Archiv für das Tag 'Seeler'

Hrubesch und Jahn: In der HSV-Nachwuchsarbeit fehlt es an Ehrlichkeit und Kompetenz

22. März 2013

Nichts. Kein Spieler, kein Funktionär, kein Training – beim HSV passiert aktuell nichts. 15 Akteure schnüren ihre Fußballschuhe für ihr jeweiliges Land – der Rest macht frei. Michael Schröder nicht. Der muss arbeiten. Und das nicht zu knapp. Der neue Nachwuchsleiter tritt ein hartes Erbe an. Und dafür bedarf es eigentlich Tage, die 25 Stunden haben. Und er braucht Hilfe von außen, von Leuten, die in diesem Bereich lange arbeiten und die Hamburg kennen. So einer wäre Horst Hrubesch. Das HSV-Idol der Achtzigerjahre war am Montag zu Gast in Hamburg. Einige Blogger waren beim Oddset-Talk mit dem Hamburger Fußballverband und Dieter Matz auch dabei. Und die meisten haben sich immer wieder gefragt: Warum hat er HSV nie versucht, Horst Hrubesch zum HSV zu lotsen? Zumindest habe ich mir und den HSV-Verantwortlichen genau diese Frage schon des Öfteren gestellt.

Immerhin verfügt Hrubesch, der von 1978 bis 1983 beim HSV spielte und Torschützenkönig („Banane Manni – ich Kopf – Tor“) der Saison 1981/1982 wurde, arbeitet mit einer Unterbrechung seit 1998 für den Juniorenbereich des DFB. Die kurze Ära als Co-Trainer von Erich Ribbeck bei der EM 2000 lasse ich mal unerwähnt… Egal wie, auf jeden Fall aber ist Hrubesch seit nunmehr fast 15 Jahren als Angestellter des DFB für den bundesdeutschen Nachwuchs zuständig. Hrubesch war dabei, als der DFB zusammen mit der DFL 2000 das neue Jugendkonzept (Verpflichtung der Bundesligisten zur Errichtung von Leistungszentren sowie Gründung der bundesweiten DFB-Stützpunkte) verabschiedete. Und er ist beim HSV noch immer sehr nah. Obgleich es ihm nicht leicht gemacht wird.

Was im ersten Moment parteiisch aufgeschrieben wirkt, ist tatsächlich meine Überzeugung. Und die habe ich in nunmehr dutzenden Gesprächen mit den verschiedenen Verantwortlichen, von dem viel zu früh verstorbenen Werner Hackmann, Holger Hieronymus, über Bernd Hoffmann und Dietmar Beiersdorfer bis zum heutigen Klubboss Carl Jarchow samt Frank Arnesen gewonnen. Alle wie sie da waren und noch immer sind, haben die Sinnhaftigkeit erkannt, mit ehemaligen Größen den Nachwuchsbereich qualitativ anzuheben. Nur erkennbar gemacht hat bislang keiner was. Oder besser: es wurde zu wenig gemacht. Horst Hrubesch beispielsweise wurde nur einmal um Rat gebeten. „Dietmar Beiersdorfer hat mich mal gefragt, ob ich dem HSV helfen würde. Ich habe natürlich ja gesagt und wir haben gesprochen.“ Allerdings genau einmal. Ansonsten gab es nur losen Kontakt. Ausgenommen diesen einen Anruf von Hoffmann vor den Halbfinals in der Europa League, über den Hrubesch heute lieber nicht mehr sprechen will…

Nein, als Übergangslösung ist Hrubesch nicht zu haben. Im Gegenteil. Das einstige Kopfballungeheuer setzt auf Konstanz, hofft genau darauf auch bei seinem HSV. „Es ist nicht wichtig, ob ich da bin oder jemand anders“, sagt Hrubesch, „es zählt nur, dass der Verein eine einheitliche Philosophie vertritt. So, wie es am Anfang der Saison 2011/2012 wirkte. Von Oenning bis hin zu Fink setzte der Verein auf junge Trainer und junge Spieler.“ Ein Umstand, der ebenso aus der Not heraus geboren war, wie er Hrubesch gefiel. „Es wirkte einheitlich und klar. Aber diesen Weg muss man klarer gehen, der muss deutlicher erkennbar werden.“ Rafael van der Vaart, Milan Badelj und Petr Jiracek passten da nicht sofort ins Bild, das sich weiter verziehen könnte. Hrubesch: „Jetzt muss der HSV zu Bayern und hat danach auch noch einige unangenehme Aufgaben vor sich. Welchen Weg geht der HSV, wenn er sich nicht international qualifiziert?“

Horst Hrubesch macht sich Sorgen. Das bundesweit kolportierte Bild vom HSV („Ich beurteile das natürlich nur als Außenstehender“) gefällt ihm nicht. Gerade das Thema Nachwuchsarbeit, sein Steckenpferd, bereitet ihm Kopfzerbrechen. „Ich frage mich oft: Was passt da überhaupt?“ Insbesondere der Fall Levin Öztunali habe ihn wieder aus allen Wolken gerissen. „Dass der Junge ein richtig Guter ist, war lange vorher bekannt. Trotzdem hat sich der HSV erst spät bemüht. Dass der Spieler dann aber, wo sein Vertrag am Saisonende ausläuft, für einen anderen Club entscheidet, halte ich für völlig legitim. Nicht aber, ihn fortan vom Spielbetrieb auszuschließen. Da verstehe ich Uwe, dass er sauer wird. Mit dieser Art habe ich auch ein Problem. Welches Elternteil vertraut diesem Verein – bei der heutzutage so großen Konkurrenz – denn seinen Jungen an, wenn so etwas passiert? Da herrscht einfach kein Vertrauen. Da fehlt mir Ehrlichkeit.“

Die Vertrauensbasis zerstört ist auch zwischen dem HSV und dem Hamburger Fußballverband. Vor knapp zwei Jahren hatte sich der HSV von der Abstellung seiner Spieler für das Verbandstraining losgesagt – und war damit auf Konfrontationskurs mit Verbandstrainer Uwe Jahn gegangen. „Ich habe viel unternommen, Gespräche gesucht und geführt – alles erfolglos. Jetzt führe ich keine Gespräche mehr, sofern der HSV kein Interesse daran annonciert.“ Einzig mit einigen Trainern aus dem HSV-Nachwuchsbereich habe sich das Verhältnis normalisiert, dort würden Spieler das Verbandstraining besuchen dürfen. „Aber ansonsten verhält sich der HSV äußerst ungeschickt“, so Jahn, der vor allem mangelnde Kompetenz beim HSV ausgemacht hat. „Mir fehlt bei den handelnden Personen die Kompetenz und vor allem die Kenntnis, bei den Jugendlichen Prognosen zu stellen.“ Umso bitterer sei es, dass sich der HSV durch sein Abkanzeln auch die Hilfe der Verbandstrainer nimmt. „Die Ausbildung ist lückenhaft. Mentale Ausbildung kaum gegeben“, kritisiert Jahn Dinge, die inzwischen allseits bekannt sind. Dabei sieht sich der HSV doch korrekterweise als Wirtschaftsunternehmen. Er handelt nur nicht danach. Denn in jedem größeren Unternehmen würde eine Analyse der Schwachstellen vorgenommen und dort investiert, wo die Prognose am besten ist.“ Insofern wundere es ihn nicht, dass der HSV seinen Nachwuchsetat weiter zusammenkürzt. „Und das in einer finanziell derart angespannten Phase, wo der HSV quasi verpflichtet ist, insbesondere diesen Bereich zu stärken.“

Von Außenstehenden ist tatsächlich nur sehr wenig Gutes zu hören über den HSV-Nachwuchs. Und auch ehemalige Mitarbeiter sprechen von eher wachsenden Problemen. Die Hoffnung, dass Michael Schröder diesen Problemberg beheben kann, ist bei vielen nur gering. Und das weniger, weil man es dem Ex-Profi nicht zutraut. Jahn: „Nein, beim HSV fehlt eine klare Philosophie, die vom Präsidenten oder in diesem Fall vom Vorstandsvorsitzenden mitgeteilt und ausgegeben wird. Und vor allem muss der Club zu dieser Philosophie stehen. Und das ist nicht der Fall. Wie sonst ist es zu erklären, dass seit Jahren aus Hamburg kaum mehr was kommt? Aktuell haben wir noch Jonathan Tah in der U17, der beim HSV spielt. Anschließend wird es in den Nationalmannschaften aber schon sehr dünn.“ Dass dies zu Zeiten Beiersdorfer/Hoffmann anders war, will Hrubesch nicht gelten lassen. „Damals hat man sich die Talente aus Berlin geholt, eingekauft. Aber ausgebildet wurden die nie in Hamburg. Der HSV hat es nicht geschafft, Spieler wie Sam, Beister, Ben-Hatira, Torun und Schahin auszubilden. Das mussten sich die Spieler alle woanders holen.“ Wenn er eine Frage frei hätte, was er die HSV-Verantwortlichen fragen würde: „Ganz einfach, ich würde fragen, was der HSV vorhat und wie er das erreichen will…“

Eigentlich wollte ich heute Michael Schröder zu all diesen Punkten befragen. Immerhin hat er eine faire Chance absolut verdient. Und wer weiß, vielleicht hat der sympathische Ex-HSV-Profi ja genau diese Baustellen auf dem Zettel und sucht nach Lösungen. Zuzutrauen ist es ihm allemal. Leider konnte ich ihn nicht erreichen. Aber das werde ich nachholen. Ganz klar. Zum einen, um die Berichterstattung zu einem derart wichtigen Thema wie der Nachwuchsarbeit nicht einseitig werden zu lassen. Zum anderen aber, weil ich die Hoffnung (so naiv das sein mag) einfach nicht aufgeben will, dass die seit etlichen Jahren bekannten Probleme irgendwann auch beim HSV angegangen werden. Ob mit oder ohne Hrubesch, das ist mir dabei fast egal. Es geht um die Sache. Ich habe es nur satt, dass alle immer alle Probleme erkennen – aber niemand etwas dagegen unternimmt. Der HSV muss endlich einen starken Mann in den Vorstand holen, der die Nachwuchsarbeit zur Chefsache erklärt und der die Nachwuchsphilosophie vorgibt und vorlebt. Einen, der den Weg konsequent durchsetzt und dabei die nötige Zeit und vor allem die nötige Rückendeckung im Vorstand hat. Es wäre ein Anfang – auch, wenn das nur der erste Schritt von vielen wäre…

So, damit schließe ich den ‚Dreiteiler Nachwuchsarbeit’ und übergebe an Dieter, der morgen wieder für Euch da ist. Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende und hoffe, dass wir in den Spielen der deutschen Nationalmannschaft gezeigt bekommen, wie schön es aussehen kann, wenn Talente optimal gefördert werden…

In diesem Sinne, schönes Wochenende,
Scholle

Das Ziel: Mit einem Sieg oben festsetzen

14. März 2013

Thorsten Fink hat sich – relativ – früh entschieden. Für die „Doppel-Sechs“, damit für Tomas Rincon und Milan Badelj. Und vorne rechts, soll ich besser schreiben, im vorderen rechten Mittelfeld, kommt Heung Min Son wieder zum Zuge – und der zuletzt in Stuttgart sehr starke Per Ciljan Skjelbred wird wieder auf der Bank Platz nehmen. Eine harte Entscheidung, aber wenn der HSV dadurch einen Dreier einfährt, dann redet davon spätestens am Montag keiner mehr. Oder nur noch einer . . . Unser „Matz-abber“, der ein ganz spezieller Skjelbred-Betreuer geworden ist. Aber da müssen nun alle durch. Und Skjelbred hat ja bereits vor einer Woche fair gesagt: „Wenn es denn zum Wohle der Mannschaft ist . . .“ Und das ist es ja wohl. Ein Sieg muss am Sonnabend gegen den FC Augsburg her, und wenn es nur ein 1:0 geben sollte.

„Das Reh springt nicht von allein in das Maul des schlafenden Löwen.“ Das hat einst Thorsten Fink in Hamburg gesagt. Es ist nicht sein Spruch, aber er hat ihn hier (im vergangene Jahr) neu aufgelegt. Und daran sollten sich vor diesem so wichtigen Spiel alle Spieler orientieren. Es darf sich das Gekrampfe vom letzten Heimspiel, in dem es ein 1:1 gegen den Tabellenletzten Greuther Fürth gab, nicht wiederholen. Nur mit einem HSV-Sieg darf weiter geträumt werden. Offen sogar. Heute sagte es der Kapitän. Heiko Westermann forsch: „Wir wollen unter den ersten sechs Clubs bleiben.“ Klar. Wenn man schon mal so weit gekommen ist. Und ich habe den Eindruck, dass sich die Mannschaft nun doch mehr und mehr mit Europa beschäftigt – und dass dazu auch gleichzeitig die Entschlossenheit, diesen Platz dann auch tatsächlich erreichen zu wollen, längst gestiegen ist. Bei allen. Oder bei fast allen.

Westermann: „Unser Ziel war ja nie Europa. Die Konstellation aber ist jetzt so, dass wir uns nun mit einem Sieg in diesem Heimspiel da oben festsetzen können. Ich glaube, dass es bis zuletzt einen Kampf darum geben wird, wer sich für Europa qualifiziert, aber wir wollen dabei bleiben. Und das ist der Anreiz dieser Saison, wir wollen wieder um etwas mitspielen. Jeder will natürlich versuchen, unter die ersten sechs zu kommen, aber es ist ja jetzt auch nicht so, dass wir das zum Ziel ausgegeben haben.“ Was in meinen Augen ja auch gar nicht nötig ist, Die Hauptsache ist doch die, dass sich alle Spieler nun darum bemühen. Dass auch jeder alles dafür tun wird und will, um diese gute Sache zu erreichen – fast hätte ich geschrieben, um diese Sensation zu schaffen. Durch ein permanentes Gesabbel hat es noch kein Verein geschafft, einen internationalen Startplatz zu erreichen. Und da kommt es dann wieder ins Spiel, dieses springende Reh – und der Löwe und das Löwenmaul. Den Hintern aufreißen, das ist jetzt in den letzten neun Spielen gefragt. Und das hat, so glaube ich, die Mannschaft auch verinnerlicht.

Heiko Westermann auf meine Frage, ob der HSV denn auch in Europa spielen könnte, so die Qualifikation erreicht wird (was ihm von vielen Experten ja seit Wochen abgesprochen wird): „Darüber müssen wir nun gar nicht diskutieren. Ich glaube, dass die Bundesliga absolut die stärkste in Europa ist, da brauchen wir uns vor keinem zu verstecken. Und wenn wir es schaffen, da einzuziehen, dann haben wir es auch verdient – und dann werden auch in Europa gut mitspielen.“ Das ist ein Wort. Und das sollten jetzt nicht gleich wieder alle missverstehen (wollen) und deswegen auf die Barrikaden gehen. Westermann hat es vorsichtig formuliert. Erst einmal abwarten, ob es gelingt, Platz sechs zu halten. Und dann müsste die Mannschaft ja ohnehin Farbe bekennen, ob sie es kann. Oder nicht. Jetzt allerdings davon zu sprechen, dass dieser HSV einfach zu schlecht für Europa sei, das ist einfach nur Quatsch. Abwarten. Einfach nur mal abwarten. Wer hätte denn gedacht, dass der HSV in dieser Saison nach dem 25. Spieltag auf Platz sechs stehen würde? Siehste wohl!

Gespannt bin ich mal, wie sich der HSV und die Spieler verhalten. Gegen Augsburg – und im Hinblick auf das dann folgende Bayern-Spiel in München. Mit Rene Adler, Dennis Diekmeier, Marcell Jansen, Rafael van der Vaart und Artjoms Rudnevs gibt es gleich fünf Spieler, die mit der vierten Gelben Karte verwarnt sind. Eine mehr – und sie fehlen an der Isar. Ratsam, sich diese fünfte Gelbe abzuholen, um dann für den Endkampf um Europa gerüstet zu sein – mit der besten Mannschaft? Auch da gilt: mal abwarten.

Kurz noch zu Maximilian Beister. Er ist total frustriert, das ist ihm beim Training anzumerken, das war beim Testspiel gegen Valerenga Oslo (2:3) überdeutlich zu sehen. So auch heute. Unübersehbar. Deshalb gab es schon die Vermutung, dass der Trainer den „maulenden“ Beister eventuell nicht mit den Kader für das Augsburg-Spiel nehmen würde. Das aber stellte Fink klar: „Nein, das ist nicht der Fall. Ich habe immer gesagt, dass sich Spieler im Training aufdrängen können, und Heung Min Son hat gut gearbeitet, hat auch gut gespielt – und deswegen spielt er auch am Sonnabend. Das ist immer so, der Spieler erhält die Quittung für seine Leistung im Training.“

Dass sich Thorsten Fink auch wieder für die „Doppel-Sechs“ entschieden hat, halte ich persönlich für genau die richtige Entscheidung. Hinten gut stehen, vorne konzentriert die Chancen nutzen. Fink will auch, wie vor dem Stuttgart-Spiel, dass die Null wieder hinten steht: „Denn vorne schießen wir eigentlich immer mindestens ein Tor.“ Das wurde heute im Training geübt, und der Coach funkte lautstark dazwischen, als die Reservisten eine Großchance auf dem Stiefel hatten: „So etwas müssen wir vermeiden, wir dürfen nicht schon wieder nach zehn Minuten mit 0:1 zurückliegen und dann dem Gegner hinterher laufen . . .“ Auch das wissen die Profis nun. Und die Zuschauer? Fink: „Je länger es 0:0 steht, umso ungeduldiger werden die Fans. Wir haben aber gute Fans, und die pfeifen höchstens mal nach dem Spiel . . . Und das dürfen sie denn auch.“ So es dann nicht zu einem HSV-Sieg gereicht hat. Aber davon gehe ich diesmal nicht aus.

Kurz noch ein Schlenker zur „Sache“ Uwe Seeler. Ehrenpräsident, oder nicht Ehrenpräsident, das ist her die Frage. Thorsten Fink dazu: „Uwe Seeler ist immer HSV, aber wenn er das Amt nicht haben will, dann ist das sein gutes Recht. Deswegen bleibt er doch für immer HSV.“ Da kann kommen was will. Sagt auch Heiko Westermann. Wenn ich dazu noch etwas sagen darf: Uwe Seeler hat schon seit Jahren ein Denkmal im Volkspark, er ist Ehrenbürger von Hamburg, Ehrenspielführer von Deutschland, und, und, und. Auf ein solches Amt beim HSV kann er sicher verzichten. Was ich allerdings schon länger, schon seit Jahrzehnten, gemacht hätte, ist das: Uwe Seeler gehörte in diesen, in seinen HSV stärker eingebunden. Viel, viel stärker. In irgendeiner Form. Das muss ganz sicher nicht Ehrenpräsident sein. Aber ein Uwe Seeler, der auf der ganzen Welt bekannt ist und seine Freunde hat, ist und bleibt das größte Aushängeschild des HSV. Und deswegen müsste sie (oder wir) alle ihm viel mehr Aufmerksamkeit und Beachtung schenken.
Kurios, was ich gerade heute dazu erlebt habe: Stadionführung um 13 Uhr. Eine junge Dame, die für den HSV arbeitet (auf Honorarbasis), war mit einer ganz, ganz jungen Gruppe unterwegs. Die Knaben (waren auch Mädchen dabei? Ich weiß es nicht) waren so um die sechs, sieben, acht Jahre. Bevor es in Richtung Kabinen ging, blieb die Gruppe vor den riesigen Fotos von Uwe Seeler, Horst Hrubesch und Jupp Posipal stehen. Da fragte die junge Dame in die Runde: „Weiß einer von euch, wer das hier ist?“ Sie zeigte auf „uns Uwe“. Da meldete sich doch tatsächlich ein kleiner Bubi und sagte kess: „Das ist Uwe Seeler, der war hier früher ein ganz toller Stürmer . . .“ Fein gemacht. Aber woher weiß er das? Ganz sicher von seinen Eltern. Und auch die können Uwe Seeler eigentlich nicht mehr so richtig Tore schießen gesehen haben. Sie wissen das wahrscheinlich auch nur von ihren Eltern. Weil sie alle Uwe Seeler verehrt und geliebt haben. Alle. Von Generation zu Generation.

Deswegen meine ich: Wir alle sollten die Ikone Uwe Seeler pflegen. Seien wir froh, dass wir ihn haben.

PS: Für die beiden nun anstehenden WM-Qualifikationsspiele gegen Kasachsten (22. März in Astana, 26. März in Nürnberg) hat Bundestrainer Joachim Löw die beiden HSV-Spieler Rene Adler und Heiko Westermann nominiert.
Im Aufgebot der deutschen U-21-Nationalmannschaft für die Partie in Israel am 24. März (18.30 Uhr) stehen Tolgay Arslan und Maximilian Beister.

Kurz ein Blick in das gegnerische Lager.

Die Deutsche Presse-Agentur berichtet:

Der FC Augsburg strebt nach dem Dämpfer im Kampf um den Klassenverbleib etwas Zählbares beim HSV an. „Wir haben in Düsseldorf und Bremen gewonnen, deswegen wissen wir, dass wir in der Lage sind, auch auswärts bei einem Favoriten zu punkten“, sagte Trainer Markus Weinzierl. Am Sonnabend laufen die Schwaben beim HSV auf – und sind nach der Heimniederlage gegen den 1. FC Nürnberg besonders motiviert. „Wir fahren mit einer gewissen Wut im Bauch nach Hamburg, weil wir zu Hause die Punkte haben liegen lassen“, erklärte der Trainer, der ein paar Ausfälle zu verkraften hat.

Nach einem Testspiel am Dienstag gegen den Zweitligisten VfR Aalen (3:1) ist der Einsatz von Torsten Oehrl wegen Prellungen und Kopfschmerzen fraglich. Auch bei Torhüter Simon Jentzsch ist offen, ob er mitreisen kann. Er bekam beim Test einen Ball auf seinen lädierten Finger. Sollte er fehlen, würde Ionnis Gelios als Vertreter von Torwart Mohamed Amsif auf der Bank Platz nehmen. Zurück ins Team kehrt nach seiner Gelbsperre Mittelfeldmann Daniel Baier. „Wir haben das Nürnberg-Spiel abgehakt“, sagte Weinzierl mit Blick auf das 1:2. „Wir haben festgestellt, dass wir 110 Prozent brauchen, um ein Spiel zu gewinnen. Selbst 99 Prozent reichen bei uns nicht.“

PSPS: Morgen, am Freitag, wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert. Wie immer.

19.03 Uhr

Adler: „Wir haben noch Potenzial nach oben.“

13. März 2013

Liebe “Matz-abber”, aus trauigem Anlass ist es heute etwas später geworden – sorry, ich war bei der Trauerfeier von HSV-Ur-Gestein Horst Eberstein (darüber berichte ich zum Ende dieses Beitrags).

Zuletzt haben die HSV-Fans wieder jenen Adler zwischen den Pfosten des HSV-Tores hin und her fliegen sehen, wie zu Saisonbeginn. Der beste Neueinkauf des HSV seit Jahren rettete seiner Mannschaft in dieser Spielzeit schon viele Zähler, einige Experten haben acht Punkte errechnet – aber das war vor dem Sieg in Stuttgart. Gegen den VfB hatte Rene Adler wieder einmal eine Weltklasse-Partie gezeigt und dem HSV die Punkte gerettet. Nun also wären es zehn . . . Mindestens, sage ich. Von zurzeit 38. Heute sprach Rene Adler mit uns über sich, den HSV und diese Saison.

Rückblickend verriet er: „Gerade zu Beginn hatten wir uns noch nicht so gefunden, da waren noch einige Positionen vakant. Und dass man da als Torhüter zwangsläufig einige Aktionen mehr hat, das ist normal. Man hat viel mehr zu tun, bekommt zudem auch mehr Rückpässe und man steht mehr im Fokus, mehr im Brennpunkt. Im Lauf der Hinrunde haben wir uns dann aber stabilisiert, und trotzdem gab es natürlich Spiele, in denen du als Torhüter in den entscheidenden Situationen die Weichen stellen musst. Und da ist es immer schlecht, wenn man, wie gegen Fürth, durch eine Unachtsamkeit schnell mit 0:1 zurück liegt. So etwas prägt das ganze Spiel. Und da ist es wichtig, als Torhüter in den wichtigen Situationen präsent zu sein, damit die Mannschaft nicht in Rückstand gerät.“ In Stuttgart hat das ganz hervorragend geklappt – die Null stand hinten.

So gesehen ist die Saison ja fast perfekt für Rene Adler gelaufen. Er hatte immer gut zu tun – und konnte sich, bis auf das 1:5-Debakel in Hannover, immer auszeichnen. Adler: „Für mich ist es das Schönste, wenn wir gewinnen, und wenn wir dann zu null spielen, dann ist es sogar perfekt. Wenn man kein Gegentor kassiert hat, dann hat man einen guten Job gemacht, dann hat man nicht so viel verkehrt gemacht.“ Generell befindet er zu seiner Mannschaft: „Man erkennt eine Gesamt-Entwicklung. Wir machen das, was der Trainer verlangt. Unser Spiel ist sehr, sehr stark auf Ballbesitz ausgelegt, wir sind darauf bedacht, nicht die Ruhe zu verlieren, dass wir den Ball oft zirkulieren lassen und die Lücke zu suchen, um uns Möglichkeiten zu erspielen. In der Hinrunde sind wir manches Mal noch zu hektisch gewesen, da haben wir manches Mal einen Ball gespielt, wo wir besser noch einmal hinten herum gespielt hätten. Um einfach die perfektere Lücke zu finden. Das machen wir inzwischen schon sehr gut, in Stuttgart zum Beispiel hat das sehr gut geklappt, da haben wir das schon ganz gut gemacht.“

Rückblickend auf den 1:0-Sieg in Stuttgart befand der Nationaltorwart noch. „Ich bin kein Freund von Vergleichen zwischen den Spielen, aber wie wir auswärts in Dortmund aufgetreten sind, von der Bewegung her, von der Kompaktheit, vom Nachpressen her, wo wir sofort attackiert haben – da konnte sich kein Stürmer der Dortmunder drehen, ohne einen Gegenspieler von uns im Nacken zu spüren. Das sind die elementaren Dinge, die wir gegen jeden Gegner beherzigen müssen – und da denke ich, dass wir auf einem guten Weg sind. Die Aufs und Abs, die es bei uns noch gibt, die sind dadurch bedingt, dass wir eine junge Mannschaft haben. Und dass wir in einer Saison sind, von der keiner so genau wusste, wohin es mit uns geht. Und das muss man uns als Mannschaft und als Verein auch zugute halten, dass wir uns aus eigener Kraft stabilisiert haben – und jetzt auf Platz sechs stehen. Mit Blick nach vorne. Das ist eine Geschichte, zu der man sagen kann, dass bei uns jetzt und auch deswegen keiner abhebt, denn wir wissen, dass wir noch Potenzial nach oben.“

Um „sein“ Hannover-Spiel zu verdrängen, hat Rene Adler einige Dinge ganz bewusst gemacht. Er sagt: „Ich habe mir Zeit für mich genommen, mehr Raum für Erholung und Regeneration genommen. Einfach mal einen Spaziergang mit Frau und Hund zu machen, weniger Fußball im Fernsehen angucken – das habe ich mir gegönnt. Ich schaue mir Spiele der Champions League an, aber ich bin weit entfernt davon, mich zu Hause vom Fußball berieseln zu lassen. Da konzentriere ich mich dann doch komplett auf unser Spiel, und ich habe meinen Fokus auch komplett auf das Training gelegt.“ Und was da speziell? Adler: „Ich habe viele Sachen ganz bewusst gemacht. Hab die Bälle bewusst gefangen, habe Bewegungsabläufe ganz bewusst gemacht, habe Krafttraining ganz bewusst gemacht, habe mich bewusst ernährt. Das ist einfach eine Sache, dass man sich mal irgendwie überprüft – auch gerade jetzt im Erfolg.“

Dann ergänzt Rene Adler noch: „Es ist immer schade, dass man ein solches Spiel wie dieses 1:5 in Hannover braucht, auch als Mannschaft. Aber ich habe schon gesagt, dass ein solches Erlebnis für die Entwicklung einer Mannschaft oftmals reicher im langfristigen Ertrag, als mal ein 1:1, mal ein 2:1 oder wenn man zwei Spiele in Folge 1:2 verliert. Man kann das noch so oft betonen: Wenn wir nicht 100 Prozent spielen, der einzelne, dann haben wir Probleme gegen jeden Gegner. Wir sind nicht eine Mannschaft wie Bayern München, die mit 70 oder 80 Prozent die Spiele gewinnt. Aber das ist auch okay, nur muss das auch jeder von uns wissen, damit er am Wochenende auch 100 Prozent abruft.“

Ich bitte sehr darum. Schon an diesem Sonnabend. Alle bei 100 Prozent. Das wäre doch was. Dann hätte der FC Augsburg hier nicht viel zu lachen. Und erst recht nicht zu feiern . . .

Kurz noch einig positive Dinge der personellen Art:

Michael Mancienne hat heute erstmalig wieder mit der Mannschaft trainiert. Der Innenverteidiger sagte: „Ich fühle mich gut und möchte mich für das Bayern-Spiel in 14 Tagen nicht nur anbieten, sondern auch mit guten Trainingsleistungen anbieten.“
Marcus Berg soll am Donnerstag wieder ins Training einsteigen, Jaroslav Drobny war heute schon wieder dabei, laufend im Volkspark unterwegs waren Ivo Ilicevic und Zhi Gin Lam, der an diesem Donnerstag wieder mal auf dem Trainingsplatz zu sehen sein wird – allerdings nur mit Reha-Trainer Markus Günther. Gelaufen sind heute auch nur Heiko Westermann und Milan Badelj (Fußprellung), beide Spieler aber sollen auch an diesem Donnerstag wieder im Mannschaftstraining zu finden sein.

Nun ein Break.
Das Thema Regionalliga, HSV und Abstieg wurde in den letzten Tagen ja (von einigen) diskutiert, und dazu habe ich nun auch Thorsten Fink gefragt. Was denkt der Profi-Trainer über einen eventuellen Abstieg der Zweiten? Fink: „Es ist klar, dass mir ein Abstieg natürlich nicht gefallen würde, aber trotz der prekären Lage glaube ich, dass die Mannschaft da unten aus der Abstiegszone noch rauskommen wird. Die Zweite hat ein Trainerteam, das ruhig und sehr gut arbeitet – und natürlich bekommen sie in Zukunft von uns auch mal den einen oder anderen Spieler, denn es wäre schon wichtig, dass wir die Klasse halten.“ Warum ist es wichtig, dass die Regionalliga erhalten bleibt? Fink: „Weil sonst der Unterschied zwischen den Klassen zu groß wird. In der Regionalliga wird auf einem höheren Niveau als in der Oberliga gespielt, das ist doch klar, und da oben werden die Spieler natürlich mehr gefordert. Und das käme ihnen dann zugute, wenn sie bei uns integriert werden sollen.“ Wer das ist, konnte Fink nicht verraten: „Wir müssen mal schauen. Es dürfen ja auch nur drei ältere Spieler mitmachen, und dann müssen wir sehen, wer in der nächsten Woche hier ist, und wer bei seiner Nationalmannschaft.“ Michael Mancienne aber könnte dort demnächst Spielpraxis sammeln. Fink: „Das müssen die Profis nur annehmen. Das machen die Leute bei Bayern München zum Beispiel auch. Die gehen da nach Verletzungen auch hin, um sich wieder in Form zu bringen.“ Gojko Kacar aber könnte zum Beispiel auch bei Rodolfo Cardoso spielen.

Thorsten Fink: „Eines aber ist unerlässlich, die Spieler müssen es annehmen, dass sie da spielen wollen. Dass sie wissen, dass sie sich dadurch wieder in Form bringen können. Sonst bringt das nichts.“ Ganz genau. Da ist das Parade-Beispiel, wie man es nicht machen soll, immer noch Muhamed Besic, der eher lustlos seinen Stiefel bei der Zweiten herunterspielte. Fink: „Natürlich werden wir vorher mit den Spielern reden. Wir werden ihnen klar machen, dass es besser für den Verein ist, und dass es auch besser für sie ist. Es ist ja besser, dass sie dort ein Spiel haben – bevor sie keinen Einsatz haben.“ Dann fügt der Trainer noch hinzu: „Spiele in der Zweiten sind ja auch noch etwas anders, als unsere Testspiele, wie zuletzt gegen Oslo. In der Regionalliga geht es ja wenigstens noch um etwas.“

Nebenbei bemerkt: Obwohl (oder gerade?) die Regionalliga-Truppe abstiegsgefährdet ist, wurde in der vergangenen Woche Einigung darüber erzielt, den Trainervertrag mit Rodolfo Cardoso zu verlängern. Per Handschlag ist es besiegelt, demnächst wird es auch die Unterschriften geben.

Nun noch zu einem traurigen Thema:

Heute fand die Trauerfeier für Horst Eberstein in Ohlsdorf statt, der am 1. März im Alter von 83 Jahren verstorben ist. Es waren über 250 Menschen gekommen, und drei davon möchte ich explizit einmal hervorheben: Aus St. Petersburg angereist war der ehemalige HSV-Sportchef Dietmar Beiersdorfer (morgen spielt sein Club Zenit in der Europa League gegen den FC Basel!), der „Didi“ kam extra wegen dieser Feier. Aus Frankfurt war FSV-Trainer Benno Möhlmann, einer der besten Freunde des Verstorbenen, angereist, und auch Uwe Seeler war dabei.

Zudem habe ich gesehen: Carl-Edgar Jarchow, Oliver Scheel, Klaus Neisner, Gerda und Horst Schnoor, Jochen Meinke, Richard und Natascha Golz, Rodolfo Cardoso und die gesamte Regionalliga-Mannschaft des HSV, Holger Hieronymus, Jürgen Stars, Stefan Schnoor, Horst Becker, Ronny Wulff, Rudi Kargus, Jürgen Hunke, Heini Deininger, Reinhard Rietzke, Michael Schröder und viele, viele mehr. Neben Bestatter Erwin Jürs sprach auch der frühere HSV-Präsident Dr. Wolfgang Klein, der einst als 19-jähriger Leichtathlet von Eberstein aus Hannover zum HSV gelockt worden ist – und in der kleinen Wohnung der Ebersteins (im Lattenkamp) ein Zimmer (das Zimmer von Eberstein-Tochter Heike!) bewohnte. Klein: „Wir trauern heute nicht über ein HSV-Ur-Gestein, sondern über das HSV-Ur-Gestein.“ Seit 1958 war der gebürtige Berliner Eberstein für den HSV, nein für seinen HSV, tätig – er kannte alle und wusste alles – und er half allen, stand immer mit Rat und Tat parat. Sein Motto: „Da wo andere Menschen ihr Herz haben, da schlägt bei mir die Raute in der Brust.“ Wenn es niemals zutreffend war – auf Horst Eberstein traf es zu. Er wird am Freitag auf dem HSV-Friedhof in Bahrenfeld, in Sichtweite zum Stadion, neben seiner Ehefrau Elfriede beigesetzt.

Mach es gut, Horst, Du warst ein unheimlich feiner Mensch, ein freundschaftlicher und auch oft kritischer Begleiter der journalistischen Szene, mit dem man trefflich streiten und diskutieren konnte – aber stets mit Niveau, immer fair. Dafür danke ich Dir nicht nur, sondern verspreche Dir, dass ich immer nur Positives denke, wenn ich mich an Dich erinnere. Weil es auch nichts Negatives von Dir gibt – da warst ein stets ehrlicher Mensch, der kerzengerade seinen Weg ging. Hut ab vor Deiner großen Lebensleistung – ich vermisse Dich schon jetzt. Du warst einfach nur großartig. Und der Vollblut-HSVer schlechthin – für alle ein Vorbild!

19.21 Uhr

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