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***Engländer vermelden Holtby-Wechsel zum HSV****Es geht endlich wieder los – ohne Demirbay und Skjelbred

29. August 2014

****Aktualisiert: Holtby-Wechsel fix? Englische Zeitungen vermelden den Wechsel von Holtby zum HSV als perfekt – der HSV dementiert. Noch….*****

Endlich Heimspieltag. Der SC Paderborn kommt. Und die HSV-Fans sind wieder heiß auf ihren HSV. Knapp 53000 Tickets sind nach Angaben des HSV bislang abgesetzt – und ich bin jetzt schon sehr gespannt, wie die Stimmung sein wird. Dass es genügend Gründe gibt, diese Mannschaft anzufeuern ist fraglos. Das stand bei den echten Fans nie infrage. Auch jetzt in AG-Form nicht. Auch deshalb appellierte Marcell Jansen an die Fans – was ich grundsätzlich okay finde. Zumal auch ich hoffe, dass sich letztlich die Qualität der Arbeitenden beim HSV über die Rechtsform hinwegsetzt und sich am Ende wieder eine große HSV-Gemeinde Sonnabend für Sonnabend für den HSV in Bewegung setzt.

Und es gibt neben den sportlichen Punkten auch im Umfeld schon viele erfreuliche Bewegungen. „HSV Schnack“ (www.HSVC-Schnack.de) hat die Supporters auch medial wieder als Abteilung aufleben lassen, Poptown hat seinen Rückzug vom Rückzug bekanntgegeben. Und im berühmt-berüchtigten Block 22c sind auch nicht viele Plätze frei geblieben. Allein, ob von dort oben weiter Stimmung gemacht wird, ist offen. Aber es gibt Anzeichen, die hoffen lassen. Weil dieser HSV ein endlich seriöses Gesamtbild abgibt.


Trainer und Mannschaft haben hart gearbeitet, der Vorstand hat seine Arbeit ebenso ruhig wie intensiv erledigt und der Aufsichtsrat – der taucht so gut wie gar nicht mehr auf. Ergo: Der HSV hat gelernt. Und die HSVerinnen und HSVer honorieren das. Es mag zwar nur ein erster kleiner Schritt in die richtige Richtung sein. Aber es ist eben auch der erste kleine richtige Schritt seit langer Zeit. Umso schöner wäre es, wenn die gesamte Vorbereitung letztlich mit dem Transfer von Lewis Holtby ob als Kauf oder (sehr wahrscheinlich) als Leihgeschäft – egal. Es würde eine Vorbereitung abrunden, die so lief, wie man es sich vom HSV wünschen darf. Eben komplett anders als in den letzten drei, vier Jahren.

Und so bin ich mir sicher, dass der HSV auf Sicht wieder Erfolg haben wird. Mehr als in der Vorsaison ist selbstredend. Weniger geht ja auch nicht. Aber ich glaube, dass der HSV sich im Nachwuchs ebenso gut aufstellt, wie er es oben mit den getätigten Transfers begonnen hat. Entsprechend gelassen sollte Marcell Jansen daher auf die erneute Nicht-Nominierung reagieren. Er hat jetzt genug Zeit, sich über Leistungen beim HSV wieder anzubieten. Und er hat einen verein, der zumindest wieder die Chance hat, sich nach oben zu entwickeln. „Und genau das habe ich vor“, sagt der Linksfuß, der gegen Paderborn voraussichtlich wieder in der Startelf stehen wird.

Im Abschlusstraining heute agierte er ebenso wie die ebenfalls erneut nicht für die Nationalelf nominierten Rene Adler und Heiko Westermann im A-Team. Übrigens in exakt jenem Team, das auch gegen Köln von Beginn an auf dem Platz stand. Soll heißen: Adler – Diekmeier, Djourou, Westermann, Jansen – Behrami, Badelj – Arslan, van der Vaart, Ilicevic – Lasogga.

Ebenfalls dabei sein wird Cléber. Der Brasilianer feiert sein Debüt beim HSV. Als Reservist. „Ich habe in Brasilien schon gespielt und bin fot hergekommen“, so der Brasilianer, der Maori-Zeichen auf den Arm tätowiert hat. Zeichnungen, wie sie von Kriegern getragen werden. „Ich bin ein Kämpfer. Und ich bin auf alles vorbereitet. Ob Bank oder Startelf“, sagt Cléber, der noch nichts über Paderborn gehört hat, aber von Ex-Fußballer Edson Büttner nicht nur in Hamburg begleitet wird, sondern auch über die Gegner informiert wird. Die Spekulation, der FC Barcelona habe einmal Interesse an einer Verpflichtung gehabt, wies Cléber von sich: „Nein, da ist nichts dran.“ Was er von seiner ersten Saison in Hamburg erwartet? „Ich hoffe, dass ich mich schnell adaptieren kann und meine Spielweise dem HSV helfen wird.

Nicht mehr dabei waren Kerem Demirbay und Per Skjelbred. Obwohl sie beide noch pünktlich vor Trainingsbeginn an der Arena auftauchten. „Ich habe mich noch von der Mannschaft verabschieden wollen“, sagt Demirbay, der ab sofort für den 1. FC Kaiserslautern spielen wird. Für ein Jahr auf Leihbasis, am Sonntag geht es los. „Vorher besuche ich noch meine Familie“, so Demirbay, der dessen erster Frust über die fehlende Chance in Hamburg verflogen zu sein scheint. „Natürlich ist man erstmal enttäuscht, wenn man nach einer guten Vorbereitung keine Spielzeit bekommt. Aber mit der Entscheidung, zu Lautern zu wechseln bin ich sehr zufrieden. Der FCK ist ein Topklub, wo ich hoffentlich genug Spielzeit bekomme.“ Sollte er. Heute zwar noch nicht, dafür aber schon in einer Woche, wenn es wieder am Freitagabend dann gegen den FSV Frankfurt geht.


Zudem hat Demirbay nachträglich eine hohe Wertschätzung erhalten. Denn trotz des dringenden Wunsches des FCK, den Deutsch-Türken sofort zu kaufen, blieb der HSV hart. „Ich weiß, dass Herr Beiersdorfer recht viel von mir hält. Und das ist ein gutes, ein motivierendes Gefühl“, freut sich Demirbay, der letztlich im Guten wechselt und gern gestärkt zurückkommen will. Und selbst der Wunsch des FCKL nach einer Kaufoption blieb vom HSV unerfüllt. „Das zeigt mir, dass ich nicht alles falsch gemacht haben kann in Hamburg“, so Demirbay.

Ebenfalls nichts falsch gemacht hat zweifellos Per Skjelbred. Zumindest spielte er eine sehr ordentliche letzte Saison in Berlin, absolvierte eine gute Vorbereitung beim HSV und blieb auch in den letzten Tagen, in denen sich sein Wechsel zurück nach Berlin konkretisierte, nichts schuldig. „Ich freue mich, dass beide Vereine eine gute Lösung gefunden haben“, so Skjelbred, der in Berlin auch wieder auf seine Familie trifft, die dort wohnen geblieben war. Heute sammelte auch er seine Sachen zusammen und reiste ab. Für 1,3 Millionen Euro wechselt der Norweger in die Hauptstadt.

Daher: Alles Gute, Per! Alles Gute Kerem!

Richtig Gutes erfährt der HSV auch im Nachhinein von und für Vadis Odjidja-Ofoe. Der Mittelfeldspieler war im Januar 2008 für 400000 Euro aus Anderlecht zum HSV gewechselt, um im Januar 2009 nach Brügge zu wechseln. Und das für 900000 Euro – zuzüglich einer Vertragsklausel, die besagt, dass der HSV an einem möglichen Weiterverkauf beteiligt werden muss. Mein belgischer Kollege, der mich darüber informierte, sprach von einer 20-Prozent-Beteiligung des HSV. Und das wären noch mal 600000 Euro, sollte der Wechsel des 25-Jährigen zu Norwich für die jetzt bekannt gewordenen drei Millionen Euro Ablöse realisiert werden.

Geld, das der HSV für den Transfer seines absoluten Wunschspieler Lewis Holtby dringend braucht. Denn der Mittelfeldspieler, der in England bislang rund fünf Millionen Euro verdienen soll, wird egal wie nicht billig. Obwohl der 23-Jährige bereits sein soll, für einen Wechsel nach Hamburg auf einen Teil seines Gehaltes zu verzichten. Dafür leiht der HSV den Wunschspieler für ein Jahr aus – mit Kaufoption. Und ich bleibe dabei, dass dieser Wechsel stattfinden wird. Weil der HSV in Person Dietmar Beiersdorfers Holtby weiterhin unbedingt will. Ob zusätzlich noch ein Perspektivspieler für den Angriff geholt werden kann, hängt maßgeblich am Verhandlungsverlauf mit Tottenham.

Und obgleich für heute nicht mehr viel zu erwarten sein soll, ist das für morgen sicher anders zu sehen. Denn da sollte mit einer ähnlich disziplinierten Leistung wie in Köln ein Dreier drin sein. Auch ohne Holtby. In diesem Sinne, ich hoffe auf ein stimmungsvoll gefülltes Stadion und auf ein Spiel, das diese gute Stimmung nicht nur verdient, sie zudem fördert und am besten noch steigert.

Bis morgen,
Scholle

Drei Profis auf dem Absprung – Holtby wirklich nur ein “Märchen”?

28. August 2014

Zwei Spieler, über deren Abgang bereits in den vergangenen Tagen spekuliert wurde, haben heute ihre Wechsel forciert. Jacques Zoua wird vom HSV an den türkischen Erstligisten Erciyesspor verliehen. Der Verein aus der Provinz Kappadokien im Zentrum des Landes ist eigentlich der kleinere Verein der Stadt hinter Kayserispor, aber die Teams haben in den vergangenen Jahren die Ligen getauscht. Erciyesspor spielt jedenfalls in der ersten türkischen Liga und wurde vergangene Saison Vierzehnter. Zoua, der „Schnapper“, wie er in Hamburg scherzhaft genannt wurde, soll dort Spielpraxis und Selbstvertrauen sammeln.

Außerdem soll Kerem Demirbay ein „Roter Teufel“ werden. Der hochveranlagte Mittelfeldspieler wird an den 1. FC Kaiserslautern verliehen, wenn die letzten Formalitäten zwischen den Vereinen geklärt sind. Ein guter Schritt für Demirbay, der beim HSV eine faire Chance vermisst hat. Nach seinem ersten Jahr in Hamburg, in dem seine Fähigkeiten immer wieder angedeutet wurden, allerdings auch einige Verletzungen dazwischen kamen, nun also der Schritt zurück in die Zweite Liga. FCK-Präsident Stefan Kuntz hatte sich schon vor Wochen in Hamburg nach Demirbay umgehört. Jetzt war der Zeitpunkt gekommen, dass Trainer Mirko Slomka und Vereins-Boss Beiersdorfer ihn freigegeben haben.

Noch ist dieses Leihgeschäft aber nicht unterschrieben. Demirbay hat noch drei Jahre Vertrag in Hamburg, und vor diesem Hintergrund haben die Lauterer auch nach einer Ausleihe über zwei Jahre nachgefragt und auch nach den Optionen, den Deutsch-Türken gleich ganz zu kaufen. Das will der HSV nicht, würde aus Hamburger Sicht auch keinen Sinn machen. Spätestens im kommenden Jahr, wenn die HSV-Truppe wegen vieler auslaufender Verträge ein neues Gesicht haben wird, ist Demirbay erst recht eine Option für eine gute Rolle beim HSV. Daher erhält Kaiserslautern auch keine Kaufoption.

Sollte Demirbay eine gewisse Zeit ohne Maleschen auskommen, hat Kaiserslautern ganz sicher einen sehr guten Fang gemacht. Eigentlich wurde dem früheren Dortmunder für diese Saison ja schon beim HSV der Durchbruch zugetraut. Da er offenbar bei Slomka keine allzu hohe Wertschätzung genießt, kann dieser Durchbruch nun also auf dem Betzenberg erfolgen. Der HSV plant für Demirbay eine Ausleihgebühr im niedrigen sechsstelligen Bereich ein, aber wie gesagt – Stand später Nachmittag ist die Kuh noch nicht vom Eis. Vermutlich wird dies erst im Laufe des Freitags der Fall sein.


In die Personalie Per Skjelbred ist ebenfalls Bewegung gekommen. Hertha-Sportdirektor. „Es ist kein Gemeinnis, dass wir noch einen Stürmer suchen und großes Interesse an Per Skjelbred vom HSV haben.“ Allerdings ist beim HSV immer noch kein Angebot aus der Hauptstadt eingetroffen, das Dietmar Beiersdorfer und sein Team überzeugen würde. Bis Montagmittag um 12 Uhr haben die Verhandlungspartner noch Zeit, den Deal einzutüten. Dann schließt die Transferliste für diesen Sommer.

Trainer Mirko Slomka sieht die vollzogenen oder anstehenden Transfers, wie er heute auf der Pressekonferenz sagte, mit einem weinenden und einem lachenden Auge. „Ich gebe grundsätzlich ungern Spieler ab, denn uns fehlen dann die Alternativen. Aber auf der anderen Seite ist da die wirtschaftliche Vernunft. Wir müssen schauen, ob wir im Sinne der Kader-Hygiene dann nicht doch noch einen dazu nehmen. Wir halten Augen und Ohren offen. Jetzt ist eine sehr intensive Transferzeit.“

Die heißdiskutierte Tauschaktion – van der Vaart in die Türkei, dafür Lewis Holtby aus Tottenham an die Elbe, schließt der Trainer nahezu aus: „Erstmal kann ich mir nicht vorstellen, dass Rafael van der Vaart den Verein verlässt. Er ist in einer sehr guten Verfassung und hilft uns im Moment sehr. Er ist Kapitän und führt dieses Team. Und dass Lewis Holtby ein Klassespieler ist – darüber müssen wir nicht diskutieren. Aber ich weiß nicht, ob das wirtschaftlich machbar ist. Das halte ich eher für ein Märchen.“

Zum Thema Holtby kam heute diese Nachricht vom Sport-Informationsdienst:

LONDON (SID) – Der ehemaliger Schalker Lewis Holtby (23) hat mit einem Abschied vom englischen Top-Klub Tottenham Hotspur kokettiert. Sollte der Spielmacher in London nicht regelmäßiger zum Einsatz kommen, «muss man sehen, was in den nächsten Tagen und Wochen passieren wird», sagte Holtby dem Internetportal t-online.de.
Holtby, der zwischen Sommer 2011 und Januar 2013 für Schalke spielte, besitzt bei Tottenham noch einen Vertrag bis 2018 und soll in London rund fünf Millionen Euro verdienen. Zuletzt war er mit dem Hamburger SV in Verbindung gebracht worden. «Ich bin ein junger Spieler und will immer spielen. Das ist einfach wichtig für mich, meine Entwicklung und die weitere Karriere», sagte Holtby, «am liebsten würde ich das natürlich hier bei Tottenham tun und hoffe deshalb sehr, dass ich die Chance dazu bekommen werde.» Zuletzt kam Holtby unter Trainer Mauricio Pochettino aber über eine Reservistenrolle nicht hinaus.

Diese Aussagen lassen nun wirklich alle Spekulationen zu.

Im Training heute deutete sich an, dass Mirko Slomka seine Elf aus dem Köln-Spiel für die Partie gegen Paderborn nicht verändern wird. Das heißt dann auch, dass Heiko Westermann wahrscheinlich seinen Stammplatz in der Innenverteidigung behalten wird. Das zentrale Abwehr-Dreieck mit HW4, Johan Djourou und Valon Behrami davor hat in der Domstadt überzeugt, deswegen muss sich Neuzugang Cleber offenbar noch gedulden.

Heiko Westermann hat das Mitspielen in der A-Elf heute im Trainingskick sichtlich Auftrieb gegeben. Nach der Einheit übten die Flügelspieler noch Flanken, die in der Mitte von Westermann und Cleber zum Torschuss genutzt werden sollten. Und das Westermann dort an Toren erzielte, war kaum zu toppen. Volley mit links in den Winkel, Dropkick mit rechts in die Maschen, zwischendurch mal ein Kopfballtorpedo. Es gab für die Serie von Trainingstoren Beifall der Trainingskiebitze, die den schönen Spätsommertag zu einem Besuch im Volkspark genutzt haben.

Aus Heiko Westermann wird jetzt nicht gleich ein Publikumsliebling, seine Kritiker werden weiter zweifeln an seinen Fähigkeiten. Unstrittig ist allerdings, dass der ehemalige Kapitän gerade dann gut spielt, wenn er mit Ruhe und ohne Druck in eine Partie gehen kann. So gesehen dürfen sich die mehr als 50.000 Fans, die bereits ein Ticket für die Partie gesichert haben, auf einen guten Heiko Westermann freuen, bei dem Stockfehler auf ein Minimum reduziert sein sollten.

„Ich glaube, dass die Mannschaft spürt, dass sie besser drauf ist. Die Spieler sind frisch und fit. Diese Stress-Momente, die ich hier erlebt habe in den vergangenen Monaten, sind aktuell nicht da. Natürlich haben wir Druck vor dem Paderborn-Spiel, aber wir haben eine andere Mentalität. Das betrifft Heiko und viele andere Spieler“, so Mirko Slomka. „Noch sind wir nicht ganz auf dem Top-Niveau – bei Lasogga haben wir zum Beispiel noch Nachholbedarf – aber wir arbeiten daran.“

Vor allem ist dem Trainer im Spiel in Köln aufgefallen, dass es Defizite auf dem Weg nach vorn gab. Insgesamt sprach er nochmals von einer „soliden Leistung“. Dennoch: „Wir müssen flexibler nach vorn agieren. Das verlangt der moderne Fußball. Wir haben kein Tor erzielt in Köln, das sollen wir nicht vergessen.“ In diesem Zusammenhang brachte Slomka auch seinen Ersatz-Stürmer Artjoms Rudnevs wieder ins Gespräch. Offenkundig haben die Trainingsleistungen des Letten überzeugt. „Rudi war immer einer der Vorreiter und hat alle Wehwehchen weggesteckt“, so Slomka. „Er kann immer eine wichtige Alternative sein aber auch ein Spieler, der dieser Mannschaft von Anfang an mit Tempo, Wille und Einsatzbereitschaft helfen kann. Deswegen bin ich nicht interessiert daran, ihn abzugeben.“

Zum Gegner Paderborn sagte Slomka auch noch: „Wir haben sie intensiv beobachtet, allein schon, weil sie ja auch als unser Relegationsgegner in der vergangenen Saison hätten sein können. Das hat wenig mit Exotik wie ein Viererbob aus Jamaika oder so. Das ist schon eine richtig gute Fußball-Mannschaft. Außerdem ist es uns egal, ob wir gegen Bayern München oder den SC Paderborn spielen. Wir müssen uns um jedes Spiel kümmern, als sei es ein Finale. Nur so gewinnen wir Vertrauen zurück bei Sponsoren, bei Fans, im Umfeld. Nur so gewinnen wir unser Vertrauen und unsere Souveränität zurück.“

Außenverteidiger Marcell Jansen hat heute Stellung bezogen zu seiner persönlichen Enttäuschung, nicht bei der WM dabei gewesen zu sein. „Für mich persönlich war es schade mit der WM. Ich bin im März leider operiert worden, und habe danach versucht, mit den Klassenerhalt zu sichern. Das hat zum Glück geklappt, wenn auch knapp, hatte aber Priorität.“ Seine Nationalmannschafts-Karriere abzuhaken – daran hat Jansen nach eigener Aussage nicht gedacht: „Ich glaube, dass keine Position fest besetzt ist. Natürlich ist für mich das Thema nicht beendet. Vor meiner Verletzung im Frühjahr war ich gut dabei in der Nationalelf, habe viele Spiele von Anfang an gemacht. Das hat mit Selbstvertrauen gegeben, jetzt wieder anzugreifen.“

Das ist auch die Devise für den Kick gegen Paderborn: „Wir freuen uns auf das erste Heimspiel, wollen und müssen heiß sein, weil der Aufsteiger natürlich mit einer großen Euphorie kommen wird.“ Dass sein HSV dabei auf einem guten Weg ist – daran glaubt der Dienstälteste HSVer (seit 2008 in Hamburg): „Es sind viele Prozesse angestoßen worden. Man sieht, dass wir besser zusammenrücken wollen. Wir müssen es im Prinzip so machen wie gegen Köln. Das war nicht sensationell, aber wir müssen in kleinen Schritten weitergehen. Es geht nicht alles von heute auf morgen. Mit einem Dreier können wir den nächsten Schritt machen.“ Zum Schluss sorgte Jansen noch für das Bonmot des Tages, angesprochen auf die Zielsetzung für diese Saison. „Jetzt die Trommeln zu läuten – mit dieser Art sind wir nicht gut beraten“, so Jansen. Danke, Cello, für diesen schönen Vergleich……

Wie ist der Stand bei den Verletzten? Nicolai Müller soll nach seinen anhaltenden Adduktoren-Beschwerden in der kommenden Woche bei den Tests in Neumünster (Donnerstag) und Danzig (Freitag) jeweils eine Halbzeit spielen. Er wird dann eine Alternative für das folgende Bundesliga-Spiel in Hannover sein. Slobodan Rajkovic ist wieder gelaufen, Zoltan Stieber hat Einzeltraining mit dem Ball absolviert. Gojko Kacar und Maximilian Beister benötigen ebenfalls noch einige Wochen, um mit der Mannschaft trainieren zu können. Ivo Ilicevic und Rafael van der Vaart, die sich unter der Woche mit leichten Muskelbeschwerden herumgeschlagen haben, gaben heute grünes Licht für das Spiel gegen Paderborn.

Gestern hat Scholle Euch hier sehr ausführlich die Campus- und Nachwuchs-Pläne des HSV für die kommende Saison vorgestellt. Die Überlegungen haben Hand und Fuß und haben gegenüber dem ursprünglichen Modell vor allem den Vorteil, dass der Verein das Gelände von sich aus mit Leben füllen will. Viel mehr Mannschaften als angedacht sollen dort einziehen, von den Jugendlichen bis hoch zu den Profis. Das ist allein deshalb schon sinnvoll, weil in der Form eines reinen Nachwuchsinternats, Vorbild Ochsenzoll, im trüben Volkspark für die wenigen Bewohner dort ansonsten so gut wie keine Abwechslung geboten wäre. Außer etwas Trubel im Rahmen von Trainingseinheiten der Profis wäre dort Totenstille – dem Senatskonzept zum Trotz, durch das der Volkspark mit einigen weiteren Aktionen ja aufgewertet werden soll.

Nun nimmt der HSV dies selbst in die Hand und sorgt für ein neues Fußball-Zentrum vieler Altersklassen. Dass darüber der wirtschaftliche Bereich des Campus, wie Dietmar Beiersdorfer sagte, etwas zurücktreten muss, ist absolut zu verschmerzen. Kurz und gut: das neue Campus-Modell hat Hand und Fuß, und es hat die Unzulänglichkeiten des alten Modells aus dem Weg geräumt.

Dass es zu weiteren Verzögerungen kommen wird, wir dürfen hier mindestens von einem halben Jahr ausgehen, ist als Schaden zu betrachten, den die HSV-Verantwortlichen in Kauf nehmen müssen (übrigens ist es für den laufenden Etat nicht nur ein Schaden, sondern auch ein großer Nutzen. Der alte Vereins-Boss Carl Jarchow hatte einen hohen Millionen-Betrag in den Saisonetat 14/15 eingeplant für Baukosten. Durch die Verschiebung werden auch die Kosten auf einen späteren Zeitpunkt verschoben und der enge HSV-Etat entlastet). Die Zusage von Alexander Otto, sich finanziell an dem Projekt zu beteiligen, steht jedenfalls. Es deutet sich an, dass Unternehmer Otto so gesehen als zweiten großer Gönner des HSV auftreten wird – neben Klaus-Michael Kühne. Ich lege allerdings meine Hand ins Feuer: Otto wird diese Rolle mit deutlich weniger Getöse spielen als Kühne in der Vergangenheit (gegenwärtig ist es hier ja auch deutlich ruhiger und sachdienlicher geworden).

Morgen wird am Stadion ohne Öffentlichkeit trainiert – dann ist wieder Scholle Zeit.

Lars
18.49 Uhr

Lasogga ist plötzlich der Hoffnungsträger

17. August 2014

Schade, schade, schade. Zwei neue Flitzer hätte der HSV in der Offensive gehabt, doch nun ist es amtlich: Weder Nicolai Müller noch Zoltan Stieber können morgen, am Montag, im DFB-Pokalspiel in Cottbus gegen den Drittliga-Vertreter FC Energie zum Einsatz kommen. Der ehemalige Mainzer Müller leidet unter einer Adduktoren-Verletzung, der früherem Augsburger Stieber leidet an einer Fußprellung. Beide traten die Dienstreise in die Lausitz gar nicht erst mit an, und das ist nicht nur schade, sondern jammerschade. Sowohl Müller als auch Stieber hätten im Stadion der Freundschaft wahrscheinlich nach allen Regeln der Kunst herumgewirbelt, doch darauf müssen die HSV-Fans, 2000 sollen bei diesem Erstrunden-Spiel im Stadion sein, nun noch mindestens eine Woche verzichten. Leider. Müller und Stieber hätten für frischen Wind im HSV-Sturm gesorgt.

Aber vielleicht fällt diese Rolle ja nun doch Pierre-Michel Lasogga zu. Lange war er verletzt und nahm nicht am Mannschaftstraining teil, doch nun geht es mit ihm (steil) bergauf. Trainer Mirko Slomka benannte nach dem 45-minütigen Training am Sonntag folgenden HSV-Kader: Adler, Drobny, Diekmeier, Westermann, Djourou, Jansen, Tah, Jiracek, Ostrzolek, Skjelbred, van der Vaart, Behrami, Badelj, Arslan, Rudnevs, Zoua, Ilicevic und Lasogga.

Im Prinzip ist es ja so, dass Lasogga von Beginn an spielen muss. Dafür sprechen zweierlei Gründe: Erstens war ohne ihn zuletzt (und auch in der vergangenen Saison) herzlich wenig los im HSV-Angriff, und zweitens bringt ihn jede Minute weiter voran. Vergleichbar mit der Maßnahme, die an diesem Wochenende Dortmunds Trainer Jürgen Klopp mit Marco Reus vornahm. Der Nationalspieler, für mich der beste deutsche Feldspieler zurzeit, war zehn Wochen lang verletzt, sein Comeback war erst in einigen Wochen erwartet worden – und dann lief er im Spiel gegen die Stuttgarter Kickers als Kapitän der Borussia auf – und kickte so lange, wie die Kräfte reichten. Nach einer Stunde ging Reus zum Duschen. Das könnte Lasogga dann doch auch machen, mit einer 3:0-Führung im Rücken, von ihm selbst herausgeschossen . . .

Dann wäre Lasogga der Hans im Glück des HSV. Viel Pech dagegen entwickelt in diesen Tagen Maximilian Beister. Nach seinem Kreizbandriss zu Beginn des Jahres wäre er jetzt normalerweise „dran“ gewesen, wieder ins Mannschaftstraining einzusteigen, aber das Gegenteil ist der Fall. „Scholle“ sprach heute mit „Maxi“, und der war total niedergeschlagen, denn er hat einen riesigen Rückschlag erlitten. Beister wird morgen, an diesem Montag, in Augsburg am Meniskus operiert. Das bedeutet, dass er weitere drei bis vier Wochen warten muss, bevor es wieder mit den Kollegen „auf dem Acker“ zur Sache gehen kann. Und ein Einsatz in einem Bundesliga-Spiel wird wohl noch bis Mitte oder Ende Oktober auf sich warten lassen. Bitter für den Pechvogel des HSV, aber auch diese Zeit wird er überstehen – um dann mit noch mehr Energie zurückzukommen.

Apropos Energie. So die ganz dicken Überraschungen sind im Pokal bislang ja ausgeblieben, von Mainz und Stuttgart mal abgesehen, aber auch das kam nicht gerade unerwartet. Hoffentlich ist die dickste Überraschung nicht noch am Montag „im Pott“. Der FC Energie ist für mich nach dem Zweitliga-Abstieg relativ unbekannt, aber irgendwie denke ich immer wieder an den vergangenen Dienstag, als der HSV in Erfurt gegen den Drittliga-Club Rot-Weiß testete. Ich schrieb es seinerzeit, dass wir mit der Rot-Weiß-Mannschaft in die Katakomben des Stadions gingen, und als wir (Medien-Vertreter aus Hamburg) nach der Stärke von Cottbus fragten, antwortete ein RWE-Spieler doch: „Die sind schwach. Wir haben dort zwar nur 0:0 gespielt, aber wir hätten klar gewinnen müssen, weil wir viele große Chancen hatten . . .“

Das stimmt mich nach wie vor optimistisch, das muss ich sagen, aber ein kleiner Zweifel bleibt doch. Zumal ich nach dem Spiel in Erfurt mit zwei einheimischen Kollegen sprach, denn irgendwie hatte ich den Eindruck, dass die Rot-Weißen doch ein wenig mit „gebremsten Schaum“, soll heißen fast körperlos, gegen den HSV gespielt hatten. Und siehe da, auch diese Kollegen, unabhängig voneinander, hatten dasselbe Gefühl. Und dass Cottbus gegen den HSV ebenfalls fast körperlos spielen wird, das glaube ich nun doch nicht so ganz, im Stadion der Freundschaft ging es, wenn Hamburg zu gast war, immer hoch her. Das wird wohl auch diesmal nicht anders sein.

Die Deutsche Presse-Agentur hat dazu folgenden Bericht veröffentlicht:

Endlich wieder großer Fußball in Cottbus – Erinnerung an 1997
Für den in die Dritte Liga abgerutschten FC Energie Cottbus ist das DFB-Pokalspiel gegen Bundesligist Hamburger SV eine Chance, sich endlich wieder einmal auf der großen Fußball-Bühne zu präsentieren. „Wir probieren, dieses Spiel zu gewinnen“, erklärte Trainer Stefan Krämer vor der Partie am Montag (18.30 Uhr) im Stadion der Freundschaft. Der seit Saisonbeginn in der Lausitz arbeitende Chefcoach schloss aber auch an: „Wir sind keine Träumer und wissen, dass wir ans Limit gehen müssen, um vielleicht eine Überraschung zu schaffen.“

Mittelfeld-Neuzugang Rok Elsner steht vor seinem Debüt. Das Abschlusstraining am Sonntag fand ohne Medien und Fans statt – ein Novum bei Energie. Marco Holz will trotz Knieproblemen spielen, sofern die Schmerzen nicht zu groß sind. „Dass er sich für die Mannschaft quält, spricht für den Geist, der in diesem Team herrscht“, betonte Krämer. Ob der Trainer Mittelfeldspieler Holz von Beginn an bringt oder als Joker, ist noch offen. Sven Michel, der seine Blessur auskuriert hat, ist gegen den HSV einsatzbereit. Anton Makarenko fällt wegen einer Muskelverletzung aus. Rene Renno, Leonhardt Kaufmann und Thomas Hübener fehlen ohnehin langfristig.

Als Regionalligist, damals dritte Liga, hatte Energie 1996/97 die erfolgreichste Saison im DFB-Pokal gespielt. Die Cottbuser waren bis ins Endspiel vorgestoßen, unterlagen dort dem VfB Stuttgart mit Trainer Joachim Löw 0:2. Mit ihrem Coach Eduard Geyer stieg der FC Energie drei Jahre später erstmals in die Erste Liga auf.

Mit einem Erstliga-Aufstieg muss sich der HSV zum Glück nicht beschäftigen, aber eventuell ja mit einem Pokalsieg. Und diese Mannschaft soll dafür sorgen, dass die Hoffnungen auch am späteren Montagabend noch Bestand haben: Adler; Diekmeier, Westermann, Djourou, Ostrzolek; Badelj, Behrami; Ilicevic, van der Vaart, Jansen; Lasogga. Schiedsrichter der Partie ist Thorsten Kinhöfer aus Herne.

Erfreuliches hat an diesem Wochenende schon mal (wieder) die Zweite geleistet. Sie gewann das Heimspiel gegen Weiche Flensburg mit 3:1, wobei dass das erste Gegentor im vierten Spiel war. Ein Schönheitsfehler. Ansonsten aber ist und läuft alles super bei den Rothosen-Talenten. Was, ich kann es immer wieder nur wiederholen, an Trainer Josef (genannt Joe) Zinnbauer liegen soll. Der Mann gibt mächtig Gas. Und setzt sich auch voll für den Erfolg ein. Gestern war er beim Spiel seiner Mannschaft (natürlich), heute sah er am Vormittag die A-Jugend spielen (0:2-Heimniederlage gegen Carl-Zeiss Jena), und nachmittags war er in Neumünster und sah den VfR gegen den kommenden HSV-Gegner Wolfsburg II (nächstes Wochenende) mit 0:1 verlieren.

PS: Dann gab es noch diese Meldung:

Der frühere Bondscoach und ehemalige Trainer des Fußball-Bundesligisten Hamburger SV, Bert van Marwijk, wird doch nicht neuer Nationaltrainer Südkoreas. Laut der niederländischen Tageszeitung De Telegraaf sollen die Gespräche zwischen dem 62-Jährigen und dem südkoreanischen Fußball-Verband (KFA) gescheitert sein. Der Niederländer wollte angeblich mehr Zeit zu Hause als in Südkorea verbringen. Anfang August war bekannt geworden, dass van Marwijk, der Oranje 2010 bis ins Finale der WM in Südafrika geführt hatte, mit dem südkoreanischen Verband über einen Vierjahresvertrag bis zur WM 2018 in Russland verhandelt. Damit bleibt die Nachfolge von Hong-Myung Bo in Südkorea weiter ungeklärt. Der südkoreanische Ex-Nationalspieler war im Juli nach dem Vorrunden-Aus bei der Weltmeisterschaft in Brasilien zurückgetreten. (SID)

Zu diesem Thema fällt mir ein HSV-Fan ein, der mir kürzlich beim Training sagte, dass er nicht glaube, dass van Marwijk Trainer in Südkorea wird: „Der soll die Bedingung gestellt haben, dass er erst am Spieltag anreisen muss, weil er bis dahin seinen Hund und seine Enkel betreut . . . Aber das macht nicht mal Südkorea mit.“

PSPS: “Scholle” und ich werden morgen (an diesem Montag) nach dem Schlusspfiff in Cottbus, der gegen 20.20 Uhr erfolgen sollte oder könnte, erstmalig in dieser neuen Saison wieder mit “Matz ab live” auf Sendung sein. Wäre wunderbar, wenn Ihr wieder so zehlreich wie zuletzt “einschalten” würdet.

18.16 Uhr

Kühne lobt Beiersdorfer – und Slomka spürt den Druck

14. August 2014

***Aktualisiert: Sympathisch, talentiert, in Hamburg gescheitert – aber jetzt vom #HSV zu #Nottingham gewechselt: Viel Erfolg, Robert #Tesche!****

Trainer Mirko Slomka hat es nicht leicht. Schon lange nicht mehr. „Ich weiß, dass ich hier schnell Erfolg haben muss“, hatte der Trainer formuliert, nachdem er öffentlich in Frage gestellt worden war. Und dieser schnelle Erfolg ist wahrlich keine Fehleinschätzung, denn Hamburg gilt nicht nur als ungeduldig, es hat es in den letzten zehn Jahren gerade in Sachen Trainerbeschäftigung bewiesen. „Ich glaube grundsätzlich, dass der HSV ein verein ist, der von Erfolg geprägt sein muss. Das gilt für mich genauso wie für meine Vorgänger oder Nachfolger Der HSV ist ein großer Traditionsverein mit vielen Möglichkeiten und ich glaube, dass jeder Trainer, der hier anfängt, massiv unter Druck steht. Ich aktuell vielleicht ein wenig mehr, durch die Aussagen, die da formuliert worden sind“, spricht Slomka die Kritik von Sponsor, Mäzen, Investor und Fan Klaus Michael Kühnes an, der Slomka vor Wochen als „nicht ideale Lösung“ bezeichnet hatte. „Das ist natürlich auch bei den Fans angekommen und ich werde entsprechend kritisch gesehen.“

Ihn kritisch zu sehen liegt in der Natur der Sache, das weiß Slomka. Und er weiß auch, professionell mit der Situation umzugehen. In den vergangenen Wochen hat er nicht nur die längste Vorbereitung aller Zeiten beim HSV absolvieren lassen, sondern sicherlich bis heute auch eine der härtesten. „Die Mannschaft hat sehr gut, sehr hart gearbeitet. Sie weiß, worauf es ankommt. Und wenn sie das Erarbeitete umsetzt, bin ich mir sicher, dass wir auch Erfolg haben“, sagt Slomka, der den Test am Dienstag gegen den Drittligisten Erfurt als Generalprobe für das DFB-Pokalspiel am Montag bei Neu-Drittligist Cottbus (Absteiger) sieht. „Es war gut und wichtig, dass wir diesen Test noch mal hatten, um uns auf das einzustellen, was auf uns zukommt. Dass es hitzig wird in Cottbus, wissen alle. Darauf sind wir vorbereitet. Und das Spiel in Erfurt war für alle ein guter erster Eindruck.“

Intern beim HSV sieht es aus, wie es ein Dietmar Beiersdorfer nach dessen klarem Bekenntnis zu Slomka erahnen lässt: Es ist ruhig. Und das ist sehr gut so. „Wir haben uns vorgenommen, dass wir diese Stärke auch von innen heraus nach außen strahlen lassen wollen. Wir wollen uns weniger beeinflussen lassen von dem, was von außen an uns herangetragen wird. Wir wollen mit unserer Arbeit unsere Fans und unsere Kritiker beeindrucken, begeistern. Ich kann auf jeden Fall sagen, dass die Wochen der Zusammenarbeit mit Dietmar Beiersdorfer sehr gut waren, dass es da eine sehr vertrauensvolle Ebene gibt. Da passt nichts dazwischen. Und dennoch steht auch beim HSV wie bei jedem Bundesligaverein der Erfolg dazwischen. Das gehört einfach dazu. Und damit kann ich umgehen.“

Umgehen muss er zunächst auch mit den Spielern, die im Kader stehen. Wie so oft heißt es auch beim HSV momentan, „erst verkaufen, dann neu holen“. Zumindest ist das so geplant. Dass der HSV in der Innenverteidigung und im Angriff noch etwas machen will, ist unbestritten. Allein der Zeitpunkt, wann etwas passiert, ist offen. Wobei mir heute gesagt wurde, dass bis zum Cottbus-Spiel eher nichts passieren wird. Für Slomka kein Problem. „Ich glaube, dass wir nur etwas machen können, wenn wir auch jemanden abgeben. Das sollte uns bewusst sein, dass wir unseren Etat jetzt ausgeschöpft haben.“ Soll heißen: Die Neuen steigern das Gehaltsgefüge von zuvor rund 43 Millionen Euro auf nunmehr aktuell gut 48 Millionen Euro. Ziel war und ist es jedoch, den Gehaltstat des Vorjahres (43 Millionen Euro) auf weniger als 40 Millionen Euro zu steigern. Und daran arbeitet Beiersdorfer mit Hochdruck. Und während Skjelbreds Verkauf nur noch als Frage der Zeit betrachtet wird, stehen nahezu alle Spieler als potenzielle Verkaufskandidaten zur Debatte.

Oben schon erwähnt, soll auch nicht unerwähnt bleiben, dass sich Klaus Michael Kühne heute bei der Grundsteinlegung seines Luxushotels „Fontenay“ zum Thema HSV geäußert hat. „Ich erwarte, dass sich die Mannschaft stabilisiert. Die Führung ist ausgetauscht, es sind die richtigen Leute dort. Natürlich können sie keine Wunder bewirken, man muss Geduld haben, man muss sehen, wie die Mannschaft sich jetzt einspielt. Ich glaube, Herr Beiersdorfer macht eine erstklassige Arbeit und ich bin hoffnungsvoll. Aber ich würde auch sagen, man muss diesem Verein und dieser Mannschaft jetzt eine Chance geben. Man sollte jetzt kein überehrgeiziges Ziel formulieren.“ Was das sein könnte? „Einen einstelligen Tabellenplatz erhoffe ich mir schon“, sagt Kühne und schiebt nach: „Und wenn es dann noch weiter nach oben geht, dann freue ich mich. Aber das ist vielleicht dann erst in der übernächsten Saison der Fall.“

Beim Thema Neuzugänge (Kühne: „Ich habe einen kleinen Teil dazu beigetragen“) zeigte sich Kühne bislang sehr zufrieden. „Herr Beiersdorfer hat das Talent dazu. Er musste nur leider die guten Spieler immer wieder zu schnell verkauft und viel Geld damit verdient. Und das Geld daraus ist alles verwirtschaftet worden – ein Phänomen für mich“, so Kühne kritisch, ehe er sehr moderat und mit Weitsicht formuliert: „Ich hoffe, dass die Finanzen des Vereins dann irgendwann so gut werden, dass die guten Spieler nicht gleich wieder verkauft werden müssen, sondern bleiben, damit es eine eingespielte, homogene Mannschaft wird. Und das geht nicht von heute auf morgen, das muss in Jahren aufgebaut werden. Es muss hier ganz sicher mittel- bis langfristig gedacht werden.“

Auch bei seinem einstigen Liebling Rafael van der Vaart, dem er vor Wochen noch einen Vereinswechsel empfohlen hatte, scheint Kühne inzwischen etwas optimistischer zu sein. Ein Wechselbad der Gefühle habe er durchlebt. „Ich habe ja mal alles getan, um ihn zu holen und das hat dann ja auch funktioniert. Es gab Auftrieb und er hat gut gespielt. Aber dann ist er leider ob seiner privaten Affären von der Rolle gekommen. Die letzte Saison war alles andere als glücklich – deshalb habe ich das gesagt. Woanders hätte er noch mal groß rauskommen können, beim HSV schien er ein wenig verbrannt. Und nun läuft es anders, van der Vaart gelobt, fit zu sein und man scheint es ja auch, ihm so abzunehmen. Also warten wir es mal ab. Ich habe da so ein wenig gemischte Gefühle. Aber ich freue mich wenn, er hier groß rauskommt. Wenn er nicht so groß rauskommt, dann sollte er sich neue Ziele setzen. Also, warten wir es mal ab.“

Stimmt. Gleich am Montag steht die erste Bewährungsprobe an. „Wir arbeiten jetzt an den letzten Zügen an der Spritzigkeit, der Explosivität und Schnelligkeit. Das haben die Daten gezeigt, dass das noch ein Programmpunkt ist. Aber die Mannschaft hat große Lust, zu starten und ist willig, am Montag einzusteigen.“ Vor allem Matthias Ostrzolek. „Es war ein langer Kampf um ihn und ich habe ihn immer wieder angerufen und gesagt, er solle Geduld haben. Am Ende ist er bei uns. Er hat aber die ganze Zeit trainiert und ist fit und voller Enthusiasmus. Er hat gleich gezeigt, was seine Qualitäten sind. Er ist wahnsinnig schnell, explosiv, schlägt sehr gute Flanken und hat ein sehr gutes Timing.“ Eine Startelfnominierung in Cottbus scheint nicht ausgeschlossen. „Wir haben viel probiert in den letzten Wochen und den Kader so zusammengestellt, dass wir mehrere Optionen haben und ich würde mich freuen, wenn der Pierre dann in den nächsten Tagen mit einsteigen kann.“

Das hoffen in Hamburg wahrscheinlich alle. Und heute war Lasogga schon wieder mit Ball auf dem Platz. „Er hat sehr viel mit dem Ball gearbeitet und Situationen gehabt, die dem Mannschaftstraining schon sehr nahekommen.“ Ob er für Cottbus eine Alternative ist? Slomka hofft bis zum Schluss darauf und wollte es von der körperlichen Reaktion bei Lasogga auf das heutige, gesteigerte Trainingspensum abhängig machen. Voll dabei ist indes Nicolai Müller. „Er ist gut eingeschlagen, hat aber noch ein wenig Probleme mit den Adduktoren. Er ist eine Alternative. Man sieht die fußballerische Klasse, das ist ein ganz fantastischer Neuzugang.“

In diesem Sinne, ich finde, man kann den Blog heute, wo kein neuer Name aufgepoppt ist und wo es rund um Neue und Abgänge ruhig geblieben ist, mit diesem positiven Schlusssatz Slomkas sehr gut beenden und den Rest-Donnerstag genießen.

Bis morgen! Da wird übrigens wieder um zehn Uhr an der Arena trainiert.

Scholle


Zoua vor Rudnevs? Glaub ich nicht…

13. August 2014

Pierre-Michel Lasogga wollte mit niemandem sprechen. Nicht einmal für die wenigen wartenden Fans hatte er Zeit. Einfach weg wollte er – nachdem er auch heute wieder nicht mit der Mannschaft trainieren, dafür aber fleißig seine Runden auf dem Platz drehen durfte. Ein vorstellbar zermürbendes Szenario – zumal es sich seit Wochen gleicht. Wann der Stürmer wieder einsteigt ist weiter offen, und ich lege mich mal fest, dass das Pokalspiel in Cottbus zu früh kommt. Bleibt die Frage: Wer stürmt in Cottbus?

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Zu meiner großen Verwunderung habe ich von meinem Kollegen Alexander Laux heute die Einschätzung gelesen, Jacques Zoua hätte gegenüber Artjoms Rudnevs die Nase vorn. Auf dem Trainingsplatz unterhielt ich dann mit meinen Kollegen von Bild und Mopo, die beide ebenfalls diesen für mich eigentlich undenkbaren Eindruck aus Erfurt mitgebracht haben. Dort hatte ZOua getroffen und spielte ansonsten mit, während Rudnevs die 30 Minuten nach seiner Einwechslung unsichtbar geblieben sein soll.

Zoua für Lasogga und damit vor Rudnevs in der Startelf?

 

Vor dem heutigen Tag hätte ich alles verwettet, dass Slomka so etwas niemals machen würde. Zumal der HSV-Trainer Rudnevs einst in seine Heimatstadt zu Hannover 96 lotste, ihn also offenbar schätzt. Und gemessen am Trainingslager in Österreich, wo Slomka auffällig oft bei Zoua wütend über den Platz schrie und ansonsten weitgehend ruhig blieb, mag ich daran noch immer nicht glauben. Rudnevs hat fußballerisch zweifellos Defizite, aber eben auch einen großen Vorteil gegenüber Zoua: Er trifft in der Bundesliga.

 

Von daher bleibe ich dabei, dass es für mich noch immer die klare Rangfolge gibt: Gesetzt wäre mit diesem Kader ein gesunder Lasogga, dann kommt Rudnevs, und erst an dritter Stelle Zoua. Zumindest solange der andere Angreifer (Beister) noch verletzt ist und/oder ein Neuer noch nicht gefunden ist. Zumal ich gehört hatte, dass der HSV Zoua sofort abgeben würde, wenn ein Angebot reinkommt. Das ist bei Rudnevs bislang zwar auch nicht ausgeschlossen worden, scheint aber deutlich weniger gewollt zu sein.

 

Egal wie, überraschen würde mich auch, wenn Matthias Ostrzolek in Cottbus gleich in die Startelf rutscht. Nicht, weil er es qualitativ nicht drauf hätte oder verletzt ist, sondern weil er bislang zu wenig mit der Mannschaft hat trainieren können. Genau genommen war heute sogar seine Premiere. Und das vor einer menge Fans. Knapp 400 Zuschauer waren am Platz, darunter auch Fußballschulen für Kinder, die letztlich den Platz enterten, um Autogramme zu ergattern. „So viele haben wir in Augsburg nur zur Saisoneröffnung beim Training gehabt. Das zeigt schon den Unterschied der Vereine“, sagt Ostrzolek, der im Training noch eher unauffällig mitmischte. Schnell und ballfertig ist der Linksfuß, der beim HSV bis 2017 unterschrieben hat und einen selbstbewussten Eindruck macht. Und das nicht minder neben dem Platz. „Ich bin topfit und traue mir zu, sofort reinzuspringen“, sagt der über Bochum in der Zweiten Liga und Augsburg in der Ersten Liga beim HSV angekommene Linksverteidiger. Endlich richtig angekommen fühlt er sich – sagt er. „Der HSV ist eine riesig tolle Herausforderung für mich und der nächste Schritt.“ Klingt nett, lässt bei mir aber auch die Alarmglocken läuten. „Nächster Schritt“ – wohin? „Natürlich hat jeder das Ziel, so hoch wie möglich zu spielen“, sagt Ostrzolek und nimmt mir meine Befürchtung, er könne den HSV wie manch anderer nur als Durchgangsstation sehen. International zu spielen und vielleicht irgendwann A-Nationalspieler zu werden sei sein mit seinen Beratern erstellter Masterplan. Und den könne er ja auch mit und beim HSV wahrmachen.

Stimmt. Wenn er an Marcell Jansen vorbeikommt. Denn der ist momentan noch als Linksverteidiger gesetzt – sofern Slomka ihn nicht vorzieht auf die linksoffensive Position. „Marcell ist ein toller Spieler, ganz klar. Aber ich habe mir ehrlich gesagt gar nicht so einen Kopf über die Konkurrenz gemacht. Der HSV hat mir sehr deutlich gemacht, dass er mich unbedingt haben will und das war für mich eine tolle Wertschätzung. Zudem bin ich auch von mir überzeugt und will hier so viele Spiele wie möglich machen.“

 

 

Ostrzolek, dessen Eltern aus Oberschlesien nach Deutschland auswanderten, ist glücklich. „Wäre meine Freundin jetzt schon hier, wäre alles perfekt. So aber ist es auch ein unglaublich schönes Gefühl. Als der HSV angefragt hatte, war mir sofort klar, dass ich dahin will.“ Dafür habe er sogar ein Angebot aus der Premier League ungehört abgelehnt. „Ich hatte dem HSV klar gesagt, das ich nach Hamburg will. Und das habe ich auch dem FC Augsburg mitgeteilt.“ Wobei man wissen muss, dass Ostrzolek mit FCA-Manager Stefan Reuter ein Agreement hatte, den Verein im Sommer verlassen zu dürfen, wenn ein entsprechendes Angebot reinkommt. Daher sagt die neue Nummer 22 des HSV auch: „Es gab in Augsburg nie Ärger. Alle haben mich normal behandelt, alle waren ehrlich miteinander. Ich habe die Freundschaftsspiele mitgemacht, ebenso die Vorbereitung. Daher bin ich topfit und will mich hier endlich nur auf Fußball konzentrieren.“

 

Kling gut. Und dabei werde ich ihn auch nicht stören. Denn Ostrzolek wirkt tatsächlich so, als sehe er den HSV als große Chance, sich über gute Leistungen weiterzuentwickeln. Damit Ihr Euch auch überzeugen könnt, stelle ich hier noch mal das Interview mit dem polnisch-deutschen HSV-Zugang („Für welches Land ich spiele, ist noch offen“) von heute rein. Viel Spaß damit.

 

Dietmar Beiersdorfer ist zwar weiter auf der Suche nach (mindestens) einem neuen Innenverteidiger und einem Offensivspieler. Nachrichtlich war es heute beim HSV allerdings ruhig. Daher auch die acht Zeilen weniger als sonst … 😉 Wobei ich erfahren habe, dass Hertha BSC in den kommenden Tagen den Wechsel von Per Skjelbred forcieren will. Einen Medizincheck in Dortmund, wie hier von Bloggern vermutet wurde, gab es indes nicht.

 

Stattdessen ist Skjelbred auch morgen wieder dabei, wenn wieder um zehn Uhr an der Arena trainiert wird. Anschließend spreche ich zusammen mit meinen Kollegen mit dem Trainer über den Stand der Dinge. Auch über die Frage, wer vorn im Sturm agieren soll – womit sich der Kreis für heute schließt.

 

Habt allesamt ’nen sonnigen Restmittwoch!

 

Scholle

***Ostrzolek kommt!!*** HSV sucht weiter Verstärkung – und drängt auf Entscheidung

11. August 2014

***AKTUALISIERUNG 22.38 Uhr: Einigung – Dietmar Beiersdorfer hat sich mit dem FC Augsburg auf einen Wechsel von Matthias Ostrzolek nach Hamburg geeinigt. Am Dienstagmorgen kommt der Linksverteidiger zum Medizincheck nach Hamburg und unterschreibt anschließend seinen Vertrag bis 2017. Als Ablösesumme sind rund 2,4 Millionen Euro im Gespräch. Herzlich Willkommen, Matthias!!****

Matthias Ostrzolek

Soll beim HSV am Dienstag einen Vertrag bis 2017 unterschreiben: Matthias Ostrzolek (M.)

Oh Mann, was hier los sein kann! Das geht tatsächlich über die gesamte Bandbreite vom über den grüne Klee Loben bis hin zum Beleidigen unter der Gürtellinie. Und das alles nur wegen Fußball?

Leute, das ist gelinde gesagt – völlig normal.

Weil es zum Fußball dazugehört. Ich werde immer wieder von meiner Frau und Freunden gefragt, warum ich mir das antue, wenn diese die Kommentare mal überflogen haben. Zuletzt übrigens im Trainingslager in Stegersbach von Bloggern. Und meine Antwort ist immer dieselbe: Wegen des HSV. Weil dieser Verein mein fußballerisches Zentrum im Profibereich war und ist. Und natürlich auch, weil ich beruflich den HSV zum Mittelpunkt hatte und habe. Kurz gesagt: Ich hatte schlichtweg großes Glück, mich in diesen Beruf reingearbeitet zu haben und letztlich genau das zu machen, wovon ich als kleiner Bub’ schon geträumt habe: HSV-Reporter zu sein. Und dazu zählen auch die Nebenwirkungen.

Dass da auch mal ne Strecke zu durchwandern ist, die richtig hart und teilweise übel wird – kein Thema. Zugegeben, ich hatte nicht selten Lust, dem einen oder anderen zu antworten und ihm deutlich zu machen, wie unfassbar dämlich und unwissend das ist, was er/sie schreibt. Denn Klugscheißer gibt’s hier sehr wohl – allerdings nicht mehr als anderswo auch. Dafür – das kann ich mit Überzeugung sagen – hat dieser Blog das notwendige Niveau erträglich selten unterwandert. Und wenn, dann waren ja fast immer auch sofort unsere Mods da. Auch jetzt bei Dieters Blogs. Dass immer wieder Außenstehende ohne jeden Zugang zu den HSV-Verantwortlichen alles besser wissen wollen – auch das gehört dazu. Davon lebt der Stammtisch. Und das ist ein nicht unwesentlicher Teil der Fußballkultur.

Dazu gehört aber auch, anderen (Meinungen) zuzuhören. Ich mache das für gewöhnlich und respektiere sie. Vor allem auch Dieters Meinung, da ich ihn als absoluten Fußballfachmann kennengelernt habe und weiß, dass er noch immer einer ist. Er ist über die Jahre nur kritischer und bei diesem HSV auch skeptischer geworden. Und den Anlass dafür kann definitiv keiner von uns/Euch übersehen haben. „Realistischer“ nennt Dieter seine Einstellung – und er hatte bislang beim HSV auch sehr, sehr oft recht. Leider. Wobei, im selben Moment kann ich auch sagen: zum Glück auch nicht immer. Denn abgestiegen sind wir zum Beispiel nicht. Über das Wie schweige ich hier lieber…

Aber deshalb habe ich auch keine Probleme, wenn sich Dieters und meine Meinung über den Zustand des HSV mal nicht gleichen. Er sieht diesen HSV in der aktuellen Konstellation noch im Abstiegskampf – ich eher nicht. Ich halte diese Mannschaft noch nicht für richtig gut – aber dafür jetzt schon für entscheidend besser als in der Vorsaison. Und ich glaube daran, dass Rafael van der Vaart es richtig ausdrückt, wenn er sagt: „Wir haben auch ohne weiteren Neuen genügend Qualität, um nicht noch einmal so eine Saison zu spielen.“ Denn dafür reichen die neue Fitness und die Zugänge, zu denen ich neben Lasogga, Stieber, Behrami, Jung und Müller auch Rudnevs zähle. Aber, und auch das müssen wir uns alle klarmachen: Es wird kein Selbstgänger. Dieser HSV ist keine Mannschaft, die mit Platz sechs überraschen könnte. Überraschend wäre ein einstelliger Tabellenplatz. Aber, und das schwingt auch heute hoffentlich in diesem Blog wieder mit, ich bin etwas optimistischer, auch weil ich auf die Fähigkeiten der Verantwortlichen vertraue. Ich weiß, dass ein Dietmar Beiersdorfer den Kader sehr realistisch einschätzt und entsprechend weiter nach Verstärkungen sucht. In der Innenverteidigung nach Gojko Kacars Innenbandriss mehr denn je. Aber auch in der Offensive ist noch Bewegung möglich. Denn dass Lasogga bis zum ersten Bundesligaspieltag bei 100 Prozent ist, ist nahezu ausgeschlossen. Denn der ist inzwischen seit 15 Tagen raus aus dem Mannschaftstraining, war heute noch nicht im Training und ist auch morgen in Erfurt noch nicht dabei. Wann der Hoffnungsträger im Angriff wieder einsteigen kann, ist zudem noch offen. Eine Schmerzfrage sei es, heißt es. Ergo: Nichts Genaues weiß man nicht.

Auch deshalb ist der HSV in Person Dietmar Beiersdorfers weiter auf der Suche nach guten Spielern im Angriff. Und dass davon noch welche auf dem Markt sind ist klar – die Frage ist nur, was kosten sie. So viel nur als Antwort auf die an mich gerichteten Fragen, warum der HSV noch nicht an den inzwischen vereinslosen Samuel Eto’o herangetreten ist, der zuletzt knapp 20 Millionen Euro im Jahr verdient haben soll…

Nein, ich vertraue tatsächlich auf die Fähigkeiten von Dietmar Beiersdorfer und seinem Stab – der zum Teil in Vorkasse gehen soll wie beispielsweise Peter Knäbel. Der Sportdirektor des Schweizer Fußballverbandes soll weiterhin zum HSV kommen und sich bereits jetzt mit Beiersdorfer über verschiedene Namen austauschen. Auch bei Valon Behrami, den Beiersdorfer vor Jahren schon zum HSV hatte lotsen wollen. „Die Schweizer sind in ihrer Nachwuchsentwicklung sehr gut und haben äußerst kompetente Leute mit Auge und Konzept an der Spitze“, hatte Bernhard Peters gelobt. Und wenn sich einer in Sachen Nachwuchs bewiesen hat, dann Peters.

Dass es beim HSV keine unberechtigte Hoffnung meinerseits ist, das haben Behrami und vor allem auch Nicolai Müllers Transfer bewiesen. Der Rechtsoffensive konnte heute das erste Mal mit der Mannschaft trainieren und zeigen, dass die Vorschusslorbeeren berechtigt sind. Weniger beim Treppenlauf á la Quälix Magath, den die Spieler heute kurz vor dem Training auf den Stadionaufgang Süd absolvieren mussten. Dafür aber im langen Abschlussspiel, wo Müller im Gewinnerteam rechts vorn spielte – und überzeugte. Schnell, ballsicher und mit dem Augen für den Nebenmann ausgestattet, legte er zwar nicht ganz so viele Tore auf wie auf der linken Seite Ilicevic (dreimal auf Holz geklopft, dass der fit bleibt) – aber er hatte maßgeblichen Anteil am Sieg seiner Mannschaft. „Nicolai hat das Tempo, hat die Qualitäten, die wir brauchen“, lobt van der Vaart. Der wieder bestätigte Mannschaftskapitän selbst wollte (konnte) indes noch nichts ausschließen. Weder einen Verkauf, noch seinen Verbleib. Ob er noch einen Offensiven zu Müller dazu erwartet? „Ich glaube, dass wir mit der jetzigen Mannschaft offensiv gut genug aufgestellt sind.“

Und als hätte er es gehört, machte Rudnevs heute im Trainingsspiel gefühlt 35 Tore. Immer, wenn das Gewinnerteam traf war es – bis auf einmal Ilicevic – Artjoms Rudnevs. Eben jener Stürmer, der zwar zu Slomkas Wunschspielern zählt, allerdings im 4-2-3-1-System mehr als Backup für die einzige Spitze Lasogga gilt. Aber festzuhalten bleibt: Der Lette antizipiert gut, er ist da, wo es gefährlich wird – und meistens versenkt er die Zuspiele sicher. Und dass er technisch mancher Amateurmannschaft nicht reichen würde – es verblasst vor diesem Hintergrund und dem, dass der HSV schlichtweg keine Alternative hat. Beister (noch im Aufbau) nicht – und ganz sicher auch kein Zoua. Im Gegenteil, bei Lasogga muss man vorsichtig sein mit Prognosen und hoffen, dass die Skeptiker („Mehr als 20 Spiele macht der gesundheitlich eh nicht“) am Ende falsch liegen.

Falsch liegt meiner Meinung nach auch unser ehemaliger Sportchef Oliver Kreuzer. Nicht damit, auf sein volles Gehalt zu pochen. Das ist sein Recht, dafür gibt es Verträge. Das muss man akzeptieren, auch wenn es weh tut. Dafür aber zu sagen, seine Entlassung käme aus dem Nichts, er hätte nichts geahnt, das kann er schlichtweg nicht ernst meinen. Zumal ich kurz vor seiner Demission persönlich häufiger mit ihm gesprochen habe – auch und vor allem über seine Beschäftigung beim HSV. Aber was soll’s, Kreuzer ist nicht mehr im Amt und wird das auch nicht zurückbekommen. Es geht mal wieder um eine Abfindung – und darin ist niemand geübter als der HSV(-Anwalt)…

Ob diese Zahlung auch die Personalie Ostrzolek beeinflusst, vermag ich nicht zu sagen. Klar ist nur, dass der HSV auf eine Entscheidung drängt und der Linksverteidiger bei Augsburg abgeschoben wird. Drei Millionen will Augsburg – eine überzogene Forderung, die Beiersdorfer runterhandeln muss und will. Auch heute gab es erneute Gespräche zwischen Beiersdorfer und FCA-Sportchef Reuter. Bislang noch ohne Ergebnis. Aber falls ich hier noch etwas höre, melde ich mich später noch mal.

Klar ist für mich jedoch, dass der HSV in der Innenverteidigung noch eine Sofortverstärkung braucht. Zumal nach Kacars Verletzung. Johan Djourou ist bei Slomka, das zeigt auch die Berufung zum Vizekapitän, gesetzt. Und der Schweizer ist relative auch der momentan beständigste Innenverteidiger. Allerdings habe ich in der Innenverteidigung noch die größten Bedenken. „Wir suchen nach einem Spieler für die Achse, der uns sofort verstärkt und Führung übernehmen kann“, hatte Beiersdorfer angekündigt – und er wird Wort halten. Darauf hoffe und setze ich.

Ebenfalls klar ist, dass Marcell Jansen und der weiter abwanderungswillige Per Skjelbred heute wegen einer leichten Grippe gefehlt haben. Lasogga hat im Innenbereich des Stadions separat trainiert, ebenso Beister. Alle vier werden gegen Erfurt morgen (Abflug ist um 16 Uhr, um 12 wird noch einmal trainiert) wie die verletzten Beister, Kacar und Rajkovic fehlen. Dafür ist Jonathan Tah nach überstandenen Oberschenkelproblemen wieder dabei. Nach dem Spiel in Erfurt reist die Mannschaft übrigens gleich wieder ab und trainiert am Mittwoch um zehn Uhr wieder.

Bis dahin! Morgen meldet sich Dieter wieder, ich bin ab Mittwoch dann wieder da. Euch allen einen schönen Abend. Ob als Skeptiker, Realist oder Optimist – der HSV eint am Ende doch alle. In diesem Sinne,

Scholle

P.S.: Über Hakan C. werde ich an dieser Stelle erst unmittelbar vor den Spielen gegen dessen „Durchgangsstation“ Bayer L. wieder eine Silbe verlieren. Denn alles, was ich über ihn sagen könnte und wollte, macht er mit seinen disqualifizierenden Äußerungen Tag für Tag selbst – und dazu deutlich effektiver. Fremdschämen ist für meine Begriffe in seinem Fall noch maßlos untertrieben. Da lobe ich mir einen Sportsmann wie Miroslav Klose, der heute sein Ende in der Nationalelf verkündet hat. Miro, ich danke Dir für die vielen großen Momente und verneige mich vor Deiner Leistung. Nicht nur einmal…

0:2 gegen Lazio – da passte nicht viel

8. August 2014

Die Meinungen gingen nach dem Spiel auseinander. Der HSV war nicht so schlecht – oder: der HSV war so, wie der HSV zuletzt immer war. Also schlecht. Bis grottig. Für mich war er schlecht, und als ich das schreibe, geht ein HSV-Fan mit seinem Kind an mir vorbei und sagt: „Das war ernüchternd!“ Stimmt. Und es trifft genau. Mit 0:2 verlor der HSV den Test gegen Lazio Rom, und er blieb dabei vieles schuldig. Von einem Aufwärtstrend war nicht so wirklich viel zu erkennen. Vor über 11 000 Zuschauern auf der Lohmühle waren die Italiener die deutlich bessere Mannschaft und kamen völlig verdient zu diesem Erfolg. Beim HSV gab es – bis auf wenige Ausnahmen – kaum einmal Torgefahr, ohne Pierer-Michel Lasogga läuft da nicht viel. Leider, leider. Aber wer weiß, wofür diese HSV-Niederlage gut war – jetzt wissen alle, dass noch viel Arbeit wartet, um tatsächliche eine Trendwende in Sachen Leistung und Fußball schaffen zu können. Wer jetzt nicht aufwacht, hat den Job verfehlt!

Etwas enttäuschend für fast jeden Zuschauer: Miroslav Klose war weder zu sehen noch zu hören – dabei waren doch viele Fans extra wegen des Weltmeisters gekommen. Aber es stand wohl nicht in dem Vertrag, dass er seine Fans doch noch einmal schnell begrüßt – schade, schade . . .

Der HSV wurde in Lübeck richtig herzlich, fast euphorisch empfangen. An der Trave sind die Fußball-Fans hungrig auf den großen Fußball, diese Partie war endlich einmal wieder ein Leckerbissen. Schon beim Einlaufen der Mannschaften gab es donnernden Applaus von den stehenden Zuschauern, und während des Spiels wurden gute Szenen auf offener Szene beklatscht. Besonders die Aktionen von Rafael van der Vaart hatten es den Fans angetan. Zu Beginn jedenfalls. Schnell war dann klar, wer die bessere Mannschaft ist: Lazio. Die Italiener waren sofort im Bilde, waren enorm bissig, sie waren offenbar nicht gekommen, um ein Freundschaftsspiel zu absolvieren – das war ein internationaler Vergleich, und sie diktierten das Geschehen. Erst nach 20 Minuten fand der HSV (etwas) besser ins Spiel. Artjoms Rudnevs hatte nach Pass von Ivo Ilicevic das erste Hamburger Tor auf dem Fuß, kam aber um wenige Zentimeter zu spät, die Kugel rutschte an seinem Fuß vorbei (18.).

Zu diesem Zeitpunkt führten die Römer, die ohne Miroslav Klose angetreten waren (der Weltmeister trainierte vor dem Spiel gemeinsam mit vier Kollegen auf dem Nebenplatz in Lübeck!), bereits 1:0. Gojko Kacar, der sich kurz zuvor schon einen schlimmen Fehlpass vor dem eigenen Strafraum erlaubt hatte, schlug in der fünften Minute nach einer hohen Eingabe der Italiener am Ball vorbei, Djordjevic schoss ohne Mühe aus fünf Metern ein, Rene Adler war chancenlos.

Mitte der ersten Halbzeit entwickelte sich ein ausgeglichenes Spiel, allerdings blieb der HSV in der Offensive harmlos. Lazio, in der vergangenen Saison auf Platz neun eingelaufen, traf einmal noch den Pfosten, Adler stand dabei in der ganz anderen Ecke und blieb nur Zuschauer, der HSV hatte zwei Szenen vor dem Tor der Römer. In der 31. Minute schoss Ivo Ilicevic aus 20 Metern zwei Meter über das Gehäuse der Italiener, und in der 42. Minute köpfte Artjoms Rudnevs nach einer Rechtsflanke (!) von Marcell Jansen den Ball als Bogenlampe auf das Lazio-Gehäuse, die Kugel verfehlte dann aber doch klar das Ziel, es gab Abstoß. Ansonsten spielte Lazio das Ding hier clever und ohne große Anstrengungen, so sah das jedenfalls aus, bis zur Pause (es gab viel Beifall beim Halbzeitpfiff) herunter. Indem ich das schreibe muss ich gestehen, dass ich mir nur schlecht vorstellen kann, dass dieser HSV auch nur ein Tor schießt. Aber mal abwarten. Man hat ja auch oft schon die Pferde vor der Apotheke . . .

Der HSV hatte diese Partie in folgender Aufstellung begonnen: Adler; Diekmeier, Djourou, Kacar, Jansen; Behrami, Arslan; Ilicevic, van der Vaart, Stieber; Rudnevs. Mit Valon Behrami und Zoltan Stieber waren zwei „Neulinge“ dabei, dazu ja auch Gojko Kacar und Artjoms Rudnevs – halbe „Neulinge“. Behmrami (der sich vor dem Anstoß ganz herzlich mit Lazio-Profi Keita umarmte), ja aus Italien zum HSV gekommen (Neapel), machte auf mich einen sehr engagierten Eindruck, allerdings leistete er sich einige Flüchtigkeitsfehler, er war im Abspiel nicht immer treffsicher. Aber er war dennoch einer der besseren oder sogar der Beste beim HSV, legte auch in Halbzeit zwei noch bis zu seiner Auswechslung (71. Min.) zu – er war schnell und ging auch aggressiv zur Sache; wie von seinem Nationalcoach Ottmar Hitzfeld („Valon ist einer wie Mark van Bommel“) schon angekündigt. Der Schweizer Nationalspieler wurde nach dem Schlusspfiff auch zum besten Spieler der Partie gewählt (oder auch nur gekürt) – verdient. Sicherlich aber muss er sich, Behrami, noch an seine neue Umgebung gewöhnen. Das gilt wohl auch für Zoltan Stieber. Er macht auf mich stets (auch im Training) einen quirligen Eindruck, diesmal allerdings blieb er ohne Durchsetzungsvermögen. Weil die Unterstützung fehlte? Oft schien es so, als sei er rechts allein auf sich gestellt, Dennis Diekmeier, zuletzt auch offensiv stark, blieb ohne Szene nach vorne. In Halbzeit eins.

Der zweite Durchgang sah eine etwas veränderte HSV-Mannschaft: Adler; Westermann, Djourou, Kacar, Jiracek; Badelj, Behrami (71. Min. Skjelbred); Stieber (62. Min. Zoua), van der Vaart (62. Demirbay), Ilicevic; Rudnevs.

Auffällig bei dieser Formation: Heiko Westermann scheint nun tatsächlich auf dem Weg zu einem Abstellgleis. Was ich persönlich sehr bedauere, allerdings weiß ich sehr wohl, dass sich Trainer Mirko Slomka mit dieser Entscheidung sehr, sehr viele neue Freunde machen wird. Aber mal abwarten. Es ist für mich, das muss ich zum jetzigen Zeitpunkt sagen, ist nur eine Momentaufnahme. Ich bin mir ganz sicher, dass, wenn Westermann nicht vorher aufgibt, er schon sehr, sehr bald seinen Stammplatz wieder einnehmen wird. Das ist für mich überhaupt keine Frage.

Das Spiel änderte sich trotz der neuen Leute nicht. Lazio blieb Chef im Ring, wirkte einfach routinierter, abgeklärter, aber auch schneller, gedanklich immer eine Schritt voraus. Der HSV fiel zu oft ein sein Phlegma, das er vor allen in der vergangenen Saison zu oft an den Tag gelegt hatte. Das war auch in vielen Fällen zu brav, einfach zu bieder und ohne große Ideen. Bei aller Liebe, und bei aller Hoffnung darauf, dass es schon bald bergauf gehen könnte (und ja auch soll) – da muss noch hart gerabietet werden. Ganz hart. Und jeder Tag zählt dabei. Sonst könnte es schon am 18. August eine unliebsame und damit auch recht böse Überraschung geben, beim Pokalspiel in Cottbus. Nach dieser Vorstellung von heute mache ich mir doch einige (um nicht zu sagen, ganz große) Gedanken, wie der HSV dort bestehen will.

Immerhin gab es in Lübeck im zweiten Durchgang eine Großchance. Rudnevs legte den Ball am Lazio-Strafraum in den Lauf von Ilicevic, der lief noch einige Schritte und ließ dann einen Hammer los. Aber was für einen! Den Ball suchen sie morgen noch. Das ist ganz einfach zu wenig. In einem so engen Spiel (vom Spielstand her – 1:0), muss eine solche gute Möglichkeit genutzt werden, auf jeden Fall aber muss dieser Ball auf das Tor, und nicht in die Wolken. Das weiß Ilicevic zwar auch, aber das ist dann auch zu wenig – es nur zu wissen. Und, um den Bock noch fett zu machen, nach erneutem Querpass von Rudnevs (und Vorarbeit von Kerem Demirbay) stand Ilicevic noch einmal frei vor dem Lazio-Gehäuse, diesmal schoss er aber aus elf Metern am langen Eck vorbei (79.).

Die Quittung kam prompt, statt des Ausgleichs fiel das 0:2. Mamadou brauchte den Ball nur noch ins leere Tor zu befördern, als Rene Adler zuvor noch gut abgewehrt hatte (81.). Dieses 2:0 machte auch den Unterschied zwischen beiden Mannschaften deutlich, trotz der beiden Ilicevic-Möglichkeiten.

Gut beim HSV: Rafael van der Vaart setzte seinen Aufwärtstrend fort, allerdings fehlt ihm oft die nötige Unterstützung. Nicht dass seine Kollegen nicht wollen, aber oft scheinen sie gedanklich noch einen Schritt zu spät zu sein. Gut ferner Behrami und Johan Djourou sowie Adler. Von den eingewechselten Spielern gefiel mir Petr Jiracek. Aber grundsätzlich gilt: Ale müssen noch mächtig zulegen, aber ganz, ganz kräftig.

Ein Wort noch zu Schiedsrichter Patrick Ittrich. Es ist immer undankbar, wenn ein deutscher Unparteiischer ein solches internationales Spiel pfeifen muss, und hier potenziertes sich das noch, denn Ittrich kommt aus Hamburg. Er pfiff das Ding dennoch gut, auch wenn einige HSV-Spieler (van der Vaart zum Beispiel) nicht immer einverstanden waren mit den Entscheidungen des 23. Mannes. Er machte seine Sache dennoch gut, Kompliment.

Kleine Randnotiz am Rande: Sieh an, sieh an. Klaus-Dieter Fischer, Werder-Ur-Gestein, ist auf der Suche nach Geldgebern. Er, der den HSV wg. der Kühne-Millionen öffentlich kritisiert hat („Wer vernünftig wirtschaftet, der braucht keine Kühne-Millionen“). Da erübrigt sich jeder Kommentar. Fassungslos macht es mich trotz allem, das muss ich gestehen. Und irgendwie, ich muss es doch schreiben, hat Werder auch nicht so arg richtig und gut gewirtschaftet. Das allerdings weiß Fußball-Deutschland ja schon seit einigen Jahren. Deshalb: Wer im Glashaus sitzt . . .

Und dann hat mir ein HSV-Fan eben noch etwas Witziges erzählt: „Bert van Marwijk liebäugelt mit dem Amt des Nationaltrainers in Südkorea. Er würde das unter einer Bedingung machen. Wenn er erst am
Spieltag anreisen kann . . .“

PS: Morgen, am Sonnabend, wird um 10 Uhr im Volkspark geübt, am Sonntag ist dann ein Frei-Tag.

20.50 Uhr

***Aktualisiert: Behrami-Wechsel offiziell**** – und bei Müller hakt’s

2. August 2014

***AKTUALISIERT 22.43 Uhr: Der SSC Neapel bestätig Unterschrift unter den Vertrag: Behrami ist jetzt auch ganz offiziell HSV-Spieler, unterschreibt einen Vertrag bis 2017. Herzlich Willkommen, Valon!*****

Wenn er sich freut, sieht man das. Deutlich. Denn Valon Behrami hat ein sehr ausdrucksstarkes Lächeln. Und er hat jetzt allen Grund dazu, denn nach längerem Warten ist der Schweizer nun endlich komplett HSVer. Mit Trikot und allem. Der SSC Neapel hatte etwas länger gebraucht, den vom HSV zugesendeten Vertrag ihrerseits zu unterzeichnen. Erst am Sonnabendnachmittag ging das finale Papier ein, was den Mittelfeldspieler die Vormittagseinheit verpassen ließ. Aber am Nachmittag war er dann endlich dabei. Und wie…

 

 

…nämlich genau genommen zunächst mit einer Sondergenehmigung der Italiener. Die hatten es logistisch nicht hinbekommen, dass auch der Präsident unterschreibt. Aber die Transfervereinbarung, die zuvor von allen Seiten unterschrieben war, reichte dann letztlich, da sich der HSV von Neapel die Genehmigung schicken ließ, den neuen mittrainieren zu lassen. Und der hatte gleich einen vergleichsweise großen Auftritt. Wobei das bei den gerade mal 40 mitgereisten Fans wirklich sehr relativ war. Aber zumindest bei denen war Behrami DAS Thema vor dem Nachmittagstraining und auch danach, als er unter leichtem Applaus aus dem Bus beim Trainingsgelände ausstieg.

 

Und schon am Montag wird der neue Führungsspieler sein erstes Spiel für den HSV machen, wenn es in Stegersbach gegen den türkischen Erstligisten Akhisar Belediyespor geht. „Ich bin erst seit fünf Tagen wieder im Training“, sagt Behrami, „aber das wird kein Problem sein. Ich muss hart arbeiten, um alles aufzuholen.“ Immerhin trainiert der HSV schon seit dem 18. Juni. Zu dem Zeitpunkt befand sich Behrami noch mit seinem neuen HSV- und alten Nationalmannschaftskollegen Johan Djourou in Brasilien in der Gruppenphase mit der Schweiz. „Wir habe da schon viel über Hamburg gesprochen“, erinnert sich Behrami, der mit Djourou einen wichtigen Verbündeten in Hamburg hat. Und dem von seinem „besten Trainer bisher“, wie er sagt, der HSV und die Bundesliga empfohlen wurde. „Ottmar Hitzfeld hat mir dazu geraten. Er hat gesagt, der HSV ist ein riesiger Verein und eine super Adresse. Er hat mir zu diesem Schritt geraten, was sehr, sehr wichtig war für mich.“ Das Wort des Schweizer Nationaltrainers hat extrem großes Gewicht bei Behrami: „Unter Hitzfeld habe ich den größten Sprung gemacht. Er hat mich geformt. Seitdem er mich trainiert, bin ich nicht mehr so heißspornig, dafür umso taktisch geschulter. Er hat mir beigebracht, die nötige Ruhe für mein Spiel zu finden.“ Und die richtige Position. „Zunächst habe ich bei ihm wie auch im Klub hinten rechts gespielt“, erinnert sich Behrami, „aber dann hat er meine Passquote gesehen und mich in die Mitte gestellt. Seitdem spiele ich da.“ Und seitdem gab der 1,85 Meter große Kämpfer die Position nicht mehr her. Sie liegt ihm. Immerhin ist sie eine der zweikampfintensivsten Positionen auf dem Platz. „Meine größte Qualität ist die Aggressivität“, weiß der Familienvater (eine Tochter), dessen volltätowiertes Äußeres und die Techno-Frisur zunächst einen unberechenbaren Typen vermuten lassen. Einen, den man zügeln muss. Bis man merkt, dass dort ein Junggebliebener („Ich hatte früher charakterlich einige Probleme, bin aber vernünftiger geworden“) Erwachsener sitzt, der seine ersten Anrufe bei Djourou dazu nutzte, sich gute Schulen für seine Tochter empfehlen zu lassen. Inzwischen hat er sie sogar schon bei einer internationalen Schule angemeldet. „Meine Werte sind klarer – und ich habe Ziele.“

 

Eines war die Bundesliga. „Die stärkste Meisterschaft der Welt“, schwärmt Behrami, der auch sonst weiß, dass schwierige Zeiten auf ihn zukommen. „Ich bin sehr gut vorbereitet worden von Didi“, schwärmt Behrami gleich weiter. „Er hat mich auf alles vorbereitet, hat mir die Bundesliga erläutert und erklärt, weshalb es letztes Jahr so viele Probleme gab. Er war sehr realistisch und hat nichts ausgelassen. Es waren sehr gute Gespräche“, so Behrami, „sodass ich mich schnell für Hamburg entschieden hatte.“ Und das, obwohl ihm SSC-Neapel-Trainer den Wechsel zu Atlético Madrid nahegelegt hatte. „Atlético wäre eine Option gewesen und Benitez hat mir gesagt, dass ich innerhalb eines Tages beim Atlético anfangen könnte. Aber ich habe mich für den HSV entschieden, weil mir die Beziehung zu einem Verein, zu der Stadt und zu den Leuten im Klub sehr wichtig ist. Ich brauche eine Beziehung. Und Didi hat mir immer das Gefühl gegeben, dass er mich unbedingt haben will. Als Führungsspieler – und genau das will ich.“

 

Genau das wird er auch haben – den Druck, die Mannschaft anzuführen. „Aber das kann er. Er hat internationale Erfahrung und ist ein charakterstarker Spieler, der auf und außerhalb des Platzes schnell hoch geschätzt sein wird“, prognostiziert Beiersdorfer. Und Behrami, der mit fünf Jahren aus dem damaligen Jugoslawien (kosovarischer Teil) in die italienisch sprechenden Schweiz zog, bestätigt den HSV-Boss in inzwischen bestem Deutsch: „Didi hat gesagt, die Mannschaft braucht einen erfahrenen Mann und Charakter. Und ich bin sehr, sehr bereit dafür.“

Das Interview:

Was für ein Typ Behrami ist, haben in den letzten Tagen Beiersdorfer und Djourou mit naturgemäß blumigsten Wortens versucht zu beschreiben. Aber dass der „sympathische Kämpfer mit dem großen Herz für seine Leute“ (O-Ton Djourou) wirklich gut ankommt, beweisen die äußerst warmherzigen Worte des SSC Neapel via Twitter zum Abschied für Behrami. „Napoli ist in Neapel Thema Nummer eins. Der Verein ist noch eine Ausnahme in der von Problemen geschüttelten italienischen Liga. Meine Frau ist Italienerin, ich bin in der italienischen Schweiz groß geworden, daher bleibt Italien meine zweite Heimat.“ Eine Trennung, wie sie besser nicht hätte vonstatten gehen können.

 

Auch preislich für den HSV. Und das wiederum gestaltet sich in Sachen Nicolai Müller und Mainz ganz anders. Dort reicht den verantwortlichen das Angebot des HSV von knapp vier Millionen Euro noch nicht. Und obwohl FSV-Manager Christian Heidel zuletzt angekündigt hatte, übers Wochenende Klarheit zu schaffen, wird daraus nichts. Dieses Wochenende wird der Offensivspieler noch nicht kommen und somit auch nicht mehr ins Trainingslager nachreisen. Und das auch, weil die Mainzer eine Menge Frust schieben, ihren Top-Angreifer nach Hamburg abgeben zu müssen. An jenen Klub, der in den letzten Jahren 40 Millionen Euro weniger Gewinn gemacht hat, wie Heidel intern immer wieder vorrechnet. Demnach hat Mainz in den letzten drei Jahren 20 Millionen Euro Überschuss erwirtschaftet, während der HSV 20 Millionen Euro Minus gemacht hat. Und somit erscheint offen, welche Personalie zuerst erledigt ist: Müller oder Felipe Santana. Denn bei dem Innenverteidiger vom FC Schalke sollen in diesen Tagen tiefergehende Gespräche mit dem abgebenden Klub Schalke 04 stattfinden.

 

Aber noch einmal zurück zu Behrami. Der machte in seiner ersten Einheit einen kernig fitten Eindruck. Die intensive Nachmittagseinheit schien jedenfalls kein Problem für ihn darzustellen. Im Gegenteil, seine Pässe und Flanken ließen die Vorschusslorbeeren berechtigt erscheinen. Das war ein guter Start – obgleich Behrami erleichtert wirkte, als sie vorbei war. „Bei Benitez haben wir fast ausschließlich mit Ball trainiert, reine Laufübungen gab es selten“, so der 29-Jährige mit einem Lächeln, „aber ich habe kein Problem damit. Das macht mich fit.“ Stimmt. Und den HSV ganz sicher besser.

 

Einen guten Eindruck macht auch Per Skjelbred, der sich gedanklich noch immer mit einem Wechsel zu Hertha BSC beschäftigt. Allerdings noch ohne Angebot. „Es gibt immer wieder lose Anfragen für Spieler, aber nichts Konkretes. Auch nicht bei Per“, sagt Beiersdorfer. Dennoch erwartet auch der HSV-Boss, das sich die Hertha vor Ende der Transferfrist noch einmal in Sachen Skjelbred meldet. Darüber sprach der HSV-Vorstandsboss und Sportchef in Personalunion auch mit dem Norweger selbst. „Wir haben über die Situation gesprochen und uns ausgetauscht“, sagt Beiersdorfer, „nicht mehr und nicht weniger.“

 

Etwas weniger machte heute Johan Djourou. Der Behrami-Freund und Innenverteidiger musste das Nachmittagstraining mit Muskelproblemen im Oberschenkel abbrechen. Was es ist und ob er ausfällt ist noch offen. „Der Muskel hat dicht gemacht, nichts schlimmes“, gab „Dr. Djourou“ zunächst Entwarnung. Aber eine genaue Diagnose steht noch aus. Also: Daumen drücken. Matti Steinmann und Jonathan Tah absolvierten derweil eine Laufeinheit und sollen morgen wieder mitmachen können.

 

In diesem Sinne, alles ist gut. Auch wenn es noch deutlich besser werden kann, soll, muss und auch wird wie ich glaube: der HSV ist weiter auf einem guten Weg. Heute Abend soll der in einem Vieraugen-Gespräch von van der Vaart und Beiersdorfer fortgesetzt werden. Und ich hoffe inständig darauf, dass sich beide darauf verständigen, das nächste Jahr zusammen noch einmal voll anzugreifen. Denn dieser van der Vaart aus dem Trainingslager und den letzten Wochen würde dem HSV sehr gut zu Gesicht stehen. Nur gut, dass auch Beiersdorfer von einem fitten van der Vaart sehr viel hält…

 

Bis morgen,

Scholle

Drei Tore, 3:1-Sieg – Platz drei!

27. Juli 2014

Na bitte, es geht doch! Der HSV schaffte im Spiel um Platz drei des Telekom-Cups gegen Borussia Mönchengladbach einen verdienten 3:1-Erfolg und belegte damit zum Schluss einen versöhnlichen dritten Platz. Alles wird gut? Alles wird gut. Ein besonderes Lob erhielt nach dem Spiel der Kapitän. Trainer Mirko Slomka sagte über Rafael van der Vaart: “Er ist serh agil und schon enorm spritzig, er hat auch eine gute Ansprache innerhalb des Teams – er kommt immer besser in Fahrt.” Sehr, sehr schön. So wünschen sich die Fans dann in ein paar Tagen den ganzen HSV- Den Cup gewonnen hat übrigens der FC Bayern, der gegen den VfL Wolfsburg in den ersten 30 Minuten ein 3:0 schaffte, darunter zweimal Lewandowski – und bei diesem Spielstand blieb es dann auch nach 60 Minuten.

Nach dem 0:0 des Vortags gegen den noch ersatzgeschwächten VfL Wolfsburg startete der HSV am Sonntag mit einem Blitztor gegen Borussia Mönchengladbach. Ecke Rafael van der Vaart, in der Mitte stieg Jacques Zoua in die zweite Etage (!) und köpfte den Ball an die Unterkante der Latte. Von dort prallte der Ball nach unten, an den Rücken von Borussen-Keeper Heimeroth – Tor. Das Nachstochern von Gojko Kacar war unerheblich, die Kugel war schon vorher drin. Und irgendwie gut, dass Zoua als Torschütze gefeiert und angesagt wurde, er hatte diesen Treffer schon verdient . . . Dieses 1:0 geschah in der dritten Minute, aber nur Sekunden später hieß es schon 1:1. Raffael zog an Marcell Jansen und Zoltan Stieber am rechten Strafraumeck vorbei und schoss in die lange Ecke – da wirkte die HSV-Defensive noch ein wenig unsortiert nach dem Torjubel zuvor. Diese beiden Treffer passten aber super zu diesem flotten Spielchen, es war mehr drin, als noch am Tag zuvor bei HSV gegen Wolfsburg.

Wobei das erneute Führungstor des HSV ein wenig kurios fiel. Der eingewechselte Tolgay Arslan setzte den Gladbacher Brandenburger kurz vor dem Borussen-Strafraum energisch unter Druck, der ball kam zu Rafael van der Vaart, der den Ball aus 20 Metern (halbrechte Position) am noch an der Strafraumgrenze stehenden Heimeroth vorbei ins Tor beförderte. Schiedsrichter Bastian Dankert ließ sich auch von nur zaghaft aufkommenden MG-Protesten nicht beeindrucken, er gab den Treffer (21.). War auch in Ordnung so! Dieser Vorsprung wurde auch in die Pause gerettet, obwohl Raffael kurz vor dem Seitenwechsel noch die Querlatte des HSV-Tores traf.

Im zweiten Durchgang kam von den Gladachern kaum noch etwas nach vorne, und wenn, dann stand Heiko Westermann wie ein Fels in der Brandung. Gute Frühform des Abwehrmannes. In der 53. Minute war das Spiel dann entschieden. Brouwers vertändelte den Ball vor dem Strafraum, Milan Badelj lief mit der Kugel bis an den Fünfmeterraum und passte dann quer au den mitgelaufenen Kerem Demirbay, der ohne Mühe aus einem Meter vollenden konnte. Platz drei in diesem Turnier für den HSV.

Der spielte mit folgender Mannschaft: Adler; Diekmeier, Westermann, Kacar, Jansen; Skjelbred (15. Arslan), Badelj; Zoua, van der Vaart, Stieber; Rundnevs. In der Pause kamen Ilicevic, Demirbay und Jiracek für van der Vaart, Jansen und Stieber. Später kamen noch Steinmann für Rudnevs (46.) und Tah für Diekmeier (53.).

Für mich auffällig beim und an diesem HSV: Rene Adler ist schon jetzt in einer sehr guten Verfassung und wieder eine Bank dort hinten. Und Neuzugang Zoltan Stieber macht schon mal gut Alarm auf der linken Seite, der Mann aus Fürth ist eine Bereicherung. Weiterhin stellte Dennis Diekmeier seine schon gute Form erneut unter Beweis. Gut auch, wie schon erwähnt, Westermann und Milan Badelj, der gegen die Gladbacher einige sehr schöne Szenen hatte und insgesamt beweglicher wirkte als noch in der vergangenen Saison. Was ich mich frage an diesem neuen HSV: Was hat Trainer Mirko Slomka mit Gojko Kacar vor? Der spielte erneut Innenverteidiger – eine neue Rolle, oder ist das nur ein Ins-Schaufenster-stellen? Kacar spielte an beiden Tagen hinten durch, machte seine Sache ordentlich. Mir fehlt noch ein wenig die Spritzigkeit, wobeoi ich mich frage, ob die noch kommen wird – oder eben nicht? Und wenn ich an die Innenverteidigung denke, dann frage ich mich natürlich auch, was der Coach mit Jonathan Tah vorhat? Weiter Bank? Oder doch langsam aufbauen und dann rein mit ihm ins kalte Wasser? Letztere Version wäre mir schon lieber.

Drei Dinge noch: Ivo Ilicevic traf nach glänzender Vorarbeit von petr Jiracek noch aus 15 Metern den Pfosten des Borussen-Gehäuses. Pierre-Michel Lasogga fehlte, weil er im Wolfsburg-Spiel einen Schlag auf den Knöchel bekommen hatte, er soll aber morgen (dann in Österreich) schon wieder mittrainieren können. Und Johan Djourou hat Rücken. Wie sich das entwickelt, das muss noch mal abgewartet werden.

Und dann las ich schon einen der ersten Beiträge – zu Zoua. Er hatte “sein Tor” es deswegen verdient, weil er bei diesem Treffer enorm hoch gesprungen ist und auch gut köpfte. Ansonsten bringt es ja nicht so sehr viel, ihn immer wieder zu verdammen, der Mann ist jung – und vielleicht, ja vielleicht lernt er aus seinen Auftritten ja so schnell, dass er doch noch ein vollwertiger Bundesliga-.Spieler wird. Im Moment ist er es nicht, aber die Hoffnung stirbt auch bei Jacques Zoua zuletzt.

Kurz noch zum Finale, das jetzt erst beginnt (Stand nach vier Minuten 1:0 für den FCB). Das Spiel wird gepfiffen von Peter Gagelmann aus Bremen. Das ist der Schiedsrichter, der sich am Vortag erdreistet, zwei (!) Elfmeter gegen den großen FC Bayern zu pfeifen. Darf der das? Nein, natürlich nicht, Das ist der FC Bayern, und der darf auch in einem solchen Pille-Palle-Club nicht benachteiligt werden. Wie sehr die Herren Sammer und Guardiola hinterher auf der Palme waren, das sollte jedem zu denken geben. Jedem. Das war auf jeden Fall, aus Sicht des Fernseh-Zuschauers, eine ganz, ganz schlechte Eigenwerbung für die Münchner, die sich so immer mehr ins Abseits befördern. SAT.1-Reporter Hansi Küpper hatte es am erstemn Tag ganz richtig gesagt: “Wenn die im Angriff befindlichen bayxern diese beiden Elfmeter nicht bekommen hätten, hätten sie noch mehr Theater gemacht.” Und gaenau so ist es. Der DFB und die DFL sollten dem FC Bayern endlich eine eigene Liga geben, damit sie endlich restlos glücklich und unantastbar werden . . . Und ein Wort noch zu Gagelmann, der für mich in den letzten Jahren stets zu den besten Bundesliga-Schiedsrichtern gehörte – und am Ende dieser Saison leider (aus Altersgründen) aufhören muss.

So, das war aus Hamburger Sicht der Telekom-Cup 2014. Der HSV reist morgen früh ins österreichische Trainingslager, genau nach Stegersbach ins Burgenland. Dort bleibt das Team etwas mehr als eine Woche – und kehrt am Vormittag des 5. Augusts zurück nach Hamburg. „Scholle“ wird aus Österreich für „Matz ab“ berichten.

Erfreulich, nein überaus erfreulich verlief der Saison-Auftakt der Regionalliga-Mannschaft des HSV. In der vergangenen Spielzeit ist das Team in Goslar noch böse unter die Räder gekommen, diesmal gab es am ersten Spieltag einen glatten und überragenden 4:0-Erfolg. Ganz stark, meine Herren! Nico Carrier, der zweimal traf, Mohamed Gouaida und Matti Steinmann trafen, bester Vorlagengeber war Tolcay Cigerci. Und dieser Sieg unterstreicht den Optimismus, den einigen rund um die Zweite schon vorher hatte. Der neue Trainer Josef Zinnbauer, noch von Oliver Kreuzer (aus Karlsruhe) geholt, leistet, so ist zu hören, sehr gute Arbeit und hat den Laden offensichtlich super im Griff. Weiter so!

HSV II: Brunst – Götz, Tah, Marcos, Jung, Steinmann, Cigerci (66. Masek), Mende (76. Brüning), Arslan (64. Derflinger), Gouaida, Charrier

Tore: 0:1 Charrier (27.), 0:2 Gouaida (41.), 0:3 Charrier (57.), 0:4 Steinmann (72.) – Zuschauer: 650.

Dann noch ein kurzes Wort zu gestern. Da hatte „Scholle“ etwas zu „Didi“ Beiersdorfer, nämlich dass der gleich zu Beginn, als noch alles oder vieles unklar war, ans Aufhören gedacht hatte. Das wurde hier von einigen Usern kritisiert, aber ich möchte dazu grundsätzlich mal sagen, dass wir uns hier nichts aus den Fingern saugen, um mal groß aufzutrumpfen. Es sei denn, wir kündigen es vorher an. In diesem Falle ist es so, dass „Scholle“ die Wahrheit geschrieben hat, es ist nun einmal so. Allerdings wird sich Beiersdorfer nun nicht hinstellen und sagen: „Es war so.“ „Scholle“ weiß es nun einmal, er hat es mir erzählt – und ich habe keinerlei Grund, daran zu zweifeln. Den gab es in all den Jahren, in denen wir nun schon zusammen arbeiten, nie. Nicht ein einziges Mal. Deswegen weiß ich auch jetzt, dass es so stimmt, wie er es geschrieben hat.

Ich war einst in einer ähnlichen Situation. Muss im Frühjahr 1987 gewesen sein, Felix Magath war gerade HSV-Manager geworden. Trainingslager auf Teneriffa, es hatte tagelang vorher geregnet, alle Plätze im Norden der Insel unter Wasser – fit für Wasserball. Der HSV sollte und musste sich einen einzigen Platz mit Bayer Leverkusen teilen (!), ein Novum. So kam es, dass Trainer Willi Reimann nur drei Stunden nach der Ankunft mit Abreise drohte. Intern, unter sechs, acht Augen. Magath erzählte es einem mitgereisten Stammtischbruder, und weil dieser Stammtischbruder auch zugleich meiner war, erzählte er es mir weiter. Um es zu verdeutlichen: Magath, meine Wenigkeit und der dritte Mann, wir waren drei Brüder eines Norderstedter Stammtisches. Als ich das im Abendblatt geschrieben hatte, hat es Felix Magath am nächsten tag auf Nachfrage der anderen Zeitungen nicht bestätigt. Reimann auch nicht. Und ich stand dumm da. So dumm, dass die anderen Kollegen nicht mehr mit mir sprachen, weil ich in ihren Augen die Unwahrheit geschrieben hatte. Dabei stimmte alles haargenau. Wir haben Jahre später noch herzhaft über diese Situation gelacht, was mir dann nicht mehr half – natürlich nicht. Und so in etwa ist diese Situation jetzt auch für „Scholle“.

Und noch eines möchte ich für mich klarstellen. Ich schrieb kürzlich ein böses Wort mit S, ich möchte es nicht wiederholen. Es hat mir einigen Ärger eingebracht. Ich wurde in eine Ecke gestellt mit einem besonderen Mann der deutschen Geschichte – und mit einem Mann der türkischen Geschichte. Wer mich kennt, der wüsste, dass ich mit beiden Herren nichts am Hut habe, ganz im Gegenteil. Es tut mir leid, dass ich dieses S-Wort benutzt habe, ich kann aber auch allen Fußball-Fans versichern, dass ich nicht an diese beiden Herren denke, wenn ich über den Ball und ganz speziell über den HSV schreibe. Dann denke ich eben nur an Fußball und den HSV. Ich hoffe, das reicht als Entschuldigung – und als Erklärung. Ich selbst wurde in diesem Blog schon als einer dieser beiden Un-Herren beschimpft, sodass ich die Springer-Rechtsabteilung einschaltete, ich wurde schon ganz anders beschimpft, und das kam auch aus dieser einen bewussten Ecke, mit der ich nun absolut nichts zu tun habe und niemals zu tun haben möchte. Und dieses S-Wort werdet Ihr in diesem Blog nie wieder lesen. Ganz klar. Sorry und Entschuldigung.

18.02 Uhr

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