Archiv für das Tag 'Schulz'

Die lauen Zeiten sind vorbei ***KORREKTUR: Anpfiff in Niendorf um 18 Uhr!***

21. Juli 2014

Per Ciljan Skjelbred spielte den Ball über 20 Meter in die halbrechte Position, dort lief Artjoms Rudnevs in Stellung und legte den Ball mustergültig zur Mitte ab, und dann preschte Zoltan Stieber heran und schoss den Ball akrobatisch an Rene Adler vorbei in den rechten oberen Torwinkel. Ein Tor, dass viel Applaus von den Trainingskiebitzen erhielt, ein Zuschauer meinte sogar: „Das war schöner als das 1:0 von Götze gegen Argentinien.“ Naja. Ein wunderbarer Spielzug aber was es auf jeden Fall, und ein Spielzug, den man in Hamburg schon mit der Lupe suchen muss, um da irgendwie etwas zu finden. So gesehen war das schon ein echter Leckerbissen, der den Fans da heute am Vormittag präsentiert wurde. An einem Tag, an dem es eher etwas gemütlicher zuging im Volkspark, das spielerische Element stand im Blickpunkt. Wobei immer noch deutlich erkennbar ist, dass schon ein anderer Wind hinter dem Stadion weht. Trainer Mirko Slomka greift oft ein, korrigiert, gibt Hilfestellungen, und er ist nicht immer leise in seinen Anweisungen. Ich möchte das mal unter mein Motto stellen: „Die lauen Zeiten sind vorbei.“ Auch wenn das Wetter leicht flau machen könnte, aber im Prinzip weiß beim HSV jeder, was jetzt überfällig ist: Die Einstellung zum Beruf muss professioneller werden, jeder muss bereit sein, mehr zu geben, zuzulegen – ab jetzt ist eine ganz andere Mentalität gefragt, als die, die hier in den letzten Jahren vorherrschte.

Mich hatte die pessimistische Stimmung unter den HSV-Anhänger schon am Sonnabend überrascht, und auch heute hörte ich viele Stimmen, die dem „neuen HSV“ nicht viel Gutes zutrauen. Tenor: „Die kriegen doch keine neue Mannschaft zusammen, weil kein Geld da ist. Sonst hätten die doch schon einige Verstärkungen an Land gezogen.“ So sehe ich das (immer noch) nicht. Ich bin guter und sogar bester Hoffnung. Da wird schon noch etwas passieren. Natürlich fehlt es an Geld, aber das wird schon aufgebracht, wenn es sein muss. Von Klaus-Michael Kühne, davon bin ich restlos überzeugt, wird etwas kommen (auch wenn er es nicht an die große Glocke hängen wird!), und auch aus anderer Quelle wird Geld fließen. Deswegen muss sich noch niemand um den HSV sorgen, der in der Saison 2014/15 für eine bessere Zeit in Hamburg spielen und gewinnen wird. Da kann mich später jeder beim Wort nehmen, dieses Risiko gehe ich gerne ein.

Und selbst wenn nichts mehr an neuen Leuten passieren würde, so denke ich, dass es trotz allem besser laufen wird als zuletzt. Im aktuellen Kicker steht Mirko Slomka als HSV-Coach im Blickpunkt – ob er diese Aufgabe schafft, wie er sie bewältigen will, was dabei störend wirken könnte. Da wird auch die deutlich härtere Linie, die es nun in Hamburg gibt, thematisiert. Und Slomka sagt zu seiner Handschrift: „Ein Großteil der Mannschaft ist ganz glücklich, dass die Einheiten eine hohe Belastung darstellen.“ Soll heißen: Die Spieler ziehen mit, weil sie wissen, dass nur mit einem harten Training etwas erreicht werden kann, sie wissen auch, dass sie nun endlich aus ihrem langen Dornröschenschlaf aufwachen müssen. Und genau das kann man auch in den bisherigen Trainingseinheiten erkennen. Die meisten hängen sich voll rein und legen zu. Eben nach dem Motto: „Die lauen Zeiten sind vorbei.“

Und genau darauf wird auch der neue HSV-Chef Dietmar Beiersdorfer ganz genau achten. Nicht nur er, aber selbstverständlich er auch. Sogar verstärkt, glaube ich. Auch wenn er zuletzt nicht beim Training war. Er kann sich aber auch nicht vierteilen, denn er bastelt ja ganz eifrig am neuen HSV herum. Sein Tag könnte im Moment 48 Stunden haben, und er würde dennoch nicht zur Ruhe kommen. Aber Ruhe ist ja auch nicht das, was in der jetzigen Phase gefragt ist. Jetzt müssen alle herumwieseln, um den Verein auf die Vorderbeine zu bringen.

Bei den Profis sah das heute schon ganz gut aus. Auffällig für mich: Rene Adler lieferte eine Reihe von Glanzparaden ab, Tolgay Arslan scheint sehr zu brennen, Per Ciljan Skjelbred scheint die Zeit in Berlin gut getan zu haben, Rafael van der Vaart setzt seinen Aufwärtstrend fort (er scheint Lust und Spaß zu haben, er wirkt auf mich beweglicher als zuletzt, er bringt sich mehr ein) und Pierre-Michel Lasogga gibt immer alles – der will.

Zum Thema van der Vaart kursierten ja heute einige Gerüchte, dass Queens Park Rangers Interesse hat – aber ich glaube das nicht. Die britische Zeitung „Sunday Mirror“ berichtete, dass der Aufsteiger in die Premier League an dem niederländischen Spielmacher dran sind, angeblich will ihn Rangers-Manager Harry Redknapp, der van der Vaart in dessen Zeit bei Tottenham Hotspur (2010 bis 2012) trainierte, zurück auf die Insel holen. Angeblich. Das ist alles mit sehr, sehr viel Vorsicht zu genießen. Kommentar van der Vaart, der gegenüber den Kollegen der Bild sagte: „Ich habe das auch gelesen, aber vom Verein habe ich nichts gehört.“

Ich habe immer noch das Gefühl, dass van der Vaart ohnehin nicht mehr weg will. Und dann nach England? Er wird sich an seine Zeit dort sehr genau erinnern – dass er auch nicht immer gespielt hat. Und jünger ist er ja auch nicht geworden . . . Das dann bei der Art des temporeichen Fußballs auf der Insel? Da ist der „kleine Engel“ dann doch hundertprozentig wesentlich besser in der Bundesliga aufgehoben, glaube ich. Auf der anderen Seite könnte der HSV mit dem Geld, das es für einen Van-der-Vaart-Wechsel geben würde, natürlich sofort an neue Spieler denken. Und wenn die Club-Verantwortlichen (und die Fans) dann noch an die vergangene Saison denken, als der Kapitän mit seinem Schiff restlos unterging, dann wäre ein Verkauf auch keine utopische Sache. Es wäre für beide Seiten wahrscheinlich von Vorteil – aber wie gesagt, ich glaube nicht daran. Irgendwie hat Rafael van der Vaart hier auch noch seinen Ruf ein wenig aufzupolieren, er ist vor allen Dingen jenen Fans, die ihn bei seiner Rückkehr auf Händen trugen, noch einiges schuldig. Und das wird er wissen. Und einiges dafür tun. Wahrscheinlich hat er auch schon einiges dafür getan, denn seine heutige und jetzige Verfassung kommt ja nicht von ungefähr.

Beim heutigen Training (nachmittags gab es ein Zirkeltraining) fehlten vom bisherigen Kader nur noch Maximilian Beister, der im Kraftraum trainierte, und Slobodan Rajkovic, der am Wochenende in Hamburg war, sich nun aber wieder in Belgien aufhält, um sich dort nach seinem Kreuzbandriss wieder fit zu machen. Ferner fehlten die jungen Leute wie Torwart Alexander Brunst-Zöllner, Tolcay Cigerci (kam von der U 19 des VfL Wolsfburg) und Christian Derflinger (kam von Bayern München II), die bei der 1:3-Niederlage der Zweiten gegen den VfL Osnabrück II zum Einsatz gekommen waren – und dort auch bleiben sollen, denn für die Regionalliga-Truppe des HSV geht es am Wochenende schon um Punkte – es geht zum Auftakt nach Goslar (dort kam die Zweite in der vergangenen Saison arg unter die Räder). Diesmal sind die Beteiligten aber alle ein wenig optimistischer, verhakten optimistisch. Grund dafür ist der neue Trainer Josef Zinnbauer. Der 44-Jährige hat bislang eine knallharte Vorbereitung durchgezogen, ließ jeden Tag und an jedem Tag auch länger als üblich trainieren. Wenn die Zweite in Goslar vielleicht auch fußballerisch noch nicht glanzvoll spielen wird – fit dürfte sie auf alle Fälle für 90 Minuten und mehr sein. Um alles, oder auf jeden Fall sehr viel, über den Gegner zu wissen, schickte Zinnbauer seinen Assistenten Soner Uysal am Sonntag nach Berlin, dort spielte der BFC Dynamo 2:2 gegen Goslar. Die 2:0-Führung der Berliner wurde dabei von zwei ehemaligen HSV-Spielern egalisiert: Kai-Fabian Schulz und George Kelbel – das gibt bestimmt ein herrlich-freundliches Wiedersehen!

Und wo ich gerade bei Talenten bin: Auffällig im Training sind für mich dieser Tage auch drei „Bubis“, die durchaus für Überraschungen in dieser Saison sorgen könnten: Jonathan Tah, der schon wieder wesentlich selbstbewusster auftritt als gegen Ende der Saison, Kerem Demirbay, dem ich (immer noch und jetzt schon wieder) zutraue, eine Rolle einzunehmen, wie sie hier Hakan Calhanoglu inne hatte, und zudem gefällt mir der junge Mann aus Oberhausen, Gideon Jung, der schnell, elegant und geschmeidig Fußball spielt. Ich lasse mich mal überraschen, was diese drei Jungs während der kommenden Spielzeit so auf die Beine stellen – Potenzial haben sie alle. Und zwar nicht wenig.

So, dann bleibt mir nur noch, auf das Spiel am Dienstag (also morgen) hinzuweisen: Der HSV gastiert bei „Scholles“ TSV Niendorf, und zwar um (ACHTUNG; KORREKTUR:) 18 Uhr am Sachsenweg. Es ist die Generalprobe für das Wochenende – wenn der HSV beim Telekom-Cup am Sonnabend – im Halbfinale – zunächst auf den VfL Wolfsburg trifft (korrigiert: 18.00 Uhr). Sonntag wartet dann als Gegner entweder der FC Bayern oder Borussia Mönchengladbach. So langsam geht es wieder loooohos!

An diesem Dienstag wird übrigens nicht trainiert, nur abends gespielt. Tagsüber ist die DFL im Volkspark vor Ort, es steht der Medien-Tag der Fußball-Liga an – mit vielen, vielen Fotos und Videos.

Und noch etwas Organisatorisches: Das in Flensburg geplante Freundschaftsspiel gegen Lazio Rom ist (aus Sicherheitsgründen?) verlegt worden, es findet am 8. August nun in Lübeck auf der traditionsreichen Lohmühle statt.

Und dann, das ist aber wirklich das Ende, fällt mir noch eine Nettigkeit ein, die ich vor Wochen gelesen habe, die mir nun wieder in den Gedanken herumspukt: Klaus-Michael Kühne hatte ja gesagt, dass der HSV einen erstklassigen Trainer braucht. Damit hatte er Mirko Slomka nicht nur ein bisschen angeschossen. Was mir dabei gefiel, dass wir die Antwort des HSV-Trainers, der eine ganz tolle Antwort gab: “Ich gehe in diese Saison und bemühe mich, ein erstklassiger Trainer zu werden.”
Großartig.

Dennis Diekmeier fehlte beim Nachmittagstraining, weil er zu einer Beerdigung musste.

Ich bemühe mich nun ab sofort, ein netter Mensch zu werden – und wünschen allen Matz-abbern und Ihren Lieben einen wunderschönen Feierabend.

17.32 Uhr

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