Archiv für das Tag 'Schürrle'

*** UPDATE: Olic kommt zum HSV zurück***

29. Januar 2015

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21.30 Uhr: Ivica Olic kommt zum HSV. Am Freitagmorgen soll der Kroate seinen Medizincheck beim HSV absolvieren. Anschließend möchte der Verein ihn im Stadion präsentieren. Danach folgt das erste Training mit der neuen Mannschaft. Für’s Spiel gegen Köln, so Olic, sei er bereit, wenn der Trainer ihn aufstelle. Manager Klaus Allofs hatte Olic am Donnerstagabend nach dem Training des VfL Wolfsburg den Wechsel zum HSV verkündet. Die Wolfsburger haben dafür Nationalspieler Andre Schürrle vom FC Chelsea bekommen für etwa 30 Millionen Euro. Olic freut sich, wie er sagt, auf Hamburg und den HSV. Dem Abendblatt bestätigte Manager Peter Knäbel mittlerweile den Transfer. Der HSV zahlt etwa zwei Millionen Euro Ablöse und bis Sommer 2016 ca. drei Millionen Euro Gehalt.
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Für Abendblatt-Blogs


Heute Nachmittag gegen 17 Uhr in Wolfsburg. Gerade hat das Abschlusstraining des VfL vor dem Rückrundenauftakt morgen gegen den FC Bayern begonnen. Die Kollegen vor Ort greifen zu ihren Smartphones und twittern, dass Ivica Olic noch immer dabei ist. „Gibt nichts Neues. Muss morgen Tor schießen.“ Das sagte Olic noch im Vorbeigehen, ehe die Einheit begann.

Der Poker um Olic ist jedenfalls in vollem Gang – aber dazu zum Ende dieses Blogs noch etwas mehr. Denn unabhängig davon, ob die Hamburger die Rückkehr des kroatischen Publikumslieblings am Ende hinbekommen, ist es recht unwahrscheinlich, dass er schon am Sonnabend gegen den 1. FC Köln dabei ist. Das müssen wohl noch die bewährten Recken schaffen. Deshalb sorgte das Verschwinden von Pierre Michel Lasogga heute vom Trainingsplatz gleich wieder für (kurze) Unruhe. Vor dem Abschlussspielchen verließ Lasogga den Trainingsrasen, so dass Artjoms Rudnevs (in der A-Elf) und Nils Brüning (B-Elf) übrig blieben. Trainer Joe Zinnbauer gab aber recht zügig Entwarnung: „Es ist nichts mit Pierre. Ich habe ihn nur reingeschickt – das war abgesprochen. Keine Verletzung!“


Somit ist die Liste der fehlenden Stammkräfte fürs Köln-Spiel aktuell bei vier. Holtby, Behrami, Diekmeier, Cleber. Dieses Quartett kann nicht dabei sein – und sie werden es wohl auch in den darauf folgenden Partien nicht sein. Wer genau in der Startelf stehen wird, scheint dabei noch offen zu sein. Zinnbauer wird ein 4-1-4-1 spielen lassen. So war es in den letzten Tests, und das Personal gibt ihm auch kaum eine andere Möglichkeit. In besagtem Abschlusspiel ohne Lasogga sah das ganze zunächst so aus: Drobny – Götz, Djourou, Rajkovic, Jansen – Westermann – Müller, van der Vaart, Jiracek, Gouaida – Rudnevs. Später wurde Jansen durch Marcos sowieo Jiracek durch Stieber ersetzt.

Bei der Pressekonferenz, die Ihr hier gewohnt im Video sehen könnt, hat Joe Zinnbauer ein gutes Bild der Vorbereitungsphase gezeichnet. Wobei er eingestehen musste, dass die Verletztenmisere, die zwischenzeitlich sieben Mann erfasst hatte, diese Vorbereitung gestört hat. „Unser Ziel ist der Klassenerhalt“, ließ der Trainer wissen. „Dann hätten wir alles richtig gemacht.“ Nun ja, die Messlatte hängt niedrig…. Aber vielleicht ist das nachvollziehbar, denn generell sieht es nicht besonders gut aus mit dem Personal des HSV. Dazu gehört auch die Transfersituation. Dass es schwierig ist, im Winter passende Verstärkungen zu akzeptablen Preisen zu bekommen, ist klar. Ärgerlich ist allerdings, wenn sich der Club durch eigenes Zutun in die Bredouille bringt. Noch ist das Transferfenster nicht geschlossen. Das wird am kommenden Montag um 12 Uhr der Fall sein. Doch der Zwischenstand ist schlecht.

Wenn ein Spieler abgegeben wird, dann gilt es vorab zwei Fragen zu beantworten. Können wir aus eigenen Mitteln die Lücke schließen? Wenn nicht, gibt es Ersatz, der mindestens gleichwertig ist? Im Fall Tolgay Arslan sind diese Fragen nicht eindeutig positiv zu beantworten. Hier im Blog wurde immer heftig gestritten über Arslan. Viele, die hier kommentieren, haben ihn sehr kritisch gesehen. Ob das die Meinung aller Leser ist, ist letztlich immer schwer zu filtern, jedenfalls hat er auch gute Spiele gemacht – am Ende war seine Leistung den Verantwortlichen zu schwankend. Aber abgesehen von der Frage, ob die knapp zwei Millionen Euro Grundgehalt, die er nun von Besiktas erhält, berechtigt sind, gilt es doch festzustellen: Viele Vereine sind auf Arslan aufmerksam geworden, und dass ihn Arsenal auf dem Zettel hatte (wenn auch nicht für die erste Elf), zeigt doch, dass Tolgay Arslan über Qualität verfügen muss.

Wie auch immer. Kann der HSV also die Lücke aus eigenen Mitteln schließen? Aktuelle Antwort: Nein. Zum Zeitpunkt des Verkaufs waren Behrami und Holtby schon verletzt. Jiracek hat in seiner HSV-Zeit – trotz aufsteigender Tendenz vor der Winterpause – noch weniger überzeugt als Arslan. Mende ist noch nicht soweit, Kacar will auf der sechs nicht spielen und Westermann ist eigentlich Innenverteidiger (war zudem auch verletzt). Also muss Ersatz von außen kommen. Der ist derzeit nicht da. Die HSV-Verantwortlichen wissen all das und es wäre wenig verwunderlich, wenn spätestens kommende Woche beim Auswärtsspiel in Paderborn ein neuer Sechser dabei ist. Aber eingespielt wird er sicher noch nicht sein – was eigentlich eine zentrale Bedeutung hätte auf dieser zentralen Position. Ich finde nicht, dass sich dies alles nach optimaler Transferpolitik anhört. Aber nochmals: Die Rahmenbedingungen im Winter sind ungleich schwieriger als im Sommer. Aus Italien kam mittlerweile die Nachricht, dass Inter Mailand ein 3-Millionen-Euro Angebot des HSV für Zdravko Kuzmanovic angelehnt habe. Hierzu habe ich heute keinen bestätigenden Kommentar aus HSV-Kreisen gehört, deshalb gebe ich dieses Gerücht unter Vorbehalt weiter.

Was die Frage eines zusätzlichen Stürmers angeht, verhält es sich anders als in der Mittelfeld-Thematik. Hier hat der HSV keinen Spieler abgegeben – und somit einen Fehler aus der Vorsaison, als Rudnevs ohne Not nach Hannover gelassen wurde, vermieden. Dass kein dritter Stürmer auf der Matte steht, ist fast nachvollziehbar. Wahrscheinlich gibt es in ganz Europa maximal eine Handvoll Angreifer, die aktuell in das HSV-Raster fallen könnten. Einigermaßen jung, trotzdem schnell eine Verstärkung, guter Charakter, nicht zu teuer. Josip Drmic hätte in diese Raster gepasst, wenn da nicht ein weiteres Kriterium wäre: Er muss abkömmlich sein bei seinem momentanen Club. Gerade dieses Kriterium beißt sich mit der Anforderung „schnell eine Verstärkung“, denn welcher Club ließe solch einen Spieler schon ohne weiteres ziehen?

Drmic also ist ein schwieriger Fall. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Hamburger Verantwortlichen bald auf den Namen von Ivica Olic gestoßen sind. Auf ihn treffen natürlich nicht mehr alle gewünschten Kriterien zu. Aber wohl immer noch besser, so denken sich Knäbel und Co., als bei der Bedingung „Sofort-Verstärkung“ Abstriche zu machen. Was hätte dem HSV Innocent Emeghara genutzt? Vermutlich sehr wenig angesichts seines Trainingsrückstandes. Emeghara ist nicht viel besser (wenn überhaupt) als Philipp Müller oder Nils Brüning aus der U 23.

Das dicke Lob von HSV-Trainer Joe Zinnbauer für Olic könnt Ihr direkt im Video der Pressekonferenz heute Mittag sehen. „Super-Spieler. Schießt Tore. Kann laufen. Kennt die Bundesliga, und kennt den HSV. Also, ein guter Spieler.“ Das waren Zinnbauers Worte im Original-Ton, und ich kann mir nicht denken, dass der Coach das einfach so über einen Spieler sagt, bei dem er keine Chance auf eine Verpflichtung sieht. Die Gespräche laufen im Hintergrund, so viel ist klar, aber aus der Wolfsburger Ecke war heute auch nichts Neueres zu hören. Auch hier die Statements im Wortlaut. „Ivi ist mit seinem Begehren auf uns zugekommen“, so Trainer Dieter Hecking. „Wir haben eine Aussage getroffen, Ivi hat sich dazu heute querbeet geäußert – das ist der Stand.“ VfL-Manager Klaus Allofs fügte seiner am Dienstagnachmittag erstmals getätigten recht negativen Aussage nichts Gravierendes hinzu: „Es gibt keine Veränderungen. Auch im Fall Schürrle keine Veränderungen.“ Der Hintergrund ist klar: Wenn die ‚Wölfe‘ Olic am Ende doch Richtung Hamburg ziehen lassen, dann wird Allofs unbedingt einen Ersatz haben wollen. Die im Raum stehenden 30 Millionen Euro Ablöse für Andre Schürrle vom FC Chelsea wären allerdings nicht zu stemmen. Die Niedersachsen würden gegen Gebote des „Financial Fairplay“ verstoßen.


In allen Fragen gibt es beinahe stündlich einen neuen Wasserstand. So soll Weltmeister Schürrle den FC Chelsea gebeten haben, von seiner hohen Ablöse-Forderung runterzukommen. In Wolfsburg gehen Beobachter längst davon aus, dass der mögliche Schürrle-Deal sofort der den Weg frei machen würde für Olic und den HSV. Zu welchem Preis? Wenn wir von einer Ablöse um die zwei Millionen Euro ausgehen und einem Gehalt von zwei Millionen pro Jahr (vorsichtige Schätzung), dann wäre das Olic-Paket insgesamt schon mal fünf Millionen Euro schwer, sofern der Kroate einen Vertrag bis 2016 erhalten würden. Ein halber Otto, sozusagen. Mindestens.

Abschließend dazu auch noch einmal in Schriftform der Satz von Dietmar Beiersdorfer zur Personalie Olic: „Wir können zugeben, dass wir mit Wolfsburg gesprochen haben. Aber weiter kann ich aktuell zum Stand nichts sagen. Wir sind noch im Kontakt, ja.“ Klaus Allofs ergänzte im Laufe des frühen Abends, dass sich in Transferperioden gerade zum Ende hin ungeahnte Gelegenheiten ergäben.

Jedenfalls hört es sich alles so an, als ob der Wechselpoker immer heißer und die Wahrscheinlichkeit auf den ersten Wintereinkauf beim HSV immer größer werden.

Morgen wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert. Scholle hält Euch anschließend über Tagesaktuelles auf dem Laufenden – und ich würde wetten, dass etwas passiert.

Lars
18.25 Uhr

Son ist weg – und wer wird ihm folgen?

13. Juni 2013

Nun ist es also vollbracht: Heung Min Son wechselt zu Bayer Leverkusen. Doch noch. Und der HSV ist nicht traurig, im Gegenteil, jetzt kommt endlich mal wieder Geld in die Kasse. Ein großartiger Coup, das muss man dem HSV lassen, denn Son kommt aus der „eigenen“ Jugend und bringt die dringend erforderlichen und somit auch erhofften Millionen. Schlecht an diesem Deal ist allerdings, dass der HSV nur noch diesen einen Son hatte. Mal abgesehen von Rene Adler, der natürlich noch immer unverkäuflich ist, unverkäuflich sein muss. Weil der den Laden hinten noch so dicht gehalten hat, dass es keine 100 Gegentore gab, sondern nur 53. Die Frage wird aber in näherer Zukunft sein: Wen verkauft der HSV demnächst, wenn plötzlich und völlig überraschend festgestellt wird, dass schon wieder kein Geld in der Kasse liegt? Da ist außer Adler keiner. Vielleicht wird es Hakan Calhanoglu, wenn der HSV Glück hat, aber wenn Calhanoglu nicht? Dann wird es eng. Die guten Spieler, die ihren Wert hatten und die den HSV Jahr für Jahr gerade und soeben noch über Wasser hielten, die sind mit der Zeit alle veräußert worden. Es gibt jetzt keinen mehr, für den der HSV noch eine große oder sogar zweistellige Millionensumme kassieren könnte – deswegen könnte schon bald wieder Holland voll in Not sein. Was heißt voll? In allerhöchster Not sein! Spätestens dann, wenn am Ende der nächsten Spielzeit kein internationaler Wettbewerb erreicht wurde – so es denn so kommt. Wobei irgend ein internationaler Wettbewerb schon gar nicht mehr ausreichen würde, denn eigentlich müsste es schon die Champions Legaue sein . . .

Und das könnte ja sogar möglich sein, keine Frage. Der HSV war ja schon in der gerade beendeten Bundesliga-Spielzeit nahe dran. Wenn wir uns noch erinnern: Beim Schalke-Rückspiel am 28. April 2013 (!) führte der HSV schnell 1:0 – und hätte mit einem Auswärtssieg sogar einen Champions-League-Platz erklimmen können, nämlich Rang vier. Hätte. Es kam anders, es gab in Gelsenkirchen eine hammerharte 1:4-Pleite. Und am Ende, das wissen wir alle, gab es sogar nicht mal die Europa League. Vier Jahre ist der HSV nun schon „europalos“, und lange, da muss man kein Prophet sein, kann sich das der Club von der Rothenbaumchaussee nicht mehr leisten. Und damit will ich – um Gottes Willen – kein Miesmacher sein. Man muss – oder sollte – aber nur mal den nackten Tatsachen ins Auge blicken, dann kann man auch als der allergrößte HSV-Fan zu keinem anderen Schluss kommen.

Gespannt bin ich, was Heung Min Son tatsächlich in die Kassen gespielt hat. Laut Agentur sollen es zehn Millionen sein. In Leverkusen lachen sie über diese Zahl. Lauthals sogar. Aber sie sagen natürlich nicht, was da genau von Rhein zur Elbe fließt. Meine Kollegen im westdeutschen Raum lachen ebenfalls. Über unsere Naivität hier im Norden. Zehn Millionen? Für Son? Nie im Leben. Allerhöchstens acht. Wurde mir gesagt. Und bei diesen acht Millionen verdient vielleicht auch noch der Berater – oder sogar die Berater – kräftig mit. Profi-Fußball. Das ist schon ein ganz böses Geschäft. Oder eher ein lachhaftes Geschäft? Uns Uwe Seeler hat dazu heute etwas gesagt, das wird am Ende meines Textes stehen. Ja, genau, Uwe Seeler. Der Mann, der den HSV groß geschossen und geköpft hat, der den HSV zu Weltruhm geführt hat – und sich – ganz nebenbei – auch noch. Uwe Seeler, der mehrfach Fußballer des Jahres war (welcher HSV-Profi der Neuzeit war das auch?), der Hamburgs Ehrenbürger ist, der immer noch Vorbild für Millionen ist und der geliebt auf der ganzen Welt geachtet und geliebt wird von vielen Fans. Nicht von allen, das weiß ich seit Matz ab, aber von den meisten. Und deswegen freut es mich, wenn sich dieser Uwe Seeler zu seinem HSV äußert. Wer ist nicht lesen mag, der sollte dann aufhören, wenn es gegen Ende dieses Artikel geht.

Zurück aber zur Aktualität. Wie eminent wichtig Son für den HSV – in seiner jetzigen Rolle – gewesen ist, das dokumentieren die HSV-Stimmen nach dem vollzogenen Wechsel.
„Son war ein wichtiger Spieler für den HSV“, sagt der neue Sportchef Oliver Kreuzer der Deutschen Presse-Agentur DPA. Und: „Man müsse aber neben dem sportlichen Wert des Spielers auch immer die wirtschaftliche Komponente für den Verein sehen.“ Sicherlich. HSV-Chef Carl-Edgar Jarchow befand: „Natürlich ist es sehr schade, dass uns Heung Min Son verlässt, aber wir haben immer betont, dass er entweder den Vertrag verlängert oder wechseln muss. Seinen Vertrag einfach so auslaufen zu lassen, das kam nie infrage.“ Natürlich. Weil da ja immer noch am Saisonende die Zahl 24 im Raume stand. Millionen. Minus. Gegen die hat sich Jarchow immer massiv gewehrt, und nun hat er Recht behalten. Glückwunsch! Die 24 ist vom Tisch. Dank Son, und dank der Verlängerung mit Vermarkter Sportfive, um den vor Jahren noch ein kilometerweiter Bogen gemacht werden sollte. Damaliges und ehemaliges Motto: „Der Vertrag läuft bald aus, und was die für uns machen, dass können wir selbst erledigen . . .“ Natürlich. Könnten. Groß genug ist der Personalstand des HSV, aber diese Angestellten kassieren eben nur Löhne und bringen keine Millionen (wie Sportfive) in die Kasse.

Und wo ich gerade dabei bin: Hieß es nicht vom (neuen) Aufsichtsrat: „Wir werden nicht den Fehler machen und unsere besten Spieler verkaufen . . ?“ Nein. Und es wurde ja auch Wort gehalten, denn: Es sind ja nicht „die“ Spieler verkauft, sondern nur „ein“ Spieler. Die anderen sind alle noch da. Und einige davon schon viel zu lange. Aber bei diesen großartigen Gehältern – da würde selbst ich nicht freiwillig gehen. Und ich verdiene bei Springer unheimlich gut . . .

Heung Min Son hat in Leverkusen für fünf Jahre unterschrieben. „Wir haben von Beginn an deutlich gemacht, dass ein Wechsel André Schürrles zum FC Chelsea nur in Verbindung mit einer sportlich adäquaten Alternative umsetzbar ist. Diese Alternative haben wir nun in Person von Heung Min Son unter Vertrag genommen. Somit steht aus unserer Sicht einem Transfer André Schürrles nach England nichts mehr im Wege“, sagt Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser und fügte ergänzende hinzu: „Mit Heung Min Son haben wir einen Spieler verpflichtet, der trotz seiner Jugend beim HSV bereits zu den Leistungsträgern gehörte. Son passt genau in unser Anforderungsprofil als junger, noch sehr entwicklungsfähiger Profi mit internationalen Ansprüchen. Bei Bayer kann Son seine eigenen, hochgesteckten Ziele am besten realisieren.“ Und Bayer-Sportdirektor Rudi Völler befand zufrieden: „Heung Min Son ist genau der Spielertyp, den wir für unsere junge Mannschaft gesucht haben. Er ist schnell, beweglich, technisch stark und hat einen tollen Torabschluss. Er wird uns helfen, unsere Ziele in Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League zu erreichen.“

Natürlich, Herr Völler, natürlich. Die Großen fressen die Kleinen, so geht es im Profi-Fußball zu – eiskalt. Es regieren die Millionen. Euro. Nicht Fans. Und der HSV wird ja auch bald in die Rolle eines „Großen“ aufrücken können, dann nämlich, wenn Roque Santa Cruz für Millionen verpflichtet wird. Oder werden sollte. Nein, das war um es gleich einmal aufzuklären, natürlich etwas (viel) Sarkasmus.

So, nun zu Uwe Seeler, den ich nach wie vor so verehre wie keinen anderen Fußballer. Meine Nummer zwei wäre, das nur nebenbei bemerkt, Günter Netzer, dann käme – von den ganz Großen – Uli Hoeneß. Das aber nur am Rande. Jetzt zu „uns Uwe“:

Für das deutsche Idol Uwe Seeler hat die Kommerzialisierung des Fußballs den Charakter des Spiels verdorben. „Das ist kein Fußball mehr“, sagte der Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft in einem Interview mit dem Express über die Entwicklung des Sports zu einem Teil der Unterhaltungsbranche: „Das ist Party und Geschäft.“ Sorgen macht sich der 76-Jährige um seinen Bundesliga-Stammverein HSV. „Ich habe große Angst davor, dass der HSV vor die Wand knallt“, sagte Seeler hinsichtlich der HSV-Probleme im sportlichen und wirtschaftlichen Bereich.

Nach dem Amtsantritt von Oliver Kreuzer als Nachfolger des nach Saisonschluss entlassenen Sportdirektors Frank Arnesen allerdings blickt der ehemalige HSV-Boss mit mehr Zuversicht in die Zukunft: „Ich hoffe nur, dass die Verantwortlichen jetzt mit Vernunft agieren und die Probleme in den Griff bekommen.“

Mit Neugier verfolgt Seeler die Laufbahn seines vom HSV zu Bayer Leverkusen wechselnden Enkels Levin Öztunali und will im Fall einer Nominierung des U17-Nationalspielers für den Erstliga-Kader der Rheinländer auch ins Leverkusener Stadion kommen: „Warten wir einmal ab, wie er sich entwickelt. Er ist sehr ehrgeizig, fleißig und charakterlich einwandfrei. Wenn es so weit sein sollte, werde ich natürlich im Stadion sitzen.“

Dann ist da noch ein “Matz-abber”, der sich um den Namen “Matz ab” sorgt:

Sehr geehrter Herr Matz,

mein Herz schlägt, genau wie bei Ihnen, für den HSV. Bin 69 Jahre alt ,ein frustrierter Anhänger, weil ich neidisch immer auf andere Klubs schaue und jedes Jahr hoffe das es hier wieder endlich bergauf geht. Diese anderen Vereine schaffen es, mit weniger Mitteln viel zu erreichen.

Ich lese fast immer den HSV Blog. Schade das Sie im September in Rente gehen. Dann wird es ja auch das beliebte „Matz ab” unter diesem Namen nicht mehr geben. Bei uns an der Küste gibt es ein Slogan, der an manchen Speiselokalen prangt: Scholle satt. Deshalb nur so eine Idee: Sollte Herr Scholle diese Sendung leiten: „Scholle-sat“.
Freundliche Grüße aus Büsum, Volker S.

PS: Klingt gut, Ich würde es so schreiben: „Scholle satt“ = Scholle Schreibt Alles Tatsächlich Täglich.
Ich hatte schon vorgeschlagen: „Scholz – was soll’s“. Aber das trifft es nicht, es wird und soll aber ja auch bei „Matz ab“ bleiben.

PSPS: Wo ich gerade selbst das Wort Büsum lese. Es ist für mich schon erstaunlich, woher mir die „Matz abber“ alle schreiben. Unglaublich sogar. Früher habe ich ja mal veröffentlicht, woher die Einsendungen beim „Matz-ab-Gewinnspiel“ so kamen, auch unglaublich – aus der ganzen Welt. Toll, einfach nur toll. Und bei der Gelegenheit, heute erhielt ich einen – sorgenvollen – Brief aus Boston, in dem es um die neuen Strukturen des HSV geht, die nun kommen müssten, wenn nicht ein großes Unglück geschehen soll. Unglück gleich Abstieg, wenn ich das mal so sagen darf.
Kurzum: Lieber Marco Me., ich möchte hiermit sagen: Brief ist angekommen, vielen Dank.

Und dann habe ich noch etwas ganz zum Schluss:

Die Schiedsrichter-Kommission des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat Dr. Felix Brych zum „Schiedsrichter des Jahres” 2012/2013 gewählt, bei den Frauen geht die Auszeichnung an Dr. Riem Hussein. Mit der Wahl würdigt die Kommission herausragende Leistungen in der vergangenen Saison.
Felix Brych hat 2012/2013 in der Bundesliga 18 Spiele gepfiffen. In der Champions League kommt er auf vier Einsätze, darunter das Viertelfinale zwischen Real Madrid und Manchester United. Von der Fifa wurde der 37-Jährige für den vorläufigen Kader der WM 2014 in Brasilien nominiert, beim Confederations Cup 2013 in Brasilien ist er einer von vier Unparteiischen aus Europa.

Warum ich das veröffentliche? Weil ich mich mit Dr. Brych freue – es hat den Richtigen getroffen. Er macht national und international einen ausgezeichneten Job. Und ist, das am Rande, ein toller Sportsmann und Mensch. Herzlichen Glückwunsch!

Und dann noch dies – ein Trost. Anderen geht es auch nicht so sehr gut . . .

Ausverkauf in Schottland: Der Fußball-Traditionsklub Hearts of Midlothian hat aufgrund großer finanzieller Schwierigkeiten seinen gesamtem Kader zum Verkauf gestellt. „Wir würden uns Angebote für jeden unserer Spieler anhören, auch für unsere größten Talente, um die notwendigen Zahlungen tätigen zu können“, teilte der Erstligist aus Edinburgh am Donnerstag auf seiner Internetseite mit.

Vielleicht ist ja sogar etwas für den HSV dabei? Eines der großen Talente eventuell?

17.06 Uhr

Nach der EM ist vor dem HSV! Und: Beister und Westermann kommen zu “Matz ab live”

29. Juni 2012

Das ist mal n mächtiger Kater. Und den habe ich, obwohl ich gestern Abend wie immer nur Hefe alkoholfrei getrunken habe. Und trotzdem schmerzt dieser Kater mehr als nach ’nem Abend in der russischen Kaserne – denn dieser Kater hat einen sportlichen Hintergrund. Wie immer nach Deutschland-Niederlagen bei großen Turnieren ist für mich der Tag danach der schlimmste im Turnier. Der allerschlimmste…. Zumal dann, wenn sich eine Mannschaft selbst schlägt, wie wir es gestern gemacht haben. Ein kurzer Rückblick sei erlaubt….

Das ging schon bei der Nationalhymne los. Mein Freund Carsten Wittiber sagte da schon: „Guck dir mal den Buffon an! Wie der das Lied voller Inbrunst brüllt! Da wird einem doch schon klar, dass wir nicht gewinnen. Unsere Deutschen sind still, die singen gar nicht mit. Da ist gar keine Spannung. Und die Italiener brüllen ihre Nationalhymne.“ Sein Paradebeispiel blieb Buffon, der quasi aus Polen bis nach Rom zu schreien schien: „Seht her, ich mache das für Italien.“ Aber okay, ich bin kein Nationalist und es sollte jedem selbst überlassen sein, wie er mit seiner Herkunft umgeht. Aber es war zumindest ein erstes kleines Indiz in dem Spiel.

Wobei das mit dem „erstes“ nicht ganz richtig ist. Das erste Indiz für unsere Niederlage war natürlich die kuriose Aufstellung. Da geht der ach so selbstbewusste Topfavorit plötzlich vor Italien auf die Knie und stellt um. Defensiv wohlgemerkt. Kroos gegen Pirlo und Boateng, der offensiv vielleicht der harmloseste Deutsche ist (selbst Neuers Vorstöße versprühten mehr Gefahr…) war auf rechts fast immer allein. Dabei hatten Marco Reus, Andre Schürrle und auch Klose zuvor angedeutet, dass sie offensiv belebend sind. Klose zu bringen war richtig – aber dafür Gomez rauszunehmen falsch. Plötzlich war nicht mehr Gomez allein gegen drei, sondern Klose – spätestens da wussten die Italiener, dass diesen Deutschen zu viel Respekt vor ihrer Routine haben

So viel zum Kater, so viel zum Ärger über das Spiel, das als eine der unnötigsten Niederlagen meiner noch jungen EM-Geschichte hängenbleiben wird. Aber, um noch mal einen fürs Phrasenschwein rauszuholen: Nach der EM ist vor dem HSV.

Das wäre es zwar mit einer Finalteilnahme am Sonntag auch unmittelbar gewesen, aber okay. Wir haben in Hamburg größere Baustellen als die in der Deutschen Nationalelf. Vor allem haben wir ein paar mehr. Und es geht am Montag schon los. Trainingsauftakt ist um 15 Uhr an der Imtech-Arena. Dabei werden wir René Adler erstmals sehen, ebenso wie Artjoms Rudnevs. Beide Spieler muss ich sagen, machen auf mich einen guten, einen kernigen Eindruck. Adler, weil er trotz seiner jungen 27 Jahre schon als erfahrener Spieler durchgeht und mir bei unseren Telefonaten zuletzt imponiert hat. Der ehemalige Nationaltorhüter scheint jemand zu sein, der zu dem steht, was er sagt, macht und entscheidet. Beispiel: In Interviews, gerade wenn sie so lang sind wie das mit ihm, werden normalerweise anschließend bei der Autorisierung immer noch mal Änderungen vom Interviewten vorgenommen. Das ist nicht ungewöhnlich, das ist normal.

Anders bei Adler.

Wenn er etwas ändern wollte, dann lediglich in der Formulierung – nicht aber im Kontext. „Ich weiß, was ich sage und schweige lieber, als irgendwas Falsches zu sagen. Und wenn ich mal was Falsches sage, stehe ich dazu.“ Klingt gut.

Über Rudnevs weiß ich noch nichts persönlich, ich habe ihn noch nicht sprechen können. Aber ich habe mich mit verschiedenen Leuten über ihn unterhalten. Und das ausschließlich positiv. Überall, selbst bei denen, die es tendenziell nicht so gut mit dem HSV meinen, gilt Rudnevs als großes Talent. Sollte sich das ebenso bestätigen, wie die charakterliche Beschreibung von Frank Arnesen („Artjoms steht zu 100 Prozent hinter seiner Entscheidung, zum HSV zu kommen. Er will hier unbedingt was bewegen“), dann dürfen wir uns auf einen Typen freuen, der uns vielleicht ebenso viel Freude macht wie einst Olic.

Viel Freude erwarte ich auch von Maximilian Beister. Der Junge hat schon in Düsseldorf gezeigt, was er kann. Er hat Tempo, den Zug zum Tor, und er ist frech. Er traut sich was. Ergo: Maxi spielt das, was uns gestern gegen Italien fehlte.

Dass seine Leistungen in der Zweiten Liga nicht sofort 1:1 in der Ersten Liga umzusetzen sind, ist klar. Das soll und darf auch niemand erwarten. Aber ich glaube, dass allein schon die Mentalität von Maxi ein Qualitätsmerkmal ist, das uns berechtigt hoffen lässt. „Für mich folgt der nächste Schritt“, sagt Beister, „und das wird ein großer. Ich weiß, dass es schwerer wird. Ich weiß aber auch, dass ich mich durchsetzen werde.“ Gut so. So soll es sein. Mutig nach vorn gedacht. Und wenn es mal hakt – dann wird trainiert. Plötzlich auf der Bank zu sitzen bedeutet eben nicht sofort, dass man es nicht kann. Das wissen wir seit gestern auch von Schweini, der angeblich keine Probleme gehabt hätte, auch mal auf der Bank zu sitzen (warum sagt er es erst nach dem Ausscheiden?). Obwohl er vorher bei seiner Pressekonferenz betont hatte, „ich bin 100-prozentig fit“… Na gut, ich schweife wieder in die Vergangenheit ab und ärgere mich.

Dabei ist der Blick nach vorn sehr wohl spannend. Zum einen, weil wir am Sonntag, am letzten Tag vor dem Saisonauftakt des HSV, den HSV-Kapitän Heiko Westermann im Anschluss an das Finale bei „Matz ab live“ im Champs begrüßen dürfen. Zum anderen, weil das noch nicht alles ist. Auch Maximilian Beister wird kommen und somit seinen ersten öffentlichen Auftritt in Hamburg feiern. Bei uns im Blog! Ich freue mich auf zwei sehr interessante Gäste, mit denen wir über das Finale, über das Auftreten der Deutschen und natürlich viel über die bevorstehende HSV-Saison sprechen werden.

Zum anderen ist der Blick nach vorn spannend, weil es beim HSV noch eine Latte Personalien zu klären gibt. Was wird aus Jaroslav Drobny? Was passiert bei Paolo Guerrero, der intern einen sportlich hohen Stellenwert genießt aber schlichtweg im Gehalt zu teuer ist? Nach dem SSC Neapel soll jetzt auch Valencia Interesse haben. Dazu Espanyol Barcelona, die sich allerdings ob eigener Finanzprobleme vorerst aus dem Rennen verabschiedet haben dürften.

Es sind noch mehr Namen zu nennen, allerdings wurde das hier schon x-fach geschrieben. Und da es tatsächlich keine Bewegung gibt, belasse ich es bei diesen paar Zeilen darüber.

Wobei, am Ende möchte ich dann doch noch mal zwei große Komplimente loswerden. Das erste noch mal rückwirkend an den begeisternden Fußball, den die Deutschen exklusive Halbfinale gespielt haben. In der Qualifikation haben sie komplett überzeugt, Portugal, Holland, Dänemark und Griechenland waren chancenlos. Und das mit der jüngsten Truppe des Turniers – das lässt einiges erhoffen für 2014. Und, wer sieht es nicht auch so? Weltmeister werden ist noch ne Ecke geiler als Europameister…

Und mein zweites Kompliment geht an Lotto King Karl. Der Mann ist als Gesprächsgast nicht nur eine Bank, er ist auch wohltuend ausgeglichen in seinen Analysen. Dass unser Stadionsprecher und HSV-Hymnen-Sänger zudem ein Pfundskerl ist, wissen seit gestern auch die 500 Gäste im Champs. Okay, nicht alle. Aber sicher ein ganz großer Teil, denn Lotto musste gestern nicht nur etliche Autogramme schreiben und Fotos machen – er unterhielt sich auch extrem geduldig mit jedem Gast, der ihn etwas fragte. Und das nicht oberflächlich, wie man es von dem einen oder anderen Sternchen gewohnt ist. Nein, Lotto hört zu, er fragt seinen Gegenüber, antwortet ausführlich und vermittelt seinen Gesprächspartnern das Gefühl, sehr persönlich zu sein. Im positiven Sinne. Wahrscheinlich passen er und Dieter deshalb so gut zusammen – privat wie in der Sendung. Obwohl sie beide noch eine gemeinsame Leidenschaft zu BU verbindet. Denn während Dieter dort seine Hochzeit als Fußballer verlebte, wurde Lotto stets von seinem Vater mit ins kleine, traditionsreiche Stadion von Barmbek-Uhlenhorst geschleppt. Seither lieben beide den Klub. Allerdings nicht ganz so sehr wie den HSV…

In diesem Sinne, nach der EM ist vor dem HSV. Und der wird uns in den nächsten Wochen auf Trab halten. Wie? Darüber werden wir am Sonntag 15 Minuten nach Spielschluss des Finales mit Heiko Westermann und Maximilian Beister sprechen. Live im Champs – live hier im Blog. Und vor allem: mit einem Hinweis, in welchem Blog ihr die Fragen stellen könnt, die ich dann versuchen werde, an die beiden Gäste weiterzuleiten…! Versprochen!

Bis morgen! Dann wieder mit Dieter. Wir sehen/hören uns am Sonntag!

Scholle

HSV im DFB-Pokal beim KSC

23. Juni 2012

Nun weiß auch Joachim Löw, wie es beim HSV immer gewesen ist – früher. Der Bundestrainer sucht einen „Verräter“, einen Mann in seinem Kader, der Geheimnisse ausplaudert. Geheimnisse, die eigentlich bis zum Anpfiff des Viertelfinalspiels Deutschland gegen Griechenland auch geheim bleiben sollten. Denkste. Stunden vorher war alles schon publik geworden. Einer plaudert nämlich immer. Obwohl ich in diesem Fall sogar den Verdacht habe, dass es gleich mehrere gewesen sind. Aber es ist tatsächlich wie früher beim HSV im Aufsichtsrat. Das, was hinter verschlossenen Türen gesprochen und beschlossen wurde, sollte geheim bleiben, aber es stand bereits am nächsten Tag – natürlich – in den Zeitungen. Gefunden wurden die Plauderer nie. Der Gipfel war: Als AR-Boss Udo Bandow einst eine Sitzung einberief, um den Dampfplauderer zu entlarven, da ließ er von jedem eine Eidesstattliche Erklärung unterschreiben, dass derjenige NICHTS verrate hatte. Natürlich nicht. Denn alle unterschrieben . . . Und es standen auch danach weiterhin fast alle geheimen Beschlüsse tags darauf in der Zeitung – welche auch immer. Löw wird ebenso rätseln – aber er wird nichts finden. Damit muss auch ein Bundestrainer heutzutage immer rechnen. Bitter genug, denn so schneidet sich der Spieler, die Spieler, die Mannschaft bestimmt auch mal ins eigene Fleisch – gegen diese harmlosen Griechen ist es zum Glück noch einmal gut gegangen.

Die Frage, die meine Freunde mir heute immer wieder stellten war die: „Waren wir nun so gut, oder war Griechenland einfach zu schlecht?“ Letzteres war wohl der Fall. Wenn ein (deutscher) Torwart bereits in Halbzeit eins an der Mittellinie auftaucht, dann spricht das doch für sich. Das war auch eine Art von Anti-Fußball, man muss es so krass und so hart formulieren. Aber nun geht für die deutsche Mannschaft die EM ja auch erst richtig los. England oder Italien, das ist nun die Frage. Es ist ja auch diesmal kein Wunschkonzert, aber selbst wenn es eines wäre, ich wüsste nicht, wen ich mir für die Löw-Auswahl wünschen sollte. Italien kann von Haus aus Defensive, hat aber im ersten Spiel (gegen Spanien!) bewiesen, dass die Mannschaft auch offensiv viel gelernt hat. Das 1:1 damals hat mir imponiert, die Spielweise der Italiener sehr gefallen – ich war überrascht. Und England? Seit sich der FC Chelsea gegen Barcelona und gegen die Bayern den Champions-League-Titel ermauert hat, wissen die Engländer, wie man auch zu einem Titel kommen kann. England spielt defensiv fast schon besser als Italien – und die Italiener haben es einst erfunden (nicht die Schweizer!).

Mal abwarten, was sich „Jogi“ Löw im Hinblick auf Donnerstag einfallen lässt. Und ob das dann, was er für das Halbfinalspiel plant, auch tatsächlich bis zum Anpfiff geheim bleibt. Wäre schon wünschenswert. Und ich denke ja, dass der Bundestrainer wieder auf die Formation der ersten drei Begegnungen zurückgreifen wird. Mir wäre wohler dabei, obwohl ich damit auch die „Kröte“ namens Podolski schlucken müsste. Den Noch-Kölner würde ich schon lieber auf der Bank sitzen sehen, dafür wünschte ich mir Marco Reus auf links. Rechts wieder Thomas Müller, in der Mitte Mario Gomez für Miroslav Klose, der bis auf sein Tor zum 3:1 nicht viel auf die Beine gebracht hat. Und sein Tor wurde ihm ja vom griechischen Keeper total geschenkt. Nur deswegen stieg der Schalker Papadopoulos, der zuvor (bei dieser EM) 95 Prozent seiner Kopfballduelle gewonnen hatte, nicht mit Klose in die Luft. Er hat sich auf den Torwart verlassen – und war damit verlassen genug.

Kurz noch einmal zu „Jogi“ Löw und seine überraschende Aufstellung. Ich bin mir sicher, dass der Bundestrainer dass deswegen gemacht hat, weil er sich das gegen diese sturmschwachen Griechen erlauben konnte, und weil er so einige Ersatzleute bei Laune gehalten hat. Es mehrten sich ja die Stimmen, die davon sprachen, dass es sehr unangenehm und ungewohnt sei, nicht von Beginn an (wie in den Heimatvereinen) zu spielen. Nun haben einige gespielt, sie wissen jetzt auch, wie schwer das sein kann – und wenn Löw nun wieder etwas ändert, dann werden sie, die zuletzt dabei waren, ihren Mund eben nicht mehr so voll nehmen. Glaube ich jedenfalls. So hat Löw auf jeden Fall auch einige schon etwas schmollende Ersatzleute wieder ein wenig mehr auf seine Seite gebracht. Er ist eben nicht nur ein Taktik-Fuchs . . . Denn: Gomez, Müller und Podolski wurde nun vor Augen geführt, dass sie ersetzbar sind – die werden sich nun doppelt und dreifach reinhängen. Alles nur zum Wohle des Teams.

Trotz allem – es gab ja nicht nur Erfreuliches in und um dieses Spiel herum. Bastian Schweinsteiger wird wahrscheinlich nie wieder so viele Fehlpässe spielen, wie in diesen 90 Minuten. Das war fast schon unerträglich, dass ihm selbst die einfachsten Pässe (über sechs, sieben Meter) nicht gelingen wollten. Unfassbar. Ähnlich Holger Badstuber, der in Halbzeit eins einen Ball nach dem anderen zum Gegner oder ins Aus beförderte. Das darf in einem „engen“ Spiel niemals passieren, denn dann ist der Ofen aus. Ganz sicher. Zudem ist es ja schön und gut, wenn Andre Schürrle auf links seinen Gegenspieler umkurvt und dann zur Mitte zieht – aber muss er dann immer gleich losballern? Wenn ja, dann sollte er auch immer versuchen, dass Tor zu treffen. Schürrle hatte schon eine extreme Streuung. Und zum Schluss hätte er einige Male super in die Mitte flanken können, weil er dann doch den Platz dazu hatte – aber entweder zauderte er, oder er brach den Versuch einer Flanke schnell wieder ab und legte den Rückwärtsgang ein. Da hätte ich mir schon einen „echten“ Linksfuß gewünscht, der auch flanken kann – es muss doch nicht gleich Podolski sein . . .

Und hinten? Da gibt es auch bei Jerome Boateng, der einst von Hamburg aus in die große und weite Fußballwelt hineinspazierte, noch viel Luft nach oben. Sehr viel sogar. Er wirkt mir immer noch zu sehr so, wie er einst beim HSV begonnen hat: phlegmatisch. Und er war ja auch bei beiden Gegentreffern der Griechen nicht unbedingt im Bilde. Wobei ich sowohl beim ersten als auch beim zweiten Tor den Schiedsrichter nicht unbedingt auf Ballhöhe sah. Beim 1:1 hätte der Slowene Skomina sonst gesehen, dass Torschütze Samaras vorher Boateng im Laufduell am Trikot festgehalten und zurückgezogen hat. Das sah man im Fernsehen ganz deutlich, dadurch geriet der Wahl-Münchner ein wenig außer Tritt und in Rückstand (gegenüber seinem Kontrahenten). Der Grieche verschaffte sich durch das Zupfen einen entscheidenden Vorteil. Hätte der Schiedsrichter eigentlich sehen müssen.

Und beim 2:4? Das war doch ein lächerlicher Elfmeter. Boateng dreht sich zur Seite, wird aus nächster Nähe angeschossen – und der Mann in Schwarz zeigt auf den Punkt. Unfassbar. Unfassbar dumm auch. Ich will hier keine Verschwörungs-Theorie konstruieren, aber ich habe das stete Gefühl gehabt, dass Skomina lange Zeit auf eine solche Situation gewartet hat. Ich kann dazu nur sagen: Wolfgang Stark durfte nach nur einem Fauxpas gleich seine Koffer packen – und der Ungar Kassai, den ich für den zurzeit weltbesten Unparteiischen halte, ebenfalls. Das empfinde ich als ungerecht. Im höchsten Maße sogar. Wobei ich im Fall von Stark denke, dass er auch deswegen seine Koffer packen musste, weil Deutschland ja noch immer im Turnier vertreten ist – und egal wie er das nächste Spiel auch gepfiffen hätte, zu irgendeiner Seite wäre der eine oder andere Pfiff dann doch ausgelegt worden . . .

Aber, um das abschließend zu sagen (und zu fragen): Elfmeter war das doch nicht, oder?

Auch „uns Scholle“ sprach ja bei „Matz ab live“ von einem „lächerlichen“ Strafstoß – ohne dass wir uns abgesprochen hatten. Womit ich bei der gestrigen Sendung bin. Im „Champs“ herrschte eine wundervolle Atmosphäre, und wir hatten mit Tolgay Arslan, der Stunden zuvor gerade einen neuen Vertrag unterschrieben hatte, einen großartigen Gast. Einen Gast. Sonst hatten wir immer zwei, wollen auch immer zwei haben – aber diesmal sagte uns ein Gast ab, und da alle unsere Versuche, einen „Ersatz“ zu bekommen, scheiterten, blieb Arslan eben allein.

Aber, das möchte ich ausdrücklich sagen, das war kein Nachteil. Weder für ihn, noch für uns. Dafür, dass dieser junge Mann erst 21 Jahre alt ist, hat er sich großartig „verkauft“.

Es hat uns wirklich Spaß gebracht, Tolgay, du hast das wirklich bravourös gemacht. Und nochmals ein herzliches Dankeschön für Dein Kommen.

Das war einfach ein gelungener Auftritt – und er war in allen Lagen souverän. Wenn ich dazu dann nur wenig später Marco Reus in Danzig vor der ZDF-Kamera sah, wie der Noch-Gladbacher da ein wenig verlegen herumstammelte (kein Vorwurf, so etwas muss und will gelernt sein), dann war dieser Arslan-Auftritt wirklich gekonnt. Und auch ein Beispiel für alle anderen jungen HSV-Profis, wie man es machen kann – und vor allen Dingen, dass man es machen kann. Wer bei „Matz ab“ auftritt, der lernt etwas fürs Leben, denn der ist dann, wenn das „richtige“ Fernsehen kommt, schon mal gewappnet, dass die Kamera, die da vor dem eigenen Gesicht auftaucht, gänzlich ungefährlich ist. Aber Arslan hat es, nun ist auch Schluss damit (musste ich aber loswerden), wie ein „Alter“ gemacht.

Apropos: Ein „alter Hase“ hat nun ja auch seinen Vertrag verlängert, und zwar Marcell Jansen. Und zwar bis Sommer 2015. Der frühere Nationalspieler soll ja, so wünschen es sich Trainer und Sportchef, Verantwortung übernehmen und in eine Führungsrolle hineinschlüpfen, ich wünsche ihm (und dem HSV) dabei viel, viel Glück. Und dass sich die Verletzungen in Grenzen halten, aber das war in der angelaufenen Saison ja auch lange nicht mehr so schlimm wie einst.

So, ein Schritt in die neue Saison wurde heute schon gemacht, nämlich die erste Runde im DFB-Pokal wurde ausgelost. Der HSV muss zum Zweitliga-Absteiger Karslruher SC. Kein Freilos. Und unter Frank Pagelsdorf gab es dort einst schon mal ein frühes Pokal-Aus für den HSV . . . Gespielt wird entweder am 17. August, am 18. August, 19. August oder am 20. August.

PS: Am Donnerstag, nach dem Halbfinale, sind wir wieder im „Champs“ zu Gast, werden nach dem Spiel dann erneut mit „Matz ab live“ auf Sendung sein. Diesmal hat die Übertragung ja fehlerfrei geklappt, so soll und wird es bleiben. Sicher. Was uns noch gefehlt hat, das waren eure Fragen. Mehr davon. „Scholle“ beobachtet eure Zuschriften genau, ist immer auf „Ballhöhe“ – ihr müsst euch nur trauen.

18.33 Uhr

Wegen Adler – Stein lobt den HSV!

19. Mai 2012

20 Punkte auf einmal. Nach dieser mageren Saison. Ein Traum! Doch dieser Traum erfüllt sich nur an diesem Sonntag, wenn der HSV zur Fortsetzung bitte. Zur Außerordentlichen Mitgliederversammlung, die am 15. Januar aus Zeitgründen abgebrochen werden musste, und die nun am Sonntag um 11 Uhr in der Imtech-Arena weitergeführt wird. Mit 20 Punkten auf der Tagesordnung. Die Pforten des Stadions werden bereits eine Stunde vor dem „Anpfiff“ von Aufsichtsrats-Chef Ernst-Otto Rieckhoff geöffnet. Es sind viele Anträge auf Änderung der Satzung eingegangen, die dürften wahrscheinlich auch lebhaft diskutiert werden. Brisanz ist gegeben, denn es geht auch um die Köpfe im Aufsichtsrat. Endlich wird das heiße Thema, das vielen HSV-Mitgliedern (und sicher auch vielen Fans) schon seit Jahren ein Dorn im Auge ist, einmal angepackt – nämlich die Zahl zwölf. Was mich optimistisch stimmt ist die Tatsache, dass einige Räte ja selbst dafür sind, die Zahl zu reduzieren. So wie es heute noch aussieht, gibt es diesmal etwas auf die „Zwölf“. Und das ist auch gut so.

Ich bin gespannt, wie viele Mitglieder an diesem Sonnen-Tag tatsächlich erscheinen, und wie hoch die Wellen schlagen werden. Zudem könnte es ja auch noch die einen oder anderen Abstecher zur schwächsten HSV-Saison aller Zeiten geben – und in diesem Fall auch um die Frage, wer diese verkorkste 49. Bundesliga-Spielzeit hauptsächlich zu verantworten hat. Wie gesagt, es könnte viel Feuer in dieser Veranstaltung sein.

Ich sprach über den HSV 2011/12 und über den HSV der Zukunft mit einem der Helden von 1983. Uli Stein hat 228 Erstliga-Spiele für den HSV bestritten, und er hat, obwohl er seit Jahren im Westen wohnt, immer noch die Raute im Herzen. Er beschäftigt sich oft mit „seinem HSV“, und er spricht viel und oft mit ehemaligen Kollegen, die immer noch in Hamburg beheimatet sind. Ich hatte ja kürzlich hier schon meiner Hoffnung Ausdruck verliehen, dass die Verpflichtung von Ex-Nationaltorwart Rene Adler ein Hoffnung auf bessere Zeiten für den HSV sein könnte. Wie sieht das ein so erfahrener Keeper wie Uli Stein, der ja in der Vergangenheit oftmals den Geschehnissen innerhalb des Klubs sehr skeptisch und auch sehr kritisch gegenüber stand?

„Auch ich habe diese Hoffnung. Wenn Rene Adler tatsächlich fit ist, und davon gehe ich mal schwer aus, denn der HSV wird Adler ja ordentlich durchgecheckt haben, dann gehört er zur Creme de la Creme des deutschen Fußballs, und dann kann man davon ausgehen, dass er dem HSV auch richtig gut helfen wird. Adler steht von der Leistung her auf einer Stufe mit Manuel Neuer, und diese Verpflichtung wird dem HSV bestimmt sehr gut tun.“ Stein sagt aber auch: „Ich hoffe sehr für ihn und den Verein, dass Adler nun mal von Verletzungen verschont bleibt, dass er dem HSV dann auch wirklich eine ganze Saison ohne Unterbrechungen zur Verfügung stehen kann.“

Dass Rene Adler verpflichtet wurde, das begrüßt Uli Stein ausdrücklich: „Ich hätte ihn trotz der Tatsache, dass auch Jaroslav Drobny noch da ist, auf jeden Fall auch geholt. Und ich habe ja von meinen Bekannten in Hamburg auch gehört, dass der HSV noch einen guten Nachwuchstorwart hat, Florian Stritzel, Jugend-Nationalkeeper, von dem halten in Hamburg ja auch einige sehr, sehr viel. Eventuell gibt der Verein ja auch la einem ganz jungen Mann die Chance, Gladbach, Leverkusen und Hannover haben das ja in der Liga schon vorgemacht. Und ich könnte mir durchaus vorstellen, dass Drobny den HSV doch noch verlassen wird. Das muss er ganz allein wissen, ob er sich ein weiteres Jahr auf der Bank antun will.“

Um noch einmal auf Adler zu kommen. Uli Stein sagt weiter: „Dafür, dass er ein so guter Torwart war und hoffentlich auch wieder wird, kostet er ja relativ wenig Geld. Dafür musste man ihn holen. Und hinten fängt man an mit dem Erfolg, steht die Null, dann kann man darauf aufbauen. Nein, in diesem Fall muss ich sagen, dass der HSV sportlich die richtige Entscheidung getroffen hat, diesmal gibt es nichts zu kritisieren.“ Wobei Uli Stein durchaus Kritik anzubringen hat: „Ich kann zum Beispiel nicht verstehen, warum der HSV Drobny nicht zum FC Bayern ziehen ließ, als es das Angebot aus München gab. Da wollte der HSV offenbar zu viel Geld und hat zu hoch gepokert, und das war wirtschaftlich nicht der klügste Schachzug. Wenn man die Chance hat und es dann nicht macht, dann ist das für mich nicht nachvollziehbar. So gut wie sie das mit Adler gemacht haben – mit Drobny haben sie da gleich einen neuen Flop hinterher gelegt. Das macht keinen Sinn für mich.“

Und macht es denn Sinn für ihn, dass nun noch vor der Mitgliederversammlung der Vertrag von den Vorstands-Herren Carl-Edgar Jarchow und Joachim Hilke um zwei Jahre verlängert wurden? Uli Stein: „Das kann man so oder auch so sehen. Natürlich hat der HSV seine schlechteste Saison aller Zeiten gespielt, aber vielleicht sollte man den Leuten, die ja erst knapp über ein Jahr im Amt sind, noch eine zweite Chance geben. Viel schlechter als zuletzt kann man es ja nicht mehr machen, aber dieser Vorstand musste ja ein schweres Erbe antreten. Es war wie beim Trainer, alle mussten sie das übernehmen, was ihnen überlassen wurde. Jetzt, mit der neuen Saison, da hat Thorsten Fink endlich die Chance, seine Ideen umzusetzen, seine Mannschaft aufzubauen. Und so sollte es auch für den Vorstand sein, und deswegen halte ich es auch für in Ordnung, dass diese Verträge verlängert wurden.“

Uli Stein, heute 57 Jahre alt, wollte kürzlich ja auch die Funktionärsebene betreten, und zwar die bei seinem Stamm-Klub Arminia Bielefeld. Das hat sich allerdings zerschlagen. „Ich habe alles das, was die Arminia betrifft, erst einmal auf Eis gelegt. Generell aber habe ich schon Interesse, so etwas mal zu machen, es muss ja nicht Bielefeld sein“, sagt Stein. Also wäre der HSV ein Thema? Stein: „Warum nicht?“

Viele seiner früheren Teamkollegen sollten schon beim HSV einsteigen, oftmals wurde die Rolle als Aufsichtsrats-Mitglied gehandelt – doch die meisten winkten ab. Stein: „Das war auch richtig so, das hätte ich auch gemacht. Als Aufsichtsrat kannst du doch nichts bewegen, da hast du keine Möglichkeit, Einfluss zu nehmen. Deshalb kann ich mir nur vorstellen, entweder als Sportchef zu arbeiten, oder als Vorstandsmitglied. Aber der Sportchef-Posten ist beim HSV ja besetzt, und die Vorstands-Posten sind auch fest vergeben . . . Aber in den Aufsichtsrat – niemals, das ist unvorstellbar für mich.“ Er sagt auch noch: „Das hat man ja auch in der Hoffmann-Ära gesehen, da waren ja viele Aufsichtsrats-Mitglieder einseitig – und zwar für die Belange des Vorstandes – beeinflussbar. Und genau so etwas ist nichts für mich.“

Und was traut der frühere Nationaltorwart dem HSV in Zukunft sportlich zu? Stein: „Du musst eines machen, aber das wird der Thorsten Fink viel besser wissen, und ich halte viel von Fink, der hat für mich beim HSV super Arbeit geleistet, und das mit einem ganz kleinen Etat, du musst jetzt eine Mannschaft zusammenstellen, die auch als Einheit aufritt. In der nun abgelaufenen Saison waren da elf Einzelspieler, oder auch 18 oder 19 – aber es war kein Team. Du hast weder auf dem Rasen noch außerhalb etwas von einem Teamgeist gespürt oder erlebt, da hat jeder nur sein eigenes Ding gemacht – und da muss jetzt reagiert werden. Da muss wieder eine Mannschaft auf den Platz, die zusammenhält, und die für die Raute und auch für die Fans marschiert und läuft. Das war das ganz große Manko des HSV in den letzten Jahren, speziell in der letzten Saison.“

Uli Stein sagt aber auch: „Vielleicht sollte man in diesem Jahr nicht nur in der Nachwuchs-
Abteilung des FC Chelsea nach neuen HSV-Spielern suchen, Talente gibt es auch in anderen Vereinen – selbst in deutschen Klubs. Das ist auch ein Manko gewesen, das lief mir zu einseitig ab. Es gibt so viele Klubs, die sehr gute Nachwuchsarbeit verrichten, dann sollte man eben auch dort mal gucken. Der HSV hat doch ein Scouting-System – was macht denn die? Dann muss man da auch mal ansetzen, wenn da nichts kommt, dann muss man eben auch dort mal neue Gesichter präsentieren.“

Stein weiter: „Bei anderen Klubs hat man es doch gesehen, dass man junge Leute nach oben bringt, und dass man die dann auch für viele, viele Millionen verkaufen kann. Das wäre doch auch eine Chance für den HSV. Zum Beispiel der Gladbacher Reus, der ein Götze, ein Schürrle. Solche Jungs muss man mal rausbringen, dann kann man auch mal richtig Geld schnappen – aber beim HSV sieht es da ja im Moment düster aus. Auch finanziell. Da gibt es ja wohl nichts mehr. Aber das ist auch irgendwie klar, denn man muss sich mal überlegen, wie viel Geld da in der Vergangenheit verpulvert wurde. Für nichts. Das war schon abenteuerlich. Wer hat da auch nur irgendetwas kontrolliert? Da wurden Millionen zum Fenster hinausgeschüttet, aber für was? Für null Erfolg. Das passt doch nicht zum HSV.“

Genau.

Aber bevor Uli Stein beim HSV in irgendeiner Form mitwirken wird, da erledigt er selbstverständlich noch seinen Job als Torwart-Trainer von Aserbaidschan – unter der Regie von Chef-Coach Berti Vogts. Beide Herren haben noch einen Vertrag bis Mitte 2013 – und fliegen am Sonntag erst einmal nach Tokio, zum Länderspiel gegen Japan. „Dieser Job macht mir Spaß, man kommt viel in der Welt herum“, sagt Uli Stein. Und genau das hat der HSV im Moment ja auch nicht zu bieten . . .

Ganz kurz möchte ich noch auf Düsseldorf gegen Hertha eingehen. Am Montag erst die Entscheidung, wie es nun weitergehen soll – ein Wiederholungsspiel? Ich glaube eigentlich nicht mehr daran, nach all den Dingen, die Schiedsrichter Wolfgang Stark so von den Berliner Spielern geschildert hat. Aber gespannt bin ich, wie die Strafen für die Fußballer ausfallen werden. Wenn ich so an Paolo Guerrero denke, da wurde das Strafmaß ja schon sehr, sehr weit nach oben gesetzt, demnach müsste sich der gute Kobiaschwili eigentlich einen Verein im Ausland suchen, in Deutschland wird er in den nächsten Jahren wohl kaum zum Zuge kommen können . . .

So, nun wünsche ich euch viel, viel Spaß beim Grillen und beim Champions-League-Finale. Meinen Tipp bin ich ja schon im Film mit „Scholle“ losgeworden – stellt euch auf einen langen Abend ein.

Trotz allem drücke ich dem deutschen Fußball die Daumen, es wird mal wieder Zeit . . .

18.51 Uhr

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