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Uwe: „Ich wünsche ‚Didi‘ viel Glück!“

11. Juli 2014

Fünf Pokale im Gepäck – das konnte sich sehen lassen, als die Mannschaft des HSV heute Morgen um kurz vor acht Uhr wieder in Fuhlsbüttel eingetroffen ist. Die meisten Kicker haben sich mal gleich in den kurzen Aktiv-Urlaub verabschiedet, ehe es kommende Woche in Hamburg mit der Vorbereitung auf die kommende Bundesliga-Saison weitergeht. Dann werden auch die beiden WM-Fahrer Johan Djourou und Milan Badelj dabei sein, so dass das Team komplett ist – mal abgesehen davon, dass sich personell ja sowieso noch etwas tun soll.

„Wir haben leider relativ wenig von der chinesischen Kultur mitbekommen. Aber es war einen spannende Erfahrung und sehr schön zu sehen, wie freundlich wir empfangen und verabschiedet wurden“, bilanzierte Trainer Mirko Slomka nach der Rückkehr in die Heimat. Nach den beiden Testspielen (2:6 und 3:2) sagte Slomka überdies: „Das erste Spiel war sehr schwierig für uns und der Gegner hat uns vor große Probleme gestellt. Im zweiten Spiel haben wir uns dann an die Gegebenheiten besser anpassen können. Das war homogener und kompakter, und für uns ein gutes Gefühl, mit einem Sieg nach Hamburg zurückzukehren.“ Jeder habe an seine Grenzen gehen müssen, ergänzte der Coach.

Die Reise war auch die erste mit dem alten neuen Mittelstürmer Pierre-Michel Lasogga. Seine härteste Einheit war ein 30-Stockwerke-Marsch die Hoteltreppen hoch. „Das hat er gut gemeistert, und wir haben ihn in einem Spiel auch schon eine Halbzeit reingeworfen. Ich glaube, es war eine gute Woche – auch für ihn.“ „Es war schön und anstrengend – gut, wieder hier zu sein“, so Tolgay Arslan.

Natürlich steht auch bei den HSV-Kickern und dem Trainerteam im Moment alles im Zeichen des nahenden WM-Finals. „Das war ein geiles Spiel gegen Brasilien“, sagte Mittelfeldspieler Tolgay Arslan. „Stand jetzt wird Deutschland das Finale ganz locker gewinnen. Ich hoffe, die packen das.“ Mirko Slomka berichtete von einer richtig witzigen Atmosphäre morgens um vier Uhr im Hotel in China, als sich die Mannschaft vor einem Laptop versammelte, um das berauschende 7:1 live zu verfolgen. „Es wurde natürlich gejubelt. Jetzt ist es soweit, dass Deutschland im Endspiel ist. Es sollte zum Titel reichen, das wünsche ich allen.“ Marcell Jansen ist derselben Meinung: „Ich denke, dass Deutschland im Turnier besser ist. Auch taktisch sind sie besser, wir haben gute Chancen.“


Ich habe vorhin übrigens kurz mit Uwe Seeler sprechen können. Hamburgs Fußball-Idol hatte bekanntermaßen aus gesundheitlichen Gründen auf eine Reise nach Brasilien verzichtet. Abgesehen von seinem Finaltipp („3:1 für Deutschland“) hat „Uns Uwe“ auch seine Meinung zur Entwicklung bei seinem Verein bzw. zur Amtsübernahme von Dietmar Beiersdorfer abgegeben. „Endlich ist es losgegangen. Viel Zeit hat man nicht mehr, um für die neue Saison etwas zu basteln. Ich hoffe, dass Veränderungen kommen. Ich wünsche Dietmar Beiersdorfer viel Glück, ich finde es gut, dass er da ist. Wir waren ja schon nicht zufrieden, als er damals gegangen ist. Ich hoffe, dass er den Verein wieder aufbaut und die richtigen Entscheidungen trifft. Unsere Mannschaft muss sich stabilisieren. Es muss nicht ganz nach oben gehen, aber doch in sichere Gefilde, damit mein altes Herz das noch mitmacht.“

Diesen Wunsch würde „Didi“ dem HSV-Idol und Hamburger Ehrenbürger sicher nur zu gern erfüllen. Aus diesem Grund soll es am Wochenende auch so schnell wie möglich ein sportliches Gipfeltreffen beim HSV geben mit Trainer Slomka und Sportchef Oliver Kreuzer. Heute war Dietmar Beiersdorfer nicht in Hamburg, so dass diese Gespräche also in den kommenden Tagen geführt werden. Aktuell, heute oder morgen, wird sich jedenfalls nichts auf dem Transfermarkt mit dem HSV tun, so viel ist klar.

Also steckt der HSV aktuell noch in einer ähnlichen Situation wie vergangenes Jahr, wo ein Spieler teuer verkauft wurde (damals Son, heute Calhanoglu) und das Geld eigentlich gleich wieder weg ist (damals Abbau der Verbindlichkeiten, heute Lasogga). Der HSV ist in Lauerstellung, in aussichtsreichen Gesprächen mit Spielern (die auch wissen, woran es hapert, nämlich am Flüssigen), kann die Transfers aber noch nicht finalisieren. Und schon sind wir wieder bei Kühne.

Zum Thema Klaus-Michael Kühne und seiner möglichen Bereitschaft, Geld zu geben, wird hier im Blog ja immer wieder herzhaft diskutiert. Kredit, Schenkung, Anteilskauf – es gibt viele Möglichkeiten, wie der Gönner aus der Schweiz dem HSV helfen kann und wohl auch helfen muss, damit sich schon in dieser Saison was Gutes entwickeln kann. Was einen Kredit angeht, den Kühne ja auch schon für die Verpflichtung Pierre-Michel Lasoggas in Aussicht gestellt hatte, nur eine vorsichtige Anmerkung. Natürlich sagt es keiner der HSV-Offiziellen vor laufenden Kameras, aber die Zinsvorstellungen Kühnes lagen in dieser Frage nicht unbedingt im für den HSV machbaren Rahmen. Das heißt: Es gab nicht nur die eine Option (die ja am Ende auch wahrgenommen wurde), Calhanoglu nach Leverkusen zu verkaufen und damit das nötige Kleingeld für Lasogga aufzubringen; die Bedingungen eines Kühne-Kredits wären eben auch nicht berauschend gewesen. Auch für das Darlehen für Rafael van der Vaart muss der Verein teilweise sechs Prozent Zinsen zahlen. Das wollte man hier nicht noch einmal. Trotzdem bleibe ich dabei: Gut, dass Kühne überhaupt dabei ist und seine Hilfe anbietet, man kann ihm nicht unbedingt vorwerfen, dass er keine anständigen Bedingungen für sich haben möchte.


Der mögliche Anteilskauf, der ja von Kühne angestrebt wird und – wie wir auf der Pressekonferenz zur Vorstellung Beiersdorfers auch gehört haben – auch von der HSV-Führung um Didi und Gernandt möglichst schnell kommen soll, ist nicht von einem Tag auf den anderen zu erledigen. Natürlich: Würde Kühne sagen, dass er 25 Millionen Euro gibt und dafür nur ein Prozent an der HSV AG beansprucht, dann könnte man auch sofort handelseinig werden.

Aber so funktioniert das eben nicht. Der HSV ist verpflichtet, und das hatte ich vor ein paar Wochen in diesem Blog schon einmal geschrieben, erst eine seriöse Bewertung seines Unternehmens vornehmen zu lassen. Das macht in der Regel eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft – und erst auf der Basis dieser Zahlen kann dann auch gewirtschaftet werden. Ins Blaue hinein zu verhandeln und zu sagen: „Ich finde, die HSV-Marke ist 300 Millionen wert!“, das geht eben nicht. Es könnte sein, dass bei der ziemlich desaströsen wirtschaftlichen Lage des Vereins und angesichts von vier Jahren mit einem Bilanz-Minus am Ende kein großer Wert für den HSV herauskommt – auch das müssen alle wissen, die auf künftige Reichtümer hoffen. So wird es nicht kommen, und das Beispiel Borussia Dortmund taugt hier überhaupt nicht als Vorbild für den HSV. Dass dort im Ruhrpott ein Mega-Deal eingetütet werden konnte, ist gut und schön. Beim HSV muss man kleinere Brötchen backen, so fürchte ich, denn ein Unternehmen, das wiederum seinen Anteilseignern verpflichtet ist, kann nicht einfach marktunübliche Preise für eine Beteiligung am HSV zahlen. Klaus-Michael Kühne als Privatperson könnte das natürlich sehr wohl – dennoch, ganz schnelle Entscheidungen wird es hier nicht geben können und dürfen.

Es gibt allerdings eine Übergangsregelung, die sich die Macher einfallen lassen könnten. So könnte Kühne einen Betrag vorweg geben unter der Maßgabe, dass bei einer später feststehenden Bewertung des HSV dann erst genau geregelt wird, wie viel Prozent er an der AG erwirbt. Der Vorteil für den HSV liegt auf der Hand: Der Club hätte Handlungsspielraum für die aktuelle Transferphase. Normalerweise dauert eine Bewertung etwa einen Monat – keine ideale Vorstellung, dass der HSV bis zum 10. August warten muss, ehe er auf dem Spielermarkt wieder investieren kann. Ein paar Tage wird es sicher dauern, diesen Deal unterschriftsreif auszuhandeln, aber vielleicht sind wir in der kommenden Woche in dieser Beziehung schon schlauer.

Jetzt wünsche ich Euch ein schönes, erfolgreiches WM-Wochenende.
Lars

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