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Es stimmt hinten und vorne nicht!

15. März 2015

„Jetzt müssen wir am Freitag gegen Hertha BSC gewinnen, das ist sehr wichtig. Wir müssen zeigen, dass wir eine Mannschaft sind.” Gesagt hat es Dennis Diekmeier, aber es dieses Zitat könnte von jedem HSV-Spieler und von jedem Offiziellen stammen. Es ist fünf vor Zwölf, obwohl ich gar nicht von der „ewigen Uhr” anfangen möchte. Neun Spiele hat der HSV noch, gegen Berlin, in Leverkusen, gegen Wolfsburg, in Bremen, gegen Augsburg, in Mainz, gegen Freiburg, in Stuttgart und gegen Schalke 04. Und einige Experten hatten schon vor Wochen errechnet, dass der HSV fünf, mindestens aber vier Siege benötigt, um zu überleben. Die Spiele aber werden immer weniger, und Hamburger Siege stellen sich partout nicht ein. Wo wird das enden? Immer mehr Fans, Experten und Ehemalige sind fertig mit den Nerven und behaupten: „Diesmal steigt der HSV ab!” Zumal sich die Entwicklung des Vorjahres noch nicht abzeichnet. Damals verloren Braunschweig und Nürnberg immer einträchtig mit, jetzt tun es die Stuttgarter noch, und Paderborn sackt immer tiefer ab – aber ansonsten wehren sich die Abstiegskandidaten 2015 wesentlich besser – als der HSV.

 


 

 


„Wir sind wieder ein Stück weitergekommen, auch wenn die Ergebnisse nicht passen. Aber die werden irgendwann kommen, da bin ich mir ganz sicher.” Hat HSV-Trainer Joe Zinnbauer abends bei seinem zweiten Auftritt im ZDF-Sportstudio gesagt. Eine mutige Aussage, denn zu Buche stand und steht ja immerhin die 1:3-Niederlage in Augsburg.

 

Dieses „Dokument” habe ich heute per Zufall entdeckt. Es stammt vom 29. November 2014. Die Ergebnisse stimmen immer noch nicht, und es fällt mir persönlich schwer, daran zu glauben, dass sie noch einmal besser werden. Bei 16 geschossenen Toren! SECHSZEHN! In 25 Spielen. Ich sah gestern noch die Schlussphase von Dortmund gegen Köln (0:0). In der Schlussphase des Spiels fuhren die „Geißböcke”, denen nachgesagt wird, dass sie mauern würden, einen mustergültigen Konter-Angriff, wie ihn der HSV nicht hinbekommen würde. Sechs Kölner liefen im Sprinter-Tempo gegen den BVB-Strafraum an, sechs! Ich muss es wiederholen: sechs! Und Dortmund hat im Gegenzug kein Tor geschossen (logisch, bei 0:0), aber der BVB schoss auch deshalb kein Tor, weil alle Kölner – kurz vor Schluss – im Sprinter-Tempo wieder hinten waren. So geht Fußball. Beim HSV läuft meistens nur einer nach vorne, das ist der leidgeprüfte Ivica Olic, der arme Teufel – und die anderen sehen meistens zu und wünschen viel Erfolg. Warum sollten sie auch mit nach vorne laufen, der Ball geht doch gleich wieder verloren. Dann kann man auch hinten bleiben und getrost auf den nächsten Angriff des Gegners warten.

 

Nein, meine Herren, es stimmt hinten und vorne nicht. Vorne ganz offensichtlich, aber hinten deswegen, weil es kaum Unterstützung für den Einzelkämpfer dort vorne gibt. Sechszehn Tore: Das muss man sich mal vorstellen. In 25 Spielen. Das ist doch unfassbar. Und zu diesem Dilemma gesellt sich dann auch noch viel Pech. Hier ab und zu mal ein „falscher Elfmeter” (wie zum Beispiel in Augsburg und Frankfurt), dort mal ein „richtiger” Strafstoß mit anschließendem Platzverweis – und wer weiß schon, was es in Zukunft noch alles für und gegen den HSV geben wird? Auch an Verletzungen? Immer wieder aufbrechende Blessuren, oder auch neue, wie jetzt zum Beispiel Heiko Westermann. Der Routinier erlitt in Sinsheim eine Innenbandverletzung im Knie. Und eine solche Verletzung klingt nicht nur nicht gut, sie dürfte auch nicht schnell zu „beheben” sein. Zumindest das „Endspiel” gegen Hertha dürfte „HW4″, der in Sinsheim sein 150. Bundesliga-Spiel mit der Raute auf der Brust absolvierte, schon einmal verpassen.
Wobei ich mir jeglichen weiteren Kommentar verkneife, das darf sich ein jeder hier selbst eintragen . . .

 

Der HSV, das nur mal so zur Erinnerung, ist die schwächste Auswärtsmannschaft der Liga. Zwei Siege, neun Pünktchen und sechs (!) zu 24 Törchen. Wir schreiben inzwischen März 2015 – wer soll denn aus der Bundesliga absteigen? Die Tabelle lügt nicht, heißt es immer so schön. Aber, und das sei nun mal zum Öffnen der Augen angeführt, aus welchem Stoff sind eigentlich Absteiger gebaut? Gerade jetzt, zu diesem Zeitpunkt der Saison, wo es mit allen Entscheidungen enger, enger und enger wird, darf das ja mal gefragt werden. Und mal ehrlich, warum ist das Hertha-Spiel denn jetzt auf einmal so wichtig? Hoffenheim wäre auch mal ganz wichtig gewesen. Und die Gegner zuvor wären auch alle schon ganz, ganz wichtig gewesen. Wie oft haben wir das schon gehört, dass das alles so wichtig ist. Und dann? Passiert doch meistens nichts. Wie oft stand er HSV in der jüngeren Vergangenheit schon vor ganz wichtigen Spielen – und hat dann doch nichts geholt. Unzählige Male gab es das schon. Unzählige Male. Ich kann und mag es nicht mehr hören.

 

Natürlich hatte der HSV in Sinsheim das Pech, dass Jaroslav Drobny früh die Rote Karte gesehen hatte. Es war der zweite Platzverweis eines HSV-Torhüters seit de, 17. September 1994, als Uli Stein beim 1:1 gegen Bayern München Rot gesehen hatte. Die Statistik damals in den Spielen davor liest sich zudem ziemlich gruselig, das nur mal so nebenbei: Gelb
-Rot für Andreas Sassen (am 19. August gegen Stuttgart), Gelb-Rot für Valdas Ivanauskas (am 3. September gegen den KSC) und Rot für Michael Kostner am 10. September im Pokalspiel gegen Schalke – und danach Stein. Der hatte bekanntlich davor schon einmal „voll“ Rot gesehen, im DFB-Supercup gegen Bayern München (18. Juli 1987, 1:2 verloren), als er die „Kobra“ schlug – Jürgen Wegmann.

 

Ich sprach es ja bei „Matz ab live“ kurz an, es sei noch einmal erwähnt: Am 28. Januar 2001 verlor der HSV daheim gegen Hertha BSC 1:2. Rob Maas sah in der 28. Minute Rot, Jörg Butt verwandelte den Elfmeter zum 1:0 für den HSV – Halbzeit. Dann stellte Berlins Trainer Jürgen Röber um, von Vierer- auf Dreierkette, hatte dadurch einen Mann mehr im Mittelfeld – und der HSV verlor noch 1:2. Unterstützt auch durch eine Rote Karte für Rodolfo Cardoso (77.) – zu diesem Zeitpunkt hieß es 1:1. Aber, und das ist die Moral von der Geschicht, es geht doch, auch aus einer solchen schweren Situation noch „etwas“ zu machen.
Man muss es nur wollen? Nein, so einfach ist es dann doch nicht. Man muss auch die nötige Qualität haben, das trifft es wohl eher.

 

Und daran hapert es beim HSV gewaltig. Zwei mickrige Chancen hatten die Zinnbauers, die ja immerhin noch ohne Marcell Jansen, Slobodan Rajkovic, Marcelo Diaz, Nicolai Müller, Pierre-Michel Lasogga, Johan Djourou und Maximilian Beister auskommen mussten, in Sinsheim. Zwei. Ganze zwei. Nach einer Ecke kam Cleber zum Kopfball, Baumann hielt (61.). Und kurz vor Schluss, unmittelbar vor dem 0:3, zog Zoltan Stieber aus 16 Metern ab, traf aber genau TSG-Keeper Baumann. Ansonsten null Chancen.

 

„Anderen Mannschaften in Unterzahl wäre es nicht anders gegangen, als uns heute”, befand der für Drobny eingewechselte Rene Adler, befand zur misslichen Tor-Lage seines Teams aber auch: „Wir müssen auch mal einen machen, dann nehmen wir halt ein 1:1 mit. So machen wir blind auf und verlieren das.” Und zu diesem schwierigen Thema äußerte sich auch Joe Zinnbauer, der nach dem Spiel dem ZDF sagte: „Wichtig ist, dass die Tore in den wichtigen Spielen fallen. Am Freitag gegen Hertha BSC, da muss ein Tor fallen, und wenn wir dann keines bekommen, dann hätten wir schon mal drei Punkte mehr auf dem Konto . . .“ Wenn wir dann keines bekommen. Jawollo. Wenn.

 

Aber das ist alles Zukunftsmusik. Erst einmal schwebt hier noch ein, zwei Tage Hoffenheim durch den Volkspark, und das ist schlimm genug. „Da geht man natürlich enttäuscht raus. Die Situation ist nach wie vor nicht gut”, sagte HSV-Sportdirektor Peter Knäbel. Zwei Pünktchen Vorsprung auf den Relegationsplatz, nur zwei Pünktchen. Vor dem SC Paderborn, von dem sein Trainer Andre Breitenreiter nach der Niederlage in Frankfurt gesagt hat: „Heute haben wir gespielt wie ein Absteiger.“ Der Aufsteiger wandelt, zum Glück für den HSV (?), auf den Spuren von Nürnberg und Braunschweig. Ich glaube aber immer noch nicht, dass Stuttgart dort unten bleibt. Ich traue es Huub Stevens nach wie vor zu (und bin da ja in einem Boot mit den VfB-Verantwortlichen), dass der die Schwaben noch rettet. Denn eines muss ja festgestellt werden: So schlecht, wie es das 0:4 besagt, waren die Stuttgarter in Leverkusen nun wirklich nicht. Im Gegenteil, irgendwie habe ich nach wie vor das Gefühl, dass der VfB noch ein ganz gute Offensive hat . . .
Und der HSV hat eben keine. Das muss man so sehen – bei nur 16 Dingern. Knäbel sagt vielsagend über die Freitags-Partie gegen die Berliner: „Da müssen wir das machen, was nötig ist – nämlich den direkten Konkurrenten zu Hause schlagen. Gegen einen direkten Konkurrenten haben wir aber nicht immer überzeugt . . .” Leider ist es so. Leider, leider. Deswegen fügt Knäbel auch hinzu: „Dieses Spiel ist das bisher wichtigste Spiel in der Rückrunde für uns.”

 

Stimmt. Und als HSV-Fan kann man nur hoffen. Trainer Zinnbauer aber weiß schon, wie es mit einem Dreier klappen könnte: „Ich hoffe, dass einige Verletzte zurückkommen. Dann werden wird das Ding schon hinkriegen.” Der HSV-Coach hatte sich in Sinsheim nach der Pressekonferenz kurz verlaufen, war statt in die HSV-Kabine in den TSG-Fanshop gegangen. Seine scherzhafte Erklärung: „Ich wollte noch ein paar Fan-Artikel kaufen.” Aber so gut war Hoffenheim doch wirklich nicht. Ich hätte es gerne mal gesehen, wie das Spiel bei elf gegen elf ausgegangen wäre. Aber es ist müßig, darüber zu lamentieren oder zu spekulieren, es ist wie es ist.

 

Und unter dem Strich ist es schlimm. Schlimm bestellt um den Dino. Obwohl, es gibt doch drei kleine Aspekte, eigentlich Aspektchen, die irgendwie einen kleinen Hauch von Optimismus versprühen, die auch etwas versöhnlich (?) stimmen (könnten):

1.) Rene Adler zeigte nach seiner Einwechslung eine starke Leistung, er verhinderte eine noch höhere Niederlage. Und er unterstrich dabei seine Ansprüche, wieder als Nummer eins ins Tor des HSV zurückkehren zu wollen. Nach dieser Vorstellung in Sinsheim muss man ihm bestätigen, dass er wieder auf einem guten Weg ist, zumal Drobny nach seinem Rot ja wohl mindestens für ein Spiel gesperrt werden wird.

2.) Lewis Holtby „turnte“ zwar nur einige Minuten über den Sinsheimer Rasen, aber in dieser kurzen Zeit machte er einige gute Sachen. Das macht (mir) Mut. Auch wenn er nach der langen Zwangspause natürlich noch nicht wieder in Form sein kann, das ist schon klar. Dennoch ist auch er einer, auf den die HSV-Anhänger noch hoffen dürfen. Ich hoffe mit. Aber ganz kräftig sogar.

3.) Großartig war, dass die HSV-Fans ihr Team in Sinsheim mit Beifall verabschiedeten. Das ist doch mal ein Zeichen. Super! Vielleicht ist das ein Anreiz für alle, ihren Lieblings-Club in den restlichen Spielen so zu unterstützen, wie es sich für einen „richtigen“ Fan gehört, anstatt eigene Spieler auszupfeifen. Ich wiederhole mich in diesem Punkt gerne: Jetzt muss alles dafür gegeben werden, damit der HSV „drin“ bleibt. Alles. Gepfiffen, gemeckert oder verurteilt darf dann im Sommer werden, dann ist genügend Zeit dazu da – es findet ja keine WM oder auch nur eine EM statt. Deswegen war der Beifall der „Mitgereisten“ eine echte Wohltat – mehr davon. Bitte, bitte mehr davon. Auch wenn es mitunter, bei der Art des Fußballs, der vom HSV dargeboten wird, schwerfällt.

 

Gefragt wurde ich seit gestern um 17.20 Uhr oftmals nach Rafael van der Vaart. Der „kleine Engel“ schmorte 90 Minuten auf der Ersatzbank. Ich muss immer noch gestehen, dass ich mir (es ist meine ganz persönliche Meinung, aber die will so mancher hier ja auch hören) wünschen würde, dass „Raffa“ wieder in dieses HSV-Team zurückkehrt. So schlecht, dass er in dieser gelegentlich richtig schlechten Mannschaft noch abfallen würde, ist er gewiss nicht. Er weiß immer noch, was er mit der Kugel am Fuß zu tun hat. Und gerade jetzt, wo es im Abstiegskampf um fast schon alles geht, ist auch ein Tick Erfahrung gefragt. Schnelligkeit hin, Langsamkeit her. Bekommt van der Vaart genügend Unterstützung von seinen Kollegen, und ich meine damit nicht nur die läuferische oder kämpferische Unterstützung, sondern auch die moralische, dann wird er es allen noch zeigen, dass er es nicht verlernt hat. Davon bin ich überzeugt, auch wenn das natürlich einige, etliche oder viele inzwischen längst anders sehen.

 

Zum Schluss möchte ich noch einmal in die Vergangenheit gehen. Der HSV hat ja schon oft genug mit dem Rücken zur Wand gestanden, wo wie jetzt. Immer wieder zog der Club noch den Kopf aus der Schlinge. Und ich muss, wenn ich daran denke, immer wieder an Sascha Jusufi denken. Der HSV-Mittelfeldspieler war in der Saison 1989/90 zwar kein Kapitän, er gehörte aber zum Mannschaftsrat, und er rüttelte wochenlang seine Mitspieler auf, schärfte alle Sinne für den Abstiegskampf. Bei den Spielen, im Training und drumherum. Der HSV stand am 29. Spieltag an vorletzter Stelle, lief dann aber noch auf Platz elf ein – fünf Punkte besser als der erste Absteiger (Waldhof Mannheim). Jusufi prägte damals ein Motto, dass heute, bei der heutigen Generation von Profis, wohl kaum noch Gehör finden würde. Er sagt immer und immer wieder: „Ich werde mir hier den Hintern aufreißen, ich werde alles für den HSV geben, und das erwarte ich auch von jedem meiner Kollegen, denn ich möchte nicht in der Reihe jener Spieler stehen, die erstmalig für den Abstieg des HSV in die Geschichtsbücher eingehen.“ Aber juckt das heute noch einige Spieler? Ich glaube nicht. Dann denke ich kurz mal wieder an jene Kicker, die vor einem Jahr nach Hamburg ´geholt wurden, die aber nie ankamen, die eigentlich und bestimmt nie wussten, für welchen Verein sie da jetzt die Knochen hinhalten sollen: Ola John und Quasim Bouy. Und von diesen Johns und Bouys gibt es heute, allgemein in der Bundesliga, genügend Vertreter. So irre ist das Fußball-Geschäft inzwischen geworden.

 

Fast zum Schluss möchte ich mit dem „Schneckenrennen” aussteigen. Das „Rennen“ der diesjährigen Abstiegskandidaten kommentierte Joe Zinnbauer in Sinsheim dann doch noch mit einem Schuss Humor: „Wenn man unten drin hängt, ist es manchmal gut, wenn es beim Schneckentempo bleibt. Sonst würden uns andere überholen.” In diesem Sinne, hofft darauf, dass die alte Dame aus Berlin am Freitag ihre Zähne in der Schublade lassen wird.

 

Dann möchte ich mich noch einmal für die Panne mit „Matz ab live“ entschuldigen, und zwar ganz, ganz herzlich. Wenn einer stirbt bei einer solchen Vorstellung, dann bin ich das. Das möge man mir glauben. Ich habe leider erst nach dieser Nicht-Sendung davon erfahren, und dann bin ich immer so am Ende, dass ich nichts mehr sehen, hören und schreiben will. Nur weg, nur weg vom Ort des Grauens. Tut mir leid, dass wir Euch so lange in Unwissenheit gelassen haben, es soll nicht wieder passieren. Aber da bleibt mir – wie in der oben ausführlich angeführten Sache – auch nur das Prinzip Hoffnung

Ich habe aber volles Verständnis dafür, wenn zum Beispiel der Herr „Scorpion” geschrieben hat:

„@ Mods, @ Dieter@ Scholle.
.
Sorry, aber Eure Öffentlichkeitsarbeit ist genau so grenzwertig, wie die des HSV.
.
Könnt Ihr nicht einmal proaktiv hier einstellen, ob, wann und ob überhaupt ein „Matz ab live” stattfindet?
.
Unprofessionell. Leider.”

Stimmt. Auch leider. Aber wie gesagt, ich erfuhr es erst nach der Nicht-Sendung. Gute Nacht.
Bei der Gelegenheit möchte ich mich schnell noch einmal bei Ex-HSV-Profi Stefan Schnoor und Kult-Sänger Lotto King Karl bedanken, die wieder einmal Super-Gäste und ganz einfach nur klasse waren – vielen, vielen Dank dafür!
Dieter

 

PS: Im Prinzip dürfte morgen, am Montag, im Volkspark trainiert werden, weil ja jetzt schon am Freitag das nächste Spiel auf dem Programm steht, ich weiß aber leider nicht, wann dieses Training stattfinden wird.

 

18.31 Uhr

Das 1:0 – ein großer Schritt zum Profi-Vertrag für Joe Zinnbauer

5. Oktober 2014

Genau ein halbes Jahr war vergangenen seit dem bis dahin letzten Sieg in der Bundesliga. Fast ein ganzes Jahr seit dem letzten Auswärtssieg. Es war überhaupt der erste Saisonsieg – und dann ausgerechnet in der deutschen Fußball-Kathedrale in Dortmund. Aufatmen beim HSV. Sie können doch noch gewinnen, und die Verbesserungen der vergangenen Wochen unter Trainer Joe Zinnbauer haben sich nun auch in einem Resultat niedergeschlagen. Dieses 1:0 fühlt sich an wie ein Brustlöser.

„Der HSV war definitiv stark. Das ist jetzt auch schon eine Tendenz“, meinte Mittelfeldspieler Tolgay Arslan. „Der Trend geht nach vorn und die Mannschaft lebt, wir spielen als Mannschaft.“ Kollege Marcell Jansen ergänzte: „Fürs Herz und für die Fans und für uns ist es ein Gefühl, das wir unbedingt brauchten.“ Ein verdientes Gefühl, meinte Heiko Westermann: „Wir haben uns belohnt für ein gutes Spiel. Eigentlich waren wir die letzten Wochen schon dran. Wir haben an uns geglaubt, und dafür wir man irgendwann belohnt.“

Okay, Borussia Dortmund hat sicher nicht das gebracht, was die Mannschaft in den vergangenen Jahren schon öfters gebracht hat. Aber: Der HSV spielte genau so, wie es der BVB nicht mochte. Am Mittwoch in der Champions League hat es der belgische Verein RSC Anderlecht den Westfalen noch zu leicht gemacht. Gegen den HSV musste die Klopp-Elf über den Schmerzpunkt gehen, sich immer wieder stemmen gegen das stramme Pressing des HSV, durfte sich keine Konzentrationslücken leisten. Und weil die Hamburger in ihrem Bemühen nicht nachgelassen haben, war das 1:0 am Ende sicher auch verdient.

Beste Spieler waren aus meiner Sicht Valon Behrami, der in dieser Verfassung kaum wegzudenken ist aus dem Team. Wo es brennt auf dem Feld, ist der Schweizer und hält seinen Fuß hin. Seine ersten Spiele in Hamburg haben mir noch nicht so gut gefallen, aber hätte er nicht den Japaner Kagawa an die Kette gelegt – wer weiß, wie es ausgegangen wäre. Und dann ist da noch Nicolai Müller, der immer spritziger wird.

Nicht von ungefähr ging die Aktion des Tages auf das Konto von Nicolai Müller. Zuletzt gegen Frankfurt beendete er schon den Torfluch, jetzt hat er seinen ersten HSV-Assist auf dem Konto. Klasse, wie der Ex-Mainzer das Tor durch Pierre Michel Lasogga vorbereitet hat. Zum Spiel sagte Müller: „Wir hatten einen Plan, den haben wir sehr gut umgesetzt. Vergangene Woche haben wir mit dem Tor schon den Bock umgestoßen, jetzt haben wir den ersten Sieg. Unsere Entwicklung geht nicht von einem Tag auf den anderen, sondern wir müssen weiter hart arbeiten und bescheiden bleiben.“

Für Abendblatt-Blogs


Natürlich war es die Geschichte des Tages, dass nun gerade Pierre Michel Lasogga getroffen hat. Vielleicht hätte Uli Stein den Ball auch reingemacht, aber auch wenn es ein relativ einfaches Tor war, sollte es dem Torjäger der vergangenen Saison helfen, zu alter Form zurückzufinden. „Ich weiß, dass Kritik dazugehört. Aber es hat mich kalt gelassen die letzten Wochen. Ich konnte immer in den Spiegel gucken die letzten Spiele, weil ich wusste, dass ich alles gegeben hatte. Und ich wusste, dass ich es ja nicht verlernt habe. Irgendwann würde es zurück kommen – jetzt ist es zurück gekommen. Schön!“ Bei „Sky“ fügte Lasogga noch hinzu, er wisse gar nicht, wer dieser Uli Stein ist, der ihn da so heftig kritisiert hatte.

Heute trat Uli Stein („Lasogga hätte früher bei uns nur das Ballnetz getragen“) noch einmal bei Sport1 auf. Was ja ein wenig untergegangen ist in der Debatte um die rechte Wortwahl zum HSV-Angreifer sind Steins Einschätzungen über die insgesamt positive Entwicklung beim HSV unter Dietmar Beiersdorfer und Joe Zinnbauer. Hier könnte mal also ein wenig differenzieren, ehe Uli Stein pauschal abqualifiziert wird für seine Äußerungen. Der Mann ist immerhin der beste Torwart, den der HSV je hatte – und er hat Erfolge erreicht, die beispielsweise Pierre Michel Lasogga nur ganz schwer erreichen kann. Insofern – Aserbaidschan hin oder her – darf dieser Uli Stein auch mal den Finger in die Wunde legen, wenn er es für notwendig hält.

Gestern habe ich eine Schlagzeile gelesen: „Ex-Außenminister Genscher kritisiert Zustand der Bundeswehr!“ Darf der das auch nicht, der Genscher? Seine aktive Zeit ist ja in etwa so lange vorbei wie die von Uli Stein, oder? Vielleicht sollten viele das Thema Lasogga und Stein mal gelassener sehen – „das ist Stürmerschicksal“, wie Peter Knäbel ganz richtig sagte.

Lasoggas gesamte Leistung gestern in Dortmund war ja auch noch ausbaufähig. Kaum gehaltene Bälle, wenige konstruktive Aktionen. Viele sagen, das sei ja auch alles gar nicht seine Stärke, er müsse gefüttert werden. Ich sehe das nicht ganz so. Vergangene Saison war Lasogga ein Kraft- und Energiebündel, der mit seiner Power manche Situation gelöst hat, die er aktuell noch nicht löst. Es fehlt nach wie vor körperlich, und vielleicht macht er sich auch zu viele Gedanken um seine Situation. Woher mögliche Zweifel kommen, weiß ich nicht. Spürt Lasogga größeren Druck? Wollte er mit Gewalt auch gegen seine persönliche Torflaute angehen? Die meisten Kritiker – außer Stein – haben ja immer mildernd darauf hingewiesen, dass die mangelnde Form des Angreifers vor allem seinem Trainingsrückstand geschuldet ist. Tolgay Arslan sagte heute zu Lasogga: „Für ihn war es wichtig, ein Tor zu schießen. Jetzt muss er weitermachen. Ein Spiel ist schön, mehrere Spieler sind schöner. Pierre habe ich in den letzten Wochen noch nie so erlebt. Er hat viel nachgedacht – ich glaube schon, dass da jetzt ein Knoten geplatzt ist.“

Ein anderer 83er hat gestern im Sportstudio auch seine Meinung gesagt. Wahrscheinlich wird er dafür nicht beschimpft, denn er hat ja auch viel Positives zum Besten gegeben. Horst Hrubesch hat sich Steins Meinung über Pierre Michel Lasogga nicht angeschlossen. Und auch nicht der über Rafael van der Vaart, den Stein gleichsam auf dem Kieker hat. „Van der Vaart ist darauf angewiesen, dass die Mannschaft funktioniert. Das war nicht so in den vergangenen Jahren. Da hattest du nie das Gefühl, dass es voran geht. Mich freut es, dass eine Aufbruchstimmung da ist. Eventuell war das der Brustlöser in Dortmund. Und ich hoffe, dass das nicht wie im letzten Jahr bei einem Spiel bleibt.“

Was die Trainerfrager angeht, sieht Hrubesch durchaus ein Modell für die Zukunft gefunden: „Zinnbauer zu nehmen, war absolut in Ordnung. Ich habe anfangs nur gezweifelt, ob er soweit ist. Aber er hat die Mannschaft wieder aufgerichtet. Alles, was man hört, ist absolut positiv. Ich hoffe, die Mannschaft richtet sich nach ihm und nimmt seinen Einsatz wahr und folgt ihm.“

Damit hat Hrubesch gleich den Punkt getroffen, der am Sonntag auch durch Peter Knäbel, den neuen Direktor Profi-Fußball thematisiert wurde. „Joe hat Werbung gemacht, auf Sicht ein Bestandteil des HSV zu sein“, sagte Knäbel mit Blick auf die ersten vier Spiele unter dem neuen Cheftrainer. In den kommenden zwei Wochen, so viel verriet Knäbel, werde er mit Zinnbauer und seinem Team nun weitreichende Gespräche geben über die Vertragsgestaltung der Zukunft führen. Diese Aussagen darf man sicher so interpretieren, dass die „Bis-auf-weiteres“-Lösung Zinnbauer in eine Dauerlösung umgewandelt werden soll. Knäbel weiter: „Die Art und Weise, wie wir spielen, kommt an. Man darf eines nicht unterschätzen: Joe und sein Team sind eigentlich für den Nachwuchs geholt worden, und arbeiten jetzt mit sehr viel Leidenschaft bei den Profis. Ich habe mich gestern ganz persönlich für Joe gefreut, weil der Sieg eine Belohnung war.“

Interessant auch zu hören, wie Knäbel sein erstes Spiel auf der Trainerbank und die Leistung der Mannschaft beurteilt hat. Ob der HSV so etwas wie der Gewinner des Spieltages sei, wurde Knäbel gefragt: „Wenn man vergleicht, was im Misserfolgsfall hätte geschehen können, dann kann man das schon sagen. Dann wären wir zwei Punkte hinter den anderen gewesen, schon ein bisschen abgeschlagen. Jetzt haben wir den letzten Platz verlassen und sind ein bisschen nach oben gekrabbelt. Klar sind wir ein Gewinner, aber das sind auch andere. Wenn man sieht, wie stabil unser nächster Gegner Hoffenheim ist, zählen die zum Beispiel mehr zu den Gewinnern. Aber wir nehmen natürlich jeden Schwung und jede Energiequelle mit.“

Recht bedeckt hielt sich Knäbel zur Lasogga-Debatte. Der habe durch das Tor seine beste Antwort gegeben und sich für hohen Laufaufwand der vergangenen Wochen belohnt. Auf die Kommentare der Ex-Stars angesprochen, möchte Knäbel darauf nicht generell verzichten: „Wenn jemand wie Horst oder Uli Stein oder andere Stimmungen wahrnehmen, ist es immer etwas wert, wenn sie das sagen. Weil sie auch einen Vergleich haben. Ich finde das wichtig. Und wenn ich von Horst Hrubesch höre, dass er Aufbruchstimmung spürt, freut mich das. Und es ist auch Verantwortung und Motivation für uns.“

Für Peter Knäble geht es nun darum, seinen neuen Verein und die Mannschaft noch besser kennenzulernen. Die Länderspielpause soll da helfen, er will viele Gespräche führen, so wie er es mit dem Mannschaftskapitän schon getan hat. Über Rafael van der Vaart hat Peter Knäbel übrigens eine klare, eine positive Meinung: „Rafael van der Vaart ist der Kapitän der Mannschaft und ein Weltklassespieler, der Spiele entscheiden kann. Für ihn sind die zwei Wochen ungemein wichtig. Ich hoffe, dass er mit der nötigen Kondition und Spielfreude zurückkehrt.“ Den Nutzen der Pause sieht Knäbel auch für andere wie Marcell Jansen, der gestern in Dortmund schon mal einen guten Anfang gemacht hat. „Nach der Länderspielpause geht es Schlag auf Schlag“, so Knäbel.

Soweit also Peter Knäbel, der bei aller positiven Energie nicht ungehemmt aufs Gaspedal treten möchte: „Es ist ein Spiel, das wir gewonnen haben. Es ist lange her, dass wir zwei Mal hintereinander gewonnen haben. Kümmern wir uns darum. Ich spüre eine große Sehnsucht, dass wir einen guten Fußball-Alltag auf hohem Niveau in Hamburg haben.“ Also: Konstanz und Nachhaltigkeit in den Laden bekommen, und nicht von neuen Zielen sprechen.

Kommen wir noch einmal zu Joe Zinnbauer. Der Trainer sagte nach der Partie über…

… den Sieg: „Es fühlt sich gut an, aber es war auch harte Arbeit. Ich sehe, dass wir zu einem Auswärtsspiel fahren und hungrige Spieler haben. Das habe ich auch in den Augen der Spieler gesehen.“
… zur Länderspielpause: „Wir haben jetzt zwei Wochen Zeit, etwas mehr zu machen. Aber wir haben auch zehn Spieler bei den Nationalmannschaften. Wir müssen uns für Hoffenheim genauso einstellen, dürfen keinen Zentimeter nachlassen. Im Gegenteil: Wir müssen noch einen Zentimeter weiter gehen.“
… zu Pierre-Michel Lasogga: „Die Mannschaft muss Pierre unterstützen, nicht nur er. Pierre ist ein Torjäger, das weiß nicht nur ich, sondern auch Jogi Löw zum Beispiel. Man muss dem Jungen auch ein bisschen Zeit geben.“
… zu seiner eigenen Perspektive: „Da mache ich mir gar keine Gedanken. Wir haben das Vertrauen aller Beteiligten bekommen. Was geschieht, entscheiden andere. Wir wollen unseren Job machen, und wenn die Mannschaft so weitermacht, wird es sich von allein regeln. Ich habe eh Vertrag und fühle mich wohl in Hamburg. Ob U 23 oder erste Mannschaft, ist natürlich nicht egal, aber ich will Trainer sein. Und das lässt der HSV gerade zu. Und wenn es in der ersten Mannschaft ist – umso schöner.“
… zu seiner Energie: „Es prasselt viel ein, das ist sicher ungewohnt. Auch der Umgang mit den Medien frisst viel Zeit, aber das ist sehr positiv – im Moment jedenfalls. Es ist toll, ich bin belastbar, das war ich schon immer in meinem Leben – nicht nur als Spieler, auch als Privat-Mensch. Ich versuche meine Ziele umzusetzen, wenn mir etwas Spaß macht.“

Gestern in Dortmund musste Dennis Diekmeier angeschlagen ausgewechselt werden. Seine Verletzung stellte sich als nicht so schwerwiegend heraus. Diekmeier hat einen Schlag in die Kniekehle erhalten und soll am Dienstag, bei der nächsten Trainingseinheit, wieder mitmischen.

Oben könnte Ihr Euch auch, wie gewohnt, noch einmal die „Matz-ab-live“-Sendung von gestern angucken. Aus besonderem Anlass dazu ein paar Zeilen von Dieter:

Die Resonanz war groß. Es gab viele Mails und Anrufe, in denen wir Lob für unsere Sendung „Matz ab live“ nach dem Dortmund-Sieg gelobt wurden. Lag es ganz einfach an der guten Stimmung danach, oder war es die Erleichterung? Kann sein. Ich glaube aber eher, dass wir ganz tolle Gäste hatten. Wenn „Scholle“ und ich nach einer solchen Runde auseinander gehen, dann rufen wir uns meistens noch einmal an – und einer fragt den anderen: „Wie fand’s du es? War das so in Ordnung? War es gut? Hat was gefehlt?“ So auch diesmal. „Scholle“ kam mir zuvor, wir haben im Prinzip zugleich an diese „Manöver-Kritik“ gedacht. Und wir waren uns einig: „Das war diesmal sehr gut.“
Was hauptsächlich, das war unser Empfinden, an unseren beiden Gästen lag:Tim Oliver „Timo“ Horn sowie Martin Oetjens. Das sind der frisch gewählte Vorsitzende der Supporters-Abteilung sowie dessen Stellvertreter. Herzlichen Dank an beide Herren, dass sie bei uns waren, das war einfach nur klasse. Diese „Jungs“ haben etwas zu sagen, und sie sind für mich wirklich großartige HSV-Fans. Es war schön zu erleben, dass es zwei Rothosen sind, die mit beiden Beinen auf dem Boden stehen. Sie wollen nur das Beste für den HSV, und dafür opfern sie viel Zeit. Was mich absolut positiv gestimmt hat war dies: Da sitzen keine Fans und sagen immer nur: „Wir wollen das, wir brauchen jenes, und ohne uns geht schon mal gar nichts, wir fordern hier und wollen da – also spurt mal schön. Sonst werdet ihr schon erleben, wie es hier demnächst lang geht.“
Horn und Oetjens sind genau das Gegenteil davon. Sie, so mein Gefühl, möchten dem HSV helfen, sie möchten dem HSV dienen, sie bieten dem Club ihre Unterstützung an, sie geben dem Verein ihre Hilfe, damit es überall und in allen Belangen wieder aufwärts geht. Sie möchten kitten und vermitteln, sie möchten alle HSVer wieder zusammenführen. Bravo. Nicht sie stellen sich in den Mittelpunkt, sondern es steht bei ihnen in erster Linie nur der HSV im Blickpunkt ihrer Arbeit und ihres Engagement. Hervorragend. Und Martin Oetjens war einer derjenigen, die die HSV-Reform geplant haben. Die AG und HSVplus haben sich durchgesetzt, aber Oetjens hat nicht aufgegeben, nicht resigniert, nicht beleidigt reagiert und sich auch nicht schmollend zurückgezogen – sondern Flagge gezeigt. Er will mithelfen, dass dieser Verein wieder geeint wird.
Ich war und bin immer noch total begeistert, dass dieser HSV solche großartigen Mitglieder noch immer hat, dass es so etwas gibt. Das gebe ich ehrlich und auch gerne zu. Und zugleich bewundere ich ihren Mut, diese Posten überhaupt angetreten zu haben, ich stelle mir das – gerade in der jetzigen Situation – unheimlich schwer vor. Und ich gestehe auch: das wäre nichts für mich. Aber ich möchte beiden, dem Timo und dem Martin, auch sagen, dass wir ihnen dann helfen werden, wenn sie einmal unsere Unterstützung benötigen – wie auch immer das einmal aussehen könnte.
Danken möchte ich bei der Gelegenheit auch allen jenen, die uns und mir geschrieben haben, oder die mich angerufen haben. Das waren diesmal nicht wenige. Und das zeugt davon, dass sie nicht nur diese Sendung, in der es nur um den HSV geht, gesehen haben, sondern auch davon, dass sie ähnlich (oder genau so) wie wir denken.
Alles Gute und viel Erfolg, Ihr Supporter-Chefs.

Und schließlich noch eine Info für alle, die sich auf das geplante und schon einmal verschobene Testspiel am kommenden Sonnabend in Danzig gefreut hatten: Die Partie wird vermutlich erneut verschoben.

18.10 Uhr
Lars

Alle haben Fehler gemacht – jetzt gilt es: Wir alle müssen die Lehren daraus ziehen!

8. Juni 2014

Das Kapitel Bert van Marwijk ist geschlossen, und das ist auch gut so. Der Vize-Weltmeister-Trainer und der HSV haben sich auf Ablösemodalitäten geeinigt, die Trennung ist jetzt auch finanziell besiegelt. Zu welchen Konditionen ist offen, aber es dürfte dem Dino gekostet haben . . . Das waren teure und trostlose 143 Tage, an denen der Niederländer den HSV nur noch tiefer in den Sumpf geführt hat. Aber gut, dieser Teil der äußerst unrühmlichen Vergangenheit der Rothosen ist bekannt – und nicht zu ändern. Erst in der neuen Saison. Und der blicke ich durchaus optimistisch entgegen, denn irgendwann wird auch dieser bislang von vielen Amateuren geführte HSV aus seinen schwersten Fehlern lernen müssen. Genau das hatten in der Vergangenheit immer wieder viele Experten und HSV-Ehemalige an diesem Verein kritisiert.


 

Einer von ihnen ist der frühere HSV- und Nationaltorwart Uli Stein. Ich traf ihn beim ersten Relegationsspiel gegen Fürth, wir hatten einige Zeit, um über diesen HSV zu sprechen. Und genau ein Thema war dabei, dass der HSV nie gelernt hat, die Fehler, die zum stetigen Niedergang geführt haben, zu analysieren und daraus Nutzen zu ziehen. Stein hoffte deshalb vor allem auf neue Strukturen – und die sind dem Club nun gegeben. Die Weichen für eine erfolgreichere Zukunft sind gestellt, es könnte “von oben” nun alles besser werden, wenn unten, an der Basis, mit offenen Augen die neue Saison geplant wird. Und das muss ganz klar heißen: Die Lehren aus dem Desaster 2013/14 ziehen.

Ich habe in den letzten Tagen jeden einzelnen Spieler unter die Lupe genommen und oft auch hart kritisiert. Dieses “Hart kritisiert” flog mir danach oft um die Ohren – weil es zu hart war? Schon vergessen, was der HSV für eine grottige Saison gespielt hat, mit seinen kümmerlichen sieben Siegen und 27 Pünktchen? Wahrscheinlich ist es so. Mir flogen aber auch unglaubliche viele Leserbriefe zu, und die habe ich sehr genau durchgelesen. Ein Punkt kam dabei immer wieder hervor, und ich zitiere aus einer Mail an mich:

Ich verstehe es, wenn Ihr Jarchow nicht wehtun wollt, indem Ihr die Wahrheit schreibt. Mir persönlich hätte es allerdings nach dieser Saison eine gewisse Befriedigung meiner geschundenen HSV-Seele gegeben, wenn Klartext geredet werden würde und die Dinge einmal komplett aufgearbeitet werden würden, um dann mit dem leidigen Thema abzuschließen und in eine hoffentlich bessere Zukunft zu schauen.

Carl-Edgar Jarchow ist für viele hier der Sündenbock Nummer eins. Für mich nicht. Gebe ich zu, dazu stehe ich auch. Obwohl er ganz klar auch gravierende Fehler begangen hat – aber wer hat das nicht in diesem HSV? Sie haben alle unheimlich viele und große Fehler gemacht. Jarchows vielleicht größter war, dass er nach einigen Monaten nicht das in die Tat umgesetzt hat, was er vorher angekündigt hat – nämlich dass er nur übergangsweise der HSV-Boss ist. Er hatte Gefallen daran gefunden, ein gefragter Mann in der Hamburger Öffentlichkeit zu sein, er fühlte sich vielleicht auch ein wenig geschmeichelt, dass er der große Mann des HSV geworden war – aber er übersah die vielen, vielen Probleme, die er geerbt hatte. Die hätten ihn, ganz eindeutig sogar, zur frühen, ich meine sogar zur sofortigen Aufgabe des Amtes zwingen müssen. Weil er, das kommt noch ganz entscheidend hinzu, ja auch in der Öffentlichkeit niemals darüber plauderte, was er eigentlich beim HSV vorgefunden hatte – als er der Boss wurde. Carl-Edgar Jarchow hat geglaubt, dass er es mit seiner ruhigen, ausgeglichenen Art richten würde, dass er es so packen würde mit dem HSV, aber das war sein größter Irrglaube.

Zumal er, und das ist Fehler Nummer zwei, nicht der Mann ist, der mal mit der Faust auf den Tisch haut und Tacheles spricht. Nicht dass er dazu nicht fähig wäre, nein, ganz gewiss nicht, er wird auch das können – aber er konnte es mit seinen “Untergebenen”, die für die Bundesliga-Mannschaft des HSV die Hauptverantwortung trugen, nicht. Er konnte zum Beispiel keinem Trainer mehr Fleiß injizieren, Jarchow sah mehr oder weniger tatenlos zu, wie die Herren Trainer nur das machten, was sie wollten, was sie für richtig und die Mehrheit der Experten für grundlegend falsch hielten. Die Trainer machten nicht das, was dieser Club und vor allem diese Mannschaft so dringend gebraucht hätte – und von “oben” sahen die Herren nur zu, auch und genau Carl-Edgar Jarchow.

Ihr werdet Euch noch – sehr unangenehm – an die 2:9-Pleite von München erinnern, vorletzte Saison. Danach stellte sich Carl-Edgar Jarchow vor alle Kameras dieser Welt und sagte mit zusammengekniffenen Lippen (wenn das überhaupt so geht, aber so habe ich es in Erinnerung) und mächtigem Grummeln in der Stimmen und mit ganz bösem, bösem Blick: “Dieses Debakel wird Konsequenzen haben, wir werden am Ende der Saison ganz genau analysieren – und dann dementsprechend reagieren.” Sollte heißen: Köpfe werden rollen, innerhalb der Mannschaft, die so krass versagt hatte. Was blieb aber am Ende (wieder einmal) übrig von diesen Ankündigungen? Nichts. Nur der Trainer wurde gewechselt. Die Spieler durften dem Verein weiter auf der Nase herumtanzen – und Millionen nach Hause abschleppen. Das, was Herr Jarchow angekündigt hatte, war ein Sturm im Wasserglas, dieser sollte die Masse beruhigen – und tat es ja auch im ersten Moment.

Nur: Wenn die Spieler, die ja in der Mehrheit auch große Schlitzohren sind, so etwas mitbekommen, dass große und harte Konsequenzen getätigt werden, aber nie etwas passiert, dann legen die Herren Profis erst recht ihre Füße hoch und lassen den lieben Gott einen guten Mann sein – und Carl-Edgar Jarchow erst recht. Es ist ja nichts zu befürchten, nicht das Geringste, alles nur heiße, heiße Luft. Wenn überhaupt.

Das sind die Fehler, die ich dem Noch-Boss des HSV ankreide. Er hat es sicher auf seine hanseatische Art niemals böse gemeint, er hat besonders in seiner ersten Zeit wieder für Ruhe im Verein gesorgt, aber ganz sicher wäre es besser gewesen, wenn er auch seinen leitenden Angestellten gegenüber mal etwas energischer aufgetreten wäre. Als Mensch, das muss ich ganz klar sagen, hat mich Jarchow immer überzeugt, da würde ich niemals ein schlechtes Wort über ihn verlieren – deswegen würde ich mir auch wünschen, wenn er diesem und seinem HSV erhalten bliebe, und zwar als der Repräsentant. Und wenn es nicht anders ginge, dann eben nur als Präsident des e.V. Ob er sich diesen Job allerdings noch antun würde? Da habe ich dann doch meine leichten Zweifel.

Welche (glorreichen?) Zeiten nun auf den HSV zukommen könnten, das hat mir einmal mehr das Interview, das die Kollegen der Bild mit dem neuen Aufsichtsrats-Chef Karl Gernandt in dieser Woche geführt haben, gezeigt. Gernandt, der es bis zur “rechten Hand” von Milliardär Klaus-Michael Kühne gebracht hat, hat nicht nur angedeutet, wie stramm er in der Führung des HSV mitarbeiten wird. Der Mann gibt eine klare Richtung vor, und ich denke mal nicht, dass er sich auch nur einmal ansatzweise auf der Nase herumtanzen lässt. Gernandt sagt etwas einmal, und dann muss es sitzen, ansonsten wird es Konsequenzen für den geben, der sich nicht nach den Worten des AR-Vorsitzenden richtet. Das ist für mich schon mal nicht nur sehr gut, es ist auch nicht anders durchführbar. Und genau deshalb hat es ja diesen Struktur-Wandel im HSV gegeben. Die Führung gibt die Linie vor, und von außen hat kein Sabbelfreier mehr die Chance, dummes Zeug zum Besten zu geben. Und wenn er es dennoch tut, bleibt es – natürlich – unerhört.

Hinzu kommen wird beim HSV ja auch noch der AG-Vorsitzende, und das wird Dietmar Beiersdorfer. Ich habe mit dem “Didi” gestern gesprochen, es ist im Fluss. Im Moment liegt es eher an Zenit St. Petersburg, wie und wie schnell es gehen kann, es wird demnächst ein Telefonat zwischen Beiersdorfer und seinem Noch-Club geben, eventuell wird der “Didi” auch noch erst nach Russland gebeten – aber ich denke mal, nachdem was alles hinter den Kulissen läuft und schon gelaufen ist, dass Dietmar Beiersdorfer der erste AG-Vorsitzende des HSV werden wird. Und das ist schon mal sehr beruhigend zu wissen, denn er kennt den HSV, kennt das Geschäft und er weiß genau, was Hamburg von ihm erwartet.

Wer dazu, den Posten gibt es ja auch, der Sportchef des HSV wird, ist noch offen. Obwohl ich mich auch da klar festlege: Es wird einen neuen Mann geben. Oliver Kreuzer, wir erinnern uns, hatte von Beginn an beim HSV dem Titel “Drittliga-Manager” zu leben, der ihm von Klaus-Michael Kühne verpasst worden war. Kaum anzunehmen, dass der große Mann im HSV-Hintergrund jetzt nicht seinem Mann, nämlich Karl Gernandt, die Anweisung geben wird, einen neuen Sportchef zu suchen und zu installieren.

Oliver Kreuzer hat ja auch bei einem Teil (ob nun ein großer oder kleiner Teil, das sei dahingestellt) des HSV-Anhanges fast schon jeglichen Kredit verspielt. Ganz sicher gab es auch einige Entscheidungen, die zu kritisieren waren und sind, ganz sicher gab es auch einige unglückliche Äußerungen von Kreuzer, und wie schwerwiegend die in der Summe dann sind, das müssen die “neuen Herren des HSV” nun bewerten. Wobei ich denke, dass sie es schon längst getan haben, es aber nur deswegen noch nicht verkünden, weil sie offiziell ja erst vom 1. Juli an in Amt und Würden sind. Und mit einem neuen Sportchef, der eventuell sogar technischer Direktor heißen wird, steigt weiter die Hoffnung, dass endlich wieder der Leistungs-Fußball in Hamburg Einzug hält.

Und genau das ist der Punkt, dem ich Oliver Kreuzer am meisten ankreide: Der Sportchef sah zu, wie diese Trainer, die Herren Thorsten Fink und Bert van Marwijk, diesen HSV ins untere Tabellendrittel trainierten. Das war unfassbar. Und ich möchte da mal eine Begebenheit zum Besten geben, die sich vor der Saison abgespielt hat. Und zwar am 21. Juli 2013. Telekom-Cup in Mönchengladbach, der HSV hatte gerade das “kleine Finale” gegen Borussia Dortmund mit 0:1 verloren. Da trafen sich zwei Nationalspieler, je einer von den beteiligten Clubs. Wer das war, verrate ich besser nicht, ich weiß es aber, möchte diese Herren nur schützen. Beide unterhielten sich auch über die Torturen der Vorbereitung. Sagte der Dortmunder: “Man, man, man, ich habe vielleicht dicke Beine, der Trainer scheucht uns gnadenlos, so etwas Hartes habe ich noch nie erlebt, das ist fast schon unmenschlich. Laufen laufen, laufen, das zweimal am Tag, mehr ist im Moment nicht, ich weiß nicht, wie lange das noch andauert – und wie lange ich das noch mitmachen kann. Irgendwann werde ich körperlich am Ende sein. Und was macht ihr?” Der HSV-Profi druckste rum, sah sich nach links und rechts und nach hinten um, suchte nach einer Erklärung und übte sich dann in Diplomatie: “Ja, gelegentlich trainieren wir auch zweimal pro Tag . . .”

Genau das war es doch. Genau, genau, genau. Hier wurden die Spieler im Training doch dicker. Was hier unter dem Thema “Vorbereitung” ablief, das war Kindergarten. Ich wiederhole mich da gerne: Kindergarten. Pille-palle. Lächerlich. Und grausam schlecht. Dafür hätte der HSV eigentlich einen Sportchef gebraucht, der ganz klar sagt was Sache ist. Gab es aber nicht. Oliver Kreuzer sah diesem schlimmen Treiben tatenlos zu, anstatt sich mit seinem “Kumpel” Fink zusammenzusetzen und mal Tacheles zu sprechen, dass es so nicht geht. Es musste erst die Entlassung des Trainers kommen, so geht es dann ja eben auch. Vielleicht wäre es auch gegangen, wenn der HSV eine Führung gehabt hätte, die sich einig darin gewesen wäre, dass sie ihrem Trainer mal den Marsch bläst. Nur dazu fehlte den Herren einheitlich der Schneid.

Und, das gebe ich zu, auch uns, den Hamburger Journalisten, die den HSV begleiteten, fehlte diese Courage. Auch mir, ganz klar, ich nehme mich da nicht aus, auch ich sah nur tatenlos und dämlich zu. Da wird in der Oberliga Hamburg ganz anders und viel härter trainiert, das weiß ich, weil ich einige Trainer kenne, die gelegentlich auch bei den HSV-Profis zusahen – und sich schlapplachten. Bei den Bundesliga-Herren wird das Training ja schon seit geraumer Zeit als “höchst wissenschaftlich” verkauft. Geh mir weg mit “wissenschaftlich”, geh mir weg. Ich verspreche hiermit hoch und heilig, dass ich, so lange ich diesen Job noch machen werde, ich nie mehr wegsehen werde, wenn sich solche gravierenden Missstände wieder einmal auftun sollten. Und wenn ich von dem jeweiligen Trainer jeden Tag was an die Ohren bekomme – ich werde es anprangern. Weil ich von diesem in meinen Augen total unprofessionellen Verhalten die Schnauze gestrichen voll habe. Obwohl ich auch gestehen möchte (und festhalten will): Ich bin nur der kleine Matz, der hier nichts, aber auch absolut nichts zu sagen oder zu entscheiden hat. Also zählt mein Urteil natürlich nicht, ich möchte da nicht auch nur im Ansatz an Selbstüberschätzung leiden – aber bemerkbar werde ich mich trotz allem machen.

Dabei sei noch kurz angefügt, dass in Hamburg wirklich alle Fehler gemacht haben – auch die Fans. Das sollte keiner übersehen, und vielleicht sollte so mancher HSV-Anhänger (Anhängerinnen sind eingeschlossen) doch ganz heimlich und im stillen Kämmerlein Besserung geloben. Es kann doch nicht angehen, dass die eigenen Spieler permanent niedergemacht werden. Es begann, so glaube ich, bei Daniel van Buyten (nach Bekanntwerden seines Bayern-Wechsels), dann war Piotr Trochowski dran, es folgte David Jarolim, dann Dennis Aogo und zuletzt Heiko Westermann. Muss das wirklich sein? Ich denke nein. Bei aller Liebe zum HSV, die eigenen Spieler fertig zu machen, das passt nicht. Auch daran darf getrost zur neuen Saison gearbeitet werden.

Aber zurück zur Kraftlosigkeit der HSV-Mannschaft 2013/14. Alle haben sie es doch gesagt, alle, dass diese HSV-Mannschaft total untrainiert ist. Immer und immer wieder. Passiert ist nichts. Auch innerhalb der Führung nicht. Sie alle sahen zu und schwiegen. Das, jawohl, das ist der schlimmste Fehler, der hier passiert ist. Denn es ging doch um einen Profi-Fußball-Verein, da müssen doch die Angestellten, die hier die Punkte einfahren sollen, fit gemacht werden, sodass sie ihrem Auftrag auch gerecht werden können. Ich erinnere mich bei dieser Gelegenheit an die erste Saison, in der es “Matz ab” gab – vor fünf Jahren. Da standen wir mal bei eisiger Kälte im Volkspark und sahen – mit sieben, acht “Matz-abbern” – dem Training zu. Bis “el presidente” mal ganz unaufgeregt in die Runde fragte: “Wann wird hier eigentlich mal Konditionstraining durchgeführt? Ich sehe hier seit Monaten nichts. Machen die das heimlich? Laufen die dann durch den Volkspark, wenn keine Fans da sind? Laufen die vielleicht nachts, in der Dunkelheit?” Gute Frage, aber Antworten hat der gute Benno Hafas darauf nie bekommen. Weil es diese Antwort nie gab – auch in den so genannten Trainingslagern nie. Nie!

Saft und kraftlos waren die Herren in den meisten Spielen. Wenn ich nur an die letzte Partie denke, das in Fürth. Nach dem 1:1 taumelten die HSV-Spieler nur so über den Platz, eine halbe Stunde lang. Schlecht konnte einem davon werden, so etwas zu sehen und erleben zu müssen. Ich hoffe nur, dass die Herren, die dafür verantwortlichen waren (nicht Mirko Slomka!) dass auch gesehen und sich mies dabei gefühlt haben. Hoffentlich, obwohl, mir fehlt der Glaube.

Allerdings bin ich überzeugt davon, dass mit der neuen Führung, dazu Beiersdorfer und der neue Sportchef, hier die Post abgehen wird. Sie müssen doch aus ihren Fehlern gelernt haben. Und wenn dann der jeweilige Trainer nicht so mitziehen will, wie die Führung es sich vorstellt, dann muss eben gehandelt werden. Kontinuität hin, Kontinuität her, es muss hier endlich ein richtiger und absoluter Profi-Verein installiert werden, endlich, endlich, endlich. Wenn ein Trainer wirklich gut ist, dann soll er von mir ein Herrgott sein, aber nur dann. Und hier war schon so lange keiner mehr gut, das ist auch klar.

Denn sonst wären die Spieler, auch die Talente, hier gelegentlich besser geworden, aber nichts da, Pustekuchen. Und wer da vielleicht Heung Min Son als Gegenbeispiel anführen möchte – lass mal stecken. Das war überwiegend der Papa. Der hat seinen Filius trainiert. Mit Ball und ohne. Jeden Tag. Jeden noch so langen Tag. Und auch wenn es da einen Vize-Weltmeister-Trainer gegeben hat beim HSV, der feststellte – und es auch der staunenden (?) Öffentlichkeit verkündete: “Es ist wissenschaftlich längst erwiesen, das einmal Training pro Tag reicht . . . Man kann die Spieler auch kaputttrainieren.” Oha.

Ich habe schon vor einiger Zeit gefragt, ob es wissenschaftlich vielleicht auch längst erwiesen ist, dass zweimaliges Training am Tag nicht schadet? Wenn ich da so an den Herren aus Dortmund erinnern darf, wo zweimal am Tag und tagtäglich gelaufen, gelaufen und gelaufen wurde – es hat dem BVB offenbar nicht sonderlich geschadet. Obwohl, natürlich, der Club von Klopp ist nur Vizemeister geworden. Da war vielleicht doch mehr drin, bei nur einmal Training am Tag.

Es ist beim HSV in diesem Punkt so viel geschludert. Meistens einmal am Tag Bewegung, dann wurde (vielleicht) noch im Kraftraum gearbeitet – das war es. Kaum Standards. Kein Einzeltraining, um gewisse Schwächen abzustellen, oder Stärken noch stärker zu machen. Und wenn ich das schreibe, denke ich sofort an Oliver Bierhoff. Einst bekanntlich HSV-Stürmer und hier gnadenlos gescheitert. Ich habe mich damals schwer getäuscht, weil ich bei seinem Abgang aus Hamburg fest davon überzeugt war: “Den siehst du im großen Fußball nie wieder.” Denkste. Torjäger in Italien ist er noch geworden. Unter anderem deswegen, weil Trainer Alberto Zacceroni bei Udinese Calcio mit ihm Sonderschichten fuhr. Zacceroni hatte bei Bierhoff, der mit 1,91 Meter ja ein großer Kerl ist, eine gravierende Kopfballschwäche festgestellt. Also wurde trainiert, trainiert, trainiert. Der Coach verlangte alles. Früher zog Bierhoff im Kopfballduell immer den Kopf ein, machte sich also kleiner als er ist – und zog meistens den Kürzeren. Unter Zacceroni blühte Bierhoff auf, er “marschierte” dann in den luftigen Duellen immer mächtig durch – und wechselte mit dem Erfolgstrainer dann auch zum AC Mailand.

So geht es eben auch, wenn man sich Mühe gibt, wenn man als Coach etwas erreichen will, wenn einem als Trainer der Verein und die Spieler am Herzen liegen. Hier waren sie zuletzt alle unheimlich bequem, mehr nicht. Und das hätte die Führung erkennen und abstrafen müssen, dann wäre es mit dem HSV nicht so weit gekommen, wie es gekommen ist.

Fehler über Fehler eben. Die vier “Aussortierten” – hat sich das über einen so langen Zeitraum irgendein “Bonbon-Club” erlaubt? Ich kenne keinen, der vier Spieler abschob, obwohl es nur bergab ging. Und dass diese Spieler nicht so schlecht waren, wie sie gemacht wurden, das haben wir in der Endphase der Saison gesehen. Dazu gab es auf dem Rasen keinen Leader, der das Heft mal in die Hand nehmen konnte, um noch etwas zu bewirken. Niemand. Alle gingen sie stets mit unter. Wobei ein Kapitän Rafael van der Vaart schon deswegen eine Fehlbesetzung war, weil er sich einfach zu viele private Eskapaden erlaubte. Zu früheren Zeiten hätte da die HSV-Führung, und wenn es nur der Trainer gewesen wäre, ganz hart durchgegriffen – hier passierte wieder nichts. Dann wurden in der Winterpause mit Quasim Bouy und Ola John zwei Spieler geholt, die mindestens ein halbes Jahr keine Spielpraxis mehr hatten. Wahnsinn, wirklich der nackte Wahnsinn Und alle sahen zu! Per Cilian Skjelbred wurde auch abgeschoben, zu Hertha BSC, ketzerische HSVer sagen, weil er dem Trainer zu viel lief! Dass beim HSV eine Doppel-Zehn stets auf der Doppel-Sechs stand, das fiel hier vielen Usern auf, aber keinem Trainer. Ferner stand (oder steht) der HSV in Sachen Marketing an 18. Stelle in Europa. Es müsste also Geld genug da sein, ist es aber nicht. Weil hier seit Jahren das Geld mit beiden Händen zum Fenster hinausgeworfen wurde. Immer raus damit, wir haben es ja. Und die Aufsichtsräte nickten eifrig und fleißig alles ab. Hauptsache wir bleiben im Amt und bekommen unsere Freikarten . . .

So ließe sich die Liste der groben Fehler sicher noch lange fortsetzen, aber ich lasse es damit jetzt mal bewenden. In der Hoffnung, dass diesmal wahre Experten am Ruder sind, die den HSV wieder aufrichten und zu gewissen Erfolgen führen werden. Darauf hoffe ich, aber ich bin, wie anfangs schon geschrieben, davon auch absolut überzeugt, dass es so kommen wird.

So, und allen jenen, denen ich nun wieder einmal etwas zu forsch auf die Füße getreten bin, bitte ich um Nachsicht. Es musste noch einmal sein. Das war meine General-Analyse von schlechtesten HSV aller Zeiten – ab jetzt nur noch positiv und nach vorne.

Dieter

Van Marwijks Kampf gegen Windmühlen

13. Dezember 2013

Ganz schön viel Rauch heute, der abziehen musste über dem Volkspark. Es war zwar nur eine kleine „Wutrede“ gestern von Trainer Bert van Marwijk, aber doch immerhin viel größer als erwartet. Als generell von ihm erwartet, als zu diesem Zeitpunkt erwartet. Gestern hat Dieter hier schon im Wortlaut alles wieder gegeben, was der niederländische Trainer loswerden musste. Auch die Zeitungen waren voll. Kritik an der Mannschaft, an der Mentalität, Disziplin soll Einzug halten, seine erste Abrechnung und so weiter.

Klar, dass van Marwijks Worte in erster Linie auf die Mannschaft treffen. Sie setzen ja auch um, bzw. setzen eben gerade nicht um, was vorgegeben ist. Auf dem Platz ist allwöchentlich sichtbar, in Toren messbar, wie gut und schlecht sie arbeiten. Schon seit Jahren, habe ich heute wiederholt gehört, stecke ja solch eine Sch…-Mentalität in der HSV-Mannschaft, die wir dann alle vergangenen Sonnabend beim 0:1 gegen Augsburg bewundern konnten. Wohlfühlgesellschaft, Gucci hier, Gucci da. Mag sein.
Matz_ab_ankuendigung_1730_Uhr
Ich habe jetzt aber nicht schon wieder Lust, mich mit dieser oder jener Schwäche eines Spieler oder einen Trainers zu beschäftigen. Wie viele Trainer will der HSV noch verschleißen, wie viele Spieler kaufen, weil gedacht wird, hier kommt der richtige für eine goldene Zukunft, um sie dann irgendwann wieder zu verscherbeln und einen nächsten Umbruch zu starten? Ich behaupte: die Trainer und Spieler, die der HSV in den vergangenen Jahren durchgeschleust hat, sind und waren im Schnitt nicht schlechter als bei vergleichbaren Bundesliga-Vereinen. Sportlich nicht, aber auch nicht von der Einstellung und Bereitschaft, sich für den Beruf und den Verein zu opfern.


Aber: das Ganze funktioniert nicht einseitig. Nie und nimmer. Es muss immer auch eine Instanz geben, die darüber steht und entsprechende Leistung einfordert. Diese Führung muss vorhanden sein, es muss eine Leitlinie geben, einen Gedanken, für den der Verein steht. Identifikation muss geschaffen werden. Es genügt nicht, nach desaströsen Leistungen auf die Gehaltsabrechnung zu verweisen und zu meinen, mit ihren Millionen-Gagen sei den Profis Motivation genug an die Hand gegeben. Das Problem ist: fehlt die Führung, dann treten die Schwächen in den Menschen, in diesem Fall den Profis, hervor. Dann werden aus Musterprofis beim FC XY bequeme Profis beim HSV. Automatisch.

Die großen Gagen gibt es nämlich anderswo auch. Es muss mehr dazu kommen. Zumindest ein bisschen von dem, was die Fans und Anhänger des Vereins mit ins Stadion tragen, wenn sie ein Spiel des HSV sehen. Eine HSV-Identität muss mit dabei sein, ein Ziel – jenseits vom schnöden Mammon – für das sich der Einsatz lohnt. Ein Bundesligaspieler ist nicht dann besser als sein Gegenspieler, wenn er statt 1,2 nun 1,3 Millionen Euro verdient. Begeisterung, Motivation, Identifikation – das muss da sein.

Die Erfolgsgeschichte eines jeden Clubs, der gerade obenauf ist, besitzt Puzzleteile dieses Phänomens. In Freiburg war es so (auf andere Art, weil der Verein kleiner ist), in Dortmund ist es so im großen Rahmen, bei Werder war es so jahrelang, und bei den Bayern klappt es in Blockbuster-Manier.

Es ist ein jahrelanges Missverständnis beim HSV, dass immer der jeweilige Trainer verantwortlich gemacht wird, wenn die Vermittlung dieser Werte nicht gelingt. In diesen Tagen habe ich von hohen Herren auch wieder gehört, van Marwijk habe keine große Zukunft beim HSV, wenn er sich abkanzelt und im Hotel wohnt. Wenn er die Mannschaft, den Verein kritisiert wie gestern, und dadurch Distanz zeigt. Dieser Gedanke, denke ich, greift zu kurz. Auch der Trainer muss als Teil begriffen werden, in den Begeisterung von oben, von Führungsseite, vom Verein eingepflanzt wird. Pathetisch gesagt ein Ideal, für das es sich zu kämpfen lohnt, und das alle beim HSV haben müssen.

Wann hat der HSV in den letzten Jahren mal richtige Begeisterung entfacht? Mir fällt da die Zeit ein von 2004 bis 2005, als Thomas Doll das Traineramt übernommen hat. Hier war plötzlich eine Figur, die den HSV gelebt hat. Er hat den Club, die Stadt mitgerissen. Emotional war das die heißeste Phase des Clubs in den letzten 20 Jahren. Natürlich – es gab Herzkasper-Spiele zu anderen Zeiten. Es gab ein 4:4 gegen Juventus, es gab europäische Halbfinals. Aber die große Aufbruch-Stimmung, die Freude am HSV, die gab es durch begeisterte und dadurch begeisternde Figuren oben. Doll war als Trainer solch eine Figur (abgesehen davon auch noch ein sehr guter Coach), und hat damit im Prinzip eine Aufgabe übernommen, die eine Etage über ihm noch stärker hätte gelebt werden müssen. Aber: er ist auch von einer anderen HSV-Figur, Dietmar Beiersdorfer, eingesetzt worden. Mit anderen Worten: hier war die Vereins-Verbundenheit durchlässig und hat sich schließlich auf die Mannschaft übertragen.

Bert van Marwijk hat nun erkannt, dass dieser Verein eine bestimmte Krankheit hat. Er nannte es Zufriedenheit, man könnte es auch eine Schlafkrankheit nennen. Das „Erfolglos-Syndrom“. Es kommt nicht vom Trainer, und ich fürchte, auch van Marwijk könnte sich daran überheben – so wie sich Fink, Veh und andere überhoben haben. Ja aber, werden jetzt viele sagen, der Fink hat dies und das falsch gemacht. Der Veh hat doch gar kein Feuer gehabt. Der Labbadia sich nicht mit der Mannschaft verstanden.

Ich habe mit Armin Veh einmal, es war kurz vor seinem freiwilligen-unfreiwilligen Ende beim HSV, über die Situation des Clubs gesprochen. Wir sind alles durchgegangen, von oben bis unten. Vor allem oben natürlich, denn da setzen die Schwächen an. „Es ist ein Wahnsinn“, hat der Veh immer wieder gesagt, wenn es zum Aufsichtsrat kam. Unter diesen Bedingungen hat er Fehler gemacht, die Mannschaft ist ihm aus der Hand geglitten. So hat auch Thorsten Fink sein Feuer mitgebracht nach Hamburg – und als es erloschen war, sind ihm ebenfalls Fehler unterlaufen. Der HSV hat sie alle geschafft.

Zurück zu Veh. Als er dann entlassen wurde, habe ich damaligen Amtsinhabern empfohlen, einmal das Gespräch mit Veh zu suchen. Es bestand ja nun kein Anstellungsverhältnis mehr, vielleicht hätte ein unabhängiger Austausch ja mal geholfen, die Augen zu öffnen. Das Interesse von HSV-Seite war gering, denn Veh wurden immer nur und immer wieder seine Unzulänglichkeiten vorgeworfen.

Alle nicht gut genug für den HSV. Der Veh zu faul. Der Fink nur auf dem Weg zur Familie nach München. Der Jol hatte immer seine holländischen Freunde in der Kabine, und der Oenning war ja nur ein Nachwuchs-Trainer. Ich kann das alles nicht mehr hören und sehen.


Vor ein paar Monaten, es war ausgerechnet nach dem 2:9 bei den Bayern, habe ich einmal einen Kommentar zur Lage des HSV gemacht. Ein Vorschlag für eine bessere Spitze war: Beiersdorfer zum Präsident, Hoogma ins Management, Rost und Barbarez dazu, Uli Stein als Torwarttrainer – und guckt doch mal, was der Beinlich macht und wie man den Hrubesch doch noch mal endlich kriegen kann. Der Text wurde damals auch bei einer Veranstaltung der HSV-Senioren vorgelesen. Mir wurde von höhnischem Gelächter berichtet.

Klar, kann man drüber lachen – wie soll das auch gehen? Und überhaupt: dieses ewig-gestrige mit den 83ern, oder wie? Mir ging es und geht es jetzt um den Gedanken, der dahinter steckt. Um den HSV. Um Figuren, die diesen Verein verkörpern und nach außen tragen und die eine emotionale Bindung mitgeben, die – richtig vorgelebt – dann auch irgendwann mal auf dem Rasen ankommt.

Jeder kann sich selbst überlegen, ob im aktuellen Vorstand und Aufsichtsrat diese Figuren sind, und ob sie kommen würden bei den aktuellen Strukturen. Oder ob von Heesen, Hieronymus, Jakobs und andere mit ihren Verbindungen mehr davon bieten. Oder Hunke. Oder ob Ertel, Liebnau und Co. für den richtigen Weg stehen. Die Frage, ob ein strategischer Partner am 20. Januar, am Tag nach der Mitgliederversammlung, unter „HSV-PLUS“-Voraussetzungen da steht und mit einem Scheck wedelt, ist da erstmal zweitrangig. Es braucht ein Modell, in dem Leistungsfußball mit HSV-Identität gefördert wird. Mit all seinen Gesichtern und Geschichten. Alles in eine Richtung. In eine Richtung!!!

Damit nämlich Calhanoglu, Beister und Tah ihre erfolgreiche Zukunft in Hamburg haben werden, und nicht anderswo. Auch und gerade diese Jungs brauchen etwas, woran sie sich halten können – das Verbindende des HSV. Wenn sie merken, dass der Trainer – im Moment van Marwijk – wie sie selbst in dem wackeligen Boot sitzt und nach Orientierung sucht, dann sind sie so schnell verschwunden wie einige andere vor ihnen.

Zum Training heute. Personell hat sich nicht viel getan. Der Kader ist wie erwartet, so dass van Marwijk morgen in München folgende Elf aufbieten könnte:
Drobny – Rincon, Tah, Djourou, Jansen – Badelj, Arslan – Zoua, van der Vaart, Calhanoglu – Lasogga.

Jacques Zoua steht also mal wieder in der Startelf und vertritt den Gelb-gesperrten Maxi Beister. In der heutigen, kurzen Presserunde hat Zoua verraten, dass er schon zwei Mal gegen den FC Bayern gespielt hat. In der Champions-League-Saison 2011/2012 wurde er jeweils eingewechselt – beim Hinspiel in Basel (1:0) und beim Rückspiel in München (0:7). Heute sagte der Kameruner: „Ich versuche, das Spiel gegen die Bayern wie jedes andere Bundesliga-Spiel zu sehen. Natürlich wird es schwer, aber wir versuchen alles.“

Die Bayern müssen auf Boateng (fünfte Gelbe Karte) verzichten, und nach wie vor auf Robben und Schweinsteiger. Alaba, so heißt es aus München, könnte auf der linken Verteidiger-Position durch Contento ersetzt werden. Das wäre dann der Gegenspieler von Jacques Zoua.

Hoffnung für den HSV: Claudio Pizarro kommt wohl zunächst von der Ersatzbank. Im März schoss er vier Tore gegen den HSV. Insgesamt hat er in 21 Spielen gegen Hamburg 18 Tore erzielt. Eine unfassbare Quote.

Für den HSV geht es darum, sich anständig aus der Affäre zu ziehen. Das wäre völlig okay. An den Bayern haben sich dieses Jahr auch Barca und andere die Zähne ausgebissen. Dieser Fußball-Sonnabend, denke ich, bietet unabhängig vom Ausgang des Spiels keinen Anlass für Hohn und Spott.

Bei Oliver Scheel sind inzwischen die ersten Anträge eingegangen für die Mitgliederversammlung. „HSV-PLUS“ von Otto Rieckhoff, „Tradition mit Zukunft“ von Jürgen Hunke, „Rautenherz“ liegen vor. Außerdem viele Einzelanträge, unter anderem die Idee, eine Stiftung zu gründen. Die Anträge der „HSV-Reform“ werden bis zum Fristende am Sonntagabend auf der Geschäftsstelle des HSV erwartet.

Dieter und Scholle erwarten Euch nach dem Abpfiff des Bayern-Spiels zu „Matz ab live“. Ein Gast wird der Niendorfer Ex-HSV-Profi Alexander Laas sein.
Bis dahin
Lars

P.S.: Das DFB-Pokalspiel gegen Bayern München steigt am Mittwoch, 12. Februar 2014, um 20.30 Uhr und wird sowohl in der ARD als auch auf Sky gezeigt. Und: In der Vorbereitung auf die Fußball-WM in Brasilien spielt die deutsche Nationalmannschaft am 13. Mai in der imtech-Arena gegen Polen.

Uli Stein: “Es gibt kein Aufbäumen . . .”

10. Dezember 2013

Es gibt heute zwei Nachrichten vom HSV, eine gute, eine schlechte. Zuerst die gute: Rafael van der Vaart hat heute mit der Mannschaft trainiert, und das sah richtig gut aus – alles scheint gut zu werden. Und nun die schlechte: Ivo Ilicevic fehlte heute beim Training aus „familiären Gründen“, er soll allerdings morgen (Mittwoch) wieder dabei sein. Wenn nicht, dann könnte es eng werden mit einem Einsatz am Sonnabend bei und gegen die Bayern, und das wäre nicht so gut, denn weil Maximilian Beister wegen der fünften Gelben Karte gesperrt ist, müsste Ilicevic eigentlich von Beginn an ran. Kurz zurück zu van der Vaart. Der sagte nach der Einheit am späten Nachmittag: „Ich bin froh, wieder auf dem Platz zu stehen, Fußball ist für mich jetzt die beste Ablenkung.“ Wenn ich an den „kleinen Engel“ und den FC Bayern denke, gegen den es am Sonnabend geht, dann fällt mir der 28. April 2007 ein. In München gewann der HSV nicht nur 2:1, sondern machte damit auch endgültig den Klassenerhalt sicher. Und neben Paolo Guerrero schoss Rafael van der Vaart ein Tor, als er nach Pizarros 1:0 ausglich. An einen solchen Spielausgang mag ich, das gebe ich ehrlich zu, aber in diesen Tagen nun wirklich nicht denken – ich halte ihn für schlicht unmöglich.


Damals spielte der HSV (unter der Regie von Huub Stevens) mit Rost, Benjamin, Abel, Mathijsen, Atouba; Demel (56. Mahdavikia), Jarolim, de Jong (68. Guerrero), Sorin van der Vaart (82. Laas); Olic. Quervergleiche hinken ja, aber diese Mannschaft vom April 2007 glänzte ja auch nicht gerade mit den ganz großen Stars – oder? Und trotz allem gewann der HSV in München. Weil der FC Bayern damals schwächer war als heute? Sicher auch das. Aber sicherlich war die damalige Mannschaft auch (etwas mehr) als Einheit zu bezeichnen.

Aber gut, ich schrieb es bereits, Quervergleiche hinken. Mit Tomas Rincon sprachen wir heute, wie der HSV die Aufgabe am Sonnabend angehen sollte. „Wir wissen alle, was Bayern München für eine Mannschaft ist, vielleicht die beste der Welt. Aber wir müssen dort hinfahren und uns dort nicht verstecken, weil wer nicht daran glaubt, dass er eine Chance hat, der sollte besser gleich zu Hause bleiben. Wir müssen uns gut vorbereiten, und dann müssen wir auch unser bestes Spiel abliefern. Nur wenn wir unser bestes Spiel machen, kann man dort auch gewinnen“, sagt Rincon kämpferisch. Er gibt auf jeden Fall noch nichts von vornherein verloren und sagt weiter: „Ich habe gelernt, dass man auch gegen Argentinien und Brasilien gewinnen kann, man muss gut arbeiten und richtig gut Gas geben. In München muss es uns gelingen, auch mit zwei Mann gegen einen Bayern zu spielen, wir müssen Überzahl schaffen. Und wir dürfen und sollten uns dort nicht verstecken.“ Dann ergänzt „Popeye“ noch: „Wir respektieren die Bayern, wir gratulieren den Bayern auch dazu, was sie jede Woche machen, aber treten in München an, um drei Punkte zu holen.“

Mutig, mutig, der Tomas Rincon. Er hat ganz offenbar die letzten HSV-Klatschen in München total verdrängt, und er hat auch die Augsburg-Pleite schon restlos abgehakt. Fast jedenfalls. Denn er sagt: „So ein Spiel wie gegen Augsburg darf nie wieder passieren, das ist klar, jedes Spiel ist aber anders – und vielleicht machen wir dann doch tatsächlich in München unser bestes Spiel und gewinnen dort. Wer weiß? Natürlich ist es bitter, so wie gegen Augsburg zu verlieren, aber jetzt müssen wir uns auf das nächste Spiel konzentrieren.“ Tomas Rincon gibt zu: „Wir waren nach dem Augsburg-Spiel alle sehr enttäuscht, weil wir unglaublich schlecht gespielt haben – ich selber auch. Ich habe mir über mein Spiel selbst viele Gedanken gemacht, das, was ich gespielt habe, das war ich nicht. Jetzt versuche ich, wieder meine Leistung zu bringen, ich bin mir hundertprozentig sicher, dass ich besser spielen kann, als ich gespielt habe – und meine Kollegen auch. Das war ganz bitter, das tat mir auch für die Fans leid . . .“

Die taten sich selbst ja auch sehr, sehr leid. Ich habe am vergangenen Sonnabend niemanden getroffen, der zufrieden nach Hause gegangen ist. Und ich sprach mit dem HSV-Helden von einst, Torwart-Legende Uli Stein, der zuletzt gegen Köln und gegen Augsburg im Stadion war (Sky-Experte). Ich habe ihn gefragt, ob er entsetzt von „seinem“ HSV war, aber Uli Stein ist offenbar Kummer gewohnt: „Entsetzt war ich eigentlich nicht, aber ich hatte einen solchen Rückfall in alte Zeiten auch nicht gerade erwartet. Der HSV schien mir unter Bert van Marwijk wieder auf einem guten Weg, in Wolfsburg wurde sehr gut gespielt, gegen Köln im Pokal gewonnen – das hätte für Selbstvertrauen sorgen sollen, aber nichts da. Dass es aber so schwach werden würde, das hatte ich in der Tat nicht erwartet. Und die Art und Weise, wie der HSV zu Werke ging, die war schon erschreckend.“

Dann blickte Uli Stein noch ein Spiel zurück: „Schon gegen Köln war der HSV nicht gut, da hat er schon recht glücklich gewonnen, denn taktisch und spielerisch war der Zweitliga-Club besser.“ Das deckte sich mit meinen Beobachtungen, auch wenn die nicht jeder Hamburger als richtig empfand. Nun gut, Augsburg hat „gewisse“ Schwächen durchaus schonungslos offenbart. Uli Stein: „Gegen die Augsburger ist es natürlich auch sehr schwer, das muss man schon sagen, der FCA hat schon vielen Gegnern das Leben unglaublich erschwert, die Augsburger sind unbequem und nicht leicht zu spielen. Schon gar nicht für den HSV, der dann in Schwierigkeiten kommt, wenn er das Spiel machen muss. Das kann er nicht, dazu ist die Mannschaft spielerisch nicht in der Lage, die klasse hat dieses HSV-Team ganz einfach nicht, das muss man so deutlich sagen.“

Wobei Uli Stein erkannt hat: „Es stimmt vorne und hinten nicht. Die Abwehr ist desolat, im Mittelfeld ist der HSV nicht gut aufgestellt, und nach vorne kommt einfach zu wenig. Was mich besonders stört ist die Tatsache, dass es in dieser Truppe kein Aufbäumen gibt. Es gibt nicht einen, der dann die Ärmel aufkrempelt, wenn es bergab geht. Keiner sagt etwas, keiner tut so richtig was – obwohl dieser HSV ja auch durchaus einige hochbegabte Talente in seinen Reihen hat.“ Stein weiter: „Der HSV muss jetzt sehen, dieses Jahr einigermaßen abzuschließen, dann gut über die Rückrunde zu kommen – aber die Verantwortlichen sollten jetzt schon bemüht sein, nach Verstärkungen, nach neuen Leute Ausschau zu halten – mit dieser Mannschaft wird das nichts.“


Das klingt irgendwie auch nach ein wenig Abstiegsgefahr, oder? Uli Stein sagt aber: „Der HSV hat auch diesmal das Glück, dass es noch schwächere Mannschaften gibt, so wie Eintracht Braunschweig und den 1. FC Nürnberg. Diese beiden Clubs werden die größten Probleme bekommen, und dazu kommen dann noch Freiburg und Frankfurt. Nein, der HSV hat das Glück, dass es wieder drei schlechtere Mannschaften gibt.“

Und dann noch ein Wort von Torwart zu Torwart. Rene Adler ist in den vergangenen Wochen nicht nur gelobt, sondern auch einige Male recht deftig kritisiert worden. Wie sieht Uli Stein den HSV-Keeper derzeit? Der Europapokal-Held von 1983 sagt: „Klar ersichtlich ist, dass Rene Adler im Moment nicht in der Form ist, die er noch vor einem Jahr hatte. Ich vermute, dass er unter dem Gesamtzustand der Mannschaft leidet, dass er sich von den Schwächen seiner Vorderlaute hat anstecken lassen. Kein Wunder, wenn man so oft die Bude voll bekommt, dann wird man schnell mal davon angesteckt.“ Uli Stein sagt aber auch: „Ich bin total davon überzeugt, dass Rene Adler aus diesem Tief auch wieder herauskommen wird, ganz klar. Er hat im Moment nicht die Form, aber er ist immer noch einer der besten deutschen Torhüter, und ich bin davon überzeugt, dass er im Sommer 2014 mit zur WM fahren wird. Ich drücke ihm die Daumen, ich hoffe diese WM-Teilnahme für ihn.“

Ja, WM ist die eine Sache, Bundesliga die andere. Und die steht am Sonnabend noch auf dem Programm. Die Bayern, so denke ich, werden sich von ihrem Publikum mit einer (hoch) anständigen Leistung in die Winterpause verabschieden wollen, und genau das wird die Aufgabe für den HSV nicht einfacher machen. Mal sehen, was passieren wird – ich bin schon jetzt gespannt wie ein Flitzbogen.

So, Themenwechsel: Wenn nicht alles täuscht, dann hat ein früherer HSV-Trainer bald wieder Arbeit: Thomas Doll. Der (frühere) HSV-Publikumsliebling steht mit dem ungarischen Erstliga-Verein Ferencvaros Budapest in Verbindung und könnte Nachfolger des ehemaligen HSV-Trainers Ricardo Moniz werden, der kürzlich in Budapest entlassen worden ist. Thomas Doll war bereits in Ungarn, hat sich über den Club schlau gemacht, hat mit den Verantwortlichen gesprochen – und weiß, dass er einer von vier Kandidaten (einer könnte Lothar Matthäus sein) ist. Die Entscheidung soll in den nächsten zwei, drei Tagen fallen. Thomas Doll sagte mir: “Ferencvaros will wieder ganz nach oben, da bewegt sich einiges, im nächsten Frühjahr bekommt der Club ein neues Stadion, das nach dem Vorbild von Hoffenheim und Sinsheim gebaut worden ist. Im Moment kämpft Ferencvaros noch darum, mindestens Platz drei zu erreichen, um in die Europa League zu kommen.”

Ich drücke Dir, lieber Thomas Doll, die Daumen, dass es mit diesem Engagement klappt – Du hast es verdient, denn Du warst in meinen Augen ein sehr guter HSV-Trainer, der letztlich gescheitert ist, weil es zu viele schwere Verletzungen bei seinen Spielern gab. Ich drücke ganz fest die Daumen, Ferencvaros Budapest klingt gut und wäre eine prima Aufgabe.


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Zu einem ganz, ganz anderes Thema. Heute beim Training bin ich darauf angesprochen worden, dass es beim Augsburg-Spiel schon zu – sagen wir mal – Tumulten unter HSV-Fans gekommen ist. „HSVPlus“-Anhänger gegen „andere“. Wobei die HSVPlus-Anhänger dabei attackiert wurden. Ihnen sollen Schals (oder nur einer?) entwendet worden sein, und die Schals (der Schal) landeten dann in der Toilette, in der dann einige „Jungs“ auf den Schal urinierten.

Unfassbar. Aber genau das haben einige HSV-Mitglieder schon vor Wochen und seit Wochen vorausgeahnt und gesagt. Bitter, bitter. Ich glaube ja auch, dass das nicht der einzige Vorfall dieser Art bleiben wird. Wenn einigen „Jungs“ die Argumente ausgehen, dann gibt es eben auf die etwas andere Art und Weise zurück. Unserem „Matz-abber“ „JU“, wollten, so wurde mir mitgeteilt, einige Jungs aus 22c sogar an die Wäsche, weil er in 22b ebenfalls mit dem „HSVPlus“-Schal herumlief und herumstand. Dazu bekam ich auch noch einen Leserbrief, den ich hier schnell veröffentlichen möchte:

„Ich finde das Matz-ab Team könnte mal eine richtig große Geschichte um den jüngsten Skandal machen.
Dort wurden Menschen (auch Kindern) gewaltsam HSVPLus Schals abgenommen. Die Krönung ist aber, dass man Schals ins Urinal packt und draufpinkelt hat. Das habe ich mit eigenen Augen gesehen. Netter Typ mit Not-for-sale-Schal. HSV+ hin oder her, aber auf einen eigenen Vereinsschal urinieren? Auf die Vereinsfarben? Und sich dann als Supporter des HSV hinstellen?“

Das geht ja gar nicht. Aber man kann nur hoffen, dass das nicht noch schlimmer wird. Dann, ja dann hätten die HSVer wohl die richtige Ahnung gehabt, die schon seit Wochen und Monaten davon sprechen, dass der Verein durch die Strukturen-Debatte die Teilung in zwei Teile erleben wird. Noch wäre das zu verhindern, wenn statt solcher Taten mehr mit dem Hirn gearbeitet werden würde. Und zwar nur zum Wohle des HSV. Mit Hirn und mit einer demokratischen Einstellung.

Dann noch schnell, die Zeit läuft einem ja bei diesem späten Nachmittags-Training total weg, zu einem Kommentar bei Matz ab, und zwar den von User „Waltero“. Der schrieb nämlich einen sehr beachtenswerten Artikel, den ich Euch nicht vorenthalten möchte. „Waltero“ schrieb:

Moin, ich möchte an dieser Stelle noch einmal auf meinen Kommentar von gestern um 18.32 Uhr verweisen. Mein Kommentar ist zwar sehr statistisch und ausführlich, wirft aber sicherlich einige Fragen auf. Es wäre schön, wenn die Blogbetreiber diese Fragen auch einmal in die Richtung der Offiziellen des HSV richten könnten (die Zahlen lassen sich auf Bundesliga.de nachlesen).
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Ich fasse mal kurz die Ergebnisse meiner Beobachtungen kurz zusammen:
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– Nur zwei Mannschaften liefen an diesem Spieltag weniger als der HSV (Gesamtdistanz). Zudem lief keine andere Bundesligamannschaft an diesem Spieltag durchschnittlich langsamer als der HSV.
– Hinsichtlich schneller Läufe sind wir an diesem Spieltag in etwa Bundesligadurchschnitt gewesen, waren Augsburg läuferisch trotzdem hoffnungslos unterlegen.
– Der HSV sprintete zwar überdurchschnittlich häufig gegen Augsburg, wies aber im Bundesligavergleich die zweitkürzeste durchschnittliche Sprintdistanz auf. Anders ausgedrückt: Die Spieler des HSV brachen die Sprints deutlich früher ab als die Konkurrenz (fehlen da die Körner?).
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Um diese Beobachtungen in Relation zu setzen, haben ich mir auch die Tracking-Werte
der anderen Partien des HSV in dieser Saison angesehen. In den Werten ist z. B. deutlich der Trainer-Effekt zu sehen: Ab dem 7. Spieltag steigt die Durchschnittsgeschwindigkeit der Mannschaft sprunghaft an. Bewegt sich die Mannschaft unter Fink in einer Geschwindigkeit zwischen 6,5 und 7 km/h über den Platz, schwankte die die Geschwindigkeit in den ersten fünf Spielen unter BvM zwischen 6,9 und 7,5 km/h. Seitdem ist die Durchschnittsgeschwindigkeit aber wieder rückläufig (Trainer-Effekt schon verpufft?).
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Das Spiel gegen Augsburg zwar von der Gesamtschwindigkeit gesehen eher schlecht (aber nicht die langsamste Saisonleistung…), von der Anzahl der intensiven Läufe und Sprints war es dagegen unsere beste (!) Saisonleistung. Von der zurückgelegten Distanz intensiver Läufe war es die drittbeste Leistung (nur gegen Leverkusen und Gladbach wurde etwas mehr schnell gelaufen).
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Vergleicht man die Tracking-Daten der HSV-Spieler mit denen der Gegner, so wird deutlich, dass unsere Jungs in den meisten Spielen läuferisch unterlegen waren: in lediglich drei Spielen war man besser (Braunschweig, Leverkusen Gladbach – wobei Braunschweig läuferisch in der Bundesliga schon außer Konkurrenz schlecht ist), in zwei weiteren in etwa gleichwertig (Hertha und Nürnberg) und in den restlichen zehn Spielen (!) bei Gesamtbetrachtung der Werte unterlegen. Die drei Spiele mit besseren Tracking-Daten sind auch zu relativieren, da Gladbach und Leverkusen aufgrund ihrer spielerischen Überlegenheit weniger laufen müssen (beide Spiele wurden ja auch verloren). Das wird gegen Bayern nicht anders sein.
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Wenn man sich diese Zahlen anschaut, muss man sich übrigens auch nicht wundern, dass der HSV regelmäßig die erste Halbzeit verschläft. Da man läuferisch offensichtlich nicht konkurrenzfähig ist, muss man sich seine Kräfte natürlich gut einteilen. Gut zu sehen gegen Wolfsburg, die letztendlich zwar eingebrochen sind, aber über das gesamte Spiel hinweg mehr und schneller als der HSV gelaufen sind. Gegen eine läuferische Top-Mannschaft, wie den FC Augsburg, geht das natürlich schief – da kommt dann ein Spiel wie letzten Samstag heraus.
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Wieso laufen die Profis gerade einmal fünf Spiele schneller unter dem neuen Trainer uns verfallen dann wieder in den alten Trott? Warum ruft die Mannschaft ihr läuferisches Potenzial nicht mehr ab – hat es mentale Gründe oder fehlen einfach die Körner? Oder bringen die Spieler die Voraussetzungen nicht mit, sind also eher laufschwach?
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Für die weitere Saison macht das alles nicht viel Hoffnung…

Das war der (zweite) Beitrag von „Waltero“. Interessant, wirklich interessant. Es ist allerdings schwierig, daraus die richtigen (und wahren?) Lehren zu ziehen, denn das Thema „Laufen“ ist nur auf dem ersten Blick leicht zu beurteilen. Laufen, Kondition und Kondition zu trainieren. Zuletzt in Wolfsburg hat der HSV den VfL in den letzten 20 Minuten „an die Wand gelaufen“. Und eine Woche, oder zwei Wochen später ist davon nichts mehr zu sehen oder zu merken? So oft wurde schon versucht (auch von uns Journalisten), den HSV als laufschwach und lauffaul zu bezeichnen, und wenn es tatsächlich doch mal geschah, dann kam der jeweilige HSV-Trainer immer mit dem Argument: „Vor einer Woche haben wir beim 1:1 in XY bis zur 90. Minuten gekämpft, sind gerannt, gelaufen – viel mehr als der Gegner . . .“ Ja, und dann waren alle anderen Argumente mit einem Schlag vom Tisch.
Ich gebe zu, dass ich eher bei „Waltero“ bin, aber ich habe es mir abgewöhnt, einen schwachen HSV nur mit dem wenigen Laufvermögen zu verbinden. Ich glaube, dass man das nicht schaffen wird, weil es immer auch andere Dinge gibt, die da mit hineinspielen.
Wobei ich mich immer an meine eine ganz, ganz kleine Fußballgeschichte erinnere. Wir hatten beim WFC (als wir von der Bezirksliga bis in die Verbandsliga – heute Oberliga – aufstiegen) mit Wolfgang „Jule“ Rauert (er lebt leider nicht mehr) einen Trainer, der uns laufen, laufen, laufen ließ. Manche hatten sehr, sehr oft die Nase davon voll. Sonntags aber liefen wir alle Gegner, jeden Gegner, an die Wand. Mühelos. Es fiel niemandem schwer.
Daraus darf dann jeder seine eigenen Schlüsse ziehen. Besonders diejenigen, die seit Jahren beim HSV-Training anwesend sind. Wobei ich ganz klar sagen muss: Da waren sich in der Vergangenheit alle, wirklich alle HSV-Trainer gleich. Die einzige Ausnahme war und ist tatsächlich Felix Magath . . .

PS: Morgen wird um 15 Uhr an der Arena trainiert.

19.06 Uhr

Aktualisiert! Sechs Kandidaten – und Cardoso bleibt wohl auch im Pokal Chef

18. September 2013

**** AKTUALISIERT (22.18 Uhr): Der HSV hat dem Vernehmen nach sechs Trainerkandidaten. Bert van Marwijk und Thomas Schaaf sind dabei, Lothar Matthäus nicht. Trotzdem: Bis mindestens und einschließlich DFB-Pokal am Dienstag gegen Greuther Fürth soll Rodolfo Cardoso Chef bleiben****.

Lothar Matthäus, Felix Magath, Stefan Effenberg – und natürlich Thomas Schaaf – der HSV lässt zumindest im nationalen Bereich keinen großen Namen aus. Vom selbstpensionierten Jupp Heynckes mal abgesehen. Aber auch große Namen sind keine Allheilmittel, wie Uli Stein einmal mehr in seinem Interview mit ran.de beweist. Dort spricht er von veralteten, zeitfressenden und Entscheidungen behindernden Gremien. So weit so gut. Allerdings spricht er davon, dass bei Entscheidungen der Verwaltungsrat befragt werden müsste, dieser wieder den Aufsichtsrat fragt und am Ende wieder der Verwaltungsrat tagt.

Und das ist bitter. Sehr bitter sogar. So viel Ahnungslosigkeit sollte Anlass genug sein, vorerst zum Thema zu schweigen und sich genauer über die Strukturen zu informieren. Denn bei aller vorhandenen Wertschätzung für die Helden von 1983 – so ein Outing ist ganz sicher keine Bewerbung für die Strukturreform mithilfe der 83er…


Aber okay, auch eine Menge Ahnung und viel guter Wille bringen manchmal nicht den erwünschten Erfolg, wie Jürgen Hunke am Dienstag bei der – vorsichtig formuliert – durchwachsenen Präsentation seines Strukturmodelles erfahren musste. Zu viel Fragen blieben unbeantwortet. Hunke spülte Wasser auf die Mühlen der konkurrierenden Initiative „HSVplus“. Und obgleich der ehemalige HSV-Präsident Jürgen Hunke ein Update und die Vervollständigung seines Modelles für die nächsten Wochen versprach, waren die meisten Saalbesucher nicht wirklich überzeugt.

Noch nicht überzeugt ist auch Oliver Kreuzer. Noch gebe es keinen klaren Favoriten auf die Fink-Nachfolge, heißt es. Und das, obwohl mein zumeist sehr gut informierter Kollege Matthias Linnenbrügger vernommen haben will, dass Kreuzer seinen Bayern-Buddy Lothar Matthäus nach Hamburg holen will. Nun muss ich gestehen, ich hätte sehr viel darauf verwettet (und verloren), dass der Axel-Springer Verlag niemals das Abendblatt verkauft. Aber Lothar Matthäus in Hamburg als Trainer des HSV? Obgleich sich meine Kollegen der Boulevardzeitungen ganz sicher freuen würden, immerhin hätten sie doch nach Sylvie, Sabia und wie sie alle heißen die nächsten Schlagzeilen mit Liebesdramen garantiert – nein. Der ehemalige Weltfußballer wäre bei aller ihm nachgesagten Fußballkompetenz hier (noch) nicht zu verkaufen. Im Gegenteil, bei einem Klub, der sich schon seit Jahren durch Nebensächlichkeiten, Eifersüchteleien der Amtsträger und sonstigem Nonsens selbst blockiert, ist jetzt Seriosität gefordert. Auch auf der Trainerposition. Da wäre ein Thomas Schaaf sicher geeigneter. Wie eigentlich fast alle Kandidaten, wie ich finde. Aber okay. Es ist noch nichts entschieden, der Aufsichtsrat hat noch keine Beschlussvorlage bekommen. Und auch das Gerücht, dass Lodda oder Thomas Schaaf schon beschlossen seien – falsch.

Seriöse Verletzungen haben sich Slobodan Rajkovic und Dennis Diekmeier zugezogen. Beide verletzten sich in Zweikampfduellen mit Kerem Demirbay, der dafür auf unserer Matz-ab-Facebookseite schon als „für den Aufsichtsrat geeignet“, „heiß auf seinen Einsatz“ und „Chuck Norris“ gefeiert wird. „Jeder will ins Team“, scherzte er noch nach dem Training, nicht ahnend, dass sich die Verletzungen wenige Stunden später als so drastisch herausstellen sollten, dass sowohl Diekmeier als auch Rajkovic für mindestens acht Wochen ausfallen. Während sich Rajkovic einen Innenbandriss zuzog, muss Diekmeier mit einem gebrochenen Kahnbein im linken Fuß zwei Monate pausieren. „Ich hatte mir den Ball etwas zu weit vorgelegt und bin auf Sven Neuhaus zugelaufen. Als ich über ihn rüberspringen wollte ist er unglücklich mit seinem Knie auf meinem Fuß gelandet. Der Schmerz war so stark, dass ich sofort wusste, dass es etwas Schlimmes ist. Aber so schlimm – einfach bitter“, sagt Diekmeier niedergeschlagen.

Für den Rechtsverteidiger, dessen Vertrag noch immer nicht verlängert wurde („Bisher hat sich niemand mehr gemeldet. Aber ich habe jetzt ja leider viel Zeit für Dinge außerhalb des normalen Fußballs“), könnte Zhi Gin Lam von links auf rechts in der Viererkette wechseln. Dann würde der wieder genesene Marcell Jansen wieder hinten links beginnen. „Das ist eine Option“, verrät Interimstrainer Rodolfo Cardoso, der aber noch eine weitere Option im Kopf hat: „Heiko Westermann hat auch schon häufiger hinten links gespielt. Er kennt die Position.“

Dennoch erscheint die Variante mit Lam und Jansen wahrscheinlicher. Zumal Cardoso besonderen Wert auf die Defensive legen will. Der einstige Offensivkünstler setzt auf raues Handwerk? „Erst einmal muss die Mannschaft sicher stehen. Wir wollen zu null spielen. Und dafür werden wir alles tun.“ Gespräche mit den Führungsspielern habe er bereits geführt, weitere sollen folgen. Herz und Leidenschaft fordert der Argentinier für das Nordderby gegen Werder Bremen am Sonnabend. Es wäre im Übrigen Diekmeiers 100. Bundesligaspiel gewesen. „Im Derby so ein Jubiläum – mehr geht eigentlich nicht“, ist Diekmeier traurig. „Aber ich werde es nachholen. Gegen einen anderen Gegner. Aber ganz sicher.“ Ziel sei die Rückrunde im Januar.

Dann also nach dem D-Day am 19. Januar. Mit einer Entscheidung über die Strukturreform und einem neuen Trainer, der bis dahin gefunden worden sein sollte. Ebenfalls möglich: Thomas Schaf. Und obwohl der langjährige Trainer vom Nordrivalen auch nicht allzu leicht zu verkaufen wäre, erscheint mir diese Lösung etwas logischer. Immerhin hat Schaaf seine Qualität nachgewiesen. Ebenso wie Marcel Koller, der mit Österreichs Nationalmannschaft vor dem entscheidenden Spiel gegen Schweden in der WM-Quali steht – vor allem aber schon zu Zeiten Hoffmanns, Beiersdorfers und Co. als einer der Wunschkandidaten galt.

Mein Wunsch für Sonnabend gegen Bremen wäre übrigens, dass der HSV wieder mit zwei Spitzen beginnt. Momentan scheint sich Lasogga in der besten Form zu präsentieren. „Er ist gut drauf, macht einen fitten Eindruck“, so Cardoso, der auch Ivo Ilicevic lobt: „Ivo ist gut drauf, macht einen super Eindruck.“ Gut möglich, dass Cardoso den Kroaten am Sonnabend aufbietet. Oder? Cardoso lachend: „Alles ist möglich.“

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird nach dem heutigen Geheimtraining nicht wie angesagt am Vormittag sondern erst um 16 Uhr an der Imtech-Arena trainiert.

Ach ja, und bevor ich es vergesse: Thomas Doll hat sich von internen Querelen, eigenen Eitelkeiten und anderen Nebensächlichkeiten aus dem Konzept bringen lassen. So wurde aus dem einst so mannschaftsnahen Teamplayer ein Kämpfer um die eigene Position. Diese andauernden Reibungen haben abgelenkt und Kraft gekostet, die er vorher immer in die Betreuung der Mannschaft stecken konnte. DAS war mit „abgelenkt“ gemeint.

Ich hoffe, der Part aus dem Vorblog ist mit dieser Erklärung verständlicher geworden. Bis morgen!

Scholle

Standards und Stürmer – daran hapert es

24. Juli 2013

So früh am Morgen hat der HSV ja seit Jahr und Tag nicht mehr trainiert. War es einst unter Felix Magath, als der HSV nachts von einer Auswärtstour zurückgekommen ist – und gleich auf den Acker musste? Ansonsten aber war acht Uhr, sowie an diesem Mittwoch, wohl in diesem Jahrtausend noch nie ein Thema. Ein Kraft-Zirkel wurde veranstaltet, und der musste so früh starten, weil der ganze Tag ansonsten mit Fototerminen vollgepflastert war. Bitte lächeln stand von 10.30 Uhr an auf dem Programmplan, und dazu die Forderung eines Fotografen: „Kopf senken, und dann bei eins, zwei, drei Kopf hoch und lächeln. Alles hört auf ein Kommando.“ Das haben alle gekonnt. Gefreut habe ich mich über Tolgay Arslan, der eigentlich schon auf dem Weg in die Kabine schien, kam noch zu einer kleinen Kindergarten-Gruppe, um sich einem Gruppenfoto zu stellen. Das war super – und abseits des offiziellen Protokolls.

Außer Fotos ist also heute nichts gewesen. Gestern traf ich beim Training einige „Matz-abber“, die auch beim Trainingslager im Zillertal zugegen waren. Darüber hatten mir einige andere Damen und Herren berichtet, dass sie es als „zu lasch angesehen“ hätten. Die Herren aber vom Dienstag, mit denen ich über das Zillertal sprach, die hatten nichts in dieser Hinsicht zu kritisieren (vielleicht sind wird dazu gar nicht gekommen?). Die hatten etwas anderes auf dem Zettel: „Wir waren im Zillertal auch schnell mal zum Nachbar-Verein gepilgert, der trainierte ja nebenan. Und da können wir berichten, dass das alles viel schlimmer als beim HSV ist. Die Trainingsübungen waren erschütternd, und wie sich die Spieler bewegt und gegeben haben. Das war fast katastrophal. In unseren Augen steht Werder vor einer Horror-Saison. Auch schon deswegen, weil die Jungs wie Arnautovic und Elia mit durchschleppen müssen.“

Wie schön, dass es Werder gibt – habe ich bei mir gedacht. Aber das war vor dem Spiel gegen West Ham United. Die Bremer haben nun viermal in Folge verloren, der HSV nur dreimal. Aber ist ja nur Vorbereitung. Uns solange der Trainer noch sagt, dass er spielerisch zufrieden ist, weil seine Mannschaft in beiden Hälften die bessere war, solange ist ja noch gar nichts passiert.
Was ich aber zu bedenken gebe: Von Oliver Kreuzer habe ich auch zur 1:3-Niederlage in Flensburg nichts gehört und nichts gelesen. Sollte er allerdings auch zufrieden gewesen sein, dann hat er recht daran getan, uns diesen Kommentar zu ersparen. Zufrieden sind wir ja alle, weil der HSV immer noch kein Bundesliga-Spiel der Saison 2013/14 verloren hat. Und alles andere ist doch nur pille-palle. Das wird schon noch. Schalke, unser Auftaktgegner, bekleckert sich ja auch nicht gerade mit Ruhm. So gesehen ist noch alles im Lot – aber voll.

Zum Thema „Training“ sprach ich kürzlich mit einem ehemaligen Bundesliga-Trainer (es war nicht Felix Magath! Aber den wahren Namen schreibe ich nicht, weil es ganz privat war) über die Anforderungen einer täglichen Bundesliga-Trainingseinheit. Weil ja jeder zweite Trainingskiebitz der Meinung ist, dass generell (und schon seit Jahren) zu wenig trainiert und vor allem zu wenig gelaufen wird. Heute wird das Training der Profi-Fußballer ja vor allem „wissenschaftlich“ aufgebaut. Alles ist „wissenschaftlich“. Und obwohl der ehemalige Bundesliga-Trainer eher einer war, der früher viel laufen ließ (seine Spieler), sagte er mir, dass heute eben so trainiert wird – wie wir es täglich (im Volkspark) sehen. Berg rauf, Berg runter ist nicht mehr. Auch Medizinbälle sind out. Die tägliche Belastung macht es, die bringt dem Kicker Kraft, Kondition und Ausdauer. Alles rein „wissenschaftlich“.

Interessant ist dazu die Meinung, die uns „der Meller“ in den Blog stellte, wobei er nicht unbedingt über das HSV-Training schrieb, sondern speziell über Pep Guardiola und dessen Verein, den FC Pep Guardiola:

Ich kann mich noch gut an meinen Jugendtrainer erinnern. Der stand immer mit weit ausgebreiteten Armen vor einem, wenn man den Ball hatte, und meinte, es sollten sich immer 2 Spieler da anbieten, wo die Hände hinzeigen. Das “Dreieck”. Heute wird Pep dafür gefeiert, als wäre das die Errungenschaft vorm Herrn. Als wäre das eine neue Erkenntnis.

Diese Erkenntnis ist ungefähr vergleichbar mit “Durst? Trinken!”


Daher stellt sich mir immer die Frage, was hat man in seiner Spielerkarriere gelernt? Was lernt man auf den Trainerlehrgängen? Wie wird man überhaupt Bundesliga-Trainer?

Fakt ist doch mal, dass in unserem Spiel seit langer Zeit nichts geht. Nicht von hinten in das Mittelfeld. Nichts vom Mittelfeld nach vorne. Nichts von außen nach innen. Ohne Adler und Sons Einzelkunststücke, wäre die Saison düster gewesen.

Geht man weiter, hat Fink gesagt, dass “seine” Spieler sein System nach spätestens 3 Monaten verstanden haben. Wir haben nun 2013 und ich sehe immer noch wenig bis gar nichts. Trotz eines nicht preiswerten Kaders.

Und wenn man dann noch bedenkt, dass Fink mit 2 Stürmern Erfolg gehabt hat und er nun das aber nicht einsetzen will und weiterhin auf ein System setzt, für das er keine Spieler hat oder eben Spieler, die es auch mittelfristig nicht auf Bundesliganiveau bringen werden, dann versteht ein Normalsterblicher die Welt nicht mehr.

Ähnlich wie am Anfang beschrieben. Manche Dinge sind einfach logisch. Da muss man kein Bundesligatrainer sein. Da reicht es aus, 8 jährige zu trainieren. Aber manche lernen wohl auch erst, wenn man sie entlassen hat.

Dazu habe ich einige Gedanken – und zwei Anmerkungen:

Ich habe, ganz ehrlich gedacht, schon seit Jahrzehnten den Verdacht, dass in Deutschland eine „falsche“ Trainer-Ausbildung stattfindet. Zu viel Theorie, zu wenig Praxis. Obwohl ich es nicht so richtig beurteilen kann, denn ich habe nie einen Lehrgang in Köln besucht. Von jenen Leuten aber, die das schon hinter sich haben, sprach ich doch schon einige – und daraus zog ich meine Schlüsse. Vielleicht sollte doch besser Pep Guardiola die Trainer-Ausbildung des DFB in Köln übernehmen, um es moderner (und noch wissenschaftlicher?) zu gestalten. Und dabei will ich gar nicht davon anfangen, was mir beigebracht wurde, als ich die B-Lizenz erwarb. Das ist anno 1800 Krug gewesen, kurz nach Sepp Herberger – aber ich frage mich ernsthaft, was sich daran bis heute geändert hat? Und hoffe natürlich, dass sich etwas verändert hat – aber so recht glauben kann und mag ich es nicht.

Und auf den HSV bezogen hoffe ich, dass der soeben verpflichtete Cotrainer Roger Stilz (ich weiß, dass ich mit dem, was ich nun schreibe, nicht unbedingt etwas Gutes für ihn tue), irgendwann einen solchen Einfluss hat, dass er auch seine Vorstellungen von Fußball beim HSV einbringen darf. Der Mann hat in meinen Augen nämlich Ahnung, läuft aber, so meine Beobachtungen, bislang nur so am Rande mit. Was auch vollkommen normal ist und wäre, denn er muss ja erst einmal beim HSV „reinfinden“. Aber wenn er das geschafft hat, dann hoffe ich doch sehr, dass er Thorsten Fink so lange „bearbeitet“ und das beim Chef-Trainer loswird, was er vom Spiel und von der Spielweise des HSV hält. Das kann sich denn, davon bin ich überzeugt, nur positiv auswirken.

Und um das schnell noch anzufügen: Ich habe Roger Stilz seit seinem Amts-Antritt beim HSV nur einmal – nach einem Training – die Hand gegeben und „Guten Tag“ gesagt, mehr haben wir an Worten seit dieser Zeit nicht gewechselt. Wie es ihm beim HSV gefällt, was er vom HSV hält, was er über Spiele und Spieler denkt – all das haben wir natürlich nicht besprochen, werden es auch nicht tun. Weil er in dieser Beziehung ja ein absolut loyaler Mensch ist. Ich bin nur einfach davon überzeugt (das weiß ich ja noch aus jener Zeit, als wir, Stilz und ich, noch Journalisten-Kollegen waren), dass er gesunde und vor allem erfolgsversprechende Ansichten und Vorstellungen vom Fußball hat. Und auch dazu und deswegen, so denke ich, hat Thorsten Fink ihn ja mit in sein Team genommen.

Zurück zum Blog. Da gab es nach Ansicht der Moderatoren noch einen zweiten und sehr interessanten Beitrag, und zwar vom „Schenefelder“. Diesen Beitrag möchte ich euch nicht vorenthalten:

Wie schön, dass es bei unserem HSV immer etwas Negatives zu finden gibt. Was wäre das langweilig, wenn wir erfolgreich, gut strukturiert und finanziell gut aufgestellt wären. Oder würde man dann auch noch ein Haar in der Suppe finden?
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Erschreckend, was man von den letzten Spielen mitnimmt:
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*) Kein Tor bzw. nicht aus dem Spiel heraus und wenn auch nicht von einem Stürmer. Sie bekommen aber auch zu wenig und zu schlechte Anspiele dank Mittelfeldlethargie!
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*) Weiterhin wackelige Abwehrarbeit, insbesondere bei Standards sind wir wieder anfällig.
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*) Kein Spielaufbau aus der Abwehr und vom Mittelfeld, in dem vdV, Beister und Arslan keine Bäume ausreißen.
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*) Der Trainer und der Spodi scheinen keinen Rat zu haben, was das System und die Einstellung der Mannschaft angeht. Die Körpersprache ist negativ.
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*) Der Spodi zieht alle Themen in die Medien, zum Teil sogar schon bevor die Betroffenen von den Themen wissen.
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*) Der AR schafft es noch immer, den HSV ins Lächerliche zu ziehen.
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Bleibt abzuwarten, was nun von Seiten des Vorstandes und der Sportverantwortlichen unternommen wird, damit wir nicht in eine sorgenreiche Saison starten.

Auch dazu zwei Anmerkungen von mir. Die erste zum Thema „Standards und Gegentore“. Extra deswegen, um diese Schwächen zu bekämpfen, wurden ja große Abwehrspieler (mit Lasse Sobiech; 1,96 m, und Johan Djourou; 1,92 m) eingekauft. Und auch den 1,84 Meter großen Jacques Zoua zähle ich bei Standards zu den Größeren. Der Trend geht zu langen Spielern – beim HSV. Und das ist auch gut so. Nur müssen sich diese Spieler noch aufeinander abstimmen, um dann bestens zu harmonisieren und die Dinge zu klären, die mit dem Kopf zu bereinigen wären. Bislang stand Heiko Westermann dem ziemlich allein gegenüber, jetzt hat er Verstärkung an seine Seite bekommen – und ich hoffe, dass sich das ziemlich schnell einspielen wird. Gegen West Ham hat es, wie wir alle wissen, nicht geklappt. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Hoffen wir es mal. Und wenn dann noch ein Mann wie Nikica Jelavic (1,88 m) hinzukommen würde, dann müsste es doch mit dem Teufel zugehen, wenn der HSV bei gegnerischen Standards nicht gut gewappnet wäre.

Zweitens sehe ich auch die Gefahr, dass im HSV-Angriff weiterhin Flaute herrschen könnte. Der HSV hat Heung Min Son abgegeben, wollte aber, so die Verantwortlichen, auf jeden Fall einen Stürmer holen. Und zwar einen Stürmer, der Soforthilfe bedeuten würde. Roque Santa Cruz wäre einer gewesen, aber er sagte ab. Und nun steht Nikica Jelavic auf der Liste. Er wäre, das hat „Scholle“ ausführlich geschildert, wirklich ein guter Son-Ersatz – oder sogar mehr. Und es muss ja auch, das wissen alle, die mit dem HSV zu tun haben, etwas passieren. Zumal Artjoms Rudnevs (an ihm soll Celtic Glasgow Interesse zeigen) bislang noch seiner Bestform etwas hinterher läuft, um es einmal nett (und vorsichtig) zu umschreiben. Deswegen, um es zum Abschluss zu bringen: Um einen neuen Stürmer kommt der HSV nicht herum. In keinem Fall! Nur müssen dazu eben noch einige Spieler mehr verkauft oder auch nur verschenkt werden (um sie letztlich auf jeden Fall von der Gehaltsliste zu bekommen). Ich drücke Sportchef Oliver Kreuzer die Daumen, dass er das schafft – und dass Jelavic noch so lange Geduld hat, um auf den HSV zu warten.

Er wäre der, ich schrieb es bereits, der nächste „Große“. Obwohl der HSV, das ist euch sicher auch aufgefallen, ja nicht nur Geld in Größe investiert hat. Mit Hakan Calhanoglu und Kerem Demirbay hat der HSV ja auch zwei relativ „kleine“ Spieler unter Vertrag genommen. Klein, aber oho – möchte ich meinen. Wobei mir Demirbay schon jetzt imponiert. Der (kleine) Mann kann ein ganz Großer werden. Und erst haben einige (auch Kollegen von mir!) genörgelt, dass er zu wenig auf den Rippen hätte, heute redet davon niemand mehr. Weil er einfach nur ein guter Kicker ist. Und er wird den Arrivierten im Team schon – hoffentlich mächtig – den Marsch blasen. Der 20-jährige Mittelfeldspieler, der prächtig mit der Kugel umgehen kann und der sich offenbar für keinen Weg zu schade ist, absolviert bislang eine sehr gute Vorbereitung, und ich glaube, dass Thorsten Fink gar nicht an ihm vorbeikommen wird. Wenn es um die Start-Formation geht. Und wenn dazu dann auch noch Calhanoglu so in Fahrt kommt, wie er es zuletzt beim Karlsruher SC war, dann könnte das Mittelfeld des HSV ein ganz anderes Gesicht bekommen, als jetzt (und vor Wochen) noch gedacht. Konkurrenz belebt das Geschäft, in diesem Fall könnte das sogar der Schlüssel für bessere Auftritte der HSV-Truppe werden.

Bleibt für das Mittelfeld noch eine Frage, die allerdings von eminenter Wichtigkeit ist: was wird aus Rafael van der Vaart? Schafft er noch einmal, auf seine 100 Prozent zu kommen? Der Niederländer selbst, das ist nachzulesen, war nach seiner ersten Halbsaison (Ende 2012) nicht zufrieden mit sich, und er war es nach dem ersten halben Jahr 2013 noch immer nicht. Und mit der Vorbereitung wird er es, es gibt noch keine Aussage dazu von ihm, auch noch nicht sein. Er kommt nicht so richtig in die Hufe. Obwohl er jetzt einige Takte zu den bisherigen Vorstellungen des HSV gesagt hat. Nicht zu sich, sondern allgemein (meldet der SID):

Regisseur Rafael van der Vaart (30) vom HSV ist nach der dritten Testspiel-Niederlage in Folge noch lange nicht zufrieden mit der Form des Fußball-Bundesligisten. „Wir werden unsere Defensive weiter stabilisieren und das Umschaltverhalten nach Ballverlusten verbessern müssen. Und nach vorn wollen wir durchschlagskräftiger werden“, sagte der niederländische Nationalspieler in einem Interview mit ran.de – grundsätzlich gebe es immer etwas zu verbessern. Am Dienstagabend hatten die Hanseaten gegen den englischen Premier-League-Klub West Ham United (1:3) ihren dritten Härtetest in Folge verloren. Zuvor war die Mannschaft von Trainer Thorsten Fink beim Telekom-Cup gegen Bayern München (0:4) und Borussia Dortmund (0:1) unterlegen. Trotzdem hält van der Vaart nach Platz sieben in der Vorsaison an dem Saisonziel fest, sich für den Europapokal zu qualifizieren. „Sollen wir uns jetzt zum Ziel setzen, Achter zu werden? Ob wir es dann aber tatsächlich auch schaffen, werden wir sehen“, sagte er, „die Konkurrenz ist groß. Das wird ein harter Kampf.“

Und weil das so ist (keine Frage!), hoffe ich sehr, dass der HSV-Kapitän noch in der Lage ist, eine Schippe mehr draufzulegen. Das muss er, wenn er in der Mannschaft bleiben will – und ich gehe davon aus, dass er das will. Der „kleine Engel“ wird zudem aufpassen müssen, dass der „vdV-Effekt“, den es zu Beginn der vergangenen Saison zweifelsohne gegeben hat (und ohne den der HSV wohl ganz schwere Zeiten zu durchleben gehabt hätte), in dieser Spielzeit nicht ohne jede Wirkung sang- und klanglos verpufft. Ein Star wie van der Vaart, der muss erst recht Gas geben, um allen Kollegen ein Vorbild zu sein – und zu bleiben. Ich denke da an den „alternden“ Uli Stein. Als der jenseits der 30 war, da schob der Keeper in Ochsenzoll so manche Sonderschicht. Und zwar nicht für die Galerie, sondern für sich. „Steino“ quälte sich wie ein Besessener, der Schweiß floss in Strömen – und auf die Frage, ob er nicht ein wenig übertreiben würde, entgegnete er damals: „Kein bisschen. Wenn man in dem Alter noch mithalten will, dann muss man mehr tun als andere, dann muss man sich quälen. Tut man das nicht, wird man zu bequem, dann hat man in diesem Profi-Geschäft keine Chance mehr, noch länger zu überleben.“ Stein überlebte. Auch deshalb, weil er sich ganz allein (!) und ohne Aufforderung (zum Beispiel des Trainers) quälte. Und was passt dazu besser, als ein Zitat von Felix Magath: „Qualität kommt von Qual.“ Und auch der ins Alter gekommene Magath drehte nach dem Training einst noch manche Runde – für sich und seine Fitness.

Aber da Rafael van der Vaart ja auch die WM 2014 in Brasilien vor Augen hat, wird er schon noch richtig Gas geben, ganz sicher. Wüsste er doch andernfalls, dass er keine Chance bei Louis van Gaal hätte.

Eingangs habe ich ja geschildert, was „Matz-abber“ bei ihrem „kleinen Abstecher“ im Zillertal erlebt haben – bzw. wie sie über die Bremer denken und urteilen. Dazu gibt es auch beim SID noch einen Bericht:

Thorsten Fink wurde angesichts der Unzulänglichkeiten seiner Spieler übel, sein Trainerkollege Robin Dutt wird langsam nervös: Der HSV und Werder Bremen stolpern durch die Vorbereitung auf die neue Saison der Fußball-Bundesliga. Schon zehn Tage vor den ersten Pflichtspielen im DFB-Pokal rumort es bei den Traditionsklubs aus dem Norden – Werder droht die nächste Horrorsaison, beim HSV machen vor allem die Aussortierten Stunk. Bremen startet extrem holprig ins Jahr eins nach der Ära Thomas Schaaf. Nach dem Abschied des Übervaters wurde alles auf Null gestellt, unter Robin Dutt sollten die Grün-Weißen zu altem Glanz zurückkehren. Doch stattdessen herrscht bei den Hanseaten nach der vierten Testspiel-Pleite in Serie Ratlosigkeit. „Ich bin natürlich nicht zufrieden“, sagte Dutt nach dem müden Auftritt beim Drittligisten RB Leipzig (1:2) und kritisierte erstmals seine Spieler auch öffentlich: „Wir haben sehr viele Fehler gemacht in den Bereichen Aggressivität, Kompaktheit und Umschalten. Wir haben noch ganz viel Arbeit vor uns.“ Auch beim HSV wähnte man sich schon viel weiter. Das Erreichen des Europapokals ist das erklärte Ziel der klammen Hamburger. Doch statt so selbstbewusst aufzutreten wie ihr forscher Trainer, treiben die Profis Fink die Zornesfalten auf die Stirn. „So kann man kein Spiel gewinnen. Bei den Standardsituationen wurde mir schlecht“, schimpfte Fink nach der Pleite gegen West Ham United (1:3) – der bereits dritten in Serie. Dabei hatte der ehrgeizige Coach in der ersten Hälfte bis auf Torwart Rene Adler seine vermeintliche Wunschelf aufs Feld geschickt.
Weiter geht es: Ganz so schlimm wie an der Weser sind die Probleme an der Elbe zwar nicht, die Stimmung könnte aber besser sein. Die von Fink und Sportchef Oliver Kreuzer aussortierten Paul Scharner und Gojko Kacar beschweren sich öffentlich heftig über ihre Perspektivlosigkeit und das Verhalten des Klubs. „Sie wollen mir zeigen, dass ich überflüssig bin, und mich mental schwach machen, damit ich mir einen neuen Verein suche. Aber mich macht der HSV nicht kaputt“, sagte Kacar in einem Interview mit der Sport Bild. Scharner hatte seine Situation als „Horror“ bezeichnet. Die klammen Hanseaten wollen ihre „Restposten“ wie Kacar, Scharner, Slobodan Rajkovic, Robert Tesche und Michael Mancienne im Sommer-Schlussverkauf loswerden, um endlich einen treffsicheren Stürmer holen zu können. Das Interesse an dem Kroaten Nikica Jelavic (FC Everton) ist verbrieft – allein das nötige Kleingeld fehlt.

So, dafür, dass heute nur ein Foto-Tag war, bin ich ganz schön lang geworden. Natürlich mit Verstärkungen von außen, aber das muss gelegentlich sein. Jetzt werde ich (Sport 1) mal sehen, was sich denn HSV-Auftakt-Gegner Schalke 04 im Testspiel gegen die Engländer vom FC Southampton abkneift. Nach 16 Minuten steht es noch 0:0.

18.13 Uhr

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