Archiv für das Tag 'Stepanek'

Die Träume platzten auch woanders . . .

16. Juni 2013

Wer kommt, wer geht? Fragen, die die Fans bewegen. Jetzt und in jeder Sommer- oder Winter-Pause. So auch im vergangenen Jahr, als sich im Juni gleich zwölf HSV-Spieler aus Hamburg verabschiedeten. Die meisten von ihnen sicherlich mit dem Gedanken, dass sie vom HSV verkannt worden sind, und dass sie mit dem nächsten Verein das ganz große Los gezogen haben, um nun karrieremäßig durchzustarten. Träume, die allerdings nur bei den wenigsten Spielern, die es beim HSV versucht haben und letztlich für zu leicht befunden wurden, in Erfüllung gegangen sind. Wer erinnert sich noch an die Profis, an die Namen – zwölf an der Zahl?

Einer, der es geschafft hat, ist sicherlich Paolo Guerrero. Der Peruaner wechselte (viel zu billig und für weniger, als es mit den angeblich fünf Millionen angegeben wurde) zu Corinthians Sao Paulo und wurde Stammspieler. 27 Partien bestritt Guerrero für den brasilianischen Erstliga-Club und erzielte dabei zwölf Tore. Kleiner Wermutstropfen: Paolo wurde insgesamt in neun Spielen ausgewechselt.

Etwas mehr hatte sich wohl Mladen Petric versprochen, als er vom HSV zum FC Fulham wechselte. Der Kroate brachte es zwar auf 23 Erstliga-Partien in England, wurde dabei aber vom ehemaligen HSV-Trainer Marin Jol in 14 Partien ein – und in acht Begegnungen ausgewechselt. Insgesamt brachte es Petric dabei nur auf 883 Spielminuten, in denen er immerhin fünf Treffer erzielen konnte. Sein letztes Länderspiel bestritt Mladen Petric am 6. Februar gegen Südkorea, sein Vertrag lief am 30. Juni 2013 aus – und bislang gibt es noch keinen Anschlussvertrag und keinen neuen Arbeitgeber. Dass hatte sich der Torjäger ganz sicher auch etwas anders vorgestellt, als er vor einem Jahr seine Zelten in Hamburg abbrach.

Ebenfalls nicht ganz so gut ist es für David Jarolim gelaufen, der vom HSV keinen neuen Vertrag mehr erhalten hatte und den es dann nach Frankreich zog. Zum Erstliga-Club FC Evian Thonon Gallard. Dort schaffte der Tscheche dann aber nur fünf Einsätze, dreimal wurde er dabei ausgewechselt. Aus persönlichen Gründen löste „Jaro“ dann im Herbst seinen Vertrag auf und schloss sich in Januar dem tschechischen Erstliga-Verein Mlada Boleslav an. Der 34-jährige Jarolim machte bis zum Sommer noch elf Spiele und steht zurzeit ohne neuen Verein da. Das alles ist sicherlich nicht ideal und auch nicht im Sinne des ehemaligen HSV-Kapitäns gelaufen, aber er besitzt mit dem HSV ja noch immer eine vertragliche Anschlussvereinbarung, und die könnte schon in diesem Sommer in Kraft treten: Jugendtrainer, Spieler bei der Regionalliga-Mannschaft? Vieles ist vorstellbar.

Ganz schlecht ist es sogar für Gökhan Töre gelaufen, der Deutsch-Türke galt bei vielen Experten als ein Jahrhunderttalent. Auch ich habe den „bulligen“ Dribbelkünstler weitaus höher eingeschätzt, und zudem habe ich bei seinem Wechsel zu Rubin Kazan gedacht, dass Töre nun die Russen aufmischen würde. Hat er vielleicht sogar, aber auf keinen Fall fußballerisch. Nur fünf Erstliga-Einsätze hatte er, dreimal ein- und einmal ausgewechselt, aber meistens war er gar nicht im Rubin-Kader für die Spiele. Töres Vertrag läuft noch bis zum Jahr 2016, jetzt aber wurde er von den Russen an den türkischen Erstliga-Club Besiktas Istanbul ausgeliehen. Vorerst für ein Jahr.

Und wer erinnert sich noch an Muhamed Besic? Der Bosnier hatte während seiner Hamburger Zeit immer leicht den Verdacht, dass ihn sein Arbeitgeber HSV unterschätzt. Im Sommer 2012 zog es den 20-jährigen Abwehrspieler dann nach Ungarn, um in der Ersten Liga für Ferencvaros Budapest zu spielen. Kein schlechter Plan, denn Besic machte 22 Spiele und schaffte dabei nur einmal nicht die volle Spielzeit. Das ist doch mal eine ordentliche Ausbeute . . .

Romeo Castelen war der dauer-Pechvogel des HSV, auch er erhielt keinen neuen Vertrag mehr – gab aber nie auf. Er verhandelte mit Birmingham City, schloss sich dann aber dem russischen Club Volga Nizhniy Novogrod an, für den er aber nur zwei Spiele machte – zwei Einwechslungen, einmal 15 und einmal 25 Minuten. Dreimal stand Castelen noch im Kader, brachte es aber nicht zu einem Einsatz – jetzt ist er wieder einmal vereinslos.

In die Dritte Liga hatte es Daniel Nagy gezogen, und zwar zum VfL Osnabrück. 33 Spiele bestritt der Mittelfeldmann für den VfL, wurde dabei aber in gleich 20 Partien von Trainer Claus-Dieter „Pele“ Wollitz vorzeitig vom Platz geholt. Nagy brachte es auf lediglich drei Tore. Die Frage, die sich wohl nicht nur der Spieler stellt, ist die: Ist die Dritte Liga schon das Ende der Fahnenstange einer Karriere, die durchaus mal zu großen oder größeren Hoffnungen Anlass gab?

Ähnlich dürften die fußballerischen Träume von Sören Bertram gewesen sein, den es vom HSV zum VfL Bochum gezogen hat. Dann gab es ein böses Erwachen, denn der 22-jährige Bertram schaffte nur drei Zweitliga-Einsätze – und 13 Spiele in der Regionalliga-Mannschaft des VfL Bochum. Das kann doch eigentlich noch nicht alles gewesen sein, oder?

Eine immer noch im Raum stehende Frage ist für mich der bislang unerklärliche Winter-Wechsel von Tom Mickel zur Spielvereinigung Greuther Fürth. Warum? Von der Nummer drei (oder vier) des HSV zur Nummer drei beim Erstliga-Absteiger, das macht auch heute für mich nur relativ wenig Sinn. Mickel brachte es auf keinen Erstliga-Einsatz, stand aber in neun Regionalliga-Partie (in Bayern) zwischen den Pfosten der Kleeblätter. Die Frage, die sich daran anschließt: wie geht es weiter?

Dann gab es da noch den einst mit ganz großen Hoffnungen in Hamburg begrüßten Macauley Chrisantus, der einst als eines der größten Talente der Welt galt. Beim HSV konnte er diesen Ruf nie auch nur annähernd rechtfertigen, er wurde verschiedentlich ausgeliehen, spielte zuletzt für den FSV Frankfurt. Im Sommer 2012 zog es ihn in die Segunda Division nach Spanien, wo er für DU Las Palmas stürmt. 41 Spiele schaffte er, wurde dabei in zwölf Begegnungen ausgewechselt. Das sieht nicht mehr nach der ganz großen Karriere aus.

Zwei haben wir dann noch. Mikael Tavares schloss sich ebenfalls dem FC Fulham an, brachte es aber auf keinen einzigen Premier-League-Einsatz und ist nun schon seit dem Januar 2013 vereinslos. Und Miroslav Stepanek, ebenfalls ein Dauer-Pechvogel des HSV (Kreuzbandrisse), spielte in der abgelaufenen Saison für zwei Vereine. Erst für den FC Senica, dann mit Beginn des Jahres beim MSV Duisburg II. Der Traum von der großen Fußball-Karriere – geplatzt.

So, das waren die zwölf ehemaligen HSV-Spieler, die einst im Sommer 2012 auszogen, doch noch den ganz großen Wurf zu landen. Nur ganz, ganz wenige haben es geschafft. Ob das vielleicht auch dem einen oder anderen Verantwortlichen im HSV zu denken gibt? Schließlich waren die Spieler einst zum HSV geholt worden, um den Rothosen auf die Sprünge zu helfen . . . Da wurde wohl mit wenig Auge und mit viel Geld eingekauft – besser wäre es natürlich umgekehrt.

Für die neue Spielzeit (2013/14) galt ja der Nürnberger Timm Klose als Wunschkandidat des HSV in der Abwehr – aber daraus scheint nichts zu werden. Klose hat beim 1. FC Nürnberg das Angebot einer Vertragsverlängerung abgelehnt und strebt jetzt einen Wechsel zum VfL Wolfsburg an. „Nach langer Überlegung habe ich mich entschieden, dass, wenn die Möglichkeit besteht, ich die neue Herausforderung annehmen werde und vorzeitig zum VfL Wolfsburg wechseln möchte“, sagt der Schweizer. Vom HSV hat er nichts gesagt.

Und dann noch einmal zum Pokal-Gegner in Thüringen. Der Oberliga-Aufsteiger SV Schott Jena darf sich bei seiner DFB-Pokalpremiere auf eine geballte Ladung Bundesliga-Tradition freuen. Anfang August empfängt der SV Schott im heimischen Ernst-Abbe-Sportfeld den HSV. „Auf 50 Jahre Erstliga-Erfahrung zu treffen, ist eine großartige Sache. Wir wollen das Stadion voll kriegen“, sagt Fußball-Abteilungsleiter Jörg Triller. Das Team von Trainer Steffen Geisendorf hatte Ende Mai im Landespokalfinale überraschend den deutlich favorisierten Drittliga-Vertreter Rot-Weiß Erfurt mit 1:0 bezwungen und sich so erstmals in der Vereinsgeschichte für den DFB-Pokal qualifiziert. Am Sonnabend hatte der SV Schott das letzte Punktspiel dieser Saison mit 8:0 gegen Meuselwitz II gewonnen.

16.47 Uhr

Drei Spiele für Rajkovic – zweierlei Maß beim DFB **ergänzt mit Andy Polo**

1. November 2011

Eigentlich ist heute Ruhetag. An der Arena ist nur höchst mittelmäßiger Betrieb, alle spannen mal aus. Die Rekonvaleszenten wie Miroslav Stepanek, Romeo Castelen, Mladen Petric und Ivo Iliceviv absolvieren ihr individuelles Aufbautraining, Trainer Thorsten Fink nutzt den Tag zum Familienbesuch in Basel, während Frank Arnesen größtenteils am Telefon mit dem Beratern von Maxi Beister und Zhi Gin Lam verbringt. Und dennoch kann heute eigentlich keiner, der es gut mit dem HSV meint, ruhig bleiben. Zumindest nicht im übertragenen Sinn. Denn: die Sperre des DFB für Slobodan Rajkovic bleibt trotz berechtigten Einspruches bestehen. Die Höchststrafe von drei Spielen muss der Serbe für das grobe Foulspiel, wie es im DFB-Bericht heißen soll, absitzen.

Eine Strafe, die ich in Relation zu anderen Vergehen als selten sinnlos erachte. Denn, es war bei Rajkovic definitiv keine Absicht zu erkennen. Er hat sicherlich den Arm unnötig hoch. Aber ihm zu unterstellen, dass er eine Verletzung billigend in Kauf nimmt, ist unhaltbar. Er wollte seinen Körper zwischen sich und den Gegner bringen und bemerkte den Zusammenprall zunächst gar nicht. Direkt nachdem er vom Platz musste, dachte der Serbe sogar, dass er Tiffert mit der Schulter getroffen habe und entschuldigte sich. Nein, Rajkovic wollte niemanden verletzen. Das sah selbst der gefoulte Christian Tiffert, der sich schützend für Rajkovic geäußert hatte, selbst so.

Allerdings zeugt es mal wieder von der Starrsinnigkeit einiger Verbandsfunktionäre, die in ihrer Funktion offensichtlich so wenig bewirken können, dass sie das Wenige mit so öffentlichkeitserregenden Urteilen zu kompensieren versuchen.

Denn, nur ein uns allen sehr bekanntes Beispiel: Als Werder Bremens Torwart Tim Wiese mit seinem Kung-Fu-Tritt gegen Ivica Olic eine schwere (vielleicht sogar lebensbedrohliche) Verletzung de Kroaten in Kauf nahm, gab es gerade mal die Gelbe Karte. Nun will ich nicht Unrecht mit Unrecht vergleichen, aber zumindest eine Relation herstellen. Und vor allem will ich hier mal eine Frage in die Runde werfen: Warum zählt der TV-Beweis nur, wenn es darum geht, die Länge einer Sperre für eine Rote Karte zu bestimmen? Bei Gelben Karten gelten die Bilder nicht. Dann nennt sich das „Tatsachenentscheid“ und ist unanfechtbar. Aber, wie oft gab es vom Schiedsrichter Gelbe Karten, dessen Strafmaß bei genauerer Betrachtung der TV-Bilder als absolute Fehlentscheidung zu deuten war? Siehe Tim Wiese…

Nein, es bleibt mir immer wieder mal verschlossen, mit welcher rechtlichen Grundlage der DFB misst. Auch diesmal bei Rajkovic.

In diesem Sinne, heute war tatsächlich nicht viel los. Deshalb ein etwas kürzerer Blog als sonst. Zumal mich das bisschen Neuigkeit auch noch ärgert.

Aber ich bin mir sicher, morgen gibt es wieder angenehmere Neuigkeiten. Es sei denn, der DFB hat mal wieder eine Idee…

Scholle (17.50 Uhr)

P.S.: Am Mittwoch wird um 10 und um 15 Uhr trainiert. Laut Internetseite an der Imtech-Arena. Obgleich Fink am Sonntag angekündigt hatte, das eine oder andere Mal im Stadion trainieren zu wollen. Sobald ich es genau weiß, gebe ich Euch hier Bescheid.

***Ergänzung: Andy Polo ist derzeit kein Thema für den HSV. Trotz verschiedner Berichte darüber, das sowohl HSV-Sportchef Frank Arnesen als auch HSV-Trainer Thorsten Fink Interessen an dem Offensivspieler hätten, sagt Arnesen: “Ich kenne den Jungen. Er hat aber keine Priorität für uns.”****

Diesmal scheint es ernster zu sein . . .

1. September 2011

Endlich herrscht Ruhe. Endlich sind die Fronten geklärt, wer bleibt, wer geht, mit wem kann geplant werden. Die Transferzeit ist mir entschieden zu lang, aber das ist nur mein persönliches und total unwichtiges Empfinden. Für den HSV finde ich es gut, dass es jetzt die Länderspielpause gibt, denn die Herren im Volkspark können sich nun erholen, neu sammeln und vermehrt daran arbeiten, dass es wieder bergauf geht. Das ist die erste HSV-Pflicht. Nicht auszudenken, wenn die nächsten beiden Bundesliga-Spiele, das in Bremen und das gegen Mönchengladbach, nicht erfolgreich bestanden werden. Aber gut, ich will nicht groß unken, ich werde, wir Ihr auch, abwarten (müssen). Heute am Vormittag wurde beim Training Fußballtennis gespielt – und die Stimmung war ganz sicher nicht so, wie man es für einen Tabellenletzten annehmen würde. Das macht mir zum Beispiel Hoffnung, muss aber nicht von allen übernommen werden.

Ja, ich hatte nun drei Wochen und drei Tage Urlaub. Abschalten vom Thema HSV konnte ich nie. Durch „Matz ab“ schon nicht, durch Freunde, Bekannte und durch die Medien ebenfalls. Mir wird angst und bange hatte ich einst geschrieben, bevor ich weg war, für diesen Artikel habe ich viel um und auf die Ohren bekommen – vielleicht hat der eine oder andere User mal daran gedacht? Ich habe es immerhin vorher geschrieben.

Aber egal, dieses Thema möchte ich auch nicht wieder aufwärmen. Zum Schluss dieses Beitrags möchte ich nur einen Artikel veröffentlichen, den mir ein (bekannter) Kollege privat geschrieben hat – aus Sorge um seinen HSV. Ich habe den Verfasser dieser Zeilen gefragt (und gebeten), dass ich seine Zeilen veröffentlichen darf – und ich durfte. Eventuell spricht dieser Freund und „Matz abber“ ja dem einen oder anderen von Euch aus der Seele.

Wie gesagt, dem Thema HSV konnte ich auch während des Urlaubs nicht ausweichen, zumal der Urlaub hier verbracht wurde (also nicht im Ausland). Ich war während der drei Wochen in Hamburg, ich habe mich mit etlichen HSV-Persönlichkeiten getroffen und unterhalten, ich war auch auf der (großartigen) Fußball-Gala des Hamburger Fußball-Verbandes im Hotel Elysee. Auch dort traf ich viele große HSVer, die allesamt in großer Sorge um ihren Klub sind. Fast hätte ich geschrieben, dass NATÜRLICH niemand seinen Namen erwähnt haben möchte, wenn mit den drei großen Buchstaben das Thema Abstieg verbunden wurde, aber es gab mir schon zu denken, was der eine oder andere HSVer zur Situation zu sagen hatte . . .

Es gab schon oft sehr prekäre Situationen, mit denen sich der „Dino“ konfrontiert sah. Das war immer wieder zu hören. Doch diesmal scheint es noch ernster zu sein.1996/97 war die Rettung vor allem deshalb möglich, weil Borussia Dortmund vier Tage später das Endspiel der Champions League zu bestreiten hatte. 2000/01 retteten 22 Tore von Sergej Barbarez die Klasse, so rechnete mir ein Alt-HSVer vor, un 2006/07 hießen die Retter Huub Stevens, Frank Rost und Ivica Olic, die im Winter geholt worden waren, als der HSV nach 20 Spielen gerade einmal 15 Punkte hatte. Es war also schon einige Male ganz, ganz eng, aber – wie schon geschrieben – in dieser Spielzeit scheint es noch einmal eine Nuance enger zu werden.

Obwohl es auch HSVer gibt, die in der Verantwortung stehen und jetzt zu mir sagten: „Nur keine Panik. Wir haben erst vier von 34 Spielen absolviert. Wir jedenfalls sind ruhig.“

Was ich aber immer und überall gehört habe, ist jenes Argument: „Es sind viele erfahrene Profis abgegeben worden, und viele, viele unerfahrene Jünglinge geholt worden. Spieler, die zwar talentiert sind, die aber kaum Erstliga-Erfahrung haben. „Und die sollen nun den HSV retten? Die sollen den HSV nach vorne bringen?“ Das war immer zu hören, die Angst ist da.

Mein Argument dafür, dass der HSV ja durchaus noch Spieler mit Bundesliga-Erfahrung habe, wurde kaum gehört. Angst essen Glaube auf, möchte ich das beschreiben. Den Glauben an die Wende. Doch jetzt ist es ohnehin zu spät. Nun steht der HSV bis zur Winterpause, die erste Elf muss sich finden und gefunden werden – und dann Augen zu und durch. Im Januar könnte dann ja, wenn der Bedarf da sein sollte, noch nachgebessert werden. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Wenn ich mir aber mal eine Elf vor Augen führe, dann sieht es doch gar nicht so schlecht aus. Der HSV mit Drobny (Mickel), Diekmeier, Rajkovic, Westermann, Aogo; Jarolim, Kacar; Ilicevic, Jansen; Guerrero, Petric zum Beispiel, dazu noch Leute wie Tesche, Skjelbred, Son und zum Beispiel Bruma muss doch die Bundesliga halten können. Und einen Namen trage ich in mir, dem ich eine großartige Zukunft prophezeihe: Gökhan Töre. Der junge Mann kann viel, der hat mehr als viele seiner (jungen) Kollegen, der zeigt mir auf dem Rasen Herz und Leidenschaft, der will – den sehe ich langfristig in der ersten Elf des HSV. Aber zum Glück habe ich das ja nicht zu entscheiden . . .

„Die Mannschaft ist intakt.“ So hat es, ich habe es mir genau gemerkt, Mladen Petric nach dem 3:4 gegen den 1. FC Köln in die Mikrofone gesagt. Schön wäre es ja, allein mir fehlt der Glaube. Von einer Einheit erwarte ich, dass sie sich selbst aus dem Sumpf zieht, wenn es schlecht läuft. Auch während der 90 Minuten. Und das passierte mir in den bisherigen fünf Spielen (inklusive Pokal beim VfB Oldenburg) bislang viel zu wenig – bis gar nicht. Und daran muss (auch jetzt) stetig gearbeitet werden. Nur zu sagen, dass diese Mannschaft intakt sei, das genügt nicht. Über eine intakte Mannschaft hat in den letzten zwei, drei, vier Jahren stets und ständig jeder HSV-Profi Auskunft gegeben, nur waren das immer nur Lippenbekenntnisse. Wir alle wissen es inzwischen doch viel besser – es war ja ohne Ende schlechter, es gab nie eine intakte Mannschaft.

Nun aber „steht“ der Kader, nun muss sich arrangiert werden. Und vielleicht erinnert sich ja der eine oder andere HSV-Spieler auch daran, dass dieser HSV noch nie in der Geschichte abgestiegen ist. Und dass genau diese Tatsache Ansporn sein sollte, sein könnte, sich mit allen Kräften gegen den Misserfolg zu wehren – damit genau sein Name nicht mit einem ersten Desaster für immer verbunden ist. Aber vielleicht ist das auch nur ein wenig blauäugig von mir, so etwas zu glauben.

Ein Eljero Elia zum Beispiel, der nun für Juventus Turin kicken wird, dürfte sich mit dieser Art der HSV-Geschichte kaum oder nur unwesentlich auseinander gesetzt haben. Ich gebe zu, dass ich froh bin, dass der HSV diesen Spieler noch in letzter Sekunde los geworden ist. Früher wäre zwar besser gewesen, weil der Klub dann noch zwei statt nur einem Neuzugang (in aller Ruhe) hätte verpflichten können, aber auch so ist dieser Transfer in meinen Augen sehr gut gelaufen. Elia ist in Hamburg nie wieder zu jener Form gekommen, die ihn am Anfang seiner HSV-Zeit ausgezeichnet hatte. Viele machen dafür das böse Foul des Mainzers Noveski verantwortlich, ich aber glaube ganz einfach, dass Elia noch viel zu unreif war (ist). Er hat es nicht begriffen, um was es hier ging. Ob er es nun in Turin begreifen wird? Ich habe meine Zweifel.

Elias Scheitern beim HSV ist auch ein Scheitern des Beraters. Da gibt es ein Juwel, dem alle Experten ein riesiges Talent bescheinigen, doch konnte dieses Talent sein Potenzial nie abrufen. Erkenne ich das als Berater, dann miete ich mir für ein halbes Jahr ein Zimmer in Hamburg – und spiele wirklich mal den Berater in allen Lebenslagen, um diesen Jungen in die richtige Spur zu bringen. Zum Profi-Dasein gehören nicht nur Autogramme, Länderspiele und flotte Flitzer, da gehört auch jede Menge Verantwortung gegenüber seinem Arbeitgeber, der Mannschaft und den Fans. All das aber hatte Elia nicht begriffen.

Ähnlich verhält es sich mit Guy Demel. Er sollte weg, er wollte weg – das stand ja schon am Ende der vergangenen Saison fest. Für alle Seiten. Der gute „Giiiiiiee“ hatte es ja auch schon abgelehnt, mit einem Trainingsplan, der für die Sommerpause galt (erhielt ein jeder Spieler), in den Urlaub zu gehen. Weil für ihn das Thema HSV zu 100 Prozent beendet war. Dass er nun nicht zu einem großen Klub ging, dass er nun bei einem Erstliga-Absteiger anheuerte, das ist seiner Pokerei zu verdanken. Demel hatte bis zuletzt versucht, so billig wie möglich gehen zu können, möglichst ohne Ablöse – verpokert.

Dass Änis Ben-Hatira auch noch ging, das sehe ich auf der einen Seite als schade an, auf er anderen Seite aber begrüße ich es auch. Weil Änis zuletzt stagnierte. Der Bursche hat ohne Zweifel Talent, aber er rief es, ähnlich wie Elia, viel zu selten ab. Vielleicht sorgt eine neue Umgebung (und ein neuer Trainer) dafür, dass er es doch noch lernt. Er wird sich den Hintern aufreißen müssen, etwas, was er hier nicht mehr konnte. Leider nicht mehr konnte. Änis war zu sehr von sich und seinem Talent überzeugt, er sah die Kollegen neben ich und befand sich oftmals (im stillen Kämmerlein) als besser – das ist (noch) sein großer Fehler. Ich hoffe für ihn, dass Markus Babbel das in den Griff bekommen wird.

Zurück zum HSV. Marcus Berg schoss zwei Tore beim 8:0 gegen Bremerhaven. Endlich mal wieder Tore für den Schweden, endlich mal wieder Erfolgserlebnisse. Er sagt dazu: „Mein erstes Spiel in dieser Saison, das hat Spaß gemacht, auch wenn es nur 30 Minuten waren. Ich hätte gerne länger gespielt, aber es war auch so ein schönes Erlebnis.“ Berg ist ohne Schmerzen, aber 90 Minuten traut er sich noch nicht zu: „Ich habe nun vier Wochen mit der Mannschaft trainiert, alles lief gut, nun hoffe ich darauf, dass ich gegen Bremen im Kader bin – und dann über die Bank ins Spiel komme.“

Dass der HSV jetzt an letzter Stelle steht, das hätte er sich „natürlich niemals vorstellen können“, aber er sagt auch: „Es sind erst vier Spiele absolviert, wir bleiben nicht dort unten. Gegen Köln zuletzt haben wir gut gespielt, da hätten wir gewinnen müssen.“, meint Berg und mahnt auch zugleich: „Wir dürfen nicht in jedem Spiel drei, vier Gegentore bekommen, denn dann wird es schwer, zu siegen . . .“ Wohl wahr. Hoffentlich hat das schon bald jeder HSV-Profi für sich verinnerlicht.

Kurz noch einmal zurück zum heutigen HSV-Training. Reha-Coach Markus Günther war am Vormittag erst mit Muhamed Besic und Miroslav Stepanek auf dem Rasen, später noch mit Tolgay Arslan, der jetzt auch leicht mit dem Ball trainierte. Im Mannschafts-Training standen 16 Spieler: Neuhaus, Mickel, Mancienne, Westermann, Berg, Aogo, Jansen, Guerrero, Petric, Kacar, Castelen, Tesche, Jarolim, Skjelbred, Sternberg und Behrens.
Am Freitag wird um 10 und um 15 Uhr im Volkspark geübt.

Während des heutigen Trainings wurde ich auch zur „Sache“ Koo, Magath und Frank Arnesen gefragt. Der Wechsel, der nicht zustande kam, weil Felix Magath sich wohl „quer stellte“. Ich habe deswegen nicht mit dem Wolfsburger Trainer gesprochen, aber meine Gedanken sind die: Magath hat nun die „Altmeister“ Hitzlsperger, Chris, Salihamidzic und Kyrgiakos geholt, in meinen Augen ein Wagnis. Sollte dann ein junger Mann wie Koo zum HSV gewechselt sein und dort sogar Karriere gemacht haben, würde sich das wohl nicht ganz so gut machen. Deswegen, so könnte ich mir vorstellen, ist dieser Wechsel doch noch geplatzt. Schade für den HSV.

So, nun zu jenem Schreiben, das ich während meines Urlaub erhielt. Es gab einige Beiträge dieser Art, ich mache einen öffentlich, weil er eventuell vielen Fans aus dem Herzen spricht. Wie geschrieben, es ist ein Freund und Kollege (vom Fernsehen), der mir seine Gedanken zum HSV zukommen ließ:

Hallo Didi,
man macht sich ja so seine Gedanken über den HSV. Ich habe die mal kurz festgehalten.
Wie siehst Du das?

Zu viele Gegentore

Der HSV hat in vier Spielen 14 Tore kassiert. Macht 3,5 Tore pro Spiel. Jeder
weiß, dass das nicht bundesligatauglich ist.

Zu viele Gegentore pro Spiel, dieses Problem hatte Gladbach in der letzten
Saison. Trainer Lucien Favre sagt in der FAS vom 28. August: „Wir hatten
2,7 Gegentore pro Spiel bekommen. Das ist zu viel. So bist du in der Liga
ohne Chance.“ Gladbach verbesserte den Schnitt auf 1,9 Gegentreffer und
konnte sich grade eben noch retten.

Man kann aber auch mit weniger Gegentoren absteigen. So wie 2010 Hertha
BSC. 1,6 Gegentreffer pro Spiel. Vorletzter Bochum kassierte 1,8 Gegentore.
Der HSV liegt jetzt bei fast doppelt so vielen Gegentoren pro Spiel!

Einziger Trost, Hannover 96 kassierte in der vorletzten Saison mit 67 Toren
die meisten Gegentreffer aller Bundesligaklubs. Macht 1,97 Tore pro Spiel.
Hannover wurde 15. und blieb drin. Im Jahr darauf wurden sie Vierter und
spielen jetzt international.

Trainer- oder Torwartproblem?

Als Mirko Slomka in Hannover Trainer wurde, hat er die ersten sechs Spiele
verloren. Michael Oennings Bilanz ist noch verheerender: von 29 Spielen
als Cheftrainer konnte er nur vier gewinnen.

Die Frage ist aber nicht, wie lange bleibt Oenning noch Trainer beim HSV.
Die Frage ist, wie geht der Trainer mit Westermann, Diekmeier und Torwart
Drobny um? Vor allem der Torwart hat mit seinen Fehlern maßgeblich dazu
beigetragen, dass der HSV in den letzten Minuten gegen Hertha und jetzt
gegen Köln wichtige Punkte verloren hat.

Dzeko und Grafite

Soll Oenning also weiter zu seinem Torwart halten, oder soll er es machen,
wie einst Felix Magath in Wolfsburg? Der hat im Dezember 2007 Torhüter
Simon Jentzsch in der Halbzeit beim Spiel gegen Eintracht Frankfurt
ausgewechselt und holte in der Rückrunde Diego Benaglio. Die Wolfsburger
wurden am Ende 5ter. Und das in einem Jahr des Umbruchs. 14 neue Spieler.
Darunter der noch völlig unbekannte Edin Dzeko und Grafite.

Und noch mal zu den Gegentoren. In jener Saison hießen die Absteiger
Nürnberg, Rostock und Duisburg. Mit 1,6 bzw. 1,5 Gegentoren pro Spiel.
Sollte Oenning sich also zu einem Torwartwechsel entscheiden, könnte das
die Rettung sein. Fragt sich nur – wer beim HSV ist Dzeko und wer Grafite?

Ich wünsche allen “Matz abbern” einen schönen Feierabend, eine gute Nacht und einen stressfreien Freitag.

18.29 Uhr

Saisonanalyse, Teil 1: Die Defensive

16. Mai 2011

Die Sache mit der Fairplay-Wertung habt Ihr wahrscheinlich alle inzwischen gelesen. Aber, wer hatte allen Ernstes noch darauf gehofft? Es hätte einfach nicht in diese von Anfang bis Ende – vorsichtig formuliert – verkorkste Saison gepasst. Stattdessen erhalten Fairplay-Sieger Norwegen sowie die Platzierten England und Schweden je einen zusätzlichen Startplatz in der Europa League. Und selbst wenn Deutschland den Zuschlag der Uefa erhalten hätte – der SC Freiburg war fairer als der HSV. Auch dann wäre es nichts geworden

Nein, es wäre auch nicht verdient gewesen. Unverdient im Sinne des sportlichen Wettkampfes, den der HSV diese Saison nicht so gestalten konnte, wie er es wollte. Und eben noch weniger so, wie es erwartet werden durfte. Und bevor ich jetzt hier, gerade mal zwei Tage nach dem wirklich schönen und bewegenden Abschied von verdienten Spielern, anfange, wieder die Keule herauszuholen und auf alles einzudreschen, was die Raute trägt, versuche ich mich heute in der Analyse der HSV-Defensive. Ergo: die Torhüter und die Abwehr im Generalcheck. Als kleinen Bonbon hat uns die Firma Castrol die statistischen Saisondaten eines jeden einzelnen Spielers zur Verfügung gestellt. Los geht es:

Frank Rost:Die unumstrittene Nummer eins des HSV hat eine starke letzte Saison gespielt. In der Kabine wie auf dem Platz wurde er seiner Rückennummer gerecht und agierte nicht stromlinienförmig sondern mit seinen Kanten. Trotz seiner direkten Art, die erfolgsbesessen und selten diplomatisch war, hat er sich mannschaftsintern zum Leader gedient und konnte seine hohen Anforderungen selbst sehr wohl bestätigen. In der Liga gibt es kaum bessere Torhüter im Eins gegen Eins. Bei dem einen oder anderen Freistoß sah er nicht zwingend glücklich aus, aber diese wenigen Ausnahmen seien ihm verziehen. Auf jeden fall hat Rost die Messlatte für seinen Nachfolger hoch gehängt. Sehr hoch sogar…
Fäustl in Zahlen…
…Gespielte Minuten:
2652
Gegentore: 43
Zu-Null-Spiele: 7
Gehaltene Bälle (innerhalb des Strafraumes): 56
Gehaltene Bälle (außerhalb des Strafraumes): 37
Gehaltene Bälle / Schüsse gesamt in %: 68%
Hohe Bälle: Faustabwehr: 16
Gefangene hohe Bälle: 21
Fallengelassene hohe Bälle: 1
Quote hohe Bälle in %: 97%
Abschlag: Lange Abschläge: 213
Quote lange Abschläge in %: 68%
Abwürfe / kurze Abschläge: 157
Quote Abwürfe / kurze Abschläge in %: 99%

Jaroslav Drobny: Der Tscheche ist zum HSV gekommen, um hier die Nummer eins zu machen. Daraus wurde fast eine ganze Saison auf der Bank oder im Krankenstand. Drobo gilt als eher ruhiger Vertreter, was ihm in den wenigen und glücklosen Auftritten in dieser Saison Kritik einbrachte. Denn während die einen behaupten, es sei mangelnde Spielpraxis gewesen, sahen andere Drobnys fehlende Kommunikation als Grund für Abstimmungsprobleme mit seiner Abwehr. Allerdings, und das zeigte der Tscherche im Training, nachdem ihm gesagt worden war, dass er als neue Nummer eins eingeplant wird, er kann auch anders. Denn in den Übungseinheiten, die er eine zeitlang sogar trotz Daumenbruches absolvierte – er hielt da nur mit Füßen und einem Arm – wusste Drobny sehr wohl mit starken Reflexen und klugem Stellungsspiel zu gefallen. Sein größtes Problem wird sein, in die Fußstapfen von Vorgänger Frank Rost zu treten. Allerdings hat der 31-Jährige mit großen Fußstapfen kein Problem: immerhin hat er Schuhgröße 50. Und ein guter Torwart ist er allemal.
…Drobo in Zahlen:
…Gespielte Minuten: 408
Gegentore: 9
Zu-Null-Spiele: 0
Gehaltene Bälle (innerhalb des Strafraumes): 3
Gehaltene Bälle (außerhalb des Strafraumes): 6
Gehaltene Bälle / Schüsse gesamt: 50%
Hohe Bälle: Faustabwehr: 6
Gefangene hohe Bälle: 8
Fallengelassene hohe Bälle: 0
Quote hohe Bälle: 100%
Abschlag: Lange: 31
Quote lange Abschläge in %: 61%
Abwürfe / kurze Abschläge: 26
Quote Abwürfe / kurze Abschläge in %: 100%

Tom Mickel: Guter Ersatzmann, der bei der U23 auf sich aufmerksam machen konnte, aber partout nicht an Drobny geschweige denn Rost vorbeikommt. Im Training immer mit Feuereifer dabei, glänzt er auch hier. Den Status Ersatzmann kann Mickel in Hamburg allerdings nicht ablegen – und wenn man sich die HSV-Planungen anhört, bleibt dem 22-Jährigen wohl nur der Wechsel zu einem anderen Verein, um Spielpraxis zu bekommen. Statistisch mit null Einsätzen nicht zu bewerten.

Dennis Aogo: Der Mann mit Zukunft. Mit einer langen beim HSV. Immerhin wurde der Vertrag des letzten nominierten Deutschen Nationalspielers des HSV im Laufe der Saison bis 2015 verlängert. Und das mit Recht. Immerhin absolvierte der Linksverteidiger nach Startschwierigkeiten und einer langwierigen Verletzung am Saisonstart eine starke Serie mit 20 Einsätzen. Als Linksverteidiger löste er Marcell Jansen und Zé Roberto ab – und er ersetzte sie sehr gut. Inzwischen ist der 24-Jährige längst zum Führungsspieler aufgestiegen und verleiht diesem Status verbal außerhalb und sportlich auf dem Platz immer wieder Nachdruck. Im Training einer der fleißigsten (Dennis zieht wirklich nie zurück!), hat er auch im Spiel sein Phlegma abgelegt und marschiert vermehrt mit nach vorn. Am besten hat das in den wenigen Spielen mit Marcell Jansen und ganz am Ende mit Elia vor ihm funktioniert. “Aber zur neuen Saison werden wir uns länger einspielen und Automatismen entwickeln können”, kündigt der bibelfeste Profi bereits an.

Aogo in Zahlen……Gespielte Minuten: 1786
Tacklings gesamt: 43
Als letzter Mann erfolgreich getackelt: 0
Gewonnene Tacklings: 81%
Abgefangene Bälle: 27
Klärende Aktionen gesamt: 22
Klärende Aktionen per Kopf: 6
Auf der Linie geklärt: 0
Ecken verursacht: 13
Pässe gesamt: 865
davon angekommen: 83%
Offensiv: Tore: 0
Schüsse auf das Tor: 2
Schüsse vorbei: 3
Begangene Fouls: 24
Gelbe Karten: 3
Rote Karten: 0

Dennis Diekmeier: Kam spät – aber gewaltig. gerade mal acht Spiele hat der pfeilschnelle Rechtsverteidiger absolviert und dabei fast ausnahmslos überzeugt. Nicht zwingend mit filigranem Fußball oder außergewöhnlich gutem Stellungsspiel. Aber immer mit 100 Prozent Einsatz, Zweikampfstärke und dem einen oder anderen gelungen Flankenlauf. “Das wird noch mehr”, verspricht Diekmeier. Und ich vermag es zu glauben.

Diekmeier in Zahlen…
…Gespielte Minuten:
668
Tacklings gesamt: 12
Als letzter Mann erfolgreich getackelt: 0
Gewonnene Tacklings: 92%
Abgefangene Bälle: 13
Klärende Aktionen gesamt: 10
Klärende Aktionen per Kopf: 3
Auf der Linie geklärt: 0
Ecken verursacht: 4
Pässe gesamt: 209
davon angekommen: 69%
Offensive: Tore: 0
Schüsse auf das Tor: 0
Schüsse vorbei: 1
Begangene Fouls: 8
Gelbe Karten: 1
Rote Karten: 0

Guy Demel: Der Verlierer der Saison. Zuerst bei Trainer Armin Veh als zu verletzungsanfällig immer in der Kritik, kam er aus dieser Rolle auch nach dessen Demission und unter dem neuen Trainer Michael Oenning nicht heraus. Am Ende leistete sich der Ivorer, der in dieser Saison eigentlich zum Publikumsliebling avancierte, den unerklärlichen Fehler, seiner Mannschaft bewusst zu schaden, indem er sich und seine sportliche Hilfe verweigerte. Grund dafür soll eine ausgelebte Fehde zwischen ihm und Oenning gewesen sein. Egal wie, in seinen am Ende immerhin 21 Saisonspielen wusste Demel auch zu gefallen. Obgleich er zu wenige Offensivakzente setzte, setzt er einige Gute und deutete seine Klasse an. Allein, das reicht ihm genauso wenig wie dem HSV, der ihn deshalb trotz Vertrages bis 2012 abgeben will und aller Voraussicht nach auch abgeben wird.
Guy Demel in Zahlen…
…Gespielte Minuten:
1664
Tacklings gesamt: 30
Als letzter Mann erfolgreich getackelt: 0
Gewonnene Tacklings: 90%
Abgefangene Bälle: 34
Klärende Aktionen gesamt: 42
Klärende Aktionen per Kopf: 18
Auf der Linie geklärt: 0
Ecken verursacht: 16
Pässe gesamt: 885
davon angekommen: 81%
Offensive: Tore: 0
Schüsse auf das Tor: 1
Schüsse vorbei: 0
Begangene Fouls: 22
Gelbe Karten: 2
Rote Karten: 0

Collin Benjamin:Der gefeiertste Spieler nach dem letzten Saisonspiel am Sonnabend. Und das völlig zurecht. Denn Collo hat in seinen zehn Jahren beim HSV ehrlichste Arbeit abgeliefert, war immer eine Integrationsfigur und ein außergewöhnlich wichtiger Faktor beim Teambuilding, wie bislang noch alle seine Trainer und Mitspieler bestätigten. Und auch in seinen letztlich nur acht Einsätzen in dieser Saison zeigte der 32-Jährige, dass man sich auf ihn verlassen kann. Denn obgleich ihm etwas Schnelligkeit abhanden gekommen scheint, wusste der Namibier durch gefälliges Stellungsspiel und hohen Einsatz zu gefallen. Dass es sportlich irgendwann ein Ende geben würde, war ihm und allen Beteiligten klar. Ebenso, dass der jetzt erfolgte Schnitt vertretbar ist. Denn seine Konkurrenz (s. Diekmeier) zieht langsam vorbei.
Collo in Zahlen…
…Gespielte Minuten:
341
Tacklings gesamt: 10
Als letzter Mann erfolgreich getackelt: 0
Gewonnene Tacklings: 90%
Abgefangene Bälle:3
Klärende Aktionen gesamt: 10
Klärende Aktionen per Kopf: 3
Auf der Linie geklärt: 0
Ecken verursacht: 1
Pässe gesamt: 161
davon angekommen: 72%
Offensive: Tore: 0
Schüsse auf das Tor: 0
Schüsse vorbei: 1
Begangene Fouls: 5
Gelbe Karten: 1
Rote Karten: 0

Joris Mathijsen: Der eigentlich Unkaputtbare geht in Hamburg langsam doch kaputt. Und das auf brutalste Weise wie beim Länderspiel seiner Niederländer im vergangen November, in dem sich der solide Innenverteidiger im Knöchel einen doppelten Bänderriss zuzog (die TV-Bilder damal waren grausam…). Denn seitdem kam Mathijsen nicht mehr wirklich auf die Beine und absolvierte eher mäßige Leistungen in seinen für seine Verhältnisse mickrigen 19 Saisonspielen. Zuletzt wurde der Niederländer nach offiziellen Angaben geschont. Allerdings, und das ist ein offenes Geheimnis, zählt auch Mathijsen zu den Spielern, die der HSV bei einem passenden Angebot gern abgeben würde. Zumindest erscheint es mehr als fraglich, ob der mäßig schnelle, allerdings mit einer perfekten Grätschensetzung ausgestattete Innenverteidiger überhaupt an seiner letzten Konkurrenz – Gojko Kacar – vorbeigekommen wäre.
Joris in Zahlen…
…Gespielte Minuten:
1664
Tacklings gesamt: 35
Als letzter Mann erfolgreich getackelt: 0
Gewonnene Tacklings: 77%
Abgefangene Bälle: 57
Klärende Aktionen gesamt: 48
Klärende Aktionen per Kopf: 20
Auf der Linie geklärt: 0
Ecken verursacht: 12
Pässe gesamt: 909
davon angekommen: 81%
Offensive: Tore: 2
Schüsse auf das Tor: 7
Schüsse vorbei: 3
Begangene Fouls: 17
Gelbe Karten: 4
Rote Karten: 0

Heiko Westermann:Der Unkaputtbare. Körperlich (er absolvierte alle 34 Spiele über die volle Distanz) und mental hat sich der diesjährige HSV-Kapitän in seinem ersten Jahr eindrucksvoll eingebracht. Bei ihm muss allen klar sein, was sie nie bekommen werden. Denn technisch hochwertige, filigrane Einlagen kann der Fußballarbeiter Westermann nicht bieten. Dafür eine beeindruckende Kopfballstärke, Torgefahr, eine starke Zweikampfführung und nimmermüden, vorbildlichen Einsatz. Westermann hat sich mit den einfachen Bordmitteln bei den Fans etabliert und zur festen Größe gemausert. Er verkörpert am besten das, was der HSV durch verschiedene Charaktertest sicherstellen wollte. Er ist einfach ein durch und durch loyaler, einsatzfreudiger und mannschaftsdienlicher Spieler.
Westermann in Zahlen…
…Gespielte Minuten:
3060
Tacklings gesamt: 90
Als letzter Mann erfolgreich getackelt: 0
Gewonnene Tacklings: 79%
Abgefangene Bälle: 100
Klärende Aktionen gesamt: 172
Klärende Aktionen per Kopf: 83
Auf der Linie geklärt: 0
Ecken verursacht: 28
Pässe gesamt: 1789
davon angekommen: 78%
Offensive: Tore: 2
Schüsse auf das Tor: 5
Schüsse vorbei: 14
Begangene Fouls: 33
Gelbe Karten: 4
Rote Karten: 0

Gojko Kacar: Gojko wird in der Datenbank nicht als Abwehr- sondern als Mittelfeldspieler geführt. Dennoch hat er sich in Hamburg als Innenverteidiger etabliert und dort trotz der ungewohnten Position starke Leistungen abgerufen. Der Serbe, der im defensiven Mittelfeld Zé Roberto und Jarolim nicht Paroli bieten konnte, ist einer der kopfballstärksten Spieler und kennt in der Härte der Zweikämpfe kaum Grenzen. Allerdings, und das ist die Gefahr bei seinem riskanten Zweikampfverhalten: wenn einer an ihm vorbeikommt, holt er ihn seltenst mehr ein, weil er sehr abrupt attackiert. Wobei, so ehrlich muss man sein, Kacars Stellungsspiel hat sich von Spiel zu Spiel verbessert. Zudem ist der 24-Jährige bei Standards hinten eine Bank und vorn eine ernstzunehmende Waffe für die eigene Mannschaft.

Muhamed Besic:Das Riesentalent wurde nach einer unglücklichen Leistung in Hannover früh fallengelassen. Sogar zu früh, wie ich meine, denn zuvor war der Bosnier in nicht müde werdenden Wiederholungen vom damaligen Trainer Armin Veh in den höchsten Tönen gelobt worden. Anschließend kam der 18-Jährige nicht mehr auf die Beine. Zumindest nicht beim HSV. Denn während Besic in der Nationalelf seines Heimatlandes debütierte, wurde er beim HSV nur noch sporadisch eingesetzt. Grund dafür waren fehlende Kopfballstärke, mangelnde Schnelligkeit und “schlicht und einfach stärkere Konkurrenz”, so zunächst Veh und jetzt auch Michael Oenning. Allerdings, und das müssen sich beide HSV-Trainer als Kritik gefallen lassen, der Umgang mit Besic’ Einsatzzeiten war äußerst unglücklich. Ein Talent aufzubauen bedeutet auch, ihm Vertrauen zu schenken. Auch – nein: gerade wenn es mal nicht so gut läuft.
Besic in Zahlen…
…Gespielte Minuten:
190
Tacklings gesamt: 10
Als letzter Mann erfolgreich getackelt: 0
Gewonnene Tacklings: 80%
Abgefangene Bälle: 5
Klärende Aktionen gesamt: 11
Klärende Aktionen per Kopf: 3
Auf der Linie geklärt: 0
Ecken verursacht: 4
Pässe gesamt: 71
davon angekommen: 70%
Offensive: Tore: 0
Schüsse auf das Tor: 0
Schüsse vorbei: 0
Begangene Fouls: 3
Gelbe Karten: 0
Rote Karten: 0

Lennard Sowah: Der Zugang aus England mit Hamburger Wurzeln – ein Totalausfall. Vom anfangs der Saison noch designierten neuen Sportchef Urs Siegenthaler als DAS Talent angepriesen, fiel der 18-Jährige bei Veh sofort durch. Zuletzt war er zwar verletzt, allerdings hatte Sowah auch zuvor schon bei der eigenen Zweiten keine Chance mehr, weil die Konkurrenz stärker war/ist.

Ohne Wertung: Miroslav Stepanek.

Bis morgen, dann mit dem Mittelfeld,

Scholle
19.28 Uhr

P.S.: Angreifer Paolo Guerrero hat sich leider im Spiel gegen Gladbach einen Innebandriss im Knie zugezogen und muss vier bis sechs Wochen pausieren. Damit ist auch seine Teilnahme an der im Juli beginnenden Copa America für sein Heimatland Peru gefährdet.

Der Weihnachtsmann des HSV

12. Juni 2010

Und weiter geht es. Die Reihe der Sommergeschichten wird auch heute fortgesetzt. Erschreckt bitte nicht wenn Ihr jetzt schon mit dem Weihnachtsmann konfrontiert werdet, es ist natürlich noch nicht soweit. Unser Matz-abber Tostedt hat eine ganz besondere Geschichte erlebt, eine, von der hier vielleicht viele User träumen. Und die hat er für uns aufgeschrieben. Viel Spaß. Und vielen, vielen Dank, lieber Tostedt, für Deine Mühe.

Hallo Dieter, hallo Matz-abber,

hier schreibt der treue Leser Tostedt. Ich duze Euch einfach mal, denn ich kenne Euch nun schon ziemlich lange ;-). Ihr/Du mich wohl nicht, denn ich lese diesen Blog zwar sehr gerne, schreibe aber relativ selten. Ehrlich gesagt, lese ich mittlerweile fast nur noch den Blog und schaue nur noch sporadisch in die Diskussionen, weil es einfach zu aufwendig ist, sich alles durchzulesen. Da ich zwei kleine Kinder zu Hause habe und auch selbst noch sportlich aktiv bin, sowie in unserem neuen Garten noch Unmengen von Projekten vor mir habe, schaffe ich es einfach zeitlich nicht. Obwohl meine Frau bei mir zwischendurch schon eine Internetsucht vermutet hat (Das ist die Wahrheit ;-)).

Wie ich zwischendurch erfahren durfte, kennst Du, Dieter, ja sogar Tostedt. Deiner rührenden Geschichte nach zu urteilen hast Du hoffentlich nicht nur schlecht Erinnerungen an Tostedt.

Ich schreibe Euch/Dir (wem schreibe ich denn jetzt eigentlich?), da ich eine kleine Geschichte von und mit dem HSV erlebt habe, die ich gerne zum Besten geben möchte. (Wobei ich mir unsicher bin, inwieweit ich darüber schreiben darf. Vielleicht dringt es ein wenig zu tief in den Privatbereich einiger Spieler ein. aber ich lege einfach mal los.

Es ist eine Weihnachtsgeschichte – und für mich ist es ein wahr gewordener Traum. Anders kann ich es gar nicht beschreiben. Also, zur Geschichte:

Es fing Ende November mit einem Anruf an. Meine Schwester rief mich eines Abends an und fragte ob ich Lust hätte, bei einer Weihnachtsfeier vom HSV den Weihnachtsmann zu spielen. Im ersten Moment dachte ich natürlich an DIE Weihnachtsfeier von HSV, sagte aber gleich zu mir selbst :“So ein Schwachsinn, wie kommst du auf so den Gedanken, dass mich jemand bei der HSV-Weihnachtsfeier als Weihnachtsmann haben wollte?!“ Im Laufe des Gesprächs stellte sich aber heraus, dass es sich tatsächlich um genau diese Job handelt! Ich war komplett ungläubig und fragte wie es sein kann, dass dieser Job noch nicht seit fünf Jahren vergeben ist? Aber die Begründung war gut: Der Mann ihrer Freundin (Georg) hat in seiner damaligen Studentenzeit zwecks Gelderwerbs eine Weihnachtsmannzentrale gegründet und die betreibt er noch heute nebenbei. Er wurde von Marinus Bester angerufen, ob er kurzfristig noch einen Weihnachtsmann für die Weihnachtsfeier vom HSV hat. (Marinus hatte ihn Jahre vorher für seine eigenen Kinder engagiert und sich an ihn erinnert). Tja, er hat dann natürlich zugesagt und hatte in seiner Zentrale keinen geeigneten bzw. freien Mann für dieses Event. Da kam er auf die Idee, den Mann meiner Schwester zu fragen (der rein physikalisch ausgesprochen gut in Rolle gepasst hätte 😉 ) Der hat aber gleich abgewiegelt. Er traute sich das nicht zu, auch weil er mit Fußball nicht viel am Hut hat und die Mannschaft deswegen auch nicht kennt. Auf die Nachfrage, ob er nicht jemanden wüsste, hat meine Schwester mich und meinen Bruder genannt.

Es dauerte einige Zeit, ich glaubte schon gar nicht mehr daran, aber er rief tatsächlich an. Wir unterhielten uns kurz. Zuerst ein wenig Smalltalk und dann auch schon die Infos: Es geht um den Job bei der Weihnachtsfeier. Er suche einen HSV Fan, der die Spieler kennt und auch Erfahrung mit Weihnachtsmannauftritten hat. „Habe ich“ sage ich. „Gut“ sagte er, “hast du Lust?“  Ich konnte nicht anders, so eine Chance kommt wohl nie wieder: „Ja, natürlich!!!!“ „Alles klar“ sagt er,“ dann lass uns mal einen Termin machen. Ich kommen bei dir vorbei und dann kleiden wir dich mal richtig ein“

Ein paar Tage vor der Weihnachtsfeier ist er dann vorbeigekommen und hat die Ausrüstung in mehrfacher und unterschiedlicher Ausführung dabei. Da ich ein schlanker Gesell bin, habe ich das am dicksten ausgestatte Kostüm bekommen.

Es war zwar nicht mehr lange hin und zum Glück bin ich meistens immer erst kurz vor einem solchen Auftritt nervös, aber Diesmal hat es mich aber schon Tage vorher ‚gepackt’! In der Firma habe ich mir drei Sätze von meinen Kollegen in Französisch, Tschechisch und Spanisch übersetzen lassen. Leider habe keinen holländischen Kollegen…

Diese Sätze habe ich dann gebüffelt und wirklich erst kurz vor dem Auftritt hatte ich sie einigermaßen drauf. Ich bin also an dem Tag (es war ein Sonntag) nach Hamburg gedüst (ich wohne in Tostedt, wie mein Nick schon andeutet…) und hatte schon während der Fahrt schweißnasse Hände. Ich war pünktlich vor Ort und habe auf Georg gewartet. Vor der Tür habe ich schon Jerome Boateng stehen und telefonieren sehen. Heimlich hab ich ihn beobachtet: Es schien mir, dass Fußballstars auch nur Menschen sind… Beruhigte mich aber keineswegs. Ich wurde immer nervöser. Georg kam dann endlich. Worauf habe ich mich eigentlich eingelassen? Wie kam ich auf die Idee ich wäre ein guter Weihnachtsmann? Keine Ahnung, aber weglaufen geht gar nicht, er kennt meine Schwester…. Wir begrüßen uns und kurz darauf Hat Georg auch schon Marinus Bester am Telefon. Nach einer kurzen aber kalten Wartezeit kam Marinus raus und begrüßte uns. Ein wirklich netter Vertreter seiner Zunft mit einem sehr kräftigen Händedruck! Durch den Hintereingang und damit mitten durch die Vorratskammer sind wir nach drinnen in die Umkleidekabine gekommen. Vor mir hat ein Zauberer seine Show abgeliefert. Ziemlich professionell. Ich werde immer kleiner. Warum habe ich überhaupt zugesagt???

Naja, umziehen ging schnell. Die Mütze mit den weißen Haaren hat ziemlich gekratzt, aber Georg hat sie dann in die richtige Position bekommen. Wir sprechen noch ein paar Minuten und dann kommt Marinus noch mal rein. Wir gehen aus der Umkleide raus und auf dem Gang kommen mir schon Paolo und Joris entgegen. Ich gebe beiden die Hand und bekomme freundliche Worte mit auf den Weg. (Zum Glück habe ich da schon meine weißen Handschuhe an ;-)) Vor lauter Nervosität hatte ich vergessen Mathijsen auf mein Hühnchen anzusprechen. Das Hühnchen, das ich noch mit ihm rupfen wollte. (Nebenbei: mein zweiter Sohn heißt Joris. Auf der langen, langen Suche nach einem Namen bin ich irgendwann auf die Namen der HSV-Spieler gestoßen. Nach einigen Wochen haben wir uns dann auf Joris geeinigt (ein toller Name, er nennt sich selbst immer Jojo ;-), total süß!). Am Morgen der Geburt bin ich dann taumelnd vor Glück und schwankend vor Müdigkeit zu meinen Eltern und habe dort mit ihnen gefrühstückt. Ich weiß es noch als wäre es gestern gewesen: in der Zeitung habe ich dann gelesen, dass Joris Mathijsen an genau diesem Tag seinen Geburtstag feiert! Und witziger Weise heißt unser erster Sohn Mathis. Das wollte ich natürlich mit Herrn Mathijsen teilen, aber leider hat er nie eine Antwort geschrieben…)

Zurück zur Weihnachtsfeier. Ich stehe schon im Gang und einige der kleinen Kinder haben mich schon entdeckt und reißen ganz erstaunt die Augen auf. So gut habe ich als Weihnachtsmann aber wirklich noch nie ausgesehen! Nutzt aber immer noch nichts… ich bleibe total angespannt. Marinus klärt mich auf: Wenn das nächste Weihnachtslied erklingt, dann soll ich loslegen. Ich stehe in Lauerposition und warte auf das Lied. Es erklingt… ich würde am liebsten umdrehen und nach Hause fahren… Geht aber natürlich nicht. Scheiße…scheiß drauf… einfach los!

Ich gehe los:„ Ho Ho Ho!“ rufe ich. Niemand guckt mich an… Nochmal:“HoHoHo!“ Links sitzen Hoffmann und Kraus mit noch irgendjemanden. Sie gucken nur kurz auf. Weitere Stühle und Tische auf der linken Seite. Weiter vorne links erkenne ich die Tschechenabteilung: Jarolim und Rozenal. Rechts von mir eine Wand. Ich gehe weiter und rufe wieder mein „Ho Ho Ho“ habe aber das Gefühl, das mich immer noch niemand so richtig wahrnimmt. „Oh man wie peinlich“, dachte ich, „ich spiel hier den Weihnachtsmann und niemand bemerkt mich“ Die Wand auf meiner rechten Seite wird zur Ecke und ich kommen nun vollends in den Raum rein. Es erschlägt mich fast. Der Raum wirkte riesengroß und gefühlte 300 Leute guckten mich an…

„Ho Ho Ho…“.

Ich gehe einfach weiter, was bleibt mir anderes übrig. Ich sehe Frank Rost, Labbadia und Reitmaier. Fast alle lächeln mich an! Puh, es geht ein bisschen besser! Ich gehe ganz nach vorne durch, lasse alle Kinder zu mir kommen und habe natürlich das goldene Buch nicht vergessen. Dort steht auch der Gabentisch. daneben haben sich hauptsächlich Spieler mit der etwas dunkleren Hautfarbe niedergelassen. Ich entdecke Rincon. Ich lasse den Spruch:“ Feliz Navidad „fallen (Fröhliche Weihnachten auf Spanisch). Keine Reaktion… Erst zwei Sekunden später guckte Rincon leicht erschrocken hoch und bedankte sich ganz pflichtbewusst. Aus dem Augenwinkel sehe ich noch, wie er einem Kollegen gleich erzählt hat, dass der Weihnachtsmann Spanisch mit ihm gesprochen hat. Hehe, der war schon mal gut! Als erstes singen wir ein Weihnachtslied mit den Kindern. Es wird: Oh Tannenbaum. Oh man… keiner singt mit, hervorragend…Ich kratze mich kurz am Kopf… Aber dann kommt Marcell Jansen zu mir:“ Kommt Weihnachtsmann, wir machen mal Stimmung hier!“ Zusammen rocken wir den Laden 😉 Echt ein klasse Typ der Marcell!!

Als nächstes lese ich eine Geschichte vor. Dazu wird mir ein Mikrofon an den Mund gehalten und los geht’s. Alles guckt auf mich aber ich bleibe cool und konzentriere mich auf die Geschichte. Es geht alles gut, keine Versprecher und kein Gestottere! Allerdings war die Geschichte überhaupt nicht für die kleinen Kids (˜2 – 6 Jahre) gemacht. Egal, gut vorgelesen und die netten Damen und Herren grinsen mich auch noch immer alle an. Kann ja doch nicht so schlecht gewesen sein!

Als nächstes sind die Geschenke dran. Ich stehe am Gabentisch und Marinus gibt mir die Geschenke und liest mir leise die Namen der Kinder vor. Leider konnte ich nicht erkennen, ob mich eines der Kinder vielleicht gar nicht versteht. Nach zehn Minuten bin ich mit dem Verteilen der Geschenke auch fertig. Bis auf ein Kind haben sich alle zu mir getraut. Ganz gute Quote! Während ich langsam meinen Rückzug antrete, kommen einige Kinder mit ihren Eltern und lassen sich mit mir fotografieren. Bei den meisten ist es umgekehrt. Jaja, der Weihnachtsmann ist eine Respektsperson! Dabei wurde mir nochmal meine Mütze zurechtgerückt, mit dem Hinweis, dass mir schon während der Weihnachtsgeschichte die Haare unter meiner Mütze hervor lugten… Prima, denke ich, dann weiß ich jetzt ja auch, warum ich von den Damen und Herren vorne so nett angelächelt worden bin… Naja, was solls.

Von Marinus kommt noch ein tolle Geste: er nimmt mich an die Seite und bringt mich mit Frank Rost zusammen:“ Hey Frank, lass dich mal mit dem Weihnachtsmann fotografieren“ Der Frank ist total nett. Hört sich blöde an, ist aber so. Absolut freundlich und sympathisch! Darüber hatte ich mich sehr gefreut. Auf dem Weg nach hinten bin ich dann wieder an dem Tisch von Jarolim und Rozenahl vorbeigekommen. Ich lasse ein:“ Veselé Vánoce“ fallen (ausgesprochen: wäsälä vanoootze, fröhliche Weihnachten) Danach hatte ich nur gehört, wie Jarolim Rozenahl fragte:“ Ist das Miroslav, oder was??“ hehehe das war auch gut. Gemeint war natürlich Miroslav Stepanek.

Es werden die letzten Bilder gemacht, ich werde kaum noch beachtet und dann gehe ich endgültig aus dem Raum.

Puh…

Ich war total froh es geschafft zu haben. Die Erleichterung war wirklich groß. Das T-Shirt konnte ich nachher auswringen, dafür hatte ich einen stechenden Durst.

Ich wäre gerne etwas spontaner gewesen und hätte eigentlich vorher ein paarmal Weihnachtsmann üben müssen, aber insgesamt war ich doch zufrieden mit meiner Leistung. Im Nachhinein fallen einem hunderte von Alternativen ein, die man hätte sagen oder machen können. Aber das zählt ja nicht. Es ein für mich ein aufregender Nachmittag mit vielen unvergesslichen Eindrücken vom HSV geworden. Ich war der Weihnachtsmann des HSV.

Herzliche Grüße, Euer Marcus

15.23 Uhr

Tag drei – Teil eins

4. Januar 2010

Tag drei in der Türkei. Falls Ihr schon gewartet habt, so muss ich einmal über den ganz normalen Trainingstag berichten. Nach deutscher Zeit geht es um 9.30 Uhr los (Belek 10.30 Uhr). Zwei Stunden Training, danach treffen die Schreiberlinge ihre Verabredungen mit jenen Spielern, mit denen sie Einzelgespräche führen wollen. Um 13 Uhr türkischer Zeit isst die Mannschaft, um 13.30 Uhr folgt die Besprechung mit dem Trainer. Um 15.30 Uhr steht dann wieder das Training auf dem Platz an. Das dauert zwei Stunden, danach geht es ins Hotel zurück. Das Abendessen für die Spieler ist für 19.30 Uhr terminiert, danach werden dann die verabredeten Einzelgespräche geführt.

Meines ist für heute geplatzt. Ihr wisst vielleicht noch, dass Bastian Reinhardt ja versprochen hatte, eine Gastkolumne für „Matz ab“ zu schreiben. Das sollte heute geschehen, aber der Routinier hat absagen müssen, er hat nach den anfänglichen Strapazen arge Muskelschmerzen im rechten Bein und wird sich deshalb von den Physiotherapeuten lange und intensiv behandeln lassen. Aber: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.
Da mein Abendessen in bereits 20 Minuten beginnt, ich heute zu lange geschlafen und deswegen das Frühstück verpasst habe, sitze ich im Moment mit knurrendem Magen vor der Tastatur (womit ich – ausdrücklich – nicht um Mitleid betten möchte!). Ich muss aber auch tatsächlich in 20 Minuten essen, das hilft alles nichts. Nach dem Essen der „Schreiberlinge“ isst die Mannschaft, danach treffe ich mich dann mit Tunay Torun, mit dem ich gerne mein erstes (!) Interview führen möchte. Ich weiß von der Sturm-Hoffnung des HSV bislang nicht allzu viel, deswegen hoffe ich, dass es auch Euch so ergeht – und Ihr gespannt darauf seid, was er zu sagen hat.

Es ist kalt geworden in Belek. Höchstens fünf Grad, es fegt bei Sonnenschein ein eiskalter Wind aus dem Norden (vom Eis der Berge abgekühlt) über den Trainingsplatz hinweg.

Und ruhiger ist es auch etwas geworden. Von Ze Roberto gibt es nach wie vor keine Spur, Trainer Bruno Labbadia hat auch keinen Kontakt zu seinem Brasilianer (aufgenommen), weil: „Es ist alles vorher mit ihm und seinem Berater abgesprochen gewesen, jetzt werde ich erst ein Gespräch führen, wenn Ze wieder bei der Mannschaft ist.“ Und das wird wohl bis zur Rückkehr nach Hamburg (am Sonntag) dauern.

Aufregung gab es zwischenzeitlich um Guy Demel, der angeblich vom AC Mailand umworben wird. Das ist nichts dran, absolut nichts. Jedenfalls nichts an den Italienern. Eine Zeitung hatte vermutet, dass der AC Mailand wohl beim Afrika-Cup nach Rechtsverteidigern Ausschau halten würde, und da es davon acht gibt und einer davon Guy Demel heißt, wurde daraus in Deutschland dann gemacht: Der AC Mailand jagt Guy Demel. Dass der AC Mailand auch noch sieben andere Kandidaten (und nicht nur die) „jagt“, wurde dabei glatt unterschlagen. Und so entstehen dann Gerüchte. Bruno Labbadia jedenfalls weiß von nichts, es gibt keine Anfrage aus Italien. Sagt er. Und ich glaube ihm das.

Übrigens: Tomas Rincon ist wieder da, kam nachts um 1 Uhr, trainierte morgens im Kraftraum und mischt auf dem Platz mit, als wen er nie gereist wäre. Unglaublich. Davon aber gleich noch  mehr.

Ein bisschen Pech hatte Miroslav Stepanek, der nach seinem Kreuzbandriss hier erstmalig wieder trainiert. Er trat beim Vormittagstraining unglücklich auf den Ball und schied mit einer erneuten Knieverletzung vorzeitig aus, war auch am Nachmittag nicht zu sehen. Es soll sich dabei „nur um eine Kapselverletzung“ am Knie handeln, so der Befund von Dr. Mikolai Linewitsch, aber so hundertprozentig ist diese Diagnose (ohne Kernspintomographie) nicht. Abwarten.

Und Ihr müsst nun auch ein wenig Geduld haben, denn nun geht es los. Essen. Und danach folgt dann Teil zwei des dritten Tages.

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