Archiv für das Tag 'Steinmann'

Der Kacar-Wechsel könnte noch platzen

3. Januar 2013

Jetzt könnte es doch noch eng werden. Für Gojko Kacar und den HSV. Denn der fast schon als „perfekt“ gemeldete Wechsel des Mittelfeldspielers zu Hannover 96 könnte jetzt doch platzen – oder bereits geplatzt sein. Denn die Niedersachsen haben nun (erst einmal) André Hoffmann vom abstiegsgefährdeten Zweitliga-Klub MSV Duisburg verpflichtet. Der U19-Nationalspieler erhält bei 96 einen Vertrag bis 2016 und kostet „nur“ 800 000 Euro. Der defensive Mittelfeldspieler kam in der Hinrunde der Zweiten Liga zu 13 Einsätzen für die „Zebras“ und kann – wie Kacar – auch als Innenverteidiger eingesetzt werden. Hoffmann hat sieben Spiele für die deutsche U-19-Nationalmannschaft absolviert und gehört zum Kader der U-20. Jetzt will Hannover nur noch einen Spieler verpflichten, und dabei geht es um Gojko Kacar und den Schweizer Innenverteidiger Johan Djourou vom FC Arsenal. Gut möglich, dass die Entscheidung darüber doch nicht bis zum 4. Januar fallen wird – am 5. Januar fliegt 96 ins Trainingslager, da sollten die Neuzugänge eigentlich dabei sein.

Ob sich Kacar verpokert haben könnte? Darüber ließe sich trefflich spekulieren, aber das wird natürlich geheim gehalten. Es kann vermutet werden – oder auch nicht. Ein Gerücht, dass zurzeit zwischen Hannover und Hamburg hin und her geschoben wird, besagt, dass es letztlich – oder bislang – an der zu hohen Abfindungsforderung, die Kacar vom HSV haben wollte, gescheitert ist. Das kann sein, muss aber auch nicht. Für den HSV auf jeden Fall keine angenehme Situation, besonders nicht für Sportchef Frank Arnesen, der ja die hohe Summe von 6,4 Millionen Euro bis zum Beginn der Rückrunde eingespart haben sollte. Der Däne wusste im fernen Abu Dhabi nichts von der Verpflichtung Hoffmanns (zu 96), wollte aber auch nichts davon wissen, dass damit die Wechselabsichten Kacars endgültig geplatzt sind.

Zum heutigen Start in Abu Dhabi. Der Flug verlief problemlos, die Ankunft aber erfolgte nach Mitternacht. Erst gegen drei Uhr waren die Spieler in dem Fünf-Sterne-Hotel, das zwei Jahre alt ist und keine Wünsche offen lässt. Nach einem kleinen Snack ging es auf die Zimmer zum Schlafen. Morgens gab es dann um zehn Uhr das erste lockere Training, und die zweite Einheit erfolgte am Nachmittag um 16 Uhr. Tagsüber herrschten 23 Grad, die Sonne zeigte sich von ihrer besten Seite, nachmittags zogen während des Trainings einige Wolken auf – und es wurde etwas kühler. Hervorragende Bedingungen (so lobten auch die meisten Spieler) aber für ein Training, das heute vornehmlich aus kleinen Spielchen bestand.

Bis auf Petr Jiracek, der mit Reha-Coach Markus Günther lief, und der 18-jährige Nachwuchsmann Valmir Nafju (wurde vom FC Basel verpflichtet), waren alle Spieler auf dem Platz. Auch in der Ferne blicken natürlich viele Augen nur auf Rafael van der Vaart. In Hamburg ist die Ehe-Krise des niederländischen Paares immer noch das Gesprächsthema Nummer eins, in Abu Dhabi ebenfalls. Für das gesamte HSV-Team schon eine besondere Situation. Über die Trainer Thorsten Fink verriet: „Wir sprechen mit Raffa, er geht sehr professionell mit seiner Situation um. Wir sind für ihn da, wenn er uns braucht. Im Fußball kann man sich gut ablenken. Manche haben nicht viel, er hat die Mannschaft und den Fußball.“

Allgemein – und zu den Bedingungen in der Wüste – befand Thorsten Fink: „Die Plätze sind bundesligatauglich, ich bin damit sehr zufrieden.” Er will seinen Spielern während des Trainingslagers maximal einen Nachmittag (wahrscheinlich am Sonntag) freigeben.

Vom Abendblatt vor Ort ist Chefreporter Kai Schiller, und der sagte mir über das Spielchen am Nachmittag: „Mir gefielen eben vor allem Rafael van der Vaart, der viele glänzende Pässe aus seinem linken Fuß hervorzauberte, und dazu auch Tolgay Arslan, der einmal mehr sehr, sehr bissig wirkte.“ Dass nicht alles gleich nach Wunsch funktionierte, das sahen die Trainingskiebitze an den Reaktionen von Heiko Westermann. Der Kapitän war einige Male sehr unzufrieden mit seinen Vorderleuten, schimpfte mehrfach recht lautstark und drosch einmal den Ball mit Vehemenz – und vor Wut – in die Botanik.
Aber gut Ding will eben Weile haben – auch in Abu Dhabi.

Morgen, am Freitag, stehen ebenfalls zwei Einheiten auf dem Programm. Und falls bis zum Wochenende nicht doch noch ein weiterer Gegner für ein Testspiel gefunden wird (es wird wohl noch daran gearbeitet), findet am Montag das erste Spiel statt. Es geht dann gegen den usbekischen Meisterschafts-Dritten Lokomotiv Tashkent. Einen Tag später folgt die Partie gegen den saudi-arabischen Vertreter Al-Shabab FC, und das letzte Spiel der „Wüsten-Tour“ findet dann in Dubai einen Tag vor der Rückreise statt, es geht gegen den Bundesliga-Achten Borussia Mönchengladbach (der sich dort auf Bundesliga-Werbe-Tour befindet). Am 12. Januar erfolgt dann der Auftakt im Volkspark, wenn der österreichische Spitzen-Klub Austria Wien zu Gast ist (dieses Spiel wird live im Dritten Programm übertragen).

Kurz noch eine Personalie: In Sachen Robert Tesche hat sich bislang noch nichts Neues ergeben. Und irgendwie bin ich (und bleibe ich) skeptisch, ob sich daran noch etwas ändern wird. Welcher Klub (vor allem dann, wenn es sich um einen Zweitliga-Vertreter handelt) ist denn schon bereit und auch in der Lage, ein „fürstliches“ Gehalt – wie es der Erstliga-Vertreter HSV zahlt – zu bieten? Und finanzielle Abstriche nimmt wohl jeder Mensch, da ist Tesche keine Ausnahme, nicht ganz so gerne hin. Es sei denn, er will als Fußball-Profi auch wieder mal mitspielen dürfen . . .

Nach wie vor finde ich aber gut, dass der HSV es vorgezogen hat, auf junge Spieler wie Matti Steinmann oder auch Christian Nörgaard zu setzen – und sie deshalb auch mit in die Sonne genommen hat. Solche Talente, so sie sich denn später einmal behaupten und durchsetzen können, sind die Zukunft des Klubs. Und sie wurden ja auch von Scouts für förderungswürdig gehalten und einst zum HSV gelockt.

17.26 Uhr

Der Hammer: Tesche und Kacar aussortiert ***ERGÄNZT von Scholle, 3.53 Uhr***

31. Dezember 2012

Das war Premiere. Am 31. Dezember war ich noch nie bei einem HSV-Training. Aber diesmal. Und lausig kalt war es, stürmisch dazu. Dass sich jedes Flugzeug, das sich über den Volkspark hinwegquälte, oben hielt, ist irgendwie immer wieder ein kleines Wunder. Dass mein rechtes Ohr nicht abgefallen ist, auch. Weil von rechts dieser schlimme Wind, der eigentlich ja schon ein Orkan ist, kam. Egal. Die HSV-Spieler, die gestern ihren Laktattest schon hinter sich gebracht hatten und deswegen heute für fast zwei Stunden auf den Acker mussten, um zu ackern, mussten diese schlechten äußeren Bedingungen ja auch überstehen. Und ich kann versichern, es hat auch ein jeder überstanden. Und wenn ich vom 31. Dezember – und noch nie – geschrieben habe: Co-Trainer Frank Heinemann kam mir, als er den Trainingsplatz abschloss, entgegen und sagte: „Ein frohes neues Jahr – ach, Mann, ist ja noch gar nicht so weit. Ich wünsche einen guten Rutsch. Ein frohes neues Jahr habe ich gestern schon immer in der Kabine gesagt – aus Macht der Gewohnheit. Weil es doch ungewöhnlich ist, dass die Winterpause noch im alten Jahr beendet wird . . .“ Stimmt. Aber watt mutt, datt mutt.

Und wo ich gerade schon mal dabei bin:

Ich wünsche allen Matz-abbern und ihren Lieben einen wunderschönen, nicht allzu stürmischen Rutsch ins neue Jahr, und dann für 2013 alles erdenklich Gute. Vor allem Gesundheit. Und dazu Erfolg im Job und im Privatleben, dass jeder absolut zufrieden oder sogar glücklich ist. Und dass, das kommt natürlich noch hinzu, der HSV allen seinen Fans und Anhängern in diesem Jahr endlich einmal mehr Freude bereitet, als Verdrossenheit. Ich drücke die Daumen – und bin, was den Aufschwung des HSV betrifft, durchaus optimistisch. Sehr sogar. Die Weichen für mehr Erfolg(e) sind gestellt, nun müssen es die Angestellten nur noch umsetzen. Aber wer mich fragt, der bekommt in diesen Tagen stets zu hören: „Ihr werdet es sehen, der HSV wird 2013 eine bessere Rolle spielen, als in den Jahren zuvor. Davon bin ich restlos überzeugt.“

Und irgendwie scheinen ja auch die meisten Verantwortlichen im Klub gelernt zu haben. Jedenfalls werden in den letzten Stunden des Jahres 2012 noch – in meinen Augen – sehr gute, vor allen Dingen richtungsweisende Maßnahmen getroffen. Weil alle, na ja, fast alle, inzwischen begriffen haben, dass es so ja auch nicht weitergehen darf. Neue Männer braucht das Land – so hieß ja einst ein deutscher Schlager, aber beim HSV wird es bekanntlich keine neuen Männer geben. Soll heißen, dass es in diesem Winter (zu 99 Prozent) keinen einzigen neuen Spieler mehr geben wird. Wozu auch? Der HSV hat eine perspektivisch sehr gute Mannschaft. Die muss sich nun zusammenraufen und es zeigen, wie gut sie tatsächlich ist. Und zu eventuellen Neueinkäufen hat Trainer Thorsten Fink gesagt: „Es wird die deswegen nicht geben, weil wir die Mittel dazu gar nicht haben.“ Ist schon klar. Inzwischen haben auch das die meisten (Fans) schon kapiert.

Aber zurück zu den neuen Maßnahmen, die jetzt noch getroffen wurden:

Irgendwie erwartet, vielleicht von vielen Anhängern sogar erhofft, ist folgende Entscheidung: Robert Tesche wird am Mittwoch nicht mit nach Abu Dhabi fliegen. Der Mittelfeldspieler wurde – so nenne ich das mal – „aussortiert“. Weil, so sehe ich das, er irgendwie doch „über ist“. Er hat es noch nicht bemerkt, der HSV jetzt aber (endlich) doch, und deswegen bleibt der 25-jährige ehemalige Bielefelder in der Heimat, während sich die Kollegen in der Sonne auf die Rückrunde vorbereiten. Vielleicht, und so werte ich das einmal, ist es auch ein letztes Zeichen an Tesche, sich in dieser Wechselperiode doch noch einen neuen Verein zu suchen. Statt den Renten-Vertrag beim HSV in aller Stille nur auszusitzen. Eventuell trägt ja diese harte Maßnahme (so sehe ich das mal) dazu bei, dass Tesche die Augen geöffnet werden. Er hat in Hamburg keine fußballerische Zukunft mehr, weil der HSV erstens genügend Mittelfeldspieler hat, und zweitens einige jüngere und talentiertere Mittelfeldspieler nachrücken, von hinten Druck machen. Zum Beispiel Matti Steinmann (wird am 8. Januar 18 Jahre alt) und Christian Nörgaard (18). Abschließend stelle ich in Sachen Tesche fest: Er hat hier genügend Chancen von allen Trainern bekommen, auch von Thorsten Fink, aber er hat diese Chancen nicht nutzen können. Nun überholt ihn seine Situation – auch das ist im Profi-Fußball nichts Außergewöhnliches, aber es gibt mit Sicherheit auch schönere Facetten des Sports.

Die zweite Maßnahme: Gojko Kacar, der mit Hannover 96 über einen Vereinswechsel verhandelt, wird ebenfalls nicht mit ins Trainingslager fliegen. Gestern erschien Kacar (wird am 23. Januar 26) zum Trainingsauftakt noch mit einem rauschigen Vollbart, heute war er glatt rasiert wie ein Baby-Popo – der Bart ist ab. Vielleicht sein Zeichen an Hamburg, dass er sich mit einem Wechsel an die Leine schon arrangiert hat. Genügend Zeit, um seine Situation beim HSV zu überdenken, hat er nun allemal, und genügend Zeit, um mit den Niedersachsen zu verhandeln, bleibt ihm nun auch noch. Es ist wohl das richtige Zeichen, das der HSV ihm mit dieser Nichtteilnahme an der Abu-Dhabi-Reise gegeben hat. Die Zeichen stehen eindeutig auf Trennung. Und das dürfte nicht nur für den HSV von Vorteil sein, sondern auch für Kacar, der bei 96 endlich wieder einmal aufblühen könnte. Dort wollen sie ihn, dort hat er eine neue Aufgabe – oft ist das hilfreich in diesem schwierigen Geschäft.

Insgesamt bedeuten diese beiden Fälle für mich, dass es beim HSV ab sofort härte Zeiten geben wird. Nicht nur für alle Abteilungen, sondern ab sofort auch für die Profis. Es wird härter und professioneller – der richtige Weg. Nur in Watte packen geht eben nicht. Und ist hier schon viel zu lange geschehen.

Kurz noch zum heutigen Training. Es wurde (ohne Thorsten Fink, der die Tests drinnen leitete) alles mit dem Ball gemacht, zum Schluss auch noch das obligatorische Abschlussspielchen. Bei diesem gefiel mir – auch das muss mal gesagt werden – Zhi Gin Lam sehr gut, der nicht nur einige Tore erzielte, sondern auch gut verteidigte. Überwiegend rechts. Ein Hinweis darauf, dass er – falls Jeffrey Bruma doch noch gehen würde – rechts ein Ersatz (oder Vertreter) für Dennis Diekmeier benötigt werden würde? Wie gesagt, Lam machte das heute sehr, sehr ordentlich. Auffällig an dieser Einheit ebenfalls: Sven Neuhaus war der lauteste Mann auf dem Rasen, er dirigierte seine Vorderleute und motivierte sie unheimlich engagiert. Gefiel mir. Das schönste Tor des Tages schoss Jacopo Sala, der den Ball an Neuhaus vorbei in den oberen linken Torwinkel zirkelte. Ein „Tor des Monats“, es erhielt von Fans und den Kollegen viel Beifall, eigentlich hätte der Italiener danach vom Platz gehen können, besser geht nämlich nicht. Und dann soll, es wurde mir nur von „Gobi“ berichtet, Michael Mancienne eine neue Frisur haben. Ohne Zopf. Sage ich unter Vorbehalt, weil die meisten Spieler heute – wegen des Orkans – Mützen trugen, sodass die Haarpracht nicht zu erkennen war.

Nicht zu sehen waren heute zudem einige Spieler, die in den Katakomben der Arena ihre Tests zu absolvieren hatten. Der erste Mann am frühen Morgen war Heung Min Son, der bereits um acht Uhr auf der Matte zu stehen hatte. Bis nachmittags um drei Uhr sollen diese Tests gehen, danach wird es dann auch Zeit, sich auf die Silvester-Fete vorzubereiten. Oder? Übrigens: Petr Jiracek lief mit Reha-Coach Markus Günther durch den Volkspark, und Rene Adler lief allein um das Stadion herum (durch den Wald). Weil er über Weihnachten ein wenig erkältet war. Adler wurde, das nur ganz nebenbei, von den Kollegen der Bundesliga zum besten Torwart der Hinrunde gewählt (im Kicker). Eine tolle Wahl, zu der ganz Hamburg sicher nur zustimmend nicken wird.

So, nun bin ich am Ende für dieses Jahr. Es hat mir in diesen zwölf Monaten wesentlich mehr Spaß gemacht, für den „Matz-ab-Blog“ zu schreiben, weil mir das Moderatoren-Team in den meisten Fällen den Rücken frei gehalten hat. Dafür ganz, ganz herzlichen Dank. Und dazu ein Dank an alle, die sich für diesen Blog stark gemacht haben, die sich teilweise Kratzer und auch blaue Augen geholt haben, um diese gute Idee zu verteidigen. Dazu mein besonderer Dank vor allen Dingen an die weiblichen Matz-abber – ihr seid klasse! Danke, danke, danke – an alle. Auch an jene, die ich gestern und heute beim Training traf, die mich ansprachen und sich bei mir (und “Scholle”) für diesen Matz-ab-Blog bedankt haben. Es gibt ja so viele Leute, die hier nur lesen, aber nicht schreiben – und auch keine Kommentare (mehr) an sich heran lassen . . .
Ich glaube, wir sind auf einem ganz guten Weg – wie auch der HSV. Und wer die Matz-ab-Neujahrsansprache noch nicht gesehen hat, der sollte sich diese zehn Minuten durchaus mal gönnen, denn ich verrate dabei einige höchst interessante Zahlen. Zahlen, die ich so nicht geahnt und auch nicht für möglich gehalten hätte. Auch dafür an dieser Stelle noch einmal meinen ganz herzlichen Dank.

Und nun wünsche ich euch eine wunderschöne Feier. Haut rein!

Alles Gute in 2013 für euch!

Es grüßt euch Dieter (der das auch im Namen von „Scholle“ sagt).

***ERGÄNZUNG: Und Das macht der Scholle gern auch noch persönlich. Ich bedanke mich für ein sehr intensives, interessantes, kontroverses aber immer auch konstruktives Jahr im Blog und wünsche mir für 2013, dass es genau so weitergeht. Bleibt dabei, bleibt so kritsich, bleibt so fruendlich und bleibt so kreativ – aber vor allem: belibt gesund! LG, Scholle****

15.11 Uhr

Arslan – der Aufsteiger im Mittelfeld

22. Dezember 2012

Teil zwei der Hinrunden-Bilanz, diesmal ist das breit gesetzte Mittelfeld dran. Wobei ich mir Heung Min Son bis morgen aufsparen werde, weil ich ihn eher als Stürmer sehe, denn als Mittelfeldmann. Und einen Mann, auf den ich mich schon sehr freue, muss ich leider noch total außen vor lassen, das ist der Karlsruher Hakan Calhanoglu. Der Türke ist für den Sommer 2013 verpflichtet worden, es gab zuletzt schon Stimmen in Hamburg zu hören, die es befürworten würden, wenn das große Talent noch eine weitere Saison beim KSC verbleiben würde, aber da stimme ich nicht mit ein. Diejenigen, die so etwas denken, glauben fest daran, dass er es nicht auf Anhieb schaffen wird, sich in Hamburg zu behaupten – weil die Konkurrenz gerade im Mittelfeld so riesig sein. Allein an Rafael van der Vaart, Petr Jiracek und Milan Badelj vorbei zu ziehen, sei unmöglich. Ich sage: abwarten! Ich traue Calhanoglu alles zu, auch dass er zur großen Überraschung der Saison 2013/14 wird.
So, und los geht es nun mit jenen Mittelfeldmännern, die bereits beim HSV sind. Die Reihenfolge habe ich willkürlich gewählt.

Jacopo Sala schien einst auf einem sehr guten, nein auf einem guten Weg zu sein. Und dann kam der Knick. Bislang ist der Italiener noch nicht wieder aus der Versenkung aufgetaucht, dazu müsste wohl auch ein keines Umdenken bei ihm erfolgen. Er „hing“ zuletzt sehr oft mit Jeffrey Bruma herum, zwei Leidensgenossen, die sich eventuell zu trösten versuchen, die mir aber (ich schrieb es schon bei dem Niederländer) zu oft ein wenig „in die falsche Richtung“ lachen. Soll heißen, dass sie eher schon ein wenig resignieren – sie „blödeln“ gemeinsam, statt Gas zu geben. Deswegen glaube ich nicht mehr, dass Sala noch einmal kommen wird – obwohl ich froh wäre, wenn es dann doch ganz anders käme. Denn Fußball spielen, das kann der Italiener ganz sicher. Aber mit dem Ball umgehen ist eine Sache, die richtige Einstellung auf den Rasen zu bringen, die andere. Letzteres stimmt bei ihm leider nicht (mehr).

Tomas Rincon startete mit einer langwierigen Verletzung in die Saison, war dadurch schon mal schwer gehandicapt. Den Rückstand holte er nicht mehr auf, auch wenn er zuletzt zu einigen Einsatz gekommen ist. Ich hatte mir, nach seiner sehr guten Copa America, viel von „Popeye“ erhofft, aber er konnte es nicht zeigen. Insgesamt denke ich, dass Rincon beim HSV schon mal besser gespielt hat. Dabei traute ich ihm mal zu, in Hamburg eine Art „Mini-Gattuso“ werden zu können – von dieser Hoffnung bin ich aber schon seit längerer Zeit weit entfernt. Das wird vielleicht auch deshalb nichts mehr, weil Rincon sich zu sehr auf das Zerstören festgelegt hat – und ein solcher Spielertyp ist im heutigen, modernen Fußball eigentlich kaum noch zu finden. Schade eigentlich.

Tolgay Arslan war der Aufsteiger der Saison. Es ist schon rauf und runter geschrieben worden, ich kann mich dem nur noch einmal anschließen. Und ich muss zugeben, dass ich ihm die „Sechs“ niemals zugetraut habe. Nie. Weil Arslan für mich ein schön spielender „Daddelbruder“ war, in diese Schublade hatte ich ihn schon immer gesteckt. Dass er, wie er nun zeigt, auch beißen kann, dass er ein defensives Auge hat – alle Achtung und ein riesiges Kompliment, ich hätte es nicht gedacht. Nur muss er jetzt so weiter „beißen“, nicht ausruhen, nicht zurücklehnen und glauben, dass man es schon geschafft hätte. Das wäre genau so tödlich, wie noch sein gelegentlicher Hang zum „Abheben“. Nach zwei, drei gelungenen Szenen packt er die Trickkiste aus: Hacke, Spitze, eins, zwei, drei. Lässig, ganz lässig, nachlässig. So aber geht es nicht, weil man sich das in der Bundesliga einfach nicht erlauben kann. Es ist zu durchschaubar. Und durch solche überheblichen Aktionen reißt Arslan mit dem Hintern wieder alles um, was er sich vorher mit den Füßen erarbeitet hat.

Robert Tesche ist für mich ein Glückspilz. Dass ihm sein Vertrag noch einmal verlängert wurde, das ist für mich – und nicht nur für mich – noch immer unfassbar. Es zeigt aber, dass auch ein Sportchef (und ein Trainer?) nicht unfehlbar sind. Der Spatz in der Hand, und der Tesche auf dem Platz – das muss wohl das Motto damals gewesen sein. Hier irrte der Herr Arnesen. Robert Tesche trainiert zwar in den meisten Fällen gut, oftmals sogar sehr gut, aber auf dem Rasen bei Bundesliga-Spielen konnte er diese Leistungen nie, wirklich nie wiederholen. Leider. Ihm fehlt die Einstellung zum Profi-Fußballer, der richtige Biss – er hat auch, so sehe ich das, nicht das nötige Fußball-Temperament.

Ivo Ilicevic war einst meine ganz große HSV-Hoffnung. Weil er in Kaiserslautern Spitzen-Leistungen gebracht hat, weil ihn einst auch der große FC Bayern auf dem Zettel hatte – aber denkste! Bislang kam nicht vom kleinen Flügelflitzer, ich befürchte, dass er als eines der größten HSV-Missverständnisse in die Bundesliga-Geschichte eingehen wird. Leider, leider, ich hätte ihm in Hamburg die Karriere als „Überflieger“ gegönnt. Heute denke ich aber, dass dieses Thema abgehakt ist. Deswegen täte ihm ein Vereinswechsel bestimmt gut, eine neue Herausforderung könnte ihn noch einmal anstacheln, sein wahres Können zu zeigen. Könnte.

Per Ciljan Skjelbred schien lange auf dem falschen Weg – warum auch immer? Es kam nicht, von ihm hieß es im Volkspark schon sehr, sehr oft: „Fehleinkauf.“ Dabei hatte sich Frank Arnesen einst so viel von dem kleinen Norweger versprochen. Zuletzt, erst zuletzt, hat es der Blonde aus dem hohen Norden wenigstens ansatzweise gezeigt, was in ihm steckt, was in ihm stecken könnte. Zufall? Kann ich nicht glauben, aber im letzten Spiel des Jahres, beim 0:3 gegen Leverkusen, spielte Skjelbred so – ja, so wie immer, so wie vorher. Und so reicht es nicht. Nicht in der Bundesliga, nicht beim HSV. Er sollte sich mit einem Tapetenwechsel anfreunden, ich denke, es ist für ihn der bessere Weg. Vielleicht zurück in die Heimat, wo er wieder regelmäßig zum Einsatz kommen wird.

Christian Nörgaard galt und gilt als großes Talent, bislang konnte er es nicht unter Beweis stellen. War zuletzt auch lange verletzt, obwohl es sicher nichts an seiner Situation geändert hätte – er konnte sich bislang noch nicht in den Vordergrund spielen oder sich aufdrängen. Doch von solchen Talenten hat der HSV schon so viele gehabt, und einige von ihnen haben dann doch noch ihr Glück woanders gefunden. Deswegen habe ich immer noch die Hoffnung, dass es Nörgaard eines Tages doch noch schaffen kann. Abschreiben werde ich ihn noch lange nicht.

Gojko Kacar dagegen steht wohl vor dem Gang zu einem anderen Verein. Hannover 96? Die Bild schrieb ja heute, dass es für ihn nur 500 000 Euro geben würde, aber diese Summe ist lachhaft. Auch deshalb, weil der HSV vor zweieinhalb Jahren noch 5,5 Millionen an Hertha BSC bezahlt hat. Kacar hat hier viel Pech gehabt – und er hat ganz sicher auch nicht so gut gespielt, wie einst in Berlin. Das HSV-Phänomen. Mir gefiel der Serbe in seiner Hamburger Zeit als Innenverteidiger am besten, weil er gut zerstören kann, weil er eng und mutig am Mann arbeitet, weil er kopfballstark ist, und weil er den Ball auch einigermaßen nach vorne spielen kann. Er wirkt gelegentlich langsam, auch gedanklich, aber trotz allem hat er seine Qualitäten. Und deswegen hoffe ich, dass ihn der HSV nicht verschenken wird – auch wenn dadurch ein (nicht zu kleines) Gehalt eingespart werden könnte.

Matti Steinmann ist auch ein Talent wie Christian Nörgaard, doch um das vielleicht größte HSV-Talent derzeit (so hieß es im Herbst immer wieder) ist es ruhig geworden. Nicht nur wegen der Verletzung zuletzt. Steinmann treibt seine schulische Ausbildung voran (auch wichtig!), konnte deswegen nicht oft mit den Profis trainieren – verlor vielleicht auch deshalb seine Form in der Regionalliga-Mannschaft. Sah ich ihn dort, dann habe ich ihn nicht allzu oft in Erscheinung treten sehen – eher war das Gegenteil der Fall. Aber, wie im „Fall Nörgaard“ gebe ich die Hoffnung noch nicht auf, vielleicht entwickelt sich da ja noch was. Vielleicht. Obwohl das schon sehr bald passieren müsste.

Milan Badelj kam, sah und siegte. Er war auf Anhieb eine große Verstärkung, und die Einschätzung, die hier bei „Matz ab“ erst vor einigen Tagen Horst Hrubesch über den Mittelfeldspieler abgab, teile ich absolut und zu 100 Prozent. Stark am Ball, hervorragendes Auge, er antizipiert großartig, und er kann den klugen, den überraschenden und öffnenden Pass spielen. Im HSV haben sie ja Angst davor, dass er schon bald von einem „Großen“ geschluckt werden könnte, doch diese Angst habe ich im Moment noch nicht. Weil Badelj da doch ein wenig Tempo fehlt – für den ganz großen europäischen Spitzen-Fußball.

Petr Jiracek hat sich leider zu einem Pechvogel entwickelt. Erst die unberechtigte Rote Karte am dritten Spieltag in Frankfurt, dann die schwere und langwierige Schambein-Verletzung das ist bitter, ganz bitter. Zumal dann, wenn man ihn immer noch bei der EM 2012 vor Augen hat, wie er durch das Mittelfeld der Tschechen wirbelte. Hoffentlich hat er seine Leidenszeit bald beendet, und bleibt er dann verletzungsfrei, dann wird er auch schon bald (und auf Dauer) eine dominierenden Rolle im HSV-Mittelfeld spielen können. Davon bin ich restlos überzeugt. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Auch bei mir.

Rafael van der Vaart ist für mich der „Retter“ des HSV. Wieso das? Werden sich jetzt sicher einige (oder viele) fragen, aber das will ich erklären. Wir alle haben uns um diesen (schwachen) HSV große (Abstiegs-)Sorgen gemacht, bevor der „kleine Engel“ wieder zurück an die Elbe gekommen ist. Als er aber wieder im Volkspark aufdribbelte, da rissen sich fortan sämtliche Mitspieler (viel mehr) zusammen, sie trainierten konzentrierter, spielten viel besser (Paradebeispiel Arslan!) – weil sich niemand eine Blöße vor dem großen „Raffa“ geben wollte. Der hätte sonst ja mal in die Runde fragen können: „Was ist das denn für einer? Wer hat den verpflichtet, was will denn der HSV mit dem?“ Van der Vaart hat für einen Ruck in diesem angeschlagenen HSV gesorgt, und das ist ihm hoch anzurechnen. Auch wenn er mich fußballerisch noch nicht voll überzeugen konnte. Er selbst hat mal in der Bild über sich gesagt: „Ich spiele bislang nur Bild-Note vier.“ Stimmt, Volltreffer! Aber das liegt auch am System, auch an den Nebenspielern. Wenn ein Rafael van der Vaart mehr grätschen muss, als sich um den Spielaufbau verdient zu machen, dann weiß man, dass etwas falsch läuft. Der Niederländer verrichtet mehr „Drecksarbeit“ als erwartet – und ihm sicher auch lieb ist. Aber das im Moment eben noch in dieser HSV-Mannschaft erforderlich. Vielleicht ändert sich das noch (oder bald?), woran ich allerdings nicht glaube – aber eigentlich war doch der „Raffa“ von dem Herrn Kühne als Spielgestalter, als Regisseur gedacht und eingekauft worden. Eigentlich. Aber im Fußball, oder auch im Fußball, kommt es gelegentlich mal anders als man denkt – und beim HSV erst recht.

So, morgen ist dann die Hamburger Offensiv-Abteilung dran – und danach wird auch über die Offiziellen (Vorstand, Trainer, AR) – wie versprochen – geschrieben. Zunächst aber wünsche ich euch und euren Lieben einen schönen vierten Advent.

Und, ganz schnell noch, auch heute wieder ein großes und herzliches Dankeschön für die viele Weihnachtspost, die Frau M. und mich erreicht hat. Ihr seid großartig, vielen, vielen Dank!

16.49 Uhr

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