Archiv für das Tag 'Stark'

Ein Elfmeter besiegelt das HSV-Schicksal in Bremen

19. April 2015

Fußball kann ja so gnadenlos sein. Das war ja ein Spiel, das der HSV niemals verlieren durfte – aber er verlor in Bremen durch einen Foulelfmeter in der 86. Minute mit 0:1 und blieb damit abgeschlagenes Bundesliga-Schlusslicht. Dabei hatte der „neue“ und von Bruno Labbadia gecoachte HSV durchaus gute Szenen in Bremen, hatte in Halbzeit eins auch die wesentlich besseren Tormöglichkeiten – aber die Null steht bei den Hamburgern weiterhin fest und eisern. Vorne. Hinten natürlich nicht. Obwohl dieses eine Tor mit Sicherheit nicht sein musste. Aber so ist es eben, wenn ein Abstiegskandidat unterwegs ist. Leider, leider. Jetzt ruhen die Hamburger Hoffnungen eben auf das nächste Heimspiel, das gegen Augsburg am Sonnabend. Aber es werden auch immer weniger Spiele. Diesmal war es, ganz klar, viel Pech, aber ohne ein HSV-Tor kann der HSV eben auch nicht gewinnen. So geht es ja schon die gesamte Saison über, daran wird der HSV letztlich scheitern. Obwohl ich es nach wie vor nicht hoffe.

 

Die Hoffnung war nach dem erneuten Trainerwechsel plötzlich wieder da. Das Trainingslager, die vielen Gespräche, die der neue Coach mit den Spielern geführt hat, die Ergebnisse der Konkurrenz, die an diesem Sonnabend für den HSV gespielt hatte – das alles hatte wieder einmal für etwas mehr Optimismus gesorgt…

 

Der Empfang in Bremen war allerdings wenig ermunternd. Die Werder-Fans hatten sich etwas ganz „Besonderes“ einfallen lassen. Ein riesiges Plakat um zwei Tribünen, auf denen zu lesen war: „Eine Kühne AG als Gegner, nur mit Clowns und einer Szene, die so keine ist – macht für uns das Derby grau und trist.“
Wie schön. Dass doch alle gekommen waren. Meine Plakate waren allerdings nicht rechtzeitig fertig geworden:
„Gegen grüne Hühnchen von Wiesenhof, ist Fußball wirklich schlimm und doof.“
Und: „Fußball gegen Hähnchenschenkel, endet meistens im Geplänkel.“ Und so weiter, und so weiter. Besonders einfallsreich war und ist das alles nicht. Eher grau und trist.

 

Was man vom Spiel nicht sagen konnte. Da war schon Feuer drin. Und als der HSV nach zehn Minuten immer noch die Null hinten hielt, da war schon mal der Etappenhase zum Einsatz gekommen. Und – man höre und staune – der HSV hatte sogar die erste Chance des Spiels: Rafael van der Vaart bediente Pierre-Michel Lasogga, der nahm den Ball mit der Brust an und schoss ihn aus 21 Metern volley auf das Werder-Tor – doch genau auf Keeper Casteels. Der stand – etwas überraschend – zwischen den Pfosten, draußen war der ehemalige HSV-Torwart Raphael Wolf geblieben. Trainer Skripnik hatte sich wohl gedacht: „Sicher ist sicher.“ Damit bei einem eventuellen Torwartfehler niemand einen schlimmen Verdacht hegt.

 

Es entwickelte sich ein spannendes Spiel, indem sich die Akteure nichts schenkten. So wie das auch im Abstiegskampf sein muss. HSV-Trainer Bruno Labbadia, der mit einem Schlips um den Hals am Spielfeldrand stand (Mann gönnt sich ja sonst nichts!), hatte seine neuen Mannen gut eingestellt. Der HSV stand kompakter, rannte nicht immer blindlinks nach vorne, und hinten ging man eisern zur Sache. Nicht immer regelkonform, aber einen Fairnesspreis wird der HSV auch nicht am Saisonende erwarten, eher die Rettung der Klasse. Und Schiedsrichter Wolfgang Stark (Landshut) hatte einen für den HSV ganz starken Tag. Erst ließ er Slobodan Rajkovic gewähren, als der HSV-Innenverteidiger den Bremer Torjäger im Fünfmeterraum umklammerte und festhielt, dann drückte Stark auch bei einem bösen Tritt von Rafael van der Vaart beide Augen zu – auch noch die Hühneraugen. Das war Rot, da sollte man fair bleiben. Der „kleine Engel“ hatte den Bremer Vestergaard ganz übel umgetreten, als er ihn am Schienbein erwischte. Stark beließ es bei einer Verwarnung – dafür sollte ihm der HSV in der neuen Woche ein Dankesschreiben nach Landshut schicken. Es wäre ja auch völlig dumm gewesen, wenn sich der HSV auch in diesem Spiel wieder selbst dezimiert hätte. Stark hatte ein Einsehen (16.). Und Glück auch für van der Vaart, der kurz darauf absichtlich Hand spielte – kein Gelb, nichts. Unfassbar.

 

Dann kam der (vollzählige) HSV auf Touren. Endlich einmal wieder, endlich einmal auch in einem fremden Stadion. Heiko Westermann bediente Lasogga, der passte den Ball quer in den Fünfmeterraum, doch dort verfehlte Ivica Olic die Kugel knapp (28.). Und nur Sekunden später gab Matthias Ostrzolek den Ball von links zur Mitte, wo Lasogga absichtlich passieren ließ, doch Zoltan Stieber schoss den Ball dann aus zwölf Metern knapp am Tor vorbei. Das war eine fast Hundertprozentige! Bitter.

 

Werder hatte dann eine erste – halbe – Tormöglichkeit, und zwar in der 33. Minute. Nach einer Flanke kam Di Santo eher als Cleber an nden Ball, doch der Schoss vom Eck des Fünfmeterraum-Ecks stieg weit über das HSV-Tor. Danach noch zweimal Aufregung auf Hamburger Seite: Westermann traf bei einem Abwehrversuch Junuzovic und sah dafür Gelb (36.), und 120 Sekunden später erlaubte sich Cleber ein „dickes Ding“. Der Brasilianer wollte den lahmen Ball ins Toraus rollen lassen, doch der rollte nicht so, wie er wollte. Und als Junuzovic nachsetzte, schubst ihn Cleber kurzerhand um. Wie dumm! Zum Glück, zum großen Glück pfiff Schiedsrichter Stark auch diesmal nicht! Aber wie kann ein solcher Blackout passieren? So amateurhaft.

 

Die letzte Chance vor der Pause hatte dann Werder. Und was für eine. Ein Konter aus der eigenen Hälfte, Fritz bediente Junuzovic, der sprintete los und flankte bilderbuchartig zur Mitte, in den HSV-Strafraum, und Cleber tauchte unter dem Ball durch! Der dahinter lauernde Selke schoss überhastet weit über das HSV-Gehäuse, da war sicherlich mehr drin (43.). Halbzeit.

 

Die erste Möglichkeit des zweiten Durchgangs gehörte dann dem HSV. Stieber schoss aus 16 Metern, aber Casteels tauchte ab und hielt den Schuss ohne große Mühe (48.). Unangenehm wurde es für den HSV meistens dann, wenn der Österreicher Prödl, der früher mal Weltmeister im Weitwurf (oder Schleuderball?) gewesen sein muss, zum Einwurf von der Eckfahne her antrat. Das waren meistens gute Gelegenheiten für die Bremer, aber irgendwie schienen sich die GSV-Abwehrspieler von Minute zu Minute mehr besser darauf eingestellt zu haben.

 

In der 58. Minute kam dann auf Bremer Seite Levin Öztunali ins Spiel, und fast hätte Uwes Enkel in der 80. Minute noch getroffen. Er schoss aus 18 Metern, doch Rene Adler hielt fantastisch – nur Ecke statt 1:0. Das fiel 120 Sekunden später. Valon Behrami zog Junuzovic im Strafraum um, es gab Elfmeter und Rot für den Schweizer – wieder eine Rote Karte für den HSV! Den fälligen Elfmeter verwandelte Di Santo in der 84. Minute zum Tor des Tages. Ganz, ganz bitter, diese Niederlage. Aber wenn man erst einmal unten steht, dann gesellt sich auch viel Pech hinzu . . .

 

Der HSV spielte mit: Adler; Westermann,
Rajkovic, Cleber, Ostrzolek; Behrami, Holtby; Stieber (ab 70. Müller), van der Vaart (ab 86. Kacar), Olic (ab 86. Rudnevs); Lasogga.

 

Die Einzelkritik

 

Rene Adler spielte sehr aufmerksam, war der ruhende Pol – bekam aber auch nicht sonderlich viel auf seinen Kasten.

 

Heiko Westermann verteidigte solide, gefiel durch sein Kopfballspiel – und rettete auch mal hier und mal dort. Tauchte sogar einige Male vorne mit auf – und auch das nicht mal schlecht.

 

Slobodan Rajkovic gestattete Gegenspieler Di Santo kaum etwas, bediente sich dabei nicht selten der etwas rustikaleren Art – aber es half. Gute Partie des Serben.

 

Cleber war meistens eng am Mann, ging hart und konsequent zur Sache, aber er hatte auch wieder diese gelegentlichen Aussetzer, die immer für ein Gegentor „gut“ sind. Leider. Da muss er dran arbeiten – oder der Trainer muss es mit ihm machen.

 

Matthias Ostrzolek begann nachlässig, auch zu körperlos – aber nach dem Seitenwechsel wurde er besser, bissiger, konstruktiver. So wollen wir ihn sehen. Mehr davon.

 

Valon Behrami stellte sich in Geburtstagsform vor, verzichtete bis zur 82. Minute auf alle Mätzchen und stellte sich in den Dienst der Mannschaft. Dann zog er Junuzovic um, es gab Elfer und die Rote Karte für ihn.

 

Lewis Holtby arbeitete bienenfleißig, aber er setzte keinerlei Akzente. Leider. Fehlt am Sonnabend gegen Augsburg, weil er seine fünfte Gelbe Karte sah.

 

Zoltan Stieber spielte nur bis zur 70. Minute, hatte die bis dahin beste HSV-Chance, blieb aber insgesamt hinter seiner Form, die er noch zu Beginn des Jahres gezeigt hatte.

 

Rafael van der Vaart hatte vornehmlich in Halbzeit eins gute Ideen, lief viel – und hatte zweimal Glück, dass ihn der Schiedsrichter schützte. Später ließen die Kräfte nach.

 

Ivica Olic war zuletzt gegen Wolfsburg okay, diesmal trat er kaum in Erscheinung.

 

Pierre-Michel Lasogga begann durchaus okay, aber dann ließ er stetig nach – und war in Halbzeit zwei überhaupt nicht mehr zu sehen.

 

Nicolai Müller (kam in der 70. Min. für Stieber) und konnte ich nicht mehr zeigen.

 

Gojko Kacar (ab 86. Min. für van der Vaart) sollte noch, konnte aber in den letzten Sekunden nichts mehr.

 

Artjoms Rudnevs (ab 86. Min. für Olic) sollte ebenfalls noch, kam aber nicht mehr dazu.

 

Das war es zunächst vom Spiel in Bremen. Gleich werden wir wieder mit „Matz ab live“ zur Stelle sein, um über diese Partie zu sprechen. Unsere Gäste sind heute der ehemalige HSV-Profi Andreas Merkle, der einstige „Bomber von Saragossa“, sowie der Unternehmer und Erfinder des „Uwe-Seeler-Fußes“, Andreas Maske, der auch seit Beginn des Jahres unser Premium-Partner bei „Matz ab“ ist. Wir alle würden uns sehr freuen, wenn Ihr wieder unsere Zuschauer sein würdet.
PS: Andreas Merkle und Saragossa – das möchte ich schnell erklären. UEFA-Cup 1989, zweite Runde. In Spanien verlor der HSV 0:1, im Rückspiel am 30. Oktober stand es nach 90 Minuten 1:0 – Tor Merkle, der in der 64. Minute (für John Jensen) eingewechselt worden war, und drei Minuten später traf. In der Verlängerung schlug unser heutiger Gast dann noch einmal zu, der HSV kam mit diesem 2:0-Sieg nach Verlängerung in den dritte Runde – und Andreas Merkle wurde für seine beiden Treffer lange, lange gefeiert.
Und um noch ein wenig nostalgisch zu werden: Der HSV spielte mit Golz; Moser, Beiersdorfer, Schröder, Dammeier, Jusufi, von Heesen, Eck, Jensen (ab 64. Min. Merkle), Jens Fischer (ab 99. Min. Ballwanz), Furtok. Trainer war Willi Reimann.

 

17.34 Uhr

 

0:2 – Olic kann auch kein Wunder bewirken! Am Sonntag soll der Chilene Diaz aus Basel kommen

31. Januar 2015

********************Der HSV wird sich weiter verstärken*********************
Laut Transfermarkt, der Schweizer Zeitung Blick und laut “Scholle” wird der HSV morgen einen Mittelfeldspieler verpflichten. Vom FC Basel soll der Chilene Marcelo Diaz kommen, der aktuelle Nationalspieler (30 Länderspiele) wird sich an diesem Sonntag medizinisch untersuchen lassen und danach einen Vertrag mit dem HSV unterzeichnen, die Laufzeit soll bis Sommer 2017 ausgehandelt worden sein. Diaz ist Mittelfeldspieler, hat für den FC Basel 99 Pflichtspiele bestritten, in denen er 13 Tore erzielte (acht Assits). Die Ablösesumme für den Chilenen soll zwei Millionen betragen – der FC Basel zahlte 2012 angeblich 3,4 Millionen Euro an den Club Universidad de Chile für den 1,66 Meter großen Profi, der seine Stärken in der Defensive haben soll. Er käme wohl in erster Linie als Ersatz für Valon Behrami zum HSV, denn der Schweizer wird wohl doch noch eine längere Zeit ausfallen.
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++Ergänzt um 23.07 Uhr+++++++++++++++++++++++++++++

 

Auf ihrem obligatorischen Gang in den Norden wurden die HSV-Spieler von Pfiffen empfangen. Und schon drehten sie ab, die Herren Profis. Mit einer 0:2-Heimniederlage gegen den Aufsteiger 1. FC Köln ist der HSV ernüchternd und total enttäuschend in das neue Fußball-Jahr gestartet, der Leidensweg im Volkspark geht weiter und wird so schnell auch kein Ende haben. Der HSV spielte wie ein Absteiger, da war kein Schwung, keine Frische und kein Herz erkennbar, erst recht nichts von Leidenschaft. Der HSV stolperte über den Rasen, als hätte er schon aufgegeben. Vor 56 053 Zuschauern war der Sieg der Kölner eindeutig verdient, er hätte sogar höher ausfallen können. Was erschütternd und fast schon dramatisch war: Ivica Olic, der „Wunschstürmer“ der HSV-Führung, konnte in dieser niveauarmen HSV-Mannschaft auch kein Wunder bewirken, er konnte auch niemanden mitreißen. Weil es überall in diesem Team an Qualität mangelt. Jetzt geht es am Mittwoch in Paderborn weiter, der Aufsteiger kam heute in Mainz mit 0:5 unter die Räder – mal sehen, wie sich der HSV dort aus der Affäre ziehen wird. Es wird eng, ganz sicher – bis zum Sommer.


War das eine Freude. Oder besser: eine Vorfreude. Endlich wieder Fußball. Nun gut, für die Zuschauer. Die Spieler ackern ja schon seit Wochen auf diesen Tag hin. Mussten in die Sonne, nach Dubai, um sich auf die Rückrunde vorzubereiten. Jeden Tag Fußball. Oder fast jeden Tag. Da kann einem schon die Freude mal kurzerhand verlorengehen. Viele Fans aber waren erwartungsfroh in den Volkspark gepilgert – und viele tippten auf einen klaren HSV-Sieg. Okay, die Winterpause war lang, da gerät dann eben auch manches in Vergessenheit . . .

 

Und wenn die HSV-Spieler dann an die Hinrunde anknüpfen, dann sieht das eben so aus, wie in diesem ersten Bundesliga-Heimspiel des Jahres 2015 gegen den 1. FC Köln. Der HSV quälte sich mühsam über die ersten 45 Minuten, suchte an allen Ecken und Enden nach einem Konzept – oder nach was auch immer. Nach Erstliga-Fußball sah das immer noch nicht aus. Von Vorfreude natürlich erst recht nicht. Ob die Abstiegsangst lähmt? Man weiß es nicht, man weiß es nicht. Aber irgendetwas muss es ja sein. Köln ging vorne drauf, und dann weiß der HSV ohnehin nicht, was Sache ist. Und wie man einen solchen kniffligen Fall lösen sollte. Ist ja aber auch gemein, einfach vorne drauf zu gehen, darauf hätten die Kölner ruhig mal verzichten können. Aber so spielt das Leben. Selbst bis an den Rhein hat es sich nun schon herumgesprochen, dass der HSV immer dann schon ganz leicht, aber wirklich nur ganz, ganz leicht überfordert ist, wenn er schon in seiner Hälfte attackiert wird.

 

Nee, nee, meine Herren, das sieht (und sah diesmal) nur nach Alt-Herren-Fußball aus, man muss der Wahrheit auch mal eiskalt ins Gesicht schauen dürfen. So geht Bundesliga in jedem Falle nicht. Immer noch nicht. Kommt vielleicht mal, aber im Moment noch nicht. Ganz offensichtlich war ja auch, dass die Kölner immer einen Tick schneller waren. Die No-name-Truppe hat es begriffen, wie Fußball geht – Schnelligkeit ist das Stichwort. Und dazu die nötige Aggressivität.
Nur die erste Halbzeit zum Maßstab genommen, so muss festgehalten werden, dass sich an diesem „HSV 2015“ nichts geändert hat.

 

Und es funktioniert dann erst recht nicht, wenn einige gar nicht richtig mitspielen. Petr Jiracek suchte seine Rolle, ohne sie zu finden. Der Tscheche hing im luftleeren Raum, der Ball lief meistens an ihm vorbei. Mohamed Gouaida fand gar nicht statt, Nicolai Müller war gar nicht zu sehen – und wenn drei Mann schon nur auf der Stelle treten, kannst du nichts gewinnen. Köln machte es vor: Zwei, drei Stationen mit Tempo-Fußball, jawollo, Tempo-Fußball (!), und dann war man am HSV-Strafraum, gelegentlich sogar drin. Und wenn einmal Ujah (16.) und einmal ein anderer Kölner – war es Peszko (?) – die Kugel unter Kontrolle bekommen hätten, dann hätte es auch leicht 0:1 stehen können.

 

Dabei begann der HSV durchaus unternehmungslustig. Mit Neuzugang Ivica Olic schien endlich mehr Leben in der Bude – sprich vorne – zu sein. Und in der neunten Minute hätte es auch 1:0 für den HSV stehen können, als Heiko Westermann nach einem Van-der-Vaart-Freistoß auf das Kölner Tor köpfte, Keeper Horn aber super hielt.

 

Danach aber nur Möglichkeiten für Köln. Wie geschrieben, zweimal wurde frei vor Jaroslav Drobny der Ball vergessen, und in der 24. Minute hätte Ujah eigentlich das Tor machen müssen, aber seinen Schuss aus 13 Metern hielt Drobny bravourös. Zum Glück für den HSV. Sekunden später schickte Trainer Joe Zinnbauer seine Ersatzleute zum Warmmachen – ein Zeichen für die, die auf dem Platz standen – aber verstanden hat es von ihnen kaum einer. Zinnbauer hatte sich übrigens zuerst im blauen Pullover versucht, zog dann aber doch nach 14 Minuten eine dickere Winterjacke an. Er hätte sich sonst wohl auch eine mächtige Erkältung eingefangen . . .

 

Zweimal fiel der HSV in der ersten Halbzeit noch auf: Rafael van der Vaart zog gegen Peszko, der einen Freistoß blockieren wollte, hart durch – das hätte auch Rot sein können, Schiedsrichter Wolfgang Stark war gnädig und gab beiden (!) Gelb. Und dann versuchte sich Nicolai Müller in der 42. Minute mit einem Volleyschuss von der Strafraumgrenze, ungefähr zwölf Meter überweg.
Seitenwechsel.

 

Im zweiten Durchgang ging es mit dem Prinzip Hoffnung weiter. Vieles war nur auf Zufall aufgebaut, einiges ging deshalb daneben, weil es nicht gekonnt ist, und andere Sachen klappen ganz einfach deshalb nicht, weil die meisten in Sachen Schnelligkeit eben nicht erstklassig sind. Wo ist Ivica Olic da nur hereingeraten?

 

Dabei hatte der HSV durchaus noch einige Szenen, in denen so etwas wie Können aufblitze. Ein Van-der-Vaart-Freistoß sah wie einstudiert aus: Der Ball kam auf Westermann, der legte per Kopf auf Ashton Götz auf – der drüber (49.).

 

Das Tor fiel auf der Gegenseite. Westermann spielte einen Fehlpass, Slobodan Rajkovic verlor ein Duell gegen Peszko, der Ball steil auf Risse, Westermann hechelte hinterher und kam nicht ran – und dann sah auch Drobny bei dem Schuss in die kurze Ecke nicht gut aus – Tor. Unfassbar, diese Fehler. Anfängerhafte Fehler. Amateurhafte Fehler. So spielen sie nicht mal in der Zweiten Liga. Das ist Fußball zum Vergessen.

 

Zinnbauer wechselte dann offensiv aus. Zoltan Stieber, der Gewinner der Vorbereitung (!), kam für Nicolai Müller, Petr Jiracek ging, für ihn kam Pierre-Michel Lasogga (71.), und dann kam auch noch Maximilian Beister für Mohamed Gouaida (76.).

 

Das nächste Tor fiel aber auf der Gegenseite. Wie gehabt. Marcell Jansen sah nicht gut aus, Rajkovic sah sehr langsam aus, und diesmal traf Risse ins lange Eck – Tor (78.). Die Entscheidung. Und völlig verdient. Der HSV wollte zwar noch, blieb aber restlos harmlos und enttäuschend. Wo soll das noch enden?

 

Der HSV spielte mit: Drobny; Götz, Djourou, Rajkovic, Jansen; Westermann, Jiracek (71. Lasogga); Müller (58. Stieber), van der Vaart, Gouaida (76. Beister); Olic;

 

Die Einzelkritik:

 

Jaroslav Drobny sah beim ersten Kölner Tor denkbar schlecht aus, den muss er halten. Ansonsten aber okay.

 

Ashton Götz spielte solide, fand nach vorne aber so gut wie nie statt. Sollte er wohl auch nicht, oder?

 

Johan Djourou sah nicht immer souverän aus, war aber hinten noch der beste Mann, weil er viele Sachen (der Kölner) erahnte und bereinigte.

 

Slobodan Rajkovic war eine Halbzeit lang sehr aufmerksam in den Zweikämpfen, beeindruckte durch seine Kopfballstärke – aber zweite Halbzeit war er schlecht. Und in Sachen Spielaufbau ging bei ihm gar nichts!

 

Marcell Jansen spielte mit, ohne groß aufzufallen.

 

Heiko Westermann war eine Halbzeit lang einer der besseren Hamburger, dann baute er stark ab – und leitete die Niederlage ein.

 

Petr Jiracek war nie zu sehen!

 

Nicolai Müller war überhaupt nicht zu sehen, spielte er mit?

 

Rafael van der Vaart wollte, aber was soll er allein bewirken – bei diesen dilettantischen Mitspielern? Mir tut der Mann leid.

 

Mohamed Gouaida war bis zur 76. Minuten ein, es muss leider geschrieben werden, Totalausfall. Und wurde viel zu spät erlöst.

 

Ivica Olic war in Halbzeit eins gut und viel unterwegs, dann tauchte er ab und unter – bestimmt völlig desillusioniert.

 

Zoltan Stieber (ab 58. Min. für Müller) durfte noch mitmachen, aber was sollte er noch machen? Als er kam, lief schon fast alles schief – und dann lief alles nur noch schiefer.

 

Pierre-Michel Lasogga (ab 71. Min. für Jiracek) mischte mit, wollte ganz sicher auch etwas bewirken – aber an diesem Nachmittag ging gar nichts. Immerhin, er zeigte ein, zwei Ansätze, und die waren nicht bei allen erkennbar.

 

Maximilian Beister (ab 76. Min. für Gouaida) durfte seine ersten Bundesliga-Minuten seit einem Jahr schnuppern – er muss sie genossen haben, trotz der Niederlage. Aber das war das einzig Positive für ihn, denn in eine solche Mannschaft hinein zu kommen, das muss ein Albtraum sein.

 

Das war es zunächst vom Rückrunden-Auftakt. Gleich geht es aber weiter, dann sind wir mit „Matz ab live“ zur Stelle und werden über die eben erlebten 90 Minuten im Volkspark sprechen. Zu Gast bei uns sind dann der frühere Nationalspieler Christian Rahn sowie unser „Matz-abber“ „Scorpion“, der Mann mit dem giftigen Stachel, mit dem auch ich schon mehrfach Bekanntschaft machen durfte. „Scholle“ und ich würden uns freuen, wenn er wieder bei uns sein würdet.

 

17.36 Uhr

Nur das Ergebnis zählt

14. Dezember 2014

HSV-Trainer Joe Zinnbauer brauchte gestern nach dem Spiel nicht lange für die richtige Einordnung. „Wenn man drei Punkte holen kann, dann will man auch drei Punkte holen. Aber wir hätten es nicht verdient gehabt, drei Punkte mitzunehmen. Es war kein gutes Spiel, das wissen wir selbst. Aber es läuft im Moment einfach nur ergebnisorientiert.“ So gesehen konnten die Hamburger also froh sein mit dem torlosen Remis im Schwarzwald-Stadion. Es war erst das dritte Auswärtsspiel der Saison, in dem der HSV etwas mitnehmen konnte.


Beim Mann des Tages bedankten sich nachher alle Mitspieler. Jaroslav Drobny war es natürlich, der bereits in der zweiten Minute den Foulelfmeter von Vladimir Darida halten konnte. „Wir wissen, dass ‚Drobo‘ ein guter Rückhalt und ein Super-Torwart ist“, meinte Dennis Diekmeier. „Das hat er letzte Saison schon bewiesen. Wir sind froh, dass wir ihn haben.“ Und Kollege Lewis Holtby ergänzte mit einem Schmunzeln im Gesicht: „Mit seiner Erfahrung ist ‚Drobo‘ Gold wert. Dafür ist ein Torhüter auch da, dass er die Bälle hält.“ Dabei war der 35 Jahre alte Tscheche bislang gar nicht als Elfmeterkiller bekannt. Mehr als vier Jahre ist seine bislang letzte Elfer-Rettungstat her, damals noch im Trikot von Hertha BSC. Jetzt hielt Drobny seinen ersten Elfmeter als HSV-Keeper.


Dass der Verein auf Drobny zugehen wird mit dem Ziel, den Vertrag zu verlängern, ist bekannt. Drobny genießt in der Mannschaft allerhöchstes Ansehen. Da sollte einer Einigung und Weiterbeschäftigung also wenig im Weg stehen, wobei sich natürlich die Frage stellt, wie der HSV alternativ aufgestellt sein möchte. Hieße eine Verlängerung für Drobny, dass man mit Rene Adler nicht mehr plant? Immerhin besitzt der ehemalige Nationaltorwart, der sechs Jahre jünger ist als Drobny, einen Vertrag in Hamburg bis 2017. Oder ist das Potenzial von einem der jungen Nachwuchstorleute so groß, um ihn als Nummer zwei langsam heranzuführen? Schwierige Frage. Auf jeden Fall ist es wohl ein Luxus, den sich der HSV nicht unbedingt leisten kann, zwei Torhüter wie Drobny und Adler zu beschäftigen.


Meiner Ansicht hätte es gestern übrigens gar nicht der großen Rettungstat Drobnys beim Elfmeter bedurft – es hätte auch gereicht, wenn der insgesamt schwache Schiedsrichter Wolfgang Stark die Aktion von Ronny Marcos gar nicht gepfiffen hätte. Bitter, dass der Tiefflug von Freiburgs Felix Klaus mit einem (wenn auch verzögerten) Pfiff belohnt wurde. Ich frage mich, was da der Assistent an der Seite gesehen haben will? Wenn es ein Tritt war von Ronny Marcos, der zum Strafstoß führte, dann hatte Stark darauf den besseren Blick. Im Gegensatz zum Handspiel in der zweiten Halbzeit nach der Flanke von Dennis Diekmeier. Das hätte der Assistent anzeigen MÜSSEN. Für eine identische Szene hat der HSV in der Vorwoche gegen Mainz einen Elfmeter bekommen. Diesmal nicht. Komplett unverständlich.

Noch unverständlicher wird die Geschichte nach den Erklärungen von Dennis Diekmeier. Demnach sei den Profis in der Regel-Schulung vor Saisonbeginn verdeutlicht worden, dass eine durch Hand oder Arm eindeutig vergrößterte Körperfläche bei entsprechendem Kontakt eindeutig zum Elfmeter führen muss. Auf die Situation gestern bezogen bedeutet dies: der Unparteiische weiß von dieser Ansage nichts. Das ist auszuschließen. Oder: er und sein Assistent haben es wirklich nicht gesehen. Das aber kann auch nicht sein. Jeder der 24.000 Zuschauer im Stadion hat es nämlich gesehen. Aber sei’s drum.

In aller Munde war gestern und heute auch noch der Brasilianer Cleber. Was seine Verletzung angeht, gab es zumindest zarte Entwarnung. Nach dem Rettungsversuch gegen Dani Schahin war Cleber kurz vor dem Ende der Partie so unglücklich gefallen, dass er sich eine schmerzhafte Schulterprellung zugezogen hat. Das ergab heute die Kernspin-Untersuchung. Das bedeutet, dass sein Einsatz am Dienstag gegen den VfB Stuttgart in der Schwebe ist. Schade eigentlich, denn nach der holprigen Leistung im Anschluss an die Einwechslung in Augsburg hat sich Cleber gegen Mainz und auch in Freiburg stabilisiert gezeigt. Vor allem sein Nebenmann Johan Djourou äußerte sich sehr positiv über Cleber. „Wir hatten alle Angst, als sich Heiko verletzt hat. Aber Cleber hat das sehr gut gemacht. Das wäre schade und bitter, wenn er nicht spielen kann. Am Anfang habe ich schon gesagt, dass ein Spieler Zeit und Vertrauen braucht. Ich glaube, er hat zwei, drei gute Spiele gemacht.“ Sollte Cleber ausfallen, dann wird wohl die Zeit von Gojko Kacar schlagen. Djourou ist davor nicht bang, er wies darauf hin, dass sie beide bereits in der Vorbereitung zusammen gespielt haben. „Das ist alles kein großes Problem. Wir müssen nur reden und kommunizieren.“ Kacar stand schon in den letzten Augenblicken des Freiburg-Spiels als möglicher Einwechselspieler an der Seitenlinie. Nachdem Cleber aber signalisiert hatte, dass er die letzten Sekunden doch auf die Zähne beißen wollte, kam Zoltan Stieber anstelle Kacars in die Partie.

Erfreulich ist, dass Johan Djourou selbst in dieser Vorrunde ein absoluter Stabilisator war. Er war fast durchgängig fit und gesetzt, hat sicher auch den Schwung mitgenommen von der Weltmeisterschaft in der Schweiz und in den vergangenen Monaten mehr und mehr gerechtfertigt, warum ihn der HSV im Sommer 2013 geholt hat. In dieser Verfassung ist er sehr wichtig für die Mannschaft.

Das Lob beschränkt sich allerdings auf die Defensivspieler. Je weiter wir nach vorn kommen, desto schlechter werden die Kritiken. Das System Doppelsitze, das Joe Zinnbauer zum Mainz-Spiel aus dem Hut gezaubert hat, ist dabei grundsätzlich okay. Beide Stürmer, Pierre Michel Lasogga und Artjoms Rudnevs, haben mehr Räume. Sie beschäftigen die Deckung. Aber: Mal abgesehen von dem sehr stark forcierten Pressing, dass vielen Gegnern in den vergangenen Monaten gar nicht geschmeckt hat, kommt immer noch viel zu wenig raus. Kaum nennenswerte Torabschlüsse, Ungenauigkeiten in der Vorbereitung. Gestern kaum Offensiv-Impulse von Lewis Holtby und Nicolai Müller. Die Grundlage für die leicht verbesserte Lage beim HSV ist eindeutig die Abwehr-Arbeit – die Bilanz da vorne ist nach wie vor katastrophal. Es fehlt am Automatismen, an entschlossener Spielweise nach vorn, an eingespielten Laufwegen. Womöglich auch an der Qualität aus dem Mittelfeld heraus für den tödlichen Pass. Harte Arbeit in der Winterpause, das reinzukriegen. Eventuell gelingt es mit etwas mehr tabellarischer Sicherheit, so ähnlich wie gegen Mainz, wo es ansatzweise schönen Fußball zu sehen gab.

Etwas ungewöhnlich hat Trainer Joe Zinnbauer der Mannschaft heute frei gegeben. Regeneration vor der Stuttgart-Partie wurde diesmal etwas anders betrieben. Direkt nach der Rückkehr per Charter-Flieger aus dem Breisgau wurde noch gestern Abend trainiert – der Tag heute gehörte den Familien und dem Entspannen. Auch mal was anderes im fast immergleichen Trott der Profis.

Gestern war Marcell Jansen (zur Zeit verletzt, will Montag wieder ins Mannschaftstraining einsteigen) Gast bei „Matz ab live“. Dort haben ihn Scholle und Dieter auch nach seinen Zukunftsplänen und einem möglichen Wechsel in der Winterpause gefragt. Viele haben das Video sicher gesehen, aber hier dennoch die entscheidende Passage zum Nachlesen in Schriftform, weil die Aussagen – wie ich finde – doch stark nach Abschied klingen.

Scholle: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir Dich noch einmal für den HSV auflaufen sehen?
Jansen: Mein Berater hat es ja schon gesagt. Ich bin seit über sechs Jahren beim HSV und habe Vertrag bis Sommer. Ich kann die Frage eigentlich am wenigsten beantworten, weil ich mit niemandem direkte Gespräche geführt habe.
Scholle: Musst Du die Frage denn dem HSV stellen oder eher Deinem Berater?
Jansen: Der Ansprechpartner muss ja der HSV sein. Ich bin da schließlich Vertragsspieler. Ich habe in dem Sinne nicht konkret mit meinem Verein über irgendwas gesprochen bzw. ich persönlich mit einem anderen Verein. Deswegen werden wir jetzt hoffentlich die Hinrunde mit einem Heimsieg gegen Stuttgart beenden und mit einem guten Spiel in Schalke – das ist das Allerwichtigste neben den ganzen anderen Dingen. Ich werde dann im Winter sehen und gezielt mal fragen, was da wie jetzt wo ist.
Scholle: Gibt es schon einen Wink vom Verein?
Jansen: Es gab ein kurzes Gespräch mit dem Manager. Eine einfache Frage ist ja entscheidend: ich muss wissen, ob mein Verein mit mir plant und mich halten will und was an den anderen Sachen dran ist, die man da so gehört hat. Das weiß ich jetzt nicht, das werde ich erst in Erfahrung bringen, um mir ein Bild zu machen.
Scholle: Würde es Dir schwer fallen, dem HSV den Rücken zu kehren?
Jansen: Kommt drauf an. Sechseinhalb Jahre ist eine lange Zeit, das ist eine emotionale Sache. Natürlich würde es schwer fallen, weil man ja auch immer die Identifikation sucht. Aber wenn der eigene Verein nicht mit einem plant, dann fällt es relativ leicht, sich zu verabschieden. Auch wenn es wegen der Stadt und der Fans schwer ist.
Scholle: Oft kommt hier jetzt die Floskel: „So ist es dann im Profigeschäft“.
Jansen: Es ist dann so, ja.

Ex-HSV-Torjäger Sergej Barbarez muss in der Zwischenzeit noch länger auf seinen Traumjob als bosnischer Nationaltrainer warten. Hier die SID-Meldung:

SARAJEVO (SID) – Mehmed Bazdarevic soll die Fußball-Nationalmannschaft Bosnien-Herzegowinas zur Endrunde der EM 2016 in Frankreich führen. Wie der Verband am Samstag mitteilte, wird der 54-Jährige Nachfolger von Safet Susic, der Mitte November nach dem 0:3 in Israel entlassen worden war. «Das ist der Höhepunkt meiner Karriere. Ich bin glücklich, es wartet aber viel Arbeit auf mich», sagte Bazdarevic, der den Vorzug vor weitaus prominenteren Trainern erhielt. Unter anderem galten der frühere Bundesliga-Meistercoach Felix Magath sowie der frühere Bundesliga-Torschützenkönig Sergej Barbarez als Kandidaten. Bazdarevic arbeitete zuletzt beim katarischen Klub Al-Wakrah, zuvor war er beim FC Sochaux in Frankreich tätig. Susic hatte Bosnien zur erstmaligen WM-Teilnahme geführt, in Brasilien schied sein Team aber in der Vorrunde aus. In der EM-Quali sind die Bosnier nach vier Spielen noch ohne Sieg.

Mit dem HSV-Training geht es am morgigen Montag weiter, und zwar erneut ohne Öffentlichkeit. Dann steht das letzte Heimspiel dieses turbulenten Fußball-Jahres an. Ein Fußball-Jahr, das ja alle HSVer in der Freude eint, dass es gegen den VfB Stuttgart und nicht gegen Erzgebirge Aue dieses letzte Heimspiel 2014 gibt.

Zu „Matz ab live“ im Anschluss an das Spiel kann ich Euch einen weiteren hochkarätigen Gast ankündigen – es ist Thomas von Heesen, langjähriger HSV-Kapitän und heute im AG-Aufsichtsrat. Vielleicht erfahren wir von ihm neben den sportlichen Einschätzungen auch etwas mehr über die Arbeit im Hintergrund und die wirtschaftliche Lage rund um Kühne, Anteile usw.

Lars
17.58 Uhr

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Nullnummer in Köln, der HSV holt einen Punkt

23. August 2014

Das war doch mal ein Saisonauftakt, bei dem nicht groß gemeckert werden kann. Der HSV holt beim Aufsteiger 1. FC Köln mit einem 0:0 einen verdienten Punkt. Davon hatten viele Hamburger Fans vorher geträumt, sie hätten diesen Zähler auch vorher unterschrieben – ob sie es nach den 90 Minuten getan hätten, bleibt fraglich. Der HSV hatte die Kölner meistens unter Kontrolle, geriet selten einmal in Gefahr, hatte seinerseits aber einige gute Möglichkeiten, um auch drei Punkte mit an die Elbe zu bringen. Immerhin keine Niederlage, und wenn jetzt das Heimspiel gegen den zweiten Aufsteiger SC Paderborn gewonnen wird, dann kann doch von einem guten und gelungenen Saisonauftakt gesprochen werden. Wenn. Aber das müsste die HSV-Truppe schon hinbekommen, sie stellte sich am Rhein durchaus verbessert vor, vor allen Dingen in körperlicher Hinsicht. Darauf kann aufgebaut werden, darauf muss jetzt auch aufgebaut werden – endlich einmal wieder auswärts in der Bundesliga nicht verloren.

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Es ist ja aber irgendwie auch tragisch: Da holt der HSV fünf neue Spieler, und nur einer spielt im ersten Bundesliga-Spiel von Beginn an. So gesehen gab es, wie schon beim Pokalauftritt in Cottbus, wieder einmal (nur) den alten HSV zu sehen. Ohne Matthias Ostrzolek, Nicolai Müller, Zoltan Stieber und Cleber hielt der HSV aber den Aufsteiger Köln dennoch bestens in Schach, von Elan, Schwung oder gar Euphorie war bei den Westdeutschen nichts erkennbar. Weil der HSV auch sehr diszipliniert und konzentriert zur Sache ging, das letzte Risiko scheute und sein Spiel mit Bedacht vortrug. Torchancen blieben aber auf beiden Seiten rar. Im HSV-Strafraum gab es in Halbzeit eins nur einmal wirklich Gefahr, aber zum Glück konnte Heiko Westermann in der fünften Minute einen Ball noch soeben aus dem Fünfmeterraum kratzen. Ansonsten blieben die Kölner, bei denen der ehemalige Hamburger Miso Brecko inzwischen Mannschaftskapitän ist, harmlos.

 

Wobei der HSV auch nicht die Gefahr ausstrahlte, die sich Trainer Mirko Slomka wahrscheinlich erhofft hatte. Vorne versuchte sich Pierre-Michel Lasogga als Einzelkämpfer, hatte aber in dem Österreicher Wimmer einen unerbittlichen Gegenspieler, der meistens wie eine Klette an dem HSV-Torjäger hing.

 

Eine Schrecksekunde hatte der HSV in der Anfangsphase zu überstehen, denn in der zehnten Minute signalisierte Rafael van der Vaart zur Bank: „Probleme mit dem rechten Oberschenkel.“ Er schlug dennoch einen Eckstoß von der linken Seite, das war schon verwunderlich. Artjoms Rudnevs machte sich am Rande schon warm, setzte sich aber alsbald wieder auf die Bank, denn der Niederländer hatte sich seine muskulären Probleme offenbar noch aus dem Oberschenkel laufen können. Freistoß auf Freistoß schlug van der Vaart im Laufe des ersten Durchganges vor das Kölner Tor, doch nur einmal kam wirkliche Gefahr auf. Westermann stieg in der 23. Minute am Fünfmeterraum zum Kopfball in die Luft, verfehlte die Kugel aber um Millimeter – und Kölns Keeper Horn hatte das Glück, dass er den Ball noch im Nachfassen unter Kontrolle bringen konnte, fast wäre der Schuss von van der Vaart auf direktem Wege ins Tor geflogen.

 

Danach spielte der HSV deutlich überlegen, ließ die Kölner kaum zur Entfaltung kommen, kreierte aber für sich kaum Torchancen. Es dauerte bis zur 45. Minute, ehe es wieder einmal nach einem HSBV-Tor „roch“. Flanke von Dennis Diekmeier, auf Höhe Elfmeterpunkt legte van der Vaart den Ball per Kopf auf Lasogga ab, der sich direkt versuchte, aber die Kugel nicht richtig traf – sie flog weit am Tor vorbei – Halbzeit.

 

Ein Wort noch zum Unparteiischen Wolfgang Stark (Landshut), der ganz gewiss kein Heimschiedsrichter war und das Spiel aber bestens unter Kontrolle hatte. Nur einen (kleinen) Fehler leistete er sich in der 22. Minute, als der Kölner Lehmann den guten Tolgay Arslan böse foulte, aber die Gelbe Karte in der Tasche des 23. Mannes stecken blieb.

 

Im zweiten Durchgang stürmte der HSV munter weiter. Und hatte gleich zwei sehr gute Möglichkeiten. Ivo Ilicevic flog in eine Rechtsflanke von van der Vaart in den Ball, köpfte aus sieben Metern, aber Kölns Schlussmann Horn stand wieder einmal genau richtig (48.). Und noch einmal Ilicevic, der links in den Strafraum eindrang und den Ball zurück auf van der Vaart legen wollte. Es blieb beim Vorhaben, denn das Spielgerät wurde in letzter Sekunde von einem Kölner abgefangen – bitter (49.). Danach kamen die Aufsteiger zu ihrer ersten Möglichkeit im zweiten Durchgang, als sich Ujah unbemerkt von allen freilaufen konnte. Die Flanke von Halfar kam, aber der Kopfball von Ujah konnte Rene Adler nicht wirklich gefährden, der HSV-Tormann hielt mühelos (51.).

 

Nach 65 Minuten kamen die Kölner mehr und mehr, aber die HSV-Defensive stand eisern, auch wenn es den einen oder anderen Querschläger gab. Große Gefahr ging von den Kölnern aber auch in der Schlussphase nicht aus.

 

“In der zweiten Halbzeit hätten wir ein Tor machen können, wenn nicht sogar machen müssen. Insgesamt bin ich zufrieden, nach 75 Gegentoren in der Vorsaison diesmal zu Null, das war eine ordentliche Leistung und kann sich sehenlassen, wir haben konzentriert gespielt, und man hat gesehen, dass wir marschieren können”, sagte Trainer Mirko Slomka in seinem Resümee.

 

Der HSV mit: Adler; Diekmeier, Westermann, Djourou, Jansen; Badelj, Behrami; Arslan, van der Vaart, Ilicevic; Lasogga.

 

Die Einzelkritik:

 

Rene Adler verbrachte einen geruhsamen Nachmittag, die Kölner stellten ihn vor keine große oder gar riesige Probe.

 

Dennis Diekmeier stellte sich in Köln enorm unternehmungslustig vor, brachte sich immer wieder schwungvoll ein und flankte auch gut. Das war eine sehr ansehnliche Vorstellung.

 

Johan Djourou spielte 90 Minuten souverän, hatte alles im Griff und gefiel auch als Dirigent seiner Abwehr. Kopfballstark. Gegen Ende des Spiels begann er ein wenig zu wackeln.

 

Heiko Westermann spielte sehr konzentriert und überlegt, rettete zweimal in höchster Not – aber ein Ding hat er ha immer, bei dem gezittert werden muss: In der 64. Minute „bediente“ er im HSV-Strafraum den Kölner Halfar, doch dessen Schuss flog hoch und weit am Tor vorbei – zum Glück.

 

Marcell Jansen brachte sich besser als zuletzt in Cottbus ein, hatte nach hinten kaum schwache Szenen, könnte nach vorne aber sicherlich etwas mehr machen. Note drei.

 

Milan Badelj war offenbar bemüht, den schlechten Eindruck aus dem Cottbus-Spiel vergessen zu machen, und das gelang über weite Strecken auch. Dennoch kann er es besser.

 

Valon Behrami war die dominante Persönlichkeit im Mittelfeld, seine defensive Arbeit auf der Sechs ist klasse und zuverlässig. Eine große Stütze.

 

Tolgay Arslan begann stark und konnte diese Leistung auch gut konservieren. Wirkte spiel- und enorm einsatzfreudig, dazu auch trickreich und mitunter aggressiv. Eine gute Mischung, nur muss er die dann auch für 90 Minuten und in den nächsten Spielen an den Tag legen – und nicht gleich wieder übermütig werden.

 

Rafael van der Vaart war der Standard-König, sein linker Spann muss eigentlich geschwollen sein. Note zwei. Gab sich spielfreudig und übernahm auch Verantwortung, auch wenn er sicher noch um einiges besser werden kann. Sah Gelb wegen Meckerns.

 

Ivo Ilicevic begann einsatzfreudig, doch schon nach zehn Minuten tauchte er ab. Im zweiten Durchgang gab er wieder richtig gut Gas, diesmal hielt er länger durch. Insgesamt aber zu ungefährlich, wenn er mit Zug zum Tor unterwegs ist, da muss ganz einfach viel mehr kommen.

 

Pierre-Michel Lasogga mühte sich, brachte aber nichts, wirklich nichts zustande – er ist aber natürlich auch noch lange nicht bei 100 Prozent. Dennoch wichtig, weil er für jede Abwehr eine ständige Gefahr darstellt.

 

PS: Morgen, am Sonntag, soll im Volkspark um zehn Uhr trainiert werden.

 

PSPS: Wir sind jetzt gleich mit „Matz ab live“ auf Sendung, wir sprechen mit Stefan Schnoor und Andreas Fischer über das Köln-Spiel und generell über den HSV.

 

PSPSPS:

Jeden Montag kann man sich künftig ab 4 Uhr morgens über ikiosk.de oder über die ikiosk App das Sonderheft „HSV KOMPAKT“ herunterladen. Die Ausgabe mit jeweils zwölf Seiten startet jeweils mit den Berichten zum aktuellen Bundesliga-Spiel. Dann folgen die Artikel, die wir unter der Woche über den HSV gemacht haben.

Für treue Leser unseres HSV-Blogs „Matz ab“ gibt es noch einen besonderen Service. In gekürzter Form erscheinen auf einer Doppelseite die Kolumnen unserer Experten Dieter Matz, Marcus Scholz und Lars Pegelow. Jede „HSV KOMPAKT“-Ausgabe schließt mit einer historischen Seite, wo wir Triumphe und Dramen der langen HSV-Geschichte Revue passieren lassen.

„HSV KOMPAKT“ startet am kommenden Montag (25. August). Jede Ausgabe kostet nur 0,89 Cent im Einzelverkauf über ikiosk.de oder die ikiosk App (gibt es für iPhone, iPad (iOS) und für Geräte mit Googles Android). Natürlich kann man sich die zwölf Seiten einfach ausdrucken. Während der Winter- und der Sommerpause der Bundesliga erscheint „HSV KOMPAKT“ nicht.

17.27 Uhr

Rudnevs groß im Kommen – Skjelbred auch

8. Dezember 2012

„Das Unberechenbare an Rudi ist, dass er selbst nicht weiß, wohin er schießt.“ Hat Rene Adler über den HSV-Torjäger Artjoms Rudnevs gesagt. Über den Doppeltorschützen, der im Alleingang für den Dreier über harmlose Hoffenheimer gesorgt hat. Ihr habt es schon lange gewusst, dass der Lette einer ist, ich weiß es spätestens seit diesem Freitag. Mir haben heute zwei „Matz-abber“ per Telefon Beileid gewünscht, weil ich ja die Gefährlichkeit des neuen HSV-Bombers vor Wochen nicht – im Gegensatz zu euch – erkannt hatte, aber Beileid muss mir nun wirklich keiner spenden. Ihr seid eben die besseren Experten, eindeutig. Deswegen habt ihr ja auch immer emsig geschrieben, das der „Rudi“ nach der Eingewöhnungsphase noch ganz gewaltig kommen wird. Und wenn ich ihn, den Goalgetter, am Freitag im Hamburger Abendblatt ein wenig mit dem großen Horst Hrubesch verglichen habe (aber nur von der Statur her!), so denke ich jetzt auch ganz ernsthaft, dass Rudnevs jene 13 Treffer, die Hrubesch in seinen ersten 34 Bundesliga-Spielen für den HSV erzielen konnte, durchaus noch toppen könnte. Und wenn dem dann tatsächlich so wäre, dann würde, davon bin ich überzeugt, der HSV im Jahre 2013 auch noch nach einem internationalen Startplatz greifen können. Schön wäre es ja. Deshalb drücke ich dem „Rudi“ und dem HSV natürlich fest die Daumen.

Ansonsten war das schon eines der seltsamsten Bundesliga-Spiele, die ich jemals mitgemacht habe (als Berichterstatter). Die Spieler verschwanden in Windeseile in der Kabine, der Trainer hechelte schnell von Mikrofon zu Mikrofon, sprach auf der Pressekonferenz ein, zwei Sätze – und los. Das allein war schon total ungewöhnlich, dass aber die Abfahrt und der Abflug aus Fuhlsbüttel live bei und von Sky übertragen wurde, das war schon höchst seltsam. Aber Ehre wem Ehre gebührt. Der HSV nimmt mit dem Brasilien-Trip einige Strapazen auf sich, ich kann nur hoffen, dass sich die Spieler bis zum Anstoß am Sonnabend (15.30 Uhr) in Leverkusen wieder gefangen haben. Ich sprach gestern in der Arena mit einem Rundfunk-Reporter der ARD, und der berichtete mir: „Das ist für mich nicht eben mal hin, umziehen, spielen, und wieder zurück. Ich war dreimal in Brasilien, und jedes Mal wenn ich wieder in Deutschland war, hatte ich eine wunderschöne Erkältung.“ Nun gut, die HSV-Profis werden professionell betreut, vor Erkältungen wird die medizinische Abteilung wohl sicher ein „P“ setzen können. Davon gehe ich auf jeden Fall ganz verstärkt aus.

Inzwischen ist die HSV-Mannschaft auch in Porto Alegre wohlbehalten angekommen, der Flug, so sagte mir eine HSV-Mitarbeiterin, sei ohne Zwischenfälle ganz entspannt verlaufen. Dann hoffen wir mal, dass das heutige Spiel, das um Mitternacht angepfiffen werden soll, auch ohne Zwischenfälle personeller Art ablaufen wird – ich meine Verletzungen. Da ich Medien-Direktor Jörn Wolf nicht in Brasilien erreicht habe, auch den Kollegen Alexander Laux noch nicht, hoffe ich mal, dass es heute Nacht keine Probleme geben wird – denn ich möchte nach Spielschluss schon mit dem Resultat aufwarten. Damit ihr dann – nach der Weihnachtfeier (?) ganz entspannt zu Bett gehen könnt.

Nicht mit nach Brasilien flog übrigens Milan Badelj, der sich gegen Hoffenheim verletzte. So wie es im ersten Moment hieß, ist sogar fraglich, ob der Kroate am Sonnabend in Leverkusen wird mit von der Partie sein können. Das wäre natürlich eine gewaltige Schwächung, aber der HSV in den letzten Wochen bewiesen, dass er in der Lage ist, auch die größten Ausfälle (Rafael van der Vaart) kompensieren zu können. Da hat die Mannschaft schon eine gewaltige Wandlung hinter sich. Wobei ich kürzlich schrieb, dass das wohl auch ein Verdienst des Sportchefs Frank Arnesen sei – wofür ich doch einige mitleidsvolle Lächler von “großen” HSVer erntete. Worauf ich mir dann, das gebe ich zu, keinen rechten Reim machen konnte. Sollte das etwa ein Zeichen dafür gewesen sein, dass Arnesen da (doch) keinen Verdienst dran hat? Sondern nur – oder verstärkt – der Ersatz-Sportchef/Sponsor/Gönner/Mäzen Klaus-Michael Kühne?

Wie dem auch sei. Arnesen hat, wie ihr, auf jeden Fall immer an Artjoms Rudnevs geglaubt. Weil er ihn ja auch geholt hat. Eigentlich schon ein Jahr früher hätte holen wollen. Da hat der Däne schon einen guten Blick bewiesen. Und nicht nur da. Plötzlich ist auch Per Ciljan Skjelbred da. Die Frage, die ich mir dabei stelle, ist die: Wo war Skjelbred all die Monate zuvor? Was hat dafür gesorgt, dass er nicht diesen Fußball spielte und zeigte, den er nun zelebriert? War das eventuell nur eine überlange Eingewöhnungsphase? Wovon ich nicht ausgehe. Aber jetzt gibt Skjelbred Gas, jetzt zeigt er, wozu er in der Lage ist – und warum ihn Arnesen einst nach Hamburg geholt hat. Der norwegische (Ex-)Nationalspieler (16 Länderspiele) stellt sich in diesen Tagen dribbelstark, flink, ideenreich, technisch versiert und lauffreudig vor. Da wischt man sich die Augen. Wie kann das angehen?

Und dieser Per Ciljan Skjelbred hat ja nicht nur die gute „Tante JU“ als freundschaftlichen Helfer an seiner Seite, er hat auch einen ganz „dicken“ Fan: Horst Schnoor. Ich traf den ehemaligen HSV-Torwart (Meister 1960) nach dem 2:0-Sieg über Hoffenheim, und der Keeper sagte mir: „Skjelbred war für mich der beste Mann auf dem Platz. Ich freue mich für den Jungen, bei ihm ist jetzt ganz offensichtlich der Knoten geplatzt. Er spielt selbstbewusst und frech auf, der kann alles am Ball – er ist eine Bereicherung für dieses HSV-Spiel. Und ich kann die Verantwortlichen nur darum bitten, den Norweger nicht zu verkaufen. An diesem Spieler werden wir noch viel Freude haben, ich freue mich schon jetzt für ihn, dass er uns allen doch noch zeigen kann, wie gut er ist.“

Ja, Skjelbred ist ganz sicher eine Überraschung, ihn hatte vor Wochen noch keiner beim HSV (oder ihr?) auf dem Zettel. Aber davon gibt es ja auch gleich mehrere Spieler. Michael Mancienne zum Beispiel. Erinnert ihr euch? In Frankfurt, am 16. September bei der 2:3-Niederlage (mit nur zehn Mann – unberechtigtes Rot für Petr Jiracek), wurde der Engländer ausgewechselt, weil er sich von den Hessen hatte Knoten in die Beine spielen lassen. Eigentlich wäre er damit aus der Mannschaft gewesen, Jeffrey Bruma sollte zum nächsten Spiel kommen – und fiel dann überraschend aus. So kam Mancienne zurück und ist seit dieser Zeit ein großartiger, absolut zuverlässiger Innenverteidiger. Das war so nicht zu erwarten. Und in diese Kategorie gehört dann auch Dennis Diekmeier, der auf dem besten Wege ist, ein richtig guter Rechtsverteidiger zu werden. Und noch ein weiterer Spieler überrascht: Dennis Aogo. Der Nationalspieler scheint sich im Mittelfeld – trotz aller gegenteiliger Meinungen – sehr wohl zu fühlen. Aogo tritt nicht besonders in den Vordergrund, sein Spiel ist auch nicht brillant, aber er läuft und läuft und läuft, er ist bienenfleißig und ein vorbildlicher Teamplayer. Ich bin mal gespannt, wie sich Trainer Thorsten Fink entscheiden wird, wenn zu Beginn der Rückrunde wieder alle Mann an Deck sein sollten.

Apropos, alle an Deck. Stuttgart hat jetzt nicht mehr alle dabei. Im Spiel gegen Schalke. Weil der Japaner Sakai nach einem Foul an Holtby mit Rot vom Platz gestellt wurde (67.). Von Schiedsrichter Felix Zwayer aus Berlin. Völlig berechtigt nebenbei, so denke ich. Obwohl VfB-Trainer Bruno Labbadia den vierten Offiziellen am Rande aufgebracht anherrschte: „Das kann doch nicht euer Ernst sein!“ Aber der Coach wird sich spätestens dann beruhigen, wenn er diese Szene im Fernsehen sieht. Das war glatt Rot – weil einfach nur brutal. Vielleicht unabsichtlich, aber der Platzverweis war klar.

Im Gegenteil zum Spiel in Dortmund. Da pfiff Wolfgang Stark BVB gegen Wolfsburg. Und stellte den Dortmunder Schmelzer vom Platz – Handspiel auf der Torlinie. War es aber nicht. Es war Knie. Bitter, dass es da Elfmeter und die Rote Karte gab. Stark hat nicht seine beste Saison zufassen, denn die Rote Karte für Petr Jiracek, die ich eben erwähnte, war auch von ihm gegeben worden. Was danach zu einer vorübergehenden Nichtberücksichtigung für Erstliga-Spiele nach sich zog. Wobei ich mal für die heutige Karte für Schmelzer eine Lanze für Stark brechen möchte. Er hat keine Zeitlupe, alle Wolfsburger haben leidenschaftlich „Hand“ reklamiert, und da Stark ganz offensichtlich nicht allzu viel gesehen hatte, verließ er sich wohl auch ein wenig auf seinen Assistenten Pickel – per Headset. Schiedsrichter müssen eben innerhalb von Sekunden solche schwierigen Entscheidungen treffen, da gibt es keine Zeitlupe. Und dann es eben auch mal zu solchen (Fehl-)Entscheidungen kommen. Bitter für Dortmund, bitter aber auch für Stark. Dieses Rot wird ihm nicht gut tun.

Abgesehen davon – es war ein sehr lebhafter Spieltag an diesem kalten Sonnabend. Zum Glück hatte der HSV ja seine Schäfchen gestern schon ins Trockene gebracht – den Dreier gegen Hoffenheim. Sehr beruhigend, die Situation. Und wenn dazu noch ein Auswärtssieg nur ein paar Stunden später käme (nämlich in Brasilien), dann wäre das schon irgendwie etwas ganz Besonders. Dann bis heute Nacht – wer Lust darauf hat.

PS: Wer es noch nicht mitbekommen hat: Ernst-Otto Rieckhoff, der ehemalige Aufsichtsrats-Chef des HSV, wollte sich eigentlich zur Wiederwahl in den Aufsichtsrat stellen (im Januar), hat nun aber doch – völlig überraschend – darauf verzichtet. Und gibt keinen Kommentar dazu ab. Von anderen Räten war aber war zu hören, dass Rieckhoff wohl über die neuen vier Räte, die dazu kommen werden, nicht sonderlich begeistert war. Weil dieser Aufsichtsrat wohl im kommenden Jahr überwiegend aus HSV-Fans bestehen wird . . . Ich hatte so etwas schon vor Wochen kommen sehen – und geschrieben: “Jeder Verein bekommt den Aufsichtsrat, den er verdient hat.” Dafür habe ich von einigen Seiten (ganz) etwas auf den Deckel bekommen, aber ich habe es überstanden. Und wiederhole diese Feststellung noch einmal in ganzer Länge. Viel Spaß, HSV!

PSPS: Wer im Ausland sitzt und die Bundesliga-Ergebnisse wissen möchte, hier sind sie:

Dortmund – Wolfsburg 2:3, Augsburg – Bayern 0:2, Nürnberg – Düsseldorf 2:0, Stuttgart – Schalke 3:1, Freiburg – Fürth 1:0.

17.34 Uhr

Fink: “Marcell redet manchmal etwas schnell – und etwas viel”

27. September 2012

Ich gebe es zu: Ich bin enttäuscht, dass es nur zu einem Punkt in Mönchengladbach gereicht hat. Ich habe selten so überlegen geführte Partien des HSV gesehen. Und ich habe selten so viele potenzielle Großchancen. Denn neben den beiden Toren und dem Elfmeter hatte der HSV gefühlte 100 Konterchancen gegen überfordert wirkenden Gladbacher. Es fehlte leider immer der finale Pass. Arslan versuchte sein ansonsten sehr gutes Spiel mit einem Traumpass in die Tiefe zu vergolden und scheiterte mehrfach. Am schlimmsten erwischte es letztlich Ivo Ilicevic, der offensiv viele gute Szenen hatte und auch bei den Kontern bis zum letzten Pass alles richtig machte. „Wir haben gekontert wie die Amateure“, schimpfte Marcell Jansen direkt nach der Partie. Wobei Jansen einfach nur anprangern wollte, wie fahrlässig der HSV mit potenziell guten Chancen gerade bei Kontern umgegangen war. Und damit hatte er Recht, wie ich finde, auch wenn Fink alles ein wenig relativierte: „Wir haben unsere Konter nicht zum Abschluss gebracht. Aber ich teile nicht, dass das amateurhaft war. Auch wenn wir die Möglichkeiten noch mehr nutzen müssen – ich glaube, nach dem Spiel rutscht es einem Spieler schon mal raus.“ Vor allem Marcell Jansen, der sogar von einer gefühlten 0:6-Niederlage sprach. Fink über die Äußerungen seines wortstarken Linksverteidigers mit einem Schmunzeln: „Marcell redet manchmal etwas viel – und etwas schnell…“

Dass es nicht zum Tor reichte, wäre allerdings auch nicht so schlimm gewesen, hätte der HSV das 2:1 über die Zeit gerettet. So aber fingen sich Rafael van der Vaart und Co. trotz eines fast durchgehend souverän geführten Spiels nach einem völlig überflüssigen Foul von Ilicevic noch das 2:2 und verschenkten damit zwei sicher geglaubte und eigentlich auch verdiente Punkte. Wobei dieses Tor leicht zu verhindern gewesen wäre, ohne Ilicevic-Foul – und von Marcus Berg. Der Schwede, der für mich unverständlicherweise für den gestern guten Rudnevs (dazu später mehr) gekommen war, ließ seinem Gegenspieler im Sechzehner mehr Raum als mir in meiner eigenen Wohnung zur Verfügung steht. „Ich verstehe nicht, wie man seinen Mann so laufen lassen kann“, schimpfte Kapitän Heiko Westermann nach dem Spiel eindeutig in Richtung Berg, der sich schon unmittelbar nach der kritisierten Szene einige sehr harte Worte von Torhüter Rene Adler gefallen lassen musste. „Beim zweiten Standard muss jemand dabei sein. Es gab eine klare Einteilung und derjenige muss eigentlich beim Mann bleiben“, bemängelte Fink das fehlende Stören Bergs, ohne dessen Namen auszusprechen. „Ich mache hier keine Einzelkritik, sondern werde mit ihm sprechen.”

Berg ist vielleicht der einzige – zumindest aber der größte Verlierer. Und ganz ehrlich, ich will Berg hier auch nicht in Schutz nehmen. Dafür hatte er einfach schon zu viele Chancen. Allerdings halte ich dem sensiblen Angreifer zugute, dass er unmittelbar vor Saisonbeginn noch mal gesagt bekommen hatte, dass er gehen könne bei einem passenden Angebot. Das ist für jeden Profi hart. Zumal auch Berg mitbekommen haben dürfte, dass der HSV gern noch einen Angreifer holen wollte und weiterhin holen will. Alles das dürfte an ihm nagen, ihn ablenken und seine unmotiviert wirkende Körpersprache erklären – allerdings nicht entschuldigen. Denn, und da lege ich mich fest, Berg hätte ebenso wie der HSV die Reißleine ziehen können. Oder besser: Er hätte sie ziehen müssen. Genau so, wie er sich jetzt zusammenreißen und in den Dienst der Mannschaft stellen muss, ohne sich selbst sowie sein eigenes Schicksal zu bedauern.

Ein gutes Beispiel, wie man sich an den eigenen Haaren aus dem Negativsog ziehen kann, ist Artjoms Rudnevs. Der erste lettische Bundesliga-Torschütze belohnte sich gegen Gladbach für ein mal wieder sehr laufintensives Spiel. 10,11 Kilometer lief der bullige HSV-Angreifer – in 77 Minuten. Ich bin mir sicher, dass die Nummer Zehn des HSV in den verbliebenen 13 Minuten noch mindestens zwei Kilometer gemacht hätte und sich somit in die Top-Drei des HSV in Sachen „zurückgelegte Distanz“ katapultiert hätte. Das wiederum ist besonders beachtenswert, weil Rudnevs seine Kilometer in einem durchschnittlich deutlich höheren Tempo als ein Mittelfeldspieler zurücklegt. Aber okay, genug Statistik. Das nächste Spiel steht an. Mit Rudnevs, den Fink lobte: „Dass er sich viele Chancen erarbeitet, ist seine Stärke. Er ist schnell und unbequem, verfügt über einen tollen Teamgeist und hat ein schönes Tor gemacht. Und es ist ja oft so, dass Stürmer nach ihrem ersten Treffer im nächsten Spiel wieder treffen…“

Schon deshalb will Fink mal wieder versuchen, wenig zu verändern. Am besten nichts. „Ich werde nur umstellen, wenn einer nicht 100 Prozent fit ist“, so der Trainer, dem am Sonnabend gegen Hannover sicher wieder Petr Jiracek und eventuell wieder Jeffrey Bruma zur Verfügung stehen. Insbesondere Erstgenannter hatte überzeugt, bis Schiri Stark eine Idee hatte und ihn in Frankfurt für ein gelbwürdiges Foul überhart mit Rot (was bitte hätte denn dann Xhaka gestern bei seinem gestreckten Bein gegen Adler bekommen sollen???) abstrafte. „Jiracek ist ein guter Fußballer“, lobt Arslan, der die Position des Tschechen in Gladbach gut (für sehr gut fehlte der finale Pass) vertrat und seinerseits Ansprüche anmeldet: „Ich kann viele Positionen spielen – aber Jiracek kann auch außen spielen“, so Arslan, „ich glaube auch nicht, dass ich gegen Hannover wieder auf die Bank muss.“

Ganz sicher dabei sein dürfte Milan Badelj. Der Dauerläufer (12,95 Kilometer waren der absolute Topwert des Spiels), der zusammen mit Ivo Ilicevic für die beiden Qualifikationsspiele der kroatischen Nationalmannschaft zur WM 2014 gegen Mazedonien (12.10.) und auf Wales (16.10) nominiert wurde, ist aus der Mannschaft nicht mehr wegzudenken. Mit einer Bärenruhe reißt der technisch versierte Mittelfeldmann seine Kilometer mit maximal 26,4 Kmh (unterer Durchschnitt) ab. Und das so passsicher wie lange keiner mehr beim HSV! Sagenhafte 60 von 61 Pässen des Neuzugangs kamen an. Das sind 98,33 Prozent „angekommene Pässe“. Unfassbar, da es auch nicht nur Dreimeterpässe waren, sondern unter anderen auch die schöne Flanke zum 2:1 von Rudnevs. „Man sieht, dass wir da einen guten Mann gekauft haben“, sagt Fink, „Milan kann das Spiel lesen und sein Puls geht scheinbar nie hoch.“ Stimmt. Und das ist auch gut so. Badelj ist das Gehirn im Mittelfeld. Wie sagte Dietmar Beiersdorfer einst so treffend (damals über Atouba): „Er versteckt sich nie und stellt so immer eine Lösung für seine Mitspieler dar.“

In diesem Sinne, bis morgen. Dann wird Dieter Euch darüber informieren, wer am Sonnabend im Vorfeld der 125-Jahr-Gala (es gibt noch rund 1000 Tickets) gegen den kleinen (aber stetig wachsenden) HSV aus Niedersachsen von Beginn an aufläuft. Und dass wir hier wieder darüber diskutieren können, wer am besten helfen kann ist sehr, sehr positiv. Denn das Schlimmste an der vergangenen Saison war doch, dass wir beim Zusammenstellen unserer Wunschstartelf danach entschieden haben, wer der Mannschaft am wenigsten schadet… Ergo: es geht aufwärts. Fink nannte das Spiel in Gladbach „das beste Spiel, seit ich da bin“. Und ich stimme dem zu. Auch wenn das alles sehr relativ ist. Denn bei aller Freude über den Sieg gegen Dortmund und das gute Spiel in Gladbach – der Weg ist noch weit. Und hoffentlich gerade erst beschritten worden…

Scholle

P.S.: Aus gegebenem Anlass wollte ich noch mal ganz kurz eine Diskussion widergeben, die ich mitbekommen habe. Hauptdarsteller ist ein sehr guter Bekannter von mir (St.-Pauli-Fan) und sein Arbeitskollege (HSV-Fan). Mein Bekannter erwehrte sich dabei der Forderung des Kollegen, dass Ilicevic zum Schiedsrichter hätte gehen müssen, um zu sagen, dass es kein Foul und somit kein Elfer war. Denn so wäre Stranzl (wurde für ein Spiel gesperrt) nicht mit Rot vom Platz gegangen.

Soweit so gut. Fair wäre es. Insofern bislang keine Einwände.

Aber als der Kollege auch noch Stranzl als gutes Beispiel zitierte, da dieser ja nach dem Spiel auch zugegeben hätte, dass sein Treffer irregulär war, musste ich einschreiten. Denn: was bringt es der Welt NACH dem Spiel? Hätte Stranzl wirklich diesen außergewöhnlichen Drang zur Ehrlichkeit, hätte er es im Spiel machen müssen. Und, damit Ihr mich nicht falsch versteht: ich fordere nicht, dass jedes Aufstützen, jedes Zupfen etc. beim Schiri per Selbstanzeige gemeldet wird. Es ist auch gut, dass er es zugibt. Aber in dem Moment zählt das Tor schon – da ist es auch leicht und hält dem eben erwähnten Vergleich leider absolut nicht Stand. Anders gestaltet sich das Beispiel Miroslav Klose, der für Lazio beim Stand von 0:0 seinen Handtreffer beim Schiedsrichter anmeldete, obwohl der das Tor gegeben hatte. Dabei hatte der Schiedsrichter nicht einmal gefragt. Bitter dabei nur: Lazio verlor letztlich mit 0:3 – aber die Römer feierten Klose als kleinen Helden…

Der Meister kommt gerade recht

17. September 2012

„Wenn wir einfach mal gewinnen, dann würden wir so was von an Selbstvertrauen gewinnen und werden so was von stark – warum sollte das denn Sonnabend nicht so sein? Ein Heimspiel gewinnen, dann ist die Initialzündung da, dann geht es ab im Kopf.“

Sagt HSV-Coach Thorsten Fink vor dem nächsten Spiel seiner Mannschaft, dem Heimspiel am Sonnabend gegen Double-Sieger Borussia Dortmund. Fromme Wünsche. Des Trainers. Wie soll das gegen Dortmund gehen? Mit dieser Abwehr. Mit dieser Defensive, die Fink noch vor Bundesliga-Beginn so gelobt hatte. Wunschdenken?

Nein, der HSV hat noch so viele Baustellen, ich glaube, das wissen die Verantwortlichen noch immer nicht. Wie soll eine Abwehr funktionieren, in der die jungen Leute immer wieder Aussetzer haben und die größten Böcke produzieren? Das, was Jeffrey Bruma und vor allen Michael Mancienne in Frankfurt gespielt haben, ist nicht erstligareif. Ganz sicher nicht. Und diese beiden Talente haben auch nicht jene Schritte nach vorne gemacht, wie nach der verkorksten Saison 2011/12 von Sportchef Frank Arnesen prognostiziert. Immer wieder sogar. Nur werden es dadurch auch keine Schritte mehr – hin zur Verbesserung. Ich behaupte, dass beide Spieler total auf ihrem Level stehen geblieben sind. Und so wird der HSV auf Dauer nicht einmal eine „Goldene Ananas“ gewinnen.

Amateurhafte Fehler ohne Ende. Und das nicht nur in Frankfurt. Und dazu keine Manndeckung, sondern nur ein viel zu lascher Begleitservice. Da freut sich jede Sturm-Reihe, gegen diese gepuderte und mit Watte eingewickelte HSV-Abwehr spielen zu dürfen. Was heißt gegen? Mit! Mit dieser Abwehr zu spielen. Man, man, da kann keine Mannschaft gegen anspielen, mit dieser schweren Patzern der „Wiederholungstäter“. Es fehlen diesem HSV die Kanten in der Viererkette. Eine hätte er, nämlich Slobodan Rajkovic, aber der hat sich durch das Abendblatt-Interview selbst ins Abseits manövriert. Und von dort gibt es auch kein Zurück. Der Innenverteidiger hat den Trainer nun einmal schwer beleidigt, und das langt – für immer. Jedenfalls so lange, wie Thorsten Fink HSV-Coach ist. Aber dadurch hat der HSV natürlich einen Spieler, der ein absoluter „Kanten-Typ“ ist, weniger. Solche Leute wie zum Beispiel Dante, van Buyten, Badstuber, Boateng (alle Bayern), Noveski (Mainz), Haggui (Hannover), Niedermeier (Stuttgart), Pogatetz (Wolfsburg), Zambrano (Frankfurt), Papadopoulos (Schalke) – die gibt es beim HSV eben nicht. Abwehrrecken, die ihren Gegenspielern schon beim Einlaufen Angst und Schrecken einflößen. Wer aber soll vor Bruma und Mancienne schon Angst haben? Eher scheint es mir umgekehrt zu sein.

Vielleicht wird der Österreicher Paul Scharner diese Lücken schließen, aber der benötigt nach seinem Innenbandriss noch weitere zwei Wochen Pause, bevor er wieder ins Training einsteigen kann. Und dann wird es mit Sicherheit noch einmal zwei bis drei Wochen dauern, eher er fit für einen Einsatz ist. Bis dahin muss sich der HSV so durch die Saison mogeln. Und darauf hoffen, dass diese Bubi-Abwehr so weit wie möglich nicht auf- und erst recht nicht weiter abfällt. Aber Erstliga-Reife, die wird man dieser HSV-Defensive wohl auf Wochen oder gar Monate hinaus nicht bescheinigen können – so gerne es die Verantwortlichen auch möchten.

Und wenn, das ist ja die Ironie dabei, dann schon mal einer zur Sache geht, dann gibt es auch gleich Rot. So wie Petr Jiracek gegen den Frankfurter Anderson. Der hat sich lange vor Schmerzen am Boden herumgewälzt, als es dann Rot gegeben hatte, da erhob sich der Eintracht-Spieler und lächelte. HSV-Profis berichten sogar davon, dass er gelacht habe. Egal, es ist vorbei, Jiracek wird gegen Dortmund und gegen Mönchengladbach fehlen, damit muss der HSV nun leben.

Trotz allem ist dieses Rot für mich ein Skandal. Und wird es, egal welche Einwände auch immer von links, rechts, oben oder hinten kommen, immer bleiben. Ich bin da bei unserer Fußball-Legende. Franz Beckenbauer hat bei „Sky“ gesagt: „Er kann Foul geben, war vielleicht berechtigt, nach den neuen Regelerkenntnissen ist es vielleicht in Ordnung, wenn er pfeift. Und wenn er es schlecht meint mit dem HSV, dann kann er ihm vielleicht die Gelbe Karte geben, aber es war niemals eine Rote Karte! Früher, als man da mit der Ferse auf dem Boden war und du gehst mit gestrecktem Bein rein, dann war das nicht mal ein Foul. Heute hast du da einen Platzverweis. Da siehst du mal, wie verweichlicht diese Generationen werden.“

Ich bin ja oft (oder meistens) auf der Seite der Schiedsrichter, die haben wirklich den schwersten Job in der Liga, aber diese Entscheidung von Wolfgang Stark geht nicht. Und es ist für mich auch ein Unding, dass der Verband so etwas nicht sehen will. Die Herren Unparteiische haben Narrenfreiheit. Sie entscheiden nach Bauch. Erst will Stark Gelb geben, dann zieht er Rot. Das ist wirklich nur noch lächerlich. Ich verstehe mich eigentlich ganz gut mit „Deutschlands bestem Schiedsrichter“, aber diesmal lag er ganz kräftig daneben. Gewaltig daneben. Aber vielleicht muss auch er erst einmal in Form kommen – nach dem EM-Aus im Sommer . . . Ein Skandal bleibt es trotz allem für mich.

Trotz allem muss festgehalten werden: Die anfängerhaften Fehler hat nicht Stark begangen, sondern die HSV-Defensive – das ist auch klar.

„Wir haben jetzt ein paar Gegentore bekommen, da kann man dann nicht behaupten dass wir super standen. Wir arbeiten daran, das ist klar, und wir reden mit den Spielern, um zu erfahren, woran es lag“, sagt Thorsten Fink und fügt an: „Wir können diese Fehler dadurch wieder gut machen, indem wir nun ein paar Spiele zu null spielen.“ Hinten natürlich. Vorne stand die Null bis zum Frankfurt-Spiel schon zu lange.

Dass Thorsten Fink zur zweiten Halbzeit von Wolfgang Stark auf die Tribüne geschickt wurde, weil der Coach ihm wegen der Roten Karte einen Vorwurf gemacht hatte („Wir haben unter Ihrer Leitung noch nie gewonnen“), machte dann das Maß noch voll. Fink: „Ich glaube, dass ich ihn damit nicht beleidigt habe. Über solche Dinge muss man auch mal reden können. Und zum Fußball gehören nun einmal Emotionen. Wir hatten eine schwierige Situation, hätten in Frankfurt aber gewinnen können – und dann das. Ich denke, dass man so etwas ganz einfach einmal sagen darf.“

Dann sagte Fink aber auch: „Ich möchte mich jetzt aber nicht über die Leistung des Schiedsrichters beschweren, das galt nur für die Rote Karte, die hat mich sauer gemacht. Wir hätten aber in den ersten 20 Minuten besser spielen können, dann hätten wir nicht gleich zwei Gegentore kassiert, dann hätten wir mit unseren Chancen auch die Möglichkeit zur Führung gehabt. Wenn es 0:0 steht, dann verwertet man diese Chancen, wenn man mit 0:1 oder 0:2 zurück liegt, dann musst man diese Chance machen und verkrampft – daran müssen wir arbeiten.“ Dann ergänzt Thorsten Fink noch: „Wir müssen gewisse Dinge einfach besser machen, wir müssen energischer spielen, gerade in der Anfangsphase, wir müssen, wenn wir nicht gut spielen, den Ball einfach mal über die Tribüne hauen oder nach vorne dreschen – und dann so langsam ins Spiel kommen. Das haben wir später gezeigt, aber da lagen wir bereits mit 0:2 hinten . . .“

Trotz allem wäre ja auch mit dezimierter Mannschaft noch mindestens ein 3:3 möglich gewesen. Thorsten Fink: „Wenn Dennis Diekmeier das 3:3 macht, dann sagt jeder hinterher, dass er hier in Frankfurt einen ganz anderen HSV als vorher gesehen hat. So bleibt immer ein negativer Beigeschmack, denn wir haben dieses Spiel verloren.“

Positiv aber war der Einstand des „kleinen Engels“. Der HSV-Trainer über das Comeback von Rafael van der Vaart: „Er hat ein sehr gutes Spiel gemacht, er war an allen unserer gefährlichen Situationen beteiligt. Das ist das, was wir uns von ihm natürlich erhofft haben. Er ging mit dem Druck, der auf ihm lastete, sehr gut um, er hat auch auf dem Platz etwas gesagt, er hat die Leute eingeteilt, er hat defensiv gut gearbeitet. Und das war nach dem Platzverweis sehr schwierig für ihn, als Spielmacher vor der Abwehr noch zuzumachen. All das hat er aber sehr gut gemacht, er hat gezeigt, dass er mit dem Druck umgehen kann – von daher war ich mit seinem Einstand sehr zufrieden.“

Und nun gegen Kloppos Meister-Elf. Kann das gut gehen? Fink sagt voller Optimismus: „Ich glaube, so ein Meister kommt gerade recht. Besser als eine Mannschaft, die mit uns da unten drin steht, da verkrampft man dann leicht. Es ist immer schön, gegen den Meister zu spielen, da haben wir nichts zu verlieren, da sind wir für mich krasser Außenseiter – und im letzten Jahr haben wir das hier gegen Bayern München ja auch ganz gut gemacht. Mit den Fans zusammen könnte das auch gegen Dortmund etwas werden.“ Und: „Nürnberg hat es doch vorgemacht, dass man Minimum ein Unentschieden gegen Dortmund holen kann, in Nürnberg stand er Meister doch sogar am Rande einer Niederlage. Dortmund ist doch eine Mannschaft, die man schlagen kann. Dortmund ist zu Haus eine Macht, aber hier bei uns haben wir die Möglichkeit, den Meister zu ärgern, und wenn uns das gelingen sollte, dann täte uns das sicher auch sehr gut.“

Wer aber wird den gesperrten Petr Jiracek ersetzen? Fink tendiert wohl zu Jacopo Sala. Wobei der Coach noch einige Umstellungen mehr überlegt. Gegen Dortmunds rechte Seite mit „Kuba“ Blaszczykowski und Piszczek müsste der unerfahrene Zhi Gin Lam spielen – ginge das gut? Das wäre auf jeden Fall kein geringes Risiko, obwohl Lam in Frankfurt ganz passabel gespielt hat. Trotz allem gibt es die Idee, Marcell Jansen zurückzuziehen, um davor dann den erfahrenen Ivo Ilicevic (der am Sonntag einen Schlag auf die Wade bekommen und heute pausiert hat) zu bringen. Keine schlechte Idee. Fink spielt auch mit dem Gedanken, Tolgay Arslan auf die Sechs (neben Milan Badelj) zu stellen. Fink: „Tolgay hat sich in den Testspielen super mit Rafael van der Vaart verstanden.“ Sala könnte dann rechts vor Dennis Diekmeier (Fink: „Er hat seine Chance in Frankfurt genutzt“) zum Einsatz kommen, und für Artjoms Rudnevs könnte in der Spitze dann Heung Min Son eine erste Chance (als Spitze) bekommen. Fink abschließend: „Wir schauen mal.“

So könnte die Mannschaft für Sonnabend aussehen: Adler; Diekmeier, Bruma, Westermann, Jansen; Arslan, Badelj; Sala, van der Vaart, Ilicevic; Son.

Thorsten Fink sagt aber zur Situation des HSV auch generell: „Es ist klar, dass alle nun noch eine Schippe mehr drauflegen müssen.“ Und: „Überall kann man mal schauen, was wir verändern könne, wir gucken von Spiel zu Spiel, wir müssen auch schauen, wer sich im Training anbietet, wir müssen sehen wie es passt, um Spiele zu gewinnen; denn wir haben nicht den Luxus sagen zu können, jetzt lassen das mal ein paar Spiele so laufen. Die Mannschaft muss sich jetzt ganz schnell sicher fühlen und kann nicht noch den einen oder anderen Spieler, der nicht in Form ist, mit durchziehen.“ Das gilt in erster Linie für Mancienne, aber sicher auch für den einen oder anderen Spieler mehr. Fink nimmt sie dennoch in Schutz: „Es sind Menschen, die machen auch mal Fehler, die unterliegen auch mal gewissen Schwankungen.“ Natürlich. Aber irgendwann sollte dann doch mal eine HSV-Mannschaft stehen – und viel weniger Fehler machen.

Thorsten Fink aber bittet um Nachsicht – und um Geduld: „Wir haben vorher ja gesagt, dass wir Zeit brauchen. Dagegen kann auch keiner etwas sagen. Das dauert eben ein paar Tage. Ich werde meine Linie beibehalten, werde versuchen, dass wir besser nach vorne spielen, dass da noch mehr Spielwitz reinkommt, aber das braucht seine Zeit. Und dass wir von unseren Schwächen, die wir haben, ein wenig ablenken können, indem wir mehr Ballbesitz haben.“

Weiter sagt Fink: „Ehe sich das alles automatisiert hat, dauert das ein paar Wochen. Was nicht heißen soll, dass wir nun ein paar Wochen auf den ersten Sieg warten sollen. Man muss jetzt aber nicht denken, dass wenn man mit ein paar Leuten drei Tage trainiert, dass man dann Zauberfußball spielt. Das muss sich alles einspielen. Wenn man uns die Zeit gibt, dann bin ich davon überzeugt, dass diese Mannschaft das Potenzial hat, unter die Top ten zu kommen – da lasse ich mich einfach nicht von abbringen.“ Dann fügte der Trainer noch ergänzend an: „Ich bin von dieser Mannschaft überzeugt, man hat auch spielerisch gesehen, dass sie es kann. Wir müssen jetzt noch ein paar Dinge abstellen, dann stellt sich der Erfolg auch ein. Ich sehe die positiven Dinge, die wir gemacht haben, und darauf kann man aufbauen.“

Übrigens: Am Rande des Vormittags-Trainings gab es das Gerücht, dass der 22-jährige Japaner Hiroshi Kiyotake, der nun beim 1. FC Nürnberg wirbelt und für Furore in der Liga sorgt, auch dem HSV vor Saisonbeginn angeboten worden ist. Schade, schade, wenn dem so ist, denn einen solchen Vollblutfußballer hätte der HSV sehr wohl sehr gut gebrauchen können.

PS: Am Dienstag wird im Volkspark um 10 Uhr geübt.

18.34 Uhr

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