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Valon Behrami ist der Hoffnungsträger

10. August 2014

Manuel Neuer ist Fußballer des Jahres geworden. Er hat es ganz sicher verdient. Obwohl für mich Marco Reus bislang in diesem Jahr der beste deutsche Fußballer war, aber das ist ja auch Geschmackssache. Vom HSV ist es jedenfalls keiner geworden. Wie schon so lange nicht
mehr. Weiß eigentlich jemand von Euch, welche HSV-Spieler zuletzt Deutschlands Fußballer des Jahres war? Natürlich werden es die meisten wissen: Uwe Seeler. Na klar. Er war es sogar dreimal. 1960 der erste Fußballer des Jahres, dann 1964 und 1970. Eine großartige Leistung, wobei ich das nur noch mal erwähne, weil die Jugend von heute ja oftmals gar nichts mehr mit Uwe Seeler anfangen kann. Was ich so sehr bedaure, denn dieser Mann hat Großes für den HSV, für Hamburg und für Fußball-Deutschland geschafft. Und dass es nach ihm keinen anderen Hamburger mehr gegeben hat, das spricht für sich selbst – und selbstverständlich für „uns Uwe“. Deswegen ist es eigentlich so schade, dass sich HSV-Fans so erregen, wenn sich Uwe Seeler zu seinem HSV äußert. Wenn nämlich einer so etwas sagen und machen darf, dann ist es Uwe Seeler, der steht über allen Dingen – aber ich weiß sehr wohl, dass das lange nicht mehr von allen so gesehen wird. Schade, schade, wie ich finde, aber das ist wahrscheinlich der Lauf der (Fußball-)Welt. Irgendwann wird es auch Franz Beckenbauer so ergehen, die Anzeichen dafür gibt es schon heute . . .

 

So, zum HSV. Das heißt, noch nicht so ganz. Heute war Ruhetag im Volkspark. Da es aber so ganz ohne Fußball irgendwie ein schrecklicher (Sonn-)Tag für mich ist, sah ich mir am Vormittag USC Paloma gegen Curslack-Neuengamme an, Oberliga Hamburg. Wer es wissen möchte: 3:2 für die Täubchen. Die neuerdings auf Kunstrasen spielen dürfen, es war der erste Heimsieg in einem Pflichtspiel auf dem neuen Untergrund. Komisch zu sehen, den Platz an der Brucknerstraße, der ganz früher schwarz und dann rot war – Grand natürlich. Einiges davon habe ich heute noch im Oberschenkel . . . Warum ich dieses Spiel überhaupt erwähne? Ich stand da so in der Nähe der Eckfahne und dachte bei mir: „Das müssten die HSVer mal sehen. Die Spieler, der Trainer, die Verantwortlichen.“ Wieso? Weil sich alle Spieler, die da auf dem Platz standen, die Lunge aus dem Leib liefen. Und Paloma, in Halbzeit eins lange Zeit klar unterlegen, ging im zweiten Durchgang auf alles und jeden, was sich mit dem Ball bewegte. Und zwar egal wo. Heißa, da wurde attackiert – und alle Spieler, ganz wichtig (!), machten auch mit. Bis zur 95. Minute. Da wurden die Curslacker schon am eigenen Strafraum attackiert. Dafür muss man erstens laufen können, und zweitens muss man den Willen dazu haben, man muss drittens die Unterstützung des ganzen Teams haben und man muss viertens dazu körperlich in der Lage sein, ein solches Spiel bis zum Ende durchzuziehen. Paloma hatte alles. Kompliment. Und wenn ein Gegner so früh gestört und attackiert und am Aufbau gehindert wird, dann hat der es natürlich schwer oder schwerer, sein Spiel aufzuziehen.

 

Auf der einen Seite kann man aber auch natürlich abwarten, wie der Gegner sich entwickelt, zusehen, wie er sein Spiel aufbaut. Das ist natürlich alles reine Ansichts- oder Geschmackssache des jeweiligen Trainers. Wenn der auf die spielerischen Fähigkeiten seiner Mannschaft vertraut, dann ist es eben besser, auf diese Art sein Spiel zu entwickeln und es dann bis zum Ende auch so durchzuziehen.

 

So, sorry, musste ich mal loswerden. Nun aber wirklich HSV. Noch immer ist ja in der Schwebe, ob der Augsburger Linksverteidiger Matthias Ostrzolek zum HSV kommen wird. Obwohl ich, nach all dem, was ich so vernommen habe, davon überzeugt bin, dass das nun klappen wird, ich denke sogar, recht schnell. Und nach der Verletzung von Gojko Kacar ist auch immer noch – oder wieder – von einem neuen Innenverteidiger die Rede. Philipp Wollscheid von Bayer Leverkusen ist der heißeste Kandidat. Der notorisch klamme HSV würde ein Leihgeschäft favorisieren, Wollscheid möchte das aber nicht ganz so gerne. „Ein Ausleih-Geschäft wäre eine komische Situation, die ich so noch nicht kenne. Es ist auch keine Situation, die ich anstrebe“, hat der frühere Nürnberger den Kollegen der „Rheinischen Post“ verraten. Und weiter gesagt: „Ob es besser ist, in der Champions League auf der Bank zu sitzen oder woanders zu spielen, muss jeder individuell beurteilen. Ich weiß nur, dass die Bank mir nicht gefällt.“

 

Ist schon klar. Wem gefällt sie schon, diese Bank? Es sei denn, man ist 18 Jahre und sitzt dort als hoffnungsvolles Talent, um so irgendwann und in naher Zukunft in die Mannschaft zu kommen. So oder so ähnlich muss ja auch Jonathan Tah ergangen sein – und demnächst wohl auch wieder. Wobei ich hoffe, dass dieses Talent nicht allzu lange auf der Bank wird schmoren müssen. Tah steigt an diesem Montag wieder ins Mannschaftstraining ein, und dann drücke ich ihm die Daumen, dass er schnell wieder den Anschluss an die Kollegen schafft – und dass er bald oder zügig den Trainer davon überzeugen kann, dass er eines der größten deutschen Talente ist. Wäre doch schade, wenn einer wie Tah auf der Bank schmoren müsste, um danach ganz in der Versenkung zu verschwinden. Obwohl, es würde auch irgendwie nach Hamburg passen . . . Es wäre auf jeden Fall kein Einzelfall.

 

Im Moment hat der HSV ohnehin nur zwei Innenverteidiger, die fit und einsatzbereit wären: Johan Djourou, jetzt Vize-Kapitän, und Heiko Westermann. Letzterer, das muss ich noch mal erwähnen, wurde in Lübeck freudig von den HSV-Fans begrüßt (und ich denke, dass das auch tatsächlich ernst gemeint war), und er erhielt mehrfach Sonderbeifall für gelungene Aktionen und für seinen Kampfgeist. Diejenigen, die in Lübeck beim Lazio-Spiel dabei waren, werden wissen, wovon ich schreibe. Es ist nicht übertrieben. Dass Westermann beim Trainer so ins Abseits geraten ist, kann ich mir nur mit der einen Szene erklären, die, zugegeben, immer noch nachhaltige Wirkung zeigt (auch bei mir): 18. Mai in Fürth, Relegationsspiel zwischen Greuther Fürth und dem HSV. Es steht 1:1, der HSV wäre gerettet. Und dann kommt die 88. Minute und damit die Szene von Heiko Westermann. Er legte, warum auch immer, es muss ein totaler Blackout gewesen sein, die Kugel in die Mitte des Strafraums. Das 2:1 für den Zweitliga-Club schien unvermeidbar, doch dann das Wunder. Der Fürther Azemi nutzte dieses Geschenk nicht, er schoss sich, weil er ob dieser „Vorlage“ von Westermann wohl völlig perplex war, mit dem rechten Fuß an das linke Bein – Chance vertan. Es war eigentlich eine Hundertprozentige. Und diesen Fauxpas, eigentlich war es mehr als das, hat dem guten Heiko Westermann, HW4, der Herr Slomka offenbar bis heute nicht so richtig verziehen. Nur so kann ich mir erklären, dass der ehemalige Schalker Slomka den ehemaligen Schalker Westermann – fast wollte ich schreiben eiskalt – auf das Abstellgleis geschoben hat. Und wenn Westermann nun doch zum Einsatz kommen sollte, dann liegt es nur an ihm, seinen Trainer wieder zu überzeugen, damit neues Vertrauen aufgebaut wird. Ob das gelingen wird? Das steht in den Sternen. Aber im Moment herrscht eben Ebbe in der Innenverteidigung, deswegen ist HW4 zurzeit wieder erste Wahl.

 

Anderes Thema. Mitten hinein in die Spekulationen um einen eventuellen Verkauf von Rafael van der Vaart platzte Trainer Slomka mit seiner Kapitänsentscheidung: Der Niederländer soll wieder der Chef auf dem Platz sein. „Diese Entscheidung wird ihn stärken“, sagt HSV-Chef Dietmar Beiersdorfer und meinte damit, dass Rafael van der Vaart damit gestärkt wird. „Ich habe den Eindruck, dass Rafael wieder richtig attackieren und dabei helfen möchte, den HSV in einem besseren Licht dastehen zu lassen“, sagte Slomka der „Bild am Sonntag“. Folglich müsste ein Transfer zu seinem Heimatverein Ajax Amsterdam, der ihn liebend gern zurück hätte, oder zu Queens Park Rangers in die englische Premier League, vom Tisch sein.

 

Ich habe, das muss ich gestehen, nichts gegen van der Vaart, im Gegenteil, ich sehe, dass er eine gute Vorbereitung macht, und ich sehe in ihm immer noch den besten Fußballer des HSV. Ganz klar. Und wenn er fit ist, danach scheint es nun auszusehen, dann wird er auch seine Leistungen wieder bringen. Als Kapitän aber, das muss ich schon noch loswerden, ist er mir zu leise. Er gibt kaum Anweisungen, er reißt viel zu selten mit (wenn überhaupt einmal), er muntert nicht auf, der rüffelt niemanden nach Fehler a la Westermann. Van der Vaart spielt sein Spiel, aber verbalen Einfluss auf die Kollegen nimmt er so gut wie nicht. Übrigens geschieht das auch von den Mitspielern nicht. Beim HSV ist es viel zu leise auf dem Platz – immer noch, immer wieder. Das ist ein ganz großes Manko. Jeder ist mit sich selbst beschäftigt, dabei wäre es sehr wohl angebracht, dass mal einer auf dem Platz für Ordnung sorgt. Macht aber keiner. Nicht mal der Kapitän.

 

Mit dieser Thematik habe ich Dietmar Beiersdorfer konfrontiert. Und der Boss sagte zurückhaltend: „Das will ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht öffentlich beurteilen. Ich habe immer gesagt, dass ich erst ein paar Tage – mit Busfahrt, wie Thomas Doll immer gesagt hat – da bin. Ich denke, man muss jetzt das Gespür aufnehmen und sehen, wie sich der Organismus in der Mannschaft entwickelt. Es ist ja kein Status, sondern ein Prozess, und den Prozess wollen wir natürlich versuchen fortzusetzen, und zwar in die richtige Richtung. Da wird mit der Mannschaft gearbeitet, und da wird der eine oder andere Input auch von außen gesetzt. Es ist relativ offensichtlich, dass man immer wieder bemüht ist, frisches Blut in die Mannschaft zu bringen. Man muss sich natürlich auf einem Weg versammeln, das versuchen wir, indem wir unseren Spielern Vertrauen geben, und auf der anderen Seite sagen wir auch, was geht oder was nicht geht. Das ist ja unsere Verantwortung.“

 

Es wird, so mein Empfinden, also auch intern angesprochen werden, dieses Thema. Früher oder später jedenfalls. Im Moment gibt es ja auch einige Baustellen, die dringender bearbeitet werden müssen.

 

Zum Glück, das kann man jetzt schon behaupten, hat sich die Verpflichtung von Valon Behrami schon positiv auf den HSV ausgewirkt, denn der Schweizer ist nach seinem guten Spiel gegen Lazio, nach seiner starken Vorstellung an der Lohmühle, sofort ein großer Hoffnungsträger des HSV geworden. Eine Art Strohhalm, an den sich nun einige klammern könnten – oder sollten. Behrami spielt einen Super-Sechser, legt eine großartige Mentalität an den Tag – und spielt – ganz nebenbei – auch noch einen guten Ball. Da kommt schon Freude auf. Um es mal so zu formulieren: Zehn Behramis (und dazu Rene Adler im Tor) gegen Lazio Rom, und der HSV wäre als Gewinner vom Rasen gegangen. Hoffentlich nehmen sich die Kollegen daran ein Beispiel, wie man eben auch Fußball spielen kann.

 

Wobei ich bei Milan Badelj bin. Der kommt, so hat es den Anschein, noch nicht so richtig in Fahrt. Insider vermuten, dass die bisherige Vorbereitung zu hart für ihn war. Ich vermag das nicht zu beurteilen, zumal ich nicht mit im österreichischen Trainingslager war, aber es könnte etwas dran sein. Erst der Abstecher zu WM, dann die für den HSV restlos ungewohnte harte oder härteste Vorbereitung, das schlägt nicht nur auf die Waden, sondern auch ein wenig auf das Gemüt. Hoffen wir mal, dass sich Badelj daran gewöhnen wird, und dass er letztlich sogar davon profitieren wird. Wäre ja bestimmt auch für den HSV von Vorteil.

 

Und noch ein kurzes Wort zu Petr Jiracek. Der Tscheche macht mir – nach seinen 45 Minuten gegen Lazio – durchaus wieder Hoffnung. „Jira“ beißt, er will, er ist irgendwie spritziger, einsatzfreudiger, „giftiger“ und unternehmungslustiger geworden. Auch wenn er bislang nur auf der von ihn wenig geliebten Links-Verteidiger-Position zum Einsatz kommt. Ich hoffe in dieserSaison auf seinen Durchbruch, bei der EM 2012 in Polen hat er doch bewiesen, dass er es könnte. Und wie schön wäre es, wenn bei ihm jetzt endlich der Knoten platzen würde – es wäre für den HSV ja nur ein weiterer „Neuzugang“. Vielleicht sollte man sich mal beim HSV mit Petr Jiracek etwas intensiver beschäftigen, ihm Mut zusprechen, ihm Vertrauen schenken – es könnte zum Vorteil des Clubs werden.

 

So, dann gibt es noch ein paar interessante Ergebnisse von Testspielen – immerhin eine Woche vor der DFB-Pokalrunde. Und dann ja auch eine Woche später der Bundesliga-Start. Es dauert nicht mehr so lange:

 

Der 1. FC Köln verliert gegen den FC Granada 0:1 (0:0), der SC Paderborn, sieh an, sieh an, gewinnt gegen den FC Everton 3:1 (1:1), Hannover 96 bezwingt Lazio Rom 3:1, und der FC Liverpool fertigt Borussia Dortmund mit 4:0 (2:0) ab. Letztere Partie ist für mich ein Hammer, und ich frage mich, warum ich bei diesem Resultat immer und immer wieder an Jose Mourinho denken muss? Hatte sich der Portugiese nicht gerade in den letzten Tagen nicht unbedingt nett über die Bundesliga geäußert – im Vergleich zu England? Und irgendwie scheint er ja auch gar nicht so falsch zu liegen . . .

 

Und noch ein besonderes Resultat: Die Zweite des HSV setzte ihre Erfolgsserie in der Regionalliga Nord fort, denn auch in Oldenburg wurde gewonnen. 2:0 hieß es am Ende, der HSV ist mit neun Punkten nach drei Spielen ungeschlagener Tabellenführer, hat 9:0 Tore auf dem Konto. Die harte und intensive Arbeit von Trainer Josef Zinnbauer, der von allen nur gelobt wird, scheint sich schon jetzt auszuzahlen.

Zudem erfreulich: Die A-Jugend des HSV gewann zum Auftakt der Bundesliga Nord 2:0 bei Dynamo Dresden. Glückwunsch!

Am Montag wird um 16 Uhr an der Arena trainiert.

 

17.03 Uhr

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