Archiv für das Tag 'Sowah'

Was “Calli” Calmund vom neuen HSV hält . . .

23. Juni 2013

Das kann ja heiter werden . . . Der dicke „Calli“, früher Manager von Bayer Leverkusen und auf den Namen Reiner Calmund hörend, hat in der Bild am Sonntag schon mal die Bundesliga 2013/14 durchgetippt. Und siehe da, bei „Calli“ steht der HSV ganz hoch im Kurs. Immerhin zwölf satte Punkte traut er den Hanseaten in der Hinrunde dann doch zu, davon sind zwei Spiele gewonnen und sechs Mal gibt es eine Punkteteilung. Das sieht dann wie folgt aus: Gegen Hoffenheim gibt es ein 1:1, gegen Werder 1:1, gegen Nürnberg 1:1, gegen Stuttgart 0:0, gegen Mönchengladbach 1:1 und gegen Mainz schießt der HSV dann sogar mal zwei Tore, Endstand 2:2. Die HSV-Siege fallen dazu auch ein wenig dürftig aus: 1:0 gegen Eintracht Braunschweig und 1:0 gegen den FC Augsburg. Mein Trost: Es muss ja nicht so kommen . . . Und wenn doch, dann gibt es wenigstens mal eine recht turbulente Mitgliederversammlung im Januar. Das hätte ja auch etwas.

Ansonsten: Bei Hertha BSC trainieren sie schon wieder, die Eintracht ist in Braunschweig schon wieder auf dem Rasen zugange, die Bayern werden am Mittwoch beginnen – und der HSV am Montag (am 1. Juli), also morgen in einer Woche. Gut Ding will Weile haben – fällt mir dazu ein. Aber bis zum Trainingsauftakt wird die Zeit sicherlich noch genutzt, um ein, zwei oder auch drei Neuzugänge unter Vertrag zu nehmen. An diesem Wochenende ist in dieser Hinsicht nichts passiert.

Was nicht heißen soll, dass sich beim HSV auf die faule Haut gelegt worden ist – von Freitag bis Sonntag. Das ist ganz gewiss nicht der Fall, aber es braucht eben alles seine Zeit. Und auch in Sachen „Struktur-Veränderungen“ kann ich versichern, dass da nichts eingeschlafen ist – im Gegenteil. Ernst-Otto Rieckhoff gibt richtig Gas und führt beinahe täglich Gespräche, um diese ganz entscheidende Sache professionell vorzubereiten und auf die Beine zu stellen. Er, Rieckhoff, bleibt am Ball, und ich werde auf Ballhöhe bleiben. Und bin davon weiterhin restlos überzeugt, dass alles gut wird.

So, und dann möchte ich hier heute ganz gerne mal über Fußball schreiben, weil mir zuletzt zu viele Dinge hier hinein gerutscht sind, die hier eigentlich nichts zu suchen haben. Mir geht, nachdem ich nun Spiele der U-20-Weltmeisterschaft gesehen habe und heute auch das A-Jugend-Finale zwischen Hansa Rostock und dem VfL Wolfsburg (1:3 n. Verl.) eine Passage des Golz-Interviews der Vorwoche nicht aus dem Sinn. Da wird Richard Golz auf den HSV-Nachwuchs angesprochen und er sagt: „Mein Lieblingsthema in den vergangenen fünf Jahren war Mentalität. Wir trainieren alles Mögliche, bieten Individualtraining an. Aber das, was am Wichtigsten ist, trainieren wir fast am Wenigsten: den Kopf. Wenn du besser sein willst auf die anderen, musst du viel mehr Wert auf Mentalität legen. Da ist noch viel rauszuholen.“ Mein Kollege Alexander Laux und ich entgegneten: „Der HSV hatte doch einen Psychologen angestellt . . .“ Golz antwortete: „Einstellen alleine reicht nicht, man muss ihn auch einbinden und ihm die Chance zur Mitarbeit geben. Sein Vertrag wurde ja jetzt auch nicht verlängert.“

Dazu möchte ich zweierlei Dinge anmerken. Erstens ist es sicherlich richtig, dass auf diesem Gebiet noch „viel rauszuholen“ ist, dass dieses Thema aber von den meisten Trainern heute immer noch unterschätzt wird. Und weil das so ist, ist es zweitens so, dass die Vereine zwar gelegentlich einen Psychologen einstellen, aber die jeweiligen Trainer verzichten so gut wie immer auf eine erfüllende Zusammenarbeit. Weil sie sich, das habe ich so oft gehört, „nicht von einem Außenstehenden in die Mannschaft reinreden“ lassen wollen, und weil sie glauben, dass sie selbst Psychologe genug sind, um solche Fälle auf eigene Faust (und eigenem Muster) lösen zu können. Und irgendwie war es früher, als diese Trainer noch als Spieler „unterwegs“ waren, ja auch so, dass die „psychologische Arbeit“ von jedem Trainer „mitgemacht“ wurde.

Wobei ich festgestellt habe, dass die Trainer früher – egal in welcher Spielklasse auch immer – viel mehr mit „ihren Jungs“ gesprochen haben, dass sie sich viel mehr um die Sorgen, Nöte, Form und die Einstellung ihre Spieler gekümmert haben. Mein Eindruck ist der, dass damals (oder vor einiger Zeit) die Trainer viel häufiger auch „Hobby-Psychologen“ waren. Heute ist ein jeder, ob nun Spieler oder Trainer, in erster Linie erst einmal ein Profi, und dieser hat erstens ganz professionell zu tun (und zu lassen), was vom Verein (Trainer) vorgegeben wird. Und zweitens steht man als Profi ohnehin über den Dingen und weiß genau, wie der Hase zu laufen hat. Da gehört es längst nicht mehr zum Alltag, dass eigene Schwächen gebeichtet werden, dass über Schwächen oder Sorgen gesprochen wird. Schon gar nicht mit dem Vorgesetzten.

Dabei gab es auch beim HSV schon Profis, die psychologische Hilfe, die vom Verein angeboten wurde, in Anspruch genommen haben. Die Trainer wussten davon und billigten es (wenn auch die meisten höchst ungern), und dazu geschahen solche Gespräche immer auch absolut anonym. Dass es den Spielern etwas gebracht hätte, das wüsste ich allerdings nicht. Und deswegen denke ich auch, dass da noch sehr viel an der Einsicht vor allen Dingen der Trainer getan werden muss, dass da noch viele Barrieren (und auch Berührungsängste) abgebaut werden müssen, um eine wirklich professionelle psychologische Zusammenarbeit zu ermöglichen. Die dann kein Alibi (mehr) ist, sondern auch tatsächlich eine Hilfe für den Spieler, die Mannschaft und somit auch für den Verein. Ich denke aber genau wie Richard Golz, dass auf diesem vom Profi-Fußball (in Hamburg?) bislang recht stiefmütterlich behandelten Gebiet noch viel mehr rauszuholen wäre. Man muss es nur wollen. Und wohl in erster Linie auch erkennen, dass da noch viele möglich ist.

So, und dann habe ich mir mal Gedanken um die Spieler gemacht, die jetzt (und demnächst) von Oliver Kreuzer verpflichtet werden – und somit als Soforthilfe für den HSV einzustufen sind. Wie jedes Jahr dominiert bei jedem (HSV-)Einkauf die Hoffnung. Und wie oft wurden wir alle enttäuscht, maßlos enttäuscht mitunter. Und ich habe mir mal eine Liste gebastelt, die ihr dann ja mal mit euren HSV-Enttäuschungen vergleichen könntet. Wo liegen wir auf einer Linie, wo setzt ihr andere Prioritäten – wen habt ihr noch zusätzlich auf dem Zettel. Wobei ich in drei Kategorien unterscheiden möchte:

Total-Flops, Enttäuschungen und Missverständnisse.

Letztere „Abteilung“ möchte ich gleich zu Beginn anführen, denn da habe ich im Grunde nur drei Namen anzubieten:

Marek Saganowski (kam 1996 von Feyenoord Rotterdam), brachte es nur auf drei Bundesliga-Spiele für den HSV und verschwand nach Polen. Später wurde er nicht nur Nationalspieler seines Landes, sondern auch Kapitän der Nationalmannschaft. Zweiter Name in dieser Kategorie ist Reto Ziegler, 2005 von Tottenham Hotspur gekommen, schaffte acht Bundesliga-Einsätze, ging zu Wigan Athletic und später zu Sampdoria Genua, Juventus Turin und spielt jetzt für Fenerbahce Istanbul. Für die Schweiz bring er es bislang auf 32 Länderspiele. Und noch ein Name fällt mir dazu ein: Vadis Odjidja-Ofoe, vom RSC Anderlecht gekommen, zwei Bundesliga-Einsätze – und weg. Der Mittelfeldspieler wurde in Belgien noch Nationalspieler und spielt heute beim FC Brügge.

Dann komme ich zu meinen Total-Flops. Der größte Flop steht an erster Stelle, der zweite auf zwei – usw. Meine Top-Ten:

1.) Ailton. Der „Kugelblitz“ kam 2006 von Besiktas Istanbul und führte sich auf wie eine Diva. Dabei war er nur (trainigs-)faul, dick und unantastbar, er war nur im Kassieren eine Eins. Deswegen eine glatte Sechs für den Klops, der dem HSV Millionen gekostet hat – auch wegen des Fehlschusses gegen Werder Bremen.

2.) Martin Dahlin. Der Schwede kam 1998 von den Blackburn Rovers und alle in Hamburg hatten sofort den Verdacht: „Das ist nur der untalentierte Zwillingsbruder des ehemaligen Mönchengladbachers Martin Dahlin.“ Er lief und trabte nur wie ein Freizeit-Fußballer über den Platz.

3.) Mladen Pralija. Ersetzte 1987 den geschassten Uli Stein – er sollte ihn ersetzen. Erwies sich als absolut untauglich für die Bundesliga, und die erste Amtshandlung des neuen HSV-Trainers Willi Reimann war die: Pralija wurde vor die Tür gesetzt. Und womit? Mit recht.

4.) Juan Pablo Sorin. Der Weltmeister aus Argentinien. Welch ein klangvoller Name, und welch eine jämmerliche Attrappe steckte dahinter! Kam als Dauerverletzter und blieb eigentlich immer ein Dauerverletzter. Ganz erbärmlich, dieser Transfer – gewiss keine Ruhmestat des HSV.

5.) Albert Streit. Der Rumäne kam 2009 auf Leihbasis vom FC Schalke 04 und brachte es für den HSV auf zehn Bundesliga und zwei Regionalliga-Einsätze. Der gute Mann hätte als Fußballer eigentlich alles gehabt – nur der Kopf machte nicht mit. Kam als Außenseiter und blieb ein absoluter Außenseiter, der gar nicht wollte.

6.) Niclas Kindvall. Der Schwede wurde 1994 per Video verpflichtet. Auf diesem Videoband waren alle Liga-Tore von Kinvall zu sehen und zu bewundern – und das taten die Herren des HSV dann auch: gekauft der Mann. Eher das „Männlein“. Brachte hier kein Bein auf den Boden und blieb ein bemitleidenswerter Mitläufer.

7.) Mark McGhee. Wurde 1984 von Günter Netzer verpflichtet, und als der HSV-Manager zum Flughafen fuhr (um McGhee in Empfang zu nehmen), soll er sich gewundert haben. Ein Gerücht besagte danach, dass Netzer eigentlich einen ganz anderen Schotten verpflichten wollte – und genau das wäre auch besser gewesen. McGhee tänzelte durch die Strafräume der Bundesliga, sorgte eher für Lacher denn für Schrecken beim Gegner.

8.) Vanja Grubac. Wurde 1998 von Frank Pagelsdorf als Torjäger zum HSV geholt – und entpuppte sich als Niete. Elf Spiele, zwei Tore in fast drei Jahren – das ist dann doch eher keine Bilanz.

9.) Alexander Curtianu. Wurde 1998 aus St. Petersburg geholt, nachdem er der deutschen Nationalmannschaft in Moldawien kurz zuvor Knoten in die Beine gespielt hatte. Nach diesem begeisternden Auftritt in Chisinau hätte, das muss ich zugeben, Curtiano auch verpflichtet, aber es muss das Spiel seines Lebens gewesen sein – nie wieder erreichte er auch nur annähernd eine solche Form.

10.) Martin Zafirov. Ein Bundesliga-Einsatz. Eingewechselt am 6. August 1997 beim Spiel in Wolfsburg, der Bulgare kam nach der Halbzeit für Markus Schopp und flog in der 87. Minute, nachdem er bis dahin nichts, aber auch wirklich nichts gezeigt hatte, mit Rot vom Platz. Kurios: Zafirov wurde von Trainer Pagelsdorf geholt, obwohl genau dieser Zafirov ein Jahr zuvor noch bei einem Probetraining der Zweiten Mannschaft des HSV (Trainer Gerd-Volker Schock) durchgefallen war! Es eben alles Ansichtssache. Nach dem Auftritt in Wolfsburg war für Zafirov Abpfiff, er spielte nie wieder für den HSV.

So, dass waren meine Voll-Flops, allerbeste Chancen auf Platz elf in dieser Liste hätten folgende Herren:

Andreas Mate (kam 1964), Elmar May (1966), Volker Danner (1973), Buca (1979), Wolfram Wuttke, Dieter Schatzschneider (beide 1983), Sergio Zarate (1994), Christian Claaßen (1995), Jakob Friis-Hansen (1996), Jens Dowe (1996), Pawel Wojtala (1996), Sascha Ilic (1997), Michael Molata (1997), Joe Simunic (1997), Rasoul Khatibi (1999), Jörg Albertz (kam 2001 aus Glasgow zurück), Kim Christensen (2001), Rene Schneider (2001), Michael Bauer (2002), Vyacheslav Hleb (2003), Almali da Silva Moreira, Jean Carlos Donde, Charles Takyi (alle 2004). Daniel Ziebig (2005), Danijel Ljuboja, Boubacar Sanogo (beide 2006), Khalid Sinouh, Alex Silva, Mickael Tavares, Marcel Ndjeng, Michael Gravgaard, Macauley Chrisantus (alle 2008), Marcus Berg (2009), Lennard Sowah (2010) sowie Paul Scharner, der 2012 kam, verletzt war, vom Platz flog – und sich ausleihen ließ. Nun kommt er wohl wieder – jeder hat eine zweite Chance verdient.

Wie gesagt, das sind meine „Favoriten“, sicher habe ich den einen oder anderen „Kandidaten“ vergessen – und ihr werdet vielleicht (oder ganz sicher) andere haben. Vielleicht teilt ihr sie dann ja mal mit.

PS: Könnte gut sein, das Jacques Zoua vom FC Basel morgen nach Hamburg reisen wird. Was sich daraus entwickelt? Mal abwarten.

17.59 Uhr

Auswärtssieg – 4:1 in Lübeck!

9. April 2013

Wieder mal ein Auswärtssieg für den HSV. Mit 4:1 wurde der Regionalliga-Club VfB Lübeck vor 10 416 Zuschauern auf der altehrwürdigen Lohmühle bezwungen. Der Traditions-Verein aus Schleswig-Holstein ist seit Monaten in schwere Finanznöte geraten und steht bereits seit Wochen als erster Absteiger fest. Der HSV verzichtete bei diesem „Retter“-Spiel auf seine Gage, trat aber auch ohne den neuen Kapitän Rafael van der Vaart, ohne Rene Adler und Heiko Westermann an. Zudem fehlten jene Spieler, die morgen in Norderstedt für die Zweite um Regionalliga-Punkte gegen Weiche Flensburg kämpfen sollen.

Jaroslav Drobny führte die Mannschaft als Kapitän auf das Feld – in Halbzeit zwei war Marcell Jansen der Mann mit der Binde. Das Spiel begann rekordverdächtig mit einem Paukenschlag. Noch ehe es sich der Tscheche im HSV-Tor so richtig „gemütlich“ gemacht hatte, hieß es schon 0:1. Trotz der Tatsache, dass der HSV Anstoß hatte! Vom Punkt wurde die Kugel zurückgespielt auf Lennard Sowah, und der leistete sich „ein Ding“ wie es kürzlich bei Mainz gegen Werder zu sehen war. Da hieß es auch nach elf Sekunden 1:0, diesmal an der Lohmühle auch. Sowah „verdaddelte“ amateurhaft, Mustafa Zazai, der kürzlich ein Probetraining beim HSV (Rodolfo Cardoso) absolviert hatte, schoss ein. Immerhin hielt sich Sowah, einst ein „Wunder-Einkauf“ des Fast-HSV-Sportchefs Urs Siegenthaler, vor Scham die Hände vor das Gesicht . . .

Zehn Minuten später hieß es aber bereits 1:1; Tolgay Arslan hatte aus zwölf Metern abgezogen. Und für die Pausen-Führung des HSV sorgte Petr Jiracek in der 41. Minute, die Vorarbeit dafür hatten Per Ciljan Skjelbred (starker Pass) und Dennis Diekmeier (gute Flanke) geleistet, dessen Flanke verwandelte der Tscheche aus sechs Metern direkt.

Zum zweiten Durchgang brachte Trainer Thorsten Fink mit Artjoms Rudnevs eine zweite Spitze (neben Beister), aber die erste Groß-Chance hatte der VfB. Sirmais lief allein auf den eingewechselten HSV-Torwart Sven Neuhaus zu, doch der Keeper rettete mit einer großartigen Parade (65.).

In der 76. Minute wurde Heung Min Son von Hasanbegovic gelegt, Dennis Aogo verwandelte den fälligen Elfmeter zum 3:1 (76.). Für den 4:1-Endstand sorgte Son (nach Pass von Rincon) in der 88. Minute.

Das Spiel riss nicht wirklich von den Sitzen, auf einem braunen und holprigen Rasen hatten es beide Mannschaften schwer, die Kugel zu kontrollieren.

Mir gefielen, wenn man das nach einem solchen Spiel überhaupt schreiben darf, Tolgay Arslan (in der Reihenfolge), Per Ciljan Skjelbred und Marcell Jansen, in der zweiten Halbzeit gefiel mir Dennis Aogo und Sven Neuhaus.

Der HSV begann in Lübeck mit:

Jaroslav Drobny; Dennis Diekmeier, Michael Mancienne, Lennard Sowah, Marcell Jansen; Tomas Rincon, Milan Badelj; Per Ciljan Skjelbred, Tolgay Arslan, Petr Jiracek; Maximilian Beister.

Zur der zweiten Halbzeit wurden eingewechselt: Sven Neuhaus (für Drobny), Dennis Aogo (für Jiracek), Heung Min Son (für Skjelbred), Artjoms Rudnevs (für Arslan). In der 61. Minute gingen Diekmeier, Badelj und Jansen, dafür kamen Angelo Langer, Dennis Bergmann und Valmir Nafiu.

19.57 Uhr

PS: Das ergänze ich im Hause, nach der Rückkehr aus Lübeck. Deswegen eine Ergänzung, weil ich nach der Pressekonferenz noch eine etwas andere Pressekonferenz gehört habe. Da war vom VfB-Vorstand, der es in dieser Zeit ganz sicher nicht so leicht hat, viel von Dankbarkeit zu hören. Dankbarkeit gegenüber dem HSV. Weil dieses Retter-Spiel dem VfB ungefähr 130 000 Euro in die leere Kasse gespielt hat. Diese Summe brauchten die Lübecker, um im Sommer gut aus der Insolvenz zu kommen. Die Dankbarkeit, die Lübeck dem HSV gegenüber hatte, die war im ganzen Raum, in dem das ablief, zu spüren. Und sie war natürlich auch zu hören. Ich musste schlucken, das gebe ich zu, als ich hörte: “Dass der HSV hier war, dass der HSV, der zurzeit selbst sportliche Schwierigkeiten hat, uns so geholfen hat, das ist nicht nur fantastisch, das werden wir Lübecker dem HSV nie vergessen. Und ich gehe davon aus, dass alle Lübecker dem HSV ganz fest die Daumen drücken, damit es sportlich bald und so schnell wie möglich wieder bergauf geht.”

Und das waren keine Phrasen, die da gedroschen wurden, das war zutiefst ehrlich gemeint.
Wobei es mir sehr Leid tut, dass es mit diesem großen Traditionsverein aus Lübeck so weit gekommen ist. Schade, schade, schade. Und dafür, dass dem Club das Wasser bis zum Halse steht, hat diese Mannschaft, die heute auf dem Feld stand und gegen den HSV gekämpft hat, super gespielt. Dickes Kompliment, wirklich, die Mannschaft darf nur noch Freundschaftsspiele bestreiten, sie steht als Absteiger ja bereits fest – und dann ein solches Engagement – Hut ab! Ich wünsche, wie es Thorsten Fink auch gesagt hat, dem VfB, dass er irgendwann wieder zurückkommen wird – wenigstens Liga drei oder vier. Das muss doch mit einer solchen tollen Stadt möglich sein. Es müsste.

Bei der Gelegenheit: Vielen Dank dem “Matz-abber” und VfB-Fan, der zu mir in die Kabine gekommen war, um mir ein Bier auszugeben. Sorry, dass ich es nicht getrunken habe, aber ich weiß es wirklich zu schätzen. Wirklich, vielen Dank für das Bier.

Das B-Team führte die Stars vor

6. September 2012

Das war munter. Im heutigen Training ging es zur Sache. Beim abschließenden Spielchen. Da war Feuer drin. Es spielten sieben gegen sieben. Ein (A-)Team mit Rene Adler, Heiko Westermann, Frank Heinemann, Dennis Aogo, Robert Tesche, Rafael van der Vaart und Marcell Jansen, das B-Team mit Tom Mickel, Lennard Sowah, Janek Sternberg, Dennis Diekmeier, Michael Mancienne, Tolgay Arslan und Heung Min Son. Letzteres Team siegte mit 7:3! Die Torfolge: Aogo 1:0, Diekmeier 1:1, Sternberg 1:2, van der Vaart 2:2, Son 2:3, Sowah 2:4, Westermann 3:4, Sowah 3:5, 3:6 Diekmeier und 3:7 Arslan. Bei diesem letzten Treffer aber hatten sich die Stammkräfte schon ergeben, einige Herren hatten da schon das Fußballspielen eingestellt – weil sie ob der Vorführung durch die „Namenlosen“ zu frustriert waren. Rene Adler machte zum Beispiel keinerlei Anstalten mehr, den Ball des frei vor ihm auftauchenden Tolgay Arslan noch halten zu wollen – Co-Trainer Patrick Rahmen machte dem Spuk ein Ende und pfiff ab.

Zuvor hatte es viele Torschüsse gegeben, und auch lange sowie intensive Anweisungen des Trainers. Thorsten Fink ließ die Viererkette üben, wie stehe ich, wie verschiebe ich, wie greife ich richtig und rechtzeitig an? Der Coach nahm sich sehr viel Zeit, um seine Vorstellungen an den Mann zu bringen.

Es ist ja ohnehin nur das „letzte Aufgebot“, was sich im Volkspark noch die Füße „vertritt“, erst in einer Woche ist die Mannschaft dann wieder – nach den Länderspiel-Einsätzen – komplett, sodass dann auch wieder mit der gedachten Anfangsformation für das Frankfurt-Spiel am Sonntag (Anpfiff 17.30 Uhr) geübt werden kann. Was heute auffällig war: Son überzeugte viele Kiebitze mit einer quirligen Leistung als Spitze. Das wäre doch einmal ein Versuch wert. Wobei ich nichts, aber auch überhaupt nichts gegen Artjoms Rudnevs gesagt haben möchte – an dem sollte Thorsten Fink nun erst einmal festhalten, damit er zeigen kann, was er so drauf hat.

Sollte aber einmal auch eine zweite Spitze benötigt werden, so wäre Son durchaus eine Alternative, denn er ist schnell und er ist auch kaltschnäuzig vor des Gegners Tor. Rechts draußen hat Son bislang relativ wenig gebracht, da setzte er sich weder als Vorbereiter noch als Stürmer mit einem vernünftigen Abschluss in Szene. Wobei ich rechts dann doch lieber Maximilian Beister sehen würde, weil der den Weg von außen zum Tor doch ein wenig besser kennt – so hat er in Düsseldorf immerhin zwei Jahre gespielt. Und zwar recht erfolgreich. Allerdings auch „nur“ in Liga zwei. Und ich habe zuletzt immer wieder Stimmen gehört, die sagen, dass es einen gewaltigen Unterschied zwischen Liga eins und Liga zwei geben soll. Nun ja, immerhin schießt Beister ja auch Tor für die deutsche U-21-Nationalmannschaft. Vielleicht auch an diesem Freitag in Rostock, wenn es um 18 Uhr gegen Weißrussland geht.

Übrigens wurde heute bereits um neun Uhr im Volkspark geübt, denn mittags ging es für einige Spieler zum Golfen.

An diesem Freitag wird der HSV ja auch noch ein Testspiel bestreiten. Morgens ist um 10 Uhr Training, um 18.30 Uhr erfolgt dann der Anstoß in Niendorf, wenn der HSV gegen den Oberliga-Klub TSV („uns Scholle“ ist dort Manager) antritt – mit Rafael van der Vaart. Die Partie ist mit 3000 Zuschauern fast ausverkauft, einige wenige Rest-Karten gibt es tagsüber noch im „Adyton“ (Sachsenweg 78) und bei „Sport und Mode Niendorf“, Tibarg 38.

Und dann noch der Hinweis für den „Tag der Legenden“ am Millerntor. Wer über seinen Schatten springen kann, der möge das Stadion auf St. Pauli aufsuchen, es gibt am Sonntag von 12 bis 17.30 Uhr Fußball für einen guten Zweck. Die Einnahmen kommen dem von TV-Moderator Reinhold Beckmann ins Leben gerufenen Verein „Nestwerk“ zu Gute; mit dem Geld werden Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche aus den strukturell benachteiligten Hamburger Stadtteilen finanziert.

Aus der HSV-Geschichte sind immerhin eine Menge von großen Spielern mit von der Partie, so sind zu nennen Barbarez, Beinlich, Cardoso, Doll, Fink, Golz, Groth, Ailton, Hollerbach, Hoogma, Hartwig, Hrubesch, Kaltz, Marin, Präger, Reinke, Rolff, Schnoor, Seeler, Töfting, Wehmeyer, Kovac, von Heesen, Reinhardt und natürlich auch Hermann Rieger, eventuell auch Felix Magath. Für Deutschland sind – neben anderen – Matthäus, Rummenigge, Balakov, Bobic, Buchwald, Sammer, und viele mehr im Einsatz.

Bereits einen Tag zuvor, nämlich am Sonnabend, tritt die Fußball-Traditionsmannschaft des HSV in Fallingbostel gegen eine Traditionself von Ajax Amsterdam an. Zum HSV-Team zählen Sergej Barbarez, Roy Präger, Nico Hoogma, Jochen Kientz und Stig Töfting. Das Spiel ist Bestandteil der Feierlichkeiten zum 125. Vereinsjubiläum. Anstoß im Heidmark-Stadion ist um 15.30 Uhr. Im Vorfeld der Partie wird eine Typisierungsaktion der Deutschen Knochenmarkspenderdatei angeboten. Dabei können sich Zuschauer als Stammzellenspender registrieren lassen.

19.13 Uhr

Der HSV will Platz für seine Talente schaffen

6. Juni 2012

Zwischenmahlzeit. So hieß, die etwas älteren Damen und Herren unter uns werden sich erinnern, so hieß eine Sendung im deutschenFernsehen, die von der „Quasselstrippe“ Gisela Schlüter moderiert wurde. An diese Zwischenmahlzeit erinnerte ich mich, als wir heute mit Frank Arnesen sprachen. Es gab dabei zwar nichts zu essen und nichts zu beißen, aber es war schön, den HSV-Sportchef mal wieder gesehen zu haben. Braun ist er, gut gelaunt war er auch – alles bestens. Und natürlich sprach er auch über die EM. Polen gegen Griechenland sieht er sich an, am nächsten Tag Dänemark gegen Niederlande, dann kommt er zurück – für ein paar Tage. „Für mich bleiben Deutschland und Niederlande die Favoriten, in der Gruppe und auch für das Halbfinale“, sagt Arnesen und fügt an: „Wenn Deutschland gegen die Niederlande spielen, dann wird es schwer für mich – ich war schließlich 26 Jahre in Holland.“ Die prägen. Klar. Aber zur deutschen Mannschaft sagt der HSV-Sportchef: „Das ist in den letzten Jahren eine ganz andere Mannschaft geworden. Früher war das mentale Kraft, physische Kraft, aber dann kamen kleine Jungs dazu, die eine brillante Technik haben, es macht Spaß, dieser Mannschaft zuzuschauen.“

Zum HSV. „Es ist bislang sehr, sehr wenig passiert, auf dem Transfermarkt, die meisten Vereine haben noch gar keine Spieler gekauft, aber wir haben schon drei. Mit Beister, Rudnevs und Adler. Das sind drei gute Verpflichtungen“, sagt Arnesen. Er ist mit diesem Zwischenstand zufrieden. Und abgerechnet wird in dieser Sportart ja auch erst am 31. August, wenn das Transferfenster geschlossen wird. Was der HSV dann erreicht hat, das ist wichtig – nicht so sehr das, was (schon) am 6. Juni 2012 zu Buche steht. Frank Arnesen sagt zu diesem Thema: „Was wir wollen, Thorsten und ich, ist, dass wir einen Kader haben, in dem die Spieler zufrieden und gesund sind. Deswegen sind wir bemüht darum, einen kleineren Kader zu haben. 21 Feldspieler und drei Torhüter, das ist unser Ziel. Zu viele Spieler ist auch für jeden Spieler nicht gut, weil immer viele nicht spielen könnten – und finanziell für den Verein ist es ebenfalls nicht gut.“ Der Sportchef weiter: „Wir wollen auch deshalb einen kleineren Kader als zuletzt, weil wir junge Spieler, unsere Talente, mittrainieren lassen wollen. Spieler wir Nörgaard und Steinmann sind sehr gute Talente, die sollen sich dort entwickeln – und dafür brauchen wir Raum, dass sie sich dort auch bewegen können.“

Noch aber hat der HSV einige Spieler zu viel an Bord. Zumal auch noch Macauley Chrisantus und Lennard Sowah zurückkommen werden. Und statt der drei Torhüter gibt es mit Rene Adler, Jaroslav Drobny, Tom Mickel und Sven Neuhaus vier Keeper. Und Nachwuchsmann Florian Stritzel ist ja auch noch beim HSV. Da wird es noch die eine oder andere Verkaufswelle geben müssen, ehe der Kader die Zahl 24 erreicht hat. Aber speziell zur Torhüterfrage sagte Arnesen: „Ich war es beim FC Chelsea gewohnt, mit vier Torhütern zu trainieren, das ist kein Problem.“ Aufgeräumt hat Frank Arnesen heute auch noch einmal mit der Mär, dass es ein finanzielles Angebot vom FC Bayern für Drobny gab. Der Sportchef: „Wer das behauptet, der sagt die Unwahrheit. Das ist hundertprozentig unwahr. Ich hatte ein Gespräch mit Bayern-Sportchef Christian Nerlinger, das stimmt, er hat sich bei mir nach Drobny erkundigt. Er hatte aber insgesamt noch drei, vier weitere Kandidaten als Ersatztorwart – und wollte sich nach fünf Tagen wieder melden. Das tat er, und dabei teilte er mir mit, dass sich der FC Bayern gegen Drobny entschieden hat.“

Das Thema David Abraham (FC Basel) hat sich für den HSV wohl erledigt. So sieht es zum jetzigen Zeitpunkt aus, weil der Innenverteidiger bereits im Januar einen Vier-Jahres-Vorvertrag mit dem FC Getafe abgeschlossen hat – bevor er vom Interesse des HSV erfuhr. Frank Arnesen sagt: „In diesem Moment liegt der Ball beim Berater und seinem Spieler – wir können da nichts machen.“ Ganz klar ist aber, so der Sportchef: „Wir werden nichts an Getafe bezahlen, dass da Geld von Hamburg nach Spanien fließt, das ist ausgeschlossen. Dazu stehen wir alle auch hundertprozentig.“

Weil der HSV nach wie vor ja auch kein Geld hat. An dieser Situation hat sich ja nichts geändert. „Wir haben keinen europäischen Fußball, allein deshalb fehlt uns Geld. Und wir müssen sehr, sehr gut und seriös aufpassen, was wir machen“, sagt Frank Arnesen. Und hofft dabei wohl auch weiterhin auf den HSV-Fan und HSV-Sponsor Klaus-Michael Kühne und dessen Frau, dass aus dieser Richtung noch einmal eine kräftige Finanzspritze geben wird. Und das sieht wohl auch nicht ganz so schlecht aus. Erleichtert zeigte sich der Sportchef darüber, dass die Mitglieder bei der Versammlung im Volkspark (20. Mai) Grüns Licht für ein neues Kühne-Engagement gaben – und etwaige „Zuschüsse“ nicht grundlegend ablehnten. Der Antrag auf Satzungsänderung wurde damals ja (nach intensiven Gesprächen hinter den Kulissen) zurückgezogen . . .

Apropos. Zurückgezogen hat ja auch Dirk Kuyt. Sich vom HSV. Er wechselt ja bekanntlich zu Fenerbahce Istanbul. „Er hat sich für die Champions League entschieden, das können wir nicht bieten. Aber das beunruhigt mich gar nicht. Ich finde gut, dass er an uns gedacht hat, dass er auch seriös darüber nachgedacht hat, nach Hamburg zu wechseln. Das ist jetzt leider nicht passiert, der HSV war bei ihm von 14 Interessenten unter den ersten drei Klubs – aber leider ist es nichts geworden. Das Leben geht weiter“, sagt Arnesen und fügt an: „Das ist nicht negativ für uns, das ist gar nichts, das hat nichts zu bedeuten.“ Und er lässt auch seiner Hoffnung auf den einen oder anderen „Kracher“ noch freien Lauf: „Wir gucken uns auch in Spanien, Portugal und Griechenland um, da gibt es gute Spieler, die die Bundesliga vorziehen – weil sie hier ihr Geld sicher haben. In diesen Ländern haben sie zwar gute Verträge mit hohen Summen drin, aber was nützt es, wenn sie dieses Geld nicht bekommen? Dann gehen sie doch lieber in die Bundesliga, da ist das sicherer.“ Arnesen weiter: „Wir schöpfen alle Möglichkeiten aus, um den HSV besser zu machen.“

Grundlegend aber ist die Situation für den HSV so: Erst einmal müssen Spieler verkauft werden, bevor neue Leute geholt werden können. Und das wird noch schwer genug. Frank Arnesen: „Ich habe ein gutes Gefühl, denn die Spieler, die wir haben, die wollen gar nicht gehen. Die fühlen sich wohl hier. Die hatten zwar keine gute Saison, aber sie wissen, dass die Atmosphäre hier gut ist, und sie sagen auch alle, dass sie es besser machen wollen, dass se es auch viel besser können. Von den Spielern, die ich zum HSV geholt habe, will keiner weg. Und das war im vergangenen Jahr anders, als ich zum HSV kam, da haben gleich drei, vier Spieler gesagt, dass sie zum Saisonende gehen werden. Dass jetzt keiner gehen will, das ist eine gute Sache.“ Auf der einen Seite. Auf der anderen Seite aber ist es auch so: Der HSV zahlt gut, und es gibt keine Angebote anderer Klubs – wer will denn (unbedingt) einen Spieler von einem Fast-Absteiger?

Abwarten. Abwarten, was da noch auf uns zukommen wird. Einfach wird es für Frank Arnesen sicher nicht. Aber er hat ja noch Zeit.

Ja, und dann war da heute noch eine besondere Meldung:

Ich nenne die mal:

Zwei Vergehen – eine Strafe.
Und wer erinnert sich noch: Ein Vergehen, dafür gab es fast eine Höchststrafe? Paolo Guerrero

Bei dieser „Art“ von Rechtsprechung kommt bei mir echte Freude auf:

Jetzt die dpa-Meldung:
Christian Lell von Hertha BSC ist vom Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) für fünf Pflichtspiele gesperrt worden. Ihm wurde krass sportwidriges Verhalten und Schiedsrichter-Beleidigung vorgeworfen. Lell hatte laut DFB in der Nachspielzeit des Chaosspiels in der Bundesliga-Relegation bei Fortuna Düsseldorf am 15. Mai seinen Gegenspieler Assani Lukimya angespuckt und nach Spielende den Unparteiischen Wolfgang Stark beleidigt. Der DFB-Kontrollausschuss hatte eine Sperre von sechs Spielen gegen den Berliner Verteidiger gefordert.

Ich bin sprachlos. Zwei Vergehen, Schiedsrichter-Beleidigung und dazu den Gegner noch bespuckt – und dafür fünf Spiele? Da fehlt eigentlich nur noch die Ehrenurkunde. Für Lell. Ich verstehe diese Herren im DFB-Sportgericht schon lange nicht mehr, aber nun er recht nicht.

PS: Mein Kollege Oliver Wurm hat mich noch einmal gebeten, für “Hinz und Kunzt” mit der EM-Beilage Werbung zu betreiben – was hiermit geschehen. Die “Macher” haben diesmal – in einem Sommermonat – 30 000 Exemplare mehr drucken lassen, eben wegen dieserEM-Beilage (sind auch vier HSV-Fußballer mit Petric, Jarolim, Bruma und Sala dabei). Ich bitte euch, lasst die Leute nicht hängen, die Verkäufer brauchen das Geld – und die Herausgeber haben alle mit viel Liebe und “für kein Geld” gearbeitet. Danke für die Unterstützung.

19.33 Uhr

8:2 gegen die Polizei – Mancienne stellt sich vor

6. Juli 2011

Eigentlich sollte er um 11 trainieren. Aber nachdem das Training ob der etwas länger gewordenen ersten Einheit auf 12 Uhr nach hinten verschoben worden war, war außer den Auswärtstrikots der Spieler wenig Neues dabei, auch nicht Zugang Michael Mancienne, der sich stattdessen im Kabinentrakt anstrengenden Leistungstests unterziehen musste. „Mir tut schon einiges weh“, klagte der Engländer anschließend – wenn auch nicht ganz ernst gemeint. In England sei er Konditionstraining immer mit dem Ball am Fuß gewohnt gewesen. „Hier wird auch mal nur gerannt. Das ist echt hart – aber auch gut.“ Schließlich holt sich der 23-Jährige (KORRIGIERT! Ich hatte ihn im Zuge der ganzen 19-jährigen Chelsea-Jungs einfach mal vermengt…) in den wenigen Wochen der Vorbereitung die nötige Fitness für die lange Saison – und für das Spiel heute im Norderstedter Edmund-Plambeck-Stadion gegen eine Polizeiauswahl aus Schleswig-Holstein und Hamburg. Angesprochen darauf, dass er laut Traineransage von Beginn an mit Jeffrey Bruma auflaufen soll, entgegnete er sichtlich überrascht: „Das glaube ich noch nicht. Es ist ja erst mein erster Trainingstag.“

Am Ende behielt Mancienne sogar Recht. Oenning beließ es am ersten Tag beim Training, schonte Mancienne ebenso wie gefühlt 99 Prozent des potenziellen Stammpersonals beim Benefizkick gegen die Polizeiauswahl. Somit kam es auch nicht zu dem von Oenning angekündigten ersten Test mit Bruma und Mancienne als Innenverteidigerduo. Stattdessen trafen Son (18., 28., 83., 88.), Ben-Hatira (10., 66., 80.), Behrens (69.) zum 8:2. Ein Test, der sportlich ebenso reiz- und wertlos war wie sozial von Bedeutung. Denn die gesamten Tageseinnahmen kamen der Arche Jenfeld sowie der Jugendarbeit Eintracht Norderstedts zugute. Womit auch neben der legendären Currywurst im Plambeck-Stadion das Relevanteste erwähnt ist. Dass Oenning im ersten Test auf Hamburger (okay, genau genommen Schleswig-Holstein, aber eben ganz nah dran) Boden eine verbesserte U23 aufbot – Geschmackssache. Höhepunkt des Ganzen waren die keinesfalls unverdienten Gegentore für die Polizeiauswahl zum zwischenzeitlichen 2:3 durch Felix Kerch (52.) und Nils Laabs (57.). beim ersten Gegentreffer sah Hesl bei einem Flankenball schlecht aus, beim zweiten Gegentreffer patzte der selbst heute völlig überforderte Lennard Sowah. Die Blamage drohte. Nur 3:2 gegen eine Auswahl aus Sechst-, Siebt- und sogar unterklassigen Fußballern der Polizei. Oder war allein dieser Zwischenstand zur 60. Minute schon eine Blamage?

Ich kann nur weitergeben, was ich mehrfach zu hören bekam. Und da war von „Verarschung“ bis hin zu „Betrug am Kunden“ die Rede. Einzig der launige Auftritt der Polizei sorgte für etwas (Schaden-)Freude.
Die Aufstellung: Hesl – Diekmeier (Sowah 46.), Labus, Sternberg (58., Behrens), Jansen – Besic, Jarolim (58., Ingreso), Nagy (73. Kacar), Bertram – Ben-Hatira, Son.

Nun denn. Ein guter Zweck wurde erfüllt. Belassen wir es am besten dabei.

Netter war zuvor, was Kevin Keegan über Mancienne gesagt hatte. „Mighty Mouse“ hatte den Zugang am Dienstag in den höchsten Tönen gelobt. Worte, die Mancienne sichtlich erfreuten. „Von einem so großen Mann gelobt zu werden macht schon stolz“, sagte Mancienne, der sich selbst . Und da er erst der zweite englische Bundesligaprofi Engländer nach Keegan beim HSV ist, dieser gerade seinen Fußabdruck für den „Walk-of-Fame“ hinterließ, lag die Frage nahe: Schafft er es, in die Fußstapfen Keegans zu treten? „Die sind schon sehr groß“, so Mancienne ehrfurchtsvoll, „aber ich werde es natürlich versuchen und wünsche es mir.“ Dennoch bliebe er vorerst bescheiden und habe lediglich das Ziel, „beim HSV gut zu spielen und viele Spiele zu gewinnen“. Der Rest käme mit der Zeit automatisch.

Dabei ist Mancienne alles andere als unerfahren. 50 Premier-League-Spiele absolvierte der Verteidiger, davon 46 für Wolverhampton und vier für den FC Chelsea. „Der Schritt in ein neues Land ist trotzdem sehr groß“, warnt Oenning vor zu hohen Erwartungen und begründet auch: „Als erstes müssen wir die Sprachbarriere durchbrechen.“ Dafür erhält Mancienne, der bislang kein Wort Deutsch spricht, ab sofort Deutsch-Unterricht. „Ich will die Sprache lernen“, so der Defensivspieler, der seinen Urlaub in Südfrankreich verbracht hatte und überrascht wurde von der royalen Trauung in Monaco. „Plötzlich gab es ein Riesenfeuerwerk“, so Mancienne, „mehr habe meine Freundin und ich davon kaum mitbekommen.“

Mancienne machte bei allem eine gute Figur. Auch verbal. „Er ist ein sehr offener Typ, der auf die Leute zugeht“, lobt Oenning und wird von Mancienne bestätigt: „Ich bin eher der entspannte Typ, freue mich auf meine neuen Kameraden. Ich wurde hier sehr herzlich aufgenommen und habe ein echt gutes Gefühl.“

Das hat auch Oenning. Auch was den neuesten Zugang betrifft, Per Skjelbred. Der Norweger wurde bislang zum 1. Januar 2012 verpflichtet, wäre dann ablösefrei. Dennoch versucht der HSV, den offensiven Mittelfeldspieler schon früher von seinem Heimatverein Rosenborg Trondheim loszueisen. „Rosenborg möchte ihn noch in der Champions-League-Qualifikation einsetzen“, erklärt Oenning, „wir hätten ihn aber gern schon früher hier.“ Ausgeschlossen sei, dass der 24-Jährige bereits mit ins Trainingslager des HSV nach Österreich reist.

Sollte sich der Transfer wider Erwarten nicht bald realisieren lassen, müsste der HSV noch mal auf dem Transfermarkt tätig werden. „Wir haben nie gesagt, dass wir nichts mehr machen“, sagt Oenning. Der Cheftrainer deutete an, dass durch den Verkauf Jonathan Pitroipas (war heute kurz im Stadion, flog aber nachmittags wieder nach Rennes) sowie noch zu verkaufende Spieler wie Alex Silva (Sportchef Frank Arnesen verhandelte gestern und heute vor Ort in Brasilien), Mickael Tavares und Guy Demel finanzielle Mittel in noch unabsehbarer Größenordnung da wären und reinvestiert werden könnten. Meiner Meinung nach sogar müssen.

Denn, und das deutete Jörn Andersen im Abendblatt ja bereits an, Skjelbred gilt zwar als großes Talent – wirklich angekommen ist er aber außer in Norwegens erster Liga noch nicht. Und diese wiederum ist qualitativ nicht mit der deutlich höher einzustufenden Bundesliga zu vergleichen. „Er hatte immer wieder Angebote großer Klubs“, wundert sich selbst Oenning, „und er ist trotzdem nie gewechselt. Bis jetzt zu uns.“ Auch er selbst hätte als Nürnberg-Trainer mal Interesse an dem Norweger bekundet, „zu einem Gespräch kam es aber nie, weil er wohl auch kein gesteigertes Interesse am FCN hatte“, so der HSV-Coach, der Gerüchten widersprach, der 175-Zentimeter-Mann wäre zu langsam: „Er ist kein Sprinter, niemand, den man immer lang schickt. Aber er hat durch seine fußballerischen Qualitäten die Möglichkeit, das Spiel schnell zu machen.“ Klingt ein wenig wie das Gegenteil unseres pfeilschnellen Abganges aus Burkina Faso.

Aber egal, ich bin sehr gespannt. Gespannt, ob der „Box-to-box-Player“, wie ihn Arnesen nannte, die erhoffte Verstärkung ist. Und gespannt drauf, ob der 24-Jährige wirklich noch die Champions-League-Quali für seinen Verein spielen muss, obwohl er gedanklich wahrscheinlich schon beim HSV ist. Das geht selten gut und ist ähnlich wie es einst unser hier immer wieder (zumeist zurecht) gehuldigte Rafael van der Vaart sowie Khalid Boulahrouz machten, als sie sich beim Spielen mit ihrem Kind bzw. beim Warmmachen so verletzten, dass sie für den HSV international nicht auflaufen konnten.

Zeiten, die vorbei sind. Die einen sagen leider – die anderen freuen sich auf den Neuanfang mit jungen Leuten wie Bruma, Mancienne, und Skjelbred.

In diesem Sinne, ich bin ab Freitag für eine Woche im Urlaub – aber der Blogvater ist da und versorgt Euch wie immer mit den wichtigsten Infos aus dem Trainingslager im Zillertal!

Viel Spaß und bis bald!
Euer Scholle

– Training am Donnerstag ist übrigens um 8.30, 11.30 und 16 Uhr.

– Töre musste das Training wegen muskulärer Probleme abbrechen. Und Jacopo Sala muss mindestens vier Wochen mit einem Muskelbündelriss aussetzen, den er sich im Trainingslager zugezogen hatte. „Er hat sich an der Stelle verletzt, an der er schon vorher Probleme hatte“, sagt Oenning, „deshalb werden wir ihn jetzt ganz behutsam aufbauen.

– Sollten Tavares und Demel bis Freitag nicht verkauft sein, werden beide zurück nach Hamburg kommen und das Training in der U23 aufnehmen. Eine Rückkehr zu den Profis ist für beide ausgeschlossen.

Saisonanalyse, Teil 1: Die Defensive

16. Mai 2011

Die Sache mit der Fairplay-Wertung habt Ihr wahrscheinlich alle inzwischen gelesen. Aber, wer hatte allen Ernstes noch darauf gehofft? Es hätte einfach nicht in diese von Anfang bis Ende – vorsichtig formuliert – verkorkste Saison gepasst. Stattdessen erhalten Fairplay-Sieger Norwegen sowie die Platzierten England und Schweden je einen zusätzlichen Startplatz in der Europa League. Und selbst wenn Deutschland den Zuschlag der Uefa erhalten hätte – der SC Freiburg war fairer als der HSV. Auch dann wäre es nichts geworden

Nein, es wäre auch nicht verdient gewesen. Unverdient im Sinne des sportlichen Wettkampfes, den der HSV diese Saison nicht so gestalten konnte, wie er es wollte. Und eben noch weniger so, wie es erwartet werden durfte. Und bevor ich jetzt hier, gerade mal zwei Tage nach dem wirklich schönen und bewegenden Abschied von verdienten Spielern, anfange, wieder die Keule herauszuholen und auf alles einzudreschen, was die Raute trägt, versuche ich mich heute in der Analyse der HSV-Defensive. Ergo: die Torhüter und die Abwehr im Generalcheck. Als kleinen Bonbon hat uns die Firma Castrol die statistischen Saisondaten eines jeden einzelnen Spielers zur Verfügung gestellt. Los geht es:

Frank Rost:Die unumstrittene Nummer eins des HSV hat eine starke letzte Saison gespielt. In der Kabine wie auf dem Platz wurde er seiner Rückennummer gerecht und agierte nicht stromlinienförmig sondern mit seinen Kanten. Trotz seiner direkten Art, die erfolgsbesessen und selten diplomatisch war, hat er sich mannschaftsintern zum Leader gedient und konnte seine hohen Anforderungen selbst sehr wohl bestätigen. In der Liga gibt es kaum bessere Torhüter im Eins gegen Eins. Bei dem einen oder anderen Freistoß sah er nicht zwingend glücklich aus, aber diese wenigen Ausnahmen seien ihm verziehen. Auf jeden fall hat Rost die Messlatte für seinen Nachfolger hoch gehängt. Sehr hoch sogar…
Fäustl in Zahlen…
…Gespielte Minuten:
2652
Gegentore: 43
Zu-Null-Spiele: 7
Gehaltene Bälle (innerhalb des Strafraumes): 56
Gehaltene Bälle (außerhalb des Strafraumes): 37
Gehaltene Bälle / Schüsse gesamt in %: 68%
Hohe Bälle: Faustabwehr: 16
Gefangene hohe Bälle: 21
Fallengelassene hohe Bälle: 1
Quote hohe Bälle in %: 97%
Abschlag: Lange Abschläge: 213
Quote lange Abschläge in %: 68%
Abwürfe / kurze Abschläge: 157
Quote Abwürfe / kurze Abschläge in %: 99%

Jaroslav Drobny: Der Tscheche ist zum HSV gekommen, um hier die Nummer eins zu machen. Daraus wurde fast eine ganze Saison auf der Bank oder im Krankenstand. Drobo gilt als eher ruhiger Vertreter, was ihm in den wenigen und glücklosen Auftritten in dieser Saison Kritik einbrachte. Denn während die einen behaupten, es sei mangelnde Spielpraxis gewesen, sahen andere Drobnys fehlende Kommunikation als Grund für Abstimmungsprobleme mit seiner Abwehr. Allerdings, und das zeigte der Tscherche im Training, nachdem ihm gesagt worden war, dass er als neue Nummer eins eingeplant wird, er kann auch anders. Denn in den Übungseinheiten, die er eine zeitlang sogar trotz Daumenbruches absolvierte – er hielt da nur mit Füßen und einem Arm – wusste Drobny sehr wohl mit starken Reflexen und klugem Stellungsspiel zu gefallen. Sein größtes Problem wird sein, in die Fußstapfen von Vorgänger Frank Rost zu treten. Allerdings hat der 31-Jährige mit großen Fußstapfen kein Problem: immerhin hat er Schuhgröße 50. Und ein guter Torwart ist er allemal.
…Drobo in Zahlen:
…Gespielte Minuten: 408
Gegentore: 9
Zu-Null-Spiele: 0
Gehaltene Bälle (innerhalb des Strafraumes): 3
Gehaltene Bälle (außerhalb des Strafraumes): 6
Gehaltene Bälle / Schüsse gesamt: 50%
Hohe Bälle: Faustabwehr: 6
Gefangene hohe Bälle: 8
Fallengelassene hohe Bälle: 0
Quote hohe Bälle: 100%
Abschlag: Lange: 31
Quote lange Abschläge in %: 61%
Abwürfe / kurze Abschläge: 26
Quote Abwürfe / kurze Abschläge in %: 100%

Tom Mickel: Guter Ersatzmann, der bei der U23 auf sich aufmerksam machen konnte, aber partout nicht an Drobny geschweige denn Rost vorbeikommt. Im Training immer mit Feuereifer dabei, glänzt er auch hier. Den Status Ersatzmann kann Mickel in Hamburg allerdings nicht ablegen – und wenn man sich die HSV-Planungen anhört, bleibt dem 22-Jährigen wohl nur der Wechsel zu einem anderen Verein, um Spielpraxis zu bekommen. Statistisch mit null Einsätzen nicht zu bewerten.

Dennis Aogo: Der Mann mit Zukunft. Mit einer langen beim HSV. Immerhin wurde der Vertrag des letzten nominierten Deutschen Nationalspielers des HSV im Laufe der Saison bis 2015 verlängert. Und das mit Recht. Immerhin absolvierte der Linksverteidiger nach Startschwierigkeiten und einer langwierigen Verletzung am Saisonstart eine starke Serie mit 20 Einsätzen. Als Linksverteidiger löste er Marcell Jansen und Zé Roberto ab – und er ersetzte sie sehr gut. Inzwischen ist der 24-Jährige längst zum Führungsspieler aufgestiegen und verleiht diesem Status verbal außerhalb und sportlich auf dem Platz immer wieder Nachdruck. Im Training einer der fleißigsten (Dennis zieht wirklich nie zurück!), hat er auch im Spiel sein Phlegma abgelegt und marschiert vermehrt mit nach vorn. Am besten hat das in den wenigen Spielen mit Marcell Jansen und ganz am Ende mit Elia vor ihm funktioniert. “Aber zur neuen Saison werden wir uns länger einspielen und Automatismen entwickeln können”, kündigt der bibelfeste Profi bereits an.

Aogo in Zahlen……Gespielte Minuten: 1786
Tacklings gesamt: 43
Als letzter Mann erfolgreich getackelt: 0
Gewonnene Tacklings: 81%
Abgefangene Bälle: 27
Klärende Aktionen gesamt: 22
Klärende Aktionen per Kopf: 6
Auf der Linie geklärt: 0
Ecken verursacht: 13
Pässe gesamt: 865
davon angekommen: 83%
Offensiv: Tore: 0
Schüsse auf das Tor: 2
Schüsse vorbei: 3
Begangene Fouls: 24
Gelbe Karten: 3
Rote Karten: 0

Dennis Diekmeier: Kam spät – aber gewaltig. gerade mal acht Spiele hat der pfeilschnelle Rechtsverteidiger absolviert und dabei fast ausnahmslos überzeugt. Nicht zwingend mit filigranem Fußball oder außergewöhnlich gutem Stellungsspiel. Aber immer mit 100 Prozent Einsatz, Zweikampfstärke und dem einen oder anderen gelungen Flankenlauf. “Das wird noch mehr”, verspricht Diekmeier. Und ich vermag es zu glauben.

Diekmeier in Zahlen…
…Gespielte Minuten:
668
Tacklings gesamt: 12
Als letzter Mann erfolgreich getackelt: 0
Gewonnene Tacklings: 92%
Abgefangene Bälle: 13
Klärende Aktionen gesamt: 10
Klärende Aktionen per Kopf: 3
Auf der Linie geklärt: 0
Ecken verursacht: 4
Pässe gesamt: 209
davon angekommen: 69%
Offensive: Tore: 0
Schüsse auf das Tor: 0
Schüsse vorbei: 1
Begangene Fouls: 8
Gelbe Karten: 1
Rote Karten: 0

Guy Demel: Der Verlierer der Saison. Zuerst bei Trainer Armin Veh als zu verletzungsanfällig immer in der Kritik, kam er aus dieser Rolle auch nach dessen Demission und unter dem neuen Trainer Michael Oenning nicht heraus. Am Ende leistete sich der Ivorer, der in dieser Saison eigentlich zum Publikumsliebling avancierte, den unerklärlichen Fehler, seiner Mannschaft bewusst zu schaden, indem er sich und seine sportliche Hilfe verweigerte. Grund dafür soll eine ausgelebte Fehde zwischen ihm und Oenning gewesen sein. Egal wie, in seinen am Ende immerhin 21 Saisonspielen wusste Demel auch zu gefallen. Obgleich er zu wenige Offensivakzente setzte, setzt er einige Gute und deutete seine Klasse an. Allein, das reicht ihm genauso wenig wie dem HSV, der ihn deshalb trotz Vertrages bis 2012 abgeben will und aller Voraussicht nach auch abgeben wird.
Guy Demel in Zahlen…
…Gespielte Minuten:
1664
Tacklings gesamt: 30
Als letzter Mann erfolgreich getackelt: 0
Gewonnene Tacklings: 90%
Abgefangene Bälle: 34
Klärende Aktionen gesamt: 42
Klärende Aktionen per Kopf: 18
Auf der Linie geklärt: 0
Ecken verursacht: 16
Pässe gesamt: 885
davon angekommen: 81%
Offensive: Tore: 0
Schüsse auf das Tor: 1
Schüsse vorbei: 0
Begangene Fouls: 22
Gelbe Karten: 2
Rote Karten: 0

Collin Benjamin:Der gefeiertste Spieler nach dem letzten Saisonspiel am Sonnabend. Und das völlig zurecht. Denn Collo hat in seinen zehn Jahren beim HSV ehrlichste Arbeit abgeliefert, war immer eine Integrationsfigur und ein außergewöhnlich wichtiger Faktor beim Teambuilding, wie bislang noch alle seine Trainer und Mitspieler bestätigten. Und auch in seinen letztlich nur acht Einsätzen in dieser Saison zeigte der 32-Jährige, dass man sich auf ihn verlassen kann. Denn obgleich ihm etwas Schnelligkeit abhanden gekommen scheint, wusste der Namibier durch gefälliges Stellungsspiel und hohen Einsatz zu gefallen. Dass es sportlich irgendwann ein Ende geben würde, war ihm und allen Beteiligten klar. Ebenso, dass der jetzt erfolgte Schnitt vertretbar ist. Denn seine Konkurrenz (s. Diekmeier) zieht langsam vorbei.
Collo in Zahlen…
…Gespielte Minuten:
341
Tacklings gesamt: 10
Als letzter Mann erfolgreich getackelt: 0
Gewonnene Tacklings: 90%
Abgefangene Bälle:3
Klärende Aktionen gesamt: 10
Klärende Aktionen per Kopf: 3
Auf der Linie geklärt: 0
Ecken verursacht: 1
Pässe gesamt: 161
davon angekommen: 72%
Offensive: Tore: 0
Schüsse auf das Tor: 0
Schüsse vorbei: 1
Begangene Fouls: 5
Gelbe Karten: 1
Rote Karten: 0

Joris Mathijsen: Der eigentlich Unkaputtbare geht in Hamburg langsam doch kaputt. Und das auf brutalste Weise wie beim Länderspiel seiner Niederländer im vergangen November, in dem sich der solide Innenverteidiger im Knöchel einen doppelten Bänderriss zuzog (die TV-Bilder damal waren grausam…). Denn seitdem kam Mathijsen nicht mehr wirklich auf die Beine und absolvierte eher mäßige Leistungen in seinen für seine Verhältnisse mickrigen 19 Saisonspielen. Zuletzt wurde der Niederländer nach offiziellen Angaben geschont. Allerdings, und das ist ein offenes Geheimnis, zählt auch Mathijsen zu den Spielern, die der HSV bei einem passenden Angebot gern abgeben würde. Zumindest erscheint es mehr als fraglich, ob der mäßig schnelle, allerdings mit einer perfekten Grätschensetzung ausgestattete Innenverteidiger überhaupt an seiner letzten Konkurrenz – Gojko Kacar – vorbeigekommen wäre.
Joris in Zahlen…
…Gespielte Minuten:
1664
Tacklings gesamt: 35
Als letzter Mann erfolgreich getackelt: 0
Gewonnene Tacklings: 77%
Abgefangene Bälle: 57
Klärende Aktionen gesamt: 48
Klärende Aktionen per Kopf: 20
Auf der Linie geklärt: 0
Ecken verursacht: 12
Pässe gesamt: 909
davon angekommen: 81%
Offensive: Tore: 2
Schüsse auf das Tor: 7
Schüsse vorbei: 3
Begangene Fouls: 17
Gelbe Karten: 4
Rote Karten: 0

Heiko Westermann:Der Unkaputtbare. Körperlich (er absolvierte alle 34 Spiele über die volle Distanz) und mental hat sich der diesjährige HSV-Kapitän in seinem ersten Jahr eindrucksvoll eingebracht. Bei ihm muss allen klar sein, was sie nie bekommen werden. Denn technisch hochwertige, filigrane Einlagen kann der Fußballarbeiter Westermann nicht bieten. Dafür eine beeindruckende Kopfballstärke, Torgefahr, eine starke Zweikampfführung und nimmermüden, vorbildlichen Einsatz. Westermann hat sich mit den einfachen Bordmitteln bei den Fans etabliert und zur festen Größe gemausert. Er verkörpert am besten das, was der HSV durch verschiedene Charaktertest sicherstellen wollte. Er ist einfach ein durch und durch loyaler, einsatzfreudiger und mannschaftsdienlicher Spieler.
Westermann in Zahlen…
…Gespielte Minuten:
3060
Tacklings gesamt: 90
Als letzter Mann erfolgreich getackelt: 0
Gewonnene Tacklings: 79%
Abgefangene Bälle: 100
Klärende Aktionen gesamt: 172
Klärende Aktionen per Kopf: 83
Auf der Linie geklärt: 0
Ecken verursacht: 28
Pässe gesamt: 1789
davon angekommen: 78%
Offensive: Tore: 2
Schüsse auf das Tor: 5
Schüsse vorbei: 14
Begangene Fouls: 33
Gelbe Karten: 4
Rote Karten: 0

Gojko Kacar: Gojko wird in der Datenbank nicht als Abwehr- sondern als Mittelfeldspieler geführt. Dennoch hat er sich in Hamburg als Innenverteidiger etabliert und dort trotz der ungewohnten Position starke Leistungen abgerufen. Der Serbe, der im defensiven Mittelfeld Zé Roberto und Jarolim nicht Paroli bieten konnte, ist einer der kopfballstärksten Spieler und kennt in der Härte der Zweikämpfe kaum Grenzen. Allerdings, und das ist die Gefahr bei seinem riskanten Zweikampfverhalten: wenn einer an ihm vorbeikommt, holt er ihn seltenst mehr ein, weil er sehr abrupt attackiert. Wobei, so ehrlich muss man sein, Kacars Stellungsspiel hat sich von Spiel zu Spiel verbessert. Zudem ist der 24-Jährige bei Standards hinten eine Bank und vorn eine ernstzunehmende Waffe für die eigene Mannschaft.

Muhamed Besic:Das Riesentalent wurde nach einer unglücklichen Leistung in Hannover früh fallengelassen. Sogar zu früh, wie ich meine, denn zuvor war der Bosnier in nicht müde werdenden Wiederholungen vom damaligen Trainer Armin Veh in den höchsten Tönen gelobt worden. Anschließend kam der 18-Jährige nicht mehr auf die Beine. Zumindest nicht beim HSV. Denn während Besic in der Nationalelf seines Heimatlandes debütierte, wurde er beim HSV nur noch sporadisch eingesetzt. Grund dafür waren fehlende Kopfballstärke, mangelnde Schnelligkeit und “schlicht und einfach stärkere Konkurrenz”, so zunächst Veh und jetzt auch Michael Oenning. Allerdings, und das müssen sich beide HSV-Trainer als Kritik gefallen lassen, der Umgang mit Besic’ Einsatzzeiten war äußerst unglücklich. Ein Talent aufzubauen bedeutet auch, ihm Vertrauen zu schenken. Auch – nein: gerade wenn es mal nicht so gut läuft.
Besic in Zahlen…
…Gespielte Minuten:
190
Tacklings gesamt: 10
Als letzter Mann erfolgreich getackelt: 0
Gewonnene Tacklings: 80%
Abgefangene Bälle: 5
Klärende Aktionen gesamt: 11
Klärende Aktionen per Kopf: 3
Auf der Linie geklärt: 0
Ecken verursacht: 4
Pässe gesamt: 71
davon angekommen: 70%
Offensive: Tore: 0
Schüsse auf das Tor: 0
Schüsse vorbei: 0
Begangene Fouls: 3
Gelbe Karten: 0
Rote Karten: 0

Lennard Sowah: Der Zugang aus England mit Hamburger Wurzeln – ein Totalausfall. Vom anfangs der Saison noch designierten neuen Sportchef Urs Siegenthaler als DAS Talent angepriesen, fiel der 18-Jährige bei Veh sofort durch. Zuletzt war er zwar verletzt, allerdings hatte Sowah auch zuvor schon bei der eigenen Zweiten keine Chance mehr, weil die Konkurrenz stärker war/ist.

Ohne Wertung: Miroslav Stepanek.

Bis morgen, dann mit dem Mittelfeld,

Scholle
19.28 Uhr

P.S.: Angreifer Paolo Guerrero hat sich leider im Spiel gegen Gladbach einen Innebandriss im Knie zugezogen und muss vier bis sechs Wochen pausieren. Damit ist auch seine Teilnahme an der im Juli beginnenden Copa America für sein Heimatland Peru gefährdet.

Die Mannschaft feiert – der Aufsichtsrat tagt *UPDATE*

12. April 2011

*********Ich wollte mich bei Euch melden, sollte es noch etwas Besonderes von der Aufsichtsratssitzung zu vermelden geben. Und so ist es. Denn, und das ist das “Besonderste” der letzten Jahre, es gibt NICHTS zu vermelden. Gar nichts! Und das trotz der Themenlage. Der Aufsichtsrat, bei dem heute Horst Becker, Ian Karan, Jörg Debatin und Gerd Krug entschuldigt fehlten, schweigt – was es so, in der Konstellation noch nie gab. “Wir haben uns um 19 Uhr getroffen und diverse Dinge besprochen. Aber es gibt nichts zu vermelden”, so Aufsichtsratsboss Ernst Otto Rieckhoff, der auch jede Nachfrage, sei sie noch so thematisch gestellt, unbeantwortet ließ. Bis auf eine: Wie die Saison finanziell abgeschlossen würde? “Mit einem vertretbaren Minus”, so der Chefkontrolleur. Wie hoch “vertretbar” sein kann, ließ Rieckhoff offen. Und das war’s. In diesem Sinne: Gute Nacht aus dem Presseraum der Imtech-Arena!*********

„In der Kabine ist endlich wieder Musik“, freut sich Gojko Kacar und ist sich der Doppeldeutigkeit sehr wohl bewusst. Denn neben guter Laune im Kabinentrakt läuft auch tatsächlich Musik über Lautsprecher. Ein Novum, das der Neu-, Noch- und vielleicht auch Weiterhin-Trainer Michael Oenning eingeführt hat. Und eines, das er auch selbst steuert. „Ich bin aber eher ein sanftes Regulativ“, so Oenning, der als ehemaliger Band-Musiker die Musikauswahl steuert. „Das und Lautstärke regeln, der Rest entwickelt und findet sich“, so der Coach, der nach Angaben von Kacar „dafür sorgt, dass wieder mehr gelacht wird“.

Das mit dem Lachen wiederum gilt derzeit für den restlichen Teil der HSV-Mitarbeiter eher nicht. Aktuell holte sich der neue Vorstand ein Aufgabenprofil von allen Mitarbeitern ein, um zu überprüfen, wo Einsparung möglich oder gar nötig sind. Meines Wissens nach trennte sich der HSV bislang von fünf Mitarbeitern(-innen) der HSV-Zentrale. Insgesamt besteht der here Wunsch, den Geschäftsstellen-Etat am Ende um rund eine Million zu kürzen. Aber bevor ich hier noch mit einer Falschmeldung existenzielle Ängste (schlimmstenfalls sogar unberechtigt) bei Mitarbeitern schüre, belasse ich es bei den Fakten. Die Situation ist für die Betroffenen schon schlimm genug.

Schlimm sah es zunächst auch im Business-Seat-Bereich aus. 29 Prozent der Logen und Business-Seats sind zur neuen Saison gekündigt worden. Und noch nicht neu verkauft. „Wir haben mehr Kündigungen als in den vergangenen Jahren“, bestätigt Marketing-Vorstand Joachim Hilke, um im selben Atemzug zu sagen: „Aber das ist nicht dramatisch. Wir wissen um die Brisanz und unsere Arbeit ist in vollem Gange.“ Die sah so aus, dass allen Kündigungen telefonisch nachgegangen wurde. Es wurde nach den Beweggründen gefragt, Überzeugungsarbeit geleistet. Und bestenfalls bekamen die Bald-Ex-Karten- oder Logen-Besitzer ein Versöhnungsangebot wie Konzertbesuche in Hamburg oder auch Reisen, wie die zum Eurovision-Song-Contest 2011 in Düsseldorf geboten. „Wir arbeiten mit Hochdruck und sind optimistisch“, so Hilke, der zusammen mit seinem Interimsvorstandsboss Carl E. Jarchow heute Abend vor dem Aufsichtsrat zur aktuellen Finanzsituation sprach.

Womit wir bei einem Kernpunkt im Hinblick auf die neue Serie wären: dem Geld. Das sorgt noch mal für ein kurzes Hauen und Stechen. Innerhalb des Aufsichtsrates, wo die neuen Kontrolleure den alten Kontrolleuren vorwerfen, nicht genu aufgepasst zu haben. Aber eben auch zwischen dem aktuellen Vorstand und dem ausgeschiedenen um Bernd Hoffmann und Katja Kraus. Über die Gründe für das aktuelle Finanzloch diskutieren alle Parteien mit unterschiedlichen Standpunkten. Worin sich allerdings alle Beteiligten einig sind, ist, dass das Geld im Vergleich zu den Vorjahren an einigen Stellen fehlen wird. So sehr, dass definitiv eingespart werden muss. Insbesondere bei den Personalkosten für die Bundesligamannschaft. „Die Finanzen beeinflussen natürlich die Kaderplanung“, sagt Michael Oenning, „aber klar ist, dass nicht nur durch Geld etwas entstehen kann.“

Womit Oenning auch außerhalb des Platzes mächtig Werbung für sich machen kann. Denn klar ist, dass der HSV zur neuen Saison sparen und der neue Trainer damit klarkommen muss. Rund zehn Millionen vom – so wird es heute erzählt – bislang 48 Millionen Euro teuren Bundesligakader gilt es einzusparen. Auch deshalb stand heute das Thema Finanzen beim täglichen Telefongespräch zwischen Oenning und Arnesen auf der Agenda. „Wenn man seine sportlichen Ziele ein zweites Mal nicht erreicht, ist es klar, dass man nicht die ganz großen Sprünge machen kann.“ Dennoch, das fügte Oenning hinzu, wüssten er und der designierte Sportchef Frank Arnesen noch immer nicht genau, mit welchen Zahlen gearbeitet werden kann.

Klar ist aber, dass Verkäufe notwendig werden. Unklar hingegen, wer gehen muss. Paolo Guerrero gilt dabei ebenso wie Guy Demel als Wunschverkauf beim HSV, während Eljero Elia und Mladen Petric gehalten werden sollen. Bei Letztgenanntem hatte der Klub zuletzt ein erstes Gespräch geführt. Das wiederum war überhaupt nicht so, wie sich der Stürmer und dessen Berater Volker Struth es sich vorgestellt hatten, woraufhin sich Struth in Petric’s Namen öffentlich beschwerte. „Dennoch wollen wir beide nicht abgeben. Im Gegenteil: Das wäre schon der worst case…“

Ebenfalls unklar ist der Fall Ilkay Gündogan. Der 20-jährige Mittelfeldmann vom 1. FC Nürnberg steht beim HSV weiterhin ganz oben im Kurs. Dass berichtet wurde, der U-21-Nationalspieler des DFB habe sich bereits für einen Wechsel zu Borussia Dortmund entschieden, dementierte Oenning. Und wer sollte es besser wissen als er? „Ich weiß, dass er sich noch nicht entschieden hat. Und es ist ja kein Geheimnis, dass ich eine enge Bindung zu ihm habe und weiß, wie sich die Dinge bei ihm entwickeln.“

Immerhin holte Oenning seinen ehemaligen Schützling zu Bochumer A-Jugendzeiten vor zwei Jahren nach Nürnberg und verhalf ihm zum Sprung ins Profigeschäft, woraus eine Art Freundschaft entstanden ist. „Ich habe Zugang zu ihm“, umschreibt Oenning das Verhältnis zu Gündogan, den er für „sportlich mehr als gut“ bezeichnet und dem er zutraut, „in den nächsten Jahren für Furore“ zu sorgen. „Bei der Entscheidung bin ich sicher ein Faktor, denn es ist klar, dass sich die Spieler an die Leute erinnern, die sie auf den ersten Schritten begleitet haben. Wir sind in seinen Entscheidungsprozess eingebunden.“ Ob er auch direkten Einfluss ausüben kann? Oenning: „Nein.“

Ergo: Abwarten. Aber genau das hat etwas Gutes, denn es gibt wenigstens keine Entscheidung gegen den HSV.

Eine Entscheidung steht auch bei Oenning selbst weiter aus. Diese soll dem Vernehmen nach innerhalb der nächsten zehn Tage (nach Hannover und Stuttgart) gefällt werden. Allerdings weicht Oenning selbst weiter aus und versucht, dabei möglichst entspannt zu wirken. „Die Situation ist im Moment okay. Sie darf natürlich nicht ausufern. Aber ich kann auch keine Erwartungshaltung haben, denn ich bin nicht der Handelnde.“

Das wiederum ist Oenning unumstritten als Cheftrainer. Trotz aller Gerüchte um Stale Solbakken, der sich in London bereits mit Arnesen getroffen haben soll, arbeitet der Münsterländer unbeirrt in Hamburg weiter. Und das erfolgreich. Von deutschen Fußballgrößen wie beispielsweise Jürgen Klopp und Matthias Sammer hochgelobt, erhält Oenning auch aus der Mannschaft breite Unterstützung. „Ich bin gespannt, wie weit das noch zu drehen ist. Aber langsam wird es echt teuer für mich“, scherzt Oenning, um etwas ernster nachzulegen: „Es ist ganz sicher nicht unangenehm. Aber es hilft mir im Moment auch nicht weiter.“

Trotzdem, der studierte Deutsch- und Sportlehrer weiß sich zu verkaufen. Intern – aber auch extern, wo er heute unmissverständlich klar machte, dass selbst eine Rückkehr von Joris Mathijsen zum Spiel gegen Hannover keine Umstellung in der mit Heiko Westermann und Kacar zuletzt sehr starken Innenverteidigung nach sich zieht. „Ich bin momentan nicht gewillt, in der Innenverteidigung etwas umzustellen“, so Oenning, der im Nachmittagstraining auf Zé Roberto verzichten musste. Der Brasilianer absolvierte stattdessen eine Einheit im Kraftraum. Aber Entwarnung: nur vorsichtshalber.

Wo wir in diesem Blog, der natürlich im Schatten der um 18 Uhr in einer Loge beginnenden Aufsichtsratssitzung steht, zum Glück mal sportlich sind, eine hier häufig gestellte Frage. Ich habe heute Oenning auf Lennard Sowah angesprochen, dem Armin Veh jegliche Bundesligatauglichkeit abgesprochen hatte, und der zumindest in den letzten Wochen wieder im Training mitmischte. Oennings Antwort: „Sowah muss überhaupt erst mal die Grundfitness erreichen. Der ist ja nie wirkliche beschwerdefrei.“

Das war zuletzt Jonathan Pitroipa, der trotzdem nicht berücksichtig wurde und durch die Gelb-Rot-Sperre von Änis Ben-Hatira auf seine erste Kadernominierung unter Oenning hofft. Warum der Offensivspieler, der heute Geburtstag hat, bei ihm keine Beachtung mehr gefunden hatte? „Das geschah im Zuge der Genese der letzten drei Spiele“, so Wortakrobat Oenning, „da kamen einige Dinge zusammen. Aber wenn er sich jetzt anbietet, hat er eine Chance.“ Das sei nach einem Gespräch heute bereits im Training so gewesen. „Ich habe ihm klargemacht, dass er offensiv kreativ ist, aber defensiv zu viel zulässt.“ Eine erste Reaktion sei eine gute Trainingseinheit heute Vormittag gewesen. „Er wird mir diese Woche etwas anbieten“, so Oenning optimistisch.

Ähnlich positiv gestimmt ist der Trainer im Kampf um Platz fünf. Während Kacar die aktuelle Form des HSV als Plus gegenüber der Konkurrenz aus Mainz, Nürnberg und Freiburg sieht, glaubt auch Oenning weiter an das Saisonziel Europa League. „Wir sind nicht chancenlos und hatten sicherlich schon schlechter Ausgangslagen. Auch wenn unsere Situation mit einem Sieg gegen Dortmund noch viel besser gewesen wäre, so glaube ich, dass sich alles erst am letzten Spieltag entscheiden wird.“

Hoffentlich mit einem guten Ende. Und um auf dem weg dahin die Stimmung innerhalb der Mannschaft hochzuhalten, hat Oenning für Donnerstag ein gemeinsames Grillen der Mannschaft auf den Trainingsplan geschrieben.

Warum auch nicht? Wenn’s hilft…

In diesem Sinne, ich vermeide hier weitere Mutmaßungen über fischerAppelt, neue Finanzlöcher und dergleichen. Ich melde mich voraussichtlich morgen wieder bei Euch und werde dann ausgeruht und gut recherchiert von der heutigen Aufsichtsratssitzung berichten. Es sei denn, ich erfahre heute Abend nach der Aufsichtsratssitzung noch Neuigkeiten, die absolut nicht bis morgen warten können.

Bis dahin Euch allen einen schönen (Champions-League-)Abend,

Scholle

18.41 Uhr

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