Archiv für das Tag 'Steinmann'

Platzt der Deal mit Gregoritsch?

2. Juli 2015

Neue Spieler beim HSV – ohne die geht es nicht. Diesen Hilferuf hat HSV-Trainer Bruno Labbadia (wenn auch nicht wörtlich) gestern auf der ersten Pressekonferenz der Saisonvorbereitung ausgesandt. Bis auf den Japaner Gotoku Sakai ist noch nichts passiert, und nun droht auch der Deal mit Michael Gregoritsch zu platzen. Der Ex-St. Paulianer galt in den vergangenen Wochen als Top-Kandidat für den HSV. Aber: Eine Einigung ist trotz nächtelanger Verhandlungen zwischen dem VfL Bochum, der TSG Hoffenheim sowie HSV-Direktor Peter Knäbel schwierig. Den ganzen Beitrag lesen »

. . . der muss zum Dino nach Hamburg!

10. Juni 2015

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Erste DFB-Pokalrunde:
FC Carl-Zeiss Jena gegen den HSV
Barmbek-Uhlenhorst empfängt den Erstliga-Absteiger SC Freiburg
Bernd Hollerbachs Würzburger Kicker treffen auf Werder Bremen
und, so viel Zeit muss sein: St. Pauli gegen Borussia Mönchengladbach
gespielt wird am 7. oder 8. August

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Nichts los im Volkspark – die Ruhe vor dem Sturm

9. Juni 2015

Die Transferperiode hat noch nicht einmal begonnen, und schon ist klar: Der HSV verpasst mal wieder einen gelungene Umbruch. So liest es sich zumindest größtenteils in den Kommentaren in verschiedenen Foren – nicht nur hier. Weil es heißt, Ivo Ilicevic soll einen neuen Vertrag bekommen. Einen leistungsbezogenen Einjahresvertrag, weil Trainer Bruno Labbadia die Chance sieht, dauerhaft von den zweifellos vorhandenen Qualitäten des Offensivspielers profitieren zu können. Vergessen die Verletzungsarie des heute 28-Jährigen, der seit seiner Unterschrift 2011 für den HSV 61 Spiele verpasste, das heißt jeweils 15 Spiele pro Saison im Schnitt. Verletzt.
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Die “Affen” tanzen, der HSV liegt am Boden!

16. Mai 2015

Stuttgart bezwingt den HSV im Abstiegs-Endspiel 2:1 – die „Affen“ tanzen, der HSV liegt am Boden. Nun muss es sich am letzten Spieltag zeigen, ob der HSV tatsächlich immer wieder aufstehen kann. Am Sonnabend geht es im Volkspark gegen Schalke 04 um alles – jetzt ist der HSV erst einmal auf den vorletzten Tabellenplatz zurückgefallen. Es scheint, als müsste auch in diesem Jahr wieder ein Wunder helfen, um den Dino vor der Zweiten Liga zu bewahren. Der HSV bot auch im Ländle eine erschütternde Leistung, der Tabellenletzte war klar und deutlich das bessere Team und gewann verdient. Die Hamburger hatten deutlich mehr Unzulänglichkeiten zu bieten, als der VfB, HSV-Trainer Bruno Labbadia schlug sich mehrfach entsetzt die Hände vor das Gesicht. So wird das kaum noch etwas. Und für das Schalke-Spiel fällt nun auch tatsächlich noch Kapitän Rafael van der Vaart aus, der sich in der Nachspielzeit die zehnte Gelbe Karte der Saison erbettelte – Schiedsrichter Manuel Gräfe erhörte den Niederländer! Jetzt hat es der HSV schon nicht al mehr in eigener Hand, den Abstieg noch zu vermeiden. So sieht die Realität im Mai 2015 aus. Gute Nacht!

 

Mit der Aufstellung überraschte Trainer Bruno Labbadia auch diesmal wieder. Es scheint ein Hobby von allen Fußball-Lehrern zu sein, die den HSV coachen. Diesmal kam Marcell Jansen wie Kai aus der Kiste, und Ivo Ilicevic musste wohl deswegen ins Team, weil er ein Rechtsfuß ist. Obwohl der frühere Lauterer mal gesagt hatte, dass er rechts eigentlich nicht spielen möchte. Nun gut, in der allergrößten Abstiegs-Not frisst der Teufel wohl doch Fliegen . . .

 

Die „Affen“, wie VfB-Trainer Huub Stevens seine Spieler in der Woche tituliert hatte, traten mit der stimmgewaltigen Unterstützung von 54 000 Zuschauern an – aber der HSV hielt tapfer dagegen. Und ging sogar mit 1:0 in Führung. Freistoß von halbrechts, den gab Rafael van der Vaart mustergültig (diesmal mustergültig!) vor das Stuttgarter Tor, und dort stieg am Elfmeterpunkt Gojko Kacar in die Luft und köpfte ein. Der Wahnsinn! Kacars drittes Tor in Folge! Das ist unfassbar! Und die Teamkollegen erdrückten den Serben fast vor Freude. Der HSV auf dem Weg zum rettenden Ufer?

 

Leider nein. Und ausgerechnet Kacar bereitete den Ausgleich der Schwaben vor. Der HSV-Torschütze hätte einen Ball weit und hoch aus dem Strafraum herausschlagen können, nein müssen, aber er traf den Ball nicht gut. Stuttgarts Serey Die fing den Ball leichtfüßig ab, und postwendend flog die Kugel wieder zurück in den HSV-Strafraum, weil Marcell Jansen die Flanke nicht verhindern konnte, im Gegenteil, er fälschte die Kugel noch leicht ab. Am Fünfmeterraum-Eck kam Gentner an den Ball, und der schoss, bedrängt von Slobodan Rajkovic, aus der Drehung den Ball durch die Beine von Rene Adler ins Tor (27.). Wie bitter. Plötzlich war Stuttgart hellwach.

 

Und legte nach. In der 35. Minute hieß es 2:1 für den Tabellenletzten. Eckstoß von links, am kurzen Pfosten verlängerte Gentner (setzte sich gegen Ivica Olic durch) den Ball auf das lange Eck, und dort schien die gesamte HSV-Defensive irgendwie eingenickt. Marcell Jansen ließ den aus Hamburg stammenden Martin Harnik (Vier- und Marschlande) gewähren, der auf der Torlinie (am Pfosten) stehende Ilicevic zog schnell mal den Kopf zwischen die Schultern – Tor. Wie bitter war das denn bitte? So kann man im Abstiegskampf, jedenfalls den in der Ersten Bundesliga, nicht agieren. Das ist ein ganz schlimmes Abwehrverhalten, spricht aber Bände für diesen HSV. Und wenn es ganz schlecht gekommen wäre, dann hätte Harnik kurz vor der Pause noch das 3:1 erzielt, nachdem er sich gegen Rajkovic und Johan Djourou durchgesetzt hatte, aber der Österreicher schoss dann doch zwei, drei Meter am HSV-Tor vorbei.

 

Halbzeit. Und Stuttgart jubelte. Weil der VfB dann ganz klar Chef im Ring war. Die „Affen“, die nach dem 2:1 auch wie die Affen getanzt hatten, waren deutlich besser. Der HSV leistete sich viele und in der Entstehung ganz amateurhafte Fehlpässe, Stuttgart war schneller, wirkte frischer, zeigte viele Ideen – und waren schlicht williger, auch viel hungriger auf den Erfolg. Die HSV-Spieler zeigten dazu einige ungewöhnliche technische Fehler. So „paddelte“ Ivica Olic gleich zweimal bei VfB-Eckstößen am Ball vorbei, als er an erster Stelle stand. So etwas darf ganz einfach nicht passieren – aber beim HSV ist das leider an der Tagesordnung.

 

Die Überlegenheit des Schlusslichtes, das längst am HSV vorbeigezogen war, wurde im zweiten Durchgang noch eklatanter. Der VfB stürmte mit Mann und Maus, und der HSV hatte kaum bis nichts dagegen zu setzen. In der 62. Minute schien das 3:1 fällig, überfällig sogar, als Harnik an Rajkovic vorbeigezogen war und quer legte, aber Djourou rettete in allerhöchster Not vor Ginczek – nur Eckball für den VfB. Und als kurz darauf Adler unter einer Flanke durchlief, hätte Didavi eigentlich nur köpfen müssen, dann hätte es 3:1 gestanden – aber der Stuttgarter zögerte zu lange, Chance vorbei. Glück für den HSV. Aber was hilft es?

 

Adler wehrte noch bravourös gegen den frei vor ihm auftauchenden Kostic ab, der Ball prallte danach gegen die Latte (83.). Und noch einmal Adler in der 88. Minute, als er super gegen den durchlaufenden Werner hält. Zum Schluss war das 1:2 für den HSV noch glücklich, weil es nur so knapp war.

 

Niemals Zweite Liga.
???? Das wird noch enger als 2014!

 

Der HSV spielte mit: Adler; Westermann,
Rajkovic, Djourou, Ostrzolek; Kacar, van der Vaart; Ilicevic, Jansen (64. Min. Jansen); Olic; Lasogga (58. Min. Rudnevs).

 

Die Einzelkritik

 

Rene Adler leistete sich eine Schwäche, ansonsten bewahrte er den HSV vor einer höheren Niederlage. Das war eine Weltklasse-Leistung, Note eins mit Sternchen. Aber was hilft es, wenn eine solche Benotung nur auf den Torwart zutrifft?

 

Heiko Westermann hatte gegen den pfeilschnellen Kostic einen ganz schweren Stand, zweimal wurde er regelrecht „nass“ gemacht, ansonsten war das halbwegs in Ordnung.

 

Slobodan Rajkovic wirkte hölzern und langsam, im Moment scheint er mehr und mehr an Form zu verlieren.

 

Johan Djourou war der einzige Lichtblick in der Viererkette, der Schweizer warf sich immer wieder in die Angriffe der Schwaben – das war okay.

 

Matthias Ostrzolek schwamm mit, und zwar tüchtig, da war von Souveränität und Erstliga-Niveau nicht allzu viel zu erkennen.

 

Gojko Kacar markierte „sein“ Tor, da sah alles noch rosig aus, aber dann ging es bergab mit dem HSV – leider auch für den Serben.

 

Rafael van der Vaart ging leider nach dem 1:1 stetig mit unter.

 

Ivo Ilicevic war nie zu sehen. Warum er das so lange zeigen durfte? Ich weiß es nicht! Null Zweikampfverhalten, das mal nur so nebenbei.

 

Marcell Jansen blieb fast alles schuldig, leider, leider.

 

Ivica Olic das war überhaupt nichts. Und zwar 90 Minuten lang.

 

Pierre-Michel Lasogga tauchte von der ersten Minuten an ab und spielte viel zu lange.

 

Artjoms Rudnevs (ab 58. Min. für Lasogga) wollte bestimmt, konnte aber nichts mehr bewegen. Weil sein Umfeld es auch nicht mehr konnte.

 

Zoltan Stieber (ab 64. Min. für Jansen) ist nicht der Typ, der reinkommt und alles durcheinanderwirbelt. Das bewies er auch in Stuttgart.

 

Das war es zunächst vom Spiel gegen Stuttgart. Wir sind dann gleich wieder mit „Matz ab live“ zur Stelle, um über die Partie gegen die Schwaben zu sprechen. Unsere Gäste sind heute der ehemalige HSV-Abwehrspieler Detlef Spincke sowie Hamburgs erfolgreichster Amateurtrainer, Bert Ehm, zurzeit Manager des TSV Sasel. Wir vom Abendblatt-TV würden uns sehr freuen, wenn Ihr wieder zahlreich „einschalten“ würdet.

 

PS: Die Zweite hat heute ihr Regionalliga-Spiel in Lübeck gegen den VfB mit 2:0 gewonnen. Ahmet Arslan, der ehemalige Lübecker, erzielte das 1:0, Matti Steinmann den 2:0-Endstand – schon vor dem Seitenwechsel. Glückwunsch!

 

PSPS: Wer immer noch mehr HSV und Fußball will, der sollte morgen den „Sportclub live“ im Dritten Programm (NDR) einschalten. Da sind der frühere HSV-Trainer Frank Pagelsdorf und der ehemalige Volleyball-Bundestrainer, heutige Mental-Coach und immer noch HSV-Ehrenmitglied Olaf Kortmann (auch bei uns schon mehrfach zu sehen) zu Gast. Viel Spaß.

 

17.27 Uhr

Beiersdorfer: „So wird das nix!“

5. April 2015

Lieber HSV, ich möchte mich heute bei Euch bedanken für das gestrige Spiel. Es hat das Blogschreiben sehr vereinfacht. Alle in einen Sack, Knüppel drauf, da kannst du nur den richtigen erwischen.

Nach den vielen, vielen Enttäuschungen dieser Saison und den Vorjahren hat der Verein und mit ihm die Mannschaft auf dem Rasen nun auch noch eine weitere dramatische Eigenschaft entwickelt: Resistenz gegen Trainerwechsel. Man mag darüber streiten, ob der Knäbel-Effekt erst in der siebten Minute des Leverkusen-Spiels verpufft ist oder eigentlich schon mit seiner Inthronisierung, die ja nun alles, aber keinen Aufbruch ausgelöst hat. Letztlich ist der Zeitpunkt unerheblich.

Meine Herrschaften, war das wieder ein erbärmlicher Auftritt dieses HSV. Eigentlich hat die Mannschaft an diesem Nachmittag in der BayArena nur einmal Format bewiesen. Als das Team nämlich nach dem Abpfiff zur Fankurve gegangen ist, um sich den aufgebrachten Anhängern zu stellen. Das war eine gute Geste, aber dass es dazu überhaupt kommen musste, hatten sich die Kicker selbst zuzuschreiben. „Wir haben die Schnauze voll“ und „Wir wollen euch kämpfen sehen“, schrien ihnen die Anhänger entgegen. Was sollen sie in ihrer Verzweiflung auch sonst rufen?

Trotzdem wird der HSV darauf angewiesen sein, dass die Treuesten der Treuen bei der Stange bleiben. „Ich kann die Fans nur bitten, weiter zu ihrem Club zu stehen“, sagte Vereins-Boss Dietmar Beiersdorfer am Ostersonntag. „Sie sind mit uns schon durch viele Täler gegangen. Es ist eine harte Zeit für die Fans.“ Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass es an der Kampfbereitschaft des Anhangs am Ende nicht scheitern wird, wenn es um die letzten Körnchen für den Klassenerhalt geht. Aber was ist mit dieser Mannschaft?

„Nach dem frühen 0:1 waren wir tot“, sagte Kapitän Johan Djourou nach seinem Aussetzer in der siebten Minute. Der HSV kann ja ohnehin schon nicht zurückkommen, wenn einmal ein Gegentreffer fällt. Und dann noch so einer…. „Das war dann kein Überlebenskampf mehr“, wie Dietmar Beiersdorfer deutlich sagte. Am neuen Trainer, das betonte Beiersdorfer immer wieder, macht er diese Minus-Leistung nicht fest: „Ich habe mir das Training angeguckt und auch die Besprechung vor dem Spiel. Es ist schwierig, eine Mannschaft besser für ein Spiel zu präparieren, als es hier geschehen ist – aus meiner Sicht. Da waren Zug, Abschlüsse und Überzeugung drin. Aber auf dem Rasen muss es dann die Mannschaft richten. Da entscheiden die Spieler, ob sie sich vorführen lassen, oder ob sie Haltung oder Präsenz zeigen.“

Beiersdorfer weiter: „Wenn wir uns weiter so präsentieren wie gestern, dann werden wir keine Chance haben, die Klasse zu halten. So wird das nix.“

Eine nachträgliche Einzelkritik erübrigt sich im Prinzip. Einige Spieler haben eine derart desaströse Leistung gezeigt, dass man sich fragt, was sie eigentlich beruflich machen. Ostrzolek, Behrami, Djourou – auch Diekmeier, Jiracek oder Müller. Allenfalls kann Adler, Westermann und Ilicevic, wenn man so will auch Olic (weil er den einsamsten Arbeitsplatz Deutschlands hat) so etwas wie Einstellung nachgesagt werden. Im Grunde ist das aber egal. Eine Situation in der ersten Halbzeit steht für mich da sinnbildlich. Vielleicht erinnert Ihr Euch, falls Ihr das Spiel im Fernsehen verfolgt habt, an die Gelbe Karte gegen Dennis Diekmeier in der 42. Minute. Der HSV hatte den Ball in der gegnerischen Hälfte, musste dann nach hinten weichen, wo Dennis Diekmeier den Ball bekam. Er dribbelte, verlor den Ball und „rettete“ alles mit einem Hechtsprung Richtung Ball. Handspiel, Gelbe Karte, Freistoß für Leverkusen waren die Folge. Auf den ersten Blick sah das alles nach einem stümperhaften Diekmeier-Verhalten aus – jedenfalls im TV-Ausschnitt. Dazu kam nun allerdings, dass der Rechtsverteidiger des HSV völlig verzweifelt nach einem Anspielpartner gesucht hatte. Die naheliegende Position, defensives Mittelfeld, war völlig verwaist – das war der Stadion-Eindruck. Behrami und Jiracek schlenderten irgendwo in vorderster Sturmreihe herum, die offensiven Mittelfeldspieler sowieso. Das heißt: Die Vierer-Abwehrkette des HSV war zugelaufen von vier offensiven Leverkusenern, und die Räume im Mittelfeld waren besetzt durch Rolfes und Bender – HSV-Spieler: Fehlanzeige. Niemand hilft beim HSV der armen Sau, die den Ball hat. DAS ist die Einstellung und die Angst, die in die Zweite Liga führt. „Der Gegner fühlt das auch. Und dann ist das schwierig, solche Spiele zu gewinnen“, sagte Dietmar Beiersdorfer. Summa summarum: „So kann man keinen Abstiegskampf betreiben.“ Am Ende standen übrigens 25:4 Torschüsse für Bayer Leverkusen. Die haben sich doch kaputt gelacht über diesen Gegner.

Trainer Peter Knäbel war nicht weniger ernüchtert und enttäuscht. „Ich habe gesehen, auf wen ich mich verlassen kann, und auf wen nicht.“ Schon am kommenden Sonnabend gegen den VfL Wolfsburg werde sich das in der Aufstellung niederschlagen. Wobei sich die Frage stellt, wer sich denn tatsächlich zu den Glücklichen schätzen darf, auf den Knäbel noch setzt. Und vor allem: bringt er jetzt viele Neue – sind das dann die Richtigen?

Knäbel hat „keine elf Männer auf dem Platz gesehen“, und diese Einschätzung wird von manchem Spieler vorbehaltlos geteilt. Johan Djourou, mit einem seiner schlechtesten HSV-Spiele und entsprechend selbstkritisch, gab an: „Wir müssen viel mehr tun und mehr kämpfen für uns, für die Fans, für unsere Familien, für den Verein. Wir müssen kämpfen vom Anfang bis zum Ende. Der Trainer kann nur eine Idee geben, schaffen muss es die Mannschaft. Wir wissen, was Abstiegskampf ist – und jetzt müssen wir damit anfangen.“

Eine traurige Rückkehr in den Kasten „feierte“ Rene Adler. Er hat eine noch deutlichere Niederlage verhindert. „Leverkusen war stark, aber wir haben uns auch selbst geschlagen“, so der Keeper. „Wir machen eindeutig zu viele Fehler und schaffen keine Entlastung nach vorn.“

Aber noch einmal zurück zu Peter Knäbel – er muss nun als verantwortlicher Coach in erster Linie irgendwo Hebel ansetzen. Personelle Veränderungen, das ist das eine. In der ersten Halbzeit sei sein Team in der Defensive noch einigermaßen stabil gewesen, darin sah er tatsächlich etwas Positives. Hier im Wortlaut Ausschnitte aus der Pressekonferenz:
Wie ernüchternd war dieses Spiel für Sie?

Ob jetzt ein Spiel in Leverkusen angetan ist, Selbstvertrauen zu tanken, lasse ich mal dahin gestellt. Aber wenn wir 14 Tage trainieren, ist so sein Spiel enttäuschend, nicht nur ernüchternd. Aber wir hatten alle Nationalspieler auch nur zwei Tage lang zusammen. Insofern haben wir auch nicht die ganze Zeit alles einstudieren können, was wir wollten.“

Sorgen die Djourou-Aussagen, es fehle am Kampf, nicht für Entsetzen?

Ich bin immer vorsichtig bei den Spielern, die eine andere Muttersprache haben. Da hat man für den gleichen Sachverhalt vielleicht weniger Ausdrücke zur Verfügung. Wenn er die Einstellung anspricht, kann man in dem Spiel darauf verweisen, dass die Präsenz in Leverkusen für 50:50-Bälle nicht da gewesen ist. Und wenn man die fußballerische Klasse nicht hat, um solche Situationen zu lösen, wird es schwierig. Es hat eine konkrete Bewandtnis auf dem Platz, dass die Einstellung auf dem Platz nicht gestimmt hat.“

Was macht ihnen für die sieben Spiele noch Hoffnung auf den Turnaround?

Ja, weder rund noch geturnt – da gebe ich ihnen vollkommen recht. Wir hatten zwei Spieler zurück, wobei ich nicht sehr viel von „Hoffnungsträgern“ halte. Aber es ist ein anderes Spiel, wenn Diaz da ist. Er hat eine hohe Passsicherheit und macht andere besser. Auch Lasogga war mal wieder dabei. Und ich habe gesehen, auf wen ich mich verlassen kann und auf wen nicht. Wer das ist, sage ich aber erst den Spielern.“

Was machen sie mit diesen Spielern?

Was jeder Trainer macht. Man spricht es an, und dann gibt es wieder eine Aufstellung gegen Wolfsburg.“

Wie war ihr erstes Mal als Trainer, emotional eine wuchtige Erfahrung?

Ich habe mich sehr wohl gefühlt. Ich glaube, der Kollege Schmidt hat nicht jemanden gesehen, der so funktioniert wie ein Anfänger. Die Position passt mir, ich habe mich wohl gefühlt da unten.“

Es gab eine Mitteilung, der HSV habe 25 Millionen Euro zur Verfügung für neue Spieler – wie gehen wie um mit Image- und Glaubwürdigkeitsverlust, den der HSV erleidet?

Eine Pressemitteilung von uns war es nicht. Wenn, dann haben sie das einem Interview des Aufsichtsrats-Vorsitzenden entnehmen können. Es steht mir als Sportdirektor und als Trainer nicht zu, das zu kommentieren. Wenn sie das als Glaubwürdigkeitsverlust sehen, ist das ihre persönliche Haltung. Unterm Strich glaube ich, dass die Zahlen belegt sind. Ich sehe da keinen Glaubwürdigkeitsverlust. Es geht darum, Strategien und Möglichkeiten auszuloten – wobei wir etwas zu tun haben, was viel wichtiger ist. Wir haben die Klasse zu halten. Ich beschäftige mich nicht mit dem Einkaufskorb, den wir zur Verfügung hätten, wenn man solche Summen hört.“

Wo genau in der Mannschaft konkrete Verbesserungsansätze für den Abstiegskampf sind oder ob sie sich in allgemeinen Plattitüden erschöpfen, das zeigen die nächsten Tage – und vor allem dann das Spiel gegen Wolfsburg. „Wir werden alle Mittel ausreizen, um eine Mannschaft zu bringen, die um ihr Leben kämpft“, so Dietmar Beiersdorfer. Wer glaubt noch dran???

Zu allem Überfluss kassierte gestern auch die U 23 eine weitere Niederlage. Beim 1:3 in Cloppenburg traf nur Dominik Masek. Das Comeback von Trainer Rodolfo Cardoso ist also daneben gegangen, und dieses neunte Spiel in Folge ohne Sieg ist eine weitere herbe Enttäuschung. Und das mit Personal wie Brunst, Jung, Götz, Marcos, Mende, Steinmann, Ahmet Arslan, Philipp Müller oder Beister, die ja auch eigentlich auch hohe Ansprüche haben. Der HSV-Nachwuchs ist in der Regionalliga-Nord Tabellendritter, ein möglicher Aufstieg aktuell kein Thema mehr.

Für die Profis ist nach dem Auslaufen heute morgen trainingsfrei – weiter geht es Dienstag mit zwei Einheiten.

Und für Eure privaten Planungen: Der Saisonstart der Zweiten Bundesliga in der Saison 2015/2016 ist am Wochenende 24. bis 27. Juli.

Lars
18.00 Uhr

Rotiert van der Vaart aus dem Team? ***Ergänzt: Green “versuchts” …

11. Februar 2015

Joe Zinnbauer scherte sich nicht darum, dass er Geburtstag hat. Auch ein Rafael van der Vaart musste an seinem 32. Geburtstag zwischenzeitlich ins B-Team wechseln. Zinnbauer testete aus, was gegen die Bayern am Sonnabend greifen kann. Oder besser, er probiert, ob der HSV überhaupt ein Mittel hat. Zuerst mit van der Vaart, Diaz und Stieber im zentralen Mittelfeld, dann mit Jiracek, Diaz und Stieber. Ergo: Stieber und Diaz im Stamm – über van der Vaart oder Jiracek denkt Zinnbauer offenbar nach. Zumindest sollen die Spieler das so auffassen. Und ich hoffe, dass Zinnbauer tatsächlich darüber nachdenkt. Denn in München wird der HSV nicht mit zwei spielerischen Sechsern (Diaz und van der Vaart) hinter einem eher defensivschwachen Zehner wie Stieber bestehen können. Weniger noch, der HSV würde das Zentrum meiner Meinung nach komplett abgeben.


Aber noch ist Zeit, noch ist nichts entschieden. Diaz und Stieber scheinen im Vorteil – obgleich Letztgenannter heute bei uns in der Presserunde war. Das letzte Mal war er das vor dem Köln-Spiel, als alle dachten, er würde einige Tage später beginnen. Letztlich ließ Zinnbauer ihn aber doch draußen. „Ich hoffe, dass das kein schlechtes Omen ist“, scherzt der Linksfuß.

Grund genug, an seine Startelfnominierung zu glauben hat er jedenfalls. Eineinhalb Treffer in den letzten zwei Spielen, zwei Siege mit ihm auf der Zehn – vieles spricht für Stieber, der selbst noch lange nicht zufrieden ist. „Ich muss hier noch sehr viel beweisen“, so Stieber, der gegen Hannover der laufstärkste HSVer war. „Laufen kann ich immer. Und im Moment geht es nur um Ergebnisse. So gern wir selbst schöneren Fußball spielen wollen – der Kampf geht vor.“


Fürwahr. Wenn es einmal schwierig war, schönen Fußball zu spielen, dann bei diesen Bayern. Trotzdem setzt Stieber auf die Außenseiterchance. „Wir wissen, dass wir wieder alles geben müssen – und diesmal sicher noch etwas mehr. Wir müssen wieder über den Kampf kommen und auf die eine, kleine Chance warten, um einen Treffer zu machen“, so Stieber, der, einmal im Flow, sogar noch nachlegt: „Vielleicht ja auch zwei Tore – immerhin haben die Bayern im Moment auch einige Probleme.“ Oha. Mutig, beim FC Bayern von Problemen zu sprechen…

Dabei ist Stieber definitiv kein Lautsprecher. Eher das Gegenteil ist der Fall. Der Ungar ist zurückhaltend, fleißig, lernwillig – und ein absoluter Teamplayer. Darüber gemeckert, dass er in der Hinrunde nicht mehr als Reservist war, hat er nie. Er hat Gas gegeben. „Ich habe immer weitergemacht, weil ich ein Ziel habe. Das heißt immer noch: Stammspieler beim HSV.“ Mit seinen letzten beiden Spielen hat er sich dem Ziel zweifellos genähert – dennoch ist er noch weit davon entfernt.

Sollte er es irgendwann erreichen – er hätte es sich hart verdient. Denn leicht wurde es Stieber in Hamburg nicht gemacht – bis heute nicht. Von Anfang an galt er als Wunschspieler von Oliver Kreuzer und hatte nach dessen Demission in Hamburg eine Menge Skepsis der neuen HSV-Verantwortlichen zu verdauen. Er schluckte die bittere Pille wortlos und hielt durch. „Zoltan macht es im Moment gut, hat eine gute Vorbereitung gespielt“, lobte Zinnbauer zuletzt. Worte, die Stieber beflügeln. „Es tut gut, Vertrauen zu spüren. Aber ich darf mich nicht darauf ausruhen. Ich möchte mich hier jeden Tag empfehlen. Auch in München.“ Dass es dort – wie zuletzt häufiger – ein Debakel gibt, schließt Stieber aus: „Neun Gegentore werden wir ganz sicher nicht kassieren. Es wird ein hartes Spiel. Aber wir sind ganz sicher nicht ohne Chance.“

Apropos empfehlen: Das wurde Nicolai Müller zuletzt nach wiederholt äußerst mäßiger Leistungen vom Direktor Profifußball nahegelegt. Peter Knäbel hatte die Leistungen des Zugangs vom FSV Mainz kritisch beleuchtet – ebenso wie der Spieler selbst, der mit sich selbst nicht zufrieden ist und Besserung gelobte. Heute im Training ließ er den Worten erste Taten folgen. Der Außenstürmer war einer der Besten im A-Team, ackerte wie ich ihn lange nicht gesehen hatte und kam sogar – endlich – zu Torabschlüssen. Das wollte ich nach aller Kritik an dem Rechtsfuß unbedingt erwähnen. Ebenfalls auffällig: Matthias Ostrzolek. Der Linksverteidiger, der von Ronny Marcos verdrängt worden ist, spielte zunächst in der A-Elf, ehe ihn Marcos ersetzte – und ging als Punktsieger aus dem Duell. Mehr als nett zu erwähnen ist das sicher noch nicht. Klar. Aber es gefiel.

Für Abendblatt-Blogs


In München zu gefallen dürfte gegen den unfassbar starken Arjen Robben (Ostrzolek oder Marcos) indes unfassbar schwierig werden. Fast so, wie als Offensivspieler aufzutrumpfen – dachte ich zunächst. Allerdings hat Müller eine hervorragende Stärke: Tempo. Er ist prädestiniert für schnelles Umschalten, fürs Konterspiel. Und genau das will Zinnbauer ja spielen lassen. Generell – und in München ganz sicher im Speziellen. Und sollte er Müller entsprechend einsetzen und dieser seine Aufgabe endlich auch entsprechend annehmen – es könnte für Müller die Chance sein, nach langer Zeit mal wieder zu überzeugen.

So, wie es Marcelo Diaz bislang schaffte. Beim Kurzeinsatz in Paderborn wusste der Chilene ebenso zu gefallen wie gegen Hannover. Mein Kollege Kai Schiller führte heute ein (sehr gelungenes!) Interview mit dem neuen Taktgeber im HSV-Mittelfeld, das morgen im Printteil des Abendblattes erscheint. Darin kommt Diaz menschlich ebenso gut rüber, wie zuletzt sportlich. Er sagt über sich selbst, er sei Perfektionist, vom HSV überzeugt und habe noch große Ziele. Auch gegen den FC Bayern. „Wenn man mit der Einstellung ins Spiel geht, dass man nur nicht zu hoch verlieren will, dann verliert man. Ich will aber gewinnen. Punkt. Vielleicht gewinnen wir, vielleicht spielen wir Unentschieden. Aber auf jeden Fall tue ich alles dafür, dass wir nicht verlieren. Ich denke immer nur groß“, so Diaz, der hinzufügt: „HSV gegen Bayern – das ist doch genau so ein Spiel, das man als Fußballer liebt. Für so ein Spiel bin ich in die Bundesliga zum HSV gewechselt.“

Was bleibt ist die Hoffnung. Und ich lege mich fest: Dass der HSV in München am Sonnabend besser auftritt, als seine Anwälte heute im Arbeitsrechtsstreit mit dem ehemaligen Fitnesstrainer Vidovic vor Gericht, ist ziemlich sicher. Denn nachdem man Vidovic zunächst 120000 Euro angeboten hatte, dachten die Anwälte, das Angebot drücken zu können, da Vidovic auf HSV-Tankkarte privat 13 Liter getankt hatte. Vidovics Anwalt hatte zuvor 200000 Euro Abfindung gefordert. Vor Gericht heute stellte der Vorsitzende Richter schnell fest, dass es keine gütliche Einigung geben würde, nachdem die HSV-Anwälte gar eine Strafanzeige gegen Vidovic in Erwägung zogen und nur noch zwei Monatsgehälter á 15000 als Abfindung boten. Der Richter riet den HSV-Anwälten, das ursprüngliche Angebot von 120000 Euro zu erneuern – Vidovics Anwalt hätte das angenommen, die HSV-Anwälte schlugen aus. Ergebnis: Der Richter riet erneut dazu, das Angebot auf die vertraglich geregelten 90000 Euro zuzüglich zwei Monatsgehälter (30000) zu erhöhen. Jetzt hat der HSV bis zum 25. Februar Zeit, sich zu entscheiden. Sollte man sich bis dahin nicht einigen können, wird die Verhandlung am 25. März fortgesetzt.

Fortschritte machen in der Zwischenzeit die Verletzten beim HSV. Dennis Diekmeier, Matti Steinmann und Valon Behrami absolvierten Lauftraining, während Pierre Michel Lasogga sogar mit dem Ball arbeiten konnte. Dass Johan Djourou heute im Training beim Abschlussspiel rausgenommen wurde, nannte Trainer Zinnbauer anschließend „abgesprochen“ und „nicht beunruhigend“. Der Schweizer soll am Sonnabend in München beginnen.

In diesem Sinne, bis morgen! da wird um 15.30 Uhr trainiert.
Scholle

***Julian Green kritisiert HSV***

Julian Green manövriert sich ins Abseits. “Mit mir hat bisher weder der Trainer noch der Sportdirektor gesprochen. Ich habe selbst aus der Presse erfahren, dass ich ab jetzt angeblich für die U23 spiele”, postete der 19-Jährige auf seiner Facebook-Seite. Er wolle beim HSV Stammspieler werden. “Das war und ist mein Ziel und war der Grund für meinen Wechsel. Ich bin Lizenzspieler, habe mir nichts zu Schulden kommen lassen und gebe in jedem Training alles”, schrieb Green.*

Mein sehr und ganz persönliches HSV-Jahr

30. Dezember 2014

Liebe “Matz-abber”!

 

„Gekommen sind gute solide Spieler und tolle Talente, die einiges erhoffen lassen. Nun muss der HSV ein Spielsystem mit Wiedererkennungswert schaffen. Vergangenes Jahr hat man es nicht hinbekommen, mal drei, vier Spiele auf einem spielerischen Niveau zu agieren. Vor allem die Art und Weise vieler Heimspiele war oftmals enttäuschend für die Anhänger. Ich erwarte mehr Kontinuität im Spiel und eine kompakte Einheit, die auf dem Platz konsequent gegen den Ball arbeitet und in der Offensive aggressiv auftritt. Dafür muss auch von außen Dampf gemacht werden. Jeder Profi muss wissen, dass er in jedem Training marschieren muss. Die Mannschaft braucht Erfolgsdruck. Der Vorstand muss dies einfordern, bislang hat er sich das zu wenig getraut.“

 

Das und noch einiges mehr hat der frühere HSV-Kapitän Thomas von Heesen, heute Mitglied des Aufsichtsrates, im Sommer 2013, also vor eineinhalb Jahren, als Experte für das Fachblatt „Kicker“ über den HSV gesagt. Könnte für viele Bundesliga-Jahre des HSV gesagt sein, nicht nur im Sommer 2013 – und könnte wahrscheinlich auch für die nächsten Jahre gelten. „Def-kop.“ So würde es einer meiner Kollegen nett und freundlich formulieren.

 

Zur Erinnerung: Sieben von 17 Heimspielen gingen in der Saison zuvor 2012/13 verloren – es gab Platz sieben. 2013/14 waren es dann sogar neun Heimniederlagen, die meisten – gemeinsam mit den Absteigern Nürnberg und Braunschweig. Und nur Platz 16. Mit 27 Pünktchen – aber immerhin 51 geschossenen Toren! Und in dieser Spielzeit?

 

Der HSV tritt bislang, wenn überhaupt, weiterhin auf der Stelle. 2014 war ein Jahr zum Vergessen. Von vorne bis hinten. Aber es wird besser. Davon gehe ich verstärkt aus. Und das nicht nur deshalb, weil es ja nicht mehr schlechter gehen kann. Nein, ich vertraue der neuen Führung nach wie vor zu 100 Prozent, ich bin restlos davon überzeugt, dass Didi Beiersdorfer, Peter Knäbel, Bernhard Peters die richtigen Weichen stellen werden – und dass im Zusammenspiel mit dem Aufsichtsrat, vor allen Dingen mit den neuen Räten von Heesen (er vor allem, weil der aktuelle Fußball sein Metier ist!) und Nogly, die das Profi-Geschäft in- und auswendig kennen. Diese Meinung vertrat ich auch schon im Herbst, ich weiß, dass ich mich mit einem Blick in die Zukunft viel zu weit aus dem Fenster gelegt habe – dafür habe ich mich aber auch schon in der Print-Ausgabe des Hamburger Abendblattes entschuldigt – und entschuldige mich jetzt auch noch einmal ausdrücklich bei Euch. Im Herbst hatte ich vorhergesagt, dass ich davon überzeugt bin, dass der HSV schon vor der Winterpause nichts mehr mit der Abstiegszone zu tun haben wird. Ich habe mich ganz stark geirrt. Heute denke ich, dass der HSV bis zuletzt darum wird kämpfen müssen, die Klasse zu halten. Die Mannschaft ist erstens keine richtige Mannschaft (keine Einheit), außerdem hat sie zu wenig Qualität für diese Bundesliga. Es sind leider zu viele Traumtänzer unterwegs, die das Leben als Profi in Hamburg (!) zu sehr genießen, die dazu auch denken, dass ihnen das, was andere Profis für ihren Erfolg tun müssen, ganz einfach und nur mal so in den Schoß fällt. Das gute Leben für einen HSV-Fußball-Profi müsste hier irgendwann einmal ein Ende finden – bislang ist das noch nicht der Fall. Das sind Altlasten. Und gegen die kämpft der HSV bislang zwar an, aber so recht kommt der Club auch damit nicht von der Stelle.
Doch wie gesagt, die neuen Leute an der Spitze, die werden das schon hinbekommen. Es dauert nur eben noch etwas – im Sommer aber wird man schon sehen können, wohin der Hase namens HSV laufen wird. Dann mit den entsprechenden Zu- und Abgängen.

 

Da heute und morgen, wohl auch am 1. Januar 2015, in Sachen Zu- und Abgängen beim HSV nichts passieren wird (dürfte), werde ich heute, am für mich letzten Arbeitstag des Jahres, noch einmal meine persönlichen Highlights der vergangenen zwölf Monate zum Besten geben – negativ wie positiv.

 

Um mit den schlechten Seiten des HSV 2014 zu beginnen – in der Reihenfolge der Wichtigkeit:

 

1.) Platz 16, nur 27 Punkte in diesem Sommer – das war und ist eine Katastrophe. Und dann auch noch sieglos in der Relegation zu bleiben, ebenfalls. Dafür müssten sich noch heute alle Beteiligten schämen. Unvergessen, das geht in die HSV-Geschichte ein.
2.) Die erschreckende Fitness der Spieler im ersten Halbjahr. Im zweiten Spiel gegen Fürth, aber lange nicht nur in dieser Partie, unübersehbar. Nach einer Stunde kippten die Hamburger um wie die Fliegen. Nur Jaroslav Drobny nicht – zum Glück. Dass die Spieler nie etwas gesagt haben, wie schwach sie sich fühlten, wie schlecht sie trainiert werden – das erschüttert mich bis heute zutiefst. Dass uns, den Journalisten (vielleicht auch nur Matz ab?) die Schuld in die Schuhe geschoben wurde, weil wir den Mund gehalten beziehungsweise nichts darüber geschrieben haben, das kann ich noch in etwa nachvollziehen. Dass aber sich in dieser Saison einige Spieler offenbarten und zugaben, dass sie schlecht trainiert waren, das macht mich immer noch fassungslos. Unter der Regie von Trainer Bruno Labbadia marschierte einst der Mannschaftsrat zum Vorstand, um sich über das zu lange (!) Training (zwei Stunden und mehr) zu beschweren. Dazu waren sie, die Spieler, immerhin bereit. Aber über das viel zu lasche Training deckten alle die Mäntel des Schweigens – dabei geht es dabei um so viel, auch um das liebe Geld (Siegprämien) der Profis!
3.) Bert van Marwijk ist als Einzelperson die größte Enttäuschung für mich – und zwar in meiner ganzen 34-jährigen HSV-Reporter-Geschichte. Als der Niederländer kam, sagte er, dass er viele Angebote gehabt hätte, aber er hätte lange Zeit auf den genau richtigen und passenden Verein gewartet, und das wäre dann der HSV für ihn gewesen. Der HSV? Der kann nur aus einem Grunde sein Favorit gewesen sein: Hier saßen Amateure an den entscheidenden Stellen, mit denen man als alter Hase seine Spielchen treiben konnte. Ein teurer Spaß für den HSV! Ein sehr teurer Spaß sogar. Und mit einer deftigen Aussage geht van Marwijk nicht nur in die Hamburger Fußball-Geschichte ein: „Es ist wissenschaftlich schon lange erwiesen, das einmal ein richtig gutes Training am Tag reicht.“ Mir ist nicht bekannt, ob sich damit der deutsche Fußball, hier besonders die Trainer-Ausbildung in Köln, mal eingehend auseinander gesetzt hat. Nein, van Marwijk ist für mich die größte HSV-Enttäuschung aller Zeiten, und es wird lange, lange dauern, bis er eines Tages nur auf Position zwei dieser Liste zu finden sein wird.
4.) Enttäuschend auch deshalb, da gäbe es sicher sehr viel zu nennen, weil van Marwijk auch Spieler wie Quasim Bouy und Ola John hierher holen konnte – und durfte. Wer erinnert sich noch an diese Herren? Sie sind nie wirklich in Hamburg angekommen. Sie blockierten aber Pöstchen, auf denen andere, hungrige und willigere Spieler hätten stehen können, um den HSV vor der Relegation zu bewahren.
5.) Es gibt ja noch so viele Enttäuschungen, die kommen auch noch, aber an fünfter Stelle liegt bei mir, das werden viele sicherlich anders sehen, das Stuttgart-Spiel vom 16. Dezember. Diese 0:1-Niederlage im Volkspark hat mich aus den Schuhen gehauen, das muss ich gestehen. Weil die Mannschaft da unterirdisch gespielt hat, eigentlich gar nicht auf dem Platz war – da haben die Herren nicht mal Dienst nach Vorschrift gespielt, da waren sie auf dem Rasen gar nicht vorhanden. Grausam. Der schlimmste Kick nicht nur in diesem Jahr, sondern seit Jahren.
6.) Das Leihgeschäft mit Jonathan Tah zu Fortuna Düsseldorf. Da hat der HSV mal ein Talent, um das der Club von vielen Vereinen beneidet wird, und keiner kann damit etwas anfangen. Und erst recht kein Trainer. Das ist einfach nur bedauerlich. Ein Fauxpas, passend zum HSV. Zum alten HSV.
7.) Die 0:3-Niederlage am 26. Januar im Volkspark gegen Schalke 04. Frisch aus dem Trainingslager gekommen, dort hatte der Trainer noch groß getönt – von wegen: „Daran lassen wir uns messen, nur darauf lag der Fokus unserer Vorbereitung, und, und, und.“ Hohle Phrasen ohne Ende. Und dann ein solcher Kick!
8.) Passend dazu die schlimme 0:3-Pleite daheim gegen Hertha BSC am 8. Februar. Wahnsinn, wie schlecht es geht!
9.) Und noch schlimmer wurde es am 15. Februar. Der HSV gewährte van Marwijk noch eine Galgenfrist – unfassbar. So wurde noch ein wichtiges Spiel verschenkt, das in Braunschweig. Mit 2:4 ging der HSV ein, weil Rene Adler einen gebrauchten Tag zufassen bekommen hatte. Mit einem neuen Trainer wäre es vielleicht anders gelaufen – und dann auch eventuell ohne Relegation. Aber die Verantwortlichen scheuten den zweiten Trainerwechsel innerhalb einer Saison, dabei war er unausweichlich. Und folgte auf dem Fuße.
10.) Hakan Calhanoglu ist natürlich ebenfalls enttäuschend zu nennen, weil er erst verlängert, sogar was von Zweiter Liga faselt – und dann (s)einen Wechsel erpresst. Ja, wenn’s ums Geld geht. Manieren wie im alten Rom. Schlecht – oder wahrscheinlich gar nicht – beraten, der junge Herr.
11.) Ivo Ilicevic kam zur Saison 2011/12. Hätte seit dieser Zeit 119 Erstliga-Spiele für den HSV bestreiten können, brachte es aber nur auf 46 Einsätze. Gefühlt waren es für mich sogar noch viel weniger. Er konnte die Erwartungen, die damals in ihn gesetzt wurden, nie gerecht werden. Sein Vertrag endet im Sommer 2015, und damit ist sein Abstecher an die Elbe dann auch beendet.
12.) Jacques Zoua geht auch als Flop in die HSV-Geschichte ein, als einer von vielen, vielen, vielen. Der Stürmer mit dem bulligen Körper blieb hier alles schuldig, alles.
13.) Lasse Sobiech ebenfalls. Der Innenverteidiger kam von Borussia Dortmund, er musste also ein guter Spieler sein – Klopp kann doch nicht irren. Oder? Er irrte. Sobiech schaffte es nie auch nur annährend an die Stamm-Formation.
14.) Mirko Slomka war der glücklose Nachfolger von van Marwijk. Der erfahrene Bundesliga-Trainer versuchte es mit Härte, was zur Folge hatten, dass die Spieler schon beim Training im Volkspark umkippten – vor Schwäche. Slomka verwaltete das Elend bis in die Relegation, aber er schaffte es nicht, auch nur etwas mehr aus dieser Mannschaft (die keine war) heraus zu kitzeln. Dieses Scheitern umschrieb er aber stets mit den schönsten Sätzen. Meistens in die Kameras der hiesigen Fernsehstationen gesprochen, denn das war seine absolut beste Disziplin. Wann immer der Trainer ein rotes Licht einer Kamera sah, sprach er lächelnd in das Mikrofon hinein. Rotes Licht aus – Lächeln beendet. Slomka bergab sich nie auf eine Ebene mit seinen Spielern, er stand meistens am Rand, und das war nicht nur bildlich ein riesiger Fehler. Für den er wahrscheinlich gar nichts konnte – es ist sein Naturell. Dass er den HSV nach der Trennung verklagte, das passte haargenau – wie Faust auf Auge.
15.) Pierre-Michel Lasogga tauchte mit Beginn dieser Saison ab. Ein mickriges Törchen – von sechs. Nicht von neun, denn da gab es zwei Elfmeter und ein Eigentor. Lasogga wurde für viel, viel Geld (8.5 Millionen Euro!) von der Hertha losgeeist, in Berlin feiern sie den Tag, als dieser Vertrag unterschrieben war, noch jeden Tag zwischen 13 Uhr und 14 Uhr – dann ist für die Club-Führung Herumwälzen am Boden Pflicht. Lasogga unterdessen lässt ja alles kalt, wie er uns alle wissen ließ, er liest nichts, er hört nichts – und kennt nicht mal einen HSV-Helden wie Uli Stein. Ja, so ist die heutige Fußball-Profi-Welt.
16.) Erstes Heimspiel der Saison 2014/15, die Punkte gegen den Aufsteiger Paderborn hatte fast jeder HSV-Fan seinem Club schon gutgeschrieben. Und dann dieses Fiasko! Dieses unfassbare 0:3-Debakel. Wahrscheinlich hatten die HSV-Spieler auch schon vorher gewonnen, wer ist denn schon der SC Paderborn?
17.) Die Verpflichtungen des Sommers – abgesehen von Valon Behrami (und wohl auch Cleber Reis). Nicolai Müller, Zoltan Stieber, Lewis Holtby, Julian Green und Matthias Ostrzolek können ganz sicher viel, viel mehr, als sie bislang gezeigt haben. Sicherlich kamen sie in eine Mannschaft, die nicht funktionierte, aber sie hätten in diesem halben Jahr schon einiges dazu beitragen können, dass diese Mannschaft endlich wie eine Einheit funktioniert. Haben sie aber nicht. Die Hoffnung stirbt zuletzt, das gilt aber auch für sie.

 

Dann gibt es aber auch noch einige positive Dinge, die in diesem Jahr passierten – und durchaus erwähnt werden dürfen:

 

1.) Das Zaubertor von HW4 am 4. April zum 2:1-Sieg gegen Leverkusen steht für mich an erster Stelle. Ein Tor des Monats, ich sehe das Netz im Norden noch heute wackeln, so hat Heiko Westermann die Kugel damals ins Tor gezimmert. Ronaldo oder Messi hätten es nicht schöner machen können. Und dann ausgerechnet Westermann, dem hier bekanntlich einige jedwede hohe Fußballkunst absprechen . . .
2.) Der unfassbar schöne 3:0-Sieg am 2. Februar gegen Borussia Dortmund – Slomkas Einstand. Petr Jiracek, Pierre-Michel Lasogga und Hakan Calhanoglu mit einem sagenhaften Freistoß von der Mittellinie sorgten endlich einmal wieder für einen großen Jubel-Tag im Volkspark. Danach träumten viele schon wieder vom europäischen Fußball – Europapokal, Europapokal . . . An diesem Tag spielte der HSV zwar tatsächlich mal wieder „international“ – aber in dieser Rückrunde war es auch, leider, leider, das einzige Mal. Von nun an ging’s bergab.
3.) Das 0:0 gegen den großen FC Bayern München, der als beste Vereinsmannschaft der Welt gilt. Es war das Debüt von Trainer Joe Zinnbauer, es nur mit einem Sieg noch besser verlaufen können. Immerhin zeigte die Mannschaft, dass sie es könnte – wenn sie nur will. Leider will sie nicht immer.
4.) Die Siegesserie der HSV-Zweiten, die in der Hinserie ungeschlagen blieb. Viele tolle Talente, die inzwischen schon bei den Profis mitmischen, haben für diesen steilen Aufstieg des HSV-Talentschuppens gesorgt – und natürlich Trainer Joe Zinnbauer, der mit Härte und Akribie trainierte.
5.) Jaroslav Drobny musste plötzlich und unerwartet für Rene Adler zwischen die Pfosten, und dieser Wechsel erwies sich als Glücksmoment für den HSV. Der Tscheche war in den Spielen gegen Fürth der beste und überragende Mann, er allein hielt dem HSV die Erste Bundesliga – das sollte in dieser Stadt niemand vergessen. Schön ist, dass sich daran auch alle meine Journalisten-Kollegen halten, obwohl Drobny seit Jahren beharrlich schweigt (außer an einem Tag, als er den Dolmetscher für Jiracek „spielte“) – aber die riesigen Leistungen in der Relegation (und davor und danach) finden bei allen Anerkennung. Und das ist auch gut so!
6.) Pierre-Michel Lasogga schoss im ersten Halbjahr viele Tore für den HSV – und er markierte auch das wichtige 1:0 auswärts in Fürth – der Anfang der Rettung. Das muss natürlich Erwähnung finden, weil es das wichtigste Tor des Jahres war.
7.) Josef „Joe“ Zinnbauer kam als total unbeschriebenes Blatt zur Profi-Abteilung, legte sich im ersten Training gleich mit Valon Behrami an (schickte ihn zum Abkühlen vom Platz) und versprach, dann Spieler der Zweiten einzusetzen, wenn die von der Ersten nicht so funktionieren, wie er (der Coach) es will. Der Joe hielt Wort. Und nicht nur das, er arbeitet auch, er lässt sogar an manchen Tagen zweimal trainieren, und er spricht mit seinen „Jungs“, verteilt sogar so manches Lob beim Training – das war in Hamburg total abhanden gekommen. Tut aber gut. Zinnbauer hat hier frischen Wind reingebracht, keine Frage, und er wird sich sicherlich auf den ersten, ganz, ganz kleinen Erfolgen nicht ausruhen. Im Gegenteil.
8.) Der 1:0-Sieg gegen „Lieblings-Gegner“ Borussia Dortmund am 4. Oktober. Wenn der HSV ums Überleben kämpft und ihm das Wasser schon bis zum Hals steht, dann muss eben „Kloppo“ kommen und helfen. Schön war es, und total unerwartet auch. Damals jedenfalls. Heute wissen wir, dass auch die Abstiegskonkurrenz gegen den Champions-League-Teilnehmer gewinnt – weil Dortmund selbst ums Überleben kämpfen muss.
9.) Valon Behrami kam aus Neapel, sah das Elend hier – und übernahm sofort Verantwortung. Er kämpft, geht mächtig zur Sache, und er macht, wenn es sein muss, auch kräftig mal den Mund auf – um den Kollegen die Meinung zu geigen. Gut so. Sehr gut sogar. So einer hat hier gefehlt. Wenn der Schweizer nun noch als Aufbauspieler zulegen würde – dann müssten sich die Verantwortlichen Gedanken darüber machen, in welcher Höhe die Ablösesumme bei ihm angesiedelt werden soll.
10.) Johan Djourou trat in seinen ersten HSV-Spielen wie das Sicherheitsrisiko in Person auf. Schweizer Nationalspieler? Sogar aktueller Nationalspieler und WM-Teilnehmer? Das konnte nicht sein! Unter Mirko Slomka wurde Djourou Vize-Kapitän und steigerte sich in Sachen Leistungen enorm. Nationalspieler? Aber ja, jetzt sieht es jeder. Und so sollte es möglichst bleiben.
11.) Artjoms Rudnevs spielte, wie bei fast allen HSV-Trainern, auch bei Joe Zinnbauer zunächst nur eine unwesentliche Nebenrolle – wenn überhaupt. Aber er moserte nicht, er fügte sich und gab im Training Gas. Das fand Anerkennung – auch beim Trainer. Die Fans lieben den Letten ohnehin. Auch wenn er gelegentlich noch den einen oder anderen Stockfehler präsentiert.
12.) Die junge Garde mit Ronny Marcos, Mohamed Gouaida und Ashton Götz an der Spitze, diese jungen Leute haben bewiesen, dass sie durchaus talentiert sind. Und auch da sind, wenn sie ihre Chance erhalten. Mit Matti Steinmann, Gideon Jung, Tolcay Cigerci, Philipp Müller, Ahmet Arslan, Alexander Brunst gibt es noch mehr Namen, mit denen beim HSV gespielt wird – und so mancher Name wird noch folgen. Es gibt wieder Talente beim HSV, das ist der richtige Weg. Und dabei fällt mir ein, was Jürgen Wähling (ehemals HSV-Scout und zuletzt Gast bei „Matz ab live“) mir nach der Sendung sagte: „Ich war kürzlich beim HSV und sah mir das Training der B-Jugend an. So viele großartige Talente, wie sie da zur Zeit herumlaufen, habe ich beim HSV noch nie gesehen, da wächst ein Nachwuchs heran, der noch, wenn er im Club gehalten werden kann, für Furore sorgen wird.“ Hoffentlich behält Wähling Recht.
13.) Mit Heiko Westermann begann die positive Liste, und sie endet auch mit ihm. Ich ziehe den Hut vor HW4 wie er das Abenteuer HSV bislang gemeistert und ertragen hat, von dieser Sorte Spieler hat der HSV in den vergangenen Jahrzehnten nicht viele gehabt. Und, das müssten wohl auch seine hartnäckigsten Kritiker zugeben, seit seinem dicken „Klops“ gegen Bayern München (im Pokal) hat er sich keinen weiteren „Klops“ mehr erlaubt – und das nicht nur, weil er verletzt ausfiel. Wenn er jetzt das Angebot des HSV zur Vertragsverlängerung annehmen würde, dann würden bei mir beide Daumen nach oben gehen. „Ich bin HW4, Du ist HW4, Ihr seid HW4“ – oder so ähnlich. Ein Mann, der Verantwortung übernimmt. Und zwar auch dann, wenn es unbequem sein oder werden könnte.

 

So, das war es aus der sportlichen Abteilung des HSV, was mich in diesem Jahr sowohl negativ als auch positiv berührte. Die Club-Führung und den Sponsor, Mäzen oder Investor habe ich dabei bewusst ausgelassen. Vieles davon muss sich ja auch erst noch entwickeln . . .

 

Dann noch etwas am Rande – für Leute, die alles, wirklich alles den HSV betreffend interessiert. Mein Kollege Maik Nöcker, der bei und für „Sky“ arbeitet, hat eine kleine, aber sehr feine Interview-Reihe, die heißt „meine 11“. Er hat dieser Tage ein Gespräch mit Lewis Holtby geführt, in dem ging es um Musik, aber auch um den Menschen Holtby. Es wurde ein sehr persönliches Interview, in dem der HSV-Profi neben anderen Dingen auch über seine Kindheit, seinen ersten Besuch im Stadion, den Einsatz als Kabinen-DJ beim HSV und dass er im Karneval als Furz-Kissen gehen will, sprach. Hört sich doch vielversprechend an! Hier der Link dazu:

Ich möchte auch noch auf meinen Kollegen Oliver Wurm hinweisen, der wieder einmal super „zugeschlagen“ hat. Ihr kennt ihn aus dem Fernsehen (Doppelpass) und von diversen Matz-ab-live-Sendungen. Der Mann hat schon einige Illustrierte hervorgebracht – und ist nun auch wieder mit einem großartigen Werk auf den Markt gekommen. „54749014“ und „Mehr als ein Spiel“ heißt es, dabei geht es in erster Linie um das 7:1 im WM-Halbfinale gegen Brasilien. Dem irren 7:1, dem unvergesslichen 7:1. Eine tolle Idee, die Olli Wurm wieder einmal hervorragend umgesetzt hat. Herzlichen Glückwunsch! Es kostet 4,90 Euro und ist mit Sicherheit ein passendes Nach-Weihnachts-Geschenk.

 

Es folgt noch ein eher bürokratischer Hinweis, aber da ich zuletzt schon vielfach „gelöchert“ worden bin, wie was läuft, hier eine formelle Erklärung zur kommenden Transferperiode:

 

Im deutschen Profifußball ist das Transferfenster II jeweils vom 1. bis 31. Januar geöffnet. Aber es gibt Ausnahmen: Fällt der Stichtag, wie etwa diesmal Sonnabend, 31. Januar, auf ein Wochenende, gibt es eine Verlängerung bis zum folgenden ersten Werktag. Das ist aktuell dann der 2. Februar 2015 (Montag). Bis 12.00 Uhr müssen alle Spieler, die noch in die Bundesliga oder 2. Bundesliga wechseln wollen, auf der Transferliste der Deutschen Fußball Liga vermerkt sein. Bis 18.00 Uhr müssen der DFL die entsprechenden Transferunterlagen vorliegen. Entsprechende Regeln gelten für den Bereich der 3. Liga und den Unterlageneingang beim DFB. Die Wechsel-Zeitfenster dauern regelmäßig vom 1. Juli bis 31. August für die Transferperiode I und vom 1. bis 31. Januar für die Transferperiode II.

 

Jetzt habe ich fertig. Ich möchte mich zum Abschluss des Jahres bei Euch bedanken, für Eure Treue, für Eure Unterstützung, für alles. Ihr seid „Matz ab“, Ihr seid der Erfolg dieses Blogs, dafür danke ich Euch von Herzen. Bitte weiter so!

 

Euch und Euren Lieben wünsche ich für den Jahreswechsel einen wunderschönen Rutsch, macht es nicht zu doll (!), von wegen „Allohol“, und seid auch 2015 wieder so großartige „Matz-abber“. Habt Erfolg, viel Glück in der Liebe und bleibt vor allem gesund – das Wichtigste überhaupt.

 

Bei der Gelegenheit möchte ich mich auch bei meinen beiden Mitstreitern bedanken, nicht minder herzlich. Lars Pegelow und Markus „Scholle“ Scholz haben ein großartiges Jahr hinter sich, in dem sie viele, viele hervorragende Matz-ab-Berichte abgeliefert haben. Das war eine Eins! Vielen Dank dafür. Und auch für Euch gilt: weiter so! Lars Pegelow (NDR 90,3) schreibt immer sehr inhaltsreich und fundiert, „Scholle“, der sich morgen zum Jahresabschluss noch einmal mit einer interessanten Geschichte zu Wort meldet, hat sich in diesem Sommer selbst übertroffen – an „Matz ab“ ist, dank seiner Leistung, keine Neuerwerbung des HSV vorbeigegangen. Super! Das ist allein deswegen schon super, weil es in diesen Zeiten wahrlich unwahrscheinlich schwer geworden ist, an solche Nachrichten heran zu kommen – „Scholle“ ist es immer gelungen. Bravo! Und danke dafür.

 

Kommt gut rein – und nochmals alles Gute für Euch!
Dieter

 

19.27 Uhr

Die Neun-Tore-Offensive – Gedicht Teil III

26. Dezember 2014

Liebe Matz-abber!

 

Es weihnachtet ja immer noch, auch wenn in Hamburg (und hoffentlich auchn anderswo) die Sonne aus allen Löchern kriecht. Das weihnachtliche HSV-Gedicht ist doch noch rechtzeitig fertig geworden, ich gebe zu, dass ich mich diesmal etwas (sehr) schwertat, denn es waren doch viele Spieler mehr als sonst zu “verarzten” – das bringt die Lage in der Liga wohl so mit sich. Heute geht es mit der Neun-Törchen-Offensive zu Ende – in der Hoffnung, dass der liebe und gute Weihnachtsmann für 2015 Besserung bringt.

Lasst das Fest gut ausklingen!

 

An dem guten, alten Meister,
scheiden sich ja jetzt die Geister,
die Edel-Marke „Van der Vaart“
hat hier nun Schwächen offenbart,
das Alter spielt jetzt gegen ihn,
obwohl das ganz unmöglich schien;
er läuft, er grätscht, er müht sich ab,
und macht dabei auch schnell mal schlapp,
das Spielerische, die Ideen,
das ganze Raffa-Phänomen,
und seine Genialität,
die für den kleinen Engel steht,
all das gibt’s seltener zu seh’n,
das kann man wenden und auch dreh’n.
Du, lieber guter Weihnachtsmann,
nimm Dich des Themas noch mal an,
mach’ ihn doch wieder kreativ,
vermeide jedes weit’re Tief,
richtig hart soll er sich quälen –
das musst Du ihm jetzt empfehlen.

 

Lewis Holtby, unser Brite,
kam aus London erst zur Miete,
dann schlug er wie ein Kracher ein,
und wurd’ gekauft, das war ganz fein,
nun aber ist er abgetaucht,
die Euphorie fast aufgebraucht,
obwohl er kämpft – so wie ein Bär,
das macht ihn fast schon legendär,
er tritt fest zu, er haut sich rein,
zieht nie zurück, ist hart wie Stein,
er springt selbst gegen Riesen an,
nur, lieber guter Weihnachtsmann,
das kann ja noch nicht alles sein,
das wäre wirklich ganz gemein,
tricksen, zaubern – all die Sachen,
die den Fans auch Freude machen,
und dann gelegentlich ein Tor –
knöpf’ ihn Dir deshalb doch mal vor!

 

Den Valmir Nafiu bring’ voran,
sag’ selbst, Du guter Weihnachtsmann,
er bringt nicht viel für sein Talent,
oft hält er sich zurück – dezent,
wo viel mehr Leben angebracht,
– sag’ Du ihm das nun mal ganz sacht,
sonst, das kannst ihm auch sagen,
spielt er sich um Kopf und Kragen.

 

Gouaidas „Mo“ war plötzlich hier,
und hat die Stamm-Elf im Visier,
dieser Mann kann eine Masse,
spielte bislang gut bis klasse,
mach’ ihn stabil und abgeklärt,
das wär’ schon ganz erstrebenswert,
lass’ ihn daddeln, dribbeln, machen,
denn er kann die schönsten Sachen,
und mach’ ihn auch ein wenig hart –
ja, Weihnachtsmann, das ist Dein Part.

 

Nicolai galt hier als Knüller,
der aus Mainz mit Namen Müller,
der ist wie Nachbars Lumpi heiß,
was in der Liga jeder weiß,
der geht ab wie Schmidtchens Katze,
ist der Schnellste auf dem Platze,
und hat auch ’nen Raketenstart,
so hieß es stets, so seine Art,
hier sieht man aber noch nicht viel,
der Müller fand noch nicht sein Spiel,
lass’ ihn sich nun mal besinnen,
er soll hier erneut beginnen,
seine wahre Stärke zeigen –
sag’ ihm das – er ist da eigen.

 

Der Julian, der Bayern-Star,
ist hier so richtig noch nicht da,
der Flitzer Green ist talentiert,
und sicherlich auch motiviert,
doch fehlt es diesem Leichtgewicht,
an etwas Kraft – das wär’ schon Pflicht,
er lässt sich – nicht übertrieben,
noch zu leicht beiseite schieben;
schicke ihn, Du Weihnachtsmann,
zur Muckibude ab und an,
dann hebelt er die Größten aus,
und von den Fans käm’ viel Applaus.

 

Fiese und ganz böse Geister,
halte fern von Maxi Beister,
man, was hat der Mann gelitten,
das ist wohl ganz unbestritten,
so viel Pech kann man nicht haben,
ein Jahr konnt’ er nur leicht traben,
doch bald greift er ja wieder an,
hilf Du ihm, guter Weihnachtsmann,
dass die Bänder nicht mehr reißen,
auch die Knochen nicht verschleißen.
Schenkst Du ihn uns ganz kerngesund,
dann geht es hier bald mächtig rund,
und der Maxi wär’ als „Neuer“,
endlich mal nicht ganz so teuer –
zum Nulltarif – ’ne Rarität,
wer weiß denn noch – wie so was geht?

 

Nimm dem guten Zoltan Stieber,
Hektik, Stress und Lampenfieber,
so richtig legt er noch nicht los,
gib Du ihm einen kleinen Stoß,
er muss hier nun bald erwachen,
endlich Wirbel mal entfachen,
flanken, dribbeln, richtig zielen,
sich in alle Herzen spielen,
es ist dafür ja nicht zu spät,
zeig Du wie man die Dinger dreht,
lass’ ihn Selbstvertrauen tanken,
nicht mehr leistungsmäßig schwanken,
letzte Hemmungen verlieren,
er soll hier nun attackieren,
und Du, Du lieber Weihnachtsmann,
Du schiebst ihn dazu nun auch an.

 

Ilicevic ist wieder fit!
Trainiert schon seit zwei Wochen mit!
Saß aber nicht mal auf der Bank.
Das macht ihn sicher wieder krank.
Er fährt seit Jahren Berg und Tal,
oft leicht verletzt – dann spielt er mal,
dann spielt sogar richtig gut,
und macht im Volkspark allen Mut,
doch dann muss er wieder passen,
ja, das kann man kaum noch fassen.
Er ist ganz einfach zu fragil,
mach Du ihn endlich mal stabil,
sonst läuft das wohl auf Abschied zu –
wer helfen kann, das bist jetzt Du,
Du, Weihnachtsmann, schenk Du ihm Kraft,
mal reichlich und auch dauerhaft.

 

Der Artjoms Rudnevs – Fußball-Gott,
der ackert, kämpft und läuft auch flott,
unterwegs wie eine Biene,
spielt er auch mal Tormaschine,
der Bursche ist hier viel geliebt,
weil er der Raute alles gibt,
er verkörpert das Normale,
tolle Tricks und das Geniale,
überlässt er den Kollegen,
er will vorne was bewegen,
mit dem direkten Weg zum Tor;
das kam zuletzt zwar wenig vor,
doch genießt er Joes Vertrauen,
kriegt der Gegner schnell das Grauen –
das soll immer mehr ihm glücken,
deshalb stärke Rudis Rücken,
ja, Weihnachtsmann, mach’ ihn zum Stier,
wenn das gelingt, dann dank’ ich Dir.

 

Pierre Lasogga – Donnerwetter,
wird gefeiert noch als Retter,
sein Tor im Sommer gegen Fürth,
hat ihn zum Helden hier gekürt,
er wurd’ gekauft vom HSV –
und seitdem gibt’s ’nen Tore-Stau.
Er beißt, er will, ist schwer bemüht,
doch nicht mehr richtig aufgeblüht,
er geht oft sehr weite Wege,
zeigt sich auf den Flügeln rege,
er zieht ab aus jeder Lage,
und er will – ganz ohne Frage,
er versucht’s mit vielen Dingen,
doch man kann es nicht erzwingen,
es muss jetzt mal ein Törchen her,
dann kommen meistens auch noch mehr,
schenk Du ihm jetzt mal einen Lauf,
dann geht’s mit ihm auch steil bergauf,
ach, Weihnachtsmann, das wäre schön,
ich will Lasogga-Treffer seh’n.

 

Ich komme nun auch gleich zum Schluss,
doch gibt es da die eine Nuss,
die Du noch für mich knacken musst,
das sag ich Dir mit breiter Brust,
all die Spieler von der Zweiten,
das wirst Du auch nicht bestreiten,
sind richtig gut und talentiert,
die spielen stark und couragiert,
es stehen viele auf dem Sprung,
das nur mal zur Erinnerung.
Nimm, Weihnachtsmann, sie an die Hand,
sie ha’m hier oft ’nen schweren Stand,
führ sie auch streng, lass’ sie nicht los,
nur so wird ein Talent dann groß,
bis jetzt ha’m sie noch nichts geschafft,
schärf weiter Herz und Leidenschaft,
sie soll’n hier ackern und nicht ruh’n,
für sie gibt es noch viel zu tun,
das mache ihnen bitte klar:
„Holt mich hier rauf, ich bin ein Star!“
Das funktioniert nur im TV,
nicht aber hier – beim HSV.

Zeig’ Dongsun Kim und Alex Brunst,
wie man sich quält – die hohe Kunst,
nimm Müller P. und Benkarit,
auf diesem schweren Weg auch mit,
Gideon aus Oberhausen,
guter Jung – noch ohne Flausen,
der klopft ja auch schon oben an,
den pack’ Dir auch, Du Weihnachtsmann,
Ahmet Arslan, Masek, Mende,
nimm dann auch in beide Hände,
dem Steinmann aus dem Mittelfeld,
der schon dem DFB gefällt,
zeige auch den Weg nach oben –
ich muss auch den Brüning loben,
Charrier und Derflinger und Co,
das wär’n auch Leute für den Joe,
ja, aus diesem „Kindergarten“,
könnten einige bald starten,
das ist schon ’ne lange Schlange,
halt sie alle bei der Stange,
nix Füße hoch und faule Haut,
sag’ ihnen das zur Not auch laut.

 

Zu guter Letzt, mach’ Trainer Joe,
schon bald mit neuen Spielern froh,
der Josef hat hier Schwung gebracht,
das hätt’ so mancher nicht gedacht,
Zinnbauer hat – als Debütant,
sofort durchschaut und gut erkannt,
wo die größten Schwächen liegen –
lass’ ihn bitte nicht gleich fliegen,
gib ihm die Chance, er macht das gut,
ist auch bei „Stars“ ganz resolut,
er macht, er tut – was er nur kann,
drum bitte, lieber Weihnachtsmann,
schenk’ ihm viel Siege und auch Glück –
denk ich an jene Zeit zurück,
die wir vor dem Joe hier hatten,
da gab es statt Licht nur Schatten,
da fühlte sich der Coach als Star,
das ist noch immer unfassbar,
große Sprüche – nichts dahinter,
ob nun Sommer, Herbst, ob Winter,
täglich wurden viele Phrasen,
munter in den Tag geblasen,
damit wurd’ – ist nicht gelogen,
dann auch jeder Fan betrogen,
gemächlich war’s, und schön bequem,
ein etwas anderes System,
beim Training wurde mancher dick,
das war der etwas and’re Trick,
es gab viele freie Tage –
und von oben? Keine Frage!

Heut’ weht hier nun ein and’rer Wind;
mach’ das die Wende nun beginnt,
der HSV jetzt mehr gewinnt,
hier niemand mehr auch dann groß spinnt,
vom Fußball international,
das wäre dumm, und ganz fatal –
mit dem Joe ‚’nen Gang raufschalten,
dazu schön die Klasse halten,
mit Verstand ’ne Mannschaft bauen,
und erst dann mal wieder schauen,
wohin der Weg uns führen kann –
das wär’s doch, lieber Weihnachtsmann,
das war’ die Wünsche – kurz von mir,
erfüllst Du sie, dann dank ich Dir,
doch fang’ nun zügig damit an,
weil man ja doch nie wissen kann,
wohin der Weg die Raute Fürth –
hilfst Du uns – wär’ ich schon gerührt!

 

Wie eingangs schon geschrieben – ein schönes Rest-Fest noch für Euch. Und ein schönes Wochenende. und bei der Gelegenheit: Vielen Dank noch einmal für die immer noch fleißig eintrudelnde Weihnachtspost!
Dieter

 

13.44 Uhr

NACHTRAG (passend zum Blog-Thema):
Der HSV steht laut der französichen Zeitung L’Équipe unmittelbar vor der Verpflichtung des französischen Nationalspielers Hatem Ben Arfa. Schon am Sonnabend soll der Wechsel perfekt gemacht werden.
Der französische Nationalspieler, der in 13 Länderspielen zwei Tore erzielt hat, spielt derzeit in England und ist von Newcastle United an Premier-League-Konkurrent Hull City ausgeliehen. Der 27-Jährige hat einen Marktwert (lt. Transfermarkt.de) von 9 Mio. Euro. Allerdings läuft sein Vertrag in England im Sommer aus und er wäre fortan ablösefrei.

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