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Van der Vaart hat noch große Ziele: “Ich bin fitter denn je”

9. Dezember 2014

Oha, da scheint was dran zu sein. Angeblich bemüht sich Benfica Lissabon um HSV-Linksverteidiger Marcell Jansen. Der aktuelle Tabellenführer der Primeira Liga soll an einer Verpflichtung des Linksfußes schon im Winter interessiert sein. Dies berichtet zumindest die portugiesische Zeitung „Record“. „Ich weiß nichts davon“, sagt Jansen, der heute wieder am Mannschaftstraining teilnehmen konnte und alles gut überstanden hat. Zwar läuft sein vertrag im kommenden Sommer aus. Gespräche über eine vorzeitige Vertragsverlängerung gab es bislang allerdings noch nicht. „Mein Berater und ich haben die klare Absprache, dass ich mich erst einmal um die Hinrunde kümmere und wir uns dann im Winter zusammensetzen und unterhalten“, sagt Jansen, seinen Muskelfaserrissauskuriert hat. Und obgleich ich weiß, wie viele hier jetzt aufschreien werden, den einstigen Nationalspieler bitte abzugeben – es ist tatsächlich sehr wahrscheinlich. Aber es ist allemal diskutabel.

Denn, und das werden beim HSV alle bestätigen können, Jansen zählt zu jenen Spielern, die sich mit dem Verein identifizieren. Ob er bleiben würde, wenn der HSV ihn fragt, hatte ich ihn vor ein paar Wochen gefragt, als er zu Gast bei Matz ab live saß, und Jansen guckte mich nur fragend an. Er schien wissen zu wollen, ob ich die Frage wirklich ernst meine. Meinte ich auch, daher kam auch eine Antwort: „Ich spiele seit sieben Jahren in Hamburg. Ich hatte damals einen Vierjahresvertrag beim FC Bayern und habe für einen Wechsel nach Hamburg – der sich innerhalb von drei tagen komplett abwickelte – auf Geld verzichtet. Ich habe seitdem alles mitgemacht. Tolle Momente und Tiefpunkte. Und ich spiele noch immer sehr gern in Hamburg. Mehr muss ich doch nicht sagen, oder?“

Nein, muss er nicht. Hat er eh schon oft genug. Und dennoch wird es schwer für alle, ihn über den Winter hinaus in Hamburg zu halten, sofern es tatsächlich ein Angebot für den 29-Jährigen geben sollte. Denn der HSV muss sparen. Die Frage ist nur, ob Jansens Verkauf hier der richtige Schritt ist. Aus menschlicher Sicht wäre es zweifellos falsch. Die Forderungen von Vorstand Dietmar Beiersdorfer und Co. nach Identifikation mit dem Verein und Umfeld erfüllt beim HSV kaum jemand (um nicht „niemand“ zu sagen) so wie Jansen. Das ist Fakt. Das wissen auch Beiersdorfer, Knäbel, Zinnbauer und Co. Allerdings gibt es weiterhin keine konkreten Anfragen für die Spieler, die der HSV primär abgeben will. Und gespart werden muss in jedem Fall.

Sportlich behaupte ich, ist keiner beim HSV besser als Jansen auf links. Kein Matthias Ostrzolek und auch noch kein Ronny Marcos. Wobei die beiden weniger verletzungsanfällig sind, soweit man das bei deren junger Karriere so schon verallgemeinern kann. Zudem bringt es Jansen in den bisherigen sechseinhalb Jahren auf 144 Bundesligaeinsätze für den HSV, was nicht auffällig wenig ist. Hinzu kommen 19 Europa-League-, 14 Pokal- und zwei Relegationsspiele. Also auch in dieser Hinsicht wäre ein Verkauf zumindest überlegenswert.

Er wird aktuell von Benfica Lissabon umworben. Trotzdem würde er gern in Hamburg bleiben: Macrell Jansen

Er wird aktuell von Benfica Lissabon umworben. Trotzdem würde er gern in Hamburg bleiben: Macrell Jansen

Bleibt nur noch das Gehalt. Das stammt noch immer aus den so genannten „fetten Jahren“. Soll heißen, Jansen verdient gut, liegt deutlich oberhalb der Zwei-Millionen-Grenze. Eine immense Einsparung also. Dennoch kann das nicht das Argument sein, nachdem man im Sommer mit Lewis Holtby und Pierre Michel Lasogga zwei Spieler dazu geholt hat, die wie auch Adler und van der Vaart beide deutlich mehr verdienen. Soll heißen: Der HSV muss Flagge bekennen. Und wie ich Dietmar Beiersdorfer (pflegt auch zu Jansen ein sehr gutes Verhältnis) kenne und Peter Knäbel bislang kennengelernt habe, wird das auch genau so geschehen. Und ich bin gespannt.

Ebenso in Sachen Rafael van der Vaart. Der Niederländer, dessen Vertrag am Saisonende ebenfalls ausläuft, galt zu Saisonbeginn als teurer Problemfall, weil er nicht in Form kam. Inzwischen avanciert er wieder zum Teamleader. „Die neue Position hilft mir, sie gibt mir noch mehr Möglichkeiten, das Spiel zu lenken“, sagt der HSV-Kapitän, der seit seiner Verschiebung vom Zehner zum defensiven Mittelfeldspieler aufblüht und immer besser wird. Zuletzt hatte er sogar via „SportBild“ verlauten lassen, dass er für einen Verbleib über 2015 hinaus sogar auf Geld verzichten würde. Darauf angesprochen schmunzelt der Linksfuß. „Das ist ein schweres Thema. Vor zwei Monaten hat niemand davon geredet, dass ich bleiben soll. Jetzt habe ich mal ein paar gute Spiele gemacht und plötzlich dreht sich alles und die Leute wollen, dass ich bleibe. Ich will einfach Fußball spielen, mache hier, einen Job – und dabei habe ich sehr viel Spaß. Ich bin jetzt 31 Jahre alt und habe das Gefühl, von Tag zu Tag fitter zu werden. Ich habe noch große Ziele“, so van der Vaart, der zu gern auch wieder ins Nationalteam der Niederlande zurückkehren würde. „Das ist eines meiner Ziele, ganz klar. Zuletzt war ich nicht fit und demnach auch nicht nominiert. Ich habe immer gesagt, dass ich wieder dabei bin, wenn ich meine Leistung bringe. Und im Moment klappt das. Ich glaube, dass ich der Nationalelf in meiner jetzigen Form helfen könnte.“ Zudem sei nach der verpassten WM im Sommer noch einmal ein großes Turnier Anreiz genug, noch mal alles aus sich herauszuholen. „Ich bin noch immer heiß. Die EM 2016 wäre ein Traum. Und sie ist ein Ziel, das mich zusätzlich motiviert.“

Und er freut sich über Zinnbauers Idee, ihn auf die Sechs zu stellen. „Ich bekomme mehr Bälle. Als Zehner muss man oft warten, da hat man manchmal nur zehn Ballkontakte gehabt pro Halbzeit. Jetzt läuft man manchmal sogar etwas weniger und kann trotzdem mehr Einfluss auf das Spiel nehmen. Das macht im Moment riesig Spaß.“ Und obwohl van der Vaart keinen Quervergleich zwischen seinen bisherigen HSV-Trainern ziehen will, lobt er Zinnbauer ausdrücklich. Fussball„Wir sind alle sehr zufrieden, weil der Trainer Pressing spielen will. Er ist ein Motivator und will, dass wir nach vorn spielen. Und er ist mutig. Junge Spieler bekommen eine Chance. Da merken die Jungen im Verein endlich, dass sich gute Leistungen lohnen und sie vielleicht auch mal ihre Chance bekommen. Das ist gut für den HSV. Und die Konkurrenz ist größer als vorher“, so van der Vaart, der sich eher weniger in der Vaterrolle für die Youngster sieht, denn als Tippgeber. „Ich bin keine Vaterfigur – ich habe eine sehr gute Beziehung zu allen. Ich bin im Kopf ja auch noch jung.“

Stammplätze gibt es kaum noch. „Nein, jeder, der hart trainiert, der wird auch belohnt. Der Trainer sagt das nicht nur, er macht es.“ Zudem setzt Zinnbauer auf Veränderungen. Zuletzt wechselte er vom 4-2-3-1 auf ein 4-4-2-System. Und es hat funktioniert. „Dabei haben wir auch mit mir so eine Art 4-4-2- gespielt“, sagt van der Vaart, „ich glaube eher, dass wir endlich begriffen haben, was der Trainer will und wie wir auftreten müssen. Wir müssen einfach eine Mannschaft werden, die schwer zu schlagen ist. Und das kriegen wir gut hin. Wir sind auf einem guten Weg.“

Ebenso wie dabei, „seinen“ HSV wieder in die Spur zu bekommen. Zu Hause funktionierte das zuletzt, jetzt muss es auch auswärts klappen, wenn man nicht gleich wieder unten reinrutschen will. „Auch auswärts sieht es trotz der fehlenden Ergebnisse schon besser aus. Wir sind tatsächlich schon weit gekommen – aber wir waren auch weit weg. Jetzt liegt noch immer ein weiter Weg vor uns und den gehen wir. Jeder sieht zumindest, dass es ein anderer HSV ist als vorher. Man merkt, dass bei uns das Vertrauen langsam wächst, dass wir auch auswärts gewinnen. Zumindest sind wir alle genervt, dass wir angeblich nicht zweimal in Folge gewinnen können. Wir wollen allesamt nichts mehr, als das endlich ändern.“ Am besten schon in Freiburg.

Und bevor ich den Blog abschließe, haben wir noch eine freudige Mitteilung zu machen – zumindest für die unten aufgeführten Gewinner. Folgender Text stammt von Dieter:

Es gab ja noch das vorweihnachtliche Gewinnspiel um drei nagelneue Uwe-Seeler-Bücher. Vielen Dank für die rege Teilnahme (per Internet und per Post!), es war fast so wie zu früheren Matz-ab-Gewinnspielen. Herrlich. Es ging in der Frage darum, für welchen Verein Uwe Seeler – neben dem HSV – noch um Punkte gespielt hat. Die Lösung ist frei nach Wikipedia diese:

Im Mai 1972 trat „Uns Uwe“ mit einem Spiel des HSV gegen eine Weltauswahl vom aktiven Sport zurück. Diesen Rücktritt unterbrach er noch ein Mal, als er auf Bitten des Sportartikelherstellers Adidas, mit dem er beruflich in Verbindung stand, am 23. April 1978 ein Gastspiel bei Cork Celtic in der ersten irischen Liga bestritt. Seeler war nach eigenen Angaben nicht bewusst, dass es sich dabei um ein Punktspiel gehandelt hat, weil ihm nicht bekannt war, dass in der irischen Liga auch für Punktspiele Gastspieler angemeldet werden konnten. Bei der 2:6-Niederlage gegen die Shamrock Rovers erzielte er beide Tore.

Immerhin zwei Tore.

In der Redaktion haben unsere Damen Nicola und Carmen die Gewinner gezogen, wobei es zu sagen gilt, dass es etliche HSV-Fans gibt, die Uwe Seeler nur im HSV-Trikot erlebt haben. Jetzt wissen sie es besser – es war keine Witz-Frage. Obwohl sie für andere HSV-Anhänger auch ein wenig zu leicht war – wie zu lesen war. Sei es wie es sei, hier sind die Gewinner. Und bei dem ersten Herrn, das muss ich ganz einfach noch schreiben, handelt es sich um keinen Verwandten des stellvertretenden Abendblatt-Sportchefs Alexander Laux – es ist reiner Zufall, dass der Gewinner ebenfalls diesen Namen trägt. Aber ausgelost ist ausgelost, da wollten wir deshalb auch keinen Eiertanz drum machen. So. hier die drei Glücklichen, die hoffentlich noch vor dem Weihnachtsfest die signierten, ihre signierten, Bücher erhalten werden:

Gerhard Laux
65550 Limburg

Andreas Herz
37120 Bovende

Jens Reimer Schinkel
55124 Mainz

Herzlichen Glückwunsch – und nochmals vielen Dank an alle, die mitgemacht haben. Vielleicht wiederholen wir so etwas ja noch mal von Zeit zu Zeit.

So, das war’s dann wirklich für heute. Bis morgen, wo übrigens um zehn Uhr an der Arena trainiert wird.

Scholle

 

P.S.: Wobei, eine Kurzmeldung habe ich dann doch noch, denn während Rene Adler eiter pausiert, stand heute Maxi Beister erstmals wieder auf dem Platz und absolvierte die Laufeinheiten mit seinen Kollegen. Willkommen zurück, Maxi!

Die Lage nach der Niederlage in Augsburg

30. November 2014

„Wir sind wieder ein Stück weitergekommen, auch wenn die Ergebnisse nicht passen. Aber die werden irgendwann kommen, da bin ich mir ganz sicher.“ Hat HSV-Trainer Joe Zinnbauer abends bei seinem zweiten Auftritt im ZDF-Sportstudio gesagt. Eine mutige Aussage, denn zu Buche stand und steht ja immerhin die 1:3-Niederlage in Augsburg. Im April 2013 gab es letztmalig in der Bundesliga zwei Siege in Folge, gegen Mainz und Düsseldorf. Seit dieser Zeit tritt der HSV kräftig auf der Stelle. „Ich kann mich selber nicht mehr hören, immer die gleiche Scheiße zu erzählen“, sagte Kapitän Rafael van der Vaart nach dem 13. Spiel dieser Saison. Der HSV hat bislang 27 Spieler eingesetzt, aber, das ist das große Dilemma, er hat immer noch keine Elf gefunden.

 


 

Immerhin hat mit Ronny Marcos, der von allen Spielern, die auf dem Augsburger Rasen standen, die meisten Kilometer abriss (über 13!), einmal mehr ein Talent aus der U23 sein Debüt gegeben. Nach Matti Steinmann, Ashton Götz, Mohamed Gouaida und Tolcay Cigerci bereits der fünfte Mann aus dem Nachwuchs – in meinen Augen der richtige Weg. Auch wenn dieser noch sehr, sehr steinig und mühsam wird. Aber ganz wichtig dabei: Zweifel, ob Joe Zinnbauer der richtige Trainer für den HSV sei, wischte Profi-Direktor Peter Knäbel heute kurz und schmerzlos vom Tisch: „Ich zweifle grundsätzlich nicht, wir bereiten uns auf das nächste Spiel genauso beharrlich vor wie auf das letzte Spiel.“ Sehr gut. Trotz der Tatsache, dass es unter Joe Zinnbauer in zehn Bundesliga-Spielen erst drei Siege gab. Alle wussten, dass diese HSV-Genesung nicht über Nacht funktionieren würde.

 

Bitter nur, dass jetzt Heiko Westermann ausfallen wird. Für „HW4“ ist die Hinrunde gelaufen, er zog sich in Augsburg in der 31. Minute eine schwerere Knie-Verletzung zu. Diagnose: Innenbandanriss im linken Knie. „Mit Heiko verlieren wir unseren stabilsten Spieler“, sagte Knäbel mit betretener Miene. Es gibt, leider, leider, etliche HSV-Fans, die das ganz anders sehen. Aber jedem seine Meinung, keine Frage – ich schließe mich deshalb Peter Knäbel an. Vorbehaltlos.

 

Obwohl es, da beißt die Maus keinen Faden ab, an allen Ecken und Enden kneift. Der HSV, das ist klar, sucht seine Formation, sucht noch nach dem Weg, dort unten raus zu kommen – und er probiert, experimentiert. Dazu gehören die jungen Leute aus der U23. Natürlich. Zinnbauer hatte es bei seinem Amtsantritt am 17. September gesagt, dass er „seinen“ Leuten die Chance geben wird – wenn die arrivierten Profis nicht so funktionieren, wie er es sich vorstellt und wünscht. Von der Club-Führung hat Joe Zinnbauer die Unterstützung – ganz offenbar. Peter Knäbel sagte heute: „Jeder Spieler kann jeden Tag seine Qualität und seine Bedeutung für den HSV beweisen. Am sinnvollsten macht er das, indem er die entsprechenden Zahlen liefert. Das heißt: Duelle gewinnen, Torschüsse nicht nur auf das Tor, sondern ins Tor, und indem er dabei ist, wenn der HSV gewinnt.“
Das ging wohl in erster Linie an Holtby und Lasogga. Die – etwas überraschend (?) – draußen blieben. Knäbel sagt generell: „Die Spieler, die von Joe Zinnbauer jetzt mal durchrotiert worden sind, haben die Entscheidung akzeptiert. Das ist eine Grundlage des Profi-Geschäfts. Kein Spieler hat bei einem solchen großen Kader eine Garantie, dass er spielt. Gegen Augsburg hat Joe Zinnbauer versucht, mehr Geschwindigkeit nach vorne rein zu bringen, das hat sich in den ersten 15 Minuten gerechnet, vom Resultat zur Halbzeit her war das auch in Ordnung.“

Trotz allem sollten sich die Herren Profis, die nun auf der Bank oder sogar nur zu Hause saßen, einmal hinterfragen, was sie besser machen könnten. Artjoms Rudnevs hat auf eine mehrfache Nichtberücksichtigung die richtige Antwort gegeben, jetzt sind die anderen „Jungs“ gefragt. Dazu gehören auch Zoltan Stieber, Ivo Ilicevic und Gojko Kacar – neben Holtby, Arslan und Lasogga.

 
Wobei die erste Halbzeit des HSV gut war. Dabei bleibe ich. Es war vielleicht die beste Halbzeit, die der HSV in dieser Saison gespielt hat. Vielleicht, darüber könnte man streiten. Dass es dann doch keinen Sieg gab, das lag wohl auch am schnellen 1:1 in der 49. Minute. Matthias Ostrzolek rutschte, als er zu spät gegen Djurdjc kam, in den Mann – Freistoß. Das war schon dumm. Dann segelte dieser Freistoß in den Fünfer, wo alle HSV-Spieler – nebst Johan Dhourou und Cleber) abtauchten. Einige Experten forderten rückblickend, dass Jarolsav Drobny hätte die Linie verlassen müssen, aber wie soll das gehen, wenn so viele Leute unmittelbar vor ihm stehen? Geht er raus und berührt einer der Vorderleute die Kugel, dann sieht er erst recht alt aus. Es war meiner Meinung nach ein Fehler, dass die HSV-Defensive so weit hinten stand, und es war natürlich falsch, sich nur abzuducken statt hoch zu springen. Und ich behaupte mal, wie wohl auch Knäbel: Mit Westermann da hinten drin wäre das nicht passiert.

 

Bei Tor Nummer zwei sahen die Youngster Ashton Götz und vor allem Mohamed Gouaida nicht gut aus, aber auch die Innenverteidiger nicht. Hätten sie besser gestanden, hätte der letzte Mann dieser Kette, nämlich der Augsburger Bobadilla, nicht an den Ball kommen können. Und über Tor Nummer drei müssen wir nicht diskutieren – das war ein Witz-Elfmeter. Obwohl ich die ganze Nacht nicht darüber lachen konnte, und auch heute nicht. Heute morgen war ich beim Oberliga-Spiel Paloma gegen Germania Schnelsen (2:1), ich haben niemanden gefunden, der das sagte, was offenbar der „Ober-Guru“ Dr. Markus Merk sagte: „Das war ein klarer Elfmeter.“ Soll, ich wiederhole, soll Merk gesagt haben – ich habe es nicht gehört. Und wenn er es tatsächlich gesagt hat, dann kommen mir nur noch mehr Zweifel an dieser ganzen Schiedsrichterei. Wobei ich weiß, dass Merk bei seinen ehemaligen Kollegen ohnehin schon seit geraumer Zeit unten ist, weil er als „Ober-Ober-Schiedsrichter“ immer alles besser weiß (auf Sky), als die Kollegen, die auf dem Rasen stehen. Und da muss man eben mal sagen: „Das war ein klarer Elfmeter.“

 

Das war es natürlich nicht. Und ich finde es bitter, wenn man dann sagt: „Daran lag es nicht, dann hätte der HSV eben nur 1:2 verloren.“ Jeder Fußballer weiß aber doch, dass ein 1:2 schneller zu egalisieren ist, als ein 1:3. Und gerade die HSV-Spieler wissen es am besten. Bei 1:2 hätte doch noch die Chance bestanden, dass sich der gegnerische Torwart die Kugel wieder selbst in die Kiste schmeißt . . . Weil ein zweites HSV-Tor in einem Spiel? Das wäre ja ohnehin die Krönung der Auslese. Und man will ja auch gar nicht zu viel auf einmal verlangen.

 

Unabhängig von diesem Skandal-Elfmeter, den dieser Herr Doktor sich da zurechtpfiff, hat der HSV natürlich auch in Halbzeit zwei schlechter gespielt. Weil dieses 1:1 zu schnell kam. Mittelfeldspieler Valon Behrami fand deshalb in Augsburg mahnende und vor allem offene, ehrliche Worte nach dieser Niederlage: „Nach dem 1:1 in der zweiten Halbzeit war es wie immer, wir schalten ab, und zwar komplett, es passiert nichts mehr. Das ist die Verantwortung der älteren Spieler. Spieler wie ich, Rafael van der Vaart und Johan Djourou. Aber wir haben nichts gemacht, das ist unser Fehler. Das ist eine Frage des Charakters, das ist sicher. Das liegt an der Professionalität, aber die kann man nicht kaufen. Entweder hat man das, oder man hat es nicht.“

Über die Zufriedenheit, über die ja kürzlich auch Sport-Direktor Bernhard Peters gesprochen hatte, sagte Behrami: „Wenn man denkt, man hat etwas erreicht, wenn man zwölf Punkte nach zwölf Spielen hat, dann liegt man damit total falsch – wir haben nichts erreicht.“
Und zur aktuellen personellen Situation befand der Schweizer: „Die jungen Spieler kommen mit Spaß und Freude zu uns. Aber uns können auch die erfahrenen Spieler helfen. Die hatten wir heute auf der Bank, die haben Qualität, das sind wichtige Spieler für uns, wie Holtby, Lasogga und auch Arslan. Die jungen Spieler sind gut für die Konkurrenz, so muss jeder mehr machen im Training und im Spiel. Aber wir brauchen die Qualität dieser Spieler, obwohl es natürlich auch klar ist, dass das die Entscheidung des Trainers ist.“

 

Zur Lage mit den jungen Leuten fällt mir dabei noch ein Name ein, den ich an diesem Wochenende in der ARD-Sportschau vernahm. Beim Spiel Werder gegen Paderborn (4:0) spielte der 22.jährige Janek Sternberg von beginn an mit, und er spielte nicht nur mit, er gehörte mit zu den besten Bremern. Und Sternberg war ja auch mal einer, der die Raute auf der Brust trug. Auch hin und wieder bei den Profis. So kann es gehen.

 
Apropos junge Leute: Matti Steinmann, diesmal unser Mann bei „Matz ab live“, (neben seinem Teamkollegen Ahmet Arslan – nochmals vielen Dank), sah ja vor einer Woche beim Spiel in Norderstedt die Gelb-Rote Karte. Er ließ sich deshalb schnell am Meniskus operieren, versäumt daher wohl kein einziges Spiel, denn nun geht es in die Winterpause. Und danach ist Matti wieder fit. Ein “älterer Herr” dagegen wird wohl nicht so schnell fit: Rene Adler. Weil die Rückenprobleme des Nationaltorhüters (a.D.) nicht besser werden, fliegt Adler morgen nach München, um sich dort von Bayern-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt untersuchen zu lassen.
Unterdessen deutete Peter Knäbel an, dass der HSV den Vertrag mit Jaroslav Drobny demnächst verlängern wird. Gut so.

 

Ja, und dann ist inzwischen klar (und wohl auch bekannt), dass Carl-Edgar Jarchow als Präsident des HSV vom Mai an nicht mehr zur Verfügung stehen wird. Für mich war das schon seit längerer Zeit klar, deswegen habe ich das nicht mehr als das ganz große Thema angesehen. Dass ich seinen Schritt durchaus bedauere, das will ich gerne bekennen, obwohl ich dafür natürlich von vielen Freunde um die Ohren bekomme. Ist egal. Jedem seine Meinung, ich schrieb es bereits. Und Jarchow hat vor allem den einen Fehler gemacht (zum Wohle des HSV), indem er nicht ausplauderte, was er für einen tollen Verein bei Amtsantritt vorgefunden hat. Dabei möchte ich es belassen, das allein wird wieder genügend Öl ins Feuer gießen – das wird für mehrere Tage reichen.

 

Ein erfreulicheres Thema ist das neue Uwe-Seeler-Buch, das unser geschätzter Abendblatt-Kollege Jens Meyer-Odewald geschrieben hat, das nun auch rechtzeitig zum Weihnachtsfest erschienen ist. Es ist ja auch in der rechten Spalte neben dem Matz-ab-Bericht zu sehen. Und ich habe es im neuesten Matz-ab-live auch entsprechend angepriesen. Dazu habe ich nun auch ein weihnachtliches Gewinnspiel vorbereitet. Drei Bücher „Uns Uwe – ein Hamburger mit Herz“ werde ich verlosen. Drei Bücher, von Uwe Seeler (so hoffe ich – ich bemühe mich) für den Gewinner namentlich signiert, und die ich von den ehemaligen Meisterspielern von 1960 auch unterschreiben lassen werde, gehen noch vor dem Fest an die Gewinner.

 

Die Frage, die ich stelle und die zu beantworten wäre, ist ganz einfach:

Für welchen Verein ist Uwe Seeler – neben dem HSV – noch auf Punktejagd gegangen?

Es können die Antworten (bis zum nächsten Sonntag) bei „Matz ab“ im Internet (per Email an: blog*at*matz-online.net) abgegeben werden, oder per Post:

Dieter Matz
Sportredaktion Hamburger Abendblatt
Axel-Springer-Platz 1
20355 Hamburg

 

Dann noch schnell dies und das:

Manfred aus Lünen schrieb mir kürzlich (und er trug es auch beim Matz-ab-Treffen persönlich vor!):

 

Dieter, ich möchte noch einmal an unser Gespräch wegen der Weitergabe der Mail-Adressen erinnern. Über das Abendblatt kann man bei Angabe der Postleitzahl erkennen, wie viele HSV-Mitglieder im Ort wohnen (bei uns sind es drei Mitglieder).
Die Anregung kam von Erhard W. (HSV57) aus Ölbronn, wir möchten so vielleicht Fahrgemeinschaften zu den Spielen zu organisieren.

Bitte rege es doch einmal im Blog an, der eine oder andere Matz-abber wird es lesen und sich die Adressen von den Mods geben lassen.

 

Dann gab es kürzlich schon ein Gewinnspiel bei uns, und da kam ein Gewinner aus Hille. Ich wusste nicht, wo dieses Hille liegt (ich kannte früher nur das BU-Brüderpaar Hansi und Fredy Hille) – aber der Matz-abber schrieb mir und klärte mich auf:

 

Hallo Herr Matz,
habe mich sehr über den Gewinn des Heftes von Oliver Wurm aus Ihrem Quiz gefreut. Ich will Ihnen gerne erklären wo Hille liegt.
Hille liegt etwa 20 km entfernt von Minden (Melitta Werke – GWD Minden) in Ostwestfalen.
Hille ist eine Handball-Hochburg und lieferte schon mehrere Nationalspieler.
Es seien nur drei Namen genannt:
Jimmy Waltke (erzielte bei der WM 1978 im Endspiel gegen die UDSSR in 193 Sekunden 3 entscheidene Tore vom 14:12 bis zum 16:12. Deutschland wurde bekanntlich mit 20:19 Weltmeister.

Rainer Niemeyer (Torwart) wurde ebenfalls 1978 Weltmeister.
Sein Sohn Arne Niemeyer spielte in der Saison 2008/2009 für den HSV Hamburg und spielt heute bei GWD Minden.

Frank von Behren, 167 Länderspiele für Deutschland
Vize-Europameister 2002 und Silbermedaille bei Olympia 2004.

Sie sehen, dass sich unser Dorf Hille nicht zu verstecken braucht.

Mit freundlichen Grüßen aus Hille, Helmut F.

 

Dann möchte ich schnell noch auf eine interessante Geschichte hinweisen. Im WDR und im NDR Fernsehen läuft heute wieder „Dittsche“ – sehenswert. Und um 23.35 Uhr geht es im NDR-Fernsehen um Fußball. Der Bericht heißt:

 

Flucht aus der Kurve

 

Die Entfremdung zwischen der Vereinsführung und einem Teil der Fans – in der Bundesliga keine Seltenheit mehr. Beim Hamburger SV sind etliche Anhänger ausgestiegen, nachdem im Sommer die Profiabteilung in eine AG ausgegliedert wurde. In Hannover besuchen Ultras und andere Gruppierungen seit Beginn dieser Saison die 96-Spiele nicht mehr, weil der Club in der vergangenen Spielzeit die Busanreise zum Derby nach Braunschweig angeordnet hatte. Nur wer im organisierten Konvoi mitfuhr, bekam seine Eintrittskarte. Die Situation ist verfahren, eine Lösung der Konflikte nicht in Sicht – dabei leidet die Stimmung im Stadion spürbar.
„Wir sind offen, mehr kann ich nicht anbieten. Wir sind da, wir laufen nicht weg“, sagte 96-Boss Martin Kind bei den Dreharbeiten zur „Sportclub Reportage“. Das sehen die Fanvertreter anders: „Herr Kind sagt immer so schön: Dialog ist keine Einbahnstraße. Doch er will sagen, wie es läuft und nicht.“ Sie fordern, dass sich Kind „dafür entschuldigt, dass den Auswärtsdauerkarteninhabern die Karten vorenthalten wurden“. Für den Unternehmer kommt das nicht in Frage: „Warum sollten wir uns entschuldigen? Bei allem Verständnis für Dinge, aber eine Entschuldigung ist nicht nötig.“
In Hamburg haben einige Fans im Juli einen neuen Verein gegründet, den HFC Falke, der mittlerweile 350 Mitglieder zählt. Mit dem HSV haben sie abgeschlossen: „Ich vergleiche mich manchmal mit einem Alkoholiker“, sagt Ex-Vorstandsmitglied Christian Reichert: „Ich bin auf Entzug, habe aber einen Vorteil: Meine Rückfallgefahr ist gering. Denn was ich am HSV geliebt habe, gibt es nicht mehr.“
HSV-Chef Dietmar Beiersdorfer würde die Aussteiger allerdings gerne zurückgewinnen: „Ich verstehe den HSV, den ich 1986 als Spieler kennengelernt habe, immer noch als den HSV wie er hier und heute ist, auch wenn es mit der AG und dem e.V. verschiedene Rechtsformen gibt.“ Auch Kind fehlt etwas: „Dieser harte Kern der Fans ist wichtig, weil sie f ür die Stimmung stehen und weil sie eine unglaubliche Loyalität zum Fußball, zu ihrer Marke haben“, sagt der 96- Präsident. Die Reaktion eines Fanvertreters ist indes bezeichnend und verdeutlicht die tiefe Kluft: „Loyalität zu einer Marke? Ich bin doch nicht Fan einer Marke, ich bin Fan eines Vereins!“

 
PS: An diesem Montag haben die Profis trainingsfrei.
 

So, das war es heute wieder mal in etwas längerer Form, ich wünsche trotz allem noch einen schönen ersten (Rest-)Advent. Und morgen einen großartigen Start und eine tolle und erfolgreiche Woche,

Dieter

 
18.28 Uhr

Didis Plan – erst Erfolg, dann Kohle

12. November 2014

Blühende Landschaften – die sind beim HSV im November 2014 tatsächlich nicht zu erkennen. Sechs Monate nach der richtungsweisenden Entscheidung, den Profi-Fußball-Bereich aus dem e.V. aus- und in eine Fußball AG einzugliedern, steht es sportlich und finanziell noch immer schlecht um den HSV. Die Bundesliga-Mannschaft ist enttäuschender Siebzehnter, die wirtschaftlichen Zahlen des Vereins sind dunkelrot. Der Kollege Kai Schiller hat in der heutigen Abendblatt-Ausgabe eine Übersicht über den aktuellen Zustand der AG-Zahlen gegeben.

Wie geht es aber weiter? Zunächst wird in den kommenden Wochen der Geschäftsjahresabschluss der Saison 2013/14 erscheinen. Er wird erneut, zum vierten Mal in Folge, ein sattes Minus aufweisen. Wie die Zahl aber genau zu lesen sein wird, ist noch etwas unklar. Denn da die Eintragung der HSV Fußball AG am 7. Juli 2014 erfolgt ist, wird dessen wirtschaftlicher Beginn an den Anfang dieses Jahres – also auf den 1. Januar – gesetzt. So ist es vorgeschrieben, und das hat zur Folge, dass der erzielte Verlust in Teilen beim e.V., in anderen Teilen in der AG ausgewiesen wird. Klar ist nur, dass der e.V. zum 31. Dezember 2013 einen Jahresabschlussbericht vorlegen musste, der dann die Basis war für die Berechnungen bis zum Saisonende.

Aber egal ob das Minus nun mit fünf oder acht Millionen Euro ausgewiesen wird: es war erneut ein katastrophales Jahr für den HSV. Das Überleben, so wissen wir inzwischen, wurde insbesondere durch eine vorweggenommene Inanspruchnahme der Sponsoring-Gelder von adidas (sechs Millionen Euro) sowie durch den Verzicht von Klaus-Michael Kühne auf ihm zustehende Kreditrückzahlungen, resultierend aus dem van-der-Vaart-Transfer (zwei Millionen) erzielt. In beiden Bereichen lebt der HSV auf Pump – das adidas-Geld fehlt in späteren Jahren, und die Kühne-Millionen werden evtl. später fällig.

Mit eben jenem Klaus-Michael Kühne hat sich der HSV samt des neuen Vorstands-Vorsitzenden Dietmar Beiersdorfer dann im Sommer über Wasser gehalten durch ein weiteres Darlehen über 17 Millionen Euro. Dies, mit vier Prozent verzinst, wird allerdings in diesem Jahr noch nicht fällig. Stattdessen muss der HSV Kühnes van-der-Vaart-Millionen im kommenden Jahr bedienen.

Es sei denn, und hier beginnt eine große Unbekannte für die Betrachtung und die Berechnungen der kommenden Monate und Jahre, Unternehmer Kühne zieht seine Option fristgemäß zum 31. Dezember 2014 und wandelt den Gesamtbetrag seiner Kredite in Höhe von 25 Millionen Euro in AG-Anteile um. Ob er es tut, ist im Moment nicht abzusehen. Wasserstandsmeldungen in die eine oder andere Richtung wechseln sich ab. In Wahrheit wagt niemand beim HSV Kühne in dieser Frage zu 100 Prozent einzuschätzen. Wahr ist in jedem Fall, dass Kühne mit der aktuellen Bewertung des HSV nicht glücklich ist. Das Wertgutachten der KPMG hat bekanntermaßen einen Betrag von 330 Millionen Euro ergeben. Daraus leitet sich ein Kühne-Anteil von 7,6 Prozent am HSV ab, den der milliardenschwere Reeder also bis Silvester einsacken könnte.


Aber, wie gesagt, die 330 Millionen kommen Kühne doch arg hoch vor – und seine Bedenken in diesem Punkt sind aus wirtschaftlichen Blickwinkeln sicher nicht von der Hand zu weisen. Das Gutachten der KPMG arbeitet mit Werten, die es bei der „normalen“ Bewertung eines Wirtschaftsunternehmens außerhalb des Fußball-Geschäfts so nicht gibt. So wird in dem HSV-Gutachten überproportional der Markenwert berücksichtigt und auf mögliche Erlöse verwiesen. Die Tatsache, dass der HSV nun vier Mal in Folge Minus-Zahlen schreibt, wäre in der Wirtschaft schon fast ein Ausschluss-Kriterium für eine hohe Bewertung. Im Fußball, für den sicher auch andere Maßstäbe gelten, ist das etwas anders.

Schließlich hat ein strategischer Partner eines Bundesliga-Vereins, erfolgreich oder nicht, eine große mediale Verbreitung und damit eine Steigerung seiner Bekanntheit, die weit über Gewinn- und Verlustrechnungen hinausgeht. Ich habe hier in diesem Blog Ende 2013 mit Hilfe eines Wirtschaftsfachmanns eine mögliche HSV-Bewertung unter streng wirtschaftlichen Regeln durchgespielt. Am Ende waren wir bei einem Wert von etwa 125 Millionen Euro, also deutlich unter der ermittelten KPMG-Zahl. Sicher hat auch Kühne eher herkömmlich gedacht und nicht die spezielle Fußball-Dynamik einkalkuliert.

Der HSV-Wert mag auch deswegen durchaus marktüblich sein, wenn man sich vergleichsweise bei Hertha BSC umschaut. Der Vergleich hat Tücken, zugegeben, denn die Berliner haben mit ihrem Partner KKR vor allem eine große Umschuldung alter Verbindlichkeiten abgewickelt. Davon abgesehen deutet die reine Beteiligung der KKR auf einen Hertha-Wert von ca. 270 Millionen Euro hin. Und da scheinen die 330 Millionen des HSV doch schon einigermaßen realistisch. In Stuttgart, so wird gemunkelt, geht man von einem Wert des VfB in Höhe von ca. 300 Millionen Euro aus.

Wie auch immer – wir sind immer noch beim möglichen Kühne-Anteil von 7,6 Prozent. Zieht er also seine Option, dann hätte das Vor- und Nachteile für den HSV. Zum einen fielen dann kurzfristige Kredit-Rückzahlungen aus, was dem HSV Handlungsspielraum vielleicht schon für das Winter-Transferfenster schaffen würde. Dass der Direktor Profi-Fußball Peter Knäbel nach einer Alternative für den Sturm sucht (Josip Drmic, Bayer Leverkusen?), ist kein Geheimnis. Darüber hinaus wäre der HSV-Gürtel im Sommer ein kleines Stück weniger eng, zumal der erste Mega-Transfer mit den 6,5 Millionen Euro Ablöse für Lewis Holtby an Tottenham Hotspur ja schon abgeschlossen ist.

Sollte Kühne seine Option nicht ziehen, hätte der HSV im kommenden Sommer also hohe Zahlungsverpflichtungen. Andererseits wird gemunkelt, dass die Bereitschaft anderer Investoren an einer Beteiligung am HSV durchaus steigen könnte, wenn der nach außen unberechenbare und schwer einzufangene Kühne nicht mit an Bord wäre. Wie es kommt, wird jedenfalls die Zukunft zeigen.

Ein dicker wirtschaftlicher Brocken ist der „Campus“. Unterschrieben ist bekanntlich noch nichts, aber der HSV hofft natürlich ganz stark darauf, dass Alexander Otto mit acht Millionen Euro für den Bau einsteht. Geht alles gut, dann erfolgt die Einigung im Dezember. Dessen ungeachtet muss auch der HSV Kosten tragen. Zunächst für die Umplanung des ursprünglichen Modells, die im Moment vorgenommen wird, und außerdem soll zeitnah mit dem Bau neuer Trainingsplätze begonnen werden. Dies ist nicht im Otto-Paket, sondern HSV-Verpflichtung.

Alles in allem wird kräftig geflickt am HSV – und gleichzeitig versucht der Vereins-Vorsitzende Dietmar Beiersdorfer mit seinem Team, ein neues Fundament einzuziehen. Dass in einigen Jahren auf jeden Fall alles besser wird, ist lange nicht gesagt. Zwar laufen die Stadionkredite, die der HSV immer voll beglichen hat, in den kommenden Jahren aus. Doch steigende Tilgung hat in den vergangenen Jahren nicht dazu geführt, dass sich die gesamten Verbindlichkeiten des HSV verringert hätten. Was auf der einen Seite gezahlt wurde (Stadion, Sportfive), das musste auf der anderen Seite wieder reingeholt werden (Fan-Anleihe, Kühne-Millionen), so dass sich an der wirklichen wirtschaftlichen Lage des Vereins kaum etwas verbessert hat.

Der ehemalige Vorsitzende des HSV-Aufsichtsrates, Udo Bandow, hat vor einigen Wochen in einem Interview mit der „Welt am Sonntag“ klipp und klar gesagt, wie der HSV aus dem Teufelskreis entfliehen kann.

„Der wirtschaftliche Bereich folgt dem sportlichen. Dietmar [Beiersdorfer] muss sich am Anfang auf den sportlichen konzentrieren, eine andere Chance gibt es nicht. Der sportliche Bereich muss in Gang kommen. Wenn das geschafft ist, folgt der wirtschaftliche Teil.“

Das sieht offenkundig auch Beiersdorfer so, und so sind auch seine Maßnahmen bisher zu verstehen, die ja eine deutliche Konzentration auf den sportlichen Bereich zeigen. Dass die Maßnahmen bislang noch nicht gefruchtet haben – das ist die Besorgnis erregende Bestandsanalyse im Moment.

Doch welche Wahl gibt es? Natürlich benötigt Beiersdorfer auch für den kommenden Sommer wieder Kapital, um die Mannschaft zu verstärken. Mit der Aussicht allein, dass zehn teure Spielerverträge auslaufen und entsprechend hohe Gehaltskosten eingespart werden können, ist es nicht getan. Es muss auch ein neues Team entstehen, das durch höhere Bundesliga-Platzierungen mehr TV-Gelder erspielt, auf Sicht internationale Perspektive besitzt und ganz allgemein einen höheren Marktwert besetzt. Hier ist eine hohe Trefferquote Beiersdorfers bei Verpflichtungen gefragt sowie erfolgreiche Nachwuchsarbeit. Ganz ehrlich: Nach elf Spieltagen lässt sich sicher noch kein endgültiges Urteil über die meisten Neuen fällen. Sie kamen vom sicheren Land auf ein Schiff in unruhiger See und müssen mit allen Kräften ruhige Fahrwasser finden. Eine Alternative zu diesem Weg gibt es nicht. Dietmar Beiersdorfer hat den HSV im Sommer von seinen Vorgängern in einem denkbar schlechten Zustand vorgefunden.

Gedanken mache ich mir allerdings über einen neuen – Cleber. Der Brasilianer wird demnächst das erste Mal Schnee sehen. Land, um im Bild zu bleiben, hat er sportlich beim HSV noch nicht erspäht. In der „Bild“ hat er nun berichtet, dass er seinen Sohn nicht sehen kann. Clebers Helfer Edson Büttner ist gefragt, dem drei Millionen Euro teuren Innenverteidiger über schwere Tage hinwegzuhelfen – dass dies nicht bei allen Brasilianern in der Bundesliga-Geschichte, auch beim HSV, geklappt hat, ist bekannt.

Bei der Trainingseinheit der Profis heute Morgen waren viele U-23-Spieler mit dabei. Derflinger, Marcos, Gouaida, Philip Müller, Mende, Jung, Brüning mischten bei den Profis mit. Auffälligste Aktion war ein harter Pressschlag zwischen Matthias Ostrzolek und Lewis Holtby, nach dem Linksverteidiger Ostrzolek mit einem lauten Schrei zusammenbrach. Er wurde mit dem Golf-Car vom Platz gefahren, einen dicken Eisbeutel auf dem Schienbein. Es soll sich allerdings nur um eine Prellung handeln – nichts Schwerwiegendes. Holtby ist mit einer Schramme davon gekommen. „Das passiert im Fußball, es war aber keine Absicht“, so der Ex-Londoner.

Ansonsten musste Trainer Joe Zinnbauer auf die angeschlagenen Tolgay Arslan (Oberschenkel), Nicolai Müller (Hüfte) und Heiko Westermann (Adduktoren) verzichten. Letzterer will morgen wieder ins Training einsteigen, Müller vielleicht auch. Bei Arslan dauert es wohl noch ein paar Tage länger.

Viele von Euch haben sicher die Video-Interviews gesehen, die Dieter gestern im HSV-Museum anlässlich der Buch-Vorstellung von Uwe Seeler geführt hat. Eine Aussage von Dietmar Beiersdorfer, dem Vereins-Vorsitzenden, möchte ich hier noch einmal aufgreifen. Dieter hat ihn nach Joe Zinnbauer gefragt und der Vereins-Boss hat dem Trainer, der nach den schwankenden Leistungen der vergangenen Wochen samt Offensiv-Armut gestützt. „Ich glaube, dass Joe das gerade sehr gut macht“, so Beiersdorfer im Hinblick aufs Werder-Spiel. „Gerade wie er die Mannschaft motiviert und versucht in Stimmung zu bringen für solch ein Spiel. Das hat er beim HSV in den vergangenen Wochen auch schon nachgewiesen. Ich glaube, dass er es sehr gut hinbekommt. Und Peter Knäbel ist ja auch noch da. Wenn es dann noch den Funken braucht, der überspringt, bin ich auch noch bereit.“

Das Buch „Uns Uwe – ein Hamburger mit Herz“ von Abendblatt-Redakteur Jens Meyer-Odewald kostet übrigens € 16,95 und ist über das Hamburger Abendblatt zu beziehen. Das beste Lob über die 263 Seiten sprach vielleicht Uwes Frau Ilka aus. „Ich kenne mein Mäuschen ja nun schon sehr lange“, so Ilka Seeler gestern Abend in Richtung ihres „Dicken“, „und ich bin stolz, dass es jetzt solch ein Buch gibt mit so schönen Erinnerungen.“

Ich melde mich gegen 20.30 Uhr noch einmal mit einem sportlichen Nachtrag. Der HSV hat nämlich kurzfristig einen Testkick verabredet – Näheres dann also später am Abend.

Lars

17.25 Uhr

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Kurzfristig hat der HSV ein Trainingsspiel gegen den Tabellen-Sechsten der Oberliga Hamburg, den SC Victoria, vereinbart. Bei Nieselregen auf dem Trainingsplatz am Volkspark gewann die Elf von Trainer Joe Zinnbauer am Abend standesgemäß mit 8:0. Schon in der ersten Halbzeit war der HSV, ergänzt um einige U-23-Spieler, hoch überlegen und hätte höher als 2:0 führen können. Joe Zinnbauer war mit der recht schwungvollen Leistung recht zufrieden. “Das war ordentlich. Wir wollten viel Ballbesitz haben, das ist uns gelungen”, so Zinnbauer. Slobodan Rajkovic stand erstmals seit seinem Kreuzbandriss Anfang März in Bremen wieder bei einem Spiel auf dem Rasen.
So spielte der HSV in der 1. Halbzeit: Drobny – Götz, Kacar, Cleber, Marcos – Mende, van der Vaart – A. Arslan, Holtby, Gouaida – Lasogga.
So spielte der HSV in der 2. Halbzeit: Brunst – Diekmeier, Cleber, Rajkovic, Jansen – Jung, Kacar (77. Derflinger) – P. Müller, Brüning, Ilicevic – Lasogga.
Tore: 1:0/2:0 Holtby (16./17.), 3:0 Brüning (52.), 4:0 Kacar (58.), 5:0 Ilicevic (65.), 6:0 P. Müller (69.), 7:0 Brüning (88.), 8:0 P. Müller (90.)
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Jansen trifft zweimal für das A-Team!

8. November 2014

„Wir gewinnen! 2:0 für’n HSV, logisch. Ja ist doch logisch. Wer gegen Bayern 0:0 spielt, gegen Dortmund 1:0 gewinnt und gegen Leverkusen auch, der gewinnt doch auch in Wolfsburg. Vor Wolfsburg müssen wir nun wirklich keine Angst haben.“ Sagt wer? Das sagte mir heute vor dem Abschlusstraining im Volkspark „Helm-Peter“. Der Mann („Tschuldigung, da muss ich kurz mal dazwischen grätschen“) mit dem Bart. Und mit dem Fahrrad. Peter war einer von ganz wenigen Kiebitzen, die an diesem wunderbar sonnigen Tag den Weg zum HSV gefunden hatten. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit wurde trainiert, aber ein bisschen sehen kann man ja immer. Und festgestellt wurde schnell, dass Tolgay Arslan nicht mit von der Partie ist. Der „Pferdekuss“, den er sich im Training eingefangen hat, ließ heute kein Training zu – und morgen auch keinen Einsatz in Wolfsburg.

 

Die Sendung beginnt um 17:30 Uhr.

 

Ebenfalls fehlen wird an diesem Sonntag der ehemalige Wolfsburger Petr Jiracek, der an einer Fußprellung leidet und heute nur mit Reha-Coach Markus Günther durch den Volkspark lief. Ansonsten alles an Bord (natürlich bis auf Rene Adler und Maximilian Beister). Also auch Valon Behrami, der das gesamte Programm ohne Einschränkung absolvieren konnte.
Es wurde heute leicht und locker trainiert, nach der Aufwärmphase wurden Spielzüge über die Außen-Positionen geübt, in der Mitte wurde die jeweilige Spitze angespielt, der Ball dann nach außen weitergeleitet, Flanke – Tor. So sollte es jedenfalls im Normalfall aussehen, sah es natürlich nicht immer. Ist ja klar.

 

Nach dieser Übung ging es auf jenen Platz, der schlecht einsehbar ist – da spielte dann die A-Elf gegen das B-Team. Dieses Match ging über zwei Halbzeiten und dauerte 20 Minuten, die Stamm-Formation gewann durch zwei Treffer von Marcell Jansen 2:0. Und nach dem Spielchen applaudierte Trainer Joe Zinnbauer seinen Mannen und sparte auch nicht mit Lob: „Das war gut, Jungs, das war gut, das sah gut aus.“ Hoffentlich ernten die HSV-Profis auch morgen so viel Beifall. Apropos: Den erntete heute Artjoms Rudnevs bei der ersten Übung, als er eine Flanke knallhart und technisch super verwandelte. Da klatschten und lobten viele Mitspieler den Letten. Beifall gab es dazu auch für Pierre-Michel Lasogga, der auch einige Male sehr schön verwandelte.

 

Um Rudnevs gab es später noch einige Sorgen, denn der Lette war von Johan Djourou gefoult und zu Boden befördert worden. „Rudi“ humpelte danach einige Sekunden länger, hielt dann aber bis zum Schluss tapfer durch – um dann doch mit einem leicht schmerzverzerrtem Gesicht in die Kabine zu humpeln. Mal sehen, wie sich diese Verletzung noch am Abend „entwickelt“; kommen die Muskeln zur Ruhe (und werden kälter), könnte das durchaus noch richtig schmerzhaft werden. Das sah wie bei einem „Pferdekuss“ aus.

 

Kurz noch einmal zu Rudnevs. Beim „Matz-ab“-Treffen vor einer Woche wurden wir ja (u. a.) gefragt, warum der gute „Rudi“ zuletzt zweimal nicht mal auf der Bank saß, also keine Berücksichtigung bei Trainer Joe Zinnbauer fand. Es soll so sein, dass Artjoms Rudnevs einfach nur schlechter als die Kollegen trainiert hat, dass er im Training große Abschlussschwächen offenbart hat, und dass er die Laufwege der Mannschaft noch nicht so „kapiert“ hat, wie die anderen Mitspieler. So langsam soll es „kommen“, heute allerdings war davon nicht allzu viel zu erkennen. Ich habe, das muss ich mal sagen, Rudnevs schon besser und effektiver gesehen und erlebt. Er könnte es sicher noch besser, als er es derzeit anbietet. Aber vielleicht wird es ja demnächst noch etwas – wo er doch so von seinen Fans über den Rasen getragen wird. Das muss doch mal auf fruchtbaren Boden fallen, diese Fan-Liebe.

 

Zum Abschluss des heutigen Trainings gab es dann „Feuer frei“. Es wurde nach Herzenslust geschossen, wer immer wollte, der durfte, und die drei Torhüter (Jaroslav Drobny, Alexander Brunst und Kevin Otremba) flogen nach allen Regeln der Torwart-Kunst, weil ihnen mitunter auch gleich zwei oder sogar drei Bälle um die Ohren sausten. Das sollte Spaß machen, und es machte allen offenbar viel Spaß. Da hatte jeder einmal oder auch mehrfach das Gefühl, es ja doch noch zu können. Wäre für morgen ja gar nicht so unwichtig, mal das eine oder andere Törchen zu erzielen. Bei bislang erst vier HSV-Buden . . .

 

Apropos vier Buden. So etwas wird es wohl nie wieder geben: Der HSV spielte am 3. März 2000 in Wolfsburg und „schaffte“ nach einem 4:1-Vorsprung nur ein 4:4. Das allein ist schon denkwürdig, aber dass es im selben Jahr, und zwar am 23. September, beim erneuten Aufeinandertreffen in der Autostadt erneut ein 4:4 gab, das ist für mich immer noch sensationell. Wie oft gibt es in der Bundesliga ein 4:4? Und dann gelingt dieses Resultat zweimal hintereinander. Das ist wie ein Sechser im Lotto. Und was würden die HSV-Fans dafür geben, wenn heutzutage mal wieder vier Tore für ihre Mannschaft fallen würden!

 

Nur mal so zur Erinnerung, weil es so schön war. Das erste 4:4 erreichte für den HSV folgende Spieler: Butt, Hoogma, Hertzsch, Panadic, Hollerbach, Kovac, Fischer, Cardoso (Ernst), Mahdavikia, Yeboah (Hashemian), Präger (Dembinski). Die Tore schossen Mahdavikia (zwei) und Cardoso (zwei). Das zweite 4:4 „erspielten“ folgende Herren: Butt, Fukal, Hoogma, Hertzsch, Hollerbach, Töfting (Sandmann), Kovac, Cardoso (Ketelaer), Mahdavikia, Barbarez, Präger (Kientz). Die HSV-Tore markierten Mahdavikia, Fukal, Cardoso und Präger, der heute ja wieder ein „Wolf“ ist. Trainer der ganzen Geschichte war Frank Pagelsdorf, der offenbar Gefallen an diesem Ergebnis hatte, denn zwischendurch gab es ja noch ein 4:4 – das legendäre gegen Juventus Turin (13. September).
Wie schön, ich muss es noch einmal sagen, wären mal wieder vier HSV-„Dinger“. Und wenn es morgen ein 4:4 geben sollte – auch damit könnte ich (jetzt noch) wunderbar leben.

 

Im Moment aber ist ja Tor-Armut angesagt. Was dann ja auch zu verkraften wäre, wenn es denn – wie in Dortmund und gegen Leverkusen – einen 1:0-Sieg geben würde. Oder auf jeden Fall keine Niederlage. Ich bin gespannt, wie sich die Mannschaft kämpferisch aus der Affäre ziehen wird. Ob sie sich wieder zu reinhängt, wie zuletzt gegen die Werks-Elf aus Leverkusen, oder ob sie „halblang“ macht – wie gegen die jetzt schwer kriselnden Berliner? Ich habe immer noch eine Aussage von
Rafael van der Vaart im Ohr, der nach dem Sieg gegen Bayer bei „Sky“ gesagt hat: „Es war nicht nur für mich persönlich eine Befreiung, sondern auch für die ganze Mannschaft. So zu kämpfen, war schon geil. Für uns war es wichtig, zu zeigen, dass wir hier die Chefs sind.“ In Wolfsburg sind sie morgen ganz sicher nicht die Chefs, aber kämpfen darf man auch als nur „kleiner Angestellter“. Denn sie alle, die „kleinen Angestellten“ haben eines gezeigt: das sie es können! Also, macht’s noch einmal, Jungs!

 

Der HSV wird morgen mit jener Formation antreten, die auch zuletzt gegen Leverkusen begann – und das ist ja auch etwas Besonderes. Zweimal in Folge mit demselben Team, das gab es lange nicht (wenn ich richtig erinnere) – und zwei Siege hintereinander erst recht nicht. Morgen würde sich mal wieder die Chance dazu bieten – also fangt damit an!

 

Von Erfolg zu Erfolg eilen derweil die Regionalliga-Spieler des HSV, die ihr schweres Auswärtsspiel am Freitag in Havelse mit 2:1 gewannen. Es ist ein unglaublicher Lauf, den diese Talente da hinlegen, 16 Spiele, 14 Siege, zwei Unentschieden zu Hause, 52:11 Tore, 44 Punkte! Sensationell! Die Tore an diesem Freitag schossen Matti Steinmann und Ahmet Arslan. Super, super, großartig – weiter so! Und herzliche Glückwünsche!

 

So, ich komme zum Quiz. Es ging um die hervorragenden Illustrierten unseres Kollegen Oliver Wurm, der mit jedem deutschen WM-Helden sprach und es zu Papier gebracht hat. „Olli“ wird dafür wahrscheinlich einen Preis gewinnen, er ist für eine größere Auszeichnung nominiert. Völlig berechtigt, ganz nebenbei. Diese drei Hefte sind wahrscheinlich schon bei ihren Gewinnern. Und da ich die Postkarten in der Redaktion gelassen habe, es heute aber aufklären will, versuche ich mich zu erinnern, wohin diese Illustrierten gingen: Einmal nach Hamburg, zu Herrn Joppe. Dann nach Hille (wo immer es auch liegt) zu Herrn, und den weiß ich nun wirklich nicht mehr genau, ich tippe auf Herrn Fendel. Wir aber auf jeden Fall noch nachgereicht, damit mir kein Schmu unterstellt wird. Und der dritte Gewinner ist Carsten Hahn aus Windbergen (weiß ich auch nicht, wo das liegt). Alle drei Gewinner sind mir nicht persönlich bekannt, aber diese drei Herren haben eines gemeinsam: Sie sind die einzigen Teilnehmer an diesem Quiz, die alle zwölf Namen richtig haben.

 

Zu erraten waren: Paul Scharner, Manfred Kaltz, Harry Bähre, Holger Hieronymus, Thomas Doll, Hermann Rieger, Uwe Seeler, Lotto King Karl, Sven Neuhaus, Horst Schnoor, Klaus Neisner und Hans-Jürgen „Dittschi“ Ripp.

 
Eine Sache muss ich in diesem Zusammenhang noch erwähnen. Es gab eine Mail, auf der auch einige richtige Namen standen – und ich finde, dieses „Werk“ sollte dann auch ruhig mal Erwähnung finden, auch wenn es nicht ganz richtig ist – aber immerhin zum Schmunzeln. Allerdings, das vergaß der Absender wohl, ohne Adresse. Also wenn er gewonnen hätte, dann hätte ihn dieses WM-Heft wohl kaum erreicht. Hier nun der Text dazu:
 

sorry, der nachfolgende text passtnicht auf eine postkarte…

Ein Gewinnspiel, ein Gewinnspiel:
Ich KALTZ im Kopf nicht aus.
Was BÄHRE „Matz ab” ohne ein Gewinnspiel.
Hoffentlich gewinnt nicht ein SCHARNERtan,
sondern ein Teilnehmer, der von Zero to “HIERO” aufsteigt.
Das wäre DOLL.
Es gibt ja mehrere Gewinner, aber die entscheidende Frage lautet:
Wer wird erster RIEGER beim Promi-Quiz…?
Es heißt zwar “Geben ist SEELER denn nehmen”,
aber Preise abstauben ist letztlich wie im “LODDO” zu gewinnen.
Davon kann man sich dann ein NEUHAUS bauen
oder aber die kleinen Wünsche des Alltags erfüllen.
Das ist wie beim Durchtrennen der Nabel-SCHNOOR –
ein echtes Glücksgefühl.
Man ist zudem beliebt wie die größten STARS,
die ja auch immer diese tollen “FUMMEL” tragen.

Mit sportlichen Grüßen
WORTSPIELER

 

So, am morgigen Sonntag gibt es nach dem Spiel wie immer die immer beliebter werdende (ich muss es einfach mal wieder loswerden) HSV-Talk-Runde „Matz ab live“, diesmal mit den Gästen Stefan Schnoor und Alexander Laas sowie eventuell einem Überraschungs-Gast. „Scholle“ und ich, wir würden uns sehr freuen, wenn Ihr wieder mit von der Partie sein würdet.

 
Dann komme ich – sehr gerne übrigens – noch einmal auf das „Matz-ab“-Treffen vor einer Woche im „Anno 1887“ in Norderstedt zurück. Weil ich im Nachhinein gedacht habe, dass ich unseren „Mitstreiter“ Lars Pegelow zu wenig erwähnt habe – für einige „Neulinge“ auch nicht vorgestellt hatte. Sorry, mein Lars, das war ein Fauxpas der selten-blöden Art, ich entschuldige mich dafür. Du bist, das möchte ich sehr gerne hier erwähnen, eine sehr wertvolle Verstärkung für das „Matz-ab“-Team, Deine Texte sind immer sehr schön zu lesen und reichlich gefüllt mit Inhalt. Vielen Dank dafür. „Scholle“ hatte ich an diesem Abend gelobt, den Lars leider nicht, und deshalb hatte ich in dieser Woche doch reichlich Gewissensbisse.

Auch gegenüber unsere jungen „Mutter der Kompanie“, Eva/Hope. Sie fehlte an diesem Abend, hatte ihn aber vorher super organisiert, dafür auch an dieser Stelle und ganz offiziell herzlichen Dank für Deine großartige Hilfe, liebe Eva/Hope. Du bist in diesem Blog unersetzlich – und einfach nur toll!

 

PS: Zum „Matz-ab“-Treffen habe ich etliche Dankesschreiben (auch Fotos! Danke dafür, HSV-Lünen!) und –Anrufe erhalten, vielen dank dafür. Eine Zuschrift möchte ich schnell noch öffentlich machen, ich hoffe, dass ich das auch darf – aber sie hat mir deshalb so gut gefallen, weil sie das Niveau und die Stimmung an diesem Abend so gut widerspiegelt:

„Hallo Manfred,

kennen H. Matz und Herr Scholz eigentlich schon das schönste Garagentor in Nordrhein-Westfalen? Diese Bilder sind wirklich Klasse.
Morgen Abend schaue ich mir HSVII in Havelse an, von meiner Arbeitsstelle in Hannover ist dies nur ein Katzensprung entfernt. Am Sonntag bin ich mit Alnipe, Thomas Kerfin und Flashzbax in Wolfsburg.
Dank H. Matz kennen auch wir uns. Dadurch sind inzwischen schon richtige Freundschaften entstanden. Auch die “Nicht Plusser und Nicht Realos” sind HSVer. Deshalb halte ich Kontakte zu allen Fraktionen, u.a. Bob Dylan, Alnipe, usw., denn eines eint uns alle, die Liebe zu unserem HSV.

Gruß R.“

 

So, ich habe fertig. Ich wünsche Euch und Euren Lieben ein wunderschönes Wochenende, und dem HSV (damit uns allen) einen Auswärtssieg in Wolfsburg. Alles Gute!
Dieter

 

17.57 Uhr

Herzlich willkommen, lieber Mats!

10. September 2014

Mats ab! Aus ganz besonderem Grund heute etwas früher. Mats ab!

Jawoll, Mats ab! Mit „s“. Unser „Scholle“ ist heute zum dritten Mal Papa geworden, dazu ihm und der Mutter Sandra alles, alles Gute. Und dem neuen Erdenbürger „Mats Niklas“ möchte ich zurufen: „Viel Erfolg und viel Spaß auf dieser Welt, hau rein, mein Junge, werde ein Super-Fußballer und setze Dich durch in oder auf dieser doch manchmal auch ungemütlichen und ungerechten Kugel. Und werde natürlich HSV-Fan, wie Dein Papa.“ Der teilte übrigens mit, dass es Mutter und Knabe gut gehe – Mats kam heute um 11.33 Uhr zur Welt, fast eine Punktlandung, denn der 9. September war der Stichtag, der Neu-HSVer wog bei seiner Ankunft 3760 Gramm, verteilt auf 53 Zentimeter.
Also, der jungen Familien noch einmal einen ganz besonders herzlichen Glückwunsch, und die „Matz-ab“-Gemeinde sollte heute mal zu einer etwas anderen Feier aufgelegt sein – Prost!

 

Zum Fußball-Alltag:

Das ist leider ein wenig untergegangen, was ich sehr, sehr schade finde: Bei der Feier und der Erweiterung des HSV „Walk of fame“, 2005 erfunden und seitdem organisiert und finanziert vom rührigen Unternehmer Andreas Maske, hielt der Kapitän der HSV-Meistermannschaft von 1960, Jochen Meinke, eine brillante Rede für den posthum geehrten Erwin Seeler. Das Besondere an dieser Rede: Meinke, im HA-Video versehentlich als „Meine“ vorgestellt (sorry!), sprach „freihändig“. Das heißt, ohne jede Unterstützung durch ein Manuskript oder einem Zettel. Frisch, frei und fromm von der Leber weg, der 83-jährige ist immer noch in Weltklasse-Form. Unglaublich, und er erntete für diesen Auftritt nicht nur viel Beifall, sondern Schulterklopfer und von allen Seiten höchstes Lob. Was Jochen Meinke – bescheiden wie er ist – immer weit wegschob von sich: „Ich habe nur das erzählt, was ich mit Erwin Seeler und der gesamten Familie erlebt habe, ich wohnte doch um die Ecke. Und wenn ich ehrlich bin, dann wollte ich noch so viel mehr erzählen, aber ich habe das denn doch weggelassen.“

 


Wie gesagt, sehr schade. Denn für mich, und sicher nicht nur für mich, war dieser Meinke-Auftritt aber ein besonderes Erlebnis und wird es immer bleiben. Weil er einzigartig ist.

 

Die Stimmung ist und soll auch nach Auskunft der Promis in diesem Jahr wieder super gewesen sein. Der frühere Aufsichtsrats-Chef Udo Bandow lobte: „So harmonisch und stimmungsvoll war es lange nicht mehr, das war eine der schönsten HSV-Versammlungen der vergangenen Jahre.“
Von den „alten Herren“ waren Willi Schulz, Horst Schnoor (mit Ehefrau Gerda), Erwin Piechowiak (mit Ehefrau Mienchen), Klaus Neisner, Harry Bähre, Vereins-Manager Bernd Wehmeyer, Aufsichtsratsmitglied Peter Nogly und der heutige Marketing-Mitarbeiter Sven Neuhaus gekommen, ferner die HSV-Größen Carl-Edgar Jarchow, Oliver Scheel, Dieter Horchler und viele, viele mehr. Zudem natürlich Uwe Seeler (mit Ehefrau Ilka und den Töchtern mit Schwiegersöhnen!), der die Ehrung für seinen Papa „old Erwin“ entgegennahm, und Laudator Rudi Kargus, der seinen Vorgänger und Freund Arkoc Özcan ehrte. Holger Hieronymus ist nun ebenfalls neu verewigt, und auch Bernd Hollerbach, der leider absagen musste, da er daheim in Würzburg an einer schweren Magen-und-Darm-Grippe leidet. Gefehlt hat, neben anderen, diesmal Dr. Peter Krohn. Das Wetter war wohl zu schlecht, denn vorher hatte es lange kräftig geschüttet . . .
Für alle HSVer, die anwesend waren, das muss erwähnt werden, gab es erfreulicherweise keine Diskussion darüber, ob sich hier nun die HSV-AG oder der HSV e.V. getroffen hat – es ging einzig und allein um den HSV. Wie schön. Am Rande sei noch bemerkt, dass sogar zwei Bremer bei der Zeremonie dabei waren: Max Lorenz, seit Jahrzehnten ein ganz, ganz dicker Freund von Uwe Seeler, und der frühere Verteidiger Dieter Zembski, der von der Feier wusste und zufällig (Arbeit) in der Nähe war.

 

Erfreulich an diesem Tag:

Eine Trainer-Diskussion gab es am Rande der Veranstaltung nicht. Die meisten vertraten diese Auffassung: „Wie oft hat der HSV in den letzten Jahren schon den Trainer gewechselt? Das ist doch schon nicht mehr zu zählen. Gebracht hat es nie etwas – nie. Das sollten sich einmal alle überlegen. Es hat dem HSV nur immer viel Geld gekostet. Jetzt sollten die Spieler mal etwas dafür leisten, dass es dem HSV wieder besser geht. Und da ist dann auch der Club gefordert, der sollte endlich mal etwas weniger hohe Gehälter zahlen, dafür ordentliche Prämien, wenn tatsächlich etwas erreicht worden ist. Und zudem sollte nun endlich damit angefangen werden, auf den Nachwuchs zu setzen – die U23 hat ja einen erstaunlichen Weg eingeschlagen.“ Das war so oder so ähnlich an allen Ecken und an den meisten Tischen zu hören.

 

Natürlich waren auch die Kollegen aus der Medienbranche zugegen. Es wurden viele, viele Interviews geführt – das hat Tradition. Am Abend sah und hörte ich dann:
„Der Trainer braucht keine Leute die ihm sagen, wen er aufstellen soll . . .“ Das sagte Holger Hieronymus beim TV-Sender „Hamburg1“. Das war offenbar eine Antwort darauf, dass zuvor in einer Hamburger Zeitung zu lesen gewesen war, dass es aus dem Aufsichtsrat Tipps für Mirko Slomka gegeben hatte, dass nun die „Neuen“ gegen Hannover spielen sollten und müssten. Aber wie bereits geschrieben, es wurde dann keine Trainer-Diskussion vom Zaume gebrochen . . .

 

Zum Sportlichen, und da gibt es aus meiner Sicht recht Erfreuliches zu berichten.
Während die Mannschaft heute frei bekommen hat (nicht weil „Scholle“ Papa geworden ist!), trainierten einige zuletzt angeschlagene Spieler, um doch noch rechtzeitig für das Hannover-Spiel am Sonntag fit zu werden. Rafael van der Vaart ging mit Reha-Trainer Markus Günther zu einer Sonderschicht auf den Platz, Ivo Ilicevic arbeitete im Kraftraum. Auch Slobodan Rajkovic (nach Kreuzbandriss) und Gojko Kacar (nach Außenbandanriss im Knie) schufteten weiter für ein Comeback, Neuzugang Nikolai Müller sowie der erkältete Marcell Jansen fanden sich zur Pflege ein. Dafür, dass das ein freier Tag war, war doch relativ viel im Volkspark los – was mir ausnahmslos gut, nein sehr gut gefällt.

 

Dann las ich heute im Hamburger Abendblatt:
„Dennis Diekmeier lebt seinen Traum“. Und in den verschiedenen Video-Texten eine Aussage von Bundestrainer Joachim „Jogi“ Löw, der über die schlechte Defensive seiner Mannschaft befand: „Wir können uns leider noch keinen Philipp Lahm aus dem Hut zaubern. Die jungen Verteidiger sind sicher talentiert, aber sie brauchen noch ein wenig Zeit, um sich zu verbessern, das wird wohl dauern bis zur nächsten WM. . . .“ Aber dann. Oder: und dann?

 

Das wäre doch genug Ansporn für Dennis Diekmeier. Von dem nach dem Paderborn-Spiel ein großer HSVer mir gegenüber gesagt hat: „Diekmeier war der einzige Hamburger, der auf mich einen absolut fitten Eindruck gemacht hat. Der beackert die rechte Seite fast allein, rast 80 Meter rauf und 80 Meter runter, und das immer wieder. Der scheint mir wirklich voll im Saft zu stehen, vielleicht so wie gut noch nie . . .“

 

Kann schon sein. Aber zu einem Nationalspieler gehört dann doch ein wenig mehr. Unter anderem auch, dass man eine gewisse Defensivstärke besitzt, dass man zweikampfstark ist, dass man weiß, wie man sich in bestimmten Situationen zu verhalten hat, dazu gehört ferner auch eine gewisse Kopfballstärke. All das ist zu erlernen. Wir hatten beim HSV einst einen talentierten Spieler wie Christian Rahn. Der wurde sogar Nationalspieler (unter Rudi Völler). Aber „Rahner“ hatte ähnliche Schwächen wie Diekmeier nun. Ich empfahl Rahn damals, sich privat einen Trainer zu nehmen, damit er sich verbessert, aber es geschah nichts. Und der HSV-Profi hatte schnell seine Nationalmannschafts-Karriere beendet – und dann auch seine Erstliga-Karriere. Schade drum. Rahn war talentiert, hatte einen sensationellen linken Fuß, konnte gut flanken und super schießen. Nur nach hinten war er verbesserungsfähig, doch weder er noch irgendeiner beim HSV haben daran gearbeitet. Ich sage und behaupte noch heute: „Eine verschenkte Profi-Karriere.“

Heute würde ich auch Dennis Diekmeier einen Privat-Trainer empfehlen, wenn der HSV-Abwehrspieler noch etwas werden will. Und die Chance, dass er noch etwas werden könnte, ist ja so groß wie nie. Nur wird beim HSV wurde daran so gut wie nie gearbeitet, und ich habe die Hoffnung aufgegeben, dass daran noch einmal explizit gearbeitet wird. Vormittags Training mit der Mannschaft, nachmittags mit einem Trainer (und vielleicht sogar einem „Gegenspieler“, der die Zweikämpfe führt!) auf den Acker. Des wäre ein Anfang. Diekmeier würde sich defensiv bestimmt verbessern, wenn sein Auge, sein Kopfball- und sein Stellungsspiel geschult werden würde.

 

Aber da Individual-Training in der Bundesliga und für die Trainer kaum ein Thema ist, sollte er nun selbst handeln – wenn er noch die ganz große Karriere starten will. Ich kann nur daran erinnern, dass zwei mir bekannte Profis einst „eigenhändig“ Privat-Trainer engagiert – und davon absolut profitiert haben. Dennis Diekmeier wird im Oktober 25 Jahre alt, noch würden ihm alle Türen offen stehen, aber er sollte jetzt wissen, dass er ziemlich bald damit anfangen müsste, etwas für sich zu tun. Andere werden es nicht für ihn erledigen. Die sind alle viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, so ist das im heutigen Profi-Geschäft.

 

So, bevor ich zum Ende komme, schnell noch einmal der Hinweis in eigener Sache:

Jeden Montag kann man sich künftig ab 4 Uhr morgens über ikiosk.de oder über die ikiosk App das Sonderheft „HSV KOMPAKT“ herunterladen. Die Ausgabe mit jeweils zwölf Seiten startet jeweils mit den Berichten zum aktuellen Bundesliga-Spiel. Dann folgen die Artikel, die wir unter der Woche über den HSV veröffentlicht haben.

Für treue Leser unseres HSV-Blogs „Matz ab“ gibt es noch einen besonderen Service. In gekürzter Form erscheinen auf einer Doppelseite die Kolumnen unserer Experten Dieter Matz, Marcus Scholz und Lars Pegelow. Jede „HSV KOMPAKT“-Ausgabe schließt mit einer historischen Seite, wo wir Triumphe und Dramen der langen HSV-Geschichte Revue passieren lassen.

„HSV KOMPAKT“ kostet nur 0,89 Cent pro Ausgabe im Einzelverkauf über ikiosk.de oder die ikiosk App (gibt es für iPhone, iPad (iOS) und für Geräte mit Googles Android). Natürlich kann man sich die zwölf Seiten einfach ausdrucken. Während der Winter- und der Sommerpause der Bundesliga erscheint „HSV KOMPAKT“ nicht.

 

PS: Morgen, am Donnerstag, wird beim HSV wieder im Volkspark trainiert, und zwar um 10 Uhr.

 

17.05 Uhr

Ein legendärer Tag mit den Legenden

7. September 2014

Für Abendblatt-Blogs


„Die Hamburger haben dieses Spiel, das hat uns alle überrascht, sehr verbissen gesehen, zu verbissen gesehen, die sind schon enorm zur Sache gegangen.“ Eine Einschätzung, die man sich als Hanseat einmal ganz genüsslich auf der Zunge zergehen lassen kann. Gesagt hat es heute Michael Ballack, und er sprach natürlich nicht über den HSV, sondern über das „Spiel der Legenden“ vor einem Jahr. Von der Verbissenheit von damals ist alles geblieben, davon konnten sich 25 183 zahlende Zuschauer live überzeugen, und Hundertausende bei der TV-Übertragung von „Sport 1“, denn das Match Deutschland gegen Hamburg stand zur Pause noch 0:0. Dabei hatten sich alle prominenten Kicker vor dem Anpfiff noch ein torreiches Spiel gewünscht. Waren die Trainer der Mannschaften, Jupp Heynckes (für Deutschland) und Helmut Schulte zu genau – und zu gut in ihren Anweisungen? Oder waren die Abwehrspieler zu stark? Es lag wohl eher an den überragenden Torhütern, Für Hamburg hielt Richard Golz überragend, und für Deutschland riskierte Claus Reitmaier mehr als einmal wieder Kopf und Kragen. Schuld an dieser Tor-Armut hatten, ganz klar, die Keeper. Die waren vor ausverkauftem Haus am Millerntor super. Gewonnen hat letztlich die zehnte Auflage des Tages der Legenden das Team Deutschland, das einen 5:3-Sieg schaffte und damit die Bilanz etwas verbessern konnte – Hamburg führt nur noch mit 6:3 Erfolgen. Gewonnen hat auch der von ARD-Moderator Reinhold Beckmann gegründete Verein „Nestwerk e.V.“, denn durch dieses Fußballfest kam in etwa eine Viertelmillion Euro zusammen, die den benachteiligten und sozial ausgegrenzten Hamburger Jugendlichen zugute kommen wird. Es war ein wunderbarer Tag am Millerntor – und es folgt, darauf haben sich alle Beteiligten schon riesig gefreut, noch eine sensationelle Nacht auf dem Kiez und im Schmidts Tivoli.






 

Zum Spiel: Nach dem Seitenwechsel war es zunächst Ballack persönlich, der das erste Tor des Tages erzielte, ein strammer 20-Meter-Flachschuss, unhaltbar für Mathias Hain, der nun im Tor stand (48.). Und dann auch noch gleich das 2:0 hinterher – St. Paulis früherer Spieler Matthias Scherz überlistete Hain mit einem Eigentor (50.). Damit waren die Weichen für einen Sieg? Nein, Hamburg wehrte sich. Und die St.-Pauli-Männer trafen. Martin Driller, Ivan Klasnic und Thomas Meggle drehten mit ihren Toren das Spiel – aber das war nicht das Ende. Carsten Jancker traf zum 3:3, Maurizio Gaudino zum 4:3 für Deutschland, und den Endstand zum 5:3 markierte Arne Friedrich. Zu erwähnen sei noch ein Fast-Kopfballtor von Thomas Doll beim Stande von 3:3, der Trainer von Ferencvaros Budapest scheiterte an Torwart Andreas Reinke und dem Torpfosten.

 

Am Rande machten es sich die Ganz-Alt-Internationalen bei Kaffee und Kuchen gemütlich: Horst Eckel, der Weltmeister von 1954, dazu Uwe Seeler, Bernd Wehmeyer und Max Lorenz. Sowie der Schirmherr der Veranstaltung, Franz Beckenbauer, der vor 50 Jahren am Millerntor sein Debüt in der Profi-Mannschaft des FC Bayern feierte. Wenn ich es richtig erinnere, dann damals als Linksaußen! Beckenbauer: „Eine schöne Erinnerung, wir haben damals 4:0 gewonnen und ich habe dabei mein erstes Pflichtspieltor für die Bayern geschossen. Wenn mir damals jemand gesagt hätte, was ich in meiner Zeit als Profi und auch danach durch diesen wunderbaren Sport alles erleben würde – ich hätte es nie für möglich gehalten.“ Legende, Lichtgestalt und Kaiser eben. Dass er am Millerntor diesmal auf Schritt und Tritt von zwei Bodyguards bewacht wurde, ist die Kehrseite der Medaille. Anders geht es wohl heutzutage nicht. Schade, schade.

 

Franz Beckenbauer war ja auch einst HSV-Spieler, ich habe ihn damals sogar schon interviewen dürfen, einen Termin besorgte mir damals HSV-Busfahrer Willi Meyer, indem er mich an die Hand nahm und zu Beckenbauer schleifte. Hat aber großartig geklappt. Die weiteren HSV-Spieler, die an diesem Tag im Einsatz waren: Nico Hoogma, Manfred Kaltz, Christian Rahn, Bastian Reinhardt, Stefan Schnoor, Stefan Studer (in der Jugend beim HSV), Otto Addo, Stefan Beinlich, Thomas Doll, Sergej Barbarez, Roy Präger, Thomas von Heesen (alle für Hamburg) sowie Markus Babbel, Patrick Owomoyela und Oliver Kreuzer (Sportchef) und Claus Reitmaier (Torwarttrainer).

 

Natürlich gab es mit einigen von ihnen ein freudiges Wiedersehen. Das begann schon bei Sergej Barbarez. Mit ihm sprach ich – natürlich – über seinen HSV und die derzeitig angespannte Lage. Und Barbarez sprach – wie man es von ihm gewohnt ist – Klartext: „Dieser Fehlstart des HSV überrascht mich nicht, denn der Heilsbringer sitzt oben auf der Tribüne, und unten auf dem Rasen spielen die alten Leute. Und die haben es lange genug bewiesen, dass sie es nicht können, ihnen fehlt die Qualität.“ Klingt hart, aber es trifft genau. Und mit Heilsbringer war natürlich Dietmar Beiersdorfer gemeint.

 

In der Zeit, in der ich nun geschrieben habe, hat mein Kollege Axel Leonhard (der große Regisseur – von Matz ab live) die Gespräche, die ich heute am Millerntor führte, schon im HA-Internet veröffentlich. Ich stelle diese Geschichte nun auch hier hinein, es gab ein Wiedersehen mit Nico Hoogma, Richard Golz, Thomas Doll, Thomas von Heesen, Michael Ballack, Stefan Studer, Patrick Owomoyela, Bastian Reinhardt, Hamburg-Trainer Helmut Schulte, mit Initiator Reinhold Beckmann, it St.-Pauli-Trainer Thomas Meggle (ein langjähriger Freund), Schiedsrichter Walter Eschweiler und vielen, vielen mehr. Wenn Ihr die Zeit habt, dann schaut mal in dieses Video hinein.
Wobei ich eine kleine Einschränkung machen muss. Es sind nicht alle ehemaligen Stars zu sehen, die ich eben genannt habe, der Herr Leonhard wollte dieses Video wohl nicht zu doll überfrachten . . .

 

Dann gab es noch einen freundlichen Hinweis auf meine Geschichte von gestern – ich hatte meine HSV-Mannschaft nominiert:

Lieber Dieter.

ich bin bei der neuen Mannschaft schon etwas verwirrt. Wozu haben wir denn Nicolai Müller gekauft, der für das schnelle Umschaltspiel geholt wurde? Außerdem weiß niemand, ob Julian Green überhaupt Fußball spielen kann, nur weil er von Bayern München kommt. Also überlege Deine Mannschaft noch mal.
Mit freundlichen Grüßen, Arne P.

 

Dazu muss ich sagen, dass ich mir diese HSV-Mannschaft, die ich ohne Nicolai Müller aufgestellt habe, schon für das nächste Spiel, als das in Hannover, gewünscht habe und hätte. Müller sehe ich noch nicht so fit, dass er es bis zur Begegnung gegen 96 schaffen wird und kann. Natürlich erwarte ich Müller im HSV-Team, ich habe ihn in Erfurt gesehen, und das war schon mal sehr gut, was dort zu sehen war. Der Mann geht ab wie Schmidts Katze – oder wie eine Rakete. Das macht Spaß, ihm zuzusehen. Und er wird ganz sicher eine Bereicherung für den HSV sein, leider (wohl) noch nicht für das kommende Wochenende. Wobei wir schon wissen, ob ein Julian Green Fußball spielen kann – er kann. Und wer das wirklich noch nicht weiß, der wird sich davon schon bald, hoffentlich am nächsten Sonntag, überzeugen können.

 

Ja, und dann noch ein Hinweis in eigener Sache, denn das Hamburger Abendblatt hat schon seit einigen Tagen mal wieder etwas Neues:

Jeden Montag kann man sich künftig ab 4 Uhr morgens über ikiosk.de oder über die ikiosk App das Sonderheft „HSV KOMPAKT“ herunterladen. Die Ausgabe mit jeweils zwölf Seiten startet jeweils mit den Berichten zum aktuellen Bundesliga-Spiel. Dann folgen die Artikel, die wir unter der Woche über den HSV gemacht haben.

Für treue Leser unseres HSV-Blogs „Matz ab“ gibt es noch einen besonderen Service. In gekürzter Form erscheinen auf einer Doppelseite die Kolumnen unserer Experten Dieter Matz, Marcus Scholz und Lars Pegelow. Jede „HSV KOMPAKT“-Ausgabe schließt mit einer historischen Seite, wo wir Triumphe und Dramen der langen HSV-Geschichte Revue passieren lassen.

„HSV KOMPAKT“ kostet nur 0,89 Cent pro Ausgabe im Einzelverkauf über ikiosk.de oder die ikiosk App (gibt es für iPhone, iPad (iOS) und für Geräte mit Googles Android). Natürlich kann man sich die zwölf Seiten einfach ausdrucken. Während der Winter- und der Sommerpause der Bundesliga erscheint „HSV KOMPAKT“ nicht.

 

PS: Morgen, am Montag, wird beim HSV wieder im Volkspark trainiert, nur die Uhrzeit stand bis jetzt noch nicht fest.

 
18.11 Uhr

“Den HSV einfach wieder ins Licht führen”

5. September 2014

Erfreulich an diesem Wochenende ist ja nicht nur das schöne Wetter, das es hoffentlich geben wird, sondern auch die Tatsache, dass der HSV nicht verlieren kann. Aufatmen ist angesagt, tief durchatmen und dazu ein ehrliches und voll durchgezogenes Aufatmen. Und dass der HSV mit einem Sieg in dieses Wochenende gegangen ist, das ist ja auch keine alltägliche Geschichte, aber man könnte sich dran gewöhnen. Okay, das 3:0 in Neumünster ist nicht die Welt, aber immerhin. Und da sich beim Test gegen den Regionalliga-Club auch einige „Neue“ gezeigt haben, wird die Sache noch ein wenig runder. Lars Pegelow war für den NDR 90,3 dabei und hat Stimmen von dieser Auswärtspartie mitgebracht.

 

Für Abendblatt-Blogs


So befand Trainer Mirko Slomka später: „Spielerisch war noch viel Luft nach oben, aber wir haben ja auch mit einer Mannschaft gespielt, die so noch nie zusammengespeilt hat, und die so auch nie wieder spielen wird. Aber es gab ein paar wichtige Aspekte. Wir haben 90 Minuten Matthias Ostrzolek gesehen, wir haben 90 Minuten Cleber gesehen, der, wie ich finde, einen sehr guten Eindruck gemacht hat. Er war sehr dynamisch, sehr kopfballstark, und ich habe auch das Gefühl, dass er eine Mannschaft mitreißen kann, obwohl er ja kaum ein Wort Deutsch spricht. Und wir haben auf der Sechser-Position einen Lewis Holtby gehabt, der in jeder Lage des Spiels Kontrolle hatte, anspielbereit war, unser Spiel auch schon ein bisschen geleitet und gelenkt hat. Das hat mir sehr gut gefallen. Und was mir auch gefallen hat ist die Tatsache, dass er immer nachgedrückt hat. Lewis mit seinem Team auch immer versucht, die zweiten Bälle zu erkämpfen, das war zuletzt ein großes Problem von uns gegen Paderborn.“

 

Was schon auffällig war: Lewis Holtby hat in seinem ersten Einsatz gleich versucht, Verantwortung zu übernehmen, er hat dirigiert und die Nebenleute gestellt. Slomka: „Er ist auch ein Typ, der das gerne macht, der gerne Verantwortung übernimmt, das ist auch ein Aspekt, warum wir ihn so gerne wollten, einen solchen Spieler brauchen wir im Zentrum des Platzes. Wir brauchten einen Spieler wie er es ist, der eine Mannschaft führen kann, der mit seiner Präsenz und seiner Klasse eine Mannschaft auch sinnvoll führen kann – er ist ein akzeptierter Spieler. Er versucht das von Anfang an so umzusetzen, auch im Training, gerade diese Elemente des Nachschiebens, des Nachdrückens, des Gewinns des zweiten Balles, die haben wir gegen Paderborn nicht gehabt, deswegen hat mir sein Spiel schon sehr gut gefallen.“

 

Lars fragte den Coach dann auch noch nach dem Torwart, der in einer Woche gegen Hannover 96 im HSV-Tor stehen soll, stehen könnte. Jaroslav Drobny oder Rene Adler? Mirko Slomka: „Dass Drobny gegen Neumünster spielen wird, das war vorher schon geplant, ansonsten würde ich an Ihrer Stelle insgesamt nicht so viel in diese Geschichte hineininterpretieren. Auch in meine Aussagen nicht. Wenn man 0:3 gegen Paderborn verliert, und das am zweiten Spieltag der Bundesliga, dann glaube ich muss man als Trainer einfach alles hinterfragen und alles noch einmal alles aufrollen, denn alle Spieler gehören dazu, denn auch drei Gegentore haben wir kassiert. Und deswegen ist es auch richtig, dass man dann noch einmal genau hinschaut. Drobo hätte heute sowieso gespielt, das hatte nichts mit der Torwart-Position am nächsten Sonntag in Hannover zu tun.“

 

Es ist ja wahrscheinlich auch ein kleiner (oder großer? Oder letzter?) Aufruf an alle, sich jetzt, an diesem wichtigen Punkt der Saison, auf das Wesentliche zu konzentrieren, richtig Gas zu geben, und zwar mit 100 Prozent. Wer jetzt noch nicht gemerkt hat, dass es um seinen Stammplatz geht, der hat die Entwicklung der letzten Wochen irgendwie falsch wahrgenommen. Da lobe ich mir doch Marcell Jansen, der zuletzt das Motto vorgab: „Gas geben und die Fresse halten.“ So wäre es wohl richtig. Jetzt scheint die Stunde der Neuen zu schlagen, daran sollten sich jetzt alle im Team orientieren, denn so wie zuletzt darf es ganz einfach nicht weitergehen.

 

Zu den Neuen gehört ja auch Lewis Holtby, auf den nicht nur die Verantwortlichen größte Hoffnungen setzen. Ich glaube ja auch, dass ihm die Rückkehr in die Bundesliga sehr, sehr gut tun wird, das ist seine Liga, hier wird er es allen zeigen können (auch wollen), was er wirklich kann. Ich glaube, dass er es hier in Deutschland besser kann als irgendwo anders auf der Welt. Dass der (frühere?) Nationalspieler gleich so präsent war im HSV-Spiel, das fiel angenehm auf, denn in der Tat hat der HSV davon kaum Spieler in seinem Team gehabt, die so etwas können und wollen. Holtby zu seinem ersten Auftritt: „Ich habe gleich gesagt, dass ich diese Führungsrolle auf dem Platz gerne übernehmen möchte. Ich möchte mich nicht verstecken, und das weiß der Trainer. In der Zusammenarbeit mit dem Trainer-Team hat das bisher sehr gut geklappt, ich hoffe, dass wir daran an den nächsten Tagen noch schrauben werden, dass wir das auch in der Bundesliga dann zeigen können.“

 

Das sah zum Anfang nicht nur gut aus, das war auch in den Augen von Lewis Holtby schon gut: „Wir haben gewonnen, wir haben zu null gespielt, und die Sonne scheint – alles ist bestens. Darauf können wir aufbauen.“ Muss ja auch. Auf was sonst? Denn bislang hat der HSV null Tore geschossen und nur einen Punkt auf der Habenseite. Spürt Holtby eine gewisse Verunsicherung in seinem neuen Team? Er sagt: „Natürlich können wir alle damit nicht zufrieden sein, aber für uns gilt jetzt, diesen Länderspielabschnitt dazu zu nutzen, die Köpfe frei zu bekommen, das wir nach vorne schauen, dass wir auch wieder auf die Siegerstraße kommen. Von daher müssen wir uns alle richtig auf die Brust klopfen und uns sagen, dass wir gerade im Derby gegen Hannover einfach eine Reaktion zeigen, Geschlossenheit zeigen. Und so wie es Didi Beiersdorfer gesagt hat, eine Identifikation abgeben, auch mit den Fans zusammen, mit jedem, der im Club involviert ist – dass wir einfach Hamburg wieder stolz machen. Und dass wir den Club, der ja riesig ist in Deutschland, einfach wieder ins Licht führen.“

 

Hey, das klingt aber mal gut. Hoffentlich gelingt dieses Vorhaben auch.

 

Dazu passt natürlich die Meldung, dass sich Pierre-Michel Lasogga im Testspiel gegen den VfR Neumünster nicht schwerer verletzt hat. Der 22-Jährige musste am Donnerstagabend in der Partie kurz vor der Pause wegen Knöchelproblemen ausgewechselt werden, es wurden schon schlimmste Vermutungen geäußert, aber am Freitag stand Lasogga dann doch schon wieder auf dem Platz. „Alles gut bei Lasogga. Er kämpft verbissen um jeden Ball“, twitterte der HSV und veröffentlichte zudem ein Video, das den Top-Torjäger gut gelaunt beim Fußball-Tennis zeigt. Also absolute Entwarnung. In diesem Fall.

Ansonsten haben Ivo Ilicevic, Rafael van der Vaart und Tolgay Arslan heute wieder individuell im Stadion trainiert. Und auf dem Rasen ließen sich heute Slobodan Rajkovic und Gojko Kacar mit Reha-Trainer Markus Günther blicken, auch bei diesen beiden Spielern geht es so langsam wieder bergauf.

 

Dann möchte ich noch einmal auf eine gute und große und tolle Sache hinweisen, die es an diesem Sonntag in unserer Stadt zu sehen gibt. Alles für einen guten Zweck:

 

Das Fußballfest am Millerntor feiert Jubiläum mit Weltmeistern von 1954, 1974 und 1990
Franz Beckenbauer, Jupp Heynckes und Michael Ballack entern Hamburg

 

„Uns Uwe“ Seeler, „Kaiser“ Franz Beckenbauer und „Capitano“ Michael Ballack – nur drei der ganz großen Mannschaftskapitäne, die Fußballgeschichte geschrieben haben und beim zehnten „Tag der Legenden“ dabei sind. Unter dem Motto „Die Kapitäne entern Hamburg“ stürmen an diesem Sonntag legendäre Spielführer und insgesamt rund 70 Fußballhelden aus drei Generationen das Stadion am Millerntor.

 

Für das Benefiz-Fußballfest von Reinhold Beckmanns Jugendinitiative NestWerk e.V. kehrt Jupp Heynckes zum ersten Mal nach dem Triple-Gewinn mit Bayern München auf die Trainerbank zurück. Co-Trainer ist Rainer Bonhof, ebenfalls Weltmeister 1974. Anstoß ist um 14.45 Uhr. Sport1 berichtet ab 11 Uhr bis 16.30 Uhr live. Bereits um 10.30 Uhr beginnt ein großes Familien-Unterhaltungsprogramm auf der „Actionmeile“ vor dem Stadion mit Showbühne, Mitmachangeboten sowie Imbiss- und Getränkeständen.

 

Zum zehnten Mal schnüren Dutzende frühere Bundesligaprofis ihre Fußballschuhe zugunsten von NestWerk e.V. Seit der Premiere im Jahr 2005 liefen 223 Legenden auf, darunter 23 Welt- und 36 Europameister. Vergangenes Jahr siegte „Team Hamburg“ gegen „Team Deutschland und den Rest der Welt“ mit 4-3 Toren.

 

Rund 1,75 Millionen Euro kamen bisher durch den „Tag der Legenden“ für die Jugendarbeit zusammen. Die vor 15 Jahren gegründete Initiative NestWerk e.V. fördert in benachteiligten Hamburger Stadtteilen Kinder und Jugendliche u.a. mit kostenfreien Sport- und Musikprojekten, die von Pädagogen und Sozialarbeitern betreut werden und Respekt, Fairness, Toleranz und Solidarität vermitteln. Vergangene Schirmherren waren u.a. Altkanzler Gerhard Schröder, CDU-Politikerin Ursula von der Leyen und im Vorjahr Michael Schumacher. Die Schirmherrschaft zum Jubiläum des legendären Matches übernimmt Franz Beckenbauer.

 

Initiator Reinhold Beckmann: „2005 begann alles mit einer Idee und ein paar Wunschlegenden. Keiner ahnte, was daraus wird, und wer später alles ans Millerntor kommen würde: Beckenbauer, Seeler, Netzer, Breitner, Matthäus und, und, und. Ein besonderer Moment war die Teilnahme von Kevin Keegan 2011. Von der ersten Stunde an war das ein Ziel: Mighty Mouse am Millerntor.“

 

Ihr Debüt beim Match „Hamburg gegen Deutschland und den Rest der Welt“ geben u.a. Arne Friedrich (WM-Dritter 2006), Rekord-Bundesligaspieler Karl-Heinz „Charly“ Körbel, der Vize-Weltmeister von 2002, Carsten Jancker, Ex-HSV-Sportdirektor Oliver Kreuzer, Ghanas früherer Nationalspieler Hans Sarpei und der Holländer Frank Verlaat, früherer Werder-Bremen- und Stuttgart-Profi. Weiterhin stehen im „Team Deutschland“ u.a. die Weltmeister von 1990, Stefan Reuter, Thomas Berthold und Olaf Thon, sowie die Europameister von 1996, Jens Nowotny, Markus Babbel und Fredi Bobic.

 

Für „Team Hamburg“, betreut von Helmut Schulte, laufen zahlreiche HSV- und Pauli-Heroen auf. Erstmals dabei ist St.Pauli-Urgestein Fabian Boll, außerdem u.a. Rachid Azzouzi, Manfred Kaltz, Thomas von Heesen, Bernd Hollerbach, Thomas Meggle, Sergej Barbarez, Matthias Scherz, Thomas Doll, Otto Addo und André Trulsen.

 

Stadion-Moderatoren sind Lou Richter und Arnd Zeigler. Sport1 berichtet ab 11 Uhr bis 16.30 Uhr live. Am Abend feiern rund 600 Gäste wie Udo Lindenberg, Rafael van der Vaart und Partnerin Sabia, Monica Lierhaus oder Steffen Hallaschka die Benefiz-Gala “Nacht der Legenden”. Im Kiez-Theater “Schmidts Tivoli” treten dann Künstler wie Peter Maffay, die Rainbirds und Ina Müller zugunsten von NestWerk auf.

 

Um schnell noch einmal auf Reinhold Beckmann und Kevin Keegan zurück zu kommen. Die Mighty Mouse war 2011 begehrt wie sonst kaum einer. Schon im und vor dem Hotel herrschte ein Ausnahmezustand. Und ich brauchte unbedingt ein Interview, so war die Vorgabe der Chefs. Also machte ich mich an Vereins-Manager Bernd Wehmeyer ran, der ist der beste deutsche Freund von Keegan und hat immer mal wieder Kontakt mit ihm. Und Wehmeyer half in der Tat. Und wie. Total außergewöhnlich. Indem er Keegan von meinen Nöten erzählte – und der Brite machte ein besonderes Interview möglich. Eigentlich hatte er keine Minute mehr Spielraum dafür, aber er half trotzdem. Ich rief Bernd Wehmeyer während des Legenden-Spiels an, und er saß – was für ein Zufall (?) – genau dann auf der Spielerbank, als Keegan ausgewechselt wurde. Und Wehmeyer übergab sein Handy an Kevin Keegan, sodass ich mit ihm, der noch etwas außer Atem auf der Bank saß, doch noch sprechen konnte. Sensationell und unvergessen. So etwas wird es wohl nie wieder geben – jedenfalls mit Keegan nicht.

 

Ja, und dann möchte ich noch kurz auf den heutigen Matz-ab-Artikel im Hamburger Abendblatt (Seite zwei) zu schreiben kommen. Dazu habe ich mehrere Mails erhalten, eine davon war etwas Besonderes. Es schrieb mir dazu ein ehemaliger Tagesschau-Chefsprecher folgenden Beitrag (vielen, vielen Dank dafür!):

 

Sehr geehrter Dieter Matz,

mein Name ist Rumpelmerlin. Der deutet darauf hin, dass Vorfahren meinerseits in Zauberkreisen tätig waren. Eine von mir angestrebte Ahnenforschung hat nun ans Licht gebracht, was ich schon immer vermutete: Ein Vorfahre aus grauer Zeit war entweder der Zauberer von Oz oder Merlin oder dieser kleine griesgrämige Zwerg, den sie in germanischen Gefilden Rumpelstilzchen nennen. An letzteren glaube ich allerdings nicht, da meine Statur doch etwas wohlgeformter ist.
Wenn ich meine hellseherischen Fähigkeiten in Relation ziehe, scheinen meine Gene eher mit Merlin oder – noch weiter zurück in die Vergangenheit – mit der Pythia, also dem Orakel von Delphi, verwandt. So habe ich denn, um bei Ihrem Artikel zu bleiben, schon in der vergangenen Saison vorausgesagt, dass es der HSV schwer haben wird, die Liga zu halten. Dass er es letztendlich doch noch geschafft hat, lag an einem mir nicht bekannten Hexenmeister aus dem Osten, der an den Gehältern der Hamburger Kicker prozentual beteiligt ist. Sein bester und stärkster Öko-Zauberspruch wirkte gerade nochmal. Ob er das in der laufenden Saison ebenfalls erreichen wird, wage ich zu bezweifeln. Die bisherigen Ergebnisse beweisen, dass er als Magier der Schwarzen Kunst langsam seine Kräfte verliert.
Ich versuche nun aus Ihren lesenswerten Artikeln Kräfte zu sammeln, zu bündeln und zu deuten, die mir am Ende als Orakel von Lokstedt helfen sollen, diesen Club doch noch schwarzseherisch umzukrempeln und damit zu retten. Es liegt also auch an Ihnen, ob mir das schließlich gelingen kann.

Mit Abrakadabra-Grüßen
Ihre
Jopythia von Lokstedt

 

Wie gesagt, ein herzliches Dankeschön dafür. Und dann sei zum Schluss noch erwähnt, dass am Sonnabend und Sonntag beim HSV nicht trainiert wird. Aber dafür gibt es ja den „Tag der Legenden“ . . .

 

PS: Mit unserem letzten „Matz ab live“ nach dem Paderborn-Spiel hatten wir in den ersten fünf Minuten leichte (bis schwerere) Ton-Probleme. Deswegen sind die ersten fünf Minuten auch gekappt worden. Leider ist dabei auch die Vorstellung der beiden Gäste „verschütt“ gegangen. Da ich vielfach darauf angesprochen worden bin, wer diese Männer sind, möchte ich Manfred Lorenz und Bert Ehm kurz, ganz kurz vorstellen. Beide sind jenseits der 60, beide haben in Hamburg viele Amateur-Vereine trainiert, Lorenz war lange Zeit Co-Trainer von HSV-Trainer Ralf Schehr (Chef der Zweiten), und Bert Ehm ist der erfolgreichste Trainer der Nachkriegszeit in Hamburg, keiner hat mehr Meisterschaften und Aufstiege gefeiert, als er.

Leider auch über Bord gegangen ist mein Lob, mein spontanes Lob für „Scholle“, der hier (im Blog) vielfach hart angegriffen und attackiert worden ist, aber völlig zu Unrecht. „Scholle“ hat alle Neuzugänge des HSV gewusst und geschrieben, er lag in allen Fällen richtig, und dafür möchte ich mich bei ihm bedanken, wahrscheinlich im Namen all jener, die ihn nicht attackiert, sondern die ihm geglaubt haben.
„Scholle“, das war eine Super-Arbeit! Gratulation, Du hast „Matz ab“ immer weit nach vorne gebracht.

18.07 Uhr

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