Archiv für das Tag 'Stein'

Endlich: Positive Nachrichten vom HSV! ***ERGÄNZT mit AR-Sitzung*****

30. Mai 2013

***ERGÄNZUNG: Als Manfred Ertel um 22.20 Uhr vor uns trat, war er gut gelaunt. Allein die Tatsache, dass sich die elf Räte so schnell hatten zu Entscheidungen durchringen können, stimmte ihn offenbar froh. Und so verkündete er: “Wir haben die Vertragsverlängerung mit Jaroslav Drobny mehrheitlich gebilligt. Der Vorstand hat deutluch gemacht, wie wichtig diese Personalie ist.” Soll heißen, der Tscheche verlängert seinen Vertrag bis 2015 und erhält dem vernehmen nach rund 900000 Euro per annum – ohne Anschlussvertrag. Zudem befand der Aufsichtsrat über die Budgetplanung des Vorstandes. “Dieser Planung sind wir positiv gefolgt”, so Ertel, der aber einschränken musste: “Die Planung ist sehr eng mit der Vertragsverlängerung mit Sportfive um weitere fünf Jahre verbunden.” Die wiederum, dazu hatte sich der Aifsichtsrat entschlossen, soll erst den Mitgliedern vorgestellt werden, ehe eine Entscheidung gefällt wird. Und das passiert am Sonntag auf der Mitgliederversammlung. “Unsere Mitglieder können uns da sehr deutlich machen, was sie davon halten.” Sogar noch ablehnen? “Unter dem Eindruck der Vorstellung werden wir im Anschluss an die Veranstaltung in einer Dringlichkeitsversammlung unsere formalen Beschlüsse fassen.” Das Budget – mit der Verlängerung des Sportfive-Vertrages, der dem HSV 12,4 Millionen Euro Darlehen ebenso wie die TV-Beteiligung der abgelaufenen Saison (5 Mio) erlassen und zudem für die Verlängerung eine Einmalzahlung von rund 5 Millione Euro an den HSV einbrächte – sieht bislang eine “kleine schwarze Null” vor, wie Ertel sagt. Mal sehen, ob die Mitglieder dieser Idee folgen.****

Immer dann, wenn in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft vier HSV-Spieler gleichzeitig auf dem Rasen standen, dann hat die DFB-Auswahl auch gewonnen. Was schließen wir daraus? Dass Deutschland viel öfter mal mit vier HSV-Profis spielen müsste. Dreimal nämlich war das in der deutschen Länderspiel-Geschichte erst der Fall. Erstmalig am 13. Mai 1980, und zwar beim 3:1-Erfolg über Polen in Frankfurt, als Manfred Kaltz, Ditmar Jakobs, Felix Magath und Horst Hrubesch spielten, und dann am 9. April 1986, als in Basel mit 1:0 gegen die Schweiz gewonnen wurde. Da waren Uli Stein, Jakobs, Wolfgang Rolff und Magath zeitgleich auf dem Rasen – in der zweiten Halbzeit, denn zum zweiten Durchgang wurde Jakobs (er kam für Karlheinz Förster) eingewechselt. Und nun das dritte Mal, beim 4:2-Sieg über Ecuador, als Rene Adler, Heiko Westermann und Marcell Jansen 90 Minuten durchspielten, und dann Dennis Aogo in der 79. Minute für Debütant Max Kruse (gebürtiger Reinbeker!) eingewechselt wurde. Da kommt schon Freude auf. Weiter so, Herr Löw – nur Mut!

Wobei Adler in Boca Raton der beste Mann der deutschen Nationalmannschaft war. Deswegen gab es reichlich Lob für den Hamburger, der in der abgelaufenen Saison schon seinem Team mehrfach Punkte – und somit auch Spiele – gerettet hatte. Bundestrainer Joachim Löw fand ihn einfach „überragend gut“. Adler hat in Abwesenheit der unumstrittenen Nummer 1 in der Fußball-Nationalmannschaft, Manuel Neuer, seine überragenden Fähigkeiten unterstrichen.

In seinem (erst) zwölften Länderspiel hielt Adler den Sieg fest, das wurde auch von den Verlierern immer wieder behauptet. „Es waren vier, fünf, sechs Situationen mit klasse Abschlüssen von Ecuador, die nicht immer einfach zu halten waren“, sagte Löw. Ob Adler auf dem Niveau angekommen sei, das ihn bis zu seiner Verletzung vor der WM
2010 zur Nummer eins in Deutschland gemacht hatte? Löw: „René Adler ist eine Persönlichkeit. Er hat schon das ganze Jahr in Hamburg eine super Form gehabt und das bestätigt er auch hier. Er hat mehrfach gezeigt, dass er ein exzellenter Torwart ist.“

Der 28 Jahre alte Adler hob die Teamleistung hervor. „Unter dem Strich steht der Sieg gegen eine richtig gute Mannschaft, das ist das Wichtigste.“ Nur das 2:4, als Lukas Podolski und Dennis Aogo die Freistoßmauer auflösten und der Ball im kurze Eck einschlug, ärgerte den HSV-Schlussmann – aber nur kurz. „Das macht ja keiner mit Absicht, der Poldi hat ja auch genügend Tore gemacht“, meinte der Keeper.

Wobei Lukas Podolski seinen Mauer-Nachbarn Dennis Aogo schon ein wenig vorwurfsvoll ansah. Da hatte man kurz den Eindruck, als wolle der Wahl-Engländer die Schuld auf den HSV-Spieler abwälzen. Apropos HSV-Spieler: Marcell Jansen hat mir in diesem Länderspiel außerordentlich gut gefallen – noch besser als bei seinen Spielen in der Bundesliga. Dass er am ersten Gegentor maßgeblich beteiligt war, das war nur dem unfähigen Selbstdarsteller mit der Pfeife im Mund zu verdanken. Als Jansen an der Eckfahne gecheckt wurde, für mich gefühlte acht Meter weit, da sah das ganze Gespann aus Mitleid mal kurz verlegen zu Boden. Motto: Die armen Ecuadorianer . . .

Und noch ein ganz kurzer Blick zurück. In Amerika hatten ja drei der vier Nationalspieler (Adler, Jansen und Aogo) des HSV etwas zur derzeitigen Situation gesagt. Das rief sogleich HSV-Chef Carl-Edgar Jarchow auf den Plan. Er griff zum Telefon und stellte etwas gerade. In der Art: „Ich habe den drei Spielern gesagt, was ich davon halte – nämlich nichts. Sie sollen sich besser darauf konzentrieren, was sie am besten können, und das ist Fußball spielen. Und das haben sie dann ja auch gegen Ecuador getan . . .“

So, zum HSV in Hamburg. Der hatte heute einen richtig großen Tag im Rathaus. Bei Innen- und Sportsenator Michael Neumann und dem stellvertretenden Leiter des Bezirksamts Altona
Kersten Albers wurde der Bauantrag für das Nachwuchsleistungszentrum „HSV-Campus“ ab- und übergeben. Wir erinnern uns, oder? Die Anleihe! Nun kommt Bewegung in die ganz Geschichte. Gegen Ende des Jahres soll, wenn alles so läuft wie gedacht und geplant, mit den Bauarbeiten begonnen werden, und heute in zwei Jahren soll die Eröffnung stattfinden – wenn wiederum bis dahin alles so gelaufen ist, wie sich das heute alle Beteiligten vorgestellt haben. Carl-Edgar Jarchow: Wenn alle so mitziehen, wie wir es uns erhoffen, dann wird es funktionieren Zunächst sind wir einmal auf das Bezirksamt Altona angewiesen, dort ist man guten Mutes – ich bin es auch.“

Und das ist nach wie vor geplant: Unmittelbar angrenzend an das Gelände der Imtech Arena soll mit dem HSV-Campus einen Funktionskomplex entstehen, der Raum für HSV-Internat, Leistungs- sowie Trainingszentrum bietet. Der HSV-Nachwuchs soll damit und dadurch intensiver betreut werden, zudem ist der HSV-Campus als Begegnungsstätte im Grünen gedacht und soll im Volkspark infrastrukturell für die gesamte Hamburger Bevölkerung geöffnet werden.

Sportsenator Michael Neumann: „Der HSV ist ein wichtiger Partner im Hamburger Sport, der mit dem HSV-Campus die Weichen auf Zukunft stellt und die Nachwuchsarbeit zurück in die Stadt holt. Er gibt talentierten Nachwuchsspielern aus der Region eine Chance und
engagiert sich gleichzeitig im Volkspark für Freizeit- und Breitensport, ganz im Sinne der Parksport-Idee unserer Dekadenstrategie.“

Der HSV erhofft sich für seine Nachwuchsarbeit künftig einen zusätzlichen Schub. Die Nachwuchsarbeit soll damit intensiviert und verbessert werden. Jarchow: „Das ist natürlich ein Schub, der nicht von heute auf morgen kommen wird, denn wir ziehen ja erst in zwei Jahren dort ein. Bis dahin versuchen wir schon, die Nachwuchsarbeit an seinem jetzigen Standort in Ochsenzoll zu intensivieren. Bis sich dann die Ergebnisse des neuen Campus’ materialisieren, das wird dann bestimmt noch fünf Jahre dauern.“ Jarchow und die HSV-Führungsherren sahen es bislang als Nachteil an, dass der HSV-Nachwuchs im 20 Kilometer entfernten Norderstedt trainieren und spielen musste. Er sagt: „Das dortige Zentrum stand nicht unter der permanenten Einflussnahme der Verantwortlichen. Die U 23 ist ja bereits im Volkspark, die übrigen Leistungsmannschaften sollen und werden folgen.“

Wobei ich genügend Stimmen gehört habe, die sich dazu äußerten, was der Umzug der U 23 von Ochsenzoll in den Volkspark gebracht hat: nichts. Jedenfalls hat niemand etwas anderes bemerkt. Eine Annäherung oder gar eine Verschmelzung /(an manchen Tagen) hat es nicht gegeben. Die einen trainieren hier, die anderen dort. Das könnte so auch im Volkspark und zeitgleich in Ochsenzoll stattfinden, ganz sicher. Darauf sprach ich heute Carl Jarchow an, und dessen Antwort war: „Die handelnden Personen müssen das wollen und sich danach richten. Das ist so wie mit dem Campus hier. Damit kann man alles richtig machen, aber wenn dort die falschen Leute arbeiten, dann wird da auch nichts bei rauskommen. Aber ic kann zunächst ja nur die Voraussetzungen schaffen, damit es mal klappen kann.“ Ja, und nun sind tatsächlich die handelnden Personen gefragt.
Ich bin aber weiter skeptisch, ob in die von der HSV-Führung gedachte Richtung tatsächlich auch künftig etwas mehr passieren wird. Ich glaube, um mal Butter bei die Fische zu geben, nicht dran. Gut gedacht, aber es wird eben nicht umgesetzt. Wie das dann beim Campus sein wird? Abwarten.
Bei der Gelegenheit verriet Jarchow auch: „Die U 23 wird in der kommenden Saison die Heimspiele nicht wieder bei Eintracht Norderstedt austragen, sondern wieder in Hamburg, und zwar an der Hagenbeckstraße.“

So, dann noch einen ganz kurzen Blick voraus: Heute findet am Abend und in der Nacht eine ganz normale Aufsichtsratssitzung statt, da geht es um das Budget für das kommende Geschäftsjahr 2013/2014. Die Zahlen wird der Vorstand dem Rat vorlegen, und dann wird genehmigt. Oder gestrichen. Oder ganz abgelehnt? Das wohl nicht. Aber ich könnte mir schon vorstellen, dass es da den einen oder anderen besonderen Höhepunkt geben wird. „Scholle“ wird vor Ort sein und sich die Nacht im Volkspark um die Ohren schlagen, und sollte etwas für „Matz ab“ dabei herausspringen, so wird er das in diesen Blog ergänzend hineinbringen. Danke dafür schon mal vorab, „Scholle“.

In Sachen Sportchef wird es wahrscheinlich auch heute das eine oder andere Gespräch zwischen Vorstand und Aufsichtsrat geben. Am Sonnabend aber soll es dann die Entscheidung geben. Intern ist ja längst alles geklärt, Oliver Kreuzer wird der neue Sportchef des HSV, die Räte haben mit 11:0 Stimmen für den Mann aus Karlsruhe gestimmt. Nun muss man sich nur noch finanziell mit dem KSC einigen, und das wird am Sonnabend in Berlin passieren. Sodass es dann am Sonntag bei der Mitgliederversammlung in der Arena (Beginn 11 Uhr) voller Stolz verkündet werden kann. Mal wieder etwas Positives vom HSV. Wobei – heute gab es ja auch schon mal wieder etwas. Positives.

Und dann gibt es noch diese kleine Meldung:

Rafael van der Vaart wird entgegen den ursprünglichen Planungen pünktlich zum Trainingsstart des HSV zurückkehren. Der Mittelfeldspieler musste seine Teilnahme an der Asienreise der niederländischen Nationalmannschaft wegen Achillessehnenproblemen am linken Fuß absagen. Deshalb braucht er seinen Urlaub nun nicht zu verlängern. Der HSV beginnt am 1. Juli mit dem Training.

17.38 Uhr

Glückwunsch, ihr Helden von 1983!

25. Mai 2013

Und es begab sich zu jener Zeit, als Borussia Dortmund seinen Trainer Jürgen Röber vor die Tür setzen wollte. Fußball-Deutschland schrieb damals das Jahr 2007, es lief der dritte Monat des Jahres. Der frühere HSV-Profi Thomas von Heesen verhandelte geheim und total im Verborgenen mit Hans-Joachim Watzke, dem BVB-Macher. Beide Herren wurden sich einig, die Borussia setzte einen Vertrag auf, den Watzke unterschrieb und den von Heesen noch heute in seiner Schreibtischschublade zu liegen hat. Der frühere Hamburger hätte nur unterschreiben müssen, dann wäre er BVB-Trainer geworden, aber er wollte noch ein, zwei Tage abwarten. Und las dann zu seinem Entsetzen, dass das Geheimtreffen zwischen ihm und Watzke in aller Ausführlichkeit in der „Bild“ stand. Da von Heesen nichts verraten hatte (das wusste er hundertprozentig!), konnte das nur von der „anderen Seite“ gekommen sein – und Thomas von Heesen sagte der Dortmunder Borussia ab. Weil er einen solchen Vertrauensmissbrauch nicht ganz so gut ertragen konnte. Thomas Doll wurde dann vom BVB geholt – auch ein Hamburger.
Warum ich das aber schreibe? Wer nun schon eins und eins zusammenzählen kann, der weiß jetzt schon mal Bescheid.

Und es begab sich zu jener Zeit, als der HSV auf Sportchef-Suche war. Fußball-Deutschland schrieb das Jahr 2013, es lief (und läuft) gerade der fünfte Monat im Jahr. Da traf sich der HSV – ganz, ganz geheim – im Flughafen-Hotel mit zwei seiner aussichtsreichen Sportchef-Kandidaten, nämlich Oliver Kreuzer und Jörg Schmadtke. Und diese beiden Herren erlebten auch etwas höchst Seltsames. Zu ihren Geheimtreffen waren auch zwei Reporter von „Bild“ „geladen“ worden. Natürlich nicht von Kreuzer, auch nicht von Schmadtke. Diese beiden Herren hatten geglaubt, dass ein Geheimtreffen auch geheim verlaufen würde. „Bild“ aber war dabei. Gut recherchiert, die Herren. Wobei gleich zwei „Bild“-Herren in einem Hotel warteten. Das war schon ein Volltreffer. Und ich als Kollege kann den „Bild“-Kollegen nur gratulieren, sie haben wieder einmal eine Super-Nase bewiesen – und gehabt. Glückwunsch dazu. Soll nun aber niemand damit kommen, dass dieses Geheimtreffen auf irgendeine Art und Weise vom HSV, vermutlich sogar vom Aufsichtsrat, verraten worden ist. So war es bestimmt nicht. Ich frage mich allerdings, ob sich nun der „Fall von Heesen“ wiederholt? Charakterstarke Menschen mit Prinzipien würde wahrscheinlich denken, dass dieses Geheimtreffen verraten worden ist, und wenn sie dann, diese charakterstarken Menschen, noch viel mehr Charakter haben, dann verzichten sie wie einst Thomas von Heesen darauf, die Nachfolge von Frank Arnesen anzutreten. Ich bin mal gespannt, wie sich das noch entwickeln wird, wie stark die Charaktere der Herren Kandidaten sind . . .

Ansonsten wird heute, am Sonnabend, wohl nichts passieren – in Sachen Sportchef. Fußball-Deutschland denkt und lebt heute englisch. Da ich schon mehrfach gefragt worden bin, was ich bei Bayern – Dortmund tippe, will ich damit nicht hinterm Berg halten. Ich würde mich sehr über einen BVB-Sieg freuen, vor allen Dingen für Jürgen Klopp, dessen größter Fan ich bin, aber ich tippe auf einen lockeren 4:0-Sieg der Münchner. Die werden so abgezockt sein, dass sie schneller und besser Herr ihrer Nerven werden. Denke ich jedenfalls. Mal abwarten.

Heute vor 30 Jahren hat ja auch der Außenseiter gewonnen. Zum Glück. Das war fantastisch, dieser 1:0-Erfolg des HSV in Athen über Juventus Turin. Natürlich war das fantastisch, was denn sonst? Stein, Kaltz, Hieronymus, Jakobs, Wehmeyer, Groh, Rolff, Milewski, Magath, Hrubesch, Bastrup und von Heesen (kam in der 56. Minute für den verletzten Bastrup) werden auf ewig die HSV-Helden sein, und das 1:0 von Felix Magath hat sich längst für immer in die Köpfe von Millionen Fußball-Fans „eingebrannt“. Eine herrliche Zeit. Der HSV ganz oben in Europa.

Dass der HSV danach noch zwei Bundesliga-Spiele zu bestreiten hatte, nur drei Tage nach dem Triumph von Athen im Volkspark gegen Dortmund anzutreten hatte, das ist wahrscheinlich nicht mehr jedem HSV-Fan gegenwärtig. Die Borussia vom Borsigplatz wurde mit 5:0 besiegt (zweimal Horst Hrubesch, Jürgen Milewski und zwei Elfmetertore von Manfred Kaltz sorgten für diesen Erfolg), und dann ging es auf Schalke, wo der HSV durch Tore von Hrubesch und Wolfgang Rolff 2:1 gewann und Deutscher Meister wurde. Dank des besseren Torverhältnisses vor Werder Bremen. Irritiert war und bin ich immer noch, dass Ernst Happel, der Meistertrainer, damals sagte: „Die Meisterschaft bedeutet mir mehr als der Europapokal.“

Mir wäre heute beides lieber, aber das steht auf einem anderen Stück Papier.

Als im Sommer 1983 dann Horst Hrubesch den HSV verlassen musste (Standard Lüttich), begann der Abstieg dieser großartigen Mannschaft. Das „Kopfball-Ungeheuer“ war der Kopf dieses Teams, er hatte alle und alles im Griff, als er ging, entstand ein Vakuum, dass nie zu schließen war. Leider. Zumal die „Ersatzleute“, die dann verpflichtet worden waren, nämlich Dieter Schatzschneider und Wolfram Wuttke, sich bedauerlicherweise nur als „Rohrkrepierer“ erwiesen.

Abschließend sei gesagt: Herzlichen Glückwunsch, ihr Helden von 1983, ihr habt den Namen HSV noch größer und populärer gemacht, ihr habt das größte Stück Vereinsgeschichte geschrieben – und dafür danke ich euch immer wieder.

Ich weiß ja, dass der eine oder andere Held hier mitliest (sogar die Kommentare!), wenn er Zeit hat, wenn er auf Reisen ist und im Hotelzimmer im Bett liegt. Dann wird „Matz ab“ gelesen. Vielleicht ja auch heute. Gestern sagte mir auf jeden Fall (vielleicht hat es ja jemand beobachtet, als wir uns im Block House trafen?) ein Held von 1983: „Dieter, Du müsstest eigentlich das Verdienstkreuz Erster Klasse und am Bande erhalten, weil du . . .“ Aber den Rest schenke ich mir lieber.

Bei der Gelegenheit: Vielen Dank jenen Usern, die mir privat wieder viele, viele Mails zukommen ließen. Einige haben sich die allergrößte Mühe gegeben und haben viel mehr geschrieben, als ich es mit den längsten „Matz-ab“-Berichten jemals getan habe – danke. Da steckt viel Arbeit drin. Ich weiß das sehr zu schätzen, auch wenn ich (gelegentlich auch Scholle) darin durchaus mal nach allen Regeln der Kunst und nach Strich und Faden „vernichtet“ werde. Egal, die Mühe, die sich einige machen, die ist schon bemerkenswert.

Ein netter Zeitgenosse endet in seiner Mail an mich (er schickte es anonym über das Abendblatt) wie folgt:

Neiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin, natüüürlich nicht, du Witzfigur.
Armselig ist das. Einfach nur armselig.

Mit diesen interessanten, lieben, netten, höflichen, freundschaftlichen, versöhnlichen und natürlich nur gut gemeinten Buchstaben möchte ich heute dann auch enden. Danke, wie geschrieben, danke für alles und an alle. Ich schließe diesen netten Mitmenschen und natürlich alle „Matz-abber“ mit in mein heutiges Gute-Nacht-Gebet ein, ich liebe euch alle – ihr seid schon klasse. Eine Klasse für sich!
Bevor ich dieses Gute-Nacht-Gebet aber sprechen werde, gibt es noch einen heißen Fußball-Abend in und aus London, und zu diesem fußballerischen Höhepunkt wünsche ich euch und euren Lieben viel, viel Spaß und Freude – vertragt euch, auch wenn der „Falsche“ gewinnt, habt euch lieb, das Leben ist viel zu kurz, um sich ständig zu ärgern. Ganz sicher: Irgendwann kommt ein jeder mal an diesen Punkt, wo er so denkt. Und sich dabei fragt: Warum war ich damals nur so . . ?
Lasst mal wieder Ruhe einkehren.

PS: „Scholle“ hatte endlich einmal wieder eine angenehme Nacht, denn sein TSV Niendorf hat am letzten Spieltag die Rettung und den Klassenerhalt in der Oberliga Hamburg geschafft. Glückwunsch, Digger! Ein wenig traurig bin ich, dass der USC Paloma nun doch noch baden ging – denn die Vormittags-Grandspiele an der Brucknerstraße werde ich nun vermissen. Hoffentlich hören die blauen Tauben nicht auf zu fliegen, denn dann müssten sie doch im nächsten Jahr wieder da sein – oder?

15.59 Uhr

“Ein denkwürdig schlechtes Spiel”

31. März 2013

Das wird noch andauern. Über diese Klatsche, über diesen Skandal von München, über diese Frechheit, die sich der HSV bei den Bayern erlaubt hat, wird noch tagelang, nein, wochenlang gesprochen und geschrieben werden. Es ist für mich nach wie vor unfassbar, auch deshalb, weil ich niemals geglaubt habe, dass ein HSV jemals noch einmal neun Dinger einfängt. Das habe ich für völlig ausgeschlossen gehalten. Aber wenn man 90 Minuten lang nicht einmal ernsthaft zur Sache geht, wenn es nicht eine einzige Gelbe Karte für einen der Verlierer gibt, dann muss sich niemand wundern. Niemand.

Sie haben sich ja nicht einmal gewehrt . . .

Und dann war da auch die Harakiri-Taktik, die Thorsten Fink ausgegeben hatte, wohl etwas frivol und leicht verfehlt. Der HSV sollte mitspielen. Das war schon mutig gedacht. Zumal dann, wenn man in den letzten Wochen ein 1:1 gegen den Tabellenletzten Fürth „erkämpft“ hat, und wenn man dazu eine 0:1-Heimniederlage gegen den Drittletzten Augsburg „eingefahren“ hat. All diese erschütternden Auftritte, einschließlich des Horror-1:5 in Hannover, wurden offenbar vergessen, auf jeden Fall aber verdrängt. Plötzlich war der HSV so mutig, mit diesen Über-Bayern, die in dieser Saison nur einmal verloren haben, die in diesem Jahr alles gewonnen haben, mitspielen zu wollen. Herrschaftszeiten, wieso? Gegen diese blitzschnellen Tempo-Spieler aus München wurde versucht, über 70 Meter zu verteidigen. Anstatt die Räume in der eigenen Hälfte eng zu machen. Damit sich gegenseitig schneller geholfen werden kann.
Hinterher ist man zwar immer schlauer, aber nach dieser eben geschilderten Hannover-Fürth-Augsburg-Vorgeschichte hätte der HSV auf keinen Fall so in München auftreten sollen, wie er letztlich aufgetreten ist. Das waren drei bis zehn Schüsse in den Ofen. Auch wenn es von den Verantwortlichen heißen mag: „Erstens können wir nicht mauern, zweitens haben wir so in Dortmund und auch in Stuttgart gewonnen . . .“ Mag ja sein, aber Bayern sind die Bayern, die Münchner sind zurzeit (und schon länger) eine der besten Mannschaften der Welt. Die knappsen sich nicht mal eben ein 1:1 gegen Fürth ab, die verlieren auch nicht daheim 0:1 gegen Augsburg. Aber wenn’s dem Esel zu wohl wird, geht er auf’s Eis . . .

Nein, was sich da, an diesem historischen 30. März 2013, in München abgespielt hat, geht in die Vereins- und in die Bundesliga-Geschichte ein. Das hat die Welt noch nicht gesehen – so schlecht, so dramatisch schlecht. Das war eine einzige Trümmer-Truppe, die sich da in die Geschichtsbücher gequält hat. Zur Erinnerung:

Adler; Diekmeier, Bruma, Westermann, Aogo; Rincon, Badelj; Skjelbred, Son; van der Vaart; Rudnevs.

Diese Herren sind ab nun nicht mehr aus den Köpfen der (Hamburger) Fußball-Fans zu verdrängen, sie werden Jahrzehnte noch mit diesem Makel leben müssen. Wobei ich mich auch frage, wen es denn überhaupt juckt?

Kapitän Heiko Westermann sagte nach dem Spiel in alle Kameras und Mikrofone (hier in „Liga total“): „Ich schäme mich für mich selber, für die Mannschaft, dass ich heute das HSV-Trikot getragen und eine solche Leistung abgeliefert zu haben. So leichtfertig, ohne jeden Grund Tore verschenkt zu haben, ohne den nötigen Biss. Wir haben kein einziges Foul an der Mittellinie gemacht, um den Gegner zu bremsen, bevor er in Fahrt kommt. Das ist für mich unverständlich. Klar wird es dann schwer, wenn die Bayern erst einmal 5:0 führen, aber das ist trotz allem für mich unerklärlich. Da werden in dieser Woche noch klare Worte fallen müssen. So geht es nicht, so kann es nicht gehen.“

Land auf, Land ab ist der HSV das Oster-Thema Nummer eins. Die Mannschaft hat den Traditions-Club zum Gespött der Leute gemacht. Der Image-Verlust wird immens sein, nicht nur in Deutschland wird dieses 2:9 zu sehen sein, sondern in der ganzen Welt. Da hatte sich dieser HSV gerade ein wenig berappelt, war auf jeden Fall schon mal wieder auf einem ganz guten Weg – und dann dieses Dilemma. Wahnsinn!

Beim Doppelpass auf „Sport 1“ sagte der ehemalige HSV-Torwart Uli Stein heute am Vormittag: „Es gibt in diesem HSV keinen Führungsspieler, trotz eines Rafael van der Vaarts, eines Heiko Westermanns, der ja auch Kapitän ist. Die Mannschaft ergibt sich widerstandslos, es ist kein Leben in der Truppe. Das ist ja nicht das erste Mal, es war ja auch schon beim 1:5 in Hannover desolat. Nur damals hat 96 irgendwann – und zum Glück für den HSV – das Toreschießen eingestellt, während die Bayern am Sonnabend munter weiter machten.“

Uli Stein nahm dabei aber den Torwart-Kollegen Rene Adler in Schutz: „Bei allen neun Gegentoren hat er keine Chance. Am Torwart hat es ganz sicher nicht gelegen, Adler hat noch drei, vier Sachen gehalten, sonst wäre es zweistellig geworden.“

Uli Stein sagte weiter: „Was mir auffällt: Es regte sich nach den Toren keiner auf, da schimpft keiner, da meckert keiner. Wenn es schlecht läuft, dann bricht alles auseinander, dann hat jeder mit sich selbst zu tun.“

Allgemein befand der frühere Weltklasse-Keeper über den Zustand des HSV:
„Gestern hat jegliche Laufbereitschaft gefehlt. Das ist schon schockierend, vor allem weil es ja auch noch um das internationale Geschäft geht. Man kann gegen die Bayern natürlich verlieren, aber nicht in dieser Form. Das tut mir als Hamburger weh.“

Ebenfalls im „Doppelpass“ sagte „Sport 1“-Experte Thomas Strunz (der für mich die Nummer eins des Senders ist – tatsächlich! Strunz hat Ahnung): „Keine Struktur in dieser HSV-Mannschaft erkennbar, kein Kern, der sich dann zeigt, wenn es schlecht läuft.“

Zur Rückkehr in den Volkspark hatten sich trotz oder gerade wegen des Debakels einige Fans eingefunden. Nur wenige gaben aufgebrachte Kommentare ab, die meisten wirkten eher betroffen. Neun Gegentore, die sorgen überall für Fassungslosigkeit.

Auch bei den Spielern, die in ihren Taxen wie die begossenen Pudel wirkten – und so vorgefahren wurden. Sie wissen alle, was sie da geleistet haben – beziehungsweise, was nicht. „Keiner von uns hat gut und viel geschlafen. Mir fehlen heute noch die Worte. Eine solche Niederlage kann man auch nicht schönreden, das ist klar, wir wissen alle, dass wir Mist gebaut haben“, sprach HSV-Torwart Rene Adler. Er war der einzige Hamburger in Normalform. Und sagte weiter: „Ein 2:9 ist nicht alltäglich, deswegen kann man auch nicht gleich wieder zur Tagesordnung übergehen. Das werden wir auch nicht machen. Dennoch muss ich sagen, dass ich diese Niederlage auch einen Tag danach noch nicht erklären kann, dafür fehlen mir die Worte.“

Diese 2:9-Blamage kam einer (sportlichen) Hinrichtung gleich. Das weiß die gesamte Mannschaft, die auch um Wiedergutmachung bemüht ist. Am 21. April, einen Tag nach dem Heimspiel gegen Düsseldorf (wenn das Wetter besser ist – und auch das HSV-Spiel. Hoffentlich), wird die Mannschaft mit den Fans grillen – und auch diskutieren. Über die 2:9-Schlappe und über die gesamte Saison. Das ist ein Versöhnungsangebot. Ein erstes. Sportlich müssen bis zu diesem Datum noch weitere folgen.

„Wir müssen uns bei jedem entschuldigen, keine Frage, vor allem bei jenen Fans, die mit uns nach München gereist sind. Das war ein Auftritt, der eines HSV nicht würdig war. Jeder einzelne von uns muss mit sich hart ins Gericht gehen. Und dann müssen wir am Sonnabend gegen Freiburg eine Top-Leistung abrufen“, sagt Rene Adler, der noch nie in seinem Leben neun Gegentore gefangen hat. „Spätestens zur Halbzeit war klar, dass wir hier nichts mehr holen können, und dann hätte sich jeder von uns am Stolz gepackt fühlen müssen und dagegen angehen müssen, sich hier nicht abschlachten zu lassen“, sagt Adler, „wir hätten es nicht so ausufern lassen dürfen.“

Die Frage wird jetzt auch sein, wie die Spieler eine solche Klatsche verarbeiten? Und ob sich die Mannschaft endlich einmal zusammenraufen wird, um auch als Team und echte Einheit auftreten? Wie heißt es so schön? Hinfallen kann man, aber man darf nicht liegen bleiben, sondern muss sofort wieder aufstehen. Und Zähne zeigen.

Rene Adler zur Lage: „Dieses 2:9 war wieder ein Schritt in die falsche Richtung, das war schon ein denkwürdig schlechtes Spiel von uns. Diese Niederlage, das gebe ich zu, tut brutal weh, ich werde da noch Jahren dran denken. Aber da müssen wir nun gemeinsam raus, wir haben es uns ja auch gemeinsam eingebrockt. Wieder aufstehen, schon beim nächsten Spiel – das sind wir allen Leuten, die Fans und auch der Stadt, schuldig.“

Ein absolutes Sch…-Wochenende. Ostern ist versaut. Auch ich habe natürlich sau-schlecht geschlafen, das gebe ich zu, habe eher nur lange im dunklen Zimmer gelegen – und gegrübelt. Auch über einen merkwürdigen Umstand: Am Sonnabend Frühstück im Hause. Frau M., die immer, absolut immer optimistisch ist, was den HSV anbelangt, hatte morgens zu mir gesagt: „Ich habe ein ganz mulmiges Gefühl. Das wird kein schönes Spiel in München.“ Dann hielt sie inne, sagte nach einigen Sekunden Pause weiter: „Das wird ein ‚Lieber-mal-sechs-Gegentore-als-sechs-Mal-0:1-Spiel.’ Das könnte Thorsten Fink danach sagen – ich halte es nicht für ausgeschlossen.“ Die Seherin. Frau M. wird mir unheimlich. Früher keine Ahnung vom Fußball, und heute weiß sie fast alles . . . Aber nun müsste es heißen: „Lieber mal neun Dinger kassieren, als neun Mal 0:1.“ Unfassbar.

Unfassbar war auch die Flut von Mails und Anrufen, die ich seit gestern um 20.30 Uhr bekommen habe. Und dazu eine ganze sms-Batterie. Sogar der große „Manni“ Breuckmann fragte nach, was da in Hamburg und beim HSV los ist. Alle machen sich, wie bereits geschrieben, um diesen HSV ihre Gedanken.

Zwei Mails, die mich erreichten, möchte ich gerne noch veröffentlichen. Wie gesagt, von vielen, vielen anderen.

Die erste Mail:

Lieber Matz,

Ich gehöre zu den Fans die mit in München waren! Wenn die Mannschaft sich bei den mitgereisten Fans entschuldigen möchten, dann sollen sie aus der Mannschaftskasse die Eintrittspreise der Fans erstatten! Aber dafür sind die Millionäre wohl zu geizig!!! Wir Fans sind doch selber Schuld dass wir an die Mannschaft geglaubt haben…!

Gruß Björn Sch.

Wäre ja mal was. Obwohl, es soll ja auch am 21. April etwas kommen . . . Und vorher auch schon mehr.

Und in Sachen Rekorde und Einmaligkeit erreichte mir eine Mail meines Kollegen Hans Vinke, der mir aus dem Emsland schrieb:

Lieber Dieter.

Ich möchte gar nichts zu diesem grausigen Auftritt sagen, das machen ja Deine User ausgiebig. Nur eine kleine Korrektur, denn mehrere Blog-Teilnehmer (zum Beispiel SW 11 heute um 9:50 Uhr) sprechen von der höchsten Niederlage der Vereinsgeschichte. Derartiges ist aber schlicht falsch: Die höchste Niederlage gab es am 21. 2. 1954 mit 2:10 bei Arminia Hannover. Es ist zudem die einzige zweistellige Niederlage des HSV in einem Pflichtspiel.

Was allerdings auch kein Tost sein wird. Weder für mich noch für jeden anderen HSV-Anhänger. Jetzt, spätestens jetzt, muss etwas von der Mannschaft kommen – sie allein ist nun in der Bringschuld.

Aber trotz allem: macht noch etwas aus Ostern! Viel Spaß.

PS: Ostermontag haben die Spieler frei. Dafür wurde heute trainiert, am Sonntag, der eigentlich frei sein sollte.

18.11 Uhr

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