Archiv für das Tag 'Seeler'

Djourou: “Diese Mannschaft hat Charakter.”

23. August 2015

Da wurde wieder einmal bewiesen, wie wichtig der zwölfte Mann ist. Die HSV-Fans waren in diesem dramatischen Spiel einfach fantastisch. Unglaublich, was für einen Alarm sie während der 90 Minuten gegeben haben, selbst dann, als der HSV zweimal in Rückstand lag – und nicht so sehr viel für einen Hamburger Sieg sprach. Das war gigantisch. Und wenn jetzt noch jemand behauptet, dass die HSV-Anhängerschaft zu leise geworden ist, weil eine gewisse Fan-Gruppierung ihren „Dienst“ quittiert hat, der muss sich nun eines Besseren belehren lassen. Das war klasse. Und weil sie die Mannschaft nie aufgab, weil sich der VfB Stuttgart durch Dummheit dezimierte, und weil sich ganz Hamburg in den Schlussminuten in einem Rausch befanden, deshalb gab es diesen so eminent wichtigen Dreier. Das war ein 3:2-Sieg, den die Fans der Rothosen nicht so schnell vergessen werden. In den letzten 20 Minuten passte einfach alles, da holte der HSV alles nach, was er in den 70 Minuten zuvor noch hatte vermissen lassen. Kompliment, HSV, das war mal ein echtes und sehr gutes Lebenszeichen.

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Labbadia: “Das sollte uns Auftrieb geben.”

2. August 2015

Es geht bergauf. Langsam, aber immerhin. Der 2:1-Sieg gegen Hellas Verona, in der vergangenen Saison 13. in Italien, sollte dem HSV zusätzlich Auftrieb geben. Zur Erinnerung: Vor einem Jahr verlor der HSV in Lübeck „italienisch“. 0:2 gegen Lazio Rom. Gefühlt ein 0:4 oder 0:5. Der HSV war chancenlos. Damals hatte der HSV in folgender Formation begonnen: Adler; Diekmeier, Djourou, Kacar, Jansen; Behrami, Arslan; Ilicevic, van der Vaart, Stieber; Rudnevs. Die Frage ist, ob die diesjährige Mannschaft stärker ist, als jene, die sich vor einem Jahr von Lazio, am Ende der Spielzeit 204/15 auf Platz drei eingelaufen, schwindelig spielen ließ. Den ganzen Beitrag lesen »

Von Versprechungen, Forderungen und Altmeistern

20. Juni 2015

So eine Fußball-Sommerpause ist einfach nur schrecklich. Jahr für Jahr wieder. Zumal dann, wenn sich der HSV wieder einmal traditionell Zeit lässt, Zeit lassen muss, um neue Spieler zu verpflichten. Auch Jahr für Jahr wieder. The same procedure as every year – im Sommer, nicht zum Jahreswechsel. Still ruht der See. Es tut sich nichts. Obwohl die Herren des HSV schön unterwegs sind, um sich nach Verstärkungen umzusehen. Sogar bei der U21-Europameisterschaft waren sie in Tschechien, obwohl die Talente dort wohl allesamt eine Preisklasse zu hoch sein dürften für den HSV. Aber warten wir es ab, mehr bleibt ja nicht. Obwohl die Ungeduld wächst. Bei vielen HSV-Fans. Und eventuell auch bei manchem Angestellten des Clubs. So las ich heute beim Einkaufen die Titelseite der „Bild“, und dort stand zu lesen: „Olic fordert neue Stars“. Da dachte ich so bei mir: „Wer nicht?“
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van der Vaarts leiser Abschied

12. Juni 2015

Während die Meldungen über Spielerwechsel in der Bundesliga nur so reintrudeln, gibt es vom HSV keinen Vollzug zu melden. Das ist nicht überraschend, und selbst die Personalie Süleyman Koc könnte sich noch einige Zeit hinziehen. Dessen Berater hat Druck gemacht und von einer grundsätzlichen Einigung mit dem HSV berichtet. Allerdings ist die Ablöse (zwischen 1,5 Millionen und 2 Millionen Euro) noch recht hoch. Nun also baut der Berater Druck auf den SC Paderborn auf, um von den Forderungen herunterzukommen. Ein nicht unübliches Spielchen, schließlich wollen alle Seiten Klarheit.
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. . . der muss zum Dino nach Hamburg!

10. Juni 2015

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Erste DFB-Pokalrunde:
FC Carl-Zeiss Jena gegen den HSV
Barmbek-Uhlenhorst empfängt den Erstliga-Absteiger SC Freiburg
Bernd Hollerbachs Würzburger Kicker treffen auf Werder Bremen
und, so viel Zeit muss sein: St. Pauli gegen Borussia Mönchengladbach
gespielt wird am 7. oder 8. August

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Aussortiert! Maxi Beister soll sich einen neuen Verein suchen!

5. Juni 2015

Hätte ich gewusst, was der spätere Nachmittag noch bringt – ich hätte sicherlich angefangen mit der Nachricht des Tages. Aber so steht sie am Ende. Hinter Sätzen, die ein Erlebnis der ganz besonderen Art beschreiben…

Denn Dieter hatte sogar Tränen in den Augen, als tatsächlich die Zusage da war: „Dittsche und Uwe kommen, sie haben zugesagt“, sagte er mir am Telefon ganz ruhig, um dann hinzuzufügen: „Ich könnte heulen!“ Das wiederum lag daran, dass Dieter diese Kombination zweier großer HSVer – der eine als HSV-Idol, der andere als HSV-Fan und TV-Idol – seit langem versucht hatte, einzuladen. Letztes Jahr hätte es auch tatsächlich geklappt, wäre da nicht die Relegation dazwischengekommen. Dieses Jahr drohte Gleiches – und doch klappte es, weil sich Olli Dittrich mit Seeler zusammentat und sich den Termin freischaufelte. Ein großer dank dafür – und ein noch größeres Kompliment an Dieter, für den die beiden das ermöglicht haben.

Und während Dieter vor der Sendung schon Tränen in den Augen hatte, war ich danach stolz, an einer solchen Runde teilgenommen zu haben. Und ehrlich gesagt haben Dieter und ich eigentlich nur als Staffage gedient, weil sich die beiden Freunde unterhielten. Das übrigens schon eine halbe Stunde vorher, in der wir über Dittrichs neues Projekt „Schorsch Aigner“ (http://www.ardmediathek.de/tv/Comedy-Satire/Schorsch-Aigner-der-Mann-der-Franz-/Das-Erste/Video?documentId=28690672&bcastId=25304236) sprachen. Dabei spielt Dittrich ein Beckenbauer-Double, das die Wahrheit über den Weltfußballer auspackt. Mehr als empfehlenswert!!

Aber zurück zum Treffen mit den beiden Granden ihres Business’: Dittrich und Seeler wirkten wie zwei Schuljungs, die sich ewig nicht gesehen haben und vor Freude etwas überdrehen. Sie scherzten, lachten – und steckten alle im Tram damit an. Bis es ernst wurde und über den HSV gesprochen wurde. „Oh Mann, es war gerade so lustig“, scherzte Dittrich, der im B-Rang seine Dauerkarte hat und zu den „engagierteren“ Fans gehört. Als der HSV Schalke 2:0 geschlagen hatte und Freiburg in Hannover in der Nachspielzeit auf 1:2 verkürzt hatte, stand ich neben ihm und versorgte ihn über WLAN mit dem Liveticker. Und obgleich ich schon „Puls“ hatte, beruhigte es mich fast zu sehen, wie sehr Dittrich abging. Ähnlich erging es übrigens auch Seeler, also Ilka Seeler. Uwe Seelers Gattin hielt es am Montag nicht mehr aus und musste im Laufe der letzten Minuten die Lokalität „La Veranda“ um den HSV-Fan und Wirt Paco verlassen. „Sie konnte nicht mehr und wollte spazieren gehen“, so Uwe mit einem Schmunzeln, „das Ganze nimmt uns halt alle mit.“ Stimmt. Und obgleich immer wieder gern der Scherz gemacht wird, dass sich Uwe Seeler IMMER Sorgen um seinen HSV macht – es stimmt. Seeler ist vom HSV vollständig eingenommen, er kann sich gar nicht wehren. Trotz des Ärgers um seinen Enkel Lewin. „Darüber spreche ich nicht mehr“, so Seeler bestimmt, „heute ist das Thema abgehakt.“

Nach dem Video, das ich Euch hiermit ans Herz legen möchte, saßen wir noch eine Weile zusammen und diskutierten bei einer guten Portion Chilli con Carne. Dittrich und Seeler parlierten über Franz Beckenbauer und dessen Schulterverletzung bei der WM 1970 in Mexiko. Früher sei sicher nicht alles besser gewesen, aber eben einiges. Unter anderem der Zusammenhalt in Mannschaften. Seeler erzählte, wie sie es früher handhabten. Wenn etwas in der Abwehr nicht lief, „lief ich eben – und zwar nach hinten, um den Rest aufzuwecken. Ich habe manchmal richtig übel geschimpft und bekam nur als Antwort: Geh nach vorn und schieß ein Tor, damit wir gewinnen, den Rest erledigen wir.“

Oft klappte das auch. „Wenn nicht, gab es einen Mannschaftsabend bei dem jeder – und damit meine ich wirklich alle Spieler der Mannschaft – anwesend waren und sagten, was sie stört. Das tat mal weh – aber es war reinigend. Vielleicht ist das ja etwas für heute…“, so Seeler, ehe er hinzufügt: „Aber dafür ist die Zeit wahrscheinlich zu modern. Warum auch immer…“, so Seeler, der ganz offensichtlich große Hoffnungen in Trainer Bruno Labbadia und Vorstandsboss Dietmar Beiersdorfer setzt. Ebenso wie Dittrich.

Vor einigen Wochen hatte ich mich geärgert, als sich Uwe Seeler wieder öffentlich Sorgen um den HSV machte. Nach dem Interview habe ich mit ihm darüber sprechen können und bin mir in sehr, sehr vielen Punkten einig. Nein, das klingt arrogant: In erster Linie höre ich einem Uwe Seeler zu und vertraue auf sein Fachwissen, zumal er völlig frei von dem Verdacht ist, sich selbst in den Vordergrund spielen zu wollen. Der Ehrenspielführer der Deutschen Nationalmannschaft ist einfach ein außergewöhnlich bodenständiger Ex-Weltfußballer mit einer an Leidenschaft grenzender Sympathie für seinen Heimatklub. Kurzum: Seeler ist ein ehrlicher Mensch, dessen Qualitäten der HSV deutlich zu wenig nutzt. Während andere Vereine ihre größten Idole immer wieder einbinden, ist Seeler zwar ein gern gesehener Gast, der in der Loge die Spiele verfolgt. Aber leider nicht mehr, leider…

Wobei ich ehrlich gesagt gar nicht weiß, ob die Stürmer von heute überhaupt zu schätzen wüssten, jemanden wie Uwe Seeler kennenzulernen. Dennoch würde ich solche Treffen arrangieren, um zumindest versucht zu haben, den Spielern die Tradition des Klubs zu verdeutlichen. Denn dafür reicht eine fragwürdige Uhr im Stadion allemal naicht. Nein, wenn der HSV endlich wieder Profil haben will, sollte er seine Vergangenheit zu seinem Vorteil nutzen und den Spielern von heute zeigen, dass sie nicht wichtiger sind als das Bundesliga-Urgestein, das schon deutlich bessere Tage erlebt hat. Der Klub muss der Star sein, nicht die Spieler – egal wie viel sie verdienen.

Apropos Geld, rund zehn Millionen Euro Gehaltseinsparungen muss Peter Knäbel durchsetzen und hat parallel zehn Millionen Euro für Neue. „Täglich 20 neue Namen“ würden ihm genannt, so Mediendirektor Jörn Wolf zum Thema potenzielle Zugänge. Admir Mehmedi war einer der Namen, Oliver Sorg ein weiterer Kandidat für den HSV vom Absteiger SC Freiburg. Und auch beim zweiten Absteiger ist der HSV an einem Offensivmann dran – und das bereits seit der Winterpause, wie in verschiedenen Foren und Zeitungen bereits berichtet wurde. Paderborns Rechtsaußen Süleyman Koc ist demnach im HSV-Visier und könnte ob einer Ausstiegsklausel in seinem bis 2018 datierten Vertrag für rund eine Million Euro Ablösesumme zum HSV wechseln. Gegenüber Goal.com bestätigte Koc etwaige Gespräche mit dem HSV: „Es ist vorstellbar.“

Klar, für den HSV auch. Knäbel forstet sich durch die Absteiger auf der Suche nach einem „Schnäppchen“. Parallel scheinen in der aktuellen Mannschaft kaum Spieler unverkäuflich. Der HSV braucht nämlich nicht nur einen Neuanfang, sondern auch neues Geld. Und dafür müssen Spieler abgebeben werden – obgleich der HSV mit seinen Spielern bislang auf dem Markt eher nicht erste Adresse ist. Mal wieder nicht… „Es muss etwas passieren. Es gibt inzwischen schon mehr Dinge, die sich ändern müssen als Dinge, die beibehalten werden sollten“, scherzte Seeler am Rande und hatte mehr Recht, als ihm lieb war.

Soll sich einen neuen Verein suchen: Maxi Beister

Soll sich einen neuen Verein suchen: Maxi Beister

Denn einen hatte Seeler dabei ganz sicher nicht auf dem Zettel – im Gegenteil: Von Maxi Beister erhoffte sich Seeler mit einer neuen Vorbereitung neuen Schwung. Und so gern ich den heutigen Blog auch allein im Zeichen des Interviews gelassen hätte, diese Nachricht torpedierte dieses Vorhaben: denn dass der Rechtsfuß inzwischen vom HSV mitgeteilt bekommen hat, dass er gehen soll, wusste Seeler zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Fakt aber ist: Maxi Beister hat vom Verein mitgeteilt bekommen, er möge sich per sofort nach einem neuen Klub umsehen – was auch die Personalien Mehmedi und Koc noch nachvollziehbarer wirken lässt.

Haben keinen Draht zueinander: Trainer Bruno Labbadia (l.), und Beister

Haben keinen Draht zueinander gefunden: Trainer Bruno Labbadia (l.), und Maxi Beister (r.)

Was ich hier immer wieder zwischen Zeilen angedeutet habe, hat sich tatsächlich bewahrheitet. Der Offensivspieler spielt in den Planungen des HSV keine Rolle mehr. Schon länger nicht mehr. Auch deshalb wurde er in den entscheidenden Spielen nicht gebracht. Und obwohl ich eigentlich vorhatte, heute das Interview an sich wirken zu lassen und den Blog kurz zu halten, komme ich an einem solchen Hammer natürlich nicht vorbei. Zumal der bis 2016 unter Vertrag stehende Göttinger von bislang allen Trainern als Hoffnungsträger genannt worden war – Labbadia ausgenommen. Der neue Coach scheint keinen Draht zu Beister gefunden zu haben oder schlichtweg nicht auf dessen Qualitäten setzen zu wollen.

Eine Nachricht, die in den nächsten Tagen sicherlich noch für viel Aufsehen sorgen wird. Mich hat sie aus den Socken gehauen – weil ich gehofft hatte, dass man sich in einem vernünftigen Vieraugengespräch schnell auf eine Zusammenarbeit einigen könnte. Offensichtlich war das Gegenteil der Fall…

In diesem Sinne, bis morgen. Dann vielleicht auch mit einer Reaktion der Offiziellen. Ich hatte heute Dietmar Beiersdorfer erreicht, der sich zu der Personalie allerdings nicht äußern wollte. Dennoch bin ich mir ziemlich sicher, dass es in den nächsten Tagen auch vom HSV eine offizielle Reaktion geben wird.

Bis dahin,
Scholle

Viel Wirbel um Behrami und Westermann!

8. März 2015

Gute Freunde kann niemand trennen. Sang einst Franz Beckenbauer, und er tat es kürzlich, gemeinsam mit Uwe Seeler, auch noch bei der Hamburger Sport-Gala, als er, der Kaiser und ehemalige HSV-Spieler, für seine Stiftung und sein Lebenswerk geehrt wurde. „Uns Uwe“ verriet mir später, dass „Gute Freunde“ auch fast immer gesungen wird, wenn sich die „Schneeforscher“, ein ganz besonderer Stammtisch bestehend aus ehemaligen deutschen Sport-Größen, treffen. Gute Freunde, oder auch nur Freunde, sind ja auch Joe Zinnbauer und Jürgen „Kloppo“ Klopp. Und weil sich die beiden Trainer am Sonnabend, beim 0:0 im Volkspark, ein wenig in Rage geredet, geschrien oder auch gebrüllt hatten, war zu befürchten, dass sie künftig getrennte Wege gehen würden – aber es sah nach der gemeinsamen Pressekonferenz nicht so aus. Jedenfalls aus der Ferne.

 


 

Da hatten die Trainer ihre unterschiedlichen Meinungen zur Vorstellung von HSV-Profi Valon Behrami noch einmal sehr deutlich gemacht. Zuerst erklärte Joe Zinnbauer den Ellenbogenschlag des Schweizers gegen BVB-Spieler Mkhitaryan, der bereits nach zwei Minuten am Boden lag: „Ja, Valon wollte sich dementsprechend schützen, er sieht den Spieler von der Seite kommen und fährt den Arm aus. Aber trotzdem, wir brauchen nicht darüber reden . . . Ich weiß, Jürgen, Kloppo, dass du jetzt anderer Meinung bist, aber letztendlich hat er auch gesagt, dass er lange nicht mehr auf dem Platz gestanden hat, wir wissen, dass er gerade mal ein paar Tage auf dem Platz gestanden ist, und die Koordination sicherlich auch noch fehlt – Absicht war das mit Sicherheit keine. Seine Spielart ist einfach so, er ist ein Aggressiv-Leader, ich bin froh, dass ich ihn habe.“

 

Das ließ Jürgen Klopp dann nicht mehr ruhen. Er war nicht aufgebracht, war sichtlich darum bemüht, seine Stimme nicht zur erheben – und sagte: „Das ist jetzt ein sehr gutes Beispiel dafür. Ich habe diese Woche irgendetwas über einen Journalisten gesagt. Dabei ging es um das Thema Humor. Daraus ist eine riesige Geschichte entstanden. Und jetzt sitzt ihr alle da und habt die Szene gesehen – und wollt von mir hören, was ich dazu denke, dabei denkt jeder das Gleiche. Außer Joe, weil es sein Job ist. Jeder andere denkt das Gleiche. Dann macht daraus eine Geschichte, und macht nicht mit meinem Namen eine Geschichte, ehrlich gesagt. Das war eine Rote Karte, fertig. Ob der vorher acht Monate nicht gespielt hat, ob er zwei Wochen nicht gespielt hat, ob ihm die Koordination gefehlt hat oder sonst was. Es hat gereicht, um den Arm nach oben zu nehmen und Mkhitaryan ins Gesicht zu schlagen.“

 

Aufklärend sei gesagt, dass sich Jürgen Klopp zuletzt über den TV-Kommentator Marcel Reif geäußert hatte – was hohe Wellen schlagen ließ.

 

Gute Freunde, kann niemand . . . Da wurde es noch einmal hart. Zwischen den beiden Trainern, die einst gemeinsam für Mainz 05 gespielt haben, saß im Presseraum nur HSV-Medien-Direktor Jörn Wolf. Aber es blieb, zum Glück, friedlich. Klopp abschließend (leicht aufstöhnend) riet: „Macht damit, was ihr wollt . . .“ Zinnbauer zum Schluss mit versöhnlichen Untertönen: „Jetzt können sie ’ne Geschichte machen, Kloppo.“ Darauf Klopp: „Ich weiß, ich bin ein Idiot.“ Zinnbauer lachend: „Das habe ich nicht gesagt.“ Klopp: „Ich weiß, aber ich weiß es schon lange.“

 

Ja, es ging an diesem Sonnabend wahrlich hoch her, im Volkspark. Ähnlich wie einst beim Heimspiel gegen Bayer Leverkusen. Am 1. November 2014 hatte der HSV beim 1:0-Sieg gegen die Werks-Elf nicht nur ordentlich dagegengehalten, sondern ab und an auch mal de Hammer herausgeholt. Da war mitunter Brachialgewalt im Spiel, und Schiedsrichter Florian Meyer erntete seinerzeit einiges an Protesten aus dem Leverkusener Lager, allen voran von Rudi Völler.

 

Diesmal war der HSV zwar eine Nuance zurückhaltender, doch es gab schon einige Szenen, die grenzwertig waren. Das muss man als Hamburger schon gestehen. Aber so, und nur so geht es im Abstiegs- und Existenzkampf. Da darf nichts verschenkt werden. Das wollen die Fans sehen. Und weil sie es von dieser HSV-Mannschaft auch endlich sehen können, deswegen ist die Hütte auch immer wieder rappelvoll. 57 000 Zuschauer waren am Sonnabend wieder da, ausverkauft. Das geschieht nur, weil die Hamburger jetzt erkennen, dass sich die Mannschaft gegen das drohende Unheil wehrt. Ein Verdienst der neuen Führung – ein Verdient vor allem von Joe Zinnbauer. Auch wenn diese Gangart nicht von allen akzeptiert oder auch gelobt wird. Das ist schon klar. Ein neutraler Beobachter wie ZDF-Reporter Thomas Wark befand: „Sieben Gelbe Karten und nur fünf Torchancen, ein schlechtes Spiel.“ So kann man es sehen. Aber auf anderen Plätzen sieht es ähnlich aus, wenn sich ein Team – oder gar beide – gegen den Abstieg wehren müssen.

Insgesamt sagte Jürgen Klopp zur Hamburger Härte: „Es hätte sicher einige Möglichkeiten gegeben, Behrami frühzeitig zum Duschen zu schicken. Wir haben Glück gehabt, dass sich keiner verletzt hat, das war hart an der Kante.“ Und in Richtung Behrami sagte der BVB-Coach: „Ich wünsche ihm als Mensch, dass das keine Absicht war.“
Gut fand ich, was BVB-Torwart Roman Weidenfeller resümierend sagte: „Wir mussten uns erst einmal an die Härte des HSV gewöhnen, aber der HSV steht mit dem Rücken zur Wand, da ist eine solche Spielweise okay.“ Hoffentlich bekommt der Nationalkeeper für diese ehrliche Aussage nicht noch nachträglich einen Rüffel der Verantwortlichen.

 

Das hoffe ich natürlich auch für Heiko Westermann. „HW4“ ist nach diesem Spiel so richtig mal ausgeflippt. Endlich einmal! Bravo! Er hatte die vielen, vielen Schmähungen gegen sich viel zu lange schweigend hingenommen. „Die Kritiker und Idioten, die meinen, sie hätten den Fußball erfunden, die können mich alle mal. Ich habe immer den Arsch hingehalten und lasse mir von solchen Idioten nicht den Namen kaputtmachen“, sagte der frühere Nationalspieler, den etliche HSV-Fans schon seit Jahren „auf dem Kieker“ haben. Ärger, Frust, Häme und sogar Hass – was wurde nicht alles auf Westermann abgeladen, und nun diese Explosion. Die Joe Zinnbauer durchaus nachvollziehen kann. Der Coach verteidigt seinen Abwehrmann: „Ich finde, dass es nach gefühlten fünf Jahren mal an der Zeit gewesen ist, dass er explodiert. Der Heiko hat hier jahrelang den Kopf herhalten müssen, nun hat er sich mal ausgekotzt, das gehört dazu. Irgendwann platzt einem mal der Kragen, ich kann ihn verstehen und freue mich darüber. Heiko ist ein Vollprofi. Er lebt und tut alles für den Verein.“

Wobei Zinnbauer dieses Ausrasten auch auf eine Art sportlich sieht und nimmt: „Das habe ich von ihm auch während des Spiels immer verlangt, dass er explodiert und sich auch verbal etwas zutraut. Wenn er das mit nach zum Spiel gegen Hoffenheim nehmen kann, wäre das top. Das brauchen wir im Moment. Gegen Dortmund hat Heiko ein richtig gutes Spiel gemacht.“ Und sogar Klopp lobte, wenn auch auf Nachfrage, den HSV-Profi-Westermann: „Wenn er heute nicht gespielt hätte, dann stehen wir zweimal allein vor dem HSV-Tor. Er ist der einzige HSV-Innenverteidiger, der in Sachen Schnelligkeit mit einem Aubameyang mithalten kann. Zweimal hat Westermann ihn abgelaufen.“ Übrigens hat Heiko Westermann sich im Internet-Auftrieb des HSV über sich selbst wie folgt geäußert: „Meine persönliche Leistung wird ja öffentlich immer wieder viel diskutiert. Ich habe heute die fünfte oder sechste Position in der Rückrunde gespielt. Ich kann dazu nur so viel sagen, dass ich mir meinen Namen hier nicht kaputt machen lassen will von irgendwelchen Leuten, die denken, sie hätten den Fußball erfunden. Ich habe jeden Ball gefordert und mich in jeden Zweikampf geworfen. Deswegen braucht mir ein sogenannter Fan oder sonst wer nicht erzählen, wie Fußball gespielt wird.“

 

Auch das wird einem gewissen Teil des HSV-Anhangs sicher nichts bedeuten, das ist mir schon klar. Es wird trotz allem weiter gepfiffen. So wie gegen Mönchengladbach war, als Westermann in der 86. Minute eingewechselt worden ist. Und als in der Nachspielzeit der Ausgleich gefallen ist, weil die gesamte Defensive des HSV gepennt hat, wurde Westermann als derjenige ausgemacht, der die Schuld an diesem späten 1:1 trug. Natürlich Westermann. Und wer sich nicht alles erlaubt, über Westermann zu urteilen. Das ist abenteuerlich. Die sehen kein Training, die haben kein Ohr in der Mannschaft – aber sie machen ihn nieder. Permanent. Ich habe in der „Matz-ab-live“-Sendung vom Sonnabend gesagt, dass ich seit mindestens eineinhalb Jahren kein privates Wort mit Heiko Westermann gewechselt habe. Nicht deshalb, weil ich damit dem Pöbel gehorchen wollte, sondern deshalb, weil ich Westermann damit schützen wollte. Um der Wahrheit die Ehre zu geben: So war es einst auch bei Piotr Trochowski (war beim Dortmund-Spiel im Stadion), mit dem ich nicht mal mehr telefoniert habe, nachdem ich einmal mit ihm als Sevilla-Spieler telefoniert und eine Geschichte gemacht hatte – und sich danach, hier bei „Matz ab“, ein enormer Shit-Storm auf den Weg (gegen ihn und mich) gemacht hatte. Ich wollte mit meinem Schweigen, das ich bis heute eingehalten habe, nur jeden weiteren Ärger und Stress für den Spieler vermeiden. Soweit war und ist es schon gekommen.

 

Aber noch einmal zurück zum Fußball. Gefreut habe ich mich nicht nur für Westermann, dass er eine so starke Partie gespielt hat. Und auch, dass Cleber so gut war. Auf Anhieb wieder so gut war. Unser „Matz-ab“-Gast Jürgen Stars lobt den Brasilianer und sagte: „Wir müssen aufpassen, dass er uns nicht ganz schnell wieder für viel Geld abgekauft und weggeholt wird.“ Da ist wohl was dran. Cleber fand auf Anhieb wieder zu seinem Spiel, das er zuletzt gezeigt hatte. Das war für mich, sage ich ehrlich, überraschend. Ich habe ihm einen so starken Auftritt noch nicht wieder zugetraut – „Scholle“ sehr wohl. Für mich wirkte er in dem einen Training, was ich am Dienstag von ihm gesehen habe, noch ein wenig zerbrechlich, auch etwas zimperlich – und noch lange nicht bei 100 Prozent. Gegen Dortmund aber war er voll da – lobenswert! Da hat der HSV doch, und ich schreibe doch, weil er zu Beginn ja schon als Fehleinkauf galt, einen echten Goldfisch an der Angel.

 

Der dritte Mann, mein dritter Mann, dieses Spiels war Gojko Kacar. Hut ab! Wie der Serbe sich wieder zurückgekämpft hat, das imponiert mir gewaltig. Es begeistert mich sogar. Kacar war aussortiert, er wollte weg, er ließ sich – als er bei der Zweiten trainieren musste – auch ein wenig hängen, nahm etwas an Gewicht zu, auch sicher aus Verzweiflung über das Abstellgleis, auf dem er sich befand – aber er gab nie auf. Und er fand auch nie ein böses Wort gegen den HSV. Wie er das geschafft hat, ist mir immer noch ein Rätsel, aber er schaffte es auf eine äußerst bemerkenswerte Art. Und jetzt bringt er immer seine Leistung. Egal, ob er von Beginn an spielt, oder nur eingewechselt wird. Das ist wirklich vorbildlich und ein absolut profihaftes Verhalten. Auch wenn ich natürlich weiß, dass mir nun gleich vorgehalten wird, dass er dafür ja auch ein fürstliches Gehalt kassiert. Klar, das ist auch so, aber wer hat es ihm denn aufgezwungen? Damals schmiss der HSV noch mit Geld so um sich, als wäre genügend davon vorhanden. Dafür aber konnte und kann Kacar nichts. Und ich freue mich für ihn, dass er jetzt doch noch einige positive Dinge mit dem HSV und in Hamburg erleben kann. Ganz nebenbei kann ich jedem, der noch gewisse Zweifel hegt, bescheinigen, dass Gojko Kacar ein Super-Typ ist, der eigentlich zu bescheiden durch diese Profi-Welt geht. Da ist nicht gerade typisch für den Fußball.
Dass Kacar dann, weil Behrami wieder spielen konnte, aus der Mannschaft genommen wurde, stieß nicht überall auf Verständnis. Es wurde auch bei „Matz ab live“ recht kontrovers diskutiert. Wie immer hat es Kacar selbst ohne zu murren ertragen und hingenommen. Und ich muss zugeben, dass ich auch dafür war (und immer noch bin), weil es in dieser Mannschaft ansonsten niemanden gibt, der seinen Mund aufmacht. Behrami reißt alle mit (auch die Zuschauer), er motiviert, er dirigiert, er stellt seine Nebenleute. Daran, seien wir doch ehrlich, mangelt es doch schon seit Jahren. Und nun haben wir dort einen, der das kann und auch macht, und deswegen muss er auch spielen – wenn er kann. Und selbst wenn er nur bei 80 oder 90 Prozent ist. Behrami ist für diese Truppe so wichtig, nicht nur als Abräumer, sondern auch als „Erzähler“. Ich kann Joe Zinnbauer da verstehen und auch folgen, bei mir kleinem B-Lizenz-Trainer hätte er auch sofort gespielt. Stellt sich nur die Frage, ob es nicht auch noch einen anderen Kandidaten gegeben hätte, der statt Kacar auf die Bank gegangen wäre. Ich hätte aber auch in dieser Frage so entschieden, wie Zinnbauer.

 

Und auf Valon Behrami muss ich auch noch wegen einer anderen „Geschichte“ zurückkommen. Obwohl ich jetzt die Gefahr laufe, oberlehrerhaft zu wirken. Trotz allem muss ich es noch einmal loswerden: Ich hoffe, dass Trainer oder/und andere HSV-Verantwortliche einmal ganz in Ruhe mit dem Schweizer reden. Sie sollen ihn nicht einengen, auch nicht zurückpfeifen, aber sie sollen zu einer gewissen Besonnenheit aufrufen. Weil er sonst schnell wieder vor einem Platzverweis stehen würde. Glaubt es mir, auch Schiedsrichter sehen sich die Bundesliga-Spiele an, und sie merken sich, wenn einer so foult, wie es Behrami am Sonnabend tat. Macht er weiter so, geht er vom Platz, keine Frage. Und damit ist weder ihm noch dem HSV gedient, der dann womöglich wochenlang auf seinen Abräumer verzichten muss.
Ich schrieb es bereits am Dienstag, dass Behrami zu schnell auf 180 ist. Im Spiel gegen die U23 legte er sich einmal mit Sven Mende an (gar nicht fein), und Minuten später (dann sogar für einige Minuten!) mit Francis Adomah. Das muss nicht sein, ganz ehrlich. Es ist der eigene Verein, da muss man nicht so ausflippen. Und die Verantwortlichen standen am Rande, sie haben es gesehen, müssen es gesehen haben – und sie müssten eigentlich auch reagiert haben. Danach. Denn das Spiel selbst wurde von einem Schiedsrichter-Gespann geleitet. Und dieser Unparteiische wird sich schwer hüten, in einem solchen Kick irgendwelche erzieherischen Maßnahmen (oder einen Platzverweis) vorzunehmen.
Aber vielleicht erübrigt sich das ja alles auch schon recht bald, wenn dann die Koordination bei Valon Behrami zu 100 Prozent wieder stimmt . . .

 

Eine kleine Entwarnung kann es im Verletzten-Fall Johan Djourou geben, denn der Schweizer hat sich wohl doch nicht schwerer am Oberschenkel (Adduktoren?) verletzt. Im Moment ist es so geplant, dass er spätestens am Mittwoch wieder ins Training einsteigen soll.

 

Danken möchte ich an dieser Stelle explizit noch einmal unseren beiden Gäste bei „Matz ab live“ vom Sonnabend. Jürgen „Starsky“ Stars und „el presidente“ Benno Hafas (nicht Harfas oder so!) sagten sofort zu, als sie von unserer Notlage erfuhren, und sie sorgten dann dafür, dass wir eine sehr lebhafte Sendung hinlegen konnten. Danke, danke, danke – Ihr wart super, einfach großartig – vielen Dank. “Starsky” – mit Dir jede Woche. Mindestens! Weil Du immer Klartext sprichst. Übrigens, wer es nicht weiß: „el presidente“ deswegen, weil Benno Hafas Vorsitzender des „Matz-ab“-Fanclubs ist, von Beginn an. Und wer (kostenloses) Mitglied des Clubs werden will, sollte sich bei ihm (fast immer beim Training) oder bei den Moderatoren melden. Oder bei mir.

 
PS: Morgen, am Montag, ist trainingsfrei.

 

Zum Schluss noch einmal ein kleiner Satz, den Trainer Joe Zinnbauer nach dem 0:0 von sich gab, der die Situation des HSV sehr gut beleuchtet – und der bei mir ein wenig für Erleichterung sorgt: „Für uns ist dieser Punkt Gold wert.“

 

17,29 Uhr

Die Sorgen und Nöte der Anderen ***ERGÄNZT***

19. Februar 2015

*****ERGÄNZUNG 20.14 Uhr:******

Mal was Neues: Training um 17 Uhr. Im Hellen beginnen, mit Flutlicht beenden. Es sei denn man ist einer der vielen Rekonvaleszenten und geht erst gar nicht auf den Platz oder früher wieder in die Kabine. So, wie es Ivica Olic machte. Oder auch Petr Jiracek, der sich nach ein paar Steigerungsläufen und etwas Balltraining das Trainingsspiel von außen ansah. Kein Rekonvaleszent aber dafür auch früher in die Kabine geschickt wurde Ivo Ilicevic, der gestern gegen Halstenbek länger – und das gut – gespielt hatte. Pierre Michel Lasogga, Cléber Reis und Valon Behrami fehlten dagegen ebenso wie Lewis Holtby.



Wieder dabei waren dafür Slobodan Rajkovic und Dennis Diekmeier. Und beide gleich in der vermeintlichen A-Elf. Für Rajkovic rückte Westermann und für Diekmeier Ashton Götz ins B-Team. Und es scheint, als wäre das die aktuelle Formation für das Gladbach-Spiel. Zumindest ließ Zinnbauer heute im Training das Verschieben so intensiv üben, dass alles andere wenig Sinn machte. Im Defensivverbund sollten die zwei Viererketten beim 4-4-2 (Stieber und Rudnevs vorn) schnellstmöglich vom Pressing auf kompakte Defensive mit allen elf hinter der Mittellinie umschalten. Und zumeist klappte das auch. Einzig Rudnevs wusste die Anweisungen von Zinnbauer ebenso wenig umzusetzen wie die von den Kollegen. Aber der Lette dürfte unter normalen Umständen am Sonntag gegen Mönchengladbach von Ivica Olic ersetzt werden.

 

„Es hat alles gehalten, perfekt“, freute sich heute nach dem Training Dennis Diekmeier, der nach seiner langen Verletzungspause erst seit Dienstag wieder im Mannschaftstraining steht und gestern gegen Halstenbek-Rellingen eine starke Partie ablieferte. Ob er sich die Startelf zutraut? „Klar, ich will spielen. Und wenn alles so funktioniert wie heute, dann ist das gar kein Problem.“

 

Ein Problem lösen will indes auch Julian Green. Der Leihspieler vom FC Bayern hatte gestern sein klärendes Gespräch mit Trainer Joe Zinnbauer und verständigte sich dabei darauf, bis zum Wochenende normal mitzutrainieren und dann zu sprechen. Heute im Training – das muss ich nach all der berechtigten Kritik zuletzt erwähnen – war Green gut. Er kam über die linke Seite im B-Team und sorgte für die meiste Gefahr. Ich bin auf jeden Fall gespannt, ob Green und Ilicevic „begnadigt“ werden oder weiter keine Rolle für das Bundesligateam spielen. Gleiches gilt für Maxi Beister – bei dem Rechtsfuß allerdings allein aus gesundhgeitlichen Gründen. Ob er schon wisse, wo er am Wochenende spielen soll? „Nein“, so Beister, „das entscheidet sich erst noch.“ Wieder nicht dabei sein wird Lasogga. Der Angreifer verpasst damit sein 13. Spiel seit seiner Verpflichtung vor etwas mehr als eineinhal Jahren.

 

Ebenso noch nicht wieder im Kader sein wird Behrami. Für den Schweizer rückte auch heute wieder Marcelo Diaz ins vermeintliche A-Team. Zusammen mit Rafael van der Vaart spielte der Chilene im zentralen Mittelfeld – schwach. Beide leider. Denn während van der Vaart versuchte, was er nicht gut kann (grätschen, kämpfen, Defensivzweikämpfe), war Diaz irgendwie nicht bei der Sache. Immer wieder musste er von Zinnbauer darauf hingewiesen werden, wie er den Gegner anzulaufen habe. Diaz nickte fleißig, als hätte er es verstanden. Hatte er aber nicht. Zudem spielte der Passspezialist fast jeden Pass in die Füße des B-Teams, das folgerichtig durch den 19 Jahre jungen Trainingsgast Dominik Masek mit 1:0 in Führung ging. Und als Mohamed Gouaida als Jansen-Ersatz ausglich, beendet Zinnbauer die 90-Minuten-Einheit.

 

Morgen geht es um 15.30 Uhr weiter. Dann wieder mit Olic, Ilicevic und voraussichtlich auch Jiracek. Es bleibt auf jeden Fall spannend, wer gegen Gladbach das Projekt Wiedergutmachung umsetzen darf/soll/muss. Ginge es rein nach Leistung, wären Stand jetzt mit Diekmeier rechts und Ostrzolek links hinten sowie mit Rajkovic neben Djourou und Ilicevic als Jansen-Ersatz gleich vier Neue im Team.

 

Ich würde es begrüßen.

Bis morgen!

Scholle*****

 

Das Entsetzen ist immer noch groß. Überall. Und Dietmar Beiersdorfer hat nach dem 0:8 ja auch zugegeben, dass ihm die Briefe der Fans reihenweise auf den Schreibtisch flattern. Ich könnte wetten: nicht nur ihm. Das geht wahrscheinlich allen Redaktionen so. Das mutmaße ich deswegen, weil es bei mir auch der Fall ist. Es reißt nicht ab. Die Fans machen sich nicht nur Sorgen, sie machen sich auch bezüglich der HSV-Zukunft vielerlei Gedanken. Und entweder schreiben sie es bei Matz ab als Beitrag, oder sie schicken es mir, um auf ihre Zeilen keine spöttischen Kommentare zu ernten.
Weil heute erst um 17 Uhr trainiert wird und es somit doch eine spätere „Veranstaltung“ im Blog geben wird, möchte ich schnell mal einen Querschnitt aus dem geben, was mir in diesen Tagen so zugespielt wurde. Wie gesagt, ein Querschnitt.

 

Für Abendblatt-Blogs


 

Eines möchte ich aber schnell noch einmal vorweg erwähnen. Nach dem letzten „Matz ab live“, das es bekanntlich nach dem 0:8 gab (und das bis Montagmittag bereits 13 806 Leute gesehen hatten (es läuft auf einen neuen Rekord hinaus!), wurde von einigen Usern unser Gast Dennis Diekmeier attackiert. Unfair, wie ich finde. Klasse fand ich es nämlich, dass sich der verletzte Verteidiger bereit erklärt hatte, zu uns zu kommen (viele “Alt-Internationale” kneifen nämlich, um ja nichts mehr Böses über ihren HSV sagen zu müssen!). Niemand, er vor allem Dingen nicht, konnte ahnen, was es dann für ein Debakel geben würde . . . Und mal im Ernst: Was sollte Diekmeier dann noch groß sagen? Ein 0:8 spricht für sich. Er kann doch die Kollegen, den Trainer und auch nicht den gesamten Verein „in die Pfanne hauen“. Das kann doch nun wirklich niemand ernsthaft erwarten.

 

Das war eine ganz, ganz schwierige Situation für ihn, und ich finde, das ist meine volle Überzeugung, dass er sich trotz allem noch sehr, sehr gut aus der Affäre gezogen hat. Wie schlimm ihm diese Niederlage zugesetzt hatte, das sah man ihm wohl ganz genau an, da brauchte es keine zusätzlichen Kommentare. Der Mann war ganz einfach fertig. 0:8! Was soll man da noch sagen? Deswegen bitte ich auch heute noch um Verständnis und vor allem Fairness Dennis Diekmeier gegenüber.

 

So, und nun zu meiner kleinen Auswahl an Briefen, die mich erreichten. Ich bedanke mich auf diesem Weg bei allen, die sich dazu durchgerungen haben, mal ihre Einschätzungen zur derzeitigen Situation niederzuschreiben. Mir jedenfalls spricht einiges von dem, was ich lesen konnte, aus dem Herzen.

 

Zum Verständnis für alle: Ich habe die Briefe (Mails) in ihrer Originalform gelassen, also nichts korrigiert, nichts weggelassen und schon gar nicht hinzugefügt. Das ist im Blog ja auch nicht anders. Und nun geht es los:

 

 

hallo matze….

 

mit schweren gedanken hingst du in den seilen…..kann ich nachvollziehen….
wer ist schlechter als der hsv…..
vor ca. 9 monaten war das so ungefähr hansa rostock…..
die letzten sieben spiele (incl.greu-fü) der letzten saison waren unweigerlich der
absolute tiefpunkt seit 120 jahren hsv-geschichte….
und so ging es auch in die jetzige saison nahtlos weiter….
und dann wurde (endlich) doch der hebel umgedreht….
ottmar hat das im sky-interview richtig festgehalten….no comment…
in meinem mail von anfang februar habe ich vom neandertal herumfabuliert….
denk zurück an die wm in brasil…. 7:1 gegen den favoriten…..endspiel…..glorreich spielen u. verlieren? meister der herzen? scheiße man……jogi hat eiskalt auf ergebnis gespielt……1:0 gewonnen…. hat sich einer beklagt? ob der spielerischen mängel in diesem spiel?
yes…yes…so isses….matze…. „rennen…kämpfen…glück“ (spiegel) …..aber ein plan soll das nicht sein…… mein gott… soll der hsv denn für die dritte liga planen?????
mit glanzvollen auftritten gegen asbach-uralt oder stutt II???

 

deine „nationalspieler-theorie“ wg. spielerischen momenten etc….. ist alter und bitterer senf….
glaubst du denn dass berti vogts…h. d. höttges… (dessen sohn war fünf jahre lang
joe`s co-trainer beim vfb o.) hätten (neben vielen anderen) irgendwelche
spielerischen erleuchtungen gehabt?
aber es hat so etwas gegeben…. der 3:0 sieg gegen die udssr im em-endspiel anfang der siebziger…. eine der größten fuballerischen glanztaten aller zeiten…. man kann natürlich der mannschaft von altona 93 dieses video hundertmal vorführen… allein….gegen curlslack-neuengamme klappt es (trotzdem) nicht…. joe`s plan ist ganz einfach…. erstmal erfolg….dann sind plötzlich gratulanten en masse da…..die vorher gar nicht erkennbar waren…..gott sei dank kann er mit der presse adäquat umgehen….bleibt immer (wie ottmar richtig festgestellt hat) „authentisch“

….schöne grüße…. v.

 

 

Sehr geehrter Herr Matz,

 

die Niederlage von München wurde in Ihrem Blog gut analysiert. Fehler in der Aufstellung waren nicht zu übersehen und über die Einstellung unserer Profis während der Schmach von Bayern gibt es nichts hinzuzufügen. Am Samstag war ich noch geschockt, aber in der Nachbetrachtung des Spieles stelle ich mir eine Frage – Warum bin ich geschockt? War es nicht abzusehen das sowas auf uns zukommt?

 

Doch, es war abzusehen. Viele von uns haben jedes Heimspiel live im Stadion ( dazu gehöre auch ich ) und die Auswärtsspiele live im TV und zum Teil im Stadion verfolgt. Ich hätte nicht gedacht das es möglich ist vom spielerischen her die letzte Saison im negativen Sinne zu toppen. Weit gefehlt – die Leistungen in dieser Saison sind technisch zum Wegschauen. Es ist eine Katastrophe was die Herren ” Profis ” uns bei den Heimspielen im Volksparkstadion zumuten und mit Bundesligafußball hat das nichts mehr zu tun. Kurz etwas zur Gemütslage bei den Heimspielen. Folgendes ist mir bei jeder Partie klar. Sollte die gegnerische Mannschaft das erste Tor erzielen wird unser HSV maximal einen Punkt ” erkrampfen” können. Auswärts sieht das nicht anders aus. Und das ist auch jedem Gegner klar. Ohne Struktur, ohne Zug zum Tor und völlig ideenlos präsentiert sich die Mannschaft von Joe Zinnbauer. Es gibt nicht ein Spieler, der in der Lage ist, eine halbwegs vernünftige Flanke in den Strafraum zu bekommen. Ein Trauerspiel und einer Bundesligmannschaft nicht würdig. Spieler wie Diekmeier, Jansen, van der Vaart und Westermann spreche ich jegliche Tauglichkeit ab. Sie können es einfach nicht. Und ich erwarte das auch nicht mehr von diesen Rautenträgern.

 

Was möchte ich Ihnen damit sagen? Ganz einfach – Herr Zinnbauer ist für diese Entwicklung verantwortlich. Sein System mit einer Spitze funktioniert nicht. Noch besser finde ich es, Ivica Olic zu verpflichten, und diesen doch tatsächlich in 3 Pflichtspielen als alleinige Spitze zu bringen. Geht`s noch? Westermann, Jansen, van der Vaart und Müller scheinen einen Freifahrtsschein zu haben. Er stellt angeblich nach Leistung auf. Hört sich gut an, aber spielt auch eventuell das Jahresgehalt eine Rolle dabei? Ein Schelm wer Böses dabei denkt.

 

Kurzum – ich sehe eine starke, negative Entwicklung unter Zinnbauer. Er wirkt unsicher, ideenlos und hat taktische Defizite. Er hatte im Winter die Chance das System umzustellen und hat diese verpasst. Nur mit Motivation wird unser HSV nicht überleben. Das „Gefasel“ nutzt ab und wirkt sehr schnell unglaubwürdig. In München hat er total daneben gegriffen und das Torverhältnis versaut. Na klar, wir haben einige Verletzte. Aber das kann und darf keine Ausrede sein. Ein guter Trainer ist flexibel und hat Ideen. Das spreche ich Herrn Zinnbauer ab.

 

Kurz noch was zu unserem Spielermaterial. Es ist zu lesen, dass der HSV mit Jansen das Gespräch sucht, Westermann möchte gerne wissen wie der HSV im nächsten Jahr dasteht, van der Vaart könnte sich vorstellen weiterzumachen und Diekmeier findet Hamburg auch ganz toll. Ich kann nur hoffen das all diese Spieler keine neuen Verträge beim HSV bekommen. Westermann ist das Allerletze (Unsicherheitsfaktor Nummer 1), Jansen stocksteif und langsam, van der Vaart vor dem Karriereende und Diekmeier total überbewertet. Ich mache mir Sorgen das diese Spieler weiterhin beim HSV rumturnen und den Umbruch aufhalten.

 

So, das soll es gewesen sein. Die Sorgenfalten ziehen sich über unsere Stirn und die Angst geht um. Wie gesagt – wir alle haben die Leistungen während der gesamten Saison gesehen und sollten uns nicht wundern. Dieser HSV unter Zinnbauer ist das technisch schlechteste Team der Liga. Und das liegt nicht nur am „Material“, sondern das liegt auch an der Art und Weise wie „Magic – Joe“ spielen lässt.

 

Arschbacken zusammen und durch – das wird unsere Devise für den Rest der Saison sein. Ich wünsche es mir wie alle im Blog – unser HSV muss erstklassig bleiben. Aber die gezeigten Leistungen lassen doch arge Zweifel bei mir aufkommen.

 

Es grüßt herzlichst mit einem gepflegten „Nur der HSV“,

Ihr K.

 

 

Hallo Dieter,

 

ich höre Dich immer vom HSV-Virus sprechen. Dazu würde ich gerne mal eine Veranschaulichung machen, die vielleicht für alle Beteiligten interessant ist:

 

Warum werden alle Spieler beim HSV schlecht und anderswo wieder gut?? Die Zauberwörter für diese „Blockiertheit“ heißen, wie die meisten wissen, Psychologie und Spielfreude. Was das aber genau bedeutet, muss man sich mal vor Augen halten. Ein erfolgreiches Fußballspiel hängt eben nicht nur von den Leistungsdaten und dem Können der Spieler ab, sondern kann locker über 50% auch reine Psychologie sein. Bestes Beispiel dafür sind z.B. die Vereine, die (zum ersten Mal) aus der 2. Liga aufsteigen. Wie berauscht spielen die dann auf und mischen die erste Saisonhälfte grundsätzlich oben mit (siehe Paderborn diese Saison). Nach einer gewissen Eingewöhnungszeit kommt dann aber die Realität ihrer Klasse durch und sie rutschen ins Mittelfeld oder spielen wieder gegen den Abstieg.

 

Das Gegenbeispiel dafür liefert gerade Dortmund. Sicherlich einer der stärksten Kader Europas momentan. Trotzdem stehen sie ganz unten, weil nach ein paar verlorenen Spielen eben diese Negativspirale einsetzte, die so enormen Druck auf die Spieler aufbaut (vor allem auch durch uns Fans und Medien), so dass nicht nur die unbefangene Spielfreude weg ist, sondern man plötzlich wie blockiert über das Spielfeld rennt und wie ausgewechselt über den Platz läuft. Dagegen ist übrigens kaum jemand gefeit. Das kann auch einem Messi so gehen. Deswegen ist es auch wesentlich schwieriger unten rauszukommen, als oben mitzumischen, wo man beflügelt vom Erfolg ist.

 

Der HSV ist vor einigen Jahren in diese Mühle geraten und leider durch schlechtes Management und stetig wachsendem medialen Druck bis zu solch einem Punkt gestrudelt, wie wir es letzte Saison erlebt haben. Und da immer nur einige neue Spieler kommen, die einer großen desillusionierten Mehrheit gegenüber stehen, kann der Funke durch Neue auch nur schwer überspringen. Und nach ein paar Wochen sind die dann auch dem immensen Druck erlegen, den alle ihnen auflegen. Theoretisch müsste man die komplette Mannschaft mit sämtlichen Umfeld tauschen… (geht natürlich nicht).

 

Was ist jetzt aber die Konsequenz daraus, um das Ganze zu beenden und zu durchbrechen? Spielfreude kann man leider nicht kaufen (Und wenn, hätte der HSV eh nicht genug Geld dafür…). Da liegt es jetzt zuerst vor allem am Trainer und dem ganzen Stab wieder Selbstvertrauen und Spaß in die Leute reinzupumpen. Leider sehe ich Joe immer nur rumschreien. Ich hoffe ernsthaft, dass er auch noch andere Motivationsmöglichkeiten kennt. Denn wenn ich blockiert und verkrampft über den Platz rennen würde, dann würde mich anschreien auf jeden Fall nicht besser werden lassen. Ich finde, es müsste eigentlich in jeder Mannschaft auch Psychologen und Motivationsexperten geben. Am besten für jeden Spieler einen (kleiner Scherz).

 

Am idealsten wäre sicherlich jemand, der jedem sympathisch ist, immer gut drauf ist und Leute mitreißen kann. So ne Mischung aus Hermann Rieger und Hape Kerkeling, oder so. Der würde wie ein Maskottchen dann unentwegt für gute Laune sorgen. Nee, aber mal im Ernst, dieses Ding mit Spielfreude, Psychologie und Motivation wird meines Erachtens viel zu wenig beachtet. Bei den Geldern, die im Fußball hin- und hergeschoben werden, verwundert es mich wirklich sehr, dass da nicht mehr getan wird. Könnte man doch eine eigene Forschungsabteilung zu gründen. Rechnen würde sich das für die Zukunft auf jeden Fall…

 

Ich finde aber auf jeden Fall, dass wir als Fans und Medien auch etwas tun können. Ich würde ein wenig vorsichtig sein, diese Leute jetzt negativ zu reden, ihnen ihr Können abzuschreiben, auf sie einzuhacken oder sie auszupfeifen. Eines ist sicher, dadurch wird es nur noch schlimmer. Und dann ist jeder von uns Mitschuld an der Misere oder gar dem Abstieg. Also: von außen unterstützen, motivieren, anfeuern und zeigen, dass man hinter ihnen steht. Und jetzt erst recht Party machen im Stadion!!! Das ist dann unser aller Beitrag.

 

Gruß T

 

PS: Den aktuellen Blog von “Scholle” findet Ihr natürlich immer noch hinter diesen Briefen der HSV-Anhänger.

 

14.09 Uhr

Die Feiertage beim HSV fallen sicher kürzer aus

22. Dezember 2014

So, es ist Zeit für einen umfassenden Jahresabschluss. Beim HSV auf der Geschäftsstelle sitzen die Granden zusammen und beraten ihre Möglichkeiten. Mindestens ein neuer Stürmer soll es werden – mindestens drei Abgänge werden erwartet. Wobei, bei dem Neuen soll es sich nach Möglichkeit um einen talentierten Youngster drehen, den man in Hamburg zum großen Stürmer aufbaut. So, wie es dem Vernehmen nach der frisch eingebürgerte Däne Pione Sisto vom FC Midtjylland werden könnte. Oder wie man es sich vor Jahren auch von Levin Öztunali im offensiven Mittelfeld versprach.

Obwohl: Wirklich auch Öztunali?

Ich sage eher nein. Denn der junge Mittelfeldmann hat sich seinerzeit trotz der Bemühungen des HSV gegen seine Heimatstadt entschieden. Dass er sich damit auch gegen den Klub seines Opas entschieden hatte, okay – aber ich finde diesen Umstand ehrlich gesagt unerheblich. Dieser Fakt sollte höchstens familienintern zum Thema werden. Der Rest muss sportlich abgewogen werden. Und deshalb war für mich damals wie heute nur interessant, ob er es schaffen könnte und dann, weshalb sich Öztunali eben nicht für den HSV entschieden hat. Was der ehrenwerte Opa dazu sagt ist mir dabei ebenso wichtig wie die Meinung von Mama Ilicevic, ob ihr Sohn im Winter wechseln oder doch besser bleiben sollte. Und das meine ich absolut nicht despektierlich dem HSV-Idol gegenüber – sondern mal völlig losgelöst von allen unerheblichen Emotionen drumherum.


Nein, Levin Öztunali muss individuell und komplett losgelöst von allen familiären Umständen analysiert werden. Sollte er anschließend sportlich tatsächlich als Hilfe eingestuft werden können, muss der SV aktiv werden. So wie vor dessen Wechsel zu Bayer Leverkusen. Damals wollte der HSV den Youngster halten, musste sich aber dem Familienentscheid und somit dem finanziell sehr verlockenden Angebot Bayer Leverkusens beugen. Der Werksklub hatte damals „intensiv“ nachgeholfen, die Meinung des Vaters in Richtung Bayer zu lenken. Mit Erfolg. Während Sohnemann Levin sportlich den Durchbruch verpasste, ist Vater Mete beim Champions-League-Teilnehmer angestellt. Dass damals Handgelder geflossen sein sollen – so what…?! Bei welchem ablösefreien Wechsel (und selbst bei den meisten anderen) läuft das nicht so?

Nein, damals ist einiges zwischen den Öztunalis und dem HSV kaputtgegangen. Von beiden Seiten. Und dennoch bin ich mir sicher, dass der HSV Levin auf dem Schirm hat und über dessen Leistungsstärke im Klaren ist. Dass man sich aktuell dennoch nicht bemüht hat, sollte man nicht gleich als Versäumnis werten. Das kann sportlich durchaus sehr nachvollziehbar begründet sein. Immerhin hat Levin seinen Durchbruch bei Bayer in 18 Monaten nicht geschafft. Ob es an der übermächtigen Konkurrenz oder seiner mangelnden Entwicklung liegt, weiß ich nicht. Aber sechs Kurzeinsätze waren es für den einstigen HSV-Junioren-Nationalspieler in dieser Saison. Erst. Was nicht für ihn spricht. Ebenfalls ungewöhnlich: Jetzt leiht ihn sein Klub gleich für lange 18 (!) Monate an Werder Bremen aus. So überzeugt ist man bei Bayer von seinem Youngster offenbar doch (noch) nicht.

Trotzdem, natürlich wäre es eine schöne Geschichte gewesen, wenn der Enkel Seelers in Hamburg dessen Erbe angetreten hätte. Er hat es aber nicht, weil er zum einen noch nicht so weit ist und zum anderen, weil ein anderes Angebot schlichtweg interessanter für ihn und seine Familie war. Punkt. Und damit ist das Thema für mich auch schon durch. Mir bleibt diesbezüglich nur noch zu sagen: Levin, ich wünsche Dir auch weiterhin nur das Beste. Vor allem aber wünsche ich Dir, dass Du es irgendwann schaffst, endlich als der Fußballprofi Levin Öztunali und nicht mehr als „Enkel von Uwe Seeler“ wahrgenommen zu werden. Ob bei Bayer, Werder, HSV oder sonstwo auf diesem Erdball…

Wichtiger ist für mich aktuell, dass der HSV seither gelernt hat, sein Konzept, junge Spieler hochzuziehen, auch mit Leben zu füllen. Während früher Talente wie Sam, Ben-Hatira, Meier sowie Kruse (bei Vier- und Marschlande) und vor allem Choupo-Moting aus den verschiedensten und leider oft vermeidbaren Gründen die Hansestadt verließen, setzt Trainer Joseph „Joe“ Zinnbauer heute auf eben jenen Nachwuchs. Das Jugendkonzept ist nicht mehr nur theoretisch, es wird gelebt. Ashton Götz, Ronny Marcos und Mohamed Gouaida haben sich in den Kader gespielt und werden bei der U23 auch für die Rückrunde als „Abgänge nach oben“ bewertet. Sie haben sich durchgesetzt. Ob sie oben bleiben, hängt an ihnen selbst. Und daran, was der HSV im Winter personell umsetzen kann. Mindestens zwei Spieler sollen gehen wollen (Jansen und Arslan), zwei sollen weg (Ilicevic, Nafiu) und weitere Spieler (Rajkovic, Kacar, Jiracek, Adler) sind verhandelbar.

Sicher los ist der HSV seinen ehemaligen Trainer Mirko Slomka. 1,8 Millionen Euro Abfindung kassiert der im September entlassene Trainer. Viel Geld für einen Verein, der sich gerade neu aufstellen muss, nachdem Klaus-Michael Kühne seine Anteilsoption verstreichen ließ und den HSV um 25 Millionen (zzgl. 4% Zinsen/anno) ärmer macht. Und dass die HSV-verantwortlichen dennoch optimistisch sind, die Lizenz in der kommenden Saison zu erhalten, hat einen einfachen Hintergrund: Offenbar rechnen beim HSV alle damit, dass Kühnes Rückzug der Türöffner für andere Investoren/Gönner/strategische Partner) sei. Viele potenziell interessierte Unternehmer seien bislang immer zurückgeschreckt, wenn es hieß, dass Kühne mit an Bord sei. Alexander Otto beispielsweise soll seit Bekanntwerden der Kühne-Absage durchaus überlegen, ob er beim HSV einsteigt. Selbst der HSVPlus-Gegner Eugen Block hat sein Interesse signalisiert, beim HSV einzusteigen. Allerdings, bevor hier jetzt verfrühter Jubel aufkommt: Bei Otto stecken die Gespräche noch in den Kinderschuhen. Und bei Block ist es bislang lediglich ein intern bekannt gemachtes Interesse. Gespräche über Anteilsverkäufe an den Hamburger Geschäftsmann gab es noch nicht. Zumindest aber gibt es Alternativen zu Kühne, dessen Beweggründe ich nach wie vor nicht nachvollziehen kann. Aber ich klammere das Thema weiterführend heute lieber noch mal aus. Das ist ein Thema für einen eigenen Blog. Sicher auch schon in den nächsten Tagen.

Bis dahin könnt Ihr und werden wir diskutieren, inwieweit Manfred Ertels Antrag für die MV im Januar Sinn macht. Der ehemalige AR-Vorsitzende fordert, dass in Zukunft automatisch der Präsident des e.V. auch AR-Vorsitzender der AG. wird. Soll heißen, Jens Meier würde fortan Karl Gernandt ersetzen. Und so sehr ich davon ausgehe, dass in den nächsten Tagen wieder mächtig viel über vereinspolitische Themen diskutiert wird. muss ich zugeben, ich halte den Vorschlag für durchaus sinnvoll. Schon allein, weil ich unter den aktuellen Voraussetzungen den Vorsitz Gernandts weiterhin für unglücklich halte. Aber was meint Ihr?

Auf jeden Fall wird es beim HSV auch über die eigentlich so besinnlichen Feiertage nur sehr bedingt ruhig werden. “Wer braucht schon viel Akku”, hatte Zinnbauer gefragt. Jetzt wissen wir auch, warumm. In diesem Sinne, wir bleiben dran, Ihr hoffentlich auch. Bis morgen,

Scholle

Nicht im P.S., aber thematisch als alleinigen Punkt hinten möchte ich doch noch mal zwei Dinge loswerden. Erstens war ich am Sonntag sehr berührt von der Nachricht, dass Udo Jürgens gegangen ist. Der Mann, den ich auf einer Postkarte im Flurbereich meiner Oma jahrelang sah und bei ihr im Wohnzimmer zuerst hören musste und später dann hören durfte. Heute lief bei mir „Der Mann mit der Mütze geht nach Haus“, als ich von den Mopo-Kollegen erfuhr, dass Fritz Sdunek gestorben ist. Zwei Tage, an denen wir zwei ganz Große ihres Faches gehen lassen mussten – sie aber dennoch nie vergessen werden. Ich zumindest nicht.

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