Archiv für das Tag 'Steinmann'

Mein sehr und ganz persönliches HSV-Jahr

30. Dezember 2014

Liebe “Matz-abber”!

 

„Gekommen sind gute solide Spieler und tolle Talente, die einiges erhoffen lassen. Nun muss der HSV ein Spielsystem mit Wiedererkennungswert schaffen. Vergangenes Jahr hat man es nicht hinbekommen, mal drei, vier Spiele auf einem spielerischen Niveau zu agieren. Vor allem die Art und Weise vieler Heimspiele war oftmals enttäuschend für die Anhänger. Ich erwarte mehr Kontinuität im Spiel und eine kompakte Einheit, die auf dem Platz konsequent gegen den Ball arbeitet und in der Offensive aggressiv auftritt. Dafür muss auch von außen Dampf gemacht werden. Jeder Profi muss wissen, dass er in jedem Training marschieren muss. Die Mannschaft braucht Erfolgsdruck. Der Vorstand muss dies einfordern, bislang hat er sich das zu wenig getraut.“

 

Das und noch einiges mehr hat der frühere HSV-Kapitän Thomas von Heesen, heute Mitglied des Aufsichtsrates, im Sommer 2013, also vor eineinhalb Jahren, als Experte für das Fachblatt „Kicker“ über den HSV gesagt. Könnte für viele Bundesliga-Jahre des HSV gesagt sein, nicht nur im Sommer 2013 – und könnte wahrscheinlich auch für die nächsten Jahre gelten. „Def-kop.“ So würde es einer meiner Kollegen nett und freundlich formulieren.

 

Zur Erinnerung: Sieben von 17 Heimspielen gingen in der Saison zuvor 2012/13 verloren – es gab Platz sieben. 2013/14 waren es dann sogar neun Heimniederlagen, die meisten – gemeinsam mit den Absteigern Nürnberg und Braunschweig. Und nur Platz 16. Mit 27 Pünktchen – aber immerhin 51 geschossenen Toren! Und in dieser Spielzeit?

 

Der HSV tritt bislang, wenn überhaupt, weiterhin auf der Stelle. 2014 war ein Jahr zum Vergessen. Von vorne bis hinten. Aber es wird besser. Davon gehe ich verstärkt aus. Und das nicht nur deshalb, weil es ja nicht mehr schlechter gehen kann. Nein, ich vertraue der neuen Führung nach wie vor zu 100 Prozent, ich bin restlos davon überzeugt, dass Didi Beiersdorfer, Peter Knäbel, Bernhard Peters die richtigen Weichen stellen werden – und dass im Zusammenspiel mit dem Aufsichtsrat, vor allen Dingen mit den neuen Räten von Heesen (er vor allem, weil der aktuelle Fußball sein Metier ist!) und Nogly, die das Profi-Geschäft in- und auswendig kennen. Diese Meinung vertrat ich auch schon im Herbst, ich weiß, dass ich mich mit einem Blick in die Zukunft viel zu weit aus dem Fenster gelegt habe – dafür habe ich mich aber auch schon in der Print-Ausgabe des Hamburger Abendblattes entschuldigt – und entschuldige mich jetzt auch noch einmal ausdrücklich bei Euch. Im Herbst hatte ich vorhergesagt, dass ich davon überzeugt bin, dass der HSV schon vor der Winterpause nichts mehr mit der Abstiegszone zu tun haben wird. Ich habe mich ganz stark geirrt. Heute denke ich, dass der HSV bis zuletzt darum wird kämpfen müssen, die Klasse zu halten. Die Mannschaft ist erstens keine richtige Mannschaft (keine Einheit), außerdem hat sie zu wenig Qualität für diese Bundesliga. Es sind leider zu viele Traumtänzer unterwegs, die das Leben als Profi in Hamburg (!) zu sehr genießen, die dazu auch denken, dass ihnen das, was andere Profis für ihren Erfolg tun müssen, ganz einfach und nur mal so in den Schoß fällt. Das gute Leben für einen HSV-Fußball-Profi müsste hier irgendwann einmal ein Ende finden – bislang ist das noch nicht der Fall. Das sind Altlasten. Und gegen die kämpft der HSV bislang zwar an, aber so recht kommt der Club auch damit nicht von der Stelle.
Doch wie gesagt, die neuen Leute an der Spitze, die werden das schon hinbekommen. Es dauert nur eben noch etwas – im Sommer aber wird man schon sehen können, wohin der Hase namens HSV laufen wird. Dann mit den entsprechenden Zu- und Abgängen.

 

Da heute und morgen, wohl auch am 1. Januar 2015, in Sachen Zu- und Abgängen beim HSV nichts passieren wird (dürfte), werde ich heute, am für mich letzten Arbeitstag des Jahres, noch einmal meine persönlichen Highlights der vergangenen zwölf Monate zum Besten geben – negativ wie positiv.

 

Um mit den schlechten Seiten des HSV 2014 zu beginnen – in der Reihenfolge der Wichtigkeit:

 

1.) Platz 16, nur 27 Punkte in diesem Sommer – das war und ist eine Katastrophe. Und dann auch noch sieglos in der Relegation zu bleiben, ebenfalls. Dafür müssten sich noch heute alle Beteiligten schämen. Unvergessen, das geht in die HSV-Geschichte ein.
2.) Die erschreckende Fitness der Spieler im ersten Halbjahr. Im zweiten Spiel gegen Fürth, aber lange nicht nur in dieser Partie, unübersehbar. Nach einer Stunde kippten die Hamburger um wie die Fliegen. Nur Jaroslav Drobny nicht – zum Glück. Dass die Spieler nie etwas gesagt haben, wie schwach sie sich fühlten, wie schlecht sie trainiert werden – das erschüttert mich bis heute zutiefst. Dass uns, den Journalisten (vielleicht auch nur Matz ab?) die Schuld in die Schuhe geschoben wurde, weil wir den Mund gehalten beziehungsweise nichts darüber geschrieben haben, das kann ich noch in etwa nachvollziehen. Dass aber sich in dieser Saison einige Spieler offenbarten und zugaben, dass sie schlecht trainiert waren, das macht mich immer noch fassungslos. Unter der Regie von Trainer Bruno Labbadia marschierte einst der Mannschaftsrat zum Vorstand, um sich über das zu lange (!) Training (zwei Stunden und mehr) zu beschweren. Dazu waren sie, die Spieler, immerhin bereit. Aber über das viel zu lasche Training deckten alle die Mäntel des Schweigens – dabei geht es dabei um so viel, auch um das liebe Geld (Siegprämien) der Profis!
3.) Bert van Marwijk ist als Einzelperson die größte Enttäuschung für mich – und zwar in meiner ganzen 34-jährigen HSV-Reporter-Geschichte. Als der Niederländer kam, sagte er, dass er viele Angebote gehabt hätte, aber er hätte lange Zeit auf den genau richtigen und passenden Verein gewartet, und das wäre dann der HSV für ihn gewesen. Der HSV? Der kann nur aus einem Grunde sein Favorit gewesen sein: Hier saßen Amateure an den entscheidenden Stellen, mit denen man als alter Hase seine Spielchen treiben konnte. Ein teurer Spaß für den HSV! Ein sehr teurer Spaß sogar. Und mit einer deftigen Aussage geht van Marwijk nicht nur in die Hamburger Fußball-Geschichte ein: „Es ist wissenschaftlich schon lange erwiesen, das einmal ein richtig gutes Training am Tag reicht.“ Mir ist nicht bekannt, ob sich damit der deutsche Fußball, hier besonders die Trainer-Ausbildung in Köln, mal eingehend auseinander gesetzt hat. Nein, van Marwijk ist für mich die größte HSV-Enttäuschung aller Zeiten, und es wird lange, lange dauern, bis er eines Tages nur auf Position zwei dieser Liste zu finden sein wird.
4.) Enttäuschend auch deshalb, da gäbe es sicher sehr viel zu nennen, weil van Marwijk auch Spieler wie Quasim Bouy und Ola John hierher holen konnte – und durfte. Wer erinnert sich noch an diese Herren? Sie sind nie wirklich in Hamburg angekommen. Sie blockierten aber Pöstchen, auf denen andere, hungrige und willigere Spieler hätten stehen können, um den HSV vor der Relegation zu bewahren.
5.) Es gibt ja noch so viele Enttäuschungen, die kommen auch noch, aber an fünfter Stelle liegt bei mir, das werden viele sicherlich anders sehen, das Stuttgart-Spiel vom 16. Dezember. Diese 0:1-Niederlage im Volkspark hat mich aus den Schuhen gehauen, das muss ich gestehen. Weil die Mannschaft da unterirdisch gespielt hat, eigentlich gar nicht auf dem Platz war – da haben die Herren nicht mal Dienst nach Vorschrift gespielt, da waren sie auf dem Rasen gar nicht vorhanden. Grausam. Der schlimmste Kick nicht nur in diesem Jahr, sondern seit Jahren.
6.) Das Leihgeschäft mit Jonathan Tah zu Fortuna Düsseldorf. Da hat der HSV mal ein Talent, um das der Club von vielen Vereinen beneidet wird, und keiner kann damit etwas anfangen. Und erst recht kein Trainer. Das ist einfach nur bedauerlich. Ein Fauxpas, passend zum HSV. Zum alten HSV.
7.) Die 0:3-Niederlage am 26. Januar im Volkspark gegen Schalke 04. Frisch aus dem Trainingslager gekommen, dort hatte der Trainer noch groß getönt – von wegen: „Daran lassen wir uns messen, nur darauf lag der Fokus unserer Vorbereitung, und, und, und.“ Hohle Phrasen ohne Ende. Und dann ein solcher Kick!
8.) Passend dazu die schlimme 0:3-Pleite daheim gegen Hertha BSC am 8. Februar. Wahnsinn, wie schlecht es geht!
9.) Und noch schlimmer wurde es am 15. Februar. Der HSV gewährte van Marwijk noch eine Galgenfrist – unfassbar. So wurde noch ein wichtiges Spiel verschenkt, das in Braunschweig. Mit 2:4 ging der HSV ein, weil Rene Adler einen gebrauchten Tag zufassen bekommen hatte. Mit einem neuen Trainer wäre es vielleicht anders gelaufen – und dann auch eventuell ohne Relegation. Aber die Verantwortlichen scheuten den zweiten Trainerwechsel innerhalb einer Saison, dabei war er unausweichlich. Und folgte auf dem Fuße.
10.) Hakan Calhanoglu ist natürlich ebenfalls enttäuschend zu nennen, weil er erst verlängert, sogar was von Zweiter Liga faselt – und dann (s)einen Wechsel erpresst. Ja, wenn’s ums Geld geht. Manieren wie im alten Rom. Schlecht – oder wahrscheinlich gar nicht – beraten, der junge Herr.
11.) Ivo Ilicevic kam zur Saison 2011/12. Hätte seit dieser Zeit 119 Erstliga-Spiele für den HSV bestreiten können, brachte es aber nur auf 46 Einsätze. Gefühlt waren es für mich sogar noch viel weniger. Er konnte die Erwartungen, die damals in ihn gesetzt wurden, nie gerecht werden. Sein Vertrag endet im Sommer 2015, und damit ist sein Abstecher an die Elbe dann auch beendet.
12.) Jacques Zoua geht auch als Flop in die HSV-Geschichte ein, als einer von vielen, vielen, vielen. Der Stürmer mit dem bulligen Körper blieb hier alles schuldig, alles.
13.) Lasse Sobiech ebenfalls. Der Innenverteidiger kam von Borussia Dortmund, er musste also ein guter Spieler sein – Klopp kann doch nicht irren. Oder? Er irrte. Sobiech schaffte es nie auch nur annährend an die Stamm-Formation.
14.) Mirko Slomka war der glücklose Nachfolger von van Marwijk. Der erfahrene Bundesliga-Trainer versuchte es mit Härte, was zur Folge hatten, dass die Spieler schon beim Training im Volkspark umkippten – vor Schwäche. Slomka verwaltete das Elend bis in die Relegation, aber er schaffte es nicht, auch nur etwas mehr aus dieser Mannschaft (die keine war) heraus zu kitzeln. Dieses Scheitern umschrieb er aber stets mit den schönsten Sätzen. Meistens in die Kameras der hiesigen Fernsehstationen gesprochen, denn das war seine absolut beste Disziplin. Wann immer der Trainer ein rotes Licht einer Kamera sah, sprach er lächelnd in das Mikrofon hinein. Rotes Licht aus – Lächeln beendet. Slomka bergab sich nie auf eine Ebene mit seinen Spielern, er stand meistens am Rand, und das war nicht nur bildlich ein riesiger Fehler. Für den er wahrscheinlich gar nichts konnte – es ist sein Naturell. Dass er den HSV nach der Trennung verklagte, das passte haargenau – wie Faust auf Auge.
15.) Pierre-Michel Lasogga tauchte mit Beginn dieser Saison ab. Ein mickriges Törchen – von sechs. Nicht von neun, denn da gab es zwei Elfmeter und ein Eigentor. Lasogga wurde für viel, viel Geld (8.5 Millionen Euro!) von der Hertha losgeeist, in Berlin feiern sie den Tag, als dieser Vertrag unterschrieben war, noch jeden Tag zwischen 13 Uhr und 14 Uhr – dann ist für die Club-Führung Herumwälzen am Boden Pflicht. Lasogga unterdessen lässt ja alles kalt, wie er uns alle wissen ließ, er liest nichts, er hört nichts – und kennt nicht mal einen HSV-Helden wie Uli Stein. Ja, so ist die heutige Fußball-Profi-Welt.
16.) Erstes Heimspiel der Saison 2014/15, die Punkte gegen den Aufsteiger Paderborn hatte fast jeder HSV-Fan seinem Club schon gutgeschrieben. Und dann dieses Fiasko! Dieses unfassbare 0:3-Debakel. Wahrscheinlich hatten die HSV-Spieler auch schon vorher gewonnen, wer ist denn schon der SC Paderborn?
17.) Die Verpflichtungen des Sommers – abgesehen von Valon Behrami (und wohl auch Cleber Reis). Nicolai Müller, Zoltan Stieber, Lewis Holtby, Julian Green und Matthias Ostrzolek können ganz sicher viel, viel mehr, als sie bislang gezeigt haben. Sicherlich kamen sie in eine Mannschaft, die nicht funktionierte, aber sie hätten in diesem halben Jahr schon einiges dazu beitragen können, dass diese Mannschaft endlich wie eine Einheit funktioniert. Haben sie aber nicht. Die Hoffnung stirbt zuletzt, das gilt aber auch für sie.

 

Dann gibt es aber auch noch einige positive Dinge, die in diesem Jahr passierten – und durchaus erwähnt werden dürfen:

 

1.) Das Zaubertor von HW4 am 4. April zum 2:1-Sieg gegen Leverkusen steht für mich an erster Stelle. Ein Tor des Monats, ich sehe das Netz im Norden noch heute wackeln, so hat Heiko Westermann die Kugel damals ins Tor gezimmert. Ronaldo oder Messi hätten es nicht schöner machen können. Und dann ausgerechnet Westermann, dem hier bekanntlich einige jedwede hohe Fußballkunst absprechen . . .
2.) Der unfassbar schöne 3:0-Sieg am 2. Februar gegen Borussia Dortmund – Slomkas Einstand. Petr Jiracek, Pierre-Michel Lasogga und Hakan Calhanoglu mit einem sagenhaften Freistoß von der Mittellinie sorgten endlich einmal wieder für einen großen Jubel-Tag im Volkspark. Danach träumten viele schon wieder vom europäischen Fußball – Europapokal, Europapokal . . . An diesem Tag spielte der HSV zwar tatsächlich mal wieder „international“ – aber in dieser Rückrunde war es auch, leider, leider, das einzige Mal. Von nun an ging’s bergab.
3.) Das 0:0 gegen den großen FC Bayern München, der als beste Vereinsmannschaft der Welt gilt. Es war das Debüt von Trainer Joe Zinnbauer, es nur mit einem Sieg noch besser verlaufen können. Immerhin zeigte die Mannschaft, dass sie es könnte – wenn sie nur will. Leider will sie nicht immer.
4.) Die Siegesserie der HSV-Zweiten, die in der Hinserie ungeschlagen blieb. Viele tolle Talente, die inzwischen schon bei den Profis mitmischen, haben für diesen steilen Aufstieg des HSV-Talentschuppens gesorgt – und natürlich Trainer Joe Zinnbauer, der mit Härte und Akribie trainierte.
5.) Jaroslav Drobny musste plötzlich und unerwartet für Rene Adler zwischen die Pfosten, und dieser Wechsel erwies sich als Glücksmoment für den HSV. Der Tscheche war in den Spielen gegen Fürth der beste und überragende Mann, er allein hielt dem HSV die Erste Bundesliga – das sollte in dieser Stadt niemand vergessen. Schön ist, dass sich daran auch alle meine Journalisten-Kollegen halten, obwohl Drobny seit Jahren beharrlich schweigt (außer an einem Tag, als er den Dolmetscher für Jiracek „spielte“) – aber die riesigen Leistungen in der Relegation (und davor und danach) finden bei allen Anerkennung. Und das ist auch gut so!
6.) Pierre-Michel Lasogga schoss im ersten Halbjahr viele Tore für den HSV – und er markierte auch das wichtige 1:0 auswärts in Fürth – der Anfang der Rettung. Das muss natürlich Erwähnung finden, weil es das wichtigste Tor des Jahres war.
7.) Josef „Joe“ Zinnbauer kam als total unbeschriebenes Blatt zur Profi-Abteilung, legte sich im ersten Training gleich mit Valon Behrami an (schickte ihn zum Abkühlen vom Platz) und versprach, dann Spieler der Zweiten einzusetzen, wenn die von der Ersten nicht so funktionieren, wie er (der Coach) es will. Der Joe hielt Wort. Und nicht nur das, er arbeitet auch, er lässt sogar an manchen Tagen zweimal trainieren, und er spricht mit seinen „Jungs“, verteilt sogar so manches Lob beim Training – das war in Hamburg total abhanden gekommen. Tut aber gut. Zinnbauer hat hier frischen Wind reingebracht, keine Frage, und er wird sich sicherlich auf den ersten, ganz, ganz kleinen Erfolgen nicht ausruhen. Im Gegenteil.
8.) Der 1:0-Sieg gegen „Lieblings-Gegner“ Borussia Dortmund am 4. Oktober. Wenn der HSV ums Überleben kämpft und ihm das Wasser schon bis zum Hals steht, dann muss eben „Kloppo“ kommen und helfen. Schön war es, und total unerwartet auch. Damals jedenfalls. Heute wissen wir, dass auch die Abstiegskonkurrenz gegen den Champions-League-Teilnehmer gewinnt – weil Dortmund selbst ums Überleben kämpfen muss.
9.) Valon Behrami kam aus Neapel, sah das Elend hier – und übernahm sofort Verantwortung. Er kämpft, geht mächtig zur Sache, und er macht, wenn es sein muss, auch kräftig mal den Mund auf – um den Kollegen die Meinung zu geigen. Gut so. Sehr gut sogar. So einer hat hier gefehlt. Wenn der Schweizer nun noch als Aufbauspieler zulegen würde – dann müssten sich die Verantwortlichen Gedanken darüber machen, in welcher Höhe die Ablösesumme bei ihm angesiedelt werden soll.
10.) Johan Djourou trat in seinen ersten HSV-Spielen wie das Sicherheitsrisiko in Person auf. Schweizer Nationalspieler? Sogar aktueller Nationalspieler und WM-Teilnehmer? Das konnte nicht sein! Unter Mirko Slomka wurde Djourou Vize-Kapitän und steigerte sich in Sachen Leistungen enorm. Nationalspieler? Aber ja, jetzt sieht es jeder. Und so sollte es möglichst bleiben.
11.) Artjoms Rudnevs spielte, wie bei fast allen HSV-Trainern, auch bei Joe Zinnbauer zunächst nur eine unwesentliche Nebenrolle – wenn überhaupt. Aber er moserte nicht, er fügte sich und gab im Training Gas. Das fand Anerkennung – auch beim Trainer. Die Fans lieben den Letten ohnehin. Auch wenn er gelegentlich noch den einen oder anderen Stockfehler präsentiert.
12.) Die junge Garde mit Ronny Marcos, Mohamed Gouaida und Ashton Götz an der Spitze, diese jungen Leute haben bewiesen, dass sie durchaus talentiert sind. Und auch da sind, wenn sie ihre Chance erhalten. Mit Matti Steinmann, Gideon Jung, Tolcay Cigerci, Philipp Müller, Ahmet Arslan, Alexander Brunst gibt es noch mehr Namen, mit denen beim HSV gespielt wird – und so mancher Name wird noch folgen. Es gibt wieder Talente beim HSV, das ist der richtige Weg. Und dabei fällt mir ein, was Jürgen Wähling (ehemals HSV-Scout und zuletzt Gast bei „Matz ab live“) mir nach der Sendung sagte: „Ich war kürzlich beim HSV und sah mir das Training der B-Jugend an. So viele großartige Talente, wie sie da zur Zeit herumlaufen, habe ich beim HSV noch nie gesehen, da wächst ein Nachwuchs heran, der noch, wenn er im Club gehalten werden kann, für Furore sorgen wird.“ Hoffentlich behält Wähling Recht.
13.) Mit Heiko Westermann begann die positive Liste, und sie endet auch mit ihm. Ich ziehe den Hut vor HW4 wie er das Abenteuer HSV bislang gemeistert und ertragen hat, von dieser Sorte Spieler hat der HSV in den vergangenen Jahrzehnten nicht viele gehabt. Und, das müssten wohl auch seine hartnäckigsten Kritiker zugeben, seit seinem dicken „Klops“ gegen Bayern München (im Pokal) hat er sich keinen weiteren „Klops“ mehr erlaubt – und das nicht nur, weil er verletzt ausfiel. Wenn er jetzt das Angebot des HSV zur Vertragsverlängerung annehmen würde, dann würden bei mir beide Daumen nach oben gehen. „Ich bin HW4, Du ist HW4, Ihr seid HW4“ – oder so ähnlich. Ein Mann, der Verantwortung übernimmt. Und zwar auch dann, wenn es unbequem sein oder werden könnte.

 

So, das war es aus der sportlichen Abteilung des HSV, was mich in diesem Jahr sowohl negativ als auch positiv berührte. Die Club-Führung und den Sponsor, Mäzen oder Investor habe ich dabei bewusst ausgelassen. Vieles davon muss sich ja auch erst noch entwickeln . . .

 

Dann noch etwas am Rande – für Leute, die alles, wirklich alles den HSV betreffend interessiert. Mein Kollege Maik Nöcker, der bei und für „Sky“ arbeitet, hat eine kleine, aber sehr feine Interview-Reihe, die heißt „meine 11“. Er hat dieser Tage ein Gespräch mit Lewis Holtby geführt, in dem ging es um Musik, aber auch um den Menschen Holtby. Es wurde ein sehr persönliches Interview, in dem der HSV-Profi neben anderen Dingen auch über seine Kindheit, seinen ersten Besuch im Stadion, den Einsatz als Kabinen-DJ beim HSV und dass er im Karneval als Furz-Kissen gehen will, sprach. Hört sich doch vielversprechend an! Hier der Link dazu:

Ich möchte auch noch auf meinen Kollegen Oliver Wurm hinweisen, der wieder einmal super „zugeschlagen“ hat. Ihr kennt ihn aus dem Fernsehen (Doppelpass) und von diversen Matz-ab-live-Sendungen. Der Mann hat schon einige Illustrierte hervorgebracht – und ist nun auch wieder mit einem großartigen Werk auf den Markt gekommen. „54749014“ und „Mehr als ein Spiel“ heißt es, dabei geht es in erster Linie um das 7:1 im WM-Halbfinale gegen Brasilien. Dem irren 7:1, dem unvergesslichen 7:1. Eine tolle Idee, die Olli Wurm wieder einmal hervorragend umgesetzt hat. Herzlichen Glückwunsch! Es kostet 4,90 Euro und ist mit Sicherheit ein passendes Nach-Weihnachts-Geschenk.

 

Es folgt noch ein eher bürokratischer Hinweis, aber da ich zuletzt schon vielfach „gelöchert“ worden bin, wie was läuft, hier eine formelle Erklärung zur kommenden Transferperiode:

 

Im deutschen Profifußball ist das Transferfenster II jeweils vom 1. bis 31. Januar geöffnet. Aber es gibt Ausnahmen: Fällt der Stichtag, wie etwa diesmal Sonnabend, 31. Januar, auf ein Wochenende, gibt es eine Verlängerung bis zum folgenden ersten Werktag. Das ist aktuell dann der 2. Februar 2015 (Montag). Bis 12.00 Uhr müssen alle Spieler, die noch in die Bundesliga oder 2. Bundesliga wechseln wollen, auf der Transferliste der Deutschen Fußball Liga vermerkt sein. Bis 18.00 Uhr müssen der DFL die entsprechenden Transferunterlagen vorliegen. Entsprechende Regeln gelten für den Bereich der 3. Liga und den Unterlageneingang beim DFB. Die Wechsel-Zeitfenster dauern regelmäßig vom 1. Juli bis 31. August für die Transferperiode I und vom 1. bis 31. Januar für die Transferperiode II.

 

Jetzt habe ich fertig. Ich möchte mich zum Abschluss des Jahres bei Euch bedanken, für Eure Treue, für Eure Unterstützung, für alles. Ihr seid „Matz ab“, Ihr seid der Erfolg dieses Blogs, dafür danke ich Euch von Herzen. Bitte weiter so!

 

Euch und Euren Lieben wünsche ich für den Jahreswechsel einen wunderschönen Rutsch, macht es nicht zu doll (!), von wegen „Allohol“, und seid auch 2015 wieder so großartige „Matz-abber“. Habt Erfolg, viel Glück in der Liebe und bleibt vor allem gesund – das Wichtigste überhaupt.

 

Bei der Gelegenheit möchte ich mich auch bei meinen beiden Mitstreitern bedanken, nicht minder herzlich. Lars Pegelow und Markus „Scholle“ Scholz haben ein großartiges Jahr hinter sich, in dem sie viele, viele hervorragende Matz-ab-Berichte abgeliefert haben. Das war eine Eins! Vielen Dank dafür. Und auch für Euch gilt: weiter so! Lars Pegelow (NDR 90,3) schreibt immer sehr inhaltsreich und fundiert, „Scholle“, der sich morgen zum Jahresabschluss noch einmal mit einer interessanten Geschichte zu Wort meldet, hat sich in diesem Sommer selbst übertroffen – an „Matz ab“ ist, dank seiner Leistung, keine Neuerwerbung des HSV vorbeigegangen. Super! Das ist allein deswegen schon super, weil es in diesen Zeiten wahrlich unwahrscheinlich schwer geworden ist, an solche Nachrichten heran zu kommen – „Scholle“ ist es immer gelungen. Bravo! Und danke dafür.

 

Kommt gut rein – und nochmals alles Gute für Euch!
Dieter

 

19.27 Uhr

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