Archiv für das Tag 'Sözer'

Rudnevs: Einmal Griechenland und zurück!

5. August 2015

Griechenland und kein Ende. Seit Monaten drehte sich die große europäische Politik um dieses Land. Die Dauergrinser Tsipras und Varoufakis waren fast minütlich im deutschen Fernsehen zu sehen – man hatte die Nase voll davon. Und nun kommt einer aus Griechenland – und grinst nicht. Das ist Artjoms Rudnevs. Der HSV-Stürmer, fast hätte ich HSV-Torjäger geschrieben, hatte sich einen Tag – gemeinsam mit seiner Frau – in Griechenland umgesehen, weil der Spitzenverein PAOK Saloniki gerufen hatte. Eigentlich hatte der Lette gar nicht vor, zu wechseln, aber hinfliegen und ansehen, das kann man ja mal. Gesagt, getan. Den ganzen Beitrag lesen »

Wenn…

10. Mai 2015

  1. … der HSV in Stuttgart gewinnt, dann reicht die Niederlage eines anderen Konkurrenten (Freiburg gegen die Bayern, Hannover in Augsburg, Paderborn in Schalke), damit der HSV nicht mehr direkt absteigt.
  2. … der HSV in Stuttgart gewinnt, und zwei andere Konkurrenten verlieren, dann ist der HSV gerettet.
  3. … der HSV in Stuttgart gewinnt, und alle drei anderen Konkurrenten gewinnen ebenfalls, dann kann der HSV mit einer Niederlage gegen Schalke noch direkt absteigen.
  4. … der HSV in Stuttgart Unentschieden spielt oder verliert, dann werden alle Entscheidungen auf den letzten Spieltag vertagt.
  5. … der HSV in Stuttgart verliert und alle anderen Konkurrenten gewinnen, was der ungünstigste Fall wäre, dann würde dem HSV nicht einmal ein Sieg gegen Schalke ohne Schützenhilfe den Klassenerhalt sichern.

 

Mit anderen Worten: Der HSV muss auf jeden Fall punkten, um sein Schicksal am letzten Spieltag in den eigenen Händen zu halten.

Soweit zum Spekulationsbereich, der sich aus dem heutigen Nachmittagsspiel, dass der SC Paderborn gegen den VfL Wolfsburg mit 1:3 verloren hat, ergibt.

Die Situation im Tabellenkeller:

  • 13. Hertha          -15 34 (H Frankfurt, A Hoffenheim)
  • 14. HSV              -26 32 (A Stuttgart, H Schalke)
  • 15. Freiburg        -11 31   (H Bayern, A Hannover)
  • 16. Hannover      -18 31  (A Augsburg, H Freiburg)
  • 17. Paderborn     -32 31  (A Schalke, H Stuttgart)
  • 18. Stuttgart       -20 30 (H HSV, A Paderborn)

 

Trainer Bruno Labbadia hat seinen Profis für heute und für morgen weitestgehend frei gegeben. Luft holen nach dem Kraftakt gegen den SC Freiburg. „Wir wollen dann am Dienstag frisch und ausgeruht in die Trainingswoche vor dem Spiel gegen Stuttgart gehen“, begründete Labbadia seine Maßnahme. Einige Spieler müssen am Montag aber trotzdem zur Arena kommen, andere wüssten, so Labbadia, dass sie morgen eigenständig ein kleines Programm zu absolvieren hätten.

 

Und dann geht die Reise weiter. Zwar gab es die rechnerische Hoffnung, dass sich die Hamburger gegen Freiburg befreien konnten, doch dem war nicht so. „Wir haben uns im Rennen gehalten“, so Labbadia. „Vor kurzem waren wir am Ertrinken, nun haben wir die Lippen über Wasser und Luft bekommen. Die Situation ist besser als vor ein paar Wochen, aber es wird ein Kampf bis zum letzten Tag.“ So und nicht anders sieht es wohl aus, wenn am kommenden Wochenende nicht die beste aller oben skizzierten Konstellationen eintritt.

 

Dass es ein erneuter Kraftakt wird, dessen Ausgang ungewiss ist, hat schon eine Aussage von Gojko Kacar am Freitagabend gezeigt. Der Serbe wurde wieder zum Held für einen Tag und bekannte anschließend, wie müde er sei. „Wenn man die ganze Saison unten steht, ist man emotional etwas platt. Außerdem vertraut man nicht so in sein Spiel. Am Ende haben wir das Tor nur mit Willen getroffen.“ Und genau diese Eigenschaft gilt es noch zwei Mal abzurufen – und gerade vor dem Hintergrund der Selbsteinschätzung Kacars ist Labbadias Entscheidung, erst am Dienstag wieder in den geregelten Trainingsbetrieb zu gehen, einzuordnen.

 

Labbadia muss mit seinen Personalentscheidungen und mit seiner Aufstellung in Stuttgart nun die richtigen Lehren aus den Fehlern im Freiburg-Spiel ziehen. Ich habe über den Auftritt des HSV mit Martin Jol gesprochen, der ja erstmals seit seinem Abschied 2009 wieder im Volksparkstadion war. Zwei Dinge waren Jol insbesondere aufgefallen: „Rajkovic ist das Opfer der HSV-Spielweise.“ Und: „van der Vaart und Holtby sind gute Spieler. Aber sie bekommen überhaupt nicht den Ball.“

 

Zum Thema Rajkovic hat Scholle gestern schon etwas geschrieben. Die Verteidiger hatten keine Anspielstationen im Mittelfeld, weswegen vor allem Rajkovic zu einigen haarsträubenden langen Schlägen gezwungen war. Er hatte die meisten Ballkontakte aller HSV-Spieler, immerhin 71 Prozent seiner Pässe kamen auch an, aber dabei war viel Quergeschiebe, ehe der Pass in die Tiefe allzu oft beim Gegner landete. Außenverteidiger standen zu hoch, zentrale Mittelfeldspieler haben den Aufbau nicht an sich gerissen – darunter litt Rajkovic ganz besonders.

 

„Wir sind sehr selbstkritisch mit dem Spiel umgegangen“, sagte Bruno Labbadia dazu. „Teilweise war es mehr das Negative, das auch die Mannschaft angesprochen hat. Sie waren sehr selbstkritisch. Wir haben uns nicht optimal mit dem Ball verhalten und Fehler gemacht in der Vorwärtsbewegung.“ Rafael van der Vaart, um zu Martin Jols zweiter Anmerkung zu kommen, hatte mit 12,7 Kilometern Laufleistung den höchsten Wert aller Hamburger Spieler. Doch ist Laufen seine größte Stärke? Van der Vaart hatte nur 57 Ballkontakte – gerade einmal halb so viele wie Rajkovic. Und Lewis Holtby hatte in seiner knappen Stunde auf dem Rasen nur 33 Mal den Ball. Dass beiden Kreativen, van der Vaart und Holtby, darüber hinaus äußerst wenig aus ihren Aktionen gemacht haben, kommt erschwerend hinzu.

 

Welche personellen Alternativen ergeben sich nun fürs Stuttgart-Spiel? Diaz im zentralen Mittelfeld statt van der Vaart. Diekmeier als Rechtsverteidiger, dafür Westermann statt Rajkovic in der Mitte. Jansen für Holtby. Das sind Gedankenspiele, wobei Labbadia ja dazu neigt, wenig zu verändern. Wir werden sehen.

 

Vor allem ist und bleibt ALLES eine Frage der Einstellung. Labbadia: „Entscheidend aber war gegen Freiburg, dass wir in der zweiten Halbzeit Mut gezeigt haben. Das nehme ich mit.“ Und die Mannschaft sollte es auch, sonst steht der aktuelle Tabellenletzte VfB Stuttgart nach dem 33. Spieltag vor dem HSV. Als Sinnbild bezeichnete Labbadia dabei die Leistungssteigerung von Gojko Kacar während des Spiels: „Er hat wie einige andere in der ersten Halbzeit nicht so gut gespielt Aber er hat es in der zweiten korrigiert, war kurz am Boden und ist wieder aufgestanden. Mit dem Tor hat er sich belohnt und die Mannschaft reich beschenkt.“

 

Wie reich und was dieser eine Punkt am Ende bringt – auch das werden wir sehen.

 

Gestern waren Labbadias Assistent Eddy Sözer und der Direktor Profifußball Peter Knäbel live in Stuttgart. Dort haben sie sich das 2:0 des VfB gegen Mainz 05 angesehen. In Stuttgart war, abgesehen davon, dass der Sieg verdient war, eine ebenso stürmische Atmosphäre wie in den letzten zwei Heimspielen des HSV zu erleben. Und auch darauf müssen sich die Hamburger Spieler einstellen. Beim VfB wird ähnlich um den Klassenerhalt gefightet wie in Hamburg. Und die Stuttgarter haben ähnlich wie der HSV alles selbst in der Hand. Zwei Spiele gegen direkte Konkurrenten – Huub Stevens wird alles mobilisieren, damit sein Ruf als ultimativer Retter auch danach noch Bestand hat.

 

Neben den aktuellen Sorgen um den Klassenerhalt nehmen natürlich auch die Meldungen und Gerüchte zu, was das HSV-Gesicht der kommenden Saison angeht. Während Bruno Labbadia nach wie vor versichert, sich um dieses Thema im Moment überhaupt nicht zu kümmern, gehen Namen rum. Jonathan Schmid vom SC Freiburg; heute kam aus Frankreich die Meldung, die Hamburger würde sich um den mosambikanischen (heißt das so???) Innenverteidiger Mexer von Stade Rennes kümmern.

 

Im Gegenzug werden auch hier in den Kommentaren Dutzendweise Namen von aktuellen HSV-Spielern genannt, die bitteschön endlich verschwinden sollen. Ich finde, mit allem muss man sich inzwischen mal ein wenig zurückhalten. Was wurde geschimpft auf van der Vaart, Ilicevic und Co. – jetzt hat sie Bruno Labbadia zu seiner Rettungsmission reaktiviert. Ein Spieler, ob Behrami, Cleber oder Kacar, funktioniert immer im Mannschafts- oder Vereinsgefüge. Natürlich sind einige nach Jahren der Misserfolge und der Querelen in Hamburg wie durch den Fleischwolf gedreht und entsprechend erfolgen auch personelle Wechsel. Entscheidend aber ist, dass Bruno Labbadia ein Gefüge entwickelt, einen Mannschaftsgedanken fortführt, den er auch jetzt immer im Abstiegskampf betont. Auf einer anderen Grundlage sind Augsburg, Mainz und Freiburg in den vergangenen Jahren auch nicht erfolgreich gewesen. Auf dieser Grundlage funktioniert – in seiner deutlich höheren Spielklasse – auch der FC Bayern. Ich möchte einfach nicht wieder millionenschwere Spieler in Hamburg sehen, die ihr Eingewöhnungspaket wie einen Ballast auf dem Rücken herumtragen. Ich möchte keine Kompromiss-Transfers (Aggressive Leader, aber chronisch verletzt) oder hektische Last-Minute-Aktionen (Stürmer mit HSV-Gen, aber kurz vor der Rente) erleben. Dies nur als Gedankenansatz – die Zukunftsplanungen und vor allem die Fehler-Analyse dieser Saison, die sich ganz stark auf die Vereins-Spitze beziehen muss, werden folgen, wenn’s geschafft ist.

 

Vorbei ist es in der Zwischenzeit wohl für die U 23 von Rodolfo Cardoso. Nach dem 1:0 unter der Woche gegen Werder Bremen gab es heute eine 0:2-Niederlage gegen den TSV Havelse. Und diese Niederlage war hochverdient. Der Koreaner Kim in der Innenverteidigung leitete das 0:1 mit einem schlimmen Stockfehler ein (später sah Kim nach einem Ellbogenschlag auch noch Rot – aber die Entscheidung war zu hart, so schlimm war der Hieb nicht). Torchancen für den HSV gab es kaum, was auch an einem recht blutarmen Auftritt von Maximilian Beister lag, über dessen Leistung auf der Tribüne kräftig geschimpft wurde.

 

Morgen ist noch einmal trainingsfrei, ehe es am Dienstag mit zwei Einheiten am Stadion weitergeht.

 

Lars

18.10 Uhr

Bruno Labbadia: “Ich habe einen Plan!”

16. April 2015

Es war nur ein kleines Schildchen in einem Schaukasten am Clubheim des Rotenburger SV. „100 % Werder-Partner“, stand darauf, und HSV-Trainer Bruno Labbadia musste ziemlich schmunzeln, als er diesen Zettel sah. „Wir sind natürlich im Bremer Einzugsgebiet“, sagte Labbadia. „Aber für uns ging es in der Kürze der Zeit um ein gutes Hotel und einen guten Platz. Das ist gewährleistet.“ 40 Kilometer liegt Rotenburg von Bremen entfernt, etwa 70 Kilometer von Hamburg. Doch abgesehen von der Grün-Weißen Färbung an der Wümme schien Labbadia sehr angetan von den ersten Stunden seines Kurztrainingslagers. Die Fußballfelder des Rotenburger SV, fast in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs der Stadt, sowie das gediegene Hotel Wachtelhof etwa drei Autominuten entfernt, gefielen dem Mann, der als Retter geholt wurde.

Wahrscheinlich wollte Bruno Labbadia die Mannschaft auch einfach mal rausholen aus dem kränkelnden HSV-Umfeld. „Ich wusste ja auch schon im Vorfeld, woran es hakt“, sagte Labbadia am Mittag. „Die Mannschaft wirkte heute schon ein ganzes Stück gelöster. Die Spieler kommen etwas zur Ruhe, wir haben Zeit und es ist keine Hektik.“ Versprechen könne er deswegen noch nichts, aber die Maßnahme, zwei Tage rauszugehen, sei trotzdem die richtige. „Ich bin der vierte Trainer in dieser Saison. Das nimmt eine Mannschaft ja auch mit. Ich muss mich jetzt auf die wichtigsten Dinge fokussieren. Dafür habe ich ein Gefühl und einen Plan. Die Mannschaft benötigt einen Halt, den versuche ich zu vermitteln.“

Die Trainingseinheit am morgen begann, wie schon gestern auffällig, sehr lautstark. Labbadia und vor allem auch der Fitness-Trainer Carsten Schünemann animierten die Profis immer wieder, miteinander zu sprechen. Sich Kommandos zu geben und zu motivieren. Da sollte Leben rein. Später beim Spiel war keine Öffentlichkeit mehr zugelassen. „Die Wahrheit liegt am Ende sowieso auf dem Platz. Aber wir müssen die Jungs aktivieren“, erklärte Labbadia. „Fußball ist Freude – bei allem Druck, den wir haben.“

Im Trainingsspiel, das erläuterte Labbadia nach der Einheit, die länger als zwei Stunden gedauert hat, habe er auch immer wieder unterbrochen. Er hat vieles beschrieben, auch um den Spielern bewusst zu machen, was sie auf dem Platz machen. „Eine Analyse spielt allerdings noch überhaupt keine Rolle. Die Mannschaft muss den Glauben wieder bekommen. Ich sehe alles, weiß, wo wir ansetzen können. Aber es zählt nur, wo wir mit den Bausteinen für Sonntag ansetzen wollen.“ Ihm komme es dabei zugute, dass er zusammen mit seinem Assistenten Eddy Sözer ausgeruht in die Aufgabe gehe, glaubt Labbadia.

Was konkret das für das anstehenden Nordderby bedeute, das wollte Bruno Labbadia nicht präzisieren: „Ich habe etwas im Kopf, denn natürlich habe ich mich mit dem HSV auch schon vorher beschäftigt. Wir wollen und können nicht 1000 Dinge verändern, sondern nur die wichtigsten.“ Dazu gehört offensichtlich auch ein neuer Teamgedanke, der sicher auch in den vergangenen Wochen verschwunden ist. „Ich brauche alle Spieler!“, so Labbadia ganz deutlich. Das habe er auch der Mannschaft in der Ansprache vor der Trainingseinheit klargemacht. „Ich möchte, dass mir alle Spieler zeigen, dass sie in die Mannschaft kommen wollen. Und Störenfriede haben hier auch nichts mehr zu suchen. Ich brauche den 25. Mann genauso wie den Ersten.“

Labbadia will auf diese Ansprache sogar schon eine Reaktion in der Mannschaft festgestellt haben. Es sei keine Zeit mehr, seine Enttäuschungen zu zeigen. „Da werden wir keine Kompromisse machen, ganz klar.“ Wer das noch nicht vor dem Training verstanden hat, der wird die Gelegenheit noch einmal am Abend erhalten. Labbadia kündigte an, mit jedem Spieler Gespräche führen zu wollen, ehe es morgen Nachmittag zurück geht nach Hamburg. „Ich will da die Stärken hervorholen. Natürlich gibt es auch Schwächen, aber die Stärken sind unser Schlüssel zum Erfolg.“

Wie schon gestern bei seiner offiziellen Präsentation im Stadion machte Bruno Labbadia einen ausgesprochen ruhigen und aufgeräumten Eindruck. Keine Nervosität, keine allzu markigen Sprüche, keine überzogenen Parolen. Er geht unbelastet in diese Aufgabe hinein, und allein das unterscheidet ihn schon von seinem Vorgänger Peter Knäbel. Was dies nun alles über die Chancen auf den Klassenerhalt bedeutet, das werden wir auch am Sonntag in Bremen sehen. Für die Werder-Fans wäre es sicher eine große Genugtuung, mit einem Heimsieg ausgerechnet dem Erzrivalen einen entscheidenden Stoß Richtung zweite Liga geben zu können.

Bei Werder lief es zuletzt jedoch auch nicht gerade nach Maß. Nur ein Sieg in den letzten acht Pflichtspielen (darunter das DFB-Pokal-Aus beim Drittligisten Arminia Bielefeld) ist kein guter Beleg. Die beiden Trainer Viktor Skripnik und Labbadia haben übrigens zwischen 1996 und 1998 zwei Jahre zusammen bei Werder Bremen gekickt. „Er wollte damals immer, dass ich nach dem Training Flanken schlage, obwohl ich nach Hause wollte. Er ist ein sympathischer Typ und ich wünsche ihm viel Erfolg, aber nicht für Sonntag“, sagte der Ukrainer Skripnik heute. „Ein möglicher Abstieg des HSV ist nicht unsere Sache.“

Eine Gemeinsamkeit gibt es übrigens zwischen den Rivalen. Viktor Skripnik hat seinem Torwart Raphael Wolf das Vertrauen ausgesprochen, obwohl der in den vergangenen Wochen wiederholt bei Gegentoren alt aussah. Und auch Rene Adler wird wohl im HSV-Tor bleiben. Ebenso wird es keine Veränderungen in der Kapitänsfrage geben. Rafael van der Vaart ist die Nummer eins des HSV, sein Stellvertreter bleibt Johan Djourou.

Apropos Djourou: Von Tag zu Tag wird die Kabinen-Keilerei mit Valon Behrami kälter dargestellt. „Der Boden in der Garderobe war glitschig, plötzlich bin ich von selbst umgefallen. Er (Djourou) hat gar nichts gemacht.“ So wird der Schweizer bei den „Bild“-Kollegen zitiert. Nun denn. Hier scheint einer um seinen Platz in der Startelf zu kämpfen. Den scheint er aktuell auch sicher zu haben, denn nach diesem Tag sickerte folgende, mögliche Startelf im Bremer Weserstadion durch:

Adler – Westermann, Cleber, Rajkovic, Ostrzolek – Behrami, Holtby – Stieber, van der Vaart, Olic – Lasogga

Keine grundsätzliche neue Elf, klar, aber bekanntlich geht es in erster Linie nicht um die Auf- sondern um die Einstellung (drei Euro ins Schweinchen…..).

Soweit für heute die Eindrücke aus Rotenburg. Dietmar Beiersdorfer und die anderen Oberen beim HSV haben ihre ganze Hoffnung in die Hände von Bruno Labbadia gelegt. Vermeidet der HSV mit Labbadia den Abstieg, dann besteht noch die Chance, dass die Vereins-Führung mit einem blauen Auge davon kommt. In den Kommentaren aller Medien, die sich intensiv mit dem HSV beschäftigen, war die Tonlage ebenso einhellig wie treffend. Entscheidung für Labbadia war okay, aber es ändert nichts daran, dass vorher fast alles falsch entschieden wurde, was den sportlichen Bereich in dieser Saison angeht.

Morgen trainiert der HSV noch einmal in Rotenburg, ehe es für eine Nacht zurück geht nach Hamburg.

Lars

So, das war Lars mit seinem Beitrag,nun noch einige Zeilen in eigener Sache.

„Wie geht das denn mit dem Blog weiter, wenn der Blogvater in Rente geht?“

So wurde und wird zurzeit immer wieder gefragt. Weil ich, das stimmt natürlich und selbstverständlich, vor einiger Zeit verkündet hatte, dass für den Fall, dass Bruno Labbadia wieder HSV-Trainer werden sollte, dann mein Rücktritt vom Matz-ab-Blog erfolgen würde.

Dazu muss ich erst einmal sagen, dass mein Vertrag mit dem Abendblatt noch bis zum 30. Juni läuft. Und ich werde, das ist für mich klar, nicht vertragsbrüchig. Ich habe heute mit Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider gesprochen, ihm von der Situation berichtet. Dass etliche User nun meinen Rücktritt fordern – und dass ich tatsächlich etwas müde geworden bin, vor allem wohl ausgelöst von dieser schrecklichen Lage des schwer angeschlagenen HSV.
Ich habe auch mit einem HSV-Verantwortlichen darüber gesprochen, dass irgendwann ja doch einmal die Zeit kommen würde – und warum nicht jetzt, wo der HSV mit einem Bein bereits in der Zweiten Liga steht? Und wo ich doch meinen Abschied für den Fall angekündigt habe . . . Die Antwort des HSV-Verantwortlichen: „Dafür hätte ich überhaupt kein Verständnis, wenn du deswegen nun aufhören würdest. Was soll der Quatsch? Die Sache mit Bruno ist doch viel zu lange her und für mich ausgestanden, und ich bin mir sicher, dass Bruno das ebenso sehen wird. Wegen einer solchen Lapalie jedenfalls kann man nicht aufhören, egal wie viele User nun deinen Rücktritt fordern . . .“

Beim HSV hatte ja auch ein Verantwortlicher vor Wochen ebenfalls gesagt: „Wenn Bruno Labbadia hier Trainer wird, laufe ich einen Tag lang nackt durch den Volkspark. Ich habe mich auch davon überzeugt – er wird nicht nackt durch den Volkspark laufen, schon gar keinen Tag lang.

Mein Chefredakteur (und auch Internet-Chef Frank Mares) hat mich übrigens ausgelacht und dabei gesagt: „Du hast bestimmt schon einige Dinge im Blog versprochen, die du dann nicht unbedingt gehalten hast, halten konntest.”
Mag ja sein. Ich wusste kein passendes Beispiel, aber sicher werden einige von Euch etwas mehr wissen. . . Nebenbei: Scholle fragte ganz entgeistert, ob ich noch klar ticke?

Um es dann mal auf einen Nenner zu bringen: Mein Vertrag läuft, wie geschrieben, noch bis zum 30. Juni 2015, ich werde wohl Anfang Juni mit den HA-Verantwortlichen sprechen, wie es mit mir weitergehen wird. Und dabei wird auch meine Müdigkeit besprochen. Sich immer wieder erklären, verteidigen und oder rechtfertigen zu müssen, eine (gewiss nicht kleine), das geht auf die Dauer auf die Nerven. Ich bin nun schon seit eineinhalb Jahren Rentner, eines Tage wird ohnehin Schluss sein (müssen).
Ein Abstieg des HSV würde dazu natürlich auch eine gewichtige Rolle spielen, auch das ist für mich schon klar.
Im Moment aber ist es so, dass von heute auf morgen kein Rücktritt von mir erfolgen wird, schon allein deshalb, weil ich einen Vertrag zu erfüllen habe. Deshalb muss ich nun jeden enttäuschen, der sich schon die Hände gerieben hat, dass Matz nun morgen endlich am Ende ist. Das dauert noch ein wenig – tut mir ein wenig leid, dass ich Euch (die Hoffenden) mit dieser Nachricht zunächst enttäuschen muss. Aber was nicht ist, kann ja noch werden . . .

Liebe Grüße, Dieter

18.20 Uhr

Zinnbauer: “Der HSV wird nicht absteigen”

3. März 2015

Allmählich kommt die Normalität zum HSV zurück. Hoffentlich. Personell aber scheint es wieder bergauf zu gehen, denn am heutigen Training nahmen Valon Behrami und Cleber Reis schon mal wieder teil, und am Rande trainierten Marcell Jansen, Ivica Olic und sogar Pierre-Michel Lasogga. Mit allen Spielern rechnet Trainer Joe Zinnbauer spätestens am Donnerstag, und dann wären sie wahrscheinlich schon wieder eine Alternative für das enorm schwere Sonnabend-Spiel gegen Borussia Dortmund. Fünf neue Leute, das wäre schon mal was, obwohl sicher noch nicht alle so fit sind, dass sie von Beginn an spielen könnten, aber von der Bank kommend wäre ja auch schon ein kleiner Fortschritt. Und sollten sich die guten Trainingseindrücke, die der Trainer zurzeit und in diesen Tagen von Rafael van der Vaart hat, verstärken, so wäre der Niederländer sogar die sechste Alternative. Wenn sich bis zum Sonnabend keiner eine neue Verletzung zuzieht, das ist schon klar.

 

Für Abendblatt-Blogs


 

Joe Zinnbauer flog an diesem Tag mit Sportchef Peter Knäbel noch zum Pokalspiel Dynamo Dresden gegen Dortmund. Um sich an Ort und Stelle über die zurzeit großartige Form der Borussen zu informieren. Ich habe es schon erwähnt, eigentlich ein schier unmögliches Unterfangen für den HSV (sorry, die Eile – und immer noch die Nässe!), auch nur ein Pünktchen gegen Kloppos Truppe zu ergattern. Aber war es nicht auch im Hinspiel schon so? Und was gab es damals? Richtig. Warum soll das nicht ein weiteres Mal passieren? Ja, warum nicht? Die HSV-Mannschaft müsste doch eigentlich nur einmal über sich hinaus wachsen. „Die letzten Male war es schon so, dass Dortmund gegen den HSV nicht gewinnen konnte, da hoffe ich natürlich, dass das so bleibt“, sagt Zinnbauer und gibt zu: „Ich freue mich, dass Dortmund wieder auf dem Vormarsch ist, vor allen Dingen für den Jürgen freut es mich.“ Der Jürgen? Damit ist sein ehemaliger Mainzer Teamkollege Jürgen Klopp gemeint, der BVB-Trainer. Der wird allerdings nichts zu verschenken haben, denn die Dortmunder Aufholjagd soll ja eigentlich noch in der Champions League enden . . . Zinnbauer erwartet natürlich auch, wie jeder Hamburger, ein schweres Spiel: „Es war doch klar, dass die Borussia noch einmal so kommen würde, denn dazu steckt ja viel zu viel Qualität in dieser Mannschaft.“ Ich habe, das gebe ich gerne zu, speziell unheimlich Angst vor Marco Reus, denn ich halte ihn für den zurzeit besten deutschen Fußballer. Und wenn ich an das Spiel in München zurückdenke, da spielt bekanntlich der zurzeit beste Bundesliga-Spieler, Arjen Robben, und der hat dem HSV beim 8:0 ja enorm zugesetzt. Hoffentlich erwischt nicht auch Reus einen solchen Schokoladentag. Hoffentlich.

 

Vieles hängt natürlich auch davon ab, wie sich der HSV an diesem Sonnabend präsentieren wird. Ob der BVB so spielen darf, wie er will, oder ob da eine Truppe dagegenhält, weil sie nicht absteigen will? Zinnbauer: „Im Moment ist es so ja, dass in dieser Liga jeder jeden schlagen kann. Bis auf die Bayern. Es ist alles so eng beieinander, es ist so ausgeglichen, und deshalb glauben wir an unsere Chance. Wir sind auch schon mit einer positiven Stimmung nach Frankfurt gefahren, weil wir davon überzeugt waren, dass wir dort gewinnen können, auf jeden Fall dort nicht verlieren. Letztlich haben wir verloren, aber wir haben in der zweiten Halbzeit auch mit nur zehn Mann weiter nach vorne gespielt – und hatten auch die Chance zum 2:2.“ Stimmt. Nur ist das wieder erstarkte Dortmund, wenn auch auswärts in Hamburg, ein doch etwas anderes Kaliber als Frankfurt, das muss man schon mal sehen.
Doch wie heißt es so schön im Fußball: Jedes Spiel muss erst einmal gespielt werden . . . Eben.

 

Ja, und da ich gerade bei Fußball-Weisheiten bin, so kann man dann auch schnell noch einmal auf eine weitere kommen: Wenn ein Trainer eines Anstiegskandidaten nicht in der Kritik stehen würde, wäre das nicht normal. Und in Hamburg gab es das Gerücht, dass Bruno Labbadia wieder zum HSV zurückkehren könne. Für Joe Zinnbauer. Den aber interessiert so etwas nicht sonderlich: „Das gehört zum Geschäft, aber wir lassen uns da nicht aus der Bahn werfen.“ Mit „wir“ meint er sich. Natürlich. Der HSV-Coach weiter: „Dass in unserer Situation eine solche Spekulation aufkommt, ist doch völlig klar, aber wir haben Dortmund vor der Brust, wir werden uns nur darauf vorbereiten, darauf konzentrieren wir uns, alles andere kann man eh nicht steuern.“

 

Bei der Gelegenheit: Das Gerücht, dass Bruno Labbadia als Trainer zum HSV zurückkommen könnte, würde, ist zum Glück ja wirklich nur ein Gerücht. Es wurde hier, bei „Matz ab“, aber sehr wohl angenommen – und so mancher Witz gerissen. Über das Verhältnis Labbadia/Matz. Es ging dabei vielfach über die Tatsache, dass ich damals keine Handynummer des HSV-Trainers bekam. Das wird mir heute noch immer von einem HSVer, der sehr wohl noch an wichtiger Stelle sitzt, vorgeworfen. Es wird mir unterstellt, dass ich den Herrn Labbadia nur deswegen nicht mochte, weil er mir seine Handynummer nicht gegeben hat. Damals wie heute sage ich: Quatsch. Das ist wirklich der größte und absolut totale Quatsch. Ich hatte die Handynummer, ich habe sie immer noch, es gibt (und gab) sehr wohl Kollegen aus dem Süden der Republik, die sie erstens hatten, und die sie mir zweitens gegeben haben. Fest steht aber auch: Labbadia ist nie ans Telefon gegangen, wenn ich angerufen habe. Damit musste aber nicht nur ich leben, sondern fast alle Hamburger Kollegen von mir. Fast alle. Sage ich bewusst.
Ich aber hatte nur deswegen etwas gegen den Trainer Labbadia, weil er einfach viel zu viel erzählt hat – beim Training. Er erzählte einigen erfahrenen Jungs, die 30, 40 und 50 Länderspiele auf dem Buckel hatten, wie Fußball zu gehen hat. Und das machte der Trainer sowohl im Sommer, als auch bei minus zehn Grad. Letztere Temperaturen sorgten mitunter dafür, dass die Spieler auf dem Rasen anfroren. Nein, ein Witz, aber die Spieler drehten teilweise ab und durch – innerlich. Weil sie froren. Und sie sagten es uns dann auch danach (mit leicht vorwurfsvollem Unterton). Motto: „Ihr bekommt doch auch mit, was da läuft, wie das läuft – das ist doch nicht normal . . .“ Stammspieler waren das, keine Ersatzspieler.
Und diejenigen „Matz-abber“, die fast bei jedem Training sind (und damals waren), die wissen, wovon ich spreche. Sie haben alles miterlebt. Es wurde im Training mehr erzählt als trainiert. So war das damals. Und ich erinnere mich noch genau, dass mich nicht nur ein „Matz-abber“ fragte, wann denn die Herren Profis mal so richtig trainieren und vor allem laufen würden.

Nein, ich muss es noch einmal so deutlich sagen: Ich hatte Angst um den HSV. Mehr nicht. Das war keine fehlende Handynummer, keine Eitelkeit oder sonst etwas, sondern nur die pure und nackte Angst, dass der HSV abmarschieren könnte. In Liga zwei. Deswegen habe ich Labbadia schon Ende Januar, Anfang Februar wegen des (oder seines) Trainings kritisiert. Was zur Folge hatte, dass er nicht mehr mit mir sprach, und sein Co-Trainer Eddy Sözer wieder per Sie mit mir kommunizierte. Aber das waren noch die geringsten Übel.

So, und nur so lief das damals (und heute?) mit Bruno Labbadia und mir. Wobei ich schon zugeben muss, dass ich mir ein zweites Mal (es wäre ja, nachdem ich ihn als HSV-Spieler kommen und gehen sah, sogar das dritte Mal) nicht mehr antun würde. Dann wäre ich eben Voll-Rentner.

 

Zurück zum heutigen HSV, der ja immer noch „abmarschieren“ könnte, das ist mir sehr wohl bewusst. Und wenn ich an den nächsten Sonnabend denke, wird mir auch dann nicht wohler, wenn ich an die Rückkehrer denke, das gebe ich auch zu. Zinnbauer aber hat Vertrauen in seine Mannschaft, und er setzt auf den Willen seiner Mannen: „Wenn wir die Fans wieder mitnehmen, wenn wir wieder die kämpferische Leidenschaft auf den Platz bringen, wie gegen Gladbach, und dazu auch die wichtigen spielerischen Akzente nicht vergessen, dann hoffe ich, dass die Mannschaft gegen Dortmund wieder die richtige Reaktion zeigen wird. Wenn die Einstellung stimmt, dann ist das schon mal die Basis. Und dann ist trotz der Tatsache, dass Borussia Dortmund derzeit einen so guten Lauf, die Chance für uns gegeben, dass wir da etwas mitnehmen.“

 

Naja, hoffentlich hat er seinen Optimismus behalten – nach diesem Nachmittag. Da spielten die Profis gegen die eigene U23 – und das Spiel endete 2:2. Es wurden nicht 90 Minuten gespielt, sondern höchstens 80. Vielleicht noch einige Minuten weniger. Aber es war eher kümmerlich, was da (in erster Linie von den Profis) geboten wurde. Die A-Elf spielte mit: Brunst; Ahmet Arslan, Cleber, Westermann, Marcos; Behrami, van der Vaart; Beister, Ilicevic; Green, Rudnevs. Die Torfolge: Eigentor Rudnevs (32.), 1:1 und 2:1 Beister (50., 65.) und 2:2 Andre Branco aus der U19, der zwei Minuten vor dem Abpfiff eine glänzende Vorarbeit von Roan Kwon nutzte – der Koreaner war im Stile eines 100-Meter-Sprinters Heiko Westermann enteilt und legte den Ball mustergültig zur Mitte, sodass nur noch vollendet werden musste. Ein großartiges Tor.

 

Auffällig an diesem wenig berauschenden Kick, der sich voll dem Wetter anpasste (Dauerregen und schlimmer Wind): Cleber machte seine Sache solide, spielte das was er soll und kann – er dürfte so bei 90 Prozent sein. Valon Behrami gefiel mir ganz und gar nicht, muss ich zugeben. Er wirkte mir gelegentlich nicht bei der Sache, mitunter überheblich, er tänzelte gelegentlich über den Platz, als müsste er sich das gar nicht so wirklich antun. Das war nicht der Behrami, den ich in der Hinrunde kennengelernt habe. Er legte sich auch zweimal – nicht gerade fein – mit Gegenspielern an. Einmal mit Sven Mende, dem er den Ball wütend aus der Hand schlug, und dann mit Francis Adomah, dem er einige weniger schöne Worte an den Hals legte – nein, das war nicht schön. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass er sauer war, dass er in einer solchen Mannschaft mitspielen musste. Und dass er erst jetzt gemerkt hat, welche Qualität seine Mitspieler haben. Hat natürlich nichts von der Klasse SSC Neapel . . . Nein, Behrami hat mir nicht gefallen, aber vielleicht wollte er sich auch nur ein wenig für Sonnabend hochfahren, oftmals heißt es ja, dass er diese Aggressivität braucht. Na dann.

 

Nahtlos an sein Frankfurt-Spiel knüpfte Artjoms Rudnevs an, der zwei, drei oder auch vier sehr gute Chancen kläglich vergab. Im Moment trifft der Lette nichts – außer den einen oder anderen guten Bekannten. Ivo Ilicevic hatte nur zu Beginn ein, zwei Szenen, fiel ansonsten nicht auf. Gleiches gilt auch für Rafael van der Vaart, der in diesem hektischen Spiel nicht so in Erscheinung trat, wie es sich Trainer Zinnbauer wohl erhofft hatte. Van der Vaart hatte vor dem Seitenwechsel durchaus ein, zwei, drei gute Szenen, aber für seine Ansprüche (und die des HSV) müsste er die ganz sicher öfter haben. Im zweiten Durchgang war er dann kaum noch zu sehen. Umgekehrt lief es bei Maximilian Beister. Er spielte in der ersten Halbzeit rechts draußen, dort trat er nicht in Erscheinung, später war er neben Rudnevs eine der beiden Spitzen, schoss beide Tore und wirkte wesentlich gefährlicher auf mich, als vorher.
Hinten rechts durfte sich Mittelfeldspieler Ahmet Arslan (aus der U23) versuchen – und er machte seine Sache durchaus nicht schlecht. Mal sehen, ob er sich auf diese Art eventuell mal in die Profi-Truppe kämpfen kann.
Bei den Spielern der Zweiten gefielen mir besonders Mende, Adomah, Kim, Steinmann und Derflinger, alle anderen waren sehr engagiert und wollten sich für höhere Aufgaben empfehlen. Das war gut zu sehen.
Bei der Gelegenheit: Vielen Dank an “el presidente” Benno Hafas, für den Schirm! Du bekommst ihn wieder, Benno, irgendwann!

 

Dann möchte ich, gegen Ende des Beitrags, noch kurz auf das Frankfurt-Spiel zurückkommen. Ein Kollege aus Hessen sagte mir heute, dass Schiedsrichter Florian Meyer bereits eine Woche vor dem HSV-Spiel Kontakt mit der Eintracht hatte. Und zwar beim Bundesliga-Spiel Mainz 05 gegen Frankfurt (3:1). Dort hagelte es Frankfurter Kritik an Schiedsrichter Dr. Felix Brych (München), und explizit Trainer Thomas Schaaf und Sportchef Bruno Hübner beschwerten sich mehrfach und vehement beim vierten Mann: Florian Meyer. Wie kann das sein, dass Meyer dann eine Woche später Frankfurt gegen HSV pfeifen darf? Das ist ein Unding. Geht gar nicht. Und wieso lehnt Meyer es denn auch nicht ab, wo er doch so von zwei Frankfurter Offiziellen angepöbelt worden ist? Das muss er doch den Oberen der Schiedsrichter mitteilen und sagen, dass er nicht sofort noch einmal mit dieser Eintracht und den Eintrachtlern zu tun haben möchte. Ich bin jedenfalls sprachlos, dass es so etwas geben kann.

 

Zumal mir mein hessischer Kollegen heute auch noch sagte, dass später, nach dem Spiel vom vergangenen Sonnabend, im Kollegenkreis gesagt und festgestellt worden ist, dass so gut wie alle Kann-Entscheidungen in dieser Partie pro Eintracht Frankfurt ausgefallen sind.

Kann man nur hoffen, dass so etwas dem HSV nicht so schnell noch einmal widerfährt. Man kann es nur hoffen. Sonst wird es noch düsterer für die Rothosen.

 

Beim HSV war man ob dieser Meyer-Ansetzung auch ganz schön geplättet, um es mal salopp zu umschreiben. Auch Joe Zinnbauer, der heute aber auch kämpferisch sagte: „Wir werden nicht absteigen, wir werden unsere Punkte noch sammeln. Wir haben noch elf Spieltage, zum Schluss wird der HSV nicht absteigen – und fertig.“

 

Sein Wort und Fußball-Gottes Ohr – aber dazu komme ich noch am Ende des heutigen Beitrags.

 

Kurz möchte ich auch noch auf Joe Zinnbauer persönlich eingehen. Kürzlich schrieb ich, dass er mir im Moment gar nicht gut gefällt, weil er sehr, sehr mitgenommen aussieht – natürlich. So etwas geht ja auch nicht spurlos an einem Trainer vorbei. Abstiegskampf ist die Hölle. Auch privat. Ganz sicher. „Kein Trainer wird sagen: ‚Juhu, jetzt haben wir Abstiegskampf.’ Das Privatleben eines Trainers ist natürlich wesentlich ruhiger, wenn man elf Punkte vom Abstiegskampf entfernt ist. Aber dann hat man wieder Druck, um noch in die Europa League zu kommen. Du hast als Trainer kaum Ruhe, aber das, genau das will ich ja auch. Ich will keine Ruhe. Das bin ich nicht. Ich brauche immer Action, ich muss Gas geben können, ich muss irgendwas bewegen können. Stillstand brauche ich nicht, bringt auch nichts. Das ist völlig normal in meinem Leben, meine Familie kennt das auch so von mir, alles ist gut.“

 

Aber es wäre doch auch bestimmt nicht schlecht, wenn es noch einen kleinen Tick besser wäre, oder? Dann mal los!

 

Ja, und dann muss ich noch ein Versäumnis gestehen. Bei „Matz ab live“ am vergangenen Sonntag hatte ich ganz zum Schluss etwas angedeutet, was ich dann doch nicht gehalten habe. Vor einigen Tagen hat mir mein langjähriger Kumpel Rolf Höfert, einst Kapitän beim HSV-Nachbar, einen Witz per Mail geschickt. Dieser Witz besagt, dass der HSV auf keinen Fall absteigen KANN. Und wer nun, bevor ich auf diesen Witz komme, zusammenzuckt, wie ich mit Höfert einen Kumpel von den „Braunen“ habe, der sollte wissen, dass wir uns schon seit der Jugend kennen. Er bei Paloma, ich bei BU. Wir sind Meister geworden, er leider nicht – geht ja nur einer. Aber er nimmt mir das immer noch (im Scherz) übel. Der Unterschied zwischen uns ist aber der: Er wurde Profi, ich nicht. Höfert sollte einst sogar zum FC Bayern, ging dann aber in die Schweiz und lebt seit gefühlt 35 Jahren bei Bern. Wir hatten und haben aber immer noch reichlich Kontakt, obwohl er ein „Brauner“ ist und ich eine „Rothose“. Er ist aber, wenn er in Hamburg ist, auch immer bei den HSV-Spielen . . . Er ist eben in erster Linie Hamburger. Immer noch. Und er liest jeden Tag „Matz ab“, sieht sich auch immer „Matz ab live“ an.

 

So, und nun der Witz:

Uli Hoeneß kommt eines Tages in den Himmel. Der liebe Gott persönlich begrüßt ihn an der Eingangstür und sagt: „Es ist eigentlich nicht üblich, dass ich jeden Neuzugang hier oben persönlich begrüße, aber in Ihrem Falle mache ich gerne eine Ausnahme. Sie haben so viel für den FC Bayern und den deutschen Fußball getan, Sie haben den Menschen geholfen wo Sie nur konnten, Sie haben den ärmsten Leuten Geld gespendet, Sie haben auch einige Vereine vor dem Untergang bewahrt. Das haben wir hier oben sehr wohl registriert. Und deswegen haben wir Ihnen auch extra ein kleines, feines und niedliches Häuschen herrichten lassen. Das bekommen wirklich nur ganz wenige Leute, Sie dürfen sich geschätzt fühlen durch uns.“
Uli Hoeneß reibt sich die Hände, bedankt sich und fragt, wo denn das Häuschen stehen würde. Gott sagt: „Wenn Sie mal schauen wollen, dort drüben, auf Wolke sieben. Sie können von hier aus sofort hinfliegen.“
Gesagt, getan. Schon im Anflug auf das Häuschen sieht Hoeneß die Bayern-Flagge im Garten wehen. Als er das Haus betritt, sieht er die Fußmatte mit dem Bayern-Emblem. Innen ist alles dezent in rot-weiß gehalten, die Vereins-Hymne „Stern des Südens“ wird gespielt – alles vom Feinsten. Hoeneß geht an ein Fenster, um die Umgebung zu erforschen – und erschrickt: Neben seiner Wolke sieben erblickt er einen riesigen Palast, alles in den Farben schwarz-weiß-blau gehalten. Die Diener laufen alle in schwarz-weiß-blauen Anzügen herum, die Damen des Hauses tragen HSV-Trikots, die Raute weht an allen Ecken des Palastes, es gibt einen schwarz-weiß-blauen Swimmingpool, es gibt einen riesigen Wellness-Bereich in schwarzweiß-blauen Farben, Lotto-King-Karls „Hamburg meine Perle“ läuft rauf und runter, sogar der Rasen ist schwarz-weiß-blau.
Wütend schließt Hoeneß das Fenster und beschließt, sofort zu Gott zurück zu fliegen. So geht es nicht. Das sagt er dem Chef dann auch unmissverständlich: „Was hat dieser Beiersdorfer, was ich nicht habe? Wieso hat der einen so riesigen Palast, und ich nur ein so mickriges Häuschen? Was hat dieser Beiersdorfer schon für den deutschen Fußball getan? Nichts! Gerade mal ein Länderspiel. Das ist nicht nur lächerlich, was hier passiert, das ist auch im höchsten Maße ungerecht. Wieso hat Beiersdorfer einen solchen Palast?“
Der liebe Gott bleibt während des Protestes gelassen und ruhig, mahnt dann auch Hoeneß: „Halten Sie jetzt mal den Ball flach, in diesem Palast wohnt nicht Dietmar Beiersdorfer, sondern ich.“

Und lässt ein solcher HSV-Fan den HSV auch tatsächlich ins Verderben rennen? Und absteigen? Nein, nein, nein. Das haben wir doch schon im Sommer 2014 erlebt. Mit 27 Pünktchen. Und wo spielt der HSV mit diesen 27 Pünktchen immer noch? Eben.

 

PS: Morgen, am Mittwoch, wird um 15 Uhr im Volkspark trainiert.

 
18.39 Uhr

“Hier haben wirklich alle wieder richtig Spaß!”

19. Oktober 2012

Wahnsinn, wie unser Blog-Netzwerk funktioniert. Da stehe ich mit zwei Bloggern, unterhalte mich – und binnen weniger Minuten ist sogar der Inhalt des Gesprächs online. Nicht hundertprozentig korrekt wiedergegeben – aber online und für alle zugänglich. Ebenso wie die beste Nachricht es Tages: Rafael van der Vaart ist fit. „Ich kann spielen, der Trainer hat Grünes Licht, mich aufzustellen“, so der Niederländer auf Nachfrage. Leichte Adduktorenprobleme hätte der Topspieler des HSV nach seinen beiden Länderspiel(tor)en für die niederländische Nationalelf gehabt, wurde gestern mitgeteilt – und heute belächelt. „Ich wusste von Beginn an, dass er spielen können würde“, so Trainer Thorsten Fink mit einem Lächeln, „aber man weiß ja nie. Am Donnerstag haben wir ihn geschont, heute hat er voll mitgemacht. Ohne Probleme. Deshalb ist er am Sonntag auch dabei.“

Van der Vaart machte tatsächlich ohne Probleme mit. Mehr noch: das Abschlussspiel, das die A-Elf haushoch (auch wenn Fink behauptetet, es wäre nur 3:0 gewesen) gewann, dominierte der Niederländer mit seinen Geistesblitzen. Hier mal ein kleiner Stoß mit der Fußspitze, hier ein No-Look-Pass (passen, ohne dabei in die Passrichtung zu gucken) und dort ein Tor – van der Vaart war extrem spielfreudig. „Ich bin in Hamburg wieder fit und glücklich“, so der Mann mit der Rückennummer 23. „Das war in Tottenham auch so – aber hier herrscht ein ganz anderer Druck. Das ist schöner.“ Zumal dem Niederländer das ihm entgegengebrachte Vertrauen, die hohen Erwartungen an ihn sowie natürlich die mit ihm verbundene Hoffnung schmeicheln. Und das ganze Lob scheint nicht abzuebben. Heute wartete ein holländischer Radioreporter auf van der Vaart, um anschließend auch Fink über seinen neuen Top-Scorer zu befragen. Und Fink holte weit aus: „Rafa wollten alle im Klub. Es gibt wohl keinen bei uns, der ihn nicht mindestens einmal angerufen hat, um ihm Hamburg nahezulegen. Und mit ihm haben wir das Winner-Gen dazubekommen. Neben ihm wachsen die anderen, die vorher noch an sich gezweifelt haben. Er ist mein verlängerter Arm, der mir Feedback gibt.“

Worte, die den erfahrenen van der Vaart zwar nicht zwingend die Schamesröte ins Gesicht treiben. Aber sie spornen auch einen Star wie ihn noch an. „Es macht mir auch Spaß hier“, so der Linksfuß, der für seine Pause am Donnerstag die Anstrengungen der letzten Wochen seit Bekanntwerden seines Wechsels zum HSV anführte. „Ich habe sehr viel gespielt und wenig geschlafen. Aber die Pause war nicht nur für den Körper gut, sondern auch für mich“, sagt van der Vaart, dem ich angesichts des heutigen Trainings geneigt war, alles zu glauben. Und ganz ehrlich, sollte ein Tag Pause immer solche Folgen haben, dann bitte, Herr Fink: Schonen Sie Rafael van der Vaart morgen noch einmal. Es lohnt sich…

Wobei, genau das soll zu seiner Zeit beim HSV ein gewisser Bruno Labbadia anders gesehen haben. So zumindest wird sich erzählt. Dass das so nicht wahr ist, dürfte jedem Fußballkenner klar sein. „Der HSV hat sehr teuer aber auch sehr gut eingekauft“, lobt der heutige Stuttgart-Trainer die Verpflichtung eben jenes van der Vaarts, bezieht dabei aber auch Milan Badelj und Petr Jiracek mit ein. „Ich bin auch wenig überrascht, dass der HSV so gut dasteht. Die Mannschaft wurde immer schlechter gemacht, als sie war.“ Und wenn es glücklicherweise in Hamburg schon keiner macht, dann wenigstens die Gegner: „Der HSV hat ganz klar die Möglichkeit, noch viel weiter nach vorn zu klettern. Es ist eine Mannschaft, die in die Europa League kommen kann.“

Ist ja auch nicht sein Druck, den er da aufbaut.

Wobei Labbadia nach seinem verpatzten Saisonstart und seiner drastischen Wutrede vor zwei Wochen beim nächsten HSV-gegner mächtig unter Druck steht. Manager Fredi Bobic leugnet das branchenüblich noch, aber viel erlauben darf sich der VfB nicht mehr, will man dort seinen Trainer behalten. Ob er den Druck spürt? Labbadia verneint: „Ich habe keinen Druck. Ich freue mich auf das Spiel.“

Klar, was soll er auch anderes antworten. Dabei bin ich mir sicher, dass Labbadia weiß, dass eine Niederlage sein Aus besiegeln könnte. Dafür hat der VfB trotz der minimalsten Ausgaben in der Ersten Liga (keiner gab weniger als der VfB _ 200000 Euro – aus) zu hohe Ansprüche. Immerhin sind die Schwaben in der letzten Saison mit einer nahezu identischen Mannschaft in die Europa League eingezogen. Allerdings, und das muss man dazu sagen, hat Labbadia nicht zuletzt durch den Kreuzbandriss Cacaus (Gute Besserng aus Hamburg!) erhebliche Probleme in der Offensive. Inzwischen steht dem akribischen Coach nur noch Vedad Ibisevic zur Verfügung. „Viel darf nicht mehr passieren“, sagt Labbadia, der gern noch einmal kurz vor Transferschluss 17 Millionen Euro wie der HSV ausgegeben hätte. Dennoch, und so war der Ex-Bayern-Profi in Hamburg auch, Labbadia bleibt klar. Loyal eben. „Das wünscht sich natürlich jeder Trainer. Aber ich gehe den Weg des Vereins.“ Und der heißt: Sparen.

Kennen wir doch auch irgendwoher, oder?

Und nur um eines klarzustellen: ich halte Labbadia samt seinem Cotrainer Erdinc „Eddy“ Sözer für einen sehr guten Trainer. Dass er in Hamburg gescheitert ist, hat mich dennoch nicht überrascht, da Labbadia als weitgehend beratungsresistent zu Hamburger Zeiten keinen Sportchef an seiner Seite hatte – wenn man Bernd Hoffmann und Katja Kraus mal nicht als solche werten mag. Aber ich bin mir sicher, dass Labbadia mit Dietmar Beiersdorfer zusammen in Hamburg großen Erfolg hätte haben können. Immerhin bestätigen selbst die Spieler, die bei Labbadia durchs Rost fielen dem Deutsch-Italiener fachliche Qualitäten, wie sie selten zu sehen sind.

Aber okay, wo wir schon bei Konjunktiven sind: Stellt Euch mal vor, Sven Ulreich hätte nicht so hervorragend gehalten in den letzten Jahren. Dann wäre Rene Adler heute nicht in Hamburg.

Warum?

Immerhin verdrängte Ulreich so Bernd Leno beim VfB, den wiederum Leverkusen nach seiner Leihphase unbedingt weiterverpflichten wollte und konnte. Wäre aber Leno zurück nach Stuttgart – Leverkusen hätte Adler wohl niemals ziehen lassen…

Insofern: Danke Sven Ullreich! Danke Bernd Leno!

Ein großer Dank geht auch an Milan Badelj, der am Sonnabend beim Abschlusstraining wieder mitmischen soll und nach eigener Aussage spielen will. Der Kroate ist hart im Nehmen und will trotz Bänderanrisses mit einem bandagierten Knöchel alles geben. „Klar ist aber auch, dass ich ihn nur dann bringe, wenn er 100 Prozent geben kann“, sagt Fink, der die Einsatzwahrscheinlichkeit Badeljs auf 60:40 schätzt. „Es ist eben ein reines Schmerzproblem“, so Fink, wissend, dass Badelj nach eigener Aussage zur Not auch ein, zwei Schmerztabletten nehmen will, um zu spielen.

Sollte Badelj wider Erwarten nicht auflaufen können, will Fink wie heute im Abschlussspiel auflaufen. Soll heißen: Jiracek rückt ins zentral-defensive Mittelfeld und Maxi Beister auf die linke Außenbahn. Das Riesentalent hat seine Rückenprobleme („Ich habe mir einen Nerv eingeklemmt, den wir mit zweimal Physio und Strombehandlung in den Griff bekommen haben“) auskuriert und brennt auf seine Chance. „Ich habe immer gesagt, dass ich geduldig bin“, sagt Beister und lacht dabei, „vielleicht bekomme ich ja jetzt meine Chance.“

Wie Beister herrschte heute bei den HSV-Spielern allgemein gute Laune. Nach Trainingsende wurden weiter fleißig Standards, Torabschlüsse und für die Torhüter Flankenbälle geübt. Oder es wurden bereitwillig Autogramme geschrieben und Interviews gegeben. „Es macht einfach allen wieder Spaß“, sagt Dennis Diekmeier, selbst ein Gewinner der letzten vier Spiele. „Der Erfolg trägt dazu bei. Deshalb gibt es für uns für Sonntag auch nur ein Ziel: Gewinnen“, so Diekmeier, der in seiner noch jungen Karriere ausgerechnet gegen den VfB in fünf Spielen noch nie gewinnen konnte. Aber – und das ist das gute Omen – das galt für Diekmeier auch vor dem Spiel gegen Dortmund. „Insofern kann ja nichts mehr schiefgehen“, so der Rechtsverteidiger, der ebenso wie Fink daran glaubt, dass sich der HSV mit einem Sieg im Mittelfeld vorerst festsetzen wird. Wobei der Trainer beim holländischen Radioreporter noch weiter ging. Auf die Frage, was denn das Ziel mit dem HSV in dieser Saison sei, antwortete er: „Wir wollen einen einstelligen Tabellenplatz – und jetzt auf dem Boden bleiben. Wenn wir jetzt nicht abheben und weiter Punkte sammeln, ist das auch drin.“

Absolut. In diesem Sinne: Bis morgen. Dann wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert und Dieter ist wieder am Ball. Sogar die nächsten drei Wochen lang, da ich mich vorerst in meinen Urlaub (der erste 2012) verabschiede und mich am 12. November wieder zurückmelden werde. Ich hoffe, dass wir bei meiner Rückkehr sieben Punkte mehr auf dem Konto haben, der NTSV sogar 9. Ich hoffe, dass beim HSV alle zuletzt angeschlagenen Spieler zurückkehren und Trainer Thorsten Fink ein mächtiges Problem in Sachen Kaderberufung (am Sonntag ist übrigens Paul Scharner dabei, Rincon und Kacar noch nicht) hat. Und vor allem hoffe ich, dass Ihr alle hier genau wie in den letzten Tagen und Wochen weiter so konstruktiv diskutiert. Unterstützt Dieter bitte, denn 21 Tage lang jeden Tag einen Blog schreiben ist anstrengend. Körperlich wie mental. Ich weiß das zu beurteilen…

In diesem Sinne, uns allen weiterhin schöne Fußballtage!

Bis bald,

Euer Scholle

Die Zeugnisse – Teil vier

13. Mai 2010

Stand jetzt gehe ich davon aus, dass der HSV in der kommenden Woche einen neuen Sportchef vorstellen wird. Alles spricht für Nico Hoogma, den die Herren Aufsichtsräte von Heracles Almelo loseisen wollen. Der ehemalige HSV-Kapitän ist ein großartiger Sportsmann, er ist gradlinig, ein feiner Mensch, er genießt in und um Hamburg herum einen erstklassigen Ruf – und genau deswegen passt er nun bestens zum HSV. Klar, die Herren brauchen doch jetzt ein Erfolgserlebnis, um die Negativ-Schlagzeilen zu stoppen, und das passt ein Held wie Hoogma bestens ins Beuteschema der Räte. Dann man los.

Übrigens: Eben hatte ich mich vertippt. Ihr hattet es nicht mitbekommen, aber ich habe gelacht. Stand dort doch der Name Hoogman. Besser wäre es noch gewesen, wenn ich Hoogmann geschrieben hätte – erinnert mich fatal an Kurt Jara. Der ehemalige HSV-Trainer kam am 8. Oktober 2001 als Nachfolger von Frank Pagelsdorf (okay, ein paar Tage auch noch Holger Hieronymus) nach Hamburg und glänzte mit erschreckendem Wissen, denn: Jara sprach nicht nur am ersten Tag von seinem „Kapitän Hoogmann“, sondern auch noch Wochen danach. Fand ich höchst peinlich, finde es immer noch höchst peinlich, es gab davor oder danach auch kaum etwas Vergleichbares. Mal abgesehen davon, dass sich Kurt Jara auch mal in einer Pressekonferenz über seinen Co-Trainer „Armin Reutershagen“ geäußert hatte – kann ja mal passieren. Dürfte aber eigentlich trotz allem nicht. Ist jedoch schon vergessen. Es gibt Wichtigeres.

Bevor ich zu den letzten Zeugnissen komme, schnell noch ein Anekdötchen in Sachen Torhütern. Ich wurde in den letzten Tagen oft gefragt, wen ich denn ins Tor der Nationalmannschaft stellen würde? Wiese oder Neuer? Da erinnerte ich meine Gesprächspartner stets an die Saison 1997/98. Damals standen HSV-Trainer Frank Pagelsdorf drei Torhüter zur Verfügung: Richard Golz, der aus Südkorea geholte Sascha Ilic (kam vom Klub Daewoo Soccer) und Jörg Butt, den Felix Magath noch vom damaligen Manager Bernd Wehmeyer beobachten und dann vom VfB Oldenburg holen ließ. Butt, der beim Zweitiga-Klub VfB kein Stammkeeper war, hatte keiner auf dem Zettel. In den Testspielen vor der Saison spielten Golz, Ilic und Butt in bunter Reihenfolge. Dann der Hammer: Am 26.Juli fand im Volkspark das Ui-Cup-Halbfinale gegen den SC Bastia statt. Die Medienwelt war sich einig: Zu diesem Spiel müsste Pagelsdorf in Sachen Nummer eins endlich Farbe bekenne: Golz oder Ilic? Und wer spielte? Genau: Butt. So kann es auch gehen. Wobei ich diesmal, da bin ich ehrlich, nicht dran glaube, dass Butt an Wiese und Neuer vorbeipreschen wird.

So, zu den letzten HSV-Zeugnissen der verkorksten Saison 2009/10.
Zuerst die Trainer:

Bruno Labbadia: Note fünf.
Ich, inzwischen längst als Wendehals geoutet, bekannt und geschätzt, schreibe mir jetzt die Wahrheit von der geschundenen Seele: Ich war skeptisch, als Labbadia verpflichtet wurde, denn die Kollegen aus Leverkusen berichteten mir in jenen Tagen nicht viel Gutes über den künftigen HSV-Trainer. Da der Vorstand um Bernd Hoffmann aber sogar eine Ablöse an Bayer gezahlt hatte, tröstetet ich mich damit: Es wird schon passen, die Sache mit dem Bruno, der HSV hat sich erkundigt und ihn auch beobachten lassen. Es muss ganz einfach klappen.
Und es klappte dann ja auch bestens. Ich lobte Labbadia, weil der ein gutes Training machte, weil er unheimlich viel mit den Spielern sprach, oft korrigierte. Und er ließ Dinge, die zuvor in einem Spiel nicht optimal funktioniert hatten, gleich danach im Training üben, damit sich die Fehler nicht wiederholen. Gute Sache, hatte ich so zuvor noch von keinem anderen HSV-Trainer gesehen.
Dann kam der Herbst, es kamen die vielen Verletzte – und Labbadia wich von seiner Linie ab, er wirkte ein wenig verunsichert, ich hatte auch den Eindruck, dass sein Selbstbewusstsein statt bei 100 Prozent nur um die 60 Prozent hatte. Irgendwie litt Bruno Labbadia auch immer ein wenig unter “Verfolgungswahn“. Dinge, die ihm in den Zeitungen zu negativ dargestellt wurden, die aber eigentlich total harmlos waren, stellte er stets – völlig humorlos – richtig. Seine Begründung: „Das lief damals in Leverkusen genau so, und es war der Anfang vom Ende für mich. Deswegen will ich das gar nicht erst einreißen lassen.“ Okay.
Der HSV spielte trotz der vielen Verletzten eine hervorragende Hinrunde, hatte sogar den besten Saisonstart der Vereinsgeschichte hingelegt. Und dennoch lief es nicht mehr rund. Das Training wurde in meinen Augen eintönig – aber niemand von den Spielern meckerte. Also alles normal? Der eine Trainer hat seine Methode, ein anderer Coach eben eine andere. So lange der Erfolg da ist, so lange gibt es kaum etwa zu kritisieren. Und in der Winterpause stand der HSV ja noch in Sichtweite zur Spitze.
Was Labbadia wohl unterschätzt hat, ich eventuell auch, was die Distanz zu den Spielern. Es gab nie eine Einheit Mannschaft/Trainer. In keiner Phase der Saison. Das wurde mir von vielen Spielern bestätigt. Es gab kaum Einzelgespräche auf dem Platz, ich habe es nicht einmal gesehen, dass Labbadia seinen Arm auf die Schulter eines seiner Spieler gelegt hätte – nicht einmal. Oft habe ich bei dieser Distanz so bei mir gedacht: Der Coach könnte seinen Jungs, die nicht seine waren, eigentlich ein Trainingslehrbuch mit auf den Platz geben, mit der klaren Anweisung: „Heute trainiert ihr die Seiten 238 bis 249. Und wenn ihr dann fertig seid, könnt ihr in die Kabine.“ Es war keine Herzlichkeit da, es war immer nur frostig, eine total unpersönliche Atmosphäre.
Und das Training wurde noch einen Tick schlechter. Kiebitze und Fans standen draußen, bei teilweise minus zehn Grad, und die Spieler standen zu oft. Sie froren, während Labbadia seine Vorträge hielt. Aber, was ich den Spielern ankreide: Sie sagten es uns, dass sie unzufrieden seien, sie beschwerten sich nicht, sie fanden es nur gut, dass wir draußen das genauso sehen würden, wie sie auf dem Platz. Aus der Sport Bild habe ich erfahren, dass die Mannschaft sehr wohl mit dem Trainer über den „Standfußball“ bei Minusgraden gesprochen hat, aber es wurde nicht besser. Labbadia schaltete für mich auf stur, er war beratungsresistent – und zwar total.
Am 6. März schrieb, ich komme immer wieder darauf zurück (und Ihr könnt es im Blog zu jeder Zeit nachlesen), unser „Matz-abber“ Benno Hafas in der Art: „Dieter, wann trainiert die Mannschaft eigentlich mal Kondition? Laufen die nachts durch den Volkspark? Laufen sie heimlich, wenn keiner der Fans zusehen kann? Das ist doch zu wenig, was dort gemacht wird.“
Zu der Zeit hatte sich der Trainer schon mit vielen „Häuptlingen“ in der Mannschaft angelegt. Dazu hatten verschiedenste Aktionen geführt. Das Verhältnis Mannschaft/Trainer wurde immer angespannter, auch immer distanzierter. Wenn Bernd Hoffmann ganz langsam darauf hingewiesen wurde, dass da doch etwas nicht stimmen könne, antwortete er immer stereotyp: „Wir können immer noch die beste und erfolgreichste Saison seit 1983 spielen.“ Ja, das war zu jener Zeit nicht von der Hand zu weisen. Was hätten wohl Journalisten von ihren Lesern gehört, wenn sie zuvor alles in Grund und Boden geschrieben hätten – und der HSV wäre Gewinner der Europa League geworden und hätte zudem noch Platz sechs (mindestens) eingenommen? Der Beruf des Journalisten wäre doch von denen, die jetzt jammern, wir alle hätten viel zu spät oder gar nicht reagiert, noch mehr verdammt und durch den Schmutz gezogen worden. Motto: Die Sensationsschreiberlinge müssen doch immer nur alles schlecht sehen, sonst sind sie nicht zufrieden . . .
Der HSV steht aber nach dieser Saison mit total leeren Händen da. Danke für nichts. Ich kann aber nicht erkennen, dass ich oder das auch meine Kollegen die Schuld daran tragen, denn: Der Verein hätte handeln müssen. Und die Mannschaft auch. Die Spieler hätten zum Vorstand gehen müssen, um über diese Missstände zu berichten. Und der Vorstand, vielleicht auch der Aufsichtsrat, hätte sich mindestens ein paar Mal im Monat beim immer schlechter werdenden (ich schrieb es bereits) Training sehen lassen. Aber: null! Entweder war ich beim Training, oder es war mein Kollege Christian Pletz da. Vom Vorstand habe ich nie jemanden gesehen, von den zwölf Räten auch nichts. Und wenn der Aufsichtsrat nun sagen würde, dass sei ja „operatives Geschäft“, so würde mein Hals blitzschnell wieder auf das Doppelte (mindestens) anschwellen, denn: Wenn ich als Rat sehe, dass der Verein abstürzt, dann mache ich mir Gedanken, woran das liegen könnte. Und dann erkundige ich mich (auch bei dem einen oder anderen Journalisten), oder ich lasse mich mal beim Training sehen. Aber: Dazu gehört natürlich auch, dass man als Rat erkennt, was da im Training passiert – beziehungsweise nicht passiert. In diesem Punkt haben alle versagt, restlos.
Und zum Abschluss noch einmal zu Bruno Labbadia: Ändert er sich nicht, bleibt er als Trainer bei seiner unnahbaren Art, dann wird er in Liga eins (Deutschland) wohl nie wieder eine Chance bekommen. Selbst der knurrige und oft finster drein schauende Huub Stevens war mehr Mensch und Freund der Spieler, und das soll schon etwas heißen.

Co-Trainer Eddy Sözer: Note fünf.
Zu schwach, zu linientreu, zu unkritisch seinem „Chef“ gegenüber. Er hätte regulieren können, aber er gehorchte immer nur. Und was bei den Spielern nicht besonders gut ankam (weiß ich von ihnen): Er korrigierte sie mitunter auch sehr lautstark und entschieden. Was ganz sicher auch nicht verkehrt ist, aber da ist im Gesamt-Verhältnis Mannschaft/Trainer nicht stimmte, hätte sich Sözer besser einige Male mehr zurückhalten sollen. Schließlich befehligte er gestandene Nationalspieler, die wesentlich mehr in ihrem Fußballerleben erlebt haben als der Labbadia-Assi. Da würde ich dem Eddy Sözer mal empfehlen, einen Blick nach Schalke zu riskieren. Wie sich dort ein Seppo Eichkorn als Assi von Felix Magath geschickt zurückhält, ohne dabei aber keineswegs nichts zu machen, das ist großartig.

Techniktrainer Ricardo Moniz: Note drei.
Er hat nie etwas Böses oder Negatives über seinen Chef gesagt, und ich glaube auch, er würde es nicht einmal in 30 Jahren tun. Der Mann ist loyal – und ertrug alles mit Fassung. Er hat eine ganz andere, viel offenere Art als Labbadia, und damit kam er schon während der Saison immer sehr gut an. Schade, dass Moniz wohl zu Red Bull wechseln wird.

Torwarttrainer Claus Reitmaier: Note drei.
Okay, der ehemalige Bundesliga-Torwart schlich oftmals wie anteilnahmslos über den Rasen, aber er hat meines Erachtens ein gutes Training gemacht. Ich weiß nicht, wie Frank Rost darüber denkt, aber sollte er anderer Meinung sein als ich, so könnte ich das wohl akzeptieren, würde aber darauf verweisen, was für ein Programm alles vorherigen Torwarttrainer des HSV hier abgespult haben – und das war gar nichts. Da hatte Reitmaier schon einiges mehr zu bieten.

Reha-Trainer Markus Günther und Leistungsdiagnostiker Manfred Düring bleiben ohne Note.

Dem Vorstand um Bernd Hoffmann gebe ich die Note fünf.
Zu wenig um die wichtigste Sache gekümmert, die es im HSV gibt: die Mannschaft. Von einem Vorstand erwarte ich, dass er rechtzeitig gewisse Strömungen erkennt, das aber wurde hier total versäumt, verharmlost, verniedlicht, verdrängt. Die Zahlen, die Wirtschaftlichkeit des HSV sind okay, aber das ist nur die eine Sache, der Sport die andere Seite der Medaille. Und wenn der Vorstand nicht die Zeit gehabt hat, um sich zu kümmern, dann hätte es spätestens der (fehlende) Sportchef machen müssen. Auf den aber wurde verzichtet, weil es wohl den Gedanken gab: „Das bisschen Sportchef können wir auch – nebenbei.“ Der absolut größte Fehler.

Dem Aufsichtsrat gebe ich die Note sechs.
Zu wenige gekümmert, zu wenig kontrolliert, zu wenig, nein, viel zu wenig Ahnung von der Materie, zu viele ahnungslose Leute, die sich nur bei den Spielen im Volkspark sehen ließen. So stelle ich mir den Aufsichtsrat des HSV auf jeden Fall
NICHT
vor. Und, wie oben bereits geschrieben: Die Herren sollen mir nicht wieder, wie schon so oft, mit der Ausrede „operatives Geschäft“ kommen, in das sie nicht eingreifen dürfen. Wenn etwas falsch läuft, dann gehe ich der Sache auf den Grund – das aber hat niemand getan. Ich habe nie einen Aufsichtsrat beim Training gesehen (abgesehen von Horst Eberstein vor langer Zeit) – aber ich habe in den Jahren zuvor sehr wohl Dietmar Beiersdorfer entdeckt, der dem Training beiwohnte. Ich behaupte einmal: Hätte ein Sportchef das Training erlebt, hätte er gesehen, welche Strömungen es zwischen Mannschaft und Trainer gibt – er hätte eingegriffen, er hätte eingreifen müssen. Oder er hätte seinen Job verfehlt.

Aber es wird jetzt ja alles besser. Weil Urs Siegenthaler den absoluten Blick für Fußball hat, und weil der neue Sportchef (Nico Hoogma?) auch einen Blick für die wichtigen Dinge im Alltag eines Profi-Sportvereins haben wird. Das ist keine Satire, das ist die Wahrheit, ich bin von der nun kommenden Trendwende überzeugt. Weil es gar nicht anders sein kann. Und weil Bernd Hoffmann vor Jahren ein Ziel verkündet hat, nämlich den HSV wieder in die Spitze Europas führen zu wollen. Der Vorstandsvorsitzende hat Fehler gemacht, diese Fehler wird er sich sicher auch im stillen Kämmerlein oft genug selbst vorgeworfen haben, aber er wird auch seine Lehren daraus ziehen. Weil er Erfolg haben will, weil er sein Versprechen einhalten möchte.

Noch zwei kurze Anmerkungen:

Zur Veranstaltung am Mittwoch im Volkspark von mir weiterhin kein Wort. Obwohl mir Freunde berichtet haben, dass sie es sehr gut gefunden hätten, wenn die gesamte HSV-Mannschaft nicht schon im Urlaub, sondern dabei gewesen wäre. Alle schwören: Den Spielern wären die Tränen gekommen.

Und zum “Länderspiel” Deutschland gegen Malta (3:0): Super war die Premiere von Dennis Aogo, ganz herzliche Glückwünsche aus Hamburg zum ersten A-Länderspiel – und auch zu einer sehr guten Leistung. Großartig war, dass zwei weitere HSV-Spieler (Jerome Boateng löste Aogo ab) dabei waren, wenn sich auch Piotr Trochowski nicht so unbedingt in den Vordergrund spielen konnte.

20.24 Uhr

Das Alibi der Mannschaft ist jetzt weg

26. April 2010

Es war 10.14 Uhr, als sich die Tür vom Mannschaftstrakt in Richtung Parkplatz noch einmal öffnete und ein Lockenkopf namens Ricardo Moniz heraustrat und in Richtung Trainingsrasen joggte. Die meisten Fans vor der Nordbank-Arena wussten zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass sie soeben den neuen Coach der Profis an sich vorbeiflitzen sehen hatten. Die Spieler wussten es. Sie hatten die Nachricht vom Vorstand zuvor in der Umkleide übermittelt bekommen.

Während sich also ein Großteil der Reporterschar mit Kameras und Mikros vor dem Eingang zur Buseinfahrt versammelte, hielt der Hoffentlich-Vier-Spiele-Trainer seine erste Einheit mit acht Reservisten und Ergänzungen fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit ab. Moniz, der auch in diesem Blog schon wegen seiner Leidenschaft, seines mitunter sehr harten Umgangstons und seiner fachlichen Qualität thematisiert wurde, machte alles wie immer. Nein, das stimmt doch nicht ganz: FAST wie immer. Er stellte Hütchen auf, ließ Paolo Guerrero, David Rozehnal, Marcus Berg, Tolgay Arslan, Bastian Reinhardt, Henrik Dettmann, Tom Mickel und Miroslav Stepanek Passübungen machen, während sich Frank Rost und Wolfgang Hesl mit Torwart-Trainer Claus Reitmaier aufwärmten. Anschließend folgten Passübungen in Spielform – mit lauten und unmissverständlichen Anweisungen des Vollblutfußballers Moniz -, Abschlussübungen und ein intensives Fünf-gegen-Fünf-Abschlussspiel, bei dem der neue Interimscheftrainer (er wechselt nach der Saison zu Red Bull Salzburg) immer wieder als verbaler Antreiber und Korrektor auftrat. Anschließend sammelte er die Hütchen wieder allesamt ein und wurde mit seinen Spielern durch den Nebeneingang des Stadions in die Kabine „geschleust“.

Was nun anders war im Vergleich zu sonst? Ganz einfach: Moniz machte beim Abschlussspiel nicht mit. Unter Bruno Labbadia hatte er fast täglich mitgekickt, war immer als einer der emotionalsten, lautstärksten und aggressivsten Zweikämpfer aufgetreten. Diesmal beobachtete er seine sonstigen „Mitspieler“ nur, lobte und kritisierte sie. Und war beim abschließenden Elfmeterschießen auch für das eine oder andere Lächeln zu begeistern. Bis Donnerstag, das weiß Moniz genau, gilt es noch einiges aufholen – vor allem im Bereich Spaß und Leidenschaft.

Dass es überhaupt zur Inthronisierung Moniz‘ gekommen war, hatte sich in der Nacht von Sonntag auf Montag entwickelt. Vorstandschef Bernd Hoffmann war mit seinen Mitstreitern alle Wenn und Abers, Hättes und Könntes durchgegangen. Oberste Priorität aller Überlegungen: Wie kann die Wahrscheinlichkeit erhöht werden, im Halbfinalrückspiel in Fulham zu bestehen und es als Sieger zu beenden? „Nach einem Gespräch mit den Trainern sind wir dann heute Morgen zur Entscheidung gelangt“, sagte Hoffmann. Er sprach von einem „alternativlosen Weg“, von einem „einstimmigen Ergebnis bei der Vorstandsentscheidung“.

Kurz und stark verkürzt zusammengefasst lässt sich die Entscheidung der sofortigen Beurlaubung Labbadias so beschreiben: Labbadias Abgang war das i-Tüpfelchen eines in sich komplett zerstörten Verhältnisses zwischen Team und Coach. Mit der Beurlaubung wurde den Profis das große Alibi genommen, das einige von ihnen zuletzt immer wieder bemüht hatten, extern und intern. Moniz gilt als optimales Mittel zum Zweck. Er kennt die Mannschaft, die Probleme, kennt Fulham und ist intern anerkannt. Er strotzt vor „Feuer“ und Tatendrang, ließ sich trotz seines seit mehreren Wochen feststehenden Wechsels nach Österreich nie hängen. „Er soll die paar Prozentpunkte wecken, die zuletzt etwas verschüttgegangen sind“, sagte Hoffmann mit sorgenvoller Miene.

Die Bundesligasaison ist gelaufen, nun setzen alle Beteiligten alle Hoffnungen in das Rückspiel in London. Danach, beziehungsweise nach dieser Saison, wird es eine schonungslose Analyse der Bosse geben. Und mancher aktueller Stammspieler wird sich möglicherweise einer Verabschiedung aus charakterlichen Gründen ausgesetzt sehen. Abwarten.

Moniz selbst präsentierte sich am ersten Tag seines 16-Tage-Cheftrainer-Engagements nach 71 Trainingsminuten konzentriert. Er sprach von einem „dramatischen Tag“ und führte weiter aus: „Ich bin mit Bruno und Eddy Sözer emotional sehr verbunden und schätze sie als Mensch und Trainer.“ Einen Vorwurf Labbadias habe es für Moniz‘ Amtsübernahme nicht gegeben. „Ich bin überzeugt von dieser Lösung, sonst hätte ich es nicht gemacht“, sagte der Niederländer, der es als seine Pflicht sieht, „den Spielern Leidenschaft zu vermitteln und nun mit ihnen gemeinsam den Knopf zu drücken“. Auf geht’s, kann man da nur sagen.

Zu Bruno Labbadia ist eigentlich schon alles gesagt worden. Ich habe mir trotzdem noch einmal die Mühe gemacht, wie früher nach Trainerentlassungen einen abschließenden Kommentar zu schreiben, um das Kapitel endgültig abzuhaken:

Es musste so kommen, keine Frage. Diese Trainer-Entlassung war überfällig, denn der HSV hat sich unter der Regie von Bruno Labbadia zurückentwickelt. Trotz der Tatsache, dass erneut das Halbfinale der Europa League erreicht worden ist. Fakt ist: Der HSV stürzt in der Tabelle im Gegensatz zum Vorjahr, als Platz fünf erreicht wurde, dramatisch ab.

Dabei war der Start des HSV mit seinem neuen Trainer im Sommer 2009 grandios. Hamburg stürmte die Tabellenspitze. Und weckte Begehrlichkeiten, sorgte für große Träume der Fans. Dann gab es die vielen Verletzten, die den HSV dramatisch schwächten, und dennoch: Als es in die Winterpause ging, sah alles noch gut aus. Nicht mehr so blendend wie im Herbst, aber alle hatten das Gefühl: Hier geht noch etwas.
Ging ja auch. Nur in die falsche Richtung. Vier Siege in der Bundesliga-Rückrunde, das ist blamabel, peinlich, für jeden Fan entsetzlich. Der HSV hat die zweit- oder drittteuerste Mannschaft der Liga, trotz aller Verletzungen hätte mit dieser namentlich super besetzten Truppe mehr erreicht werden können – vielleicht sogar müssen?

Bruno Labbadia hat sich in diesem Jahr immer hinter den Widrigkeiten des Herbstes versteckt: „Wir wissen ja, woran es liegt, wir wussten, dass es 2010 schwer für uns werden würde.“ Die Frage aber hat niemand gestellt: Wieso wusste es der HSV, dass es schlechter laufen würde?
Es lief vor allen Dingen deswegen schlecht, weil das Verhältnis Mannschaft/Trainer schon Richtung Jahresende immer schlechter geworden war, weil das Verhältnis schließlich total zerrüttet war. Wer es als Trainer im Laufe eines Dreivierteljahres schafft, sich mit Spielern wie Ze Roberto, Frank Rost, Mladen Petric, David Jarolim, Dennis Aogo, Piotr Trochowski, Jerome Boateng „auseinander zu leben“ (oder besser: zu verkrachen), der darf sich nicht beschweren, dass eine solche Mannschaft nicht mehr funktioniert, dass dermaßen vor den Kopf gestoßene Spieler nicht mehr für ihren Vorgesetzten durchs Feuer gehen.

Bruno Labbadia wollte sich stets korrekt verhalten, er ist unbeirrt seinen Weg gegangen. Das mag in den meisten Fällen klug sein (besonders im Profi-Sport) – zum HSV hat es nicht gepasst. Der Trainer hat es nicht mitbekommen, wie sehr er sich Tag für Tag von der Mannschaft entfernt hat. Das war keine Einheit mehr, das waren zwei Gruppen: hier Labbadia, dort die Mannschaft. Ein solches Gebilde kann in der Wirtschaft eventuell funktionieren, im Sport muss das zum Misserfolg führen. Ich habe menschliche Gesten des Trainers vermisst, dass er einmal einen Spieler in den Arm nimmt, um ein Einzelgespräch zu führen – so etwas gab es nicht. Ich jedenfalls habe es nie gesehen.

Dabei hat der Trainer viel gesprochen. Unendlich viel sogar. So viel, dass es den Spielern zu den Ohren heraus kam (Tatsache, nicht erfunden!). Was andere Trainer in Jahrzehnten zu wenig gesprochen haben, hat Bruno Labbadia alles in ein, zwei Monaten aufgeholt. Und er hat für die nächsten Jahre vorgelegt. Für mich sein Kardinalfehler. Über das Trainingsprogramm ließe sich vortrefflich streiten – aber jeder Coach hat seine eigene Philosophie. Für mich, und ich weiß, dass es viele, viele Kollegen gab, die es ganz genauso sahen, war dieses Training viel zu lasch. Ich kann es vergleichen, denn seit dem Stabwechsel von Ristic auf Happel habe ich das HSV-Training verfolgt – weicher war es nie. Und ich werde niemals den Tag vergessen, als „Benno Hafas“, ein eifriger Trainingsbesucher, hier bei „Matz ab“ die Frage stellte: „Wann übt der HSV eigentlich mal Kondition? Laufen die ganz geheim durch den Volkspark? Oder was und wann machen die etwas, ohne dass wir Fans es sehen?“ Treffender hätte es niemand formulieren können.

Pech für den HSV: Er steht nun vor einem riesigen Scherbenhaufen. Und er muss nun wieder einmal von vorne beginnen, etwas Vernünftiges und Erfolgsversprechendes aufzubauen. Das kann wieder dauern. Meine große Hoffnung aber heißt Urs Siegenthaler. Dieser Mann ist ein absoluter Fachmann, ihm vertraue ich, dass er in Hamburg in Bestzeit etwas auf die Beine stellt. Alle HSV-Fans sollten diese Hoffnung übernehmen – mehr bleibt im Moment nicht.

PS: Eine personelle Hiobsbotschaft gab es heute übrigens auch noch. Tunay Toruns Knieverletzung aus dem Freitagtraining entpuppte sich als Kreuzbandriss. Damit fällt der Offensivspieler mindestens ein halbes Jahr lang aus. Bitter. Ich wünsche auf diesem Wege gute Besserung!

15:22 Uhr

Wer ersetzt – vielleicht – Petric?

3. April 2010

Lüttich war gestern, nein, sogar vorgestern. Jetzt ist Nordderby-Zeit angesagt, wenn dieses Duell auch nicht den ganz großen Klang hat, weil ja „nur“ Hannover nach Hamburg kommt und nicht etwa die Bundesliga-Vertretung aus Bremen. Mein Kollege Christian Pletz, der heute beim Training war und eine bestens gelaunte Gruppe fachsimpelnder Matz-abber getroffen hat, wähnt sich langsam schon in einer persönlichen Negativserie. Wie das? Ganz einfach: Immer, wenn er zu den Einheiten geht, muss ich diese Beiträge mit einer Personalmisere beginnen. Diesmal wunderten sich die Zuschauer über das Fehlen von Mladen Petric und Piotr Trochowski. Aufklärung gab es erst nach dem Training. Beide plagen Adduktorenprobleme. Bei Petric stehen die Zeichen für den Ostersonntag nicht so gut, bei Trochowski sieht es wesentlich besser aus. Eine Entscheidung fällt am Spieltag.

Zum Training selbst, so hat mir mein Kollege berichtet, gibt es nicht sonderlich viel zu sagen. Erst ließ Trainer Bruno Labbadia unterschiedliche Spielzüge und Spieleröffnungen üben, wobei er großen Wert auf aktives Verhalten seiner Profis legte. Spielen, zeigen, fordern, passen – immer wieder gab es lautstarke Kommandos. Und als besonders aktiv präsentierte sich bei diesen Übungen Techniktrainer Ricardo Moniz. Als der Bald-Salzburger einen Flugball von den Verteidigern David Rozehnal, Joris Mathijsen, Bastian Reinhardt und Jerome Boateng forderte und bei den ersten beiden Durchgängen (von geschätzten zehn bis zwölf) nur halbherzige Ausführungen bekam, wurde Moniz in seiner energischen Art deutlicher: „Ihr sollt f…ing präzise Bälle spielen, alle!“ Fortan lief es deutlich besser.

Das vor allem von den knapp 400 Trainingskiebitzen ersehnte Abschlussspiel gab es nicht. Stattdessen wurden die Pass- und Abschlussübungen letztlich in einer Elf-gegen-zwei-Version mit den Mittelfeldgegenspielern Moniz und Eddy Sözer erprobt. Einige Ballstafetten waren wirklich ansehnlich. Da wurden die Außen einbezogen, da kamen sogar mal Flanken von der Grundlinie, was in den Spielen seit Marcell Jansens Verletzung ja eher zur Rarität verkommen ist. Einen Hinweis, wer im Falle einer Zwangspause für Petric in die erste Elf rutschen könnte, gab es nicht, jedenfalls keinen eindeutigen. Ruud van Nistelrooy versuchte sich im Wechsel mal mit Paolo Guerrero, mal mit Marcus Berg – und zwischenzeitlich sogar einmal mit Jonathan Pitroipa.

Nun glaube ich ja nicht, dass Labbadia sein neues „Shooting-Eichhörnchen“ Pitropia nach einer Gala-Vorstellung im Europapokal gleich im nächsten Bundesligaspiel in die Angriffsreihe beordern wird, darum favorisiere ich eine Anfangself mit van Nistelrooy und Berg. Nun werden einige von Euch bestimmt energisch den Kopf schütteln. Was? Nach so einer Minusleistung nach seiner Einwechslung gegen Lüttich soll er jetzt auch noch von Anfang an eingreifen? Mein Kommentar zu solchen Gedanken: Erstens ist es meist viel schwieriger als Joker in ein Spiel zu finden (und viel Zeit hatte er ja auch nicht), und zweitens hinterließ Berg zuletzt im Training nicht den schlechtesten Eindruck. Das soll er übrigens auch heute bestätigt haben, als es nach den Spielübungen noch Spezialtraining für einzelne Mannschaftsteile gab. Während Labbadia und Moniz die Innenverteidiger mit Flankenbällen von den Seiten bedienten und ihnen Abschlusschancen boten (die vier „Kanten“ Boateng, Mathijsen, Rozehnal und Reinhardt schädelten einige Bälle wuchtig in die Maschen), setzte Assistenzcoach Sözer die Offensivkräfte in Szene – und Berg unterstrich mehrfach seine hervorragende Schusstechnik.

Ich bin wirklich gespannt, wie sich Hannover in Hamburg zeigen wird. Angriffslustig oder auf Konter ausgerichtet. So wie ich die Niedersachsen momentan einschätze, werden sie immer wieder versuchen, die zuletzt mehrfach wackelige Abwehrzentrale in Schwierigkeiten zu bringen. Mirko Slomka soll ja nach der Betrachtung des Lüttich-Spiels auch von einigen „Ansätzen“ fürs eigene Vorgehen gesprochen haben. Das stimmt mich – ehrlich gesagt – zuversichtlich, denn Boateng und Mathijsen, die gegen Lüttich ja in einigen Szenen wirklich noch nicht zu 100 Prozent aufeinander abgestimmt wirkten, werden sich rasch wieder aneinander gewöhnen und dann eine Festung aufbauen. Das kann schon gegen 96 der Fall sein. Schließlich liegt Mathijsens Magen-Darm-Infekt dann auch schon wieder anderthalb Wochen zurück.

So, mehr gibt es zum Spiel morgen erst einmal nicht zu sagen. Dass die Countdown-Uhr für das Europa-League-Finale über der Buseinfahrt gestern einige Zeit komplett ausfiel, werte ich mal als Zufälligkeit und nicht als schlechtes Omen für den HSV. Alles aus und vorbei – das soll bestenfalls für die Niedersachsen morgen nach 90 Minuten gelten. Ich glaube trotz aller Anstrengungen gegen Lüttich an einen Zu-Null-Erfolg – 1:0 oder 2:0. Und dann würden die heutigen Bundesligaergebnisse auch nicht mehr so viel Verstimmungen auslösen.

19:08 Uhr

Geldstrafe für Elia

24. März 2010

Kein Buch heute – versprochen. Ich fasse mich kurz, was nicht etwa daran liegt, dass der Trainer heute nicht in Hamburg ist. Bruno Labbadia weilte aus privatem und traurigem Anlass in Darmstadt, wird aber am Donnerstag wieder bei der Mannschaft sein. Co-Trainer Eddy Sözer leitete die Einheit am Mittwoch. An der nahmen erstmals wieder Jerome Boateng und auch der lange verletzt fehlende Bastian Reinhardt erstmalig wieder teil. „Boa“ allerdings mit dick verbundenem linken Knöchel, der Nationalspieler lief überhaupt noch nicht rund – das sah noch gar nicht gut aus. Dennis Aogo fehlte dagegen erneut, der Abwehrspieler, der an einer Zerrung im Adduktorenansatz leidet, war im Kraftraum nur mit dem Fahrrad unterwegs. Ebenfalls nur auf dem Drahtesel fuhr David Jarolim, der Kapitän hat eine Verhärtung der rechten Wade.

Für einen Tag in Hamburg war Eljero Elia. Der am Knöchel operierte Niederländer holte sich im Volkspark einen „Einlauf“ ab, denn seine Aussagen, die er gegenüber meinem Abendblatt-Kollegen Kai Schiller getätigt hatte, die sorgten beim HSV nicht gerade für ein Freudengfest. „Eljero geht es vom Fuß her soweit ganz gut, er wird am späten Mittwoch nach Amsterdam zurückfahren, weil er dort im Krankenhaus noch weiter behandelt werden muss – dort werden auch die Fäden der Operationsnarbe gezogen“, sagt Eddy Sözer. Am Mittwoch wird Elja dann wieder in Hamburg sein, um mit der Reha zu beginnen. Sözer: „Wir hoffen, dass er so schnell wie möglich wieder einsatzbereit sein wird, denn wir haben noch eine sehr, sehr wichtige Phase der Saison vor Augen. Das heißt: Die nächsten fünf, sechs Wochen werden für uns sehr intensiv, deswegen benötigen wir jeden Spieler. Einen Zeitraum zu benennen, wann er wieder fit ist, das kann ich nicht, wir hoffen so schnell wie möglich.“

Wie groß das Donnerwetter gewesen ist, das sich Elia anhören musste, wollte Eddy Sözer nicht verraten. Der Assistent verriet nur so viel: „Wir haben einen jungen Spieler, er hat die Entscheidung so getroffen, etwas zu sagen – wir sehen das natürlich anders. Wir haben ihm das auch klar gemacht. Und Donnerwetter hin oder her, wichtig ist, dass man sich in die Augen schaut und diese Sachen klarstellt. Das haben wir gemacht, das war positiv, und ich denke auch, dass Eljero da auch aufnahmebereit ist.“ Sözer ergänzt dann auch noch: „Dass ein gewisser Unmut da war, bei beiden Seiten, das ist doch normal, wichtig ist, dass man wieder zusammenkommt, und das ist geschehen.“

Mit Elia sprach nicht nur Eddy Sözer, sondern auch der Vorstand. Und fest steht auch: Der Elia-Artikel im Abendblatt wird teuer, der Niederländer wird tief in die Tasche greifen müssen, um die Geldstrafe, die ihm aufgebrummt wurde, zu bezahlen. Und damit Ende. Oder doch nicht? Mal abwarten.

In der Mannschaft, so ist zu vermuten, kam das Vorpreschen Elias auch nicht so gut an. Der Kapitän jedenfalls kommentierte das wie folgt: „Es geht gar nicht, was Elia gemacht hat, darüber werden wir mit ihm sprechen. Er ist noch jung, er wird noch daraus lernen.“ Also haben auch die Kollegen wenig Verständnis für Elias Anklage. Aber für David Jarolim steht dennoch fest, dass die Unruhe, die es zurzeit im und um den HSV herum gibt, von außen herein getragen wird: „Es ist doch alles okay, wie stehen in der Europa League im Viertelfinale, und wir stehen in der Bundesliga auf einem Platz, der uns wieder international spielen lässt.“ Und dennoch: So ganz normal scheint im Moment nichts zu sein. Oder auf jeden Fall nicht sehr viel. Dazu passt auch, dass sich Piotr Trochowski wieder einmal mit einem Interview in der Sport Bild Luft verschafft hat. Ihm wird nicht die richtige Wertschätzung (durch den Trainer) entgegen gebracht. Sözer wollte das nicht kommentieren, Jarolim auch nicht, Er sagte nur: „Wir kennen ja die Medien, da wird aus einer Fliege schnell mal ein Elefant gemacht, ich glaube das nicht, dass das so gesagt wurde.“

Gesagt wurde aber immerhin, dass es in der Kabine zur Pause des Anderlecht-Rückspiels gekracht hat. Ruud van Nistelrooy soll Tunay Torun gepackt haben, es sollen Tränen geflossen sein, und es sollen wohl auch der eine oder andere Spieler dazwischen gegangen sein. Jarolim befand zu dieser ganzen Aktion: „Wir spielen Fußball, da ist es ganz normal, dass es mal zwischen dem einen und dem anderen Spieler kracht. Ich bin entsetzt, dass so etwas an die Öffentlichkeit gelangt, denn da waren nur ein paar Spieler dabei. Diese Indiskretion darf nicht passieren, denn noch einmal, es ist völlig normal, dass so etwas mal passiert.“ Schlusswort von David Jarolim: „Ich verstehe die ganze Aufregung nicht. Und: Wir brauchen jetzt auch kein Theater – wir können unsere Ziele noch erreichen.“

Dabei könnte auch schon sehr bald Paolo Guerrero wieder mithelfen. Der Peruaner macht im Training alles mit, obwohl er natürlich noch lange nicht bei 100 Prozent ist, aber das waren Elia, Ze Roberto und Ruud van Nistelrooy vor einigen Wochen auch nicht, und trotzdem spielen sie und kommen allmählich wieder auf Touren. Sözer über Guerrero: „Paolo hat uns sehr positiv überrascht, mit ihm sind wir mehr als zufrieden. Ich denke, mit ihm haben wir eine weitere Option im Offensivbereich, aber wir müssen diese Woche einmal abwarten, ob er das Training weiter so durchziehen kann. Wenn er gut durchhält, dann werden wir uns Gedanken darüber machen, ob Paolo schon am Sonntag in Mönchengladbach dazu gehören kann.“ Schön wäre es ja. Auch weil mit ihm dann der eine oder andere Spieler mal entlastet werden könnte – Mladen Petric zum Beispiel.

Zum Abschluss sei gesagt: Ein Sieg am Sonntag bei der Borussia könnte für viel Entspannung sorgen. Im Moment scheint es beim HSV zu brodeln, davon berichtet nun (am Mittwoch) ja auch schon die Bild. Es herrscht eine unheimliche Unruhe im Volkspark, und tatsächlich hat es den Anschein, dass nur ein Funken noch an einer Explosion fehlt. Siege sind das beste Mittel dagegen – Siege wären das beste Mittel dagegen. Aber von diesen Siegen hat es zuletzt relativ wenige gegeben. Und wenn ich so an den letzten Ausflug des HSV nach Mönchengladbach denke . . . Damals ging es eigentlich nur um die Höhe des Hamburger Sieges, und am Ende hieß es 1:4 (für BMG). Es gibt also aus HSV-Sicht noch etwas gut zu machen.

Vielen Dank übrigens wieder für die tolle Unterstützung beim Training, es waren acht „Matz-abber“ dabei – und entgeht nichts. Dank der großartigen Führung des „Masters of Elite“ (so wurde „Benno Hafas“ heute von den „Matz-ab“-Kollegen getauft). Letzteren Absatz aber bitte nicht (alle) auf die Goldwaage legen, es soll nur ein kleiner Scherz (mit ernstem Hintergrund) sein. Grundsätzlich möchte ich aber sagen: Ihr seid schon klasse!

16.14 Uhr

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