Archiv für das Tag 'Seeler'

Aussortiert! Maxi Beister soll sich einen neuen Verein suchen!

5. Juni 2015

Hätte ich gewusst, was der spätere Nachmittag noch bringt – ich hätte sicherlich angefangen mit der Nachricht des Tages. Aber so steht sie am Ende. Hinter Sätzen, die ein Erlebnis der ganz besonderen Art beschreiben…

Denn Dieter hatte sogar Tränen in den Augen, als tatsächlich die Zusage da war: „Dittsche und Uwe kommen, sie haben zugesagt“, sagte er mir am Telefon ganz ruhig, um dann hinzuzufügen: „Ich könnte heulen!“ Das wiederum lag daran, dass Dieter diese Kombination zweier großer HSVer – der eine als HSV-Idol, der andere als HSV-Fan und TV-Idol – seit langem versucht hatte, einzuladen. Letztes Jahr hätte es auch tatsächlich geklappt, wäre da nicht die Relegation dazwischengekommen. Dieses Jahr drohte Gleiches – und doch klappte es, weil sich Olli Dittrich mit Seeler zusammentat und sich den Termin freischaufelte. Ein großer dank dafür – und ein noch größeres Kompliment an Dieter, für den die beiden das ermöglicht haben.

Und während Dieter vor der Sendung schon Tränen in den Augen hatte, war ich danach stolz, an einer solchen Runde teilgenommen zu haben. Und ehrlich gesagt haben Dieter und ich eigentlich nur als Staffage gedient, weil sich die beiden Freunde unterhielten. Das übrigens schon eine halbe Stunde vorher, in der wir über Dittrichs neues Projekt „Schorsch Aigner“ (http://www.ardmediathek.de/tv/Comedy-Satire/Schorsch-Aigner-der-Mann-der-Franz-/Das-Erste/Video?documentId=28690672&bcastId=25304236) sprachen. Dabei spielt Dittrich ein Beckenbauer-Double, das die Wahrheit über den Weltfußballer auspackt. Mehr als empfehlenswert!!

Aber zurück zum Treffen mit den beiden Granden ihres Business’: Dittrich und Seeler wirkten wie zwei Schuljungs, die sich ewig nicht gesehen haben und vor Freude etwas überdrehen. Sie scherzten, lachten – und steckten alle im Tram damit an. Bis es ernst wurde und über den HSV gesprochen wurde. „Oh Mann, es war gerade so lustig“, scherzte Dittrich, der im B-Rang seine Dauerkarte hat und zu den „engagierteren“ Fans gehört. Als der HSV Schalke 2:0 geschlagen hatte und Freiburg in Hannover in der Nachspielzeit auf 1:2 verkürzt hatte, stand ich neben ihm und versorgte ihn über WLAN mit dem Liveticker. Und obgleich ich schon „Puls“ hatte, beruhigte es mich fast zu sehen, wie sehr Dittrich abging. Ähnlich erging es übrigens auch Seeler, also Ilka Seeler. Uwe Seelers Gattin hielt es am Montag nicht mehr aus und musste im Laufe der letzten Minuten die Lokalität „La Veranda“ um den HSV-Fan und Wirt Paco verlassen. „Sie konnte nicht mehr und wollte spazieren gehen“, so Uwe mit einem Schmunzeln, „das Ganze nimmt uns halt alle mit.“ Stimmt. Und obgleich immer wieder gern der Scherz gemacht wird, dass sich Uwe Seeler IMMER Sorgen um seinen HSV macht – es stimmt. Seeler ist vom HSV vollständig eingenommen, er kann sich gar nicht wehren. Trotz des Ärgers um seinen Enkel Lewin. „Darüber spreche ich nicht mehr“, so Seeler bestimmt, „heute ist das Thema abgehakt.“

Nach dem Video, das ich Euch hiermit ans Herz legen möchte, saßen wir noch eine Weile zusammen und diskutierten bei einer guten Portion Chilli con Carne. Dittrich und Seeler parlierten über Franz Beckenbauer und dessen Schulterverletzung bei der WM 1970 in Mexiko. Früher sei sicher nicht alles besser gewesen, aber eben einiges. Unter anderem der Zusammenhalt in Mannschaften. Seeler erzählte, wie sie es früher handhabten. Wenn etwas in der Abwehr nicht lief, „lief ich eben – und zwar nach hinten, um den Rest aufzuwecken. Ich habe manchmal richtig übel geschimpft und bekam nur als Antwort: Geh nach vorn und schieß ein Tor, damit wir gewinnen, den Rest erledigen wir.“

Oft klappte das auch. „Wenn nicht, gab es einen Mannschaftsabend bei dem jeder – und damit meine ich wirklich alle Spieler der Mannschaft – anwesend waren und sagten, was sie stört. Das tat mal weh – aber es war reinigend. Vielleicht ist das ja etwas für heute…“, so Seeler, ehe er hinzufügt: „Aber dafür ist die Zeit wahrscheinlich zu modern. Warum auch immer…“, so Seeler, der ganz offensichtlich große Hoffnungen in Trainer Bruno Labbadia und Vorstandsboss Dietmar Beiersdorfer setzt. Ebenso wie Dittrich.

Vor einigen Wochen hatte ich mich geärgert, als sich Uwe Seeler wieder öffentlich Sorgen um den HSV machte. Nach dem Interview habe ich mit ihm darüber sprechen können und bin mir in sehr, sehr vielen Punkten einig. Nein, das klingt arrogant: In erster Linie höre ich einem Uwe Seeler zu und vertraue auf sein Fachwissen, zumal er völlig frei von dem Verdacht ist, sich selbst in den Vordergrund spielen zu wollen. Der Ehrenspielführer der Deutschen Nationalmannschaft ist einfach ein außergewöhnlich bodenständiger Ex-Weltfußballer mit einer an Leidenschaft grenzender Sympathie für seinen Heimatklub. Kurzum: Seeler ist ein ehrlicher Mensch, dessen Qualitäten der HSV deutlich zu wenig nutzt. Während andere Vereine ihre größten Idole immer wieder einbinden, ist Seeler zwar ein gern gesehener Gast, der in der Loge die Spiele verfolgt. Aber leider nicht mehr, leider…

Wobei ich ehrlich gesagt gar nicht weiß, ob die Stürmer von heute überhaupt zu schätzen wüssten, jemanden wie Uwe Seeler kennenzulernen. Dennoch würde ich solche Treffen arrangieren, um zumindest versucht zu haben, den Spielern die Tradition des Klubs zu verdeutlichen. Denn dafür reicht eine fragwürdige Uhr im Stadion allemal naicht. Nein, wenn der HSV endlich wieder Profil haben will, sollte er seine Vergangenheit zu seinem Vorteil nutzen und den Spielern von heute zeigen, dass sie nicht wichtiger sind als das Bundesliga-Urgestein, das schon deutlich bessere Tage erlebt hat. Der Klub muss der Star sein, nicht die Spieler – egal wie viel sie verdienen.

Apropos Geld, rund zehn Millionen Euro Gehaltseinsparungen muss Peter Knäbel durchsetzen und hat parallel zehn Millionen Euro für Neue. „Täglich 20 neue Namen“ würden ihm genannt, so Mediendirektor Jörn Wolf zum Thema potenzielle Zugänge. Admir Mehmedi war einer der Namen, Oliver Sorg ein weiterer Kandidat für den HSV vom Absteiger SC Freiburg. Und auch beim zweiten Absteiger ist der HSV an einem Offensivmann dran – und das bereits seit der Winterpause, wie in verschiedenen Foren und Zeitungen bereits berichtet wurde. Paderborns Rechtsaußen Süleyman Koc ist demnach im HSV-Visier und könnte ob einer Ausstiegsklausel in seinem bis 2018 datierten Vertrag für rund eine Million Euro Ablösesumme zum HSV wechseln. Gegenüber Goal.com bestätigte Koc etwaige Gespräche mit dem HSV: „Es ist vorstellbar.“

Klar, für den HSV auch. Knäbel forstet sich durch die Absteiger auf der Suche nach einem „Schnäppchen“. Parallel scheinen in der aktuellen Mannschaft kaum Spieler unverkäuflich. Der HSV braucht nämlich nicht nur einen Neuanfang, sondern auch neues Geld. Und dafür müssen Spieler abgebeben werden – obgleich der HSV mit seinen Spielern bislang auf dem Markt eher nicht erste Adresse ist. Mal wieder nicht… „Es muss etwas passieren. Es gibt inzwischen schon mehr Dinge, die sich ändern müssen als Dinge, die beibehalten werden sollten“, scherzte Seeler am Rande und hatte mehr Recht, als ihm lieb war.

Soll sich einen neuen Verein suchen: Maxi Beister

Soll sich einen neuen Verein suchen: Maxi Beister

Denn einen hatte Seeler dabei ganz sicher nicht auf dem Zettel – im Gegenteil: Von Maxi Beister erhoffte sich Seeler mit einer neuen Vorbereitung neuen Schwung. Und so gern ich den heutigen Blog auch allein im Zeichen des Interviews gelassen hätte, diese Nachricht torpedierte dieses Vorhaben: denn dass der Rechtsfuß inzwischen vom HSV mitgeteilt bekommen hat, dass er gehen soll, wusste Seeler zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Fakt aber ist: Maxi Beister hat vom Verein mitgeteilt bekommen, er möge sich per sofort nach einem neuen Klub umsehen – was auch die Personalien Mehmedi und Koc noch nachvollziehbarer wirken lässt.

Haben keinen Draht zueinander: Trainer Bruno Labbadia (l.), und Beister

Haben keinen Draht zueinander gefunden: Trainer Bruno Labbadia (l.), und Maxi Beister (r.)

Was ich hier immer wieder zwischen Zeilen angedeutet habe, hat sich tatsächlich bewahrheitet. Der Offensivspieler spielt in den Planungen des HSV keine Rolle mehr. Schon länger nicht mehr. Auch deshalb wurde er in den entscheidenden Spielen nicht gebracht. Und obwohl ich eigentlich vorhatte, heute das Interview an sich wirken zu lassen und den Blog kurz zu halten, komme ich an einem solchen Hammer natürlich nicht vorbei. Zumal der bis 2016 unter Vertrag stehende Göttinger von bislang allen Trainern als Hoffnungsträger genannt worden war – Labbadia ausgenommen. Der neue Coach scheint keinen Draht zu Beister gefunden zu haben oder schlichtweg nicht auf dessen Qualitäten setzen zu wollen.

Eine Nachricht, die in den nächsten Tagen sicherlich noch für viel Aufsehen sorgen wird. Mich hat sie aus den Socken gehauen – weil ich gehofft hatte, dass man sich in einem vernünftigen Vieraugengespräch schnell auf eine Zusammenarbeit einigen könnte. Offensichtlich war das Gegenteil der Fall…

In diesem Sinne, bis morgen. Dann vielleicht auch mit einer Reaktion der Offiziellen. Ich hatte heute Dietmar Beiersdorfer erreicht, der sich zu der Personalie allerdings nicht äußern wollte. Dennoch bin ich mir ziemlich sicher, dass es in den nächsten Tagen auch vom HSV eine offizielle Reaktion geben wird.

Bis dahin,
Scholle

Viel Wirbel um Behrami und Westermann!

8. März 2015

Gute Freunde kann niemand trennen. Sang einst Franz Beckenbauer, und er tat es kürzlich, gemeinsam mit Uwe Seeler, auch noch bei der Hamburger Sport-Gala, als er, der Kaiser und ehemalige HSV-Spieler, für seine Stiftung und sein Lebenswerk geehrt wurde. „Uns Uwe“ verriet mir später, dass „Gute Freunde“ auch fast immer gesungen wird, wenn sich die „Schneeforscher“, ein ganz besonderer Stammtisch bestehend aus ehemaligen deutschen Sport-Größen, treffen. Gute Freunde, oder auch nur Freunde, sind ja auch Joe Zinnbauer und Jürgen „Kloppo“ Klopp. Und weil sich die beiden Trainer am Sonnabend, beim 0:0 im Volkspark, ein wenig in Rage geredet, geschrien oder auch gebrüllt hatten, war zu befürchten, dass sie künftig getrennte Wege gehen würden – aber es sah nach der gemeinsamen Pressekonferenz nicht so aus. Jedenfalls aus der Ferne.

 


 

Da hatten die Trainer ihre unterschiedlichen Meinungen zur Vorstellung von HSV-Profi Valon Behrami noch einmal sehr deutlich gemacht. Zuerst erklärte Joe Zinnbauer den Ellenbogenschlag des Schweizers gegen BVB-Spieler Mkhitaryan, der bereits nach zwei Minuten am Boden lag: „Ja, Valon wollte sich dementsprechend schützen, er sieht den Spieler von der Seite kommen und fährt den Arm aus. Aber trotzdem, wir brauchen nicht darüber reden . . . Ich weiß, Jürgen, Kloppo, dass du jetzt anderer Meinung bist, aber letztendlich hat er auch gesagt, dass er lange nicht mehr auf dem Platz gestanden hat, wir wissen, dass er gerade mal ein paar Tage auf dem Platz gestanden ist, und die Koordination sicherlich auch noch fehlt – Absicht war das mit Sicherheit keine. Seine Spielart ist einfach so, er ist ein Aggressiv-Leader, ich bin froh, dass ich ihn habe.“

 

Das ließ Jürgen Klopp dann nicht mehr ruhen. Er war nicht aufgebracht, war sichtlich darum bemüht, seine Stimme nicht zur erheben – und sagte: „Das ist jetzt ein sehr gutes Beispiel dafür. Ich habe diese Woche irgendetwas über einen Journalisten gesagt. Dabei ging es um das Thema Humor. Daraus ist eine riesige Geschichte entstanden. Und jetzt sitzt ihr alle da und habt die Szene gesehen – und wollt von mir hören, was ich dazu denke, dabei denkt jeder das Gleiche. Außer Joe, weil es sein Job ist. Jeder andere denkt das Gleiche. Dann macht daraus eine Geschichte, und macht nicht mit meinem Namen eine Geschichte, ehrlich gesagt. Das war eine Rote Karte, fertig. Ob der vorher acht Monate nicht gespielt hat, ob er zwei Wochen nicht gespielt hat, ob ihm die Koordination gefehlt hat oder sonst was. Es hat gereicht, um den Arm nach oben zu nehmen und Mkhitaryan ins Gesicht zu schlagen.“

 

Aufklärend sei gesagt, dass sich Jürgen Klopp zuletzt über den TV-Kommentator Marcel Reif geäußert hatte – was hohe Wellen schlagen ließ.

 

Gute Freunde, kann niemand . . . Da wurde es noch einmal hart. Zwischen den beiden Trainern, die einst gemeinsam für Mainz 05 gespielt haben, saß im Presseraum nur HSV-Medien-Direktor Jörn Wolf. Aber es blieb, zum Glück, friedlich. Klopp abschließend (leicht aufstöhnend) riet: „Macht damit, was ihr wollt . . .“ Zinnbauer zum Schluss mit versöhnlichen Untertönen: „Jetzt können sie ’ne Geschichte machen, Kloppo.“ Darauf Klopp: „Ich weiß, ich bin ein Idiot.“ Zinnbauer lachend: „Das habe ich nicht gesagt.“ Klopp: „Ich weiß, aber ich weiß es schon lange.“

 

Ja, es ging an diesem Sonnabend wahrlich hoch her, im Volkspark. Ähnlich wie einst beim Heimspiel gegen Bayer Leverkusen. Am 1. November 2014 hatte der HSV beim 1:0-Sieg gegen die Werks-Elf nicht nur ordentlich dagegengehalten, sondern ab und an auch mal de Hammer herausgeholt. Da war mitunter Brachialgewalt im Spiel, und Schiedsrichter Florian Meyer erntete seinerzeit einiges an Protesten aus dem Leverkusener Lager, allen voran von Rudi Völler.

 

Diesmal war der HSV zwar eine Nuance zurückhaltender, doch es gab schon einige Szenen, die grenzwertig waren. Das muss man als Hamburger schon gestehen. Aber so, und nur so geht es im Abstiegs- und Existenzkampf. Da darf nichts verschenkt werden. Das wollen die Fans sehen. Und weil sie es von dieser HSV-Mannschaft auch endlich sehen können, deswegen ist die Hütte auch immer wieder rappelvoll. 57 000 Zuschauer waren am Sonnabend wieder da, ausverkauft. Das geschieht nur, weil die Hamburger jetzt erkennen, dass sich die Mannschaft gegen das drohende Unheil wehrt. Ein Verdienst der neuen Führung – ein Verdient vor allem von Joe Zinnbauer. Auch wenn diese Gangart nicht von allen akzeptiert oder auch gelobt wird. Das ist schon klar. Ein neutraler Beobachter wie ZDF-Reporter Thomas Wark befand: „Sieben Gelbe Karten und nur fünf Torchancen, ein schlechtes Spiel.“ So kann man es sehen. Aber auf anderen Plätzen sieht es ähnlich aus, wenn sich ein Team – oder gar beide – gegen den Abstieg wehren müssen.

Insgesamt sagte Jürgen Klopp zur Hamburger Härte: „Es hätte sicher einige Möglichkeiten gegeben, Behrami frühzeitig zum Duschen zu schicken. Wir haben Glück gehabt, dass sich keiner verletzt hat, das war hart an der Kante.“ Und in Richtung Behrami sagte der BVB-Coach: „Ich wünsche ihm als Mensch, dass das keine Absicht war.“
Gut fand ich, was BVB-Torwart Roman Weidenfeller resümierend sagte: „Wir mussten uns erst einmal an die Härte des HSV gewöhnen, aber der HSV steht mit dem Rücken zur Wand, da ist eine solche Spielweise okay.“ Hoffentlich bekommt der Nationalkeeper für diese ehrliche Aussage nicht noch nachträglich einen Rüffel der Verantwortlichen.

 

Das hoffe ich natürlich auch für Heiko Westermann. „HW4“ ist nach diesem Spiel so richtig mal ausgeflippt. Endlich einmal! Bravo! Er hatte die vielen, vielen Schmähungen gegen sich viel zu lange schweigend hingenommen. „Die Kritiker und Idioten, die meinen, sie hätten den Fußball erfunden, die können mich alle mal. Ich habe immer den Arsch hingehalten und lasse mir von solchen Idioten nicht den Namen kaputtmachen“, sagte der frühere Nationalspieler, den etliche HSV-Fans schon seit Jahren „auf dem Kieker“ haben. Ärger, Frust, Häme und sogar Hass – was wurde nicht alles auf Westermann abgeladen, und nun diese Explosion. Die Joe Zinnbauer durchaus nachvollziehen kann. Der Coach verteidigt seinen Abwehrmann: „Ich finde, dass es nach gefühlten fünf Jahren mal an der Zeit gewesen ist, dass er explodiert. Der Heiko hat hier jahrelang den Kopf herhalten müssen, nun hat er sich mal ausgekotzt, das gehört dazu. Irgendwann platzt einem mal der Kragen, ich kann ihn verstehen und freue mich darüber. Heiko ist ein Vollprofi. Er lebt und tut alles für den Verein.“

Wobei Zinnbauer dieses Ausrasten auch auf eine Art sportlich sieht und nimmt: „Das habe ich von ihm auch während des Spiels immer verlangt, dass er explodiert und sich auch verbal etwas zutraut. Wenn er das mit nach zum Spiel gegen Hoffenheim nehmen kann, wäre das top. Das brauchen wir im Moment. Gegen Dortmund hat Heiko ein richtig gutes Spiel gemacht.“ Und sogar Klopp lobte, wenn auch auf Nachfrage, den HSV-Profi-Westermann: „Wenn er heute nicht gespielt hätte, dann stehen wir zweimal allein vor dem HSV-Tor. Er ist der einzige HSV-Innenverteidiger, der in Sachen Schnelligkeit mit einem Aubameyang mithalten kann. Zweimal hat Westermann ihn abgelaufen.“ Übrigens hat Heiko Westermann sich im Internet-Auftrieb des HSV über sich selbst wie folgt geäußert: „Meine persönliche Leistung wird ja öffentlich immer wieder viel diskutiert. Ich habe heute die fünfte oder sechste Position in der Rückrunde gespielt. Ich kann dazu nur so viel sagen, dass ich mir meinen Namen hier nicht kaputt machen lassen will von irgendwelchen Leuten, die denken, sie hätten den Fußball erfunden. Ich habe jeden Ball gefordert und mich in jeden Zweikampf geworfen. Deswegen braucht mir ein sogenannter Fan oder sonst wer nicht erzählen, wie Fußball gespielt wird.“

 

Auch das wird einem gewissen Teil des HSV-Anhangs sicher nichts bedeuten, das ist mir schon klar. Es wird trotz allem weiter gepfiffen. So wie gegen Mönchengladbach war, als Westermann in der 86. Minute eingewechselt worden ist. Und als in der Nachspielzeit der Ausgleich gefallen ist, weil die gesamte Defensive des HSV gepennt hat, wurde Westermann als derjenige ausgemacht, der die Schuld an diesem späten 1:1 trug. Natürlich Westermann. Und wer sich nicht alles erlaubt, über Westermann zu urteilen. Das ist abenteuerlich. Die sehen kein Training, die haben kein Ohr in der Mannschaft – aber sie machen ihn nieder. Permanent. Ich habe in der „Matz-ab-live“-Sendung vom Sonnabend gesagt, dass ich seit mindestens eineinhalb Jahren kein privates Wort mit Heiko Westermann gewechselt habe. Nicht deshalb, weil ich damit dem Pöbel gehorchen wollte, sondern deshalb, weil ich Westermann damit schützen wollte. Um der Wahrheit die Ehre zu geben: So war es einst auch bei Piotr Trochowski (war beim Dortmund-Spiel im Stadion), mit dem ich nicht mal mehr telefoniert habe, nachdem ich einmal mit ihm als Sevilla-Spieler telefoniert und eine Geschichte gemacht hatte – und sich danach, hier bei „Matz ab“, ein enormer Shit-Storm auf den Weg (gegen ihn und mich) gemacht hatte. Ich wollte mit meinem Schweigen, das ich bis heute eingehalten habe, nur jeden weiteren Ärger und Stress für den Spieler vermeiden. Soweit war und ist es schon gekommen.

 

Aber noch einmal zurück zum Fußball. Gefreut habe ich mich nicht nur für Westermann, dass er eine so starke Partie gespielt hat. Und auch, dass Cleber so gut war. Auf Anhieb wieder so gut war. Unser „Matz-ab“-Gast Jürgen Stars lobt den Brasilianer und sagte: „Wir müssen aufpassen, dass er uns nicht ganz schnell wieder für viel Geld abgekauft und weggeholt wird.“ Da ist wohl was dran. Cleber fand auf Anhieb wieder zu seinem Spiel, das er zuletzt gezeigt hatte. Das war für mich, sage ich ehrlich, überraschend. Ich habe ihm einen so starken Auftritt noch nicht wieder zugetraut – „Scholle“ sehr wohl. Für mich wirkte er in dem einen Training, was ich am Dienstag von ihm gesehen habe, noch ein wenig zerbrechlich, auch etwas zimperlich – und noch lange nicht bei 100 Prozent. Gegen Dortmund aber war er voll da – lobenswert! Da hat der HSV doch, und ich schreibe doch, weil er zu Beginn ja schon als Fehleinkauf galt, einen echten Goldfisch an der Angel.

 

Der dritte Mann, mein dritter Mann, dieses Spiels war Gojko Kacar. Hut ab! Wie der Serbe sich wieder zurückgekämpft hat, das imponiert mir gewaltig. Es begeistert mich sogar. Kacar war aussortiert, er wollte weg, er ließ sich – als er bei der Zweiten trainieren musste – auch ein wenig hängen, nahm etwas an Gewicht zu, auch sicher aus Verzweiflung über das Abstellgleis, auf dem er sich befand – aber er gab nie auf. Und er fand auch nie ein böses Wort gegen den HSV. Wie er das geschafft hat, ist mir immer noch ein Rätsel, aber er schaffte es auf eine äußerst bemerkenswerte Art. Und jetzt bringt er immer seine Leistung. Egal, ob er von Beginn an spielt, oder nur eingewechselt wird. Das ist wirklich vorbildlich und ein absolut profihaftes Verhalten. Auch wenn ich natürlich weiß, dass mir nun gleich vorgehalten wird, dass er dafür ja auch ein fürstliches Gehalt kassiert. Klar, das ist auch so, aber wer hat es ihm denn aufgezwungen? Damals schmiss der HSV noch mit Geld so um sich, als wäre genügend davon vorhanden. Dafür aber konnte und kann Kacar nichts. Und ich freue mich für ihn, dass er jetzt doch noch einige positive Dinge mit dem HSV und in Hamburg erleben kann. Ganz nebenbei kann ich jedem, der noch gewisse Zweifel hegt, bescheinigen, dass Gojko Kacar ein Super-Typ ist, der eigentlich zu bescheiden durch diese Profi-Welt geht. Da ist nicht gerade typisch für den Fußball.
Dass Kacar dann, weil Behrami wieder spielen konnte, aus der Mannschaft genommen wurde, stieß nicht überall auf Verständnis. Es wurde auch bei „Matz ab live“ recht kontrovers diskutiert. Wie immer hat es Kacar selbst ohne zu murren ertragen und hingenommen. Und ich muss zugeben, dass ich auch dafür war (und immer noch bin), weil es in dieser Mannschaft ansonsten niemanden gibt, der seinen Mund aufmacht. Behrami reißt alle mit (auch die Zuschauer), er motiviert, er dirigiert, er stellt seine Nebenleute. Daran, seien wir doch ehrlich, mangelt es doch schon seit Jahren. Und nun haben wir dort einen, der das kann und auch macht, und deswegen muss er auch spielen – wenn er kann. Und selbst wenn er nur bei 80 oder 90 Prozent ist. Behrami ist für diese Truppe so wichtig, nicht nur als Abräumer, sondern auch als „Erzähler“. Ich kann Joe Zinnbauer da verstehen und auch folgen, bei mir kleinem B-Lizenz-Trainer hätte er auch sofort gespielt. Stellt sich nur die Frage, ob es nicht auch noch einen anderen Kandidaten gegeben hätte, der statt Kacar auf die Bank gegangen wäre. Ich hätte aber auch in dieser Frage so entschieden, wie Zinnbauer.

 

Und auf Valon Behrami muss ich auch noch wegen einer anderen „Geschichte“ zurückkommen. Obwohl ich jetzt die Gefahr laufe, oberlehrerhaft zu wirken. Trotz allem muss ich es noch einmal loswerden: Ich hoffe, dass Trainer oder/und andere HSV-Verantwortliche einmal ganz in Ruhe mit dem Schweizer reden. Sie sollen ihn nicht einengen, auch nicht zurückpfeifen, aber sie sollen zu einer gewissen Besonnenheit aufrufen. Weil er sonst schnell wieder vor einem Platzverweis stehen würde. Glaubt es mir, auch Schiedsrichter sehen sich die Bundesliga-Spiele an, und sie merken sich, wenn einer so foult, wie es Behrami am Sonnabend tat. Macht er weiter so, geht er vom Platz, keine Frage. Und damit ist weder ihm noch dem HSV gedient, der dann womöglich wochenlang auf seinen Abräumer verzichten muss.
Ich schrieb es bereits am Dienstag, dass Behrami zu schnell auf 180 ist. Im Spiel gegen die U23 legte er sich einmal mit Sven Mende an (gar nicht fein), und Minuten später (dann sogar für einige Minuten!) mit Francis Adomah. Das muss nicht sein, ganz ehrlich. Es ist der eigene Verein, da muss man nicht so ausflippen. Und die Verantwortlichen standen am Rande, sie haben es gesehen, müssen es gesehen haben – und sie müssten eigentlich auch reagiert haben. Danach. Denn das Spiel selbst wurde von einem Schiedsrichter-Gespann geleitet. Und dieser Unparteiische wird sich schwer hüten, in einem solchen Kick irgendwelche erzieherischen Maßnahmen (oder einen Platzverweis) vorzunehmen.
Aber vielleicht erübrigt sich das ja alles auch schon recht bald, wenn dann die Koordination bei Valon Behrami zu 100 Prozent wieder stimmt . . .

 

Eine kleine Entwarnung kann es im Verletzten-Fall Johan Djourou geben, denn der Schweizer hat sich wohl doch nicht schwerer am Oberschenkel (Adduktoren?) verletzt. Im Moment ist es so geplant, dass er spätestens am Mittwoch wieder ins Training einsteigen soll.

 

Danken möchte ich an dieser Stelle explizit noch einmal unseren beiden Gäste bei „Matz ab live“ vom Sonnabend. Jürgen „Starsky“ Stars und „el presidente“ Benno Hafas (nicht Harfas oder so!) sagten sofort zu, als sie von unserer Notlage erfuhren, und sie sorgten dann dafür, dass wir eine sehr lebhafte Sendung hinlegen konnten. Danke, danke, danke – Ihr wart super, einfach großartig – vielen Dank. “Starsky” – mit Dir jede Woche. Mindestens! Weil Du immer Klartext sprichst. Übrigens, wer es nicht weiß: „el presidente“ deswegen, weil Benno Hafas Vorsitzender des „Matz-ab“-Fanclubs ist, von Beginn an. Und wer (kostenloses) Mitglied des Clubs werden will, sollte sich bei ihm (fast immer beim Training) oder bei den Moderatoren melden. Oder bei mir.

 
PS: Morgen, am Montag, ist trainingsfrei.

 

Zum Schluss noch einmal ein kleiner Satz, den Trainer Joe Zinnbauer nach dem 0:0 von sich gab, der die Situation des HSV sehr gut beleuchtet – und der bei mir ein wenig für Erleichterung sorgt: „Für uns ist dieser Punkt Gold wert.“

 

17,29 Uhr

Die Sorgen und Nöte der Anderen ***ERGÄNZT***

19. Februar 2015

*****ERGÄNZUNG 20.14 Uhr:******

Mal was Neues: Training um 17 Uhr. Im Hellen beginnen, mit Flutlicht beenden. Es sei denn man ist einer der vielen Rekonvaleszenten und geht erst gar nicht auf den Platz oder früher wieder in die Kabine. So, wie es Ivica Olic machte. Oder auch Petr Jiracek, der sich nach ein paar Steigerungsläufen und etwas Balltraining das Trainingsspiel von außen ansah. Kein Rekonvaleszent aber dafür auch früher in die Kabine geschickt wurde Ivo Ilicevic, der gestern gegen Halstenbek länger – und das gut – gespielt hatte. Pierre Michel Lasogga, Cléber Reis und Valon Behrami fehlten dagegen ebenso wie Lewis Holtby.



Wieder dabei waren dafür Slobodan Rajkovic und Dennis Diekmeier. Und beide gleich in der vermeintlichen A-Elf. Für Rajkovic rückte Westermann und für Diekmeier Ashton Götz ins B-Team. Und es scheint, als wäre das die aktuelle Formation für das Gladbach-Spiel. Zumindest ließ Zinnbauer heute im Training das Verschieben so intensiv üben, dass alles andere wenig Sinn machte. Im Defensivverbund sollten die zwei Viererketten beim 4-4-2 (Stieber und Rudnevs vorn) schnellstmöglich vom Pressing auf kompakte Defensive mit allen elf hinter der Mittellinie umschalten. Und zumeist klappte das auch. Einzig Rudnevs wusste die Anweisungen von Zinnbauer ebenso wenig umzusetzen wie die von den Kollegen. Aber der Lette dürfte unter normalen Umständen am Sonntag gegen Mönchengladbach von Ivica Olic ersetzt werden.

 

„Es hat alles gehalten, perfekt“, freute sich heute nach dem Training Dennis Diekmeier, der nach seiner langen Verletzungspause erst seit Dienstag wieder im Mannschaftstraining steht und gestern gegen Halstenbek-Rellingen eine starke Partie ablieferte. Ob er sich die Startelf zutraut? „Klar, ich will spielen. Und wenn alles so funktioniert wie heute, dann ist das gar kein Problem.“

 

Ein Problem lösen will indes auch Julian Green. Der Leihspieler vom FC Bayern hatte gestern sein klärendes Gespräch mit Trainer Joe Zinnbauer und verständigte sich dabei darauf, bis zum Wochenende normal mitzutrainieren und dann zu sprechen. Heute im Training – das muss ich nach all der berechtigten Kritik zuletzt erwähnen – war Green gut. Er kam über die linke Seite im B-Team und sorgte für die meiste Gefahr. Ich bin auf jeden Fall gespannt, ob Green und Ilicevic „begnadigt“ werden oder weiter keine Rolle für das Bundesligateam spielen. Gleiches gilt für Maxi Beister – bei dem Rechtsfuß allerdings allein aus gesundhgeitlichen Gründen. Ob er schon wisse, wo er am Wochenende spielen soll? „Nein“, so Beister, „das entscheidet sich erst noch.“ Wieder nicht dabei sein wird Lasogga. Der Angreifer verpasst damit sein 13. Spiel seit seiner Verpflichtung vor etwas mehr als eineinhal Jahren.

 

Ebenso noch nicht wieder im Kader sein wird Behrami. Für den Schweizer rückte auch heute wieder Marcelo Diaz ins vermeintliche A-Team. Zusammen mit Rafael van der Vaart spielte der Chilene im zentralen Mittelfeld – schwach. Beide leider. Denn während van der Vaart versuchte, was er nicht gut kann (grätschen, kämpfen, Defensivzweikämpfe), war Diaz irgendwie nicht bei der Sache. Immer wieder musste er von Zinnbauer darauf hingewiesen werden, wie er den Gegner anzulaufen habe. Diaz nickte fleißig, als hätte er es verstanden. Hatte er aber nicht. Zudem spielte der Passspezialist fast jeden Pass in die Füße des B-Teams, das folgerichtig durch den 19 Jahre jungen Trainingsgast Dominik Masek mit 1:0 in Führung ging. Und als Mohamed Gouaida als Jansen-Ersatz ausglich, beendet Zinnbauer die 90-Minuten-Einheit.

 

Morgen geht es um 15.30 Uhr weiter. Dann wieder mit Olic, Ilicevic und voraussichtlich auch Jiracek. Es bleibt auf jeden Fall spannend, wer gegen Gladbach das Projekt Wiedergutmachung umsetzen darf/soll/muss. Ginge es rein nach Leistung, wären Stand jetzt mit Diekmeier rechts und Ostrzolek links hinten sowie mit Rajkovic neben Djourou und Ilicevic als Jansen-Ersatz gleich vier Neue im Team.

 

Ich würde es begrüßen.

Bis morgen!

Scholle*****

 

Das Entsetzen ist immer noch groß. Überall. Und Dietmar Beiersdorfer hat nach dem 0:8 ja auch zugegeben, dass ihm die Briefe der Fans reihenweise auf den Schreibtisch flattern. Ich könnte wetten: nicht nur ihm. Das geht wahrscheinlich allen Redaktionen so. Das mutmaße ich deswegen, weil es bei mir auch der Fall ist. Es reißt nicht ab. Die Fans machen sich nicht nur Sorgen, sie machen sich auch bezüglich der HSV-Zukunft vielerlei Gedanken. Und entweder schreiben sie es bei Matz ab als Beitrag, oder sie schicken es mir, um auf ihre Zeilen keine spöttischen Kommentare zu ernten.
Weil heute erst um 17 Uhr trainiert wird und es somit doch eine spätere „Veranstaltung“ im Blog geben wird, möchte ich schnell mal einen Querschnitt aus dem geben, was mir in diesen Tagen so zugespielt wurde. Wie gesagt, ein Querschnitt.

 

Für Abendblatt-Blogs


 

Eines möchte ich aber schnell noch einmal vorweg erwähnen. Nach dem letzten „Matz ab live“, das es bekanntlich nach dem 0:8 gab (und das bis Montagmittag bereits 13 806 Leute gesehen hatten (es läuft auf einen neuen Rekord hinaus!), wurde von einigen Usern unser Gast Dennis Diekmeier attackiert. Unfair, wie ich finde. Klasse fand ich es nämlich, dass sich der verletzte Verteidiger bereit erklärt hatte, zu uns zu kommen (viele “Alt-Internationale” kneifen nämlich, um ja nichts mehr Böses über ihren HSV sagen zu müssen!). Niemand, er vor allem Dingen nicht, konnte ahnen, was es dann für ein Debakel geben würde . . . Und mal im Ernst: Was sollte Diekmeier dann noch groß sagen? Ein 0:8 spricht für sich. Er kann doch die Kollegen, den Trainer und auch nicht den gesamten Verein „in die Pfanne hauen“. Das kann doch nun wirklich niemand ernsthaft erwarten.

 

Das war eine ganz, ganz schwierige Situation für ihn, und ich finde, das ist meine volle Überzeugung, dass er sich trotz allem noch sehr, sehr gut aus der Affäre gezogen hat. Wie schlimm ihm diese Niederlage zugesetzt hatte, das sah man ihm wohl ganz genau an, da brauchte es keine zusätzlichen Kommentare. Der Mann war ganz einfach fertig. 0:8! Was soll man da noch sagen? Deswegen bitte ich auch heute noch um Verständnis und vor allem Fairness Dennis Diekmeier gegenüber.

 

So, und nun zu meiner kleinen Auswahl an Briefen, die mich erreichten. Ich bedanke mich auf diesem Weg bei allen, die sich dazu durchgerungen haben, mal ihre Einschätzungen zur derzeitigen Situation niederzuschreiben. Mir jedenfalls spricht einiges von dem, was ich lesen konnte, aus dem Herzen.

 

Zum Verständnis für alle: Ich habe die Briefe (Mails) in ihrer Originalform gelassen, also nichts korrigiert, nichts weggelassen und schon gar nicht hinzugefügt. Das ist im Blog ja auch nicht anders. Und nun geht es los:

 

 

hallo matze….

 

mit schweren gedanken hingst du in den seilen…..kann ich nachvollziehen….
wer ist schlechter als der hsv…..
vor ca. 9 monaten war das so ungefähr hansa rostock…..
die letzten sieben spiele (incl.greu-fü) der letzten saison waren unweigerlich der
absolute tiefpunkt seit 120 jahren hsv-geschichte….
und so ging es auch in die jetzige saison nahtlos weiter….
und dann wurde (endlich) doch der hebel umgedreht….
ottmar hat das im sky-interview richtig festgehalten….no comment…
in meinem mail von anfang februar habe ich vom neandertal herumfabuliert….
denk zurück an die wm in brasil…. 7:1 gegen den favoriten…..endspiel…..glorreich spielen u. verlieren? meister der herzen? scheiße man……jogi hat eiskalt auf ergebnis gespielt……1:0 gewonnen…. hat sich einer beklagt? ob der spielerischen mängel in diesem spiel?
yes…yes…so isses….matze…. „rennen…kämpfen…glück“ (spiegel) …..aber ein plan soll das nicht sein…… mein gott… soll der hsv denn für die dritte liga planen?????
mit glanzvollen auftritten gegen asbach-uralt oder stutt II???

 

deine „nationalspieler-theorie“ wg. spielerischen momenten etc….. ist alter und bitterer senf….
glaubst du denn dass berti vogts…h. d. höttges… (dessen sohn war fünf jahre lang
joe`s co-trainer beim vfb o.) hätten (neben vielen anderen) irgendwelche
spielerischen erleuchtungen gehabt?
aber es hat so etwas gegeben…. der 3:0 sieg gegen die udssr im em-endspiel anfang der siebziger…. eine der größten fuballerischen glanztaten aller zeiten…. man kann natürlich der mannschaft von altona 93 dieses video hundertmal vorführen… allein….gegen curlslack-neuengamme klappt es (trotzdem) nicht…. joe`s plan ist ganz einfach…. erstmal erfolg….dann sind plötzlich gratulanten en masse da…..die vorher gar nicht erkennbar waren…..gott sei dank kann er mit der presse adäquat umgehen….bleibt immer (wie ottmar richtig festgestellt hat) „authentisch“

….schöne grüße…. v.

 

 

Sehr geehrter Herr Matz,

 

die Niederlage von München wurde in Ihrem Blog gut analysiert. Fehler in der Aufstellung waren nicht zu übersehen und über die Einstellung unserer Profis während der Schmach von Bayern gibt es nichts hinzuzufügen. Am Samstag war ich noch geschockt, aber in der Nachbetrachtung des Spieles stelle ich mir eine Frage – Warum bin ich geschockt? War es nicht abzusehen das sowas auf uns zukommt?

 

Doch, es war abzusehen. Viele von uns haben jedes Heimspiel live im Stadion ( dazu gehöre auch ich ) und die Auswärtsspiele live im TV und zum Teil im Stadion verfolgt. Ich hätte nicht gedacht das es möglich ist vom spielerischen her die letzte Saison im negativen Sinne zu toppen. Weit gefehlt – die Leistungen in dieser Saison sind technisch zum Wegschauen. Es ist eine Katastrophe was die Herren ” Profis ” uns bei den Heimspielen im Volksparkstadion zumuten und mit Bundesligafußball hat das nichts mehr zu tun. Kurz etwas zur Gemütslage bei den Heimspielen. Folgendes ist mir bei jeder Partie klar. Sollte die gegnerische Mannschaft das erste Tor erzielen wird unser HSV maximal einen Punkt ” erkrampfen” können. Auswärts sieht das nicht anders aus. Und das ist auch jedem Gegner klar. Ohne Struktur, ohne Zug zum Tor und völlig ideenlos präsentiert sich die Mannschaft von Joe Zinnbauer. Es gibt nicht ein Spieler, der in der Lage ist, eine halbwegs vernünftige Flanke in den Strafraum zu bekommen. Ein Trauerspiel und einer Bundesligmannschaft nicht würdig. Spieler wie Diekmeier, Jansen, van der Vaart und Westermann spreche ich jegliche Tauglichkeit ab. Sie können es einfach nicht. Und ich erwarte das auch nicht mehr von diesen Rautenträgern.

 

Was möchte ich Ihnen damit sagen? Ganz einfach – Herr Zinnbauer ist für diese Entwicklung verantwortlich. Sein System mit einer Spitze funktioniert nicht. Noch besser finde ich es, Ivica Olic zu verpflichten, und diesen doch tatsächlich in 3 Pflichtspielen als alleinige Spitze zu bringen. Geht`s noch? Westermann, Jansen, van der Vaart und Müller scheinen einen Freifahrtsschein zu haben. Er stellt angeblich nach Leistung auf. Hört sich gut an, aber spielt auch eventuell das Jahresgehalt eine Rolle dabei? Ein Schelm wer Böses dabei denkt.

 

Kurzum – ich sehe eine starke, negative Entwicklung unter Zinnbauer. Er wirkt unsicher, ideenlos und hat taktische Defizite. Er hatte im Winter die Chance das System umzustellen und hat diese verpasst. Nur mit Motivation wird unser HSV nicht überleben. Das „Gefasel“ nutzt ab und wirkt sehr schnell unglaubwürdig. In München hat er total daneben gegriffen und das Torverhältnis versaut. Na klar, wir haben einige Verletzte. Aber das kann und darf keine Ausrede sein. Ein guter Trainer ist flexibel und hat Ideen. Das spreche ich Herrn Zinnbauer ab.

 

Kurz noch was zu unserem Spielermaterial. Es ist zu lesen, dass der HSV mit Jansen das Gespräch sucht, Westermann möchte gerne wissen wie der HSV im nächsten Jahr dasteht, van der Vaart könnte sich vorstellen weiterzumachen und Diekmeier findet Hamburg auch ganz toll. Ich kann nur hoffen das all diese Spieler keine neuen Verträge beim HSV bekommen. Westermann ist das Allerletze (Unsicherheitsfaktor Nummer 1), Jansen stocksteif und langsam, van der Vaart vor dem Karriereende und Diekmeier total überbewertet. Ich mache mir Sorgen das diese Spieler weiterhin beim HSV rumturnen und den Umbruch aufhalten.

 

So, das soll es gewesen sein. Die Sorgenfalten ziehen sich über unsere Stirn und die Angst geht um. Wie gesagt – wir alle haben die Leistungen während der gesamten Saison gesehen und sollten uns nicht wundern. Dieser HSV unter Zinnbauer ist das technisch schlechteste Team der Liga. Und das liegt nicht nur am „Material“, sondern das liegt auch an der Art und Weise wie „Magic – Joe“ spielen lässt.

 

Arschbacken zusammen und durch – das wird unsere Devise für den Rest der Saison sein. Ich wünsche es mir wie alle im Blog – unser HSV muss erstklassig bleiben. Aber die gezeigten Leistungen lassen doch arge Zweifel bei mir aufkommen.

 

Es grüßt herzlichst mit einem gepflegten „Nur der HSV“,

Ihr K.

 

 

Hallo Dieter,

 

ich höre Dich immer vom HSV-Virus sprechen. Dazu würde ich gerne mal eine Veranschaulichung machen, die vielleicht für alle Beteiligten interessant ist:

 

Warum werden alle Spieler beim HSV schlecht und anderswo wieder gut?? Die Zauberwörter für diese „Blockiertheit“ heißen, wie die meisten wissen, Psychologie und Spielfreude. Was das aber genau bedeutet, muss man sich mal vor Augen halten. Ein erfolgreiches Fußballspiel hängt eben nicht nur von den Leistungsdaten und dem Können der Spieler ab, sondern kann locker über 50% auch reine Psychologie sein. Bestes Beispiel dafür sind z.B. die Vereine, die (zum ersten Mal) aus der 2. Liga aufsteigen. Wie berauscht spielen die dann auf und mischen die erste Saisonhälfte grundsätzlich oben mit (siehe Paderborn diese Saison). Nach einer gewissen Eingewöhnungszeit kommt dann aber die Realität ihrer Klasse durch und sie rutschen ins Mittelfeld oder spielen wieder gegen den Abstieg.

 

Das Gegenbeispiel dafür liefert gerade Dortmund. Sicherlich einer der stärksten Kader Europas momentan. Trotzdem stehen sie ganz unten, weil nach ein paar verlorenen Spielen eben diese Negativspirale einsetzte, die so enormen Druck auf die Spieler aufbaut (vor allem auch durch uns Fans und Medien), so dass nicht nur die unbefangene Spielfreude weg ist, sondern man plötzlich wie blockiert über das Spielfeld rennt und wie ausgewechselt über den Platz läuft. Dagegen ist übrigens kaum jemand gefeit. Das kann auch einem Messi so gehen. Deswegen ist es auch wesentlich schwieriger unten rauszukommen, als oben mitzumischen, wo man beflügelt vom Erfolg ist.

 

Der HSV ist vor einigen Jahren in diese Mühle geraten und leider durch schlechtes Management und stetig wachsendem medialen Druck bis zu solch einem Punkt gestrudelt, wie wir es letzte Saison erlebt haben. Und da immer nur einige neue Spieler kommen, die einer großen desillusionierten Mehrheit gegenüber stehen, kann der Funke durch Neue auch nur schwer überspringen. Und nach ein paar Wochen sind die dann auch dem immensen Druck erlegen, den alle ihnen auflegen. Theoretisch müsste man die komplette Mannschaft mit sämtlichen Umfeld tauschen… (geht natürlich nicht).

 

Was ist jetzt aber die Konsequenz daraus, um das Ganze zu beenden und zu durchbrechen? Spielfreude kann man leider nicht kaufen (Und wenn, hätte der HSV eh nicht genug Geld dafür…). Da liegt es jetzt zuerst vor allem am Trainer und dem ganzen Stab wieder Selbstvertrauen und Spaß in die Leute reinzupumpen. Leider sehe ich Joe immer nur rumschreien. Ich hoffe ernsthaft, dass er auch noch andere Motivationsmöglichkeiten kennt. Denn wenn ich blockiert und verkrampft über den Platz rennen würde, dann würde mich anschreien auf jeden Fall nicht besser werden lassen. Ich finde, es müsste eigentlich in jeder Mannschaft auch Psychologen und Motivationsexperten geben. Am besten für jeden Spieler einen (kleiner Scherz).

 

Am idealsten wäre sicherlich jemand, der jedem sympathisch ist, immer gut drauf ist und Leute mitreißen kann. So ne Mischung aus Hermann Rieger und Hape Kerkeling, oder so. Der würde wie ein Maskottchen dann unentwegt für gute Laune sorgen. Nee, aber mal im Ernst, dieses Ding mit Spielfreude, Psychologie und Motivation wird meines Erachtens viel zu wenig beachtet. Bei den Geldern, die im Fußball hin- und hergeschoben werden, verwundert es mich wirklich sehr, dass da nicht mehr getan wird. Könnte man doch eine eigene Forschungsabteilung zu gründen. Rechnen würde sich das für die Zukunft auf jeden Fall…

 

Ich finde aber auf jeden Fall, dass wir als Fans und Medien auch etwas tun können. Ich würde ein wenig vorsichtig sein, diese Leute jetzt negativ zu reden, ihnen ihr Können abzuschreiben, auf sie einzuhacken oder sie auszupfeifen. Eines ist sicher, dadurch wird es nur noch schlimmer. Und dann ist jeder von uns Mitschuld an der Misere oder gar dem Abstieg. Also: von außen unterstützen, motivieren, anfeuern und zeigen, dass man hinter ihnen steht. Und jetzt erst recht Party machen im Stadion!!! Das ist dann unser aller Beitrag.

 

Gruß T

 

PS: Den aktuellen Blog von “Scholle” findet Ihr natürlich immer noch hinter diesen Briefen der HSV-Anhänger.

 

14.09 Uhr

Die Feiertage beim HSV fallen sicher kürzer aus

22. Dezember 2014

So, es ist Zeit für einen umfassenden Jahresabschluss. Beim HSV auf der Geschäftsstelle sitzen die Granden zusammen und beraten ihre Möglichkeiten. Mindestens ein neuer Stürmer soll es werden – mindestens drei Abgänge werden erwartet. Wobei, bei dem Neuen soll es sich nach Möglichkeit um einen talentierten Youngster drehen, den man in Hamburg zum großen Stürmer aufbaut. So, wie es dem Vernehmen nach der frisch eingebürgerte Däne Pione Sisto vom FC Midtjylland werden könnte. Oder wie man es sich vor Jahren auch von Levin Öztunali im offensiven Mittelfeld versprach.

Obwohl: Wirklich auch Öztunali?

Ich sage eher nein. Denn der junge Mittelfeldmann hat sich seinerzeit trotz der Bemühungen des HSV gegen seine Heimatstadt entschieden. Dass er sich damit auch gegen den Klub seines Opas entschieden hatte, okay – aber ich finde diesen Umstand ehrlich gesagt unerheblich. Dieser Fakt sollte höchstens familienintern zum Thema werden. Der Rest muss sportlich abgewogen werden. Und deshalb war für mich damals wie heute nur interessant, ob er es schaffen könnte und dann, weshalb sich Öztunali eben nicht für den HSV entschieden hat. Was der ehrenwerte Opa dazu sagt ist mir dabei ebenso wichtig wie die Meinung von Mama Ilicevic, ob ihr Sohn im Winter wechseln oder doch besser bleiben sollte. Und das meine ich absolut nicht despektierlich dem HSV-Idol gegenüber – sondern mal völlig losgelöst von allen unerheblichen Emotionen drumherum.


Nein, Levin Öztunali muss individuell und komplett losgelöst von allen familiären Umständen analysiert werden. Sollte er anschließend sportlich tatsächlich als Hilfe eingestuft werden können, muss der SV aktiv werden. So wie vor dessen Wechsel zu Bayer Leverkusen. Damals wollte der HSV den Youngster halten, musste sich aber dem Familienentscheid und somit dem finanziell sehr verlockenden Angebot Bayer Leverkusens beugen. Der Werksklub hatte damals „intensiv“ nachgeholfen, die Meinung des Vaters in Richtung Bayer zu lenken. Mit Erfolg. Während Sohnemann Levin sportlich den Durchbruch verpasste, ist Vater Mete beim Champions-League-Teilnehmer angestellt. Dass damals Handgelder geflossen sein sollen – so what…?! Bei welchem ablösefreien Wechsel (und selbst bei den meisten anderen) läuft das nicht so?

Nein, damals ist einiges zwischen den Öztunalis und dem HSV kaputtgegangen. Von beiden Seiten. Und dennoch bin ich mir sicher, dass der HSV Levin auf dem Schirm hat und über dessen Leistungsstärke im Klaren ist. Dass man sich aktuell dennoch nicht bemüht hat, sollte man nicht gleich als Versäumnis werten. Das kann sportlich durchaus sehr nachvollziehbar begründet sein. Immerhin hat Levin seinen Durchbruch bei Bayer in 18 Monaten nicht geschafft. Ob es an der übermächtigen Konkurrenz oder seiner mangelnden Entwicklung liegt, weiß ich nicht. Aber sechs Kurzeinsätze waren es für den einstigen HSV-Junioren-Nationalspieler in dieser Saison. Erst. Was nicht für ihn spricht. Ebenfalls ungewöhnlich: Jetzt leiht ihn sein Klub gleich für lange 18 (!) Monate an Werder Bremen aus. So überzeugt ist man bei Bayer von seinem Youngster offenbar doch (noch) nicht.

Trotzdem, natürlich wäre es eine schöne Geschichte gewesen, wenn der Enkel Seelers in Hamburg dessen Erbe angetreten hätte. Er hat es aber nicht, weil er zum einen noch nicht so weit ist und zum anderen, weil ein anderes Angebot schlichtweg interessanter für ihn und seine Familie war. Punkt. Und damit ist das Thema für mich auch schon durch. Mir bleibt diesbezüglich nur noch zu sagen: Levin, ich wünsche Dir auch weiterhin nur das Beste. Vor allem aber wünsche ich Dir, dass Du es irgendwann schaffst, endlich als der Fußballprofi Levin Öztunali und nicht mehr als „Enkel von Uwe Seeler“ wahrgenommen zu werden. Ob bei Bayer, Werder, HSV oder sonstwo auf diesem Erdball…

Wichtiger ist für mich aktuell, dass der HSV seither gelernt hat, sein Konzept, junge Spieler hochzuziehen, auch mit Leben zu füllen. Während früher Talente wie Sam, Ben-Hatira, Meier sowie Kruse (bei Vier- und Marschlande) und vor allem Choupo-Moting aus den verschiedensten und leider oft vermeidbaren Gründen die Hansestadt verließen, setzt Trainer Joseph „Joe“ Zinnbauer heute auf eben jenen Nachwuchs. Das Jugendkonzept ist nicht mehr nur theoretisch, es wird gelebt. Ashton Götz, Ronny Marcos und Mohamed Gouaida haben sich in den Kader gespielt und werden bei der U23 auch für die Rückrunde als „Abgänge nach oben“ bewertet. Sie haben sich durchgesetzt. Ob sie oben bleiben, hängt an ihnen selbst. Und daran, was der HSV im Winter personell umsetzen kann. Mindestens zwei Spieler sollen gehen wollen (Jansen und Arslan), zwei sollen weg (Ilicevic, Nafiu) und weitere Spieler (Rajkovic, Kacar, Jiracek, Adler) sind verhandelbar.

Sicher los ist der HSV seinen ehemaligen Trainer Mirko Slomka. 1,8 Millionen Euro Abfindung kassiert der im September entlassene Trainer. Viel Geld für einen Verein, der sich gerade neu aufstellen muss, nachdem Klaus-Michael Kühne seine Anteilsoption verstreichen ließ und den HSV um 25 Millionen (zzgl. 4% Zinsen/anno) ärmer macht. Und dass die HSV-verantwortlichen dennoch optimistisch sind, die Lizenz in der kommenden Saison zu erhalten, hat einen einfachen Hintergrund: Offenbar rechnen beim HSV alle damit, dass Kühnes Rückzug der Türöffner für andere Investoren/Gönner/strategische Partner) sei. Viele potenziell interessierte Unternehmer seien bislang immer zurückgeschreckt, wenn es hieß, dass Kühne mit an Bord sei. Alexander Otto beispielsweise soll seit Bekanntwerden der Kühne-Absage durchaus überlegen, ob er beim HSV einsteigt. Selbst der HSVPlus-Gegner Eugen Block hat sein Interesse signalisiert, beim HSV einzusteigen. Allerdings, bevor hier jetzt verfrühter Jubel aufkommt: Bei Otto stecken die Gespräche noch in den Kinderschuhen. Und bei Block ist es bislang lediglich ein intern bekannt gemachtes Interesse. Gespräche über Anteilsverkäufe an den Hamburger Geschäftsmann gab es noch nicht. Zumindest aber gibt es Alternativen zu Kühne, dessen Beweggründe ich nach wie vor nicht nachvollziehen kann. Aber ich klammere das Thema weiterführend heute lieber noch mal aus. Das ist ein Thema für einen eigenen Blog. Sicher auch schon in den nächsten Tagen.

Bis dahin könnt Ihr und werden wir diskutieren, inwieweit Manfred Ertels Antrag für die MV im Januar Sinn macht. Der ehemalige AR-Vorsitzende fordert, dass in Zukunft automatisch der Präsident des e.V. auch AR-Vorsitzender der AG. wird. Soll heißen, Jens Meier würde fortan Karl Gernandt ersetzen. Und so sehr ich davon ausgehe, dass in den nächsten Tagen wieder mächtig viel über vereinspolitische Themen diskutiert wird. muss ich zugeben, ich halte den Vorschlag für durchaus sinnvoll. Schon allein, weil ich unter den aktuellen Voraussetzungen den Vorsitz Gernandts weiterhin für unglücklich halte. Aber was meint Ihr?

Auf jeden Fall wird es beim HSV auch über die eigentlich so besinnlichen Feiertage nur sehr bedingt ruhig werden. “Wer braucht schon viel Akku”, hatte Zinnbauer gefragt. Jetzt wissen wir auch, warumm. In diesem Sinne, wir bleiben dran, Ihr hoffentlich auch. Bis morgen,

Scholle

Nicht im P.S., aber thematisch als alleinigen Punkt hinten möchte ich doch noch mal zwei Dinge loswerden. Erstens war ich am Sonntag sehr berührt von der Nachricht, dass Udo Jürgens gegangen ist. Der Mann, den ich auf einer Postkarte im Flurbereich meiner Oma jahrelang sah und bei ihr im Wohnzimmer zuerst hören musste und später dann hören durfte. Heute lief bei mir „Der Mann mit der Mütze geht nach Haus“, als ich von den Mopo-Kollegen erfuhr, dass Fritz Sdunek gestorben ist. Zwei Tage, an denen wir zwei ganz Große ihres Faches gehen lassen mussten – sie aber dennoch nie vergessen werden. Ich zumindest nicht.

Van der Vaart hat noch große Ziele: “Ich bin fitter denn je”

9. Dezember 2014

Oha, da scheint was dran zu sein. Angeblich bemüht sich Benfica Lissabon um HSV-Linksverteidiger Marcell Jansen. Der aktuelle Tabellenführer der Primeira Liga soll an einer Verpflichtung des Linksfußes schon im Winter interessiert sein. Dies berichtet zumindest die portugiesische Zeitung „Record“. „Ich weiß nichts davon“, sagt Jansen, der heute wieder am Mannschaftstraining teilnehmen konnte und alles gut überstanden hat. Zwar läuft sein vertrag im kommenden Sommer aus. Gespräche über eine vorzeitige Vertragsverlängerung gab es bislang allerdings noch nicht. „Mein Berater und ich haben die klare Absprache, dass ich mich erst einmal um die Hinrunde kümmere und wir uns dann im Winter zusammensetzen und unterhalten“, sagt Jansen, seinen Muskelfaserrissauskuriert hat. Und obgleich ich weiß, wie viele hier jetzt aufschreien werden, den einstigen Nationalspieler bitte abzugeben – es ist tatsächlich sehr wahrscheinlich. Aber es ist allemal diskutabel.

Denn, und das werden beim HSV alle bestätigen können, Jansen zählt zu jenen Spielern, die sich mit dem Verein identifizieren. Ob er bleiben würde, wenn der HSV ihn fragt, hatte ich ihn vor ein paar Wochen gefragt, als er zu Gast bei Matz ab live saß, und Jansen guckte mich nur fragend an. Er schien wissen zu wollen, ob ich die Frage wirklich ernst meine. Meinte ich auch, daher kam auch eine Antwort: „Ich spiele seit sieben Jahren in Hamburg. Ich hatte damals einen Vierjahresvertrag beim FC Bayern und habe für einen Wechsel nach Hamburg – der sich innerhalb von drei tagen komplett abwickelte – auf Geld verzichtet. Ich habe seitdem alles mitgemacht. Tolle Momente und Tiefpunkte. Und ich spiele noch immer sehr gern in Hamburg. Mehr muss ich doch nicht sagen, oder?“

Nein, muss er nicht. Hat er eh schon oft genug. Und dennoch wird es schwer für alle, ihn über den Winter hinaus in Hamburg zu halten, sofern es tatsächlich ein Angebot für den 29-Jährigen geben sollte. Denn der HSV muss sparen. Die Frage ist nur, ob Jansens Verkauf hier der richtige Schritt ist. Aus menschlicher Sicht wäre es zweifellos falsch. Die Forderungen von Vorstand Dietmar Beiersdorfer und Co. nach Identifikation mit dem Verein und Umfeld erfüllt beim HSV kaum jemand (um nicht „niemand“ zu sagen) so wie Jansen. Das ist Fakt. Das wissen auch Beiersdorfer, Knäbel, Zinnbauer und Co. Allerdings gibt es weiterhin keine konkreten Anfragen für die Spieler, die der HSV primär abgeben will. Und gespart werden muss in jedem Fall.

Sportlich behaupte ich, ist keiner beim HSV besser als Jansen auf links. Kein Matthias Ostrzolek und auch noch kein Ronny Marcos. Wobei die beiden weniger verletzungsanfällig sind, soweit man das bei deren junger Karriere so schon verallgemeinern kann. Zudem bringt es Jansen in den bisherigen sechseinhalb Jahren auf 144 Bundesligaeinsätze für den HSV, was nicht auffällig wenig ist. Hinzu kommen 19 Europa-League-, 14 Pokal- und zwei Relegationsspiele. Also auch in dieser Hinsicht wäre ein Verkauf zumindest überlegenswert.

Er wird aktuell von Benfica Lissabon umworben. Trotzdem würde er gern in Hamburg bleiben: Macrell Jansen

Er wird aktuell von Benfica Lissabon umworben. Trotzdem würde er gern in Hamburg bleiben: Macrell Jansen

Bleibt nur noch das Gehalt. Das stammt noch immer aus den so genannten „fetten Jahren“. Soll heißen, Jansen verdient gut, liegt deutlich oberhalb der Zwei-Millionen-Grenze. Eine immense Einsparung also. Dennoch kann das nicht das Argument sein, nachdem man im Sommer mit Lewis Holtby und Pierre Michel Lasogga zwei Spieler dazu geholt hat, die wie auch Adler und van der Vaart beide deutlich mehr verdienen. Soll heißen: Der HSV muss Flagge bekennen. Und wie ich Dietmar Beiersdorfer (pflegt auch zu Jansen ein sehr gutes Verhältnis) kenne und Peter Knäbel bislang kennengelernt habe, wird das auch genau so geschehen. Und ich bin gespannt.

Ebenso in Sachen Rafael van der Vaart. Der Niederländer, dessen Vertrag am Saisonende ebenfalls ausläuft, galt zu Saisonbeginn als teurer Problemfall, weil er nicht in Form kam. Inzwischen avanciert er wieder zum Teamleader. „Die neue Position hilft mir, sie gibt mir noch mehr Möglichkeiten, das Spiel zu lenken“, sagt der HSV-Kapitän, der seit seiner Verschiebung vom Zehner zum defensiven Mittelfeldspieler aufblüht und immer besser wird. Zuletzt hatte er sogar via „SportBild“ verlauten lassen, dass er für einen Verbleib über 2015 hinaus sogar auf Geld verzichten würde. Darauf angesprochen schmunzelt der Linksfuß. „Das ist ein schweres Thema. Vor zwei Monaten hat niemand davon geredet, dass ich bleiben soll. Jetzt habe ich mal ein paar gute Spiele gemacht und plötzlich dreht sich alles und die Leute wollen, dass ich bleibe. Ich will einfach Fußball spielen, mache hier, einen Job – und dabei habe ich sehr viel Spaß. Ich bin jetzt 31 Jahre alt und habe das Gefühl, von Tag zu Tag fitter zu werden. Ich habe noch große Ziele“, so van der Vaart, der zu gern auch wieder ins Nationalteam der Niederlande zurückkehren würde. „Das ist eines meiner Ziele, ganz klar. Zuletzt war ich nicht fit und demnach auch nicht nominiert. Ich habe immer gesagt, dass ich wieder dabei bin, wenn ich meine Leistung bringe. Und im Moment klappt das. Ich glaube, dass ich der Nationalelf in meiner jetzigen Form helfen könnte.“ Zudem sei nach der verpassten WM im Sommer noch einmal ein großes Turnier Anreiz genug, noch mal alles aus sich herauszuholen. „Ich bin noch immer heiß. Die EM 2016 wäre ein Traum. Und sie ist ein Ziel, das mich zusätzlich motiviert.“

Und er freut sich über Zinnbauers Idee, ihn auf die Sechs zu stellen. „Ich bekomme mehr Bälle. Als Zehner muss man oft warten, da hat man manchmal nur zehn Ballkontakte gehabt pro Halbzeit. Jetzt läuft man manchmal sogar etwas weniger und kann trotzdem mehr Einfluss auf das Spiel nehmen. Das macht im Moment riesig Spaß.“ Und obwohl van der Vaart keinen Quervergleich zwischen seinen bisherigen HSV-Trainern ziehen will, lobt er Zinnbauer ausdrücklich. Fussball„Wir sind alle sehr zufrieden, weil der Trainer Pressing spielen will. Er ist ein Motivator und will, dass wir nach vorn spielen. Und er ist mutig. Junge Spieler bekommen eine Chance. Da merken die Jungen im Verein endlich, dass sich gute Leistungen lohnen und sie vielleicht auch mal ihre Chance bekommen. Das ist gut für den HSV. Und die Konkurrenz ist größer als vorher“, so van der Vaart, der sich eher weniger in der Vaterrolle für die Youngster sieht, denn als Tippgeber. „Ich bin keine Vaterfigur – ich habe eine sehr gute Beziehung zu allen. Ich bin im Kopf ja auch noch jung.“

Stammplätze gibt es kaum noch. „Nein, jeder, der hart trainiert, der wird auch belohnt. Der Trainer sagt das nicht nur, er macht es.“ Zudem setzt Zinnbauer auf Veränderungen. Zuletzt wechselte er vom 4-2-3-1 auf ein 4-4-2-System. Und es hat funktioniert. „Dabei haben wir auch mit mir so eine Art 4-4-2- gespielt“, sagt van der Vaart, „ich glaube eher, dass wir endlich begriffen haben, was der Trainer will und wie wir auftreten müssen. Wir müssen einfach eine Mannschaft werden, die schwer zu schlagen ist. Und das kriegen wir gut hin. Wir sind auf einem guten Weg.“

Ebenso wie dabei, „seinen“ HSV wieder in die Spur zu bekommen. Zu Hause funktionierte das zuletzt, jetzt muss es auch auswärts klappen, wenn man nicht gleich wieder unten reinrutschen will. „Auch auswärts sieht es trotz der fehlenden Ergebnisse schon besser aus. Wir sind tatsächlich schon weit gekommen – aber wir waren auch weit weg. Jetzt liegt noch immer ein weiter Weg vor uns und den gehen wir. Jeder sieht zumindest, dass es ein anderer HSV ist als vorher. Man merkt, dass bei uns das Vertrauen langsam wächst, dass wir auch auswärts gewinnen. Zumindest sind wir alle genervt, dass wir angeblich nicht zweimal in Folge gewinnen können. Wir wollen allesamt nichts mehr, als das endlich ändern.“ Am besten schon in Freiburg.

Und bevor ich den Blog abschließe, haben wir noch eine freudige Mitteilung zu machen – zumindest für die unten aufgeführten Gewinner. Folgender Text stammt von Dieter:

Es gab ja noch das vorweihnachtliche Gewinnspiel um drei nagelneue Uwe-Seeler-Bücher. Vielen Dank für die rege Teilnahme (per Internet und per Post!), es war fast so wie zu früheren Matz-ab-Gewinnspielen. Herrlich. Es ging in der Frage darum, für welchen Verein Uwe Seeler – neben dem HSV – noch um Punkte gespielt hat. Die Lösung ist frei nach Wikipedia diese:

Im Mai 1972 trat „Uns Uwe“ mit einem Spiel des HSV gegen eine Weltauswahl vom aktiven Sport zurück. Diesen Rücktritt unterbrach er noch ein Mal, als er auf Bitten des Sportartikelherstellers Adidas, mit dem er beruflich in Verbindung stand, am 23. April 1978 ein Gastspiel bei Cork Celtic in der ersten irischen Liga bestritt. Seeler war nach eigenen Angaben nicht bewusst, dass es sich dabei um ein Punktspiel gehandelt hat, weil ihm nicht bekannt war, dass in der irischen Liga auch für Punktspiele Gastspieler angemeldet werden konnten. Bei der 2:6-Niederlage gegen die Shamrock Rovers erzielte er beide Tore.

Immerhin zwei Tore.

In der Redaktion haben unsere Damen Nicola und Carmen die Gewinner gezogen, wobei es zu sagen gilt, dass es etliche HSV-Fans gibt, die Uwe Seeler nur im HSV-Trikot erlebt haben. Jetzt wissen sie es besser – es war keine Witz-Frage. Obwohl sie für andere HSV-Anhänger auch ein wenig zu leicht war – wie zu lesen war. Sei es wie es sei, hier sind die Gewinner. Und bei dem ersten Herrn, das muss ich ganz einfach noch schreiben, handelt es sich um keinen Verwandten des stellvertretenden Abendblatt-Sportchefs Alexander Laux – es ist reiner Zufall, dass der Gewinner ebenfalls diesen Namen trägt. Aber ausgelost ist ausgelost, da wollten wir deshalb auch keinen Eiertanz drum machen. So. hier die drei Glücklichen, die hoffentlich noch vor dem Weihnachtsfest die signierten, ihre signierten, Bücher erhalten werden:

Gerhard Laux
65550 Limburg

Andreas Herz
37120 Bovende

Jens Reimer Schinkel
55124 Mainz

Herzlichen Glückwunsch – und nochmals vielen Dank an alle, die mitgemacht haben. Vielleicht wiederholen wir so etwas ja noch mal von Zeit zu Zeit.

So, das war’s dann wirklich für heute. Bis morgen, wo übrigens um zehn Uhr an der Arena trainiert wird.

Scholle

 

P.S.: Wobei, eine Kurzmeldung habe ich dann doch noch, denn während Rene Adler eiter pausiert, stand heute Maxi Beister erstmals wieder auf dem Platz und absolvierte die Laufeinheiten mit seinen Kollegen. Willkommen zurück, Maxi!

Die Lage nach der Niederlage in Augsburg

30. November 2014

„Wir sind wieder ein Stück weitergekommen, auch wenn die Ergebnisse nicht passen. Aber die werden irgendwann kommen, da bin ich mir ganz sicher.“ Hat HSV-Trainer Joe Zinnbauer abends bei seinem zweiten Auftritt im ZDF-Sportstudio gesagt. Eine mutige Aussage, denn zu Buche stand und steht ja immerhin die 1:3-Niederlage in Augsburg. Im April 2013 gab es letztmalig in der Bundesliga zwei Siege in Folge, gegen Mainz und Düsseldorf. Seit dieser Zeit tritt der HSV kräftig auf der Stelle. „Ich kann mich selber nicht mehr hören, immer die gleiche Scheiße zu erzählen“, sagte Kapitän Rafael van der Vaart nach dem 13. Spiel dieser Saison. Der HSV hat bislang 27 Spieler eingesetzt, aber, das ist das große Dilemma, er hat immer noch keine Elf gefunden.

 


 

Immerhin hat mit Ronny Marcos, der von allen Spielern, die auf dem Augsburger Rasen standen, die meisten Kilometer abriss (über 13!), einmal mehr ein Talent aus der U23 sein Debüt gegeben. Nach Matti Steinmann, Ashton Götz, Mohamed Gouaida und Tolcay Cigerci bereits der fünfte Mann aus dem Nachwuchs – in meinen Augen der richtige Weg. Auch wenn dieser noch sehr, sehr steinig und mühsam wird. Aber ganz wichtig dabei: Zweifel, ob Joe Zinnbauer der richtige Trainer für den HSV sei, wischte Profi-Direktor Peter Knäbel heute kurz und schmerzlos vom Tisch: „Ich zweifle grundsätzlich nicht, wir bereiten uns auf das nächste Spiel genauso beharrlich vor wie auf das letzte Spiel.“ Sehr gut. Trotz der Tatsache, dass es unter Joe Zinnbauer in zehn Bundesliga-Spielen erst drei Siege gab. Alle wussten, dass diese HSV-Genesung nicht über Nacht funktionieren würde.

 

Bitter nur, dass jetzt Heiko Westermann ausfallen wird. Für „HW4“ ist die Hinrunde gelaufen, er zog sich in Augsburg in der 31. Minute eine schwerere Knie-Verletzung zu. Diagnose: Innenbandanriss im linken Knie. „Mit Heiko verlieren wir unseren stabilsten Spieler“, sagte Knäbel mit betretener Miene. Es gibt, leider, leider, etliche HSV-Fans, die das ganz anders sehen. Aber jedem seine Meinung, keine Frage – ich schließe mich deshalb Peter Knäbel an. Vorbehaltlos.

 

Obwohl es, da beißt die Maus keinen Faden ab, an allen Ecken und Enden kneift. Der HSV, das ist klar, sucht seine Formation, sucht noch nach dem Weg, dort unten raus zu kommen – und er probiert, experimentiert. Dazu gehören die jungen Leute aus der U23. Natürlich. Zinnbauer hatte es bei seinem Amtsantritt am 17. September gesagt, dass er „seinen“ Leuten die Chance geben wird – wenn die arrivierten Profis nicht so funktionieren, wie er es sich vorstellt und wünscht. Von der Club-Führung hat Joe Zinnbauer die Unterstützung – ganz offenbar. Peter Knäbel sagte heute: „Jeder Spieler kann jeden Tag seine Qualität und seine Bedeutung für den HSV beweisen. Am sinnvollsten macht er das, indem er die entsprechenden Zahlen liefert. Das heißt: Duelle gewinnen, Torschüsse nicht nur auf das Tor, sondern ins Tor, und indem er dabei ist, wenn der HSV gewinnt.“
Das ging wohl in erster Linie an Holtby und Lasogga. Die – etwas überraschend (?) – draußen blieben. Knäbel sagt generell: „Die Spieler, die von Joe Zinnbauer jetzt mal durchrotiert worden sind, haben die Entscheidung akzeptiert. Das ist eine Grundlage des Profi-Geschäfts. Kein Spieler hat bei einem solchen großen Kader eine Garantie, dass er spielt. Gegen Augsburg hat Joe Zinnbauer versucht, mehr Geschwindigkeit nach vorne rein zu bringen, das hat sich in den ersten 15 Minuten gerechnet, vom Resultat zur Halbzeit her war das auch in Ordnung.“

Trotz allem sollten sich die Herren Profis, die nun auf der Bank oder sogar nur zu Hause saßen, einmal hinterfragen, was sie besser machen könnten. Artjoms Rudnevs hat auf eine mehrfache Nichtberücksichtigung die richtige Antwort gegeben, jetzt sind die anderen „Jungs“ gefragt. Dazu gehören auch Zoltan Stieber, Ivo Ilicevic und Gojko Kacar – neben Holtby, Arslan und Lasogga.

 
Wobei die erste Halbzeit des HSV gut war. Dabei bleibe ich. Es war vielleicht die beste Halbzeit, die der HSV in dieser Saison gespielt hat. Vielleicht, darüber könnte man streiten. Dass es dann doch keinen Sieg gab, das lag wohl auch am schnellen 1:1 in der 49. Minute. Matthias Ostrzolek rutschte, als er zu spät gegen Djurdjc kam, in den Mann – Freistoß. Das war schon dumm. Dann segelte dieser Freistoß in den Fünfer, wo alle HSV-Spieler – nebst Johan Dhourou und Cleber) abtauchten. Einige Experten forderten rückblickend, dass Jarolsav Drobny hätte die Linie verlassen müssen, aber wie soll das gehen, wenn so viele Leute unmittelbar vor ihm stehen? Geht er raus und berührt einer der Vorderleute die Kugel, dann sieht er erst recht alt aus. Es war meiner Meinung nach ein Fehler, dass die HSV-Defensive so weit hinten stand, und es war natürlich falsch, sich nur abzuducken statt hoch zu springen. Und ich behaupte mal, wie wohl auch Knäbel: Mit Westermann da hinten drin wäre das nicht passiert.

 

Bei Tor Nummer zwei sahen die Youngster Ashton Götz und vor allem Mohamed Gouaida nicht gut aus, aber auch die Innenverteidiger nicht. Hätten sie besser gestanden, hätte der letzte Mann dieser Kette, nämlich der Augsburger Bobadilla, nicht an den Ball kommen können. Und über Tor Nummer drei müssen wir nicht diskutieren – das war ein Witz-Elfmeter. Obwohl ich die ganze Nacht nicht darüber lachen konnte, und auch heute nicht. Heute morgen war ich beim Oberliga-Spiel Paloma gegen Germania Schnelsen (2:1), ich haben niemanden gefunden, der das sagte, was offenbar der „Ober-Guru“ Dr. Markus Merk sagte: „Das war ein klarer Elfmeter.“ Soll, ich wiederhole, soll Merk gesagt haben – ich habe es nicht gehört. Und wenn er es tatsächlich gesagt hat, dann kommen mir nur noch mehr Zweifel an dieser ganzen Schiedsrichterei. Wobei ich weiß, dass Merk bei seinen ehemaligen Kollegen ohnehin schon seit geraumer Zeit unten ist, weil er als „Ober-Ober-Schiedsrichter“ immer alles besser weiß (auf Sky), als die Kollegen, die auf dem Rasen stehen. Und da muss man eben mal sagen: „Das war ein klarer Elfmeter.“

 

Das war es natürlich nicht. Und ich finde es bitter, wenn man dann sagt: „Daran lag es nicht, dann hätte der HSV eben nur 1:2 verloren.“ Jeder Fußballer weiß aber doch, dass ein 1:2 schneller zu egalisieren ist, als ein 1:3. Und gerade die HSV-Spieler wissen es am besten. Bei 1:2 hätte doch noch die Chance bestanden, dass sich der gegnerische Torwart die Kugel wieder selbst in die Kiste schmeißt . . . Weil ein zweites HSV-Tor in einem Spiel? Das wäre ja ohnehin die Krönung der Auslese. Und man will ja auch gar nicht zu viel auf einmal verlangen.

 

Unabhängig von diesem Skandal-Elfmeter, den dieser Herr Doktor sich da zurechtpfiff, hat der HSV natürlich auch in Halbzeit zwei schlechter gespielt. Weil dieses 1:1 zu schnell kam. Mittelfeldspieler Valon Behrami fand deshalb in Augsburg mahnende und vor allem offene, ehrliche Worte nach dieser Niederlage: „Nach dem 1:1 in der zweiten Halbzeit war es wie immer, wir schalten ab, und zwar komplett, es passiert nichts mehr. Das ist die Verantwortung der älteren Spieler. Spieler wie ich, Rafael van der Vaart und Johan Djourou. Aber wir haben nichts gemacht, das ist unser Fehler. Das ist eine Frage des Charakters, das ist sicher. Das liegt an der Professionalität, aber die kann man nicht kaufen. Entweder hat man das, oder man hat es nicht.“

Über die Zufriedenheit, über die ja kürzlich auch Sport-Direktor Bernhard Peters gesprochen hatte, sagte Behrami: „Wenn man denkt, man hat etwas erreicht, wenn man zwölf Punkte nach zwölf Spielen hat, dann liegt man damit total falsch – wir haben nichts erreicht.“
Und zur aktuellen personellen Situation befand der Schweizer: „Die jungen Spieler kommen mit Spaß und Freude zu uns. Aber uns können auch die erfahrenen Spieler helfen. Die hatten wir heute auf der Bank, die haben Qualität, das sind wichtige Spieler für uns, wie Holtby, Lasogga und auch Arslan. Die jungen Spieler sind gut für die Konkurrenz, so muss jeder mehr machen im Training und im Spiel. Aber wir brauchen die Qualität dieser Spieler, obwohl es natürlich auch klar ist, dass das die Entscheidung des Trainers ist.“

 

Zur Lage mit den jungen Leuten fällt mir dabei noch ein Name ein, den ich an diesem Wochenende in der ARD-Sportschau vernahm. Beim Spiel Werder gegen Paderborn (4:0) spielte der 22.jährige Janek Sternberg von beginn an mit, und er spielte nicht nur mit, er gehörte mit zu den besten Bremern. Und Sternberg war ja auch mal einer, der die Raute auf der Brust trug. Auch hin und wieder bei den Profis. So kann es gehen.

 
Apropos junge Leute: Matti Steinmann, diesmal unser Mann bei „Matz ab live“, (neben seinem Teamkollegen Ahmet Arslan – nochmals vielen Dank), sah ja vor einer Woche beim Spiel in Norderstedt die Gelb-Rote Karte. Er ließ sich deshalb schnell am Meniskus operieren, versäumt daher wohl kein einziges Spiel, denn nun geht es in die Winterpause. Und danach ist Matti wieder fit. Ein “älterer Herr” dagegen wird wohl nicht so schnell fit: Rene Adler. Weil die Rückenprobleme des Nationaltorhüters (a.D.) nicht besser werden, fliegt Adler morgen nach München, um sich dort von Bayern-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt untersuchen zu lassen.
Unterdessen deutete Peter Knäbel an, dass der HSV den Vertrag mit Jaroslav Drobny demnächst verlängern wird. Gut so.

 

Ja, und dann ist inzwischen klar (und wohl auch bekannt), dass Carl-Edgar Jarchow als Präsident des HSV vom Mai an nicht mehr zur Verfügung stehen wird. Für mich war das schon seit längerer Zeit klar, deswegen habe ich das nicht mehr als das ganz große Thema angesehen. Dass ich seinen Schritt durchaus bedauere, das will ich gerne bekennen, obwohl ich dafür natürlich von vielen Freunde um die Ohren bekomme. Ist egal. Jedem seine Meinung, ich schrieb es bereits. Und Jarchow hat vor allem den einen Fehler gemacht (zum Wohle des HSV), indem er nicht ausplauderte, was er für einen tollen Verein bei Amtsantritt vorgefunden hat. Dabei möchte ich es belassen, das allein wird wieder genügend Öl ins Feuer gießen – das wird für mehrere Tage reichen.

 

Ein erfreulicheres Thema ist das neue Uwe-Seeler-Buch, das unser geschätzter Abendblatt-Kollege Jens Meyer-Odewald geschrieben hat, das nun auch rechtzeitig zum Weihnachtsfest erschienen ist. Es ist ja auch in der rechten Spalte neben dem Matz-ab-Bericht zu sehen. Und ich habe es im neuesten Matz-ab-live auch entsprechend angepriesen. Dazu habe ich nun auch ein weihnachtliches Gewinnspiel vorbereitet. Drei Bücher „Uns Uwe – ein Hamburger mit Herz“ werde ich verlosen. Drei Bücher, von Uwe Seeler (so hoffe ich – ich bemühe mich) für den Gewinner namentlich signiert, und die ich von den ehemaligen Meisterspielern von 1960 auch unterschreiben lassen werde, gehen noch vor dem Fest an die Gewinner.

 

Die Frage, die ich stelle und die zu beantworten wäre, ist ganz einfach:

Für welchen Verein ist Uwe Seeler – neben dem HSV – noch auf Punktejagd gegangen?

Es können die Antworten (bis zum nächsten Sonntag) bei „Matz ab“ im Internet (per Email an: blog*at*matz-online.net) abgegeben werden, oder per Post:

Dieter Matz
Sportredaktion Hamburger Abendblatt
Axel-Springer-Platz 1
20355 Hamburg

 

Dann noch schnell dies und das:

Manfred aus Lünen schrieb mir kürzlich (und er trug es auch beim Matz-ab-Treffen persönlich vor!):

 

Dieter, ich möchte noch einmal an unser Gespräch wegen der Weitergabe der Mail-Adressen erinnern. Über das Abendblatt kann man bei Angabe der Postleitzahl erkennen, wie viele HSV-Mitglieder im Ort wohnen (bei uns sind es drei Mitglieder).
Die Anregung kam von Erhard W. (HSV57) aus Ölbronn, wir möchten so vielleicht Fahrgemeinschaften zu den Spielen zu organisieren.

Bitte rege es doch einmal im Blog an, der eine oder andere Matz-abber wird es lesen und sich die Adressen von den Mods geben lassen.

 

Dann gab es kürzlich schon ein Gewinnspiel bei uns, und da kam ein Gewinner aus Hille. Ich wusste nicht, wo dieses Hille liegt (ich kannte früher nur das BU-Brüderpaar Hansi und Fredy Hille) – aber der Matz-abber schrieb mir und klärte mich auf:

 

Hallo Herr Matz,
habe mich sehr über den Gewinn des Heftes von Oliver Wurm aus Ihrem Quiz gefreut. Ich will Ihnen gerne erklären wo Hille liegt.
Hille liegt etwa 20 km entfernt von Minden (Melitta Werke – GWD Minden) in Ostwestfalen.
Hille ist eine Handball-Hochburg und lieferte schon mehrere Nationalspieler.
Es seien nur drei Namen genannt:
Jimmy Waltke (erzielte bei der WM 1978 im Endspiel gegen die UDSSR in 193 Sekunden 3 entscheidene Tore vom 14:12 bis zum 16:12. Deutschland wurde bekanntlich mit 20:19 Weltmeister.

Rainer Niemeyer (Torwart) wurde ebenfalls 1978 Weltmeister.
Sein Sohn Arne Niemeyer spielte in der Saison 2008/2009 für den HSV Hamburg und spielt heute bei GWD Minden.

Frank von Behren, 167 Länderspiele für Deutschland
Vize-Europameister 2002 und Silbermedaille bei Olympia 2004.

Sie sehen, dass sich unser Dorf Hille nicht zu verstecken braucht.

Mit freundlichen Grüßen aus Hille, Helmut F.

 

Dann möchte ich schnell noch auf eine interessante Geschichte hinweisen. Im WDR und im NDR Fernsehen läuft heute wieder „Dittsche“ – sehenswert. Und um 23.35 Uhr geht es im NDR-Fernsehen um Fußball. Der Bericht heißt:

 

Flucht aus der Kurve

 

Die Entfremdung zwischen der Vereinsführung und einem Teil der Fans – in der Bundesliga keine Seltenheit mehr. Beim Hamburger SV sind etliche Anhänger ausgestiegen, nachdem im Sommer die Profiabteilung in eine AG ausgegliedert wurde. In Hannover besuchen Ultras und andere Gruppierungen seit Beginn dieser Saison die 96-Spiele nicht mehr, weil der Club in der vergangenen Spielzeit die Busanreise zum Derby nach Braunschweig angeordnet hatte. Nur wer im organisierten Konvoi mitfuhr, bekam seine Eintrittskarte. Die Situation ist verfahren, eine Lösung der Konflikte nicht in Sicht – dabei leidet die Stimmung im Stadion spürbar.
„Wir sind offen, mehr kann ich nicht anbieten. Wir sind da, wir laufen nicht weg“, sagte 96-Boss Martin Kind bei den Dreharbeiten zur „Sportclub Reportage“. Das sehen die Fanvertreter anders: „Herr Kind sagt immer so schön: Dialog ist keine Einbahnstraße. Doch er will sagen, wie es läuft und nicht.“ Sie fordern, dass sich Kind „dafür entschuldigt, dass den Auswärtsdauerkarteninhabern die Karten vorenthalten wurden“. Für den Unternehmer kommt das nicht in Frage: „Warum sollten wir uns entschuldigen? Bei allem Verständnis für Dinge, aber eine Entschuldigung ist nicht nötig.“
In Hamburg haben einige Fans im Juli einen neuen Verein gegründet, den HFC Falke, der mittlerweile 350 Mitglieder zählt. Mit dem HSV haben sie abgeschlossen: „Ich vergleiche mich manchmal mit einem Alkoholiker“, sagt Ex-Vorstandsmitglied Christian Reichert: „Ich bin auf Entzug, habe aber einen Vorteil: Meine Rückfallgefahr ist gering. Denn was ich am HSV geliebt habe, gibt es nicht mehr.“
HSV-Chef Dietmar Beiersdorfer würde die Aussteiger allerdings gerne zurückgewinnen: „Ich verstehe den HSV, den ich 1986 als Spieler kennengelernt habe, immer noch als den HSV wie er hier und heute ist, auch wenn es mit der AG und dem e.V. verschiedene Rechtsformen gibt.“ Auch Kind fehlt etwas: „Dieser harte Kern der Fans ist wichtig, weil sie f ür die Stimmung stehen und weil sie eine unglaubliche Loyalität zum Fußball, zu ihrer Marke haben“, sagt der 96- Präsident. Die Reaktion eines Fanvertreters ist indes bezeichnend und verdeutlicht die tiefe Kluft: „Loyalität zu einer Marke? Ich bin doch nicht Fan einer Marke, ich bin Fan eines Vereins!“

 
PS: An diesem Montag haben die Profis trainingsfrei.
 

So, das war es heute wieder mal in etwas längerer Form, ich wünsche trotz allem noch einen schönen ersten (Rest-)Advent. Und morgen einen großartigen Start und eine tolle und erfolgreiche Woche,

Dieter

 
18.28 Uhr

Didis Plan – erst Erfolg, dann Kohle

12. November 2014

Blühende Landschaften – die sind beim HSV im November 2014 tatsächlich nicht zu erkennen. Sechs Monate nach der richtungsweisenden Entscheidung, den Profi-Fußball-Bereich aus dem e.V. aus- und in eine Fußball AG einzugliedern, steht es sportlich und finanziell noch immer schlecht um den HSV. Die Bundesliga-Mannschaft ist enttäuschender Siebzehnter, die wirtschaftlichen Zahlen des Vereins sind dunkelrot. Der Kollege Kai Schiller hat in der heutigen Abendblatt-Ausgabe eine Übersicht über den aktuellen Zustand der AG-Zahlen gegeben.

Wie geht es aber weiter? Zunächst wird in den kommenden Wochen der Geschäftsjahresabschluss der Saison 2013/14 erscheinen. Er wird erneut, zum vierten Mal in Folge, ein sattes Minus aufweisen. Wie die Zahl aber genau zu lesen sein wird, ist noch etwas unklar. Denn da die Eintragung der HSV Fußball AG am 7. Juli 2014 erfolgt ist, wird dessen wirtschaftlicher Beginn an den Anfang dieses Jahres – also auf den 1. Januar – gesetzt. So ist es vorgeschrieben, und das hat zur Folge, dass der erzielte Verlust in Teilen beim e.V., in anderen Teilen in der AG ausgewiesen wird. Klar ist nur, dass der e.V. zum 31. Dezember 2013 einen Jahresabschlussbericht vorlegen musste, der dann die Basis war für die Berechnungen bis zum Saisonende.

Aber egal ob das Minus nun mit fünf oder acht Millionen Euro ausgewiesen wird: es war erneut ein katastrophales Jahr für den HSV. Das Überleben, so wissen wir inzwischen, wurde insbesondere durch eine vorweggenommene Inanspruchnahme der Sponsoring-Gelder von adidas (sechs Millionen Euro) sowie durch den Verzicht von Klaus-Michael Kühne auf ihm zustehende Kreditrückzahlungen, resultierend aus dem van-der-Vaart-Transfer (zwei Millionen) erzielt. In beiden Bereichen lebt der HSV auf Pump – das adidas-Geld fehlt in späteren Jahren, und die Kühne-Millionen werden evtl. später fällig.

Mit eben jenem Klaus-Michael Kühne hat sich der HSV samt des neuen Vorstands-Vorsitzenden Dietmar Beiersdorfer dann im Sommer über Wasser gehalten durch ein weiteres Darlehen über 17 Millionen Euro. Dies, mit vier Prozent verzinst, wird allerdings in diesem Jahr noch nicht fällig. Stattdessen muss der HSV Kühnes van-der-Vaart-Millionen im kommenden Jahr bedienen.

Es sei denn, und hier beginnt eine große Unbekannte für die Betrachtung und die Berechnungen der kommenden Monate und Jahre, Unternehmer Kühne zieht seine Option fristgemäß zum 31. Dezember 2014 und wandelt den Gesamtbetrag seiner Kredite in Höhe von 25 Millionen Euro in AG-Anteile um. Ob er es tut, ist im Moment nicht abzusehen. Wasserstandsmeldungen in die eine oder andere Richtung wechseln sich ab. In Wahrheit wagt niemand beim HSV Kühne in dieser Frage zu 100 Prozent einzuschätzen. Wahr ist in jedem Fall, dass Kühne mit der aktuellen Bewertung des HSV nicht glücklich ist. Das Wertgutachten der KPMG hat bekanntermaßen einen Betrag von 330 Millionen Euro ergeben. Daraus leitet sich ein Kühne-Anteil von 7,6 Prozent am HSV ab, den der milliardenschwere Reeder also bis Silvester einsacken könnte.


Aber, wie gesagt, die 330 Millionen kommen Kühne doch arg hoch vor – und seine Bedenken in diesem Punkt sind aus wirtschaftlichen Blickwinkeln sicher nicht von der Hand zu weisen. Das Gutachten der KPMG arbeitet mit Werten, die es bei der „normalen“ Bewertung eines Wirtschaftsunternehmens außerhalb des Fußball-Geschäfts so nicht gibt. So wird in dem HSV-Gutachten überproportional der Markenwert berücksichtigt und auf mögliche Erlöse verwiesen. Die Tatsache, dass der HSV nun vier Mal in Folge Minus-Zahlen schreibt, wäre in der Wirtschaft schon fast ein Ausschluss-Kriterium für eine hohe Bewertung. Im Fußball, für den sicher auch andere Maßstäbe gelten, ist das etwas anders.

Schließlich hat ein strategischer Partner eines Bundesliga-Vereins, erfolgreich oder nicht, eine große mediale Verbreitung und damit eine Steigerung seiner Bekanntheit, die weit über Gewinn- und Verlustrechnungen hinausgeht. Ich habe hier in diesem Blog Ende 2013 mit Hilfe eines Wirtschaftsfachmanns eine mögliche HSV-Bewertung unter streng wirtschaftlichen Regeln durchgespielt. Am Ende waren wir bei einem Wert von etwa 125 Millionen Euro, also deutlich unter der ermittelten KPMG-Zahl. Sicher hat auch Kühne eher herkömmlich gedacht und nicht die spezielle Fußball-Dynamik einkalkuliert.

Der HSV-Wert mag auch deswegen durchaus marktüblich sein, wenn man sich vergleichsweise bei Hertha BSC umschaut. Der Vergleich hat Tücken, zugegeben, denn die Berliner haben mit ihrem Partner KKR vor allem eine große Umschuldung alter Verbindlichkeiten abgewickelt. Davon abgesehen deutet die reine Beteiligung der KKR auf einen Hertha-Wert von ca. 270 Millionen Euro hin. Und da scheinen die 330 Millionen des HSV doch schon einigermaßen realistisch. In Stuttgart, so wird gemunkelt, geht man von einem Wert des VfB in Höhe von ca. 300 Millionen Euro aus.

Wie auch immer – wir sind immer noch beim möglichen Kühne-Anteil von 7,6 Prozent. Zieht er also seine Option, dann hätte das Vor- und Nachteile für den HSV. Zum einen fielen dann kurzfristige Kredit-Rückzahlungen aus, was dem HSV Handlungsspielraum vielleicht schon für das Winter-Transferfenster schaffen würde. Dass der Direktor Profi-Fußball Peter Knäbel nach einer Alternative für den Sturm sucht (Josip Drmic, Bayer Leverkusen?), ist kein Geheimnis. Darüber hinaus wäre der HSV-Gürtel im Sommer ein kleines Stück weniger eng, zumal der erste Mega-Transfer mit den 6,5 Millionen Euro Ablöse für Lewis Holtby an Tottenham Hotspur ja schon abgeschlossen ist.

Sollte Kühne seine Option nicht ziehen, hätte der HSV im kommenden Sommer also hohe Zahlungsverpflichtungen. Andererseits wird gemunkelt, dass die Bereitschaft anderer Investoren an einer Beteiligung am HSV durchaus steigen könnte, wenn der nach außen unberechenbare und schwer einzufangene Kühne nicht mit an Bord wäre. Wie es kommt, wird jedenfalls die Zukunft zeigen.

Ein dicker wirtschaftlicher Brocken ist der „Campus“. Unterschrieben ist bekanntlich noch nichts, aber der HSV hofft natürlich ganz stark darauf, dass Alexander Otto mit acht Millionen Euro für den Bau einsteht. Geht alles gut, dann erfolgt die Einigung im Dezember. Dessen ungeachtet muss auch der HSV Kosten tragen. Zunächst für die Umplanung des ursprünglichen Modells, die im Moment vorgenommen wird, und außerdem soll zeitnah mit dem Bau neuer Trainingsplätze begonnen werden. Dies ist nicht im Otto-Paket, sondern HSV-Verpflichtung.

Alles in allem wird kräftig geflickt am HSV – und gleichzeitig versucht der Vereins-Vorsitzende Dietmar Beiersdorfer mit seinem Team, ein neues Fundament einzuziehen. Dass in einigen Jahren auf jeden Fall alles besser wird, ist lange nicht gesagt. Zwar laufen die Stadionkredite, die der HSV immer voll beglichen hat, in den kommenden Jahren aus. Doch steigende Tilgung hat in den vergangenen Jahren nicht dazu geführt, dass sich die gesamten Verbindlichkeiten des HSV verringert hätten. Was auf der einen Seite gezahlt wurde (Stadion, Sportfive), das musste auf der anderen Seite wieder reingeholt werden (Fan-Anleihe, Kühne-Millionen), so dass sich an der wirklichen wirtschaftlichen Lage des Vereins kaum etwas verbessert hat.

Der ehemalige Vorsitzende des HSV-Aufsichtsrates, Udo Bandow, hat vor einigen Wochen in einem Interview mit der „Welt am Sonntag“ klipp und klar gesagt, wie der HSV aus dem Teufelskreis entfliehen kann.

„Der wirtschaftliche Bereich folgt dem sportlichen. Dietmar [Beiersdorfer] muss sich am Anfang auf den sportlichen konzentrieren, eine andere Chance gibt es nicht. Der sportliche Bereich muss in Gang kommen. Wenn das geschafft ist, folgt der wirtschaftliche Teil.“

Das sieht offenkundig auch Beiersdorfer so, und so sind auch seine Maßnahmen bisher zu verstehen, die ja eine deutliche Konzentration auf den sportlichen Bereich zeigen. Dass die Maßnahmen bislang noch nicht gefruchtet haben – das ist die Besorgnis erregende Bestandsanalyse im Moment.

Doch welche Wahl gibt es? Natürlich benötigt Beiersdorfer auch für den kommenden Sommer wieder Kapital, um die Mannschaft zu verstärken. Mit der Aussicht allein, dass zehn teure Spielerverträge auslaufen und entsprechend hohe Gehaltskosten eingespart werden können, ist es nicht getan. Es muss auch ein neues Team entstehen, das durch höhere Bundesliga-Platzierungen mehr TV-Gelder erspielt, auf Sicht internationale Perspektive besitzt und ganz allgemein einen höheren Marktwert besetzt. Hier ist eine hohe Trefferquote Beiersdorfers bei Verpflichtungen gefragt sowie erfolgreiche Nachwuchsarbeit. Ganz ehrlich: Nach elf Spieltagen lässt sich sicher noch kein endgültiges Urteil über die meisten Neuen fällen. Sie kamen vom sicheren Land auf ein Schiff in unruhiger See und müssen mit allen Kräften ruhige Fahrwasser finden. Eine Alternative zu diesem Weg gibt es nicht. Dietmar Beiersdorfer hat den HSV im Sommer von seinen Vorgängern in einem denkbar schlechten Zustand vorgefunden.

Gedanken mache ich mir allerdings über einen neuen – Cleber. Der Brasilianer wird demnächst das erste Mal Schnee sehen. Land, um im Bild zu bleiben, hat er sportlich beim HSV noch nicht erspäht. In der „Bild“ hat er nun berichtet, dass er seinen Sohn nicht sehen kann. Clebers Helfer Edson Büttner ist gefragt, dem drei Millionen Euro teuren Innenverteidiger über schwere Tage hinwegzuhelfen – dass dies nicht bei allen Brasilianern in der Bundesliga-Geschichte, auch beim HSV, geklappt hat, ist bekannt.

Bei der Trainingseinheit der Profis heute Morgen waren viele U-23-Spieler mit dabei. Derflinger, Marcos, Gouaida, Philip Müller, Mende, Jung, Brüning mischten bei den Profis mit. Auffälligste Aktion war ein harter Pressschlag zwischen Matthias Ostrzolek und Lewis Holtby, nach dem Linksverteidiger Ostrzolek mit einem lauten Schrei zusammenbrach. Er wurde mit dem Golf-Car vom Platz gefahren, einen dicken Eisbeutel auf dem Schienbein. Es soll sich allerdings nur um eine Prellung handeln – nichts Schwerwiegendes. Holtby ist mit einer Schramme davon gekommen. „Das passiert im Fußball, es war aber keine Absicht“, so der Ex-Londoner.

Ansonsten musste Trainer Joe Zinnbauer auf die angeschlagenen Tolgay Arslan (Oberschenkel), Nicolai Müller (Hüfte) und Heiko Westermann (Adduktoren) verzichten. Letzterer will morgen wieder ins Training einsteigen, Müller vielleicht auch. Bei Arslan dauert es wohl noch ein paar Tage länger.

Viele von Euch haben sicher die Video-Interviews gesehen, die Dieter gestern im HSV-Museum anlässlich der Buch-Vorstellung von Uwe Seeler geführt hat. Eine Aussage von Dietmar Beiersdorfer, dem Vereins-Vorsitzenden, möchte ich hier noch einmal aufgreifen. Dieter hat ihn nach Joe Zinnbauer gefragt und der Vereins-Boss hat dem Trainer, der nach den schwankenden Leistungen der vergangenen Wochen samt Offensiv-Armut gestützt. „Ich glaube, dass Joe das gerade sehr gut macht“, so Beiersdorfer im Hinblick aufs Werder-Spiel. „Gerade wie er die Mannschaft motiviert und versucht in Stimmung zu bringen für solch ein Spiel. Das hat er beim HSV in den vergangenen Wochen auch schon nachgewiesen. Ich glaube, dass er es sehr gut hinbekommt. Und Peter Knäbel ist ja auch noch da. Wenn es dann noch den Funken braucht, der überspringt, bin ich auch noch bereit.“

Das Buch „Uns Uwe – ein Hamburger mit Herz“ von Abendblatt-Redakteur Jens Meyer-Odewald kostet übrigens € 16,95 und ist über das Hamburger Abendblatt zu beziehen. Das beste Lob über die 263 Seiten sprach vielleicht Uwes Frau Ilka aus. „Ich kenne mein Mäuschen ja nun schon sehr lange“, so Ilka Seeler gestern Abend in Richtung ihres „Dicken“, „und ich bin stolz, dass es jetzt solch ein Buch gibt mit so schönen Erinnerungen.“

Ich melde mich gegen 20.30 Uhr noch einmal mit einem sportlichen Nachtrag. Der HSV hat nämlich kurzfristig einen Testkick verabredet – Näheres dann also später am Abend.

Lars

17.25 Uhr

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
Kurzfristig hat der HSV ein Trainingsspiel gegen den Tabellen-Sechsten der Oberliga Hamburg, den SC Victoria, vereinbart. Bei Nieselregen auf dem Trainingsplatz am Volkspark gewann die Elf von Trainer Joe Zinnbauer am Abend standesgemäß mit 8:0. Schon in der ersten Halbzeit war der HSV, ergänzt um einige U-23-Spieler, hoch überlegen und hätte höher als 2:0 führen können. Joe Zinnbauer war mit der recht schwungvollen Leistung recht zufrieden. “Das war ordentlich. Wir wollten viel Ballbesitz haben, das ist uns gelungen”, so Zinnbauer. Slobodan Rajkovic stand erstmals seit seinem Kreuzbandriss Anfang März in Bremen wieder bei einem Spiel auf dem Rasen.
So spielte der HSV in der 1. Halbzeit: Drobny – Götz, Kacar, Cleber, Marcos – Mende, van der Vaart – A. Arslan, Holtby, Gouaida – Lasogga.
So spielte der HSV in der 2. Halbzeit: Brunst – Diekmeier, Cleber, Rajkovic, Jansen – Jung, Kacar (77. Derflinger) – P. Müller, Brüning, Ilicevic – Lasogga.
Tore: 1:0/2:0 Holtby (16./17.), 3:0 Brüning (52.), 4:0 Kacar (58.), 5:0 Ilicevic (65.), 6:0 P. Müller (69.), 7:0 Brüning (88.), 8:0 P. Müller (90.)
+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Jansen trifft zweimal für das A-Team!

8. November 2014

„Wir gewinnen! 2:0 für’n HSV, logisch. Ja ist doch logisch. Wer gegen Bayern 0:0 spielt, gegen Dortmund 1:0 gewinnt und gegen Leverkusen auch, der gewinnt doch auch in Wolfsburg. Vor Wolfsburg müssen wir nun wirklich keine Angst haben.“ Sagt wer? Das sagte mir heute vor dem Abschlusstraining im Volkspark „Helm-Peter“. Der Mann („Tschuldigung, da muss ich kurz mal dazwischen grätschen“) mit dem Bart. Und mit dem Fahrrad. Peter war einer von ganz wenigen Kiebitzen, die an diesem wunderbar sonnigen Tag den Weg zum HSV gefunden hatten. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit wurde trainiert, aber ein bisschen sehen kann man ja immer. Und festgestellt wurde schnell, dass Tolgay Arslan nicht mit von der Partie ist. Der „Pferdekuss“, den er sich im Training eingefangen hat, ließ heute kein Training zu – und morgen auch keinen Einsatz in Wolfsburg.

 

Die Sendung beginnt um 17:30 Uhr.

 

Ebenfalls fehlen wird an diesem Sonntag der ehemalige Wolfsburger Petr Jiracek, der an einer Fußprellung leidet und heute nur mit Reha-Coach Markus Günther durch den Volkspark lief. Ansonsten alles an Bord (natürlich bis auf Rene Adler und Maximilian Beister). Also auch Valon Behrami, der das gesamte Programm ohne Einschränkung absolvieren konnte.
Es wurde heute leicht und locker trainiert, nach der Aufwärmphase wurden Spielzüge über die Außen-Positionen geübt, in der Mitte wurde die jeweilige Spitze angespielt, der Ball dann nach außen weitergeleitet, Flanke – Tor. So sollte es jedenfalls im Normalfall aussehen, sah es natürlich nicht immer. Ist ja klar.

 

Nach dieser Übung ging es auf jenen Platz, der schlecht einsehbar ist – da spielte dann die A-Elf gegen das B-Team. Dieses Match ging über zwei Halbzeiten und dauerte 20 Minuten, die Stamm-Formation gewann durch zwei Treffer von Marcell Jansen 2:0. Und nach dem Spielchen applaudierte Trainer Joe Zinnbauer seinen Mannen und sparte auch nicht mit Lob: „Das war gut, Jungs, das war gut, das sah gut aus.“ Hoffentlich ernten die HSV-Profis auch morgen so viel Beifall. Apropos: Den erntete heute Artjoms Rudnevs bei der ersten Übung, als er eine Flanke knallhart und technisch super verwandelte. Da klatschten und lobten viele Mitspieler den Letten. Beifall gab es dazu auch für Pierre-Michel Lasogga, der auch einige Male sehr schön verwandelte.

 

Um Rudnevs gab es später noch einige Sorgen, denn der Lette war von Johan Djourou gefoult und zu Boden befördert worden. „Rudi“ humpelte danach einige Sekunden länger, hielt dann aber bis zum Schluss tapfer durch – um dann doch mit einem leicht schmerzverzerrtem Gesicht in die Kabine zu humpeln. Mal sehen, wie sich diese Verletzung noch am Abend „entwickelt“; kommen die Muskeln zur Ruhe (und werden kälter), könnte das durchaus noch richtig schmerzhaft werden. Das sah wie bei einem „Pferdekuss“ aus.

 

Kurz noch einmal zu Rudnevs. Beim „Matz-ab“-Treffen vor einer Woche wurden wir ja (u. a.) gefragt, warum der gute „Rudi“ zuletzt zweimal nicht mal auf der Bank saß, also keine Berücksichtigung bei Trainer Joe Zinnbauer fand. Es soll so sein, dass Artjoms Rudnevs einfach nur schlechter als die Kollegen trainiert hat, dass er im Training große Abschlussschwächen offenbart hat, und dass er die Laufwege der Mannschaft noch nicht so „kapiert“ hat, wie die anderen Mitspieler. So langsam soll es „kommen“, heute allerdings war davon nicht allzu viel zu erkennen. Ich habe, das muss ich mal sagen, Rudnevs schon besser und effektiver gesehen und erlebt. Er könnte es sicher noch besser, als er es derzeit anbietet. Aber vielleicht wird es ja demnächst noch etwas – wo er doch so von seinen Fans über den Rasen getragen wird. Das muss doch mal auf fruchtbaren Boden fallen, diese Fan-Liebe.

 

Zum Abschluss des heutigen Trainings gab es dann „Feuer frei“. Es wurde nach Herzenslust geschossen, wer immer wollte, der durfte, und die drei Torhüter (Jaroslav Drobny, Alexander Brunst und Kevin Otremba) flogen nach allen Regeln der Torwart-Kunst, weil ihnen mitunter auch gleich zwei oder sogar drei Bälle um die Ohren sausten. Das sollte Spaß machen, und es machte allen offenbar viel Spaß. Da hatte jeder einmal oder auch mehrfach das Gefühl, es ja doch noch zu können. Wäre für morgen ja gar nicht so unwichtig, mal das eine oder andere Törchen zu erzielen. Bei bislang erst vier HSV-Buden . . .

 

Apropos vier Buden. So etwas wird es wohl nie wieder geben: Der HSV spielte am 3. März 2000 in Wolfsburg und „schaffte“ nach einem 4:1-Vorsprung nur ein 4:4. Das allein ist schon denkwürdig, aber dass es im selben Jahr, und zwar am 23. September, beim erneuten Aufeinandertreffen in der Autostadt erneut ein 4:4 gab, das ist für mich immer noch sensationell. Wie oft gibt es in der Bundesliga ein 4:4? Und dann gelingt dieses Resultat zweimal hintereinander. Das ist wie ein Sechser im Lotto. Und was würden die HSV-Fans dafür geben, wenn heutzutage mal wieder vier Tore für ihre Mannschaft fallen würden!

 

Nur mal so zur Erinnerung, weil es so schön war. Das erste 4:4 erreichte für den HSV folgende Spieler: Butt, Hoogma, Hertzsch, Panadic, Hollerbach, Kovac, Fischer, Cardoso (Ernst), Mahdavikia, Yeboah (Hashemian), Präger (Dembinski). Die Tore schossen Mahdavikia (zwei) und Cardoso (zwei). Das zweite 4:4 „erspielten“ folgende Herren: Butt, Fukal, Hoogma, Hertzsch, Hollerbach, Töfting (Sandmann), Kovac, Cardoso (Ketelaer), Mahdavikia, Barbarez, Präger (Kientz). Die HSV-Tore markierten Mahdavikia, Fukal, Cardoso und Präger, der heute ja wieder ein „Wolf“ ist. Trainer der ganzen Geschichte war Frank Pagelsdorf, der offenbar Gefallen an diesem Ergebnis hatte, denn zwischendurch gab es ja noch ein 4:4 – das legendäre gegen Juventus Turin (13. September).
Wie schön, ich muss es noch einmal sagen, wären mal wieder vier HSV-„Dinger“. Und wenn es morgen ein 4:4 geben sollte – auch damit könnte ich (jetzt noch) wunderbar leben.

 

Im Moment aber ist ja Tor-Armut angesagt. Was dann ja auch zu verkraften wäre, wenn es denn – wie in Dortmund und gegen Leverkusen – einen 1:0-Sieg geben würde. Oder auf jeden Fall keine Niederlage. Ich bin gespannt, wie sich die Mannschaft kämpferisch aus der Affäre ziehen wird. Ob sie sich wieder zu reinhängt, wie zuletzt gegen die Werks-Elf aus Leverkusen, oder ob sie „halblang“ macht – wie gegen die jetzt schwer kriselnden Berliner? Ich habe immer noch eine Aussage von
Rafael van der Vaart im Ohr, der nach dem Sieg gegen Bayer bei „Sky“ gesagt hat: „Es war nicht nur für mich persönlich eine Befreiung, sondern auch für die ganze Mannschaft. So zu kämpfen, war schon geil. Für uns war es wichtig, zu zeigen, dass wir hier die Chefs sind.“ In Wolfsburg sind sie morgen ganz sicher nicht die Chefs, aber kämpfen darf man auch als nur „kleiner Angestellter“. Denn sie alle, die „kleinen Angestellten“ haben eines gezeigt: das sie es können! Also, macht’s noch einmal, Jungs!

 

Der HSV wird morgen mit jener Formation antreten, die auch zuletzt gegen Leverkusen begann – und das ist ja auch etwas Besonderes. Zweimal in Folge mit demselben Team, das gab es lange nicht (wenn ich richtig erinnere) – und zwei Siege hintereinander erst recht nicht. Morgen würde sich mal wieder die Chance dazu bieten – also fangt damit an!

 

Von Erfolg zu Erfolg eilen derweil die Regionalliga-Spieler des HSV, die ihr schweres Auswärtsspiel am Freitag in Havelse mit 2:1 gewannen. Es ist ein unglaublicher Lauf, den diese Talente da hinlegen, 16 Spiele, 14 Siege, zwei Unentschieden zu Hause, 52:11 Tore, 44 Punkte! Sensationell! Die Tore an diesem Freitag schossen Matti Steinmann und Ahmet Arslan. Super, super, großartig – weiter so! Und herzliche Glückwünsche!

 

So, ich komme zum Quiz. Es ging um die hervorragenden Illustrierten unseres Kollegen Oliver Wurm, der mit jedem deutschen WM-Helden sprach und es zu Papier gebracht hat. „Olli“ wird dafür wahrscheinlich einen Preis gewinnen, er ist für eine größere Auszeichnung nominiert. Völlig berechtigt, ganz nebenbei. Diese drei Hefte sind wahrscheinlich schon bei ihren Gewinnern. Und da ich die Postkarten in der Redaktion gelassen habe, es heute aber aufklären will, versuche ich mich zu erinnern, wohin diese Illustrierten gingen: Einmal nach Hamburg, zu Herrn Joppe. Dann nach Hille (wo immer es auch liegt) zu Herrn, und den weiß ich nun wirklich nicht mehr genau, ich tippe auf Herrn Fendel. Wir aber auf jeden Fall noch nachgereicht, damit mir kein Schmu unterstellt wird. Und der dritte Gewinner ist Carsten Hahn aus Windbergen (weiß ich auch nicht, wo das liegt). Alle drei Gewinner sind mir nicht persönlich bekannt, aber diese drei Herren haben eines gemeinsam: Sie sind die einzigen Teilnehmer an diesem Quiz, die alle zwölf Namen richtig haben.

 

Zu erraten waren: Paul Scharner, Manfred Kaltz, Harry Bähre, Holger Hieronymus, Thomas Doll, Hermann Rieger, Uwe Seeler, Lotto King Karl, Sven Neuhaus, Horst Schnoor, Klaus Neisner und Hans-Jürgen „Dittschi“ Ripp.

 
Eine Sache muss ich in diesem Zusammenhang noch erwähnen. Es gab eine Mail, auf der auch einige richtige Namen standen – und ich finde, dieses „Werk“ sollte dann auch ruhig mal Erwähnung finden, auch wenn es nicht ganz richtig ist – aber immerhin zum Schmunzeln. Allerdings, das vergaß der Absender wohl, ohne Adresse. Also wenn er gewonnen hätte, dann hätte ihn dieses WM-Heft wohl kaum erreicht. Hier nun der Text dazu:
 

sorry, der nachfolgende text passtnicht auf eine postkarte…

Ein Gewinnspiel, ein Gewinnspiel:
Ich KALTZ im Kopf nicht aus.
Was BÄHRE „Matz ab” ohne ein Gewinnspiel.
Hoffentlich gewinnt nicht ein SCHARNERtan,
sondern ein Teilnehmer, der von Zero to “HIERO” aufsteigt.
Das wäre DOLL.
Es gibt ja mehrere Gewinner, aber die entscheidende Frage lautet:
Wer wird erster RIEGER beim Promi-Quiz…?
Es heißt zwar “Geben ist SEELER denn nehmen”,
aber Preise abstauben ist letztlich wie im “LODDO” zu gewinnen.
Davon kann man sich dann ein NEUHAUS bauen
oder aber die kleinen Wünsche des Alltags erfüllen.
Das ist wie beim Durchtrennen der Nabel-SCHNOOR –
ein echtes Glücksgefühl.
Man ist zudem beliebt wie die größten STARS,
die ja auch immer diese tollen “FUMMEL” tragen.

Mit sportlichen Grüßen
WORTSPIELER

 

So, am morgigen Sonntag gibt es nach dem Spiel wie immer die immer beliebter werdende (ich muss es einfach mal wieder loswerden) HSV-Talk-Runde „Matz ab live“, diesmal mit den Gästen Stefan Schnoor und Alexander Laas sowie eventuell einem Überraschungs-Gast. „Scholle“ und ich, wir würden uns sehr freuen, wenn Ihr wieder mit von der Partie sein würdet.

 
Dann komme ich – sehr gerne übrigens – noch einmal auf das „Matz-ab“-Treffen vor einer Woche im „Anno 1887“ in Norderstedt zurück. Weil ich im Nachhinein gedacht habe, dass ich unseren „Mitstreiter“ Lars Pegelow zu wenig erwähnt habe – für einige „Neulinge“ auch nicht vorgestellt hatte. Sorry, mein Lars, das war ein Fauxpas der selten-blöden Art, ich entschuldige mich dafür. Du bist, das möchte ich sehr gerne hier erwähnen, eine sehr wertvolle Verstärkung für das „Matz-ab“-Team, Deine Texte sind immer sehr schön zu lesen und reichlich gefüllt mit Inhalt. Vielen Dank dafür. „Scholle“ hatte ich an diesem Abend gelobt, den Lars leider nicht, und deshalb hatte ich in dieser Woche doch reichlich Gewissensbisse.

Auch gegenüber unsere jungen „Mutter der Kompanie“, Eva/Hope. Sie fehlte an diesem Abend, hatte ihn aber vorher super organisiert, dafür auch an dieser Stelle und ganz offiziell herzlichen Dank für Deine großartige Hilfe, liebe Eva/Hope. Du bist in diesem Blog unersetzlich – und einfach nur toll!

 

PS: Zum „Matz-ab“-Treffen habe ich etliche Dankesschreiben (auch Fotos! Danke dafür, HSV-Lünen!) und –Anrufe erhalten, vielen dank dafür. Eine Zuschrift möchte ich schnell noch öffentlich machen, ich hoffe, dass ich das auch darf – aber sie hat mir deshalb so gut gefallen, weil sie das Niveau und die Stimmung an diesem Abend so gut widerspiegelt:

„Hallo Manfred,

kennen H. Matz und Herr Scholz eigentlich schon das schönste Garagentor in Nordrhein-Westfalen? Diese Bilder sind wirklich Klasse.
Morgen Abend schaue ich mir HSVII in Havelse an, von meiner Arbeitsstelle in Hannover ist dies nur ein Katzensprung entfernt. Am Sonntag bin ich mit Alnipe, Thomas Kerfin und Flashzbax in Wolfsburg.
Dank H. Matz kennen auch wir uns. Dadurch sind inzwischen schon richtige Freundschaften entstanden. Auch die “Nicht Plusser und Nicht Realos” sind HSVer. Deshalb halte ich Kontakte zu allen Fraktionen, u.a. Bob Dylan, Alnipe, usw., denn eines eint uns alle, die Liebe zu unserem HSV.

Gruß R.“

 

So, ich habe fertig. Ich wünsche Euch und Euren Lieben ein wunderschönes Wochenende, und dem HSV (damit uns allen) einen Auswärtssieg in Wolfsburg. Alles Gute!
Dieter

 

17.57 Uhr

Herzlich willkommen, lieber Mats!

10. September 2014

Mats ab! Aus ganz besonderem Grund heute etwas früher. Mats ab!

Jawoll, Mats ab! Mit „s“. Unser „Scholle“ ist heute zum dritten Mal Papa geworden, dazu ihm und der Mutter Sandra alles, alles Gute. Und dem neuen Erdenbürger „Mats Niklas“ möchte ich zurufen: „Viel Erfolg und viel Spaß auf dieser Welt, hau rein, mein Junge, werde ein Super-Fußballer und setze Dich durch in oder auf dieser doch manchmal auch ungemütlichen und ungerechten Kugel. Und werde natürlich HSV-Fan, wie Dein Papa.“ Der teilte übrigens mit, dass es Mutter und Knabe gut gehe – Mats kam heute um 11.33 Uhr zur Welt, fast eine Punktlandung, denn der 9. September war der Stichtag, der Neu-HSVer wog bei seiner Ankunft 3760 Gramm, verteilt auf 53 Zentimeter.
Also, der jungen Familien noch einmal einen ganz besonders herzlichen Glückwunsch, und die „Matz-ab“-Gemeinde sollte heute mal zu einer etwas anderen Feier aufgelegt sein – Prost!

 

Zum Fußball-Alltag:

Das ist leider ein wenig untergegangen, was ich sehr, sehr schade finde: Bei der Feier und der Erweiterung des HSV „Walk of fame“, 2005 erfunden und seitdem organisiert und finanziert vom rührigen Unternehmer Andreas Maske, hielt der Kapitän der HSV-Meistermannschaft von 1960, Jochen Meinke, eine brillante Rede für den posthum geehrten Erwin Seeler. Das Besondere an dieser Rede: Meinke, im HA-Video versehentlich als „Meine“ vorgestellt (sorry!), sprach „freihändig“. Das heißt, ohne jede Unterstützung durch ein Manuskript oder einem Zettel. Frisch, frei und fromm von der Leber weg, der 83-jährige ist immer noch in Weltklasse-Form. Unglaublich, und er erntete für diesen Auftritt nicht nur viel Beifall, sondern Schulterklopfer und von allen Seiten höchstes Lob. Was Jochen Meinke – bescheiden wie er ist – immer weit wegschob von sich: „Ich habe nur das erzählt, was ich mit Erwin Seeler und der gesamten Familie erlebt habe, ich wohnte doch um die Ecke. Und wenn ich ehrlich bin, dann wollte ich noch so viel mehr erzählen, aber ich habe das denn doch weggelassen.“

 


Wie gesagt, sehr schade. Denn für mich, und sicher nicht nur für mich, war dieser Meinke-Auftritt aber ein besonderes Erlebnis und wird es immer bleiben. Weil er einzigartig ist.

 

Die Stimmung ist und soll auch nach Auskunft der Promis in diesem Jahr wieder super gewesen sein. Der frühere Aufsichtsrats-Chef Udo Bandow lobte: „So harmonisch und stimmungsvoll war es lange nicht mehr, das war eine der schönsten HSV-Versammlungen der vergangenen Jahre.“
Von den „alten Herren“ waren Willi Schulz, Horst Schnoor (mit Ehefrau Gerda), Erwin Piechowiak (mit Ehefrau Mienchen), Klaus Neisner, Harry Bähre, Vereins-Manager Bernd Wehmeyer, Aufsichtsratsmitglied Peter Nogly und der heutige Marketing-Mitarbeiter Sven Neuhaus gekommen, ferner die HSV-Größen Carl-Edgar Jarchow, Oliver Scheel, Dieter Horchler und viele, viele mehr. Zudem natürlich Uwe Seeler (mit Ehefrau Ilka und den Töchtern mit Schwiegersöhnen!), der die Ehrung für seinen Papa „old Erwin“ entgegennahm, und Laudator Rudi Kargus, der seinen Vorgänger und Freund Arkoc Özcan ehrte. Holger Hieronymus ist nun ebenfalls neu verewigt, und auch Bernd Hollerbach, der leider absagen musste, da er daheim in Würzburg an einer schweren Magen-und-Darm-Grippe leidet. Gefehlt hat, neben anderen, diesmal Dr. Peter Krohn. Das Wetter war wohl zu schlecht, denn vorher hatte es lange kräftig geschüttet . . .
Für alle HSVer, die anwesend waren, das muss erwähnt werden, gab es erfreulicherweise keine Diskussion darüber, ob sich hier nun die HSV-AG oder der HSV e.V. getroffen hat – es ging einzig und allein um den HSV. Wie schön. Am Rande sei noch bemerkt, dass sogar zwei Bremer bei der Zeremonie dabei waren: Max Lorenz, seit Jahrzehnten ein ganz, ganz dicker Freund von Uwe Seeler, und der frühere Verteidiger Dieter Zembski, der von der Feier wusste und zufällig (Arbeit) in der Nähe war.

 

Erfreulich an diesem Tag:

Eine Trainer-Diskussion gab es am Rande der Veranstaltung nicht. Die meisten vertraten diese Auffassung: „Wie oft hat der HSV in den letzten Jahren schon den Trainer gewechselt? Das ist doch schon nicht mehr zu zählen. Gebracht hat es nie etwas – nie. Das sollten sich einmal alle überlegen. Es hat dem HSV nur immer viel Geld gekostet. Jetzt sollten die Spieler mal etwas dafür leisten, dass es dem HSV wieder besser geht. Und da ist dann auch der Club gefordert, der sollte endlich mal etwas weniger hohe Gehälter zahlen, dafür ordentliche Prämien, wenn tatsächlich etwas erreicht worden ist. Und zudem sollte nun endlich damit angefangen werden, auf den Nachwuchs zu setzen – die U23 hat ja einen erstaunlichen Weg eingeschlagen.“ Das war so oder so ähnlich an allen Ecken und an den meisten Tischen zu hören.

 

Natürlich waren auch die Kollegen aus der Medienbranche zugegen. Es wurden viele, viele Interviews geführt – das hat Tradition. Am Abend sah und hörte ich dann:
„Der Trainer braucht keine Leute die ihm sagen, wen er aufstellen soll . . .“ Das sagte Holger Hieronymus beim TV-Sender „Hamburg1“. Das war offenbar eine Antwort darauf, dass zuvor in einer Hamburger Zeitung zu lesen gewesen war, dass es aus dem Aufsichtsrat Tipps für Mirko Slomka gegeben hatte, dass nun die „Neuen“ gegen Hannover spielen sollten und müssten. Aber wie bereits geschrieben, es wurde dann keine Trainer-Diskussion vom Zaume gebrochen . . .

 

Zum Sportlichen, und da gibt es aus meiner Sicht recht Erfreuliches zu berichten.
Während die Mannschaft heute frei bekommen hat (nicht weil „Scholle“ Papa geworden ist!), trainierten einige zuletzt angeschlagene Spieler, um doch noch rechtzeitig für das Hannover-Spiel am Sonntag fit zu werden. Rafael van der Vaart ging mit Reha-Trainer Markus Günther zu einer Sonderschicht auf den Platz, Ivo Ilicevic arbeitete im Kraftraum. Auch Slobodan Rajkovic (nach Kreuzbandriss) und Gojko Kacar (nach Außenbandanriss im Knie) schufteten weiter für ein Comeback, Neuzugang Nikolai Müller sowie der erkältete Marcell Jansen fanden sich zur Pflege ein. Dafür, dass das ein freier Tag war, war doch relativ viel im Volkspark los – was mir ausnahmslos gut, nein sehr gut gefällt.

 

Dann las ich heute im Hamburger Abendblatt:
„Dennis Diekmeier lebt seinen Traum“. Und in den verschiedenen Video-Texten eine Aussage von Bundestrainer Joachim „Jogi“ Löw, der über die schlechte Defensive seiner Mannschaft befand: „Wir können uns leider noch keinen Philipp Lahm aus dem Hut zaubern. Die jungen Verteidiger sind sicher talentiert, aber sie brauchen noch ein wenig Zeit, um sich zu verbessern, das wird wohl dauern bis zur nächsten WM. . . .“ Aber dann. Oder: und dann?

 

Das wäre doch genug Ansporn für Dennis Diekmeier. Von dem nach dem Paderborn-Spiel ein großer HSVer mir gegenüber gesagt hat: „Diekmeier war der einzige Hamburger, der auf mich einen absolut fitten Eindruck gemacht hat. Der beackert die rechte Seite fast allein, rast 80 Meter rauf und 80 Meter runter, und das immer wieder. Der scheint mir wirklich voll im Saft zu stehen, vielleicht so wie gut noch nie . . .“

 

Kann schon sein. Aber zu einem Nationalspieler gehört dann doch ein wenig mehr. Unter anderem auch, dass man eine gewisse Defensivstärke besitzt, dass man zweikampfstark ist, dass man weiß, wie man sich in bestimmten Situationen zu verhalten hat, dazu gehört ferner auch eine gewisse Kopfballstärke. All das ist zu erlernen. Wir hatten beim HSV einst einen talentierten Spieler wie Christian Rahn. Der wurde sogar Nationalspieler (unter Rudi Völler). Aber „Rahner“ hatte ähnliche Schwächen wie Diekmeier nun. Ich empfahl Rahn damals, sich privat einen Trainer zu nehmen, damit er sich verbessert, aber es geschah nichts. Und der HSV-Profi hatte schnell seine Nationalmannschafts-Karriere beendet – und dann auch seine Erstliga-Karriere. Schade drum. Rahn war talentiert, hatte einen sensationellen linken Fuß, konnte gut flanken und super schießen. Nur nach hinten war er verbesserungsfähig, doch weder er noch irgendeiner beim HSV haben daran gearbeitet. Ich sage und behaupte noch heute: „Eine verschenkte Profi-Karriere.“

Heute würde ich auch Dennis Diekmeier einen Privat-Trainer empfehlen, wenn der HSV-Abwehrspieler noch etwas werden will. Und die Chance, dass er noch etwas werden könnte, ist ja so groß wie nie. Nur wird beim HSV wurde daran so gut wie nie gearbeitet, und ich habe die Hoffnung aufgegeben, dass daran noch einmal explizit gearbeitet wird. Vormittags Training mit der Mannschaft, nachmittags mit einem Trainer (und vielleicht sogar einem „Gegenspieler“, der die Zweikämpfe führt!) auf den Acker. Des wäre ein Anfang. Diekmeier würde sich defensiv bestimmt verbessern, wenn sein Auge, sein Kopfball- und sein Stellungsspiel geschult werden würde.

 

Aber da Individual-Training in der Bundesliga und für die Trainer kaum ein Thema ist, sollte er nun selbst handeln – wenn er noch die ganz große Karriere starten will. Ich kann nur daran erinnern, dass zwei mir bekannte Profis einst „eigenhändig“ Privat-Trainer engagiert – und davon absolut profitiert haben. Dennis Diekmeier wird im Oktober 25 Jahre alt, noch würden ihm alle Türen offen stehen, aber er sollte jetzt wissen, dass er ziemlich bald damit anfangen müsste, etwas für sich zu tun. Andere werden es nicht für ihn erledigen. Die sind alle viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, so ist das im heutigen Profi-Geschäft.

 

So, bevor ich zum Ende komme, schnell noch einmal der Hinweis in eigener Sache:

Jeden Montag kann man sich künftig ab 4 Uhr morgens über ikiosk.de oder über die ikiosk App das Sonderheft „HSV KOMPAKT“ herunterladen. Die Ausgabe mit jeweils zwölf Seiten startet jeweils mit den Berichten zum aktuellen Bundesliga-Spiel. Dann folgen die Artikel, die wir unter der Woche über den HSV veröffentlicht haben.

Für treue Leser unseres HSV-Blogs „Matz ab“ gibt es noch einen besonderen Service. In gekürzter Form erscheinen auf einer Doppelseite die Kolumnen unserer Experten Dieter Matz, Marcus Scholz und Lars Pegelow. Jede „HSV KOMPAKT“-Ausgabe schließt mit einer historischen Seite, wo wir Triumphe und Dramen der langen HSV-Geschichte Revue passieren lassen.

„HSV KOMPAKT“ kostet nur 0,89 Cent pro Ausgabe im Einzelverkauf über ikiosk.de oder die ikiosk App (gibt es für iPhone, iPad (iOS) und für Geräte mit Googles Android). Natürlich kann man sich die zwölf Seiten einfach ausdrucken. Während der Winter- und der Sommerpause der Bundesliga erscheint „HSV KOMPAKT“ nicht.

 

PS: Morgen, am Donnerstag, wird beim HSV wieder im Volkspark trainiert, und zwar um 10 Uhr.

 

17.05 Uhr

« Vorherige Einträge - Nächste Einträge »