Archiv für das Tag 'Schulz'

Heese: “Es ist jetzt ein anderer Geist drin!”

15. Mai 2015

Zursicher

Mal sehen, was die Affen morgen so machen. Mit Affen sind die Spieler des VfB Stuttgart bezeichnet worden – von ihrem Trainer, ging ja auch Land auf, Land ab in den Zeitungen rauf und runter. So ist Huub Stevens eben. Was er auf der Zunge hat, muss raus. Und er hat es diesmal bestimmt auch deshalb rausgelassen, weil er mit dieser Beleidigung auch noch seinem letzten Spieler sagen will, dass hier allerhöchste Konzentration angesagt ist. Niemand darf auch nur einen Millimeter nach lassen, das wollte Stevens erreichen. Und er hatte auch deshalb die ganz Aufmerksamkeit, weil beim VfB Stuttgart, der ansonsten oft abgeschottet (also ohne Fans) trainiert, am Vatertag jeder Fan willkommen war. Stevens wollte mit seiner Härte auch demonstrieren, dass der Fokus nur auf diesem Abstiegs-Endspiel zu liegen hat. Ganz Stuttgart redet seit Tagen nur noch von dem Spiel gegen den HSV, das Stadion ist mit 60 000 Zuschauer seit Wochen ausverkauft – und 6000 Hamburger werden versuchen, sich in diesem Hexenkessel Gehör zu verschaffen. Und obwohl die Schwaben ja noch immer Tabellenschlusslicht sind, herrscht am Neckar große Zuversicht, dass der VfB an diesem Sonnabend gegen 17.20 Uhr den HSV um einen Punkt hinter sich gelassen hat. Es ist für das Ländle das Spiel der Spiele, und der Optimismus ist deswegen so groß, weil der VfB zuletzt stets gute oder sogar beste Leistungen gezeigt hat.

 
Was die meisten VfB-Fans aber in dieser Situation oft verschweigen: Der Tabellenletzte hat seit September 2013 (!) kein zweites Spiel in Folge mehr gewonnen. Seit September 2013! Und zuletzt siegte der VfB bekanntlich 2:0 gegen Mainz 05. Hält diese Negativserie an? Oder schafft es der HSV, so wie er es leider schon so oft geschafft hat, diese Serie zu durchbrechen – und das Schlusslicht so wieder aufzubauen? Was für Stuttgart außerdem ein Horror-Szenario ist, das ist die Tatsache, dass ausgerechnet Bruno Labbadia dem VfB den Gnadenstoß versetzen könnte. Jener Labbadia, der einst sehr wohl Erfolge mit dem VfB vorweisen konnte, der dann aber trotz allem, da gibt es sicher Parallelen zum HSV, vor die Tür gesetzt worden war, weil sich die Verantwortlichen und die Fans mehr erhofft hatten. Heute gibt es in Stuttgart nicht wenige, die meinen, dass die Labbadia-Gegner von damals heute sehr wohl Abbitte leisten müssten, denn nach dem damaligen Abgang des Trainers ist beim VfB nichts besser geworden. Im Gegenteil.

 

Im Ländle regnete es heute, am Sonnabend aber soll die Sonne scheinen. In Hamburg ist es genau umgekehrt. Mal sehen, wie sehr die Punkteverteilung dafür sorgt, dass in einem Fan-Lager so oder so die Sonne scheinen wird. Wir hoffen natürlich, dass es hier trotz des Regens reichlich Sonnenschein geben wird . . .
Beim VfB Stuttgart sind, um mal die sportliche Seite zu beleuchten, alle Mann an Bord. Diejenigen Spieler, die leicht angeschlagen in die Woche gegangen waren, wurden oftmals geschont, mussten nicht immer alle Einheiten mitmachen. Morgen aber wird jeder von ihnen bei 100 Prozent sein. Und besonders auf die Offensive hoffen die Schwaben. Die behaupten, dass es noch nie einen Tabellenletzten in der Bundesliga gegeben hat, der auf eine solche Super-Offensive setzen und bauen und hoffen kann. Vorne sind drei blitzgefährliche Angreifer unterwegs: In der Mitte der ehemalige Millerntor-Bomber Ginczek, links der Sprinter Kostic, rechts der unberechenbare Harnik, und dahinter der schnelle und technisch versierte Didavi, der nach einer längeren Verletzungspause jetzt wieder zur alten Form zurückkehren will – und schon auf dem besten Wege ist. Er wird der HSV-Defensive extrem viele Kopfschmerzen bereiten – neben den Stürmern.

 

Beim HSV herrschte heute nicht nur wegen des guten Wetters beste Stimmung. Bis auf Valon Behrami und Nicolai Müller konnten alle Spieler trainieren. Eine Stunde gab es Programm. Nach dem Aufwärmen folgte ein Spiel fünf gegen fünf gegen fünf. Und danach gab es reichlich Standards. Eckstöße, Freistöße, von links und von rechts zur Mitte gebracht. Meistens von Rafael van der Vaart geschlagen, aber auch Lewis Holtby und Ivo Ilicevic versuchten sich. Mit den Standards wurde ein wirklich lange Zeit verbracht. Zum Schluss folgte Spaß-Training. Die Spieler durften, so sah es aus, das machen, wozu sie Lust hatten. Lange Pässe, kurze Pässe, Torabschlüsse – Flanken. Wobei auch Bruno Labbadia tüchtig mitmischte. Der Coach schlug die Bälle aus dem Anstoßkreis heraus auf die linke Seite, wo Matthias Ostrzolek die Kugel meistens mit der Brust stoppte – um dann aus dem Lauf heraus zu flanken. In der Mitte hatte dann die Angreifer ein Spielchen mit Torwart Jaroslav Drobny zu laufen. Vorher wurde angesagt, wie viele Tore sie aus acht Flanken machen – und der oder die Verlierer mussten danach Liegestütze absolvieren. Da es ein nicht-öffentliches Training war, sah ich nicht alles, gefühlt würde ich sagen, dass die Angreifer mehr Liegestütze machen mussten. Und um ehrlich zu sein, ich habe Drobny nicht am Boden gesehen. Wer Rene Adler dabei vermisst: Der Stammkeeper war nach einer Stunde in die Kabine gegangen, nur mal so, es sah nicht danach aus, als drücke Adler auch nur ein kleiner Schmerz.
Übrigens sah Club-Chef Dietmar Beiersdorfer heute dem Training zu, nach dem Ende der Einheit ging er dann mit einer asiatischen Delegation (sah nach einem jungen Spieler aus) in das Umkleidehaus im Volkspark.

 

Aus dem Kader, der heute trainiert hat, blieben der Brasilianer Cleber, Julian Green und auch Maximilian Beister zu Hause.
Schiedsrichter der Partie in Stuttgart wird der Berliner Manuel Gräfe sein, in meinen Augen eine sehr gute Ansetzung, er ist mit dem Münchner Dr. Felix Brych der zurzeit beste deutsche Unparteiische. Aber – man soll den Tag nie vor dem Abend loben. Habe ich zuletzt wahrscheinlich das eine oder andere Mal zu viel gemacht. Deswegen halte ich jetzt mal den Ball flach. Obwohl ich, wenn ich bei Schiedsrichter bin, gleich an Rafael van der Vaart denke, denn der hat bislang neun Gelbe Karten „eingefahren“. Sieht er in Stuttgart noch einmal Gelb, dann fand am Neckar das Abschiedsspiel des „kleinen Engels“ statt. Das wäre doch auch dramatisch. Nicht für jeden HSV-Fan, aber auf jeden Fall für van der Vaart selbst.

 

Aber der Niederländer könnte sich ja auch in Sachen Härte oder auch mit verbalen Entgleisungen zurückhalten, dann passiert eben nichts. Hoffentlich. Ich sprach heute noch mit einem ehemaligen HSV-Spieler, der sich in Sachen Zurückhaltung nie besonders zurückhielt. Sein damaliger Trainer Klaus Ochs hat über ihn einst gesagt: „Auf dem Platz ist er ein Ekel.“ Es geht, einige haben es schon erraten, um Horst Heese. Der heute 71-Jährige lebt schon seit Jahrzehnten in Belgien, verfolgt den HSV, für den er einst „nur“ 41 Spiele bestritt, aber immer noch ganz genau – über das Bezahlfernsehen. Heese wurde damals im Winter 1972 verpflichtet und absolvierte sein erstes Spiel für den HSV am 16. Dezember 1972, bei seinem Debüt gab es eine 0:1-Niederlage – und der HSV stand damals auf dem letzten Tabellenplatz. Trotzdem gab es ein Happy end, dank Heese, der in der HSV-Geschichte den Platz eins als HSV-Retter einnimmt. Er riss die gesamte Mannschaft damals mit, und das waren immerhin Spieler wie Rudi Kargus, Peter Hidien, Manfred Kaltz, Peter Nogly, Klaus Zaczyk, Georg Volkert, Ole Björnmose, Willi Schulz, „Bubi“ Hönig, Caspar Memering, und, und, und.

 

Horst Heese hat in der jüngeren Vergangenheit schon oft um und mit dem HSV gezittert. Diesmal aber schien er mir optimistischer zu sein, denn er sagte: „Das sieht doch jetzt schon wieder viel besser aus, als noch vor ein paar Wochen. Das ist ja jetzt eine ganz andere HSV-Truppe, die kämpfen und hängen sich voll rein – das sieht gut aus, in meinen Augen.“ Den Umschwung hat Bruno Labbadia gebracht, das sieht auch Heese so, denn er befindet: „Sicher hat Bruno viel bewirkt, aber wenn man auf einen schwachen Trainer folgt, dann muss man kein Super-Trainer sein. Da hätte kommen können, wer will, es waren vorher zu viele schwache Trainer da. Wenn die Jungs merken, da vorne steht einer, der versteht sein Handwerk, der hat selbst gespeilt, der weiß wie es geht, dann sieht die Welt schon wieder ganz anders aus. Aber wenn du da vorne ein paar Flaschen vor der Mannschaft stehen hast, in kurzen Sprinterhosen, dazu mit fünf Handys durch die Luft wirbeln, dann wissen die Spieler doch gleich Bescheid. Der kann denen doch gar nichts erzählen, und wie soll das denn funktionieren?“ Heese: „Wenn wir damals gemerkt haben, dass wir eine Flasche vor uns haben, dann haben wir den sofort auf die Rolle genommen. Wenn der in kurzen Hosen vor uns stand, haben wir schon gegrinst, wenn der dann noch seine Stutzen irgendwie schief angezogen hatten, dann war die Sache für uns gleich klar, was wir da für einen vor uns hatten . . . Wenn du aber einen Trainer hast, der selbst an der Front war, dem nimmst du doch eher ab, was er da erzählt. Und von den schwachen Trainern hatte der HSV zuletzt leider einfach zu viele.“

 

Horst Heese sagt über die heutige HSV-Truppe, und das ist aus seinem Munde gewiss ein riesiges Kompliment: „Jetzt ist wieder ein anderer Geist drin. Und wenn du den Bruno Labbadia siehst, das ist echt, das ist authentisch, er lebt das vor, was da jetzt passieren muss. Die anderen Trainer haben, wenn die Kameras auf sie zukamen, ein verzweifeltes Gesicht gemacht, haben ein wissenschaftliches Gesicht gemacht, oder sie haben ihre Notizblöcke vollgeschrieben. Da waren viele Schauspieler am Werk. Aber Gott sei Dank, sie tanzten nur einen Sommer. In Hamburg jedenfalls.“

 

Horst Heese appelliert – auch für die Zukunft des HSV – an die Ehemaligen des HSV: „Da sind doch so viele Pragmatiker, die müssten mal den Mund aufmachen. Damit die Knalltüten ausgespielt haben, damit der HSV endlich mal einen vernünftigen Trainer bekommt. Diejenigen, die noch den engen Draht zum HSV haben, sollten schon mal häufiger den Mund aufmachen.“ Aber, das vermute ich, es haben in der Vergangenheit vielleicht schon oft den Mund aufgemacht, doch es passierte nichts, ihre Tipps verhallten mehr oder weniger ungehört im Volkspark.

 

Und wie ist Horst Heese mit dem Punkt „Härte“ zurzeit mit den HSV-Spielern zufrieden? Heese: „Das könnte ruhig noch etwas mehr sein, ganz klar. Wobei man Härte nicht mit Unfairness verwechseln darfst. Aber es geht doch jetzt um alles. Man darf nicht von hinten zutreten, du kannst ja auch einen Gegner von vorne stören. Aber du musst fit sein, immer eisern und hart am Mann sein. Heute sieht man auch keine Schnitte, wenn man nicht hundertprozentig fit ist. Dann bist du im heutigen Tempo-Fußball total daneben. Und man muss auch immer schön aufpassen, dass man nicht zu viele Freistöße vor dem eigenen Strafraum verursacht, das kann sich dann auch schnell rächen, wenn der Gegner da Spezialisten hat, die solche Standards zu nutzen verstehen. Also, mehr Härte ja, aber keine Fouls.“
Mal sehen, wie das denn morgen in Stuttgart so laufen wird – in der HSV-Defensive.

 

Ich habe übrigens in die Programm-Zeitschrift „Hör zu“ geblickt, wie der Prominente (jede Woche ein anderer) den Spieltag, besonders den HSV getippt hat. Diesmal ist das Joscha Kiefer (Soko 5113) gewesen, und der tipp Stuttgart – HSV auf 4:0. Oha, ein dickes Ding! Und eine Woche weiter tippt Lukas Hundt (Akte Ex) den HSV gegen Schalke 04 auf 1:0. Mal abwarten, wie sich das alles (schon an diesem Spieltag) da unten entwickelt.

 

So, zwei Personalien habe ich noch:

Lotto King Karl eröffnet an diesem Sonnabend im Stadtpark die Open-Air-Saison – und ich wünsche dem Kult-Sänger und seiner Band alles Gute, viel Glück – und gutes Wetter. Und Euch, die Ihr dabei seid, viel Spaß.

Dann hat sich heute Joe Zinnbauer bei NDR2 zu Wort gemeldet. Der Trainer, der im Moment nicht groß arbeitet, kann sich durchaus vorstellen, dass er in der nächsten Spielzeit wieder die U23 (spielt am Sonnabend um 14 Uhr in Lübeck um Punkte) trainieren wird. Mich würde das sehr freuen, gebe ich zu, denn der „Joe“ hatte diese Truppe doch märchenhaft ins Laufen gebracht. Vielleicht schafft er das denn ja noch einmal, ich glaube, dass die meisten Spieler nichts dagegen hätten. Ich drücke ihm die Daumen, dass es noch einmal weitergehen wird mit ihm – beim HSV.

 

Und wie es dann in der Bundesliga weitergehen wird, das kann man dann wahrscheinlich schon morgen von 17.20 Uhr an etwas klarer sehen, auch wenn bestimmt noch nicht alles restlos geklärt sein wird. Davon gehen ich mal verstärkt aus Drückt dem HSV tüchtig die Daumen, dass auch diesmal das Abstiegsgespenst in andere Städte abzischt. Hat doch 2014 bestens geklappt – oder?

 

In diesem Sinne, kommt gut rein in den 33. Spieltag – und bleibt positiv!

Dieter.

 

18.46 Uhr

Herzlich willkommen, lieber Mats!

10. September 2014

Mats ab! Aus ganz besonderem Grund heute etwas früher. Mats ab!

Jawoll, Mats ab! Mit „s“. Unser „Scholle“ ist heute zum dritten Mal Papa geworden, dazu ihm und der Mutter Sandra alles, alles Gute. Und dem neuen Erdenbürger „Mats Niklas“ möchte ich zurufen: „Viel Erfolg und viel Spaß auf dieser Welt, hau rein, mein Junge, werde ein Super-Fußballer und setze Dich durch in oder auf dieser doch manchmal auch ungemütlichen und ungerechten Kugel. Und werde natürlich HSV-Fan, wie Dein Papa.“ Der teilte übrigens mit, dass es Mutter und Knabe gut gehe – Mats kam heute um 11.33 Uhr zur Welt, fast eine Punktlandung, denn der 9. September war der Stichtag, der Neu-HSVer wog bei seiner Ankunft 3760 Gramm, verteilt auf 53 Zentimeter.
Also, der jungen Familien noch einmal einen ganz besonders herzlichen Glückwunsch, und die „Matz-ab“-Gemeinde sollte heute mal zu einer etwas anderen Feier aufgelegt sein – Prost!

 

Zum Fußball-Alltag:

Das ist leider ein wenig untergegangen, was ich sehr, sehr schade finde: Bei der Feier und der Erweiterung des HSV „Walk of fame“, 2005 erfunden und seitdem organisiert und finanziert vom rührigen Unternehmer Andreas Maske, hielt der Kapitän der HSV-Meistermannschaft von 1960, Jochen Meinke, eine brillante Rede für den posthum geehrten Erwin Seeler. Das Besondere an dieser Rede: Meinke, im HA-Video versehentlich als „Meine“ vorgestellt (sorry!), sprach „freihändig“. Das heißt, ohne jede Unterstützung durch ein Manuskript oder einem Zettel. Frisch, frei und fromm von der Leber weg, der 83-jährige ist immer noch in Weltklasse-Form. Unglaublich, und er erntete für diesen Auftritt nicht nur viel Beifall, sondern Schulterklopfer und von allen Seiten höchstes Lob. Was Jochen Meinke – bescheiden wie er ist – immer weit wegschob von sich: „Ich habe nur das erzählt, was ich mit Erwin Seeler und der gesamten Familie erlebt habe, ich wohnte doch um die Ecke. Und wenn ich ehrlich bin, dann wollte ich noch so viel mehr erzählen, aber ich habe das denn doch weggelassen.“

 


Wie gesagt, sehr schade. Denn für mich, und sicher nicht nur für mich, war dieser Meinke-Auftritt aber ein besonderes Erlebnis und wird es immer bleiben. Weil er einzigartig ist.

 

Die Stimmung ist und soll auch nach Auskunft der Promis in diesem Jahr wieder super gewesen sein. Der frühere Aufsichtsrats-Chef Udo Bandow lobte: „So harmonisch und stimmungsvoll war es lange nicht mehr, das war eine der schönsten HSV-Versammlungen der vergangenen Jahre.“
Von den „alten Herren“ waren Willi Schulz, Horst Schnoor (mit Ehefrau Gerda), Erwin Piechowiak (mit Ehefrau Mienchen), Klaus Neisner, Harry Bähre, Vereins-Manager Bernd Wehmeyer, Aufsichtsratsmitglied Peter Nogly und der heutige Marketing-Mitarbeiter Sven Neuhaus gekommen, ferner die HSV-Größen Carl-Edgar Jarchow, Oliver Scheel, Dieter Horchler und viele, viele mehr. Zudem natürlich Uwe Seeler (mit Ehefrau Ilka und den Töchtern mit Schwiegersöhnen!), der die Ehrung für seinen Papa „old Erwin“ entgegennahm, und Laudator Rudi Kargus, der seinen Vorgänger und Freund Arkoc Özcan ehrte. Holger Hieronymus ist nun ebenfalls neu verewigt, und auch Bernd Hollerbach, der leider absagen musste, da er daheim in Würzburg an einer schweren Magen-und-Darm-Grippe leidet. Gefehlt hat, neben anderen, diesmal Dr. Peter Krohn. Das Wetter war wohl zu schlecht, denn vorher hatte es lange kräftig geschüttet . . .
Für alle HSVer, die anwesend waren, das muss erwähnt werden, gab es erfreulicherweise keine Diskussion darüber, ob sich hier nun die HSV-AG oder der HSV e.V. getroffen hat – es ging einzig und allein um den HSV. Wie schön. Am Rande sei noch bemerkt, dass sogar zwei Bremer bei der Zeremonie dabei waren: Max Lorenz, seit Jahrzehnten ein ganz, ganz dicker Freund von Uwe Seeler, und der frühere Verteidiger Dieter Zembski, der von der Feier wusste und zufällig (Arbeit) in der Nähe war.

 

Erfreulich an diesem Tag:

Eine Trainer-Diskussion gab es am Rande der Veranstaltung nicht. Die meisten vertraten diese Auffassung: „Wie oft hat der HSV in den letzten Jahren schon den Trainer gewechselt? Das ist doch schon nicht mehr zu zählen. Gebracht hat es nie etwas – nie. Das sollten sich einmal alle überlegen. Es hat dem HSV nur immer viel Geld gekostet. Jetzt sollten die Spieler mal etwas dafür leisten, dass es dem HSV wieder besser geht. Und da ist dann auch der Club gefordert, der sollte endlich mal etwas weniger hohe Gehälter zahlen, dafür ordentliche Prämien, wenn tatsächlich etwas erreicht worden ist. Und zudem sollte nun endlich damit angefangen werden, auf den Nachwuchs zu setzen – die U23 hat ja einen erstaunlichen Weg eingeschlagen.“ Das war so oder so ähnlich an allen Ecken und an den meisten Tischen zu hören.

 

Natürlich waren auch die Kollegen aus der Medienbranche zugegen. Es wurden viele, viele Interviews geführt – das hat Tradition. Am Abend sah und hörte ich dann:
„Der Trainer braucht keine Leute die ihm sagen, wen er aufstellen soll . . .“ Das sagte Holger Hieronymus beim TV-Sender „Hamburg1“. Das war offenbar eine Antwort darauf, dass zuvor in einer Hamburger Zeitung zu lesen gewesen war, dass es aus dem Aufsichtsrat Tipps für Mirko Slomka gegeben hatte, dass nun die „Neuen“ gegen Hannover spielen sollten und müssten. Aber wie bereits geschrieben, es wurde dann keine Trainer-Diskussion vom Zaume gebrochen . . .

 

Zum Sportlichen, und da gibt es aus meiner Sicht recht Erfreuliches zu berichten.
Während die Mannschaft heute frei bekommen hat (nicht weil „Scholle“ Papa geworden ist!), trainierten einige zuletzt angeschlagene Spieler, um doch noch rechtzeitig für das Hannover-Spiel am Sonntag fit zu werden. Rafael van der Vaart ging mit Reha-Trainer Markus Günther zu einer Sonderschicht auf den Platz, Ivo Ilicevic arbeitete im Kraftraum. Auch Slobodan Rajkovic (nach Kreuzbandriss) und Gojko Kacar (nach Außenbandanriss im Knie) schufteten weiter für ein Comeback, Neuzugang Nikolai Müller sowie der erkältete Marcell Jansen fanden sich zur Pflege ein. Dafür, dass das ein freier Tag war, war doch relativ viel im Volkspark los – was mir ausnahmslos gut, nein sehr gut gefällt.

 

Dann las ich heute im Hamburger Abendblatt:
„Dennis Diekmeier lebt seinen Traum“. Und in den verschiedenen Video-Texten eine Aussage von Bundestrainer Joachim „Jogi“ Löw, der über die schlechte Defensive seiner Mannschaft befand: „Wir können uns leider noch keinen Philipp Lahm aus dem Hut zaubern. Die jungen Verteidiger sind sicher talentiert, aber sie brauchen noch ein wenig Zeit, um sich zu verbessern, das wird wohl dauern bis zur nächsten WM. . . .“ Aber dann. Oder: und dann?

 

Das wäre doch genug Ansporn für Dennis Diekmeier. Von dem nach dem Paderborn-Spiel ein großer HSVer mir gegenüber gesagt hat: „Diekmeier war der einzige Hamburger, der auf mich einen absolut fitten Eindruck gemacht hat. Der beackert die rechte Seite fast allein, rast 80 Meter rauf und 80 Meter runter, und das immer wieder. Der scheint mir wirklich voll im Saft zu stehen, vielleicht so wie gut noch nie . . .“

 

Kann schon sein. Aber zu einem Nationalspieler gehört dann doch ein wenig mehr. Unter anderem auch, dass man eine gewisse Defensivstärke besitzt, dass man zweikampfstark ist, dass man weiß, wie man sich in bestimmten Situationen zu verhalten hat, dazu gehört ferner auch eine gewisse Kopfballstärke. All das ist zu erlernen. Wir hatten beim HSV einst einen talentierten Spieler wie Christian Rahn. Der wurde sogar Nationalspieler (unter Rudi Völler). Aber „Rahner“ hatte ähnliche Schwächen wie Diekmeier nun. Ich empfahl Rahn damals, sich privat einen Trainer zu nehmen, damit er sich verbessert, aber es geschah nichts. Und der HSV-Profi hatte schnell seine Nationalmannschafts-Karriere beendet – und dann auch seine Erstliga-Karriere. Schade drum. Rahn war talentiert, hatte einen sensationellen linken Fuß, konnte gut flanken und super schießen. Nur nach hinten war er verbesserungsfähig, doch weder er noch irgendeiner beim HSV haben daran gearbeitet. Ich sage und behaupte noch heute: „Eine verschenkte Profi-Karriere.“

Heute würde ich auch Dennis Diekmeier einen Privat-Trainer empfehlen, wenn der HSV-Abwehrspieler noch etwas werden will. Und die Chance, dass er noch etwas werden könnte, ist ja so groß wie nie. Nur wird beim HSV wurde daran so gut wie nie gearbeitet, und ich habe die Hoffnung aufgegeben, dass daran noch einmal explizit gearbeitet wird. Vormittags Training mit der Mannschaft, nachmittags mit einem Trainer (und vielleicht sogar einem „Gegenspieler“, der die Zweikämpfe führt!) auf den Acker. Des wäre ein Anfang. Diekmeier würde sich defensiv bestimmt verbessern, wenn sein Auge, sein Kopfball- und sein Stellungsspiel geschult werden würde.

 

Aber da Individual-Training in der Bundesliga und für die Trainer kaum ein Thema ist, sollte er nun selbst handeln – wenn er noch die ganz große Karriere starten will. Ich kann nur daran erinnern, dass zwei mir bekannte Profis einst „eigenhändig“ Privat-Trainer engagiert – und davon absolut profitiert haben. Dennis Diekmeier wird im Oktober 25 Jahre alt, noch würden ihm alle Türen offen stehen, aber er sollte jetzt wissen, dass er ziemlich bald damit anfangen müsste, etwas für sich zu tun. Andere werden es nicht für ihn erledigen. Die sind alle viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, so ist das im heutigen Profi-Geschäft.

 

So, bevor ich zum Ende komme, schnell noch einmal der Hinweis in eigener Sache:

Jeden Montag kann man sich künftig ab 4 Uhr morgens über ikiosk.de oder über die ikiosk App das Sonderheft „HSV KOMPAKT“ herunterladen. Die Ausgabe mit jeweils zwölf Seiten startet jeweils mit den Berichten zum aktuellen Bundesliga-Spiel. Dann folgen die Artikel, die wir unter der Woche über den HSV veröffentlicht haben.

Für treue Leser unseres HSV-Blogs „Matz ab“ gibt es noch einen besonderen Service. In gekürzter Form erscheinen auf einer Doppelseite die Kolumnen unserer Experten Dieter Matz, Marcus Scholz und Lars Pegelow. Jede „HSV KOMPAKT“-Ausgabe schließt mit einer historischen Seite, wo wir Triumphe und Dramen der langen HSV-Geschichte Revue passieren lassen.

„HSV KOMPAKT“ kostet nur 0,89 Cent pro Ausgabe im Einzelverkauf über ikiosk.de oder die ikiosk App (gibt es für iPhone, iPad (iOS) und für Geräte mit Googles Android). Natürlich kann man sich die zwölf Seiten einfach ausdrucken. Während der Winter- und der Sommerpause der Bundesliga erscheint „HSV KOMPAKT“ nicht.

 

PS: Morgen, am Donnerstag, wird beim HSV wieder im Volkspark trainiert, und zwar um 10 Uhr.

 

17.05 Uhr

Die lauen Zeiten sind vorbei ***KORREKTUR: Anpfiff in Niendorf um 18 Uhr!***

21. Juli 2014

Per Ciljan Skjelbred spielte den Ball über 20 Meter in die halbrechte Position, dort lief Artjoms Rudnevs in Stellung und legte den Ball mustergültig zur Mitte ab, und dann preschte Zoltan Stieber heran und schoss den Ball akrobatisch an Rene Adler vorbei in den rechten oberen Torwinkel. Ein Tor, dass viel Applaus von den Trainingskiebitzen erhielt, ein Zuschauer meinte sogar: „Das war schöner als das 1:0 von Götze gegen Argentinien.“ Naja. Ein wunderbarer Spielzug aber was es auf jeden Fall, und ein Spielzug, den man in Hamburg schon mit der Lupe suchen muss, um da irgendwie etwas zu finden. So gesehen war das schon ein echter Leckerbissen, der den Fans da heute am Vormittag präsentiert wurde. An einem Tag, an dem es eher etwas gemütlicher zuging im Volkspark, das spielerische Element stand im Blickpunkt. Wobei immer noch deutlich erkennbar ist, dass schon ein anderer Wind hinter dem Stadion weht. Trainer Mirko Slomka greift oft ein, korrigiert, gibt Hilfestellungen, und er ist nicht immer leise in seinen Anweisungen. Ich möchte das mal unter mein Motto stellen: „Die lauen Zeiten sind vorbei.“ Auch wenn das Wetter leicht flau machen könnte, aber im Prinzip weiß beim HSV jeder, was jetzt überfällig ist: Die Einstellung zum Beruf muss professioneller werden, jeder muss bereit sein, mehr zu geben, zuzulegen – ab jetzt ist eine ganz andere Mentalität gefragt, als die, die hier in den letzten Jahren vorherrschte.

Mich hatte die pessimistische Stimmung unter den HSV-Anhänger schon am Sonnabend überrascht, und auch heute hörte ich viele Stimmen, die dem „neuen HSV“ nicht viel Gutes zutrauen. Tenor: „Die kriegen doch keine neue Mannschaft zusammen, weil kein Geld da ist. Sonst hätten die doch schon einige Verstärkungen an Land gezogen.“ So sehe ich das (immer noch) nicht. Ich bin guter und sogar bester Hoffnung. Da wird schon noch etwas passieren. Natürlich fehlt es an Geld, aber das wird schon aufgebracht, wenn es sein muss. Von Klaus-Michael Kühne, davon bin ich restlos überzeugt, wird etwas kommen (auch wenn er es nicht an die große Glocke hängen wird!), und auch aus anderer Quelle wird Geld fließen. Deswegen muss sich noch niemand um den HSV sorgen, der in der Saison 2014/15 für eine bessere Zeit in Hamburg spielen und gewinnen wird. Da kann mich später jeder beim Wort nehmen, dieses Risiko gehe ich gerne ein.

Und selbst wenn nichts mehr an neuen Leuten passieren würde, so denke ich, dass es trotz allem besser laufen wird als zuletzt. Im aktuellen Kicker steht Mirko Slomka als HSV-Coach im Blickpunkt – ob er diese Aufgabe schafft, wie er sie bewältigen will, was dabei störend wirken könnte. Da wird auch die deutlich härtere Linie, die es nun in Hamburg gibt, thematisiert. Und Slomka sagt zu seiner Handschrift: „Ein Großteil der Mannschaft ist ganz glücklich, dass die Einheiten eine hohe Belastung darstellen.“ Soll heißen: Die Spieler ziehen mit, weil sie wissen, dass nur mit einem harten Training etwas erreicht werden kann, sie wissen auch, dass sie nun endlich aus ihrem langen Dornröschenschlaf aufwachen müssen. Und genau das kann man auch in den bisherigen Trainingseinheiten erkennen. Die meisten hängen sich voll rein und legen zu. Eben nach dem Motto: „Die lauen Zeiten sind vorbei.“

Und genau darauf wird auch der neue HSV-Chef Dietmar Beiersdorfer ganz genau achten. Nicht nur er, aber selbstverständlich er auch. Sogar verstärkt, glaube ich. Auch wenn er zuletzt nicht beim Training war. Er kann sich aber auch nicht vierteilen, denn er bastelt ja ganz eifrig am neuen HSV herum. Sein Tag könnte im Moment 48 Stunden haben, und er würde dennoch nicht zur Ruhe kommen. Aber Ruhe ist ja auch nicht das, was in der jetzigen Phase gefragt ist. Jetzt müssen alle herumwieseln, um den Verein auf die Vorderbeine zu bringen.

Bei den Profis sah das heute schon ganz gut aus. Auffällig für mich: Rene Adler lieferte eine Reihe von Glanzparaden ab, Tolgay Arslan scheint sehr zu brennen, Per Ciljan Skjelbred scheint die Zeit in Berlin gut getan zu haben, Rafael van der Vaart setzt seinen Aufwärtstrend fort (er scheint Lust und Spaß zu haben, er wirkt auf mich beweglicher als zuletzt, er bringt sich mehr ein) und Pierre-Michel Lasogga gibt immer alles – der will.

Zum Thema van der Vaart kursierten ja heute einige Gerüchte, dass Queens Park Rangers Interesse hat – aber ich glaube das nicht. Die britische Zeitung „Sunday Mirror“ berichtete, dass der Aufsteiger in die Premier League an dem niederländischen Spielmacher dran sind, angeblich will ihn Rangers-Manager Harry Redknapp, der van der Vaart in dessen Zeit bei Tottenham Hotspur (2010 bis 2012) trainierte, zurück auf die Insel holen. Angeblich. Das ist alles mit sehr, sehr viel Vorsicht zu genießen. Kommentar van der Vaart, der gegenüber den Kollegen der Bild sagte: „Ich habe das auch gelesen, aber vom Verein habe ich nichts gehört.“

Ich habe immer noch das Gefühl, dass van der Vaart ohnehin nicht mehr weg will. Und dann nach England? Er wird sich an seine Zeit dort sehr genau erinnern – dass er auch nicht immer gespielt hat. Und jünger ist er ja auch nicht geworden . . . Das dann bei der Art des temporeichen Fußballs auf der Insel? Da ist der „kleine Engel“ dann doch hundertprozentig wesentlich besser in der Bundesliga aufgehoben, glaube ich. Auf der anderen Seite könnte der HSV mit dem Geld, das es für einen Van-der-Vaart-Wechsel geben würde, natürlich sofort an neue Spieler denken. Und wenn die Club-Verantwortlichen (und die Fans) dann noch an die vergangene Saison denken, als der Kapitän mit seinem Schiff restlos unterging, dann wäre ein Verkauf auch keine utopische Sache. Es wäre für beide Seiten wahrscheinlich von Vorteil – aber wie gesagt, ich glaube nicht daran. Irgendwie hat Rafael van der Vaart hier auch noch seinen Ruf ein wenig aufzupolieren, er ist vor allen Dingen jenen Fans, die ihn bei seiner Rückkehr auf Händen trugen, noch einiges schuldig. Und das wird er wissen. Und einiges dafür tun. Wahrscheinlich hat er auch schon einiges dafür getan, denn seine heutige und jetzige Verfassung kommt ja nicht von ungefähr.

Beim heutigen Training (nachmittags gab es ein Zirkeltraining) fehlten vom bisherigen Kader nur noch Maximilian Beister, der im Kraftraum trainierte, und Slobodan Rajkovic, der am Wochenende in Hamburg war, sich nun aber wieder in Belgien aufhält, um sich dort nach seinem Kreuzbandriss wieder fit zu machen. Ferner fehlten die jungen Leute wie Torwart Alexander Brunst-Zöllner, Tolcay Cigerci (kam von der U 19 des VfL Wolsfburg) und Christian Derflinger (kam von Bayern München II), die bei der 1:3-Niederlage der Zweiten gegen den VfL Osnabrück II zum Einsatz gekommen waren – und dort auch bleiben sollen, denn für die Regionalliga-Truppe des HSV geht es am Wochenende schon um Punkte – es geht zum Auftakt nach Goslar (dort kam die Zweite in der vergangenen Saison arg unter die Räder). Diesmal sind die Beteiligten aber alle ein wenig optimistischer, verhakten optimistisch. Grund dafür ist der neue Trainer Josef Zinnbauer. Der 44-Jährige hat bislang eine knallharte Vorbereitung durchgezogen, ließ jeden Tag und an jedem Tag auch länger als üblich trainieren. Wenn die Zweite in Goslar vielleicht auch fußballerisch noch nicht glanzvoll spielen wird – fit dürfte sie auf alle Fälle für 90 Minuten und mehr sein. Um alles, oder auf jeden Fall sehr viel, über den Gegner zu wissen, schickte Zinnbauer seinen Assistenten Soner Uysal am Sonntag nach Berlin, dort spielte der BFC Dynamo 2:2 gegen Goslar. Die 2:0-Führung der Berliner wurde dabei von zwei ehemaligen HSV-Spielern egalisiert: Kai-Fabian Schulz und George Kelbel – das gibt bestimmt ein herrlich-freundliches Wiedersehen!

Und wo ich gerade bei Talenten bin: Auffällig im Training sind für mich dieser Tage auch drei „Bubis“, die durchaus für Überraschungen in dieser Saison sorgen könnten: Jonathan Tah, der schon wieder wesentlich selbstbewusster auftritt als gegen Ende der Saison, Kerem Demirbay, dem ich (immer noch und jetzt schon wieder) zutraue, eine Rolle einzunehmen, wie sie hier Hakan Calhanoglu inne hatte, und zudem gefällt mir der junge Mann aus Oberhausen, Gideon Jung, der schnell, elegant und geschmeidig Fußball spielt. Ich lasse mich mal überraschen, was diese drei Jungs während der kommenden Spielzeit so auf die Beine stellen – Potenzial haben sie alle. Und zwar nicht wenig.

So, dann bleibt mir nur noch, auf das Spiel am Dienstag (also morgen) hinzuweisen: Der HSV gastiert bei „Scholles“ TSV Niendorf, und zwar um (ACHTUNG; KORREKTUR:) 18 Uhr am Sachsenweg. Es ist die Generalprobe für das Wochenende – wenn der HSV beim Telekom-Cup am Sonnabend – im Halbfinale – zunächst auf den VfL Wolfsburg trifft (korrigiert: 18.00 Uhr). Sonntag wartet dann als Gegner entweder der FC Bayern oder Borussia Mönchengladbach. So langsam geht es wieder loooohos!

An diesem Dienstag wird übrigens nicht trainiert, nur abends gespielt. Tagsüber ist die DFL im Volkspark vor Ort, es steht der Medien-Tag der Fußball-Liga an – mit vielen, vielen Fotos und Videos.

Und noch etwas Organisatorisches: Das in Flensburg geplante Freundschaftsspiel gegen Lazio Rom ist (aus Sicherheitsgründen?) verlegt worden, es findet am 8. August nun in Lübeck auf der traditionsreichen Lohmühle statt.

Und dann, das ist aber wirklich das Ende, fällt mir noch eine Nettigkeit ein, die ich vor Wochen gelesen habe, die mir nun wieder in den Gedanken herumspukt: Klaus-Michael Kühne hatte ja gesagt, dass der HSV einen erstklassigen Trainer braucht. Damit hatte er Mirko Slomka nicht nur ein bisschen angeschossen. Was mir dabei gefiel, dass wir die Antwort des HSV-Trainers, der eine ganz tolle Antwort gab: “Ich gehe in diese Saison und bemühe mich, ein erstklassiger Trainer zu werden.”
Großartig.

Dennis Diekmeier fehlte beim Nachmittagstraining, weil er zu einer Beerdigung musste.

Ich bemühe mich nun ab sofort, ein netter Mensch zu werden – und wünschen allen Matz-abbern und Ihren Lieben einen wunderschönen Feierabend.

17.32 Uhr

Rieckhoff und HSVplus sind die Gewinner

19. Januar 2014

Es ist vollbracht! Die Schlacht ist geschlagen. Die Weichen sind gestellt, es wird Struktur-Änderungen im HSV geben, die “Rothosen” öffnen sich für Investoren und das Modell „HSVplus“ von Ernst-Otto Rieckhoff ist der große Gewinner dieser legendären HSV-Mitglieder-Versammlung. Um 17.53 Uhr brandete riesiger Jubel im CCH auf, als das Abstimmungs-Ergebnis für „HSVplus“ auf der Anzeigentafel veröffentlicht wurde: 5023 Mitglieder votierten für den Antrag, 1303 stimmten dagegen, es gab 54 Enthaltungen. Es gab langanhaltenden Applaus für Rieckhoff und seine Helfer, von denen Horst Hrubesch, Holger Hieronymus, Ditmar Jakobs, Thomas von Heesen und Dr. Wolfgang Klein an dieser Versammlung teilgenommen haben.


Der HSV, sportlich und wirtschaftlich schwer angeschlagen, kann jetzt von einer besseren Zukunft träumen – auch wenn die sportliche Seite der Medaille mit Platz 14 und nur 16 Punkten natürlich immer noch höchst prekär ist. Daran muss jetzt verstärkt gearbeitet werden. Trotz aller heißen Debatten und hart geführten Reden ist der HSV meiner Meinung nach mit einem halbwegs heilem Fell aus „der Sache“ herausgekommen. Auch wenn es gelegentlich hoch, sehr, sehr hoch herging. Das war nicht anders zu erwarten. Ich bin allerdings sehr froh, dass es doch nicht so schlimm geworden ist, wie von einigen befürchtet – auch von mir. Kompliment an alle Mitglieder, die trotz unterschiedlicher Auffassungen doch relativ fair geblieben sind. Großartig. Dass es trotz allem gelegentlich laut, einige Male heiter und humorvoll, gelegentlich sogar auch etwas unfair war, das liegt in der Natur der Sache – ich hatte insgesamt Schlimmeres erwartet. Auch wenn es im Saal eins zu gewissen Turbulenzen, fast auch zu Handgreiflichkeiten gekommen ist. Und auch als um 17.28 Uhr aus einer bestimmten Ecke „Presse-raus“-Rufe gab, blieb alles im Rahmen. Auch darüber wurde natürlich abgestimmt, aber die Presse durfte dann doch bleiben. Hervorragend!

Dann vorerst einmal, ich muss es loswerden, ein dickes, ein ganz, ganz dickes Kompliment an die beiden Kollegen, die heute von Beginn an live per Ticker aus dem CCH berichtet haben. Marcus „Scholle“ Scholz und Florian Heil haben in meinen Augen fast „Unmenschliches“ geleistet, sie haben ununterbrochen getippt – bravo! Ich weiß, diese Arbeit wurde im Blog auch schon vielfach gewürdigt, aber ich musste das doch noch einmal loswerden, denn das war einfach nur klasse!

Die Versammlung begann mit einer viertelstündigen Verspätung – der Andrang war zu groß. Um 10.45 Uhr, also eine Viertelstunde vor dem offiziellen Beginn, wurde die große Halle H im CCH geschlossen, nach 5300 Mitgliedern wurden alle anderen HSVer in jenen Saal eins geführt, in dem sonst fast alle HSV-Jahreshauptversammlungen durchgeführt wurden. 5974 waren bereits um 11.17 Uhr gekommen, so Vorstandsmitglied Oliver Scheel. Diese Zahl bedeuteten schon mal neuen HSV-Rekord. Um 12.02 Uhr, als sich die Mannschaft nach einer Dreiviertelstunde zwecks Vorbereitung auf das Schalke-Spiel verabschiedete, waren insgesamt 6334 Menschen anwesend, davon waren 6195 Mitglieder stimmberechtigt. Die vorläufige „Endzahl“, die gab Veranstaltungs-Leiter Dr. Andreas Peters um 21.30 Uhr bekannt: In der Spitze waren 7165 Mitglieder bei dieser HSV-Jahreshauptversammlung dabei.

Ernst-Otto Rieckhoff sprach vor ihnen an erster Stelle, und zwar in Sachen Struktur-Reform – natürlich über sein Modell „HSVplus“. Da wurden die Mehrheits-Verhältnisse in der großen Halle schon einmal vorab akustisch geklärt. Denn EOR wurde von Beginn an stürmisch gefeiert und sagte vorab: „Warum macht das HSVplus-Konzept ausgerechnet dieser Rieckhoff? Der doch acht Jahre lang im Aufsichtsrat mit dazu beigetragen hat, dass die Situation so ist, wie sie heute ist. Ja, der Rieckhoff macht das, weil er zu seinen Fehlern steht, weil er sich im Gegensatz zu anderen nicht versteckt und sich nicht rausredet.“ Donnernder Applaus. Der frühere Aufsichtsrats-Chef weiter: „Die Zeit war reif, eine neue Struktur vorzuschlagen, weil ich weiß, wie es nicht geht – und vor allem, wie es jetzt gehen muss.“ Und er fügte auf Nachfrage hinzu: „Ich strebe kein Amt mehr in diesem HSV an.“

Jürgen Hunke brachte, auch um sich selbst zu disziplinieren, eine Schach-Uhr (in Berlin gekauft) mit und drückte sie dem Versammlungsleiter Dr. Andreas Peters in die Hand. Dafür erntete Hunke (Modell: „Zukunft mit Tradition“) einige Pfiffe. Das ehemalige Vorstands-Mitglied Christian Reichert sprach für „HSV-Reform“ und erhielt nach Rieckhoff wohl den meisten Beifall. Für das Model „Rautenherz“ sprach – sehr engagiert – Rainer Ferslev, für das Modell „HSV 21“ trat Professor Wolfgang Müller-Michaelis ans Pult – vom Applaus her gab es für beide Redner zwar Beifall, aber sie kamen nicht annähernd in Rieckhoffsche Dimensionen.

Hoch her, in der Tat, ging es dann bei den zahlreichen Rednern, die ans Pult traten. So hoch und so emotional und so lang, dass irgendwann eine Rednerzeit-Regulierung in Kraft trat – nur noch zwei Minuten. Das traf dann gleich zu Beginn den ehemaligen Präsidenten Dr. Peter Krohn, der sich demokratisch beugte und sich sehr zurückhielt. Krohn, der viel Beifall erhielt, sagte in seinem Beitrag: „Es geht nicht um Strukturen, es geht um die handelnden Personen. So ist es übrigens auch bei Bayern München.“

Vom ehemaligen Aufsichtsrats-Mitglied Gerhard Hein (HSV-Fußball-Frauen) mit einigen Fragen geschickt „ins Spiel“ gebracht wurde der Vorstand – eine Art „Doppelpass“. Joachim Hilke, der so lange, über Monate, hatte schweigen musste, weil sich Vorstand und Aufsichtsrat ein Schweige-Gelübde gegeben oder verordnet hatten, nahm an diesem historischen Tag dann aber so etwas von Stellung, dass fast alle von ihren Sitzen purzelten. Offener und schonungsloser ging es nicht, das hatte Gewicht, das war Super-Klasse, das war schon endlich und lange mal fällig. Sensationell, Joachim Hilke! Auch wenn es natürlich auch einige böse Reaktionen darauf gab, aber das war natürlich zu erwarten. Hilke kann damit leben, wird damit leben – und von seinen „Vorgesetzten“, den Herren Aufsichtsräten, wird er auch keinen Schuss vor den Bug erhalten, denn alle haben es in dem CCH erlebt, wie sehr Hilke gefeiert wurde. Horst Hrubesch hob den Daumen, Professor Jörg Debatin stand spontan auf und applaudierte. Viele schlossen sich ihm an.

Für viel Aufsehen sorgte das ehemalige Aufsichtsrats-Mitglied Axel Formeseyn, der in seiner Rede allen seinen Emotionen freien Lauf ließ – überragend! „Es wäre wohl besser gewesen, wenn dieser Aufsichtsrat, der sich schon etliche Verfehlungen geleistet hat, vorher zurückgetreten wäre . . .“ Und, auch das sagte Formeseyn: „Wir brauchen eine deutliche Reform, und zwar an allen Ecken und Kanten.“

Überraschend trat auch Karl Gernandt, Generalbevollmächtigter von Klaus-Michael Kühne, an das Mikrofon, er stellte klar, dass sein Chef die ersten Millionen, die er dem HSV zur Verfügung gestellt hatte, komplett geschenkt hat. Und zweitens sagte er, dass sie alle fünf Anträge zur Struktur-Reform geprüft hätten und zu dem Schluss gekommen sind, HSVplus zu unterstützen. Das gab zweimal viel Applaus.

Fünf Stunden und länger wurde danach heiß und heißer diskutiert. Am Ende stand die Entscheidung, die Entscheidung über die Struktur-Änderungen zu vertagen. Diesen Antrag hatte Aufsichtsrats-Mitglied Eckart Westphalen gestellt – und wurde abgeschmettert. 5146 Mitglieder stimmten dagegen (82,1 Prozent), 1122 stimmten dafür, es gab 93 Enthaltungen.

Dann die Entscheidung des Tages – mit dem Sieger „HSVplus“. Danach stand das Modell „Rautenherz“ auf dem Prüfstand und fiel durch, es waren nämlich 78,2 Prozent der Mitglieder dagegen. „HSV 21“ von Professor Müller-Michaelis erhielt noch weniger Zustimmung, es gab 85,7 Prozent Ablehnung. Und Jürgen Hunke sagte unmittelbar vor der Abstimmung über sein Modell: „Einmal an diesem Tag möchte ich auch mal Beifall haben: ich ziehe meinen Antrag zurück.“
Da brandete großer Jubel in der Halle – Hunke hatte es (fast) erwartet. Und der frühere HSV-Präsident sagte – und zwar lächelnd und keineswegs schlecht gelaunt: „Es war eine tolle Versammlung.“ Da gab es dann gleich noch einmal Beifall. Hunke wollte gewiss nicht verlieren, aber er zeigte sich in der Niederlage äußerst fair.

Das Modell „HSV-Reform“, abschließend vorgetragen – und zwar sehr emotional vorgetragen – von Christian Reichert, wurde zuletzt abgestimmt – und zwar in sieben Etappen. Es hätte bei jeder Abstimmung eine Dreiviertel-Mehrheit (75 Prozent)) geben müssen, aber die gab es in keinem Fall. Alles abgelehnt.

Ein unwahrscheinlich emotionaler Tag geht zu Ende. Es war heiß, aber, um es mit Jürgen Hunke zu sagen: „Es war eine tolle Veranstaltung.“ Mit einem Sieger, der mir gefällt, denn eines ist doch klar: Sieger-Typen und echte HSVer wie Hrubesch, Jakobs, von Heesen und Hieronymus, dazu ein Willi Schulz, ein Peter Nogly, die hätten sich allein (und nur für sich) nie für ein Pöstchen Verantwortung zur Verfügung gestellt, weil die Angst vor einem „Durchgefallen“ viel zu groß war. Jetzt aber könnte diese geballte Experten-Runde dabei helfen, dass der HSV endlich auf vernünftige Beine gestellt wird. Jetzt, so hoffe ich, reden endlich (nur) Experten mit. Und keine Leute, die früher nicht mit dem Ball an der Außenlinie auf und ab gelaufen sind, und danach eine halbhohe Flanke zur Mitte geschlagen haben.
Es ist vollbracht. Wenn auch erst einmal nur ein (erster und kleiner) Schritt; der nächste Schritt muss dann im Sommer erfolgen. Und wie hat es Sieger Otto Rieckhoff sofort nach dem Ergebnis gesagt: „Ich bin überwältigt. Aber ab morgen, oder spätestens ab übermorgen, müssen wir uns alle damit befassen, dass unsere Mannschaft in diesem Jahr die Klasse hält, das ist nun das oberste Gebot.“
Wieder – oder noch – ein Volltreffer, Otto!

So, die Versammlung ging aber noch weiter, obwohl viele, viele gingen. Ein ganz wichtiger Punkt wurde aber noch zur Abstimmung gebracht – es ging um die Fernwahl. Da gab es natürlich wieder Für und Wider – nicht zu knapp. „Wenn es zur Briefwahl kommt, dann käme keiner mehr zur Mitgliederversammlung“, sagte Dr. Krohn, gab sich aber selbst eine ironische Antwort: „Aber Sie haben jetzt ja ein Modell gewählt, wenn das im Sommer dann durchkommt, dann brauchen wir ja auch fast keine Wahl mehr . . .“ Einen anderen Vorschlag machte Christian Reichert: „Wir sollten an mehreren Orten eine Mitgliederversammlung durchführen, mal hier, mal dort – und ich bin bereit, als HSV-Offizieller dabei mitzuhelfen. Teurer als die heutige Versammlung dürfte das dann auch nicht werden – wir haben heute ja schon eine Fernwahl, nämlich im Saal eins.“

Die Abstimmung ging dann wie folgt aus: 3057 Stimmen waren für die Brief-/Fern-Wahl, das waren „nur“ 72,3 Prozent. Da eine Dreiviertel-Mehrheit erforderlich, wurde der erste Antrag (von Bernd Thoenneßen) abgelehnt – riesiger Jubel der Gegner, die nur denkbar knapp siegten. Beim zweiten Antrag (einiger Mitglieder) waren 73,7 Prozent dafür, das waren 3110 Stimmen, 1111 Stimmen waren dagegen, das waren zwar nur 26,3 Prozent – aber der „Sieg“ für die Ablehner. Der Erfolg wurde lautstark gefeiert und euphorisch besungen. Obwohl es von denen, die „verloren“ hatten, nicht als Freude quittiert und zur Kenntnis genommen wurde, sondern als Häme. Aber, die “Verlierer“ trösteten sich dann doch damit: „Es war letztlich der einzige Sieg, den diese Gruppe feiern konnte.“

Es folgten die Berichte des Aufsichtsrates und des Vorstandes – und die Aussprache dazu. Zu diesem Zeitpunkt waren die „Ehemaligen“ um Otto Rieckhoff aber schon längst bei einer kleinen, schnell improvisierten Sieges-Feier. Bei der dann doch das eine oder andere Bierchen gezischt wurde. Jedenfalls kündigten so etwas die „83er“ an. Prost! Und gute Nacht dazu. Bei den Punkten „Entlastungen“ waren noch cirka 400 Mitglieder dabei, drei Gegenstimmen gab es in Richtung Rechnungsprüfer, bei der Vorstands-Entlastung gab es 27 Gegenstimmen – Entlastung erteilt. Beim Aufsichtsrat gab es dann allerdings keine Entlastung mehr. 132 Mitglieder stimmten dafür, das waren 42,3 Prozent, mit „nein“ stimmten 180, das sind 57,7 Prozent. Das war doch noch einmal eine kleine (oder doch eher große?) Überraschung. Und die hatte es erst per Abstimmung mit dem Wahl-Gerät gegeben.

Ende der Versammlung um 22.10 Uhr

22.18 Uhr

Willi Schulz: “Wer Dortmund 4:1 besiegt . . .”

26. April 2013

Nun soll der zuletzt so lange verletzt fehlende Klaas-Jan Huntelaar sogar in der Schalker Startelf stehen, wenn die Partie gegen den HSV am Sonntag um 17.30 Uhr auf Schalke angestoßen werden soll. Auch das noch. Bei Huntelaar denke ich immer sofort auch an Claudio Pizarro, der bekanntlich als Bremer und jetzt als Bayer bevorzugt gegen den HSV traf und trifft. Der Niederländer ja auch. Oder auf jeden fall fast so, denn in vier Spielen gegen den HSV schoss Huntelaar vier Tore. Das muss ja nicht unbedingt heißen, dass das immer so weitergeht, aber es könnte ja immerhin doch sein. Und irgendwie hat der HSV ja auch stets ein Herz für Clubs und Gegenspieler, die dringend mal wieder aufgebaut werden müssen. Obgleich ich mir das in der jetzigen Phase einfach nicht vorstellen kann, denn der HSV hat gestern und auch heute sehr, sehr gut trainiert. Das war Leben in der Bude, da war Feuer drin, da war viel Spaß dabei – das sah wirklich, ich kann es nur immer wieder betonen, richtig gut aus. Was natürlich auch nichts heißen muss, denn gut trainiert hat der HSV sicherlich schon des Öfteren, um dann im Spiel zu versagen – aber ich, der ansonsten immer leicht zum Pessimismus neigt, bin diesmal ganz zuversichtlich. Ich lege mich mal aus dem Fenster und behaupte frech: der HSV wird auf Schalke nicht verlieren.

Natürlich wird Trainer Thorsten Fink noch einmal das morgige Abschlusstraining (wieder unter Ausschluss der Öffentlichkeit) abwarten wollen, bevor er sich auf eine Startformation festlegt, aber alles läuft darauf hinaus, dass folgende elf Männer im HSV-Trikot beginnen werden:
Rene Adler; Jacopo Sala, Michael Mancienne, Heiko Westermann, Marcell Jansen; Tolgay Arslan, Dennis Aogo; Per Ciljan Skjelbred, Petr Jiracek; Rafael van der Vaart; Heung Min Son.
Schiedsrichter der Partie ist Peter Sippel aus München

Beim heutigen (und sehr langen) Vormittagstraining überzeugten mich gleich einige Spieler dieser Formation. Dennis Aogo zum Beispiel wirkte auf mich wie aufgezogen, er hatte richtig viel Spaß und Lust, sich auszutoben – auch wenn er beim abschließenden Spielchen mit einem schlimmen Patzer das 0:1, das Tolgay Arslan erzielte, ermöglichte. Aber wie Aogo über den Platz rannte und wieselte, das war schon sehenswert. Dazu hatte Rene Adler einen echten Schokoladen-Tag, wie er durch die Luft segelte, wie er Schüsse und Kopfbälle aus nächster Nähe entschärfte, das hatte was. Lediglich Artjoms Rudnevs traf gegen den Nationaltorwart zum zwischenzeitlichen 1:1. Und das Marcell Jansen das Siegtor für sein Team (um Rafael van der Vaart und Arslan) erzielte, das war auch kein Zufall. Jansen ist zurzeit einfach gut drauf – und wer kann sich eigentlich erinnern, dass er zuletzt mal verletzt ausgefallen ist? Das gibt es gar nicht mehr! Und sein Tor hat er mit einem sehr schwierigen und deshalb besonders sehenswerten Dropkick erzielt, das war Haltungsnote eins. Ein solches Ding auch auf Schalke – und es wird das Tor des Monats.

Apropos Schalke. Denk ich an Schalke bei der Nacht, frag ich mich gleich, was Willi macht? Willi Schulz. Der ehemalige Schalker. Er ist natürlich am Sonntag vor Ort – auf Schalke. Wie sich das für einen Jungen aus dem Ruhrpott gehört. Obwohl der „World-Cup-Willi“ ja längst HSVer und Hamburger ist. Er wird auch dementsprechend die Prioritäten setzen – und dem HSV die Daumen drücken. Was ist drin für die „jungen Finken“? Willi Schulz: „Der HSV ist auswärts ja besser als zu Hause, und Schalke ist daheim nicht gerade überzeugend – deswegen glaube ich, dass alles möglich ist, auch ein HSV-Sieg. Und den erhoffe ich mir natürlich. Der HSV kann ja seine zuletzt gute Form, die mit zwei Siegen untermauert wurde, unter Beweis stellen. Und dazu auch zeigen, dass die Sache mit dem neuen Kapitän keine Eintagsfliege ist. Rafael van der Vaart hat neuen Schwung in den Laden gebracht und für Frische gesorgt, und wenn das wieder da ist, dann gewinnt der HSV.“ Dann fügt Willi Schulz auch noch an: „Alle sprechen im Moment vom FC Baern und Dortmund, und hat nicht der HSV zuletzt zweimal gegen den BVB gewonnen? Und wer gegen Dortmund zweimal gewinnt, dabei auch ein 4:1 in Dortmund schafft, der kann auch auf Schalke gewinnen . . .“
Aber hundertprozentig.

Und noch einmal zu einem ehemaligen Schalker, und das ist ja der ehemalige HSV-Kapitän Heiko Westermann: Der Abwehrmann verließ gestern ja das Trainingsgelände mit einem dick bandagierten rechten Knie. Eine Vorsichtsmaßnahme. Heute ging es ohne Verband, obwohl es noch ein wenig zwickt und schmerzt. Westermann aber ist ja ein „harter Hund“, der zur Not auch mit dem Kopf unter dem Arm aufläuft, er wird auch gegen seinen früheren Arbeitgeber Gas geben – für den HSV. Und schnell noch eine Personalie: Maximilian Beister, dessen Rot-Sperre am Sonntag nach dem Schalke-Spiel enden wird, fehlte auch heute noch erkrankt. Aber er hat ja dann bis zum nächsten Sonntag, wenn das Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg auf dem Programm steht, Zeit, sich zu erholen.

Nicht auf Schalke dabei sein wird, erwartungsgemäß, Milan Badelj. Der Mittelfeldspieler nahm heute auch nicht am Mannschaftstraining teil, sondern lief mit Reha-Trainer Markus Günther durch den Volkspark. Thorsten Fink zum Fitness-Stand des „Sechsers“: „Milan ist gut gelaufen, sogar sehr gut, aber er müsste morgen noch einen Belastungstest mit Markus Günther machen, doch wir spielen ja schon einen Tag später. Deshalb ist mir das Risiko doch zu groß – zumal ich unheimlich viel Vertrauen habe in die Männer, die dann auf der Sechs spielen werden.“ Fink sagte noch ergänzend: „Ich schaue mir den Milan noch mal am Sonnabend an, und sollte sich im Training noch einer verletzten, dann würde ich ihn eventuell auch noch mitnehmen – aber nur für den Notfall. Ich will kein Risiko eingehen. Und wir haben ja auch danach noch drei schwere Spiele vor uns, da brauchen wir ihn dann gesund.“

Die Entscheidung auf der „Sechs“ pro Dennis Aogo und gegen Tomas Rincon begründet Thorsten Fink wie folgt: „Wir wollen auf Schalke im Ballbesitz bleiben, das könnte mit Dennis Aogo besser klappen. Ich finde auch, dass er seine Sache zuletzt gegen Düsseldorf auch gut gemacht hat, wenn man mal davon absieht, dass er beim Gegentor und der Standardsituation ein bisschen geschlafen hat.“ Die zweite „Sechs“ ist ja Tolgay Arslan, der zum Düsseldorf-Spiel ja erkrankt ausgefallen war. Und „Ali“, wie Arslan nur von den Kollegen gerufen wird, macht auf mich im Training auch einen erstklassigen, engagierten und aggressiven Eindruck – das musste ich schnell noch einmal loswerden.

Übrigens sprach ich heute ganz kurz mit Thorsten Fink über das Thema „Champions League“. Und schoss dabei ein bildschönes Eigentor, was die Lacher der Kollegen hervorrief. Ich sagte nämlich: „Ist das nicht eine verrückte Saison? Nach diesen Resultaten, einem 1:5 und einem 2:9 ist für den HSV jetzt sogar noch ein Platz in der Champions League möglich. Ich will da ja gar nicht groß drüber sabbeln, aber verrückt ist es schon, oder?“ Finks Antwort sorgte für die Lacher: „Ich will da auch gar nicht drüber sabbeln . . .“ Gelächter. Und dann sagte er: „Wenn man gewinnt, dann ist alles möglich, ganz klar, aber dazu müssen wir auf Schalke gewinnen. Letztlich aber wollen wir uns mal darauf konzentrieren, dass wir da überraschen können, dass Schalke auch Druck hat – und dass wir diesen positiven Druck haben. Den sollten wir mitnehmen ins Spiel und dann versuchen, es erfolgreich zu bestreiten. Ein Punkt wäre auch schon toll, ein Sieg wäre noch schöner – und dann kann sich jeder selbst ausrechnen, was noch möglich ist.“ Der Coach weiter: „Aber erst einmal sehen, was wir auf Schalke tatsächlich bringen. Nachher verlieren wir dort und dann muss man wieder sehen, dass man Platz acht oder Platz neun belegen kann. Es geht alles so schnell. Aber es ist eben in dieser Saison alles möglich, dass sehen wir alle, auch die anderen Clubs – und jetzt wird es ja auch eng, denn wir haben schon den 31. Spieltag . . .“
Wenn man so will: Der HSV hat am Sonntag ein Endspiel um die Champions League.

Und immerhin hat Schalke zuletzt mit der Niederlage in Frankfurt bewiesen, dass die Formkurve der „Knappen“ nicht kontinuierlich nach oben zeigt. Und das Schalke durchaus verwundbar ist – trotz Klaas-Jan Huntelaar. Schlusswort von Thorsten Fink: „Es kommt immer darauf, was WIR aus diesem Spiel machen.“ Genau, Trainer. Nun macht mal schön.

PS: Unser User “Enno” erinnert sich – und korrigiert mich dabei (was ich zuletzt schrieb):

“Denkt doch bitte einmal kurz zurück, ich sprach mit einigen Kollegen heute vor der Pressekonferenz darüber, wie es damals mit Hasan Salihamidzic war. Als der 1998 vom FC Bayern gekauft wurde, war er gerade mal 21 Jahre alt.”
Gekauft? Salihamidzic ist damals vom HSV ablösefrei zu Bayern gegangen, er wurde also nicht ge- bzw. verkauft.

Danke für diese Korrektur.

18.25 Uhr

Nachwirkungen eines Erdrutsches

1. April 2013

Sorry, aber heute werdet ihr Geduld brauchen – ist etwas zu lang geworden.

In der Cafeteria des Springer-Hauses saßen heute, wie eigentlich immer am Wochenende, zwei rüstige Rentner – so um die 70. Ehemalige Fußballer. Einer offenbar, so habe ich mal am Rande aufgeschnappt, beim VfB Lübeck in der Oberliga Nord. Und worüber sprachen sie heute – ganz aufgeregt? Natürlich! Einer befand dann in gehobener Lautstärke: „Und ich sage dir, den jungen Burschen geht es heutzutage einfach zu gut. Einfach zu gut. Denen werden doch die Zuckerklümpchen nur so in den Hintern geblasen, jeden Tag. In Watte gepackt werden die, und zwar von allen. Vom Trainer, vom Club, von den Fans. Es wird langsam mal Zeit, gerade in den heute gewiss sehr schweren Zeiten, dass da mal ein Umdenken einsetzt.“ Ich habe mitgehört und mich jeglichen Kommentars enthalten. Wer weiß, wofür es gut war. Eines steht aber in jedem Falle fest: Der HSV bliebt das Gesprächsthema der Hamburger. Und bestimmt auch noch eine ganze Weile. Diese immer noch unfassbare 2:9-Pleite hat eine Welle der Emotionen ausgelöst.

Wobei ich gar nicht weiß, womit ich anfangen soll. Am besten so: Für das Abendblatt habe ich heute einen kleinen Bericht über das 2:9-Debakel vom 7. März 1964 geschrieben München 60 – HSV. Darüber sprach ich, ihr werdet ihn heute wohl in allen Zeitungen lesen, auch mit Gert „Charly“ Dörfel. Der Linksaußen hatte in diesem Spiel etwas getan, was ich am Sonnabend, bei diesem zweiten 2:9, so sehr vermisst habe: „Charly“ sagt: „Der Petar Radenkovic hatte als Torwart bereits vier Hamburger überlaufen, als er rechts außen über die Mittellinie dribbeln wollte. Da habe ich ihn einfach mal umgeschubst – der Torwart flog bis vor die erste Reihe der Tribüne. Da wollten die Fans mit ihren Regenschirmen auf mich los, um mich zu verprügeln.“ Dörfel hatte mal ein Zeichen gesetzt, setzen sollen. So richtig gefruchtet hatte es offenbar auch nicht, aber er war zunächst einmal seinen Frust los . . .

Eine solche Szene habe ich am Sonnabend nicht gesehen. Aber da ich sie noch immer drauf hatte, habe ich so etwas vermisst. Dieser HSV aber, der von 2013, ergab sich wie eine Lämmerherde – harmlos, armselig, brav und trottelig, in sein Schicksal.

Der Deutschen Presse-Agentur gegenüber hat sich heute auch der ehemalige Nationalspieler Willi Schulz zum 2:9 geäußert. Schulz befand: „Das ist ein Hieb, der ganz sicher nachhaltig sein wird. Solche Erlebnisse bleiben im Hinterkopf hängen.“ Gravierend sei, dass „nun in der Öffentlichkeit Hohn und Spott dazu“ komme, weiß Schulz, der 1967 mit dem HSV in Dortmund auch mal 0:7 verlor. Jetzt verbal auf die HSV-Spieler einzuschlagen, sei aber „völlig verkehrt“, so Schulz: „Die wissen, dass sie neun Dinger gekriegt und Mist gebaut haben. Nun gilt es, sie wieder aufzubauen.“

Und wenn ich schon mal bei „gestern“ bin, so sprach ich auch mit Meister-Torwart (von 1960) Horst Schnoor, der sich damals, am 7. März 1964, auch mal neun Dinger eingefangen hat. Ich sprach mit ihm aber über heute, über das zweite 2:9 – und er sagte: „Mir tut der Rene Adler enorm leid, er konnte ja nicht einen Treffer verhindern, die Vorderleute, die gar nicht da waren, haben ihn schön im Regen stehen lassen.“ Schnoor, der jedes Heimspiel des HSV live im Volkspark sieht, zur allgemeinen Lage: „Dieses Spiel war eine einzige Katastrophe. Und ich habe kaum Hoffnung, dass es wieder mal besser wird. Irgendwie sehe ich keinen Fortschritt.“ Um dann noch zu sagen: „Ich habe Nürnberg in Wolfsburg gesehen. Der Club lag schon 0:2 zurück – aber hat er aufgegeben? Nein, natürlich nicht. Die Nürnberger, und zwar alle Nürnberger, haben gekämpft wie die Löwen, das war Power pur, ganz großartig. Die haben sich gewehrt – und sich noch mit dem 2:2 belohnt. So etwas würde ich so gerne auch mal vom HSV sehen wollen – aber man sieht es nicht.“

Und dann, bevor ich zu den Aussagen des Vorstandsvorsitzenden komme, hatte ich auf der Fahrt in die Redaktion noch einen Anruf aus dem Süden. Darin wurde mir mitgeteilt, dass sich der Bayern-Fan „U-Boot“ wie folgt über den HSV geäußert hat: „Ich gehe seit über 30 Jahren zu den Heimspielen des FC Bayern, noch nie, wirklich, ich kann es sagen, noch nie gab es eine schlechtere Mannschaft hier zu sehen, wie dieser HSV. Der war schlechter als jede Zweitliga-Mannschaft, die hier mal im Pokal antreten musste. Dass eine Bundesliga-Mannschaft so schlecht spielen kann, hätte ich nicht für möglich gehalten – niemals.“

Ja, immer schön und tief rein, in die Wunde . . .

Kurz noch zur Sonntags-Runde von „Sky 90“ mit Moderator Patrick Wasserziehr. Da saßen ja auch HSV-Trainer Thorsten Fink (ein Kompliment, dass er sich dort hingequält hatte!), Lothar Matthäus und der großartige Unterhaltungskünstler (sowie dicker HSV-Fan) Olli „Dittsche“ Dittrich. Letztere Herren verteidigten Fink, und nachdem ich mal kurz per Telefon dazu geschaltet worden war, sagte der „Loddar“: „Ich sehe das nicht so wie der Kollege vom Hamburger Abendblatt. Der HSV hat doch in dieser Saison schon elf Siege errungen . . .“
Weil ich mich zuvor zum Thema „Charakter“ (Thorsten Fink bestätigte seinem Team „allgemein einen guten Charakter“) wie folgt geäußert hatte: „Es gibt Spieler wie Adler, Westermann, Aogo und van der Vaart, die haben einen guten Charakter, aber nicht alle sind so. Sonst hätte der HSV aus dem müden 1:1 gegen Fürth gelernt. Vor dem Augsburg-Spiel wurde eine Woche lang von den HSV-Spielern erzählt, sie hätten aus dem Fürth-Spiel ihre Lehren gezogen – und dann gab es doch nur eine peinliche 0:1-Heimpleite. Die hätte aber eine Mannschaft, in der alle Spieler einen guten Charakter haben, sicherlich vermieden. Weil sie sich einig gewesen wäre, was zu tun ist. Und vor allen Dingen: wie was zu tun ist. Gemeinsam.“

Wie gesagt, der „Loddar“ sah das etwas anders. Und Thorsten Fink, so glaube ich, sah das wie der „Loddar“ – das aber konnte ich nicht mehr hören, da mir das das Telefon aus der Sendung abgeschaltet worden war. Schicksal.

So, nun aber tatsächlich zu Carl-Edgar Jarchow. Der Club-Chef hat den Versagern von München mit Konsequenzen gedroht. „Aus diesem Spiel werden wir sicher unsere Schlüsse ziehen, die werden uns sicher auch beeinflussen bei dem Fazit am Ende der Saison“, erklärte der Vorstandsvorsitzende. Jarchow mit Ärger in der Stimme weiter: „Die Mannschaft hat total in sich versagt, und zwar alle zusammen. Eine Mannschaft, die schon nach fünf Minuten das Spiel in München aufgibt und in sich zusammenfällt, die hat total versagt. Ich finde es beschämend, wie die Mannschaft aufgetreten ist, ich kann mich dafür nur entschuldigen. Insbesondere bei jenen Fans, die die weite Reise nach München angetreten hatten, um uns dort zu unterstützen.“

Jarchow weiter: „Es bleibt festzuhalten, dass das, was in München passiert ist, einer Bundesliga-Mannschaft nicht würdig war, eines HSV nicht würdig war. Das ist ein Schaden, der uns noch eine Weile begleiten wird, unabhängig von den nächsten Spielen. Wir werden diese Niederlage intern knallhart ansprechen.“

Apropos knallhart: Die Mannschaft, die so sehr versagt hatte, musste am Sonntag danach trainieren, hatte aber heute, am Montag, frei. Jarchows Erklärung: „Wir haben eine Mannschaft, von der ungefähr 15 Leute in der letzten Woche für ihre Nationalmannschaften unterwegs waren. Da halten wir es auch aus anderen Gründen für vernünftig, dass am Montag mal kein Training ist. Dafür werden aber die restlichen Tage der Woche sehr gut ausgefüllt sein mit Training.“

Carl-Edgar Jarchow, der am Karfreitag 58 Jahre alt geworden ist (herzlichen Glückwunsch nachträglich!), hat bereits mit einigen Spielern gesprochen, morgen wird er es mit dem Mannschaftsrat tun. Grundsätzlich aber bleibt er seiner eher reservierten oder defensiven Linie treu: „Sich in dieser Situation groß aufzuspielen, als Wichtigtuer, das bringt nicht viel. Aber alle können sicher sein, dass wir den Spielern schon mit deutlichen Worten erklären werden, was wir von ihnen erwarten. Und ich werde ihnen auch deutlich machen, dass ich das, was ich da am Sonnabend gesehen habe, nicht so schnell vergessen werde.“

Und, Herr Jarchow, welche Konsequenzen schweben Ihnen nun vor?

Der HSV-Boss: „Welche Konsequenzen soll es während einer laufenden Saison schon geben, als die, dass man die Spieler erstens anspricht, sie zweitens trainieren lässt, und drittens personelle Aufstellungs-Varianten ausprobiert – am nächsten Sonnabend. Wir können die Mannschaft jetzt ja schwerlich entlassen, denn wir brauchen sie noch ein bisschen.“

Es werden Köpfe rollen, das scheint klar. Und es wird nicht der Trainer geopfert. Das ist auch klar. Carl-Edgar Jarchow stellt unmissverständlich klar: „Der Trainer muss nicht gehen, er wird nicht gehen, wir sind der Meinung, und zwar einhellig, dass wir mit Thorsten Fink weitermachen wollen – es gibt keine anderen Überlegungen.“

Und Spieler? Müssen Spieler gehen?

Carl-Edgar Jarchow: „Unsere finanziellen Mittel sind so, wie sie sind, das wird sich auch nicht entscheidend ändern. Aber wir haben natürlich schon Möglichkeiten uns zu unterhalten, mit wem wir weitermachen wollen, von welchem Spieler wollen wir uns trennen. Und das ist, das haben wir in München gesehen, eine Sache, die mit Mentalität zu tun hat. Und wir haben ja durchaus eine Mannschaft, in der viele Nationalspieler stehen. Drei davon saßen bei der deutschen Nationalmannschaft auf der Bank. Und von den Spielern erwarte ich, natürlich eine andere Reaktion, ein anderes Verhalten auf dem Platz, auch ein anderes Verhalten untereinander auf dem Platz – als ich, so meine ich, es auf dem Platz beobachtet zu haben. Nach fünf Minuten und mit dem 0:1 dann gleich auseinander zu fallen, das geht ganz einfach nicht.“

Dann habe ich eine ganz pikante Frage gewagt: „Herr Jarchow, bei den finanziellen Mitteln, die der HSV hat, denken Sie da darüber nach, noch einmal bei Herrn Kühne vorstellig zu werden?“
Carl-Edgar Jarchow: „Das ist im Moment gar kein Thema. Das wäre jetzt auch eine denkbar schlechte Woche dafür.“ Dann fügt Jarchow noch hinzu: „Wir werden da kreativ sein. Und ich denke ja auch nach wie vor, dass wir keine schlechte Mannschaft haben.“ Und: „Wir sind immer nur noch einen Punkt von Platz sechs entfernt. Wir können jetzt nicht die Federn strecken und sagen, dass die Saison gelaufen ist, und wir werden uns jetzt selbst zerlegen. Das werden wir nicht tun.“

Gott sei Dank.

Und nun bin ich auf die Umstellungen für den kommenden Sonnabend gespannt. Michael Mancienne wird kommen, da bin ich mir vollkommen sicher. Und auch Petr Jiracek. Der Tscheche ist überfällig. Marcell Jansen sowieso. Aber dann? Dann hat es sich schon – in meinen Augen. Mehr Möglichkeiten gibt es für Fink nicht. Leider. Dabei könnte er von den Versagern von München bestimmt acht bis zehn draußen lassen . . .

So, und dann doch noch einmal ein bisschen Ironie und Häme, das muss nach einem 2:9 erlaubt sein:

Es ist übrigens nur ein Gerücht, dass die Grillwürste, die am 21. April (einen Tag nach dem Düsseldorf-Spiel), „Nürnberger“ von Uli Hoeneß gespendet sind. Es soll demnach auch nur ein Gerücht sein, dass Hoeneß den harmlosen Hamburgern zwei Güterwaggons voller „Bratwürste“ nach Hamburg schicken wollte, falls diesen harmlosen Hamburgern eine perfekte Vorbereitung der Bayern auf das Juve-Spiel gelingen würde. Das ist zwar fast gelungen, aber dennoch ist wohl ebenfalls unwahr, dass es die zwei Güterwaggons voller „Bratwürste“ nur deswegen nicht gibt, weil sich der HSV erdreistet hatte, zum Schluss doch noch zwei Tore zu köpfen. Das verunsichert jetzt doch ein wenig vor Turin.
Und noch ein kleines Gerücht – und wirklich nur ein Gerücht: Der HSV hat nach Eckbällen zwei Tore in München erzielt, da muss sich offenbar doch das harte Eckball-Training in der vergangenen Woche bezahlt gemacht haben.
Das aber stimmt nicht, ist auch kein vorgezogener Aprilscherz – es gab kein verschärftes Eckball-Training.

Um auch noch etwas für die Statistiker unter uns zu bringen:

Claudio Pizarro ist der sechste Vierfach-Torschütze des FC Bayern München in einem Bundesliga-Spiel. Der Peruaner war beim 9:2 des Fußball-Rekordmeisters am Sonnabend gegen den HSV erfolgreichster Torjäger auf dem Platz. Unerreicht bleiben aber die Müllers: Bayern-Legende Gerd Müller traf 14-mal im Vierer-Pack für die Bayern, Namensvetter Dieter Müller ist mit sechs Toren Bundesliga-Rekordschütze in einem Spiel. Die Rekordschützen in einem Bundesligaspiel:

Datum – Spieler – Team – Gegner – Tore

17.08.1977 Dieter Müller 1. FC Köln SV Werder Bremen 6

25.02.1984 Dieter Hoeneß Bayern München Eintracht Braunschweig 5
10.09.1976 Gerd Müller Bayern München Tennis Borussia Berlin 5
12.06.1976 Gerd Müller Bayern München Hertha BSC 5
05.05.1973 Gerd Müller Bayern München 1. FC Kaiserslautern 5
19.02.1972 Gerd Müller Bayern München Rot-Weiß Oberhausen 5

Alle Vierfach-Torschützen des FC Bayern:

30.03.2013 Claudio Pizarro Hamburger SV
10.09.2011 Mario Gomez SC Freiburg
17.08.2002 Giovane Elber DSC Arminia Bielefeld
17.06.1989 Roland Wohlfarth VfL Bochum
13.03.1984 Karl-Heinz Rummenigge Offenbacher Kickers
11.04.1981 Karl-Heinz Rummenigge MSV Duisburg
13.08.1977 Gerd Müller FC St. Pauli
23.04.1977 Gerd Müller Rot-Weiß Essen
30.10.1976 Gerd Müller Hamburger SV
08.09.1973 Gerd Müller FC Schalke 04
11.11.1972 Gerd Müller Hannover 96
27.11.1971 Gerd Müller Borussia Dortmund
30.04.1970 Gerd Müller Rot-Weiß Oberhausen
04.10.1969 Gerd Müller SV Werder Bremen
31.08.1968 Gerd Müller Hamburger SV
03.12.1966 Gerd Müller 1. FC Kaiserslautern.

Wobei mir dabei aufgefallen ist: Kein Verein wurde in dieser Liste, in diesen Listen, so oft genannt, wie der HSV. Zufall?

Dann gab (und gibt) es natürlich weiterhin unzählige Mails und Anrufe, die mich zum 2:9 erreichen. Hier eine besondere Zuschrift, nämlich die einer Dame. Oder, manche Frau möchte es so, die einer Frau.

Hallo Herr Matz,

wahrscheinlich waren Sie und auch Ihre Gäste gestern noch ziemlich
geschockt. Trotzdem kann ich nicht verstehen, warum nicht in erster
Linie thematisiert worden ist, wie es angehen kann, dass die Spieler
wiederholt – und diesmal kollektiv – nicht kompromisslos am Mann
verteidigen. Wird das vom Trainer vielleicht nicht konsequent genug
vermittelt und trainiert? Wird vielleicht zu viel Wert darauf gelegt,
dass hauptsächlich schön gespielt wird?

Wo das hinführt, sieht man ja auch schon bei der Nationalmannschaft.
Über das 4:4 gegen Schweden habe ich noch keine überzeugende Analyse
Vom Trainerstab gehört oder gelesen. Und wenn M. Neuer abenteuerliche
Ausflüge unternimmt und den gegnerischen Spielern mal zeigen will, wie
man Fußball spielt, und das Jogi noch verteidigt, wird die Mannschaft
wohl unter seiner Regie keinen Titel holen können, denn
Meisterschaften werden nun mal in der Verteidigung gewonnen! Jeder
Trainer weiß das, aber die jüngeren Trainer wollen in erster Linie
spielerisch überzeugen, egal ob sie die Spieler dazu haben oder nicht.
Das hat man ja schon bei Oenning gesehen. Immer schön weit aufrücken,
um anschließend mit Kontern vorgeführt zu werden.

Die HSV-Mannschaft könnte doch zunächst mal vorwiegend verteidigen, um
gelegentlich kontern zu können, denn schnelle Stürmer haben sie ja.
Stattdessen soll spielerisch nach vorn gespielt werden – bis der Ball
weg ist und dann brennt es regelmäßig im eigenen Strafraum, weil fast
keiner schnell genug nach hinten kommt.

Solange das Mittelfeld vom HSV nicht ausnahmslos mitverteidigt, wird
das nichts Vernünftiges mehr. Bei dem jetzigen Personal so aufzutreten
wie in München, grenzt schon an Größenwahn.
Ich vermisse einfach die taktischen Fähigkeiten vom Trainer.
Es ist sehr schade, dass der HSV nicht seinerzeit mal z.B. Herrn Favre
verpflichtet hat. Bei dem merkt man deutlich das blinde, also
einstudierte Verteidigungsspiel seiner Mannschaften. So etwas habe ich
in den letzten Jahren noch bei keiner Mannschaft des HSV gesehen. Das
muss doch aber die Basis sein, sonst passiert so etwas wie gestern.
Was nicht durch viel Training automatisiert wird, fällt bei größtem
Stress auseinander. Da ist dann nur noch Chaos im Kopf.

Vielleicht müsste mal ein deutsch sprechender italienischer Trainer
verpflichtet werden. Bierhoff hat mal erklärt, wie z. B. das
Abwehrverhalten beim AC Mailand trainiert wird (schon in frühester
Jugend übrigens). Dort hat er ja mal gespielt, wie Sie wissen. Seitdem
wundert mich nicht mehr, warum Deutschland bis heute „Angst“ vor
Italien hat.

Ich bin mal gespannt, wie Bayern gegen Juventus spielt.

Mit freundlichen Grüssen,

Regine H.

Vielen Dank für die Mail, war mal ganz interessant, wie es ein weiblicher HSV-Fan sieht. Zu unserer Matz-ab-live-Runde sei gesagt: Natürlich waren wir alle total geschockt – wer war das nicht. Und für ein 2:9 war Sven Neuhaus, ein aktueller HSV-Spieler, ganz sicher auch nicht der ideale Talkgast. Dennoch muss ich sagen, hat der Keeper seine Sache sehr, sehr gut gemacht (danke dafür noch einmal, Sven!) – wie auch Andreas Fischer (auch Dir noch einmal ein Dankeschön!). Ich glaube, dass wir schon gefragt haben, woran es lag, was falsch gemacht wurde. Wenn aber selbst Trainer Thorsten Fink kaum eine Erklärung dafür findet, dann spricht das für sich. Fink hat ja noch am tag danach festgestellt, dass auch nach dem 0:5-Rückstand weiter munter drauf los gespielt wurde. Vom HSV. Von seiner Mannschaft. Wenn er das feststellt, dann frage ich mich, wieso er es nicht geändert hat? Er, nur er hätte es doch können. Indem man drei Mal auf einmal auswechselt, indem man dem Kapitän zur Seite holt und die nötigen Anweisungen gibt, und, und, und. Wenn dann nichts passiert? Ja, dann weiß ich es auch nicht mehr. Dann aufgeben, Sachen packen und nach Hause fahren . . .

PS: Morgen, am Dienstag, wir um 10 Uhr und um 15 Uhr im Volkspark trainiert.

PSPS: Mit einem Raum für das „Matz-ab“-Treffen bin ich noch nicht weitergekommen. Dafür habe ich inzwischen aber bereits viele Mails mit Absagen für den 19. April erhalten. Deswegen, versteht es bitte nicht falsch, denke ich inzwischen, ob sich dieses Treffen überhaupt lohnt. Vielleicht könnten „Matz-abber“, die kommen würden, ja mal Laut geben. Ansonsten könnten wir uns, ohne eingeladene Gäste vom HSV, am 19. April ja auch ganz zwang- und formlos in einem Restaurant (wie zum Beispiel das 1887 in Norderstedt) treffen. Was haltet ihr davon?

18.21 Uhr

Schulz und Seeler einig: Endspiel!

27. Juni 2012

Ein Ende ist absehbar. Nein, die Europameisterschaft ist nicht gemeint, obwohl es dort auch nur noch drei Spiele gibt – nein, gemeint ist die Sommerpause. Am Montag geht es beim HSV wieder los – endlich! Und weil sich dann auch alles in Polen und der Ukraine erledigt hat, dürfte es in Hamburg nicht nur in Sachen Training wieder in die Vollen gehen, sondern auch in Sachen Neueinkäufen. Aber noch ist EM, und jetzt wird es ja spannend und dramatisch – ihr werdet schon sehen.

Heute wird meiner Meinung nach Spanien gegen Portugal gewinnen, ich tippe auf ein 1:0. Und morgen denke ich, dass es einen langen Abend für uns alle geben wird: Verlängerung und Elfmeterschießen. 4:3 für Deutschland. Wir kommen ins Finale – muss doch so kommen. Einer, der ebenfalls diese Meinung vertritt, das ist „uns Uwe“ Seeler. Der Ehrenspielführer ist vom Sieg der deutschen Nationalmannschaft im EM-Halbfinale überzeugt. „Ich denke, dass unsere Mannschaft gereift, ausgeglichen und stark ist. Sie will Europameister werden. Und obwohl Italien bislang gut gespielt hat, sind wir stärker und werden sie auch schlagen“, sagte der 75-Jährige in einem Interview mit „eurosport.yahoo“. Seeler ist sicher: „Wenn es Deutschland ins Endspiel schafft, dann werden wir Europameister.“

Das frühere HSV-Idol hat nicht die besten Erinnerungen an Duelle gegen Italien. Beim sogenannten Jahrhundertspiel 1970 stand er auf dem Rasen des Azteken-Stadions in Mexiko-Stadt, als die Deutschen mit 3:4 nach Verlängerung gegen die Azzurri den Einzug ins Endspiel verpassten. „Das war natürlich schon ein sehr hektisches Spiel“, erinnert sich „Uns Uwe“, der noch heute auf Schiedsrichter Arturo Yamasaki schimpft: „Wenn er uns die Elfmeter gibt, die wir auch verdient gehabt hätten, dann wäre es gar nicht erst zu diesem legendären Spiel gekommen.“ Am Ende seien die Italiener einfach die Glücklicheren gewesen.

Ja, dieses 3:4. Ich werde es nie vergessen. Und ich habe ja schon viel über schlechte Schiedsrichter-Leistungen geschrieben, gemeckert und geschimpft, aber dieser Yamasaki aus Mexiko, der schlug dem Fass den Boden aus. Der könnte der Vater von Hoyzer gewesen sein – wenn ihr wisst, was ich meine. Unvergessen, diese Minus-Leistung, unvergessen und unverziehen. Die Jüngeren unter den „Matz-abbern“ können das natürlich nicht wissen, aber die Älteren werden noch heute so fluchen – wie ich. Und die unmittelbar Beteiligten.

So wie Willi Schulz, unser „World-Cup-Willi“. Er sagt: „Diese Niederlage gehört zu den unvergessenen Spielen, ganz klar. So wie das WM-Endspiel 1966 im Wembleystadion.“ Dann erinnert sich der frühere HSV-Stopper: „Die Schiedsrichter-Leistung war natürlich die absolute Krönung. Ich sehe es noch heute vor mir, wie der italienische Stopper Rosato den Uwe Seeler mindestens viermal im Strafraum einfach nur umreißt – aber der Unparteiische blickt immer gerade woanders hin. Das war schon interessant zu sehen.“ Herr Schulz, interessant? Ist das Ihr Ernst? Er sagt lächelnd: „Ja, deswegen interessant, weil man mal sehen konnte, was im Fußball so alles möglich ist . . .“

Und heute? Was traut Willi Schulz dem heutigen deutschen Team gegen Italien zu? Schulz: „Schon die äußeren Voraussetzung sprechen ja für unsere Mannschaft. Zwei Tage länger Pause, und dazu haben die Italiener ja noch eine Verlängerung in den Knochen.“ Dann ergänzt das ehemalige HSV-Aufsichtsrats-Mitglied: „Aber es spricht eigentlich noch viel mehr für Deutschland. Wir haben heute nämlich nicht nur elf hervorragende Fußballer, sondern mindestens 16. Dass Jogi Löw mal eben einen solchen Mann wie Marco Reus von der Bank bringt, und der dann ein solches Spiel abliefert, das spricht für die Klasse des DFB-Teams. Und das ist bestimmt auch unser großer Vorteil gegenüber Italien, deswegen bin ich von einem deutschen Sieg überzeugt.“

Und was hält Willi Schulz von der italienischen Mannschaft? Er sagt: „Italien kann defensiv fast perfekt spielen, obwohl diese Mannschaft auch noch viel mehr kann. Da stehen ebenfalls viele hervorragende Spieler in der Mannschaft, die nicht nur am Ball alles können, sondern auch taktisch erstklassig geschult sind. Es wird sicher nicht leicht für uns, aber wir kommen ins Endspiel.“ Vielleicht durch ein Elfmeterschießen? Es ist nicht auszuschließen. Willi Schulz: „Dann kann der Pirlo aber gegen den Manuel Neuer nicht noch einmal einen solchen Elfmeter schießen, wie gegen England. Das war ja schon mehr als frech. Und das ist für einen Torwart wirklich die Höchststrafe – und deprimierend. Aber wie gesagt, mit Neuer geht so etwas nicht.“ Hoffen wir das Beste . . .

In Sachen Aufstellung lässt sich „Jogi“ Löw ja noch nicht in die Karten schauen – und der „Maulwurf“ hat ja auch noch nichts verlauten lassen. Mangels Masse? Bleibt die Mannschaft unverändert, oder kehren jene Jungs zurück, die es in den ersten drei Spielen „gewuppt“ haben? Der frühere Nationaltorwart Harald „Toni“ Schumacher (58) „traut dem Braten nicht“. Der Europameister von 1980, seit 2006 bei allen großen Turnieren Experte im ZDF-Morgenmagazin, glaubt noch an eine Finte des Bundestrainers: „Ich habe das Gefühl, dass uns Löw auf eine falsche Fährte führen will. Ich bin der Meinung, dass Kroos anstelle von Schweinsteiger im Halbfinale gegen Italien auflaufen wird.“

Schumacher vertritt diese Auffassung, obwohl Bundestrainer Löw öffentlich betont hat: „Schweinsteiger ist wichtig für uns mit seiner Präsenz auf dem Platz.“ In der Frage der Sturmspitze geht Schumacher von Klose aus: „Klose, die Muse von Özil, muss spielen.“ Zur Absicherung „seiner persönlichen“ DFB-Mannschaftsaufstellung gegen Italien hoffte Schumacher am Mittwoch scherzhaft „noch auf einen Anruf des Maulwurfs“ aus dem DFB-Quartier . . . Grundsätzlich sprach Schumacher im ZDF-Morgenmagazin von „der besten deutschen Mannschaft, die wir je hatten!“

Kein Einspruch. Wir, nämlich Fußball-Deutschland, haben auf jeden Fall den besten Trainer seit vielen, vielen Jahren – das steht wohl außer Frage fest.

Ganz abgesehen von den deutschen Fans, die – bis auf kleine Einschränkungen – fast überall gelobt werden. Aber anderswo gibt es natürlich auch gute Fans. So wie diesen Engländer, der beim Elfmeterschießen gegen Italien alles gab – und alles zeigte. Und der Mann wurde nun „entlarvt“, wie die Agentur „dapd“ mitteilte:

Der englische Fußball-Fan, der sich vor dem entscheidenden Elfmeter im WM-Viertelfinale entblößt hatte, ist offenbar ein millionenschwerer Geschäftsmann. „Ich würde alles tun, um England gewinnen zu sehen. Ich wollte meinen Teil dazu beitragen. Leider hat es nicht funktioniert“, sagte der 35-jährige Tim O’Leary, den die englische Boulevardzeitung „The Sun“ ausfindig gemacht hat.

O’Leary hatte beim Elfmeterschießen im Zuschauerblock hinter dem Tor kurz vor dem letzten Schuss der Italiener durch Alessandro Diamanti die Hose heruntergezogen und seine Männlichkeit präsentiert. Diamanti hatte sich davon aber nicht beeinflussen lassen und zum 4:2-Endstand getroffen.

Dabei hatte O’Leary zuvor noch einen Sprint um das halbe Stadion zurückgelegt. Ursprünglich hatte er im englischen Fanblock gestanden, das Elfmeterschießen wurde allerdings auf der Gegenseite ausgetragen. „Ich hätte fast einen Herzinfarkt bekommen“, ergänzte O’Leary.

Solche „engagierten“ Zuschauer gibt es aber natürlich auch in Deutschland. Wie der SID weiß:

Eine Dienstreise nach Italien verweigerte er, beim Essen seines Freundeskreises in der Pizzeria sitzt er allein daheim, im Sommer verzichtet er auf sein heiß geliebtes Eis: Seit dem verlorenen WM-Halbfinale von 2006 boykottiert ein deutscher Fußball-Fan aus Osnabrück alles, was mit Italien zu tun hat. Vor dem EM-Halbfinale am Donnerstag in Warschau hofft er darauf, dass die Nationalmannschaft ihn erlöst. „Dann gibt’s Pizza“, sagte der Fan dem Magazin „11Freunde“.

Mit seinen Kollegen schwor Andre, wie das Fachmagazin den Fan nennt, am 4. Juli 2006, im Falle einer Niederlage „nie mehr zum Italiener“ zu gehen. Seine Freunde sind alle wortbrüchig, er hält noch durch. Pizzerien und Eisdielen sind tabu. Seit mehr als 2000 Tagen oder drei Millionen Minuten.

Dass er die Dienstreise verweigert habe, sei „mittelmäßig angekommen“, sagte er. Meist verstünden ihn die Männer, Frauen dagegen schüttelten nur den Kopf. Am Donnerstag will er die erste Pizza seit sechs Jahren essen. Er muss sich nur einen neuen Bäcker suchen: Seinen Stamm-Italiener gibt es nicht mehr.

Ich habe solche „Verrückten” schon selbst erlebt. Was HSV-Fans schon alles auf sich genommen haben, ist ganz einfach wunderbar. Was sie alles schon ertrugen, ist noch wunderbarer. Und was sie alles machen würden, damit der HSV endlich einmal wieder die Schale in die Hände bekäme, das ist unfassbar, gelegentlich sogar wahnsinnig und irre. Aber solche gibt es auch in Hamburg (und Umgebung). Ich könnte da aus der Schule plaudern, will es aber nicht, weil das die Nachahmer auf den Plan rufen könnte – und das hätte dann wohl fatale Folgen. Deswegen schweige ich lieber . . .

Bei der Gelegenheit. Bei uns im Blog („Matz ab“) hat sich ja jetzt der „Ritsche Dipp“ zu Wort gemeldet und schon zweimal die Saison – jedenfalls die ersten sechs Spieltage für den HSV – in Gedanken durchgespielt. Schwarz und weiß, heiß und kalt, Horror und Hosianna – ihr könnt es euch aussuchen. Und vielleicht habt ihr ja auch eure ganz eigenen Vorstellungen – von der neuen Saison. Wie zum Beispiel die neuen Spieler einschlagen. Oder wie sich die „Alten“ wieder zurückmelden – vielleicht auch nicht. Würde ich ganz spannend finden, wenn sich da mal jemand dran versuchen würde. Hier aber die beiden Versionen von „Ritsche Dipp“:

„HSV rockt die Bundesliga!
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Der Dino ist auferstanden wie Phoenix aus der Asche. Nach dem sechsten Spieltag führen die Hamburger souverän die Tabelle an.
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Der Reihe nach: Karlsruhe im Pokal locker mit 6:0 besiegt (astreiner Hattrick Berg). Zum Bundesligaauftakt ein überzeugender Sieg gegen Nürnberg. (Adler Fels in der Brandung).
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Werder Bremen ohne den Hauch einer Chance! Rudnev mit Doppelpack. Der HSV spielt überlegen auf.
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Frankfurts Trainer Veh musste neidlos eingestehen: Der HSV war die bessere Mannschaft!
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Ein etwas schmeichelhafter Sieg über Dortmund macht die HSV-Fans glücklich. Lucky Goal von Son in der 89. Minute.
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Gladbach musste sich dem HSV geschlagen geben. Trainer Finks bis zur Perfektion einstudierter bedingungsloser Offensiv-Fußball überzeugt auch die letzten Kritiker.
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Hannover — mit zu viel Respekt — kann dem HSV den Schneid nicht abkaufen. Wieder ein verdienter Sieg in der noch jungen Saison.
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Fürth, wir kommen! So ist der HSV ein heißer CL-Anwärter.”

Version zwei von „Ritsche Dipp”. Warum die etwas „ausführlicher“ ausgeschmückt ist, weiß ich nicht – wahrscheinlich lässt sich Schlechtes oder Böses doch viel einfacher und leichter schreiben? Wer weiß:

„Die erste Trainerentlassung der Saison 2012/13 ist perfekt. Am Sonntag übernahm beim Hamburger Sportverein Sportdirektor Frank Arnesen kommissarisch den Cheftrainerposten von Thorsten Fink.
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Der HSV zog wie im vergangenen Jahr nach dem sechsten Spieltag die Notbremse. Vorausgegangen war eine Niederlagenserie, die den Bundeslig-Dino in der Jubiläumssaison kräftig durchgeschüttelt hatte.
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Nach dem überraschenden Pokal-Aus gegen den Karlsruher SC (4:5 im Elfmeterschießen, Jansen jagte den Ball über die Latte) folgte im ersten Heimspiel gegen den 1.FC Nürnberg eine blamable 0:3-Niederlage (Adler nach zwei fahrlässig verschuldeten Toren mit Patellasehnen-Problemen ausgewechselt).
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Bei Werder Bremen wirkte die Mannschaft nach dem frühen Führungstor der Grün-Weißen seltsam kraft- und mutlos.
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Große Hoffnungen setzten die Hamburger auf das Spiel bei Eintracht Frankfurt. Zwar dominierten die Hansestädter weite Strecken der Partie, aber die harmlose Offensive (Son verstolperte kläglich zwei Großchancen) entschied das Spiel. Den Frankfurtern genügte ein Konter zum nicht unverdienten Sieg.
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Am vierten Spieltag gegen Borussia Dortmund war der HSV zu Hause chancenlos.
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Auch auswärts gegen Borussia Mönchengladbach konnte der HSV nicht punkten. Gladbach war in allen Belangen überlegen. Der HSV war wieder viel zu offensiv eingestellt und ließ sich leicht auskontern.
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Das Fass zum Überlaufen brachte dann die Heimpleite gegen Hannover 96. Eine völlig überforderte HSV-Mannschaft brach gegen den Rivalen aus dem Norden in der zweiten Halbzeit völlig ein und wurde mit 0:4 in die Kabine geschickt. Ein gnadenloses Pfeifkonzert im Volkspark war das I-Tüpfelchen auf diesem verkorksten Spiel.
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Gegen Fürth am kommenden Wochenende kämpft der HSV schon wieder ums Überleben in der Fußball-Bundesliga.
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Quo vadis, HSV?”

Wir werden das mal im Auge behalten, wie was dann tatsächlich abläuft . . .

Bei der Gelegenheit: Rene Adler, Torwart und Neuzugang, schreibt auf Facebook:

„Hi Zusammen,
ganz schön spät, aber dieser Moment verdient einen Post. Ich hab gerad mit meinem Bruder zusammen die erste Fuhre meines Autos bis unter das Dach vollgehauen. Morgen nach dem Training heißt es also dann: Good Bye Rheinland.
…Schon ein seltsames Gefühl…”

Dann gab es da noch einen musikalischen Vorschlag eines „Matz-abbers“ – würde ich ganz gut finden, wenn dieser – gelungener wie ich meine – Vorschlag an irgendeiner Stelle aufgegriffen würde:

“Moin Dieter, moin Scholle,

ich hatte den Gedanken schon unmittelbar nach dem Spiel Irland – Spanien: Warum nicht die ins Ohr gehende Melodie des Chorus` aus „Fields of Athenry” übernehmen und eine „Rauten-Bekenntnis-Hymne” draus machen!??Chorus:?Low lie the fields of Athenry?Where once we watched the small free birds fly?Our love was on the wing?We had Dreams and songs to sing?Now it’s loney round the fields of Athenry

Zum Beispiel (textlich passt es jedenfalls zur Melodie) :?Nuuuuuuur diiiiiiiiiiiie Rau-te, ein Leben lang – ziehen wir … im-mer … an ei…einem Strang (Hey heya hey HSV olè). Wahre Liiiiebe e-ewiglich (hey hey). Eines Tags erfü-üllt er sich, …. (heya hey) der Ti-tel-tra-aum … dann wird gefeiert …. tagelang!

Hier eine stimmungsvolle Livekonzert-Version zum „Üben”:

Und hier nochmal das „Original” der irischen Fans:?-?http://www.fr-online.de/em-2012-spanien-holland-england/spanien-irland–ein-lied-fuer-dublin,16091448,16390566.html

Wenn ihr die Idee nicht für albern haltet (probiert es mal im stillen Kämmerlein aus – macht Spaß!), könnt ihr das ja mal an den SC (Liebnau?) oder wen auch immer weitergeben. „Chorprobe” mit Lotto/Pape in der Nordkurve!??”

So, und dann gibt es noch zwei administrative Dinge vom HSV:

HSV-Presseservice: Freier Vorverkaufsstart für Einzeltickets zur Bundesliga-Hinrunde
Am Donnerstag, den 19. Juli, beginnt der freie Kartenvorverkauf für das erste Bundesliga-Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg (25./26.08.). HSV-Mitglieder haben bereits ab Dienstag, den 17. Juli, die Gelegenheit, sich Karten für die Partie gegen den Club sowie für das zweite Heimspiel gegen Borussia Dortmund (21.-23.09.) zu sichern. Karten im freien Verkauf bekommen Sie wie immer im Onlineshop auf www.hsv.de, in den HSV Fanshops, im Service Center in der Imtech Arena, in allen HSV-Vorverkaufsstellen oder über die Telefonhotline 01805 – 478 478 (0,14 EUR/Min. aus dem Festnetz; Mobilfunk max. 0,42EUR/Min.).
Alle weiteren Informationen zum Ticketerwerb und zum Vorverkauf finden Sie unter www.hsv.de/ticket.

Und dann auch noch dies:

20 Tage vor Beginn der neuen Saison der Fußball-Bundesliga überträgt Sat.1 aus Hamburg SV den Liga-total!-Cup als ersten großen Härtetest live. Bei der vierten Auflage des Turniers (4. und 5. August) stehen sich in der Imtech Arena der deutsche Meister Borussia Dortmund, Rekordchampion Bayern München, Gastgeber HSV und dessen Nordrivale Werder Bremen gegenüber.

In der ersten Halbfinal-Begegnung am Samstag um 16.30 Uhr treffen der HSV und Titelverteidiger Dortmund aufeinander, in der zweiten Partie (18.15 Uhr) kämpfen Bremen und die Bayern um das Erreichen des Endspiels. Das Spiel um Platz drei (16.30) und das Finale (18.15) finden am Sonntag statt.

Und auch das kam gerade noch rein:

Der HSV bestreitet am 11. August ein Testspiel beim spanischen Erstligisten RCD Mallorca. Das gab der Verein Mittwoch bekannt. Die Partie in Palma gegen den Achten der Primera Division beginnt um 22.00 Uhr.

Ich wünsche euch einen wunderschönen und stressfreien Fußball-Abend.

17.21 Uhr

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