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Abstiegskampf spitzt sich zu – und Kreuzer muss sich gegen Vorwürfe wehren

6. April 2014

Kein Tag ohne Fußball – dachten sich heute auch die beiden HSV-Vorstände Carl Jarchow und Oliver Kreuzer. Die abstiegsbedrohte U 19 des Vereins hatte es an der Hagenbeckstraße mit dem VfL Osnabrück zu tun, dem Tabellenletzten der Bundesliga. Ein Sieg musste her für die Truppe von Trainer Otto Addo, aber das hat nicht geklappt. Trotz zahlreicher Torchancen, vor allem am Ende, hat es nur zu einem 1:1-Unentschieden gereicht.

Dominik Masek hatte den HSV Mitte der zweiten Halbzeit in Führung gebracht, etwa eine Viertelstunde vor dem Ende glichen die Niedersachsen aus. Der Abstiegskampf geht weiter für den HSV – bitter, dass es nicht einmal gegen den Letzten zu einem Sieg gereicht hat. Jonathan Tah spielte solide als Innenverteidiger, im zentralen Mittelfeld versuchte Matti Steinmann, dem Spiel seinen Stempel aufzudrücken. Das gelang nicht immer richtig gut.

Der Nachwuchs ist eines der Themen, dem sich Sportchef Oliver Kreuzer in Zukunft dringend widmen muss. Was dort alles brach liegt, hat Scholle hier zuletzt bereits deutlich formuliert. In jedem Fall zahlt der Verein nicht nur bei den Profis sondern auch im Nachwuchs die Zeche für Fehler der Vergangenheit.

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Heute musste sich Kreuzer zudem mit Vorwürfen der Gegenwart auseinander setzen. Es geht um einen Artikel des „Spiegel“, der morgen erscheint. Demnach soll Kreuzer einem Spielerberater gebeten haben, einen Abnehmer für Torwart Rene Adler zu finden. Der Bericht beginnt mit einem angeblichen Gespräch Kreuzers mit einem Berater – Adler (Vertrag bis 2017) könnte doch in der spanischen und englischen Liga angepriesen werden, heißt es.

Oliver Kreuzer wurde heute, konfrontiert mit dieser Meldung, wütend: „Das ist absoluter Blödsinn. Solch ein Gespräch hat es nie gegeben. Warum sollte ich jetzt, mitten im Abstiegskampf, unseren Torwart irgendwo anbieten?“ Vereins-Chef Carl Jarchow ergänzte: „Die Geschichte ist totaler Schwachsinn.“

Dass die Hamburger Mannschaft, insbesondere bei einem immer noch möglichen Abstieg in die Zweite Liga, kommende Saison ein anderes Gesicht haben würde – das ist dabei völlig unstrittig. Egal ob die Spieler nun Verträge für beide Ligen haben oder nicht. Im Unterhaus würde sich das Gesicht des Teams komplett verändern. So viel steht fest.

Dass es soweit nicht kommen muss, hat die Partie vorgestern gegen Bayer Leverkusen gezeigt. Da war Leben und Stimmung in der Bude wie lange nicht. Und der HSV ist dabei, eine neue Führungsfigur zu finden. Es ist Hakan Calhanoglu, der seit Wochen glänzende Leistungen zeigt. Nicht nur wegen seiner Tore, sondern vor allem wegen seiner kämpferischen Einstellung auf dem Platz. Calhanoglu hat sich dabei in den Monaten seit seiner Verpflichtung im vergangenen Sommer enorm entwickelt. Am Anfang war er unter Thorsten Fink noch Joker. Manchmal wurde er eingewechselt, wie zum Beispiel beim 2:6 Anfang September in Dortmund, leistete sich Fehlpässe, ohne anschließend hinter dem Ball hinterherzujagen.

Die Mitspieler waren nicht eben gut zu sprechen auf diesen jungen Emporkömmling aus der Dritten Liga, der bislang nur in Karlsruhe zu begeistern wusste und ein allzu großes Selbstvertrauen zu haben schien. Doch unter Bert van Marwijk und erst recht unter Mirko Slomka zeigt sich ein anderen Hakan Calhanoglu. Er spielt nicht für die Galerie oder um seinen Ego-Trip bei Freistößen durchzuziehen. Er rennt und läuft und kämpft und setzt Zeichen im Stadion. Sehr gut, dass Oliver Kreuzer seinen Vertrag vorzeitig bis 2018 verlängert hat.

Kein Wunder übrigens auch, dass die halbe Haupttribüne am Freitag voll war mit Scouts aus Spanien und aus England, die das HSV-Juwel mit dem goldenen rechten Fuß auf dem Zettel haben. Da wird mit ziemlicher im Sommer das eine oder andere Angebot auf den Schreibtischen in der imtech-Arena landen.

Ob der HSV im Fall der Fälle standhalten könnte – das steht wohl in den Sternen, Zweifel sind angebracht. Immer wieder wird ja darüber diskutiert, wie die Arbeit von Oliver Kreuzer denn nun zu bewerten ist. Gute Vertragsabschlüsse (Calhanoglu, Lasogga) und schlechte (van Marwijk, aktuell Djourou) lassen sich für beide Sichtweisen finden.

Klar ist jedenfalls, dass der HSV in dieser Saison unter Kreuzer aber auch wirklich alle Deals, also Käufe, Verkäufe und Leihgeschäfte, unter wirtschaftlichem Zwang getätigt hat. Das ging schon im letzten Sommer los, wo die Verteidiger Sobiech und Djourou geholt wurden, um den Verkauf von Mancienne, Rajkovic und Scharner anzufeuern. Alle drei Großverdiener – hier musste Geld aus dem Gehaltsetat eingespart werden. Das hat nicht geklappt, dazu kamen später die Abfindungen für Arnesen und Fink, so dass Aogo verscherbelt wurde. Lasogga konnte nur ohne Kaufoption geholt werden (schlecht für den HSV), während bei Djourou eine Kaufoption unumgänglich war, um ihn überhaupt zu bekommen (auch schlecht für den HSV – jetzt muss der Verein ihn für einen viel zu hohen Betrag ganz kaufen).

Im Winter lief es ja ähnlich. Irgendwelche Spieler konnten nur geholt werden, ohne dass der HSV wirtschaftlich etwas draufpacken konnte – auf der anderen Seite wurde mit Rudnevs entgegen jeder sportlichen Logik ein dringend benötigter Ersatz für Lasogga abgegeben. Da kann man nicht davon sprechen, dass dieser Verein das Heft des Handelns in den eigenen Händen hält. Natürlich wäre es hilfreich gewesen, wenn die Trefferquote bei Transfers von Oliver Kreuzer näher an den 100 Prozent dran gewesen wäre, als sie es am Ende war.

Wer viel Zeit hat zum Lesen, der konnte sich schon seit gestern durch die 300 Seiten quälen, die der Verein als Grundlage für die Ausgliederung in eine Fußball AG an seine Mitglieder herum geschickt hat. Am 25. Mai wird dort auf der großen Versammlung ja über das Modell nach HSV-Plus-Vorbild abgestimmt. „Das Konzept entspricht eins zu eins unseren Vorstellungen“, sagte HSV-Plus-Frontmann Otto Rieckhoff. In den 300 Seiten stehen allerhand juristische und wirtschaftliche relevante Einzelheiten – für das normale Mitglied kaum zu durchschauen. Eine erste eigene Vereinfachung und Zusammenfassung ist auf der HSV-Plus-Seite nachzulesen.

Viele Grundzüge sind bereits bekannt. Der Profi-Fußball-Bereich bis hinab zur U 16 geht über in die neue Fußball AG. Diese Fußball AG wird gestaltet aus der bereits existierenden (leeren Hülle) Sport AG, die entsprechend umbenannt und mit Leben gefüllt wird. Die Campus-Anleihe geht auf die Fußball AG über. 271 Mitarbeiter des HSV e.V. gegen mit ihren Arbeitsverträgen in die Fußball AG. Sollte HSV Plus und damit die Fußball AG die nötige Dreiviertelmehrheit erhalten, dann würde es bis zur folgenden Versammlung im Januar 2015 eine Übergangsregelung geben.

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ERGÄNZUNG 19.52 Uhr: Zunächst würde am 25. Mai der neue Aufsichtsrat gewählt. Der aktuelle Vorstand würde gleichzeitig ins Präsidium des e.V. übergehen. Ob der neue Aufsichtsrat der Fußball AG den alten Vorstand des Vereins gleichzeitig als Vorstand der Fußball AG behält, ist offen. Genauso möglich ist, diesen Vorstand ganz oder teilweise neu zu besetzen mit neuen Leuten. Und das ist ja sehr gut möglich.
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Ganz wichtig wird in diesem Zusammenhang sein, welches Team Rieckhoff für seinen neuen Aufsichtsrat ins Rennen schicken wird. Bis zum 20. April müssen entsprechende Vorschläge eingereicht sein, und vorher will Rieckhoff die Kandidaten noch öffentlich vorstellen. Mit Thomas von Heesen und dem Kühne-Vertrauten Karl Gernandt stehen bereits zwei Namen im Raum.

Die Debatte um die HSV-Reform wird mit Sicherheit in den kommenden Wochen, wenn die Mannschaft noch um den Klassenerhalt in der Bundesliga kämpft, für Schlagzeilen sorgen. Wobei das 2:1 gegen Leverkusen und die sensationelle Stimmung im Stadion schon gleich eine ganz andere Hoffnung hervorgerufen hat. Dass die Lage im Keller der Bundesliga sich jedoch kaum entspannt hat, wird beim Blick auf die Tabelle nach dem 3:0 von Eintracht Braunschweig gegen Hannover 96 deutlich:
13. Hannover -18 29 Pkt.
14. Freiburg -19 29
15. Stuttgart -13 27
16. HSV -15 27
17. Nürnberg -20 26
18. Braunschweig -22 25

Wie wichtig wäre es jetzt bitteschön, wenn der HSV in Hannover nachlegen und auch diese Partie für sich entscheiden könnte? Einen Weg zum Klassenerhalt hat der Leverkusener Sportchef Rudi Völler heute bei Sport 1 aufgezeigt:

„Wir haben, obwohl wir verloren haben, am Freitagabend eine recht gute Leistung gebracht. Es gab nur einen Grund, warum wir verloren haben: Der zwölfte Mann war das Publikum in Hamburg, aber der Schiedsrichter Herr Dankert war der 13. Mann für Hamburg. Der HSV wird sicherlich den Antrag stellen, ob Herr Dankert nicht noch eines der letzten Spiele pfeifen darf. Dann werden sie nämlich definitiv nicht absteigen.“

Nun wird es wahrscheinlich aber doch wechselnde Schiedsrichter geben und der HSV muss – wie am Freitag – sein Schicksal in die eigenen Hände nehmen. Das wird zunächst ohne Milan Badelj geschehen, bei dem sich der befürchtete Muskelfaserriss im Oberschenkel bestätigt hat. Damit fehlt er mal ganz sicher in Hannover. Der HSV hofft auf die Rückkehr von Pierre Michel Lasogga, ganz klar.

Morgen wird es noch einmal ruhig werden auf dem Trainingsplatz, ehe Mirko Slomka am Dienstag mit voller Kraft in die Hannover-Woche einsteigen wird.

Schöner Gruß von Lars

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