Archiv für das Tag 'Stevens'

Heese: “Es ist jetzt ein anderer Geist drin!”

15. Mai 2015

Zursicher

Mal sehen, was die Affen morgen so machen. Mit Affen sind die Spieler des VfB Stuttgart bezeichnet worden – von ihrem Trainer, ging ja auch Land auf, Land ab in den Zeitungen rauf und runter. So ist Huub Stevens eben. Was er auf der Zunge hat, muss raus. Und er hat es diesmal bestimmt auch deshalb rausgelassen, weil er mit dieser Beleidigung auch noch seinem letzten Spieler sagen will, dass hier allerhöchste Konzentration angesagt ist. Niemand darf auch nur einen Millimeter nach lassen, das wollte Stevens erreichen. Und er hatte auch deshalb die ganz Aufmerksamkeit, weil beim VfB Stuttgart, der ansonsten oft abgeschottet (also ohne Fans) trainiert, am Vatertag jeder Fan willkommen war. Stevens wollte mit seiner Härte auch demonstrieren, dass der Fokus nur auf diesem Abstiegs-Endspiel zu liegen hat. Ganz Stuttgart redet seit Tagen nur noch von dem Spiel gegen den HSV, das Stadion ist mit 60 000 Zuschauer seit Wochen ausverkauft – und 6000 Hamburger werden versuchen, sich in diesem Hexenkessel Gehör zu verschaffen. Und obwohl die Schwaben ja noch immer Tabellenschlusslicht sind, herrscht am Neckar große Zuversicht, dass der VfB an diesem Sonnabend gegen 17.20 Uhr den HSV um einen Punkt hinter sich gelassen hat. Es ist für das Ländle das Spiel der Spiele, und der Optimismus ist deswegen so groß, weil der VfB zuletzt stets gute oder sogar beste Leistungen gezeigt hat.

 
Was die meisten VfB-Fans aber in dieser Situation oft verschweigen: Der Tabellenletzte hat seit September 2013 (!) kein zweites Spiel in Folge mehr gewonnen. Seit September 2013! Und zuletzt siegte der VfB bekanntlich 2:0 gegen Mainz 05. Hält diese Negativserie an? Oder schafft es der HSV, so wie er es leider schon so oft geschafft hat, diese Serie zu durchbrechen – und das Schlusslicht so wieder aufzubauen? Was für Stuttgart außerdem ein Horror-Szenario ist, das ist die Tatsache, dass ausgerechnet Bruno Labbadia dem VfB den Gnadenstoß versetzen könnte. Jener Labbadia, der einst sehr wohl Erfolge mit dem VfB vorweisen konnte, der dann aber trotz allem, da gibt es sicher Parallelen zum HSV, vor die Tür gesetzt worden war, weil sich die Verantwortlichen und die Fans mehr erhofft hatten. Heute gibt es in Stuttgart nicht wenige, die meinen, dass die Labbadia-Gegner von damals heute sehr wohl Abbitte leisten müssten, denn nach dem damaligen Abgang des Trainers ist beim VfB nichts besser geworden. Im Gegenteil.

 

Im Ländle regnete es heute, am Sonnabend aber soll die Sonne scheinen. In Hamburg ist es genau umgekehrt. Mal sehen, wie sehr die Punkteverteilung dafür sorgt, dass in einem Fan-Lager so oder so die Sonne scheinen wird. Wir hoffen natürlich, dass es hier trotz des Regens reichlich Sonnenschein geben wird . . .
Beim VfB Stuttgart sind, um mal die sportliche Seite zu beleuchten, alle Mann an Bord. Diejenigen Spieler, die leicht angeschlagen in die Woche gegangen waren, wurden oftmals geschont, mussten nicht immer alle Einheiten mitmachen. Morgen aber wird jeder von ihnen bei 100 Prozent sein. Und besonders auf die Offensive hoffen die Schwaben. Die behaupten, dass es noch nie einen Tabellenletzten in der Bundesliga gegeben hat, der auf eine solche Super-Offensive setzen und bauen und hoffen kann. Vorne sind drei blitzgefährliche Angreifer unterwegs: In der Mitte der ehemalige Millerntor-Bomber Ginczek, links der Sprinter Kostic, rechts der unberechenbare Harnik, und dahinter der schnelle und technisch versierte Didavi, der nach einer längeren Verletzungspause jetzt wieder zur alten Form zurückkehren will – und schon auf dem besten Wege ist. Er wird der HSV-Defensive extrem viele Kopfschmerzen bereiten – neben den Stürmern.

 

Beim HSV herrschte heute nicht nur wegen des guten Wetters beste Stimmung. Bis auf Valon Behrami und Nicolai Müller konnten alle Spieler trainieren. Eine Stunde gab es Programm. Nach dem Aufwärmen folgte ein Spiel fünf gegen fünf gegen fünf. Und danach gab es reichlich Standards. Eckstöße, Freistöße, von links und von rechts zur Mitte gebracht. Meistens von Rafael van der Vaart geschlagen, aber auch Lewis Holtby und Ivo Ilicevic versuchten sich. Mit den Standards wurde ein wirklich lange Zeit verbracht. Zum Schluss folgte Spaß-Training. Die Spieler durften, so sah es aus, das machen, wozu sie Lust hatten. Lange Pässe, kurze Pässe, Torabschlüsse – Flanken. Wobei auch Bruno Labbadia tüchtig mitmischte. Der Coach schlug die Bälle aus dem Anstoßkreis heraus auf die linke Seite, wo Matthias Ostrzolek die Kugel meistens mit der Brust stoppte – um dann aus dem Lauf heraus zu flanken. In der Mitte hatte dann die Angreifer ein Spielchen mit Torwart Jaroslav Drobny zu laufen. Vorher wurde angesagt, wie viele Tore sie aus acht Flanken machen – und der oder die Verlierer mussten danach Liegestütze absolvieren. Da es ein nicht-öffentliches Training war, sah ich nicht alles, gefühlt würde ich sagen, dass die Angreifer mehr Liegestütze machen mussten. Und um ehrlich zu sein, ich habe Drobny nicht am Boden gesehen. Wer Rene Adler dabei vermisst: Der Stammkeeper war nach einer Stunde in die Kabine gegangen, nur mal so, es sah nicht danach aus, als drücke Adler auch nur ein kleiner Schmerz.
Übrigens sah Club-Chef Dietmar Beiersdorfer heute dem Training zu, nach dem Ende der Einheit ging er dann mit einer asiatischen Delegation (sah nach einem jungen Spieler aus) in das Umkleidehaus im Volkspark.

 

Aus dem Kader, der heute trainiert hat, blieben der Brasilianer Cleber, Julian Green und auch Maximilian Beister zu Hause.
Schiedsrichter der Partie in Stuttgart wird der Berliner Manuel Gräfe sein, in meinen Augen eine sehr gute Ansetzung, er ist mit dem Münchner Dr. Felix Brych der zurzeit beste deutsche Unparteiische. Aber – man soll den Tag nie vor dem Abend loben. Habe ich zuletzt wahrscheinlich das eine oder andere Mal zu viel gemacht. Deswegen halte ich jetzt mal den Ball flach. Obwohl ich, wenn ich bei Schiedsrichter bin, gleich an Rafael van der Vaart denke, denn der hat bislang neun Gelbe Karten „eingefahren“. Sieht er in Stuttgart noch einmal Gelb, dann fand am Neckar das Abschiedsspiel des „kleinen Engels“ statt. Das wäre doch auch dramatisch. Nicht für jeden HSV-Fan, aber auf jeden Fall für van der Vaart selbst.

 

Aber der Niederländer könnte sich ja auch in Sachen Härte oder auch mit verbalen Entgleisungen zurückhalten, dann passiert eben nichts. Hoffentlich. Ich sprach heute noch mit einem ehemaligen HSV-Spieler, der sich in Sachen Zurückhaltung nie besonders zurückhielt. Sein damaliger Trainer Klaus Ochs hat über ihn einst gesagt: „Auf dem Platz ist er ein Ekel.“ Es geht, einige haben es schon erraten, um Horst Heese. Der heute 71-Jährige lebt schon seit Jahrzehnten in Belgien, verfolgt den HSV, für den er einst „nur“ 41 Spiele bestritt, aber immer noch ganz genau – über das Bezahlfernsehen. Heese wurde damals im Winter 1972 verpflichtet und absolvierte sein erstes Spiel für den HSV am 16. Dezember 1972, bei seinem Debüt gab es eine 0:1-Niederlage – und der HSV stand damals auf dem letzten Tabellenplatz. Trotzdem gab es ein Happy end, dank Heese, der in der HSV-Geschichte den Platz eins als HSV-Retter einnimmt. Er riss die gesamte Mannschaft damals mit, und das waren immerhin Spieler wie Rudi Kargus, Peter Hidien, Manfred Kaltz, Peter Nogly, Klaus Zaczyk, Georg Volkert, Ole Björnmose, Willi Schulz, „Bubi“ Hönig, Caspar Memering, und, und, und.

 

Horst Heese hat in der jüngeren Vergangenheit schon oft um und mit dem HSV gezittert. Diesmal aber schien er mir optimistischer zu sein, denn er sagte: „Das sieht doch jetzt schon wieder viel besser aus, als noch vor ein paar Wochen. Das ist ja jetzt eine ganz andere HSV-Truppe, die kämpfen und hängen sich voll rein – das sieht gut aus, in meinen Augen.“ Den Umschwung hat Bruno Labbadia gebracht, das sieht auch Heese so, denn er befindet: „Sicher hat Bruno viel bewirkt, aber wenn man auf einen schwachen Trainer folgt, dann muss man kein Super-Trainer sein. Da hätte kommen können, wer will, es waren vorher zu viele schwache Trainer da. Wenn die Jungs merken, da vorne steht einer, der versteht sein Handwerk, der hat selbst gespeilt, der weiß wie es geht, dann sieht die Welt schon wieder ganz anders aus. Aber wenn du da vorne ein paar Flaschen vor der Mannschaft stehen hast, in kurzen Sprinterhosen, dazu mit fünf Handys durch die Luft wirbeln, dann wissen die Spieler doch gleich Bescheid. Der kann denen doch gar nichts erzählen, und wie soll das denn funktionieren?“ Heese: „Wenn wir damals gemerkt haben, dass wir eine Flasche vor uns haben, dann haben wir den sofort auf die Rolle genommen. Wenn der in kurzen Hosen vor uns stand, haben wir schon gegrinst, wenn der dann noch seine Stutzen irgendwie schief angezogen hatten, dann war die Sache für uns gleich klar, was wir da für einen vor uns hatten . . . Wenn du aber einen Trainer hast, der selbst an der Front war, dem nimmst du doch eher ab, was er da erzählt. Und von den schwachen Trainern hatte der HSV zuletzt leider einfach zu viele.“

 

Horst Heese sagt über die heutige HSV-Truppe, und das ist aus seinem Munde gewiss ein riesiges Kompliment: „Jetzt ist wieder ein anderer Geist drin. Und wenn du den Bruno Labbadia siehst, das ist echt, das ist authentisch, er lebt das vor, was da jetzt passieren muss. Die anderen Trainer haben, wenn die Kameras auf sie zukamen, ein verzweifeltes Gesicht gemacht, haben ein wissenschaftliches Gesicht gemacht, oder sie haben ihre Notizblöcke vollgeschrieben. Da waren viele Schauspieler am Werk. Aber Gott sei Dank, sie tanzten nur einen Sommer. In Hamburg jedenfalls.“

 

Horst Heese appelliert – auch für die Zukunft des HSV – an die Ehemaligen des HSV: „Da sind doch so viele Pragmatiker, die müssten mal den Mund aufmachen. Damit die Knalltüten ausgespielt haben, damit der HSV endlich mal einen vernünftigen Trainer bekommt. Diejenigen, die noch den engen Draht zum HSV haben, sollten schon mal häufiger den Mund aufmachen.“ Aber, das vermute ich, es haben in der Vergangenheit vielleicht schon oft den Mund aufgemacht, doch es passierte nichts, ihre Tipps verhallten mehr oder weniger ungehört im Volkspark.

 

Und wie ist Horst Heese mit dem Punkt „Härte“ zurzeit mit den HSV-Spielern zufrieden? Heese: „Das könnte ruhig noch etwas mehr sein, ganz klar. Wobei man Härte nicht mit Unfairness verwechseln darfst. Aber es geht doch jetzt um alles. Man darf nicht von hinten zutreten, du kannst ja auch einen Gegner von vorne stören. Aber du musst fit sein, immer eisern und hart am Mann sein. Heute sieht man auch keine Schnitte, wenn man nicht hundertprozentig fit ist. Dann bist du im heutigen Tempo-Fußball total daneben. Und man muss auch immer schön aufpassen, dass man nicht zu viele Freistöße vor dem eigenen Strafraum verursacht, das kann sich dann auch schnell rächen, wenn der Gegner da Spezialisten hat, die solche Standards zu nutzen verstehen. Also, mehr Härte ja, aber keine Fouls.“
Mal sehen, wie das denn morgen in Stuttgart so laufen wird – in der HSV-Defensive.

 

Ich habe übrigens in die Programm-Zeitschrift „Hör zu“ geblickt, wie der Prominente (jede Woche ein anderer) den Spieltag, besonders den HSV getippt hat. Diesmal ist das Joscha Kiefer (Soko 5113) gewesen, und der tipp Stuttgart – HSV auf 4:0. Oha, ein dickes Ding! Und eine Woche weiter tippt Lukas Hundt (Akte Ex) den HSV gegen Schalke 04 auf 1:0. Mal abwarten, wie sich das alles (schon an diesem Spieltag) da unten entwickelt.

 

So, zwei Personalien habe ich noch:

Lotto King Karl eröffnet an diesem Sonnabend im Stadtpark die Open-Air-Saison – und ich wünsche dem Kult-Sänger und seiner Band alles Gute, viel Glück – und gutes Wetter. Und Euch, die Ihr dabei seid, viel Spaß.

Dann hat sich heute Joe Zinnbauer bei NDR2 zu Wort gemeldet. Der Trainer, der im Moment nicht groß arbeitet, kann sich durchaus vorstellen, dass er in der nächsten Spielzeit wieder die U23 (spielt am Sonnabend um 14 Uhr in Lübeck um Punkte) trainieren wird. Mich würde das sehr freuen, gebe ich zu, denn der „Joe“ hatte diese Truppe doch märchenhaft ins Laufen gebracht. Vielleicht schafft er das denn ja noch einmal, ich glaube, dass die meisten Spieler nichts dagegen hätten. Ich drücke ihm die Daumen, dass es noch einmal weitergehen wird mit ihm – beim HSV.

 

Und wie es dann in der Bundesliga weitergehen wird, das kann man dann wahrscheinlich schon morgen von 17.20 Uhr an etwas klarer sehen, auch wenn bestimmt noch nicht alles restlos geklärt sein wird. Davon gehen ich mal verstärkt aus Drückt dem HSV tüchtig die Daumen, dass auch diesmal das Abstiegsgespenst in andere Städte abzischt. Hat doch 2014 bestens geklappt – oder?

 

In diesem Sinne, kommt gut rein in den 33. Spieltag – und bleibt positiv!

Dieter.

 

18.46 Uhr

Noch drei Tage bis „Buffalo“…

13. Mai 2015

… Nun, ganz so weit ist es vielleicht nicht, denn das Gedicht von Theodor Fontane bezieht sich auf den letzten Teil einer Reise – eben nach Buffalo – und für den HSV ist Stuttgart ja vielleicht nur die vorletzte Station bis zum Klassenerhalt. Doch wenn’s besonders gut läuft, dann könnte Stuttgart für den HSV zum „Buffalo“ mit gutem Ausgang werden.

Aufatmen heute beim Training. Johan Djourou, der gestern mit dickem Knöchel das Training abbrechen musste, war offensichtlich ohne größere Probleme am Start. Er sei leicht umgeknickt, hatte der HSV schon vorher mitgeteilt. Nun spielte er im Trainingskick wieder mit, so dass die HSV-Defensive sich nicht verändern wird. Auch Dennis Diekmeier, genesener Rechtsverteidiger, muss sich gedulden und Heiko Westermann des Vortritt lassen.

Offen ist nur die Besetzung der offensiven Mittelfeldreihe. Ivo Ilicevic und Lewis Holtby streiten hier wohl um den letzten freien Platz. Ansonsten bleibt es im Wesentlichen bei der Mainz- und der Freiburg-Formation. Die beiden Spieler mussten sich heute immer wieder abwechseln, so dass Bruno Labbadia wohl nach den Trainingseindrücken aus dem Bauch heraus entscheiden wird. Dietmar Beiersdorfer und Sportdirektor Peter Knäbel haben sich weite Strecken des Trainings übrigens auch angesehen – zusammen mit Michael Schröder, der Allzweckwaffe des HSV im Scouting-, Nachwuchs-, Trainerbereich.

Gestern habe ich Euch hier lang und breit wieder gegeben, was Rene Adler an Einschätzungen vor dem Spiel genannt hat. Ich habe es nicht statistisch ausgewertet, aber in Euren Kommentaren bekam der Torwart dafür überwiegend auf die Glocke. Zum Beispiel ist es nicht gut angekommen, dass er dem Stuttgart-Spiel den Endspiel-Status abgesprochen hat. Was ist an dieser Aussage so schlimm? Ich finde Adlers Perspektive schlau. Es nützt doch nichts, dieses Stuttgart-Spiel zum Ultimativen Finale zu erklären. Was passiert, wenn danach immer noch alles unklar ist? Wenn der HSV gar in die Relegation muss? Was kommt nach dem Endspiel???

Ich fand einen Satz von Gojko Kacar nach dem 1:1 gegen Freiburg Besorgnis erregend. Er sei mental platt, hat Kacar gesagt. Deswegen ist jetzt alles erlaubt und richtig, was Spieler mental aufrichtet – denn darauf kommt es an. Und sei es das „sich-stark-reden“ und den Druck nehmen, in dem man dem anstehenden Spiel in der Bundesliga eine angemessene Bedeutung gibt. Glaubt jemand, Adler nehme Stuttgart leicht, nur weil es für ihn kein Endspiel ist?

Ob einem Golf nun Spaß macht oder nicht – ein freier Tag mit vom Fußball abgeschaltetem Kopf ist ebenso notwendig. Das ist doch eine Binsenweisheit. Ich bin noch nie ein Freund gewesen davon, der Mannschaft immer alle freien Tage zu streichen. Straftraining als PR-Gag – davon hat noch keine Mannschaft profitiert. Wenn der Akku immer auf Reserve ist, dann gibt’s keine Beschleunigung mehr. Entscheidend ist, was auf dem Trainingsplatz passiert. Hier muss die Mannschaft knallhart arbeiten, so wie Adler es auch betont. Zumindest die letzten drei Spiele in der Bundesliga haben gezeigt, dass der Fokus wieder sitzt. Nicht mehr auf Interviews, die einem das Blaue vom Himmel versprechen. Sprechblasen-Interviews gibt es zur Genüge. Wer Adlers Aussagen im TV gesehen hat, der wird gespürt haben, dass hier keine Sprechblasen kamen. Wie ich Euch gestern geschrieben habe, machte Adler einen sehr konzentrierten und klaren Eindruck bei seinen Aussagen – den er nach meinem Dafürhalten in den vergangenen Jahren beim HSV nicht immer hinterlassen hat. Diesmal aber hat er es getan, und alle Signale aus der Mannschaft sprechen dafür, dass jetzt anders geackert wird als vorher – zumindest so, wie es der Abstiegskampf erfordert. Über mehr und anderes sprechen wir hier nicht.

Ob das dann am Ende alles reicht in Stuttgart, oder der VfB, der mit Huub Stevens einen besonders guten Motivator hat, die Oberhand behält – wir werden es erleben. In jedem Fall wollte ich noch einmal eine Lanze für Adler brechen. Was er gesagt hat, war aus meiner Sicht völlig okay, und es passte zu seinen jüngsten Auftritten. Immerhin hat der HSV trotz spielerischer Schwächen mentale Härte demonstriert – eigentlich hat Adler nichts anderes gesagt.

Am Freitag endet offiziell die Amtszeit von Carl Jarchow als Vorstands-Mitglied des HSV. Ich habe eine Zeit überlegt, ob ich das hier noch einmal thematisieren soll. Über Jarchow wurde viel geschrieben, hier im Blog ist er sowieso bei den meisten untendurch. Seine Bilanz muss hier jedoch nicht noch einmal bis ins Kleinste aufgezeichnet werden. Der langjährige Aufsichtsrats-Vorsitzende Udo Bandow, der deutlich erfolgreichere Zeiten zu verantworten hatte, sagt von sich selbst oft bescheiden, er sei „a man of yesterday“. Auf Jarchow trifft das seit einem Jahr im Grunde auch zu, denn mit der AG war seine Zeit als Vorstands-Vorsitzender des HSV beendet.

Dass Jarchow insgesamt gut aus seiner HSV-Amtszeit heraus gekommen ist und nicht mit kübelweise Dreck überschüttet wurde, ist sicher seinem Gentleman-Auftreten geschuldet. Sein Vorgänger Bernd Hoffmann hatte es da schwerer. Hoffmann polarisierte allein schon durch sein Erscheinen, wenngleich seine Amtszeit von sportlichen Erfolgen gekennzeichnet war. Aber ich will nicht in alten Geschichten wühlen: Jarchow ist Geschichte, dem HSV ging es bei seinem Amtsantritt deutlich besser als heute. Doch er hat immer mit offenen Karten gespielt, und allein das verdient (bedauerlicherweise) schon Erwähnung beim HSV der vergangenen Jahre. Jarchow hat sich intern übrigens stets für eine Ausgliederung ausgesprochen, auch wenn er dies nicht polternd und plump tat, um Wohlgefallen zu erregen.

Auf der anderen Seite lag er mit sportlichen Einschätzungen und Entscheidungen – zusammen mit dem jeweiligen Sportchef – zu häufig daneben, um dem HSV eine ordentliche Gesundung zukommen zu lassen. So nachvollziehbar es vom damaligen Aufsichtsrat unter der Führung von Otto Rieckhoff war, Jarchow 2011 zu holen, um den HSV zu befrieden – so falsch war seine Vertragsverlängerung 2012. Schon damals zeigte die Entwicklung so deutlich nach unten, dass der Aufsichtsrat radikales Eingreifen hätten einfordern müssen. Solch ein Kurswechsel war mit Jarchow nicht durchzuziehen. Es war sozusagen das falsche Signal – ein „weiter so“ anstelle eines „sofort wenden“. Ich hatte manchmal persönlich den Eindruck, Jarchow war zu integer, um die Abzocker-Mentalität im HSV, auch unter einigen seiner Kollegen, durchbrechen zu können. Er war, um es plakativ zu sagen, Täter und Opfer zugleich.

Nun führt sein Weg in den Hamburger Fußball-Verband, wo er für das Amt des Vize-Präsidenten kandidiert. Und in der Hamburgischen Bürgerschaft sitzt Jarchow auch noch, so dass er die öffentliche Bühne nicht verlassen wird.

Aus der großen weiten Welt der Social Media gibt’s am Ende noch diesen Hinweis. Gojko Kacar ist laut dem FC SELFIE (fcselfie.de) unter allen Profis der ersten und zweiten Bundesliga der „Aufsteiger der Woche“ bei Instagram. Er hat 38 Prozent mehr Follower dazu gewonnen. Auf der FC-Selfie-Homepage kann man sich übrigens eintragen für einen wöchentlichen Newsletter. Viel Spaß!

Zum Schmunzeln noch eine kurze Nachricht von „Khabar Online“: „Der ehemalige HSV-Profi Mehdi Mahdavikia hat den Kia FC in seinem Heimatland Iran gegründet. Der Klub aus dem Umkreis von Teheran soll der TSG 1899 Hoffenheim nachempfunden sein und überwiegend auf Talente setzen.“ Ohne Worte….

Nachdem ich diese wichtigen Hinweise noch losgeworden bin, wünsche ich einen schönen Feiertag. Es soll ja durchaus noch Menschen geben, die sich beim Vatertag nicht die Hucke vollsaufen, sondern für die dieser Tag Christi Himmelfahrt ist. Auf jeden Fall wird im Stadion oder am Stadion hinter Planen trainiert – genau wie am Freitag.

Lars
18.40 Uhr

René Adler: „Stuttgart ist kein Endspiel!“

12. Mai 2015

Konzentrieren wir uns auf Stuttgart. Als Sinnbild für die notwendige Haltung für dieses vielleicht entscheidende Spiel im Abstiegskampf präsentierte sich heute Torwart Rene Adler. Der 30 Jahre alte Keeper wird nicht nur von seiner Freundin gefordert, wie wir heute lesen konnten, sondern ist auch als Führungsfigur mit einer extrem klaren Einstellung beim HSV gefragt. Selten war es so überzeugend wie heute, was Adler kurz vor dem Ende dieser Saison sagte.

„Ich glaube, es ist der größte Fehler zu denken: Wir fahren nach Stuttgart und es ist ein Endspiel! Für mich ist das kein Endspiel. Die Situation vor drei, vier Spielen war viel aussichtsloser. Wir können aus eigener Kraft die Liga halten. Das ist viel besser, als auf andere angewiesen zu sein.“

„Wir sind alle überzeugt, dass wir es schaffen!“ Immer wieder betont Rene Adler die eigenen Stärken, die er in einen realistischen Kontext setzt. „Wir haben eine Ausgangssituation, die wir uns mit brutal harter Arbeit geschaffen haben. Vor dem Bremen-Spiel haben selbst die größten Optimisten nicht mehr an uns geglaubt. Jetzt haben wir wieder alles in eigener Hand.“ Es werde unter Bruno Labbadia konsequent an der Taktik gearbeitet – und vor allem der Teamgedanke hoch getragen. Diese Einschätzung hören und lesen wir immer wieder in den vergangenen Tagen. Und selbst, wenn wir uns alle fragen, wo bitteschön dieser Teamgedanke vorher war, und ob es sich jetzt nicht alles ein wenig zu pathetisch und mantramäßig anhört – im Moment benötigt der HSV diese positiven Gedanken.

Noch so eine der Weisheiten, die abgedroschen klingen mögen, die aber den Kern treffen: „Wir beschäftigen uns jetzt nicht mit Stuttgart. Wir sehen unsere eigenen Stärken. Klar, der Gegner wird analysiert, aber unser Ziel ist, mit unserer Stärke nach Stuttgart zu fahren, um dort zu gewinnen.“ Überhaupt müsse sich inzwischen jeder Gegner warm anziehen, wenn er auf den HSV treffe. „Wir sind in den letzten drei Spielen zurückgekommen. Immer gab es Niederschläge, und wir haben dennoch reagiert. Kein Gegner kann sich mehr sicher sein, wenn er gegen uns mit 1:0 führt.“

Warum er all diese positiven Eindrücke hat, konnte Rene Adler auch ganz deutlich benennen. „Es macht wieder Freude, Fußball zu spielen“, so Adler. „Natürlich kann man sich Schöneres vorstellen, als im Abstiegskampf zu stecken. Aber ich fahre mit großer Lust zum Stadion und zum Training. Es macht Spaß, mit der Mannschaft zusammen etwas zu entwickeln, was wir dann gemeinsam am Wochenende zeigen wollen. Das spüre ich wirklich.“ Und das alles durch den Trainerwechsel hin zu Bruno Labbadia.

„Wenn ich jetzt sage, was mir gefällt, dann wird es so ausgelegt, als würde ich etwas gegen die anderen Trainer sagen. So ist das nicht gemeint“, stellt Adler klar. „Aber das der Teamgedanke über allem steht, ist einfach Fakt. Vielleicht“, so der Torwart weiter, „ist es vorher auch menschlich gewesen, dass sich jeder Einzelne angesichts des großen Trubels ein bisschen mehr um sich selbst kümmert. Mittlerweile habe ich diesen Eindruck nicht mehr.“

Adler weiter: „Es ist schon so, dass Bruno Labbadia eine Leidenschaft und eine Entschlossenheit und auch Spaß vorlebt, der es ausmacht. Das ist anders als vor ein paar Monaten – unabhängig von meiner Position. Das ist es, was Mannschaftssport ausmacht.“ Dass dann Einzelne hervorstechen, ist ein normales Phänomen. Beispiel Gojko Kacar. „Wie ich Gojko kennen gelernt habe, hat er sich immer aufgeopfert. Harte Arbeit wird immer belohnt. Jetzt hat er die beiden wichtigsten Tore seiner Karriere geschossen. Mit seinem Charakter ist er eine zentrale Figur für unsere Mannschaft.“

Noch einen Vergleich zieht Adler – diesmal nicht zwischen den Trainern, sondern zum Abstiegskampf in der vergangenen Saison: „Letztes Jahr war es unruhiger im Verein. Es war mehr Tumult da. Ich spüre jetzt Geschlossenheit. Von uns wird viel ferngehalten, das ist entscheidend, warum wir so gepunktet haben. Und das ziehen wir jetzt gnadenlos durch, und dann gehen wir alle davon aus, dass wir in den Urlaub fahren als Erstligisten.“

Auf seine eigene Position angesprochen, hatte Adler heute keine Lust, ins Detail zu gehen. Einzelne Personen seien jetzt nicht wichtig, so der Keeper. Und überhaupt: „Fußball ist ein Tagesgeschäft.“ Vergangene Saison wurde Jaroslav Drobny zum Retter des HSV im Abstiegskampf, nun ruht alles Vertrauen auf Rene Adler.

Wichtig für Adler ist neben der absoluten Konzentration auf die anstehenden Aufgaben eine gesunde Mischung aus An- und Entspannung. „Ich war gestern mit Lewis und Pierre Golf spielen“, sagte Adler. „Wir brauchen einfach den sportlichen Wettkampf.“ Aber eben in ungezwungener Atmosphäre ohne Druck. Sieben Tage in der Woche den Kessel unter Volldampf zu halten – davon hält Rene Adler aus seiner Erfahrung heraus wenig. Er erläuterte, dass er sich die anderen Fußballspiele der Konkurrenz lieber nicht angucke. Da werde er nur noch nervöser und verbrauche Energie, die er für sein eigenes Spiel brauche.

Die Haltung, die bei Rene Adler deutlich wird, schätzt auch der Vereins-Vorsitzende Dietmar Beiersdorfer. Heute hat Beiersdorfer beim SOS-Kinderdorf in Dulsberg einen Scheck über 25.000 Euro überreicht. Ein großartiger Erfolg einer entsprechenden Initiative über den „Hamburger Weg“. „Für uns ist das wie ein Sechser im Lotto“, sagte Stefan Rebbe, der Einrichtungsleiter in Dulsberg. Und auch, wenn das mit Fußball wenig zu tun hat, darf dies mal gesagt und geschrieben werden. Ich habe jetzt einige Aktionen, meist auf PR-Basis, des Hamburger Weges verfolgt in den vergangenen Jahren. Egal wie das jeweilige Konzept gestaltet war oder wie hoch die Spende im Einzelnen ausfiel – es wird viel Gutes getan mithilfe dieser Idee, die unter Vorstands-Mitglied Katja Kraus und durch Unterstützung mit dem damaligen Bürgermeister Ole von Beust ins Leben gerufen worden war.

Beiersdorfer nahm auch eine Einschätzung von Rene Adler vor. Dass dabei nicht viel Negatives herauskam, liegt auf der Hand: „Rene war immer da. Natürlich hat er die eine oder andere Verletzung gehabt, aber jetzt hat er wieder das Vertrauen. Er ist ein toller Rückhalt der Mannschaft. Jeder muss spüren und leben, dass er in den letzten Tagen der Saison alles für den HSV geben muss. Das macht Rene großartig.“

Beiersdorfer schwor dann auch noch die gesamte Mannschaft auf die nächsten beiden Aufgaben ein: „Man muss versuchen, die Spiele zu gewinnen. Das ist gar nicht so schwer – nicht das Gewinnen, sondern dieses Ziel zu definieren. Jetzt kommt das schwere Auswärtsspiel in Stuttgart. Es ist eine Riesenchance für uns, einen weiteren Schritt zu machen. Das wollen wir tun.“

Faktisch Neues, etwa Vertragsfragen („Nach der Saison.“) oder zum Wiedersehen mit Huub Stevens („Huub ist ein großer Trainer, der viel erreicht hat und immer wieder gezeigt hat, was er leisten kann.“), gab es heute von Beiersdorfer nicht.

Im Volkspark wurde derweil gleich zwei Mal trainiert. Ein paar Dutzend Zuschauer freuten sich, dass ein Laster aus Tschechien, auf dem Rollrasen für die neuen Trainingsplätze geliefert worden war, als Tribüne taugte, um über die Planen auf die Übungseinheiten der Profis zu schauen. Dort ging es vormittags und nachmittags ziemlich hart zur Sache. Rudnevs und Holtby wurden erwischt – und Johan Djourou. Der Schweizer Verteidiger musste mit dick bandagiertem rechtem Knöchel sogar vorzeitig in die Kabine gefahren werden. Bruno Labbadia geht nicht davon aus, wie er anschließend sagte, dass etwas Schlimmes passiert sei. „Noch mache ich mir keine Sorgen.“ Aber etwas bedrohlich sah es nach dem Zusammenprall mit Lewis Holtby doch aus.

Morgen wird um 15 Uhr noch einmal in dieser Woche öffentlich trainiert, ehe der HSV vor der Stuttgart-Partie die Zäune hochzieht.

Lars
18.30 Uhr

Es stimmt hinten und vorne nicht!

15. März 2015

„Jetzt müssen wir am Freitag gegen Hertha BSC gewinnen, das ist sehr wichtig. Wir müssen zeigen, dass wir eine Mannschaft sind.” Gesagt hat es Dennis Diekmeier, aber es dieses Zitat könnte von jedem HSV-Spieler und von jedem Offiziellen stammen. Es ist fünf vor Zwölf, obwohl ich gar nicht von der „ewigen Uhr” anfangen möchte. Neun Spiele hat der HSV noch, gegen Berlin, in Leverkusen, gegen Wolfsburg, in Bremen, gegen Augsburg, in Mainz, gegen Freiburg, in Stuttgart und gegen Schalke 04. Und einige Experten hatten schon vor Wochen errechnet, dass der HSV fünf, mindestens aber vier Siege benötigt, um zu überleben. Die Spiele aber werden immer weniger, und Hamburger Siege stellen sich partout nicht ein. Wo wird das enden? Immer mehr Fans, Experten und Ehemalige sind fertig mit den Nerven und behaupten: „Diesmal steigt der HSV ab!” Zumal sich die Entwicklung des Vorjahres noch nicht abzeichnet. Damals verloren Braunschweig und Nürnberg immer einträchtig mit, jetzt tun es die Stuttgarter noch, und Paderborn sackt immer tiefer ab – aber ansonsten wehren sich die Abstiegskandidaten 2015 wesentlich besser – als der HSV.

 


 

 


„Wir sind wieder ein Stück weitergekommen, auch wenn die Ergebnisse nicht passen. Aber die werden irgendwann kommen, da bin ich mir ganz sicher.” Hat HSV-Trainer Joe Zinnbauer abends bei seinem zweiten Auftritt im ZDF-Sportstudio gesagt. Eine mutige Aussage, denn zu Buche stand und steht ja immerhin die 1:3-Niederlage in Augsburg.

 

Dieses „Dokument” habe ich heute per Zufall entdeckt. Es stammt vom 29. November 2014. Die Ergebnisse stimmen immer noch nicht, und es fällt mir persönlich schwer, daran zu glauben, dass sie noch einmal besser werden. Bei 16 geschossenen Toren! SECHSZEHN! In 25 Spielen. Ich sah gestern noch die Schlussphase von Dortmund gegen Köln (0:0). In der Schlussphase des Spiels fuhren die „Geißböcke”, denen nachgesagt wird, dass sie mauern würden, einen mustergültigen Konter-Angriff, wie ihn der HSV nicht hinbekommen würde. Sechs Kölner liefen im Sprinter-Tempo gegen den BVB-Strafraum an, sechs! Ich muss es wiederholen: sechs! Und Dortmund hat im Gegenzug kein Tor geschossen (logisch, bei 0:0), aber der BVB schoss auch deshalb kein Tor, weil alle Kölner – kurz vor Schluss – im Sprinter-Tempo wieder hinten waren. So geht Fußball. Beim HSV läuft meistens nur einer nach vorne, das ist der leidgeprüfte Ivica Olic, der arme Teufel – und die anderen sehen meistens zu und wünschen viel Erfolg. Warum sollten sie auch mit nach vorne laufen, der Ball geht doch gleich wieder verloren. Dann kann man auch hinten bleiben und getrost auf den nächsten Angriff des Gegners warten.

 

Nein, meine Herren, es stimmt hinten und vorne nicht. Vorne ganz offensichtlich, aber hinten deswegen, weil es kaum Unterstützung für den Einzelkämpfer dort vorne gibt. Sechszehn Tore: Das muss man sich mal vorstellen. In 25 Spielen. Das ist doch unfassbar. Und zu diesem Dilemma gesellt sich dann auch noch viel Pech. Hier ab und zu mal ein „falscher Elfmeter” (wie zum Beispiel in Augsburg und Frankfurt), dort mal ein „richtiger” Strafstoß mit anschließendem Platzverweis – und wer weiß schon, was es in Zukunft noch alles für und gegen den HSV geben wird? Auch an Verletzungen? Immer wieder aufbrechende Blessuren, oder auch neue, wie jetzt zum Beispiel Heiko Westermann. Der Routinier erlitt in Sinsheim eine Innenbandverletzung im Knie. Und eine solche Verletzung klingt nicht nur nicht gut, sie dürfte auch nicht schnell zu „beheben” sein. Zumindest das „Endspiel” gegen Hertha dürfte „HW4″, der in Sinsheim sein 150. Bundesliga-Spiel mit der Raute auf der Brust absolvierte, schon einmal verpassen.
Wobei ich mir jeglichen weiteren Kommentar verkneife, das darf sich ein jeder hier selbst eintragen . . .

 

Der HSV, das nur mal so zur Erinnerung, ist die schwächste Auswärtsmannschaft der Liga. Zwei Siege, neun Pünktchen und sechs (!) zu 24 Törchen. Wir schreiben inzwischen März 2015 – wer soll denn aus der Bundesliga absteigen? Die Tabelle lügt nicht, heißt es immer so schön. Aber, und das sei nun mal zum Öffnen der Augen angeführt, aus welchem Stoff sind eigentlich Absteiger gebaut? Gerade jetzt, zu diesem Zeitpunkt der Saison, wo es mit allen Entscheidungen enger, enger und enger wird, darf das ja mal gefragt werden. Und mal ehrlich, warum ist das Hertha-Spiel denn jetzt auf einmal so wichtig? Hoffenheim wäre auch mal ganz wichtig gewesen. Und die Gegner zuvor wären auch alle schon ganz, ganz wichtig gewesen. Wie oft haben wir das schon gehört, dass das alles so wichtig ist. Und dann? Passiert doch meistens nichts. Wie oft stand er HSV in der jüngeren Vergangenheit schon vor ganz wichtigen Spielen – und hat dann doch nichts geholt. Unzählige Male gab es das schon. Unzählige Male. Ich kann und mag es nicht mehr hören.

 

Natürlich hatte der HSV in Sinsheim das Pech, dass Jaroslav Drobny früh die Rote Karte gesehen hatte. Es war der zweite Platzverweis eines HSV-Torhüters seit de, 17. September 1994, als Uli Stein beim 1:1 gegen Bayern München Rot gesehen hatte. Die Statistik damals in den Spielen davor liest sich zudem ziemlich gruselig, das nur mal so nebenbei: Gelb
-Rot für Andreas Sassen (am 19. August gegen Stuttgart), Gelb-Rot für Valdas Ivanauskas (am 3. September gegen den KSC) und Rot für Michael Kostner am 10. September im Pokalspiel gegen Schalke – und danach Stein. Der hatte bekanntlich davor schon einmal „voll“ Rot gesehen, im DFB-Supercup gegen Bayern München (18. Juli 1987, 1:2 verloren), als er die „Kobra“ schlug – Jürgen Wegmann.

 

Ich sprach es ja bei „Matz ab live“ kurz an, es sei noch einmal erwähnt: Am 28. Januar 2001 verlor der HSV daheim gegen Hertha BSC 1:2. Rob Maas sah in der 28. Minute Rot, Jörg Butt verwandelte den Elfmeter zum 1:0 für den HSV – Halbzeit. Dann stellte Berlins Trainer Jürgen Röber um, von Vierer- auf Dreierkette, hatte dadurch einen Mann mehr im Mittelfeld – und der HSV verlor noch 1:2. Unterstützt auch durch eine Rote Karte für Rodolfo Cardoso (77.) – zu diesem Zeitpunkt hieß es 1:1. Aber, und das ist die Moral von der Geschicht, es geht doch, auch aus einer solchen schweren Situation noch „etwas“ zu machen.
Man muss es nur wollen? Nein, so einfach ist es dann doch nicht. Man muss auch die nötige Qualität haben, das trifft es wohl eher.

 

Und daran hapert es beim HSV gewaltig. Zwei mickrige Chancen hatten die Zinnbauers, die ja immerhin noch ohne Marcell Jansen, Slobodan Rajkovic, Marcelo Diaz, Nicolai Müller, Pierre-Michel Lasogga, Johan Djourou und Maximilian Beister auskommen mussten, in Sinsheim. Zwei. Ganze zwei. Nach einer Ecke kam Cleber zum Kopfball, Baumann hielt (61.). Und kurz vor Schluss, unmittelbar vor dem 0:3, zog Zoltan Stieber aus 16 Metern ab, traf aber genau TSG-Keeper Baumann. Ansonsten null Chancen.

 

„Anderen Mannschaften in Unterzahl wäre es nicht anders gegangen, als uns heute”, befand der für Drobny eingewechselte Rene Adler, befand zur misslichen Tor-Lage seines Teams aber auch: „Wir müssen auch mal einen machen, dann nehmen wir halt ein 1:1 mit. So machen wir blind auf und verlieren das.” Und zu diesem schwierigen Thema äußerte sich auch Joe Zinnbauer, der nach dem Spiel dem ZDF sagte: „Wichtig ist, dass die Tore in den wichtigen Spielen fallen. Am Freitag gegen Hertha BSC, da muss ein Tor fallen, und wenn wir dann keines bekommen, dann hätten wir schon mal drei Punkte mehr auf dem Konto . . .“ Wenn wir dann keines bekommen. Jawollo. Wenn.

 

Aber das ist alles Zukunftsmusik. Erst einmal schwebt hier noch ein, zwei Tage Hoffenheim durch den Volkspark, und das ist schlimm genug. „Da geht man natürlich enttäuscht raus. Die Situation ist nach wie vor nicht gut”, sagte HSV-Sportdirektor Peter Knäbel. Zwei Pünktchen Vorsprung auf den Relegationsplatz, nur zwei Pünktchen. Vor dem SC Paderborn, von dem sein Trainer Andre Breitenreiter nach der Niederlage in Frankfurt gesagt hat: „Heute haben wir gespielt wie ein Absteiger.“ Der Aufsteiger wandelt, zum Glück für den HSV (?), auf den Spuren von Nürnberg und Braunschweig. Ich glaube aber immer noch nicht, dass Stuttgart dort unten bleibt. Ich traue es Huub Stevens nach wie vor zu (und bin da ja in einem Boot mit den VfB-Verantwortlichen), dass der die Schwaben noch rettet. Denn eines muss ja festgestellt werden: So schlecht, wie es das 0:4 besagt, waren die Stuttgarter in Leverkusen nun wirklich nicht. Im Gegenteil, irgendwie habe ich nach wie vor das Gefühl, dass der VfB noch ein ganz gute Offensive hat . . .
Und der HSV hat eben keine. Das muss man so sehen – bei nur 16 Dingern. Knäbel sagt vielsagend über die Freitags-Partie gegen die Berliner: „Da müssen wir das machen, was nötig ist – nämlich den direkten Konkurrenten zu Hause schlagen. Gegen einen direkten Konkurrenten haben wir aber nicht immer überzeugt . . .” Leider ist es so. Leider, leider. Deswegen fügt Knäbel auch hinzu: „Dieses Spiel ist das bisher wichtigste Spiel in der Rückrunde für uns.”

 

Stimmt. Und als HSV-Fan kann man nur hoffen. Trainer Zinnbauer aber weiß schon, wie es mit einem Dreier klappen könnte: „Ich hoffe, dass einige Verletzte zurückkommen. Dann werden wird das Ding schon hinkriegen.” Der HSV-Coach hatte sich in Sinsheim nach der Pressekonferenz kurz verlaufen, war statt in die HSV-Kabine in den TSG-Fanshop gegangen. Seine scherzhafte Erklärung: „Ich wollte noch ein paar Fan-Artikel kaufen.” Aber so gut war Hoffenheim doch wirklich nicht. Ich hätte es gerne mal gesehen, wie das Spiel bei elf gegen elf ausgegangen wäre. Aber es ist müßig, darüber zu lamentieren oder zu spekulieren, es ist wie es ist.

 

Und unter dem Strich ist es schlimm. Schlimm bestellt um den Dino. Obwohl, es gibt doch drei kleine Aspekte, eigentlich Aspektchen, die irgendwie einen kleinen Hauch von Optimismus versprühen, die auch etwas versöhnlich (?) stimmen (könnten):

1.) Rene Adler zeigte nach seiner Einwechslung eine starke Leistung, er verhinderte eine noch höhere Niederlage. Und er unterstrich dabei seine Ansprüche, wieder als Nummer eins ins Tor des HSV zurückkehren zu wollen. Nach dieser Vorstellung in Sinsheim muss man ihm bestätigen, dass er wieder auf einem guten Weg ist, zumal Drobny nach seinem Rot ja wohl mindestens für ein Spiel gesperrt werden wird.

2.) Lewis Holtby „turnte“ zwar nur einige Minuten über den Sinsheimer Rasen, aber in dieser kurzen Zeit machte er einige gute Sachen. Das macht (mir) Mut. Auch wenn er nach der langen Zwangspause natürlich noch nicht wieder in Form sein kann, das ist schon klar. Dennoch ist auch er einer, auf den die HSV-Anhänger noch hoffen dürfen. Ich hoffe mit. Aber ganz kräftig sogar.

3.) Großartig war, dass die HSV-Fans ihr Team in Sinsheim mit Beifall verabschiedeten. Das ist doch mal ein Zeichen. Super! Vielleicht ist das ein Anreiz für alle, ihren Lieblings-Club in den restlichen Spielen so zu unterstützen, wie es sich für einen „richtigen“ Fan gehört, anstatt eigene Spieler auszupfeifen. Ich wiederhole mich in diesem Punkt gerne: Jetzt muss alles dafür gegeben werden, damit der HSV „drin“ bleibt. Alles. Gepfiffen, gemeckert oder verurteilt darf dann im Sommer werden, dann ist genügend Zeit dazu da – es findet ja keine WM oder auch nur eine EM statt. Deswegen war der Beifall der „Mitgereisten“ eine echte Wohltat – mehr davon. Bitte, bitte mehr davon. Auch wenn es mitunter, bei der Art des Fußballs, der vom HSV dargeboten wird, schwerfällt.

 

Gefragt wurde ich seit gestern um 17.20 Uhr oftmals nach Rafael van der Vaart. Der „kleine Engel“ schmorte 90 Minuten auf der Ersatzbank. Ich muss immer noch gestehen, dass ich mir (es ist meine ganz persönliche Meinung, aber die will so mancher hier ja auch hören) wünschen würde, dass „Raffa“ wieder in dieses HSV-Team zurückkehrt. So schlecht, dass er in dieser gelegentlich richtig schlechten Mannschaft noch abfallen würde, ist er gewiss nicht. Er weiß immer noch, was er mit der Kugel am Fuß zu tun hat. Und gerade jetzt, wo es im Abstiegskampf um fast schon alles geht, ist auch ein Tick Erfahrung gefragt. Schnelligkeit hin, Langsamkeit her. Bekommt van der Vaart genügend Unterstützung von seinen Kollegen, und ich meine damit nicht nur die läuferische oder kämpferische Unterstützung, sondern auch die moralische, dann wird er es allen noch zeigen, dass er es nicht verlernt hat. Davon bin ich überzeugt, auch wenn das natürlich einige, etliche oder viele inzwischen längst anders sehen.

 

Zum Schluss möchte ich noch einmal in die Vergangenheit gehen. Der HSV hat ja schon oft genug mit dem Rücken zur Wand gestanden, wo wie jetzt. Immer wieder zog der Club noch den Kopf aus der Schlinge. Und ich muss, wenn ich daran denke, immer wieder an Sascha Jusufi denken. Der HSV-Mittelfeldspieler war in der Saison 1989/90 zwar kein Kapitän, er gehörte aber zum Mannschaftsrat, und er rüttelte wochenlang seine Mitspieler auf, schärfte alle Sinne für den Abstiegskampf. Bei den Spielen, im Training und drumherum. Der HSV stand am 29. Spieltag an vorletzter Stelle, lief dann aber noch auf Platz elf ein – fünf Punkte besser als der erste Absteiger (Waldhof Mannheim). Jusufi prägte damals ein Motto, dass heute, bei der heutigen Generation von Profis, wohl kaum noch Gehör finden würde. Er sagt immer und immer wieder: „Ich werde mir hier den Hintern aufreißen, ich werde alles für den HSV geben, und das erwarte ich auch von jedem meiner Kollegen, denn ich möchte nicht in der Reihe jener Spieler stehen, die erstmalig für den Abstieg des HSV in die Geschichtsbücher eingehen.“ Aber juckt das heute noch einige Spieler? Ich glaube nicht. Dann denke ich kurz mal wieder an jene Kicker, die vor einem Jahr nach Hamburg ´geholt wurden, die aber nie ankamen, die eigentlich und bestimmt nie wussten, für welchen Verein sie da jetzt die Knochen hinhalten sollen: Ola John und Quasim Bouy. Und von diesen Johns und Bouys gibt es heute, allgemein in der Bundesliga, genügend Vertreter. So irre ist das Fußball-Geschäft inzwischen geworden.

 

Fast zum Schluss möchte ich mit dem „Schneckenrennen” aussteigen. Das „Rennen“ der diesjährigen Abstiegskandidaten kommentierte Joe Zinnbauer in Sinsheim dann doch noch mit einem Schuss Humor: „Wenn man unten drin hängt, ist es manchmal gut, wenn es beim Schneckentempo bleibt. Sonst würden uns andere überholen.” In diesem Sinne, hofft darauf, dass die alte Dame aus Berlin am Freitag ihre Zähne in der Schublade lassen wird.

 

Dann möchte ich mich noch einmal für die Panne mit „Matz ab live“ entschuldigen, und zwar ganz, ganz herzlich. Wenn einer stirbt bei einer solchen Vorstellung, dann bin ich das. Das möge man mir glauben. Ich habe leider erst nach dieser Nicht-Sendung davon erfahren, und dann bin ich immer so am Ende, dass ich nichts mehr sehen, hören und schreiben will. Nur weg, nur weg vom Ort des Grauens. Tut mir leid, dass wir Euch so lange in Unwissenheit gelassen haben, es soll nicht wieder passieren. Aber da bleibt mir – wie in der oben ausführlich angeführten Sache – auch nur das Prinzip Hoffnung

Ich habe aber volles Verständnis dafür, wenn zum Beispiel der Herr „Scorpion” geschrieben hat:

„@ Mods, @ Dieter@ Scholle.
.
Sorry, aber Eure Öffentlichkeitsarbeit ist genau so grenzwertig, wie die des HSV.
.
Könnt Ihr nicht einmal proaktiv hier einstellen, ob, wann und ob überhaupt ein „Matz ab live” stattfindet?
.
Unprofessionell. Leider.”

Stimmt. Auch leider. Aber wie gesagt, ich erfuhr es erst nach der Nicht-Sendung. Gute Nacht.
Bei der Gelegenheit möchte ich mich schnell noch einmal bei Ex-HSV-Profi Stefan Schnoor und Kult-Sänger Lotto King Karl bedanken, die wieder einmal Super-Gäste und ganz einfach nur klasse waren – vielen, vielen Dank dafür!
Dieter

 

PS: Im Prinzip dürfte morgen, am Montag, im Volkspark trainiert werden, weil ja jetzt schon am Freitag das nächste Spiel auf dem Programm steht, ich weiß aber leider nicht, wann dieses Training stattfinden wird.

 

18.31 Uhr

Abschied von 2014 – nicht ohne Stefan de Vrij…

31. Dezember 2014

Es ist der 31. Dezember, das bedeutet Abschied nehmen. Abschied nehmen von einem sportlich enttäuschenden Jahr für den HSV. Und es bedeutet, Abschied zu nehmen von einem Jahr mit neuen Rekordzahlen in Sachen Matz-Ab-Blog. So viele Leser und insbesondere Zuschauer bei den Matz-ab-Live-Sendungen hatten wir noch nie. Wir bewerten die Zahlen zwar definitiv nicht über, aber sie sind für uns Mandat und Verpflichtung zugleich, diesen Blog in Zukunft nicht minder aufwändig zu betreiben. Danke dafür!

Auch für mich heißt es heute, Abschied zu nehmen. Allerdings nur vom Jahr 2014 und nicht in der Form, wie es gestern ein anonymer Blogger hier versuchte, als Fakt zu posten. Der-/diejenige schrieb gestern, ich würde heute bekanntgeben, dass ich ab dem 2. Januar einen neuen Arbeitgeber hätte und hier aufhöre. Und – für die einen klingt das wahrscheinlich wie eine Drohung, für die anderen vielleicht eher positiv: Dem ist NICHT so. Ich werde weiterhin mit viel Freude an dieser Stelle meine Blogs verfassen, mich über Eure Kommentare freuen und ärgern, mich mit Blogger-Meinungen auseinandersetzen, mich über den HSV ärgern und freuen sowie in den Sendungen live diskutieren. Kurzum: Ich werde (wie Lars und Dieter sowieso) weiterhin alles geben, damit Ihr immer auf dem aktuellsten Stand der Dinge bleibt. Nur eines werde ich nicht mehr: Ich werde mich nicht mehr rechtfertigen, wenn irgendeine Eintagsfliege irgendwas behauptet. Das ist dieses mal eine Ausnahme. Weil ich es selbst versprochen hatte.  Leider.

Und es ist schon lange her, dass ich über den niederländischen Nationalspieler Stefan de Vrij schreib. Genau genommen schrieb ich damals am 8. Juli:

Der niederländsiche Nationalspieler entschied sich gegen einen Wechsel zum  HSV und für Lazio Rom.

Stefan de Vrij entschied sich gegen den HSV und für Lazio Rom.

In Hamburg traf sich der HSV-Boss am Wochenende mit Huub Stevens’ Sohn Maikel, der auch mal für den HSV gearbeitet hat und zu dem Beiersdorfer ebenso wie zum Vater ein exzellentes Verhältnis pflegt. Dabei soll es, so habe ich es jetzt gehört, um den niederländischen Nationalspieler Stefan de Vrij gegangen sein, den Spielerberater Maikel Stevens vertritt. Der 22-Jährige passt voll in das von Slomka, Kreuzer und Beiersdorfer vor zwei Wochen erstellte Anforderungsprofil: Er ist mit 22 Jahren noch jung, er ist als Nationalspieler aber erfahren. Er ist 1,89 Meter groß, kopfball- und zweikampfstark, schnell – und er wäre damit sicher ein Führungsspieler beim HSV. Problem ist, dass der Niederländer einen Marktwert von für den HSV ohne Kühne unrealistischen sechs Millionen Euro hat. Das Gute ist, sein Vertrag beim holländischen Erstligisten Feyenorord Rotterdam läuft in einem Jahr aus.

Und daran ist tatsächlich nicht ein Wort falsch. In dem hier reingestellten Video bestätigt das Dietmar Beiersdorfer, der damals federführend sportlich Verantwortliche (Knäbel war noch nicht im Amt). Er bestätigt den Kontakt zu de-Vrij-Berater Maikel Stevens und auch das ernsthafte Interesse an dem Abwehrspieler de Vrij. Ich habe ihm damals vor Zeugen (Mediendirektor Jörn Wolf und Lars Pegelow, der das Video drehte, waren auch dabei) noch mal den Text vom 8. Juli in ungekürzter Schriftform vorgelegt und ihn gefragt, ob er in der besagten Textpassage irgendetwas findet, was nicht der Wahrheit entspricht.

 

Dietmar Beiersdorfer kurze, eindeutige Antwort: “Nein.”

 

 

Und dafür muss ich Dietmar Beiersdorfer, der in diesem (und vor allem dem heutigen) Blog mitliest, ausdrücklich danken! Denn es ist alles andere als selbstverständlich, dass ein Vorstandsboss des HSV so ein Interna öffentlich bestätigt. Ich behaupte sogar, dass das ansonsten kein Vorstandsboss irgendeines Bundesligaklubs machen würde. Schon gar nicht als Zeuge. Warum auch? Andere Journalisten interessiert es gar nicht, ob anonym im Netz irgendwer irgendwas über sie behauptet. Sich wehren kann man eh kaum. Ich schere mich normal auch nicht darum, wenn andere Blogger nimmermüde ihre Lügen verbreiten. Nur dieses eine Mal konnte ich nicht aus meiner Haut. Wieder: Leider. Wobei, so rechtfertige ich das für mich, in der Form wurde bislang auch noch kein mir bekannter Kollege (von ernstgenommenen Bloggern) verleumdet.

 

Wollte den Niederländer Stefan de Vrij im Sommer 2014 nach Hamburg lotsen: HSV-Vorstandsboss Dietmar Beiersdorfer

Wollte den Niederländer Stefan de Vrij im Sommer 2014 nach Hamburg lotsen: HSV-Vorstandsboss Dietmar Beiersdorfe

Dieser Fall gestaltete sich auch sonst in einigen Punkten anders. Diesmal hatte ich nach genau genommen zwei Verteidigern gefragt. Neben de Vrij, der mir offiziell bestätigt wurde, hatte ich damals nach Wollscheid gefragt, der mir gegenüber aber deutlich dementiert wurde. Nach meinen Nachfragen wurde ich von HSV-Seite gebeten, den Namen de Vrij noch möglichst klein zu halten, da die eh nicht besonders große Chance, den Nationalspieler nach Hamburg zu bekommen, noch kleiner würde, wenn ich die Geschichte nicht – wie geschehen – im Konjunktiv sondern als Fakt aufgeschrieben hätte. So war es handwerklich alles sauber.

Als dann aber am 13. Juli, dem WM- Finaltag, plötzlich der Blogger „Denyo Kindvall“ die besagte Lüge über mich und diese Story so verbreitete, dass sie sogar im bundesweit millionenfach beachteten „BILD-Blog“ auftauchte und via social media weiterverbreitet wurde, sah ich Handlungsbedarf. Leider.

Denn heute weiß ich, dass ich es damals schlichtweg hätte ignorieren müssen. Ich hatte meine Wut damals aber nicht ausreichend unter Kontrolle. Ich rief umgehend bei Beiersdorfer an und bat ihn, mir die Zitate offiziell zu geben, damit ich mich diesem Vorwurf maximal glaubwürdig entledigen kann. Beiersdorfer sagte zu – allerdings unter der Prämisse, dies erst dann machen zu können, wenn der de-Vrij-Wechsel (wohin auch immer) feststeht. So kam es letztlich zu dieser Ausnahme, die mich zu 100 Prozent entlastet. Und die ist jetzt da. Verspätet.

Apropos: Dass aber ein Teil der Glaubwürdigkeit auf dem Weg bliebe, weil ich länger als angekündigt gebraucht habe, halte ich für widersinnig. Zumindest habe ich in meinem Jura-Studium seinerzeit etwas anderes gelernt. Gibt es Beweise für einen Freispruch, gilt dieser. Wann auch immer. Im schnellen Verfahren ebenso wie in einem über Jahre geführten Verfahren. In beiden Fällen sogar uneingeschränkt. Ergo: Kritik nehme ich natürlich als berechtigt an – eine (Teil-)Verurteilung jedoch nicht.

Und so schön es (vor allem aus sportlicher Sicht für den HSV) gewesen wäre, wenn der Niederländer letztlich hier gelandet wäre, de Vrij ging bekanntermaßen zu Lazio Rom. In dem hier reingestellten Videointerview, das ich so im September nach etlichen Anläufen führen konnte, bestätigt Beiersdorfer sowohl das offizielle Interesse an de Vrij als auch die Kontaktaufnahme diesbezüglich mit Maikel Stevens. Er nennt sogar den entscheidenden Grund („Finanziell out of reach“), weshalb der Defensivmann letztlich bei Lazio und nicht in Hamburg landete.

 

 

Und Beiersdorfers Bestätigungen sind mehr als ausreichend. Glaubwürdiger als er, der die Kontaktaufnahme tätigte und die Verhandlungen führte, kann keiner sein. Das hätte ich im September so reinstellen können. Dennoch wollte ich mehr.

Schon wieder: Leider.

Denn das war der Faktor, der letztlich die große Verzögerung bis heute nach sich zog. Ich wollte auch Maikel Stevens’ Aussagen dazu bekommen und mit Beiersdorfer ein längeres Gespräch mit mehreren Themen und der klaren Stellungnahme zu de Vrij führen. Erst das Einschreiten meiner Blogkollegen hielt mich davon ab. Sie rieten mir, das Video in den Blog zu stellen und das Thema damit endgültig abzuhaken. Aber ich wollte diesen Blogger ausfindig machen und habe alle mir zur Verfügung stehenden Mittel bemüht. Das allerdings gestaltete sich entgegen erster, deutlich optimistischerer Ansagen unserer IT-Fachleute so schwer, dass es am Ende nicht mehr sicherzustellen war und ist. Zum letzten Mal heute: LEIDER.

Aber das perfideste an dieser Geschichte war für mich, dass selbst die, die hier immer wieder eine Klarstellung von mir eingefordert haben, nicht bereit waren, mir den Verfasser „Denyo Kindvall“ mit natürlichem Namen zu benennen. Obwohl wenigstens eine Bloggerin (zumindest war der Blogger-Name weiblich) behauptete, ihn zu kennen, ließ sie meine Nachfragen unbeantwortet – während sie sich nicht zu schade wahr, zeitgleich gegen mich zu hetzen und die Aufklärung einzufordern..

Nun gut, dass sich der Verleumder selbst nicht meldet, war mir eigentlich von Beginn an klar. Nachdem ich klargemacht hatte, gegen diesen Blogger vorgehen zu wollen, ist er weder hier noch irgendwo sonst wieder aufgetaucht. Klar, dass er nicht die Traute hatte, sich bei mir zu melden, um die Sache friedlich aus der Welt zu schaffen. Er hat seinen viel zitierten Beitrag (http://hypocomm.blogspot.de/2014/07/stefan-de-vrij-zum-hsv-oder-so.html?m=1) sogar umgehend gelöscht, nachdem ich mit Konsequenzen für diese Art der Verleumdung gedroht hatte. Dieser „Denyo Kindvall“ ist nichts anderes, als ein Wichtigtuer, der einen Tag für Schlagzeilen sorgen wollte und dann Angst bekam, als er überhaupt erst die Folgen dessen erahnen konnte. Aber, das muss ich zugeben: Sein größter Erfolg liegt darin, dass ich darauf eingegangen bin…

Nun gut, so funktioniert das Netz leider auch. Möchtegern-Aufklärer und Couch-Blogger ohne Zugang zum HSV feiern einen anonymen Lügner ohne auch nur den Hauch eines Beweises für dessen Aussagen. Auch hier. Sie setzen Behauptungen unreflektiert in die Welt, wie sie abstruser nicht sein können. Und der größte Teil von Ihnen wird nicht einmal jetzt den Schneid geschweige denn den Anstand und/oder das Ehrgefühl haben und sich für ihre Vorverurteilung und Verbreitung der widerlegten Lüge entschuldigen.

UND: Ich persönlich brauche sie von diesen Bloggern ebenso wenig wie diese Blogger selbst. Wer mir in der Sache de Vrij trotz Beiersdorfers klarer Aussagen nicht glauben will, den lade ich nur allzu sehr von Herzen dazu ein, diesen Blog zu meiden. Denn der- oder diejenige will definitiv nicht die Wahrheit lesen, schreiben oder hören – dieser Person geht es lediglich darum, Ärger zu machen.

Dennoch, und so will ich das Jahr 2014 blogtechnisch dann auch beenden: Ich entschuldige mich noch mal für die Verzögerung und vor allem für meine übereilige Ankündigung, alles mit Ende der Transferperiode aufzuklären. Das war so gar nicht zu halten, da es nicht alles allein in meiner Macht lag. Ich hoffe aber auch, dass dieses Beispiel Warnung genug ist, wie schnell man in Verruf gerät, ohne sich sofort wehren zu können. Denn gerade in meinem Beruf ist es wichtig, Quellen zu haben, die glaubwürdig sind und die mir vertrauen. Dazu gehört natürlich, dass diese Quellen von mir niemals preisgegeben werden.

In diesem Sinne, bis morgen. Dann mit dem ersten Blog im Jahr 2015 – in dem „Jahr des neuen HSV“. Hoffentlich.

Euch allen bis dahin einen feierlichen Übergang. Rutscht gut rein, bleibt dem HSV weiter gewogen, unterstützt ihn so enthusiastisch und leidenschaftlich wie immer, freut und leidet hier im Blog mit uns – aber vor allem: bleibt gesund. Alle. Auch die, die mir vielleicht nicht (mehr) glauben.

Euch allen nur das Beste,
Scholle

0:1 gegen zehn Mann – unterirdisch!

16. Dezember 2014

Sie hätten noch Stunden spielen können, sie hätten kein Tor erzielt – die HSV-Stars 2014. Fast eine ganze Halbzeit lang spielte der VfB Stuttgart nach der Roten Karte für Niedermeier nur zu zehnt, aber der spielerisch in seinen Mitten arg begrenzte HSV war nicht in der Lage, wenigstens einen Punkt zu retten. Mit 0:1 ging das letzte Heimspiel eines verkorksten Jahres mit einer dramatisch schwachen Leistung zu Ende. Gegen einen Tabellenletzten, der in allen Belangen überlegen war. Das sollte jedem Hamburger zu denken geben. Und zwar richtig zu denken. Die Mannschaft wurde nach diesem „Sechs-Punkte“-Spiel, wie es vorher von Trainer Joe Zinnbauer genannt wurde, mit Pfiffen verabschiedet. Das war tatsächlich unterirdisch, was da an diesem 16. Dezember auf dem rasen des Volkspark stattgefunden hatte. Und nun geht es am Sonnabend nach Gelsenkirchen – wer glaubt da noch an ein Wunder? Dieser HSV muss sich m Winter ganz neu aufstellen – so kann, so darf es nicht weitergehen. Das ist nicht erstligareif! Eindeutig nicht. In dieser schlimmen Verfassung ist nicht mal die Relegation mehr drin . . . Frohes Fest!


 

3:0 war der meistgenannte Tipp vorher – für den HSV natürlich. Vornehm geht die Welt zu Grunde. Weil dieser HSV selbstverständlich eine Torfabrik ist, weil er zuletzt alle Gegner aus dem Volkspark gefegt hat, weil der HSV zu Hause wieder eine Macht ist. Von wegen! Grausam, dieses Gekicke. Ganz, ganz grausam. Und die Sorgen der Verantwortlichen werden zu Weihnachten noch einmal größer. Fröhliches Fest!

 

51 Jahre, 114 Tage, drei Stunden und 46 Minuten – da wurde zur Pause gepfiffen. Und es gab massig Pfiffe. Von den HSV-Fans, für den HSV. Der Dino schwächelt wieder einmal sehr, das ist kein Bundesliga-Format. Und die Stuttgarter Kollegen, die Journalisten, die vorher auf einen HSV-Sieg getippt hatten, staunten. Sie staunten deshalb, weil dieser HSV noch viel schlechter spielt, als ihr VfB – und der galt vorher schon als schlecht. Aber keine Frage, dieser HSV hat auch in dieser Saison schon wesentlich bessere Tage erlebt, so ist die Liga ganz sicher in allergrößter Gefahr. Ein Kollege aus dem Ländle stellte zur Pause fest: „Der HSV spielt zwei Klassen schlechter als der VfB . . .“ Stimmte.
Nach 45 Minuten hätte Stuttgart 3:0 oder gar 4:0 führen können. Vom HSV war offensiv – bis auf die Anfangssekunden – nichts zu sehen. Natürlich nicht. Woher soll es auch kommen? Da war vorher nichts, und da ist jetzt auch nichts. Zuletzt stand aber wenigstens die Defensive, doch die leistete sich diesmal auch einen Bock nach dem anderen. Unfassbar.

 

Am Spielfeldrand gab Trainer Joe Zinnbauer pausenlos Anweisungen. Wie ein Alleinunterhalter, er gestikulierte, er schrie, er trieb an – vergeblich. Zuerst stand er da im Pullover, er hätte sich eigentlich heiß gestikulieren müssen, aber in der 36. Minute zog er sich eine Jacke über – weil ihn das Spiels einer Mannschaft nicht mehr erwärmen konnte. Da kam ja nichts – im Gegenteil, nur der VfB kam. In der 16.Minute stand der gebürtige Hamburger Harnik nach einer Ecke am langen Pfosten völlig frei, doch Glück für den HSV – der Mann von Vier- und Marschlande ballerte den Ball in den Abendhimmel. Und noch einmal Harnik: Klein bediente seinen Torjäger per Kopfballablage, doch der Österreicher (Harnik) drosch den Ball aus spitzem Winkel und aus sieben Metern weit am HSV-Tor vorbei. Noch einmal Glück. Aber die Warnung nahm beim HSV niemand ernst. In der 36. Minute klärte Lewis Holtby nach einem Eckstoß und einem Niedermeier-Kopfball auf der Torlinie. Chancen fast im Minutentakt. Für den VfB. In der 38. Minute sah es so aus, als dürfe jeder Stuttgarter mal auf das HSV-Tor ballern. Abgewehrt, abgeblockt, abgewehrt, abgeblockt – das sah ganz nach einer Schießbude vom Dom aus. Wahnsinn!

 

Und dann das längst überfällige Führungstor. Rafael van der Vaart spielte kurz hinter der Mittellinie einen Fehlpass – Konter. Und während die Fans noch pfiffen, spielte Harnik den Ball zur Mitte, Valon Behrami grätschte – den Ball genau in den Lauf von Maxim, der schoss nicht etwa eigennützig auf das HSV-Tor, sondern bediente den mitgelaufenen Klein, und der durfte sich die Ecke aussuchen (44.). Unhaltbar für Jaroslav Drobny, dem nur die Zuschauerrolle blieb.

 

Der HSV hatte damit eine erste Halbzeit hinter sich gebracht, die total erschütternd verlaufen war. Huub Stevens, der VfB-Trainer, hatte vorher etwas unfair den Schiedsrichter gebeten, auf die Härte der Hamburger zu achten – musste er gar nicht. Dieser HSV, der noch vor Wochen Bayer Leverkusen „auseinandergegräscht“ hatte, bot diesmal nur das Schweigen der Lämmer. Nicht mal Behrami holte die Keule raus. Im Gegenteil, der Schweizer hatte diesmal einige Patzer zu bieten – und beschied in der 34. Minute den Fans im Norden, nicht zu pfeifen, sondern die Mannschaft (und sich) zu unterstützen. Aber der Funke sollte eher vom Rasen auf die Tribünen überspringen, doch durch was? Der HSV spielte nur Zufalls-Fußball – und jeden dritten Ball zurück. Und er hatte größte Probleme, wie der VfB mit zwei Angreifern Forechecking betrieb, und weil die Stuttgarter hinten (bei HSV im Ballbesitz) mit einer Sechser-Kette (6:2:2-Tatik) auf die Hamburger warteten. Aber da kam kaum etwas. Das war alles nichts Halbes und erst recht nichts Ganzes, das war einfach nur kümmerlich. Stuttgart wartete auf Fehler des HSV, die kamen – Konter auf Konter folgten. Eine simple Taktik, die gegen diesen HSV genügt.

 

Vor dem Spiel hatte ich unseren Dauer-Gast bei „Matz ab live“, Jürgen Stars getroffen. Der frühere HSV-Torwart sagte: „Ich hoffe, dass sich die HSV-Spieler so bewegen, wie gegen Leverkusen. Nur so geht es. Sie müssten es gemerkt und begriffen haben. Früher, bei Branko Zebec, war es so, dass kein Spieler auch nur kurz mal stehen bleiben durfte. Stand einer, wurde er angeschrien oder vom Platz beordert. Das sollten sich die Jungs von heute mal zu Gemüte führen.“ Sollten. Aber es sind wohl doch einige Stehgeiger zu viel an Bord des Hamburger Schiffes . . .

 

Die zweite Halbzeit begann verheißungsvoll. Für den HSV. Artjoms Rudnevs wurde Richtung VfB-Tor geschickt (gut gelaufen, Rudi!), Niedermeier riss den Letten aber 17 Meter vor dem Gehäuse zu Boden. Freistoß – aber Rot für den Recken der Schwaben (53.). Pech für den HSV, dass der folgende Freistoß von Rafael van der Vaart abgefälscht nur an der Latte landete – Ecke statt Tor. Dann kommt eben auch noch so etwas hinzu.

 

Der HSV rannte danach gegen zehn wackere Schwaben an, aber gegen diese Beton-Abwehr reichten die spielerischen Mittel nicht aus, um da noch etwas zu gewinnen. Obwohl Lewis Holtby in der Schlussphase doch einige Ideen hatte, nur fand er bei de Kollegen kau mal einen Abnehmer. Dieser HSV ist tatsächlich so schlecht, wie er steht. Vielleicht sogar noch schlechter. Wir hoffen mal auf eine Winterpause, in der an allen Ecken etwas getan werden kann – und auch wird. Sonst geht es diesmal wirklich schief.

 

Der HSV spielte mit: Drobny; Diekmeier, Djourou, Cleber (81. Stieber), Marcos; Behrami (71. Arslan); van der Vaart; Müller, Holtby; Lasogga (45. Gouaida), Rudnevs.

 

Die Einzelkritik:

 

Jaroslav Drobny muss in Halbzeit eins der Mann mit dem meisten Ballbesitz. Nicht etwa deswegen, weil Stuttgart sein Tor belagerte, sondern weil die Kollegen des Tschechen eisern und immer wieder auf ihn zurückspielten. Wahnsinn. Aber so kann der Gegner eben kein Tor schießen. Was er dann doch konnte, weil der HSV den Ball vorlegte. Drobny spielte ansonsten gut und auch gut mit.

 

Dennis Diekmeier war zuletzt besser, diesmal waren da doch einige Schnitzer mit in seinem Spiel.

 

Johan Djourou leistete sich diesmal einen Durchhänger der größeren Art, er bot eine miese Partie – aber das darf er wohl auch mal wieder.

 

Cleber ließ sich leider oft von seinem „Vorturner“ anstecken, das war diesmal leider nichts – oder nicht sehr viel.

 

Ronny Marcos bot eine ganz schwache erste Halbzeit mit unheimlich vielen Fehlern, dann eine leichte Steigerung. Aber immer noch nicht gut.

 

Valon Behrami gewann diesmal auch kaum einen Zweikampf auf die für ihn typische bissige Art. Das war seine bislang schwächste Vorstellung im HSV-Trikot. Viele Fehlpässe. In der 71. Minute ausgewechselt.

 

Rafael van der Vaart gehörte diesmal eindeutig zu den Stützen des ansonsten schwachen HSV-Teams.

 

Nicolai Müller fand nicht so wirklich statt. Gelegentlich wirkte er nicht ganz austrainiert, wenn er nur halbherzig hinter seinem Gegenspieler her lief. Kann das sein?

 

Lewis Holtby wollte, biss, aber so richtig fand er nie zu seinem (früher einst gezeigten) Spiel. Schade, schade. Für den HSV.

 

Artjoms Rudnevs war deutlich die bessere Spitze von beiden. Er bot sich an, lief viel in die Gassen, versuchte alles, trotz gelegentlicher spielerischer Mängel.

 

Pierre-Michel Lasogga fand diesmal nicht statt. Vergab in der 12. Minute eine gute Möglichkeit (nach Pass von van der Vaart), anschließend nie wieder zu sehen. Bis zu seiner Oberschenkel-Verletzung. Winterpause!

 

Mohamed Gouaida (ab 45. Min. für Lasogga) machte seine Sache ordentlich – oder sogar besser als das.

 

Tolgay Arslan (ab 71. Min. für Behrami) hatte die Woche über sehr gut trainiert, machte mehr als Behrami, aber es langte nicht.

 

Zoltan Stieber (ab 81. Min. für Cleber) sollte noch einmal Dampf machen – gegen diese Beton-Abwehr. Wurde nicht viel draus.

 

PS: Wir sind gleich wieder mit „Matz ab live“ zur Stelle. „Scholle“ und ich freuen uns auf Euch, wir werden dann natürlich über das Spiel gegen die Schwaben sprechen. Unser Gast ist diesmal ein Mann aus der Mannschaft von 1983, es ist Aufsichtsrats-Mitglied Thomas von Heesen.

 

PSPS: Von Fans für Fans – zum Fest. Das Buch für Fans, und das Kinder der Westkurve. Das umfasst 660 Seiten und wiegt 3,1 kg, aber noch spannender ist der Preis: Das Werke kostet jetzt nun EUR 19,90, zu bestellen unter shop@schriftmanufaktur.com.

 

 

Dann gab es da noch eine Mail von „Tante Käthe“, die zwar an uns gerichtet ist, die aber alle interessieren dürfte, die sich in der kalten Jahreszeit so gerne beim Training und im Volkspark aufhalten:

„Lieber Dieter, lieber Scholle, lieber Lars,

weil Ihr immer so tapfer für uns bei Wind und Wetter Euch die Beine in den Bauch steht, hier ein Rezept, mit dem Du sogar tote Elefanten wieder aufwachen lässt :-). Zwei Tassen Wasser in einen Topf zum Kochen bringen, sechs dünne geschälte Scheiben Ingwer zugeben, zehn Minuten kochen lassen. Nach zehn Minuten den Topf von der Herdplatte nehmen und den Saft einer halben frischen Zitrone zugeben und gut verrühren.
In einen Becher geben, dazu zwei Löffel Honig, fertig.
Das Zeug riecht übel, schmeckt aber nicht schlecht und wirkt Wunder!

Deine und Eure Tante Käthe

Vielen Dank für den Tipp, klingt spannend!

 

22.02 Uhr

Van Nistelrooy verstärkt den HSV

15. Dezember 2014

Der Tag vor dem Spiel bietet selten interessantere Themen als die Aufstellungsvarianten, die noch im Spiel sind. Die allerdings halten sich vor dem Spiel gegen den VfB Stuttgart sehr übersichtlich, soll heißen: Eigentlich gibt es für Trainer Joe Zinnbauer keinen Grund zu wechseln. Der Kader zumindest ist schon mal der aus dem Freiburg-Spiel. Und auch die Startelf scheint Bestand zu behalten. Es sei denn, es verletzt sich noch jemand. So, wie zuletzt Valon Behrami, der Knieprobleme hat oder auch Cléber Reis, der sich in Freiburg die Schulter prellte. „Cléber selbst will spielen, wenn es nach ihm geht“, sagt Zinnbauer, der bekannt dafür ist, eigentlich immer mindestens eine Position umzubesetzen. Diesmal allerdings sagt er: „Cléber kann – Stand jetzt – spielen. Zudem haben wir zu Hause gewonnen, auswärts gepunktet. Also eigentlich gibt es da keinen Grund zu wechseln.“ Wobei das „eigentlich“ die Sache wieder offen hält. So, wie es sich Zinnbauer immer wieder rausnimmt. Auch diesmal wird es wohl wieder eine Nachtentscheidung aus dem Bauch heraus. „Kennt ihr ja“, so Zinnbauer lächelnd.

Die Sendung beginnt um 22:30 Uhr.

Wobei sich der HSV-Trainer diesmal einen Tippgeber ins Trainerteam geholt hat, der qualifizierter kaum sein könnte: Ruud van Nistelrooy. Der einstige Weltklassestürmer von Manchester United und Real Madrid. Und der Mann, der zwischen Januar 2010 und Juni 2011 beim HSV in 36 Spielen zwölf Tore erzielte, ohne hier wirklich je richtig glücklich zu werden. Dennoch kehrt der Welttorjäger von 2002 gern nach Hamburg zurück. „Immer wieder“, so der Angreifer, „ich treffe hier häufiger alte Freunde und besuche die Stadt.“ Allein in der Imtech-Arena war er seit seinem Weggang nicht mehr. Aber das wird sich ändern – und es darf als gutes Omen gewertet werden. Immerhin geht es bei seinem ersten und einzigen Spiel als HSV-Hospitant gegen eben jenen Club, gegen den er auch 2010 seinen Einstand feierte.


Und das äußerst eindrucksvoll. Am 13. Februar in der 65. Minute in der Mercedes-Benz-Arena für Mladen Petric eingewechselt, brauchte „Van the Man“ gerade zwölf Minuten, um das Spiel für den HSV zu entscheiden. Zunächst per gekonnter Direktabnahme mit links (Tesche hatte per Kopf verlängert), dann nach einer Vorlage von Marcus Berg mit rechts ins lange Eck zum 3:1-Endstand. Was für ein Einstand! Ich weiß noch, wie ich damals abgegangen bin. Im „Schweizer Haus“, einer urigen Kneipe mit zig Fernsehern und einer Menge HSV-Schlag, hatte ich das Spiel verfolgt und mich zunächst gelangweilt. Bis Ruud kam – und traf. Und noch mal traf. In den 25 gespielten Minuten ließ er bei vielen (auch bei mir) kurzzeitig die Hoffnung aufkeimen, der HSV habe endlich wieder einen echten Weltklassestürmer verpflichten können.

Allein es kam anders. Leider. Denn van Nistelrooy fand sich in Hamburg kaum bis nie richtig ein. Er trainierte in 18 Monaten unter vier HSV-Trainern (Labbadia, Veh, Moniz und Oenning) und erlebte sogar einen Vorstandswechsel mit. „Es war viel los, sehr unruhig damals“, so van Nistelrooy rückblickend. Für zwei Tage hospitieren der Cotrainer der Oranje der sowie drei seiner Trainerkollegen Zinnbauer beim HSV. Ein echtes Bild vom aktuellen Zustand der Mannschaft hat er zwar noch nicht, aber er hofft darauf, dass sich Besserung einstellt. Sowohl morgen mit ihm als Glücksbringer gegen Stuttgart als auch generell in Sachen Vereinsführung. „Der HSV macht noch immer sehr viel Eindruck, weil alle hier ist, was man braucht, um ein Verein zu werden, der oben mitspielt in der Bundesliga“, sagt van Nistelrooy, der sich insbesondere für die Strukturreform und deren Auswirkungen interessiert. „Ich glaube, dass das einer der größten Wechsel ins Positive gewesen ist in letzter Zeit. Und auch die Rückkehr von Didi Beiersdorfer wird dem Verein viel bringen.“ Vor allem hoffe er, dass der HSV so wieder Konstanz leben und seine Spieler entwickeln kann.


Es war ein insgesamt sehr sympathischer Auftritt van Nistelrooys heute, wie Ihr nachsehen könnt. Auf jeden Fall besser als unser letztes Zusammentreffen mit ihm in Marbella… Aber im Ernst, van Nistelrooy stellte sich heute freiwillig den Fragen, beantwortete sie ausführlich und betonte dabei seine Freude über die Rückkehr (was soll er auch sonst machen?!?). Und er zeigte sich bescheiden. Trotz seiner Weltfußballer-Karriere und seinem Posten als Co des wichtigsten Trainerjobs in den Niederlanden wolle er erst einmal noch eine ganze Menge lernen, ehe er sich den Trainerjob als Chef zutrauen würde. Er sei noch nicht in der Startposition für einen derartigen Posten – eben so, wie die HSV-Stürmer es in Sachen Toreschießen noch nicht zu sein scheinen. Denn während van Nistelrooy in jedem dritten HSV-Spiel traf, bringt es Lasogga in der aktuellen Spielzeit auf zwei Treffer in 15 sowie Rudnevs auf einen Treffer bei zehn Einsätzen. Bleibt nur zu hoffen, dass van Nistelrooy den einen oder anderen guten Tipp für seine HSV-Nachfolger hat…

Zumindest haben die HSV-Angreifer bislang, was sicherlich in Teilen auch der Taktik geschuldet ist, wenig glänzen können. Wirklich Eindruck hat beim kommenden Gegner lediglich die Intensität des HSV-Spiels hinterlassen. „Wir werden uns einstellen müssen auf eine sehr aggressive Art und Weise im HSV-Spiel“, warnt van Nistelrooys Landsmann und Ex-HSV-Trainer Huub Stevens vor der harten Gangart des HSV. Worte des VfB-Trainers, die Zinnbauer nicht nachvollziehen kann und will: „Das Leverkusen-Spiel ist schon lange her. Ich weiß nicht, ob das als Ausrede für die Trainer dienen soll, aber ich kann’s nicht mehr hören.“ Vielmehr könne das nur der Versuch einer Beeinflussung des Unparteiischen (Felix Brych pfeift) sein, zumal Stevens heute noch nachlegte: „In diesem Fall sind wir alle gefragt. Wir, und auch die Schiris – damit müssen wir uns alle befassen.“ Und so offensichtlich der Versuch Stevens’ für Zinnbauer auch sein mag, so zeugt er doch von dem Respekt, den sich der HSV nach Jahren endlich wieder bei den Gegnern erarbeitet hat. Denn, so formulierte Zinnbauer seine Philosophie, wenn der HSV schon spielerisch nicht dominieren kann, dann zumindest über den Kampf. Und das wissen die Gegner. Der HSV ist kein einfaches Opfer mehr. Schon gar nicht in der Imtech-Arena…

Im Abschlusstraining heute ließ Zinnbauer erneut Pressing und Überzahlspiel üben, was viele Torabschlüsse (und auch etliche Treffer) zur Folge hatte. Dabei scheint er weiter auf die Startelf der Vorwoche zu setzen. Sollte Behrami ausfallen, würde die Entscheidung zwischen dem zuletzt in Freiburg eingewechselten Jiracek und Tolgay Arslan fallen. Beide agierten heute im orangefarbenen Shirt im so genannten A-Team. Wobei die Tendenz eindeutig ist: Behrami wird spielen können. Das hoffe ich auf jeden Fall. Und so wurde es uns heute auch mehrfach angedeutet.

In diesem Sinne, morgen gegen Stuttgart geht es in der von vielen (heute Zinnbauer) als „Sechs-Punkte-Spiel“ betitelten Partie darum, den Anschluss ans Mittelfeld herzustellen und den Abstand nach unten zu vergrößern. „Und es geht um unsere Serie im eigenen Stadion“, so Diekmeier, der heute erstaunlicherweise nicht wie bei den letzten Heimsiegen als Spieler auf dem Podium Platz nahm. Wobei, in Sachen Aberglaube sollte ein van Nistelrooy auf der Tribüne reichen…

Bis morgen,
Scholle

P.S.: HSV: Drobny – Diekmeier, Cléber, Djourou, Marcos – Behrami – Holtby, van der Vaart, Müller – Lasogga, Rudnevs P.P.S.: René Adler trainierte heute wieder auf dem Platz, steht aber noch nicht im Kader.

Nächste Einträge »