Archiv für das Tag 'Son'

Fleiß zahlt sich aus – kommt Drmic im Winter?

11. November 2014

Warum werden die Fußballer beim HSV schwächer? „Schlechter Fußball steckt an“ titelte eine Tageszeitung und meinte damit den HSV. Und ich hätte den Autor gern gefragt, ob das eben auch fürs Schreiben gilt. Denn Fakt ist, dass der HSV einige Jahre lang – daher stammt ja auch erst der Name „Dukaten-Didi“ große Talente beim HSV hatte und sie an europäische Spitzenklubs weitergegeben hat. Leider zu viele, wie sich irgendwann bei ausbleibendem Erfolg herausstellt. Und genau hier begann die Phase, die der oben genannte Autor meint. Und letztlich ist die Antwort ebenso komplex wie erklärbar:

Es waren die handelnden Personen, die das Umfeld verschlechtert haben. Zum Teil, weil sie schwache Spieler eingekauft haben, zum anderen, weil sie das sportliche Umfeld für die Mannschaft verschlechterten. Aber klar ist: Schlechter Fußball ist nicht ansteckend – er wird produziert. Und vor allem: Er ist vermeidbar.

Was ich damit meine, ist, schlechte Fußballer finden sich sehr wenige in Deutschlands Oberhaus. Ich behaupte, dass selbst „Hose 21“ beim Aufsteiger Paderborn ein von Haus aus richtig guter Kicker ist und von einem sehr guten Trainer zum richtig guten Bundesligaspieler ausgebildet werden kann. Die wirklich „schlechten“ Fußballer schaffen es gar nicht erst bis ins Oberhaus – es sei denn, irgendein Sportchef hat aberwitzige Ideen und/oder eine schlechte Scouting-Abteilung mit zu viel Entscheidungsgewicht. Letztlich aber ist jeder Verein dafür verantwortlich, wie gut seine Spieler sind, bleiben oder eben werden. Und hier hat der HSV in den letzten Jahren nachweisloch mehr falsch gemacht, als er es sich eigentlich erlauben konnte. Das hat das letzte Jahr gezeigt – und auch jetzt haben die Verantwortlichen noch daran zu knabbern.

Für Abendblatt-Blogs


Seit 2010 hat der HSV keinen Spieler mehr ausgebildet, der noch in den eigenen Reihen spielt. Gestandene Spieler wie van der Vaart, Jiracek, Westermann, Adler und Drobny, die noch da sind, mal ausgenommen. In Hamburg groß gemachte Talente wie Guerrero, Boateng, Son und Calhanoglu mussten oder wollten weg. Ebenso wie die hier perspektivlosen Talente Ben-Hatira, Choupo-Moting und Töre, die gehen sollten oder sich gegen den HSV entschieden. Und das ganz sicher nicht immer nur wegen besser dotierter Verträge…

Ich weiß, dass (jaja, leider auch vom Abendblatt) schon die ersten Benotungen der Neueinkäufe getätigt wurden. Allerdings halte ich das angesichts der Vorgaben vor dieser Saison für unzulässig. Denn klar war, dass der HSV zum Vorjahr viel verändern musste. Und das ohne irgendeinen Cent in der Tasche. Erst nachdem sich die HSV-Bosse und Kühne am Thema „Calhanoglu-weg-und-von-den Einnahmen-Lasogga-kaufen“ gerieben hatten und der Türke gen Bayer verkauft wurde, um Lasogga zu finanzieren, kam der deutlich vorher erhoffte Geldfluss des HSV-Fans und strategischen Partners Klaus Michael Kühne. Daran anschließend wurden noch Nicolai Müller, Valon Behrami, Lewis Holtby und Matthias Ostrzolek verpflichtet. Vier Spieler mit großem Potenzial und teilweise bereits gezeigt guten Leistungen. Allerdings gibt es hierbei den Haken, dass sie allesamt in ein nicht gut funktionierendes Team kommen, das sie funktionieren lassen sollen. Das darf man sicher auch erwarten und sie am Ende daran messen. Aber schlechter als vorher sind sie als Spieler bei HSV nicht geworden. Im Gegenteil: Alle vier heben das Niveau beim HSV deutlich an, obgleich sie alle bis auf Behrami noch nicht annähernd in Topform sind.

Allerdings wurde auch dieses Jahr von der Führung ein eklatanter Fehler gemacht, als man sich dazu entschloss, Mirko Slomka die gesamte Vorbereitung machen zu lassen und ihn dennoch nach nur drei Bundesligaspielen absetzte. Slomka hatte die körperliche Basis erarbeitet und die taktischen Vorgaben eingebläut. Mit seinem Nachfolger Josef „Joe“ Zinnbauer wurde dann ein neuer installiert, der der Mannschaft nicht nur neues Leben einhauchte – sondern auch neue Vorgaben aufdrückte. Damit will ich mitnichten Zinnbauers Weg kritisieren, dennoch musste sich die Mannschaft sich neu orientieren. Wohl bemerkt die „neue“ Mannschaft, die sich gerade einzuspielen versucht hatte. „Wir werden Zeit brauchen, um unseren Weg gänzlich zu finden“, sagte Zinnbauer bei Amtsantritt – und ich habe sie. Weil ich überzeugt davon bin, dass ein konsequent durchgezogener, guter Weg immer noch tausendmal erfolgreicher ist, als fünf unterschiedliche richtig gute, wenn diese alle nur in Teilen gegangen werden. Konstanz ist das Zauberwort.

Und gerade das kann ich nicht zuerst von den Spielern und dann von der Führung verlangen, wie es der Autor leider macht. Ich weiß, dass es Leute gibt, die auch Beiersdorfers Einkaufspolitik vor dieser Saison bereits kritisieren. Aber auch hier halte ich mich klar zurück. Ich mache das nicht, weil ich es a) anders sehe und b) sicher bin, dass der Zeitpunkt für ein solch weitreichendes Resümee noch nicht gegeben ist. Und noch weniger stelle ich mich hin und behaupte, dass beim HSV alle Spieler schlechter werden als sie es vor ihrem Wechsel zum HSV waren. Aber das hatte ich oben bereits erwähnt…

Dennoch gibt der Autor einen ganz wesentlichen Anstoß – wenn auch ungewollt: Das Training muss noch spezifischer werden. Ich weiß, dass diese These Wasser ist auf Dieters Mühlen und dieser beim Lesen dieser Zeilen wieder Bluthochdruck bekommt – aber ich will dafür gar nicht zu weit in die Vergangenheit blicken. Für mich ist entscheidend, was jetzt passiert. Und da sollte der oben erwähnte (an sich tatsächlich sehr schön geschriebene) Artikel als Warnung dienen: Mach mehr als Deine Vorgänger, Joe! Trainiere die zweifellos zahlreich vorhandenen Talente (Holtby, Müller, Lasogga, Ostrzolek, Stieber, Götz, Jung, Steinmann, P. Müller etc.) mit Deinem großen Trainerteam individueller. Und wenn das bedeutet, dass es für einzelne Spieler und auch ganze Mannschaftsteile eine, zwei oder auch drei, vier Einheiten mehr pro Woche sind – dann ist das so. Das verkraftet eine Mannschaft, die nur einen Wettbewerb zu spielen hat, allemal. Zumal dann, wenn sie merkt, dass es hilft.

„Wir müssen mehr arbeiten, findiger sein als die anderen“, war die immer selbe Antwort, wenn man die Verantwortlichen auf den finanziellen Nachteil anderen Bundesligaklubs gegenüber ansprach. Und Fakt ist, das kann man heute sagen: Der HSV war das zuletzt nicht oft. Ob ein Darlehen wie das von Kühne nun als findig zu erachten ist, oder nicht, lasse ich mal dahingestellt. Im Ergebnis ist es mehr Geld – und das hilft zunächst. Dass allerdings gerade die Leute, die den Satz oben prägten und im nächsten Moment eine 17,5-Millionen-Anleihe binnen weniger Monate pulverisieren, ohne dafür Verstärkungen zu holen, ist fatal. Ebenso wie die Tatsache, dass der letzte Individualtrainer Ricardo Moniz war und der nur von 2008 bis 2010 beim HSV arbeitete. Wobei ich hier die Hoffnung habe, dass Dietmar Beiersdorfer, der damals noch Sportchef war, sich der Sinnhaftigkeit eines solchen Trainings erinnert und entweder den vorhandenen Trainerstab zu derartigen Einheiten animiert, wenn er sich derartig gute Individualtrainer aktuell nicht auch noch leisten kann.

Erkennbar ist für mich immer wieder, dass die Spieler nicht schlechter werden, sondern dass sie das Umfeld entscheidend prägt. Schlimmer noch: die wenigen Spieler, die hier wachsen (z.B.: Son, Calhanoglu), die (wollen unbedingt) wechseln.

Mit dem neuen Führungstrio Beiersdorfer/Peters/Knäbel ist da offensichtlich ein sehr guter, erster Schritt getan worden. Mit Zinnbauer ist zudem ein junger, hungriger Trainer am Werk, der von sich sagt, genau auf diese individuelle, sehr akribische Trainingslehre Wert zu legen. Ein junger Schweizer soll kommen, zudem ist der HSV angeblich an einem Leihgeschäft von Bayer Leverkusens Josip Drmic interessiert, wie die “SportBild” berichtet. Kurios: An beiden Spielern soll auch Werder Bremen interessiert sein.

Aber zurück zum aktuellen Kader: Selbst die Leihe von Jonathan Tah nach Düsseldorf erachte ich als sehr hilfreich, weil er sich dort super entwickelt und am Ende zurückkommt. Insofern besteht die Aussicht auf Besserung. Und trotz der berechtigten Kritik an den letzten vier, fünf Jahren, dürfen wir jetzt nicht wieder ungeduldig werden und unsere guten Zugänge schlechtreden, weil der erhoffte Erfolg aus größtenteils erklärbaren und glücklicherweise erkannten Gründen noch ausbleibt. Selbsterfüllende Prophezeiungen nennt man das, glaube ich. Und darauf habe ich keine Lust. Denn dann würde ich mich tatsächlich (als kleines Licht zwar nur in kleinen Teilen, aber dennoch) mitverantwortlich für die sportliche Verschlechterung fühlen…

Apropos: Auch wir wollen uns verbessern und hatten heute ein längeres Team-Meeting in der Redaktion. Dabei kamen viele technische Neuerungen auf den Tisch, einige neue Ideen in Sachen Layout, Themen und Bloggestaltung. Aber vor allem wollen wir die Frage stellen, was Ihr vermisst. Soll heißen: Wir wollen von Euch hören (lesen), was sich hier noch verbessern kann, soll und/oder muss. Beim letzten Matz-ab-Treffen hat sich gezeigt, dass die Gemeinschaft sehr wohl gemeinschaftlich daran interessiert ist, den Blog zu verbessern. Da kam auch die Frage auf, weshalb die Live-Sendungen nicht auf allen Androids abrufbar sind. Daher wäre eine Frage von uns schon mal: Mit welchen Androids (Marke) können die Live-Sendungen nicht gesehen werden? Hat noch wer nachhaltig Probleme, unsere Sendungen abzurufen? Daher wären wir allen, die uns hierbei hilfreiche Kritiken und Anregungen liefern können, sehr dankbar. Am besten würde das funktionieren, indem wir wieder einen „Schneeballpost“ (Post kopieren, mit seinem Eintrag versehen und reinstellen…) machen. Es könnte auf jeden Fall sehr hilfreich sein.

Danke! Und bis morgen. Da wird um 10 und um 15 Uhr auf dem Platz an der Imtech Arena trainiert. Bis dahin!

Scholle

Uwe: „Ich wünsche ‚Didi‘ viel Glück!“

11. Juli 2014

Fünf Pokale im Gepäck – das konnte sich sehen lassen, als die Mannschaft des HSV heute Morgen um kurz vor acht Uhr wieder in Fuhlsbüttel eingetroffen ist. Die meisten Kicker haben sich mal gleich in den kurzen Aktiv-Urlaub verabschiedet, ehe es kommende Woche in Hamburg mit der Vorbereitung auf die kommende Bundesliga-Saison weitergeht. Dann werden auch die beiden WM-Fahrer Johan Djourou und Milan Badelj dabei sein, so dass das Team komplett ist – mal abgesehen davon, dass sich personell ja sowieso noch etwas tun soll.

„Wir haben leider relativ wenig von der chinesischen Kultur mitbekommen. Aber es war einen spannende Erfahrung und sehr schön zu sehen, wie freundlich wir empfangen und verabschiedet wurden“, bilanzierte Trainer Mirko Slomka nach der Rückkehr in die Heimat. Nach den beiden Testspielen (2:6 und 3:2) sagte Slomka überdies: „Das erste Spiel war sehr schwierig für uns und der Gegner hat uns vor große Probleme gestellt. Im zweiten Spiel haben wir uns dann an die Gegebenheiten besser anpassen können. Das war homogener und kompakter, und für uns ein gutes Gefühl, mit einem Sieg nach Hamburg zurückzukehren.“ Jeder habe an seine Grenzen gehen müssen, ergänzte der Coach.

Die Reise war auch die erste mit dem alten neuen Mittelstürmer Pierre-Michel Lasogga. Seine härteste Einheit war ein 30-Stockwerke-Marsch die Hoteltreppen hoch. „Das hat er gut gemeistert, und wir haben ihn in einem Spiel auch schon eine Halbzeit reingeworfen. Ich glaube, es war eine gute Woche – auch für ihn.“ „Es war schön und anstrengend – gut, wieder hier zu sein“, so Tolgay Arslan.

Natürlich steht auch bei den HSV-Kickern und dem Trainerteam im Moment alles im Zeichen des nahenden WM-Finals. „Das war ein geiles Spiel gegen Brasilien“, sagte Mittelfeldspieler Tolgay Arslan. „Stand jetzt wird Deutschland das Finale ganz locker gewinnen. Ich hoffe, die packen das.“ Mirko Slomka berichtete von einer richtig witzigen Atmosphäre morgens um vier Uhr im Hotel in China, als sich die Mannschaft vor einem Laptop versammelte, um das berauschende 7:1 live zu verfolgen. „Es wurde natürlich gejubelt. Jetzt ist es soweit, dass Deutschland im Endspiel ist. Es sollte zum Titel reichen, das wünsche ich allen.“ Marcell Jansen ist derselben Meinung: „Ich denke, dass Deutschland im Turnier besser ist. Auch taktisch sind sie besser, wir haben gute Chancen.“


Ich habe vorhin übrigens kurz mit Uwe Seeler sprechen können. Hamburgs Fußball-Idol hatte bekanntermaßen aus gesundheitlichen Gründen auf eine Reise nach Brasilien verzichtet. Abgesehen von seinem Finaltipp („3:1 für Deutschland“) hat „Uns Uwe“ auch seine Meinung zur Entwicklung bei seinem Verein bzw. zur Amtsübernahme von Dietmar Beiersdorfer abgegeben. „Endlich ist es losgegangen. Viel Zeit hat man nicht mehr, um für die neue Saison etwas zu basteln. Ich hoffe, dass Veränderungen kommen. Ich wünsche Dietmar Beiersdorfer viel Glück, ich finde es gut, dass er da ist. Wir waren ja schon nicht zufrieden, als er damals gegangen ist. Ich hoffe, dass er den Verein wieder aufbaut und die richtigen Entscheidungen trifft. Unsere Mannschaft muss sich stabilisieren. Es muss nicht ganz nach oben gehen, aber doch in sichere Gefilde, damit mein altes Herz das noch mitmacht.“

Diesen Wunsch würde „Didi“ dem HSV-Idol und Hamburger Ehrenbürger sicher nur zu gern erfüllen. Aus diesem Grund soll es am Wochenende auch so schnell wie möglich ein sportliches Gipfeltreffen beim HSV geben mit Trainer Slomka und Sportchef Oliver Kreuzer. Heute war Dietmar Beiersdorfer nicht in Hamburg, so dass diese Gespräche also in den kommenden Tagen geführt werden. Aktuell, heute oder morgen, wird sich jedenfalls nichts auf dem Transfermarkt mit dem HSV tun, so viel ist klar.

Also steckt der HSV aktuell noch in einer ähnlichen Situation wie vergangenes Jahr, wo ein Spieler teuer verkauft wurde (damals Son, heute Calhanoglu) und das Geld eigentlich gleich wieder weg ist (damals Abbau der Verbindlichkeiten, heute Lasogga). Der HSV ist in Lauerstellung, in aussichtsreichen Gesprächen mit Spielern (die auch wissen, woran es hapert, nämlich am Flüssigen), kann die Transfers aber noch nicht finalisieren. Und schon sind wir wieder bei Kühne.

Zum Thema Klaus-Michael Kühne und seiner möglichen Bereitschaft, Geld zu geben, wird hier im Blog ja immer wieder herzhaft diskutiert. Kredit, Schenkung, Anteilskauf – es gibt viele Möglichkeiten, wie der Gönner aus der Schweiz dem HSV helfen kann und wohl auch helfen muss, damit sich schon in dieser Saison was Gutes entwickeln kann. Was einen Kredit angeht, den Kühne ja auch schon für die Verpflichtung Pierre-Michel Lasoggas in Aussicht gestellt hatte, nur eine vorsichtige Anmerkung. Natürlich sagt es keiner der HSV-Offiziellen vor laufenden Kameras, aber die Zinsvorstellungen Kühnes lagen in dieser Frage nicht unbedingt im für den HSV machbaren Rahmen. Das heißt: Es gab nicht nur die eine Option (die ja am Ende auch wahrgenommen wurde), Calhanoglu nach Leverkusen zu verkaufen und damit das nötige Kleingeld für Lasogga aufzubringen; die Bedingungen eines Kühne-Kredits wären eben auch nicht berauschend gewesen. Auch für das Darlehen für Rafael van der Vaart muss der Verein teilweise sechs Prozent Zinsen zahlen. Das wollte man hier nicht noch einmal. Trotzdem bleibe ich dabei: Gut, dass Kühne überhaupt dabei ist und seine Hilfe anbietet, man kann ihm nicht unbedingt vorwerfen, dass er keine anständigen Bedingungen für sich haben möchte.


Der mögliche Anteilskauf, der ja von Kühne angestrebt wird und – wie wir auf der Pressekonferenz zur Vorstellung Beiersdorfers auch gehört haben – auch von der HSV-Führung um Didi und Gernandt möglichst schnell kommen soll, ist nicht von einem Tag auf den anderen zu erledigen. Natürlich: Würde Kühne sagen, dass er 25 Millionen Euro gibt und dafür nur ein Prozent an der HSV AG beansprucht, dann könnte man auch sofort handelseinig werden.

Aber so funktioniert das eben nicht. Der HSV ist verpflichtet, und das hatte ich vor ein paar Wochen in diesem Blog schon einmal geschrieben, erst eine seriöse Bewertung seines Unternehmens vornehmen zu lassen. Das macht in der Regel eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft – und erst auf der Basis dieser Zahlen kann dann auch gewirtschaftet werden. Ins Blaue hinein zu verhandeln und zu sagen: „Ich finde, die HSV-Marke ist 300 Millionen wert!“, das geht eben nicht. Es könnte sein, dass bei der ziemlich desaströsen wirtschaftlichen Lage des Vereins und angesichts von vier Jahren mit einem Bilanz-Minus am Ende kein großer Wert für den HSV herauskommt – auch das müssen alle wissen, die auf künftige Reichtümer hoffen. So wird es nicht kommen, und das Beispiel Borussia Dortmund taugt hier überhaupt nicht als Vorbild für den HSV. Dass dort im Ruhrpott ein Mega-Deal eingetütet werden konnte, ist gut und schön. Beim HSV muss man kleinere Brötchen backen, so fürchte ich, denn ein Unternehmen, das wiederum seinen Anteilseignern verpflichtet ist, kann nicht einfach marktunübliche Preise für eine Beteiligung am HSV zahlen. Klaus-Michael Kühne als Privatperson könnte das natürlich sehr wohl – dennoch, ganz schnelle Entscheidungen wird es hier nicht geben können und dürfen.

Es gibt allerdings eine Übergangsregelung, die sich die Macher einfallen lassen könnten. So könnte Kühne einen Betrag vorweg geben unter der Maßgabe, dass bei einer später feststehenden Bewertung des HSV dann erst genau geregelt wird, wie viel Prozent er an der AG erwirbt. Der Vorteil für den HSV liegt auf der Hand: Der Club hätte Handlungsspielraum für die aktuelle Transferphase. Normalerweise dauert eine Bewertung etwa einen Monat – keine ideale Vorstellung, dass der HSV bis zum 10. August warten muss, ehe er auf dem Spielermarkt wieder investieren kann. Ein paar Tage wird es sicher dauern, diesen Deal unterschriftsreif auszuhandeln, aber vielleicht sind wir in der kommenden Woche in dieser Beziehung schon schlauer.

Jetzt wünsche ich Euch ein schönes, erfolgreiches WM-Wochenende.
Lars

Mal wieder ein kleines Lebenszeichen . . .

25. Juni 2014

***Bitte beachten***
Dieser Artikel ist nur eine kleine und kurze Ergänzung, der zuvor von Lars Pegelow veröffentliche Bericht ist vom heutigen Tag aus Glücksburg und vom HSV – sehr lesenswert!

Ein ganz lieber „Matz-abber“ hat mich heute angerufen und gemeint, ich könnte doch mal wieder ein kleines Lebenszeichen von mir geben. Recht hat er, habe ich sofort gedacht, und mich „ans Werk“ gemacht. Wobei ich eines gestehen muss. Nein, zweierlei: Erstens bekomme ich immer noch viele Genesungswünsche per Mail, und zweitens, Asche auf mein Haupt, ja, wirklich viel Asche, denn ich habe mich immer noch nicht bei allen für ihre Grüße und Wünsche bedankt. Auf diesem Wege sei das nachgeholt, vielen Dank für Eure Unterstützung auf meinem Wege zur Besserung. Allmählich bekomme ich wieder Boden unter meine Füße, aber ich gestehe, ich habe mir das alles viel, viel leichter und einfacher und schneller vorgestellt. Im Krankhaus hatte ich noch gedacht, dass ich das auf einer A-Backe absitzen werde, aber da habe ich mich gewaltig getäuscht. Vor allem das Cortison (auch Kortison geschrieben, ich weiß) hat mich total umgehauen – ein Teufelszeug. Mit vielen, vielen Nebenwirkungen. Ich denke, dass ich zurzeit bei 70 Prozent bin. Aber es wird. Weil ich doch von Euch dabei unterstützt werde. Und von vielen Leuten, von denen ich es nie gedacht hätte, dass sie an mich denken. Toll, es ist einfach nur toll und grandios. Auch eine großartige Erfahrung für’s Leben.

Ich verfolge natürlich den Fußball weiterhin. Von der WM sehe ich nicht alles, aber vieles. Und den HSV verfolge ich natürlich auch. Allein per Telefon, weil mich die Leute anrufen und mit mir über die drei großen Buchstaben klönen wollen. Die meisten haben Angst, das muss ich zugeben, Angst davor, dass auch die kommende Saison so laufen könnte, wie die gerade abgelaufene. Mitunter, je nach Tagesform, teile ich diese Ansichten, obwohl mir eines – ganz eindeutig – auch Hoffnung auf bessere Tage und Zeiten macht. Eines – oder einer. Wenn ich so mitbekomme, dass Mirko Slomka im Training ganz schön anzieht, dann freut mich das ungemein. Der Mann hat es erkannt, woran das Dilemma Nummer eins des HSV liegt, gelegen hat. Dieses C-Jugend-Training all die Jahre, das hat den HSV vor allem runtergezogen, und das scheint nun ein Ende zu haben. Endlich, endlich, endlich. Ich hoffe es sehr. Für den HSV. Für die Mannschaft. Für den Trainer. Und für die Verantwortlichen, die jetzt übernehmen. Es musste jemand kommen und erkenne, wie schlecht diese Mannschaft trainiert ist (und wurde), und der jetzt den Hebel umlegt. Hoffentlich auf Dauer. Wobei ich jedem noch einmal empfehle, einen meiner letzten Matz-ab-Artikel zu lesen – den vom 8. Juni. Darin steht zu lesen, war zu lesen, dass sich vor Beginn der vergangenen Saison zwei Nationalspieler (einer vom HSV, einer von Dortmund) über die absolut unterschiedliche Trainings-Intensität beider Clubs unterhalten haben. Wenn daraus nur ein wenig, nur ein ganz klein wenig die Konsequenzen gezogen werden, dann stünde der HSV meiner Meinung nach vor einer guten Spielzeit 2014/15. Davon bin ich restlos überzeugt. Mirko Slomka ist da auf einem sehr guten Weg, wie mir scheint. Auch wenn ich das (den HSV) derzeit nur von weitem sehr entfernt (war in geflügeltes Wort meines Schwiegervaters) betrachte.

Ähnlich ist es ja mit dieser WM. Nur vorm Fernseher sitzend. Und da gehen mir das Turnier und der HSV nicht aus dem Sinn. Irgendwie denke ich immer an den HSV, wenn ich einen Hamburger Bezug feststelle. Nigel de Jong, Vincent Kompany, Ivica Olic, Niko Kovac, Eric-Maxim Choupo-Moting, Heung Min Son und, und, und.

Und dann denke ich auch an Hamburg. Dass bei den Schweizern immer noch ein Mann namens Reto Ziegler spielt. Der ist schon vor einem Jahrzehnt beim HSV durchgefallen. Weggeschickt haben sie ihn. Erst ausgeliehen und dann vom Hof gejagt. Ja, so spielt das Fußballer-Leben. Aber man muss ja auch nichts können, wenn man in der Schweiz Nationalspieler ist, gell? Auch wenn das über zehn Jahre geht. Bei Deutschland haben Piotr Trochowski, Dennis Aogo und Heiko Westermann (zum Beispiel) ja auch „einige“ Länderspiele gemacht, obwohl sie in Hamburg gespielt haben (und dort nur gelitten waren). Muss ich noch mal loswerden, bei dieser Gelegenheit. Und ich weiß genau, was mir jetzt wieder um die Ohren fliegen wird, ich trage es diesmal aber mit Fassung. Kann ja nicht jeder so schlau sein, wie ein Bundestrainer oder ein National-Coach. Wie zum Beispiel Ottmar Hitzfeld. Der nimmt Ziegler, der jetzt in Italien bei Sassuolo Calcio unter Vertrag steht, zwar mit, lässt ihn aber nicht spielen . . . Hat ja auch genug andere gute Spieler. Zum Beispiel Johan Djourou, fällt mir jetzt gerade ein.

Aber zurück nach Hamburg. Da gab es mal im Amateurfußball einen Trainer, der jetzt Nationaltrainer ist. Wie lange noch, das ist die Frage, aber noch ist er es: Volker Finke. Was kaum jemand vom ehemaligen Freiburger Trainer weiß, dass er im Norden mal bei Havelse war – und auch beim 1. SC Norderstedt. Diesen Abstecher will Finke zwar nicht mehr gerne hören oder lesen, aber er war tatsächlich mal hier. Und welcher Hamburger Verein kann schon sagen, dass einer seiner Trainer mal Coach bei der Weltmeisterschaft war? Das dürften nicht so sehr viel sein . . .

Und dann gibt es ja auch noch einen Spieler namens Alexej Koslow von Dynamo Moskau. Trägt bei den Russen die Rückennummer zwei. Und spielte einst in Hamburg. Bei Bergedorf 85. Muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. ZDF-Reporter Bela Rethy hat sogar gesagt, dass dieser Koslow in der Jugend des HSV ausgebildet worden ist, aber dafür habe ich (noch) keine Bestätigung gefunden. Vielleicht weiß da einer von Euch (oder mehrere?) mehr und macht mich und alle anderen klug. Auf jeden fall ist das schon ein Ding, dass da einer mitmischt, der mal in Bergedorf gespielt hat. Von 85 soll Koslow dann zum VfB Lübeck gegangen sein, und dann? Auf jeden Fall in Brasilien – jetzt.

Und noch ein „dickes Ding“ gibt es aus Hamburger Sicht. Der frühere HSV-Spieler Muhamed Besic fliegt mit Bosnien-Herzegowina zwar nun nach Hause, hat aber alle drei Spiele in Brasilien für sein Land bestritten – dreimal 90 Minuten plus Nachspielzeit. Muhamed Besic. Wer erinnert sich noch? Beim HSV ein Mitläufer, zur Zweiten abgeschoben – und dann quasi vor die Tür gesetzt. Seit dieser Zeit kickt er bei Ferencvaros Budapest, erst von Ricardo Moniz nach Ungarn geholt, dann von Thomas Doll übernommen. Jenen Muhamed Besic, den hier keiner für „voll“ genommen hat. Der immer sehr viel auf sich hielt, aber dennoch keinerlei Beachtung fand. Als er einmal bei der Zweiten auflaufen sollte, fuhr er ohne „Buffer“ nach Norderstedt – keine große Lust, in der Regionalliga zu spielen. Musste er dann doch, weil man ihm Stiefel besorgte, aber dementsprechend spielte er dann auch: lustlos. Weil er sich ungerecht behandelt fühlte.

Jetzt hat er dreimal bei dieser WM gespielt. Muss sich der HSV nun grämen? Es wird sich wohl niemand finden, der dazu bereit wäre. Kann ja auch Zufall sein, dass sich Besic nun bei dieser WM wiedergefunden hat. Wahrscheinlich hatten die niemanden, der bei Bosnien auf der Sechs spielen konnte. So wird, nein, so muss es sein.

Obwohl ich mit Thomas Doll, seinem jetzigen Trainer, gesprochen habe. Und der hat mir nun ein ganz anderes Bild von Besic vermittelt. Erst einmal sind sie alle in Budapest stolz wie Bolle, dass Muhamed Besic WM-Teilnehmer geworden ist. Es gibt, so glaube ich, nicht so sehr viele aus der Ersten Liga Ungarns, die in Brasilien aufdribbelten oder noch aufdribbeln – aber Besic. Und Thomas Doll gerät ins Schwärmen, wenn er von Besic spricht: „Er spielte bei uns erst Innenverteidiger, aber Katze Zumdick und ich konnten ihn davon überzeugen, dass das nicht seine Position ist. Er spielte dann Rechtsverteidiger und wurde eine unserer größten Stützen. Er spielte diesen Part unglaublich dynamisch, zuverlässig, konzentriert. Und er ist in seiner Spielweise ruhiger geworden. Früher war er oft zu hektisch, auch abseits des Platzes, aber er ist ruhig und ausgeglichen geworden – und ein großartiger Spieler.“

Thomas Doll sagt über Besic auch: „Katze und ich, wir haben uns Mühe mit ihm gegeben, und er hat es uns mit erstklassigen Leistungen zurückgezahlt. Ich habe ein Vater-Sohn-Verhältnis zu ihm bekommen, und darauf bin ich stolz. Muhamed ist ein feiner Junge, der noch viel vor sich hat. Wir freuen uns mit ihm und für ihn.“

Am 28. Juni findet sich Besic wieder in Budapest ein. Dann wird seine Situation besprochen. Ferencvaros will den Bosnier behalten, aber hat wohl keine Chance. Es liegen dem „Sechser“ einige sehr lukrative Angebote vor – natürlich, er ist WM-Teilnehmer. Schön für den HSV: Sollte Besic tatsächlich den Verein wechseln, so sollen die drei Hamburger Buchstaben daran beteiligt sein – zu 20 Prozent, wir gemunkelt. Ob verdient oder unverdient, das lasse ich mal dahingestellt, es ist so wie es ist. Nur zum HSV, da sollte sich niemand Sorgen drum machen, wird Besic wohl nicht wieder zurückkommen. Da müsste er vielleicht wieder in der Zweiten spielen . . . Man weiß es nicht, man weiß es nicht.

Einen schönen Abend und einen guten Tag für Euch, ich werde mich demnächst wieder mit einem Lebenszeichen melden. Bitte aber nehmt Euch auch noch den Artikel von Lars Pegelow, den er für mir hier reinegestellt hat, „zur Brust“, er ist sehr, sehr aufschlussreich und gut geschrieben und vermittelt einen Eindruck vom Geschehen in der Flensburger Bucht. Dort hält sich ja der HSV derzeit auf.

Dieter

Alle haben Fehler gemacht – jetzt gilt es: Wir alle müssen die Lehren daraus ziehen!

8. Juni 2014

Das Kapitel Bert van Marwijk ist geschlossen, und das ist auch gut so. Der Vize-Weltmeister-Trainer und der HSV haben sich auf Ablösemodalitäten geeinigt, die Trennung ist jetzt auch finanziell besiegelt. Zu welchen Konditionen ist offen, aber es dürfte dem Dino gekostet haben . . . Das waren teure und trostlose 143 Tage, an denen der Niederländer den HSV nur noch tiefer in den Sumpf geführt hat. Aber gut, dieser Teil der äußerst unrühmlichen Vergangenheit der Rothosen ist bekannt – und nicht zu ändern. Erst in der neuen Saison. Und der blicke ich durchaus optimistisch entgegen, denn irgendwann wird auch dieser bislang von vielen Amateuren geführte HSV aus seinen schwersten Fehlern lernen müssen. Genau das hatten in der Vergangenheit immer wieder viele Experten und HSV-Ehemalige an diesem Verein kritisiert.


 

Einer von ihnen ist der frühere HSV- und Nationaltorwart Uli Stein. Ich traf ihn beim ersten Relegationsspiel gegen Fürth, wir hatten einige Zeit, um über diesen HSV zu sprechen. Und genau ein Thema war dabei, dass der HSV nie gelernt hat, die Fehler, die zum stetigen Niedergang geführt haben, zu analysieren und daraus Nutzen zu ziehen. Stein hoffte deshalb vor allem auf neue Strukturen – und die sind dem Club nun gegeben. Die Weichen für eine erfolgreichere Zukunft sind gestellt, es könnte “von oben” nun alles besser werden, wenn unten, an der Basis, mit offenen Augen die neue Saison geplant wird. Und das muss ganz klar heißen: Die Lehren aus dem Desaster 2013/14 ziehen.

Ich habe in den letzten Tagen jeden einzelnen Spieler unter die Lupe genommen und oft auch hart kritisiert. Dieses “Hart kritisiert” flog mir danach oft um die Ohren – weil es zu hart war? Schon vergessen, was der HSV für eine grottige Saison gespielt hat, mit seinen kümmerlichen sieben Siegen und 27 Pünktchen? Wahrscheinlich ist es so. Mir flogen aber auch unglaubliche viele Leserbriefe zu, und die habe ich sehr genau durchgelesen. Ein Punkt kam dabei immer wieder hervor, und ich zitiere aus einer Mail an mich:

Ich verstehe es, wenn Ihr Jarchow nicht wehtun wollt, indem Ihr die Wahrheit schreibt. Mir persönlich hätte es allerdings nach dieser Saison eine gewisse Befriedigung meiner geschundenen HSV-Seele gegeben, wenn Klartext geredet werden würde und die Dinge einmal komplett aufgearbeitet werden würden, um dann mit dem leidigen Thema abzuschließen und in eine hoffentlich bessere Zukunft zu schauen.

Carl-Edgar Jarchow ist für viele hier der Sündenbock Nummer eins. Für mich nicht. Gebe ich zu, dazu stehe ich auch. Obwohl er ganz klar auch gravierende Fehler begangen hat – aber wer hat das nicht in diesem HSV? Sie haben alle unheimlich viele und große Fehler gemacht. Jarchows vielleicht größter war, dass er nach einigen Monaten nicht das in die Tat umgesetzt hat, was er vorher angekündigt hat – nämlich dass er nur übergangsweise der HSV-Boss ist. Er hatte Gefallen daran gefunden, ein gefragter Mann in der Hamburger Öffentlichkeit zu sein, er fühlte sich vielleicht auch ein wenig geschmeichelt, dass er der große Mann des HSV geworden war – aber er übersah die vielen, vielen Probleme, die er geerbt hatte. Die hätten ihn, ganz eindeutig sogar, zur frühen, ich meine sogar zur sofortigen Aufgabe des Amtes zwingen müssen. Weil er, das kommt noch ganz entscheidend hinzu, ja auch in der Öffentlichkeit niemals darüber plauderte, was er eigentlich beim HSV vorgefunden hatte – als er der Boss wurde. Carl-Edgar Jarchow hat geglaubt, dass er es mit seiner ruhigen, ausgeglichenen Art richten würde, dass er es so packen würde mit dem HSV, aber das war sein größter Irrglaube.

Zumal er, und das ist Fehler Nummer zwei, nicht der Mann ist, der mal mit der Faust auf den Tisch haut und Tacheles spricht. Nicht dass er dazu nicht fähig wäre, nein, ganz gewiss nicht, er wird auch das können – aber er konnte es mit seinen “Untergebenen”, die für die Bundesliga-Mannschaft des HSV die Hauptverantwortung trugen, nicht. Er konnte zum Beispiel keinem Trainer mehr Fleiß injizieren, Jarchow sah mehr oder weniger tatenlos zu, wie die Herren Trainer nur das machten, was sie wollten, was sie für richtig und die Mehrheit der Experten für grundlegend falsch hielten. Die Trainer machten nicht das, was dieser Club und vor allem diese Mannschaft so dringend gebraucht hätte – und von “oben” sahen die Herren nur zu, auch und genau Carl-Edgar Jarchow.

Ihr werdet Euch noch – sehr unangenehm – an die 2:9-Pleite von München erinnern, vorletzte Saison. Danach stellte sich Carl-Edgar Jarchow vor alle Kameras dieser Welt und sagte mit zusammengekniffenen Lippen (wenn das überhaupt so geht, aber so habe ich es in Erinnerung) und mächtigem Grummeln in der Stimmen und mit ganz bösem, bösem Blick: “Dieses Debakel wird Konsequenzen haben, wir werden am Ende der Saison ganz genau analysieren – und dann dementsprechend reagieren.” Sollte heißen: Köpfe werden rollen, innerhalb der Mannschaft, die so krass versagt hatte. Was blieb aber am Ende (wieder einmal) übrig von diesen Ankündigungen? Nichts. Nur der Trainer wurde gewechselt. Die Spieler durften dem Verein weiter auf der Nase herumtanzen – und Millionen nach Hause abschleppen. Das, was Herr Jarchow angekündigt hatte, war ein Sturm im Wasserglas, dieser sollte die Masse beruhigen – und tat es ja auch im ersten Moment.

Nur: Wenn die Spieler, die ja in der Mehrheit auch große Schlitzohren sind, so etwas mitbekommen, dass große und harte Konsequenzen getätigt werden, aber nie etwas passiert, dann legen die Herren Profis erst recht ihre Füße hoch und lassen den lieben Gott einen guten Mann sein – und Carl-Edgar Jarchow erst recht. Es ist ja nichts zu befürchten, nicht das Geringste, alles nur heiße, heiße Luft. Wenn überhaupt.

Das sind die Fehler, die ich dem Noch-Boss des HSV ankreide. Er hat es sicher auf seine hanseatische Art niemals böse gemeint, er hat besonders in seiner ersten Zeit wieder für Ruhe im Verein gesorgt, aber ganz sicher wäre es besser gewesen, wenn er auch seinen leitenden Angestellten gegenüber mal etwas energischer aufgetreten wäre. Als Mensch, das muss ich ganz klar sagen, hat mich Jarchow immer überzeugt, da würde ich niemals ein schlechtes Wort über ihn verlieren – deswegen würde ich mir auch wünschen, wenn er diesem und seinem HSV erhalten bliebe, und zwar als der Repräsentant. Und wenn es nicht anders ginge, dann eben nur als Präsident des e.V. Ob er sich diesen Job allerdings noch antun würde? Da habe ich dann doch meine leichten Zweifel.

Welche (glorreichen?) Zeiten nun auf den HSV zukommen könnten, das hat mir einmal mehr das Interview, das die Kollegen der Bild mit dem neuen Aufsichtsrats-Chef Karl Gernandt in dieser Woche geführt haben, gezeigt. Gernandt, der es bis zur “rechten Hand” von Milliardär Klaus-Michael Kühne gebracht hat, hat nicht nur angedeutet, wie stramm er in der Führung des HSV mitarbeiten wird. Der Mann gibt eine klare Richtung vor, und ich denke mal nicht, dass er sich auch nur einmal ansatzweise auf der Nase herumtanzen lässt. Gernandt sagt etwas einmal, und dann muss es sitzen, ansonsten wird es Konsequenzen für den geben, der sich nicht nach den Worten des AR-Vorsitzenden richtet. Das ist für mich schon mal nicht nur sehr gut, es ist auch nicht anders durchführbar. Und genau deshalb hat es ja diesen Struktur-Wandel im HSV gegeben. Die Führung gibt die Linie vor, und von außen hat kein Sabbelfreier mehr die Chance, dummes Zeug zum Besten zu geben. Und wenn er es dennoch tut, bleibt es – natürlich – unerhört.

Hinzu kommen wird beim HSV ja auch noch der AG-Vorsitzende, und das wird Dietmar Beiersdorfer. Ich habe mit dem “Didi” gestern gesprochen, es ist im Fluss. Im Moment liegt es eher an Zenit St. Petersburg, wie und wie schnell es gehen kann, es wird demnächst ein Telefonat zwischen Beiersdorfer und seinem Noch-Club geben, eventuell wird der “Didi” auch noch erst nach Russland gebeten – aber ich denke mal, nachdem was alles hinter den Kulissen läuft und schon gelaufen ist, dass Dietmar Beiersdorfer der erste AG-Vorsitzende des HSV werden wird. Und das ist schon mal sehr beruhigend zu wissen, denn er kennt den HSV, kennt das Geschäft und er weiß genau, was Hamburg von ihm erwartet.

Wer dazu, den Posten gibt es ja auch, der Sportchef des HSV wird, ist noch offen. Obwohl ich mich auch da klar festlege: Es wird einen neuen Mann geben. Oliver Kreuzer, wir erinnern uns, hatte von Beginn an beim HSV dem Titel “Drittliga-Manager” zu leben, der ihm von Klaus-Michael Kühne verpasst worden war. Kaum anzunehmen, dass der große Mann im HSV-Hintergrund jetzt nicht seinem Mann, nämlich Karl Gernandt, die Anweisung geben wird, einen neuen Sportchef zu suchen und zu installieren.

Oliver Kreuzer hat ja auch bei einem Teil (ob nun ein großer oder kleiner Teil, das sei dahingestellt) des HSV-Anhanges fast schon jeglichen Kredit verspielt. Ganz sicher gab es auch einige Entscheidungen, die zu kritisieren waren und sind, ganz sicher gab es auch einige unglückliche Äußerungen von Kreuzer, und wie schwerwiegend die in der Summe dann sind, das müssen die “neuen Herren des HSV” nun bewerten. Wobei ich denke, dass sie es schon längst getan haben, es aber nur deswegen noch nicht verkünden, weil sie offiziell ja erst vom 1. Juli an in Amt und Würden sind. Und mit einem neuen Sportchef, der eventuell sogar technischer Direktor heißen wird, steigt weiter die Hoffnung, dass endlich wieder der Leistungs-Fußball in Hamburg Einzug hält.

Und genau das ist der Punkt, dem ich Oliver Kreuzer am meisten ankreide: Der Sportchef sah zu, wie diese Trainer, die Herren Thorsten Fink und Bert van Marwijk, diesen HSV ins untere Tabellendrittel trainierten. Das war unfassbar. Und ich möchte da mal eine Begebenheit zum Besten geben, die sich vor der Saison abgespielt hat. Und zwar am 21. Juli 2013. Telekom-Cup in Mönchengladbach, der HSV hatte gerade das “kleine Finale” gegen Borussia Dortmund mit 0:1 verloren. Da trafen sich zwei Nationalspieler, je einer von den beteiligten Clubs. Wer das war, verrate ich besser nicht, ich weiß es aber, möchte diese Herren nur schützen. Beide unterhielten sich auch über die Torturen der Vorbereitung. Sagte der Dortmunder: “Man, man, man, ich habe vielleicht dicke Beine, der Trainer scheucht uns gnadenlos, so etwas Hartes habe ich noch nie erlebt, das ist fast schon unmenschlich. Laufen laufen, laufen, das zweimal am Tag, mehr ist im Moment nicht, ich weiß nicht, wie lange das noch andauert – und wie lange ich das noch mitmachen kann. Irgendwann werde ich körperlich am Ende sein. Und was macht ihr?” Der HSV-Profi druckste rum, sah sich nach links und rechts und nach hinten um, suchte nach einer Erklärung und übte sich dann in Diplomatie: “Ja, gelegentlich trainieren wir auch zweimal pro Tag . . .”

Genau das war es doch. Genau, genau, genau. Hier wurden die Spieler im Training doch dicker. Was hier unter dem Thema “Vorbereitung” ablief, das war Kindergarten. Ich wiederhole mich da gerne: Kindergarten. Pille-palle. Lächerlich. Und grausam schlecht. Dafür hätte der HSV eigentlich einen Sportchef gebraucht, der ganz klar sagt was Sache ist. Gab es aber nicht. Oliver Kreuzer sah diesem schlimmen Treiben tatenlos zu, anstatt sich mit seinem “Kumpel” Fink zusammenzusetzen und mal Tacheles zu sprechen, dass es so nicht geht. Es musste erst die Entlassung des Trainers kommen, so geht es dann ja eben auch. Vielleicht wäre es auch gegangen, wenn der HSV eine Führung gehabt hätte, die sich einig darin gewesen wäre, dass sie ihrem Trainer mal den Marsch bläst. Nur dazu fehlte den Herren einheitlich der Schneid.

Und, das gebe ich zu, auch uns, den Hamburger Journalisten, die den HSV begleiteten, fehlte diese Courage. Auch mir, ganz klar, ich nehme mich da nicht aus, auch ich sah nur tatenlos und dämlich zu. Da wird in der Oberliga Hamburg ganz anders und viel härter trainiert, das weiß ich, weil ich einige Trainer kenne, die gelegentlich auch bei den HSV-Profis zusahen – und sich schlapplachten. Bei den Bundesliga-Herren wird das Training ja schon seit geraumer Zeit als “höchst wissenschaftlich” verkauft. Geh mir weg mit “wissenschaftlich”, geh mir weg. Ich verspreche hiermit hoch und heilig, dass ich, so lange ich diesen Job noch machen werde, ich nie mehr wegsehen werde, wenn sich solche gravierenden Missstände wieder einmal auftun sollten. Und wenn ich von dem jeweiligen Trainer jeden Tag was an die Ohren bekomme – ich werde es anprangern. Weil ich von diesem in meinen Augen total unprofessionellen Verhalten die Schnauze gestrichen voll habe. Obwohl ich auch gestehen möchte (und festhalten will): Ich bin nur der kleine Matz, der hier nichts, aber auch absolut nichts zu sagen oder zu entscheiden hat. Also zählt mein Urteil natürlich nicht, ich möchte da nicht auch nur im Ansatz an Selbstüberschätzung leiden – aber bemerkbar werde ich mich trotz allem machen.

Dabei sei noch kurz angefügt, dass in Hamburg wirklich alle Fehler gemacht haben – auch die Fans. Das sollte keiner übersehen, und vielleicht sollte so mancher HSV-Anhänger (Anhängerinnen sind eingeschlossen) doch ganz heimlich und im stillen Kämmerlein Besserung geloben. Es kann doch nicht angehen, dass die eigenen Spieler permanent niedergemacht werden. Es begann, so glaube ich, bei Daniel van Buyten (nach Bekanntwerden seines Bayern-Wechsels), dann war Piotr Trochowski dran, es folgte David Jarolim, dann Dennis Aogo und zuletzt Heiko Westermann. Muss das wirklich sein? Ich denke nein. Bei aller Liebe zum HSV, die eigenen Spieler fertig zu machen, das passt nicht. Auch daran darf getrost zur neuen Saison gearbeitet werden.

Aber zurück zur Kraftlosigkeit der HSV-Mannschaft 2013/14. Alle haben sie es doch gesagt, alle, dass diese HSV-Mannschaft total untrainiert ist. Immer und immer wieder. Passiert ist nichts. Auch innerhalb der Führung nicht. Sie alle sahen zu und schwiegen. Das, jawohl, das ist der schlimmste Fehler, der hier passiert ist. Denn es ging doch um einen Profi-Fußball-Verein, da müssen doch die Angestellten, die hier die Punkte einfahren sollen, fit gemacht werden, sodass sie ihrem Auftrag auch gerecht werden können. Ich erinnere mich bei dieser Gelegenheit an die erste Saison, in der es “Matz ab” gab – vor fünf Jahren. Da standen wir mal bei eisiger Kälte im Volkspark und sahen – mit sieben, acht “Matz-abbern” – dem Training zu. Bis “el presidente” mal ganz unaufgeregt in die Runde fragte: “Wann wird hier eigentlich mal Konditionstraining durchgeführt? Ich sehe hier seit Monaten nichts. Machen die das heimlich? Laufen die dann durch den Volkspark, wenn keine Fans da sind? Laufen die vielleicht nachts, in der Dunkelheit?” Gute Frage, aber Antworten hat der gute Benno Hafas darauf nie bekommen. Weil es diese Antwort nie gab – auch in den so genannten Trainingslagern nie. Nie!

Saft und kraftlos waren die Herren in den meisten Spielen. Wenn ich nur an die letzte Partie denke, das in Fürth. Nach dem 1:1 taumelten die HSV-Spieler nur so über den Platz, eine halbe Stunde lang. Schlecht konnte einem davon werden, so etwas zu sehen und erleben zu müssen. Ich hoffe nur, dass die Herren, die dafür verantwortlichen waren (nicht Mirko Slomka!) dass auch gesehen und sich mies dabei gefühlt haben. Hoffentlich, obwohl, mir fehlt der Glaube.

Allerdings bin ich überzeugt davon, dass mit der neuen Führung, dazu Beiersdorfer und der neue Sportchef, hier die Post abgehen wird. Sie müssen doch aus ihren Fehlern gelernt haben. Und wenn dann der jeweilige Trainer nicht so mitziehen will, wie die Führung es sich vorstellt, dann muss eben gehandelt werden. Kontinuität hin, Kontinuität her, es muss hier endlich ein richtiger und absoluter Profi-Verein installiert werden, endlich, endlich, endlich. Wenn ein Trainer wirklich gut ist, dann soll er von mir ein Herrgott sein, aber nur dann. Und hier war schon so lange keiner mehr gut, das ist auch klar.

Denn sonst wären die Spieler, auch die Talente, hier gelegentlich besser geworden, aber nichts da, Pustekuchen. Und wer da vielleicht Heung Min Son als Gegenbeispiel anführen möchte – lass mal stecken. Das war überwiegend der Papa. Der hat seinen Filius trainiert. Mit Ball und ohne. Jeden Tag. Jeden noch so langen Tag. Und auch wenn es da einen Vize-Weltmeister-Trainer gegeben hat beim HSV, der feststellte – und es auch der staunenden (?) Öffentlichkeit verkündete: “Es ist wissenschaftlich längst erwiesen, das einmal Training pro Tag reicht . . . Man kann die Spieler auch kaputttrainieren.” Oha.

Ich habe schon vor einiger Zeit gefragt, ob es wissenschaftlich vielleicht auch längst erwiesen ist, dass zweimaliges Training am Tag nicht schadet? Wenn ich da so an den Herren aus Dortmund erinnern darf, wo zweimal am Tag und tagtäglich gelaufen, gelaufen und gelaufen wurde – es hat dem BVB offenbar nicht sonderlich geschadet. Obwohl, natürlich, der Club von Klopp ist nur Vizemeister geworden. Da war vielleicht doch mehr drin, bei nur einmal Training am Tag.

Es ist beim HSV in diesem Punkt so viel geschludert. Meistens einmal am Tag Bewegung, dann wurde (vielleicht) noch im Kraftraum gearbeitet – das war es. Kaum Standards. Kein Einzeltraining, um gewisse Schwächen abzustellen, oder Stärken noch stärker zu machen. Und wenn ich das schreibe, denke ich sofort an Oliver Bierhoff. Einst bekanntlich HSV-Stürmer und hier gnadenlos gescheitert. Ich habe mich damals schwer getäuscht, weil ich bei seinem Abgang aus Hamburg fest davon überzeugt war: “Den siehst du im großen Fußball nie wieder.” Denkste. Torjäger in Italien ist er noch geworden. Unter anderem deswegen, weil Trainer Alberto Zacceroni bei Udinese Calcio mit ihm Sonderschichten fuhr. Zacceroni hatte bei Bierhoff, der mit 1,91 Meter ja ein großer Kerl ist, eine gravierende Kopfballschwäche festgestellt. Also wurde trainiert, trainiert, trainiert. Der Coach verlangte alles. Früher zog Bierhoff im Kopfballduell immer den Kopf ein, machte sich also kleiner als er ist – und zog meistens den Kürzeren. Unter Zacceroni blühte Bierhoff auf, er “marschierte” dann in den luftigen Duellen immer mächtig durch – und wechselte mit dem Erfolgstrainer dann auch zum AC Mailand.

So geht es eben auch, wenn man sich Mühe gibt, wenn man als Coach etwas erreichen will, wenn einem als Trainer der Verein und die Spieler am Herzen liegen. Hier waren sie zuletzt alle unheimlich bequem, mehr nicht. Und das hätte die Führung erkennen und abstrafen müssen, dann wäre es mit dem HSV nicht so weit gekommen, wie es gekommen ist.

Fehler über Fehler eben. Die vier “Aussortierten” – hat sich das über einen so langen Zeitraum irgendein “Bonbon-Club” erlaubt? Ich kenne keinen, der vier Spieler abschob, obwohl es nur bergab ging. Und dass diese Spieler nicht so schlecht waren, wie sie gemacht wurden, das haben wir in der Endphase der Saison gesehen. Dazu gab es auf dem Rasen keinen Leader, der das Heft mal in die Hand nehmen konnte, um noch etwas zu bewirken. Niemand. Alle gingen sie stets mit unter. Wobei ein Kapitän Rafael van der Vaart schon deswegen eine Fehlbesetzung war, weil er sich einfach zu viele private Eskapaden erlaubte. Zu früheren Zeiten hätte da die HSV-Führung, und wenn es nur der Trainer gewesen wäre, ganz hart durchgegriffen – hier passierte wieder nichts. Dann wurden in der Winterpause mit Quasim Bouy und Ola John zwei Spieler geholt, die mindestens ein halbes Jahr keine Spielpraxis mehr hatten. Wahnsinn, wirklich der nackte Wahnsinn Und alle sahen zu! Per Cilian Skjelbred wurde auch abgeschoben, zu Hertha BSC, ketzerische HSVer sagen, weil er dem Trainer zu viel lief! Dass beim HSV eine Doppel-Zehn stets auf der Doppel-Sechs stand, das fiel hier vielen Usern auf, aber keinem Trainer. Ferner stand (oder steht) der HSV in Sachen Marketing an 18. Stelle in Europa. Es müsste also Geld genug da sein, ist es aber nicht. Weil hier seit Jahren das Geld mit beiden Händen zum Fenster hinausgeworfen wurde. Immer raus damit, wir haben es ja. Und die Aufsichtsräte nickten eifrig und fleißig alles ab. Hauptsache wir bleiben im Amt und bekommen unsere Freikarten . . .

So ließe sich die Liste der groben Fehler sicher noch lange fortsetzen, aber ich lasse es damit jetzt mal bewenden. In der Hoffnung, dass diesmal wahre Experten am Ruder sind, die den HSV wieder aufrichten und zu gewissen Erfolgen führen werden. Darauf hoffe ich, aber ich bin, wie anfangs schon geschrieben, davon auch absolut überzeugt, dass es so kommen wird.

So, und allen jenen, denen ich nun wieder einmal etwas zu forsch auf die Füße getreten bin, bitte ich um Nachsicht. Es musste noch einmal sein. Das war meine General-Analyse von schlechtesten HSV aller Zeiten – ab jetzt nur noch positiv und nach vorne.

Dieter

Die Hoffnung auf die Rückkehrer – und: Was erlauben Fink?

23. April 2014

Okay, wenn der Thorsten das sagt. Mit ihm hätte der HSV also keine Abstiegsnöte durchleiden müssen – genau genommen sagte er: „Ich kenne die Mannschaft sehr gut und hätte es hinbekommen, den Schlendrian aus ihr herauszubekommen. Mit mir wäre der HSV in dieser Saison vielleicht nicht in den Europacup gekommen. Aber er hätte mit dem Abstieg nichts zu tun.“ Die Frage, die ich mir beim Lesen dieser Zeilen stelle, ist, wie er darauf kommt. Denn: Seinen Punkteschnitt von 0,8 Pro Spiel in dieser Saison vorausgesetzt würde bedeuten, dass der HSV jetzt (aufgerundet) 25 Punkte hätte – also zwei weniger als tatsächlich und gerade mal so viele wie der Tabellenletzte Eintracht Braunschweig. „Ich kenne die Mannschaft, ich hätte den Schlendrian herausbekommen“, sagt der ehemalige Trainer via Sport Bild – und ich frage mich, warum. Immerhin habe ich Fink als durchaus loyalen Typen kennengelernt, der sich selten bis nie zu voreiligen Äußerungen – „Zoua ist ein Typ wie Guerrero“ im Sommer mal ausgenommen – hatte hinreißen lassen.

Jetzt also doch.

Denn ich empfinde diese Aussage als Affront und despektierlich seinen Nachfolgern gegenüber. Vor allem Slomka gegenüber, der letztlich nur noch das Übel seiner Vorgänger verwalten und ausbügeln muss. Denn für die Planungen des Kaders waren Fink im vergangenen Sommer und van Marwijk im Winter verantwortlich. Und immerhin hatte sich Fink im Sommer für einen Verkauf von Heung Min Son ausgesprochen und Artjoms Rudnevs als intern aufs Abstellgleis gestellt. Fink hatte zudem die Verpflichtung von Jacques Zoua empfohlen, er hat Sobiech mit Sportchef Oliver Kreuzer gescoutet und etliche Spieler (zum Verkauf) aus dem Kader suspendiert – ergo: Er hat maßgeblichen Anteil an der Planung des Kaders, dem inzwischen nicht nur ich fehlende Qualität attestiere.

Nein, das kann Fink schlichtweg nicht ernst meinen. Wobei, eine Erklärung für Finks plötzliches, öffentlich mutiges, lautes Auftreten gibt’s dann doch: Er hat etwas in der Pipeline und will sich nachhaltig ins Gespräch bringen.

Und tatsächlich, keine zwei Telefonate nach diesem ersten Verdacht bekomme ich tatsächlich die Info, dass Thorsten Fink vor einem neuen Engagement steht. Kein Quatsch. Am Wochenende wird sich der ehemalige HSV-Trainer, der zuletzt auch bei Eintracht Frankfurt im Gespräch war, mit seinem noch bis Ende Juni beim HSV unter Vertrag stehenden Assistenten Patrick Rahmen sowie Vereinsoffiziellen unterreden, ob das Job-Angebot interessant ist. Meinen Recherchen nach handelt es sich bei Finks potenziell neuem Arbeitgeber diesmal um den HSV-Konkurrenten im Abstiegskampf, um den 1. FC Nürnberg. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Oder soll diese Kleinattacke den HSV im Abstiegskampf noch mal verunsichern und so die Chancen erhöhen, dass der FCN doch noch drin bleibt? Oder ist es doch Frankfurt? Ein perfides Gedankenspiel – hoffe ich zumindest…

Für Abendblatt-Blogs


Und wo ich schon mal dabei bin, zugegebenermaßen zu spekulieren: Auch Bayer Leverkusen sucht einen neuen Trainer (und soll sich mit Salzburgs Schmidt inzwischen einig sein). Das ist noch nicht besonders, weil bekannt. Allerdings hatte der Werksklub zuvor intern verlauten lassen, dass man sich mit dem FSV-Mainz-Trainer Thomas Tuchel so gut wie einig sei. Unter den Bundesligamanagern und bei den Spielerberatern galt das als fix. Tuchel allerdings hat inzwischen zur Überraschung aller abgesagt – und viele fragen sich: warum?

Ein Klub wie Bayer wäre für Tuchel finanziell ein Quantensprung – und sportlich ebenfalls eine massive Steigerung. „Was passiert aber, wenn Jogi Löw nach der WM sein Amt nicht mehr weiter ausführen soll oder will?“, fragte mich mein Gesprächspartner heute rhetorisch. Denn er spielte darauf an, dass – und das ist ein offenes Geheimnis – Jürgen Klopp in dem einen Fall Borussia Dortmund verlassen würde und zum DFB wechseln könnte. Dann würde Tuchel für den BVB als Klopp-Nachfolger hochinteressant.

Sollte da eine große Rochade vorgeplant sein?

Damit mich hier keiner falsch versteht, das ist eine zugegeben wilde Theorie. Und egal wie viele Konjunktive hier zweifellos zu nutzen sind, es ist zumindest eine interessante Theorie. Ebenso wie die von Finks Aussage im Zusammenhang mit einem Engagement in Nürnberg.

Gesund geworden, und das ist dann doch wichtiger als jede Trainerdiskussion, ist Milan Badelj. Ebenso wie Marcell Jansen absolvierte er heute erneut große Teile des intensiven Trainingsprogrammes, das immer wieder von Trainer Mirko Slomka unterbrochen wurde. Umschaltspiel stand auf dem Plan und Slomka forderte insbesondere Offensive Abschlüsse. Auffällig gut war hierbei Ivo Ilicevic – und auch Kerem Demirbay wusste zu gefallen. Dass Badelj am Sonntag in Augsburg in der Startelf steht, sofern ihm nichts mehr passiert, scheint klar. Und ich bin mir noch nicht sicher, wen Slomka neben den Kroaten stellen wird. Die defensivste Lösung mit Tomas Rincon? Oder die spielerischere Lösung mit Tolgay Arslan? Oder setzt Slomka auf frisches Blut und die Willensstärke des Deutsch-Türken, der allen zeigen will, weshalb er nach Hamburg gewechselt ist. „Es fiel mir extrem schwer, immer zuzusehen und nicht mithelfen zu können“, hatte Demirbay kurz vor seinem Debüt gegen Wolfsburg gesagt. Und auch anschließend konnte er sich ob der 1:3-Niederlage nicht richtig freuen. „Das habe ich mir anders vorgestellt, das kann es noch nicht sein.“

Demirbay ist jung, unerfahren – aber heiß. Arslan hingegen ist auch jung, trotzdem relativ erfahren – aber im Moment außer Form. Gegen Leverkusen noch bärenstark, wirkte der Deutsch-Türke zuletzt zweimal völlig neben der Spur. Er war in Hannover ebenso wie zu Hause gegen Wolfsburg maßgeblich an den entscheidenden Gegentoren beteiligt und wurde ausgewechselt. Nicht wenig spricht dafür, dass Slomka Arslan auch gegen Augsburg eine Pause gönnt. Wobei ich dabei bleibe, dass in Arslan trotz seines fehlenden Sprinttempos deutlich mehr Potenzial steckt, als ihm der Großteil der Blogger hier zuspricht. „Das ist ein richtig guter Fußballer“, hatte mich auch Thomas Strunz, den ich als absoluten Fachmann schätzen- und kennenlernen konnte, am Sonntag in meiner Meinung bestärkt. Ebenso wie in der Annahme, dass Arslan eben Badelj defensiv zu viel zulässt.

Sicher fehlen werden Johan Djourou (Muskelfaserriss) und Pierre-Michel Lasogga (Muskelbündelriss). Wobei Letztgenannter am Donnerstag nach München fliegt, um sich dort erneut von Nationalmannschafts-Doc Müller-Wohlfahrt untersuchen zu lassen. Anschließend soll entschieden werden, ob und wann der Angreifer endlich wieder ins Training einsteigen darf. Heute jedenfalls absolvierte Lasogga schon einen ersten, lockeren Lauf mit Rafael van der Vaart, der ebenfalls noch nicht mit der Mannschaft trainieren kann und dessen Rückkehr somit für Sonntag nahezu ausgeschlossen ist.

Ergo: Demirbay als Newcomer und Marcell Jansen sowie Milan Badelj als Rückkehrer sollen der gegen Wolfsburg wie Hannover zuletzt leblos wirkenden Mannschaft neue Impulse verleihen. So, wie der schärfere Ton im Training von Mirko Slomka. Immer wieder ermahnte er seine Offensivleute, den Abschluss zu finden – eine der wahrscheinlich größten Schwächen im Moment. Es fehlen einfach eigene Tore.

Ohne Angreifer ist das kein Wunder – womit sich der Kreis zu Fink wieder schließt, der maßgeblich am Verleih von Rudnevs mitgewirkt hat, indem er Sportchef Oliver Kreuzer klarmachte, dass der gehaltstechnisch teure Lette bei ihm keinen Platz hätte. Dafür empfahl er dem HSV Jacques Zoua, der seine Tauglichkeit eher ausnahmsweise unter Beweis stellen konnte. Bleiben noch die Mittelfeldspieler Hakan Calhanoglu und – wie vor Wolfsburg als kleiner Hoffnungsschimmer von mir geschrieben – Ivo Ilicevic. Und der Kroate, der trotz seiner häufigen Verletzungen weiterhin auf einen Platz im WM-Kader der Kroaten hoffen darf, war auch heute wieder derjenige, von dem mal etwas außergewöhnlich Gutes im Eins-gegen-Eins zu sehen war. Zudem sucht der dribbelstarke Kroate die Zweikämpfe und sorgt somit zumindest für eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass der HSV zu seinen zuletzt einzigen Torchancen kommt: zu Freistößen von Hakan Calhanoglu.

Und obwohl ich lange überlegt habe, lasse ich hier und heute Vereinspolitik komplett ruhen. Wir haben akutere Probleme und die Geschichte mit der Lizenz haben wir gestern ausreichend erläutern können. Geändert hat sich seitdem eh nichts. Die Frage, die sich alle stellen (Ist der HSV in Liga zwei überhaupt überlebensfähig?) beantwortete Klubboss Carl Jarchow eindeutig: „Wir werden die Bedingungen für den Erhalt der Lizenz innerhalb der vorgegebenen Zeit erfüllen.“ Hoffentlich.

Morgen geht es um zehn Uhr an der Imtech-Arena weiter. Dann sollen Marcell Jansen und Milan Badelj ihr Pensum nochmals steigern, damit sie am Freitag komplett mitmachen können.

Bis dahin,
Scholle

2:1 – Westermanns Schuss ins Glück!

4. April 2014

Der HSV ist wieder im Geschäft, der HSV ist wieder da, der HSV kann wieder hoffen. War das ein Spiel, ein Match, eine Schlacht! Von diesen 90 Minuten wird man noch lange, lange sprechen. Bayer Leverkusen wurde mit 2:1 aus dem Volkspark gekämpft, das war eine hervorragende Leistung des HSV, der diesen Sieg allerdings teuer bezahlen muss, denn Milan Badelj, Rafael van der Vaart und Jacques Zoua verletzten sich, mussten ausgewechselt werden – es sah nicht gut aus. Das aber, was der HSV heute auf den Rasen „zauberte“, wie er sich aufrieb, wie er alles gab, wie er bis zur völligen Erschöpfung kämpfte, das war klasse und konnte sich sehenlassen. Genau so geht Abstiegskampf, genau so muss Abstiegskampf bewältigt werden, so muss Abstiegskampf angegangen werden – „niemals Zweite Liga“. Kein Hamburger Zuschauer verließ nach Schlusspfiff das Stadion, die Fans standen auf ihren Plätzen und applaudierten ihren Helden für diese Klasse-Leistung. Weiter so. Jetzt mit einem Auswärtssieg in Hannover. Nur der HSV! Es darf geträumt werden.

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Die Spiele werden immer weniger, die Punkte nicht mehr – vor dem Spiel gingen die meisten HSV-Fans schon ein wenig (oder ein wenig mehr) zittrig in die Arena. Wie schon seit Wochen hieß das Motto: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Es musste endlich einmal wieder ein Dreier her. Und das schien gegen dieses Leverkusen, das in den vergangenen Monaten nicht gerade geglänzt hat, durchaus möglich. Doch so schwach, wie ich die Werks-Elf erwartet hatte, war sie dann doch nicht. Gegen Braunschweig zuletzt war das Bayer-Team deutlich schwächer, aber hier in Hamburg brannte es plötzlich wieder – warum auch immer. Vor dem Anpfiff aber erlebte Heung Min Son, der „verlorene Sohn“, sein „blaues Wunder“, denn er wurde gnadenlos ausgepfiffen. Vorher – und dann im Spiel bei jeder Ballberührung. So unbarmherzig kann Profi-Fußball sein, die pfeifenden HSV-Fans haben dem Südkoreaner einst auf die Schultern geklopft und ihm nach Toren zugejubelt . . .

Diesmal wurde gleich zu Beginn ein Tor des HSV bejubelt. Ein traumhafter Treffer, über die halbrechte Seite vorgetragen. Hakan Calhanoglu trieb den Ball nach vorne, spielte die Kugel auf Rafael van der Vaart, der am Strafraumeck lauerte, der Niederländer ließ den Ball nur kurz abtropfen – und „Calle“ schoss. Wie ein Strich sauste der Ball aus 22 Metern in die lange Ecke des Bayer-Gehäuses, ein echter „Hammer“, ein typischer Calhanoglu – der Mann kann schießen, es ist ein Traum! Bereits sein neuntes Saisontor. Und dieser Hakan Calhanoglu ist ein „Einkauf“ des ehemaligen Sportchefs Frank Arnesen, und dieser großartige Einkauf wurde mit einer Verlängerung (von und mit HSV-Sportchef Oliver Kreuzer) schon beizeiten in Hamburg festgebunden und gehalten. Sollte mal erwähnt werden, in diesen schwierigen Tagen.

Nach dem 1:0 kam Leverkusen erst auf Touren. 120 Sekunden nach dem Tor musste Rene Adler sein ganzes Können unter Beweis stellen – und er stellte. Indem er einen mächtigen 20-Meter-Schuss von Kießling großartig parierte. Eckstoß. Und dieser hätte fast schon zum Ausgleich geführt, doch zum Glück stand Rafael van der Vaart am langen Pfosten und klärte gegen den einschussbereiten Rolfes. Bitter kurz darauf die Aktion von Son, der aus 20 Metern frei zum Schuss kam, es drohte noch einmal das 1:1 – aber der ehemalige Hamburger verzog die Kugel, der Schuss endete im Seitenaus (17.)!

Bayer kam, Bayer drückte – aber zwischendurch hatte sogar der HSV die Möglichkeit zum 2:0. Nach einem Eckstoß versuchte sich Michael Mancienne mit einem Fallrückzieher aus sieben Metern, doch der Ball strich knapp am Tor vorbei. Die Fans rauften sich die Haare, das war Pech (20.). Dann aber wieder Leverkusen. Flanke Rolfes, Kopfball Kießling aus sechs Metern – auch das hätte ein Tor sein dürfen, aber der Ball strich um Zentimeter am langen Pfosten vorbei (22.). Es ging hin und her, Leverkusen schien den einen kleinen Tick stärker als der HSV zu sein, aber die Hamburger standen gut und verteidigten mit Glück und Geschick. Besonders die Innenverteidigung mit Johan Djourou und Michael Mancienne (Super-Kopfballspieler!) stand eisern und ließen selten etwas Gefährliches zu. Pech für den HSV, dass sich Milan Badelj bei einem Fernschuss verletzte – offenbar eine Zerrung im Oberschenkel. Er musste vom Platz, für ihn kam Tomas Rincon (34.), der sofort auf Betriebstemperatur war. Das war ein Spiel für „Popeye“, er ging keinen Zweikampf aus dem Wege, er hielt seinen rechten Fuß überall mit hinein.

Nach 35 Minuten glänzte erneut Rene Adler, der einen Son-Kopfball aus fünf Metern super meisterte – eine Super-Parade. Und dann kam gegen Ende des ersten Durchgangs wieder der HSV. In der Nachspielzeit schoss van der Vaart aus 20 Metern, Leno ließ den eigentlich harmlosen Schuss aus den Händen gleiten, doch Petr Jiracek fehlten zehn Millimeter, um die Kugel ins Netz zu drücken – man, man, war das Pech. Halbzeit.

Und im zweiten Durchgang zunächst auch der HSV. Calhanoglu zog aus 20 Metern ab, ein großartiger Schuss – aber Leno ebenso toll, der Bayer-Keeper lenkt die Kugel zur Ecke (54.). 60 Sekunden später eine ganz heikle Szene: Erst geht Jiracek in Abseitsstellung zum Kopfball, der hinter ihm stehende Jacques Zoua bemächtigt sich des Balles (auch mit der Hand?) – und wird vor einem Schussversuch umgeschubst. Elfmeter? Der HSV protestiert wild, aber Schiedsrichter Bastian Dankert (Rostock) bleibt ruhig und lässt weiterspielen. War wohl salomonisch . . .

Und was war dann das 1:1? Leverkusens Nachwuchsspieler Brandt riskierte einen Verzweiflungsschuss aus 22 Metern – ein harmloses „Ding“. Adler aber machte was draus, er ließ den Ball durch die Hosenträger ins Netz flutschen. Wahnsinn. Welch ein Wahnsinn. Das kann doch kein Mensch fassen. Da hält der Keeper vorher Super-Schüsse, und dann ein solches Ding. Dann fängt er sich ein solches Katastrophen-Ding. Das kann doch alles nicht wahr sein. Warum kann dieser HSV nicht einmal nur 90 Minuten Glück haben? Vor mir rief mir ein HSV-Fan zu: „Gegen so etwas kann man nicht anspielen, so steigt man ab . . .“ Bitter.

Und dann auch das noch: Rafael van der Vaart musste raus. Der Niederländer hatte sich schon unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff an den linken Oberschenkel gegriffen, jetzt ging es nicht mehr, Humpelnd verließ der Kapitän den Rasen (67.) – für ihn kam Robert Tesche. Kurz darauf war auch für Zoua das Ende gekommen, er musste – wohl ebenfalls gezerrt – vom Platz, für ihn kam mit der Nummer 33 der junge Mattia Maggio (77.). Es geht immer mehr dem letzten Aufgebot zu, aber es war Dampf und Kampf und Leidenschaft drin. Kurz vor dieser Einwechslung hatte der Schiedsrichter noch einen Elfmeter „übersehen“, als Mancienne Son von den Beinen gehot hatte – das war großes Glück. Das 1:1 hatte weiterhin Bestand, aber Leverkusen war eindeutig Herr im Hause.

Das Tor aber fiel auf der anderen Seite. Endlich einmal. Und zwar bilderbuchartig. In der 84. Minute flankte Dennis Diekmeier von rechts, und am Elfmeterpunkt (was hatte er dort eigentlich zu suchen?) nahm Heiko Westermann den Ball volley. Aus elf Metern sauste die Kugel unhaltbar ins Netz – ein Tor des Monats. Das Stadion stand Kopf. Das war eine einmalige Stimmung, das war weltmeisterlich – traumhaft. Mannschaft und Fans waren ein Einheit: „Super Hamburg – ole!“ Die meisten Spieler krochen nur noch auf dem Zahnfleisch über den Rasen – und dann noch vier Minuten Nachspielzeit! Um Gottes Willen. Nach zwei Minuten rettet Adler riesig gegen Can, alles wieder gut gemacht! Das war eigentlich das 2:2. Unfassbar. Dieses Spiel, die Parade, diese Spannung, diese Dramatik – Wahnsinn, Wahnsinn, Wahnsinn! Dann der Schlusspfiff! Herrlich, dieser Sieg – es gibt Hoffnung.

Die Einzelkritik kommt heute von „Scholle“:

Adler: Rettete in der ersten Hälfte mehrfach großartig. Und dann patzte er in der 58. Minute. Unfassbar!! Aber noch unglaublicher als der Bock war, wie er sich anschließend wieder rausarbeitete und am Ende sogar den Sieg wieder rettete!

Diekmeier: Lauf, Forest, lauf!!! Jedesmal, wenn der HSV einen Konter fährt, muss er über rechts abgehen. Und das macht er auch – leider noch nicht effizient genug.

Djourou: In seinem 21. Spiel für den HSV bot er, was er zuletzt immer bot: Zweikampfstärke. Fußballerisch ist das nicht weit her bei ihm – aber er erfüllt so seine Aufgabe. Früher hieß es immer vom Trainer: „Johan, hol Dir den Ball und spiel ihn zum Mittelfeldspieler.“ Genauso macht er es. Gut.

Mancienne: der Herr der Lüfte. Der Mann des kompromisslosen Zweikampfes. Der Engländer bietet konstant den Kampf, den es in der aktuellen Situation bedarf. Und heute war er wieder richtig gut. Ob das am Ende reicht, um sich beim HSV langfristig zu etablieren, lasse ich dahingestellt. Aber das ist in den letzten Spielen dieser Saison auch absolut zweitrangig.

Westermann: Über die linke Seite brannte nichts an – aber es ging auch zu wenig nach vorn. Und dann DAS!!! WAS FÜR EIN HAMMER!! Und vor allem, wie wichtig!!! Für ihn ganz sicher – aber noch mehr für den HSV!

Arslan: Der Deutsch-Türke hält den Rhythmus: Gutes Spiel, schwaches Spiel, gutes Spiel, schwaches Spiel. Ich kann nur hoffen, dass er diese Reihenfolge in Hannover unterbricht und wieder ein gutes Spiel abliefert. Heute jedenfalls war er stark.

Badelj (bis 32.): Anspielbar, zweikampfstark, abschlussschwach – und dann leider verletzt raus. Bleibt nur zu hoffen, dass der Kroate nicht zu lange ausfällt.

Rincon (ab 32.): Er biss sich rein und arbeitete seine Gegner weg – aber ihm fehlt es an Ideen, wenn er mal am Ball ist.

Calhanoglu: Wo stünde der HSV ohne ihn? Der Deutsch-Türke traf nach schicker Kombination mit seinem kongenial(werdend)en Partner van der Vaart und war auch ansonsten – wie so oft ohne Lasogga – der torgefährlichste Hamburger. Er kämpfte bis zur Erschöpfung.

Van der Vaart (bis 67.): Ganz starke erste Halbzeit – dann ging er angeschlagen in die zweite Hälfte und konnte nichts mehr bewegen, bis er ausgewechselt wurde. Trotzdem: Zwei solche Halbzeiten wie heute in der ersten – dann ist alles wieder ok.

Tesche (ab 67.): Er fand nicht richtig ins Spiel.

Jiracek: Der unauffälligste HSVer. Er verlor eine Vielzahl Zweikämpfe. Aber wisst Ihr was? SCHEIßEGAL!!!!

Zoua (bis 77.): Der Kameruner ackerte wie immer hervorragend, er holte einen Elfer raus – der fälschlich nicht gegeben wurde. Kurzum: Das war wieder gut. Seine Leistungssteigerung in den letzten Saisonspielen kann am Ende ein nicht unwesentlicher Faktor auf dem Weg zum Klassenerhalt gewesen sein. Wer hätte das gedacht…?

Maggio (ab 77.): Erstes Bundesligaspiel – erster Sieg. Herzlich Willkommen, Mattia!

Und dann zum Schluss noch ein Hinweis: Es gibt heute trotz des fortgeschrittenen Tages wieder ein „Matz ab live“, wir sind gleich auf Sendung, unsere Gäste sind heute Rodolfo Cardoso und Soner Uysal. Wir freuen uns auf Euch.

22.35 Uhr

Hermann in Lebensgröße – und den Sieg vor Augen ***Korrektur: Cardoso zieht Klage zurück***

3. April 2014

Das ist doch mal eine gute Nachricht: Rodolfo Cardoso ist ab sofort Fußballlehrer. Herzlichen Glückwunsch dazu, Rodolfo! Der Argentinier hat die Prüfung zusammen mit 23 anderen Kursteilnehmern bestanden. Mit dabei waren Hermann Andreev, Manuel Baum, Achim Beierlorzer, Michael Boris, Carsten Busch, Joe Enochs, Daniel Farke, Markus Feldhoff, Uwe Grauer, Sören Hartung, Sebastian Hoeneß, Stephan Howaldt, Valérien Ismaël, Jens Kiefer, Petar Kosturkov, Carsten Lakies, Sabine Loderer, André Meyer, René Müller, Christian Preußer, René Rydlewicz, Hans-Walter Thomae und: Cardosos Nachfolger beim HSV als U23-Trainer, Josef Zinnbauer. Wobei der Rechtsstreit Cardoso auf Entfristung seines Arbeitsvertarges beigelegt wurde. Beide Parteien verständigten sich darauf, sich außergerichtlich einigen zu wollen. Auch das ist gut.

Erfreulich ist ebenfalls die Idee des HSV, dem verstorbenen Kultmasseur Hermann Rieger ein Denkmal zu setzen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Angedacht ist eine lebensgroße Statue, die für jeden am Eingangsbereich Nord-Ost vor der „Rautenwelt“ zugänglich sein soll, und ihn so zeigt, wie er war: Natürlich, herzlich und bodenständig. Die genauen Planungen zur Umsetzung laufen mit Hochdruck. Wer sich daran beteiligen will, kann spenden. Genaueres findet Ihr auf www.hsv.de.

Dort steht übrigens auch, dass Günter Perl pfeift – was Dieter den ersten kleinen Tod sterben lässt. Perl zählt nicht zwingend zu seinen Lieblingsschiedsrichtern, obgleich die Gesamtbilanz des HSV (8/7/6) unter Perl zu Hause noch positiv ist. Und angesichts des HSV-Songs „Hamburg, meine Perle“ sehe ich Perl als alles andere denn als schlechtes Omen. Wobei, ich sehe es ehrlich gesagt als: GAR NICHTS. Mich interessieren keine Statistiken vor diesem Spiel gegen Leverkusen. Denn ähnlich wie im Pokal zählen auch die letzten Saisonspiele zu denen mit ihren ganz eigenen Gesetzen. Plötzlich schlagen die Kleinen die Großen. Ergebnisse wie beim Eishockey werden häufiger – kurzum: die andere Saisonphase hat begonnen.

Mirko Slomka dürfte es gefallen. Immerhin hat sich der HSV-Trainer auf die Fahnen geschrieben, beim HSV alles anderes mache zu wollen als seine Vorgänger. Und damit liegt er tendenziell nicht falsch. Auch gegen Leverkusen wird Slomka wieder etwas verändern. Zum einen, weil Milan Badelj nach seiner Gelbsperre wieder ins Team rutscht, zum anderen, weil er es will. Im Training heute mischte er noch mal leicht durch und ließ beispielsweise Westermann und Diekmeier in der B-Elf trainieren. Dafür durften sich Jiracek und Rincon der A-Elf beim Spiel zehn gegen zehn zeigen. Und den Rest der Trainingswoche, die mit einem leichten Anschwitzen am Freitagmorgen komplettiert wird. Und auch erst morgen will der Trainer seinen Spielern die Kadernominierungen offenbaren. „Die Spannung hochhalten“, nennt Slomka das. Somit bleibt offen, ob der U23-Angreifer Mattia Maggio tatsächlich seine Premiere im Bundesliga-Kader feiert oder nicht.

Ziemlich sicher ist dagegen, dass Slomka gegen Leverkusen wieder auf die altbewährte Viererkette (Diekmeier, Mancienne, Djourou, Westermann) sowie auf Arslan und Badelj als Sechser, Calhanoglu auf links, van der Vaart hinter Zoua und auf Rincon als rechten Mittelfeldspieler setzen wird, nachdem Ivo Ilicevic auch heute nicht mittrainieren konnte und somit nicht in Frage kommt. Warum Jiracek nicht zum Zuge kommt? Gute Frage. Schlecht trainiert hat der Tscheche nicht, zuletzt in Gladbach brachte seine Einwechslung noch mal etwas Schwung.

Aber letztlich muss auch das egal sein. Der Tabellenstand gibt den Takt vor, und daran müssen sich alle halten. Alle müssen verstehen, dass hier nichts anderes zählt als ein Sieg. Egal gegen wen, egal mit wem. „Wir müssen von der Tribüne bis auf den Platz als Einheit funktionieren“, sagt Heiko Westermann und Milan Badelj ergänzt: „Der Kopf kann entscheiden – was bedeutet: die Mannschaft, die sich am wenigsten schlechte Gedanken macht, kommt am weitesten. Es geht jetzt darum, keine Angst zu haben und einfach Fußball zu spielen. Und zu kämpfen.“ Na dann. Meine Bitte an Adler, Badelj, van der Vaart und Co.: Bitte nicht nachdenken – einfach machen. Denn eines haben wir nicht mehr: Zeit.

Wobei die auch für Leverkusens Trainer Sami Hyypiä zu enden droht. In der Champions League von PSG demontiert holten die Werkskicker erst elf Punkte in der Rückrunde. So viel wie Braunschweig und lediglich drei mehr als der Abstiegskandidat HSV (8). Angesprochen auf eine Trainerdiskussion antwortet Bayers Sportchef Rudi Völler den Standardsatz: „Diese Diskussion stellt sich nicht.“ Noch nicht zumindest. Dennoch rumort es bei Bayer. Denn dem Anspruch, kommende Saison Champions League zu spielen, scheinen Kießling, Son, Bender und Co. zu verspielen. Selbst die Europa League ist bei gerade einmal vier Punkten Vorsprung auf Rang sieben (könnte jedoch theoretisch reichen) noch nicht sicher. „Wir spielen nicht schlecht, wir gewinnen nur zu wenig“, sagt Son und stellt damit genau die Rechnung auf, die Slomka und Co. bei ihren Auswärtsspielen aufmachen. Gut spielen, wenig bis gar nicht punkten.

Fakt ist, dass am Freitag um 20.30 Uhr in der Imtech Arena zwei angeschlagene Teams aufeinander treffen. Das allein spricht für eine eher kampfbetonte denn spielerisch hochwertige Partie. „Wir wissen, dass wir jetzt keinen schönen Fußball erwarten können“, sagt van der Vaart, „jetzt zählen nur noch gute Ergebnisse. Wie wir die erreichen – danach fragt niemand.“

Von daher lasse ich es auch, hier irgendwelche Taktiken, Vorzüge von Aufstellungen und Statistiken hervorzukramen. Denn morgen gelten andere Regeln. Morgen geht es nur noch darum, immer einen Schritt schneller zu sein, immer einen Zentimeter höher zu springen und immer einen Zweikampf mehr als der Gegner zu gewinnen – um am Ende ein Tor mehr zu schießen. Nicht mehr – aber definitiv auch nicht einen Deut weniger. Sechs Mal geht es noch um alles. Und ich werde einen Teufel tun, im Vorfeld eine Trainerentscheidung zu diskutieren.

Ach ja, was den Sieg eigentlich eindeutig vorhersagt: Noch nie konnte Heung Min Son in einer Partei HSV – Leverkusen in der Imtech-Arena gewinnen. Mehr noch: Er traf nicht einmal. Noch Fragen?

In diesem Sinne, morgen muss der Rasen brennen. Nicht die Kurve. Lasst uns die Mannschaft bedingungslos unterstützen, egal ob sie gut oder weniger gut spielt.
Scholle

P.S. vom 4.4.: Heute Abend gibt es nach dem Spiel noch Matz-Ab-Live mit den Gästen Rodolfo Cardoso und Soner Uysal.

Aktualisiert: Tesche-Wechsel geplatzt! Und: Horst Heese: “Die verstecken sich alle!”

31. Januar 2014

******ACHTUNG, WICHTIG!*****
Manchmal muss man sich ehrlich schämen. Da erreicht mich heute Vormittag die Nachricht, dass Eva mit fiesen, beleidigenden Mails bombardiert wird. Von dem einen war das zu erwarten. Aber dass es da mehrere gibt, kann ich nicht fassen. HSV-Fans beleidigen sich untereinander? Weil Eva sich mit fremden Federn schmückt?

BITTE?!?! GEHTS DENN NOCH??

Es steht in diesem Blog für alle nachlesbar, dass Eva mich bat, den Brief, den sie ebenso wie ich für eine sehr gute Sache halten, zu veröffentlichen. Für diesen Tipp war ich Ihr dankbar, daher habe ich sie im Blog nur zu gern erwähnt. Mit keinem einzigen Wort aber haben weder Eva noch ich jemals behauptet, der Brief sei von ihr verfasst. Also, bitte: Erst lesen, kurz drüber nachdenken – und dann kommentieren. Danke. Und entschuldige bitte, Eva!

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Es war in dieser Saison 1989/90, als der HSV am 29. Spieltag auf dem vorletzten Platz der Bundesliga rangierte. Damals trugen Spieler wie Richard Golz, Carsten Kober, Hans-Werner Moser, Dietmar Beiersdorfer, Ditmar Jakobs (neun Spiele lang), Holger Ballwanz, Thomas von Heesen, Armin Eck, Harald Spörl, Michael Schröder, Detlev Dammeier, John Jensen, Jan Furtok, Andreas Merkle, Nando und Oliver Bierhoff die Raute auf ihrer (Trikot-)Brust. Trainer waren Willi Reimann, der nach 21 Spielen von Gerd-Volker Schock abgelöst wurde. Und es gab einen HSV-Spieler namens Sascha Jusufi. Der kam eines Tages nach dem Training in Ochsenzoll laut fluchend und schimpfend aus der Kabine. „Was ist los, Sascha?“ Der Mittelfeldspieler: „Das ist mir alles zu lasch hier, es krempeln nicht alle die Ärmel auf. Das habe ich mal etwas lauter gesagt, denn ich habe keine Lust, auf jener Spieler-Liste zu stehen, die den HSV erstmals in seiner Bundesliga-Geschichte haben absteigen lassen. Ich erwarte von jedem, dass er nun einen Schlag mehr reinhaut, wir müssen endlich kämpfen, kämpfen, kämpfen. Wir müssen uns mit allen Mitteln gegen den Abstieg wehren. Mit allen Mitteln.“

Matz_ab_ankuendigung_1730_Uhr

Der HSV hielt bekanntlich doch noch die Klasse, lief noch auf Rang elf ein, fünf Punkte Vorsprung auf den vorletzten Tabellenplatz. Das war knapp. Und glücklich. So wie in der Saison 1972/73. Da taumelte der HSV monatelang auf dem letzten und vorletzten Platz herum, dann durfte doch noch gefeiert werden (den Nicht-Abstieg), denn dank „Retter“ Horst Heese lief der HSV noch auf Platz 14 ein. Drei Punkte vor einem Abstiegsplatz!

Mit Horst Heese sprach ich heute über den heutigen HSV, den er – in Ost-Belgien wohnend – immer noch sehr genau verfolgt. Drei Spiele seines Ex-Clubs hat er live im Stadion gesehen, die anderen im Bezahl-Fernsehen. Horst Heese (70) über seine derzeitige Stimmungslage: „Ich habe enorme Angst vor dem Abstieg des HSV, muss man doch. Weil keiner Verantwortung übernimmt, da schwimmen alle nur im seichten Gewässer mit, keiner geht nach vorne und reißt die anderen mit – Motto: ‚Jetzt geht es rund!’ So einen Mann sehe ich weit und breit nicht beim HSV – leider. Die verstecken sich alle. Alle.“

Können aber diese HSV-Profis, die nun den Karren aus dem Dreck ziehen sollen, noch das Kämpfen lernen? Heese: „Aber natürlich. Es geht doch innerhalb des Clubs um viele Arbeitsplätze dafür muss doch gekämpft und geackert werden. Obwohl die Spieler heutzutage ja gar keine Existenzängste haben müssen, die steigen ab und haben innerhalb von wenigen Tagen einen neuen Verein. Selbst die schlechtesten Spieler finden wieder einen neuen Arbeitgeber – das macht mich oft fassungslos.“

Woran aber liegt es seiner Meinung nach, dass der HSV so abgestürzt ist? Horst Heese: „Das liegt einzig und allein an der Zusammenstellung des Kaders. Da ist arglos gehandelt worden, da wurden sich von irgendwelchen Spielervermittlern Leute aufs Auge gedrückt worden, die gar nicht zusammenpassen. Diese Jungs arbeiten doch nicht zusammen, da ist jeder froh, wenn der Ball, weg ist. Jeder verdrückt sich so schnell er nur kann – furchtbar.“ Heese weiter: „Es gibt in diesem Team ja auch keine Hierarchie. Wenn ich da an den Kapitän Rafael van der Vaart denke, der hat mehr mit seinen Frauen als mit Fußball zu tun. Dabei hat der die Marschrichtung vorzugeben. Passiert aber nicht.“

Heese ging damals als Zugang gleich voran. Mit Leistungen, und auch verbaler Natur. Er sagt: „Da musste erst einmal in der Mannschaft aufgeräumt werden. Wir hatten Klasse-Spieler, aber es gab keine Spannung. Da habe ich dann einigen Jungs mal die Köpfe gewaschen – und dann ging es. Da ging es auch im Training zur Sache, da haben dann einige gespürt, wie es ist, wenn man zur Sache kommt. Und so sprang der Funke dann über.“

Auch taktisch ist der HSV schlecht aufgestellt. Heese: „Die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen sind viel zu groß, die Viererkette steht zu weit auseinander, der Abstand zwischen der Viererkette und den anderen Mannschaftsteilen ist zu groß – da kann jeder Gegner schön bequem aufspielen, da wird kaum einer gestört. Das sind elementare taktische Fehler, und ich kann mir auch gut vorstellen, dass daran gar nicht gearbeitet wird . . .“ Einmal Training am Tag. Wissenschaftlich erwiesen, dass das reicht – so der Trainer Bert van Marwijk. Und lieber mal nur einmal am Tag, dafür aber intensiver – so der Sportchef. Wobei „intensiver“ ja dehnbar ist. Horst Heese: „Ich habe gelesen, dass die Spieler einen zu großen Druck verspüren, jetzt muss man mir nur noch was vom Bio-Rhythmus erzählen, dann falle ich tot um. Die Spieler sollten sich mal andere Sportler ansehen, was die für einen Druck haben, dann wissen sie, woran sie noch zu arbeiten haben.“

Sportchef Kreuzer hatte zu Jahresbeginn darüber philosophiert, dass der Trainer seine Spieler künftig „härter anfassen“ wird. Aber denkste! Es wird weiter gepudert und mit Pampers gearbeitet. Heese: „Ich will gar nicht von früher sprechen, darüber lachen die Jungs ja heute nur, obwohl wir auch Fußball gespielt haben. Wir haben aber einst sieben Mal die Woche trainiert. Da ging dienstags die Post so etwas von ab, da waren die Zehnkämpfer Wanzen dagegen. Mensch, was will man in zwei, drei Einheiten trainieren? Da vergeht allein durch das Aufwärmen schon eine halbe Stunde. – Wahnsinn alles.“

Horst Heese über dieses Übel: „Diese Laschheit ist tödlich. Und das sieht man ja auch, diese HSV-Mannschaft hat ja nichts drauf. Die Spieler können gar kein Pressing spielen, die pumpen doch gleich . . . Man kann doch nicht immer nur die weiche Welle fahren. Die müssten Kilometer machen, die müssten rennen bis die Hacken brennen.“

Denkt Horst Heese an das morgige Spiel, dann wird ihm schlecht. Er glaubt an nichts Gutes mehr. „Wenn da morgen keine richtige Ansprache kommt, dann ist dieser Club zum Tode verurteilt. Da kann man den HSV lieben, da kann man HSV-Fans sein, da kann man dem HSV die Daumen drücken – wenn da keine vernünftige Absprache kommt, dann wird sich nichts ändern. Schluss, aus. Entweder ändert sich der Trainer, aber der verdrückt sich hinterher nach Holland und hat nichts mehr mit dem HSV zu tun. Dann ist das Thema für ihn erledigt. Er nimmt das Geld, und weg. Nach mir die Sintflut.“ Heese weiter: „Da hat auch die Führung des HSV versagt, denn da wurden und werden Trainer genommen, die einfach nicht passten. Wie zuletzt Thorsten Fink, der kommt zu einem Verein wie den HSV und hat keine Erfahrung. Schlimm.“

Zum Thema Umbruch hat Horst Heese auch noch seine persönliche Meinung: „Der HSV hat, durch den ganzen Chelsea-Mist, zwei Jahre an Aufbau-Arbeit verloren. Die Spieler aus London haben Plätze besetzt, die der HSV mit Amateuren hätte besetzen können. Das wäre besser gewesen. Zwei Jahre Aufbau-Arbeit sind verloren, dank Frank Arnesen. Dabei gibt es doch Spieler, die es könnten, die muss man nur suchen. Bei HSV aber wurde die bequeme Tour gefahren. Ein Toni Kroos oder ein Bastian Schweinsteiger sind doch auch nicht vom Himmel gefallen. Man muss aber schon suchen, in den Schoß fallen einem solche Talente nicht. Aber beim HSV denken sie schon seit Jahren so, das zieht sich durch den Club wie ein roter Faden. Da müsste meiner Meinung nach mal zusammengefegt werden – und dann müssten Köpfe rollen. Wobei ich nicht vom Vorstand spreche, da gibt es genügend andere Leute, die nichts machen oder nichts können.“

Wie wahr. Und genau deswegen zittern wir nun alle – wieder einmal um den HSV.

Ich gebe aber heute zu, dass ich seinerzeit, als es wieder einmal eine Minute vor Zwölf war, und zwar am 31. Januar 2007, so fest mit dem Abstieg des HSV gerechnet habe, wie vielleicht noch nie. Das erste Spiel des Jahres endete 1:1 in Bielefeld, dann gab es ebenfalls ein 1:1 zu Hause gegen Cottbus. Das war für mich das Ende – Abstieg. Thomas Doll wurde entlassen, es kam Huub Stevens. Der Retter. Der ließ die Null stehen – und gewann dann auch häufig. Ich habe es oft genug geschrieben: Stevens ist nicht mein Freund, wird es auch nie – aber für diese Leistung hätte man ihm eigentlich ein Denkmal setzen müssen. Neben dem Uwe-Seeler-Fuß. Und wer wird in diesem Jahr der Retter des HSV? Ich sehe noch keinen einzigen. Weit und breit nicht. Ich habe nur Angst. Und die ist längst so groß, wie im Januar 2007 – oder sogar noch größer. Ich gehe vom Schlimmsten aus, denn diese Mannschaft mag ja gute Fußballer in ihren Reihen haben, aber kämpfen kann sie nicht. Und da keiner von außen mit bestem Beispiel voran geht, wird sie es auch nicht mehr lernen.

Ich habe heute auch mit Bundesliga-Profi Nummer eins gesprochen. Harry Bähre, der war als Typ „Terrier“ ein echter und harter Kämpfer, will sich jedoch aus dem aktuellen Geschehen strikt heraushalten. Er sagte aber immerhin: „Ich mache mir, wie alle HSVer die ich kenne, ganz, ganz große Sorgen um den Club, denn so schlimm war es noch nie – obwohl es einige Male schon echt sehr schlecht um den HSV bestellt war.“ Ansonsten aber schweigt Harry Bähre. Es ist wohl die Angst, die ihn lähmt.

Was mich an der heutigen so prekären Lage des HSV stört: Wo gibt es denn noch einen Sascha Jusufi? Einen Profi, der sich wehren will, der dafür auch mal unbequem den eigenen Kollegen gegenüber wird? Der Tacheles spricht, der auf dem Rasen zur Sache geht, der Gras frisst? Solche Typen gibt es heutige nicht mehr. Auf jeden Fall nicht mehr beim HSV. Ich sehe ein solches Vorbild schon seit Jahren nicht mehr in diesem HSV. Und das ist das Gefährliche. Zumal sich der Club (wahrscheinlich wohl aus finanziellen Gründen? Ein Scherz!) nicht erlauben konnte, einen Typen wie Horst Heese zu verpflichten. Leider, Leider. Es wäre so schön gewesen, und es wäre gewiss auch ein kleiner Strohhalm gewesen. Wäre.

So wird sich der HSV an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen müssen. Ob ausgerechnet gegen Hoffenheim die Wende eingeläutet wird? Beim letzten Aufeinandertreffen in Sinsheim gab es einen 4:1-Erfolg des HSV. Das macht schon mal Mut. Am 11. Mai 2013 schossen Heung Min Son, Dennis Aogo, Petr Jiracek und Artjoms Rudnevs den Sieg heraus – drei Spieler davon spielen zurzeit nicht mehr für den HSV, einer (Jiracek) spielt, obwohl ihm eigentlich mal kämpferische Qualitäten nachgesagt wurden, nur eine Nebenrolle in Hamburg. In den bisherigen fünf Spielen zwischen Hoffenheim und dem HSV gab es drei Heimsiege und ein Unentschieden. Diesmal prallen die beiden Schießbuden der Liga aufeinander, denn die TSG hat bereits 42 Gegentreffer, der HSV bringt es „nur“ auf 41. Schlechtere Vereine gibt es in dieser Statistik nicht. Die Null muss stehen? Das wäre wohl ein kleines Fußball-Wunder, oder sogar ein größeres, wenn das morgen klappen sollte – oder überhaupt noch einmal in dieser Spielzeit.

Beim HSV gibt es personell noch einige Wackelkandidaten. Fest steht: Johan Djourou blieb in Hamburg zurück, wird also ein weiteres Mal fehlen. Beim heutigen Vormittags-Training war in Sachen Aufstellung nichts zu erkennen, im Abschlussspielchen standen sich zwei bunt durcheinander gewürfelte Mannschaften gegenüber. Pech für den HSV, dass Marcell Jansen mit einer Knie-Prellung auszufallen droht. Für ihn gäbe es zwei Kandidaten, die einspringen könnten: Slobodan Rajkovic und Zhin Gin Lam. Letzterer hat heute erstmalig in dieser Woche mit der Mannschaft trainiert, Rajkovic wäre plötzlich und unerwartet mittendrin statt nur dabei.

Und das erinnert mich dann an die erste kostenlose Vorführung des HSV gegen Hoffenheim – und zwar am 26. Oktober 2008 in Mannheim. Trainer Martin Jol hatte – im Übermut (?) – Joris Mathijsen als Linksverteidiger aufgeboten, Innenverteidiger waren Alex Silva und Bastian Reinhardt. Alle drei Herren wurden schwindelig gespielt, und nicht nur die. Nach 35 Minuten hieß es bereits 3:0 – es war ein Desaster. Auch deshalb, weil Mathijsen von innen nach außen gedrückt worden war. Das konnte er nun ganz und gar nicht. Und Rajkovic? Ich habe nichts gegen „Slobo“, aber Linksverteidiger? Da habe ich aber meine ganz großen Zweifel.

Auf der Sechs wird es diesmal wohl das Duo Bouy/Badelj geben – Tolgay Arslan bleibt draußen. Ich bin gespannt, ob Quasim Bouy die Sechs kann, aber er soll es ja offenbar können. Grundsätzlich ist mir die HSV-Sechs aber stets zu offensiv besetzt, nur wer erkennt das, wer hat es in den letzten Jahren erkannt? Keiner! Ja, und dann gibt es noch die linke Offensiv-Position: Hakan Calhanoglu oder Ivo Ilicevic? Das Rennen ist völlig offen. Ich würde mich (anstelle des Trainers) für Calhanoglu entscheiden, aus dem Bauch heraus. Und vorne Jacques Zoua. Oder Zoua raus, „Calle“ vorne und Ilicevic links. Wobei rechts Ola John wirbeln soll. Hoffentlich tut er es, hoffentlich hat er sich vom HSV-Virus noch nicht packen lassen.

Übrigens hat ein „Matz-abber“ heute beim Training einen interessanten Vorschlag gemacht: „Rafael van der Vaart sollte eine Verletzung bekommen oder kriegen, damit er mal eine schöpferische Pause einlegen kann. Weil er zuletzt ohnehin nicht viel gebracht hat . . .“ Es darf diskutiert werden.

So, dann hat heute Patrick Owomoyela noch einen Vertrag beim HSV unterschrieben: für die Zweite. Der Kontrakt läuft bis zum Sommer 2014.

Dann gibt es noch in eigener Sache zu berichten:

Der „Matz-ab“-Schreiber Lars Pegelow sitzt am Sonntag beim Doppelpass auf „Sport1“, die Sendung beginnt elf Uhr Und der „Matz-ab“-Schreiber Dieter Matz ist am Sonntag zu Gast bei „0800 – Du bist dr@uf!“, von 21.30 Uhr bis 23 Uhr auf Sky Sport News HD. Die HSV Fans können bei der Sendung von Maik Nöcker live mitdiskutieren, via Telefon, kostenfrei unter 08000 366466. Oder Twitter mit #ssnhd oder direkt an @Sky_MaikN.

Und wer immer mehr HSV braucht und will: Sportchef Oliver Kreuzer sitzt am Sonntag von 18 Uhr an vor dem Mikrofon von NDR 90,3, die Sendung „Sportplatz Hamburg“ wird von Britta Kehrhahn moderiert.

Bereits am Sonnabend, nach dem Schlusspfiff in Sinsheim, werden wir mit „Matz ab live“ über das Spiel sprechen, unsere Gäste sind Lotto King Karl (der zurzeit allerdings ein wenig schwächelt – ich drücke ihm und uns die Daumen, dass er rechtzeitig gesund wird!) und der frühere Volleyball-Bundestrainer (und heutige „Matz-abber“) Olaf Kortmann. Wir würden uns freuen, wenn Ihr einschalten würdet. Vielen Dank dafür.

Und dann noch ein Hinweis: „Scholle“ wird diesen Text noch ein wenig ergänzen – hat er gesagt. Das sollte zeitnah geschehen. Also immer noch einmal hier hineinschauen. Danke. Bis morgen.

***Ergänzung***
Robert Tesche steht – mal wieder – dem Vernehmen nach kurz vor einem Wechsel ins Ausland. Noch ist der Transfer aber nicht beschlossen. Sollte sich hier noch etwas tun, melde ich mich noch mal.

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Aktualisiert

Laut Tesches Berater Roland Kopp hat sich der Wechsel des HSV-Mittelfeldspielers zerschlagen. Die Engländer – es war von Wigan Athletic die Rede – hätten ihr Interesse zurückgezogen.

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Und dann bat mich Eva noch, einen offenen Brief hier reinzustellen. Oder besser gesagt, den Text und einen wichtigen Link dazu. Und das mache ich gern, weil es eine gute Sache ist. Und weil ich mir sicher bin, dass diese Mannschaft Hilfestellung von außen unbedingt braucht, da sie sich selbst momentan nicht helfen kann. Daher, hier der Text:

Verschwört Euch gegen die Umstände, die sich gegen Euch verschworen haben! Überwindet gemeinsam alle Widerstände!
Liebe Mannschaft!
Lieber Bert, Rafael, René, Jaroslav, Sven, Florian, Michael, Heiko, Johan, Lasse, Jonathan, Slobodan, Marcell, Dennis, Zhi Gin, Tomás, Milan, Matti, Gojko, Ouasim, Tolgay, Kerem, Robert, Petr, Hakan, Ivo, Ola, Pierre-Michel, Maxi, Jacques, Valmir
seit dem Wochenende wissen alle HSVer, was die Stunde geschlagen hat. Die Lage ist ernst, sehr ernst.
Gemeinsam können wir, Ihr Spieler und wir Fans, das Ruder herumreißen.
Ihr seid die Mannschaft des HSV. Wir sind die leidenschaftlichen Fans. Gemeinsam sind wir ein TEAM!!!
Lasst es uns gemeinsam anpacken.
Der Verein befindet sich im Umbruch.
Lasst uns daraus eine positive Aufbruchstimmung machen.
Teilt uns mit, wie wir Fans Euch unterstützen, Euch helfen können.
Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.

Kurz – aber präzise. Wer diesen Brief an die Mannschaft unterschreiben will, kann das hier tun:

wir-sind-ein-team@gmx.de

Und ich bin auf die Reaktion der Mannschaft gespannt. Schon in Hoffenheim werden wir sehen können, ob diese Mannschaft noch ein Team ist. Denn wenn stimmt, was mir heute in einem langen Telefonat erzählt wurde, steht diese Mannschaft ziemlich hilflos da. Aufgeteilt in Grüppchen. Mit einem Kapitän, der intern Gift und Galle spucken soll. Bleibt nur zu hoffen, dass dieser Frust ausschließlich dazu führt, dass Rafael van der Vaart vorwegmarschiert…

In diesem Sinne, auch von mir noch mal: Euch allen einen schönen Freitagabend und hoffentlich bis morgen, wo wir nach dem ersten, kleinen schritt in die richtige Richtung bei Matz ab live darüber diskutieren, wie gut van der Vaart doch noch sein kann.

Oder so ähnlich zumindest.

Scholle

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