Auswärtssieg – 4:1 in Lübeck!
9. April 2013
Wieder mal ein Auswärtssieg für den HSV. Mit 4:1 wurde der Regionalliga-Club VfB Lübeck vor 10 416 Zuschauern auf der altehrwürdigen Lohmühle bezwungen. Der Traditions-Verein aus Schleswig-Holstein ist seit Monaten in schwere Finanznöte geraten und steht bereits seit Wochen als erster Absteiger fest. Der HSV verzichtete bei diesem „Retter“-Spiel auf seine Gage, trat aber auch ohne den neuen Kapitän Rafael van der Vaart, ohne Rene Adler und Heiko Westermann an. Zudem fehlten jene Spieler, die morgen in Norderstedt für die Zweite um Regionalliga-Punkte gegen Weiche Flensburg kämpfen sollen.
Jaroslav Drobny führte die Mannschaft als Kapitän auf das Feld – in Halbzeit zwei war Marcell Jansen der Mann mit der Binde. Das Spiel begann rekordverdächtig mit einem Paukenschlag. Noch ehe es sich der Tscheche im HSV-Tor so richtig „gemütlich“ gemacht hatte, hieß es schon 0:1. Trotz der Tatsache, dass der HSV Anstoß hatte! Vom Punkt wurde die Kugel zurückgespielt auf Lennard Sowah, und der leistete sich „ein Ding“ wie es kürzlich bei Mainz gegen Werder zu sehen war. Da hieß es auch nach elf Sekunden 1:0, diesmal an der Lohmühle auch. Sowah „verdaddelte“ amateurhaft, Mustafa Zazai, der kürzlich ein Probetraining beim HSV (Rodolfo Cardoso) absolviert hatte, schoss ein. Immerhin hielt sich Sowah, einst ein „Wunder-Einkauf“ des Fast-HSV-Sportchefs Urs Siegenthaler, vor Scham die Hände vor das Gesicht . . .
Zehn Minuten später hieß es aber bereits 1:1; Tolgay Arslan hatte aus zwölf Metern abgezogen. Und für die Pausen-Führung des HSV sorgte Petr Jiracek in der 41. Minute, die Vorarbeit dafür hatten Per Ciljan Skjelbred (starker Pass) und Dennis Diekmeier (gute Flanke) geleistet, dessen Flanke verwandelte der Tscheche aus sechs Metern direkt.
Zum zweiten Durchgang brachte Trainer Thorsten Fink mit Artjoms Rudnevs eine zweite Spitze (neben Beister), aber die erste Groß-Chance hatte der VfB. Sirmais lief allein auf den eingewechselten HSV-Torwart Sven Neuhaus zu, doch der Keeper rettete mit einer großartigen Parade (65.).
In der 76. Minute wurde Heung Min Son von Hasanbegovic gelegt, Dennis Aogo verwandelte den fälligen Elfmeter zum 3:1 (76.). Für den 4:1-Endstand sorgte Son (nach Pass von Rincon) in der 88. Minute.
Das Spiel riss nicht wirklich von den Sitzen, auf einem braunen und holprigen Rasen hatten es beide Mannschaften schwer, die Kugel zu kontrollieren.
Mir gefielen, wenn man das nach einem solchen Spiel überhaupt schreiben darf, Tolgay Arslan (in der Reihenfolge), Per Ciljan Skjelbred und Marcell Jansen, in der zweiten Halbzeit gefiel mir Dennis Aogo und Sven Neuhaus.
Der HSV begann in Lübeck mit:
Jaroslav Drobny; Dennis Diekmeier, Michael Mancienne, Lennard Sowah, Marcell Jansen; Tomas Rincon, Milan Badelj; Per Ciljan Skjelbred, Tolgay Arslan, Petr Jiracek; Maximilian Beister.
Zur der zweiten Halbzeit wurden eingewechselt: Sven Neuhaus (für Drobny), Dennis Aogo (für Jiracek), Heung Min Son (für Skjelbred), Artjoms Rudnevs (für Arslan). In der 61. Minute gingen Diekmeier, Badelj und Jansen, dafür kamen Angelo Langer, Dennis Bergmann und Valmir Nafiu.
19.57 Uhr
PS: Das ergänze ich im Hause, nach der Rückkehr aus Lübeck. Deswegen eine Ergänzung, weil ich nach der Pressekonferenz noch eine etwas andere Pressekonferenz gehört habe. Da war vom VfB-Vorstand, der es in dieser Zeit ganz sicher nicht so leicht hat, viel von Dankbarkeit zu hören. Dankbarkeit gegenüber dem HSV. Weil dieses Retter-Spiel dem VfB ungefähr 130 000 Euro in die leere Kasse gespielt hat. Diese Summe brauchten die Lübecker, um im Sommer gut aus der Insolvenz zu kommen. Die Dankbarkeit, die Lübeck dem HSV gegenüber hatte, die war im ganzen Raum, in dem das ablief, zu spüren. Und sie war natürlich auch zu hören. Ich musste schlucken, das gebe ich zu, als ich hörte: “Dass der HSV hier war, dass der HSV, der zurzeit selbst sportliche Schwierigkeiten hat, uns so geholfen hat, das ist nicht nur fantastisch, das werden wir Lübecker dem HSV nie vergessen. Und ich gehe davon aus, dass alle Lübecker dem HSV ganz fest die Daumen drücken, damit es sportlich bald und so schnell wie möglich wieder bergauf geht.”
Und das waren keine Phrasen, die da gedroschen wurden, das war zutiefst ehrlich gemeint.
Wobei es mir sehr Leid tut, dass es mit diesem großen Traditionsverein aus Lübeck so weit gekommen ist. Schade, schade, schade. Und dafür, dass dem Club das Wasser bis zum Halse steht, hat diese Mannschaft, die heute auf dem Feld stand und gegen den HSV gekämpft hat, super gespielt. Dickes Kompliment, wirklich, die Mannschaft darf nur noch Freundschaftsspiele bestreiten, sie steht als Absteiger ja bereits fest – und dann ein solches Engagement – Hut ab! Ich wünsche, wie es Thorsten Fink auch gesagt hat, dem VfB, dass er irgendwann wieder zurückkommen wird – wenigstens Liga drei oder vier. Das muss doch mit einer solchen tollen Stadt möglich sein. Es müsste.
Bei der Gelegenheit: Vielen Dank dem “Matz-abber” und VfB-Fan, der zu mir in die Kabine gekommen war, um mir ein Bier auszugeben. Sorry, dass ich es nicht getrunken habe, aber ich weiß es wirklich zu schätzen. Wirklich, vielen Dank für das Bier.