Archiv für das Tag 'Silva'

Ende eines Trainingslagers

16. Juli 2011

Wieder in der Heimat. Einige Stunden vor dem HSV bin ich in Hamburg gelandet, aber der Übergang in die Normalität fällt mir immer noch sehr, sehr schwer. Der Todesfall von Schwaz hat mir eine schlaflose Nacht beschert, denn ich hatte ja geschrieben, dass die Frau, die nach dem HSV-Spiel gegen Al-Ahli im Stadion gestorben ist, für mich unbekannt war. Das stimmte leider nicht, wie ich gegen Mitternacht erfuhr. Ich hatte diese Frau, Michaela, vor einem Jahr beim HSV-Trainingslager in Längenfeld kennen gelernt, denn sie ist die Gattin des Organisators, der das gestrige Spiel gegen das Team aus Katar zustande gebracht hat. Ralph Sch. hat schon viele Testspiele für den HSV in Trainingslagern organisiert, so auch vor einem Jahr die Partie in Schwaz gegen München 1860. Der Mann ist mit HSV-Manager Bernd Wehmeyer befreundet, Ralph Sch. hat beste Kontakte in der Fußball-Szene, kennt sich auch im deutschen Fußball bestens aus, er ist mit vielen Stars bekannt und befreundet – und nun dieser schwere Schicksalsschlag. Ich kann es immer noch nicht fassen. Mein aufrichtiges Beileid, lieber Ralph, ich bin traurig, schwer geschockt und tief erschüttert.

Deswegen fällt es mir schwer, wieder zur Tagesordnung überzugehen und so zu tun, als wäre nichts geschehen.

Dennoch will ich noch einige Dingen vom HSV berichten. Die Mannschaft befindet sich nun auf dem Rückflug von München, die Spieler absolvierten heute am Vormittag noch eine Laufeinheit. Und Trainer Michael Oenning machte das, was ihm sein Co-Trainer Frank Heinemann vor der Partie gegen die Zillertal-Auswahl vorgemacht hatte – er sprang mit dem Tandem-Gleitschirm aus höchster Höhe in die Botanik von Mayerhofen. Eine Mutprobe der besonderen Art, Oenning hat sie genossen.
Wo ich gerade bei Training bin: Am Sonntag ist frei, am Montag zu 90 Prozent wohl auch. Und bevor jemand mault oder nörgelt, weil nun schon wieder freie Tage anstehen, so gebe ich zu bedenken, dass in Österreich so hart wie seit Jahren nicht mehr bim HSV geabrebietet und geschuftet wurde. Macht Euch keine Sorgen oder Gedanken, in diesem Fall ist es richtig – denn die Spieler haben alles gegeben und sind müde.

Als ich heute sehr früh mein vorerst letztes Frühstück im Sporthotel Stock einnahm, fiel mir die Serviette auf, die für mich auf dem Tisch lag. Jeden Morgen zierte ein anderer Spruch (des Tages) dieses weiche Stück Papier, heute stand folgende Weisheit darauf: „Mach dir den Tag doch niemals schwerer, ist er nicht Freund, so ist er Lehrer.“
Sehr nachdenkenswert.

Eine Sache war bislang noch offen, dass ist der Transfer von Alex Silva zu Flamengo Rio de Janeiro. Es stand immer noch die sporttaugliche Untersuchung, Teil zwei, aus, aber auch die hat der lange Brasilianer „gewuppt“, so dass er nun endgültig kein HSVer mehr ist. Ein langer Schrecken ohne Ende hat nun doch noch ein halbwegs versöhnliches Ende gefunden.

Und noch einmal das Thema Ende. Zum Ende eines jeden Trainingslagers macht fast ein jeder Sport-Journalist gerne die beliebte Beurteilung: Gewinner und Verlierer. Ich möchte das diesmal – wegen der eingangs geschilderten Verfassung – nicht so ausführlich machen. Ich möchte eigentlich nur einen Mann als Gewinner hervorheben, und das ist Gökhan Töre. Der Mann, der vom FC Chelsea zum HSV gekommen ist, bekam im ersten (Lauf.)Trainingslager auf Sylt von fast allen Hamburger Medien-Vertretern mächtig auf die Mütze. Zu selbstherrlich, wie ein Diva soll er sein, mit einem Hauch von Arroganz, dazu zu ballverliebt, und, und, und. Starker Tobak auf jeden Fall.

Nun war ich nicht mit auf Sylt, konnte mir also kein rechtes Bild über Töre machen. Die Kollegen, die ihn auf der Insel erlebt hatten und mit denen ich darüber sprach, bekräftigten aber dieses Urteil noch einmal in allen Punkten. Jetzt aber, jetzt wo das Trainingslager von Finkenberg und Hippach beendet ist, denken mit Sicherheit die meisten, ich würde fast wetten alle, anders über Töre. Denn das deutsch-türkische Kraftpaket, der gut und gerne auch „Meister Propper“ hätte doubeln können, hat sich im Zillertal von einer ganz anderen Seite präsentiert. Zurückhaltend, kein bisschen arrogant, er gab sich als absoluten Teamplayer – und er überzeugte fußballerisch. Der junge Mann gibt keinen Ball verloren, er wehrt sich mit seinen Bärenkräften, den schubst so schnell niemand um – und einen gepflegten Ball spielt er nebenbei auch noch. Wie gegen Al-Ahli, als er das HSV-Team immer wieder mustergültig nach vorne trieb. Bislang hieß es ja immer, dass sowohl Gökhan Töre als auch Michael Mancienne zunächst in der Regionalliga-Mannschaft von Rodolfo Cardoso spielen sollen, um dort Erfahrungen zu sammeln, aber mit solchen starken Leistungen wie am Freitag in Schwaz wird sich Töre auch von Trainer Michael Oenning nicht so leicht aus der Mannschaft „schubsen“ lassen. Was sehr, sehr schön, wäre, denn auf diese Art hätte der HSV ja einen vollwertigen Spieler für die Erste Liga hinzugewonnen.

Herr Arnesen, Kompliment, Ihr Auge scheint bestens zu funktionieren.

Wobei mich bei Mancienne nach dem Al-Ahli-Kick schon wieder leichte Zweifel beschlichen, aber das muss ja auch nichts Schlimmes bedeuten . . .

Zum Schluss noch dies: Die Postkarte der „Matz-abber“ (die Mädels und Jungs wissen, wer gemeint ist) ist noch nicht in Deutschland angekommen – in Österreich hat die Post offenbar einen anderen Akkord.

Danken möchte ich aber allen Matz-abbern, die im Zillertal dabei waren, die mir unheimlich viel Zuspruch gegeben haben – die einfach nur überragend waren. Danke für Eure großartige Unterstützung, danke für Eure Treue – danke für alles. Ich freue mich schon auf ein nächstes Mal. Ihr seid schon eine herrlich verrückte Truppe – mit Euch kann man Pferde stehlen – großartig.
Und solltet Ihr noch nicht wieder daheim sein, so wünsche ich Euch eine gute Heimreise, kommt gesund zurück.

PS: Ein spezieller Dank noch an Tim und Jörg – für Antonia. Werde ich in Ehren halten. Und nochmals ein Dankeschön an Fenja: Ich weiß es zu schätzen, dass ich als Erster schreiben durfte. Gutes Ding, nebenbei.

Allen „Matz-abbern“ ein schönes Wochenende – genießt das Leben.

17.23 Uhr

Das Fan-Fest – wieder ein Highlight

15. Juli 2011

Die Ordner rund um das Trainingslager des HSV in Hippach sahen und sehen toll aus. Jeder trug und trägt eine richtige Weste, auf denen stand dann auch groß das Wort ORDNER. Nur so richtig viel geordnet haben diese Herren eigentlich nie. “Wenn du zu den Spielen willst? Dann einfach unter dem Absperrband durch – und los.” So rief es “JU aus Q” den “Matz-abbern” zu – und so geschah es dann auch. Aber: Eigentlich gab es ja auch nicht so viel zu ordnen, es blieb alles friedlich, alles im Rahmen. Und es deswegen will ich hier auch nur über einen Ordner schreiben, der mir etwas Sportliches zum HSV gesagt hat. Er kam während des Trainings zu mir und verriet: „Ich war vor einigen Tagen auch bei Bayer Leverkusen, die Mannschaft hat in Zell am Ziller logiert. Dort wurde aber weitaus weniger oder auch lascher trainiert. Lascher als der HSV auf jeden Fall.“ Tolles Kompliment. Und erst heute reiste ein Kollege von mir in Hippach an, weil er zuvor an mehreren Stellen in Österreich deutsche Bundesliga-Mannschaften im Trainingslager beobachtet hatte. Und auch er wartete mit einem schönen Kompliment in Richtung Hamburg auf: „Es ist ja unwahrscheinlich und toll, wie viele HSV-Fans mit ins Zillertal gekommen sind – bei Borussia Dortmund waren höchsten 200 mit nach Österreich gekommen.“ Und beim HSV waren es in dieser Woche über 700. Großartig! Einfach nur großartig!

Und viele, viele waren zum Fan-Fest gekommen. Das begann zwar nicht gerade optimal (erst fehlten die Eintrittskarten, dann begann es wieder mächtig zu regnen), aber es wurde dennoch ein voller, voller Erfolg. Ich gebe es zu, ich hatte befürchtet, dass es dort leicht „hektisch“ werden würde, aber es war alles wunderbar. Die Spieler haben sich super verhalten, sie gaben Autogramme und posierten unaufhörlich für Fotos – jeder Fan kam auf seine Kosten. Danke HSV! Das war wieder beste Werbung, diese Fan-Nähe ist unbezahlbar – ein echtes Highlight.

Das sahen auch die „Matz-abber“, die vorher noch ein Gruppenfoto mit „Hermann“ gemacht hatten. Die „Matz-abber“ saßen (fast) alle an einem Tisch, beste Laune hatten alle mitgebracht – und „Jäger-Glück“ hatten sie auch. Deshalb von mir ein ganz dickes Kompliment. „HSV-Wolle“ fing für die „Kolleginnen“ und „Kollegen“ einen ganz dicken Fisch ein: Frank Arnesen. Der Sportchef saß über eine halbe Stunde am Ma-Tisch und beantwortete brav alle Fragen. Und hinterließ dabei einen großartigen Eindruck – bei allen. Toll. Aber Arnesen war nur der Anfang. Mit dem Sportchef am Tisch saß auch noch Heiko Westermann – und ein wenig später saß, zur großen Freude von „Christian“ und allen anderen sogar Mladen Petric dort.
Noch einmal, Deerns und Jungs, ein dickes Kompliment, wie Ihr das hinbekommen habt! Und die Freude, die Ihr alle ausgestrahlt habt, hielt noch bis zum nächsten Tag an – wahrscheinlich sogar noch das ganze Wochenende und länger. Ich habe viel, viel gefilmt, im Laufe der Woche werdet Ihr von diesem Fest auch ein Video sehen – der erste Film aus dem Zillertal ist jetzt schon „der“ Renner. Also, Ihr könnt Euch darauf freuen. Ihr habt die Hauptrolle gespielt.

Ja, und nun ist die Woche (fast) schon wieder vorbei. Heute gibt es ja noch (20.15 Uhr, live bei Sport1) das Testspiel gegen Al-Ahli Doha, wiobei die Frage, ob das nun ein Zweitliga-Klub aus Katar ist, noch nicht restlos geklärt wurde. Ich befürchte fast, es lässt sich gar nicht klären, aber das müssen wir mal abwarten. Auf jeden Fall geht es gleich nach Schwaz, in dem kleinen (aber feinen) Stadion dort hat der HSV bereits vor einem Jahr ein Testspiel ausgetragen, das war eine Partie gegen 1860 München (1:1, wenn ich mich richtig erinnere – Tor: Mladen Petric).

Am Vormittag hat der HSV noch einmal trainiert. Das Programm: Sechs gegen zwei, dann ein kleines Spielchen, dann Flanken von rechts und von links. Und diesmal (!) konnte man wirklich Flanken dazu sagen, denn die Bälle kamen in der Regel hoch und wunderbar angeschnitten in die Mitte. Für mich war dabei (als Flankengeber) der Jüngste der Beste. Ashton Götz schlug eine „Brandbombe“ nach der anderen zur Mitte, der Junge hat es richtig gutes Füßchen. Der 17-Jährige sagt, alles ganz normal, vor dem Training nichts, er sagt während des Trainings nichts, und er sagt auch danach nichts – aber fußballerisch hat er (fast) alle überzeugt.

Aber keine Angst, auch Ashton Götz ist während dieser Zillertaler Woche in die Mannschaft „hineingekommen“, er war ein vollständiges Mitglied der HSV-Truppe. Es wird, so mein Empfinden, ohnehin niemand mehr ausgegrenzt – und das ist auch gut so. Auch dafür gibt es ein schönes Beispiel: Als die Mannschaft um 13 Uhr zum Essen im Sporthotel Stock ging, da schlenderten Heung Min Son und Ashton Götz gemeinsam dem Essensraum entgegen – der Südkoreaner, der in diesen Tagen auch prächtig „aufgetaut“ ist, hatte freundschaftlich den Arm auf die Schulter des HSV-Talentes gelegt. Solche kleinen Kleinigkeiten habe ich schon seit sehr, sehr lange Zeit nicht mehr beobachtet – einfach nur schön zu sehen.

Sehr schön zu wissen ist auch, dass der Norweger Ciljan Skjelbred nun schon bald HSV-Spieler wird. Der 24-jährige Mittelfeldspieler von Rosenborg Trondheim wird am 3. oder 4. August nach Hamburg kommen, und weil Rosenborg in diesem Monat neun oder zehn Pflichtspiele zu absolvieren hat, wird der Nationalspieler auch topfit sein – sofern er sich nicht noch verletzt. Was wir natürlich nicht hoffen wollen.

Sportchef Arnesen freut sich über diesen Transfer: „Rosenborg ist zufrieden, wir sind sehr zufrieden, Skjelbred ist ein sehr, sehr guter Spieler, es ist finanziell bestens für uns gelaufen, dass wir ihn schon jetzt nach Hamburg holen können.“ Kompliment auch an Sie, Herr Arnesen. Und wenn ich den „Matz-abbern“ glauben darf, die mit Ihnen (dem Sportchef) so nett und so lange plaudern durften, dann lesen Sie hier bei „Matz ab“ ja auch mit . . .

Arnesen über den Neu-Hamburger aus Norwegen: „Er ist eigentlich ein untypischer Norweger, denn er ist nicht nur physisch stark, sondern auch ein großartiger Techniker. Einer der besten Techniker in Norwegen. Er spielt auch ein bisschen mehr vorne, er ist sehr schnell mit dem Ball, kann die Kugel auf dem engstem Raum bestens behaupten. Er kann auch dribbeln, schlägt gute Pässe mit dem Außenrist, spielt intelligent Fußball. Und er hat einen sehr guten Charakter.“ Frank Arnesen kennt Skjelbred schon seit acht Jahren, wollte ihn einst auch schon zum PSV Eindhoven holen. Beachtlich, sehr beachtlich sogar: Der Nationalspieler ist erst 24 Jahre, hat aber für Rosenborg schon 234 Liga-Spiele absolviert. Das, obwohl er 2005 und 2006 eine schwerer Verletzung hatte. Arnesen: „Jetzt ist der beste Moment für ihn, eine neue Herausforderung im Ausland anzunehmen. Er ist ein sehr lernwilliger Spieler – er passt in diesem Moment sehr, sehr gut zum HSV.“

Und, Herr Arnesen, kommt darüber hinaus noch ein neuer Spieler zum HSV? Arnesen setzt ein Pokergesicht auf und sagt: „Das wird schwer. Finanziell. Ich kann ja alles wollen . . .“ Aber eben nicht alles bezahlen. Deswegen sagt Frank Arnesen auch zum jetzigen Personalstand seines Klubs: „Ich bin in diesem Moment wirklich nicht unzufrieden.“

Alex Silva war bis heute in den Mittagsstunden noch immer nicht durch mit der sporttauglichen Untersuchung für seinen neuen Klub Flamengo Rio de Janeiro – aber wir hoffen wohl alle darauf, dass da nichts mehr schiefgehen wird. Arnesen auch: „Ich hoffe, dass wirklich alles klappt. Aber er hat doch auch schon die ganze Saison ohne Verletzung durchgespielt . . .“

Mickael Tavares dagegen ist von seinem Probetraining beim FCO Dijon nach Hamburg zurückgekehrt, die Franzosen werden ihn (wohl) nicht verpflichten. Nichts Neues gibt es im „Fall“ Guy Demel, offiziell wird noch nicht mit einem anderen Klub verhandelt, inoffiziell ist wohl schon etwas Bewegung in diesen Wechsel gekommen, aber so richtig getan hat sich noch nichts. Abwarten, das wird schon. Demel und Tavares trainieren bekanntlich nur noch bei der U 23 und Rodolfo Cardoso. Bis auf Weiteres.

Nicht trainiert hat heute erneut Jeffrey Bruma, der wegen seiner Achillessehnen-Probleme wohl auch in der nächste Woche nicht spielen wird können. Viel Pech für den niederländischen Nationalspieler. Und auch für Tolgay Arslan. Die Verletzung aus dem Wolfsburg-Spiel entpuppte sich in Österreich als viel, viel hartnäckiger als gedacht, Arslan konnte nie mit der Mannschaft trainieren. Heute ist er etwas gelaufen, hatte aber enorm starke Schmerzen im linken Knöchel. Deswegen geht es auch noch mal zur Kernspintomographie, denn nicht ausgeschlossen ist jetzt, dass doch etwas kaputt ist. Es wurde zwar schon eine Tomographie gemacht, doch eventuell war dabei deswegen nichts zu erkennen, weil im Fuß einfach zu viel Flüssigkeit war. Auf jeden Fall aber ist dieses Trainingslager für Tolgay Arslan einfach nur denkbar schlecht gelaufen, denn er hat den Anschluss erst einmal verpasst.

Pech hatte heute auch Muhamed Besic, der bei der Kopfballduell-Übung mit Janek Sternberg zusammengeprallt war – mit den Beinen. Besic lang minutenlang am Boden, hatte großen Schmerzen im linken Knie. Dann ging es – leicht humpelnd – weiter, aber später, im Hotel, sah das schon weitaus ungefährlicher aus, da ging Besic schon wieder ganz normal. Glück für ihn.

Kurz noch ein Satz zu Gojko Kacar. Der Serbe sollte in der kommenden Woche ja eventuell in Hamburg operiert werden, weil Kalkablagerungen in seinem Knöchel schon seit Monaten Schmerzen bereiten, aber ein Eingriff steht jetzt doch wieder in Frage. Heute trainierte Kacar ohne Schmerzen, so dass erst einmal noch abgewartet wird, wie sich diese Schmerzen in den nächsten Stunden (oder Tagen) entwickeln.
Nett fand ich, das muss ich bei dieser Gelegenheit auch einmal loswerden, wie Gojko Kacar auf dem Fan-Fest begrüßt wurde. Da tanzten jene Fans um ihn herum, die noch am ersten Tag des Trainingslagers ob ihrer alkoholischen Genüsse ein wenig „aufgefallen“ waren. Diese “Herren” sangen übermütig und lustig zugleich: „Kacar, schenk’ mir ein Foto . . .“ Frei nach Mickie Krause.
Das war schön zu hören und schön zu sehen.
Es geht doch!

So, nun heißt es für mich, nach Schwaz zu fahren, ich melde mich von dort nach dem Spiel – mit einem kleinen Bericht.

17.26 Uhr

Der HSV auf dem Gipfel – und Silva ist weg

13. Juli 2011

Ist das ein gutes Omen? Der HSV auf dem Höhenflug. Erstmals in der Vereinsgeschichte wurde an diesem 13. Juli 2011 auf dem Hintertuxer Gletscher „trainiert“. Ein Traum in Eis. Und ein riesiges Erlebnis. Natürlich war es kalt dort oben, so um die zwei Grad, aber die Spieler hatten sich auf die Kälte eingestellt und sich mit dicken Jacken (mit Kapuzen) präpariert. Das nur für diejenigen HSV-Fans, die nun gleich wieder eine Grippe-Welle auf die Profi-Truppe zurollen sehen. Keine Panik, aber wer sich Gedanken um die Gesundheit der Spieler machen möchte, der sollte es natürlich auch in volle Zügen tun – und genießen. Man gönnt sich ja sonst nichts. Übrigens, jetzt um 16.30 Uhr, gewittert es in Finkenberg, aber die Mannschaft ist längst wieder im Hotel.

Es war einfach nur herrlich, dort oben. 3250 Meter hoch. Die Zillertaler Touristik hatte für diesen Tag auf dem Gipfel, der mit Schnee und Eis bedeckt ist, einen kleinen Kunstrasenplatz aufgebaut. Ungefähr 40 mal 30 Meter, dazu zwei Tore. Da standen sich zwei HSV-Teams zu einem Show-Kick gegenüber, das Spielchen wurde sogar aus der Luft von einem Hubschrauber gefilmt – und soll am Abend schon im Internet (Zillertal Touristik) zu sehen sein. Es war eine Riesen-Gaudi. Michael Mancienne schoss in luftiger Höhe das erste HSV-Tor, das erste Kopfballtor steuerte Dennis Aogo nach Flanke (es war mehr ein Heber) von David Jarolim bei.

Fans hatten sich auf dem Gipfel ebenfalls eingefunden, es wurde lebhaft fotografiert – und gestaunt und gelacht. Den Gang an die Gletscherspalte sparte sich die Mannschaft aber, denn das Wetter war nicht gerade einladend. Trotzdem, ich muss es wiederholen – ein Traum. Auch Michael Oenning freute sich, er war in diesem Skigebiet vor vielen, vielen Jahren einst Ski-Lehrer und sagte: „Ich liebe die Berge.“ Ob der den Rummel, der dort oebn um die Truppe herum veranstaltet wurde, ebenfalls liebt, diese Frage blieb offen. Ich habe auf dem Gletscher aber keinen mosernden und meckernden Profi erlebt.

Und zudem gab es dort noch eine gute Nachricht für den HSV. Der Brasilianer Alex Silva ist endgültig verkauft. Endlich. Und Glückwunsch. „Wir sind zufrieden, wie das gelaufen ist, wir haben zwar kein Geld bekommen, aber wir sparen viel Geld“, sagte Sportchef Frank Arnesen.

Und nun für alle, die es nicht glauben wollen (und die damals bei der Vertragsunterzeichnung mit Silva dabei waren): Der HSV spart durch diesen Verkauf für die nächsten zwei Jahre die Wahnsinns-Summe von siebeneinhalb Millionen Euro. Das setzt sich wie folgt zusammen: Zweei Millionen Gehalt, zwei Millionen Rate, rund eine Million an den Berater Juan Figer. Und für die nächste Saison (bis Sommer 2013) noch einmal zweieinhalb Millionen. Das ist doch auch Geld, oder?

Natürlich hat sich der HSV einst mit dem Kauf von Silva verspekuliert, aber das kommt eben mal vor. Jetzt ist der Klub seinen Problemfall „von der Backe“. Und alle diejenigen, die nun schimpfen, meckern und pöbeln, die sollten sich daran erinnern, wer einst diesen Deal eingefädelt und über die Bühne gebracht hat. Und wer diese Zahlen noch immer nicht wahrhaben will, der sollte morgen (Donnerstag) Hamburger Zeitungen lesen – oder mich tatsächlich wegen Rufschädigung verklagen. Ich kann jedem versichern, dass es eine solche Klage niemals geben wird. Ist alles in trockenen Tüchern, besiegelt und (fast auch) notariell beglaubigt . . .

So, das Training auf dem Gletscher war en heute die einzigen körperlichen Aktivitäten der HSV-Profis. Ansonsten gab es einen Ruhetag im Zillertal. Aus gegebenem Anlass. Hier dazu mein Einstieg in die Geschichte, die ich bereits vor dem „Abstecher“ nach Hintertux geschrieben hatte. Und weil ich heute noch zum Grillabend der „Matz-abber“ in Hippach will, möchte ich ihn auch nicht mehr groß ändern. Es geht los:

In Hamburg sind die Nächte lang . . . Und im Zillertal auch. Der HSV hatte einen Mannschaftsabend, und der muss offenbar traumhaft gewesen sein. Ein Volltreffer! Zweck auf jeden Fall erfüllt. Und – ich habe die Spieler am
nächsten Tag gesehen – besser als jedes Training. Ganz, ganz sicher. Alle strahlten, einige konnten auch nur lächeln, und wenn einer gar nichts davon konnte, dann wirkte er auf jeden Fall voll zufrieden. Eines ist sicher: Eine so gute teambildende Maßnahme hat es beim HSV seit Jahr und Tag nicht mehr gegeben. Früher, so sagt ein Spieler, war ein solcher Abend spätestens um 21 Uhr oder um 21.30 Uhr beendet, diesmal ging es da erst richtig los. Alle zogen mit – und:
Hurra, die muffeligen Spieler, die einen solchen Abend mit schlechter Laune stets torpedierten, die sind zum Glück weg!

Schlechte Stimmung war gestern, beim HSV, so hat es den Anschein, wird es ab jetzt eine richtige Mannschaft geben. Mit allem was dazu gehört – vor allem Teamgeist. Wetten dass . . ?

Ich schrieb es bereits, die Stimmung ist prächtig, alle, Spieler und Funktionsteam, wirken – trotz des harten Trainings – gelöst, heiter, motiviert. Da kommt Freude auf. „Sie kommen jetzt alle aus dem Schneckenhaus“, sagt Kapitän Heiko Westermann. Vor allen die jungen Spieler sind jetzt mittendrin statt nur dabei. Dennis Aogo vermutet: „Der Altersunterschied war in der vergangenen Saison vielleicht doch zu groß.“

Es muss so (gewesen) sein. Und weil sich nun alle verstehen, weil nun ein jeder aufblüht, kann auch das eine oder andere Spiel gegen einen stärkeren Gegner gewonnen werden, weil jetzt tatsächlich eine echte HSV-Einheit auf dem Rasen stehen wird. Stand jetzt jedenfalls. Und das hier im Zillertal zu beobachten, das bringt so viel Spaß, wie mit der Zillertal Touristik auf den Hintertuxer Gletscher zu fahren.

Traumhaft!

PS: Einer jener Jungen, die nun ein ganz anderes Gesicht zeigen, ist Heung Min Son. Im vergangenen Jahr schoss er in der Vorbereitung neun Tore, dann verletzte er sich kurz vor dem Bundesliga-Start. Diesmal hat der Südkoreaner, der auf dem Gletscher fröhlich und ausgelassen tanzte, schon 14 Treffer auf seinem Konto. Son ist einfach nun super drauf. Er lacht viel, geht wie ein Lausbub durch den Alltag (und das Sporthotel Stock), er macht Scherze – und macht auf mich einen absolut topfitten Eindruck. Er scheint schlanker geworden zu sein, und es scheint mir so, als sei er auch noch ein wenig gewachsen.

Auf jeden Fall hat er sich im Sommer in der Heimat auf diese Saison sehr gut vorbereitet. Er sagt: „Die Rückrunde war sehr schlecht, das soll nicht noch einmal passieren, deswegen habe ich schon im Sommer viel Gas gegeben.“ Das sieht man. Nun sagt er in Sachen Toren: „Treffer in der Vorbereitung zählen nicht, nur Tore in der Bundesliga sind wichtig für mich. Der Titel Vorbereitungskönig bringt mir nichts, irgendwann möchte ich Torschützenkönig in der Bundesliga sein, das ist mein Ziel.“

Er sagt, es muss noch nicht in dieser Spielzeit sein – aber wer hätte als HSV-Fans schon jetzt etwas dagegen?

17.22 Uhr

Was der Sportchef zu Silva sagt

11. Juli 2011

Um noch einmal auf das leidige Thema Alex Silva zusprechen zu kommen. Es gibt hier im Blog ja einige Besserwisser, die anscheinend mit am Tisch saßen., als der Brasilianer verpflichtet wurde. Diese Leute wissen offenbar mehr – als der neue Sportchef. Mit Frank Arnesen sprachen wir heute in Hippach über den „Fall Silva“, und es bleibt für mich erschreckend, was dort zu Tage gefördert wurde. Arnesen erklärte: „Flamengo will den Spieler, aber nur zu 100 Prozent. Silva aber gehört zu 50 Prozent noch Juan Figer, und das macht die Sache komplizierter. Und der Berater will Geld, das ist professionell, das ist normal, damit müssen wir umgehen, das muss nun geklärt werden.“

Flamengo bietet zurzeit zweieinhalb Millionen – für 100 Prozent. Aber die kann der HSV den Brasilianern nicht verkaufen. Weil Figer zu 50 Prozent „mitmischt“. Und Arnesen hat den Schwarzen Peter in der Hand: „Ich muss nun probieren, den Verlust zu minimieren.“ Denn: Alex Silva ist vom HSV noch nicht restlos bezahlt. Arnesen: „Wir haben sehr viel in den Spieler investiert, leider ist es nicht aufgegangen. Jetzt muss ich versuchen, unseren Verlust so gering wie möglich zu machen. Der Spieler hat ein großes Gehalt . . .“

Frank Arnesen weiter: „Es geht nicht darum, Geld einzunehmen, sondern um Kosten zu verhindern. Aber das ist manchmal so im Fußball: Manchmal kauft man einen Spieler für wenig Geld, er schlägt ein und man kassiert beim Verkauf dann viele Millionen. Und manchmal kauft man einen Spieler für viel Geld, aber es klappt mit ihm nicht so, wie es sich alle erhofft haben.“ Und dann Arnesen im O-Ton weiter: „Dann muss man beißen in die saure Apfel . . .“ Wobei ich mich nicht über den Sportchef lächerlich machen will, aber ich fand es einfach nur lustig – das Ding mit dem sauren Apfel.

Erschwerend kommt hinzu: Alex Silvas Vertrag mit dem HSV läuft nicht nur bis 2012, sondern noch ein Jahr weiter. Fünf Millionen würde der HSV an Raten und Gehalt nur für die kommende Saison einsparen. Und noch eines: Wer jetzt noch mit irgendwelchen Bilanz-Tricks kommt, oder mit Berücksichtigung, Einbeziehung, Einkalkulioerung oder mit noch einem anderen steuerlichen Firlefanz, auch dem muss ich leider sagen: ist nicht. Das gibt es beim FC Bayern, auch noch in Wolfsburg und Leverkusen . . . Hamburg ist arm dran.

Und für alle Fantasten, die das, nachdem der Sportchef alles bestätigt hat, nicht wahrhaben wollen: Bitte beim HSV nachfragen.
Oder mich wegen einer Falschaussage vor Gericht zerren. Ich stehe dazu, es ist so.

Fazit von Frank Arnesen: „Der Vertrag mit Silva wurde vor drei Jahren geschlossen, und es war ein ganz normaler Vertrag. Alex Silva war und ist ein großer Spieler, und ein großer Spieler kostet viel Geld. In unserer jetzigen Situation aber tut uns das weh, es ist viel Geld für uns.“

Weil der HSV nach der Hoffmann-Ära kein Geld mehr in der Kasse hat. Auch das ist Tatsache. Die mir weh tut weil es ja um den HSV geht, aber die nun einmal unabänderlich ist.

So, nun genug zu Silva. Wie kommt Fran Arnesen, der beim FC Chelsea über Jahre aus dem Vollen schöpfen konnte, eigentlich mit den beschränkten Verhältnissen beim HSV klar? Er sagt: „Ich habe bewusst eine Entscheidung getroffen im Oktober, ich habe mich bewusst für den HSV und gegen Chelsea entschieden. Der HSV ist eine große Herausforderung für mich. Der HSV hat Tradition, hat alles gewonnen in der Vergangenheit, aber im Moment hat er vielleicht nicht die beste Phase. Das will ich mit Leidenschaft und meinen Ambitionen verändern, daran müssen wir arbeiten.“ Und? Wie arbeite es sich? Arnesen: „Ich bin jetzt sechs Wochen hier, und wir haben sehr gut begonnen, es gibt sehr gute Leute in diesem Verein. Nicht nur die Spieler. Jeder hier ist wichtig, angefangen bei jenen Leuten, die die Klamotten waschen – wir alle müssen gut zusammenarbeiten.“

Am Sonntag gab es in den Abendstunden eine Sitzung mit der Mannschaft und den sportlichen Führungspersonen. Arnesen: Da wurden auch jene Fragen behandelt, die uns jetzt beschäftigen: Was wollen wir? Was sehen wir für uns? Wir haben junge Spieler, sie wollen erfolgreich sein, sie haben Talent – und ich habe dabei ein gutes Gefühl.“ Michael Oenning sprach zur Mannschaft, Frank Arnesen auch. Der Sportchef lobte: „Michael hat sehr gut gesprochen, ich habe über meine Erfahrungen im Fußball gesprochen – wir haben uns über alles unterhalten. Über Respekt, über Ziele, über das Verhalten der Spieler.“ Speziell ging es darum, dass die Ersatzspieler nicht meckern, mosern oder sauer sind, sondern sich zur Mannschaft bekennen. Arnesen: „Die Spieler wurden darauf vorbereitet, dass ja nur elf am Anfang spielen können – wir haben aber 24 Spieler im Kader. Wir müssen alle Spieler bei Laune halten, wir müssen sie alle fit machen – aber die Spieler müssen auch dafür Verständnis aufbringen, dass eben nicht alle zum Einsatz kommen können. Trotz allem müssen wir alle zusammenhalten.“

Arnesen weiter: „Der HSV ist ein ganz großer Verein, alle Spieler müssen stolz sein, für den HSV spielen zu dürfen. Eine Fußballer-Karriere ist schnell vorbei, deswegen muss man jeden Tag genießen. Erst recht dann, wenn man für einen solchen Super-Verein spielen darf.“

Und im Moment ist es wohl auch so, dass sich jeder seines HSV-Lebens freut. Was Michael Oenning nur bestätigen kann: „Das erkennt man wohl auch von außen, dass die Stimmung bei uns gut ist. Das liegt sicher auch daran, dass wir zurzeit in der Findungsphase sind. Man freut sich aufeinander, man freut sich, dass es wieder losgeht. Das wird sich dann wohl Stück für Stück schwieriger, wenn klar wird, wie die erste Mannschaft aussehen soll. Trotzdem wird hier wohl der Grundstein für einen echten Mannschaftsgeist gelegt.“

Wie schön wäre es. Denn auf eine Mannschaft und auf einen Mannschaftsgeist musste der HSV in den letzten Jahren oft genug verzichten. Oenning: „Bei einem harten Training erleidet man die Dinge gemeinsam, das schweißt auch zusammen. Man kann in einem Trainingslager länger miteinander sprechen, auch Dinge außerhalb zu tun. Wir sind weg von unseren Familien, das ist jetzt im Grunde unsere eigene Familien, und die muss man natürlich auch in allen Facetten kennen lernen. Und mit dem jetzigen Stand bin ich auf jeden Fall sehr zufrieden.“

Kurz noch einmal zu einem anderen Thema. Neuland ist für Sportchef Frank Arnesen das erhöhte „Fan-Aufkommen“ im Zillertal, und besonders die Nähe zur Mannschaft. Der Sportchef: „Ich bin so etwas nicht gewöhnt, in den sieben Jahren England gab es das nicht. Da war das Training immer geschlossen. Aber in der Bundesliga ist das anders, auch beim HSV. Da sind die Journalisten auch mit im Mannschaftshotel, das kenne ich auch nicht, Aber ich habe nichts dagegen, denn wir haben ja nichts zu verbergen.“
Und zu den etwas alkoholisierten HSV-Fans? Arnesen nachsichtig: „Das war am Sonntag, da waren sie ein wenig ausgelassener als sonst – aber ich habe kein Problem damit.“

Und noch einen kurzen Abstecher zum Nachmittgas-Training: Da gab es Flanken von links und rechts – und ein Novum. Weil die „Linken“ gegen die „Rechten“ verloren hatten, schickte Trainer Oenning diese Truppe zu den am rande stehenden und sitzenden Fans. Die Spieler hatten die Aufgabe, und sie sagten es auch jedem Fan: „Wir möchten uns bei euch dafür entschuldigen, dass wir keine 20 Tore erzielt haben.“ Herrlich. Da kam Freunde auf. Besonders bei den Fans, die genossen ihren persönlichen Händedruck mit dem Spieler.

Gefeiert wurden bei dieser Übung übrigens Robert Tesche, David Jarolim und Gojko Kacar am meisten. Die Fans von „der Gegegnseite“ skandierten mehrfach: „Robert Tesche – Fußball-Gott.“ Weil er tatsächlich Super-Kopfbälle ins Tor brachte.
Nicht am Nachmittags-Training nahmen teil: Heiko Westermann, Änis Ben-Hatira, Mladen Petric, Jaroslav Drobny, Jeffrey Bruma und Tolgay Arslan.

So, das Test-Spiel am Dienstag, danach wurde ich einige Male gefragt, soll um 18.30 Uhr beginnen.

Zum Schluss noch eine andere Geschichte.

Eine von 11FREUNDE zusammengestellte Jury bewertete nun die Heim- und Auswärtstrikots aller 18 Bundesligisten der Saison 2011/12 nach dem Schulnotensystem. In der Jury: Peter Lohmeyer, Uli Borowka, Marten Laciny (Marteria), Arnd Zeigler und Philipp Köster. Außerdem wurden im Endresultat die Ergebnisse einer User-Umfrage auf 11freunde.de berücksichtigt.

FC Bayern München gewählt (Durchschnittsnote: 2,0). »Design zwar vom spanischen Trikot geklaut, trotzdem schlicht und geschmackvoll«, meint 11FREUNDE-Chefredakteur Philipp Köster zum Siegertrikot.

Als große Gewinner dürfen sich zudem Schalke 04 und der Hamburger SV fühlen. Beide Vereine landeten sowohl mit ihrem Heim- als auch mit ihrem Auswärtstrikot in den Top 5 des Rankings zur 11FREUNDE-Trikotwahl.
TV- & Radiomoderator Arnd Zeigler findet als Fan und Stadionsprecher von Werder Bremen anerkennende Worte für das Heimtrikot des HSV (Durchschnittsnote: 2,3): »Ähnliche Bündchen hat früher der AS St. Etienne gehabt. Als Bremer ist das gefährlich, aber: Ich mag das Trikot. Rein optisch. Nicht inhaltlich.« Philipp Köster erklärt das Hamburger Heimtrikot gar zu seinem Favoriten:, »Das smarteste Trikot dieser Saison. Kommt daher wie das Ausgehhemd eines englischen Elite-Internats.«.

Die Ergebnisse der 11FREUNDE-Trikotwahl in der Übersicht:

Platz 1:
FC Bayern München (Heim)
Durchschnittsnote: 2,0

Platz 2:
FC Schalke 04 (Heim)
Hamburger SV (Heim)
Hamburger SV (Auswärts)
Durchschnittsnote: 2,3

Platz 5:
FC Schalke 04 (Auswärts)
VfB Stuttgart (Heim)
Durchschnittsnote: 2,5

Platz 7:
Bayer 04 Leverkusen (Heim)
Durchschnittsnote: 2,7

Platz 8:
FSV Mainz 05 (Heim)
1. FC Nürnberg (Auswärts)
Hertha BSC (Heim)
Durchschnittsnote: 2,8

21.22 Uhr

Elia kommt (jetzt) ganz groß heraus

11. Juli 2011

Wetter gut, Stimmung gut, Training gut – alles gut. Alles gut? Nicht so wirklich. Eine kleine Hiobsbotschaft gibt es heute für alle diejenigen, die sich vom Verkauf des Brasilianers Alex Silva noch Millionen erhofften. Ihr müsst nun ganz tapfer sein, denn daraus wird leider nichts. Es geht im „Fall Silva“ lediglich um Schadenbegrenzung, denn: Der HSV müsste für den Abwehrspieler eigentlich noch runde fünf Millionen berappen, diese fünf Millionen sind immer noch offen, weil Ablösesummen ja heutzutage immer abgestottert werden.
So leid es mir tut, einigen wollen die Wahrheit nicht wissen, aber es ist so: Bis zum Ende der Saison müsste der HSV für das Gesamtpaket Silva noch einiges an Geld aufbringen. Sollte Silva verkauft werden können, so würde der HSV bis zum Ende der Saison 2011/12 fünf Millionen Euro an Raten und Gehalt einsparen. Da Flamengo Rio de Janeiro nur zweieinhalb Millionen bietet, ergibt das ein sattes Minus-Geschäft. Der (frühere Silva-)Berater Juan Figer hält 50 Prozent an Silva, würde also die Hälfte von zweieinhalb Millionen kassieren, doch der Brasilianer ist mit dieser Summe nicht einverstanden, er will mehr. Darüber wird zurzeit intensiv verhandelt.

So ist es, und nicht anders. Und das werde ich auch immer wieder so schreiben, obwohl mir nachgesagt wird, dass ich damit den HSV schädige. Es ist aber so wie es ist.

Der Vorteil eines Verkaufs wäre immerhin: Es müsste nicht weiter für Alex Silva bezahlt werden, man wäre ihn endgültig los. Kompliziert, enttäuschend und ernüchternd, aber so ist es nun einmal. Jetzt gilt die ganze Hoffnung des HSV und seiner Fans noch Guy Demel. Sollte er noch ein wenig gewinnbringend verkauft werden, so käme immerhin auf diesem Weg Geld in die leere Kasse. Kein Geld gibt es nämlich schon im Fall Mickael Tavares, der am Mittwoch beim französischen Zweitliga-Klub FCO Dijon ein Probetraining absolvieren wird. Der HSV ließe Tavares ablösefrei gehen, nur um auch ihn endgültig los zu werden.

Ansonsten aber wirklich alles prima. Auch wenn einige HSV-Spieler am Vormittag nur im Hotel trainieren konnten. Mladen Petric, Heiko Westermann und Jeffrey Bruma ackerten im Kraftraum, Änis Ben-Hatira hütete mit einer Magen-und-Darm-Grippe bis zum Mittagessen das Bett, und Tolgay Arslan hat noch immer Schmerzen im Knöchel, das schwere Wolfsburger Foul beim Spiel in Flensburg ist schuld daran.

Ansonsten dann aber wirklich alles top. Die Mannschaft trainiert hart und sehr gut, und wenn es um ein kleines Spielchen geht, dann sind wirklich alle mit Feuereifer bei der Sache. Am Vormittag glänzten dabei vor allen Dingen Heung Min Son, Gökhan Töre und Eljero Elia. Besonders Son hat es den vielen mitgereisten HSV-Fans angetan, er ist schon jetzt der neue Publikumsliebling – und wird nach jeder gelungenen Aktion begeistert gefeiert. Da wächst etwas zusammen, was auch zusammen gehört. Wenn nicht alles täuscht, dann, so denke ich, wird das die Saison von Son.

Und auch die von Eljero Elia. Der Niederländer wirkt in diesen Tagen wie ausgewechselt. Und er sagt über sich: „Ich bin sehr glücklich, jetzt wieder hier zu sein, zurück zu sein, wir haben eine sehr junge Mannschaft und die Talente blicken zu den Spielern, die schon ein bisschen mehr erlebt haben, auf. Wir müssen die jungen Spieler unterstützen, müssen ihnen helfen, ich gehöre zu jenen Leuten, die innerhalb des Teams die Dinge am Laufen halten, das ist meine Aufgabe.“ Das sagt der immerhin erst 24-jährige Elia. Er will und wird ganz offenbar in Zukunft mehr Verantwortung übernehmen.

Elia sagt auch: „Viele junge Talente haben eine sehr gute Qualität, wir aber müssen darauf achten, dass sie nicht nur an sich, sondern vor allen Dingen an die Mannschaft denken.“ Das sind sehr schöne und sehr kluge Sätze, dass Eljero Elia sie sagt, ist überraschend, freut mich aber sehr. Schon allein deswegen ist in der kommenden Spielzeit viel von ihm zu erwarten. Er sagt über sich: „Der Trainer spricht viel mit mir, Frank Arnesen spricht viel mit mir, sie sind immer für mich da, auch außerhalb des Platzes, was für mich sehr wichtig ist. Für mich ist es sehr wichtig, wenn ich das Vertrauen des Trainers spüre, und das spüre ich bei Michael Oenning, er hört mir auch immer zu.“ Der Niederländer sagt auch: „ Ich weiß was ich kann, und wenn ich frei bin im Kopf, dann wird alles gehen bei mir, dann hat jeder Gegner Angst vor mir – und ich bin jetzt sehr frei im Kopf.“

Kein Wort mehr davon, dass er den Verein verlassen will, dass er zu einem der großen Klubs in Europa wechseln möchte. Elia zu diesem Thema: „Ich habe nie gesagt, dass ich den HSV verlassen will, ich habe immer gesagt, dass ich zu 100 Prozent beim HSV bin, ich habe noch drei Jahre Vertrag hier. Und ich werde erst dann gehen, wenn der Verein zu mir kommt und sagt, dass er mich verkaufen will.“ Oder doch eher muss? Elia weiter: „Mir gefällt der Verein, mir gefällt Hamburg, hier fühle ich mich wohl. Obwohl ich hier auch harte Zeiten hatte. Die Spiele, bei denen ich nur auf der Tribüne saß, die haben mir weh getan, aber auch daraus habe ich meine Lehren gezogen.“

Dann sagte der „kleine Flügelflitzer“ noch ergänzend: „Aber so ist das im Fußball. Heute bis du Michael Jackson, morgen bis du . . .“ Er suchte ein, zwei Sekunden nach einem anderen Prominenten, und mein Kollege Matthias Linnenbrügger (Die Welt) sprang helfend ein: „ . . . Roy Black.“ Elia sagte: „Ja.“ Und zu dem Saisonziel gefragt, antwortete Eljero Elia: „Wenn wir richtig hart arbeiten, dann können wir viel erreichen.“ Und der HSV arbeitet richtig hart. Mag er das? Elia: „Nein, das ist nichts für mich, aber in Deutschland braucht man das. Da musst du viel arbeiten, da musst du 90 Minuten laufen, sogar 95 Minuten, und wenn du nicht läufst, dann verliert deine Mannschaft das Spiel. Deswegen muss das harte Training sein.“

Zwei Jahre lang hatte Elia es ja auch nicht so gerne (um es einmal vorsichtig zu formulieren), wenn er rechts spielen musste – jetzt sagt er: „Das ist für mich jetzt kein Problem mehr. Ich will spielen, immer spielen, und mit meinen Qualitäten ist es egal, ob ich über links oder rechts komme – ich muss spielen.“ Und immer dann, wenn er hier im Zillertal spielt, dann sprüht er vor Spaß und Spiellust. Und er sagt: „Ich habe jetzt die Kraft dafür, so zu spielen, und wir trainieren ja noch einige Wochen bis zum Bundesliga-Start – das wird noch besser.“

Traumhaft. Wäre das.

Und der, der vor allem dabei helfen kann (und es auch macht), das ist Michael Oenning. Der Trainer hat ganz offensichtlich erkannt, wie er Eljero Elia zu nehmen hat, um die beste Leistung aus ihm herauszukitzeln. Oenning über (das frühere?) HSV-Sorgenkind: „Er fühlt sich wohl. Und wir beschäftigen uns ja auch alle mit ihm. Und ich glaube, das es ihm ganz wichtig ist, dass er nun endlich mal in Hamburg zeigt, was für ein außergewöhnlicher Fußballer er sein kann. Und ich werde ihn dabei unterstützen, und dann hoffe ich, dass er uns viel zurückgeben wird. Das, was er im Moment hier macht, das ist gut, Eljero ist im Moment auf einem sehr guten Weg.“

Michael Oenning spricht viel mit ihm, baut ihn auf diese Art auf. Der HSV-Coach: „Er ist jemand, der eine sehr direkte Ansprache braucht, er braucht auch ein wenig Fürsorge, und er braucht das Gefühl, dass er immer dabei ist. Und wenn ich ihm dieses Gefühl geben kann, und das will ich auch, ich muss da nicht schauspielern, er öffnet sich mir gegenüber auch, dann ist es gut, dann wird es gut. Wenn wir es schaffen, dieses Vertrauensverhältnis zu schaffen, und wir sind da auf dem besten Weg, dann sind wir auch auf dem für ihn besten Weg. Er ist niemand, der mit Druck oder mit Liebesentzug gut umgehen kann.“

Ähnlich optimistisch sieht es der Sportchef. Frank Arnesen über Elia: „Die vielen jungen Spieler müssen vor allen Dingen ein gutes Umfeld haben, und ich will gewiss nichts Schlechtes über den HSV in den letzten zwei Jahren sagen, aber meine Informationen, die ich aus der Kabine gehört habe, die ich im Umfeld der Mannschaft vernahm, die waren die, dass es junge Spieler hier nicht gerade leicht hatten. Elia ist kreativ, er kann explodieren, das ist sein Charakter, und den darf man ihm nicht wegnehmen. Er läuft viel, er macht viel für die Mannschaft – und ich möchte, dass er so bleibt.“

Arnesen dann weiter: „Ich sehe, dass Elia sich im Moment sehr wohl fühlt, das trifft auch auf alle Spieler zu, aber für mich ist das nur ein Anfang. Wenn die Liga läuft, dann werden wir sicher auch Spiele verlieren, und dann muss sich zeigen, wie stark unsere Mannschaft ist.“ Mit Eljero Elia als Führungspersönlichkeit.

So, wieder nicht ganz geschafft. Es folgt auch heute noch ein zweiter Teil, jetzt muss ich zum zweiten Training – die Mannschaft ist schon unterwegs. Wobei ich noch kurz anmerken will (für die, die es noch nicht wissen): Der HSV wird auch in den nächsten zwei Jahren im Zillertal ein Trainingslager haben, das wurde vertraglich schon lange besiegelt – der Klub erhält dafür eine Summe von 750 000 Euro. Das ist ja auch Geld. Und dafür kann man schon mal die eine oder andere Busfahrt verkraften, oder?

Im zweiten Teil (nachher) geht es vor allen Dingen mit Frank Arnesen weiter, der die komplizierte Lage um Alex Silva aufklärt. Und der über einen „teambildenden“ Abend berichtete, den der HSV von Sonntag auf Montag hatte. Auch in dieser Beziehung nämlich scheint etwas zusammenzuwachsen, was zwar zusammengehört, aber in den letzten Jahren nie wirklich zusammengehörte. Aber: Es tut sich was!!!!

Also, bis dann. Jetzt ist die Mannschaft schon zehn Minuten vor mir los . . .

16.44 Uhr

Bruma mag die deutsche Disziplin

10. Juli 2011

Joe Cole soll zum HSV kommen. Habe ich hier in Österreich im Videotext gelesen. Und im Videotext stand auch, dass Cole beim FC Liverpool 100 000 Euro pro Woche verdient. Nur. Zum Glück ist das nicht eine Null mehr am Ende, denn eine Million pro Woche kann der HSV sicher nicht zahlen. 100 000 pro Woche schon. Oder? Wenn ja, dann könnte aber der zusätzlich geplante Transfer von Rafael van der Vaart doch noch scheitern . . . Nein, nein, liebe Freunde des HSV, bitte, bitte, bitte, werdet eines Tages doch zu Realisten. Es wird keinen Cole geben, keine van der Vaart zurück, und keinen anderen Weltstar. Die bittere Realität sieht anders aus: Die Kassen sind leer. Und wer das immer noch nicht begreift, wer das immer noch nicht wahrhaben will, der ist ein Träumer.

Aber 100 000 Euro die Woche sind ja jetzt auch nicht das Thema. Das ist dann doch eher das Trainingslager im Zillertal. „Ihr müsst laufen, wir könn’ saufen!“ So das Motto einiger HSV-Fans, die dieses Motto lauthals während der zweiten Einheit verkündeten. Und zwar immer dann, wenn die Spieler an ihnen vorbei laufen mussten. Das ist doch mal eine moralische Unterstützung, die sich hören lassen kann. Obwohl ein ranghoher HSVer heute hinter der vorgehaltenen Hand sagte: „Das ist sicher keine gute Werbung für den HSV.“

Aber genug zu diesem Thema. Es wurde am Nachmittag nämlich auch gejubelt. Bei den Torschussübungen. Da wurden beispielsweise Mladen Petric und David Jarolim gefeiert, wenn sie ins Tor trafen. Der Mann aber, der vor allem im Blickpunkt stand, war Heung Min Son. Wenn der Südkoreaner traf, und er traf nicht selten gegen Tom Mickel und Wolfgang Hesl (der viele gute Paraden zeigte!), dann flippte das Publikum aus – und auch Son. Er jubelte stets so, als hätte er soeben in der 89. Minute zum 2:1 gegen Bayern München getroffen. Herrlich. Und super diese Stimmung. Die Spieler müssen einiges tun, aber es mosert keiner, es lässt sich keiner hängen. Und ich kann es nur noch einmal sagen: Michael Mancienne, der im Training im Volkspark eher einen lauen Eindruck hinterlassen hat (auf mich), der zeigt sich hier ebenfalls sehr engagiert. Konnte doch auch nicht sein, dass er so einen Vertrag beim FC Chelsea erhalten hätte . . . Es war wohl das harte Training, das ihm so zugesetzt hat – und nun hat er sich (wohl) daran gewöhnt.

Beim zweiten Training in Hippach fehlte Jaroslav Drobny (Rippenprellung), zudem liefen Marcell Jansen und Änis Ben-Hatira nur einige Runden. Es fehlte auch Jeffrey Bruma, der unter einer Achillessehnenreizung leidet. Mit dem niederländischen Nationalspieler sprachen wir heute, er konnte in Ingolstadt, ich schreibe es gerne auch noch ein drittes Mal, auf Anhieb überzeugen. Und der 19-jährige Abwehrspieler war mit seiner Leiszung auch ganz zufrieden: „Die erste Halbzeit war gut, in der zweiten Halbzeit wurden einige Spieler aufgrund des harten Trainings dann müde. Wir sahen bei den beiden Gegentoren nicht gut aus, daran müssen wir arbeiten.“

Wobei es ja nicht nur die beiden FC-Tore waren, denn der Zweitliga-Klub hatte ja durchaus die eine oder andere große Möglichkeit mehr. Bruma hatte erstmalig beim HSV mit seinem ehemaligen Chelsea-Teamkollegen Mancienne in der Innenverteidigung gespielt. Kommentar von Trainer Michael Oenning: „Beide begannen ein wenig nervös, aber fingen sich nach den ersten gelungenen Aktionen. Das konnte sich durchaus sehenlassen.“

Bruma spricht schon ganz gut Deutsch. Er hat es einst in der Schule gelernt. Er staunt im Moment über das harte Training beim HSV: „Das kenne ich nicht, dass man dreimal am Tag trainiert. Aber es ist gut, wir werden dadurch sicher sehr fit.“ Und er sagt: „In Deutschland wird viel Wert auf Disziplin gelegt, das kenne ich in dieser strikten Form auch nicht. In England musste niemand bezahlen, wenn er mal fünf Minuten zu spät kam. Ich finde es aber durchaus gut, diese Disziplin.“

Von meinen Kollegen wurde Bruma in Ingolstadt mit dem früheren HSVer Khalid Boulahrouz verglichen, seinem Landsmann, einige Fans sahen in Bruma aber auch einen „neuen Jerome Boateng“.

Den HSV hat Bruma in der vergangenen Saison mehrfach gesehen – als er wusste, dass er nach Hamburg wechseln könnte. „Die Bundesliga ist stark, es wird viel gelaufen“, sagt der WM-Teilnehmer von 2010 und ergänzt: „Ich will mir einen Stammplatz beim HSV erkämpfen, um mich weiter für die Nationalmannschaft zu empfehlen.“

Das wird ihm, die Leistung in Ingolstadt zum Maßstab genommen, wohl auch erreichen. Er spielt für sein Alter schon unglaublich abgeklärt, souverän und mit einem guten Blick für die Situation. Und er macht körperlich schon einen kräftigen Eindruck, Bruma ist kein Typ, der sich die Butter vom Brot nehmen lässt.

Aber genau deswegen hat ihn Frank Arnesen wohl auch zum HSV geholt. Der Sportchef ist mit ins Trainingslager gekommen, hatte ja zuletzt in Brasilien versucht, den Noch-HSVer Alex Silva zu verkaufen. Was noch immer nicht gelungen ist: „Ich bin noch müde von diesem Trip, wir haben viel geredet, aber es ist sehr kompliziert, Silva zu verkaufen.“ Weil vier Parteien mitreden wollen. Zwei Berater, dazu der Klub Flamengo und der HSV. Arnesen: „Das braucht noch seine Zeit, aber alle wissen, dass wir etwas tun müssen, denn am 22. Juli schließt das Transferfenster in Brasilien.“ Bis dahin muss also eine Entscheidung gefallen sein.

Noch kein Angebot gibt es für Guy Demel, der zurzeit bei der HSV-Regionalliga-Mannschaft trainieren muss. Ob Ciljan Skjelbred noch während des Sommers zum HSV kommen wird, hängt allein von Rosenborg Trondheim ab. Arnesen: „Rosenborg hat zehn Spiele im Juli, darunter die Champions-League-Qualifikation, deshalb wird er kaum vor August zu uns stoßen können. Skjelberg selbst will so schnell nach Hamburg kommen, er freut sich auf Hamburg, hat Lust, für den HSV zu spielen – und genau solche Spieler wollen wir ja. Spieler, die Lust haben für den HSV zu spielen.“

In Kontakt steht Arnesen, steht auch Michael Oenning mit den beiden Spielern, die an der Copa America teilnehmen. Paolo Guerrero ist einer der großen Stars bisher, weil er für Peru schon zwei Tore schoss, die drei Punkte bedeuteten. Und auch Tomas Rincon hat bislang viele gute, sogar überragende Kritiken erhalten. Vielleicht schafft er ja auch in dieser Saison den Durchbruch. Beim HSV natürlich. Schön wäre es ja.

So, zum Schluss noch einmal einen Blick zurück: Der 37-jährige Ze Roberto wollte ja gerne einen Zwei-Jahres-Vertrag (vom HSV, von anderen Klubs), jetzt hat er ihn. Der „große Ze“ wechselt nach Katar, spielt künftig für den Weltklub Al-Gharafa. Zwei Jahre. Mindestens.

Gute Nacht aus dem Zillertal

20.01 Uhr

1:5 gegen Wolfsburg – Arnesen vor Schwerstarbeit

3. Juli 2011

Frank Arnesen war müde. Nach einer langen Nacht, die in der Imtech-Arena mit dem Box-Kampf Klitschos gegen David Haye seinen Höhepunkt fand, hatte der 54-Jährige nur wenig Schlaf gefunden. „Ich war ein wenig enttäuscht von Haye“, fand Arnesen, „denn Wladimir hat den Kampf von Anfang bis Ende kontrolliert. Aber für mich als Box-Fan war das dennoch eine begeisternde Erfahrung, sowas in unserem Stadion mitzuerleben.“ Dass er dadurch erst um 1.30 Uhr ins Bett kam und sich schon am heutigen Morgen wieder um das Tagesgeschäft kümmern musste – für Arnesen normal. „Viel Schlaf bekomme ich im Moment eh nicht.“

Top des Tages war für den dänischen HSV-Sportchef heute Jonathan Pitroipa, der um 16 Uhr gen Frankreich geflogen ist, um sich dort bei seinem potenziell neuen Arbeitgeber Stade Rennes vorzustellen. Arnesen: „Er bleibt auch am Montag noch dort, um sich alles anzusehen und letzte Details zu klären.“ Zwischen dem HSV und den Franzosen ist die Ablösesumme (3,5 Millionen Euro) geklärt, einzig um etwaige Leistungsprämien wird noch verhandelt. Dennoch gibt sich Arnesen optimistisch. „Wir haben lange mit Rennes gesprochen, uns vorher auch mit Pit intensiv unterhalten.“ Ergebnis sei gewesen, dass der HSV den Burkinaben abgeben wolle, Pitroipa selbst gehen will und Rennes großes Interesse hat. „In den nächsten zwei bis drei Tagen werden wir ein endgültiges Ergebnis haben“, kündigt Arnesen an.

Etwas weiter davon entfernt ist Arnesen bei Guy Demel („Aus England kommt das bisher beste Angebot“) sowie mit Alex Silva. Der Brasilianer hat noch immer keinen neuen Verein gefunden, der bereit ist, die kolportierten vier bis fünf Millionen Euro Ablösesumme für den Innenverteidiger zu zahlen. „Ich werde voraussichtlich am Dienstag nach Brasilien fliegen und mich dort mit Silva sowie seinem Berater Juan Figer treffen“, sagt Arnesen, der weiter einen Verkauf des 25-jährigen Innenverteidigers priorisiert.

Lieber gestern statt morgen würde Arnesen den Vertrag mit Mladen Petric verlängern. Und geht es nach dem Dänen, so dürfen die HSV-Fans sich berechtigte Hoffnungen auf einen Verbleib des Torjägers machen. „Ich habe mich vor drei Tagen mit Mladens Berater Volker Struth getroffen und ein sehr, sehr gutes Gespräch geführt. Ich bin optimistisch, dass wir weiterkommen. Mladen will noch ein paar Tage nachdenken, aber auch er war sehr positiv. Alles geht in eine sehr gute Richtung, ich bin sehr zufrieden“, sagt Arnesen. Petric wurde dabei eine absolute Führungsrolle in Aussicht gestellt, zudem geht der HSV finanziell bis an seine Grenzen. „Mladen ist ein großer Spieler, da müssen wir an unser Limit gehen“, sagt Arnesen, der sich in den nächsten Tagen auch um den noch immer gesuchten offensiven Mittelfeldspieler kümmern will und wird. „Wir haben einige Kandidaten und sind mit dem Topkandidaten schon weit“, frohlockt der Däne, der ein Ergebnis in den nächsten sieben Tagen für wahrscheinlich hält. Arnesen weiter: „Der Spieler will zu uns, der Verein kann sich vorstellen, ihn abzugeben. Aber endgültig geklärt ist der Deal noch nicht. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir in den nächsten sieben Tagen eine Entscheidung haben.“

Entschieden ist dagegen das Spiel gegen Wolfsburg. Klar mit 1:5 sind die Oenning-Mannen vor offiziell 4600 Zuschauern (Freikarten führten zu einem deutlich besser gefüllten Flensburg-08-Stadion) unter die Räder gekommen. Wobei es zur Halbzeit noch 1:1 stand und auch nicht annähernd so deutlich war, wie man es anhand der Aufstellung vor der Partie hätte vermuten können. Ohne acht potenzielle Stammspieler hatte der HSV „nach einer anstrengenden Trainingswoche“ (Oenning) in den zweiten 45 Minuten nichts mehr entgegenzusetzen. Heung Min Son hatte den HSV in der achten Minute in Führung geschossen, Lakic hatte in der 15. Minute ausgeglichen. Scheidhauer (46.), Mandzukic und zweimal Tuncay Sanli (74., 85.) trafen in der zweiten Hälfte für die Niedersachsen.

Und während zumindest die Offensive in Ansätzen mit schnellem Spiel in die Spitze zu gefallen wusste, schwamm die Defensive immer wieder. Diekmeier, der heute schwache Westermann, ein mit zunehmender Spieldauer immer überforderterer Sternberg und Jansen auf links bekamen die Wölfe nur schwer in Griff. Zudem griff das 4-3-3-System mit Jarolim und Besic nicht. Im Gegenteil, gerade der sehr bemühte Besic brachte die eigene Abwehr mit Fehlpässen immer wieder in Bedrängnis. „Das Ergebnis ist für mich Nebensache“, maß Oenning der Niederlage nicht zu viel Wert bei.

Dennoch sah auch Oenning, dass die Mannschaft so noch nicht bundesligatauglich ist. „Für uns dürfte die Bundesliga morgen noch nicht beginnen“, so der HSV-Coach, „diese Niederlage war für unsere jungen Spieler eine direkte Rückmeldung.“ Womit insbesondere Sternberg, Ben-Hatira, die eingewechselten Ingreso, Nagy und Töre gemeint sein dürften. Letztgenannter war noch vor dem Spiel von Arnesen persönlich in Schutz genommen worden, nachdem er im Trainingslager mit der einen oder anderen Diva-Phase für Aufsehen gesorgt hatte. „Töre ist ein Türke und hat rote Haare – das sagt doch schon, dass er spezial ist“, sagt Arnesen, „er muss sich ganz sicher erst einmal gewöhnen, sich mit seinem neuen Umfeld anfreunden. Klar ist, dass wir ihn führen müssen, dass er unsere Hilfe und die der erfahreneren Spieler braucht. Aber er ist ein super Typ, der außergewöhnliches Talent hat. Und das dürfen wir ihm nicht nehmen.“ Nun gut, es ist erst eine Woche absolviert, zu früh um den Stab über Töre zu brechen.

Im Spiel heute konnte der Deutsch-Türke allerdings nichts bewirken. Im 4-3-3-System ab der 55. Minute für den heute sehr offensiven Kacar eingewechselt, versuchte sich Töre zuerst auf der Zehn, anschließend als Son-Ersatz in der Spitze. Alles ohne Torschussvorlage geschweigen denn einen eigenen Abschluss.

Allerdings reihte sich Töre damit nur in eine sehr passive, ideen- und teilweise kraftlos wirkende Vorstellung seiner neuen Mannschaft ein. „Man hat erkannt, dass wir noch lange nicht auf Niveau sind“, resümierte Oenning, „wir gehen momentan auf der Felge.“ Deshalb soll die Mannschaft am Montag und Dienstag frei bekommen, um zu regenerieren. Und für den einen oder anderen Nachwuchsspieler dürfte die Zeit wichtig sein, um neue Eindrücke und Erfahrungen zu verarbeiten. „Unsere Mannschaft war heute sehr jung und unerfahren“, nahm Oenning sein Team am Ende ein wenig in Schutz. Viel mehr geärgert habe ihn die zweifellos überharte Gangart der Wolfsburger beim Sparda-Cup. Insbesondere das üble und allemal rotwürdige Foul von Dejagah gegen den besten HSVer, Tolgay Arslan, sorgte überall für Unverständnis. Und da sich auch Westermann (Tritt in die Wade) sowie Son (Schlag aufs Schienbein) verletzten, hatte die hohe Niederlage einen noch bittereren Beigeschmack. „Bislang waren wir unfallfrei durch die Woche gekommen“, so Oenning, „deshalb sind diese unnötigen Verletzungen, die alle nach Foulspielen zustande kamen, umso ärgerlicher.“

Insgesamt ein ärgerlicher Ausklang einer bis dahin sehr intensiven Trainingswoche für den HSV, die ob der fehlenden Spieler (Petric, Guerrero sowie den noch nicht eingesetzten Elia, Aogo, Bruma, Mancienne, Tesche und Sala (Muskelbeschwerden) noch nicht allzu viel Aussagekraft hat. Denn klar ist, zumindest wenn man den Worten Arnesens glauben darf, dass die Mannschaft spätestens zum Trainingslager im Zillertal in der kommenden Woche (9. Bis 16. Juli) ein anderes Gesicht haben dürfte.

In diesem Sinne, es geht weiter.

HSV gegen Wolfsburg: Drobny – Diekmeier, Westermann (70. Nagy), Sternberg, Jansen – Besic, Kacar (55. Töre), Jarolim – Ben-Hatira, Son (81. Ingreso) Arslan (78. Bertram).

Scholle

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