Archiv für das Tag 'Silva'

Der HSV auf dem Gipfel – und Silva ist weg

13. Juli 2011

Ist das ein gutes Omen? Der HSV auf dem Höhenflug. Erstmals in der Vereinsgeschichte wurde an diesem 13. Juli 2011 auf dem Hintertuxer Gletscher „trainiert“. Ein Traum in Eis. Und ein riesiges Erlebnis. Natürlich war es kalt dort oben, so um die zwei Grad, aber die Spieler hatten sich auf die Kälte eingestellt und sich mit dicken Jacken (mit Kapuzen) präpariert. Das nur für diejenigen HSV-Fans, die nun gleich wieder eine Grippe-Welle auf die Profi-Truppe zurollen sehen. Keine Panik, aber wer sich Gedanken um die Gesundheit der Spieler machen möchte, der sollte es natürlich auch in volle Zügen tun – und genießen. Man gönnt sich ja sonst nichts. Übrigens, jetzt um 16.30 Uhr, gewittert es in Finkenberg, aber die Mannschaft ist längst wieder im Hotel.

Es war einfach nur herrlich, dort oben. 3250 Meter hoch. Die Zillertaler Touristik hatte für diesen Tag auf dem Gipfel, der mit Schnee und Eis bedeckt ist, einen kleinen Kunstrasenplatz aufgebaut. Ungefähr 40 mal 30 Meter, dazu zwei Tore. Da standen sich zwei HSV-Teams zu einem Show-Kick gegenüber, das Spielchen wurde sogar aus der Luft von einem Hubschrauber gefilmt – und soll am Abend schon im Internet (Zillertal Touristik) zu sehen sein. Es war eine Riesen-Gaudi. Michael Mancienne schoss in luftiger Höhe das erste HSV-Tor, das erste Kopfballtor steuerte Dennis Aogo nach Flanke (es war mehr ein Heber) von David Jarolim bei.

Fans hatten sich auf dem Gipfel ebenfalls eingefunden, es wurde lebhaft fotografiert – und gestaunt und gelacht. Den Gang an die Gletscherspalte sparte sich die Mannschaft aber, denn das Wetter war nicht gerade einladend. Trotzdem, ich muss es wiederholen – ein Traum. Auch Michael Oenning freute sich, er war in diesem Skigebiet vor vielen, vielen Jahren einst Ski-Lehrer und sagte: „Ich liebe die Berge.“ Ob der den Rummel, der dort oebn um die Truppe herum veranstaltet wurde, ebenfalls liebt, diese Frage blieb offen. Ich habe auf dem Gletscher aber keinen mosernden und meckernden Profi erlebt.

Und zudem gab es dort noch eine gute Nachricht für den HSV. Der Brasilianer Alex Silva ist endgültig verkauft. Endlich. Und Glückwunsch. „Wir sind zufrieden, wie das gelaufen ist, wir haben zwar kein Geld bekommen, aber wir sparen viel Geld“, sagte Sportchef Frank Arnesen.

Und nun für alle, die es nicht glauben wollen (und die damals bei der Vertragsunterzeichnung mit Silva dabei waren): Der HSV spart durch diesen Verkauf für die nächsten zwei Jahre die Wahnsinns-Summe von siebeneinhalb Millionen Euro. Das setzt sich wie folgt zusammen: Zweei Millionen Gehalt, zwei Millionen Rate, rund eine Million an den Berater Juan Figer. Und für die nächste Saison (bis Sommer 2013) noch einmal zweieinhalb Millionen. Das ist doch auch Geld, oder?

Natürlich hat sich der HSV einst mit dem Kauf von Silva verspekuliert, aber das kommt eben mal vor. Jetzt ist der Klub seinen Problemfall „von der Backe“. Und alle diejenigen, die nun schimpfen, meckern und pöbeln, die sollten sich daran erinnern, wer einst diesen Deal eingefädelt und über die Bühne gebracht hat. Und wer diese Zahlen noch immer nicht wahrhaben will, der sollte morgen (Donnerstag) Hamburger Zeitungen lesen – oder mich tatsächlich wegen Rufschädigung verklagen. Ich kann jedem versichern, dass es eine solche Klage niemals geben wird. Ist alles in trockenen Tüchern, besiegelt und (fast auch) notariell beglaubigt . . .

So, das Training auf dem Gletscher war en heute die einzigen körperlichen Aktivitäten der HSV-Profis. Ansonsten gab es einen Ruhetag im Zillertal. Aus gegebenem Anlass. Hier dazu mein Einstieg in die Geschichte, die ich bereits vor dem „Abstecher“ nach Hintertux geschrieben hatte. Und weil ich heute noch zum Grillabend der „Matz-abber“ in Hippach will, möchte ich ihn auch nicht mehr groß ändern. Es geht los:

In Hamburg sind die Nächte lang . . . Und im Zillertal auch. Der HSV hatte einen Mannschaftsabend, und der muss offenbar traumhaft gewesen sein. Ein Volltreffer! Zweck auf jeden Fall erfüllt. Und – ich habe die Spieler am
nächsten Tag gesehen – besser als jedes Training. Ganz, ganz sicher. Alle strahlten, einige konnten auch nur lächeln, und wenn einer gar nichts davon konnte, dann wirkte er auf jeden Fall voll zufrieden. Eines ist sicher: Eine so gute teambildende Maßnahme hat es beim HSV seit Jahr und Tag nicht mehr gegeben. Früher, so sagt ein Spieler, war ein solcher Abend spätestens um 21 Uhr oder um 21.30 Uhr beendet, diesmal ging es da erst richtig los. Alle zogen mit – und:
Hurra, die muffeligen Spieler, die einen solchen Abend mit schlechter Laune stets torpedierten, die sind zum Glück weg!

Schlechte Stimmung war gestern, beim HSV, so hat es den Anschein, wird es ab jetzt eine richtige Mannschaft geben. Mit allem was dazu gehört – vor allem Teamgeist. Wetten dass . . ?

Ich schrieb es bereits, die Stimmung ist prächtig, alle, Spieler und Funktionsteam, wirken – trotz des harten Trainings – gelöst, heiter, motiviert. Da kommt Freude auf. „Sie kommen jetzt alle aus dem Schneckenhaus“, sagt Kapitän Heiko Westermann. Vor allen die jungen Spieler sind jetzt mittendrin statt nur dabei. Dennis Aogo vermutet: „Der Altersunterschied war in der vergangenen Saison vielleicht doch zu groß.“

Es muss so (gewesen) sein. Und weil sich nun alle verstehen, weil nun ein jeder aufblüht, kann auch das eine oder andere Spiel gegen einen stärkeren Gegner gewonnen werden, weil jetzt tatsächlich eine echte HSV-Einheit auf dem Rasen stehen wird. Stand jetzt jedenfalls. Und das hier im Zillertal zu beobachten, das bringt so viel Spaß, wie mit der Zillertal Touristik auf den Hintertuxer Gletscher zu fahren.

Traumhaft!

PS: Einer jener Jungen, die nun ein ganz anderes Gesicht zeigen, ist Heung Min Son. Im vergangenen Jahr schoss er in der Vorbereitung neun Tore, dann verletzte er sich kurz vor dem Bundesliga-Start. Diesmal hat der Südkoreaner, der auf dem Gletscher fröhlich und ausgelassen tanzte, schon 14 Treffer auf seinem Konto. Son ist einfach nun super drauf. Er lacht viel, geht wie ein Lausbub durch den Alltag (und das Sporthotel Stock), er macht Scherze – und macht auf mich einen absolut topfitten Eindruck. Er scheint schlanker geworden zu sein, und es scheint mir so, als sei er auch noch ein wenig gewachsen.

Auf jeden Fall hat er sich im Sommer in der Heimat auf diese Saison sehr gut vorbereitet. Er sagt: „Die Rückrunde war sehr schlecht, das soll nicht noch einmal passieren, deswegen habe ich schon im Sommer viel Gas gegeben.“ Das sieht man. Nun sagt er in Sachen Toren: „Treffer in der Vorbereitung zählen nicht, nur Tore in der Bundesliga sind wichtig für mich. Der Titel Vorbereitungskönig bringt mir nichts, irgendwann möchte ich Torschützenkönig in der Bundesliga sein, das ist mein Ziel.“

Er sagt, es muss noch nicht in dieser Spielzeit sein – aber wer hätte als HSV-Fans schon jetzt etwas dagegen?

17.22 Uhr

« Vorherige Einträge - Nächste Einträge »