Archiv für das Tag 'Schulte'

Ein legendärer Tag mit den Legenden

7. September 2014

Für Abendblatt-Blogs


„Die Hamburger haben dieses Spiel, das hat uns alle überrascht, sehr verbissen gesehen, zu verbissen gesehen, die sind schon enorm zur Sache gegangen.“ Eine Einschätzung, die man sich als Hanseat einmal ganz genüsslich auf der Zunge zergehen lassen kann. Gesagt hat es heute Michael Ballack, und er sprach natürlich nicht über den HSV, sondern über das „Spiel der Legenden“ vor einem Jahr. Von der Verbissenheit von damals ist alles geblieben, davon konnten sich 25 183 zahlende Zuschauer live überzeugen, und Hundertausende bei der TV-Übertragung von „Sport 1“, denn das Match Deutschland gegen Hamburg stand zur Pause noch 0:0. Dabei hatten sich alle prominenten Kicker vor dem Anpfiff noch ein torreiches Spiel gewünscht. Waren die Trainer der Mannschaften, Jupp Heynckes (für Deutschland) und Helmut Schulte zu genau – und zu gut in ihren Anweisungen? Oder waren die Abwehrspieler zu stark? Es lag wohl eher an den überragenden Torhütern, Für Hamburg hielt Richard Golz überragend, und für Deutschland riskierte Claus Reitmaier mehr als einmal wieder Kopf und Kragen. Schuld an dieser Tor-Armut hatten, ganz klar, die Keeper. Die waren vor ausverkauftem Haus am Millerntor super. Gewonnen hat letztlich die zehnte Auflage des Tages der Legenden das Team Deutschland, das einen 5:3-Sieg schaffte und damit die Bilanz etwas verbessern konnte – Hamburg führt nur noch mit 6:3 Erfolgen. Gewonnen hat auch der von ARD-Moderator Reinhold Beckmann gegründete Verein „Nestwerk e.V.“, denn durch dieses Fußballfest kam in etwa eine Viertelmillion Euro zusammen, die den benachteiligten und sozial ausgegrenzten Hamburger Jugendlichen zugute kommen wird. Es war ein wunderbarer Tag am Millerntor – und es folgt, darauf haben sich alle Beteiligten schon riesig gefreut, noch eine sensationelle Nacht auf dem Kiez und im Schmidts Tivoli.






 

Zum Spiel: Nach dem Seitenwechsel war es zunächst Ballack persönlich, der das erste Tor des Tages erzielte, ein strammer 20-Meter-Flachschuss, unhaltbar für Mathias Hain, der nun im Tor stand (48.). Und dann auch noch gleich das 2:0 hinterher – St. Paulis früherer Spieler Matthias Scherz überlistete Hain mit einem Eigentor (50.). Damit waren die Weichen für einen Sieg? Nein, Hamburg wehrte sich. Und die St.-Pauli-Männer trafen. Martin Driller, Ivan Klasnic und Thomas Meggle drehten mit ihren Toren das Spiel – aber das war nicht das Ende. Carsten Jancker traf zum 3:3, Maurizio Gaudino zum 4:3 für Deutschland, und den Endstand zum 5:3 markierte Arne Friedrich. Zu erwähnen sei noch ein Fast-Kopfballtor von Thomas Doll beim Stande von 3:3, der Trainer von Ferencvaros Budapest scheiterte an Torwart Andreas Reinke und dem Torpfosten.

 

Am Rande machten es sich die Ganz-Alt-Internationalen bei Kaffee und Kuchen gemütlich: Horst Eckel, der Weltmeister von 1954, dazu Uwe Seeler, Bernd Wehmeyer und Max Lorenz. Sowie der Schirmherr der Veranstaltung, Franz Beckenbauer, der vor 50 Jahren am Millerntor sein Debüt in der Profi-Mannschaft des FC Bayern feierte. Wenn ich es richtig erinnere, dann damals als Linksaußen! Beckenbauer: „Eine schöne Erinnerung, wir haben damals 4:0 gewonnen und ich habe dabei mein erstes Pflichtspieltor für die Bayern geschossen. Wenn mir damals jemand gesagt hätte, was ich in meiner Zeit als Profi und auch danach durch diesen wunderbaren Sport alles erleben würde – ich hätte es nie für möglich gehalten.“ Legende, Lichtgestalt und Kaiser eben. Dass er am Millerntor diesmal auf Schritt und Tritt von zwei Bodyguards bewacht wurde, ist die Kehrseite der Medaille. Anders geht es wohl heutzutage nicht. Schade, schade.

 

Franz Beckenbauer war ja auch einst HSV-Spieler, ich habe ihn damals sogar schon interviewen dürfen, einen Termin besorgte mir damals HSV-Busfahrer Willi Meyer, indem er mich an die Hand nahm und zu Beckenbauer schleifte. Hat aber großartig geklappt. Die weiteren HSV-Spieler, die an diesem Tag im Einsatz waren: Nico Hoogma, Manfred Kaltz, Christian Rahn, Bastian Reinhardt, Stefan Schnoor, Stefan Studer (in der Jugend beim HSV), Otto Addo, Stefan Beinlich, Thomas Doll, Sergej Barbarez, Roy Präger, Thomas von Heesen (alle für Hamburg) sowie Markus Babbel, Patrick Owomoyela und Oliver Kreuzer (Sportchef) und Claus Reitmaier (Torwarttrainer).

 

Natürlich gab es mit einigen von ihnen ein freudiges Wiedersehen. Das begann schon bei Sergej Barbarez. Mit ihm sprach ich – natürlich – über seinen HSV und die derzeitig angespannte Lage. Und Barbarez sprach – wie man es von ihm gewohnt ist – Klartext: „Dieser Fehlstart des HSV überrascht mich nicht, denn der Heilsbringer sitzt oben auf der Tribüne, und unten auf dem Rasen spielen die alten Leute. Und die haben es lange genug bewiesen, dass sie es nicht können, ihnen fehlt die Qualität.“ Klingt hart, aber es trifft genau. Und mit Heilsbringer war natürlich Dietmar Beiersdorfer gemeint.

 

In der Zeit, in der ich nun geschrieben habe, hat mein Kollege Axel Leonhard (der große Regisseur – von Matz ab live) die Gespräche, die ich heute am Millerntor führte, schon im HA-Internet veröffentlich. Ich stelle diese Geschichte nun auch hier hinein, es gab ein Wiedersehen mit Nico Hoogma, Richard Golz, Thomas Doll, Thomas von Heesen, Michael Ballack, Stefan Studer, Patrick Owomoyela, Bastian Reinhardt, Hamburg-Trainer Helmut Schulte, mit Initiator Reinhold Beckmann, it St.-Pauli-Trainer Thomas Meggle (ein langjähriger Freund), Schiedsrichter Walter Eschweiler und vielen, vielen mehr. Wenn Ihr die Zeit habt, dann schaut mal in dieses Video hinein.
Wobei ich eine kleine Einschränkung machen muss. Es sind nicht alle ehemaligen Stars zu sehen, die ich eben genannt habe, der Herr Leonhard wollte dieses Video wohl nicht zu doll überfrachten . . .

 

Dann gab es noch einen freundlichen Hinweis auf meine Geschichte von gestern – ich hatte meine HSV-Mannschaft nominiert:

Lieber Dieter.

ich bin bei der neuen Mannschaft schon etwas verwirrt. Wozu haben wir denn Nicolai Müller gekauft, der für das schnelle Umschaltspiel geholt wurde? Außerdem weiß niemand, ob Julian Green überhaupt Fußball spielen kann, nur weil er von Bayern München kommt. Also überlege Deine Mannschaft noch mal.
Mit freundlichen Grüßen, Arne P.

 

Dazu muss ich sagen, dass ich mir diese HSV-Mannschaft, die ich ohne Nicolai Müller aufgestellt habe, schon für das nächste Spiel, als das in Hannover, gewünscht habe und hätte. Müller sehe ich noch nicht so fit, dass er es bis zur Begegnung gegen 96 schaffen wird und kann. Natürlich erwarte ich Müller im HSV-Team, ich habe ihn in Erfurt gesehen, und das war schon mal sehr gut, was dort zu sehen war. Der Mann geht ab wie Schmidts Katze – oder wie eine Rakete. Das macht Spaß, ihm zuzusehen. Und er wird ganz sicher eine Bereicherung für den HSV sein, leider (wohl) noch nicht für das kommende Wochenende. Wobei wir schon wissen, ob ein Julian Green Fußball spielen kann – er kann. Und wer das wirklich noch nicht weiß, der wird sich davon schon bald, hoffentlich am nächsten Sonntag, überzeugen können.

 

Ja, und dann noch ein Hinweis in eigener Sache, denn das Hamburger Abendblatt hat schon seit einigen Tagen mal wieder etwas Neues:

Jeden Montag kann man sich künftig ab 4 Uhr morgens über ikiosk.de oder über die ikiosk App das Sonderheft „HSV KOMPAKT“ herunterladen. Die Ausgabe mit jeweils zwölf Seiten startet jeweils mit den Berichten zum aktuellen Bundesliga-Spiel. Dann folgen die Artikel, die wir unter der Woche über den HSV gemacht haben.

Für treue Leser unseres HSV-Blogs „Matz ab“ gibt es noch einen besonderen Service. In gekürzter Form erscheinen auf einer Doppelseite die Kolumnen unserer Experten Dieter Matz, Marcus Scholz und Lars Pegelow. Jede „HSV KOMPAKT“-Ausgabe schließt mit einer historischen Seite, wo wir Triumphe und Dramen der langen HSV-Geschichte Revue passieren lassen.

„HSV KOMPAKT“ kostet nur 0,89 Cent pro Ausgabe im Einzelverkauf über ikiosk.de oder die ikiosk App (gibt es für iPhone, iPad (iOS) und für Geräte mit Googles Android). Natürlich kann man sich die zwölf Seiten einfach ausdrucken. Während der Winter- und der Sommerpause der Bundesliga erscheint „HSV KOMPAKT“ nicht.

 

PS: Morgen, am Montag, wird beim HSV wieder im Volkspark trainiert, nur die Uhrzeit stand bis jetzt noch nicht fest.

 
18.11 Uhr

Klasse Treffen, dieses Klassentreffen!

8. September 2013

Herzlichen Dank, Hamburg. Und auch ein dickes Danke an Veranstalter Reinhold Beckmann. Das war, trotz des Regens, mal wieder ein ganz tolles Fußball-Fest, über das in Hamburg sicherlich noch die nächsten Tage gesprochen wird. Der „Tag der Legenden“ sorgte für Spaß bei den Alt-Stars und für riesige Begeisterung bei den Fans. Eine richtig runde Sache für einen guten Zweck, denn die Einnahmen dieses Highlights kommen den Projekten von „NestWerk e.V.“ zugute, bislang sind durch diese unvergesslichen Tage mit den Legenden schon über, 14 Millionen Euro eingespielt worden; an diesem Sonntag betrug die Summe 260 000 Euro – hervorragend. Und weiter so. Die nächste Veranstaltung für 2014 wird bereits seit heute geplant und organisiert. Danke Hamburg auch deswegen, weil es diesem Spiel einen neuen Zuschauerrekord gegeben hat, im Stadion waren über 25 000 Fußball-Fans – und bei weitem nicht nur St. Paulianer. Mehr als 100 ehrenamtliche Helfer halfen, aus diesem Spiel etwas ganz Besonderes zu machen – das war Fußball und Spaß mit Herz. Hamburg hat übrigens gewonnen, es hieß am Ende 4:3 für die Mannschaft von der Elbe, die damit endlich einmal wieder gewonnen hat. Zur Halbzeit hieß es bereits 4:2, daran sieht man, wie ernst dieses Spiel von allen genommen wurde – im zweiten Durchgang nur noch ein Tor.


Um einmal mit den Spielern zu beginnen. Aus HSV-Sicht waren folgende Altmeister dabei: Thomas Doll, Thomas von Heesen, Vahid Hashemian, Mehdi Mahdavikia, Heinz Gründel, Richard Golz, Martin Pieckenhagen, Jochen Kientz, Jörg Butt, Nico Hoogma, Stefan Schnoor, Sergej Barbarez, Bernd Hollerbach, Hasan Salihamdizic, Thorsten Fink, Otto Addo, Wolfgang Rolff, Collin Benjamin, Ian Joy, Bastian Reinhardt, Manfred Kaltz und als Betreuer Bernd Wehmeyer und Jimmy Hartwig. Masseur war, wie immer, Hermann Rieger, der diesmal einen besonderen Auftritt hatte, denn er wurde von Schirmherr Michael Schumacher (spielte später sogar noch mit!) auf den Platz „gerast“. Für Team Deutschland waren die ehemaligen HSVer Markus Babbel, Andreas Reinke und Claus Reitmaier dabei. Besonders bejubelt wurde Uwe Seeler, der direkt aus dem Urlaub kam und zur zweiten Halbzeit den Rasen betrat, gemeinsam mit Reinhold Beckmann. Trainer der Hamburger war Helmut Schulte, der das HH-Team aus HSV und St. Pauli klug und clever eingestellt hatte. Schulte war aus Wien angereist, aus den Niederlanden kam Nico Hoogma, und am Vormittag war Mehdi Mahdavikia aus Teheran eingeschwebt. Das ist Einsatz für eine gute Sache. Jörg Butt war aus München gekommen, durfte aber, weil es bereits zwei Torhüter pro Mannschaft gab, nur im Feld spielen. Er nahm es gelassen: „Egal, die Hauptsache ist, dass ich überhaupt mitspielen und helfen kann, dieses Spiel ist eine Super-Sache.“ Wie ein Klassen-Treffen, wobei ich immer gesagt habe: ein klasse Treffen! Und es folgt ja jetzt noch die „Nacht der Legenden“, die ist auch immer legendär!

Für die deutsche Mannschaft war (fast) alles was im Fußball Rang und Namen hat, dabei. Michael Ballack feierte seine Premiere, dazu spielten mit Thomas Helmer, Stefan Reuter, Christian Wörns, Thomas Berthold, Dieter Eilts, Tim Borowski, Lothar Matthäus, Jürgen Klopp, Patrick Owomoyela (gebürtiger Hamburger), Lars Ricken, Michael Schulz, Youri Mulder, Olaf Thon, Fredi Bobic, Ulf Kirsten, Karlheinz Riedle, Alexander Zickler und viele mehr. Trainer war Matthias Sammer.

Hamburg legte einen Blitzstart hin, die St. Paulianer Michael Dinzey (1:0) und Marius Ebbers (der am Freitag noch zwei Tore für seinen neuen Club, Landesliga-Verein VfL 93, geschossen hatte) sorgten für ein schnelles 3:0 – Ebbers traf dabei erneut zweimal. Der agile Maurizio Gaudino sorgte per Hacke für das 1:3, dann verwandelte Sergej Barbarez einen Foulelfmeter (einer mit einer besonderen Geschichte – die gleich noch folgen wird) zum 4:1, Tim Borowski verkürzte noch vor dem Seitenwechsel, und dann traf nur noch Alexander Zickler zum 3:4- Endstand. Besonders zu loben waren bei diesem Spiel die Torhüter Richard Golz, Martin Pieckenhagen (beide Hamburg) sowie Claus Reitmaier und Andreas Reinke, die alle überragend hielten. Gerade so, als stünden sie noch immer im besten Saft . . .

Viel Pech hatte Keeper Reitmaier, der in der 22. Minute mit Dinzey zusammengeprallt war. Der ehemalige HSV-Torwarttrainer musste schwerer verletzt ins Krankenhaus gefahren werden, er hat sich mindestens einen Nasenbeinbruch zugezogen. Dinzey erlitt eine stark blutende Kopfplatzwunde, konnte später aber weiterspielen. Für diesen Zusammenprall hatte Schiedsrichter Walter Eschweiler auf den Elfmeterpunkt gezeigt – daraus entwickelte sich dann der Hamburger Siegtreffer . . . Kurios: Weil die Vorstellung aller Spieler zu lange gedauert hatte, dauerte die erste Halbzeit nur 38 Minuten – und nach insgesamt 81 Minuten wurde die Partie dann auch vorzeitig beendet. Sport 1, der übertragende Sender (sogar der Doppelpass kam aus dem Stadion am Millerntor), hat ja noch andere Programm-Aufträge zu erfüllen . . .

Aber, um das nicht zu vergessen, gute Besserung, lieber Claus Reitmaier!

Auch wenn das Spiel zehn Minuten gekürzt über die Bühne ging – es war großartig. Und Initiator Reinhold Beckmann, vor, während und nach dem Spiel die Ruhe in Person, verriet seinen zurzeit größten Wunsch (einen hat er pro Jahr frei!): „Ich habe immer die Hoffnung, irgendwann in zehn Jahren spielt hier dann auch mal Lionel Messi.“ Und dazu dann noch Mesut Özil und Cristiano Ronaldo, das hätte schon was. Es geht auf jeden Fall weiter, und träumen darf man ja wohl mal.

In Hamburg blieb übrigens alles friedlich, im Gegensatz zum Vortag bei unseren Nachbarn an der Weser:

Eine Schlägerei mit fast 40 Beteiligten hat nach dem Abschiedsspiel von Torsten Frings die Bremer Polizei beschäftigt. Bei dem Handgemenge im Ostkurvensaal des Weserstadions wurde am Sonnabend auch ein Rollstuhlfahrer durch einen umfallenden Stehtisch schwer am Kopf verletzt. Ein Notarzt versorgte den 45-Jährigen und brachte ihn in ein Klinikum.
Nach Angaben der Polizei hatte eine Gruppe von fast 40 Fußballfans den Saal betreten und sofort drei am Tresen stehende Männer angegriffen. Dabei wurde der Stehtisch umgerissen und der Rollstuhlfahrer verletzt. Auch zwei der attackierten Fans mussten ins Krankenhaus gebracht werden. Die Angreifer flüchteten zu Fuß, die Polizei ermittelt wegen besonders schweren Landfriedensbruchs gegen die Gruppe.

So, und dann gab es noch folgende Meldung über den (und vom) HSV:

Der angeschlagene HSV-Kapitän Rafael van der Vaart hofft auf einen Einsatz am kommenden Samstag im Bundesligaspiel gegen Tabellenführer Borussia Dortmund. „Ich tue alles dafür. Ich hoffe, dass es klappt. Vergangene Saison haben wir dort beim 4:1-Sieg unser wohl bestes Spiel gemacht“, sagte der 30-Jährige der „Bild am Sonntag“. Er war zuletzt beim 4:0 gegen Eintracht Braunschweig mit Problemen in der Oberschenkelmuskulatur ausgewechselt worden.

Auch bei HSV-Coach Thorsten Fink herrscht noch Unklarheit, ob er beim BVB auf den niederländischen Fußball-Nationalspieler setzen kann. „Das kann ich jetzt noch nicht sagen. Er muss bis Mittwoch trainieren können, um dabei sein zu können. Donnerstag, Freitag würde mir wahrscheinlich zu eng werden“, sagte Fink am Sonntag am Rande des „Tags der Legenden“. Als van-der-Vaart-Ersatz würde er auf den 19-jährigen Hakan Calhanoglu zurückgreifen: „Wenn Rafael fehlen wird, wird er seine Rolle einnehmen. Und ich habe dann auch keine Angst.“

Van der Vaart traut dem türkischen Neu-Nationalspieler, der gegen Braunschweig als Joker mit zwei Toren für Furore gesorgt hatte, seine Nachfolge zu: „Die Qualität besitzt er. Aber man sollte ihm nicht zu viel Druck machen. Er steht ja noch am Anfang seiner Karriere.“

Auf die Frage, wer der Adressat seiner Herzjubel-Geste nach seinem jüngsten Treffer in der Hamburger Arena war, erklärte van der Vaart der „Bild“: „Meine große Liebe Sabia und mein Sohn Damian auf der Tribüne. Der Kleine hatte als Einlaufjunge an meiner Hand Glück gebracht, und wir werden diese Prozedur so lange bei Heimspielen wiederholen, bis wir wieder mal verlieren. Er ist ab jetzt mein persönlicher Talisman.“

Welche Schlagzeile er am Saisonende lesen wolle? „Privat am liebsten kein Wort. Beruflich: Hurra, HSV wieder in Europa!“ Sein Glaube ans Saisonziel Europa League sei „ungebrochen“. Kritisch äußerte sich van der Vaart über den inzwischen an den FC Schalke 04 ausgeliehenen Dennis Aogo, der mit seinem Mallorca-Trip für Schlagzeilen gesorgt hatte: „Natürlich war es seine Privatsache, dorthin zu reisen. Aber nach dem 1:5-Desaster gegen Hoffenheim war diese Reise sicherlich das falsche Signal, nicht besonders schlau.“

Öffentlich hat sich an diesem Wochenende auch wieder einmal ein Österreicher zu Wort gemeldet:

Ex-HSV-Enfant-terrible Paul Scharner (33) zieht eine triste Karrierebilanz. „Nur fünf Jahre und drei Monate war ich glücklich und zufrieden. Ja, das ist erschütternd“, sagte er dem ORF. „Ich habe Einstellungen, die sind im Fußball nicht lebbar.“ Für seine Nationalelf wurde er 2012 lebenslang gesperrt, hält sich aber zugute: „Ich lege mich ja nicht mit jedem an. Ich bin ein Erfolgsdenker.“

PS: Morgen, am Montag, wird beim HSV um 16 Uhr trainiert – Volkspark.

PSPS: Im Laufe des Sonntagabends wird hier noch ein Video-Bericht vom “Tag der Legenden” veröffentlich, die Kamera (und die ganze Bearbeitung) hatte – wie immer – Axel Leonhard bestens im Griff, die Interviews (jedenfalls die meisten) durfte ich führen.

PSPSPS: Die Zweite des HSV verlor das Regionalliga-Auswärtsspiel bei Eintracht Norderstedt mit 0:1 und steht nun auf Tabellenplatz zehn.
Das als kurze Ergänzung: Ich habe mit meinem Freund Bert Ehm gesprochen, der ist Trainer von Germania Schnelsen und sah sich Norderstedt gegen HSV II an. Sein Kurz-Kommentar: “Ich bin nicht nicht enttäuscht, ich bin total entsetzt und tief erschüttert. Wenn das der Bundesliga-Nachwuchs des HSV sein soll, dann ist es wirklich schlimm um den Verein bestellt. Das war ja gar nichts. Der HSV hat sich von Norderstedt, einem bis dahin sieglosen Aufsteiger, an die Wand spielen lassen. Jawohl, an die Wand spielen lassen. Der Sieg war verdient und ist noch viel zu knapp ausgefallen. Die Eintracht hat Fußball gespielt, richtig gut, schnell, ideenreich, engagiert, aggressiv – aber genau so hatte ich den HSV erwartet. In einem Derby! Der HSV aber war lahm, pomadig und blutleer, kein Kampf, kein nichts – unfassbar!”
Und unglaublich: Von Robert Tesche und Gojko Kacar war nichts zu sehen. Nicht etwa deshalb, weil sie schlecht waren – nein, sie waren gar nicht dabei. Es spielte auch – trotz der Länderspiel-Pause – kein einziger Profi des HSV mit. Vornehm geht die Welt zu Grunde . . .
Das verstehe, wer will.

17.21 Uhr

…schärfere Töne vor dem Derby + Choupo bleibt…

31. Januar 2011

++++++ Choupo wechselt nicht, er bleibt in Hamburg+++++++

So oft wie sein Handy heute in der einen Stunde klingelte, klingelt meins am ganzen Tag. Und ich zähle mich schon zu den Viel-Telefonierern. „Da wollen einige noch auf den letzten Drücker was haben“, scherzte Bastian Reinhardt heute Vormittag, als er sich unseren Fragen stellte. Immerhin war dort auch noch offen, was aus Choupo-Moting würde, den bis zuletzt der 1. FC Köln und Premier-League-Klub West Bromwich umworben hatten. Aber zu dieser Personalie am Ende hoffentlich mehr.

Bastian Reinhardt wirkte den Umständen entsprechend gelassen. Er drückte gefühlte 300 Anrufe in den rund 60 Minuten mit uns unbeantwortet weg und schien trotz des letzten, eigentlich für seine Hektik bekannten Transfertages extrem entspannt zu sein. Mit einem einfachen Hintergrund: die Personalie Choupo lag nicht mehr in seinen Händen und gekauft werden sollte niemand mehr. Obwohl Trainer Armin Veh jüngst seinen Wunsch wiederholt hatte, für die Innenverteidigung, in der Gojko Kacar für seine Rote Karte aus Nürnberg ein Spiel Sperre aufgebrummt bekam, noch einen Neuen gebrauchen zu können. „Wir wollten wenn nur einen holen, der uns auch perspektivisch verstärkt. Und der Markt gibt eine solche Verstärkung nicht her“, erklärte uns Reinhardt.

Also auch nicht Ochs, den Frankfurt ob eines Millionen-Lochs im Etat verkaufen will/muss?

„Nein“, so Reinhardt, „Ochs ist ein guter Spieler, ganz klar. Aber er ist für uns nicht machbar.“ Soll heißen: zu teuer. Rund sechs Millionen Euro sollen die Hessen als Ablösesumme aufgerufen haben, woraufhin nur noch Schalke mitbot. Allerdings mussten sich auch die sich immer wieder überraschend solvent gebenden Gelsenkirchener irgendwann geschlagen geben. Ochs bleibt in Frankfurt.

Und das ist die neue Chance für den HSV! Denn das Frankfurter Eigengewächs hat für den Sommer eine festgeschriebene Ablösesumme von drei Millionen Euro im Vertrag. Hier wird derjenige das Rennen machen, der am Ende am meisten Handgeld bietet – ohne Ochs zu nah treten zu wollen, aber so funktioniert das Geschäft Fußball-Bundesliga nicht nur bei ihm.

Also abwarten. Ein wenig Hoffnung bleibt uns entsprechend wenigstens für die neue Saison, dass der HSV nach 20 Spielen ohne Diekmeier und ebenso vielen mehr oder weniger schwachen Spielen seiner Vertretungen (Rincon, Tesche, Demel) die Baustelle Rechtsverteidiger behebt. Denn hier besteht Handlungsbedarf. Das wollte Reinhardt zwar nicht öffentlich sagen, aber seine Gestik verriet, dass auch er es so sieht.

Womit ich bei einem generell schwierigen Thema bin. Denn seit einigen Wochen laufen beim HSV schon die Planungen für die kommende Saison. 20 Spielerverträge laufen aus, hinzu kommen die auszuhandelnden Verträge mit Neuzugängen. Ich will jetzt gar nicht erst das Fass aufmachen, dass bzw. ob Reinhardt durch die ganze Sammer-Posse so geschwächt wurde, dass er diese Aufgabe nicht mehr optimal ausfüllen kann. Im Gegenteil: Bastian Reinhardt ist der Sportchef – das ist der Status Quo. Punkt. Und Reinhardt gibt sich betont selbstbewusst („Das ist meine Aufgabe, ich soll sie ausführen und ich werde das schaffen“). Nein, viel schwieriger empfinde ich, dass der HSV noch immer nicht geklärt hat, wer in der kommenden Saison die sportliche Leitung beim HSV hat, denn Armin Vehs Vertrag läuft aus. „Wir werden uns mit dem Trainer zu gegebener Zeit zusammensetzen“, so die kurze Antwort des Sportchefs. Ob er es nicht als suboptimal ansieht, wenn zuerst die Mannschaft und anschließend der Trainer bestimmt werden? Immerhin ist es der Trainer, der mit der Mannschaft zusammenarbeiten und sein Konzept umsetzen soll. „In Zukunft werden wir als Verein mehr über seine Spieler bestimmt. Der Verein entscheidet, wer geholt und wer abgegeben wird. Aber da sind die Unterschiede zwischen den Trainern und ihren Systemen eh nicht so gravierend.“

Dafür aber dürfte es, sollte sich der HSV von Veh trennen, eine deutlich verringerte Auswahl an Kandidaten geben. Denn es wird sicher nicht nur ein Trainer am Ende seinen Kader lieber selbst (zumindest maßgeblich) zusammenstellen wollen. Immerhin wird er am Ende am Abschneiden gemessen.

Nun denn, bis der Trainer 2011/2012 feststeht, kümmern sich Reinhardt und seine Scoutingabteilung Christofer Clemens sowie Michael Schröder um die Kadergestaltung.

Und die sehen nur noch zwei, drei Spieler mit auslaufenden Verträgen vor, deren Verbleib in Hamburg gewünscht ist. „Das war vor dem Nürnberg-Spiel noch anders, da waren es deutlich mehr“, scherzt Reinhardt. Etwas ernster wird Reinhardt dann, auf Namen wie Zé Roberto, Ruud van Nistelrooy und Frank Rost angesprochen. Während er bei den ersten beiden „Oldies“ die Zukunft ziemlich offen sieht, hatte der HSV zuvor zumindest bei Rost immer von dessen letzter Saison gesprochen, dafür mit Jaroslav Drobny sogar den designierten Nachfolger bereits verpflichtet. Doch jetzt scheint sich das Blatt gewendet zu haben. Zumindest deutet Reinhardt das an. Ob er sich vorstellen kann, mit Rost zu verlängern? „Ich kann mir vieles vorstellen“, umgeht Reinhardt eine direkte Antwort, um dann doch klarer zu werden: „Frank ist ein wichtiger Faktor innerhalb der Mannschaft. Ich werde mit ihm darüber sprechen.“ Obwohl der HSV Rost bereits vor sechs Monaten dessen Karriereende in Hamburg angedeutet hatte? Reinhardt: „Ja, Frank hatte sich zuletzt ja auch anders geäußert, dass er weitermachen will.“

Im Gegensatz zur Kaderplanung werden die täglichen Probleme noch komplett mit Veh, Oenning und Co. besprochen. So auch die Minusleistung in Nürnberg, die Reinhardt an Ungeduld und einer schwachen Offensive festmachte. „Wir haben in der ersten Halbzeit die Ordnung defensiv gehabt. Das war wie zuvor auf Schalke und gegen Frankfurt gut. Aber wir haben irgendwann völlig unsere Ordnung verloren. Das war in den ersten beiden Spielen der Rückrunde auch nicht überragend, aber da haben wir Geduld gehabt und irgendwann ein Tor gemacht. Diesmal hatten wir offensiv keinen Handlungsplan, da waren keine Automatismen zu erkennen. Wir hatten gegen Nürnbergs Kampf und deren läuferischen Aufwand keine Mittel. Hier haben wir taktisch ganz sicher noch Nachholbedarf.“

Oha. Ein Vorwurf, den sich Mannschaft und Trainer gleichermaßen anheften dürfen.

Auch insgesamt scheinen vor dem zweiten Derby der Saison andere, schärfere Töne beim HSV angeschlagen zu werden. Verantwortlich dafür ist nicht allein das schwache Nürnberg-Spiel, sondern vielmehr auch das glückliche 1:1 aus dem Hinspiel am Millerntor. „Wir wissen, dass wir mit einem Sieg gegen St. Pauli eine deutlich positivere Grundstimmung reinkriegen können“, plädiert Reinhardt, der sich an zu wenig Motivation im Hinspiel erinnert: „Wir werden jetzt keinen Böller in der Kabine zünden oder dergleichen“, sagt Reinhardt, „aber ich werde mit den Trainern darüber sprechen, was wir vor diesem wichtigen Spiel noch anders machen können. Da müssen alle brennen.“

Angst, mit seinen Kampfaufforderungen vielleicht zu viel Feuer in das eh schon brisante Stadtderby reinzubringen, hat Reinhardt nicht. „Im Hinspiel war es ein Kuschelkurs, der vor dem Hintergrund der Übergriffe auf dem Altonaer Bahnhof auch angebracht war.“ Zur Erinnerung: Damals hatten HSV-Fans St.-Pauli-Anhänger attackiert. „Aber das haben wir diesmal nicht. Jetzt steht ein Spiel an, das vielleicht das wichtigste Spiel der Saison ist. Es geht um die Vormacht in Hamburg. Das Spiel müssen wir gewinnen.“

Worte. Bislang sind es nur Worte. Und das bleibt so, bis am Sonntag das Spiel abgepfiffen ist.

Hoffentlich denken alle – nein, das ist völlig naiv. Hoffentlich denken wenigstens die Spieler, die auflaufen so, wie Bastian Reinhardt es sich wünscht. Dann hätten sie höchstwahrscheinlich auch keine Probleme mit dem kleinen Nachbarn…

Und zum Schluss noch eine gute Nachricht: Dieter ist wieder da! Ab Dienstag, dem Beginn des kürzesten Monats im Jahr, sitzt der Hausherr gut erholt wieder an seinem Schreibtisch und informiert Euch über den täglichen Wahnsinn im Volkspark. Mir bleibt bis zu meiner nächsten Vertretung nur noch übrig, mich bei Euch für den tollen Januar zu bedanken. Ihr habt mir viele neue Standpunkte nähergebracht, mich mit Euren Posts sehr gut unterhalten und den einen oder anderen sehr interessanten Denkanstoß gegeben. Es gab berechtigte Kritik, etwas weniger berechtigte und sogar das eine oder andere sehr nette Lob. Ich für meinen Teil hatte jedenfalls einen Riesenspaß mit Euch und freue mich – auch für ihn! – schon auf Dieters nächsten Urlaub!

In diesem Sinne: Nur der HSV! Und auf bald!

Euer Scholle

P.S.: Bei Choupo gibt es noch keine Entscheidung. Was bedeutet, dass der FC Köln raus ist – denn die Kölner hätten bis 18 Uhr zuschlagen müssen. Anders ist dies bei West Bromwich, die Engländer haben noch bis 24 Uhr Zeit, den Kameruner von der Transferliste zu nehmen. Sollte hier noch was passieren, werde ich diesen Artikel noch mal updaten (cooles Wort…)!

P.P.S.: TV-Tipp: Heute Abend sind Bastian Reinhardt und St. Paulis Sportchef Helmut Schulte bei HH1 in der Sendung „Rasant“ ab 20.15 Uhr zu Gast. Könnte interessant werden.

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