Archiv für das Tag 'Shaqiri'

Beister kämpft für sein Comeback: “Ich bin voll im Plan!”

28. Dezember 2014

Nun ja, jeden Tag neue Namen. So hatten wir es erwartet, so ist es in fast jeder Transferphase. Ich weiß nicht, wie es Euch dieses Jahr geht, aber gibt es in dieser Winterwechselperiode nicht tatsächlich mehr heiße Gerüchte als normalerweise? Xherdan Shaqiri zu Juventus Turin? Poldi zu Inter? Paulinho zur Hertha? Und zuletzt Hatem Ben Arfa zum HSV – obwohl, Pustekuchen. Da war der Spielerberater schneller als die Vereine. Zumindest hat der HSV den Transfer abgelehnt, noch bevor es zum ersten Treffen kam. Angeblich, weil der exzentrische, eigenwillige französische Nationalspieler schon charakterlich nicht ins HSV-Konstrukt passe. Stattdessen taucht heute der Name Paul-José M’Poku Ebunge auf. Der in Kinshasa geborene Linksaußen steht bei Standard Lüttich noch bis Saisonende unter Vertrag. Allein, dass der HSV tatsächlich – wie in Belgien berichtet – Interesse hat, ist bislang nicht bestätigt.

Zudem ist Marcell Jansen (noch) nicht einmal weg. Der Linksfuß will sich erst kurz nach Jahreswechsel mit seinem Berater Gerd vom Bruch beraten und dabei über das Interesse aus Portugal sprechen. Klar scheint, dass Benfica Lissabon den deutschen Nationalspieler per sofort verpflichten will und der HSV bereits wäre, Jansen für eine geringe Ablösesumme ziehen zu lassen. Auch, um Platz im Kader zu schaffen – quantitativ, aber vor allem etattechnisch. Einzig Jansen selbst scheint noch nicht hundertprozentig überzeigt von seinem Wechsel zum Champions-League-Teilnehmer.

Als Einsparung herhalten könnte auch Slobodan Rajkovic, sagt man. Ebenso wie Ivo Ilicevic, an dem sein Exklub Kaiserslautern Interesse signalisiert haben soll. Beim HSV besteht weiterhin der Wunsch, den im Gehalt mit knapp zwei Millionen Euro per annum teuren und dagegen selten auf dem Platz zu findenden Kroaten abzugeben. Zumindest hat Zinnbauer intern klargemacht, den verletzungsanfälligen Rechtsfuß nicht weiter einzuplanen, weil ihm bei dem 28-Jährigen die Zuverlässigkeit fehlen würde. „Wenn es immer wieder mal beim Spieler zwickt, dann überlegt man natürlich als Trainer“, hatte Zinnbauer unlängst gesagt. Dennoch, Ilicevic selbst scheint nicht wechseln zu wollen. Es sei denn, der HSV gleicht das Minus an Gehaltszahlung beim FCK aus…

M’Poku wäre vielleicht diesbezüglich vielleicht ein guter und gehaltstechnisch günstigerer Ersatz. Allerdings sehe ich den Ersatz eher in den eigenen Reihen: Maximilian Beister. Der Offensivmann ist nach seinem Kreuzbandriss vor einem Jahr und der Meniskus-Operation im September auf bestem Wege zurück in den Kader. Vor der Winterpause konnte er bereits voll mittrainieren. „Da waren auch ordentliche Zweikämpfe dabei“, freut sich der Jung-Unternehmer („Snax-Cup“) über die voranschreitende Genesung.

Nutzt die Winterpause, um nach knapp einem Jahr Pause in der Vorbereitung   wieder voll durchzustarten: Maximilian Beister

Nutzt die Winterpause, um nach knapp einem Jahr Pause in der Vorbereitung wieder voll durchzustarten: Maximilian Beister

Allein sein Kopf macht noch nicht so mit, wie er sollte. „Der Respekt vor einer erneuten Verletzung ist noch nicht ganz gewichen, was die Sache am schwierigsten macht, ehrlich gesagt. Denn es gibt tatsächlich nichts schwierigeres, als den eigenen Instinkt zu überlisten.“ Umso trauriger ist Beister über die Winterpause. Er hätte gern mit der Mannschaft durchtrainiert, um seinem Comeback auf dem Spielfeld näherzukommen.

Bis zum 5. Januar, zum offiziellen Trainingsauftakt an der Imtech-Arena, muss sich Beister nun noch gedulden, was ihm hör- und sichtbar schwerfällt. „Für mich kam die Pause denkbar ungelegen“, so Beister, der seine Ungeduld mit täglichem Aufbautraining im Athleticum des UKE zu, wo er Tag für Tag hart mit den HSV-Physios für seine Rückkehr schuftet, zu kompensieren versucht. „Ich bin laut medizinischer Abteilung voll im Plan und muss irgendwie versuchen, die Pause gut rumzukriegen, um am 5. Januar voll fit einzusteigen.“ Was er für den Kopf macht? „Nichts. Ich glaube, da gibt es auch nichts, was man sich antrainieren kann. Ich muss einfach wieder auf den Platz in die Zweikämpfe kommen und dabei spüren, dass alles hält. Ich muss meinem Körper wieder vertrauen können, dann kommt der Rest von allein.“ Klingt logisch.

Bis dahin wird es beim HSV, davon bin ich fest überzeugt, noch etliche potenzielle Zu- und Abgänge geben, die diskutiert werden. Grundsätzlich könnte man wahrscheinlich fast alle Spieler des HSV nennen. Denn der neue Direktor Sport, Peter Knäbel, steht vor der gleichen schwierigen Aufgabe wie seine Vorgänger im vergangenen Winter und den Wintern davor: Der HSV MUSS verkaufen, um an anderer Stelle nachbessern zu können. „Wir wären auch ohne Verkäufe in der Lage, uns zu verstärken“, sagte Knäbel unmittelbar vor der Winterpause, ergänzte aber sofort: „Allerdings ist das nicht unser Ziel. Wir wollen unseren Kader sukzessive optimieren. Auch dann, wenn wir dafür kleine Schritte nach und nach gehen müssen.“

Und das müssen sie. Sie machen es dem Vernehmen nach auch. Zunächst werden die Verträge der Youngster (A. Arslan und Marcos sind bereits verlängert, Götz und Gouaida sollen in Kürze folgen) über das Saisonende hinaus verlängert werden. Zudem werden talentierte Profis beobachtet und angesprochen. Ganz sicher noch deutlich mehr als bisher genannt wurden. Aber der HSV muss seine Netze auch sehr weit auswerfen, um am Ende mit seinen bescheidenen finanziellen Möglichkeiten überhaupt Ertrag zu haben. Womit auch schnell erklärt ist, weshalb der HSV trotz seines aktuellen Überangebotes in der Verteidigung sowie der bevorstehenden Rückkehr von Jonathan Tah Innenverteidiger Kevin Akpoguma auf dem Zettel haben soll. Der 19-Jährige steht noch bis 2017 bei der TSG Hoffenheim unter Vertrag, woher ihn Bernhard Peters kennt – und offenbar empfehlen kann.

Ok, normalerweise sollte die Verpflichtung eines Innenverteidigers in meinen Augen auch keine Priorität haben, wenn man sich die Liste der Baustellen im HSV-Kader von oben nach unten durchsieht. Aber durch das Interesse des HSV ist zumindest deutlich, dass die Verantwortlichen auch die Defensive für die neue Saison umplanen wollen. Obwohl momentan einzig die Abwehr zufriedenstellend agiert. Bedenkt man aber, dass alle Beteiligten die Rückkehr von Tah als festen Bestandteil der Kaderplanung für die kommende Saison sehen, Johan Djourou gerade erst fest verpflichtet wurde, zudem Cléber Reis frisch eingekauft wurde und der Vertrag mit Heiko Westermann in den nächsten Wochen verlängert werden soll, scheint die Zeit von Gojko Kacar als auch Slobodan Rajkovic im HSV-Dress über den Sommer hinaus immer unwahrscheinlicher – wenn nicht gar ausgeschlossen. Und das ist einerseits logisch, andererseits auch sehr schade, da beide als Prototypen in Sachen gute Einstellung gelten.

In diesem Sinne, heute gab und gibt es definitiv keine Transfers mehr zu vermelden. Ich werde demnach heute auch nicht noch mal den Blog „updaten“ müssen. Hoffe ich…

Bis morgen!

Scholle

Der Vorstand hält sich da raus

17. Juni 2013

An Tagen wie diesen . . . Singen die Toten Hosen. Passt irgendwie genau auf diesen Tag. An Montagen wie diesen, die dazu noch in der Fußball-Sommerpause liegen, da passiert so gut wie nichts. Aber ist ja auch irgendwie normal. Auch die Sache mit den Neuzugängen – ganz normal. Das hat beim HSV schon Tradition, dass es noch ein wenig länger dauert. Das ist in diesem Jahr eigentlich wie immer. Obwohl der neue Sportchef Oliver Kreuzer von den HSV-Führungskräften schon gelobt wird. Der Mann ist heiß am Ball, er soll auf dem richtigen Weg sein und – das stimmt mich zuversichtlich, er soll die Dinge ohne Umschweife anpacken. In etwa so, wie einst Uwe Seeler gespielt hat. Und wie hat er immer gespielt? Stets den direkten Weg zum Tor. So soll Kreuzer auch seine Arbeiten verrichten. Klingt doch gut. Ich habe darüber mit einigen HSV-Leuten gesprochen, auch mit HSV-Chef Carl-Edgar Jarchow. Und der sagte mir auf die Frage, ob er guter Hoffnung für die neue Saison sei: „Sportchef Oliver Kreuzer fokussiert sich auf die wichtigen Dinge, und das macht er sehr gut, und wenn die zu einem guten Abschluss gebracht werden, und davon gehe ich aus, bin ich auch guter Hoffnung.“

Ja, und ich hoffe mal mit. Irgendwie bin ich sogar sehr guter Hoffnung, auch wenn ich nicht weiß, warum? Platz sieben war es immerhin in der nun abgelaufenen Spielzeit, und Platz sieben klingt doch echt nicht ganz so schlecht. Finde ich jedenfalls. Und immerhin ist dieser Platz sieben trotz der Tatsache erreicht worden, dass der HSV 53 Gegentore schlucken musste, dass der HSV die meisten Torschüsse der Gegner zuließ, dass der HSV nie mehr als zwei Siege in Folge geschafft hatte, und dass der HSV nie mehr als vier Spiele in Folge ungeschlagen blieb. Wenn all diese Tatsachen verbessert werden, und daran arbeitet Kreuzer ja jetzt mit Hochdruck, dann muss es doch eigentlich auch besser werden.

Und mir wäre es dazu auch egal, was hier bei „Matz ab“ schon ein wenig kritisiert wurde, dass nämlich Thorsten Fink oft nur die Spieler des FC Basel im Blick (als Verstärkungen) hat. So wie schon in der Vergangenheit, als es der Trainer gerne gesehen hätte, wenn die Basel-Spieler David Abraham, Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri nach Hamburg gewechselt wären. Alle drei nicht schlecht, ich würde mal behaupten, dass jeder von ihnen einen Stammplatz beim HSV gehabt hätte – aber sie waren eben auch unerschwinglich. Den Wunsch kann man haben, das Geld sollte man aber auch haben. Das hat der HSV ja nun – in diesen Tagen – auch schon mit dem Schweizer Timm Klose erlebt – wahrscheinlich jedenfalls. Um noch mal auf die drei Fink-Wunschkandidaten zu kommen: Shaqiri ist für mich ein überragender Mann, der in jeder anderen Bundesliga-Mannschaft gesetzt wäre – nur bei Bayern nicht. Aber er brachte es immerhin auf 26 (von 34) Bundesliga-Einsätze (vier Tore), wobei er in 13 Partien eingewechselt und in sieben Begegnungen ausgewechselt wurde. Abraham kam erst in der Winterpause aus Getafe nach Hoffenheim und war in zwölf Spielen und den beiden Relegationsspielen gegen Kaiserslautern dabei – mit durchweg guten Noten. Einige Anlaufschwierigkeiten hatte Xhaka in Mönchengladbach, aber auch er brachte es noch auf 22 Einsätze in der Bundesliga, dabei waren sieben Ein- und drei Auswechslungen – und ein Tor.
Wie gesagt: Alle drei Spieler hätten beim HSV – oder als HSV-Profis – noch bessere Bilanzen gehabt. Quintessenz: Nur her mit den Profis aus Basel.

Aber da muss natürlich auch die Kasse des HSV mitmachen. Doch auch in dieser Beziehung ist ja schon eine (leichte) Besserung eingetreten – dank Heung Min Son und Sportfive.

Themenwechsel. Struktur-Wandel im HSV. Ich habe geschrieben, dass sich etwas tut, dass hinter den Kulissen fleißig gewerkelt wird. In dieser Woche treffen sich dazu einige „hohe Herren“, um die gute Sache voranzutreiben. Ich kann noch keine Namen nennen, ich weiß aber schon, wer dabei ist, wer schon für den „neuen HSV“ geworben wurde – das stimmt mich absolut zuversichtlich. Immer mehr von Fans machen mit, reichen auch ihre Vorschläge ein, damit der HSV professioneller aufgestellt wird, und immer mehr richtig große Größen sitzen inzwischen mit im Zug. Verlangt bitte noch keine Namen, die werden früher oder später schon publik, ich weiß nur, dass da etwas Gutes entsteht. Und wenn ihr das wisst, dann ist das doch auch schon mal ein schönes Zeichen.
Wenn nicht jetzt, wann dann? So hatte es Ernst-Otto Rieckhoff bei der Mitgliederversammlung gefragt, und ich kann nur sagen – jetzt!

Zu diesem Thema habe ich mich mit Carl-Edgar Jarchow unterhalten, es ist für ihn als Vereins-Chef gewiss nicht leicht, sich dazu öffentlich zu äußern. Ganz, ganz vorsichtig hat er es dann aber doch getan – ich habe lange genötigt . . . Wie steht CEJ zu neuen Strukturen, zu solchen Veränderungen im HSV? Er sagt: „Ich habe viele Jahre darüber nachgedacht, ich saß in vielen AGs und war tätig, um solchen Veränderungen herbeizuführen. Letztlich hat es nie gekappt.“ Und wie ist heute seine Meinung dazu: „Wir vom Vorstand werden uns da heraushalten, denn ich denke, dass so etwas aus der Mitgliedschaft kommen muss. Wir können zu diesem Thema eine klare Meinung haben, aber erst sind jetzt die Mitglieder gefragt.“ Denn schließlich muss es für solche Änderungen eine Dreiviertelmehrheit geben. Jarchow sagt aber auch zu den jetzigen Bestrebungen (von Ernst-Otto Rieckhoff, Jürgen Hunke und vielen anderen HSV-Größen): „Wir werden es begleiten und dann zur Verfügung stehen, wenn wir gefragt werden. Und wir werden dann Stellung beziehen, wenn diese Dinge auf der Tagesordnung stehen.“ Jarchow sagt aber auch: „Dass Rieckhoff und Hunke es nun angepackt haben, ist der richtige Weg. Sie müssen werben, damit sie die nötige Mehrheit bekommen.“

Wie er die Chancen beurteilt, dass es letztlich auch zu den angestrebten Struktur-Änderungen kommen wird? Jarchow: „Mit einer Voraussage tue ich mich schwer.“ Auch aus diesen Gründen: „Rieckhoff und Hunke haben unterschiedliche Vorstellungen, sie sollten sich angleichen. Und dann kommt sicherlich auch hinzu, wie wir sportlich im Januar, wenn die Mitgliederversammlung durchgeführt wird, stehen. Es hängt von vielen Faktoren ab.“ Das war auch bei der Mitgliederversammlung in der Arena zu erleben und zu spüren. Obwohl ich da letztlich das Gefühl hatte, dass es an diesem Sonntag hätte klappen können, denn von den 600 Mitgliedern, die anwesend waren, erhoben sich nach der Rieckhoff-Struktur-Änderungs-Rede mindestens drei Viertel der Mitglieder und applaudierten minutenlang. Mich stimmt das zuversichtlich. Obwohl Carl-Edgar Jarchow auch sagt: „Es lag in der Vergangenheit nicht nur an den Strukturen, dass die großen Erfolge ausblieben, es lag auch an den handelnden Personen.“ Stimmt. Aber in einer Welt- und Wirtschaftsstadt wie Hamburg würden neue Strukturen ganz sicher für neue Impulse sorgen.

In der Hoffnung, das ich nicht zu viel und auch nichts Verbotenes geschrieben habe, lieber Herr Jarchow (denn es ist ja ein ganz spezielles Thema!), komme ich jetzt noch einmal kurz zum sportlichen Teil dieser Ausgabe. Es geht um

den Sommerfahrplan des HSV. Und der sieht wie folgt aus:

1. Juli in Hamburg: Trainingsstart im Volkspark
5. – 10. Juli in Mayrhofen: Trainingslager im Zillertal
5. Juli: Wacker Innsbruck – HSV
8. Juli: Zillertal-Auswahl – HSV
13./14. Juli in Hamburg: Offizielle Saisoneröffnung beim Nordcup mit HSV, FC Kopenhagen, VfL Wolfsburg und Eintracht Braunschweig
15. – 19. Juli Testspielreise nach Klagenfurt
16. Juli in Villach: RSC Anderlecht – HSV
20. Juli: Telekom-Cup in Mönchengladbach:
Halbfinale: Borussia Mönchengladbach – HSV
21. Juli: Telekom Cup: Spiel um Platz 3 oder Finale
23. Juli in Flensburg: West Ham United – HSV
27. Juli in Hamburg: HSV – Inter Mailand
2. – 5. August: 1. Hauptrunde im DFB-Pokalwettbewerb: SV Schott Jena – HSV
8. August: TSV Etelsen – HSV
9. – 11. August: 1. Bundesliga-Spieltag der Saison 2013/2014

19.16 Uhr

Rubin Kazan will Paolo Guerrero

5. Juli 2012

Es wird hart. Richtig hart. Aber das ist mit Sicherheit auch gut so. „Wir haben sehr lange Zeit“, sagt Trainer Thorsten Fink, der heute den ersten richtigen „Kraftzirkel“ mit seinen Spielern durchzog. Gewichtschlitten mit 100 Kilogramm Gewicht (nur bei Lam wurden 20 Kilo weniger draufgepackt) mussten vor- und rückwärts gezogen werden. Medizinbälle wurden gestemmt, im Liegen hin- und her geworfen und als Stütze für Liegestütze benutzt, während der andere Mannschaftsteil Fußball-Tennis spielte und Techniktraining absolvierte. „Im Moment legen wir vermehrt Wert auf die Grundlagenausdauer“, sagt Fink, der im am Freitag beginnenden Trainingslager in Österreich drei Einheiten pro Tag ankündigte. „Um 7.30 Uhr machen wir dort ein lockeres Lauftraining, um 10.30 und 16.30 Uhr gehen wir auf den Platz. Und dann Feuer frei! Viele freie Tage wird es nicht mehr geben – wir dürfen einfach keine Tage verschenken. Wir haben dieses Mal mehr Zeit – und wir können und werden deutlich mehr machen.“

Der Trainingsplan, der in Österreich vor allem harte Einheiten wie die heutige vorsieht, wird jedoch von Spielen umrahmt. Am Freitag spielt der HSV in Rosenheim gegen TSV 1860 Rosenheim (Regionalliga-Aufsteiger), am 8. Juli geht es in Hippach gegen eine Zillertal-Auswahl, bevor es am 10. Juli in Mittersill gegen den tschetschenischen Teilnehmer Derek Grozny geht. „Zudem werden wir bei jeder Einheit auf dem Platz 20 bis 25 Minuten spielen und dieses Abschlussspiel dafür nutzen, um uns taktisch weiterzuentwickeln“, sagt Fink, der am heutigen Donnerstag bereits Gespräche mit den drei Neuen (Adler, Beister, Rudnevs) führte, um die Spielidee noch mal näherzubringen. Insbesondere die Neuen haben zudem ein intensives Videostudium mit Matthias Kreutzer (hoch gelobter Verantwortlicher für Gegner-Studien und Videoanalysen beim HSV) erhalten. „Sie sollen anhand von Bildern noch mal sehen, was ich ihnen sage. Die Gespräche mit den Jungs werde ich in den Trainingslagern fortführen.“

In diesen Gesprächen wird Fink auch den neuen Verhaltenskatalog erörtern. „Viel mussten wir gar nicht verändern. Aber ein paar kleine Dinge gibt es dann doch, die ich ab sofort nicht mehr toleriere.“ Ein Beispiel? Fink: „Zum Beispiel, dass die Jungs mit Handy auf die Massagebank sind, ist ab sofort untersagt. Das geht gar nicht. Und von solchen Kleinigkeiten gibt es noch ein paar, die ab sofort untersagt sind.“ Zudem gibt es einen überarbeiteten Ernährungsplan. „Wir müssen herausfinden, warum der eine oder andere – wie Ivo Ilicevic zum Beispiel – bei uns so lange verletzt war. Vielleicht hängt das ja auch mit der Ernährung zusammen.“ Und obwohl Fink seine Spieler lobt und ihnen grundsätzlich eine sehr vernünftige Ernährung attestiert, verbannt der Trainer per sofort Süßgetränke wie Coca Cola und Limonaden aus dem Kabinentrakt. Zudem sollen Allergietests durchgeführt werden, was allerdings durchaus gängig ist bei Bundesligisten. Was Fink noch verändern will, und ob er vielleicht auch an seinem Führungsstil etwas verändern möchte? „Nein, ich bin mit meinem Führungsstil ganz zufrieden. Immerhin hat der mich hierher gebracht.“ Was er dennoch verändern will: „Wir wollen besser spielen.“

Oh ja, bitte! Tiki Taka in der Imtech-Arena. Das hätte was, wenn es nicht nur einmal am 24. Juli in der Partie gegen Barcelona vom Gegner gezeigt wird. Wobei Fink mit der Problematik umgehen muss, seinen Kader wahrscheinlich erst sehr spät zusammen zu haben. Die heute kolportierte endgültige Absage von Finks Wunsch- und Ex-Baselspieler David Abraham wollte der Coach nicht bestätigen. Im Gegenteil: „Ich habe mit dem Berater gesprochen und der hat mir gesagt, das sich an Davids Haltung nichts verändert hat.“ Dessen Aussagen, dass er jetzt für Getafe alles geben würde, kommentierte Fink so: „Was soll er denn sonst sagen?“ Stimmt. Wobei das alles nicht wirklich für den Charakter des italienisch-argentinischen Innenverteidigers spricht. Immerhin hat der 25-Jährige nicht unter Einsatz von Waffengewalt seinen Vertrag bei den Spaniern unterschrieben. Insofern sollte er zu dem stehen, was er abgemacht hat. Wovon allerdings nicht auszugehen ist, wenn man Fink heute hört: „Ich gehe davon aus, dass wir bei dieser Personalie bis zum Ende der Transferperiode warten müssen. Zumal in unseren Planungen kein Geld für die Verpflichtung eines Innenverteidigers vorgesehen war. Aber ich werde weiter auf ihn warten.“

Na dann.

Besser sieht es da offensichtlich mit dem zentralen Mittelfeldspieler aus. Rafael van der Vaart wurde heiß gehandelt. Auch hier bei uns. Allerdings scheinen sich die Entscheidungsträger da nicht wirklich einig zu sein. Zumindest ist zu hören, dass eine teure Verpflichtung des Niederländers von Vorstandsseite weniger denn von der sportlichen Leitung befürwortet wird. Insofern würde ich eine Verpflichtung des Niederländers – persönlich empfände ich sie in der aktuellen Situation als Sechser im Lotto – als nicht allzu wahrscheinlich betrachten. Leider. Mir bleibt nur zu hoffen, dass sich die verantwortlichen das Thema van der Vaart noch mal überdenken…

Aber gut, bis zum ersten Spieltag ist der neue Spielmacher da, das hatte Klubboss Carl Jarchow zuletzt in der „Bild“ angekündigt. Worte, an denen sich diese HSV-Führung messen muss. Natürlich auch Frank Arnesen, der es sich zwar nicht anmerken lässt, der aber dennoch unter immensem Druck steht. Erfolgsdruck. Und das, obwohl seine Situation vielleicht eine der schwersten ist, in denen sich HSV-Sportchefs befanden. Immerhin ist nicht nur kein Geld für Neue da, sondern diese Tatsache hat sich auch bei den Spielerberatern herumgesprochen. Ergo: Interessante Spieler muss der HSV finden, die werden eher selten frei angeboten, da für die werten Berater wenig bis keine Magen zu machen sind.

Bleibt also nur ein teurer Verkauf inklusive Gehaltseinsparungen. Paolo Guerrero wird dort an erster Stelle (leider, weil er in meinen Augen noch immer der beste HSV-Angreifer ist) gehandelt. Dem Peruaner liegen bislang nur unverbindliche Anfragen aus Spanien vor. Zudem traf ich heute einen befreundeten Spielerberater, der zusammen mit einem Scout von Rubin Kazan bei Vorstandsboss Carl Jarchow vorstellig wurde. Thema: Paolo Guerrero. Und obgleich ich mir vorstellen kann, dass für den Südamerikaner Russland nicht zwingend erste Wahl sein dürfte – die Russen verfügen zumindest über ausreichend Kapital, um Guerreros Ablöse und Gehalt zu bezahlen. „Dabei muss man aber auch beachten, dass er hier in Hamburg nicht das beste Standing hat“, versuchte der Berater mit mir zu feilschen. Hintergrund: Bis ihn der Berater aufklärte, dachte er („Alex“) zunächst, ich sei ein Offizieller vom HSV…

Bin ich aber nicht. Dafür andere, die der Verein nicht zwingend halten will. „Die Spieler wissen alle, woran sie sind“, sagt Fink, „ich kann nicht sagen, ob sie wirklich suchen oder nicht. Aber sie haben auch einen Vertrag bei uns, von daher arbeite ich ganz normal mit ihnen.“ Unruhig ist Fink nach eigenen Angaben nicht. „Wie jeder Trainer der Welt hätte ich natürlich gern die gesamte Vorbereitung mit allen Spielern absolviert. Aber dem ist eben nicht so. Das ist auch okay. Aber wir haben alle die Aussage von Jarchow (bezüglich des Spielmachers, d. Red.) gehört. Ich bleibe da auch ruhig.“ Zu viele Neue erwartet der Trainer eh nicht mehr. „Sollten am Ende vier, fünf Neue erst im letzten Moment dazustoßen, wäre es sicherlich schlecht. Aber davon gehe ich auch nicht aus.“ Vielmehr seien eher zwei, drei neue Spieler noch zu erwarten.

Zwei neue entwickeln sich indes zu kleinen Geheimtipps: Matti Steinmann und Christian Norgaard. Die beiden Youngster haben heute in einem persönlichen Gespräch von Fink zwar zu hören bekommen, dass sie nicht zu viel erwarten sollen. Allerdings lobt der HSV-Coach die beiden Talente, die sich teamintern schon einen recht guten Ruf erarbeitet haben. „Sie haben beide Fähigkeiten“, so Fink, „sie haben Talent. Sie sollen in unserer zweiten Mannschaft spielen und bei uns ein wenig reinschnuppern.“ Dennoch sei längst nicht ausgeschlossen, dass sich einer der beiden – was eigentlich nur Steinmann sein dürfte – durchsetzt, wie es einst Xherdan Shaqiri und Granit Xhaka beim FC Basel unter Fink schafften. „Auch die beiden haben langsam angefangen“, sagt Fink und mahnt zur Geduld: „Matti und Christian sind geerdet, die heben sich ab von den Jungs, von denen man früh sehr viel erwartet hat und die diese Erwartungen nie erfüllen konnten. Ich habe schon viele junge Spieler gesehen, die zu früh abgehoben sind und inzwischen als ewige Talente herumlaufen. So sind die beiden nicht – und darauf werden wir auch achten. Die beiden sollen einfach noch nicht zu viel erwarten.“

Aber sie dürfen viel zeigen.

In diesem Sinne, nach all dem Erfreulichen habe ich noch etwas weniger Erfreuliches. Heute erreichte uns ein Brief von einem Blogger, den ich Euch vorlegen möchte. Mit einer kleinen Geste können wir dort helfen. Und ich bin dabei! Aber lest selbst:

„Sehr geehrter Herr Matz,

ich wende mich heute mit einer Bitte an Sie: ein sehr guter Freund von
mir, mit dem ich seit vielen Jahren zum HSV fahre, wurde vor drei Monaten
in China unter fadenscheinigen Anschuldigungen verhaftet. Bis jetzt gibt es keine Anklage, die Vorwürfe sind haltlos – er ist leider ein Spielball der chinesischen Politik.

Obwohl er seit 5 Jahren in China lebt ist er weiterhin nicht nur
HSV-Mitglied sondern auch Dauerkarteninhaber. Jeden seiner Heimatbesuche legt er so, dass er möglichst mehrere Spiele mit mir anschauen kann. Er ist also wahrscheinlich der Dauerkarteninhaber mit der weitesten Anreise.
Um auch aus der Ferne immer auf dem Laufenden zu sein ist er, wie ich,
seit der ersten Stunde regelmäßiger Leser Ihres Blogs. In einem kürzlich
erschienenen Zeitungsartikel in den USA ist er mit der Raute auf der Brust
abgebildet:
http://www.bloomberg.com/news/2012-05-16/german-held-on-art-smuggling-in-china-as-buyers-dodge-tax.html

Es wäre großartig, wenn Sie die gerade veröffentlichte Facebook-Seite
http://www.facebook.com/pages/Free-Nils-Jennrich/364563893601439

in Ihrem Blog teilen könnten, jeder Unterstützer erhöht den medialen Druck
auf die chinesische Politik, gerade im Hinblick auf den
deutsch-chinesischen Rechtsdialog in der nächsten Woche.

Für eventuelle Rückfragen können Sie sich gerne telefonisch an mich wenden. Es würde mich freuen, die Solidarität unter uns Fans hier für die gute Sache gewinnen zu können!

Vielen Dank und mit sportlichen Grüßen,
Timo Hardt“

Ich hoffe, dass möglichst viele von uns Bloggern hier mitmachen und wir so ein wenig helfen können.

Bis morgen – und vielen Dank an Euch im Voraus -,

Scholle

P.S.: Auch wenn es ihm nicht mehr viel nützen wird, im Trainingsspiel präsentierte sich Macauely Chrisantus heute in guter Form. Er traf – und er wurde von Trainer Thorsten Fink gelobt.

Bitte nicht nervös werden! Noch nicht…****Otto neuer Chefkontrolleur****

5. Juni 2012

AKTUALISIERT (Erster Absatz): Mal wieder ein Hauch Vereinspolitik im Blog. Der Aufsichtsrat tagte und wählte einen neuen Vorsitzenden. Alexander Otto soll es richten. Der ECE-Chef, der dem Amt eigentlich abgeschworen hatte ob seiner familiären und betrieblichen Verpflichtungen wurde von seinen Ratskollegen einstimmig zum neuen Chefkontrolleur gewählt und übernimmt das Amt des zurückgetretenen Ernst-Otto Rieckhoff bis zum Januar – bis zu den Neuwahlen, bei denen der Multi-Milliardär nicht mehr antreten wollte – dies aber heute etwas abschwächte: “Ich werde mich im herbst entscheiden, ob ich erneut kandidiere.” Und es scheint seit Udo Bandows erster Amtszeit das wahrscheinlich Beste, was diesem zerstrittenen Rat passieren kann. Zumindest ist er der einzige gemeinsame Nenner aller Fraktionen. Und er macht es zum Wohle des HSV. Otos Vizes sind Manfred Ertel und Eckart Westphalen.

Aber okay, zumindest sind die Räte einsichtig – was ja bekanntermaßen ein guter Anfang ist. Insofern will ich hier nicht schon vorgreifend verurteilen. Im Gegenteil, ich setze einfach mal neue Hoffnung in das Kontrollgremium, das in diesem Sommer hoffentlich noch eine ganze Menge zu tun bekommt. Immerhin hoffen wir alle noch auf eine Menge Bewegung in Sachen Kaderplanung.

Und darauf, das Frank Arnesen ein besseres Händchen hat als vergangene Saison. Da wurde das intern budgetierte (wichtig für die TV-Gelder) Ziel achter Platz um sieben Ränge verfehlt. Wobei ich mich ganz ehrlich frage, wie man vor der letzten Saison mit einem achten Rang planen konnte. Dafür gab es im Kader einen zu großen Umbruch hin zu Spielern, deren wirkliches Leistungspotenzial maximal zu erahnen war – nicht aber planbar. Und letztlich bewiesen sich die Transfers als nicht ausreichend effektiv. Einzig Töre bis zur Halbserie, Mancienne am Saisonende und Bruma auf der rechten Verteidigerposition wussten zumindest teilweise zu gefallen.

Dennoch erkannte der HSV schnell, dass es mit diesem Kader nur noch um den Klassenerhalt gehen konnte. Dass man nach dem Trainerwechsel und dem kurzzeitigen tabellarischen Aufschwung wieder sofort ins Träumen geriet und von internationalen Startplätzen schwadronierte – es spricht nicht für die Weitsicht der Verantwortlichen. Für deren Einsicht aber spricht, dass die kommende Saison mit einem elften Rang im Schnitt geplant wird. Das erscheint deutlich realistischer. „Was wir wirklich erreichen können, können wir erst nach der Transferperiode festlegen“, sagt Arnesen – und er hat natürlich Recht. „Denn erst dann wissen wir, wer in unserem Kader ist und ob wir die Ansprüche anheben können.“

Bislang ist der Weg dorthin jedoch sehr steinig und mit Absagen gepflastert. Wobei, nein: Xhaka und Kuyt haben abgesagt – weil sie international spielen wollen. Das kann der HSV nicht bieten. Und Abraham hat einfach nur kurzzeitig vergessen, dass er ja schon einen Vertrag – leider bei einem anderen Klub – unterschrieben hat. Drei Spieler, zweieinhalb Absagen – da fangen einige an zu nörgeln, was ich wiederum nicht mache. Denn meiner Meinung nach ist es richtig, wenn Arnesen seine Bemühungen ganz oben ansetzt. Der sportliche Weg von unten nach oben ist extrem hart – fragt doch mal Hoffmann und Beiersdorfer. Beide zusammen mussten mehr Absagen als Zusagen hinnehmen, bis sie irgendwann doch den so genannten „Türöffner“ in Rafael van der Vaart fanden. Anschließend hatte der HSV ganz neue Argumente, Hochkaräter anch Hamburg zu ködern.

Arnesen sucht seinen Türöffner noch. Adler ist ein Anfang, denn Fakt ist: je attraktiver die Mannschaft, desto leichter wird es bei neuen Hochkarätern. Dass auf dem Weg zu diesen Hochkarätern (noch) nicht alle „Yippiyeah“ rufen, wenn der Bundesliga-15. um die Ecke kommt, ist nur logisch. Es bedarf in diesem Fall schon sehr guten Kontakten und einer riesigen Portion Überredungskunst, um für eine Überraschung zu sorgen und einen echten Hochkaräter an Land zu ziehen.

Bei Dietmar Beiersdorfer war es das persönliche Bemühen. Zumindest erzählten mir das Rafael van der Vaart, Eljero Elia und Daniel van Buyten mal unabhängig voneinander. Alle drei besuchte Beiersdorfer mehrfach in ihrer Heimat, sprach mit den Spielern und deren direktem Umfeld. Beiersdorfer legte sehr viel Wert darauf, eine Vertrauensbasis zum Spieler und dessen Familie zu schaffen und ging damit immer wieder das Risiko, bei einer Absage immer sehr, sehr viel viel Zeit verschwendet zu haben. Er machte das, was ich mir vorgestellt habe, als Arnesen sagte: „Wir haben kein Geld – deswegen müssen wir einfach schneller, überzeigender und kreativer sein als unsere Konkurrenz.“

Insofern wundert Euch nicht, wenn ich nicht nach Absagen von Spielern nervös werde. Im Gegenteil, wenn ich von Absagen bei Spielern der Größenordnung Kuyt oder Xhaka höre, bestätigt das meine Hoffnung, dass sich der HSV trotz der schwierigen finanziellen Umstände in den oberen Regalen bedienen will. „Es wird ein sehr langer, harter Poker“, hatte mir Arnesen gestern gesagt. Und er meinte damit, dass sich der HSV gedulden muss, bis denn doch einer zusagt, den man als Soforthilfe verstehen kann und er sagte damit auch, dass sich der HSV nicht mehr nur mit Talenten zufrieden geben will. „Wir brauchen in fast allen Mannschaftsteilen noch Verstärkungen, um unseren Ansprüchen gerecht zu werden“, hatte Uwe Seeler bei der Eröffnung des neuen Klubheims gesagt und einzig die Torhüterposition ausgeklammert. Ich glaube, er hat Recht.

Und ich hoffe, die aktuellen Entscheidungsträger sehen das auch so. Es fehlt ein sehr guter Innenverteidiger, ein Sechser, der das Spiel ankurbeln kann und ein offensiver Mittelfeldspieler, der Kreativität in das Offensivspiel bringt. Angenommen, Guerrero, Son, Arslan sowie Berg bleiben und Rudnevs ist die erhoffte Granate – dann bräuchten wir vorn schon quantitativ nichts mehr zu machen. Zumal wir mit Töre, Jansen, Beister und Ilicevic noch über vier offensivstarke Außen verfügen. Aber den offensiven Mittelfeldmann brauchen wir. „Diese Position hat Priorität“, hatte Trainer Thorsten Fink vor seinem Urlaubsantritt gesagt – und die Klubführung macht jetzt ernst. Es soll nicht mehr auf einen Spieler gewartet werden, der umsonst kommt. Vielmehr stehen in den nächsten Tagen erneut Gespräche mit Milliardär und HSV-Investor Klaus Michael Kühne gesucht werden. Der Speditionsunternehmer war bereits im Winter bereit, Basels Granit Xhaka zu finanzieren und soll dem vernehmen nach auch in diesem Sommer seine Hilfe angeboten haben.

Sofern Arnesen den richtigen Spieler gefunden hat, könnte es auch schneller gehen als erst „in letzter Sekunde“, wie Arnesen angekündigt hatte. Allerdings, und da lege ich mich fest, wenn es der Sache dient, warte ich gern auch bis zur letzten Sekunde der Transferperiode. Denn, und das muss allen klar sein, Frank Arnesen wird am Ende nicht an der Art und Weise gemessen, wie er Spieler nach Hamburg lockt. Vielmehr geht es darum, wen er holt und wie die einschlagen. Und ich hoffe, dass es nicht zum dauerhaften Stilmittel wird, Bekannte nach Hamburg zu holen. Letzte Serie kamen fünf Spieler von Arnesen vom FC Chelsea, dieses Jahr sollten es schon drei Ex-Spieler von Fink aus Basel (Shaqiri, Xhaka, Abraham) werden. „Meine Arbeit wird am Erfolg der Mannschaft gemessen“, hatte mir Arnesen vor zwei Wochen gesagt. „Es kann sein, dass ich die besten Spieler der Welt hole, die aber nicht zusammenspielen können. Und am Ende sagen alle: ‚Der Arnesen kann ja gar nichts’. Aber so ist mein Job.“ Dass er, wie hier im Blog diskutiert wurde, dafür so gut bezahlt wird wie kein Sportchef vor ihm – unwichtig. Zumindest so lange, wie er Erfolg nach Hamburg bringt. Es zählt im Profifußball nur das Ergebnis. Auf dem Platz – und außerhalb eben auch.

In diesem Sinne, ich hoffe, dass Arnesen seinen Worten Taten folge lässt und er – auch wenn er nie zugegeben hat, die Liga unterschätzt zu haben – personell die richtigen Schlüsse aus der abgelaufenen Saison gezogen hat.

Bis morgen. Obwohl nee, bis später. Dann an gleicher Stelle mit den Neuigkeiten von der Aufsichtsratssitzung.

Scholle (17.16 Uhr)

Thorsten Finks Philosophie – oder: Tag eins auf dem Weg nach oben

17. Oktober 2011

Ich hatte es ja schon nach meinem ersten Kontakt mit Thorsten Fink geschrieben: da kommt einer mit einer außergewöhnlichen Portion Selbstvertrauen. Von Frank Arnesen als nichts weniger als „perfekter Trainer“ vorgestellt, fuhr Fink heute um 9.35 Uhr zum ersten Mal als neuer Cheftrainer an der Imtech-Arena vor, um sich um zehn Uhr der Mannschaft in der Kabine vorzustellen. „Ich habe mich der Mannschaft mit einer kurzen Ansprache vorgestellt und bin kurz auf das Spiel in Freiburg eingegangen. Ich habe der Mannschaft gesagt, dass sie sich den Sieg nicht gestohlen hat, dass sie ihn sich erarbeitet hat. Und ganz klar: es gibt Verbesserungswürdiges. Aber jeder kleine Sieg kann auch der Beginn von etwas Großem sein.“

Und das hat Fink im Auge. Sicher nicht in den nächsten Monaten, aber auf lange Sicht. Und auf einen solchen Zeitraum sieht er sein Engagement in Hamburg ausgerichtet. „Wir brauchen jetzt nicht über Meisterschaft oder Bayern-Jäger zu sprechen – aber wir haben eine junge Mannschaft mit viel Potenzial. Ich werde den angefangenen Weg weitergehen und mit den jungen Spielern was entwickeln. Wir haben vorne gefährliche Stürmer, die man entsprechend einsetzen muss. Wir haben schnelle Außen und hinten können sie auch Fußball spielen. Mit dieser Mannschaft kann man viel erreichen.“ Dass dafür auch der eine oder andere erfahrene Akteur gebraucht wird, schob Fink („Die jungen Spieler sollen sich anlehnen können“) schnell ein, um dann seinen neuen Arbeitgeber zu loben: „Der HSV ist nicht irgendwer. Der HSV ist ein toller Klub Verein mit einer riesigen Tradition. Ich musste nicht lange überlegen, als ich gefragt wurde.“

Das geschah das erste Mal an dem Dienstag vor dem Champions-League-Spiel des FC Basel bei Manchester United (3:3). „Da hat mich Frank Arnesen angerufen“, sagt Fink, der anschließend auch von Klubboss Carl Jarchow und sogar von Mediendirektor Jörn Wolf angerufen wurde. „Der Verein hat sich intensiv und sehr nachhaltig um mich bemüht. Arnesen hat mir auch zu verstehen gegeben, dass man auf mich sogar bis zum Winter warten würde. Das hat mir imponiert. Der Kontakt war so gut, dass ich hier langfristig planen kann. Das hat mich überzeugt, denn mir ist besonders wichtig, Teamwork zu leben und nicht nur drüber zu sprechen.“ Wie in Basel, wo es bei Finks Abschied in der Kabine sogar Tränen gab. „Wir hatten Erfolg, das schweißt natürlich allein schon zusammen. Aber dafür muss man als Mannschaft wie als eine Familie leben und arbeiten. Das ist meine Art Teamwork.“ Das beste Anti-Beispiel hat Fink auch gleich parat: „Bei der Französischen Nationalmannschaft steckt unfassbar viel Potenzial drin. Aber kein Charakter und Teamwork. Deswegen sind sie bei der WM bereits in der Vorrunde gescheitert.“ Wie er die aktuelle HSV-Mannschaft diesbezüglich einschätzt? „Sie hat Charakter. Sonst hätte sie das Spiel in Freiburg nicht gewonnen.“

Offensiven, für die Zuschauer durchaus spektakulären Fußball will Fink spielen lassen. Mit einem Vierermittelfeld und zwei Spitzen. „Wir wollen mit unserem Spiel eine Message rüberbringen. Ich will, dass die Zuschauer begeistert nach Hause gehen, dass sie offensiven und dominanten Fußball von ihrer Mannschaft gesehen haben. Wir wollen in Ballbesitz sein und agieren. Das Reagieren überlassen wir dem Gegner.“ Allerdings weiß auch Fink, dass sich die größte Zufriedenheit bei allen Beteiligten aus Siegen ergibt. „Wir können nicht jedes Mal offensiv spielen, verlieren und trotzdem hoffen, alle begeistert zu haben. Nein, das Ziel ist immer, das nächste Spiel zu gewinnen. Und ich kann eh nicht verlieren.“ Wie sich die im Vorfeld seiner Verpflichtung so oft beschriebene Siegermentalität bei ihm äußert? „Schwer zu sagen. Aber ich war immer sehr positiv, habe 150 Pflichtspiele für den FC Bayern gemacht und mich nie darum geschert, wer der nächste Gegner ist. Uns war es völlig egal, ob als nächstes Real Madrid oder sonstwer kommt. Und das ist auch heute hier so, das war immer meine Philosophie.“

Womit Fink eines seiner Kernbegriffe anspricht: die Philosophie. Denn die beinhaltet im Grunde all das, was Fink für den Erfolg als zwingend erforderlich empfindet. Vom Spielsystem bis hin zum internen und externen Umgang miteinander. Und Fink ist sich sicher: „Wenn die Mannschaft meine Philosophie und mein Denken umsetzt, wird sie Erfolg haben.“ Was ihn so sicher macht, dass er im Gegensatz zu seinen Vorgängern Michael Oenning, Armin Veh oder auch Bruno Labbadia Erfolg haben wird? „Weil ich gut bin, was soll ich auch sonst sagen. Ich will niemanden kopieren, bin ich.“ Dabei betonte Fink, dass es für ihn als Trainer nicht nur die Varianten autoritär und kumpelhaft gibt, sondern: „Ich bin situativ. Ich bin eher der Typ Richtung Klopp. Aber die Situation entscheidet, wie ich sein muss.“ Eben, ob er sich autoritär, kumpelhaft oder auch mal schützend vor die Mannschaft stellen muss. Wie ihn die Mannschaft ansprechen soll? „Das überlasse ich den Spielern. Wer ne gute Kinderstube genossen hat, der weiß schon, wie er seinen Trainer zu behandeln hat.“

Dazu gehört auch Pünktlichkeit. Spätestens 45 Minuten vor Trainingsbeginn erwartet Fink seine Spieler in der Umkleidekabine. Auch morgen, bei seinem ersten Training auf dem Platz um 15 Uhr. Wie er trainiert? „Ich bespreche mich lange mit dem Trainerteam über die Inhalte. Die Trainingsarbeit wird im Groben Finks mitgebrachter Assistent Patrick Rahmen machen. „Ich schalte mich aber immer wieder mit ein und korrigiere.“ Zudem kündigte Fink an, dass Rodolfo Cardoso ab sofort Cheftrainer der U23 wieder wird und er jeden Tag sehr engen Kontakt zu ihm haben will. Die U23 soll die gleiche Philosophie haben wie die Bundesligamannschaft. Zudem wird Fink den bisherigen Assistenten Frank Heinemann voll mit einbinden. „Er wird ein Teil unseres Teams bleiben. Das ist gut für das Team.“

Ob und inwieweit das personell nachgebessert werden muss, wollte Fink nicht beantworten. Dafür muss ich die Mannschaft trainieren und ein Gefühl für sie kriegen.“ Zudem wisse er, dass der HSV im Moment nicht allzu viel Geld für Verstärkungen hat. „Ich bin mit dem aktuellen Kader zufrieden. Auch wenn klar ist, dass wir was machen müssen, wenn wir irgendwann wieder höher angreifen.“ Ob dabei sein Ex-Schützling und HSV-Wunschspieler Xherdan Shaqiri eine Rolle spielen könnte. „Ich weiß, dass der FC Basel ihn nicht abgeben will. Schon gar nicht günstig. Xherdan ist für den HSV nicht finanzierbar.“

Thorsten Fink ist also da. Und wie. Als Gewinnertyp, mit Siegergen, mit Selbstvertrauen – quasi perfekt wie Arnesen sagte. Allerdings ist Fink dabei nicht arrogant. Er wandelt ganz sicher auf einem schmalen Grat, aber er zeigt auch immer wieder, dass er ein Teamplayer ist, der täglich dazulernen will. „Es gibt keinen Kredit für die Vergangenheit. Ich bin ein junger Trainer, der sich jeden Tag neu beweisen muss.“ Und einer, der bekannte Lehrer auf dem Weg zum Cheftrainer genießen durfte. „Ottmar Hitzfeld ist einer der erfolgreichsten Trainer der Welt. Er wusste, einer Mannschaft ein Hierarchie zu geben. Er war kein großer Motivator, aber immer extrem fokussiert. Er hatte die besagte Siegermentalität. Es wäre dumm gewesen, nicht auf seine Erfahrung zurückzugreifen, ihn nicht zu fragen.“ Dennoch, seine wie er selbst sagt größte Qualität hat er sich von seinem einstigen Cheftrainer bei Red Bull Salzburg angeeignet: „Ich habe bei Trapattoni als Cotrainer gearbeitet. Trap war ein Taktikfuchs. Er hat lange nicht so defensiv gespielt, wie allgemein erzählt wird. Auch wenn er bei ’ner frühen Führung in der 15. Minute mal einen Angreifer runtergenommen und einen Defensiven gebracht hat.“ Trapattoni hatte Erfolg – geht es nach Fink, weil der Italiener seine ganz eigenen Philosophie hat. Wie er heute. „Deshalb hoffe ich, dass die Mannschaft so schnell wie möglich meine Philosophie verinnerlicht und meine Vorgaben umsetzt – dann werden wir hier Erfolg haben.“

Um sich selbst binnen kürzester Zeit einen Überblick über verschaffen zu können, setzte der neue Cheftrainer für Mittwoch bereits ein Testspiel der Profis gegen die eigene U23 an. Um 16 Uhr soll der vereinsinterne Vergleich auf einem der zwei Trainingsplätze an der Imtech-Arena steigen. Zuvor sind die Offiziellen ran. Bereits morgen streift Fink ab acht Uhr durch alle Abteilungen und erwartet eine Präsentation seiner engsten Mitarbeiter. „Besonders wichtig ist mir, dass wir eine gute Analyse-Abteilung haben“, hofft Fink und trifft beim HSV mit Matthias Kreutzer auf einen der begehrtesten Video-Analysten der Liga. Zudem will sich Fink die medizinische Abteilung und die Scoutingabteilung ansehen. Angedacht ist auch ein Treffen mit dem Aufsichtsrat – allerdings noch ohne Termin.

Womit ich diesen Blog und einen begeisternden, weil sehr Optimismus verbreitenden ersten Tag mit Thorsten Fink beenden möchte. Der neue Trainer gibt sich extrem klar, selbstbewusst, fordernd und kompetent. Er ist in seiner äußerst optimistischen, selbstbewussten Art irgendwie das Gegenteil des (mir viel) zu bescheidenen und manchmal sogar richtig kleinlauten Michael Oenning. Und so sicher ich mir bin, dass der eine oder andere Spieler seine Probleme mit ihm haben wird –ich glaube daran, dass Fink dafür Lösungen findet, die den HSV voranbringen. Weil er, wie er selbst sagt, „noch richtig hungrig und voller Elan“ ist. Fink ist heiß und hat eine Philosophie, die nach vorn geht. Er versteckt sich nicht. Da stört es mich auch nicht, dass er als gebürtiger Dortmunder BVB- und auch Bayern-Fan war („Mein Vater kommt aus Landshut, da bleibt was hängen“). Zumal er keine Sekunde auslässt, glaubhaft zu erklären, für welchen Riesen er den HSV in der Bundesliga immer gehalten hat und noch immer hält. Aber vor allem: weil er glaubhaft erklärt, zu welchem Riesen er den HSV in den nächsten Jahren formen will.

In diesem Sinne, morgen geht es weiter. Dann mit Finks Assistenten Patrick Rahmen.

Scholle (16.14 Uhr)

Thorsten Fink übernimmt ab Montag den HSV – Teil II

13. Oktober 2011

Es fehlte etwas. „Wir brauchen noch zwei Mikrofone“, sprach Mediendirektor Jörn Wolf auf dem Podest in sein Mobiltelefon – und ihm wurde prompt geholfen. Der Hauselektriker kam, stellte die vermissten Mikrofone auf und los gings mit Arnesens erster und (voraussichtlich) letzter Pressekonferenz als HSV-Teamchef. „Eine komische Situation“, gestand Wolf ein und leitete über: „Fangen wir heute mal mit dem Sportchef an.“ Und der hatte Großes zu verkünden, denn er war bei der Trainersuche fündig geworden. Genau genommen am Mittwochabend um 22 Uhr hatte Arnesen sich mit Bernhard Heusler darauf geeinigt, dass Thorsten Fink nach Hamburg wechselt: Ab Montag übernimmt Thorsten Fink das Traineramt des HSV. Er unterschrieb einen Vertrag bis 2014, der auch im Falle eines Abstieges Gültigkeit behält.

„Er war mein absoluter Wunschtrainer“, stieg Arnesen gleich in ein gut zehnminütiges Loblied ein. „Wir haben uns bei unserem ersten Treffen vor Wochen gleich sechs Stunden über Fußball unterhalten. Und wir haben in der Methodik identische Ansichten. Auch Thorsten weiß, dass er allein gut ist, er aber mit allen zusammen besser ist.“ Arnesen zeigte sich begeistert von dem mit 44 Jahren noch jungen Trainer. „Er ist hungrig. Ich habe mir vorher sehr viele Infos über ihn eingeholt. Über seinen Umgang mit der Mannschaft, Menschen allgemein und über sein Training. Das habe ich in die Gespräche mit einfließen lassen und hatte am Ende – was das Wichtigste für mich war – ein richtig gutes Gefühl.“ Das gibt einem auch Fink selbst, der sie aktuell schwierige Situation beim HSV annimmt: „Der HSV ist eine Marke, ein Verein mit großem Potenzial und einzigartiger Fankultur. Die jetzigen Situation ist schwierig, aber man kann sicherlich viel bewirken. Das wird meine Aufgabe sein. Die Möglichkeiten und Strukturen für erfolgreichere Zeiten sind vorhanden. Wir müssen nach vorne schauen.“

Fink gibt sich selbstbewusst. Nicht arrogant. Finks Fußballphilosophie: „Mein Grundgedanke ist offensiv ausgerichtet. Als HSV sollte man nicht reagieren, sondern versuchen zu agieren. Das Ziel muss sein, immer gewinnen zu wollen, egal ob es gegen den FC Barcelona, den FC Bayern oder den SC Freiburg geht. Wir müssen versuchen, dem Gegner unser Spiel aufzudrängen. Insbesondere diese fußballerische Ausrichtung hat bei Arnesen Spuren hinterlassen, der Däne freut sich: „Thorsten will den Ball haben, das Spiel kontrollieren. Seine Spielweise ist sehr konkret“, fußballdeutscht der Däne, „und die Spieler werden besser bei ihm.“ Bestes Beispiel dafür sein Xherdan Shaqiri. Der junge Schweizer hat unter Fink einen großen Schritt nach vorn gemacht und galt/gilt als Wunschspieler Arnesens.

Dem war heute die Erleichterung anzumerken. Zum einen darüber, die Trainersuche endlich abschließen zu können. Zum anderen aber auch darüber, einen absoluten Top-Mann gefunden zu haben. „Ich habe noch viele Freunde und Bekannte beim FC Basel“, erzählte Mladen Petric, „und alle haben mir nur Gutes berichtet.“ Er erhielt Glückwünsche dafür, unter Fink spielen zu dürfen. „Und ein jüngerer Spieler hat mir sogar per SMS geschrieben, dass ich mich glücklich schätzen könnte, jetzt den besten Trainer zu haben, unter dem er je trainieren durfte.“

Nun denn, einen äußerst sympathischen und klaren Eindruck hat Fink auch gestern am Telefon hinterlassen. Heute hat er selbiges die meiste Zeit ausgelassen. Der neue HSV-Trainer soll sich nach HSV-Auskunft bis zu seiner Vorstellung am Montag auch nicht weiter äußern wollen. Wer dennoch was von ihm hören/lesen will, kann sich auf www.hsv.de ein wirklich mal sehr lesenswertes Interview anschauen.

Nun denn, Fink bekommt seine Ruhe verordnet. „Weil er sich jetzt in den nächsten Tagen um seine ganzen Dinge in der Schweiz kümmern muss“, verrät Arnesen, der seinen Neuen am Montag in den Mittagsstunden offiziell in Hamburg präsentieren wird. Bis dahin wird Fink nichts mit dem HSV zu tun haben. In Freiburg sitzt Arnesen als Teamchef auf der Bank, die Besprechung machen er, Rodolfo Cardoso sowie Frank Heinemann zusammen. Fink wird nicht einmal als Zuschauer im Breisgau erwartet.

Allerdings sind die Erwartungen insgesamt sehr hoch. „Thorsten hat zehn Jahre beim FC Bayern gespielt. Das kannst Du nur, wenn Du ein gewinnertyp bist. Und Thorsten ist ein Gewinner“, so Arnesen nimmermüde, „er hat als Spieler alles gewonnen. Und es ist sehr gut, wenn Du es gewohnt bist, zu gewinnen. Wie beim FC Basel. Da wurde von ihm nichts weniger als der Titel verlangt – und er hat ihn geholt. Ob der Druck beim HSV ihn an seiner Entscheidung hat zweifeln lassen? Fink bei HSV.de: „Auf keinen Fall. Ich sehe es als große Herausforderung. Den Druck hat man immer. Ich habe beim FC Bayern gespielt, da weiß ich wie die Fußballwelt sich dreht. Und wenn man ehrlich ist, hat man es doch genauso schwer, wenn man zu einem sehr erfolgreichen Klub kommt und Titel bestätigen muss.“

Selbstbewusste Worte, die Arnesen nicht wundern. Im Gegenteil, er erwartet sie von seinem Wunschtrainer: „Weil er die nötige Siegermentalität besitzt. Er hat sich immer durchgesetzt.“ Auch jetzt mit seinem Wunsch, den in Basel noch bis 2013 datierten Vertrag für den HSV vorzeitig aufzulösen.

Sollte er irgendwann einen ähnlichen Wunsch beim HSV haben, wird das ungleich schwerer. Der bis 2014 datierte Kontrakt beinhaltet für keine der beiden Seiten eine Ausstiegsklausel. „Zweieinhalb Jahre sind für mich das Minimum, was ich mit Thorsten zusammenarbeiten möchte. Bei so einem Trainer wie ihm brauchst du keine Klausel. Ich vertraue ihm. Je größer die Herausforderung, desto besser wird er.“

Und gut ankommen wird er auch. Das glaubt auf jeden Fall David Jarolim, der bei seinem kurzen Auftritt beim FC Bayern insbesondere Fink in guter Erinnerung behielt. „Er war damals immer sehr positiv. Besonders zu jungen Spielern. Auch mir hat er damals geholfen.“ Klingt so, als würde Fink in den aktuellen Umbruch von Altstars zu jungen Talenten bestens hineinpassen. „Ich hatte eine lange Liste mit Dingen, die passen mussten. Und bei ihm habe ich die meisten Häkchen gemacht“, sagt Arnesen, „er hat das, was wir brauchen.“

Umsetzen soll er das mit dem Heimspiel-Doppelpack gegen Wolfsburg und Lautern. Mit den zwei Spielen nach der wichtigen Partie am Sonntag in Freiburg. „Alles andere wäre nicht korrekt gewesen“, so Arnesen auf die Frage, ob man auch überlegt habe, Fink schon in Freiburg coachen zu lassen. Und noch eine sehr interessante Frage wurde gestellt: ob Fink vielleicht einen oder mehrere interessante Spieler aus Basel zum HSV lotsen kann und will? Wie beispielsweise Shaqiri. „Wenn wir auch noch Spieler holen aus Basel, dann kann ich mich wahrscheinlich nie wieder in Basel blicken lassen“, scherzte Arnesen, der Fink über die aktuelle Situation beim HSV komplett aufgeklärt hat. „Er weiß, dass wir nicht sehr viele neue Spieler verpflichten können“, so Arnesen.

Und dann war er wieder Trainer. Um 13.50 Uhr ging es nur noch um das bevorstehende Spiel beim Abstiegskandidaten SC Freiburg. „Freiburg ist zuhause gut“, so Arnesen, der betonte, sich sehr eng mit Cardoso und Heinemann abstimmen zu wollen, „aber wir können dort sicher was holen. Die Mannschaft hat sehr, sehr gut trainiert. Alle haben alles gegeben. Das könnte schwierig für uns werden bei der Kadernominierung. Aber so wollen wir es ja.“

Eine Rolle spielt dabei erstmals auch Zugang Ivo Ilicevic, der Arnesen überrascht hat. Im positiven Sinn. „Er war vier Spiele gesperrt, dazu noch an der Leiste verletzt. Er ist zwar erst seit Montag wieder dabei, das aber sehr gut.“ Sollte der Außenspieler sich in den nächsten Tagen nicht verletzen, wird er im Kader stehen. Ob auch von Beginn an? Arnesen weicht aus: „Das werde ich hier nicht sagen. Freiburg soll ja nicht alles wissen.“

Dabei scheint klar, dass das Interims-Trainer-Trio nicht viel ändern wird. Zu gut waren die letzten Eindrücke trotz der unglücklichen Niederlage gegen Schalke. Heute im Training spielte die Startelf vom Schalke-Spiel, wobei Mancienne den im Kraftraum arbeitenden Jeffrey Bruma ersetzte, Jarolim für Rincon und Son für Guerrero im A-Team spielten. Die beiden Südamerikaner hatten Verspätung bei ihrer Rückreise von den Länderspielen, sollen aber am Freitag ganz normal mittrainieren und folglich auch für Freiburg gesetzt sein.

In diesem Sinne, erst Freiburg schlagen und dann mit neue Enthusiasmus eine (Heimspielsieges-)Serie starten. Ich freue mich auf jeden Fall auf und über den neuen Trainer. Ohne es aus eigener Erfahrung begründen zu können: ich habe bei Fink ein wirklich gutes Gefühl. Und wer den Blog schon länger verfolgt, weiß, dass das nicht bei jedem Trainer so war.

Bis morgen. Da wird um 15 Uhr trainiert und wir sprechen ausgiebig mit Ilicevic.

Scholle (18.35 Uhr)

Kurz notiert:

– Die EM-Playoffs bringen interessante Duelle mit sich. Gerade aus HSV-Sicht. Die Türkei, mit Gökhan Töre, trifft auf Kroatien mit Mladen Petric und Ivo Ilicevic. „Das sind schwierige Spiele, besonders auswärts, aber die Türkei ist eine Mannschaft, die wir schlagen können”, sagt Petric, der auf eine Revanche für die EM-Niederlage 2008 sinnt. „2008 sind wir bei der EM im Elfmeterschießen gegen sie ausgeschieden. Da haben wir noch etwas gut zu machen.“ Muhamed Besic trifft indes mit Bosnien-Herzegowina auf Portugal, Jaroslav Drobny mit seinen Tschechen auf Montenegro.

– Wer mal sehen will, dass unser Trainer und Sportchef in Personalunion, Frank Arnesen, wirklich ein Multitalent ist, guckt hier: http://www.youtube.com/watch?v=w-NjG0WbmLs.
Viel Spaß!

Startelf für Castelen und Rajkovic? Oenning hofft auf weitere Verstärkungen

23. August 2011

Sportdirektor Frank Arnesen hatte nach dem bitteren 0:5 in München wiederholt personelle Nachbesserung angekündigt: „Wir sehen auch, dass wir was tun müssen. In den nächsten zehn Tagen wird etwas passieren.“ Und er hielt Wort. Schon heute war Slobodan Rajkovic beim Medizincheck. Schon am Mittwoch soll der 22-Jährige zum ersten Mal mit der Mannschaft trainieren. Der Innenverteidiger, der in den nächsten Stunden einen Vertrag bis 2014 unterschreiben und weniger als zwei Millionen Euro Ablösesumme kosten soll, galt schon mit 16 Jahren als Super-Talent und soll möglichst bald zum Kader gehören. „Er ist groß. Und er ist ein Linksfuß – was mir sehr wichtig war“, freut sich HSV-Trainer Michael Oenning, der nicht ausschließen will, dass der Zugang bereits am Sonnabend gegen Köln im Kader steht. „Er ist fit. Und er hat etwas, was uns bislang fehlte: er ist einer, der Angst und Schrecken verbreitet“, lobt Oenning seinen fünften ehemaligen Chelsea-Profi im HSV-Kader.
Eine Frage, die sich uns stellte, war, ob wirklich ein Innenverteidiger Priorität hat. „Nein“, gesteht Oenning, „aber es war eine wichtige Baustelle, da wir mit drei Innenverteidigern (er meinte damit keinen Kacar sondern nur Bruma, Westermann und Mancienne, d. Red.) nicht durch die lange Saison kommen.“ Zudem scheinen die HSV-Planungen personell noch nicht beendet zu sein. „Wir wissen aber auch, dass uns ein offensiver Mittelfeldspieler sicher noch guttun würde.“ Ob der HSV-Coach noch Hoffnungen hat, dass er diesen Mr. X vom Vorstand finanziert bekommt? „Klar hoffe ich. Ich bin ja auch nicht der einzige, der erkannt hat, dass uns eine Verstärkung auf der Position sehr helfen könnte.“ Zuletzt galt der Schweizer Xherdan Shaqiri vom FC Basel als heißester Kandidat. Eine Verpflichtung des 19-Jährigen scheiterte aber schon an den mit knapp zehn Millionen Euro viel zu hohen Ablöseforderungen des Schweizer Champions-League-Teilnehmers. Zudem soll der HSV bereits (wie auch hier im Blog schon mehrfach geschrieben) bereits seit Juli an dem brasilianischen U-20-Nationalspieler Oscar dos Santos Emboaba Junior von Internacional Porto Alegre interessiert sein. Beides wird natürlich nicht bestätigt.
Ebenfalls noch unklar ist, was Oenning mit Romeo Castelen plant. Der Niederländer ist nach seiner jahrelangen Pause wieder voll dabei, spielte zuletzt überzeugend bei den Amateuren und begeisterte auch den HSV-Cheftrainer in den bisherigen Übungseinheiten. „Romeo ist wieder in der Lage, 90 Minuten zu gehen“, lobt Oenning den Rückkehrer, der schon gegen Köln als echte Alternative für die rechte Außenbahn zu betrachten ist. „Ich bin soweit, ihn in meine Überlegungen miteinzubeziehen, wenn er weiter gute Leistungen bringt.“ Dafür soll Castelen die Trainingseinheiten (Mittwoch zehn, Donnerstag 15 und Freitag 16 Uhr an der Imtech-Arena) bis zum Köln-Spiel nutzen.

Ebenso wie Paolo Guerrero, der heute schon wieder mit kurzen Sprints, längeren Läufen sowie Balltraining zu gefallen wusste. „Paolo soll nach Möglichkeit schon am Mittwoch wieder voll mittrainieren“, kündigt Oenning an und stellt dem Peruaner sogar einen Platz in der Startelf in Aussicht. „Wenn er bis Samstag super trainiert und keine Probleme hat, warum nicht…?“ Klar. Welcher Trainer wehrt sich gegen solche Spieler?

Wobei auch Marcus Berg es dem Trainer nicht leicht machen will. Der fußballerisch sicher begrenzte Schwede überzeugt von Trainingseinheit zu Trainingseinheit mehr. Und das mit dem, was ihn als Stürmer auszeichnen soll: mit Toren. Die macht Berg im Training am Fließband. Per Kopf, mit links, mit rechts und sogar mit der Hacke. Berg trifft. Einfach. Aber eben immer wieder. „Er wird tatsächlich immer besser“, freut sich auch Oenning, der zuletzt intensive Einzelgespräche mit dem oft introvertiert wirkenden Schweden geführt hat. „Er sagt selbst, dass er sich langsam richtig fit fühlt. Die Hüfte behindert ihn nicht mehr. Sollte er seine Muskulatur weiter im Griff haben, steht seinem Einsatz eigentlich nichts mehr im Wege.“

Außer Petric.

Denn auch der Kroate ist nach seinem grippalen Infekt, der heute Michael Mancienne flach legte, wieder an Bord. Gestern mit den Stammspielern einen Lauf absolviert, mischte der Stürmer im Training fleißig mit und war an mindestens genauso vielen Toren beteiligt wie Berg. Zumindest dann, wenn man die Tore mitberechnet, die er dem Gegner auflegte, als er für ein paar Minuten in der Defensive mitzuwirken versuchte. Trotzdem zählt Petric unter Oenning als einer der wenigen gesetzten Spieler, sofern er gesund ist.
In der defensiven Position deutlich effektiver als Petric präsentierte sich David Jarolim. Der Tscheche, der nach seinen Nichtberücksichtigungen gegen Dortmund und Hertha BSC sichtlich angefressen war, ist bei Oenning wieder erste Wahl. Gegen Köln wird er eine der beiden Sechser-Positionen, die Oenning ankündigte, bekleiden. Und er will Verantwortung übernehmen, der zuletzt lethargisch wirkenden Mannschaft wieder Leben einhauchen. „Wir müssen jetzt ganz anderen Schwung in die Mannschaft kriegen“, warnt Jarolim, „gerade jetzt, wo der Druck sicherlich nicht kleiner wird müssen wir aufhören zu jammern und uns gegenseitig helfen. Wir müssen aggressiver spielen, wenn wir was reißen wollen. Diesmal müssen wir das Heft in die Hand nehmen. Wir müssen uns das Selbstvertrauen mit einer starken, klaren Leistung erarbeiten. Lockerheit und Selbstvertrauen bringen nur Siege. Und den müssen wir gegen Köln holen. Da müssen wir von beginn an drauf gehen und Druck machen.“

Oh ja, bitte. Nicht noch mal so ein Versteckspiel wie gegen Dortmund und Bayern vorgegeben, beziehungsweise wie gegen Hertha unfreiwillig gespielt. Wenn der HSV nicht frühzeitig ins Hintertreffen geraten will, muss gegen die Rheinländer ein Sieg her. Und angesichts der Form des FC, die Oenning als „stärker werdend“ tituliert, sollte das auch alle Mal drin sein. „Wenn wir das Spiel gewinnen, sind wir Fünfter, Sechster oder Siebter oder so. Und dann fahren wir mit einem ganz anderen Selbstvertrauen nach Bremen, so Jaro weiter.“

Soviel zur Theorie. Die sieht das Spiel des HSV am Sonnabend als Abstiegsduell. Immerhin trifft der 17. Auf den 18. der Tabelle. „Das ist ein zweifellos schwieriges Spiel“, weiß Jarolim, spricht damit die Psyche der jungen Mannschaft an und bekommt von Oenning gleich einen klugen Ratschlag mit auf den Weg: „Aber es ist eben auch erst der dritte Spieltag, dort das Duell 17. Gegen 18. – was wir vollkommen ausblenden müssen. Uns muss es einzig darum gehen, das Spiel zu gewinnen. Der Rest ergibt sich.“
Ebenfalls ergeben haben sich bereits etliche Trainerdiskussionen. Zum einen was Stale Solbakken beim FC Köln betrifft, zum anderen aber auch was Oenning in Hamburg betrifft. Viele ehemalige Größen haben sich schon kritisch über den HSV-Trainer geäußert, der in elf Spielen als HSV-Chef erst einen Sieg eingefahren hat. „Ich kann nur sagen, dass mein direktes Umfeld sehr ruhig ist“, sagt Oenning und spricht damit den HSV-Vorstand an, der sich zuletzt klar zu Oenning bekannt hatte. „Allerdings kann es natürlich auch sein, dass die das nur sagen, um mich zu beruhigen“, scherzt Oenning und legt nach: „Siege sind auch hierfür das beste Heilmittel.“ Das Gute daran: sein letzter Sieg war gegen den 1. FC Köln. Wenn das mal kein gutes Omen ist für Sonnabend….

In diesem Sinne, hoffen wir, dass Rajkovic eine Soforthilfe für die Wackelabwehr des HSV wird. Hoffen wir, dass Oenning seinen Wunsch nach einem Offensiven Mittelfeldspieler erfüllt bekommt. Und vor allem: hoffen wir darauf, dass Köln nicht nur der letzte Sieg war, sondern auch der nächste Sieg wird…
Scholle
(19.15 Uhr)

Und zum Schluss noch etwas, was heute schon im Print-Teil zu lesen war, hier aber der Volsständigkeit halber noch mal erwähnt werden sollte:
Eigentlich sollte es der Beginn einer fruchtbaren Zusammenarbeit werden – aber es endete im Streit. Nachwuchsleiter Bastian Reinhardt, HSV-Sportchef Frank Arnesen und Paul Meier, Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, hatten 200 Jugendleitern Hamburger Klubs die Hand gereicht, um in Zukunft den Zufluss der größten Talente zum HSV zu optimieren. Allerdings hatte es zuvor auch die Mitteilung des HSV an den verband gegeben, dass künftig keine HSV-Talente mehr zum Verbandstraining abgestellt werden. „Eine Zusammenarbeit mit Vertrauen einzufordern, sie aber auf Hamburger Ebene unmittelbar zuvor selbst zu lösen, das kann nicht funktionieren“, so Uwe Jahn, Cheftrainer des Hamburger Fußballverbandes. Allerdings muss man dazu wissen, dass das Verhältnis zwischen dem HSV und dem HFV seit Jahren sehr angespannt ist. Beide Seiten beanspruchen für sich, die besten Ausbildungsmöglichkeiten für junge Spieler zu bieten.
Angetrieben von dem neuerlichen Zerwürfnis mit dem HSV stellte Jahn auch gleich das Konzept Meiers komplett infrage: „Da werden alle didaktischen Erkenntnisse der letzten Jahre missachtet, das Konzept ist einfach falsch.“ Dennoch setzt der HSV weiter auf sein Konzept: „Wir werden unseren Weg zusammen weitergehen – mit den vereinen“, so Reinhardt, der auffällig souverän mit den Vorwürfen umging und auch auf eine Zusammenarbeit mit Jahn und dem Verband setzt: „Auch Herr Jahn ist bei der Umsetzung stets herzlich willkommen.“

Oenning: Kein Wort über Guy – und kaum Stürmer da

24. Juni 2011

Michael Oenning ist entspannt. Zum einen, weil er seinen (kurzen) Urlaub genießen konnte, zum anderen, weil „die Kaderplanung im Fluss ist“, wie der HSV-Coach versichert. „Wir fangen jetzt am Sonntag mal an und harren der Dinge, die da noch kommen.“ Beruhigend hierbei ist für mich erst einmal: es kommen noch Dinge. „Frank Arnesen weiß, was er macht“, lobt Oenning und beruhigt mich, „und bislang ist der Transfermarkt noch gar nicht richtig in Bewegung gekommen.“

Es wird also noch einiges passieren. Am Sonntag ist das zwar nur ein leichtes, nettes und mit Frei-Würstchen garnierter Aufgalopp eines Teils der Mannschaft, „aber ich freue mich, dass es endlich losgeht“, sagt Oenning, der eine Art Mängelverwaltung erwartet. Erst am Montag stoßen Marcell Jansen (landet erst Sonntagabend aus dem USA-Trainingslager) und Jeffrey Bruma (wenn er seinen Vertrag unterschrieben hat) dazu. Am Donnerstag folgt dann noch Eljero Elia, womit Oenning in den ersten Testspielen zumindest eine Alternative mehr für den Sturm hat. Dort fehlen Mladen Petric und Marcus Berg nach ihren Verletzungen noch einige Wochen (Petric 14 Tage, Berg voraussichtlich sechs Wochen) zudem ist Paolo Guerrero beim Südamerika-Cup. „Natürlich wäre es schön, wenn alle drei gesund hier wären, aber sie kommen ja. Und bis dahin haben wir ja auch Alternativen. Und für die ist das ‘ne Chance.“

Allerdings gilt das für nicht allzu viele. Heung Min Son, sowie die Aushilfsstürmer Eljero Elia und Änis Ben-Hatira sollen in den ersten Testspielen die Offensive richten. Und nicht zu vergessen: Tolgay Arslan, der wieder in Hamburg ist, bei dem aber noch nicht endgültig klar ist, ob er noch mal verliehen oder gar verkauft wird.

Wobei die Anzahl der Stürmer ja auch gar nicht so entscheidend sein muss, sollte die von Arnesen unlängst angesprochene Systemumstellung auf 4-3-3 vollzogen werden. Dann würden voraussichtlich Elia und Pitroipa auf den Außenbahnen nur noch einen zentralen Stürmer bedingen. Wie genau das aussieht, werden wir wahrscheinlich beim ersten richtigen Test am 3. Juli in Flensburg gegen Wolfsburg sehen, während am 1. Juli auf Sylt gegen eine Nordfriesland-Auswahl wahrscheinlich noch ziemlich bunt gewürfelt gespielt wird. „Es gibt keinen Anlass zu Sorgen“, sagt Oenning und wirkt motiviert: „Wir haben eine Menge Rückenwind, den wir mitnehmen wollen“,

Kein Wort wollte Oenning indes über Guy Demel verlieren. Mit dem hatte ich gestern gesprochen und für die Print-Ausgabe des HA ein Interview geführt. Hauptthema war natürlich die Ursache für das Zerwürfnis von Guy mit Oenning. Und während Guy bis heute nicht wissen will, weshalb der Trainer ihn aussortiert und damals als „lustlos“ betitelt hatte, sagte Oenning nur: „Das Thema ist für mich schon seit einigen Wochen keins mehr. Wenn Guy sich über die Presse äußern will, soll er das machen. Aber das ist nicht mein Weg.“

Muss es auch nicht. In diesem Fall stehen Aussage gegen Aussage. Während Guy nur mannschaftsdienlich gedacht haben will, als er unmittelbar vor der Abfahrt gegen Leverkusen absagte, hat Oenning Züge bei dem Ivorer ausgemacht, die er als schädlich oder zumindest nicht mehr passend für den HSV ansieht. Logische Konsequenz ist die Trennung. Wobei Guy weiß, dass auch er einen Fehler gemacht hat. Das sagt er auch. Allerdings war ihm am wichtigsten, den Fans mitzuteilen, wie sehr er die Zeit in Hamburg genossen hat. Und ich glaube, das ist ihm gelungen.

Was den Rest betrifft: ich bin mir sicher, dass es nicht allein dieser eine Vorfall war, der zum Zerwürfnis zwischen Trainer und Spieler geführt hat. Guy galt noch bei jedem Trainer als schwierigerer Typ, weil er enorm sensibel ist. Geistig wie körperlich…
Aber auch das sollte jetzt egal sein. Das Thema ist so gut wie durch. Im Guten, wie ich hoffe. Denn auch Guy hat sich in den letzten Jahren mehr als verdient gemacht. Bei allem, was man ihm jetzt vielleicht vorwerfen mag, er war ein Teil des großen Aufschwungs von 2005 bis heute. Und sobald sich ein Verein gefunden hat, der noch rund 1,5 Millionen Euro auf den Tisch legt, kann Guy gehen. Dem Vernehmen nach gibt es im Moment die interessantesten Offerten aus England. Aber fix ist hier noch (lange) nichts.

Gleiches gilt bei Pitroipa. Denn obwohl der Außenspieler von Stade Rennes seit Wochen umworben wird und die Franzosen unlängst angekündigt hatten, ein verbessertes Angebot zu unterbreiten, hat beim HSV noch niemand ein offizielles Angebot erhalten. Im Gegenteil. Bei der Interessenbekundung, die Arnesen bestätigt hatte, sollen bislang Zahlen von 1,5 bis zwei Millionen Euro im Raum gestanden haben. Zahlen, für die der HSV noch nicht einmal das Faxgerät anschalten würde. Im Gegenteil: Oenning plant aktuell mit Pitroipa, sieht den Burkinaben als Alternative für den Sturm, solange die erste Reihe noch fehlt.

In die erste Reihe will auch unbedingt Wolfgang Hesl. Der zuletzt verliehene Torwart soll vom österreichischen SV Ried nach Hamburg zurückkehren. Zumindest dann, wenn er sich dem sportlichen Vergleich mit dem von Trainer und Sportchef öffentlich bereits mehrfach favorisierten Jaroslav Drobny stellen will. „Ich habe mich mit ihm getroffen“, sagt Oenning, „und wir hatten ein längeres, nettes, ehrliches Gespräch.“ Ob Hesl bleibt? „Darüber soll er sich jetzt erst einmal Gedanken machen. Wir haben uns vereinbart, in zwei Tagen noch mal über das Thema zu sprechen und uns bis dahin Gedanken zu machen.“

Wäre ich Hesl, und ich kenne Wolfgang als sehr loyalen, ehrgeizigen Menschen, ich würde alles daran setzen, den HSV zu verlassen und woanders als Nummer eins anzuheuern. So oft wie Arnesen und Oenning zuletzt betont hatten, dass Drobny die Eins wird, hat Hesl nur im Verletzungsfall des Tschechen realistische Chancen. Und darauf wird er nicht spekulieren. Im Gegenteil: ich bin mir relativ sicher, dass Hesl bei Arnesen und Oenning eine Vertragsauflösung oder wenigstens einen Leihtransfer als Lösung vorschlagen wird.

Ansonsten kamen zuletzt mal wieder Gerüchte auf, der HSV sei an dem Talent Shaqiri dran. Das stimmt. Es stimmte zumindest, denn der Schweizer gilt beim HSV noch immer als ein Spieler, der helfen würde. Allerdings ist der 19-Jährige zu teuer. „Er ist für uns wohl kaum zu bezahlen“, sagt Oenning, der in der Schweizer Zeitung „Blick“ noch etwas offensiver zitiert worden war. Oenning dazu: „Eun alter Bekannter hatte mich angerufen und gefragt, was ich von dem Spieler halte. Darüber, dass wir ihn aktuell verpflichten wollen, habe ich nie gesprochen. Im Gegenteil: Shaqiris Position auf der Außenbahn ist nicht unsere Priorität. Wir suchen weiter in der zentrale einen- wie Frank so schön formulierte – Box-to-Box-Spieler.“ Soll heißen: einen zentral offensiven Spieler.

In diesem Sinne, ansonsten war es heute mal wieder ein sehr ruhiger Tag beim HSV (O-Ton Jörn Wolf: „Es ist wirklich gar nichts passiert“). Morgen meldet sich Dieter wieder bei Euch.

Habt ‘nen schönen Freitagabend,

Scholle
19.10 Uhr

Der neue Fleiß – und eine Geschichte

2. Juli 2010

Herrlich! Auf Sylt gibt es keine Eintagsfliegen. Fußballerische Eintagsfliegen jedenfalls. Oder noch genauer: HSV-Eintagsfliegen. Grund dieser und meiner Erkenntnis: Am Donnerstag wurde bereits hart trainiert, und, jetzt kommt wieder Freude bei mir auf, am Freitag ebenfalls. Super. Die Jungs werden hart ran genommen, die Vormittagseinheit dauerte zwei Stunden und 20 Minuten. Bereits um 7.30 Uhr hatte Armin Veh sein Team zum Frühlauf gebeten, zweimal 15 Minuten. Auch wenn das Tempo da (bei einigen) nicht gerade hoch gewesen sein soll – die Herren tun etwas (mehr). Und diesem Freitag geht es auch noch weiter, denn nach dem Spiel Niederlande gegen Brasilien (sorry, ich war in Gedanken schon etwas weiter) wird noch eine Stunde auf dem Fahrrad verbracht, unterbrochen von 15 Minuten Dehnübungen. Mensch, das klingt alles so gut – von mir aus könnte diese Saison jetzt chon losgehen, ich bin auf diesen HSV gespannt wie ein Flitzbogen.

So, nun mal die Euphorie ein wenig runterfahren, denn die Profis werden ja auch bestens bezahlt, dafür dürfen sie sich dann auch ein wenig quälen. Ist nur so, dass ich eine solche Intensität seit über einem Jahr nicht mehr (beim HSV) gesehen hatte. Und es weht irgendwie auch ein anderer Wind im Training. Die erste halbe Stunde gehörte Co-Trainer Michael Oenning, und der ließ bei seiner Premiere-Einheit Passspiel üben. Mit einigen netten Kommentaren, die darauf hindeuteten, dass er keine „Luscherei“ duldet. Solche Töne gab es von einem HSV-Assistenten auch seit geraumer Zeit nicht mehr zu hören. Mir gefiel das.

Nach 30 Minuten übernahm dann, wie bereits am Donnerstag, Leistungsdiagnostiker Manfred Düring das Kommando. Kompliment an den diplomierten Sportwissenschaftler, er zieht sein Programm super durch. Offenbar hat er bereits das Vertrauen von Chef-Trainer Armin Veh erhalten, denn der neue Coach lässt Düring jegliche Freiheiten – und ich bin davon restlos überzeugt, dass sowohl Veh als auch der HSV davon profitieren werden. Düring hatte ein Zirkeltraining mit 15 Stationen aufgebaut, wer als Spieler nicht gerade an einer dieser Stationen „herumturnen“ musste, der lief einmal über das gesamte Spielfeld hin und zurück. Die jeweiligen Einheiten dauerten 30 Minuten, dann gab es aktive Erholung von 15 Minuten, in denen getrunken und dann gelaufen wurde.

Zum Tagesgeschäft. Der Transfer von Jaroslav Drobny zum HSV ist so gut wie perfekt. Der bisherige Hertha-Keeper hat den Medizin-Check des HSV überstanden, am Montag soll ein Drei-Jahres-Vertrag unterzeichnet werden. Dann wäre der erste Neuzugang unter Dach und Fach. Und eventuell auch ein bisschen Ärger. Es sei denn, Frank Rost zieht die Konsequenzen und sucht sich auf die Schnelle noch einen neuen Arbeitgeber. Ich rechne ja fest damit. Auf’s Altenteil wird sich Frank Rost auf jeden Fall noch nicht setzen lassen.

Nach Drobny könnte durchaus schon in der nächsten Woche (?) ein weiterer Berliner zum HSV stoßen – Gojko Kacar. Die Verhandlungen mit dem Mittelfeldspieler sollen weit fortgeschritten sein, so dass es auch dort demnächst zu einer Unterschrift kommen könnte.

Gehandelt wird beim HSV ja auch der Schweizer Xherdan Shaqiri Das größte Talent der Schweiz (so heißt es immer wieder) spielt im Mittelfeld, dort vorzugsweise auf den Außenbahnen, mit Vorliebe dann auch links. Wie Marcell Jansen, Eljero Elia und Piotr Trochowski. Ob der HSV klug beraten ist, diese Position doppelt und dreifach zu besetzten? Oder, was ich auch schon gedacht habe: Shaqiri könnte ja auch eventuell über die rechte Seite kommen – als Linksfuß. Siehe FC Bayern und Arjen Robben. Wer hätte gedacht, dass van Gaal seinen Landsmann so eisern rechts spielen lässt? Und wer hätte dazu noch gedacht, dass das so gut funktionieren würde? Robben ist doch von rechts nicht mehr wegzudenken. Und eventuell funktioniert ein solches Modell ja auch beim HSV . . . Dann hätten sich die Hamburger eben mal etwas vom FC Bayer abgeguckt, na und?

So, es folgt noch die Sommergeschichte zum ersten Viertelfinale (hat aber weder etwas mit Brasilien noch mit den Niederländern zu tun).
Leider muss ich Euch mitteilen, dass ich den Namen des Autoren nicht mit nach Sylt genommen habe, und dass ich von hier (der Insel) auch nicht in der Lage bin, ihn zu ergründen. Vielleicht meldet sich der Schreiber dieser Sommergeschichte und verrät uns seinen Namen – wäre schön. Auf jeden Fall einmal vielen Dank für die Zeilen und für die Mühe. Es ist ein weitere Beweis für mich, dass man auch überall auf der Welt HSV-Fan sein kann – sogar im Rheinland.

Es geht los:

Hallo HSVer,

nachdem ich hier so viele tolle Geschichten lesen durfte, die mich ein um das andere Mal an meine eigenen Erfahrungen mit dem HSV erinnerten, dachte ich mir, dass mein Beitrag da sicher ganz gut rein passen würde.

Ich bin HSV-Fan aus vollem Herzen, obwohl ich in der Nähe von Köln lebe. Angefangen hat alles damit, dass mein Papa mir zum zehnten Geburtstag mein erstes HSV-Trikot geschenkt hat. Er ist selber im Norden aufgewachsen und trägt die Raute ebenfalls im Herzen. Auf jeden Fall war ich von klein an in „unseren“ HSV verliebt.

Als ich noch Steppke war, hatten wir weder Internet, auf dem ich den HSV im Radio verfolgen konnte, noch konnte ich die Spiele in den hier gängigen Radio-Sendern verfolgen, da diese doch in sehr geringem Maße vom HSV berichteten. So ergriff ich sonnabends um 15:30 die einzig mir übrig bleibende Möglichkeit und schaltete den Fernseher an. Dann saß ich 90 Minuten vor der Videotext-Tafel, voller Spannung und in freudiger Erwartung, wenn das nächste Mal ein Ergebnis pink aufleuchtete. Was es immer tat, wenn dort gerade ein Tor gefallen war.

Besonders gut erinnere ich mich da an ein Tor von Roy Präger, ich weiß aber leider nicht mehr, gegen wen er dieses schoss. Meine Mutter hielt mich damals schon für bekloppt und konnte sich nicht erklären wieso ich so etwas mache, da ich ja schließlich in Köln aufgewachsen bin. Ich kann es ihr bis heute nicht erklären, aber ich kann ihr erklären, wieso ich mich jede Woche auf das Spiel vom HSV am Wochenende, oder wie in den letzten Jahren, auch meistens donnerstags so unglaublich freue.

Mein Herz schlägt einfach Schwarz-Weiß-Blau.

Dann wurde ich älter und mein Vater nahm mich zum ersten Mal zu einem Spiel zum HSV mit. Ich bin 1992 geboren und durfte nie in den Genuss des Volkparkstadions kommen. Dafür aber die atemberaubende Atmosphäre der AOL-Arena aufsaugen. Ich war begeistert, obwohl mein HSV über ein Unentschieden gegen den 1.FC Köln nicht hinauskam. Dies lag nicht zuletzt am schwachen Schiedsrichter, der ein klares Handspiel auf der Linie eines Kölners in der Nachspielzeit nicht erkannte, nachdem Sergej Barbarez den Ball nach einer Ecke aus fünf Metern Richtung Tor beförderte.

Für mein schönstes Erlebnis mit dem HSV muss ich jetzt allerdings einige Jahre weiter springen, sonst wird die Geschichte zu lang. Es war ein Auswärtsspiel in Leverkusen, vor drei Jahren. Das erste Mal Auswärtsblock Stehplatz. Zusammen mit meinem Onkel, meinem kleinen Cousin, die beide extra aus dem Norden angereist waren, sowie meinem Papa stand ich ganz unten am Zaun und feuerte den HSV an – so gut wie ich konnte. Doch allen Bemühungen des bis zum letzten Platz gefüllten Gästeblocks zum Trotz führte Bayer bis zur 70 Minute mit 1:0. Die HSV-Fans stellten sich schon auf eine Niederlage in Leverkusen ein, doch dann schlug die Stunde von Paolo Guerrero.
Der damalige HSV-Trainer Thomas Doll brachte also sein letztes Ass ins Spiel, der kurz darauf den Gästeblock mit einem Doppelpack innerhalb von fünf Minuten in ein Tollhaus verwandeln sollte. Man konnte jetzt eine Stecknadel in der ausverkauften Bay-Arena fallen hören, nur wir, der Gästeblock, waren obenauf. „Der HSV ist wieder da“, so hallte es nach Spielende durch Leverkusen.

Besonders freudig erinnere ich mich daran, dass Paolo Guerrero nach seinem zweiten Treffer an den Zaun des Gästeblocks lief, und weitere HSV-Spieler folgten, mit denen ich dann zusammen jubeln konnte. Es war so, als wäre ich Teil der Mannschaft, denn ich stand mit meinem Cousin ganz unten am Zaun. Auch die mich von hinten an den Zaun drückenden HSV-Fans konnten meine Freude nicht dämmen.
Wir feierten noch lange nach Schlusspfiff, und als ich nach Hause kam, schaute ich mir im DSF die Bundesliga am Sonntag an. Hierbei stellte ich stolz fest, dass ich beim gemeinsamen Jubel über das 2:1 im TV zu sehen war. Ein schönes Erlebnis. Es folgten weitere Auswärtsfahrten, die ich mit immer wieder enormer Begeisterung antrat.

In diesem Sinne, nur der HSV !!

PS: Eine Anmerkung noch von mir. Ein Matz-abber schrieb gerade, dass Frank Rost kürzlich im Flieger nach Manchester saß. das stimmt. Aber das hatte keine sportlichen Gründe, das war ein rein privater Besuch. Es muss von Eurer Seite also nicht gemutmaßt werden, ob Frank Rost demnächst im Tor von ManU oder von City stehen wird. Beides wird nicht passieren.

15.21 Uhr

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