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**Lasogga verletzt** Auch beim Nachwuchs hakt es gewaltig…

4. März 2014

*****Pech für Lasogga: Eine Muskelverhärtung stoppt sein mögliches DFB-Debüt. Sogar sein Einsatz für den HSV vs Frankfurt am Sonnabend ist gefährdet…****

So überraschend seine Nachnominierung am Sonntagmorgen noch war, so überraschend war auch alles wieder vorbei. Früher als erwartet. Rafael van der Vaart musste seine Nachnominierung für das Länderspiel der niederländischen Nationalelf wegen eines grippalen Infektes am Dienstag wieder absagen und reiste zurück nach Hamburg. „Er hat eine schwere Grippen und wir werden alles unternehmen, um ihn wieder gesund zu bekommen“, sagt Slomka, der den HSV-Kapitän am Sonnabend gegen Frankfurt einsetzen will. Dass der Niederländer jetzt pausieren muss, stört den HSV-Trainer nur bedingt. „Er hat am Monatg trainiert und weiß, wofür wir ihn brauchen. Er ist erfahren genug, um am Ende zu sagen, ob es geht.“

Und um das hier noch mal klarzustellen: Ich bin nicht der Meinung, dass Rafael van der Vaart in der Form seines Lebens ist. Aber, und damit beende ich die Diskussion um seine Person meinerseits auch sofort wieder: Solange der HSV in der aktuell prekären Situation steckt und personell nicht nachrüsten kann, bleibe ich dabei, die Stärken derjenigen hervorzuheben, die hier sind. „Das ist in unserer Situation alternativlos“, weiß auch Slomka, dem nach eigenen Angaben auch Dinge auffallen, die es zu ändern gilt. „Wenn alles funktionieren würde, wären wir nicht da, wo wir sind. Ganz klar. Aber das einzig wichtige jetzt ist, dass wir alle daran arbeiten, dass es funktioniert. Auch das ist alternativlos.“




Mobile Version: Matz ab nach dem Nordderby

Personifizierte Kritik gäbe es zwar in- aber von ihm nicht extern. „Dass sich jetzt hier vieles auf eine Person fokussiert ist für mich unverständlich. Speziell in diesem Fall.“ Daher werde er weiterhin seinen Kapitän unterstützen, sogar insbesondere. Slomka teilt seinem Kapitän für die entscheidende Schlussphase der Saison sogar eine Schlüsselrolle zu: „Mir würden bei ihm sogar einige Laufkilometer und Ballkontakte weniger reichen, wenn er dadurch effektiver wird. Aber auch das weiß Rafa, dafür ist er erfahren genug.“

Das wiederum fehlt Jonathan Tah mit seinen gerade 18 Lenzen naturgemäß noch. Nachdem der Youngster in der Hinrunde zur positiven Überraschung beim HSV avancierte, sitzt der Abiturient aktuell nur noch auf der Bank, spielt statt Bundesliga in der U23. „Es war in letzter Zeit sehr viel los bei Jonathan“, begründet Slomka die Auszeit, „er macht sein Abi, spielt seine erste Profisaison und dann wird auch noch sein Vertrag veröffentlicht. Dazu der Ärger mit seinem Vater, der alles lanciert haben soll – das geht nicht einfach an einem so jungen Mann vorbei. Und wir befinden uns in einer Situation, wo sich ein junger Spieler nicht so leicht freimachen kann von den Folgen des Abstiegskampfes.“ Daher wird Slomka am Wochenende voraussichtlich auf den erfahrenen Heiko Westermann als Ersatz für den bereits am Kreuzband operierten Slobodan Rajkovic’ zurückgreifen. „Heiko hat die Position schon oft gespielt und ich weiß, dass er einer der wenigen ist, die auch den linken Part in der Innenverteidigung gern und gut spielen.“

Dafür ließ Slomka heute die Profis gegen die eigene U23 antreten. Zweimal 30 Minuten wurde mit ordentlichem Schiri-Gespann auf dem Trainingsplatz gespielt – und die Amateure siegten mit 1:0. Nils Brüning machte das einzige Tor des Spiels, das erneut aufzeigte, wie torungefährlich dieser HSV aus der zweiten (Spieler-)Reihe ist. Jacque Zoua hatte keine Szene. Lediglich Bouy tauchte einmal frei vor U23-Keeper Stritzl auf, scheiterte aber mit seinem Lupfer.

Nein, das Spiel heute war nur gut, um in Bewegung zu bleiben, um etwas Spielpraxis für die zu bekommen, die zuletzt ausfielen wie Diekmeier und Westermann. Und natürlich, um zu sehen, wer sich aus dem Nachwuchs aufdrängt. Wobei auch diese Liste höchst überschaubar war, auch wenn (unser Niendorfer) Francis Adomah bei den Profis mitwirkte, bot sich maximal Dominik Jordan in der zweiten Spielhälfte oder Brüning in Ansätzen an.

Ich stand während des Spiels neben Mahmut Yilmaz und Otto Addo, die ihrerseits den U19-Jahrgang trainieren und in der A-Bundesliga in noch größerer Abstiegsgefahr stecken als die Profis ganz oben. Beide hatten sichtlich Probleme, dem aktuellen Nachwuchs etwas Positives abzugewinnen. Immer wieder tauchte in den Diskussionen dasselbe Argument auf: fehlendes Geld. Denn nachdem der HSV jahrelang zu in die falschen Bereiche (Ausnahme Internat) investiert hat, investiert er jetzt zu wenig. Addo und Yilmaz hielten sich loyal ihrem Arbeitgeber gegenüber zurück. Aber überall wird der Rotstift angesetzt, erneut sollen die Abteilungen rund zehn bis 15 Prozent einsparen. Dabei muss der HSV ob seiner finanziellen Situation zwingend und vermehrt auf den Nachwuchs setzen. Dieser HSV wird sein Phlegma einfach nicht los. Er ist weiterhin ein Insolvenzfall, da hier nur noch abgewickelt wird – nicht mehr entwickelt. Auch, weil die handelnden Personen zu schwach sind.

Michael Schröder als starken Mann im Jugendbereich zu präsentieren war sicherlich kosteneffizient – immerhin hatte er einen laufenden Arbeitsvertrag und wurde als Scout (von Arnesens damals) nicht mehr benötigt. Schröder, selbst Inhaber des Fußballlehrerscheins und einstiger Jugendtrainer bringt auch die entsprechende Ausbildung mit und wirkte anfänglich hochmotiviert. Es wurde ein Konzept erstellt, das den HSV in den höchsten Jugendligen und die U23 in der Dritten Liga vorsah. Es wurden dafür regelmäßige Treffen anberaumt – aber zeitgleich verlor der HSV seine halbe Scoutingabteilung. Inzwischen bedient sich der HSV über Schröders Kontakte bei dessen Bekannten und Freunden im Fußballbereich (Maurizio Gaudino z.B.). Eine geordnete Talentsichtung findet dagegen kaum mehr statt. Aus der anfänglich verbreiteten Euphorie Schröders ist kaum mehr etwas übrig.

Ich habe mir dieses Urteil für den Moment aufgespart, indem ich das mit gutem Gewissen sagen kann. Daher habe ich auch die penetranten Nachfragen eines Bloggers hier unbeachtet gelassen. Aber nachdem ich erfahren habe, dass sich der Verein seiner letzten Hoffnung auf Eigentherapie beraubt und das Scouting im Jugendbereich so gut wie aufgegeben hat, bin ich sprachlos. Es gibt nicht mal eine gepflegte Datenbank, in der Daten von gesichteten Spielern eingetragen werden können… Und der einzige Grund, weshalb der Jugendbereich noch nicht groß aufgeflogen und ebenso groß thematisiert wurde ist tatsächlich, dass der Profibereich mit seinen großen Problemen (sportlich wie in den Gremien) alles überschattet.

Diesem HSV fehlt es tatsächlich überall an Struktur. Von ganz oben bis ganz unten – wobei ich die Breitensport-Sparte hier mal ausnehme. Daher muss am 25. Mai der Neuanfang in Form von der Strukturreform beschlossen und ab Sommer ganz unten angefangen werden, selbige umzusetzen. Dieser HSV muss endlich eine klare Philosophie entwickeln, an der sich alle Entscheidungsträger im sportlichen Bereich anschließend orientieren – nicht andersrum, wie es heute noch der Fall ist. Und das muss für die nächsten Jahre gelten. Der HSV muss auf Vorstandsebene ein Konzept für den Nachwuchs erarbeiten und in selbigen vermehrt investieren, nicht sparen. Im Jugendbereich müssen in den Leistungsmannschaften Fußballlehrer arbeiten. A-, B-, C-Jugend und U23 müssen in den höchstmöglichen Ligen spielen – kurzum: der HSV muss seinen Ausbildungsbereich für die besten Jungspieler Deutschlands chic machen. Der HSV muss sich kernsanieren und attraktiv werden, wenn er tatsächlich eigene Profis ausbilden will. Und das muss er.

Ergo: Die Bundesliga-Mannschaft kämpft weiterhin dagegen, abzusteigen. Die Jugendarbeit des HSV ist es bereits. Dabei wird auch nicht helfen, wenn der Verein am Ende seine Ligen allesamt hält. Denn solange hier nicht mit neuen Leuten (dem vernehmen nach soll Thomas von Heesen durchaus Interesse an der Leitung einer kompletten Umstrukturierung zeigen) von Grund auf neu und nachhaltig gestaltet wird, werden sich die Probleme stetig wiederholen. „Alternativlos“ ist dieser Weg, um es mit Slomkas Worten zu formulieren. Paul Meier versuchte einst, ihn zu gehen und bestand zum Ärger einiger auch einflussreicher Trainer strikt auf Einhaltung einer gemeinsamen Philosophie. Aber der Schweizer musste gehen. Weil sich auch im Jugendbereich persönliche Beziehungen über die Not des Vereins hinwegsetzen konnten.

Und selbst dann, wenn im Bundesligabereich durch irgendwelche Sponsoren, Gönner und/oder Investoren zig Millionen in die Kasse gespült würden, muss dieser Verein lernen, eine erfolgreiche Jugendarbeit die beste Versicherung eines jeden Profiklubs ist. Und das sollte sie der jeweiligen Führung auch Wert sein. Es müssen endlich die besten Ausbilder zum HSV geholt werden, es muss sich auf ein erfolgreiches Konzept (Beispiele dafür gibt es in der Bundesliga genügend) geeinigt werden. Und dabei darf nicht gespart werden. Wobei schon ein Blick auf die Zahlen verdeutlicht, über welch vergleichsweise lächerlichen Summen wir reden. Immerhin hätte schon allein die Abfindung für van Marwijk gereicht, um den Etat der Nachwuchsabteilung für ein komplettes Jahr abzudecken und leicht aufzustocken…

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird es sicher die eine oder andere böse Reaktion aus dem Nachwuchsbereich geben. Aber damit komme ich gut klar.

Scholle

P.S: Während Torhüter Jaroslav Drobny das Vormittagstraining abbrach fallen Kerem Demirbay (Bänderriss im Knöchel) und Zhi Gin Lam (Achillessehne) weiter aus. Bei Milan Badelj (Hand-OP) soll eine Schiene helfen, während Hakan Calhanoglu seine Zerrung noch nicht gänzlich auskuriert hat. „Bei Hakan hoffen wir, dass er am Donnerstag wieder mittrainieren kann.“ Besser sieht es dagegen bei Petr Jiracek aus, dessen muskuläre Probleme aus dem 100. Nordderby abgeklungen sind. „Ihn mussten wir eher bremsen, weil er schon wieder voll mitmachen wollte“, so Slomka.

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