Archiv für das Tag 'Schweinsteiger'

Bandow will „Beiersdorfers Handschrift“ +++Breaking: Behrami bis 2018 in Watford+++

11. Juli 2015

Schöne Grüße aus dem Flieger. Am Nachmittag ist die HSV-Mannschaft per Charterflugzeug aus der Schweiz, genauer gesagt vom Flughafen in St. Gallen, aufgebrochen Richtung Düsseldorf. Von unterwegs sendeten Lewis Holtby, Nicolai Müller, Pierre Michael Lasogga und Ivica Olic einen fröhlichen Twitter-Gruß. Der erste Teil der Vorbereitung ist vorbei – und morgen steht also der erste öffentliche Gradmesser an für den HSV beim Telekom-Cup. Im Anschluss daran, dies müsst Ihr Euch bitte schon einmal vormerken, läuft wieder ein „Matz ab live“ – diesmal mit Joachim Dipner vom Hamburger Fußball Verband, der auch mit dabei war im Schweizer Trainingslager, sowie Trainer-Legende Bert Ehm. Los geht es gegen 19.30 Uhr, also nach Ende des Vierer-Turniers.

Natürlich kann man in Mönchengladbach keine Standortbestimmung erwarten. Das hat Bruno Labbadia schon nach wenigen Tagen im Trainingslager deutlich gemacht, und diese Aussage gilt nach wie vor – und sie gilt für alle teilnehmenden Teams: „Bei uns sind einige Spieler erst seit wenigen Tagen im Training und kommen mit unterschiedlicher Fitness. Es ist ein schönes Forum, um sich einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren, aber es ist noch lange hin bis zum Bundesligastart.“

Wie es auch kommen mag und welche Transfers sich noch ergeben – der ehemalige Aufsichtsrats-Vorsitzende Udo Bandow erwartet ein anderes Auftreten vom HSV als in der abgelaufenen Saison. „Der auch von mir mit großen Erwartungen wiedergewonnene Dietmar Beiersdorfer konnte kurzfristig nicht an die erfolgreichen Verpflich­tungen, die wir in unserer gemeinsamen Zeit seit 2002 hatten, anknüpfen“, sagt Bandow rückblickend. Der 83 Jahre alte Banker war vor 13 Jahren einer der großen Befürworter des Einstiegs von Dietmar Beiersdorfer, und er hat auch 2014 im Hintergrund Gespräche geführt, damit Beiersdorfer zurückkommen konnte.

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Es geht aufwärts. Sagt mir mein Gefühl!

17. Juli 2014

Der Alltag hat uns wieder – nach dieser traumhaften WM. Auch mich hat er wieder, mein Name ist Dieter Matz. Zuletzt hatte ich hier an dieser Stelle durch Abwesenheit geglänzt, aber diese Zeiten sind nun – hoffentlich – vorbei. Nach meinem Krankenhaus-Aufenthalt unmittelbar nach Pfingsten hatten mich die Ärzte für einige Zeit aus dem Verkehr gezogen, danach hatte ich eine Aufgabe übernommen, die ich – natürlich mit Genehmigung des Hamburger Abendblattes (Chefredaktion) – schon vor Monaten vertraglich abgeschlossen hatte. Ich war, gemeinsam mit anderen Herren, so auch der ehemalige Welttorhüter Sepp Maier, WM-Kommentator auf dem „Traumschiff“, der „MS Deutschland“. Die drei Ärzte, die mich während und nach der Krankheit betreuten, hatten mir ausdrücklich zu dieser Tour geraten und mir dafür grünes Licht gegeben. Heute kann ich auch sagen, dass mir diese Reise sehr gut getan hat, denn mir geht es fast schon wieder so gut wie früher, wenn ich nicht bei 100 Prozent bin, dann doch bei 99. Von der rechtsseitigen Gesichtslähmung ist nichts, oder fast nichts mehr zu sehen – es wird alles gut. Deswegen stehe ich auch ab sofort wieder „Matz ab“ zur Verfügung.

Bei der Gelegenheit möchte ich mich ausdrücklich noch einmal bei allen „Matz-abbern“ (darin eingeschlossen die Matz-abberinnen – klar!) bedanken, die mir in den vergangenen Wochen Genesungswünsche zukommen ließen. Nach der WM nahm es noch einmal wieder leicht zu – danke dafür, Ihr seid wirklich eine Wucht in Tüten, danke, danke, danke. Und ein zweifaches Dankeschön auch an „Scholle“ und Lars Pegelow, die den Blog während meiner Abwesenheit zu großartig betreut und hochgehalten haben. Danke.

Während der Zeit an Bord hatte ich meinen Computer bei mir, aber er hatte leider seinen Geist aufgegeben. Sonst hätte ich sicherlich etwas über diese Weltmeisterschaft geschrieben. Vor dem Turnier war ich restlos davon überzeugt, dass Deutschland am Ende nicht auf dem ersten Platz landen würde. Haus und Hof hätte ich verwettet, aber da kann man mal wieder sehen: keine Ahnung vom Fußball. Ich habe mich stets daran orientiert, dass der Bundestrainer bis auf den 36-jährigen Miroslav Klose, der zudem noch verletzt (oder angeschlagen) anreiste, keinen Stürmer mitgenommen hatte. Und ohne Stürmer? Wie sollte das klappen? Zudem fiel Marco Reus aus, den ich für den zurzeit besten deutschen Spieler halte. Nein, das mit Platz eins konnte in meinen Augen nichts werden.

Dass es dennoch geklappt hat, ist einmalig, sensationell, ein Traum. Und es ist auch absolut verdient. Deutschland hat von allen Teams die konstanteste Leistung gebracht. Ganz nahe dran waren die Niederländer, aber sie hatten sich in der Vorrunde wohl ein bisschen zu sehr verausgabt – allerdings fuhren sie ja ungeschlagen nach Hause! Das erste Halbfinale, Deutschland gegen Brasilien, bleibt natürlich ein absolutes Highlight – bis an mein Lebensende. Auf dem Traumschiff war im Kaisersaal der Teufel los, so etwas hatte dieses Schiff wohl noch nie erlebt. Und wir alle ja auch nicht. Mesut Özil stand in diesem Match vor dem 8:0, am Ende waren alle fassungslos ob des deutschen 7:1-Sieges in und über Brasilien. Dass das Finale dann eine so enge Nummer werden würde, das war mir schon klar. Aber das DFB-Team hat es dann trotzdem gepackt – herrlich! Mich hat die Viererkette begeistert, aus der Jerome Boateng an diesem Tag noch hervorstach. Der ehemalige Hamburger hat in diesem Endspiel wohl das Spiel seines Lebens gespielt – dickes Kompliment. Überragend aber war Bastian Schweinsteiger. Was dieser Mann einstecken musste, schon während dieser WM, dann aber auch im Finale, das war fast schon unmenschlich – aber er stand auch nach den härtesten Attacken immer wieder auf. Vorbildlich, einmalig! Eine solche Energie-Leistung habe ich überhaupt noch nie gesehen. Ich hoffe nur, dass der italienische Schiedsrichter sich diese 120 Minuten noch einige Male ansehen wird, um zu erkennen, wie falsch er in vielen Szenen lag. Ich hoffe es sehr.

Dass die Fifa bis zuletzt betonte, dass in Brasilien die besten Unparteiischen pfeifen, das ist schon krass. Während der WM sprach ich mit einem hohen deutschen Schiedsrichter-Funktionär, und der stellte fest: „In Brasilien pfeifen Leute, die bei uns nicht mal in der Dritten Liga zum Einsatz kommen würden . . .“ Sollte sich der allgewaltige Herr Blatter mal auf der Zunge zergehen lassen. Nein, das muss ich noch einmal loswerden, diese Unparteiischen waren das größte Übel dieses Turniers, da muss sich bis zur WM 2018 in Russland einiges ändern – hoffentlich setzen sich die Herren mal zusammen und ziehen ihre Lehren daraus. Dass ein Japaner das Eröffnungsspiel leiten darf, dort versagt und dann gleich in der Versenkung verschwindet, das muss nicht sein. Und genau deswegen müssen diese Fifa-Herren mal über sich selbst nachdenken. Es fehlt ja nur noch, dass dort Männer von den Malediven, Faröer, von den Fidschi-Inseln oder aus Liechtenstein pfeifen dürfen. Nur wegen der Vielfalt! So unprofessionell können doch selbst Schiedsrichter nicht denken, oder?

Was neu war an dieser WM? Ich würde es begrüßen, wenn die Spraydosen in der Bundesliga eingeführt werden würden. Es wird bei Freistößen viel zu viel geschummelt, so würde es besser gehen – wenn auch bestimmt immer noch nicht hundertprozentig. Oft schien es mir auch so, als würden die Schiedsrichter schon nach nur sieben Metern ihren Strich gezogen haben. Nun gut, das werden sie noch in den Griff bekommen. Und wer dagegen ist: Einige (deutsche) Unparteiische lehnten vor Jahren auch das Headset ab, heute haben es alle – und es funktioniert und hilft. Kurz zurück noch zum Spray. Einen Strich durch die Rechnung machten, ohne dass es bemerkt wurde, die beiden Elfenbeinküsten-Spieler Yaya Toure und Didier Drogba (im Spiel gegen Kolumbien?). Als der 23. Mann den Abstand abschritt, trampelten beide so lange auf dem Strich herum, bis er weg war – und dann wurde der Ball kurzerhand nach vorne gelegt. Es gibt also immer noch pfiffige Jungs, die sich zu helfen wissen . . . Wird natürlich auch in Zukunft (und der Bundesliga) so sein.

Ja, so richtig neu war das Flüstern der Trainer und der Spieler zwar nicht, während dieser WM, aber es war auffällig, wie sehr sich dieses Flüstern doch verbreitet hat. Wenn auf dem Rasen oder am Rande miteinander gesprochen wurde, dann meistens mit vorgehaltener Hand, damit keiner, der vor dem Fernseher sitzt und von den Lippen lesen kann, „mithören“ kann. Es könnte ja etwas von Bedeutung sein, und wenn das dann rauskäme, das wäre unter Umständen nicht im Sinne des Erfinders. Deswegen: immer Hand vor den Mund halten. Der Flüster-Erfinder ist für mich Jose Mourinho, und von dem Portugiesen haben es dann wohl die Spanier zuerst übernommen. Wird auch in der Bundesliga um sich greifen, davon bin ich überzeugt.

Wie auch die Torlinientechnik. Mitunter war es grotesk, dass sie zum Einsatz kam, weil jeder gesehen hatte, dass der Ball nicht „drin“ war, insgesamt aber war es schon eine gute Sache. Und sollte auch in der Bundesliga zum Einsatz kommen – dürfen.

Die Trinkpause, die es gelegentlich gab, waren angeblich per Gerichtsbeschluss durchgesetzt worden, aber dafür hätte – bei diesen Temperaturen – auch der klare Menschenverstand sorgen müssen. Darauf wird die Bundesliga allerdings verzichten können. Neu war auch, dass ein „Beißer“ unterwegs war, auch den wollen wir in Deutschland nicht sehen. Dass ausgerechnet der FC Barcelona einen solchen Mann aufnimmt und Millionen an Liverpool überweist, das kann ich nicht recht glauben, aber die Spanier werden ihre Gründe haben. Bei mir ist Luis Suarez aber untendurch, das muss ich gestehen – er ist ja Wiederholungstäter. Irgendwann und zwischendurch hätte er mal lernen dürfen, dass es so nicht geht . . .

Entsetzt war ich über die Spielweise der Brasilianer, da ist ja nichts Verspieltes oder Raffiniertes oder Geniales mehr erkennbar, im Gegenteil. Da wird richtig schön und brutal zugetreten. Wenn Fußball-Deutschland stets als „Panzer“ dargestellt worden ist – darin haben uns die Brasilianer nun aber mal ganz salopp überholt. Mehr Panzer-Fußball ging ja gar nicht. Und wer es noch einmal ansehen möchte, dieses legendäre 7:1, der wird feststellen, dass die „Brasis“ allesamt auch tolle Schauspieler sind – so viele Schwalben wie in diesem einem Spiel, das geht ja gar nicht. Apropos: Gespannt bin ich zudem, wie sich die Bundesliga-Schiedsrichter künftig mit Arjen Robben aus der Affäre ziehen werden. Der Niederländer war vielleicht der beste Spieler des Turniers, aber seine Flugeinlagen waren auch sehenswert und sind zudem dramatisch in die Höhe gestiegen. Er landet vor allen Dingen immer auf allen Vieren, als würde er ein Fallschirmspringer sein. Ich hoffe, dass er sich das wieder abgewöhnt, oder dass die deutschen Unparteiischen solche Flugmanöver sofort durchschauen. Lieber einmal weiterspielen lassen, als einen Elfer zu geben, der keiner war.

So, zum Abschluss dieser WM noch ein Wort von mir zu den „Gauchos“. Was für ein Theater wird darum gemacht. In meinen Augen total überflüssig, denn damit sollten die Argentinier keineswegs beleidigt werden. Dieser Gesang „So gehen die Gauchos, die Gauchos gehen so . . .“ ist so alt wie der Fußball. Den haben wir vor 40 Jahren gesungen, über einen Gegner, den wir in einem wichtigen Spiel bezwungen hatten. Wer sich darüber aufregt, der hatte bislang herzlich wenig mit dem Fußball zu tun – und sollte es am besten auch jetzt ganz schnell wieder lassen. Böse jedenfalls, böse ist da nichts mit gemeint worden, ganz sicher nicht.

Um noch einmal auf Jerome Boateng zurück zu kommen. Ich finde es toll, dass wir einen so großen Spieler mal in Hamburg hatten. Er hat sich in München gewaltig verbessert, ist auch von der Statur her ein großes Kaliber geworden – ich bin total begeistert von ihm. Er hat sich enorm gemausert, und ich frage mich, ob er diesen Weg auch als Hamburger eingeschlagen hätte? Ich habe da meine Zweifel. Und ich hoffe zudem, dass ihm Jonathan Tah nacheifern wird – und will. Tah ist ein so großes Talent, hoffentlich wird es beim HSV auch richtig geschätzt und erkannt, und hoffentlich macht auch Tah selbst etwas aus sich, ohne darauf zu warten, dass es andere mit ihm tun. Wenn ihm das gelingt, könnte er Boateng tatsächlich folgen. Ich drücke dafür die Daumen.

Das hatte ich vor dieser WM auch im Falle Klose getan. Ich freue mich für ihn, ich freue mich sogar riesig und immer noch, dass er den WM-Rekord geknackt hat. Das in seinem Alter, mit 36 Jahren! Unglaublich, aber wahr, das ist ein ganz tolles Ding. Und dass er nach dem Finale – wie so viele, er aber auch – feuchte Augen bekommen hatte, das spricht dafür, wie sehr auch er sich über seine beiden Tore zum Rekord gefreut hat. Und das in Brasilien! Hut ab, Herr Klose, Hut ab! Was selbstverständlich auch für das gesamte Team und den Trainern gilt. Eine tolle Leistung. Und dass auch der frühere HSV-Stürmer Oliver Bierhoff bei der Siegesfeier in Berlin so oft gelobt wurde, fand ich sehr bemerkenswert. Der Manager der Nationalmannschaft kommt in der Öffentlichkeit, so denke ich, immer ein bisschen schlechter weg, aber nun gab es viel Anerkennung für ihn. Wie er das alles rund um dieses Turnier „gemanagt“ hat, das war schon klasse. Kompliment, Oliver!

So, das soll es dann auch gewesen sein mit der WM. Deutschland ist die Nummer eins in der Welt, und der HSV Nummer 16 in der Bundesliga. Aber nicht mehr lange. Es geht aufwärts. Sagt mir mein Gefühl. Okay, ich gebe zu, dass ich nun schon seit geraumer Zeit ein wenig draußen war beim HSV, aber das, was sich getan hat und noch tun wird, das halte ich für vielversprechend. Heute gesellten sich nun noch die 40 bis 50 Millionen Euro von Adidas dazu. Der Vertrag mit dem Sportartikel-Hersteller wurde schon vor etwas mehr als einem Monat verlängert und bringt dem HSV viel Geld ein. Glückwunsch zu diesem Deal! Zwei Jahre lief der Vertrag mit Adidas eigentlich noch, er wurde jetzt um acht Jahre verlängert, sodass der HSV nun die nächsten zehn Jahre in und mit den drei Streifen auflaufen wird. HSV-Vorstandsmitglied Carl-Edgar Jarchow wies darauf hin, dass Adidas den Vertrag zu einem Zeitpunkt verlängerte, als noch nicht feststand, ob der HSV weiterhin in der Ersten Bundesliga spielen würde. Das ist schon ein fast einzigartiges Vertrauen, was die Damen und Herren aus Herzogenaurach da in den HSV gesetzt haben. Dass das Geld im Moment nicht dabei unbedingt dabei hilft, neue Spieler zu kaufen, ist klar, diese Euro müssen noch anderweitig und auch kurzfristig beschafft werden, aber natürlich helfen diese Adidas-Millionen langfristig schon sehr.

Und wo ich gerade mit Carl-Edgar Jarchow gesprochen habe, da habe ich ihn gleich nach seiner Situation befragt. Er antwortete: „Es sind neue Zeiten im HSV angebrochen, manches muss sich noch zurechtruckeln. Ich kenne Dietmar Beiersdorfer schon seit vielen Jahren, ich freue mich wirklich, dass er jetzt wieder da ist.“ Zur sportlichen Lage befindet Jarchow: „Wir brauchen noch zwei, drei neue Spieler.“ Das sollte sich doch machen lassen. Dass Oliver Kreuzer dabei nicht mehr mithelfen darf (und soll), bedauert Carl Jarchow noch immer: „Ich habe immer gesagt, dass ich Kreuzers Arbeit geschätzt habe, aber ich akzeptiere diese Entscheidung.“ Eine Entscheidung, die im sportlichen Bereich getroffen wurde, denn Kreuzer war im neuen HSV nicht mehr im Vorstand, sondern arbeitete im sportlichen Bereich – und diesem steht Dietmar Beiersdorfer vor. „Und Dietmar gibt die Richtung vor, in die sich der HSV nun bewegt“, so Carl Jarchow.

Und das ist auch gut so. Beiersdorfer wird hier, wenn er es noch nicht getan hat, für die nötige Aufbruchsstimmung sorgen. Er wird darüber wachen, dass hier in Zukunft auf allen Gebieten professioneller gearbeitet wird. Und er wird wissen, dass dem Club ein harter und beschwerlicher Weg bevorsteht, der nicht über Nacht zu einem glücklichen Ende führen wird. Es wird dauern, keine Frage, aber ich denke trotz allem, dass es schon im Sommer 2015 deutliche Tendenzen einer Aufwärtsentwicklung zu konstatieren geben wird.

Noch ein kleines Thema am Rande, über das sich zuletzt einige Fans Gedanken gemacht habe: Hat der Berater von Hakan Calhanoglu bei der Vertragsverlängerung im Februar (die ja jetzt null und nichtig ist) eventuell ein hohes Berater-Honorar abgegriffen – und darf er es eventuell behalten? Was einige schon vermuteten. Das ist aber nicht der Fall. Die Berater von heute erhalten ihr Honorar pro gespielter Saison, und da hatte sich ja im Februar nichts geändert, die Saison lief ja zu diesem Zeitpunkt noch einige Monate. Deswegen hat der HSV kein Geld an den Berater gezahlt, es stand und steht ihm nichts zu. Auch das ist ja ein gutes Zeichen.

Und davon gibt es meiner Meinung nach einige in diesen Tagen. Beim HSV haben wohl die meisten begriffen, dass mehr getan werden muss, als das in der Vergangenheit der Fall war. Vor allem hat es auch Trainer Mirko Slomka erkannt, dass jener HSV, den er im Frühjahr übernommen hatte, nicht konkurrenzfähig war – weil zu schlecht trainiert. Hinter vorgehaltener Hand gibt das inzwischen fast jeder HSV-Profi zu, deswegen werte ich das mal als Aufbruch zu besseren Tagen. Diese Mannschaft wäre, wenn sie „vernünftig“ und professionell trainiert wird, immer in der Lage, mindestens einen Mittelfeldplatz zu belegen. Wenn aber die Kraft (und Kondition) nur für 30 Minuten reichen, darf sich niemand beschweren, dass es nur gegen den Abstieg geht. Aber wie gesagt, das ist inzwischen jedem im HSV klar.

Ich hoffe auch, dass Rafael van der Vaart zu diesen Leuten gehört, die wissen, dass es nur mit harter Arbeit wieder nach oben geht. Van der Vaart ist 31 Jahre alt, er wäre fast mit der niederländischen Nationalmannschaft nach Brasilien gereist, er ist immer noch ein hervorragender Fußballer, er ist eigentlich immer noch der beste Mann im HSV, und er hat einen guten Namen, den er zuletzt ein wenig verspielt hat. Das wird er wissen. Und er wird wissen, dass er zulegen muss. Deutschlands Ehrenspielführer Uwe Seeler hat bei „Sky“ auf die Frage geantwortet, ob er Hoffnung habe, dass Rafael van der Vaart noch einmal beim HSV durchstarten wird: „Hoffnung habe ich immer, die stirbt zuletzt. Rafael van der Vaart weiß selbst, dass er noch ein bisschen zulegen muss, weil von ihm einigen verlangt wird.“ Und weiter: „Ich hoffe, dass er sich fit macht und die Saison in guter Verfassung angeht.“

Ein bisschen ist ein bisschen untertrieben, ansonsten bin ich ganz bei Uwe Seeler. Van der Vaart hat sein Privatleben im Griff, er kann sich auf die sportliche Seite seines Lebens konzentrieren, also muss er – so einfach ist das jetzt – Gas geben. Und Mirko Slomka muss und wird ihm dabei helfen. Und der Trainer wird hoffentlich nicht allzu viele Extrawürstchen auf diesem sicherlich steinigen Weg zulassen. So etwas darf es im Interesse des HSV einfach nicht mehr geben. Jetzt müssen alle, wirklich alle an einem Strang ziehen, jetzt müssen alle bereit sein, an die Schmerzgrenze zu gehen, denn noch einmal wird es nicht so viel Glück geben. Wie hatten es mir viele HSV-Fans nach der Relegation noch geschrieben? „Dieser Club hat nunmehr sein Glück für die nächsten fünf Spielzeiten bereits aufgebraucht.“ Stimmt.

Wobei ich zur jetzigen Führungsetage absolutes Vertrauen habe – die Herren werden es richten, es wird wieder bergauf gehen mit dem HSV. Das habe ich auch auf dem Traumschiff immer gesagt, wenn ich nach den drei großen Hamburger Buchstaben gefragt worden bin. Bei dieser Gelegenheit: herzliche Grüße an die Wolfs nach Pulheim. Und auch nach St. Peter-Ording. Und noch einmal Traumschiff (sorry): Es waren neben Sepp Maier auch zwei Herren dabei, die beim „Wunder von Bern“ mitgespielt haben – als fußballspielende Schauspieler: Berni Klodt und Fritz Walter. Deswegen habe ich mich vorher noch mit der Herberger-Zeit beschäftigt – und bin dabei auf Sätze gestoßen, die der große Sepp einst so von sich gegeben hat. Nicht „der Ball ist rund“, oder „der nächste Gegner ist immer der schwerste“, oder „ein Spiel dauert 90 Minuten“. Herberger hat auch Dinge gesagt, die sich der HSV in Sachen Fitness ab sofort in die Kabine hängen sollte:

„Männer, wenn die anderen in eurem Verein dienstags und donnerstags trainieren, dann nehmt ihr noch den Montag, den Mittwoch und den Freitag dazu. Wenn die anderen an ihr Vergnügen denken, denkt ihr an eure Kondition. Wenn ihr es im Sport zu was bringen wollt, muß sich eure ganze Lebensweise danach richten. Es versteht sich wohl von selbst, daß Rauchen, Trinken und unvernünftiges Essen für einen angehenden Nationalspieler nicht in Betracht kommen.“

Und Sepp Herberger sagte auch:

„Höchstleistung im Sport und vergnügliches Leben sind wie Feuer und Wasser. Man kann nicht zwei Herren gleichermaßen dienen. Entweder – oder! Entweder das eine oder das andere. Beide zusammen vertragen sich nicht!“

Das klingt doch super, oder? Der alte Mann und der Ball – er hat es immer gewusst, was zählt.

Zum Abschluss noch etwas ganz Wichtiges!

Es geht um den letzten Beitrag von Lars Pegelow. Er hatte im letzten Absatz über das HSV-Ehrenmitglied Klaus Meetz geschrieben. Das rief nun den Volleyballer auf den Plan, der sich falsch zitiert fand und um Korrektur bat (etwas energischer). Es handelt sich dabei um folgende Sätze, die so richtig sein sollen:

„(…) – die Staatsanwaltschaft hat Meetz am 14.07.2014 das Aktenzeichen mitgeteilt, unter dem gegen die drei Richter das Ermittlungsverfahren wegen Rechtsbeugung geführt wird.

– 2 –

Diese Tatsache hat Meetz der Justizsenatorin Jana Schiedeck sowie dem Ersten Bürgermeister Olaf Scholz mitgeteilt und deren unverzügliches Eingreifen beim Vereins- und Handelsregister gefordert, damit seine
dort gestellten Anträge rechtsmängelfrei erledigt werden.

Darüber hinaus hat Meetz in diesem Zusammenhang Justizsenatorin Schiedeck und den Ersten Bürgermeister Scholz auf die seit September 2013 beiden mit 24 (!) Schreiben nachgewiesenen, von diversen Richtern des Arbeits- und Landes- Arbeitsgericht begangenen strafrechtlich relevanten Handlungen (Rechtsbeugung) nochmals darauf hingewiesen, dass in Kürze nunmehr deswegen die entsprechenden Strafanzeigen insoweit gegen die
benannten Richter gestellt werden – und zwar in diesem Zusammenhang auch gegen die Justizsenatorin und den Ersten Bürgermeister wegen deren „Strafvereitelung im Amt“ und in der Folge deren „Begünstigung“. (…)“

In der Hoffnung, dass damit nun alle Unklarheiten beseitigt worden sind, verbleibe ich mit den freundlichsten Grüßen – und wünsche Euch einen wunderschönen und sommerlichen Feierabend. Bis morgen.

Dieter

Lasogga sagt dem HSV ja – aber was heißt das? **Calhanoglu wg. mentaler Probleme krankgeschrieben**

17. Juni 2014

*** 0.16 Uhr: Oha., das ist mal eine Nachricht: Hakan Calhanoglu ist beim Trainingsauftakt am heutigen Mittwoch nicht dabei, weil er von einer Psychologin in Heidelberg einen Gelben Schein ausgestellt bekam auf dem steht, er habe mentale Probleme und sei nicht einsatzfähig. Das berichtet die “Bild” in ihrer Mittwochsausgabe. Nach dem Theater um seinen Wechselwunsch und den daraus resultierenden Anfeindungen in verschiedenen Sozialen Netzwerken soll Calhanoglu derartige Probleme haben, dass er nicht in der Lage ist, seinen Dienst zum Trainingsauftakt anzutreten. Eine Problematik, die nach all dem Theater sicher sehr seltsam anmutet – die aber eben von dieser Stelle aus auch nicht zu widerlegen ist. Insofern: In dubio pro reo – im Zweifel für den Angeklagten. Daher von unserer Seite: Gute Besserung, Hakan! Und dem HSV ist zu wünschen, dass er seinem jungen Spieler den Rücken stärkt, ihm weiterhin seine große Bedeutung für den Klub verdeutlicht und vor allem alle Zeit gewährt, die er braucht, um sich wieder auf das Training und die Spiele für den HSV zu konzentrieren.***

Am morgigen Mittwoch geht es wieder los. In zwei Etappen wird sich der HSV auf die neue Saison rekordverdächtig lang vorbereiten. Zunächst geht es 22. Bis 29. Juni nach Glücksburg ins Trainingslager, ehe vom 4. Bis zum 11. Juli ein Trainingslager in China auf dem Programm steht. Abschließend, also vom 12. bis zum 18. Juli haben die Spieler dann noch mal eine Woche Pause, ehe es in den zweiten Akt der acht Wochen langen Vorbereitung geht. „Wir hatten in der abgelaufenen Saison Defizite in der Fitness“, so Trainer Mirko Slomkas Erklärung für diese ungewöhnlich lange Vorbereitung, „und das werden wir nicht noch mal zulassen.“ Dafür geht es dann letztlich vom 28. Juli bis zum 5. August ins Trainingslager nach Österreich, ehe am Wochenende 15.-18. August das erste Pokalspiel bei Energie Cottbus angesetzt wird.

Genau eine Woche vor der ersten DFB-Pokal-Runde trifft der HSV in dem inzwischen alljährlich vom SHZ-Verlag veranstalteten Sparda-Bank-Pokal am 7. August (18.45 Uhr, Stadion Flensburg) auf Lazio Rom. Bei den Römern, die im August ein Trainingslager in Norddeutschland absolvieren, ist der Stürmer unserer Nationalelf, Miroslav Klose, aktiv. Und das erleichtert mir den Übergang zu einem mutigen aber in meinen Augen auch absolut gelungenen Gastbeitrag unseres noch jungen Praktikanten Noah Schwarz.

Was haben wir nicht alles diskutiert und gezweifelt an der Form der deutschen Nationalmannschaft.“ So kommentierte ARD-Kommentator Gerd Gottlob beim Stand von 3:0 das Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Portugal.
Recht hat er. Wir haben es unserer Mannschaft den Einstieg ins Turnier nicht grade leicht gemacht. Wir erwarten den Titel, aber Unterstützung kam bisher wenig. Vermutlich hätte sich kaum jemand gewundert, wenn das Spiel am Montagabend 4:0 für Portugal ausgegangen wäre. „Wir haben es kommen sehen“, hätten die Zeitungen getitelt.
Stattdessen sind nun alle überwältigt vom Auftritt der DFB-Elf, die trotz aller Widrigkeiten im Vorfeld der WM die Portugiesen im ersten Gruppenspiel deklassierte. Zahllose Verletzungen, ein Autounfall im Trainingslager, ein Bundestrainer ohne Führerschein: all das wurde in den Medien dermaßen breitgetreten, dass man sich fragen musste, ob wir denn überhaupt hinter unserer Mannschaft stehen, von der wir alle erwarten, dass sie in Brasilien für uns den Titel holt.
Sami Khedira, Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Manuel Neuer, allesamt Schlüsselspieler, alle waren sie angeschlagen. Fußball-Deutschland hielt den Atem an, malte den Teufel an die Wand. Joachim Löw wurde nicht müde zu beteuern, dass man alle Verletzungssorgen bis zum ersten Gruppenspiel aus der Welt schaffen würde. Was blieb ihm auch anderes übrig. Doch geglaubt hat ihm scheinbar niemand. Jegliche Hoffnungen auf ein starkes Turnier wurden von wilden Presseberichten über das DFB-Lazarett in Südtirol so gut es ging untergraben. Schlechte Nachrichten verkaufen sich halt besser als gute.
Jetzt, nach dem taktischen Glanzstück, huldigt alle Welt Joachim Löw. Der Bundestrainer hat „elf Richtige gezogen“ heißt es im Spiegel. Deutschland ist wieder im WM-Fieber. Die Fans glauben wieder an den Titel, sie erwarten ihn jetzt mehr als je zuvor. Unterstützung aus der Heimat kommt aber erst, wenn man sie sich auch verdient.

Leider hat mein junger Kollege Noah absolut recht. Wobei es hierbei Ausnahmen gibt, zu denen ich mich persönlich zählen würde. Ich habe mich zwar über die eine oder andere Maßnahme (Jansen nominieren und streichen z.B.) gewundert, aber ich bin absolut der Meinung, dass sich Löw unseren Vertrauensvorschuss vor einem so großen Turnier ob seiner Erfolge in den letzten Jahren verdient hat. Und deshalb genießt er ihn bei mir. Ehrlich gesagt, erwarte ich bei dieser WM weniger als bei der vergangenen EM. Auch jetzt noch. Aber irgendwie auch, um mich darüber zu freuen, wenn ich mich irre. Und nicht, weil ich Löw und seinen Jungs nichts zutraue. Und auf die Frage, ob wir Weltmeister werden, werdet Ihr nie eine andere Antwort von mir hören als „ja“. Und das aus eben jenem Grund, weshalb ich in Tipprunden noch nie gegen den HSV getippt habe. Nicht mal in der abgelaufenen Saison…

Darauf getippt, dass sich Lasogga für den HSV entscheidet, hatte ich bereits in der vergangenen Woche. Und heute soll dieser Tipp aufgegangen sein, wie mein Arbeitgeber online verlautbarte. „Lasogga spricht sich intern für den HSV aus“ titelte Abendblatt.de – und liegt damit richtig. Allerdings, und das kommt im Text wieder raus, gibt es weiterhin Konjunktive, die abzuarbeiten sind. Und zwar nicht zu wenige.

Denn allein die Tatsache, dass sich der Spieler im Klaren ist, was er will, löst die Thematik lange nicht auf. Im Gegenteil. Jetzt geht es erst richtig los. Denn Hertha fordert öffentlich in Person des Mangers Michael Preetz einen mindestens zweistelligen Millionenbetrag, um Lasogga ziehen zu lassen. Den kann und will der HSV nicht aufbieten. Ergo: Eine Einigung ist nicht möglich, ohne dass Preetz seine eigenen Worte schlucken müsste. Zudem wäre der Transfer ohne Mittel von außen für den HSV nicht möglich. Nur gut, dass Kühne seine grundsätzliche Bereitschaft erklärt hat, zu helfen. Wie er dem HSV finanziell unter die Arme greift – das ist allerdings noch offen.

Ebenfalls offen ist weiterhin, wann der Transfer finalisiert wird, da bislang noch immer die alten Verantwortlichen auf ihre Posten beharren. Zum einen im Vorstand, zum anderen Im Aufsichtsrat. Eine Situation, mit der Kühne sicherlich schwer bis gar nicht arbeiten kann. Denn es ist hinlänglich bekannt, was der Milliardär von Jarchow und Kreuzer hält. Und gleiches gilt in verschärfter Form auch für die noch im Amt befindlichen Aufsichtsräte.
Insofern können wir mit Sicherheit davon ausgehen, dass Lasoggas Wechsel nach Hamburg – sofern er denn stattfindet – nicht in den nächsten Stunden abgewickelt wird. Vielmehr könnte aber die Personalie Lasogga dazu führen, dass der Druck des vorzeitigen Abdankens auf den einen oder anderen Amtsträger in den nächsten Tagen größer wird. Und das auch nicht zu Unrecht. Denn noch immer blockiert die alte Struktur die Übernahme der Neuen. Zumindest noch bis zum 1. Juli. Und obgleich die Zusammenarbeit zwischen Kreuzer, Jarchow und Hilke mit dem designierten, neuen Vorstandsboss Dietmar Beiersdorfer als „produktiv“ bezeichnet wird – sie ist es im Fall Lasogga nur bedingt.


Insofern freue ich mich umso mehr auf frische Themen, die der Trainingsauftakt mit sich bringen wird. Nicht immer nur Calhanoglu (bleibt beim HSV unverkäuflich), Beiersdorfer, Kreuzer, Slomka, Lasogga und Ostrzolek – aber wem sage ich das. Euch wird das sicher nicht groß anders gehen…

Scholle

Van Marwijks Kampf gegen Windmühlen

13. Dezember 2013

Ganz schön viel Rauch heute, der abziehen musste über dem Volkspark. Es war zwar nur eine kleine „Wutrede“ gestern von Trainer Bert van Marwijk, aber doch immerhin viel größer als erwartet. Als generell von ihm erwartet, als zu diesem Zeitpunkt erwartet. Gestern hat Dieter hier schon im Wortlaut alles wieder gegeben, was der niederländische Trainer loswerden musste. Auch die Zeitungen waren voll. Kritik an der Mannschaft, an der Mentalität, Disziplin soll Einzug halten, seine erste Abrechnung und so weiter.

Klar, dass van Marwijks Worte in erster Linie auf die Mannschaft treffen. Sie setzen ja auch um, bzw. setzen eben gerade nicht um, was vorgegeben ist. Auf dem Platz ist allwöchentlich sichtbar, in Toren messbar, wie gut und schlecht sie arbeiten. Schon seit Jahren, habe ich heute wiederholt gehört, stecke ja solch eine Sch…-Mentalität in der HSV-Mannschaft, die wir dann alle vergangenen Sonnabend beim 0:1 gegen Augsburg bewundern konnten. Wohlfühlgesellschaft, Gucci hier, Gucci da. Mag sein.
Matz_ab_ankuendigung_1730_Uhr
Ich habe jetzt aber nicht schon wieder Lust, mich mit dieser oder jener Schwäche eines Spieler oder einen Trainers zu beschäftigen. Wie viele Trainer will der HSV noch verschleißen, wie viele Spieler kaufen, weil gedacht wird, hier kommt der richtige für eine goldene Zukunft, um sie dann irgendwann wieder zu verscherbeln und einen nächsten Umbruch zu starten? Ich behaupte: die Trainer und Spieler, die der HSV in den vergangenen Jahren durchgeschleust hat, sind und waren im Schnitt nicht schlechter als bei vergleichbaren Bundesliga-Vereinen. Sportlich nicht, aber auch nicht von der Einstellung und Bereitschaft, sich für den Beruf und den Verein zu opfern.


Aber: das Ganze funktioniert nicht einseitig. Nie und nimmer. Es muss immer auch eine Instanz geben, die darüber steht und entsprechende Leistung einfordert. Diese Führung muss vorhanden sein, es muss eine Leitlinie geben, einen Gedanken, für den der Verein steht. Identifikation muss geschaffen werden. Es genügt nicht, nach desaströsen Leistungen auf die Gehaltsabrechnung zu verweisen und zu meinen, mit ihren Millionen-Gagen sei den Profis Motivation genug an die Hand gegeben. Das Problem ist: fehlt die Führung, dann treten die Schwächen in den Menschen, in diesem Fall den Profis, hervor. Dann werden aus Musterprofis beim FC XY bequeme Profis beim HSV. Automatisch.

Die großen Gagen gibt es nämlich anderswo auch. Es muss mehr dazu kommen. Zumindest ein bisschen von dem, was die Fans und Anhänger des Vereins mit ins Stadion tragen, wenn sie ein Spiel des HSV sehen. Eine HSV-Identität muss mit dabei sein, ein Ziel – jenseits vom schnöden Mammon – für das sich der Einsatz lohnt. Ein Bundesligaspieler ist nicht dann besser als sein Gegenspieler, wenn er statt 1,2 nun 1,3 Millionen Euro verdient. Begeisterung, Motivation, Identifikation – das muss da sein.

Die Erfolgsgeschichte eines jeden Clubs, der gerade obenauf ist, besitzt Puzzleteile dieses Phänomens. In Freiburg war es so (auf andere Art, weil der Verein kleiner ist), in Dortmund ist es so im großen Rahmen, bei Werder war es so jahrelang, und bei den Bayern klappt es in Blockbuster-Manier.

Es ist ein jahrelanges Missverständnis beim HSV, dass immer der jeweilige Trainer verantwortlich gemacht wird, wenn die Vermittlung dieser Werte nicht gelingt. In diesen Tagen habe ich von hohen Herren auch wieder gehört, van Marwijk habe keine große Zukunft beim HSV, wenn er sich abkanzelt und im Hotel wohnt. Wenn er die Mannschaft, den Verein kritisiert wie gestern, und dadurch Distanz zeigt. Dieser Gedanke, denke ich, greift zu kurz. Auch der Trainer muss als Teil begriffen werden, in den Begeisterung von oben, von Führungsseite, vom Verein eingepflanzt wird. Pathetisch gesagt ein Ideal, für das es sich zu kämpfen lohnt, und das alle beim HSV haben müssen.

Wann hat der HSV in den letzten Jahren mal richtige Begeisterung entfacht? Mir fällt da die Zeit ein von 2004 bis 2005, als Thomas Doll das Traineramt übernommen hat. Hier war plötzlich eine Figur, die den HSV gelebt hat. Er hat den Club, die Stadt mitgerissen. Emotional war das die heißeste Phase des Clubs in den letzten 20 Jahren. Natürlich – es gab Herzkasper-Spiele zu anderen Zeiten. Es gab ein 4:4 gegen Juventus, es gab europäische Halbfinals. Aber die große Aufbruch-Stimmung, die Freude am HSV, die gab es durch begeisterte und dadurch begeisternde Figuren oben. Doll war als Trainer solch eine Figur (abgesehen davon auch noch ein sehr guter Coach), und hat damit im Prinzip eine Aufgabe übernommen, die eine Etage über ihm noch stärker hätte gelebt werden müssen. Aber: er ist auch von einer anderen HSV-Figur, Dietmar Beiersdorfer, eingesetzt worden. Mit anderen Worten: hier war die Vereins-Verbundenheit durchlässig und hat sich schließlich auf die Mannschaft übertragen.

Bert van Marwijk hat nun erkannt, dass dieser Verein eine bestimmte Krankheit hat. Er nannte es Zufriedenheit, man könnte es auch eine Schlafkrankheit nennen. Das „Erfolglos-Syndrom“. Es kommt nicht vom Trainer, und ich fürchte, auch van Marwijk könnte sich daran überheben – so wie sich Fink, Veh und andere überhoben haben. Ja aber, werden jetzt viele sagen, der Fink hat dies und das falsch gemacht. Der Veh hat doch gar kein Feuer gehabt. Der Labbadia sich nicht mit der Mannschaft verstanden.

Ich habe mit Armin Veh einmal, es war kurz vor seinem freiwilligen-unfreiwilligen Ende beim HSV, über die Situation des Clubs gesprochen. Wir sind alles durchgegangen, von oben bis unten. Vor allem oben natürlich, denn da setzen die Schwächen an. „Es ist ein Wahnsinn“, hat der Veh immer wieder gesagt, wenn es zum Aufsichtsrat kam. Unter diesen Bedingungen hat er Fehler gemacht, die Mannschaft ist ihm aus der Hand geglitten. So hat auch Thorsten Fink sein Feuer mitgebracht nach Hamburg – und als es erloschen war, sind ihm ebenfalls Fehler unterlaufen. Der HSV hat sie alle geschafft.

Zurück zu Veh. Als er dann entlassen wurde, habe ich damaligen Amtsinhabern empfohlen, einmal das Gespräch mit Veh zu suchen. Es bestand ja nun kein Anstellungsverhältnis mehr, vielleicht hätte ein unabhängiger Austausch ja mal geholfen, die Augen zu öffnen. Das Interesse von HSV-Seite war gering, denn Veh wurden immer nur und immer wieder seine Unzulänglichkeiten vorgeworfen.

Alle nicht gut genug für den HSV. Der Veh zu faul. Der Fink nur auf dem Weg zur Familie nach München. Der Jol hatte immer seine holländischen Freunde in der Kabine, und der Oenning war ja nur ein Nachwuchs-Trainer. Ich kann das alles nicht mehr hören und sehen.


Vor ein paar Monaten, es war ausgerechnet nach dem 2:9 bei den Bayern, habe ich einmal einen Kommentar zur Lage des HSV gemacht. Ein Vorschlag für eine bessere Spitze war: Beiersdorfer zum Präsident, Hoogma ins Management, Rost und Barbarez dazu, Uli Stein als Torwarttrainer – und guckt doch mal, was der Beinlich macht und wie man den Hrubesch doch noch mal endlich kriegen kann. Der Text wurde damals auch bei einer Veranstaltung der HSV-Senioren vorgelesen. Mir wurde von höhnischem Gelächter berichtet.

Klar, kann man drüber lachen – wie soll das auch gehen? Und überhaupt: dieses ewig-gestrige mit den 83ern, oder wie? Mir ging es und geht es jetzt um den Gedanken, der dahinter steckt. Um den HSV. Um Figuren, die diesen Verein verkörpern und nach außen tragen und die eine emotionale Bindung mitgeben, die – richtig vorgelebt – dann auch irgendwann mal auf dem Rasen ankommt.

Jeder kann sich selbst überlegen, ob im aktuellen Vorstand und Aufsichtsrat diese Figuren sind, und ob sie kommen würden bei den aktuellen Strukturen. Oder ob von Heesen, Hieronymus, Jakobs und andere mit ihren Verbindungen mehr davon bieten. Oder Hunke. Oder ob Ertel, Liebnau und Co. für den richtigen Weg stehen. Die Frage, ob ein strategischer Partner am 20. Januar, am Tag nach der Mitgliederversammlung, unter „HSV-PLUS“-Voraussetzungen da steht und mit einem Scheck wedelt, ist da erstmal zweitrangig. Es braucht ein Modell, in dem Leistungsfußball mit HSV-Identität gefördert wird. Mit all seinen Gesichtern und Geschichten. Alles in eine Richtung. In eine Richtung!!!

Damit nämlich Calhanoglu, Beister und Tah ihre erfolgreiche Zukunft in Hamburg haben werden, und nicht anderswo. Auch und gerade diese Jungs brauchen etwas, woran sie sich halten können – das Verbindende des HSV. Wenn sie merken, dass der Trainer – im Moment van Marwijk – wie sie selbst in dem wackeligen Boot sitzt und nach Orientierung sucht, dann sind sie so schnell verschwunden wie einige andere vor ihnen.

Zum Training heute. Personell hat sich nicht viel getan. Der Kader ist wie erwartet, so dass van Marwijk morgen in München folgende Elf aufbieten könnte:
Drobny – Rincon, Tah, Djourou, Jansen – Badelj, Arslan – Zoua, van der Vaart, Calhanoglu – Lasogga.

Jacques Zoua steht also mal wieder in der Startelf und vertritt den Gelb-gesperrten Maxi Beister. In der heutigen, kurzen Presserunde hat Zoua verraten, dass er schon zwei Mal gegen den FC Bayern gespielt hat. In der Champions-League-Saison 2011/2012 wurde er jeweils eingewechselt – beim Hinspiel in Basel (1:0) und beim Rückspiel in München (0:7). Heute sagte der Kameruner: „Ich versuche, das Spiel gegen die Bayern wie jedes andere Bundesliga-Spiel zu sehen. Natürlich wird es schwer, aber wir versuchen alles.“

Die Bayern müssen auf Boateng (fünfte Gelbe Karte) verzichten, und nach wie vor auf Robben und Schweinsteiger. Alaba, so heißt es aus München, könnte auf der linken Verteidiger-Position durch Contento ersetzt werden. Das wäre dann der Gegenspieler von Jacques Zoua.

Hoffnung für den HSV: Claudio Pizarro kommt wohl zunächst von der Ersatzbank. Im März schoss er vier Tore gegen den HSV. Insgesamt hat er in 21 Spielen gegen Hamburg 18 Tore erzielt. Eine unfassbare Quote.

Für den HSV geht es darum, sich anständig aus der Affäre zu ziehen. Das wäre völlig okay. An den Bayern haben sich dieses Jahr auch Barca und andere die Zähne ausgebissen. Dieser Fußball-Sonnabend, denke ich, bietet unabhängig vom Ausgang des Spiels keinen Anlass für Hohn und Spott.

Bei Oliver Scheel sind inzwischen die ersten Anträge eingegangen für die Mitgliederversammlung. „HSV-PLUS“ von Otto Rieckhoff, „Tradition mit Zukunft“ von Jürgen Hunke, „Rautenherz“ liegen vor. Außerdem viele Einzelanträge, unter anderem die Idee, eine Stiftung zu gründen. Die Anträge der „HSV-Reform“ werden bis zum Fristende am Sonntagabend auf der Geschäftsstelle des HSV erwartet.

Dieter und Scholle erwarten Euch nach dem Abpfiff des Bayern-Spiels zu „Matz ab live“. Ein Gast wird der Niendorfer Ex-HSV-Profi Alexander Laas sein.
Bis dahin
Lars

P.S.: Das DFB-Pokalspiel gegen Bayern München steigt am Mittwoch, 12. Februar 2014, um 20.30 Uhr und wird sowohl in der ARD als auch auf Sky gezeigt. Und: In der Vorbereitung auf die Fußball-WM in Brasilien spielt die deutsche Nationalmannschaft am 13. Mai in der imtech-Arena gegen Polen.

0:3 – Bayern zwei Nummern zu groß

3. November 2012

Wunder gibt es immer wieder – aber dann doch nicht so oft, wie man es sich als HSV-Fan erhofft. Gegen Rekordmeister Bayern München ging der HSV nach guten Anfangsminute mit 0:3 unter und konnte mit diesem Resultat noch ganz zufrieden sein. Die Münchner waren für den HSV vor 57 000 Zuschauer in der ausverkauften Arena mindestens zwei Nummern zu groß, was wahrlich keine Schande ist. Der HSV wird seine Punkte woanders holen müssen, nicht gegen diesen bärenstarken FC Bayern – und der HSV wird auch seine Punkte wieder holen. Vielleicht schon am nächsten Sonnabend in Freiburg? Diesmal hat es einfach nicht gepasst, diesmal waren die Bayern die deutlich bessere und reifere Mannschaft. Die Münchner gewannen 57 Prozent aller Zweikämpfe, hatten zum Beispiel eine Passgenauigkeit von 87 Prozent! Hervorragend. Und beim HSV hatten dann doch wohl zu viele junge Spieler zu großen Respekt vor diesem Klasse-Team. Was blieb dem HSV-Fan nach Spielschluss? Trotz allem zu feiern! Und Stadionsprecher Dirk Dröge brachte es vor dem Nach-hause-Weg auf den Punkt: „Hamburg hatte an diesem Abend die besseren Fans.“ Wenigstens ein Treffer!

Es regnete, es goss, es war kalt und ungemütlich – aber die Stimmung in der Arena war trotz allem prächtig. Was heißt prächtig, sie war Weltklasse. Und ich habe zu mir immer wieder gesagt: „Bitte, bitte, lieber Fußball-Gott, lass das 1:0 für Bayern nicht zu früh fallen, damit diese Stimmung noch ein wenig anhält.“ In diesem Punkt war der liebe Fußball-Gott dann ja auch auf meiner Seite . . .

Ganz Hamburg schien aufgeregt, voller Vorfreude, unwahrscheinlich optimistisch und auch unglaublich nervös. Schon Stunden vor dem Anpfiff sagten mir viele Fans: „Man, jetzt müsste es aber auch bald mal losgehen . . .“ Und trotz allem musste bis 18.30 Uhr gewartet werden – begleitet mit einigen überraschenden Resultaten in der Ersten Bundesliga. Was ist da nur los? Außer Bayern scheint jede Mannschaft anfällig zu sein. Schalke in Hoffenheim – ohne Worte.

Aber das nur am Rande. Der HSV begann voller Selbstbewusstsein, legte in den ersten Minuten los wie die Feuerwehr. In den ersten Minuten, wohlgemerkt. Trainer Thorsten Fink hatte viel gewagt und viel riskiert. Rafael van der Vaart begann zentral in vorderster Reihe, links sollten ihm Maximilian Beister assistieren, rechts Heung Min Son. Hinter van der Vaart standen Milan Badelj und Tolgay Arslan, dahinter als dauerrennende „Sechs“ Tomas Rincon. Das schien zunächst aufzugehen, die beiden ersten Offensivaktionen des Spieles gehörten dem HSV. Aber mit zunehmender Spielzeit kamen die Bayern, sie fanden stetig immer besser ins und zu ihrem Spiel – und beim HSV funktionierte die neue Formation immer weniger . . .

An van der Vaart lief das Spiel vorbei, von den Außen kamen keine Offensivaktionen, weil dort das Zauberwort „doppeln“ hieß. Gegen Ribery und Müller mussten in der Defensive immer zwei Mann zur Stelle sein, das erfordert jede Menge Laufarbeit, Aufmerksamkeit – und Kraft. Und deswegen lief alsbald nicht mehr so viel nach vorne beim HSV. Alles das, was von Fink mit einem Hauch Offensive angedacht worden war, blieb weit hinter den Erwartungen des Trainers – und aller Fans.

Und – ganz nebenbei – dann zeigten die Bayern natürlich auch immer mehr, warum sie und keine andere Mannschaft in dieser Saison den Meistertitel holen wird. Dieses FCB-Team ist einfach nur saustark. Daran kann kein Dortmund und kein Schalke mehr klingeln. Und der HSV muss seine Punkte gegen andere Klubs holen. Dass diese Bayern aber nicht nur hervorragenden Fußball spielen können, sondern auch noch die eine oder andere nicht so astreine Sache auf Lager haben, das zeigte sich in zwei Szene vor dem Halbzeitpfiff. Erst trat Mandzukic gegen den flankenden Dennis Diekmeier ganz böse zu, der HSV-Spieler musste behandelt werden. Bevor er das konnte, spielte Torwart Neuer den Abstoß blitzschnell aus dem Strafraum (ohne auf den am Boden liegenden Diekmeier zu achten) – und Übeltäter Mandzukic schlich sich ohne Entschuldigung still und heimlich nach vorne. Die zweite Szene dieser Art: Ribery stürmte auf den HSV-Strafraum zu, spielte den Ball mit der Hand gegen die Hand von Rincon – und forderte wild gestikulierend Freistoß oder gar Elfmeter. Geht es noch?

Spätestens nach einer halben Stunde wusste jeder im Stadion, wohin der Hase laufen wird. Bayern waren am Drücker, erspielten sich viele Chancen. Und schossen folgerichtig auch das Führungstor. Nach einem Eckstoß des HSV wurde ganz Hamburg ausgekontert. Bitter. So etwas sollte eigentlich nicht passieren, passiert aber leider immer wieder. Ribery mit einem Befreiungsschlag, Michael Mancienne und „Maxi“ Beister sind sich nicht einig, wer zum Kopfball gehen soll – Bayerns Müller macht es und bedient so Kross, der auf und davon zieht. Der Nationalspieler umkurvt Rene Adler, kann danach aber nur noch flanken – und tut dieses erstklassig. Schweinsteiger, der bei dieser Kälte (?) mit einer schwarzen Strumpfhose spielte, hechtet in diesen Ball – 0:1 (40.).

Mit Beginn des zweiten Durchgangs hatte Thorsten Fink seine erste (und sicherlich auch gut gemeinte) Aufstellung korrigiert. Zurück zur Stamm-Elf: Artjoms Rudnevs kam wieder rein, und alle anderen Spieler gingen zurück auf ihre Positionen, die sie in den vergangenen Wochen bekleidet hatten; Rincon blieb in der Kabine. Und es begann verheißungsvoll, denn nach Sekunden schoss Beister aus halblinker Position auf das Bayern-Tor – aber Neuer hielt ohne Mühe.

Das nächste Tor fiel auf der Gegenseite. Zunächst hielt Rene Adler noch riesig gegen Mandzukic (das musste schon das 0:2 sein), doch dann folgte ein ganz „freches“ Ding. Ribery bediente Müller, der Jansen kurzerhand stehen ließ und frei vor Adler aufkreuzte. Der HSV-Keeper verkürzte den Winkel, Müller schien links auf der Torauslinie ohne Chance, ein Tor zu machen – aber Müller schoss. Rotzfrech. Und drin das Ding! Damit hatte Adler ganz offensichtlich nicht gerechnet – ich muss gestehen, auch ich habe nie damit kalkuliert, dass Müller von dort noch schießen würde. Aber Frechheit siegt (49.). Mit diesem Tor war das Spiel gelaufen.

Adler verhinderte später gegen Ribery noch das 0:3 (51.), aber dieser Treffer ließ trotz allem nicht lange auf sich warten. Ribery, Ribery, Ribery. Wieder war es Ribery, der Kroos in den HSV-Strafraum schickte. Offenbar rechneten alle Hamburger damit, dass der Nationalspieler den Ball zur Mitte passen würde, aber das ist ja nichts für Kroos. Der „Dr. Hammer“ der Bundesliga aktivierte kurz seinen linken Schlappen und drosch die Kugel brutal und absolut humorlos in die kurze Ecke – 0:3 (53.). Das Ende aller Hamburger Träume.

Danach plätscherte das Spiel dann in aller Ruhe in Richtung Champions League. Für die Bayern. Und der HSV? Die Stimmung blieb prächtig: „Steht auf für den HSV.“ Und: „Hey, hey, hier kommt Hamburg.“ Ganz bestimmt. Auch noch in dieser Saison. Aber diese Bayern waren dann doch noch einmal zwei Nummern zu groß. Schade, aber Realität. Und die ist eben oftmals auch ganz grausam.

Die Einzelkritik:

Rene Adler hielt das, was er halten konnte, und das war eine ganze Menge. Aber alles kann er, der Supermann, natürlich dann doch nicht abwehren. Und wenn ihm nun einige schon wieder die Schuld am 0:2 geben (oder eine Beteiligung sehen), dann muss ich sagen, dass ich ihn daran schuldlos sehe. Das war Pech. Und Müllers Können.

Dennis Diekmeier gab alles, versuchte alles, aber gegen einen Ribery haben schon sooooo viele ganz alt ausgesehen. Das ist keine Schande. Trotzdem noch Note vier.

Michael Mancienne begann sehr gut, stoppte zu Beginn einige Bayern-Angriffe, um dann mit ins Trudeln zu geraten. Trotz allem nicht so schlecht, wie man es bei einem 0:3 vermuten könnte.

Heiko Westermann war der beste Hamburger. Note zwei. Was er lief, ackerte, kämpfte, köpfte – großartig und vorbildlich.

Marcell Jansen hielt seine linke Seite eigentlich ganz gut sauber, aber nach vorne konnte er kaum etwas ausrichten. Später, als Dennis Aogo kam, rückte Jansen eine Position vor – ob das dem ehemaligen Bayern-Spieler schmecken wird? Er hat doch dort eine Chance auf eine Nominierung für die Nationalmannschaft gehofft . . . Mal sehen, wie es da weitergehen wird.

Tomas Rincon lief von Bayer zu Bayer zu Bayer. Unglaublich. Aber so richtig in den Griff bekam er weder einen Gegenspieler noch sein Spiel. Schade. Aber er wird es wohl demnächst noch einmal versuchen dürfen. Hoffentlich.

Tolgay Arslan ging unter, und zwar von Anfang an. Da war wohl doch eine Schippe zuviel Respekt mit im Spiel.

Milan Badelj begann schwach und konnte nie zu seinem Spiel finden er blieb schwach und endete schwach. Note fünf.

Heung Min Son blieb blass. Auch wohl deshalb, weil er kaum Unterstützung hatte.

Maximilian Beister fand nie in dieses Spiel und blieb ohne jede Szene. Note fünf.

Rafael van der Vaart versuchte viel, aber irgendwann sah er wohl ein, dass er allein gegen ein solches Starensemble keine Chance hat. Auf „seiner“ Position in Durchgang zwei trat er auch kaum noch in Erscheinung.

Artjoms Rudnevs kam in er 46. Minute für Rincon und blieb chancenlos und blass.
Dennis Aogo kam in der 58. Minute für Beister und ließ nichts mehr anbrennen – gegen Bayern, die auch nicht mehr so recht wollten, keine Frage.

Mund abputzen, aufstehen und weiter – HSV!

20.34 Uhr

Eduardo kommt nicht zum HSV – Elia schon

3. August 2012

So, seit 14 Uhr gibt’s nen Aufnahmestopp für die Fragen an Herrn Jarchow. Ich werde die gesammelten Werke einmal überfliegen und nur die Fragen rausnehmen, die wie gestern erwähnt einfach nur den Sinn erfüllen, den HSV-Vorstandsvorsitzenden zu beleidigen. Aber, versprochen: grenzwertige Fragen bleiben drin. Und die schicke ich noch heute Abend per Email an Herrn Jarchow. Der Klubboss hatte davon bereits gelesen, als ich ihn gestern Nachmittag darauf ansprach. Und was in den letzten zehn Jahren als Ding der Unmöglichkeit galt, wird möglich. „Wenn ich gefragt werde, antworte ich“, so Jarchow, den auch die teilweise grenzwertigen Kritiken im Blog nicht aus der Fassung bringen. Im Gegenteil. Er bleibt ruhig. „Fragen bieten dem gefragten immer auch die Möglichkeit, mit Vorurteilen aufzuräumen. Dass ich es nicht schaffe, restlos jeden zu überzeugen, war mir klar, als ich mein Amt antrat.“

Und egal, wer hier was auch immer von Jarchow hält, so eine Aktion zollt mir allerhöchsten Respekt ab. Denn ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass es in der Bundesliga keinen zweiten Klubboss gibt, der so etwas mitmachen würde. Das nur für die unter uns, die das als selbstverständlich erachten…

Selbstverständlich ist seit Messi sportlich nichts mehr. Dennoch gab es jetzt aus München Entwarnung. „Ich nehme den Cup sehr ernst“, sagt Bayern-Trainer Jupp Heynckes und kontert damit die etwas undurchdachte – oder einfach nur ehrliche? – Aussage von Dortmunds Keeper Roman Weidenfeller. „Ich denke nicht, dass wir mit der ersten Elf auflaufen. Auch die anderen werden noch durchwechseln“, sagt Weidenfeller vor dem Halbfinale gegen den HSV am Sonnabend (16.30 Uhr/Sat.1 überträgt live). Nicht dabei sein wird Mario Götze (Bindehautentzündung), dafür aber Marco Reus, von dem offenbar nicht nur ich ein großer Fan bin fehlen. „Ich bin ein Fan von Reus“, sagte Frank Arnesen heute, „er ist kreativ, schnell, torgefährlich – eben ein moderner Angreifer.“

Aber leider keiner, den sich der HSV angeln kann. Ob demnächst der neue beim HSV zu erwarten ist? Wohl eher nicht. Frank Arnesen ließ durchblicken, dass wohl zuerst ein Innenverteidiger kommen dürfte. Zumindest ein Anfang.

Dabei hatte ich vor zwei Tagen gehört, dass der HSV unmittelbar vor der Verpflichtung des neuen Kreativen stünden. Nach gemeinsamen Recherchen mit meinem Kollegen Kai Schiller kamen wir auf den Namen Carlos Eduardo, der bei Rubin Kazan keine Rolle mehr spielt. Demnach hätte der HSV Interesse an der Verpflichtung des ehemaligen Hoffenheimers, der seit knapp zwei Jahren kaum noch spielt und den Kazan abgeben wolle. Die von transfermarkt.de kolportierten 15 Millionen Euro Marktwert werden auf Beraterbene mit inzwischen nur noch 5 Millionen Euro gehandelt. Ein Betrag, der dem HSV schwer fallen dürfte – der aber nicht unmöglich sein dürfte. Zumal dann nicht, wenn Eduardo zunächst mit Kaufoption ausgeliehen würde.

Allerdings hat sich diese Info nicht bestätigt. Stattdessen habe ich erfahren, dass Eduardo vor einem Wechsel nach Wolfsburg steht. Zumindest hat Trainer Felix Magath, er den Brasilianer schon im Winter zum Werksklub holen wollte, bei Kazan sein neuerliches Interesse hinterlegt. Dem Vernehmen nach geht es jetzt nur noch darum, dass Diego abgegeben wird. Und für den hätte ich einen Abnehmer…

Apropos Problemfälle. Ein solcher war (ist?) auch Eljero Elia. Zumindest beim HSV. Und auch bei Juventus Turin ist der Niederländer mit zweifellos überdurchschnittlichem Talent nicht glücklich geworden. Jetzt versucht es der pfeilschnelle Rechtsfuß bei Werder Bremen und ist mit dem Nordrivalen morgen und Sonntag zu Gast in der Imtech-Arena. Grund genug, den Rückkehrer zu befragen.

Eljero Elia über…
…seine Rückkehr nach Hamburg:
„Ich freue mich auf die Spiele im Liga-Pokal und auf das Wiedersehen mit al-ten Bekannten. Besonders mit Jeffrey Bruma, Dennis Aogo und Tomas Rincon stehe ich im Kontakt. Sobald ich mal frei habe, werde ich sie in Hamburg besuchen. Die HSV-Fans werden mich möglicherweise weniger herzlich begrüßen, aber das ist doch ganz normal. Mich macht das nur noch stärker.“

…die Gründe für seinen Wechsel zu Werder: „Ich hatte ein sehr schweres Jahr in Turin, habe eigentlich nie eine echte Chance bei Juventus erhalten. Ich wollte unbedingt wieder Fußball spielen, und diese Chance hat mir Werder geboten. Für mich ist der Wechsel nach Bremen auch deshalb so wichtig, weil ich endlich Konstanz in meinem Leben haben möchte. Ich habe auch meiner Freundin gesagt, dass ich keine Lust habe, nächstes Jahr schon wieder zu wechseln. Als Fußballer kann man natürlich niemals nie sagen, aber ich werde definitiv nicht zu einem anderen Verein mehr wechseln, der auf einem ähnlichen Level wie Werder ist. Gemeinsam mit unserer Tochter haben wir auch ein schönes Häuschen in Bremen bezogen, aus dem wir so schnell nicht ausziehen wollen.“

…über die Saisonziele von Werder und den HSV: „Ich bin mir sicher, dass wir mit Werder um einen europäischen Platz spielen können. Bremen ist schon in der vergangenen Saison sehr gut gestartet, ist dann leider in der Rückrunde etwas eingebrochen. Was den HSV betrifft, so weiß ich nicht ganz genau, was da in der kommenden Saison möglich sein wird. Wie in der vergangenen Spielzeit sind auch in diesem Sommer wieder viele gute Jungs wie Mladen Petric, Paolo Guerrero, Gökhan Töre oder David Jarolim verkauft worden. Es wird wohl keine ganz einfache Saison für Hamburg.“

…sein schweres Jahr in Turin: „Obwohl ich kaum spielen durfte, habe ich den Wechsel nie bereut. Juventus ist eine der größten Vereine der ganzen Welt, da musste ich mein Glück einfach versuchen. Aber mir ging es auch privat nicht so gut in Turin. In unser Haus wurde dreimal eingebrochen, da habe ich meine Familie zurück nach Holland geschickt. Für mich war es aber wichtig, dass ich auch so eine Phase in meinem Leben überstehe.“

…seinen Ruf als Problemprofi: „Ich weiß nicht, warum ich immer als Problemprofi abgestempelt werde. Obwohl ich in Turin nie spielen durfte, habe ich nie Ärger gemacht. Ich habe fast ein Jahr lang kein Interview mehr gegeben, weil ich lieber Taten statt Worte sprechen lassen wollte. Mein Wunsch ist, dass die Verantwortlichen in Turin eines Tages bereuen, mich haben gehen zu lassen.“

…eine mögliche Rückkehr in die Nationalmannschaft: „Natürlich ist es mein Ziel, wieder für die Niederlande zu spielen. Dafür muss ich mich aber erst mal bei Werder mit Leistung anbieten. Für mich kann es ein großer Vorteil sein, dass Louis van Gaal neuer Bondscoach ist. Er ist ein Supertrainer, der mich damals als Bayerncoach unbedingt nach München holen wollte. Die Verhandlungen zwischen ihm, Bernd Hoffmann und meinem Berater waren damals auch sehr weit fortgeschritten, ein Wechsel nach München ist nur ganz knapp gescheitert.“

…seinen Wechsel der Berater: „Nach dem schwierigen Jahr in Turin wollte ich einen kompletten Neuanfang. Frank Schouten ist immer noch ein guter Freund von mir, aber trotzdem habe ich mich mit Rodger Linse für einen neuen Berater entschieden. Ich wollte einfach alles ändern, ich bin jetzt ein ganz neuer Ellie.“

…die Hilfe von Marko Arnautovic in Bremen: „Ich kenne Marko schon seit einer Ewigkeit. Wir haben gemeinsam in Enschede gespielt, er war 17 und ich war 19 Jahre alt. Und wir haben uns immer super verstanden, der Kontakt riss nie ab. Als ich beim HSV war hat mich Marko häufiger in Hamburg besucht und auch während meiner Juventus-Zeit haben wir viel miteinander telefoniert. Mit Marko ist es für mich hier ein wenig leichter.“

…sein zwiespältiges Verhältnis zu Medien: „In der Vergangenheit wurde nicht immer nur positiv über mich berichtet, aber das ist abgehakt. In Turin habe ich nur deswegen keine Interviews mehr gegeben, weil ich nicht gespielt habe. Aber wenn ich in Bremen wieder mehr spiele, dann ist es auch ganz normal, dass ich wieder häufiger Interviews gebe.“

In diesem Sinne, ich freue mich auf das Turnier. Bis morgen, dann wieder mit Dieter.

Scholle

EM: Tops und Flops und flotte Sprüche ***Aktualisiert***

1. Juli 2012

****ACHTUNG: Wenn Ihr heute Abend während der Live-Übertragung Fragen stellen wollt, dann macht das bitte in dem Blog, der auch das Video beinhaltet. Dort werden Scholle und ich während der Sendung reinschauen und versuchen, die eine oder andere Frage von Euch an Maxi Beister oder auch Heiko Westermann weiterzuleiten****

Nur der HSV! Noch nicht so ganz, denn es ist ja auch noch ein „bisschen“ EM, vor allen Dingen ist ja auch noch die „Abrechnung“ mit dem Bundestrainer ein Thema – aber mit dem heutigen Beitrag noch einmal EM, und dann ist Schluss. Weil am Montag ja bekanntlich wieder der Ball durch den Volkspark rollt, und das ist dann Thema Nummer eins. Beginn des Auftakt-Trainings ist um 15 Uhr.

Beginnen möchte ich trotz allem mit dem HSV. Noch nicht mit einem neuen Spieler, denn der Sportchef weilt ja nicht in Hamburg, sondern sieht in Kiew das EM-Finale, aber es dreht sich immerhin umeinen einstmals neuen HSV-Spieler. Der User „Jan B.“ hatte gefragt:

„Hab mir gerade die Mopo Liste mal angesehen und unter Macauley Christantus das Statement ‚keine Verwendung’ gefunden. Ich hab mal eine Frage an alle Fußballtrainer hier im Blog: Wie kann es sein das ein U17-Nationalspieler, hinter dem alle namhaften Clubs Europas hinterher waren, plötzlich das Fußball spielen verlernt und als nicht verwendbar abgestempelt wird? Das will einfach nicht in meinen Kopf. Der Junge war höchst veranlagt und hat geknipst zur U17 WM. Die Wahl war damals ziemlich eng zwischen Ihm und Toni Kroos zum Spieler des Turniers (Kroos gewann den Titel). Warum ist der eine einer der besten Fußballspieler Deutschlands und der andere nicht mal ein guter 2.Liga Spieler? Was machen wir falsch?“

Dazu platzierte der „Kieler HSV-Fan“ wohl eine Pressemeldung aus der damaligen Zeit:

„Der Hamburger SV hat sich die Dienste von Macauley Chrisantus gesichert. Der 17-Jährige Nigerianer, der mit sieben Treffern bei der diesjährigen U17-Weltmeisterschaft in Korea Torschützenkönig wurde und maßgeblichen Anteil am Titelgewinn seines Landes hatte, erhält zunächst einen Vertrag als Amateurspieler. Im nächsten Sommer soll der Angreifer einen langfristigen Profivertrag unterschreiben. Christantus spielte bislang beim nigerianischen Verein Abuja FC und wurde bei der U17-WM hinter Toni Kroos zum zweitbesten Spieler des Turniers ausgezeichnet. Im Anschluss lagen dem 1,83 Meter großen Stürmer zahlreiche Angebote von europäischen Topklubs vor.

‚Wir sind froh, ihn von unserem Konzept überzeugt zu haben’, sagte Dietmar Beiersdorfer. Dieses sieht vor, ihn langsam an die Profimannschaft heranzuführen. Am Dienstagvormittag trainierte Chrisantus bereits mit den Profis an der HSH Nordbank Arena.“

Ja, warum setzte sich Chrisantus nicht durch? Eine gute Frage. Ich weiß es noch, als wäre es heute geschehen. Chrisantus kam, und der HSV, speziell Dietmar Beiersdorfer, wurde gefeiert. So, als hätte der HSV eben einen neuen Pele unter Vertrag genommen. Hinter dem jungen Stürmer waren viele Klubs her, auch englische – sogar der FC Chelsea. Und der HSV machte das Rennen. Und dann kam da so gar nichts. Null. Chrisantus zeigte im Training nichts, und er zeigte in der zweiten Mannschaft nichts. Er wirkte im Training mit den Profis wie ein Fremdkörper. Wenn Manfred Kaltz der „Schweiger“ genannt wurde, dann müsste Christantus eigentlich der „Schweiger hoch vier“ genannt werden. Ich weiß bis heute nicht, ob er reden konnte. Und auch nicht, ob er das Lachens fähig war. Deutsch konnte er auch nicht, und er lernte es auch nicht – der vielleicht größte Fehler, sein größtes Handicap. Und wenn du keinen Kontakt zu deinen Kollegen hältst, ihn auch nie willst, dann hast du im Sport, vornehmlich im Mannschafts-Sport, keine Chance, groß heraus zu kommen.

Chrisantus konnte in der Jugend bestimmt sehr gut Fußball spielen, aber man hatte ihm nicht beigebracht, wie es im Profi-Sport zugeht. Und, das muss ich auch dem Verein ankreiden: Immer wieder wurde, nicht nur bei ihm, gesagt: „Wir drängen ihn zum Deutsch-Unterricht.“ Wenn das tatsächlich geschah, dann war das aber auch schon alles. Kontrolliert wurde nämlich so gut wie nie, ob die Spieler denn auch tatsächlich ihre Deutsch-Stunden absolviert haben. Das wurde uns von etlichen Spielern im Laufe der Jahre immer wieder bestätigt. Ein schweres Versäumnis und ein total unprofessionelles Verhalten eines Profi-Sport-Vereins. Da wird viel Geld investiert, um den Spieler zu verpflichten, aber es wird nicht bis zur letzten Konsequenz kontrolliert, ob der Spieler dann auch alle Vereinbarungen einhält. Und die Sprache des Gastgeber-Landes zu lernen, das ist ja wohl mal möglich – man wird ja auch nicht dümmer dadurch. Mein Vorbild ist in diesem Punkt Tomas Rincon, der schon nach kurzer Zeit prächtig Deutsch sprechen konnte.

Dann gab es noch eine Mail zum Thema 1970, Italien gegen Deutschland 4:3.

„Danke Dieter,

endlich können auch mal die Jüngeren nachlesen, dass wir 1970, drei Monate vor meiner Geburt, total verpfiffen worden sind. Wenn über das Spiel geredet oder geschrieben wird, dann wird das immer total verschwiegen. Ich habe mir die Partie zweimal irgendwann zwischen 1990 und 2010 über die volle Spielzeit angesehen und muss sagen, dass ich wirklich selten einen schlechteren Schiedsrichter gesehen habe.

Um auch mal abschweifen zu dürfen: Zum Halbfinal-Rückspiel HSV-Werder (2-3) reden alle Leute immer nur über die Papierkugel. Ich sage dann immer, dass dies nichts (oder fast gar nichts) damit zutun hatte, weil zweitens eine Ecke nicht immer zu einem Tor führen muss und vor allem weil erstens der Spieler Michael Gravgaard beim Stande von 1-2 ein blitzsauberes Kopfballtor erzielt hatte, welches nicht gegeben wurde. Das Spiel wäre dann anders ausgegangen…

Zurück zu 1970: Im Wikipedia-Eintrag ist nichts von diesem unterirdischen Schiedsrichter zu lesen. Ich würde das am liebsten ändern. Aber ich glaube, ich benötige dazu eine Quellenangabe…
BWSG, Henning

So, und dann war der heutige „Doppelpass” auf „Sport 1” ja mit Hamburger „durchsetzt“. Thomas Helmer wohnt hier, Thomas Doll ist immer noch einer von Hamburgs Fußball-Lieblingen, und Marcell Jansen spielt hier, obwohl der neue Vertrag immer noch nicht unterschrieben worden ist.

Wer es nicht mitbekommen hat, hier die wichtigsten Aussagen von Marcell Jansen. Er sagt . . .

…über die Zukunft von Joachim Löw:
„Ich glaube, dass er sich stellt, weil er etwas vorzuweisen hat. Und er war auch für mich einer meiner wichtigsten Trainer in meiner Laufbahn – eine taktische und fußballerische Ausbildung auf einem sehr hohen Niveau. Natürlich verstehe ich die Emotionalität nach dem Spiel, aber Jogi Löw hatte auch bereits als Co-Trainer 2006 eine ganz immens wichtige Position innerhalb der Mannschaft und hat mich persönlich sehr weit gebracht. Natürlich führt jeder Rückschlag dennoch zu Debatten und dazu, noch einen Schritt draufzusetzen. Das muss jetzt das Ziel sein. Jogi Löw ist da auch so ehrgeizig, das anzunehmen. Es ist doch schön, wenn wir jetzt wieder neue Ziele haben.“

…über fehlende Führungsspieler in der deutschen Mannschaft:
„Was fehlt ist die Frage, ist ein Spieler marketingtechnisch so aufgebaut oder ist er von Natur aus so? […] Und das ist der große Unterschied: Ob man sich in der Öffentlichkeit hinstellt und irgendetwas versucht, damit es sich hinterher gut anhört, oder ist man einfach so wie man ist? […] In der eigenen Darstellung muss jeder selbst Verantwortung für sich übernehmen und sich fragen, wie bin ich als Typ und wie möchte ich rüber kommen. Jeder muss da seinen Weg finden und das ist heutzutage allgemein schwierig, weil alles irgendwie vermarktet ist. […] Das ist eine sehr schwierige Diskussion, weil alles seit Jahren als gut und richtig anerkannt wurde. Jetzt sitzen wir heute hier, weil wir einmal nicht gut gespielt haben und verdient ausgeschieden sind. Wo war die Kritik als es noch lief?“

…über deutsche Spieler, die die Nationalhymne nicht mitgesungen haben:
„Wir haben ab 2006 wieder angefangen, eine Euphorie zu entfachen. Das hat gut getan und da ist auch das jetzige Trainerteam dafür verantwortlich, dass das so Schwung aufgenommen hat. […] Klar sind die Spieler dafür verantwortlich, auf dem Platz zu verkörpern, dass sie für unser Land auflaufen. […] Man muss aber aufpassen, dass man da nicht zu viel rein interpretiert. Dennoch muss man versuchen, sich über die Nationalhymne kurz vor dem Spiel noch eine Extra-Motivation zu holen. Ich denke, dass das bei den Jungs aber auch der Fall war.“

…über die Italiener und das heutige EM-Finale:
„Es ist beeindruckend, wie sie mit der Situation umgegangen sind, weil das ja auch ein Riesen-Druck war – gerade ein Buffon, der ja sehr hart kritisiert wurde. […] Wenn Italien in der Lage ist, in Führung zu gehen, können sie es auch schaffen. Wenn nicht, wird es sehr eng. […] Ich bin der Überzeugung, dass es Spanien macht, aber emotional wäre es auch Italien zu gönnen.“

Und Thomas Doll sagte auf Sport 1 . . .

…über die Entwicklung der deutschen Mannschaft:
„Wir sehen unsere Nationalmannschaft sehr gerne Fußball spielen. Wir können uns damit identifizieren und haben in den letzten sechs Jahren Riesen-Sprünge nach vorne gemacht. Nationen wie England und Frankreich wären froh, wenn sie da stehen würden, wo wir jetzt stehen. Und man kann nicht von einem einzigen Spiel ausgehen – auch wenn es das Halbfinale ist – ob Jogi Löw jetzt der richtige Trainer ist oder nicht. Jogi macht einen klasse Job und ist genau der richtige Mann – und auch der richtige Mann für 2014.“

Und noch ein ehemaliger HSVer hat ich zum Thema Nationalmannschaft und EM geäußert: Günter Netzer. Der ehemalige Manager äußerte sich in der „Bild am Sonntag“, und Insider wissen es vielleicht, wie ich denke: Wenn Günter Netzer etwas sagt, dann hat das in meinen Augen Gewicht. Er ist meine absolute Nummer eins in Deutschland. Der Mann ist super, der weiß wovon er spricht, der weiß auch genau, was er sagt. Das ist niemals ein Blabla:

Günter Netzer hat deutliche Kritik an den Führungsspielern und an der Rundumversorgung in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft geübt. Der Ex-Nationalspieler kritisierte nach dem EM-Halbfinale gegen Italien (1:2) in einer Kolumne für die Zeitung „Bild am Sonntag“ besonders Kapitän Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski. Lahm trete vor den Fernsehkameras „rhetorisch brillant“ auf. Aber in dieser Saison bei Bayern München und in der Nationalelf bei der EM habe er abgesehen vom Spiel gegen die Niederlande „gravierende Abwehrschwächen“ gezeigt. „Ihm sind der Drang nach vorne und die Effizienz verloren gegangen“, sagte Netzer. Podolski sei nur noch ein „Nationalspieler von Löws Gnaden“, Schweinsteiger „einfach keine Führungsnatur“.

Netzer hält die von Bundestrainer Joachim Löw gelobte flache Hierarchie für falsch. „Jede Mannschaft braucht eine Hierarchie. Das haben wir gegen Italien nicht gehabt. Dort waren wir nicht in der Lage, diese Aufgaben zu erfüllen“, schrieb Netzer. Die „paradiesischen Zustände“, wie sie dem Team im EM-Quartier Dwor Oliwski geboten wurden, betrachtete Netzer als „ein wenig zu viel des Guten“. Dass Löw von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach das Vertrauen ausgesprochen wurde, begrüßte Netzer aber. „Löw ist unbestritten einer der besten Trainer der Welt“, sagte er (aufgezeichnet von dapd).

Dann gibt es da noch die Tops und Flops der EM

TOPS

Gastfreundschaft: Die Geschichte der Deutschen in Danzig, Warschau, Lwiw oder auch Charkiw ist eine ganz spezielle – aber in der Gegenwart war es beeindruckend, wie freundlich und herzlich die Menschen in Polen und der Ukraine auch ihre deutschen Gäste bei sich willkommen hießen. Doch trug dazu sicherlich auch bei, dass diese Gäste sich bei ihrem Besuch zu benehmen wussten.

Fratelli d’Italia: Gianluigi Buffon singt sie im Gedenken an seine Großeltern, andere hatten andere Motive – aber alle gemeinsam intonierten Italiens Nationalspieler vor jedem Spiel die Hymne ihres Heimatlandes mit solcher Inbrunst, dass ihnen alleine dafür der Titel gebührte.

Die Königlichen: Fast in Mannschaftsstärke war Spaniens Meister Real Madrid im Halbfinale der EM vertreten, angeführt vom endlich einmal auch in Portugals Nationaltrikot überzeugenden Cristiano Ronaldo. Das Team der Vorrunde war hingegen der VfL Wolfsburg mit dem prompt teuer an Bayern München verkauften Dreifachtorschützen Mario Mandzukic sowie Petr Jiracek, der für Tschechien ebenso zweimal traf wie sein Landsmann und künftiger Teamkollege Vaclav Pilar.

Stratege: Der stets adrette Signore Cesare Prandelli pilgerte nach jedem Sieg von Italiens Nationalteam. Mit innerer Ruhe entwickelte er die perfekte Strategie, wie sich Verletzungssorgen und dem Wettskandal in der Heimat trotzen ließ und darüber hinaus die Exzentriker Mario Balotelli und Antonio Cassano ins Team zu integrieren waren.

Sonderpreis: Mit ihrer Version von „Low lie the fields of Athenry“ sorgten die irischen Fußballfans für den Gänsehautmoment dieser EM. „Wir alle waren beeindruckt von diesen Fans. Sie haben die Ergebnisse ihrer Mannschaft wettgemacht“, sagte Uefa-Generalsekretär Gianni Infantino über die Anhänger der sieg- und punktlosen Iren. Den Sonderpreis der Uefa, den Präsident Michel Platini ihnen auf Beschluss des Exekutivkomitees überreichen wird, haben sie zweifellos verdient. Fraglich ist nur, ob die Uefa sich nicht besser mit drängenderen Problemen beschäftigen sollte, etwa dem Torklau von Donezk. Und damit zu den…

FLOPS

Schummelei: Löw und der Balljunge und die Tränen von Fan Andrea – in mindestens diesen beiden Fällen schummelte die Uefa gewaltig beim weltweiten TV-Signal. Mindestens deshalb, weil wir nicht wissen, welche Szenen uns womöglich noch in aufgezeichneter Form untergejubelt wurden. Hatte Balotelli womöglich in einem ganz anderen Spiel zwei Tore geschossen? Fakt ist: Manipulation und Zensur empören ARD und ZDF – und nicht nur die.

Gastgeber: Vor vier Jahren waren die Ausrichter Österreich und Schweiz zu schwach für ein Weiterkommen, nun scheiterten auch die dank dieser Rolle ins Feld der EM-Teilnehmer gerutschten Polen und Ukraine schon nach der Vorrunde. Ein Gastgeber mit Erfolgsaussichten wäre also mal wieder schön. Ob aber ausgerechnet Frankreich das 2016 gelingen wird? Vielleicht hilft ihnen ja die Aufstockung auf 24 Teams…

Wertloser Weltrekord: Der EM-Titel war das erklärte Ziel, aber wieder einmal reichte es für Deutschlands beste Fußballer nur zum Halbfinale. Joachim Löw verzockte sich bei der Taktik gegen Italien, Bastian Schweinsteiger war zu keinem Zeitpunkt er selbst, Lukas Podolski spielte erst recht ein schwaches Turnier. Der Weltrekord von 15 Pflichtspielsiegen hintereinander ist wertlos, wenn andere das wahre Ziel erreichen und den Titelgewinn feiern.

Rassismus und Randale: Nationalistische Fahnen und Symbole und menschenverachtende Grunzlaute primitiver Fans waren bestimmende Themen der ersten Turnierwoche. Zum Glück nur der ersten Turnierwoche. Danach waren Russland und Kroatien ausgeschieden – und der friedliche Teil der Fans unter sich.

Störenfriede: Für die letzten Ausraster des Turniers sorgten der Trainer der Ukraine, Oleg Blochin, und Frankreichs Stürmer Sami Nasri. Beide bepöbelten ihnen missliebige Journalisten. Echte Störenfriede waren auch die Egoisten in Hollands Team, Klaas-Jan Huntelaar etwa, der sich selbst wichtiger nahm als den Erfolg seiner „Elftal“.

Und um die EM noch abzurunden, es gibt auch noch die Zitate der Fußball-Europameisterschaft

„Da heißt es, Stahlhelm aufsetzen und groß machen.“ (Deutschlands Assistenztrainer Hansi Flick am Freitag in Danzig auf die Frage, ob es wegen der Schusskünste von Cristiano Ronaldo eine Freistoßwarnung an die deutschen Spieler gegen Portugal geben werde)

„Das ist schließlich nicht Andorra. Obwohl: Gegen Andorra triffst du nicht immer so viel ins Netz.“ (Mittelfeldspieler Roman Schirokow nach dem furiosen 4:1 der Russen gegen Tschechien bei der Fußball-EM)

„Vor dieser Pressekonferenz habe ich noch ein Stündchen geschlafen. Ich bin entspannt wie ein kleines Kind, das seine Hausaufgaben gemacht hat.“ (Italiens Nationaltrainer Cesare Prandelli einen Tag vor dem Gruppenspiel gegen Spanien)

„Egoland – Legoland 0:1.“ (Fans der niederländischen Fußball-Nationalmannschaft im Internet-Kurznachrichtendienst Twitter über die Leistung ihres Teams bei der EM-Auftaktniederlage gegen Dänemark)

„Ich werde nur die erste Hälfte der Frage beantworten, weil der Übersetzer weg ist. Ich glaube, er ist auf die Toilette gegangen.“ (Frankreichs Fußball-Nationaltrainer Laurent Blanc bei der Pressekonferenz vor dem EM-Spiel gegen England)

„Darf ich es waschen lassen?“ (Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano zu Nationaltorwart Gianluigi Buffon, der ihm nach dem 1:1 gegen Spanien sein verschwitztes Trikot geschenkt hatte)

„Was hat mal ein ganz großer Kollege von mir gesagt, Giovanni Trapattoni: Ein Trainer ist kein Idiot!“ (Bundestrainer Joachim Löw auf die Frage, wie seine Personalentscheidungen zustande kämen, mehr aus Gefühl oder mehr aus Erkenntnissen)

„Ich habe euch nicht gebeten, zu warten.“ (Torschütze Samir Nasri nach der Dopingprobe beim 1:1 gegen England auf die Anmerkung eines Journalisten, man habe zwei Stunden auf ihn gewartet)

„Ich war schon geschockt über Mario, weil ich noch nie gesehen habe, dass er den Ball so mitgenommen hat. Wenn er solche Aktionen öfter hat, muss man aufpassen, dass er nicht nach Brasilien geht.“ (Bastian Schweinsteiger zum ersten Tor von Gomez beim 2:1 gegen die Niederlande)

„Spanien kann praktisch mit geschlossenen Augen spielen.“ (Irlands Trainer Giovanni Trapattoni nach dem 0:4 gegen Spanien)

„Mir blieb nichts anderes übrig, als den Ball reinzuschießen. Ich hätte 80 Meter wieder zurücklaufen müssen.“ (Lars Bender zu seinem Siegtor gegen Dänemark)

„Beim Spiel der Spanier wird nur der Ball müde.“ (Uefa-Präsident Michel Platini über die körperliche Fitness und das schnelle Kurzpassspiel der Spanier)

„Wenn wir jetzt über einzelne Fälle von Schiedsrichterentscheidungen sprechen würden, säßen wir Weihnachten noch hier.“ (Uefa-Schiedsrichterchef Pierluigi Collina nach dem Torklau von Donezk)

„Bei so einem Spiel dabei zu sein, hätte ich mir allenfalls an der Playstation vorstellen können.“ (Italiens Stürmer Alessandro Diamanti vor dem Viertelfinale gegen England)

„Es ist wie mit einem Ehepaar – wenn du immer alles unter den Teppich kehrst, fliegt das Ganze irgendwann auseinander.“ (Frankreichs Co-Trainer Alain Boghossian über die Auseinandersetzungen nach der 0:2-Niederlage gegen Schweden)

„Wir wissen alle, dass Mario eine schöne Frisur hat. Aber über meine Frisur geht nichts.“ (Marco Reus auf die Frage einer ausländischen Reporterin, ob er wisse, dass seine Frisur noch schöner sei als die von Teamkollege Mario Gomez)

„Ich habe einen Spaten daheim, den könnte ich Jogi Löw schicken, damit er den Maulwurf erschlägt.“ (Hoffenheims Trainer Markus Babbel zur sogenannten Maulwurf-Affäre bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft)

„Das war der schönste Abend meines Lebens.“ (Italiens Stürmerstar Mario Balotelli nach dem 2:1 im EM-Halbfinale gegen Deutschland)

„Wir haben viermal auf die Fresse gekriegt.“ (Mario Gomez nach dem 1:2 gegen Italien im EM-Halbfinale. Mit dem FC Bayern hatte er in dieser Saison dreimal knapp einen Titel verpasst)

„Es gibt keinen Grund, etwas anzuzweifeln.“ (Fußball-Bundestrainer Joachim Löw nach dem EM-Aus gegen Italien)

„Ich habe viel Wodka getrunken.“ (Uefa-Präsident Michel Platini auf die Frage eines Journalisten, was er in den vergangenen Wochen so getan habe, außer EM-Spiele im Stadion zu schauen)

Und einmal EM habe ich noch – für jene, die am Bundestrainer zweifeln:

Die Positive Löw-Bilanz: Nur sechs Pleiten in 50 Pflichtspielen

Ausgerechnet in seinem 50. Pflichtspiel musste Joachim Löw die vielleicht bitterste Niederlage in seiner Amtszeit als Fußball-Bundestrainer hinnehmen. Es war erst die sechste in einem Wettbewerbsspiel. 39 Siege und fünf Unentschieden stehen für den 52-Jährigen zu Buche. Bei allen drei Turnieren als Bundestrainer konnte Löw den letzten oder vorletzten Schritt mit dem DFB-Team nicht machen, zweimal gegen Spanien und jetzt erstmals gegen Italien. Die sechs Pflichtspiel-Niederlagen unter Bundestrainer Löw:

17.10.2007 Deutschland – Tschechien 0:3 EM-Qualifikation *
12.06.2008 Deutschland – Kroatien 1:2 EM-Vorrunde
29.06.2008 Deutschland – Spanien 0:1 EM-Finale
18.06.2010 Deutschland – Serbien 0:1 WM-Vorrunde
07.07.2010 Deutschland – Spanien 0:1 WM-Halbfinale
28.06.2012 Deutschland – Italien 0:1 EM-Halbfinale * Die deutsche Mannschaft hatte sich wenige Tage zuvor für die EM 2008 qualifiziert (dpa).

Und dann auch noch das ganz kurz zum Thema Frauen-Fußball und Abmeldung der HSV-Bundesliga-Mannschaft:

Der Frauenfußball-Bundesligist FCR Duisburg hat nach eigenen Angaben die Insolvenz-Gefahr gebannt. „Nur mit dem unermüdlichen, monatelangem Einsatz aller Verantwortlichen und der Hilfe der treuen Sponsoren konnte die akut drohende Insolvenz jetzt endgültig abgewendet werden“, hieß es in einer Pressemitteilung des Klubs.
Der FCR musste zuletzt personell einen Aderlass verkraften. Neben Nationalspielerin Annike Krahn, die ihren Abschied am vergangenen Donnerstag verkündet hatte, verlassen unter anderem auch die Nationalspielerinnen Alexandra Popp, Luisa Wensing und Simone Laudehr den Klub. Popp und Wensing schließen sich dem VfL Wolfsburg an, Laudehr wechselt zum siebenmaligen Meister 1. FFC Frankfurt. Krahn will ihren neuen Klub in Kürze bekannt geben.
Der Klub kündigte an, dass es aufgrund der angespannten Finanzlage „auch nach der Rettung nicht möglich sein wird, spektakuläre Neuverpflichtungen zu realisieren“. (SID)

So, nun ist auch Schluss mit lustig. Ich mache mich nun vom Acker (aus der Redaktion), weil es ins „Champs“ nach Schnelsen geht, aus dem am Abend „Matz ab live“ mit unseren Gästen Heiko Westermann und Maximilian Beister (und natürlich mit „uns Scholle“) gesendet wird. Ich werde dort eher in „Schweinsteiger-Verfassung“ auflaufen, also höchstens bei 70 bis 80 Prozent, weil ich immer noch leicht angeschlagen bin, aber dann wird es eben „Scholle“ richten müssen. Wird schon. Ich hoffe doch, dass ihr wieder mit von der Partie sein werdet.
Einen schönen Abend für euch und eure Lieben.

17.39 Uhr

Vom “Über-Jogi” zum Sündenbock

30. Juni 2012

Im Nachhinein ist man immer schlauer. Heißt es im Volksmund. Ist wohl auch was dran. Aber ich kann mich erinnern, dass wir im Kollegenkreis so gut wie fassungslos waren, als wir am Donnerstag von der deutschen Aufstellung für das Italien-Länderspiel erfahren hatten. Und ich bin mir sicher, dass wenn der Bundestrainer seine 20 Millionen „Kollegen“ im Lande gefragt hätte, dass er mindestens zehn Millionen Einsprüche gegen diese Elf geerntet hätte. Wenn nicht noch viele, viele mehr. Nun gut, es ist jetzt ohnehin nicht mehr zu ändern, aber was nun im „Nachhinein“ auf „Jogi“ Löw einprasselt, das hätte ich nicht vermutet. Vor dem Halbfinale wurde er in ganz Deutschland als „Über-Jogi“ gefeiert – und nun hat er mit einem Spiel plötzlich soooooo viele Gegner gewonnen. Eine höchst zweifelhafte „Ehre“. Und wer da nicht alles was zu sagen hat. Ballack, Thon, Schumacher und, und, und. Besonders die ehemaligen Nationalspieler äußern sich ja jetzt sehr, sehr kritisch. Bin gespannt, wann in diese „Hetze“ auch noch der eine oder andere Bundesliga-Trainer mit einsteigen wird.

Mein Freund Klaus ist ja einer von den 20 Millionen Bundestrainern hierzulande. Er sagte mir heute am Telefon: „Ich würde jetzt Matthias Sammer als Bundestrainer bringen. Bei dem wären solche Fehler ganz sicher nicht vorgekommen.“
Mag ja sein, aber dafür passieren dem dann eben andere Fehler. Wer ist schon fehlerfrei? Ein Bundestrainer sicher nicht. In Deutschland gab es jedenfalls noch keinen fehlerfreien Bundestrainer. Um noch einmal kurz meine Meinung in Sachen Italien-Aufstellung einfließen zu lassen: Podolski, Gomez und Kroos hätten bei mir nicht gespielt. Und wenn man ganz, ganz ehrlich ist, dann gehörte auch Schweinsteiger nicht mehr in diese Mannschaft, denn der war bei dieser EM nie bei 100 Prozent. Zu keiner Phase.

Irgendein schlauer Mensch hat kürzlich, weit vor dem Italien-Spiel, zu mir gesagt: „Der hat nach seiner langen und schweren Verletzung beim FC Bayern viel zu früh wieder angefangen. Der sollte gegen diese verdammten zweiten Plätze ankämpfen, aber das ist ja bekanntlich gescheitert. Damit jedoch ist er verheizt worden, sodass er bei dieser EM nur mit höchsten 60 Prozent dabei war.“

Kann ja sein. Eventuell waren bei Schweinsteiger aber auch ganz besonders die drei zweiten Plätze des FC Bayern zu spüren, bei ihm haben sie eventuell doch mehr Wirkung gezeigt, als er, als der DFB und als „Jogi“ Löw zugeben wollen. Natürlich gehört Schweinsteiger in die deutsche Nationalmannschaft, natürlich gehört er auch zu den festen Größen des europäischen Fußballs, aber man muss eben auch mal „nein“ sagen können. Schweinsteiger selbst aber sagte vor dem Italien-Spiel: „Ich bin fit.“ Wie bitte? Durch einen Crash-Kurs? Er mag schmerzfrei gewesen sein, aber ganz sicher nicht fit. Und ich bin gespannt, wie lange es in der kommenden Saison dauern wird, bis der „Schweini“ wirklich wieder zu hundert Prozent fit ist. Aber wenn es ein solches Vertrauensverhältnis zwischen Spieler und Bundestrainer gibt, wie es offensichtlich der Fall ist, dann hätte Löw seinem Star vielleicht in einem Vier-Augen-Gespräch klar machen müssen, dass es für die Mannschaft diesmal besser ist, ohne ihn . . .

Aber das ist vielleicht auch ein wenig zu viel verlangt. Und warum bei Schweinsteiger anfangen, wenn schon Podolski und Gomez „mittun“ dürfen? Ich wurde ja bei „Matz ab“ ausgelacht, als ich kürzlich schrieb, dass mir der FC Arsenal Leid täte. Weil die Engländer einen Mann gekauft haben, der seine Zukunft schon hinter sich hat. Da bin ich auch mal gespannt, wie sich das so auf der Insel entwickelt. Sehr, sehr, sehr gespannt sogar. Ich habe das Gefühl, dass Podolski unter die Denker gegangen ist. Er denkt zu viel über sein Spiel nach, statt wie früher unbekümmert den direkten Weg zum Tor zu suchen. Ich jedenfalls war total entsetzt über diese EM-Vorstellung des Kölners, besonders natürlich über diese 45 Minuten gegen Italien. Außer einem Foul von ihm habe ich nichts gesehen.

Nun gut, jetzt bin ich auch noch einmal mittendrin statt nur dabei. Interessant fand ich, was ZDF-Experte Oliver Kahn (43), Vize-Weltmeister von 2002 und dreimaliger „Welttorhüter des Jahres“, im Gespräch mit Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein zum deutschen Scheitern im EM-Halbfinale gesagt hat. Da war nämlich enorm viel Kluges und Wahres dabei:

„Was ich in den letzten Jahren beobachtet habe, ist so ein bisschen das Verleugnen ganz wichtiger, ganz zentraler Tugenden und Werte, die den deutschen Fußball früher ausgemacht haben – Grundeinstellungen wie Zweikampfhärte, Wille, Leidenschaft, Einsatz. All das hat bei der deutschen Mannschaft diesmal gefehlt. Wir tun so seit einer gewissen Zeit, ca. seit 2006, als bräuchten wir all diese Tugenden nicht mehr, als könnten wir alles immer ganz leicht, spielerisch lösen. Man hat gerade in diesem Spiel gesehen, wie wichtig diese Dinge sind. Eine dieser Tugenden heißt: Verantwortung übernehmen. Wenn es 0:1 oder 0:2 steht, wo ist dann der Spieler, der Verantwortung für das Team übernimmt…?“

Oliver Kahn sagte auch:

„Es ist oft von den ‚flachen Hierarchien’ im deutschen Fußball die Rede. Der Nachteil dabei ist, dass die Spieler nicht zur Verantwortung erzogen werden. Und genau das hat in diesem Spiel letztlich gefehlt. Wir sollten uns auf die alten Tugenden besinnen, die den deutschen Fußball groß gemacht haben. Wir sollten uns Gedanken darüber machen, wie wir die modernen Facetten des Fußball, die Spielphilosophie mit den alten deutschen Tugenden verbinden können.“

Und dann gab es noch eine kleine Kritik an Löw:

„Diesmal hat das Konzept, das der Bundestrainer sich ausgedacht hat, alles andere als funktioniert. Man hat gemerkt, dass die Mannschaft in diesem taktischen System noch nie zusammengespielt hat. Kroos hatte die Aufgabe, Pirlo fast schon in Manndeckung auszuschalten. Das hat dazu geführt, dass sich Özil und Kroos fast immer auf den Füßen gestanden haben. Özil hat auch versucht, das Zentrum zu besetzen. Damit waren zwei in der Mitte, und die ganze rechte Seite blieb dann praktisch frei.“

Dabei waren dem früheren Welttorhüter auch folgende Dinge nicht verborgen geblieben:

„Wenn dann noch solche Fehler im Defensivbereich gemacht werden, eigentlich einfache, unverständliche Fehler, Konzentrationsfehler, dann muss man sich nicht wundern, wenn man gegen so eine hoch motivierte Mannschaft wie die Italiener rausfliegt. Fußball ist ja zunächst einmal ein Fehlervermeidungsspiel. Es geht darum – gerade auf diesem Niveau – so wenig Fehler wie möglich zu machen. Wenn Du natürlich solche Klopse machst wie die deutsche Mannschaft im Defensivbereich, die Italiener geradezu dazu einlädst, die Tore zu erzielen, dann wird es natürlich sehr schwierig.“

Alles war recht ist, aber da hat Kahn schon viel Wahres gesagt. Ich habe ja auch bei „Matz ab live“ unseren Gast Lotto King Karl gefragt, ob Deutschland nicht auch der eine oder andere „harte Hund“ (einer wie der Spanier Ramos, wie van Bommel bei den Niederländern) fehlt? Mein Kollegen „Scholle“ hat mich ausgelacht, als ich meine Bedenken über unsere Innenverteidigung äußerte. Badstuber und Hummels wollen Fußball spielen. Deutschland war und ist stolz darauf, nur noch ganz wenige Fouls zu begehen – aber was nützt einem ein Fairness-Preis, wenn man die großen Titel nicht gewinnt? Balotelli ist eine richtige Kante, der zur Not auch durch Betonwände marschiert – mit dem Kopf voran. „Scholle“ aber sagte zu mir: „Ach was, der Balotelli ist doch auch kein Überflieger, der hat doch keine überragende Saison gespielt. Nein, nein, den legen die Deutschen schon an die Kette . . .“

Wie Kahn schon sagte: deutsche Tugenden. Ich weiß, ich weiß, keiner kann das mehr hören. Aber fehlt uns nicht so einer wie der frühere Stuttgarter „Eisenfuß“ Karlheinz Förster? Oder Jürgen Kohler? Oder ein Willi Schulz? Von dem hieß es stets: „Wer an Schulz vorbeikommt, hat selber schuld.“ So richtige „Hacker“ gibt es doch heute gar nicht mehr. Einen „Treter“, der schon beim Auflaufen die Ellenbogen ausfährt. Der einem Angst und Schrecken einjagt, wenn man ihn nur sieht. Die deutschen Abwehrspieler wollen „nur spielen“. Um keine Freistöße in Tornähe zuzulassen. Mag ja sein, dass so etwas auch ganz gut ist, aber einen Balotelli bekommt man nur zufassen, in dem man ihm auch mal die Kante gibt. Ohne unfair zu sein – einfach nur mit gesunder Härte. Spanien hat diesen Ramos, und der wird dem Balotelli schon zeigen, wo Bartel den Most holt.

Und so sehr ich es auch begrüße, dass in Fußball-Deutschland den jungen Leuten, sogar den ganz jungen Leuten das Fußball „spielen“ beigebracht wird – es dürfte auch schon der eine oder andere Hauch von Härte vermittelt werden. Heute sind die jungen Fußballer, die kurz vor den Bundesligen stehen, alle super und großartig mit viel, viel Technik ausgebildet, aber einen Schuss sollte irgendwann doch auch mal wieder ein Thema werden. Die Mischung macht’s.

Um noch einmal kurz auf Oliver Kahn zurückzukommen: Er war trotz allem nur zweiter Sieger bei dieser EM, denn sein frühere Kollege Mehmet Scholl, der war bei der ARD der große Gewinner dieser EM. Trotz des „Wundlegens“ mit Gomez. Was Scholl alles während dieser Meisterschaft an fußballerischen Weisheiten verkündete, wie er fußballerische Feinheiten aufklärte und erklärte, das war erste Sahne. Der Mann hat es drauf, und ich kann dem großen Trapattoni nur beipflichten: „Scholl wird mal ein großer Trainer.“

Und wo ich gerade bei Irland (Trapattoni) bin. Die Uefa wird den „irländischen“ Fans (würde Rudi Völler sagen, ich kann es mir nicht verkneifen!) einen Sonderpreis verleihen – weil diese Anhänger während der EM-Tage so positiv aufgefallen sind. Die haben gesungen, geschunkelt, gefeiert – obwohl die Iren nur verloren haben. Irlands Ikone Roy Keane waren die grünen Partys nach Niederlagen allerdings ein großer Dorn im Auge. Er sagte während der EM: „Ich denke, die Spieler und Fans müssen ihre Mentalität ändern. Lasst uns nicht gegenseitig verarschen, die Anhänger wollen ihr Team gewinnen sehen. Wir sind ein kleines Land, aber lasst uns hin und wieder nicht nur mit dem Rumgesinge zufrieden geben.“ Was der ehemalige Kapitän der irischen Nationalmannschaft jetzt wohl sagt, dass Irland nun noch einen Preis für das Rumgesinge erhält. Wird Keane eventuell am Fußball generell zweifeln? Vielleicht. Ich aber habe mir damals schon gedacht: Jetzt dürfen die Fans schon nicht mal mehr singen, schunkeln und feiern. Sind zuschlagende Krawall-Brüder denn doch erwünschter? Oder wie kann man sich den idealen Zuschauer denn „schnitzen“? Schlagen sollen sie nicht, singen, schunkeln und feiern sollen sie auch nicht – eines Tages, da bin ich mir sicher, werden wir schon noch den „idealen Fan“ haben. Ob ich das allerdings noch erlebe, das bezweifle ich doch stark.

So, ansonsten bin ich froh, dass wir morgen den letzten EM-Tag vor uns haben. Nicht wegen der EM an sich, nein (es hat doch viel Spaß gebracht), sondern deswegen, weil einen Tag später der HSV in die neue Saison starten wird. Herrlich. Wunderschön. Endlich. Die Bundesliga hat uns wieder. Natürlich nicht gleich und sofort, aber den Hauch davon erleben wir auf jeden Fall schon mal. Und wenn dann noch der eine oder andere neue Spieler nach Hamburg kommen wird, dann sieht die ganz Geschichte ja auch schon wieder viel freundlicher (für den HSV und seinen Anhang) aus.

Zur Erinnerung: Morgen, nach dem EM-Finale zwischen Spanien und Italien, ist „Matz ab live“ wieder in Schnelsen und damit im „Champs“ zu Gast, und wir haben zwei besonders tolle Gäste: HSV-Kapitän Heiko Westermann und HSV-Heimkehrer Maximilian Beister. Ich freue mich – auch auf euch, wenn ihr wieder dabei seid. Ansonsten muss ich zugeben, dass ich gesundheitlich ein wenig schwächele – Magen-und-Darm-Grippe, aber volle Delle, den ganzen Tag im Bett. Und wir hatten so viel Sonne heute. Aber das sind wohl Nachwirkungen des deutschen EM-Aus . . .

Ein schönes Wochenende für alle “Matz-abber”

19.05 Uhr

Schulz und Seeler einig: Endspiel!

27. Juni 2012

Ein Ende ist absehbar. Nein, die Europameisterschaft ist nicht gemeint, obwohl es dort auch nur noch drei Spiele gibt – nein, gemeint ist die Sommerpause. Am Montag geht es beim HSV wieder los – endlich! Und weil sich dann auch alles in Polen und der Ukraine erledigt hat, dürfte es in Hamburg nicht nur in Sachen Training wieder in die Vollen gehen, sondern auch in Sachen Neueinkäufen. Aber noch ist EM, und jetzt wird es ja spannend und dramatisch – ihr werdet schon sehen.

Heute wird meiner Meinung nach Spanien gegen Portugal gewinnen, ich tippe auf ein 1:0. Und morgen denke ich, dass es einen langen Abend für uns alle geben wird: Verlängerung und Elfmeterschießen. 4:3 für Deutschland. Wir kommen ins Finale – muss doch so kommen. Einer, der ebenfalls diese Meinung vertritt, das ist „uns Uwe“ Seeler. Der Ehrenspielführer ist vom Sieg der deutschen Nationalmannschaft im EM-Halbfinale überzeugt. „Ich denke, dass unsere Mannschaft gereift, ausgeglichen und stark ist. Sie will Europameister werden. Und obwohl Italien bislang gut gespielt hat, sind wir stärker und werden sie auch schlagen“, sagte der 75-Jährige in einem Interview mit „eurosport.yahoo“. Seeler ist sicher: „Wenn es Deutschland ins Endspiel schafft, dann werden wir Europameister.“

Das frühere HSV-Idol hat nicht die besten Erinnerungen an Duelle gegen Italien. Beim sogenannten Jahrhundertspiel 1970 stand er auf dem Rasen des Azteken-Stadions in Mexiko-Stadt, als die Deutschen mit 3:4 nach Verlängerung gegen die Azzurri den Einzug ins Endspiel verpassten. „Das war natürlich schon ein sehr hektisches Spiel“, erinnert sich „Uns Uwe“, der noch heute auf Schiedsrichter Arturo Yamasaki schimpft: „Wenn er uns die Elfmeter gibt, die wir auch verdient gehabt hätten, dann wäre es gar nicht erst zu diesem legendären Spiel gekommen.“ Am Ende seien die Italiener einfach die Glücklicheren gewesen.

Ja, dieses 3:4. Ich werde es nie vergessen. Und ich habe ja schon viel über schlechte Schiedsrichter-Leistungen geschrieben, gemeckert und geschimpft, aber dieser Yamasaki aus Mexiko, der schlug dem Fass den Boden aus. Der könnte der Vater von Hoyzer gewesen sein – wenn ihr wisst, was ich meine. Unvergessen, diese Minus-Leistung, unvergessen und unverziehen. Die Jüngeren unter den „Matz-abbern“ können das natürlich nicht wissen, aber die Älteren werden noch heute so fluchen – wie ich. Und die unmittelbar Beteiligten.

So wie Willi Schulz, unser „World-Cup-Willi“. Er sagt: „Diese Niederlage gehört zu den unvergessenen Spielen, ganz klar. So wie das WM-Endspiel 1966 im Wembleystadion.“ Dann erinnert sich der frühere HSV-Stopper: „Die Schiedsrichter-Leistung war natürlich die absolute Krönung. Ich sehe es noch heute vor mir, wie der italienische Stopper Rosato den Uwe Seeler mindestens viermal im Strafraum einfach nur umreißt – aber der Unparteiische blickt immer gerade woanders hin. Das war schon interessant zu sehen.“ Herr Schulz, interessant? Ist das Ihr Ernst? Er sagt lächelnd: „Ja, deswegen interessant, weil man mal sehen konnte, was im Fußball so alles möglich ist . . .“

Und heute? Was traut Willi Schulz dem heutigen deutschen Team gegen Italien zu? Schulz: „Schon die äußeren Voraussetzung sprechen ja für unsere Mannschaft. Zwei Tage länger Pause, und dazu haben die Italiener ja noch eine Verlängerung in den Knochen.“ Dann ergänzt das ehemalige HSV-Aufsichtsrats-Mitglied: „Aber es spricht eigentlich noch viel mehr für Deutschland. Wir haben heute nämlich nicht nur elf hervorragende Fußballer, sondern mindestens 16. Dass Jogi Löw mal eben einen solchen Mann wie Marco Reus von der Bank bringt, und der dann ein solches Spiel abliefert, das spricht für die Klasse des DFB-Teams. Und das ist bestimmt auch unser großer Vorteil gegenüber Italien, deswegen bin ich von einem deutschen Sieg überzeugt.“

Und was hält Willi Schulz von der italienischen Mannschaft? Er sagt: „Italien kann defensiv fast perfekt spielen, obwohl diese Mannschaft auch noch viel mehr kann. Da stehen ebenfalls viele hervorragende Spieler in der Mannschaft, die nicht nur am Ball alles können, sondern auch taktisch erstklassig geschult sind. Es wird sicher nicht leicht für uns, aber wir kommen ins Endspiel.“ Vielleicht durch ein Elfmeterschießen? Es ist nicht auszuschließen. Willi Schulz: „Dann kann der Pirlo aber gegen den Manuel Neuer nicht noch einmal einen solchen Elfmeter schießen, wie gegen England. Das war ja schon mehr als frech. Und das ist für einen Torwart wirklich die Höchststrafe – und deprimierend. Aber wie gesagt, mit Neuer geht so etwas nicht.“ Hoffen wir das Beste . . .

In Sachen Aufstellung lässt sich „Jogi“ Löw ja noch nicht in die Karten schauen – und der „Maulwurf“ hat ja auch noch nichts verlauten lassen. Mangels Masse? Bleibt die Mannschaft unverändert, oder kehren jene Jungs zurück, die es in den ersten drei Spielen „gewuppt“ haben? Der frühere Nationaltorwart Harald „Toni“ Schumacher (58) „traut dem Braten nicht“. Der Europameister von 1980, seit 2006 bei allen großen Turnieren Experte im ZDF-Morgenmagazin, glaubt noch an eine Finte des Bundestrainers: „Ich habe das Gefühl, dass uns Löw auf eine falsche Fährte führen will. Ich bin der Meinung, dass Kroos anstelle von Schweinsteiger im Halbfinale gegen Italien auflaufen wird.“

Schumacher vertritt diese Auffassung, obwohl Bundestrainer Löw öffentlich betont hat: „Schweinsteiger ist wichtig für uns mit seiner Präsenz auf dem Platz.“ In der Frage der Sturmspitze geht Schumacher von Klose aus: „Klose, die Muse von Özil, muss spielen.“ Zur Absicherung „seiner persönlichen“ DFB-Mannschaftsaufstellung gegen Italien hoffte Schumacher am Mittwoch scherzhaft „noch auf einen Anruf des Maulwurfs“ aus dem DFB-Quartier . . . Grundsätzlich sprach Schumacher im ZDF-Morgenmagazin von „der besten deutschen Mannschaft, die wir je hatten!“

Kein Einspruch. Wir, nämlich Fußball-Deutschland, haben auf jeden Fall den besten Trainer seit vielen, vielen Jahren – das steht wohl außer Frage fest.

Ganz abgesehen von den deutschen Fans, die – bis auf kleine Einschränkungen – fast überall gelobt werden. Aber anderswo gibt es natürlich auch gute Fans. So wie diesen Engländer, der beim Elfmeterschießen gegen Italien alles gab – und alles zeigte. Und der Mann wurde nun „entlarvt“, wie die Agentur „dapd“ mitteilte:

Der englische Fußball-Fan, der sich vor dem entscheidenden Elfmeter im WM-Viertelfinale entblößt hatte, ist offenbar ein millionenschwerer Geschäftsmann. „Ich würde alles tun, um England gewinnen zu sehen. Ich wollte meinen Teil dazu beitragen. Leider hat es nicht funktioniert“, sagte der 35-jährige Tim O’Leary, den die englische Boulevardzeitung „The Sun“ ausfindig gemacht hat.

O’Leary hatte beim Elfmeterschießen im Zuschauerblock hinter dem Tor kurz vor dem letzten Schuss der Italiener durch Alessandro Diamanti die Hose heruntergezogen und seine Männlichkeit präsentiert. Diamanti hatte sich davon aber nicht beeinflussen lassen und zum 4:2-Endstand getroffen.

Dabei hatte O’Leary zuvor noch einen Sprint um das halbe Stadion zurückgelegt. Ursprünglich hatte er im englischen Fanblock gestanden, das Elfmeterschießen wurde allerdings auf der Gegenseite ausgetragen. „Ich hätte fast einen Herzinfarkt bekommen“, ergänzte O’Leary.

Solche „engagierten“ Zuschauer gibt es aber natürlich auch in Deutschland. Wie der SID weiß:

Eine Dienstreise nach Italien verweigerte er, beim Essen seines Freundeskreises in der Pizzeria sitzt er allein daheim, im Sommer verzichtet er auf sein heiß geliebtes Eis: Seit dem verlorenen WM-Halbfinale von 2006 boykottiert ein deutscher Fußball-Fan aus Osnabrück alles, was mit Italien zu tun hat. Vor dem EM-Halbfinale am Donnerstag in Warschau hofft er darauf, dass die Nationalmannschaft ihn erlöst. „Dann gibt’s Pizza“, sagte der Fan dem Magazin „11Freunde“.

Mit seinen Kollegen schwor Andre, wie das Fachmagazin den Fan nennt, am 4. Juli 2006, im Falle einer Niederlage „nie mehr zum Italiener“ zu gehen. Seine Freunde sind alle wortbrüchig, er hält noch durch. Pizzerien und Eisdielen sind tabu. Seit mehr als 2000 Tagen oder drei Millionen Minuten.

Dass er die Dienstreise verweigert habe, sei „mittelmäßig angekommen“, sagte er. Meist verstünden ihn die Männer, Frauen dagegen schüttelten nur den Kopf. Am Donnerstag will er die erste Pizza seit sechs Jahren essen. Er muss sich nur einen neuen Bäcker suchen: Seinen Stamm-Italiener gibt es nicht mehr.

Ich habe solche „Verrückten” schon selbst erlebt. Was HSV-Fans schon alles auf sich genommen haben, ist ganz einfach wunderbar. Was sie alles schon ertrugen, ist noch wunderbarer. Und was sie alles machen würden, damit der HSV endlich einmal wieder die Schale in die Hände bekäme, das ist unfassbar, gelegentlich sogar wahnsinnig und irre. Aber solche gibt es auch in Hamburg (und Umgebung). Ich könnte da aus der Schule plaudern, will es aber nicht, weil das die Nachahmer auf den Plan rufen könnte – und das hätte dann wohl fatale Folgen. Deswegen schweige ich lieber . . .

Bei der Gelegenheit. Bei uns im Blog („Matz ab“) hat sich ja jetzt der „Ritsche Dipp“ zu Wort gemeldet und schon zweimal die Saison – jedenfalls die ersten sechs Spieltage für den HSV – in Gedanken durchgespielt. Schwarz und weiß, heiß und kalt, Horror und Hosianna – ihr könnt es euch aussuchen. Und vielleicht habt ihr ja auch eure ganz eigenen Vorstellungen – von der neuen Saison. Wie zum Beispiel die neuen Spieler einschlagen. Oder wie sich die „Alten“ wieder zurückmelden – vielleicht auch nicht. Würde ich ganz spannend finden, wenn sich da mal jemand dran versuchen würde. Hier aber die beiden Versionen von „Ritsche Dipp“:

„HSV rockt die Bundesliga!
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Der Dino ist auferstanden wie Phoenix aus der Asche. Nach dem sechsten Spieltag führen die Hamburger souverän die Tabelle an.
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Der Reihe nach: Karlsruhe im Pokal locker mit 6:0 besiegt (astreiner Hattrick Berg). Zum Bundesligaauftakt ein überzeugender Sieg gegen Nürnberg. (Adler Fels in der Brandung).
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Werder Bremen ohne den Hauch einer Chance! Rudnev mit Doppelpack. Der HSV spielt überlegen auf.
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Frankfurts Trainer Veh musste neidlos eingestehen: Der HSV war die bessere Mannschaft!
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Ein etwas schmeichelhafter Sieg über Dortmund macht die HSV-Fans glücklich. Lucky Goal von Son in der 89. Minute.
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Gladbach musste sich dem HSV geschlagen geben. Trainer Finks bis zur Perfektion einstudierter bedingungsloser Offensiv-Fußball überzeugt auch die letzten Kritiker.
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Hannover — mit zu viel Respekt — kann dem HSV den Schneid nicht abkaufen. Wieder ein verdienter Sieg in der noch jungen Saison.
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Fürth, wir kommen! So ist der HSV ein heißer CL-Anwärter.”

Version zwei von „Ritsche Dipp”. Warum die etwas „ausführlicher“ ausgeschmückt ist, weiß ich nicht – wahrscheinlich lässt sich Schlechtes oder Böses doch viel einfacher und leichter schreiben? Wer weiß:

„Die erste Trainerentlassung der Saison 2012/13 ist perfekt. Am Sonntag übernahm beim Hamburger Sportverein Sportdirektor Frank Arnesen kommissarisch den Cheftrainerposten von Thorsten Fink.
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Der HSV zog wie im vergangenen Jahr nach dem sechsten Spieltag die Notbremse. Vorausgegangen war eine Niederlagenserie, die den Bundeslig-Dino in der Jubiläumssaison kräftig durchgeschüttelt hatte.
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Nach dem überraschenden Pokal-Aus gegen den Karlsruher SC (4:5 im Elfmeterschießen, Jansen jagte den Ball über die Latte) folgte im ersten Heimspiel gegen den 1.FC Nürnberg eine blamable 0:3-Niederlage (Adler nach zwei fahrlässig verschuldeten Toren mit Patellasehnen-Problemen ausgewechselt).
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Bei Werder Bremen wirkte die Mannschaft nach dem frühen Führungstor der Grün-Weißen seltsam kraft- und mutlos.
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Große Hoffnungen setzten die Hamburger auf das Spiel bei Eintracht Frankfurt. Zwar dominierten die Hansestädter weite Strecken der Partie, aber die harmlose Offensive (Son verstolperte kläglich zwei Großchancen) entschied das Spiel. Den Frankfurtern genügte ein Konter zum nicht unverdienten Sieg.
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Am vierten Spieltag gegen Borussia Dortmund war der HSV zu Hause chancenlos.
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Auch auswärts gegen Borussia Mönchengladbach konnte der HSV nicht punkten. Gladbach war in allen Belangen überlegen. Der HSV war wieder viel zu offensiv eingestellt und ließ sich leicht auskontern.
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Das Fass zum Überlaufen brachte dann die Heimpleite gegen Hannover 96. Eine völlig überforderte HSV-Mannschaft brach gegen den Rivalen aus dem Norden in der zweiten Halbzeit völlig ein und wurde mit 0:4 in die Kabine geschickt. Ein gnadenloses Pfeifkonzert im Volkspark war das I-Tüpfelchen auf diesem verkorksten Spiel.
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Gegen Fürth am kommenden Wochenende kämpft der HSV schon wieder ums Überleben in der Fußball-Bundesliga.
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Quo vadis, HSV?”

Wir werden das mal im Auge behalten, wie was dann tatsächlich abläuft . . .

Bei der Gelegenheit: Rene Adler, Torwart und Neuzugang, schreibt auf Facebook:

„Hi Zusammen,
ganz schön spät, aber dieser Moment verdient einen Post. Ich hab gerad mit meinem Bruder zusammen die erste Fuhre meines Autos bis unter das Dach vollgehauen. Morgen nach dem Training heißt es also dann: Good Bye Rheinland.
…Schon ein seltsames Gefühl…”

Dann gab es da noch einen musikalischen Vorschlag eines „Matz-abbers“ – würde ich ganz gut finden, wenn dieser – gelungener wie ich meine – Vorschlag an irgendeiner Stelle aufgegriffen würde:

“Moin Dieter, moin Scholle,

ich hatte den Gedanken schon unmittelbar nach dem Spiel Irland – Spanien: Warum nicht die ins Ohr gehende Melodie des Chorus` aus „Fields of Athenry” übernehmen und eine „Rauten-Bekenntnis-Hymne” draus machen!??Chorus:?Low lie the fields of Athenry?Where once we watched the small free birds fly?Our love was on the wing?We had Dreams and songs to sing?Now it’s loney round the fields of Athenry

Zum Beispiel (textlich passt es jedenfalls zur Melodie) :?Nuuuuuuur diiiiiiiiiiiie Rau-te, ein Leben lang – ziehen wir … im-mer … an ei…einem Strang (Hey heya hey HSV olè). Wahre Liiiiebe e-ewiglich (hey hey). Eines Tags erfü-üllt er sich, …. (heya hey) der Ti-tel-tra-aum … dann wird gefeiert …. tagelang!

Hier eine stimmungsvolle Livekonzert-Version zum „Üben”:

Und hier nochmal das „Original” der irischen Fans:?-?http://www.fr-online.de/em-2012-spanien-holland-england/spanien-irland–ein-lied-fuer-dublin,16091448,16390566.html

Wenn ihr die Idee nicht für albern haltet (probiert es mal im stillen Kämmerlein aus – macht Spaß!), könnt ihr das ja mal an den SC (Liebnau?) oder wen auch immer weitergeben. „Chorprobe” mit Lotto/Pape in der Nordkurve!??”

So, und dann gibt es noch zwei administrative Dinge vom HSV:

HSV-Presseservice: Freier Vorverkaufsstart für Einzeltickets zur Bundesliga-Hinrunde
Am Donnerstag, den 19. Juli, beginnt der freie Kartenvorverkauf für das erste Bundesliga-Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg (25./26.08.). HSV-Mitglieder haben bereits ab Dienstag, den 17. Juli, die Gelegenheit, sich Karten für die Partie gegen den Club sowie für das zweite Heimspiel gegen Borussia Dortmund (21.-23.09.) zu sichern. Karten im freien Verkauf bekommen Sie wie immer im Onlineshop auf www.hsv.de, in den HSV Fanshops, im Service Center in der Imtech Arena, in allen HSV-Vorverkaufsstellen oder über die Telefonhotline 01805 – 478 478 (0,14 EUR/Min. aus dem Festnetz; Mobilfunk max. 0,42EUR/Min.).
Alle weiteren Informationen zum Ticketerwerb und zum Vorverkauf finden Sie unter www.hsv.de/ticket.

Und dann auch noch dies:

20 Tage vor Beginn der neuen Saison der Fußball-Bundesliga überträgt Sat.1 aus Hamburg SV den Liga-total!-Cup als ersten großen Härtetest live. Bei der vierten Auflage des Turniers (4. und 5. August) stehen sich in der Imtech Arena der deutsche Meister Borussia Dortmund, Rekordchampion Bayern München, Gastgeber HSV und dessen Nordrivale Werder Bremen gegenüber.

In der ersten Halbfinal-Begegnung am Samstag um 16.30 Uhr treffen der HSV und Titelverteidiger Dortmund aufeinander, in der zweiten Partie (18.15 Uhr) kämpfen Bremen und die Bayern um das Erreichen des Endspiels. Das Spiel um Platz drei (16.30) und das Finale (18.15) finden am Sonntag statt.

Und auch das kam gerade noch rein:

Der HSV bestreitet am 11. August ein Testspiel beim spanischen Erstligisten RCD Mallorca. Das gab der Verein Mittwoch bekannt. Die Partie in Palma gegen den Achten der Primera Division beginnt um 22.00 Uhr.

Ich wünsche euch einen wunderschönen und stressfreien Fußball-Abend.

17.21 Uhr

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