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Die HSV-Defensive unter der Lupe

21. Dezember 2012

Andere (Zeitungen, Fernsehen, Journale) hören damit auf, wir legen damit los: mit der Beurteilung der HSV-Hinrunde. Jeder Spieler wird von mir unter die Lupe genommen und beurteilt, das hat schon Tradition. Sonst haben „Scholle“ und ich das abwechselnd gemacht, aber der Vater in spe hat Urlaub genommen, also werde ich es diesmal alleine schaffen müssen. Und keine Angst, es geht auch – natürlich. Der Start wird jetzt mit der Defensive erfolgen, und darin enthalten sind natürlich auch die Torhüter.

Jaroslav Drobny ist die Nummer eins des HSV, mit dem tschechischen Nationalkeeper lege ich los. „Jaro“ kann nicht glücklich sein, weil er nur der Ersatzmann ist, und er ist es auch ganz bestimmt nicht. Dennoch, beim Training sieht man ihn oft lachen – es muss Galgenhumor sein. Weil er im Grunde genommen fertig ist mit dem HSV. Was man wiederum auch bei den Trainingseinheiten nicht sehen kann, denn er lässt sich ganz gewiss nicht hängen. Und das finde ich geradezu fantastisch – und vorbildlich. Gespannt bin ich allerdings, ob dem guten „Jaro“, der seit einem Jahr (oder schon länger?) nicht mehr mit der Presse spricht (bis auf die Vorstellung von Landsmann Petr Jiracek), die ganze Situation dann doch mal auf den Keks geht – und er seine Konsequenzen zieht. Und den Verein wechselt. Angebote müsste er eigentlich genug erhalten, denn seine Klasse hat er in der vergangenen Saison oftmals bewiesen.

Rene Adler ist mit der Rückennummer 15 die Nummer eins des HSV – und das ist wörtlich zu nehmen. Adler ist einfach nur klasse, und zwar in allen Lebenslagen. Dass er im Tor sensationell gut ist, davon konnte sich in Hamburg bereits jeder überzeugen. Der Mann scheint mitunter acht Arme zu haben – und wie er dazu fliegt, wie er abhebt, wie er durch die Lüfte segelt – unglaublich. Hinzu kommt, dass dieser Rene Adler auch ein Vorbild-Profi ist, der eine hervorragende Einstellung zu seinem „Job“ mitbringt, und noch ein wenig höher ist zu bewerten, dass der Nationaltorwart auch ein großartiger Mensch ist. Das „Gesamtpaket“ Adler, wie ich es mal nennen möchte, ist in sich zu 100 Prozent stimmig, ich glaube, dass der einer der besten Neueinkäufe des HSV in den letzten 30 Jahren ist. Für die Nummer 15 gibt es von mir eine dicke Eins.

Tom Mickel kann sich, wenn er nicht gerade bei der Zweiten (in der Regionalliga spielt), nur im Training zeigen. Und das tut er. Sehr gut sogar. Geht es nach den Leistungen während der Woche, hätte ich keinerlei Probleme, wenn er einmal als Ersatzmann zwischen die Pfosten müsste. Er könnte es, keine Frage. Allerdings, und das hat er dann auch in der Regionalliga-Mannschaft gezeigt, dürfte es an Spielpraxis mangeln – daran hapert es natürlich. Und das ist beim einem Torhüter noch von viel größerer Bedeutung, als bei einem Feldspieler. Ich bin auch bei Mickel gespannt, wie lange er sich noch das „fünfte Rad am Wagen“ antun wird.

Sven Neuhaus ist der vierte Mann unter den HSV-Torhütern und hat quasi keine Chance auf einen Einsatz in der Bundesliga. Schade eigentlich, denn er zeigt auch im Training, dass er es drauf hätte. Ich tippe mal, dass es seine letzte Saison beim HSV sein wird – oder er geht eventuelle auch schon in diesem Winter. Über Neuhaus kann ich auch nur das Beste sagen, er hatte bei „Matz ab live“ einen großartigen und überaus sympathischen Auftritt – er passt eigentlich sehr gut zum HSV, bis auf die Tatsache, dass er auf Dauer nur ein „Trainings-Weltmeister“ sein wird.

Dennis Diekmeier hat sich in dieser Spielzeit „berappelt“ und gezeigt, warum ihn der HSV eins als großes Verteidiger-Talent aus Nürnberg an die Elbe geholt hat. Keine Frage ist, dass Diekmeier zugelegt hat, dass er deutlich besser geworden ist. Keine Frage ist aber auch, dass er noch zulegen muss. Und zwar offensiv wie defensiv. Er muss noch an sich arbeiten, und wenn das beim HSV nicht erkannt (und gemacht wird), dann muss er selbst dafür sorgen. Sonst steht er eines Tages mit leeren Händen im Volkspark und sagt: „Ich war mein ein Talent, aber ich habe nichts daraus gemacht. Und die Nationalmannschaft habe ich auch nur im Fernsehen gesehen.“ Also, da muss noch mehr kommen, auch viel mehr Eigeninitiative. Als junger Spieler sollte man, das höre ich von den “Alten” immer wieder, nicht schon damit zufrieden sein, dass man es bis zum HSV geschafft hat. Wie hat Ditmar Jakobs früher immer gesagt: “Weiter, weiter, immer weiter . . .”

Michael Mancienne hatte seinen absoluten Tiefpunkt in Frankfurt, als ihm bei der 2:3-Niederlage Knoten in die Beine gespielt wurden. Was anschließend passierte, ist für mich eine Art Wunder. Der Engländer ging zum Trainer in die Kabine und entschuldigte sich nicht nur für diesen unterirdischen Auftritt, sondern versprach auch gleichzeitig, dass es so etwas nie wieder geben würde. Und? Er hielt Wort. Bislang jedenfalls. Auch Mancienne ist einer der Aufsteiger der Saison, auch wenn für ihn gilt: Da muss noch mehr kommen, da ist noch Luft nach oben.

Heiko Westermann ist inzwischen aus dieser HSV-Mannschaft nicht mehr wegzudenken. Der Kapitän ist für mich ebenfalls eine glatte Eins, und das gilt für seine Leistungen auf dem Platz – als auch für seine Auftritte als Kapitän in den Katakomben der Arena. Wie sich Westermann, der sich 90 Minuten lang für sein Team (und den HSV) zerreißt, an den eigenen Haaren aus dem Sumpf gezogen hat, das ist phänomenal, das ist auch vorbildlich. Er hat es allen gezeigt, auch seinen größten Kritikern – die inzwischen schweigen und längst nicht mehr pfeifen.

Marcell Jansen ist ebenfalls eine positive Überraschung dieser Saison. Um „Jogi“ Löw zu gefallen (?), um wieder eine Chance in der Nationalmannschaft zu erhalten, spielt er nun wieder Linksverteidiger. Ich hatte meine Vorbehalte, das gebe ich gerne zu, aber Jansen hat gezeigt, dass er kann – wenn er will. Und jetzt will er plötzlich. Er kämpft, er grätscht, er geht zur Sache – verzichtet fast ganz auf seinen ehemals gezeigten Alibi-Fußball. Nur so geht es. Und jetzt muss er beweisen, dass er gewillt ist, diese Leistungen auch über eine ganze Saison zu bringen. Es wäre zu seinem persönlichen Vorteil, auch zum Vorteil für Trainer Fink und somit auch für den HSV. Wenn Jansen von großen Verletzungen verschont bleibt, dann steht ihm eigentlich nichts im Wege, weiterhin 100 Prozent zu geben. Er muss es, denn sonst dürfte er auch wieder draußen (oder nur weiter vorne?) sein.

Dennis Aogo war zu Saisonbeginn erkrankt, fiel längere Zeit aus – und verlor seinen Stammplatz an Marcell Jansen. Viel Pech für den Nationalspieler, der es nun im Mittelfeld versuchen muss. Und da seine Sache nicht nur nicht schlecht macht, sondern sehr, sehr gut. Was ihm dennoch nicht sonderlich gefallen dürfte, weil er in der Nationalmannschaft mit Sicherheit niemals einen Platz im Mittelfeld erhalten wird. Deswegen hängt Aogo immer noch an „hinten links“, und ich bin gespannt, wie es in diesem Duell (mit Jansen) bis zum Sommer weitergehen wird. Dass Aogo ein absoluter Teamplayer ist, das beweist er in den Spielen, denn er rennt in erster Linie für die Mannschaft. So war er schon immer, was leider nicht allen HSV-Fans aufgefallen ist. Auch in den schlechtesten Zeiten des HSV war Aogo immer bemüht, etwas für diese Mannschaft und für dieses Team zu tun. Und das ist vielleicht auch sein großer Nachteil. Eventuell sollte er mal nur an sich denken, oder auf jeden Fall viel mehr, denn wenn er an sich denken würde, dann würde er feststellen, dass er – wie im „Fall Diekmeier“ viel mehr für sich selbst tun müsste. Auch in seinem „Fall“ gilt: Tut es keiner vom HSV für ihn, dann muss er es selbst für sich tun. Und da gibt es durchaus Beispiele, die es ihm vorgemacht haben.

Zhi Gin Lam ist ein Talent, Thorsten Fink ist davon überzeugt, dass er auch ein Verteidiger-Talent ist – ich bin es nicht. Und es dürfte auch noch lange, lange dauern, ehe ich davon überzeugt sein werde. Ich glaube sogar, dass es diesen Tag (und dieses Aha-Erlebnis – für mich) niemals geben wird. Es wird meiner Ansicht nach keinen zweiten „Philipp Lahm“ in der Bundesliga geben, auch wenn es ein Weihnachtswunsch von Thorsten Fink ist. Unserem HSV-Lam fehlt die körperliche Bereitschaft, „hinten links“ zur Sache gehen zu können. Das mag ja noch kommen, aber im Moment ist noch nicht viel davon zu erkennen.

Paul Scharner kam – und war verletzt. Und als er fit war, da sah er Rot. Welch ein dramatischer Saisonverlauf für den Österreicher, von dem ich mir zu Saisonbeginn doch so einiges erhofft hatte. Ich hatte den Nationalspieler Scharner mit vielen Vorschusslorbeeren bedacht, aber davon ist nichts, absolut nichts übrig geblieben. Aber was noch nicht war, dass kann ja vielleicht noch einmal kommen. Er müsste nur sein Temperament zügeln, sonst dürfte es noch mehr Erlebnisse geben, die diese Rote Karte in Freiburg. Wenn Scharner noch einmal (s)einen Fußball-Frühling erleben will, dann muss er in diesem Punkt an sich arbeiten – und zwar ganz hart. Härte allein macht es eben nicht in der Bundesliga, dazu gehört auch ein gutes Auge. Das hat er bislang noch nicht gezeigt.

Jeffrey Bruma hätte eigentlich alles, um in dieser HSV-Mannschaft Stammspieler zu sein – nur zeigt er es viel zu selten. Phasenweise sogar gar nicht. Ich habe das Gefühl, dass er es noch nicht kapiert hat, dass er im Begriff ist, eine großartige Karriere zu verschenken. Es nützt nichts, dabei zu sein. Und es nützt auch nichts, zu resignieren und mit einem gelegentlichen Anflug von Galgenhumor durch den Trainings-Alltag zu gehen. Lernt er es nicht, dass er beißen muss, dass er kämpfen muss, dass er dem Trainer eine hundertprozentige Einstellung zeigen muss, dann wird er – auf jeden Fall in Hamburg – auf der Strecke bleiben. Was für mich ein Jammer wäre, denn – wie gesagt – er hätte allemal das Zeug dazu, Stammspieler dieser Mannschaft zu sein. Nur Einstellung muss er lernen – aber schafft er das noch? Ich habe meine Zweifel.

Slobodan Rajkovic kam als „harter Hund“ zum HSV, trat in einem Training auch (gegen Heung Min Son) als ein solcher auf, war danach auch in einem Abendblatt-Interview ganz hart (gegen den Trainer) – und hatte damit seine Zukunft in Hamburg schon verspielt. Bedauerlich. Er hat die gesamte Situation unterschätzt, er hätte weder das eine noch das andere tun dürfen – er weiß es heute selbst am besten. Jetzt allerdings ist es zu spät, die Gräben wird er nicht mehr zuschütten können – er wird wohl im Winter gehen müssen – in diesem Winter.

Janek Sternberg ist ein Talent aus der Regionalliga, kam aber über diese Rolle (ein Talent zu sein), nie hinaus. Und wenn er bei Rodolfo Cardoso (in der Zweiten) spielt, dann müsste er sich in meinen Augen viel mehr abheben – um mal eine Chance „ganz oben“ erhalten zu können. Das ist bislang aber (noch) nicht passiert, er muss sich viel mehr ins Zeug legen, muss auch körperlich noch zulegen.

So, das war die Abwehr (oder die Defensive) des HSV, morgen folgt das Mittelfeld.

Kurz noch in eigener Sache, zum Thema Post für Matz. Vielen, vielen Dank für die viele Weihnachtspost, die ich von euch erhalten habe, ob nach Hause oder in die Firma – das ist einfach überwältigend. Ich werde ganz sicher nicht allen antworten können, deswegen möchte ich mich auf diesem Wege bedanken. Ich freue mich tierisch darüber, ihr seid einfach nur klasse, das ist alles ein Traum, das ist gigantisch und sensationell! Danke, danke, danke.

Und dann gab es natürlich auch jede Menge normaler Posts. So wie die von unserem „Mainzelmännchen“ (sorry, Horst!), von Horst Schlau:

Hallo Dieter, hallo Scholle,

war nicht mal davon die Rede, dass ihr nach dem letzten Punktspiel auf die bevorstehende Mitgliederversammlung eingehen wollt ???
Oder auf die Kandidaten ???
Oder ist euch das Thema zu heiß ???
Gruß horst :-)

Dazu möchte ich sagen: alles zu seiner Zeit. Haben wir jetzt schon Januar? Nein, der Franz würde fragen: „Na, is denn jetz scho Weihnachten?“ Der „Scholle“, der übrigens dieses Versprechen abgegeben hat, wird sich des Themas annehmen. Wahrscheinlich zwischen den Festtagen. Täglich „Matz ab“, ihr wisst ja . . .

Schnell noch eine Ergänzung zu meinem Abendblatt-Artikel von heute. Weil ich verschiedentlich schon geflachst wurde, dass mein Jugendtrainer vergeblich mit mir Sonderschichten eingelegt hat – ich habe es ja nicht geschafft, ein Fußballer zu werden. Das mag stimmen, ich gebe es ja auch – teilweise – zu. Immerhin stand ich mal in einem Jahresbuch des “Kicker”, als dort alle Regionalliga-Mannschaften vorgestellt wurden. Ich war im Kader von BU, und die Regionalliga war damals Zweite Liga (hinter der Bundesliga). Aber bevor jemand nachblättert, ob ich jemals ein Regionalliga-Spiel für BU gemacht habe: nein! Nur Freundschaftsspiele. Und irgendwann bin ich dann aus disziplinarischen Gründen aus dem Verein geflogen – und zum Wandsbeker FC in die Bezirksliga gegangen, mit dem wir dann über die Landesliga in die Verbandsliga – heute Oberliga – aufstiegen. Dann stoppte ein Trainingsunfall (Schien- und Wadenbeinbruch, alle Bänder durch) meine “große Karriere”.
Sonst noch Fragen?

Jetzt soll es feierlich werden:
Zu den Festtagen wird es dann auch wieder ein Gedicht von mir geben – auch das ist Tradition. Obwohl ich schon mal vor Neid erblasst bin, obwohl mir doch schon die Show „gestohlen“ worden ist, denn es gab ja schon ein XXXL-Gedicht, und zwar von „Papa@home”.

Großartig, dieses Werk, darüber wird schon in Hamburg gesprochen. Tatsächlich! Und da hier nicht alle „Matz-abber“ die User-Beiträge lesen, möchte ich es noch einmal veröffentlichen. Ein tolles, ein großes Gedicht. Am liebsten würde ich sogar auf meines verzichte . . .

So, der “Papa” schickte folgende Zeilen (die ich nicht verändert oder bearbeitet habe) – nehmt euch bitte eine Tag frei – und Zeit:

“Ich möchte auch gerne einmal auf das Jahr zurückblicken”:

Wie gings dies Jahr dem HSV,
Nicht alles war doch total mau,
So manches war auch richtig gut,
Bei anderen Dingen stieg die Wut.
Wovon ich euch nun jetzt berichte,
Ist meine zweizwölfer HSV-Geschichte.
.
Das Jahr fing ziemlich frostig an,
Weil man davor kaum mal gewann,
Der Fink war mittlerweile da,
Doch schaffens wirs noch bis Europa?
.
Der Start ging ziemlich in die Buchsen,
Weshalb die grauen Haare wuchsen,
Es hieß eindeutig: Abstiegskampf,
Jetzt hieß es kämpfen – mit viel Dampf.
.
Der Dino sollte weiterleben,
Und jeder sollte danach streben,
Es kamen manche schlimme Spiele,
Und Siege gabs nicht wirklich viele.
.
Blockaden oder Trainer raus,
Das alles blieb in Hamburg aus,
Ne Choreo gabs – und keine Flammen,
Alle rückten eng zusammen.
.
Und dann mit allerletzter Kraft,
Wars dann doch gaaaaanz knapp geschafft,
Der Jubel kannte keine Grenze,
Erleichterung in voller Gänze.
.
Das wolln wir nie nochmal erleben,
Und danach wollten alle streben…
.
Es ging rasch in die Sommerpause,
Einer blieb jedoch zu Hause,
Frank Arnesen – er musste suchen,
dabei auch viele Flüge buchen.
.
Wir brauchten Spieler – mehrere,
Und wenn es geht auch bessere,
Rudnevs, Adler und den Beister,
Die Presse meinte – so ein Kleister.
.
„Wie kann man denn bloß sowas kaufen,
Zu schlecht, verletzt – ein müder Haufen“.
.
Dann wollte Kühne Rafa haben,
Dazu ganz nebenbei noch sagen,
Dem Jarchow was er falsches tut,
Worauf nun dieser hatte Wut,
Es sah echt aus wie Kindergarten,
Von Erwachsenen darf man sicher mehr erwarten!
.
Das Thema schien schon bei den Akten,
derweil holte Arnesen noch so’n Beknackten,
Zumindest wenn man der Presse glaubte,
Hatten wir mit Badelj die nächste Graupe.
.
Und Arnesen, der arme Mann,
Sah wie schnell es kommen kann,
Plötzlich war er selbst der Dumme,
Der nur macht Geschäfte, krumme.
.
Die Presse macht oft was sie will,
Und schiesst sich ein mit viel Gebrüll,
Die Story ist das Wichtige,
Die Menschen oft nur das Nichtige.
.
Doch Arni ließ sich nicht beirren,
Von diesen ganzen vielen Wirren.
.
Dann ging sie los, diese Saison,
Doch nach 2 Spielen wars das schon,
Raus im DFB-Pokal,
Kein Punkt, kein Tor – KATASTROPHAL!
.
Noch kein einz’ges Spiel gewonn’,
Doch dafür prügeln sich Rajkovic und Son,
Der Eine redet sich um Kopf und Kragen,
Mit Fink wird er sich erst viel später vertragen.
.
Was sollen wir tun – die Kasse leer,
Ein guter Rat muss schnellstens her:
.
Hr. Jarchow zerrt an Arnis Zopf,
„Wir ham nur noch nen rostgen Knopf,
Die anderen beiden, nebenbei,
liegen jetzt bei Chelsea 2“
.
Doch Jarchow, er erinnert sich:
„Auf meiner mailbox warn da nicht,
Noch viele Anrufe, son Scheiss,
Von Onkel Kühne aus der Schweiz“.
.
„Ich hatts den Wählern doch versprochen,
Und mit dem Mann ja auch gebrochen,
Ich wollte ihn ja ignorieren,
Und mich nicht wieder echauffieren,
Doch jetzt in allerhöchster Not,
Da will ich sein kein Idiot“
.
Carl-Edgar greift zum Telefon:
„dann hol ihn, den verlornen Sohn -
Und eins ist klar, das sag ich dir,
Wir schreiben es auch auf Papier,
Geschenkt will ihn nämlich nicht,
du bist und bleibst ein Bösewicht“
.
Und wenig später – kaum zu Glauben,
In Hamburg große Menschentrauben,
Der kleine Engel schwebte nieder,
Nun hatten wir ihn endlich wieder.
.
Ein dieser Stelle großer Dank,
dass sie letzendlich Ihr Gezank,
Hr. Jarchow und Hr. Kühne haben,
Zum Wohl des Clubs dann doch begraben.
.
Durch Rafa ging ein großer Ruck -
Durchs Team, ganz Hamburg, Rucki-Zuck.
.
Was dieser Mann hat hier vollbracht,
Das hätt kein anderer wohl geschafft,
Bei soviel Druck und soviel Hypen,
Trotz allem auf dem Boden bleiben.
.
Hut ab, dass dieser junge Mann,
Als Star sympathisch bleiben kann,
Und dazu noch kämpft und rennt,
auch guten Fußball nicht verpennt.
.
An die ganze Familie van der Vaart,
wir sind total in euch vernarrt,
Schön dass ihr wieder zu Hause seid,
Und bitte bleibt hier – bis in Ewigkeit.
.
2 Niederlagen folgten noch,
Dann wurds besser, doch, doch, doch,
Wie haben wir es dann genossen,
Den BVB –zack – abgeschossen.
.
Am 6. Spieltag – nach Belieben,
Folgten schon Punkt 5 bis 7,
Und dann an diesem Tag – Hurra,
Wurd’ unser HSV 125 Jahr!
.
Es wurde gefeiert bis tief in die Nacht,
Gesungen, getrunken, gratuliert und gelacht,
Geträumt wurde auch – von der alten Zeit,
Wer weiss – vielleicht ist es ja bald wieder so weit…
.
…Denn Im Campus sollen bald ganz in Ruhe,
Viele Talente schüren Ihre Schuhe,
Die Fans haben es mal wieder getan,
Ihr Geld gegeben für diesen Plan,
Auf diese kann der HSV Vertrauen,
Um wieder in eine gute Zukunft zu schauen.
.
Doch zurück zur Hinrunde, und was noch so war,
Wir verloren nämlich trotzdem – mal hier mal da,
Doch im großen und Ganzen muss man sagen,
Es ging bergauf – da kann man nicht klagen,
24 Punkte und Platz 10,
Und bestimmt wird es nächstes Jahr weiter aufwärts gehn…
.
Ein kleiner Ausblick sei deshalb noch getan,
Was wünsch ich mir, was steht noch an?
.
In Kürze gibts 4 Neue für den Aufsichtsrat,
Ich wünsche Ihnen in der Tat,
Genauso wie den anderen Acht,
Dass endlich wird hier aufgewacht.
.
Dass Interna bleiben endlich geheim,
Und alle arbeiten NUR für diesen Verein,
Dass – auch wenn es ist eine schwere Prozedur,
Man dem HSV verpasst endlich ne moderne Struktur.
.
Dass die Fernwahl in naher Zukunft wird kommen,
Damit eines jeden Fans Stimme wird vernommen,
Denn alle Fans lieben Hamburg zwar sehr,
Doch kommen ganz Viele auch von woanders her,
Es sind nicht viele und weiss Gott nicht die meisten,
Die sich Kosten für Reise & Hotel können leisten,
.
Die besten Entscheidungen in einer Demokratie
Werden gebildet durch DIE Strategie,
Dass möglichst Viele durch Ihre Stimme,
Mitentscheiden wer gewinne,
Und nicht nur wenige darüber bestimmen,
In welche Richtung der HSV wird schwimmen.
.
An alle Handelnden – bitte bedenkt ganz genau
Es heisst nicht „nur Ich“, sondern „nur der HSV“
.
Hr. Carl Edgar Jarchow wünsche ich sehr,
Dass unsere Kasse nicht für immer bleibt leer,
Dass er findet sehr schnell ne Idee,
Das Geld wieder zu mehren – das wäre ok.
.
Und dass er zukünftig nicht mehr dazu neigt,
mit dem Finger auf seinen Vorgänger zeigt,
Denn die anderen Finger derselben Hand,
Zeigen immer auf einen selbst – das ist ja bekannt.
.
Hr. Jarchow ich wünsche dass Sie es schaffen
dass der HSV nie mehr möge erschlaffen,
dass Sie – bei all konstruktiver Kritik,
ihn führen zurück an die Spitze der Republik.
.
Frank Arnesen, achja, das sei noch geschrieben,
Seine Transfers jetzt plötzlich alle lieben,
Noch vor ein paar wenigen Wochen,
Wurde ihm der Sachverstand abgesprochen.
.
Nunja – so schnell gehts heutzutage zu,
Jetzt lassen ihn alle – hoffentlich – mal in Ruh,
Zu wünschen sei ihm für das kommende Jahr,
Dass er – vielleicht schon im Januar,
die Kasse macht mal wieder voll,
Oh ja – das wäre wirklich toll,
Und dass er im kommenden Sommer dann,
Sein dickes Adressbuch wieder benutzen kann.
.
Hr. Fink – ich bin sicher – Sie machen das schon,
Ich wünsch Ihnen, dass sie bleiben, bis zu Ihrer Pension.
Und auch dieses wünsche ich Ihnen:
Dass Sie bringen neuen Glanz in unsere Vitrinen.
.
Denn Träume sind zum träumen da,
Doch mancher Traum wird manchmal wahr,
Durch Fleiß, viel Glück und Kreativität,
Ganz schnell kanns werden Realität…
.
Uns Fans wünsche ich die notwend’ge Geduld,
Es war alles ja nicht unsere Schuld,
Doch der Umbruch war nötig und er braucht nun mal Zeit,
Und bald ist die Truppe sicher wieder so weit,
Dass wir reisen können – ob nach Mailand oder Madrid,
Doch jetzt heisst es erstmal – Schritt für Schritt…
.
Euch allen wünsche ich für 2013,
Dass alle eure Wünsche in Erfüllung gehn!
.
Eine frohe Weihnacht wünsche ich allen,
Ich hoffe euch hat mein Rückblick gefallen!

17.56 Uhr

Ein richtig guter Tag für Fink

4. Oktober 2012

Er hat es getan. Und ich finde, er hat es weitgehend gut gemacht. Und damit meine ich Slobodan Rajkovic, der sich heute öffentlich entschuldigt hat. Entschuldigt für das Interview, das er mir nach seiner Suspendierung im August gegeben hatte. Damals fühlte sich der Serbe zu Unrecht ausgeschlossen und rechnete mit Trainer Thorsten Fink ab. Heute sagt er: „Ich war in einer Situation, in der ich wahrscheinlich nicht wusste, was ich tat. Aber ich wollte bestimmt niemandem im Verein und im Umfeld etwas Böses. Ganz im Gegenteil. Der Verein steht immer hinter uns und wir Spieler müssen das zu schätzen wissen. Aber in dem Moment des Interviews habe ich das völlig ausgeblendet. Ich war nicht ich selbst.“

Kann sein. Allerdings könnte es Rajkovic mit der Wahrheit dann doch etwas genauer nehmen. Denn wir hatten das Interview nicht am Tag des Eklats geführt, sondern Tage danach. Dennoch antwortet er auf die Frage, ob er sich heute anders ausdrücken würde, etwas missverständlich: „Selbstverständlich. Ich würde in jedem Fall erstmal nach Hause fahren und einen kühlen Kopf bekommen. Ich habe daraus gelernt.“ Den kühlen Kopf hatte er. Hätte er zumindest haben müssen, da er das fertige Interview mehrfach zum gegenlesen bekommen hatte und wir zwischen Interview- und Erscheinungstermin noch mal einen Tag hatten.

Aber okay, Rajkovic will wieder ein Teil der Mannschaft werden – darum geht es. Dafür entschuldigt er sich förmlich und auch so, dass ich es ihm glaube. Denn Rajkovic ist ein sehr emotionaler Typ. Sein Ehrgeiz ist vielleicht manchmal etwas überbordend – aber ich glaube ihm, dass er sich beim HSV wieder durchbeißen will. Dass er seine Entschuldigung nicht via Abendblatt formuliert hat – völlig okay. Ich hatte es ihm mehrfach angeboten, ihm gesagt, dass er genau den gleichen Rahmen bekäme, um seine Äußerungen von einst zu relativieren und zu entschuldigen. Aber er wollte nicht, entschied sich jetzt spontan nach dem Training mit der Welt und der Mopo zu sprechen. Und wisst ihr was? Ich freue mich mehr darüber, dass er sich entschuldigt hat, als dass ich traurig darüber bin, dass er es nicht bei mir gemacht hat.

Rajkovic hat tatsächlich Stil. Er schämt sich nicht, eigene Fehler einzugestehen. Dass er mit einer Entschuldigung beim HSV momentan nicht weit kommen wird, scheint dennoch klar. „Er ist ein junger Mensch der Fehler macht“, sagte Fink heute, „und das akzeptiere ich. Aber so schnell geht das dann auch wieder nicht.“ Soll heißen: Rajkovic muss sich gedulden. Allerdings glaube ich, dass Fink mit dem Linksfuß abgeschlossen hat und an eine Begnadigung nur dann denken würde, wenn er personell in eine derartige Not getrieben wäre. Und danach sieht es momentan nicht aus. Im Gegenteil: Mit Paul Scharner kommt voraussichtlich schon gegen Fürth ein weiterer Innenverteidiger nach überstandener Verletzung dazu. Zudem kehren mit Gojko Kacar (“Nach dem Training habe ich noch immer leichte Schmerzen – aber ich bin überglücklich, wieder dabei zu sein”) und Tomas Rincon zwei weitere Defensivspieler nach überstandenen Verletzungen zurück. „Für den Kader ist es wahrscheinlich noch zu früh“, so Fink, das käme erst dann in Frage, wenn sich ein weiterer Spieler verletzt. Wobei sich Sternberg (zum Glück als einziger) in Posen verletzt hat.

Ansonsten setzt Fink auf die siegreiche Elf der letzten Wochen. Petr Jiracek soll dabei den verletzten Ilicevic ersetzen. „Petr kennt diese Position“, so Fink, der den Tschechen jedoch in Posen fast überall einsetzte – außer als Linksaußen. Dennoch, Jiracek hat auf der linken Seite bei der EM stark gespielt und erhielt den Vorzug vor Maxi Beister, wie Fink heute erklärte. „Maxi muss defensiv noch etwas lernen“, so Fink, „er wird in Zukunft kommen.“ Vorerst aber setze er auf die Kämpferqualitäten Jiraceks. „Wir brauchen in Fürth einen Fighter.“

Insgesamt erwartet Fink eine kampbetonte Partie. Und mit der J-Seite (Jiracek, Jansen) ist er gut besetzt. Anders gestaltet sich das auf der rechten Seite, auf der in meinen Augen noch ein kleines Ungleichgewicht bei Diekmeier und Son herrscht. „Sonni hat überragende Qualitäten nach vorn“, umschifft Diekmeier geschickt die Frage, ob Son zu wenig nach hinten arbeitet, „ich muss ihn nach hinten immer stellen. Und er hört sehr gut“, so der Rechtsfuß, der sich seinen Platz auf der rechten Abwehrseite von Jeffrey Bruma in dessen Verletzungspause mit kompromissloser Defensivarbeit und einer für seine Verhältnisse harte Zweikampfführung zurückerobert hat. „Ich wollte mich unbedingt aufdrängen und zeigen, dass ich in die Mannschaft gehöre. Da ist es wichtig, richtig aggressiv zu sein.“

Immerhin kriegt Diekmeier momentan nicht genug vom HSV – und passt sich gleich in den Tag der Poesie beim HSV ein. „Als Fußballer willst du nicht unten rumgurken. Deshalb war das nach dem Dortmund-Sieg so ein geiles Gefühl. Das war wie eine Droge – und von der wollen wir hier alle noch viel mehr.“ Es sei ein Glücksgefühl, das man die ganze Zeit mit sich herumträgt. „Ich werde auch in der Stadt und sonst überallanders aufgenommen. Selbst zuhause ist meine Familie besser drauf. Wahrscheinlich, weil ich nicht immer so ne Flunsch ziehe.“

Kann sein. Wichtiger war für mich aber heute zu hören, dass es in er Mannschaft stimmt. Durch die letzten Zugänge hat sich innerhalb der Mannschaft eine Hierarchie gebildet, die sportlichen Ursprunges ist. Soweit hatten wir es ja auch schon hier im Blog. Diekmeier ergänzte heute: „Bei uns stimmt im Moment einfach die Mischung aus jungen und erfahreneren Spielern.“ Es stimmt also genau das, was seit vergangener Saison, seit dem Beginn des großen Umbruchs, nicht gestimmt hatte. Und das ist gut so.

Sieben Punkte machen halt was her. Im Training heute herrschte gute Laune. Scharner bewies seine Entertainer-Qualitäten und Fink, dass er mal ein richtig Guter war. „Drei Dinger hab’ ich gemacht“, erzählte der HSV-Coach stolz, wobei einer der drei Treffer eher als Eigentor seines Gegenspielers zu werten war. Allerdings legte Fink auch zwei Tore auf – Respekt!

Noch wichtiger als die Gute Laune war allerdings die Nachricht, dass die beiden heute fehlenden Torhüter Rene Adler und Jaroslav Drobny nicht ausfallen. „Drobo hat eine Schleimbeutelentzündung an der Achillesferse“, so Fink, der den Tschechen dennoch morgen mit nach Fürth nehmen will. Sollte Drobny am Sonnabend nicht in den Kader können, würden Sven Neuhaus oder Tom Mickel als Backup des heute noch leicht grippekranken Adlers nachrücken. Der zuletzt überragende Keeper war heute zwar nicht auf dem Platz, ließe sich aber pflegen und soll schon am Freitag wieder voll mit der Mannschaft trainieren können. Genau wie Heiko Westermann, der mit seinem Faserriss an der Hüfte heute das Schusstraining aussetzte. „Bei Heiko sieht das alles wieder sehr gut aus“, so Fink, dem es heute richtig gut gehen dürfte. Zumal auch Dennis Aogo nach auskurierten schlechten Blutwerten am Montag wieder ins Mannschaftstraining einsteigt.

Sieben Punkte im Rücken, gesunde Topspieler, mit Greuther Fürth einen nicht zu unterschätzenden aber auch absolut schlagbaren Gegner vor der Brust – und dann noch die Entschuldigung Rajkovics. Es passt vieles. „Die Mannschaft hat gemerkt, wie sie gefeiert wird. Und das genießen wir. Wir müssen uns jetzt in das Gewinnen verlieben – nicht ins Verlieren…“ Wahre (Fußball-)Poesie – und mit Sicherheit ein gutes Schlusswort für den heutigen Blog.

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird um 10.30 Uhr trainiert. Öffentlich.

Scholle

P.S.: Der HSV testet am kommenden Mittwoch (10. Oktober) beim Bezirksligisten VfL 93 am Borgweg. Tickets (zwischen 8 und 12 Euro) gibt es auf der VfL-Geschäftsstelle, im HSV-Ticketcenter, bei Sport Duwe und im Sportshop Schnelsen. Das allerdings ohne die Länderspielreisenden Rudnevs und Rincon. Rudnevs spielt am 12. Oktober mit Lettland in Bratislava gegen die Slowakei und am 16. Oktober in Riga gegen Liechtenstein. Rincon trifft am 16. Oktober mit Venezuela auf Ecuador.

“Wir wollen Dortmund die Serie kaputtmachen”

20. September 2012

Wer suchet, der findet. So zumindest beim HSV. Allerdings gilt dieses Motto nicht im Bezug auf den Trainer und die richtige Abwehrformation, sondern vielmehr für die Kritiker. Dieser HSV steht mit null Punkten nach drei Spieltagen nämlich an sich schon ziemlich hilflos da und muss sich die Kritik gefallen lassen. Und das leider noch zu oft berechtigt – und noch leiderer (ich weiß, dass es dieses Wort nicht gibt – aber es verstehen hoffentlich trotzdem alle, was gemeint ist…) das ist oft komplett unnötig. Wie auch heute.

Hintergrund: Am Dienstag ließ sich Vorstandsboss Carl Jarchow bei der Vorstellung der Fan-Anleihe dazu hinreißen, Trainer Thorsten Fink das uneingeschränkte Vertrauen mit folgender Aussage auszusprechen: „Es gibt keine Trainerdiskussion intern. Wir sind von ihm überzeugt, es gibt auch kein Zeitfenster für eine derartige Entscheidung.“ Was gut gemeint war, wurde heute von Sportchef Frank Arnesen konterkariert. Der Däne sagte, angesprochen auf eine erste Beurteilung der Fink’schen Arbeit in dieser Saison: „Thorsten hat jetzt die Ruhe, zu arbeiten. Das ist sein Kader. Nach der Transferperiode haben wir gesagt, dass wir sehr zufrieden sind mit unserem Kader. Und daran messen wir uns. Auch Thorsten. Aber das wird nicht am Sonnabend oder an dem kommenden Mittwoch passieren. Bis zum 16. Dezember haben wir noch 14 Spiele, danach ziehen wir ein Fazit.“ Also doch… Die Frage ist nur, warum Arnesen sich nicht einfach seinem Vorstandsvorsitzenden anschließt und das Zeitfenster seines Trainers komplett offenlässt. Stattdessen stellt er (diese Formulierung habe ich mir bei meinem geschätzten Kollegen Kai Schiller geklaut) das Zeitfenster zumindest schon einmal „auf Kipp“.

Das wiederum wird beim Thema Arnesen und seine Transfers nicht so einfach. Auch heute musste sich der Däne kritische Fragen gefallen lassen, konterte die aber mit einem Lächeln. Weshalb er einen Berater ohne Lizenz bezahlt habe? „Ich verstehe das nicht, das ist doch keine Story“, so Arnesen wissend, dass der DFB eine von der Deutschen Fußballspieler-Vermittler Vereinigung (DFVV) erstattete Anzeige an den Weltverband Fifa weitergeleitet hat. „Es ist doch alles transparent. Ich glaube, die müssen dem nachgehen, wenn jemand auch nur den leisesten Verdacht äußert. So simpel ist das. Es waren drei Agenten, die einer Firma angehören. Nur der Chef der Firma hat keine Lizenz, die anderen schon.“ Insofern sei es mal wieder viel Gebrüll um nichts. Sagt Arnesen. „Ich muss schon ein bisschen lachen, wenn ich das Theater sehe.“

Das wiederum kann ich nicht. Ich finde es nicht zum Lachen, was sich gerade innerhalb des HSV abspielt. Neben den sportlichen Problemen gibt es offensichtlich eine mal wieder wachsende Zerrissenheit unter den Entscheidungsträgern. Im Aufsichtsrat haben sich längst drei Blöcke gebildet. Während der Großteil dem offiziellen AR-Statement folgt („Es gibt keinen Anlass, an der Integrität Frank Arnesens zu zweifeln“) und immer dabei stur auf fehlende Beweise verweisen, stehen dem Vernehmen nach nur noch wenige der zwölf Kontrolleure auch wirklich bedingungslos hinter Arnesen. Zudem gibt es eine wachsende Zahl Kontrolleure, die den Dänen per sofort loswerden wollen. Klar ist aber, dass dieses Thema nicht abgearbeitet werden kann, solange sich nicht eine Fraktion der Hardliner zum Rückzug entschließt. Und danach sieht es derzeit nicht aus. Im Gegenteil.

Dabei hat der HSV derzeit sportlich genug Probleme. Der Fußball kommt bei der ganzen Vereinsmeierei mal wieder zu kurz. Und das, wo am Sonnabend Größeres auf dem Plan steht: Der Deutsche Meister kommt! Mit dem derzeit besten Stürmer der Liga, wie ich finde. Oder hat jemand Besseres gesehen als das 1:0 am Dienstag in der Champions League gegen Ajax? Mehr noch: wann haben wir so eine Szene das letzte Mal beim HSV gesehen? Ich erinnere mich tatsächlich nicht mehr…

Und das gegen die desolate HSV-Abwehr derzeit. Nur Hoffenheim (11) und Stuttgart (7) kassierten mehr Gegentreffer als der HSV (6). „Wir haben in Frankfurt besseren Fußball gespielt“, lobte Kapitän Heiko Westermann heute, um auch ehrlich zuzugeben: „Nur hinten machen wir einfach noch zu viele Fehler.“ Welche? Viele. Zu viele eben, um Spiele zu gewinnen. Dennoch hat Westermann ein Beispiel parat: „Wir müssen eben in einigen Szenen auch einfach mal den Ball rausschlagen, anstatt ihn immer rausspielen zu wollen.“ So zumindest hätte der HSV in Frankfurt alle drei Gegentore vermeiden können. Zudem ist die HSV-Abwehr alles andere als eingespielt. Bislang spielte noch keine Viererkette in zwei Pflichtspielen nacheinander von beginn an. „Von eingespielt sein kann hier wirklich keine Rede sein“, sagt Westermann, „bislang haben wir sehr viel getauscht.“ Vier Pflichtspiele mit vier Formationen – eine Serie, die am Sonnabend mit höchster Wahrscheinlichkeit auf fünf erweitert wird. So soll Jeffrey Bruma (Fink: „Er hat eine Reizung im Knie. Ich hoffe, dass er am Donnerstag trainieren und dann gegen Dortmund auflaufen kann“) neben Westermann ins Abwehrzentrum rücken, Dennis Diekmeier den Niederländer rechts ersetzen. Auf der linken Seite muss sich Fink wieder dem Ausschlussverfahren bedienen: wer ist weniger ungeeignet? Soll er doch Marcell Jansen nach hinten ziehen, obwohl er vor zehn Tagen das noch kategorisch („Ich wäre ja schön blöd, unseren bislang Offensivstärksten genau da einzusetzen, wo er seine Schwächen hat“) ausgeschlossen hatte? Oder doch wieder Zhi Gin Lam, der alles andere als zu überzeugen wusste? Janek Sternberg jedenfalls scheint keine große Rolle zu spielen, obgleich der Youngster seit ewiger Zeit im Training hinten links spielt. „Ich habe eine Formation im Kopf, die Dortmund schlagen kann“, orakelte Fink heute, ohne preisgeben zu wollen, wer denn nun hinten links beginnen wird. Wie man den BVB schlagen kann? Finks großspurige Antwort: „Das werden sie am Sonnabend sehen. Ich habe da meine Strategie.“

Klingt interessant. Nur zu gern würde ich auch daran glauben. Schon allein, um endlich die von allen Seiten immer wieder als Allheilmittel angeführte „Initialzündung“ zu haben. Und natürlich, um die Uraltserie von 36 unbesiegten Spielen in Folge nicht zu riskieren und schon gar nicht an den BVB (es wäre das 32. Unbesiegte Spiel für die Dortmunder) abzugeben. „Die Wahrscheinlichkeit steigt ja, dass die Dortmunder irgendwann verlieren. Es wäre toll, diese Serie zu unterbrechen. Es spornt ein wenig an.“

Aha. Klingt ja total danach, dass alle megaheiß auf das Spiel sind…

Im Training war davon heute jedenfalls nicht viel zu sehen. Im Gegenteil. Das heute war eine der Einheiten, in der die Probleme besonders offenkundig wurden. Kein Kampf, wenig Tempo – wobei Fink das offenbar so wollte. Zumindest wies er seine Stürmer anfänglich an, den Gegner nicht unter Druck zu setzen und Zweikämpfe zu vermeiden. Allerdings dürfte auch Fink nicht gewollt haben, dass sich diese Körperlosigkeit durch die gesamte Einheit zieht. Vom Kampf um die raren Stammplätze war nichts zu spüren. Im Gegenteil. Bis auf Adler, der immer wieder seine Vorderleute antrieb („Was ist hier los?“), und den gesperrten Petr Jiracek sowie Sternberg, knallte niemand dazwischen. Und das, obwohl fast durchgehend gespielt wurde. Das war wirklich nichts heute. Dachte ich. Allerdings sieht das HSV-Kapitän Heiko Westermann anders: „Die Stimmung bei uns ist wirklich gut“, widerspricht der HSV-Vorarbeiter meinen dunklen Vorahnungen, „die nächsten Spiele werden sicher ganz schwer. Gegen Dortmund sind wir ganz klar Außenseiter. Aber wir haben jetzt die Qualität, um alle Gegner schlagen zu können.“

Und während Westermann angespannt und etwas genervt wirkte, mal wieder zu erklären, weshalb etwas nicht läuft beim HSV, versuchte sich Fink wieder in dem, was er am besten kann: im Optimismus verbreiten. „Wenn der Deutsche Meister kommt, ist das doch was Tolles“, so der HSV-Trainer, „dazu ein ausverkauftes Haus und einige Spieler, die ihr erstes Heimspiel spielen. Und: Wir haben nichts zu verlieren.“ Nichts? Außer drei Punkte…

Aber okay, Fink wollte die Außenseiterrolle seiner Mannschaft offenbar nur symbolisieren. Ob er sich und seine Mannschaft damit nicht zu klein redet? „Nein. Wir werden versuchen, nach vorne zu spielen. Das können wir auch. Wir wollen Dortmund ärgern und dabei die Fans von beginn an mitnehmen. Wir wollen Spaß haben.“

So, wie die geballte Prominenz am Nachmittag bei der Ehrung von Willi Reimann, Thomas von Heesen, Udo Bandow und Günter Netzer sowie postum Fritz Laband und Branko Zebec. Da wurde gelacht, gescherzt und sich in den Arm genommen. Allerdings machten sich auch die alten HSV-Granden Sorgen um den HSV. „Es ist nicht schön, was beim HSV passiert“, fasste es der ehemalige Weltklassespieler und HSV-Manager Günter Netzer zusammen, „aber natürlich ist das alles noch zu reparieren. Es kann doch aber nicht sein, dass der HSV noch einmal etwas mit dem Abstieg zu tun haben wird.“ Netzer schien keine Erklärung für die Sorgen des HSV zu haben. „Es ist eine Leidensgeschichte in diesen Wochen. Aber der Verein wird nicht mit dem Abstieg zu tun haben, wenn alle mitziehen.“ Zumal Netzer als alter Mittelfeldstratege einen Lichtblick ausgemacht hatte: „Rafael van der Vaart ist eine wundervolle Verpflichtung die dem HSV sehr gut tun wird. Aber er wäre mit der Aufgabe überfordert, es alleine schaffen zu müssen.“ Von Heesen ging im Spaß sogar noch einen Schritt weiter: „Man wundert sich eigentlich nur, dass van der Vaarts Fuß hier noch nicht verewigt wurde“

Kommt noch. Da bin ich mir absolut sicher. Zumal dann, wenn van der Vaart am Wochenende den ersten Saisonsieg einläutet…

In diesem Sinne, bis morgen. Dann mit leider nicht öffentlichen Training.

Scholle

P.S.: Bei der 125-Jahr-Gala am 29. September komplettiert Sylvia van der Vaart das Moderatoren-Team um Alexander Bommes, Judith Rakers und Reinhold Beckmann. Otto Waalkes führt ein 15-Minuten-HSV-Special auf und ehemalige HSV-Größen wie Barbarez, Töfting und Meijer treten gegen ein Team aus Olympioniken an. Für die Veranstaltung sind noch 2000 Tickets zu erwerben, 10000 sind bereits verkauft.

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