Archiv für das Tag 'Sneijder'

***Aktualisiert: HSV schlägt Pauli 3:2 n.V.****Nichts los – bis auf van der Vaart…und Raschi…

31. Mai 2012

****Aktualisiert: Der HSV gewinnt das letzte Stadtderby im U19-Pokalhalbfinale gegen den FC St. Pauli mit 3:2 nach Verlängerung und zieht ins Pokalfinale ein. HSV-Torschützen: 1:1 Langer, 2:1 Klaes, 3:1 Akdogan******

Ich weiß nicht, wer von Euch gestern genau wie ich das Spiel der Niederlande gesehen hat. Aber die, die es taten, werden mir zustimmen wenn ich sage: Bitter, dass sich Sneijder verletzt hat. Bitter zum einen, weil ich es nicht mal einem Niederländischen Fußballer gönne. Aber eben auch bitter, weil Bondscoach Bert van Marwijk so zur einzig richtigen Entscheidung gezwungen wurde, Rafael van der Vaart aufzustellen. Denn der vielleicht wertvollste HSV-Profi des letzten Jahrzehnts ist in absoluter Topform. Die zeigte er nicht nur in der Saison bei Tottenham, das nur durch den unglaublichen Champions-League-Gewinn Chelseas, die als Titelverteidiger automatisch qualifiziert sind, aus der Champions League flog. „Ich habe ein gutes Jahr hinter mir, fühle mich topfit“, sagt van der Vaart, der gegen die Slowakei nach seiner Einwechslung nicht nur den zweiten Treffer für die Oranje erzielte, sondern anschließend in den niederländischen Medien zum Gewinner des Spiels erklärt wurde. „Wir wussten auch vorher, was wir an ihm haben“, so van Marwijk.

Und jetzt soll van der Vaart nach Schalke wechseln? Unfassbar! Ehrlich gesagt auch irgendwie unvorstellbar für mich, den verlorenen Sohn bei den Königsblauen zu sehen. Und dennoch muss ich sagen: Es ist definitiv was dran an dem Gerücht. Denn van der Vaart selbst will wieder zurück in die Bundesliga. Schalke war zudem vor zwei Jahren schon an dem heute 29-Jährigen dran und entschied sich aus noch immer ungeklärten Gründen am Ende gegen van der Vaart – und für Jurado, der anschließend nie so richtig Fuß fassen konnte. Jetzt scheinen die Schalker ihren Fehler eingesehen zu haben. Jurado geht zurück zu Atletico Madrid – und van der Vaart soll kommen. Das bestätigte auch sein Berater Robert Geelings gegenüber dem „Kicker“: „Ich kann bestätigen, dass Schalke interessiert ist.“ Und auch van der Vaart scheint von dem Interesse gehört zu haben. Mit einem verschmitzten Lächeln gab es dem niederländischen TV-Mann gestern auf die Frage nach einem anstehenden Wechsel die Antwort: „Ich habe davon gelesen. Aber konkret ist nichts, bei mir hat sich offiziell noch niemand gemeldet.“ Dafür inoffiziell? „Im Prinzip bleibe ich bei Tottenham, auch wenn man im Fußball nie genau weiß, was passiert…“

Oh Mann, das klingt nach ernsthaften Wechselgedanken. Zumal ihm sein Landsmann Klaas-Jan Huntelaar sicher von den Vorzügen des S04 berichten wird. Zumindest von den sportlichen – denn städtetechnisch kann Gelsenkirchen Hamburg nicht das Wasser reichen, zumal Sylvie van der Vaart Hamburg als zweite Heimat sieht und nur zu gern wieder in die Hansestadt ziehen würde.

Ebenso gern würde ihr Klaus Michael Kühne diesen Traum erfüllen – sofern sie Rafael im Gepäck hat. Unter Labbadia scheiterte Kühne an dem Veto des heutigen Stuttgart-Trainers, weil van der Vaart nicht in dessen Konzept passen würde. Einer der wenigen, dafür aber umso fataleren Fehlern von Labbadia. Wobei ich ihm zugutehalten möchte, dass er ohne echten Sportchef unterwegs war, der ihm in solchen schwierigen Phasen geholfen hat. Aber egal, heute ist Thorsten Fink Trainer und hat mit Frank Arnesen einen erfahrenen Sportchef, der von van der Vaart nur in den höchsten Tönen spricht. Dass das allein nicht reicht, ist klar. Aber bei den „turnusmäßigen Informationsgesprächen mit Kühne“, wie Jarchow die Termine mit dem Milliardär nennt, dürfte die ehemalige Nummer 23 definitiv ein Thema sein. „Bei einer Fifty-Fifty-Entscheidung würde er wohl eher zu Schalke und somit in die Champions League wechseln“, hat mir ein sehr guter Freund van der Vaarts heute erzählt – und mich damit nicht glücklicher gemacht. Im Gegenteil, ich bin einmal mehr gewillt, hier meine Bitte an den HSV und vor allem Herrn Kühne zu richten: Versuchen Sie alles. Und sollte dieser Transfer auch nur ansatzweise realisierbar sein – bitte machen. Denn obwohl der HSV mit derartigen Rückkehrern nicht nur gute Erfahrungen gemacht hat (ich denke da insbesondere an den damals teuersten Transfer der Vereinsgeschichte, Jörg „Ali“ Albertz), van der Vaart ist eine andere Hausnummer…

Und wenn wir den nicht kaufen können, dann doch bitte selbst ausbilden. Eigentlich wollte ich heute Abend das U19-Pokalhalbfinale des HSV gegen den FC St. Pauli sehen. Allerdings war der Weg raus nach Norderstedt mal wieder komplett dicht. Hat ja auch geregnet, da muss man schon mal 20 Kmh weniger fahren als erlaubt. Ist ja rutschig…

Egal wie, ich wollte mir einen erneuten Überblick über den direkten Profinachwuchs machen, hatte mich besonders auf den Seeler-Enkel Levin Öztunali und Matti Steinmann gefreut. Zudem wollte ich mich vor Ort mit Verantwortlichen treffen, um hier einen kleinen Überblick über die Nachwuchsarbeit zu geben. Das hole ich morgen nach – versprochen. Und für alle, die darauf gar nicht mehr warten können, weil ich nicht vorgreifen darf und will: morgen einfach Abendblatt kaufen…

Ansonsten war heute ein sehr stressiger und anstrengender, weil unglaublich ereignisloser Tag. Abraham? „Nichts Neues.“ Spielerverkäufe? „Keine aktuellen Gespräche.“ Ein zentraler Mittelfeldmann? „Kommt. Aber aktuell gibt’s da auch nichts Neues.“ Anhand der von verschiedenen Funktionsträgern getroffenen Aussagen könnt Ihr erahnen, was ich mit „ereignislos“ meine. Selbst die Meldungen, dass Paolo Guerrero sich selbst als Spanien-Liebhaber geoutet haben soll und nur zu gern für Espanyol auflaufen würd, wurden von dem Angreifer höchstpersönlich dementiert. Allerdings bleibt es gerade bei ihm dabei: Kommt ein passender Abnehmer, ist Guerrero weg.

Apropos weg – das bin ich dann jetzt auch mal. Getreu dem Motto: Wenn es nichts zu sagen gibt – einfach mal die Fr… halten. In diesem Sinne, bis nachher! Da werde ich Euch das Ergebnis vom letzten Stadtderby der Saison nachreichen. Und denkt dran: Alle, die „Raschis“ Epos schon gelesen haben können hier stoppen. Allen anderen empfehle ich – obwohl ich nicht in allen Punkten zustimme sind es, wich finde, durchaus nachvollziehbare Ansichten – eine weiterzulesen. Deshalb, Ehre, wem Ehre gebührt: Von mir ein großes Kompliment, Raschi! Ein sehr ausgewogener, gelungener und interessanter Beitrag!

Scholle

Raschi (am 31. Mai um 16.23 Uhr): „Was genau sollen die alten Stars, die hier vor dreißig Jahren mal gespielt haben, den Jungspunden, deren Eltern sich damals noch nicht einmal kannten, denn sagen? Soll Kargus ihnen ein Bild malen, soll Hrubesch ihnen etwas vom Pferd erzählen oder sein Dorschangel-Buch schenken? Die können ja gerne mal einen gemeinsamen Hüttenabend im Zillertal machen, am besten noch mit Herrmann dabei, aber sobald die alten Recken anfangen über die alte Zeit zu palavern, gehen Töre, Sala und Co. doch lieber schon mal aufs Zimmer und daddeln auf ihrer Playsi Barcelona gegen ManCity oder so.
Dieser Ansatz, die großen Spieler aus der großen, erfolgreichen Zeit einzubinden, kommt ungefähr dreißig Jahre zu spät. Heute kennt von denen den HSV doch überhaupt keiner mehr, heute haben die alle andere Jobs oder Interessen. Klar ist es verlockend, die erfolgreichen Vorbilder abzukupfern, und wenn es bei Bayern mit Hoeneß, dem Kaiser und Rummenigge so gut klappt(e), dann müsste es doch mit dem Teufel zugehen, wenn das bei uns mit Uwe, Hrubesch und Kaltz nicht ebenfalls gelänge.
Der Unterschied ist nur, dass in München die letzten dreißig Jahre gearbeitet wurde, das dort über dreißig Jahre lang etwas aufgebaut wurde und dort auch ein Hoeneß seinen Job erst gelernt hat und darin gewachsen ist. Der Ruf nach den Alten ist für mich deshalb auch nichts weiter als ein erster Lösungsreflex, einer, in dem sich die große Sehnsucht nach Titeln widerspiegelt, die jeder HSV-Fan nun einmal tief in sich hat. Dieser Ruf darf aber nicht zum Allheilmittel werden, er darf nicht die letzte Hoffnung des Vereins sein.
Der Weg zurück ist lang, vielleicht keine dreißig Jahre, aber er ist und wird lang. Aber je eher wir ihn gehen, je eher wir aufhören an die Wunderheiler mit den großen Namen zu glauben, desto eher kommen wir auch ans Ziel.
Ich will jetzt nicht wieder irgendwelche Vorbilder hervorkramen oder aufbauen – wir sind der HSV, wir brauchen keine Vorbilder, müssen endlich unseren eigenen Weg finden – aber der Blick auf Dortmund, wo Watzke und Klopp gerade den zweiten großen Club Deutschlands etablieren, zeigt doch, dass es auch ohne die großen und altgedienten Vereinsrecken vergangener Tage geht. Wir müssen nur endlich damit anfangen vorauszugucken anstatt immer wieder zurück (vdV ist dafür übrigens auch nur ein Beispiel aus etwas jüngerer Vergangenheit.)
Das heißt allerdings nicht, dass wir unsere eigenen Ansprüche aufgeben. Wir brauchen schon Ziele. Und diese Ziele müssen von oben vorgegeben werden und bis unten, bis hin zum Zeugwart und Bednarek ausgeführt und mit Leben gefüllt werden – alle müssen ihre persönlichen Ziele diesem Vereinsziel, diesem Streben nach zukünftigem Erfolg unterordnen. Wir müssen endlich mit der Arbeit beginnen.
Aber wie genau sieht die Arbeit aus? Wer macht die Arbeit?
Wenn unser Ziel, auf das sich vielleicht sogar noch alle einigen können (aber wirklich nur vielleicht – bei Bednarek, Ertel, Erhardt, Hunke und Co. vermute ich eigentlich ganz andere Ziele) möglichst schneller, aber vor allem nachhaltiger und anhaltender Erfolg ist, dann wären wir ja schon einen großen Schritt weiter, denn dann müssten wir nur noch gucken, was dafür erforderlich ist und was wir in der Form (noch) nicht haben.
Fangen wir doch mal oben an: Was ist die Aufgabe des Vorstandsvorsitzenden?
Zum einen sollte er die Ziele vorgeben. Von Hoffmann (Blick zurück, ich weiß…) hörte man, er wolle innerhalb von fünf Jahren mit dem HSV unter die Top 20 Europas und er hat es geschafft. Jarchow hingegen verweist darauf, dass der HSV in seiner Geschichte eigentlich überwiegend erfolglos war, er aber „natürlich dem Zuschauer etwas bieten“ wolle. Das ist mit dem Abstiegskampf schon mal ganz hervorragend gelungen… Ziele, oder auch Visionen, wie es hier immer wieder genannt wird, sind in dieser Aussage aber nicht zu erkennen.
Es wäre aber ungerecht von mir, Jarchows momentanes Hauptanliegen, die finanzielle Gesundung des Vereins, nicht als Zielvorgabe zu erkennen. Aber auch wenn ich sein Ziel erkenne, so zweifel ich doch an seinem Weg. Immerhin hat der HSV im ersten Jahr Jarchows ein Minus von sechs Millionen gemacht, ein so großes Minus hat Hoffmann in seiner gesamten Amtszeit, und zwar auch in den Jahren, in denen die Mannschaft den Uefa-Cup bzw. die Euroleague verpasste, obwohl der Gehaltsetat aufgrund der bestehenden Verträge noch weitaus höher als der heutige war, nie gemacht (und ich glaube schon, dass der HSV auch unter Hoffmann Ablösesummen oder –raten für Spieler gezahlt hat.) Mir geht es jetzt aber gar nicht darum, Hoffmann zu huldigen, ich frag mich nur, läuft da gerade bei der Erreichung der Ziele etwas schief? Und ich frag mich das umso mehr, wenn ich höre, dass unser einziges Faustpfand, unser einziger Wettbewerbsvorteil der nächsten Jahre, nämlich der Vorsprung gegenüber anderen Bundesligisten bei der Stadiontilgung, jetzt verspielt und verscherbelt werden soll.
Aber zurück zur Arbeit des Vorstandsvorsitzenden, zurück zu einer Art Anforderungsprofil. Ich glaube, dass der Chef des Ganzen auch den Überblick über alles haben sollte, dazu gehört auch, dass er Strömungen innerhalb des Vereins erkennt und diese, sofern sie der Sache, dem Erfolg, abträglich sind, beseitigt oder ihnen zumindest entgegenwirkt. Und selbstverständlich ist der HSV ein zerrissener Verein, selbstverständlich gibt es hier Lager- und Grabenkämpfe; das hat nach der MV, die schonungslos gezeigt hat, dass diese Gräben sich aber mindestens bis in den Aufsichtsrat erstrecken, selbst Dieter erkannt. Jarchow aber stellt sich hin und sagt allen Ernstes „Ich kann da keine wirklichen Lager erkennen.“ Entweder kann er es wirklich nicht, was nicht gerade für seinen Ein- und Überblick in den Verein, den er führen soll, spricht, oder er will es nicht, womit er seiner Verantwortung als Vorsitzender, der auch die Aufgabe hat, alle möglichst zu einen und auf ein gemeinsames Ziel einzuschwören, nicht gerecht wird. Im Gegenteil, er macht sich, indem er die Augen vor der Realität verschließt, mitschuldig, mitschuldig daran, dass der HSV von Tag zu Tag mehr auseinanderdriftet und irgendwann vielleicht auch nicht mehr gekittet werden kann. Jarchow spielt mit dem Vereinsfrieden. Als VV hätte er jedoch die Aufgabe, für eben diesen zu sorgen oder ihn wiederherzustellen. Er muss da Lösungswege finden, ob das dann gleich die von Hoffmann geforderte Ausgliederung ist, steht dann ja noch auf einem ganz anderen Blatt. Aber den runden Tisch, den Friedensgipfel, den könnte er als Vorsitzender durchaus einberufen, genauso wie die Strategiegespräche – Jarchow hätte als Chef die Macht, endlich wieder alle dazu zu bewegen, miteinander zu reden, alle wieder ins Boot zu holen anstatt eine Seite durch das Abwenden seines Blickes auf die vereinsinternen Streitereien immer mehr auszugrenzen.
Aber weiter, als Vorstandsvorsitzender sollte man idealerweise auch ehrlich sein und Integrität besitzen. Die und das aber sprechen Jarchow nach seinem „Zurück-auf-den-Dauerkartenplatz“-Statement, auf das postwendend die Beförderung vom Interims- zum Dauerchef folgte, nicht wenige ab. Die nochmalige unnötige vorzeitige Verlängerung seines Vertrages, hat die Zweifel an seiner Aufrichtigkeit ein weiteres Mal genährt. Ein Makel, für den er mitverantwortlich ist und den er wohl auch nicht mehr los wird.
Ich will mich hier aber gar nicht darin verlieren, Jarchow als schlechten Chef zu enttarnen, vielmehr will ich versuchen aufzuzeigen, was ein guter Chef idealerweise so haben könnte. Neben den Zielvorgaben und der Fähigkeit, eine verschworene Einheit zumindest außerhalb des Platzes zu befördern, sollte ein Chef auch Ideen haben. Er sollte die Wirtschaft mit ins Boot holen, sollte eine Art Aufbruchstimmung erzeugen, Missstände erkennen und beseitigen, den Finger in die Wunde legen und Verbesserungsvorschläge unterbreiten und manchmal vielleicht auch die Spieler bei der Ehre packen.
Ein VV des HSV könnte eine noch nie da gewesene Nachwuchsoffensive starten, indem er ein paar Firmen oder Privatleute als Investoren gewinnt, die in einen Fond für die Jugendarbeit einzahlen und selbstverständlich an den Einnahmen aus späteren Erlösen für diese Nachwuchskicker partizipieren. Genauso könnte ein VV nach einer Saison wie der letzten auf die Spieler zugehen, sie sanft bei der Ehre packen, und ihnen vorschlagen, nach jedem schlechten Spiel auf ihre Prämien zu verzichten oder einen Teil ihres Gehaltes zu spenden und sich damit ebenfalls (freiwillig) an der Finanzierung der Nachwuchsoffensive zu beteiligen. Warum sollte das nicht klappen, es müssen ja keine Unsummen sein und die Spieler könnten zeigen, dass sie doch eine größere Verbundenheit mit dem Verein, für den sie gerade kicken, haben, als so manch einer denkt.
Ich will meine unausgegorenen Ideen jetzt gar nicht als der Weisheit letzter Schluss hinstellen, aber diese Denkrichtung kann ein VV schon mal einschlagen und, wenn er damit erstmal anfängt, daraus auch sicher tragfähige Modelle erstellen, die am Ende vielleicht sogar umsetzbar sind.
Aber auch ein Chef handelt nicht alleine, er braucht fähige Leute an seiner Seite. Über den Vorstand für Mitgliederbelange, Oliver Scheel, möchte ich gar nicht groß reden, der ist für mich als Hardcore-SCler, der scheinbar nur seine eigenen Leute kennt, genauso eine krasse Fehlbesetzung wie Sven Brux als Sicherheitschef bei unserem Nachbarn St. Pauli. Gerade Scheel hat die Aufgabe, die Strömungen in der Mitgliedschaft zu erkennen und sich ein Gesamtbild zu verschaffen, betreibt aber nichts anderes als Klientelpolitik, und zwar für die Abteilung, die er selbst mit ins Leben gerufen hat. Zielorientiertes Handeln auf diesem Posten sieht für mich anders aus.
Im Verbund mit dem Sportchef müsste der Vorsitzende aber auch dafür sorgen, dass die Strukturen in der Nachwuchsförderung endlich stimmen. Es reicht nicht, auf das Stichwort der „Geldvernichtungsmaschine“ Nachwuchsförderung anzuspringen und seinem Vorgänger das Wort im Munde umzudrehen, obwohl man eigentlich derselben Ansicht bezüglich der fehlenden Effizienz in diesem Bereich ist. Was sollen diese nie enden wollenden Sticheleien, was soll dieser Nachtretreflex? Lenkt da jemand von seiner eigenen Leistung ab, hat da jemand vielleicht nur diese eine Leiher, oder zielt da jemand auf den Applaus seiner Unterstützer ab?
Viel wichtiger wäre es doch, den gesamten Bereich einmal ohne Rücksicht auf Verluste zu durchleuchten. Was läuft da schief? Wieso ist dieser Bereich denn seit Jahren nicht mehr als eine „Geldvernichtungsmaschine,“ wieso können die Streitereien zwischen Nachwuchstrainern und Nachwuchskoordinator über Wochen und Monate schwelen, ohne dass da konsequent gehandelt wird? Hier gäbe es ja mit Hrubesch tatsächlich mal einen alten Recken, der uns weiterbringen könnte; aber den hat anscheinend noch niemand über ein Engagement in diesem Bereich gefragt. Aber Hrubesch hin oder her, auf diese Posten gehört Kompetenz, unabhängig vom Namen oder längst verflogenem Stallgeruch. Und wo findet man die? Da, wo es genau in diesem Bereich schon mal geklappt hat. In Barcelona, in Amsterdam, in Freiburg, Mainz oder Stuttgart, und mit Hrubesch eben auch beim DFB.
Wenn es so sein sollte – ich weiß es nicht – dass hier seit Jahren die falschen Leute rumwurschteln, dann braucht man mal einen harten Schnitt und dann echte Kompetenz, Know-How eben, das man dann auch mal von außen holen kann, aus Barcelona, Amsterdam, Freiburg, Dortmund, Stuttgart, dem DFB oder sonst woher. Aber hier wird mit Basti Reinhardt jemand zum Nachwuchschef befördert, weil er sich damals als komplett überforderter Sportchef so loyal enteiern lassen hat, und jetzt wird ihm mit Michael Schröder jemand zur Seite gestellt, der in der Scouting-Abteilung nicht mehr gebraucht wird. Und demnächst sollen Jarolim und Benjamin zurück, nicht weil sie ihre Kompetenz irgendwo bewiesen hätten, sondern weil sie so (verdiente) alte Spieler, liebe Kerle und loyale Kämpfer im Zeichen der Raute sind oder waren. Klar, warum nicht, kann ja klappen, aber es herrscht dabei mal wieder das Prinzip Hoffnung. Sie sollen gerne kommen, ganz speziell Collo, aber eben nicht gleich in verantwortlicher Position.
Wir müssen endlich weg davon, Freunden und alten Fanlieblingen wichtige, wenn nicht entscheidende Posten zuzuschanzen, das gilt für Vorstand, Aufsichtsrat und Nachwuchsbereich gleichermaßen. Wir müssen uns endlich wieder professioneller aufstellen und unsere Arbeitsplätze mit Fachleuten besetzen anstatt aus Dankbar- oder Gefälligkeit. Vielleicht haben wir schon viel zu viele alte Spieler mit eingebunden, ich weiß es nicht, aber wir haben auf jeden Fall noch nicht ausreichend zielorientiert arbeitende Kompetenz…