ohnehin genug . . .
Hol-la-hi, hol-la-ho,
hol-la-hi-a hi-a hi-a, hol-la-ho.

Eine Zugfahrt, die ist billig,
eine Zugfahrt die macht krank,
das erklärt dann eine Pleite,
und der Coach sagt: „Vielen Dank!“
Hol-la-hi, hol-la-ho,
hol-la-hi-a hi-a hi-a, hol-la-ho.

Eine Zugfahrt, die ist bieder,
eine Zugfahrt die ist schlecht,
deshalb darf man mal verlieren,
dazu hat man dann das Recht.
Hol-la-hi, hol-la-ho,
hol-la-hi-a hi-a hi-a, hol-la-ho.

Eine Zugfahrt, die killt Kräfte,
eine Zugfahrt die macht mau,
und dann kickt man eben grottig,
ja so tickt der HSV.
Hol-la-hi, hol-la-ho,
hol-la-hi-a hi-a hi-a, hol-la-ho.

Jetzt wissen wir es. Genau. Der HSV flog in Leverkusen auf die Nase, weil er nicht geflogen ist. Vorher. Er verlor mit 0:3, weil er mit dem Zug nach Leverkusen fahren musste. Und weil die Zugfahrt länger gedauert hat, als man vorher dem Fahrplan entnehmen konnte. Sechs Stunden hat die Fahrt gedauert, ganz sicher ein paar Stunden zu viel – oder? Und diese Stunden rauben dann nicht nur die Kräfte, sondern auch den Willen (zum Killen). Und diese sechs Stunden lähmen nicht nur die Beine, sondern auch die Herzen. Leidenschaft ist nach einer solchen Zugfahrt dann auch nicht mehr zu erwarten. Weil ein jeder, okay, fast jeder, doch nur an die Zugfahrt zurückdenken muss. Und da Männer ohnehin nur eines zur Zeit können, denken sie eben nur an Zug – und nicht an Spiel, Sieg und Leverkusen. Das erinnert mich alles an Jim Knopf, Lukas und an Lummerland, vor allem an die Lummerländer Bergwelt. Die Berg- und Talfahrt des HSV erfuhr mit diesem trostlosen Auftritt im Westen nur noch eine weitere Fortsetzung. Wahnsinn. Jedes Mal, wenn man denkt, es könnte nach ob . . . Ach, lassen wir das.

Zur Erklärung des Themas Bahnfahrt. Trainer Thorsten Fink sagte nach der 0:3-Pleite in Leverkusen in die Mikrofone und Kameras: „Meine Meinung ist, dass die Brasilien-Reise nichts ausgemacht hat. Wir hatten sicherlich am Freitag eine schlechte Anreise nach Leverkusen, dass wir da sechs Stunden im Zug gesessen sind – und dann noch mal die Fahrt zum Hotel . . . Das war vielleicht etwas unglücklich mit der Woche, die wir dann hatten – aber die Brasilien-Reise, so denke ich, hat nichts ausgemacht.“
Aber die sechs Stunden im Zug. Die langten dann.

Wobei, ich schreibe ja gerade diese Zeilen, neben mir läuft das Spiel Hoffenheim gegen Dortmund. Die TSG ist gegenüber dem blutleeren Auftritt in Hamburg nicht wieder zu erkennen, jeder Spieler gibt Gas, geht zur Sache, wehrt sich, tritt kräftig zu. Eine vorbildliche Einstellung, die man in dieser Form bei den Hoffenheimern schon lange, lange nicht mehr gesehen hat. Es geht doch. So spielt man gegen einen Favoriten. Sorry, kommt mir gerade mal so in den Sinn. Muss aber nichts bedeuten.

Zurück zum HSV in Leverkusen. Ein Mann tat mir bei diesem desolaten Hamburger Auftritt ganz besonders Leid: Rene Adler. Der Keeper hatte sich bestimmt in seiner „zweiten Heimat“ besonders viel vorgenommen – und dann lassen ihn seine Vorderleute so etwas von im Regen stehen. Bitter, ganz bitter. Dabei zeigte Adler noch eine sehr gute Partie, er verhinderte ein Debakel. Was allerdings kein Trost sein konnte – für ihn. „Wir sind nicht in die Zweikämpfe gekommen, wir standen einfach viel zu weit weg von den Gegenspielern. Wir haben alle Tugenden des Fußballs vermissen lassen, da fehlt mir jedes Verständnis“, schimpfte Adler nach dem Spiel. An dem Brasilien-Trip aber wollte er das Versagen nicht festmachen: „Das war eine gute Reise, jeder hatte seinen Spaß.“ Genau. Und dann fügte Rene Adler noch an: „Bei einer solchen Reise stehen wir Spieler doch in der Pflicht. Da müssen wir mal die Arschbacken zusammenkneifen, da müssen wir runter fliegen, den Job machen und zurück. Und hier dann Bundesliga spielen – am nächsten Tag. Das aber haben wir nicht geschafft, und insofern haben wir hier versagt.“

Von einer Sechs-Stunden-Fahrt im Zug hat Rene Adler, ich weiß nicht, ob es aufgefallen ist – nichts gesagt. Er hat diesen stundenlangen Trip nicht mit einem Komma erwähnt. Und zum Thema Brasilien noch einmal der Trainer: Thorsten Fink hatte vorher gesagt: Man braucht nach so einer Reise acht Stunden, um sich wieder zu erholen – und fertig.“ Genau. Nur dürfen dann, zweieinhalb Tage nach den 48 Stunden, keine sechs Stunden Bahnfahrt mehr dazu kommen.

Aber es ist ja wie es ist. Und nun ist Winterpause. Wundenlecken ist angesagt. Und gesunden. Um dann mit neuem Schwung und neuem Mut gegen diese ominöse Berg-und-Talfahrt anzugehen. Immerhin, und das kann ein Trost für alle diejenigen sein, die vor dem Saisonstart Schlimmstes (mit dem HSV) befürchtet hatten, es stehen 24 Punkte zu Buche. Das bedeutet: Abstieg ist kein Thema. Egal wie schlecht es auch immer laufen wird, oder auch laufen könnte – absteigen wird der HSV nicht. Das ist für mich schon mal beruhigend. Das mit den Ansprüchen lasse ich mal bewusst außen vor. Das wird vielleicht dann auch wieder ein Thema, wenn Petr Jiracek, Marcell Jansen und vor allem Rafael van der Vaart wieder dabei sein werden. Vor allem die „ewige 23“ dürfte allein durch seine Präsenz dafür sorgen, dass sich alle Nebenleute viel mehr zusammenreißen werden – und es solche müden Auftritte wie in Leverkusen nicht allzu oft mehr geben wird.

So, dann gibt es noch ein Stückchen Erinnerungen an „alte“ HSV-Zeiten:

Dank eines Treffers des früheren HSV-Torjägers Paolo Guerrero haben die Corinthians Sao Paulo in Yokohama erstmals das Endspiel um die Klub-Weltmeisterschaft gewonnen. Das Tor des Peruaners in der 71. Minute besiegelte einen 1:0 (0:0)-Sieg der Brasilianer gegen den Champions-League-Gewinner FC Chelsea. Vor 56 301 Zuschauern war es bei der Vereins-WM im dritten Finale der dritte Triumph einer Mannschaft aus Brasilien gegen ein englisches Team. Zuletzt allerdings war die Trophäe fünfmal in Folge nach Europa gewandert.

Bereits in der Vorschlussrunde hatte Paolo Guerrero, der seinen Schädel bis auf Schläfenhöhe kahl geschoren hat, per Kopfball den 1:0-Erfolg seines Teams gegen Al Ahly Kairo unter Dach und Fach gebracht.

Und dann gab es heute ja noch die Entlassung auf Schalke, die niemanden mehr überraschen konnte. Huub Stevens, der ehemalige HSV-Coach, ist in Gelsenkirchen vor die Tür gesetzt worden. Nach der 1:3-Pleite gegen Freiburg irgendwie nur logisch – bei dem Vorgeplänkel. Und es bestätigt mich noch einmal in meiner Annahme, dass Schalke kürzlich in Hamburg schon seine Talfahrt abgetreten hatte. Ich habe damals schon geschrieben, dass mich die „Knappen“ beim 3:1-Erfolg des HSV maßlos enttäuscht haben. Und so haben sie dann auch in den folgenden Partien gespielt. Wobei ich zu Stevens sagen muss: Ein guter Trainer, von dem ich noch immer überzeugt bin. Aber menschlich stand er sich mit seiner knurrigen, unbequemen und gelegentlich auch giftigen Art zu oft selbst im Wege. Deswegen bin ich gespannt, welcher Bundesliga-Klub nun den nächsten Versuch mit ihm wagen wird.

Dann gibt es noch das Buch-Gewinnspiel aufzuklären. Wer sich erinnern kann: Es gab in dieser Woche zwei Exemplare des HSV-Foto-Buches „Mythos HSV“ (von Thomas Metelmann und Hans Vinke herausgegeben) zu gewinnen.

Es wurde eine Frage gestellt:

Welche HSV-Spieler wurden im letzten Bundesliga-Aufeinandertreffen mit dem VfB Leipzig ausgewechselt?

Die Antwort: Das waren Thomas von Heesen und Karsten Bäron.

Die Gewinner sind ermittelt, es gab (erstaunlich, erstaunlich!) viele, viele User, die dieses Buch gewinnen wollten.

Hier nun die Glücklichen HSV-Fans:

Jens Reimer Schinkel in 55124 Mainz

sowie

Eberhard Stamms in Dessau-Roßlau.

Herzlichen Glückwunsch. Mit dem Gewinnspiel geht es schon in den nächsten Tagen weiter, denn es geht bereits am 20. Januar weiter mit der Bundesliga. Dann gastiert der HSV in Nürnberg (sonntags). Eine Woche später folgt dann das erste Erstliga-Spiel 2013 im Volkspark, es kommt der Nachbar von der Weser. Und zu dieser Partie gibt es dann auch die beiden Fragen und die beiden Gewinne.

So, und nun zum Schluss noch einmal ein kräftiges Dankeschön an Carl-Edgar Jarchow. Herr Jarchow, nicht nur Ihr Auftritt bei „Matz ab live“ war klasse und sehenswert, auch dass Sie uns mit ihrem Besuch – so kurz vor dem Weihnachtsfest – im „Champs“ (Schnelsen) beehrt haben, ist eine Super-Sache gewesen. Dafür auch an dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön – wir wissen das zu würdigen! Und weil ich mehrfach (auch heute noch!) gefragt worden bin, ob Carl-Edgar Jarchow wirklich nicht „sauer“ auf „Scholle“ und mich war, oder er überhaupt missgelaunt war, dann kann ich nur sagen: nein. Wenn überhaupt ein wenig zu „merken“ war, dann lag es sicher nur an dem saft- und kraftlosen 0:3-Auftritt des HSV in Leverkusen. Da darf dann – in meinen Augen – ein Klub-Boss sehr wohl schon mal ein wenig verärgert durch die Welt laufen – auch durch eine „Matz-ab-live“-Sendung natürlich. Alle diejenigen, die sich diese Sorgen aber um Jarchow und uns gemacht haben sei nochmals versichert, dass der Herr Jarchow unserem Blog („Matz ab“) sehr wohl gesonnen ist – der Chef liest nämlich mit.

Ich wünsche nun allen Matz-abbern und ihren Lieben noch einen schönen dritten Advent, auch wenn nicht mehr ganz so viel davon übrig geblieben ist.

PS: Dortmund führt zurzeit in Sinsheim gegen Hoffenheim mit 3:1. Trotz der großartigen Gegenwehr der TSG.

17.07 Uhr

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