Archiv für das Tag 'Son'

99,58 Millionen Euro Schulden – und die Folgen

30. Dezember 2013

„Der HSV hat kein Schuldenproblem. Wir haben, wenn überhaupt, ein Liquiditätsproblem.“
HSV-Aufsichtsratschef Manfred Ertel am 11. November auf Hamburg 1

„Unsere Liquidität ist gesichert.“

HSV-Vorsitzender Carl Jarchow am 14. November im Hamburger Abendblatt

„In der bestehenden Struktur können die hohen Schulden den HSV ins Verberben reißen.“

HSV-PLUS-Homepage

Es gibt diese und eine Reihe weiterer Aussagen rund um den HSV, die sich mit der wirtschaftlichen Lage des Vereins beschäftigen. Drei Mal in Folge tiefrote Zahlen, daran hat der Verein zu knabbern. Für diese Saison arbeiten die Verantwortlichen daran, eine schwarze Null hinzuzaubern. Wird es ihnen gelingen? Ist das nur ein Zwischentief? Oder steckt der HSV viel tiefer in der Tinte, als die Offiziellen es zugeben wollen?

Die gerade veröffentliche Bilanz des Geschäftsjahres 2012/13 gibt allen Kritikern und Skeptikern recht. Genau genommen sind die Zahlen verheerend. Wir sind hier bereits ausführlich auf die Zahl unter dem Strich eingegangen. 9,8 Millionen Minus erwirtschaftete der HSV in der vergangenen Saison. Der Betrag wäre auf 22,2 Millionen Euro gestiegen, wenn nicht noch ein neuer Vertrag mit dem Vermarkter „Sportfive“ geschlossen worden wäre.

Absolut legitim, dieser Vermarktervertrag. Genauso legitim wie das Erzielen einer Ablösesumme für einen Spieler oder das Geld, das ein potenter Sponsor gibt. Aber es bleibt dabei: aus seinem laufenden Geschäft hat der Verein 22,2 Millionen Euro zu wenig erwirtschaftet, um die Kosten zu decken. Ein Alarmsignal. Als im Frühjahr einmal darüber berichtet wurde, dass der HSV mit einem entsprechenden Minus von etwa 24 Millionen kalkuliert, wurde diese Berichterstattung vom HSV-Vorstand kritisiert. Nun haben wir schwarz auf weiß, dass die Zahl so ziemlich den Tatsachen entsprach.

Aber kommen wir zu den einzelnen Zahlen oberhalb des Strichs. Auffällig in der Aufstellung von Erträgen und Aufwendungen ist, dass der HSV unverändert hohe Einnahmen hat. Spielerträge, Werbeerträge, TV-Rechte – hier gab es überall leichte Steigerungen, so dass der HSV 145,4 Millionen Euro eingenommen hat – gegenüber 141,1 Millionen in der Saison zuvor.

Doch dagegen stehen die erheblichen Aufwendungen, die nicht zu decken waren, nun schon zum dritten Mal in Folge. Im Vorstandsbericht werden dafür Gründe genannt. Die Transfersummen, die Ende August 2012 aufgewendet werden mussten (van der Vaart und Jiracek), bilden demnach den größten Teil.
Die Besorgnis erregende Zahl schlechthin verbirgt sich in der HSV-Konzernbilanz bei den „Passiva“. Unter Punkt D. Verbindlichkeiten wird ein Betrag von 99,58 Millionen Euro ausgewiesen. Der HSV hat fast 100 Millionen Euro Schulden! Aus dem ursprünglichen Stadionvertrag sind dabei nur noch 31 Millionen abzutragen. Der Rest setzt sich aus weiteren Schulden zusammen, und es ist schwer abzusehen, wie die abzutragen sein sollen. Als Bert van Marwijk vor einigen Jahren das erste Mal in der Bundesliga war, bei der verschuldeten Borussia aus Dortmund, äußerte er einmal seinen Unglauben darüber, dass der Club 100 Millionen Euro Schulden haben soll. Nun ist er in Hamburg – neuer Verein, altes Spiel.

Die Verbindlichkeiten des HSV sind im Einzelnen genannt. Gegenüber Kreditinstituten sind es 42,1 Millionen (Stadionkredit zuzüglich eines weiteren Kredits für Umbauten), 24,1 Millionen aus Lieferungen und Leistungen (Transfers), sonstigen Verbindlichkeiten von 15 Millionen (hierin ist auch der Acht-Millionen-Kredit von Unternehmer Kühne für Rafael van der Vaart enthalten) sowie der Campus-Anleihe mit 18,2 Millionen.

In diesem Zusammenhang ein kurzer Exkurs zum Campus. Die Planungen für dieses Nachwuchszentrum laufen weiter, auch wenn der Spatenstich noch auf sich warten lässt. Bis Mitte Januar läuft zunächst noch die Ausschreibungsfrist für die Bau-Unternehmen. Ende März, so die aktuelle Planung des HSV, sind dann entsprechende Verhandlungen abgeschlossen, die Verträge mit dem General-Unternehmer werden unterzeichnet. Geht alles glatt, dann wird ab Mitte des Jahres gebaut.

Parallel laufen die Verhandlungen mit der Stadt, es geht um den Erbbaurechtsvertrag für das Grundstück. „In den Verhandlungen mit der Stadt Hamburg und den betroffenen Behörden und Ämtern besteht Einigkeit in wesentlichen Detailfragen”, teilte der HSV seinen Anleihen-Zeichnern mit.

Hier sind nun ein paar neue Zeichnungen, zur Verfügung gestellt von der ECE, die die Planungen für den HSV gemacht hat (bitte draufklicken, dann werden die Bilder größer). Auf einer Info-Veranstaltung für HSV-Mitglieder vor einigen Wochen war die Beteiligung unverhältnismäßig kläglich. Daher die Idee, hier zumindest ein bisschen von dem Projekt darzustellen. Immerhin handelt es sich (nach dem Stadion) um das zweitgrößte Bauprojekt in der Vereinsgeschichte.

Visual HSV Campus

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Im Jahr 2015, so der momentane Stand, soll der „Campus” mit Leben gefüllt werden. Klar, solange dort keine Steine und Bagger zu sehen sind, muss sich der HSV auch dem Vorwurf ausgesetzt sehen, dieses Projekt zur Liquiditätssicherung zu benutzen. Am Ende aber bleibt es dabei: der Verein ist verpflichtet, jeden Cent, den er durch die Anleihe eingenommen hat, auch für den „Campus” zu verwenden.

Parallel soll dann der gesamte Volkspark vom Erlebniswert aufgewertet werden. Denn es gibt ja den Einwand, dass in dem HSV-Internat zwar junge Fußballer bestens betreut werden können, ihnen drumherum aber wegen fehlender Infrastruktur aber nichts geboten wird. Keine Geschäfte, schlechte Anbindung ans öffentliche Bahn- und Busnetz – (fast) nur der Park. Immerhin haben sich Stadt und HSV dieses Thema auf die Fahnen geschrieben.

Wie viel der HSV am Ende zurückzahlen muss für seine Anleihe, ist offen. Es ist realistisch vorherzusagen, dass eine große Gruppe der Anteils-Zeichner auf Rückzahlung verzichten wird – und lieber die Schmuck-Urkunde daheim an der Wohnzimmerwand hängen lassen wird. Für genaue Zahlen ist es aber noch zu früh.

Jedenfalls, um auf die Verbindlichkeiten zurückzukommen, ist es die Zahl von knapp 100 Millionen Euro, auf die Otto Rieckhoff und seine Partner von „HSV-PLUS“ hinweisen, wenn sie die Entschuldung des Vereins ansprechen. Ein oder mehrere strategische Partner, so die Theorie, sollen auf einen Schlag zur Entschuldung beitragen und damit wieder Handlungsspielraum schaffen.

Denn gerade dieser Handlungsspielraum ist extrem eingeschränkt. Wir hören es immer wieder – zuletzt durch Trainer van Marwijk oder Sportchef Oliver Kreuzer. Beide weisen mit Blick auf die aktuelle Finanzlage jeden Gedanken, im Winter sportlich nachzurüsten, von sich. Dabei wäre es sportlich durchaus geboten.

In einer Finanzanalyse hat Marco Mesirca ( www.offensivgeist.de ) sich die Zahlen des HSV aus den vergangenen Jahren zur Brust genommen. Er spricht in seiner umfassenden Untersuchung von einer „erheblichen finanziellen Instabilität“ des HSV. Und dabei hat er die Zahlen von 2012/13 noch nicht einmal eingerechnet.

Höhere Einnahmen wären zum Beispiel zu generieren aus dem internationalen Fußball. So ist es dem Verein zwischen 2000 und 2010 immer wieder gelungen. Auch in diesem Zeitraum war der HSV wirtschaftlich nicht auf Rosen gebettet, konnte seine hohen Kosten aber fast jedes Jahr decken und eine positive Bilanz aufweisen. „Der sportliche Stellenwert des Traditionsclubs ist weit gesunken“, sagt nun Marco Mesirca. „Der Club spielt nur noch national eine Rolle, die allerdings zunehmend an Bedeutung verliert.“ Zu dieser Einschätzung ist kein weiterer Kommentar notwendig.

Auch in den Jahren unter Bernd Hoffmann hatte der HSV häufig einen „nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag“ in der Bilanz. Dies ist eine weitere Schlüsselstelle der aktuellen HSV-Zahlen. Unterschied zwischen Gegenwart und Vergangenheit: früher konnte dieses Defizit durch Transfereinnahmen und Europapokal geschlossen werden. Das ist im Moment kaum möglich. Der HSV bleibt in den Miesen. Bei 17,1 Millionen Euro steht der Fehlbetrag am Stichtag 30. Juni 2012 – etwa doppelt so hoch wie im Vorjahr.

Neben dem vereinseigenen Stadion hat der HSV vor allem Spielerwerte auf der „Aktiva“-Seite. 37 Millionen waren es laut Bilanz in der Vorsaison. Wenn wir den Schritt in die aktuelle Serie wagen, dann ist dieser Wert um Son zu reduzieren und um Calhanoglu und Tah zu erhöhen. Somit landen wir vielleicht bei 40 Millionen – gut geschätzt. Wobei Spieler wie Rene Adler oder Rafael van der Vaart, fürchte ich, derzeit keinen hohen Marktwert besitzen. Mit anderen Worten: Was seine Rücklagen und Werte angeht, kann der HSV keinesfalls aus dem Vollen schöpfen.

Man könnte das Spiel jetzt weitertreiben und noch mehr Zahlen heraussuchen, die exemplarisch zeigen, wie der HSV kämpfen muss. Entscheidend ist nun aber auch, den Blick nach vorn zu richten. Kann sich der HSV aus der aktuellen Umklammerung befreien? Was ist dazu notwendig?

In der laufenden Saison kann der Verein zumindest mit noch höheren Einnahmen aus den Fernsehgeldern rechnen (mehr als zehn Millionen Euro), außerdem schlägt der Verkauf von Heung Min Son nach Leverkusen (davon erhielt der HSV knapp acht Millionen Euro) dick zu Buche. Das bedeutet, dass die Bilanz 2013/14 von Haus aus nicht annähernd so schlecht ausfallen wird die die vorige. Zubrote wie das Erreichen des Viertelfinales im DFB-Pokal inklusive.

Bleibt die hohe Kostenseite, die Abfindungen für Thorsten Fink und Frank Arnesen, die nach wie vor hohen Personalkosten, die im Winter durch die Abgabe hier schon so häufig genannter Spieler verringert werden sollen. Dummerweise reduziert das die Schulden noch nicht nennenswert. Wie gesagt: die Erfahrung hat gezeigt, dass dies insbesondere durch die Teilnahme am internationalen Geschäft gelingen kann. Leider, leider ist das nur Wunschdenken.

Der HSV befindet sich mit seiner finanziellen Lage in großer Nähe zu Werder Bremen. Auch in Bremen blieben die Kosten noch lange auf Europapokal-Niveau, während sich die Mannschaft davon schon einige Zeit verabschiedet hatte – allerdings nur was den sportlichen Erfolg, nicht aber das Gehalt anging. Ein schwacher Trost ist dies allerdings für den HSV.

Für den 19. Januar gibt es aus diesen Zahlen zwei Möglichkeiten. Entweder dem HSV in seinen Strukturen trauen, auf langen Atem und die Jugend setzen. Und darauf vertrauen, dass es dieses Jahr gutgeht mit dem Klassenerhalt. So wie vor zwei Jahren. Denn klar ist nach dieser Hinrunde: vor Sommer 2015 wird es garantiert keinen internationalen Fußball mit entsprechenden Mehr-Einnahmen geben. Bei der aufklaffenden Lücke zwischen den Spitzenvereinen der Bundesliga und dem Dino aus Hamburg ist sogar mit einer noch längeren Durststrecke zu rechnen. Alles andere ist Augenwischerei. Durchhalten, HSV?

Oder der HSV wagt die Veränderung und die Ausgliederung. Wobei: was ist das größere Wagnis? Sich aufmachen zu neuen Ufern, noch nicht genau abschätzend, wie weit es bis dahin ist – oder einfach abwarten und auf die Selbstheilungskräfte bauen?

Aus welchem Holz sind die HSV-Mitglieder mehrheitlich geschnitzt?

Zum Tagesaktuellen: Ricardo Moniz, 2010 für einige Spiele Trainer des HSV, ist ein heißer Kandidat auf die Nachfolge von Mirko Slomka als Coach von Hannover 96. Sportdirektor Dirk Dufner bestätigte Kontakte mit dem 49 Jahre alten Niederländer.

Und der “kicker” hat seine Halbjahres-Bewertungen vorgenommen. Bei Torhütern, Innen- und Außenverteidigern taucht nur ein Name auf vom HSV: Marcell Jansen auf Platz fünf der Außenverteidiger. Torwart Rene Adler schaffte es nicht unter die ersten elf, die ordentlich bewertet wurden. Bei den Innenverteidigern hätte, so meine ich, Jonathan Tah es verdient gehabt, zumindest “Im weiteren Kreis” Erwähnung zu finden. Hat er aber nicht.

Ich wünsche Euch einen guten Rutsch ins neue Jahre. Ich hoffe, wir schreiben hier am Jahresende 2014 über einen anderen, einen besseren Hamburger Sport Verein.
Lars

Jetzt spricht auch Kreuzer Tacheles!

15. Dezember 2013

Was macht eine Mannschaft, die vor dem Anpfiff weiß, dass sie nach dem Schlusspfiff schnell duschen muss, um in den Flieger nach Marokko zu kommen, wo nun die Club-Weltmeisterschaft gespielt wird? Sie lässt es geruhsam angehen, denn niemand möchte sich jetzt noch verletzen, um dann vielleicht nur zu Hause bleiben zu müssen. Und so hat der FC Bayern gegen den HSV gespielt. Möglichst nicht viel Nachspielzeit, ab unter die Dusche, mit nassen Haaren zum Flughafen – und ab. Dass in den Minuten zuvor der HSV quasi im Schongang mit 3:1 besiegt wurde, war nur ein Randaspekt. Beim Verlierer sah das schon ganz anders aus. Platz 13. Da zählt dann jedes Pünktchen. Und deswegen war der Ärger bei Trainer Bert van Marwijk auch nicht gerade klein. „Ich ärgere mich, ganz klar, denn hier war mehr drin“, sagte der Niederländer. Und ich weiß nicht, ob er die Situation da nicht ein wenig verkennt. Es sah so aus, als sei mehr drin gewesen für den HSV, aber sah das nicht vor allem deswegen so aus, weil die Bayern wie im Training spielten? Wenn das schiefgegangen wäre, dann wären mit Sicherheit Ribery und Alaba schnellstens eingewechselt worden. Ich denke, dass wenn der HSV aufgedreht hätte, so richtig aufgedreht hätte, um einen Punkt zu ergattern, dann hätten auch die Bayern aufgedreht. So aber spulten sie ihr Pensum so herunter, dass es zum Dreier langte – ohne einen Verletzten. Und auf nach Marokko.


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Bayern-Trainer Pep Guardiola gab dann auch nach dem 3:1-Sieg über den HSV zu: „Nach der Champions League-Niederlage gegen Manchester City haben die Spieler diese Periode mit der Club-WM in Marokko und dem Urlaub vielleicht schon im Kopf gehabt. Aber wir hatten noch diesen Klassiker gegen den HSV zu spielen. Es war heute schwierig. Es ist immer schwierig nach Champions-League-Spielen.“ Auch Bayerns Sportchef Matthias Sammer nörgelte (ein wenig?), indem er sagte: „Ich glaube, dass wir uns zum Abschluss des Jahres noch einmal steigern müssen, sowohl im Kopf als auch in den Füßen. Es kann doch nicht sein, dass wir das 1:2 bekommen und dann noch um den Sieg zittern müssen . . .“

Ja, so gab es schon das eine oder andere lange Gesicht auf Bayern-Seite. Sie hätten wohl doch ganz gerne mehr Tore für sich gesehen. Dadurch aber kam es zur kuriosen Situation, dass beide Seiten mit leicht gesenkten Köpfen umher rannten. „Hier war mehr für uns möglich, aber uns hat die letzte Überzeugung gefehlt. Ich bin deshalb unzufrieden und ärgere mich. Es ist ein anderer Ärger, als der nach dem 0:1 gegen Augsburg, aber es ist Ärger. Diesmal bin ich böse über das Ergebnis“, sagte Bert van Marwijk. Torchancen hatte der HSV genug, so gesehen wäre „rechnerisch“ allemal ein Unentschieden drin gewesen. Das wusste auch HSV-Torjäger Pierre-Michel Lasogga, der auch gegen die Bayern traf – bereits sein neuntes Saisontor: „Die Münchner haben ihre Chancen eiskalt genutzt, wir leider nicht.“ Treffer!

Noch verärgerter als der Trainer schien aber der Sportchef zu sein. Oliver Kreuzer gab nach der Niederlage ähnlich viel Gas, wie sein Trainer am vergangenen Wochenende, als er in der Pressekonferenz Tacheles sprach. Kreuzer sagte: „Unsere Mannschaft muss lernen, Woche für Woche ans Limit zu gehen, das muss in die Köpfe der Spieler rein. Mit angezogener Handbremse zu spielen und ein bisschen dominant zu sein, das geht nicht. Dazu reicht unsere Qualität einfach nicht aus.“

Das stimmt zwar, aber angezogene Handbremse? Damit war an diesem Sonnabend doch nur der FC Bayern unterwegs. Ich habe beim HSV keine angezogene Handbremse gesehen, im Gegenteil, die Spieler sind endlich einmal so richtig zur Sache gegangen – wenn es darum ging, das Tor zu verteidigen. Kreuzer hatte damit auch nicht den Auftritt des HSV-Teams in München gemeint. Er kritisierte nur allgemein. Und fügte erklärend an: „Das Spiel gegen die Bayern war besser, als das Spiel gegen Augsburg letzte Woche.“ Natürlich. Schlechter ging es ja auch nicht mehr. „Spiele bei den Bayern sind nicht die, die wir gewinnen müssen, wir müssen unsere Heimspiele gewinnen, da müssen wir unsere Hausaufgaben machen. Da müssen wir über die Leidenschaft und das Engagement kommen, das machen uns Vereine wie Augsburg, Freiburg oder Braunschweig vor.“ Auch das stimmt. Er hätte aber auch noch Mainz 05 in diesen Kreis mit aufnehmen können, und dieser „Karnevals-Verein“ kommt nun am Sonnabend in den Volkspark. Da ist dann wieder eine Partie wie die gegen Augsburg zu erwarten . . .

Oliver Kreuzer forderte vielleicht auch genau deshalb rechtzeitig die HSV-Profis dazu auf, „an ihre Grenzen zu gehen“. „Denn“, so der Sportchef weiter, „wir dürfen nicht glauben, dass wir der große HSV sind.“ Auch das ist natürlich Tatsache. Und ich freue mich, dass das nun auch nicht nur von den Club-Verantwortlichen erkannt worden ist, sondern endlich auch einmal schonungslos ausgesprochen wird. Vom „großen HSV“ ist doch seit Jahr und Tag nichts mehr zu sehen. Auch deswegen war dieses „magere“ 1:3 gegen die Bayern wie eine Art Hoffnungsschimmer. Ich nenne es ja die „neue Bescheidenheit des HSV“, dass man in Hamburg schon froh ist, nicht schon wieder eine Klatsche eingefahren zu haben. So ändern sich die Zeiten. Aber diese guten alten Zeiten sind ja nun auch schon so runde 30 Jahre her, fast ein halbes Leben . . .

Und daran wird sich auch so schnell nichts mehr ändern. Wer als HSV-Anhänger davon träumt, dass es in der in einer Woche beginnenden Winterpause den einen oder anderen neuen Spieler geben könnte, der irrt gewaltig. Oliver Kreuzer jedenfalls stellte diesbezüglich schon mal die Ampel auf Rot: „Wir können im Prinzip nichts machen, das weiß auch der Trainer. Dementsprechend haben wir auch keine Wintertransfers geplant.“ Wobei es natürlich noch immer einige Spieler gibt, die dringend verkauft werden sollen – aber auch das ist ja nichts Neues, daran hat man sich in Hamburg schon lange, lange gewöhnt. Etwas abgeschwächter war zu diesem Thema die Aussage des Trainers. Bert van Marwijk bekannte, dass man „in der kommenden Woche über die Rückrunde reden“ wolle, doch der Coach macht sich wohl nicht allzu große Illusionen: „Ich weiß, dass in Hamburg finanziell nicht viel möglich ist.“ Naja, die einen sagen so, die anderen sagen so . . . Es gibt ja immer noch kluge Leute, die nichts von einem „klammen HSV“ wissen wollen. Immer noch gibt es sie. Obwohl – das kann doch eigentlich gar nicht sein. Wo doch noch die Ablösesummen von einst, die von Rafael van der Vaart, Nigel de Jong, Vincent Kompany . . . Nee, lassen wir das.

Zur Kreuzer-Schelte, das fällt mir just ein, passt geradezu herrlich, was der frühere HSV-Profi Markus Babbel heute im Doppelpass von „Sport1“ gesagt hat – über seinen früheren Verein: „Der HSV ist ein sagenhaft toller Verein mit unglaublichen Fans, aber sie schießen sich immer wieder selbst ins Knie. Wenn man das Gefühl hat, es läuft, kommt wieder irgendeiner und erzählt etwas, um sich in den Vordergrund zu spielen. Es gibt für mich kein Miteinander im Verein, sondern nur ein Gegeneinander. Wenn es gut läuft, will jeder derjenige sein, der dafür verantwortlich ist; und wenn es schlecht läuft, sucht man immer einen Schuldigen, der es aushalten muss – das ist eigentlich schade.“

Naja, auch daran haben wir uns doch schon lange gewöhnt, würde ich sagen.

Einer, der sich nicht so richtig dran gewöhnen will, ist offenbar Marcell Jansen. Der Nationalverteidiger gibt nicht nur im Spiel mächtig Gas, sondern auch danach – verbal. „Wir hatten gegen die Bayern dreimal so viele Tormöglichkeiten wie zuletzt gegen den FC Augsburg, da müssen wir uns hinterfragen, wieso das so ist. Wir müssen uns nach diesem 1:3 auch ankreiden, dass wir in der zweiten Halbzeit nicht frecher waren.“ Jansen weiter: „Bei uns ist diese Art von Zufriedenheit das Schlimmste. Nun müssen wir gegen Mainz gewinnen, sonst geht es noch einmal ein, zwei Plätze weiter nach hinten, und dann ist nicht mehr viel . . .“ Genau. Dann kommen schon bald Freiburg, Nürnberg und Braunschweig . . .

Aber immerhin, und das wäre mein Fazit von München, hat der HSV gezeigt, dass er die Zeichen der Zeit verstanden hat. Bert van Marwijk hat erkannt, von Tag zu Tag mehr, woran es beim HSV hapert, und er hat einiges davon nun öffentlich angeprangert. Das lässt hoffen, und es hat gezeigt, dass auch die Spieler verstanden haben. Ich hoffe es jedenfalls. In München aber haben sie sich gewehrt, da haben sie endlich gebissen und sind zur Sache gegangen. So, wie sagte es Oliver Kreuzer, so wie Freiburg, Augsburg und Braunschweig. Genau das wollen sie hier in Hamburg sehen. Schlecht spielen, das hat einst so mancher Trainer von sich gegeben, schlecht spielen kann man immer einmal (oder auch zwei- und dreimal), aber man kann in jedem Fall immer kämpfen. Ist das der Fall, dann wird (einer so jungen Mannschaft) auch das eine oder andere schlechte Spiel verziehen. Mit ihrem Auftritt in München hat der HSV bewiesen (allen voran Pierre-Michel Lasogga, Tomas Rincon, Jacques Zoua), dass es geht, dass man durchaus in der Lage ist, Kampfgeist zu entwickeln. Daran werden die Spieler nun auch im Heimspiel gegen Mainz gemessen. Und nicht nur in diesem Spiel . . .

So, ich habe fertig (für den dritten Advent). Morgen, am Montag, ist kein Training angesetzt, am Dienstag geht es um 15 Uhr an der Arena weiter.

Zwei kleine Randnotizen möchte ich dennoch schnell loswerden.

Wir erinnern uns wohl alle, das klare Abseitstor von Hannover 96 gegen den 1. FC Nürnberg, der sonst wohl seinen ersten Saisonsieg eingefahren hätte. Nach dem Spiel sagte 96-Sportchef Dirk Dufner: „Es war irregulär, aber das ist mir jetzt egal.“
Natürlich. In Nürnberg sind sie immer noch erbost und entsetzt. Und beim nächsten Mal, wenn Hannover 96 benachteiligt wird, dann wird Dufner ganz sicher anders argumentieren, als zu sagen: „Es war irregulär, aber das ist mir jetzt egal.“
So ist Fußball, das ist der Fußball.

Und dann noch dies: Der Augsburger Andre Hahn schoss gegen Braunschweig zwei Tore und bringt es nun, als bester FCA-Schütze, auf insgesamt sechs Saisontreffer. Ich schreibe es nur, weil wir nicht immer nur an Heung Min Son (der zurzeit mit Leverkusen spielt) denken sollten, oder an Erik-Maxim Choupo-Moting oder Änis Ben-Hatira. Hahn ist 23 Jahre jung und versuchte sich einst auch beim HSV. Er kam im Sommer 2010 vom FC Bremerhaven, spielte bei der „Zweiten“ und ging nach einem halben Jahr zum FC Oberneuland. Durchgefallen? Durchgefallen! Und nun schießt er in Liga eins seine Tore. Für die Augsburger, die immer besser werden. Mit ihrer No-name-Truppe.

Wer jetzt genug hat, sollte bitte abschalten, jetzt kommt etwas “Ein-” oder “Hausgemachtes”.
Ich habe noch einen Leserbrief, den ich gerne an die Leserschaft weitergeben möchte. Der Absender dieser Zeilen ist bekannt, ich möchte ihn dennoch vor etwaigen Anfeindungen schützen und verschweige den Namen vorsichtshalber. Die Zeilen aber sind lesenswert und regen (vielleicht) zum Nachdenken an:

Hallo,

als erstes möchte ich mich beim Hamburger Abendblatt und insbesondere bei den Verantwortlichen für den HSV-Blog bedanken!!!! Falls machbar leiten Sie bitte diese Zeilen an sie weiter. Was ich am Blog aber unsäglich finde, sind ein Großteil der Kommentare. Aber das lässt sich in der heutigen Zeit leider nicht vermeiden, es ist wahrscheinlich zu einfach (oder feige) anonym irgendwelchen Mist von sich zu geben. Bitte nehmen Sie diesen Mist nicht so persönlich, auch wenn sich das leicht sagen lässt, immerhin sind das ihre direkten „Kunden“ und das einfach nicht zu beachten, geht auch nicht. Ich gehe diesen Weg über eine Mail, da ich kein Interesse daran habe, mich an diesen social media Diensten – und dazu gehört auch der Blog – zu beteiligen. Ich lese den Blog seit über 2 Jahren jeden Abend, natürlich und erst recht auch im Urlaub.

Ich finde es absolut richtig, dass Sie in der „Strukturdiskussion“ alle Beteiligte zu Wort kommen lassen, nur so lässt sich ein umfassendes Urteil bilden. Denn die Struktur ist die absolut entscheidende Frage für die Zukunft des HSV. Was in der Diskussion übersehen wird, ist die Tatsache, dass erfolgreich handelnde Personen – für den Aufsichtsrat und davon abhängig auch für das Präsidium – nur bei professionellen Strukturen gefunden werden können. Bei den aktuellen Rahmenbedingungen – und dazu zählt insbesondere die aktuelle Wahl der Aufsichtsratsmitglieder durch die Mitgliederversammlung – treten doch erfolgreiche Personen gar nicht mehr an. Es zählt doch nicht mehr die soziale, wirtschaftliche oder sportliche Kompetenz, sondern nur noch die vermeintliche Fannähe und das möglichst seit der Kindheit. Keine bedeutende Persönlichkeit tut sich eine solche Mitgliederversammlung an! Die meisten Mitglieder des Aufsichtsrat haben noch nicht einmal eine der eben genannten Kompetenzen. Wenn man die Bayern mit dem HSV vergleichen will, reicht doch nur ein Vergleich des Aufsichtsratsvorsitzenden (obwohl der aus Bayern einen ganz großen Fehler gemacht hat). Hr. Ertei versteht noch nicht einmal, dass er nicht mehr als einfaches Mitglied agieren kann, das ist nur noch peinlich und sagt alles. Das ein Unternehmen vom Kopf anfängt zu stinken, ist auch nichts Neues und hat deshalb Einfluss auf den Gesamtverein, insbesondere auf das Präsidium (obwohl Hr. Kreuzer einen guten Job macht).

Das Ganze ist nur entstanden durch die machtbewussten Supporters, die sich maßlos überschätzen und deren persönlichen Interessen eindeutigen Vorrang gegenüber dem Wohl des HSV haben. Solange die nicht gebrochen wird (und dafür ist die Quote sehr hoch), wird der HSV auch in den nächsten 30 Jahren noch erfolglos bleiben.

Ich selbst habe Gott sei Dank die erfolgreiche Zeit des HSV in den 70- und 80-iger Jahren erlebt und hatte bis vor 2,5 Jahren eine Dauerkarte und war auch HSV-Mitglied. Als aber die Supporters Hr. Hoffmann gestürzt haben, war für mich Schluss und ich bin bei den Supporters ausgetreten. Nicht dass ich ein überzeugter Anhänger von Hr. Hoffmann bin, aber er hat schon eine ganze Menge richtig gemacht. Der HSV hat es nur zugelassen, über einen langen Zeitraum ohne sportliche Kompetenz zu agieren und das rächt sich noch immer. Schneller konnte man das Geld nicht verbrennen.

Nochmals vielen Dank für Ihre Arbeit, weiter so und bitte sich nicht so viele Dinge sich zu Herzen nehmen. Wobei man als Außenstehender das sehr leicht sagen kann. Mir war es mit der Mail nur wichtig einmal darauf hinzuweisen, dass die vermeintlich völlig unterschiedlichen Themen Struktur und personelle Kompetenz sehr wohl zusammenhängen und sich dies – wie von den Supporters behauptet wird – nicht trennen lässt.

Mit freundlichen Grüßen, M.

Dazu gab es wieder etliche Mails, die ich als „Irrläufer“ bezeichne, denn sie landen in jenem „Postfach“, das einst eingerichtet wurde, um das „Matz-ab“-Gewinnspiel abzuwickeln. Ich wiederholen diese Bitte immer und immer wieder: Bitte schreibt Eure Mails nicht an dieses (eigentlich) stillgelegte Postfach, sondern entweder ans Abendblatt (es wird mir weitergeleitet!) oder an die Moderatoren von „Matz ab“. Es ist in Eurem Interesse, denn sonst verkümmern viel vielleicht sehr gut gemeinte Mails im „dunklen Keller“, wo sie niemand ansieht und auch niemand findet.

17.32 Uhr

Van Marwijks großes Dilemma: Der HSV muss Risiko gehen

10. November 2013

Es ist eigentlich eine einfache Rechnung: Bekommst Du mehr Gegentore als du selber schießt, verlierst Du. Und hat eine Mannschaft nach 12 Spieltagen rekordverdächtige 29 Gegentreffer, hat sie zwei Probleme: Eines mit der Tabelle und ein großes mit der eigenen Defensive. „Unsere Innenverteidiger waren stark in der Luft, auch deshalb sind wir überhaupt zurückgekommen“, lobte Trainer Bert van Marwijk gestern nach dem Spiel die Jonathan Tah (17) und Lasse Sobiech (21). An den beiden, die mit durchschnittlich 19 Jahren die jüngste Innenverteidigung der gesamten Liga stellen, lag es tatsächlich nicht, dass der HSV zum fünften Mal drei oder mehr Gegentore pro Spiel kassierte. „Wir haben zuletzt einige Male sehr unglücklich Punkte liegengelassen. Gegen Leverkusen nicht. Das haben wir uns selbst angetan. Solche Fehler sind für mich schwer zu akzeptieren. Ich habe in meiner gesamten Laufbahn auf so einem Niveau noch nie so viele einfache Fehler gesehen. Das kann man nicht wegtrainieren.“

Stimmt. Der HSV hatte bei den sehr spielstarken Leverkusenern sogar mehr Ballbesitz (52 %). „Und wir haben nicht einmal top gespielt“, so van Marwijk, der das als positiv betrachtet: „Das zeigt, dass die Mannschaft sich entwickelt“, so der Coach, der anschließend erklärte, weshalb er dennoch an der bisherigen Marschroute festhält. „Wer weniger Fehler machen will, muss tiefer stehen, mehr verteidigen und lange Bälle schlagen. Aber das will ich nicht. Ich weigere mich, Zufallsfußball zu spielen.“ Soll heißen, van Marwijk setzt weiter auf technische Qualität und geht hohes Risiko. Und das weiß er auch: „Ich verstecke mich nicht dahinter, das die Mannschaft sehr jung ist. Aber sie ist es. Und Erfahrungen mache ich nur, wenn ich Erfahrungen sammele. Dafür muss man Fehler machen. Das ist mein Dilemma.“ Aber da geht er durch.

Und ich bin geneigt, den Weg mitzugehen, so sehr mich die Gegentore auch ärgern. Besonders in der Anzahl. Weil ich glaube, dass sich der HSV gerade spielerisch entwickelt. Ein Plus an Ballbesitz in der BayArena hatte zuvor nur der FC Bayern. Und vorn ist man wieder richtig gefährlich. Dank Lasogga im Allgemeinen, van der Vaarts Pässen, Calhanoglus Schusstechnik (gestern kam das deutlich zu kurz) und Maxi Beister (er hat mit vier Toren jetzt schon eins mehr als letzte Saison), insgesamt immer selbstbewusster und torgefährlicher auftritt als in der abgelaufenen Saison. „Mein System ist das, was die Spieler am besten spielen können“, hatte van Marwijk zu Amtsantritt gesagt – und er zieht das durch. „Was wir vorn mehr machen als vorher, das machen wir hinten zu wenig“, schimpfte Kreuzer nach dem 3:5 – und hatte Recht. Van Marwijks Konter: „Wenn man guten Fußball spielen will, macht man Fehler.“

Und genau das ist das Dilemma. Die Schere aus Entwicklung und notwendigen Erfolgen.

Dass dabei aber so krasse Fehlpässe wie Calhanoglus vor den ersten beiden Treffern (Arslan hätte beim 0:1 allerdings auch dem Ball entgegengehen können) oder auch Ilicevic’s Fehler vor dem 2:4 zustandekommen, ist dennoch nicht zu akzeptieren. Das hat nichts mit taktischer Ausrichtung zu tun. „Unglaublich“, schimpfte Sportchef Oliver Kreuzer nach dem 3:5, „wie viele einfache Ballverluste wir hatten. Das ist einfach zu viel. Aus fünf Metern einfach mal dem Gegner in die Füße spielen – so kannst du nicht spielen! Die Gegentore waren zu 80 Prozent Geschenke.“ Stimmt. Sogar genau. Denn nur Sons dritter Treffer, als ihm der Kießling-Schuss von Sobiechs Rücken sehr glücklich vor die Füße prallte, war kein HSV-Fehler. Aber die anderen vier der insgesamt fünf schon.

Auch der letzte Gegentreffer, als ein Spieler unglücklich auftrat, bei dem ich mir tatsächlich Sorgen mache: Rene Adler. Denn der Nationalkeeper ist nicht mehr in der Form der vergangenen Saison. Er hält keine vermeintlich Unhaltbaren mehr (Son hatte drei Torschüsse – drei Tore). Auch gestern nicht. Beim fünften Gegentreffer kommt er zudem falsch raus – klar. Ebenso klar ist mir auch, dass er keinen der vier Gegentreffer zuvor halten muss. Aber genau das hat ihn bisher ausgezeichnet. Adler war eben genau der Typ Torwart, der mal einen rausholt, den alle schon drin wähnen. Das fehlt. Ebenso wie seine Ruhe, die er normalerweise ausstrahlt, wobei das eine das andere durchaus bedingen kann. In Leverkusen war das wie schon gegen Gladbach nicht so. Im Gegenteil. Aber okay, das ist tatsächlich Jammern auf hohem Niveau. Adlers Leistungen sind allemal solide. Aber der Tick Extraklasse Adlers hat dem HSV in der vergangenen Saison entscheidende Punkte gerettet, die jetzt fehlen, gerade in den engen Spielen.

Zwei Wochen hat Bert van Marwijk jetzt Zeit, mit der Mannschaft Defizite abzuarbeiten. Eine Arbeit, die nicht leicht ist und durch die vielen abgestellten Nationalspieler sogar noch schwerer wird. Klar ist indes, dass gegen Hannover am 24. November Tolgay Arslan ob seiner fünften Gelben fehlen wird. Da anzunehmen ist, dass bis dahin Tomas Rincon wieder fit ist, ist von dessen Einsatz auszugehen, was für die Defensivarbeit sicher nicht schlecht ist. Gerade gegen die schnellen Hannoveraner, womit einen weiteren Kritikpunkt anbringen will: diesem HSV fehlt läuferisch zu viel Tempo! Son konnte zwei Abwehrspielern, die innerhalb der Mannschaft noch zu den Schnelleren gehören, sogar mit Ball noch davonlaufen! Und im Mittelfeld hatten Badelj und Arslan gegen die schnellen, aggressiven und echt starken Castro (einer der meistunterschätzten Bundesligaspieler m.E.n.) und den oft tief stehenden Sam nicht nur Probleme, sondern fast immer das Nachsehen hatten. Rechne ich noch einen Calhanoglu auf links und einen Beister auf rechts mit ihren altbekannten Defensivproblemen sowie einen ebenfalls eher langsamen van der Vaart hinzu, ist das Defensivdefizit bei schnellen Gegenangriffen kein Wunder. Allein das zeigt schon, dass ein Rincon gerade jetzt seine Chance verdient hat. Dem Venezolaner, der sich noch immer nicht auf eine Vertragsverlängerung mit dem HSV einigen konnte, bleibt zu wünschen, dass er die Chance nutzt und der Defensive mehr Halt verleiht.

Und, nur damit hier kein falscher Eindruck entsteht, die Kritik ist nicht an den Trainer allein oder einzelne Spieler gerichtet, aber sehr wohl an die, die den Kader geplant haben. Kreuzer hätte (damals mit Fink) mehr Sorge tragen müssen, dem Tempospiel des Gegners etwas entgegensetzen zu können. Die Möglichkeit, dies mit eigenem Ballbesitz dank der technisch zweifellos überdurchschnittlich guten Arslan, van der Vaart und Badelj zu schaffen, ist mehr als Wunsch denn als realitätsnahe Einschätzung zu betrachten. „Was wir nach vorn machen, kriegen wir hinten nicht“, klingt zwar logisch – aber es funktioniert nicht. Nicht bei diesem HSV, der sich auf Platz 14 befindet und zusehen muss, nicht wieder dauerhaft im Abstiegskampf zu stecken.

Meine größte Hoffnung dabei ist (da der Kader nicht verstärkt werden kann), dass nicht alle Gegner so stark sind wie Leverkusen. Hannover beispielsweise wird ein Spiel sein, dass der HSV gewinnen muss. Denn anschließend wartet mit dem VfL Wolfsburg das Team der Stunde. Die VW-Kicker scheinen unter Dieter Hecking langsam mannschaftlich die Qualität auf den Platz zu bringen, die die Summe ihrer individuellen Qualitäten bislang zumindest erahnen ließ. Und anschließend folgen für den HSV mit Augsburg und Mainz zwei Heimgegner, die ebenfalls geschlagen werden müssen. Zumal dazwischen das Gastspiel beim FC Bayern liegt. 17 Punkte aus den letzten sieben Hinrundenspiele hatte Kapitän van der Vaart getippt. Null sind es bislang aus den ersten zwei.
Zwei Wochen hat der HSV, sich wieder zu sortieren, Stärken hervorzuheben und Schwächen zu bearbeiten. Und ich hoffe, dass das funktioniert. Konstantes Abarbeiten von Mängeln ist gefragt, also auch Geduld. Zwei Dinge, die auch für die Jugendarbeit zutreffen. Das habe ich auch gestern gesagt und bekam Schulterklopfer von zwei bekennenden HSV-Traditionalisten. Zunächst freute ich mich über ihre Zustimmung – war ja auch nett von ihnen. Allerdings freute ich mich nur, bis ich nachfragte, warum. Denn als ich die Antwort bekam, dass das auch ihr Weg sei – also in der aktuellen Vereinsstruktur bleiben zu wollen mit lediglich leichten Abänderungen. „Konstant eben“ – da war ich irritiert.

Denn mitnichten halte ich es für richtig, die Strukturen nur leicht abzuändern. Das Gegenteil ist der Fall. Zumal mir Michael Schröder bestätigte, dass die Nachwuchsarbeit finanziell weitere Einstriche hinnehmen musste. In einer Phase, wo oben nicht viel gekauft werden kann auch noch unten zu sparen – das zeigt mir schon, dass in diesem HSV zu wenig Geld aber noch weniger Weitblick vorhanden ist. Aber dazu morgen mehr, wo der HSV trainingsfrei hat und der Aufsichtsratsvorsitzende Manfred Ertel das von ihm initiierte Schweigegelübde zum wiederholten Male nicht bricht. Schließlich ist er sicher als „einfaches Mitglied“ bei „Rasant“ auf HH1 zu Gast. Allein dieser Kindergeburtstag mit dem öffentlich verkündeten, selbst auferlegten und zugleich selbst konterkarierten Maulkorb zeigt mir, dass dieser HSV noch immer auch von Leuten geführt wird, die zuallererst eigene Interessen verfolgen. Hier wurden bewusst Meinungen geblockt, die eben jenen Aufsichtsräten nicht passten, die sich jetzt als „einfache Mitglieder“ auf jeder möglichen Veranstaltung als Traditionalisten und Gegner von „HSVPlus“ präsentieren. Hier wird fleißig und einseitig Politik gemacht. Und das ist schwach. Ganz sicher sogar noch deutlich schwächer noch als die HSV-Defensive. Denn hier werden Eigentore geschossen. Und das sogar vorsätzlich.

Aber dazu morgen mehr. Ich rege mich eh schon wieder zu sehr auf. Nicht darüber, dass es Leute gibt, die sowas machen, die ihre Position stärken und sich äußern. Aber ganz sicher darüber, dass es genau die sind, die wohl tatsächlich glauben, ich würde ihnen diesen politisch orientierten Schachzug mit dem Schweigebekenntnis als „selbstlosen Zug für eine sachliche Diskussion im Sinne des Vereines“ abnehmen. Nein, dass ich so dumm wäre, das fasse ich als massiv beleidigend auf. Nicht erst jetzt, wo Aufsichtsräte sogar TV-Sendungen besuchen.

Aber okay, deshalb schweige ich jetzt lieber. Angesichts der wahrscheinlich weitreichendsten vereinspolitischen Entscheidung der HSV-Geschichte will ich mir keinen Vorwurf machen lassen, selbst unsachlich geworden zu sein. Mir wäre das peinlich.

Also, ich ziehe meine selbst auferlegte Ruhe jetzt durch. Zumindest bis morgen. Habt Ihr alle einen schönen Restsonntag!

Grüße,
Scholle

Leverkusen siegt mit 5:3 – Son überrennt den HSV

9. November 2013

Der Dritte (Heimtabelle) gegen den Fünften (Auswärtstabelle), dazu viele „Heimkehrer“ wie Sam, Son (früher HSV) und auf HSV-Seite Rene Adler, der gegen seine alte Truppe auflief – die Konstellation vor dem Spiel heute in Leverkusen war vielversprechend. „Das wird ganz sicher kein einfaches Fußballspiel“, hatte Heiko Westermann prophezeit, „Leverkusen ist bekannt für schnellen, guten Fußball – und den wollen wir auch spielen. Das könnte ein Spiel für die Zuschauer werden.“

Und das wurde es. Absolut sogar! Leider muss man sagen. Denn der HSV wurde überrannt. Leverkusen stand hoch, attackierte früh – und der HSV machte Fehler. Gleich in der ersten Minute war Sidney Sam, Leverkusens zweitauffälligster Mittelfeldspieler in der ersten Halbzeit, frei vor Adler – verpasste aber den Ball knapp. Vier Minuten später zielte der ehemalige HSVer aus 18 Metern nur knapp drüber. Der HSV stand unter Druck, weil Bayer aggressiver war. Und das trotz der Doppelbelastung mit dem Champions-League-Spiel in Donezk unter der Woche. Die Folge: Badelj bringt zuerst am eigenen Sechzehner Tah in Bedrängnis, hat aber noch Glück. Ebenso wie Adler, dem ein Rückpass soweit vom Fuß springt, dass der Befreiungsschlag einem Leverkusener an den Fuß springt. Im Gegensatz zu Schalkes Hildebrandt springt der Ball jedoch zur Ecke.

Der HSV hatte Glück. Viel Glück, dass die starken Gastgeber nicht schon 2 oder gar 3:0 führten. „Ein schlimmes Spiel für einen Abwehrspieler“, waren sich meine Live-Gäste Basti Reinhardt und Michael Schröder einig – und es kam noch schlimmer. Zunächst ist Sam nach einem Einwurf (!) und einem Abstimmungsfehler Tahs mit Westermann völlig auf und davon und völlig frei vor Adler – er scheitert. Besser machte das der in Leverkusen zum „Problem-Son“ umgetaufte Ex-HSVer Heung Min Son. Nachdem er zuletzt gegen Bielefeld im Pokal getroffen hatte, sollte es seine erste Halbzeit werden. Als Arslan einen Pass von Calhanoglu an Castro verliert, der aggressiv dazwischen geht, der Son am Sechzehner freispielt war es passiert. Der Ex-Hamburger beendete seine Torkrise, umkurvte Westermann, zog mit links ab und traf unter Mithilfe des Innenpfostens zum verdienten 1:0. Noch fiel der Jubel verhalten aus, was sich sieben Minuten später ändern sollte. Da verliert Calhanoglu an Sam den Ball. Der Ex-HSVer sieht den anderen Ex-HSVer, schickt den aus der eigenen Hälfte lang und Son eilt Tah und Westermann mit Ball am Fuß davon, umkurvt Adler und schiebt zum 2:0 ein.

Bitter. Ein Debakel drohte. So zumindest der Tenor im Champs, da der HSV bis hierhin noch überhaupt nicht stattgefunden hatte. Und so blieb es – bis zur 19. Minute, als Beister das erste Mal abzog und knapp verfehlte. Wie beim Boxkampf befreite sich der HSV dank eigener Initiative jetzt langsam aus der Umklammerung. Und hatte Erfolg: In der 23. Minute stiehlt Calhanoglu Leverkusens Routinier Rolfes den Ball, legt gedankenschnell auf Beister, der aus 16 Metern Leno tunnelt und zum 1:2 verkürzt.

Der HSV war wieder da. Wieder kämpfte sich die Mannschaft von van Marwijk in ein Spiel zurück, das verloren schien. Und der HSV wurde sogar noch besser. Immer wieder waren es Calhanoglu und Beister, die für Gefahr sorgten (27., 45.). Allein es blieb zur Halbzeit bei der Bayer-Führung.

Aber der HSV ließ nicht nach. Im Gegenteil. In der 49. Minute schlägt Jansen aus dem Halbfeld eine Flanke auf Beister, der das Kopfballduell gegen Spahic verliert. Allerdings nur halb, denn der Kopfball des Leverkuseners landet direkt bei Lasogga, der aus 17 Metern einfach mal draufhält und trifft. Das 2:2. Und das keinesfalls unverdient. „Ein Spiel mit offenen Visieren“, waren sich Schröder und Reinhardt einig und Basti ergänzte, „ein ganz schwieriges Spiel für Jonah und Lasse, die ihre Sache aber gut machen.“

Und dann das. Das 2:3 aus HSV-Sicht. Kießling hatte aus 20 Metern einfach mal abgezogen – eigentlich recht ungefährlich. Allerdings traf der Ball Sobiechs Rücken und von dort direkt vor die Füße von, na klar: Son. Und der Südkoreaner schob problemlos an Adler vorbei ins rechte, untere Eck ein. Wieder lag der HSV zurück. In einem Spiel, das so interessant war, wie ich es gestern vermutet hatte. Und wie es Westermann angekündigt hatte.

„Das wird noch ein 3:3 oder 2:5 – hier ist alles drin“, sagt Reinhardt und ich stimmte ihm zu – just in dem Moment, als der eingewechselte Ivo Ilicevic eine katastrophalen Fehlpass spielte. Der HSV war in der Vorwärtsbewegung, der Querpass in den Rücken landete bei Son, der sofort den Konter einleitete. Der Südkoreaner war heute einfach nicht zu stoppen und auch am vierten Bayer-Treffer beteiligt, da sein Steilpass Kießling fand, der an Adler vorbei (Adler war noch leicht dran) zum 4:2 für Leverkusen einschob.

Also doch eher das 2:5. Dachten wir. Aber dann machte Ilicevic seinen Bock wieder gut, eroberte an der Eckfahne durch energisches Nachsetzen den Ball, den letztlich van der Vaart in die Mitte schlug, wo Lasogga das Ding reinschädelte (74.).

Was für ein Spiel!

Hier trafen zwei Mannschaften aufeinander, die offensiv brannten, und es defensiv anbrennen ließen. Eigentlich ganz und gar nicht das, was van Marwijk angekündigt hatte, als er davon sprach, zunächst die Abwehr stabiler machen zu wollen. Nicht, dass die Innenverteidiger schlecht spielten, zumindest beim HSV nicht. Aber so anfällig wie der HSV bei schnellen Kontern noch ist, werden wir noch viele solcher Spiele erleben. Waren es letzte Woche die individuellen Sobiech-Fehler, war es diesmal verteilter auf viele Spieler, vor allem auf die gesamte Rückwärtsbewegung. Immer, wenn Tempo im Spiel ist, bekommt der HSV Probleme. Auch, weil er im defensiven Mittelfeld zu langsam ist. Und wenn dann beide, also Arslan und Badelj, einen schlechten Tag erwischen, ist dem Gegner Tür und leider auch Tor geöffnet.

Am Ende wurde der große Kampf des HSV nicht belohnt – die Fehler dafür böse bestraft. Castro setzte in der Schlussminute sogar noch einen drauf und überlupfte den halbherzig herausstürmenden Adler zum 5:3-Endstand. Ein spektakuläres Spiel ging zu Ende – mal wieder ohne jubelnden HSV. Das überließen die Hamburger ihren Ehemaligen, insbesondere dem Mann des Spiels: Heung Min Son. Der HSV befindet sich indes im Abstiegsbereich bleibt dort wenigstens bis zum Hannover-Spiel am 24. November bleibt.

Ich melde mich morgen wieder.

Kreuzer: „Unser Nachwuchs ist nicht so schlecht wie sein Image!“

13. Oktober 2013

Ein freies Wochenende für die Profis, diesmal zwei ganz legale und unumstrittene freie Tage – Erholung pur beim HSV, auch wenn neun Nationalspieler mit ihren Teams rund um den Erdball unterwegs sind. Richtig viele von ihnen haben am Freitag ja nicht gespielt. Nur Rafael van der Vaart (8:1 gegen Ungarn) für die Niederlande und Marcell Jansen standen 90 Minuten auf dem Rasen. Dazu kamen sechs Minuten für Petr Jiracek beim 4:1 der Tschechen auf Malta. Alle anderen, Westermann, Adler, Drobny, Djourou (mit der Schweiz für die WM qualifiziert) und Calhanoglu saßen draußen. Jacques Zoua spielt erst heute Abend mit Kamerun gegen Tunesien. Aber auch in Ordnung: so können sich nicht viele verletzen und geht am Dienstag bei der nächsten WM-Quali-Runde alles gut, kann Bert van Marwijk mit voller Mannschaft aufs Bundesliga-Spiel gegen den VfB Stuttgart am kommenden Wochenende gucken.

Ich hatte mich eigentlich gefreut auf die U 23 des HSV und das Spiel gegen Oldenburg, das dann ja wegen des kurzen aber heftigen Regens ausgefallen ist (dadurch ist das Team auf einen Abstiegsplatz zurück gefallen). Schon vorher hatte ich mich telefonisch mit Oliver Kreuzer verabredet, um mit ihm einmal einen Bereich zu durchleuchten, für den er bislang noch keine Zeit hatte, seit er beim HSV unter Vertrag ist: den Nachwuchs.

„Ich habe wirklich noch keine Gelegenheit gefunden, mir ein Spiel der U 19 oder U 17 anzugucken“, sagte Kreuzer. „Es war einfach zu viel los in den ersten Monaten. Die Transferphase, dann der Trainerwechsel. Aber jetzt hoffe ich, mich mehr in diesen Bereich einzuarbeiten.“ Generell hat Oliver Kreuzer ganz klare Vorstellungen, wie er die Talentschmiede des Vereins gestalten möchte. Und auch seine Einschätzungen zum Status quo sind sehr interessant. „Der HSV-Nachwuchsbereich hat ein schlechtes Image. Das habe ich schon mitbekommen“, so Kreuzer. „Aber in den vergangenen Jahren wurde hier längst nicht so schlecht gearbeitet, wie es immer heißt. Es sind viele Spieler aus dem Nachwuchs des HSV hervor gegangen, die den Weg in den Profifußball gefunden haben. Wenn dies nicht in Hamburg geklappt hat, liegt es nicht an den Verantwortlichen beim Nachwuchs, sondern an den Verantwortlichen für den Profibereich. Die jungen Spieler, die gegangen sind, sind nicht aus Unzufriedenheit mit dem Nachwuchsbereich des HSV gegangen.“

Klare Ansage von Kreuzer, die den Fakten zunächst standhält. Beim Durchforsten der Bundesliga und der Zweiten Liga bin ich auf Anhieb auf 17 Spieler gestoßen, die einmal in Ochsenzoll die Raute getragen haben. Sidney Sam, Heung Min Son, Levin Öztunali (alle Bayer Leverkusen), Eric-Maxim Choupo-Moting, Dani Schahin (beide Mainz 05), Tunay Torun (VfB Stuttgart), Änis Ben-Hatira (Hertha BSC), Alexander Meier (Eintracht Frankfurt), Raphael Wolf (Werder Bremen), Ken Reichel (Eintracht Braunschweig), Wofgang Hesl, Tom Mickel (beide SpVgg Greuther Fürth), Rouwen Hennings (Karlsruher SC). Dazu kommen die vier beim HSV, also Tolgay Arslan, Maximilian Beister, Zhi Gin Lam und Jonathan Tah. Darüber hinaus gibt es einige, die in der U 23 des HSV waren, als sie irgendwo anders dem Jugendbereich entstiegen sind. Karim Guede (SC Freiburg), Deniz Dogan (Braunschweig), Rene Klingbeil (Erzgebirge Aue) oder Charles Takyi (Energie Cottbus) gehören dazu. Im Einzelfall kann man sich unterhalten, wie groß der Einfluss der HSV-Coaches auf die Entwicklung dieses oder jenes Spieler war, ob nicht zum Beispiel ein Arslan sein Rüstzeug viel eher in Dortmund erhalten hat – am Ende bleibt doch aber eine beachtliche Liste.

„Es ist einfach, die HSV-Nachwuchsarbeit pauschal in einen Topf zu schmeißen und abzuqualifizieren. Einer sagt, hier herrscht Chaos, der nächste transportiert es weiter – so entsteht auch ein Bild, und zwar ein zu negatives“, meint Kreuzer. Man könnte auch sagen, dass aus dem Vereins-Nachwuchs angesichts ziemlich chaotischer Rahmenbedingungen noch eine überraschend hohe Anzahl von Spielern nach oben gekommen ist. Mit Stefan Böger, Stephan Hildebrandt, Jens Todt, Paul Meier, Bastian Reinhardt und zuletzt Michael Schröder waren eine Unzahl Nachwuchsleiter am Ruder, das ist das Kernproblem. „Hier muss Kontinuität rein“, weiß Oliver Kreuzer. „Jeder Chef setzt andere Prioritäten und hat unterschiedliche Ideen.“ Aktuell sieht er das Duo Schröder und Dieter Gudel jedenfalls auf einem guten Weg.

Beim Blick auf die jüngere Vergangenheit, die unter Sportchef Frank Arnesen, fällt Kreuzer ein zwar vorsichtiges, aber doch deutlich negatives Urteil, ohne nachkarten zu wollen. „Ich stecke da nicht zu einhundert Prozent im Detail, war ja auch nicht dabei in der letzten Saison. Aber es scheint mir zu viel Unruhe gewesen zu sein, weil viele Trainer mit ihren Verträgen lange in der Schwebe hingen. Das geht natürlich nicht.“ Ganz konkret ärgert sich Oliver Kreuzer, dass Levin Öztunali nicht in Hamburg gehalten wurde. „Ich glaube nicht, dass dem HSV viele Topspieler aus den eigenen Reihen durch die Lappen gegangen sind. Nach dem, was ich gehört habe, bildet Öztunali da eine Ausnahme. Ihn hätte man wohl halten können und auch müssen.“ Im Streit, auch mit dessen Großvater Uwe Seeler, ist Öztunali bekanntlich zu Bayer Leverkusen gegangen und hat dort im Alter von 17 Jahren auch schon einige Bundesliga-Einsätze hinter sich. Kreuzer: „Keine Ahnung, wer da genau welche Rolle gespielt hat. Aber wenn man verschiedene Leute nicht verärgert hätte, wäre es machbar gewesen, Öztunali zu halten.“

Das ist dem HSV und Frank Arnesen bei Jonathan Tah gelungen. „Er ist natürlich ein Glücksgriff“, freut sich Kreuzer. „Ein guter Junge, der zeigt, dass in unserer Nachwuchsarbeit auch eine Menge richtig läuft.“ Ohnehin, so der Sportchef, zeigten auch aktuelle Ergebnisse, dass einem für die Zukunft nicht bange sein müsse. „Unsere U 18, U 17 und U16 stehen in ihren Ligen top da. In der U 17 haben wir zum Beispiel sechs Nationalspieler. Aber darüber berichtet natürlich keiner…“ Stattdessen stehen die älteren Jahrgänge im Vordergrund. Die U 19 von Otto Addo und auch die U 23 von Rodolfo Cardoso krebsen am Tabellenende herum. „Im Mittelpunkt steht der Ausbildungsaspekt“, hält Kreuzer dagegen. „Es kann immer mal wieder Jahrgänge geben, in denen es nicht so gut aussieht. Außerdem sind in unserer U 19 viele jüngere Spieler, das erschwert gute Ergebnisse.“

Was die Zukunft von Rodolfo Cardoso angeht, sieht Kreuzer die Zeit der Entscheidung noch nicht gekommen. Im Moment ackert der Argentinier in Köln an seiner Fußball-Lehrer-Lizenz (bzw. gerade in Hamburg im Praktikum unter Bert van Marwijk), danach werde man weitersehen, so Oliver Kreuzer.

Auf dem ersten Treffen mit allen HSV-Scouts vor einigen Wochen hat Kreuzer seine Philosophie dargestellt. „Ich habe gesagt, dass wir versuchen müssen, die Jungs in den ‚goldenen Jahren’ zu uns zu bekommen. Also Spieler zwischen 12 und 14, ab diesem Alter können wir sie hervorragend ausbilden.“ Im Vordergrund, auch das hat Kreuzer den Scouts mitgeteilt, steht dabei der Hamburger und der norddeutsche Raum. „Es muss unser Anspruch sein, hier führend tätig zu werden.“ Außerdem sollen HSV-Trainingslager in Süddeutschland durchgeführt werden, um sich auch dort zu positionieren.

Eine zentrale Rolle soll in Zukunft der HSV Campus spielen. Das neue Nachwuchszentrum neben dem Stadion im Volkspark soll 2015 in Betrieb gehen. „Dann entsteht eine viel größere Nähe zwischen Profis und Nachwuchs. Der Sportchef oder auch der Trainer können viel einfacher mal bei der Jugend zugucken, die Wege sind kürzer. Davon verspreche ich mir sehr viel“, sagt Oliver Kreuzer. Kommen die Baugenehmigungen demnächst, dann soll im Februar 2014 der Spatenstich für dieses Projekt erfolgen.

Soweit also Oliver Kreuzer, dessen Aussagen durchaus als Gegenpunkt zu Thomas von Heesen verstanden werden können, den ich hier vorgestern zitiert habe. Ich bin gespannt, wie Ihr Kreuzers Einschätzungen und Vorstellungen beurteilt. Vieles ist noch Theorie, klar, kann es zu diesem Zeitpunkt aber auch nur sein. Da kann man ihm nur viel Glück bei der Umsetzung wünschen.

Vorgestern hat die HSV-Führung auf der eigenen Homepage eine Erklärung abgegeben. Vielleicht haben einige von Euch das schon gelesen – falls nicht, hier ist sie:

Gemeinsame Erklärung zur Strukturdebatte

Aufsichtsrat und Vorstand des HSV erklären gemeinsam, dass sie in ihrer Eigenschaft als Organe des Vereins keinerlei Stellungnahmen zu derzeit diskutierten Modellen für eine Strukturänderung des HSV abgeben werden. Beide Gremien sind sich einig darüber, dass die Entscheidung hierüber ausschließlich beim obersten Organ des Vereins, der Mitgliederversammlung, liegt.
Der Vorstand wird sich im Rahmen seiner operativen Verantwortung grundsätzlich intern mit fachlichen Fragen aller angedachten Modelle zur Strukturänderung beschäftigen, um so bestmöglich auf Fragen der Mitglieder auf der Mitgliederversammlung im kommenden Januar vorbereitet zu sein.

Sollte in der Vergangenheit durch persönliche Äußerungen einzelner Vorstandsmitglieder der Eindruck entstanden sein, der Vorstand habe sich bereits für oder gegen ein Modell oder eine Struktur ausgesprochen, so ist dies falsch.

Als ich diese Sätze gelesen habe, habe ich mich doch stark gewundert. Manfred Ertel, der Vorsitzende des Aufsichtsrats, hat lange Interviews zu diesem Thema gegeben. Sein Kollege Jürgen Hunke hat vor zehn Tagen ein eigenes, neues Strukturmodell zum Besten gegeben. Und auch Carl Jarchow, der Vereins-Boss, hat klar Stellung bezogen. Alle anderen dürfen das jetzt nicht mehr? Oder bedeutet der Einschub am Anfang („… in ihrer Eigenschaft als Organe…“), dass sich doch alle äußern dürfen, aber nur mit einer Privat-Meinung, nicht aber stellvertretend für Aufsichtsrat oder Vorstand? Hat irgendwer je bestritten, dass am Ende die Mitglieder entscheiden werden?

Ich denke, dass viele der Amtsinhaber durch ihre ganz spezielle Kenntnis und Sichtweise des Vereins die Debatte über eine mögliche Reform beleben könnten. Es geht doch bitteschön nicht um einzelne Personen, sondern um eine grundsätzliche Ausrichtung des Vereins. Da müssen die Experten von innen doch nicht zwingend den Experten von außen das Feld überlassen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es ausreicht, alles erst am 19. Januar 2014 auf der Mitgliederversammlung zu besprechen. Dafür ist das Thema, sind die Modelle, doch zu vielschichtig. Und überhaupt: was soll das, das eigene Schweigen anzukündigen? Keiner wird gezwungen, sich zu äußern – das war bislang nicht so und wäre bis zum Januar nicht anders. Wie auch immer, bis dato – entschuldigung, dieser Seitenhieb muss sein – sind noch alle Ankündigungen des Aufsichtsrates, dass Ruhe einkehre und nicht mehr vielstimmig nach außen kommuniziert werde, gescheitert.

Morgen kommt wieder Leben auf den Trainingsplatz neben dem Stadion. Um 15 Uhr geht’s los, wahrscheinlich wieder mit Kerem Demirbay, der seinen Muskelfaserriss überstanden hat. Scholle ist auch dabei. Dann beginnt die Stuttgart-Woche. Zur sportlichen Situation des HSV nach dem 5:0 in Nürnberg hat sich Uwe Seeler auf der Frankfurter Buchmesse geäußert: „Siege geben ja Selbstvertrauen. Nur: Man darf das nicht überbewerten, man muss es so nehmen wie es ist und jetzt nachlegen gegen Stuttgart. Ich hoffe sehnlichst, dass da jetzt wieder ein bisschen mehr Ruhe einkehrt und der neue Trainer Bert van Marwijk den Verein wieder ins ruhige Wasser bringt. Der neue Trainer hat eine klare Vorstellung, die er durchsetzen muss. Er hat ja viel Erfahrung.“ Ein besonderes Lob von Uns Uwe erhielt Hattrick-Schütze Pierre Michel Lasogga. „Der ist ein Bombentyp“, sagte Seeler.

Einen schönen Restsonntag wünscht
Lars

“Wir haben noch viel Arbeit vor uns. Das wissen wir.”

7. August 2013

Na Mensch, da ist man mal zwei Tage raus und – es bleibt doch alles beim Alten. Zumindest klang das so. Die Mannschaft besticht in den Spielen durch Ideenlosigkeit und müht sich mehr schlecht denn recht gegen kleine Gegner zu bestehen. Ein neuer Stürmer kann noch immer nicht gekauft werden und die ersten Aussortierten fangen an, ihrem Unmut öffentlich Luft zu machen. So hatte Paul Scharner klar gesagt, was er denkt und dem HSV respektlosen Umgang mit ihm vorgeworfen mit der Androhung, seinen Vertrag letztlich auszusitzen. Dass der Österreicher morgen bei den U23-Amateuren aufdribbelt, wie es ihm Sportchef Oliver Kreuzer auferlegt hat erscheint nach jetzigem Stand mehr als fraglich.

Nach dem heutigen Einzeltraining mit Markus Günther jedenfalls hatte Scharner ein nettes Gespräch mit HSV-Mediendirektor Jörn Wolf am Platz. Dabei wird ihm der ehemalige Mopo-HSV-Redakteur noch mal eindringlich auf die Auswirkungen seiner Worte hingewiesen haben. Das muss Wolf auch, wenn er seinen Job konsequent ausübt. Auf jeden Fall war Scharner anschließend etwas wortkarger als sonst. „Was soll ich jetzt sagen?“, so die rhetorische Frage des Innenverteidigers, „ich will ja nicht jeden Tag Theater machen.“

Einmal in der Woche reicht ja auch.

Egal wie, Scharner war anzusehen, dass er gern mehr sagen würde, sich aber im Klaren ist, dass das wiederum arbeitsrechtlich Folgen für ihn haben könnte. Also schwieg er, beziehungsweise: er deutete nur an. Ob er bei der U23 trainieren werde? „Schau’n mer mal!“, so Scharner mit einem Lächeln, „ab morgen soll ich da sein laut SMS von Oliver Kreuzer.“ Dabei lag die Betonung und die Mimik klar auf der SMS – denn den unpersönlichen Umgang mit ihm hatte Scharner schon vor Wochen angemerkt. Und jetzt eben wieder.

Es ist schwer einem solchen Thema korrekt zu begegnen. Zumal, wenn wie hier Aussage gegen Aussage stehen. Immer wieder haben Fink und Kreuzer betont, Scharner von Anfang an reinen Wein eingeschenkt zu haben. Der wiederum beteuerte, man habe ihm gesagt, er würde eine faire Chance bekommen, sofern er sich für einen Verbleib entscheidet. Jetzt schien sich Scharner für den HSV entschieden zu haben, weil er die interne Konkurrenz auf seiner Position als nicht übermächtig empfindet – und es gibt Ärger. Der HSV will ihn verkaufen – Scharner aber lehnte jetzt auch ein Angebot von Hull City ab. „Aus Familiengründen“, so Scharner, der heute wie gesagt etwas spekulationsunterstützend antwortete: „Ich habe bis zum 1. September überhaupt keinen Stress. Aber ich bin mir sicher, am Ende werden alle zufrieden sein. Beide Seiten.“

Was das heißt? Offen. Klar ist, dass der HSV seinen Kader weiter reduziert. Priorität haben Verkäufe, die zweite Option wären ablösefreie Abgaben. Auch bei Gojko Kacar, Robert Tesche, Slobodan Rajkovic und Michael Mancienne. Die beiden Letztgenannten werden am Donnerstag von Kreuzer im persönlichen Gespräch erklärt bekommen, dass sie künftig nicht mehr mit den Profis sondern mit der U23 trainieren werden. Kreuzer: „Wir haben immer gesagt, dass wir den Kader reduzieren wollen um mit einer gesunden Anzahl zu trainieren.“ So könne die Qualität der Einheiten gesteigert werden, glaubt der HSV-Sportchef.

Aber es würde auch eine Menge totes Kapital beinhalten. Wobei das gar nicht mehr zu verhindern ist. Nein, dieser Zug ist spätestens da abgefahren, als der HSV die Namen seiner Ungewollten veröffentlichte und ihren Preis ins Bodenlose fallen ließ. Ein Vorgehen, das bei Spielern wie Rene Adler oder einem van der Vaart früherer Tage kaum Wertverlust (weil unvermindert viele Interessenten) nach sich gezogen hätte. Bei so vergleichsweise durchschnittlichen Profis wie hier geht das jedoch nicht. Zumindest nicht ohne massive Verluste.

Nur als Beispiel: Kacar soll zu Rubin Kasan wechseln. Die Russen wollen den Serben auch haben, haben zudem einen Oligarchen an der Spitze, der den gesamten HSV kaufen könnte, ohne sich anschließend finanziell in irgendeiner Form einschränken zu müssen. Und dennoch zögert Kasan. Weil sie wissen, dass der HSV unter Zugzwang steht, den hoch dotierten Vertrag aufzulösen, um am Ende nicht einen Spieler teuer bezahlen zu müssen, der nichts anderes macht, als Kapital zu binden, dass für einen neuen Stürmer gebraucht wird. Gleichermaßen verhält es sich mit Rajkovic, Mancienne, Scharner und Tesche dieser Tage. Alle haben Interessenten, alle haben aber auch gut dotierte Verträge beim HSV. Sie wollen auf nichts verzichten, die interessierten Vereine aber nicht so viel zahlen. Die Spieler warten darauf, dass ihnen der HSV auch den Abschied finanziell schmackhaft macht. Per Zugabe von ein paar Euro. Ergo: Statt Ablöse zu bekomm en, müssen die Spielerabgänge vom HSV bezuschusst werden. Und selbst dann klappt es nicht reibungslos, wie man jetzt sieht.

Immer wieder ist in diesen Tagen auch der Name von Frank Arnesen zu hören. Nie offiziell, aber doch immer wieder, wenn es darum geht, gewisse Spielerkäufe zu hinterfragen. Weshalb verdient ein junger Spieler wie Slobodan Rajkovic knapp zwei Millionen Euro beim HSV? Ganz offensichtlich so viel, wie er offenbar nirgendwo sonst geboten bekommt. Eine Frage, die unbeantwortet bleibt und wahrscheinlich bleiben wird…

Egal, Ihr könnt Euch vorstellen, wie viel Schuld jetzt dem alten Sportchef angelastet wird. Und wahrscheinlich auch nicht immer zu Unrecht. Aber ich werde einen Teufel tun, hier im Nebel zu stochern und mich auf Hörensagen zu verlassen. Zumal dann nicht, wenn der Hauptbeschuldigte sich nicht gleichwertig wehren kann.

Es ist halt, wie es ist. Und das ist nicht gut. Obgleich die Rückkehr von Rene Adler bevorsteht. Der Keeper, der bis zum Dienstag die gesamte Vorbereitungszeit ohne Spiel geblieben war, ist rechtzeitig fit geworden und will am Sonntag auf Schalke beginnen. Der schwache Test in Etelsen habe ihm ein gutes Gefühl für sich auf dem Platz gegeben. „Ich habe mich wohlgefühlt in den Abläufen, habe wieder ein gutes Gefühl für Raum und Abläufe auf dem Platz. Ich bin heiß.“

So heiß, das er gleich mal eine Ansage verlauten ließ. Das 2:0 gegen die Schlossparkkicker (s. dazu auch den Leserbrief im P.S.:) sei so nicht hinnehmbar. Zwar habe dort die zweit und teilweise sogar dritte oder gar Garnitur gespielt – allerdings sei es umso schwerer vorzustellen, dass es Motivationsprobleme gibt. „Als junger Spieler ist das doch eine weggeschmissen Trainingseinheit mit den Profis gewesen. Das kann ich mir als junger Spieler aber nicht erlauben. Das verstehe ich nicht.“ Deshalb habe er intern noch mal auf den Putz gehauen. „Wir haben noch einen weiten Weg vor uns“, sagt Adler, „mal wieder.“

Allerdings ist Adler längst nicht so pessimistisch, wie man das angesichts dieser Worte glauben mag. Im Gegenteil. „Die Vorbereitung kann und will ich nicht beurteilen, wo ich erst in den letzten Wochen dazugestoßen bin. Aber ich weiß, dass alles gut gewesen ist, wenn wir am Sonntag gewinnen. Wenn die Ergebnisse stimmen, fragt keiner mehr danach, was in der Vorbereitung warum passiert ist. Dann sagen alle nur: es stimmt einfach.“

Stimmt einfach.

Zumal Adler die These aufstellt, dass es die perfekte Vorbereitung gewesen sein könnte. Zumindest für ihn persönlich. Er habe stets gezielt auf das Schalke-Spiel hingearbeitet und das große Vertrauen des Trainers als hohe Verantwortung empfunden. „Ich wollte nicht noch mal in eine Saison gehen und etwas mit reinnehmen. Ich wollte nicht mit 90 Prozent starten. Meine Vorbereitung war eine langfristig angelegte Entscheidung, weil ich langfristig eine erfolgreiche Saison spielen will und glaube, dass ich wichtig für die Mannschaft bin.“ Deshalb habe er gegen Jena noch verzichtet, obgleich er das in früheren Tagen sicher nicht gemacht hätte. „Die Ärzte sind involviert und geben jetzt ausnahmslos grünes Licht. Ich fühle mich fit.“ Dass bei einer so kurzen Vorbereitungszeit ein besonderes Augenmerk auch auf ihn gerichtet sein wird, stört Adler nicht. „Egal, was nach dem Spiel gesagt wird – ich bin top vorbereitet.“

Adler, der wie kaum ein anderer HSV-Keeper in sich ruht auf dem Platz, wirkt konzentriert. Er weiß, dass ihm und dem HSV eine schwere Saison bevorsteht. Er will zur WM mit der Nationalelf, und dafür muss er eine gute Saison spielen. Zeitgleich herrscht in Hamburg ein hohes Anspruchsdenken, wie Adler weiß. „Das rührt meines Erachtens nach noch zu größten Teilen aus der erfolgreicheren Vergangenheit. Aber dennoch nehmen wir es an. Wir können uns realistisch einschätzen und wissen, dass wir mit etwas mehr Glück und etwas mehr Konstanz in der abgelaufenen Saison die Europa League erreicht hätten. Ich finde es gut, das jetzt als Ziel auszugeben, denn so entsteht sportliche Entwicklung. Man darf das Ziel nur nicht mit einem Versprechen verwechseln. Wir uns als Kader aber eine Gemeinschaft schaffen, mit der wir dieses Ziel angehen.“ Und dabei habe er ein gutes Gefühl.

Ich noch nicht. Das gebe ich zu. Noch glaube ich zwar an einen etwas gepflegteren Fußball, den wir zu sehen bekommen werden, aber ich kann den Optimismus nicht teilen, dass das in einer Europa League-Teilnahme mündet. Zumal Adler selbst sagt: „Wir haben noch sehr viel Arbeit vor uns, das wissen wir auch. Aber das war letzte Saison auch nicht anders.“

Na dann. Hoffen wir also einfach, dass es besser wird. Etwas mehr spielerische Qualität ist vorhanden, ein Knackpunkt wird die neue Innenverteidigung, während vorn ganz sicher noch mehr kommen muss. Womit ich beim nächsten Thema wäre. Sicher muss noch ein spielerisch starker Angreifer geholt werden nach Sons Abgang. Aber ich hätte mir gewünscht, dass der HSV das Thema so behandelt, dass ein Rudnevs, der sich auch von mir anfänglich harter Kritik ausgesetzt sah, nicht wieder all das Selbstvertrauen in sich verliert, was er sich mit seinen überraschenden zwölf Buden in der Vorsaison geholt hat. Warum sagt man nicht, dass ein Rudnevs unverkäuflich ist? So würde sich der Lette geschätzt fühlen und man könnte ob Sons Wechsel trotzdem logisch erklären, warum noch ein Angreifer geholt wird. Und sollte es plötzlich doch ein unmoralisches Angebot für Rudnevs geben – na und?! Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Verein einen eben noch unverkäuflichen Spieler doch verkauft. Fürs richtige Geld. Quasi genau andersherum wie bei Rajkovic, Mancienne, Scharner, Tesche und Kacar…

Bis morgen. Da wird um 10 Uhr an der Arnena trainiert. Im Anhang findet Ihr noch einen Leserbrief eines enttäuschten Etelsen-Zuschauers, den ich als lesenswert empfinde. Allerdings muss ich Euch vor dem Lesen auch anhand geben, dass Schalke am Sonntag Priorität haben muss. Das muss den Veranstaltern bewusst sein, die das Spiel mit dem HSV abgemacht haben. Uneingeschränkt. Die Etelser hätten sich des Risikos bewusst sein können, dass so kurz vor dem Saisonauftakt beim HSV nichts mehr riskiert wird. Nichtsdestotrotz ist es schade, dass sich der HSV mit seiner volksnahen Art der letzten Zeit und den vielen Tests in der Region diesmal keinen Gefallen getan hat. Sportlich nicht und vom Image her noch weniger.

Bis morgen!

Scholle

P.S.: Der Brief mit anschließender Erklärung:

„Lieber Herr Fink,

vielen Dank das sie gestern Abend mit ihrer Bundesliga Mannschaft in
Etelsen zu Gast waren !
Es war für die 4500 Zuschauer ein echtes Erlebnis die ganzen unbekannten
Talente einmal von ganz nahen zu sehen! Gestört haben da nur die drei Profis Adler, Aogo und Rundnevs.
Warum hat der Busfahrer nicht mitgespielt? Wegen ihm sollen extra Beobachter vom TÜV da gewesen sein…
Klasse, dass sie die anderen 25 Profis zu Hause gelassen haben damit sie
sich erholen können. So hatten ja auch ihre 5 Co-Trainer mehr Zeit sich um das warm machen der jungen Hüpfer zu kümmern. Ich finde es toll wie der HSV Arbeitsplätze schafft!

Ich hoffe, sie haben bis kurz vorm Anpfiff Kaffee & Kuchen im Etelser
Vereinshaus genießen können ! Sich dem Volke zu zeigen bzw. auf dem Platz zu stehen ist ja auch nicht so schön bei dem Wetter. Sonst hätten sie ja auch noch mitbekommen wie der Landesligist beim Warmmachen auf die andere Spielhälfte unfreundlich von ihrem Co-Trainer Herrn Rahmen verscheucht wurde. Mit dem müssten sie mal reden, er sollte besser in hochdeutsch
beleidigen, das Schwitzerdütsch versteht man so schlecht. Zum Spiel kann ich ihnen auch nur gratulieren! Es war ein wahre Pracht, wie
ihre Mannschaft ganz ohne Konzept und Wille gegen die spielstarken Schlossparkkicker gegengehalten haben! Wer das im einzelnen war kann ich ihnen leider nicht sagen, da die meisten Spieler keinen Namen auf dem Trikot hatten. Falls ihr HSV
Shop Probleme mit dem Beflocken von Trikots haben sollte kann ich ihnen unseren Sportshop in Achim
empfehlen, der macht ihnen einen guten Preis.

Spitze ist auch, dass jeder HSV-Spieler den Ball mindestens 9 mal berühren kann, bevor er den Ball
abspielt, auch auf engsten Raum wenn andere Mitspieler frei gestanden haben. Wer weiß, was die damit gemacht hätten, evtl. hätten sie es gewagt den
Etelser Torwart beim Plausch mit den Zuschauern zu stören. Rundum muss ich sagen, das 2:0 war hart umkämpft aber verdient, Etelsen hatte selber Schuld
wenn sie den Freistoß nach 10 min nur ganz knapp neben den Pfosten setzen.
Ihr Torwart Adler war von der großen Menschenmenge wohl derart beeindruckt
das er jeden Ball fallen ließ oder bei Flanken wie Supermann mit gestreckter
Faust vorbeiflog. Auf Schalke wird das bestimmt besser, da kommen ja kaum Zuschauer.

Ich wünsche ihnen eine erfolgreiche Saison, viele Grüße an ihre Profis
unbekannterweise! Vielleicht sieht man sich ja mal wieder wenn sie mit der
Geschäftstellenmannschaft irgendwo
auf den Dörfern Geld machen müssen weil sie es wieder nicht in den Europa
Cup geschafft haben.
Im Namen der vielen traurigen Kindergesichter die leere Autogramm Blöcke behalten haben
sage ich ihnen Danke für nichts.

Ihr leidgeprüfter HSV Fan M.“

Im Gegensatz dazu kann und möchte ich (auch aus eigener Erfahrung) an dieser Stelle betonen, dass die Tingeltour des HSV in der Bundesliga seinesgleichen sucht und hervorragend angenommen wird. Welcher Bundesligist testet schon so häufig in seiner Region und bietet eine derartige Nähe zu seinen Fans? Insofern, auch wenn hier in Etelsen zweifellos eine ganze Menge schiefgelaufen ist, der Grundgedanke des HSV ist gut. Sehr gut sogar. Vielleicht schafft es der HSV ja, in der neuen Saison noch mal in Etelsen aufzulaufen und die eine oder andere Enttäuschung wiedergutzumachen. Sportlich – aber vor allem menschlich. Aber das nur so als Idee…

P.P.S.: Beim Nachmittagstraining fehlten heute Ivo Ilicevic (muskuläre Probleme) sowie Mancienne, Rajkovic, Scharner und Demirbay (Rückenprobleme). Dafür dabei: Eine Fahne, die ich hier nur zu gern eingestellt hätte. Leider lässt sich das Foto nicht wie gewünscht hochladen. Auf unserer facebookseite (www.facebook.com/groups/matzab) ist es schon zu sehen und ich hoffe, das hier schnellstmöglich nachzuholen. Den Initiatoren sei auf jeden Fall schon einmal gesagt: Vielen Dank! Es ist mir eine große Ehre!

Der “Unverletzbare” wird wohl fehlen

3. August 2013

Der Pokal hat seine eigenen Gesetze. Heißt es im Fußball ja immer so schön. Das kann ich aber nicht mehr hören. Für mich ist das nur Gesülze. Natürlich gewinnt ab und an der Außenseiter gegen einen großen Favoriten, aber wenn eine Profi-Truppe konzentriert und nicht überheblich spielt, dann müsste der klassentiefere Verein schon schlagbar sein. Ich bewundere, gebe ich zu, einen Club wie den FC Augsburg, der das gewiss nicht leichte Pokal-Auswärtsspiel bei RB Leipzig nach großem Kampf dann doch locker mit 2:0 gewinnt. So muss es sein. Und wenn man so die letzten Jahren Revue passieren lässt, so gewinnen die Favoriten auch mehr und mehr ihre Spiele gegen die Mannschaften „von unten“. Weil es sich inzwischen herumgesprochen hat, dass es im Pokal ja sehr wohl auch eine „dicke Marie“ zu verdienen gibt. Paradebeispiel, wie man es nicht machen sollte, ist für mich eine HSV-Pokal-Partie in der Saison 2000/01. Trainer war Frank Pagelsdorf, der in Karlsruhe mit der B-Mannschaft spielen ließ – und 0:1 verlor. Dieser Stachel sitzt bei mir immer noch sehr, sehr tief, denn dieses Pokal-Aus war überflüssig und absolut leichtfertig herbeigeführt. Ich habe Geislingen und Eppingen miterlebt (als Fan), aber dieses 0:1 von Karlsruhe ärgert mich immer noch, weil damit auch viel Geld verschenkt wurde. Verschenkt.

Inzwischen aber hat kaum noch ein Verein Geld zu verschenken. Der HSV schon gar nicht. Deswegen hoffe ich, dass die Mannschaft morgen beim Gastspiel in Jena auch weiß, was da für den Verein auf dem Spiel steht. Nicht nur an Renommee, sondern auch in Sachen Finanzen. Aber ich hoffe nicht nur, ich bin auch davon überzeugt, dass der HSV beim Fünftliga-Club von Beginn an zeigen wird, wer hier Profi und wer hier der Amateur ist. Ich erwarte ein ähnliches Spiel wie es der HSV in der ersten Pokalrunde am 15. August 2010 zeigte. Damals ging es gegen den Club Torgelower SV Greif, der HSV gewann 5:1. Ruud van Nistelrooy schoss drei Tore (zudem trafen Paolo Guerrero und David Jarolim), aber zur Pause hieß es immerhin nur 1:1. Da durfte noch ein wenig gezittert werden.

Natürlich sind solche Spiele nicht angenehm, denn die Amateure geben im „Spiel ihres Lebens“ stets alles, aber wenn man mit der richtigen Einstellung in die Partie geht, dann muss man einen solchen Auftrag auch professionell erledigen. Wie zum Beispiel am 5. August 2007, als der HSV 5:0 bei Holstein Kiel gewann – nach Kampf und Krampf. Am 27. August 2000 gab es einen klaren 3:0-Erfolg bei Erzgebirge Aue, aber souverän war etwas anderes. Und am 29. August 1998 siegte der HSV glanzlos in Runde eins bei den Amateuren des FC Denzlingen, die bis zur Pause ein 0:0 hielten. Dann trafen Anthony Yeboah, Martin Groth und Harald Spörl verwandelte einen Elfmeter. Wie gesagt, so in der Art dürfte es auch morgen in Jena laufen.

Obwohl ich Eppingen und Geislingen natürlich immer noch im Hinterkopf habe. Gegen den VfB Eppingen war das am 26. Oktober 1974 schon die zweite Pokalrunde, zuvor hatte der HSV bei Preußen Münster 4:0 gewonnen. Drei Tage vor Eppingen hatte der HSV dann im Uefa-Cup im Volkspark gegen Steagul Rosu Brasov mit 8:0 gewonnen, und dann wird eine Mannschaft, die mit Kargus; Kaltz, Krobbach, Hidien, Memering, Björnmose, Eigl (46. Bertl), Mackensen, Sperlich, Reimann und Volkert antrat, wohl ein wenig übermütig. Nur Horst Bertl traf für die Rothosen, er verkürzte auf 1:2, die Sensation aber konnte auch er nicht verhindern. Noch schlimmer eigentlich war die Pleite, die sich der HSV unter der Regie von Ernst Happel erlaubte. Am 1. September spielten in Runde eins Stein, Kaltz, Jakobs, Schröder, Groh, Magath, Rolff (46. Wehmeyer), Milewski, Wuttke, McGhee und von Heesen gegen den SC Geislingen. Zuvor hatte der HSV in der Bundesliga bei Borussia Dortmund 2:1 gewonnen und daheim gegen Mönchengladbach 1:1 gespielt – und dann ging es gegen elf Geislinger . . . Und die siegten 2:0. Gegen einen HSV, der letztlich Platz fünf in der Bundesliga belegte. So kann es gehen. Auch gehen. Nur morgen, da wird es anders, viel souveräner, professioneller und deutlicher laufen. Wobei das 0:4 von Dresden, am vergangenen Mittwoch „eingespielt“ natürlich auch eine Rolle spielen wird. Wer als Profi jetzt nicht wachsam ist, wer jetzt noch glaubt, dass es mit Hacke, Spitze, eins, zwei, drei gegen den Außenseiter geht, der dürfte seinen Job verfehlt haben. Und letztlich riskiert er mit einem lustlosen oder überheblichen Auftritt auch seinen Job beim HSV.

Einen „ganz schlimmen“ Pokal-Auftritt des HSV habe ich übrigens noch: Paderborn, 21. August 2004. Die Mannschaft von Trainer Klaus Toppmöller verlor 2:4, der Coach wurde nach dem Aus wüst beschimpft und bepöbelt, und die HSV-Spieler vom eigenen Anhang (!) bespuckt. Dabei hatte ein Schiedsrichter namens Robert Hoyzer diese Partie verpfiffen, hatte HSV-Tore verhindert und Emile Mpenza schon in der 36. Minute vom Platz gestellt. Der HSV hatte durch Tore von Christian Rahn und Mpenza schon 2:0 geführt, dann griff der „Unparteiische“ entscheidend ein – ein Tiefpunkt des DFB-Pokals. Ich war dabei, ich kann mich an dieses Spiel noch bis in jede Kleinigkeit hinein erinnern – ich werde es bis an mein Lebensende nicht vergessen – der größte Skandal überhaupt. Aber das ist ja nun schon neun Jahre Geschichte, jetzt ist der HSV gefordert, ein neues, ein positives Kapitel hinzuzufügen.

Elfmeter, das wurde ich in der Nachbarschaft eben noch gefragt, hat der HSV heute am Vormittag nicht geübt. Das wäre ja auch noch schöner. Weil es doch nie und nimmer ein Elfmeterschießen gaben darf. Und auch geben wird, davon bin ich immer noch total überzeugt. Im abschließenden Spielchen, in dem sich bunt durcheinander gewürfelte Mannschaften gegenüber standen, gab es keinen Sieger – es gab nicht mal ein Tor. Rene Adler und Jaroslav Drobny blieben „sauber“. Bunt durcheinander gewürfelt stimmt nur bedingt, denn vor Drobny, der morgen in Jena zwischen den HSV-Pfosten stehen wird, stand die Viererkette mit Dennis Diekmeier, Lasse Sobiech, Jonathan Tah und Marcell Jansen. Diese Abwehrreihe sollte sich wohl einspielen, denn, die Experten haben es sicherlich schon bemerkt und erraten, in der Mitte fehlte der Name Heiko Westermann.

Der ehemalige HSV-Kapitän hatte schon vor dem Training leichte Kniebeschwerden, dann fiel er während der Aufwärmphase auf genau das rechte Knie und verspürte einen stechenden Schmerz. Leicht laufend, abseits des Mannschafts-Trainings, versuchte Westermann, der „Unverletzbare“, noch, wieder „Leben“ in sein Knie zu bekommen, aber dann musste er aufgeben. Er ließ sich auf einem kleinen „Golfwagen“ in die Kabine fahren. Für Westermann rückt wahrscheinlich Tah in die Mannschaft, allerdings besteht noch immer die Möglichkeit, dass der deutsche Nationalspieler über Nacht doch noch gesundet (und dann spielen kann). Mitgefahren ist Heiko Westermann auf jeden Fall, es ging ja per Bus in den Osten – eine nicht gerade Kräfte schonende Reise bei heißen Temperaturen. Und vielleicht auch dem einen oder anderen Stau.

Während Thorsten Fink unmittelbar nach dem Training ein großes Fragezeichen hinter dem Einsatz von Westermann setzte, wird Marcell Jansen spielen können. Der Linksverteidiger gab grünes Licht, er absolvierte das Abschluss-Training ohne Beschwerden – hatte allerdings auch eine halbe Tablette, die die Schmerzen bekämpfen soll, eingenommen. Während Jansen als spielen kann, fällt Michael Mancienne aus. Der Engländer stand zwar bis zuletzt auf dem Rasen des Trainingsplatzes, hat sich aber offenbar „etwas“ an der Wade zugezogen – Mancienne saß nicht mit im Bus, der gen Jena fuhr. Und auch Slobodan Rajkovic ist nicht dabei.
Aber es wird auch so gehen . . .

Im Sturm hat Thorsten Fink noch die Wahl: Artjoms Rudnevs oder Jacques Zoua? Ich glaube, er wird sich für den Zugang aus Basel entscheiden. Erstens wirkt er auf mich fußballerisch stärker, und zweitens könnte es ja eine Wirkung wie bei einer Lawine geben. Schießt Zoua gegen den Fünfliga-Club ein oder mehrere Tore, dann könnte das auch für die Bundesliga Selbstvertrauen geben. Könnte. Klappt das auch diesmal nicht, dann hätte Fink ja immer noch Rudnevs auf der Bank.

Nach dem offiziellen Training schossen übrigens noch vier Spieler reichlich viele Freistöße: Rafael van der Vaart, Hakan Calhanoglu, Tolgay Arslan und Dennis Aogo. Als Mauer fungierten drei dicke Plastikmännchen, im Tor stand Sven Neuhaus. Und der hatte viel zu tun. Den ersten Super-Freistoß fing er sich von Calhanoglu, der Ball flog scharf und hoch in den Winkel – sodass der Keeper nur noch applaudieren konnte. Nicht unerwähnt bleiben soll, dass auch die anderen drei Spieler noch den einen oder anderen Freistoß sehenswert versenkten – das sah teilweise richtig gut aus. Hoffentlich bewahren sie sich für morgen ein wenig die Nervenstärke für diese Standards auf. Und wo ich gerade bei Calhanoglu war: Der Mittelfeldspieler hatte für mich die bemerkenswerteste Szene des Vormittags. Mitten im größten Gewühl mit ungefähr 18 Beinen (das sah da wie bei einer E-Jugend aus) dribbelte er sich mit zwei Doppelpässen, die er mit sich selbst spielte (!), durch die Abwehr. Das ging zack-zack, rechts links, rechts links – und ab. Thorsten Fink kommentierte das wie folgt (ich weiß allerdings nicht, wen er meinte!): „Das ging viel zu leicht, du musst mal dazwischenhauen . . .“ Wie gesagt, welcher Abwehrspieler da Calhanoglu stoppen sollte, indem er dazwischenhauen sollte, das konnte ich nicht ausmachen, aber sehenswert war diese Aktion trotz allem. Lange eine solche Finesse nicht mehr gesehen – beim HSV.

Wie schön wäre es, wenn die Fans das morgen auch, nach dem Spiel gegen den SV Schott in Jena, sagen könnten. Dass das kein müheloses Unterfangen wird, das beweist jetzt gerade der heutige DFB-Pokal auf anderen Plätzen. Dortmund, die große Dortmunder Borussia, der Champions-League-Finalist, quälte sich zu einem mageren 3:0-Sieg in Wilhelmshaven – bis zur 70. Minute hatte es 0:0 gestanden. Der SC Freiburg musste in Neustrelitz sogar in die Verlängerung, und Eric-Maxim Choupo-Moting, der Ex-HSVer, rettete Mainz mit seinem Tor zum 2:1 (in der 87. Minute) im Spiel bei Fortuna Köln. Das alles sollte dem HSV doch eine ganz kleine Warnung sein . . . Und auch das noch erwähnt: Noch ein Ex-HSVer hat getroffen, nämlich Heung Min Son, der beim 5:1-Sieg von Leverkusen zum 4:1 traf.

17.35 Uhr

Adler passt, Jansen will – und der HSV muss

2. August 2013

Der Fankatalog ist da. Viele neue Käufer geworben hat der HSV mit seinen letzten Spielen allerdings nicht. Vier Niederlagen und ein Remis aus den letzten fünf Spielen nach dem zweifellos guten Spiel gegen Anderlecht. Tiefpunkt hierbei war sicherlich das 0:4 in Dresden. „Keiner von uns hat mit so einem Tiefpunkt gerechnet“, sagt HSV-Kapitän Rafael van der Vaart. Und das uUnmittelbar vor dem ersten Pflichtspiel am Sonntag in Jena.

Ein denkbar schlechter Zeitpunkt?

Kann sein – muss aber nicht. Immerhin ist es ein massiver Warnschuss. Schlechter wäre es sicherlich, wenn das alles unmittelbar vor dem ersten Spiel auf Schalke pausiert wäre. „Ist es aber nicht“, sagt Rafael van der Vaart, der sich gestern selbst noch sehr deutlich über die Art und Weise des Spiels beschwert hatte. Man sei einfach scheiße, so die Aussage, die dazu führte, dass wir vom Mod-Team über eine Sperrung seiner Aussagen im hiesigen Blog nachgedacht haben.

Entschlossen haben wir uns letztlich aber dafür, dass wir ihm noch eine Chance geben. Ebenso wie seinen Kollegen, mit denen der HSV-Kapitän am Sonntag in Jena die erste Runde im DFB meistern will. Und wird, wenn es nach ihm geht. „Natürlich fahren wir als haushoher Favorit dahin, müssen das Spiel gewinnen. Aber wir dürfen nicht denken, dass wir dort im Vorbeigehen fünf sechs Tore schießen und locker gewinnen. Das wird – gerade bei den Temperaturen – ein heißer Kampf, den wir nicht verlieren dürfen.“ Stimmt. Ansonsten wäre die immer wieder zitierte gute Stimmung innerhalb der Mannschaft das erste Mal stark angeknackst. Oder? „Warum?“, fragt van der Vaart, „wir lassen uns nicht auf das ein, was andere sagen oder schreiben. Wir haben zum Glück keine Punkte verloren – dafür aber ein Stück unserer Ehre. Und die müssen wir zurückgewinnen.“ Als Team, wie van der Vaart hinzufügt. „Die Stimmung innerhalb der Mannschaft ist immer noch gut. Und das ist wichtig. Wir brauchen den Spaß am Fußball. Und den haben wir noch immer.“

Denn, und das ist ebenso eine Floskel wie offenbar van der Vaarts Ansicht, der Pokal ist der kürzeste Weg zum Ziel des HSV. Und das heißt weiterhin Europa League. „Und da wir dieses Jahr schon nicht in der Woche arbeiten müssen – sollten wir zumindest das eine oder andere Pokalspiel spielen. Der Pokal ist immer noch etwas Besonderes – aber das sagen wir auch jedes Jahr.“

Stimmt. Aber vielleicht stimmt es ja mal. Und zumindest bei van der Vaart bin ich optimistisch. Denn der Niederländer hat seinen Karriereabschluss im Blick. „Eine WM in Brasilien ist schon ein Hammer“, sagt van der Vaart, der von Louis van Gaal für das Länderspiel gegen Portugal nominiert wurde. Aber, und das ist das Gute, van der Vaart ist nicht gesetzt im Oranje-Team. „Das ist bei uns keiner“, sagt der Linksfuß, „wir müssen alle kämpfen, um dabei zu sein. Und ich will dabei sein.“ Ergo: Große Auszeiten kann sich van der Vaart in Hamburg diese Saison nicht leisten.

Apropos leisten: 120 Millionen Euro zahlt Real Madrid für Tottenhams Angreifer Gareth Bale. Unfassbare Summe… Vor allem eine, die der HSV in fünf Jahren gerade mal insgesamt investiert hat. In finanziell guten Zeiten. Heute wartet die Mannschaft weiterhin auf einen neuen Angreifer. Und Mladen Petric auf eine Meldung des HSV: „Der Olli K. hat sich noch immer nicht gemeldet, also kann ich nichts tun. Viel Zeit bleibt nicht mehr… Liebe Grüße Mladen“, schreibt der ehemalige Angreifer des HSV via Facebook und bietet sich an. Und wenn ich höre und lese, dass der HSV tatsächlich wieder Eren Derdiyok in Betracht zieht weiß ich ehrlich gesagt nicht, was bitterer wäre. Einer, der sich selbst anbietet oder einer den der HSV schon abgelehnt hat?

Egal wie, es muss noch ein Stürmer her. Denn wenn diese Vorbereitung etwas deutlich gemacht hat, dann, dass sich noch nicht viel verbessert hat. Defensiv ist man nominell unverändert, solange Johan Djourou ausfällt. Im Mittelfeld hat man sich mit Calhanoglu ein riesengroßes Talent dazu geholt – und im Angriff hat man zunächst einmal 12 Tore in Persona Heung Min Son abgegeben, ohne dafür adäquaten Ersatz zu holen. Denn als solchen kann man Jacques Zoua noch nicht bezeichnen. Ich sage „noch nicht“ im Übrigen, weil Trainer Thorsten Fink heute prophezeite: „Es stimmt, Jacques wirkt ein wenig müde, weil er die ersten zehn Trainingstage nicht mitgemacht hat. Aber von ihm können wir noch deutlich mehr erwarten. Da kommt noch was.“ Nur wann ist die Frage.

In Jena aller Voraussicht nach nicht. Weil er müde ist. Anders als Marcell Jansen, der heute das volle Training absolvierte und anschließend Grünes Licht gab: „Ich hatte keinerlei Probleme. Wenn es morgen genauso gut läuft, bin ich dabei.“ Es sei denn, Trainer Fink macht seine Ankündigung vom Dienstag wahr und lässt Jansen nicht spielen. „Wenn er erst am Freitag ins Training einsteigt, reicht das nicht“, hatte Fink gesagt. Heute hörte sich das anders an. Angesprochen auf Jansen sagte er: „Es sieht sehr gut aus bei Marcell. Er scheint keine Probleme zu haben.“ Ob er in Jena dabei ist, sofern am Sonnabend nichts passiert? Fink: „Davon gehe ich aus.“

Nun denn. Nicht dabei sein wird Rene Adler. Der Keeper fühlt sich noch nicht sicher genug. „Er hat mir gesagt, dass er sich noch nicht sicher genug fühlt“, so Fink, der stattdessen Jaroslav Drobny bringen wird. „Ich brauche noch ein paar Einheiten mit der Mannschaft“, sagt Adler, der ansonsten fit wirkt und selbst sagt: „Es klappt alles schon ganz gut. Aber diesmal entscheidet nicht mein Herz sondern mein Kopf. Es ist vernünftiger, wenn ich kein Risiko eingehe.“ Soll heißen, am Dienstag beim Testspiel in Etelsen ist Adler wieder dabei. „Das wäre gut“, so der Nationaltorhüter, „ich brauche noch ein paar Einheiten, bevor es auf Schalke losgeht.“ Dass er da dabei ist, scheint indes klar.

Klar ist auch, dass dieser heutige Tag der heißeste 2. August seit Wetteraufzeichnungen in Hamburg war. Und sollte es am Sonntag in Jena nur annähernd so heiß sein, dürfte es für den HSV in doppelter Hinsicht ein heißer Ritt werden. Denn noch eine Niederlage darf sich der HSV nicht erlauben. Und damit stoße ich keine Trainerdiskussion an, wie es so viele immer sehr schnell machen. Ich schütze Fink auch nicht vor Kritik, sondern weiß, dass Vorbereitungen ganz selten den anschließenden Saisonverlauf vorhersagen. Nein, ich warte den Saisonstart ab, um abschließend beurteilen zu können, ob sich die Mannschaft entwickelt hat. Bislang war davon wenig zu sehen. Aber das kann ja noch kommen. Nein, das muss jetzt kommen. Schon am Sonntag in Jena.

Bis dahin,
Euer Scholle

P.S.: Wer sich noch ein kurzes Video von van der Vaart heute in der Presserunde ansehen will, kann dies auf unserer Facebookseite (www.facebook.com/groups/matzab) machen.

Van der Vaart: “Wir sind im Moment einfach scheiße!”

1. August 2013

Oh Mann. Da halte ich mich noch bewusst zurück („Mal sehen, ob die Spiele in Dresden und Jena meine letzten Bedenken in Sachen Defensivabstimmung und Offensive abstellen können. Denn gerade offensiv hakt es beim HSV noch gewaltig“), um nicht zu früh die Geister hervorzurufen – und dann das. So ein Spiel wie das gestern in Dresden ist ein Schlag ins Kontor des HSV. Ein Schlag, der die gesamte Vorbereitung ad absurdum führt und alles infrage stellt. „Es kann einfach nicht sein, dass wir so ein Spiel abliefern. Nicht zum Vorbereitungsauftakt und noch weniger zum jetzigen Zeitpunkt“, poltert ein sichtlich angefressener Oliver Kreuzer. „Das war einfach nur peinlich.“

Mal wieder. Denn es ist nach dem bitterbösen 0:2 zum Auftakt in Innsbruck nicht die erste Minusleistung des HSV. Im Gegenteil, den T-Home-Cup und Anderlecht mal außen vor, waren die Vorbereitungsspiele eher dürftig. Überzeugend sieht jedenfalls anders aus. Und genau das machten Trainer Thorsten Fink und Sportchef Kreuzer den Spielern unmittelbar nach dem Schlusspfiff in der Kabine sowie heute Vormittag vor einer Extraeinheit deutlich. Oder besser: sie versuchten es. Dabei wurden Videos gezeigt und jedem einzelnen klargemacht, wo die Fehler lagen. Und die waren in der Basis eines jeden Sportlers zu finden: „Das war keine Qualitätsfrage sondern eine Frage des Willens und der richtigen Einstellung“, so Fink und Kreuzer unisono.

Das jedoch, versucht man den positiven Ansatz dieser niederschmetternden Analyse zu finden, lässt zumindest die Hoffnung leben, der HSV habe doch kein qualitatives Problem. Denn genau das dachte ich ausgemacht zu haben. Defensiv ist der HSV sicher nicht schlechter als in der Vorsaison. Sobiech strahlt momentan den Sicherheitsfaktor eines Michael Mancienne oder Slobodan Rajkovic’ aus – liefert aber zugleich Ansätze, die auf mehr hoffen lassen. Allerdings hat man in der vergangene n Saison nachweislich zu viele Gegentore gefangen. Man ist hinten zwar noch uneingespielt und mit Abstimmungsproblemen geschlagen. Allerdings sollte es möglich sein, diese bis Schalke am 11. August in den Griff zu bekommen. Und sollte Djourou wie erwartet spätestens zum zweiten Spieltag einsteigen können, ist der Abwehrblock in meinen Augen sogar besser als in der Vorsaison.

Allerdings kann die Offensive da nicht mithalten. Im Gegenteil. Ich hätte nie gedacht, das mal so zu sagen, aber Heung Min Sons Weggang hat eine noch immer unverschlossene Lücke hinterlassen. Von Jacques Zoua, der die Bälle toll festmacht aber dessen Stärke offenbar nicht das Toreschießen ist, wird man eher keine 12 Tore erwarten können. Und Artjoms Rudnevs soll sich, so habe ich gehört, inzwischen nicht mehr wirklich wohlfühlen. Verständlicherweise. Immerhin wird in immer wieder über die Möglichkeit philosophiert, dass ein verein kommt und den HSV-Angreifer wegkauft. Niemand im Verein schließt das so aus, dass Rudnevs das Gefühl haben könne, hier wirklich wichtig zu sein. Nur, weil man nicht in der Lage ist, seine Ladenhüter zu verkaufen, scheint man den Letten sogar immer wieder ins Schaufenster zu stellen. Bitter. Bitter für Rudnevs. Und, was gekränkte Eitelkeiten nach sich ziehen wissen wir nicht erst seit dem Aufsichtsrat des HSV… Insofern bleibt nur dringend zu hoffen, dass der HSV personell nachlegt. In erster Linie offensiv. Denn so sehr ich auch auf den Durchbruch von Calhanoglu hoffe und darauf setze, ihn neben van der Vaart auf dem Platz zu sehen – allein diese Veränderung reicht nicht aus. Es fehlt ein Knipser. Und sollte der nicht gefunden werden beziehungsweise der HSV mit dem aktuellen Kader in die Saison starten – es wäre fahrlässig.

Und dagegen helfen auch schöne Worte – übrigens eine Disziplin, in der der HSV seit Jahren konstant gut ist – nichts. Auch die Tatsache, dass der in meinen Augen wohltuend fordernde neue Sportchef noch vor Saisonbeginn zum zweiten Mal die verbale Keule rausgeholt hat, spricht nicht dafür, dass es besser wird. Mehr noch, es droht die Gefahr, dass sich Kreuzers Autorität verpufft. Denn außer dem gestrichenen freien Vormittag gab es bisher nur den gehobenen Zeigefinger – und wie bei kleinen Kindern verhält es sich auch hier: wird nicht ausreichend hart bestraft, wird nicht daraus gelernt. Frei dem Motto: Es ist noch immer gut gegangen…

Und leider kann man schnell diesem Irrglauben erliegen, wenn man immer wieder die abgelaufene Saison als Maßstab nimmt. Dass sich 2012/2013 die ganze Liga zwischen Platz vier und 14 durch wiederkehrende Unzulänglichkeiten der Mannschaften kennzeichnete, wird dabei schnell vergessen. „Was gegen Inter noch alles geklappt hat, hat gegen Dresden überhaupt nicht funktioniert“, sagt Rafael van der Vaart. Das darf nicht passieren, wenn man für den HSV spielt. Aber es passiert uns einfach zu oft. Das tut schon weh“, so der Kapitän, der in meinen Augen sinnbildlich für die HSV-Form steht. Denn auch der Niederländer mit dem genialen linken Fuß ist noch nicht in Form – geschweige denn ein Leader auf dem Platz. Dennoch, theoretisch geht van der Vaart voran, kritisiert sich und seine Mitspieler schonungslos. Zum Gesabbel, dass man diese Saison besser ist und Platz sechs das Ziel sein muss, will er sich nicht weiter äußern. Dazu steht auch er. Dennoch gibt van der Vaart zu bedenken: „Du bist immer nur so gut wie dein letztes Spiel. Und im Moment sind wir einfach scheiße….“

Okay, das ist vielleicht etwas übertrieben formuliert, aber tendenziell korrekt. Und zugegeben: Es ist durchaus möglich, dass es dieses Jahr wieder so wird wie in der vergangenen Saison – aber es erscheint mir eher unwahrscheinlich. Ich glaube nicht, dass man mit so durchwachsenen Leistungen wie der HSV in der abgelaufenen Saison in dieser Serie wieder Platz sieben erreichen kann. Im Gegenteil. Ich glaube sogar, dass man sich deutlich steigern muss. Zumal, wenn noch höhere Ziele angestrebt werden.

Aber okay, das ist hypothetisch, zudem eben nur meine Meinung. Und ich würde mich nur zu gern irren…

In diesem Sinne, eigentlich ist fast jedes Wort zu viel im Moment. Die Mannschaft ist in der Pflicht, etwas zu zeigen. Hoffen wir darauf in Jena.

Bis morgen!
Scholle

P.S.: Marcell Jansen und Slobodan Rajkovic pausierten heute. Während Rajkovic weiter pausieren soll, will Marcell Jansen am Freitag wieder ins Training einsteigen. Sein Einsatz in Jena ist dennoch stark gefährdet.

P.P.S.: Obs hilft? Nach dem Training spazierte ein Schornsteinfeger auf den Platz, schüttelte fleißig Hände und wünschte allen anwesenden HSVern viel Erfolg in der kommenden Saison.

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