Archiv für das Tag 'Schürrle'

Son ist weg – und wer wird ihm folgen?

13. Juni 2013

Nun ist es also vollbracht: Heung Min Son wechselt zu Bayer Leverkusen. Doch noch. Und der HSV ist nicht traurig, im Gegenteil, jetzt kommt endlich mal wieder Geld in die Kasse. Ein großartiger Coup, das muss man dem HSV lassen, denn Son kommt aus der „eigenen“ Jugend und bringt die dringend erforderlichen und somit auch erhofften Millionen. Schlecht an diesem Deal ist allerdings, dass der HSV nur noch diesen einen Son hatte. Mal abgesehen von Rene Adler, der natürlich noch immer unverkäuflich ist, unverkäuflich sein muss. Weil der den Laden hinten noch so dicht gehalten hat, dass es keine 100 Gegentore gab, sondern nur 53. Die Frage wird aber in näherer Zukunft sein: Wen verkauft der HSV demnächst, wenn plötzlich und völlig überraschend festgestellt wird, dass schon wieder kein Geld in der Kasse liegt? Da ist außer Adler keiner. Vielleicht wird es Hakan Calhanoglu, wenn der HSV Glück hat, aber wenn Calhanoglu nicht? Dann wird es eng. Die guten Spieler, die ihren Wert hatten und die den HSV Jahr für Jahr gerade und soeben noch über Wasser hielten, die sind mit der Zeit alle veräußert worden. Es gibt jetzt keinen mehr, für den der HSV noch eine große oder sogar zweistellige Millionensumme kassieren könnte – deswegen könnte schon bald wieder Holland voll in Not sein. Was heißt voll? In allerhöchster Not sein! Spätestens dann, wenn am Ende der nächsten Spielzeit kein internationaler Wettbewerb erreicht wurde – so es denn so kommt. Wobei irgend ein internationaler Wettbewerb schon gar nicht mehr ausreichen würde, denn eigentlich müsste es schon die Champions Legaue sein . . .

Und das könnte ja sogar möglich sein, keine Frage. Der HSV war ja schon in der gerade beendeten Bundesliga-Spielzeit nahe dran. Wenn wir uns noch erinnern: Beim Schalke-Rückspiel am 28. April 2013 (!) führte der HSV schnell 1:0 – und hätte mit einem Auswärtssieg sogar einen Champions-League-Platz erklimmen können, nämlich Rang vier. Hätte. Es kam anders, es gab in Gelsenkirchen eine hammerharte 1:4-Pleite. Und am Ende, das wissen wir alle, gab es sogar nicht mal die Europa League. Vier Jahre ist der HSV nun schon „europalos“, und lange, da muss man kein Prophet sein, kann sich das der Club von der Rothenbaumchaussee nicht mehr leisten. Und damit will ich – um Gottes Willen – kein Miesmacher sein. Man muss – oder sollte – aber nur mal den nackten Tatsachen ins Auge blicken, dann kann man auch als der allergrößte HSV-Fan zu keinem anderen Schluss kommen.

Gespannt bin ich, was Heung Min Son tatsächlich in die Kassen gespielt hat. Laut Agentur sollen es zehn Millionen sein. In Leverkusen lachen sie über diese Zahl. Lauthals sogar. Aber sie sagen natürlich nicht, was da genau von Rhein zur Elbe fließt. Meine Kollegen im westdeutschen Raum lachen ebenfalls. Über unsere Naivität hier im Norden. Zehn Millionen? Für Son? Nie im Leben. Allerhöchstens acht. Wurde mir gesagt. Und bei diesen acht Millionen verdient vielleicht auch noch der Berater – oder sogar die Berater – kräftig mit. Profi-Fußball. Das ist schon ein ganz böses Geschäft. Oder eher ein lachhaftes Geschäft? Uns Uwe Seeler hat dazu heute etwas gesagt, das wird am Ende meines Textes stehen. Ja, genau, Uwe Seeler. Der Mann, der den HSV groß geschossen und geköpft hat, der den HSV zu Weltruhm geführt hat – und sich – ganz nebenbei – auch noch. Uwe Seeler, der mehrfach Fußballer des Jahres war (welcher HSV-Profi der Neuzeit war das auch?), der Hamburgs Ehrenbürger ist, der immer noch Vorbild für Millionen ist und der geliebt auf der ganzen Welt geachtet und geliebt wird von vielen Fans. Nicht von allen, das weiß ich seit Matz ab, aber von den meisten. Und deswegen freut es mich, wenn sich dieser Uwe Seeler zu seinem HSV äußert. Wer ist nicht lesen mag, der sollte dann aufhören, wenn es gegen Ende dieses Artikel geht.

Zurück aber zur Aktualität. Wie eminent wichtig Son für den HSV – in seiner jetzigen Rolle – gewesen ist, das dokumentieren die HSV-Stimmen nach dem vollzogenen Wechsel.
„Son war ein wichtiger Spieler für den HSV“, sagt der neue Sportchef Oliver Kreuzer der Deutschen Presse-Agentur DPA. Und: „Man müsse aber neben dem sportlichen Wert des Spielers auch immer die wirtschaftliche Komponente für den Verein sehen.“ Sicherlich. HSV-Chef Carl-Edgar Jarchow befand: „Natürlich ist es sehr schade, dass uns Heung Min Son verlässt, aber wir haben immer betont, dass er entweder den Vertrag verlängert oder wechseln muss. Seinen Vertrag einfach so auslaufen zu lassen, das kam nie infrage.“ Natürlich. Weil da ja immer noch am Saisonende die Zahl 24 im Raume stand. Millionen. Minus. Gegen die hat sich Jarchow immer massiv gewehrt, und nun hat er Recht behalten. Glückwunsch! Die 24 ist vom Tisch. Dank Son, und dank der Verlängerung mit Vermarkter Sportfive, um den vor Jahren noch ein kilometerweiter Bogen gemacht werden sollte. Damaliges und ehemaliges Motto: „Der Vertrag läuft bald aus, und was die für uns machen, dass können wir selbst erledigen . . .“ Natürlich. Könnten. Groß genug ist der Personalstand des HSV, aber diese Angestellten kassieren eben nur Löhne und bringen keine Millionen (wie Sportfive) in die Kasse.

Und wo ich gerade dabei bin: Hieß es nicht vom (neuen) Aufsichtsrat: „Wir werden nicht den Fehler machen und unsere besten Spieler verkaufen . . ?“ Nein. Und es wurde ja auch Wort gehalten, denn: Es sind ja nicht „die“ Spieler verkauft, sondern nur „ein“ Spieler. Die anderen sind alle noch da. Und einige davon schon viel zu lange. Aber bei diesen großartigen Gehältern – da würde selbst ich nicht freiwillig gehen. Und ich verdiene bei Springer unheimlich gut . . .

Heung Min Son hat in Leverkusen für fünf Jahre unterschrieben. „Wir haben von Beginn an deutlich gemacht, dass ein Wechsel André Schürrles zum FC Chelsea nur in Verbindung mit einer sportlich adäquaten Alternative umsetzbar ist. Diese Alternative haben wir nun in Person von Heung Min Son unter Vertrag genommen. Somit steht aus unserer Sicht einem Transfer André Schürrles nach England nichts mehr im Wege“, sagt Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser und fügte ergänzende hinzu: „Mit Heung Min Son haben wir einen Spieler verpflichtet, der trotz seiner Jugend beim HSV bereits zu den Leistungsträgern gehörte. Son passt genau in unser Anforderungsprofil als junger, noch sehr entwicklungsfähiger Profi mit internationalen Ansprüchen. Bei Bayer kann Son seine eigenen, hochgesteckten Ziele am besten realisieren.“ Und Bayer-Sportdirektor Rudi Völler befand zufrieden: „Heung Min Son ist genau der Spielertyp, den wir für unsere junge Mannschaft gesucht haben. Er ist schnell, beweglich, technisch stark und hat einen tollen Torabschluss. Er wird uns helfen, unsere Ziele in Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League zu erreichen.“

Natürlich, Herr Völler, natürlich. Die Großen fressen die Kleinen, so geht es im Profi-Fußball zu – eiskalt. Es regieren die Millionen. Euro. Nicht Fans. Und der HSV wird ja auch bald in die Rolle eines „Großen“ aufrücken können, dann nämlich, wenn Roque Santa Cruz für Millionen verpflichtet wird. Oder werden sollte. Nein, das war um es gleich einmal aufzuklären, natürlich etwas (viel) Sarkasmus.

So, nun zu Uwe Seeler, den ich nach wie vor so verehre wie keinen anderen Fußballer. Meine Nummer zwei wäre, das nur nebenbei bemerkt, Günter Netzer, dann käme – von den ganz Großen – Uli Hoeneß. Das aber nur am Rande. Jetzt zu „uns Uwe“:

Für das deutsche Idol Uwe Seeler hat die Kommerzialisierung des Fußballs den Charakter des Spiels verdorben. „Das ist kein Fußball mehr“, sagte der Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft in einem Interview mit dem Express über die Entwicklung des Sports zu einem Teil der Unterhaltungsbranche: „Das ist Party und Geschäft.“ Sorgen macht sich der 76-Jährige um seinen Bundesliga-Stammverein HSV. „Ich habe große Angst davor, dass der HSV vor die Wand knallt“, sagte Seeler hinsichtlich der HSV-Probleme im sportlichen und wirtschaftlichen Bereich.

Nach dem Amtsantritt von Oliver Kreuzer als Nachfolger des nach Saisonschluss entlassenen Sportdirektors Frank Arnesen allerdings blickt der ehemalige HSV-Boss mit mehr Zuversicht in die Zukunft: „Ich hoffe nur, dass die Verantwortlichen jetzt mit Vernunft agieren und die Probleme in den Griff bekommen.“

Mit Neugier verfolgt Seeler die Laufbahn seines vom HSV zu Bayer Leverkusen wechselnden Enkels Levin Öztunali und will im Fall einer Nominierung des U17-Nationalspielers für den Erstliga-Kader der Rheinländer auch ins Leverkusener Stadion kommen: „Warten wir einmal ab, wie er sich entwickelt. Er ist sehr ehrgeizig, fleißig und charakterlich einwandfrei. Wenn es so weit sein sollte, werde ich natürlich im Stadion sitzen.“

Dann ist da noch ein “Matz-abber”, der sich um den Namen “Matz ab” sorgt:

Sehr geehrter Herr Matz,

mein Herz schlägt, genau wie bei Ihnen, für den HSV. Bin 69 Jahre alt ,ein frustrierter Anhänger, weil ich neidisch immer auf andere Klubs schaue und jedes Jahr hoffe das es hier wieder endlich bergauf geht. Diese anderen Vereine schaffen es, mit weniger Mitteln viel zu erreichen.

Ich lese fast immer den HSV Blog. Schade das Sie im September in Rente gehen. Dann wird es ja auch das beliebte „Matz ab” unter diesem Namen nicht mehr geben. Bei uns an der Küste gibt es ein Slogan, der an manchen Speiselokalen prangt: Scholle satt. Deshalb nur so eine Idee: Sollte Herr Scholle diese Sendung leiten: „Scholle-sat“.
Freundliche Grüße aus Büsum, Volker S.

PS: Klingt gut, Ich würde es so schreiben: „Scholle satt“ = Scholle Schreibt Alles Tatsächlich Täglich.
Ich hatte schon vorgeschlagen: „Scholz – was soll’s“. Aber das trifft es nicht, es wird und soll aber ja auch bei „Matz ab“ bleiben.

PSPS: Wo ich gerade selbst das Wort Büsum lese. Es ist für mich schon erstaunlich, woher mir die „Matz abber“ alle schreiben. Unglaublich sogar. Früher habe ich ja mal veröffentlicht, woher die Einsendungen beim „Matz-ab-Gewinnspiel“ so kamen, auch unglaublich – aus der ganzen Welt. Toll, einfach nur toll. Und bei der Gelegenheit, heute erhielt ich einen – sorgenvollen – Brief aus Boston, in dem es um die neuen Strukturen des HSV geht, die nun kommen müssten, wenn nicht ein großes Unglück geschehen soll. Unglück gleich Abstieg, wenn ich das mal so sagen darf.
Kurzum: Lieber Marco Me., ich möchte hiermit sagen: Brief ist angekommen, vielen Dank.

Und dann habe ich noch etwas ganz zum Schluss:

Die Schiedsrichter-Kommission des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat Dr. Felix Brych zum „Schiedsrichter des Jahres” 2012/2013 gewählt, bei den Frauen geht die Auszeichnung an Dr. Riem Hussein. Mit der Wahl würdigt die Kommission herausragende Leistungen in der vergangenen Saison.
Felix Brych hat 2012/2013 in der Bundesliga 18 Spiele gepfiffen. In der Champions League kommt er auf vier Einsätze, darunter das Viertelfinale zwischen Real Madrid und Manchester United. Von der Fifa wurde der 37-Jährige für den vorläufigen Kader der WM 2014 in Brasilien nominiert, beim Confederations Cup 2013 in Brasilien ist er einer von vier Unparteiischen aus Europa.

Warum ich das veröffentliche? Weil ich mich mit Dr. Brych freue – es hat den Richtigen getroffen. Er macht national und international einen ausgezeichneten Job. Und ist, das am Rande, ein toller Sportsmann und Mensch. Herzlichen Glückwunsch!

Und dann noch dies – ein Trost. Anderen geht es auch nicht so sehr gut . . .

Ausverkauf in Schottland: Der Fußball-Traditionsklub Hearts of Midlothian hat aufgrund großer finanzieller Schwierigkeiten seinen gesamtem Kader zum Verkauf gestellt. „Wir würden uns Angebote für jeden unserer Spieler anhören, auch für unsere größten Talente, um die notwendigen Zahlungen tätigen zu können“, teilte der Erstligist aus Edinburgh am Donnerstag auf seiner Internetseite mit.

Vielleicht ist ja sogar etwas für den HSV dabei? Eines der großen Talente eventuell?

17.06 Uhr

Nächste Einträge »