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Mancienne auf dem Weg nach Nottingham

16. Juli 2014

Der HSV ordnet sich neu. Oder besser: Didi ordnet ihn neu. Oliver Kreuzer ist nicht mehr Sportchef, ein neuer Verantwortlicher „Direktor Profifußball“ wird gesucht. Bernhard Peters übernimmt ab 1. August als „Direktor Sport“ die konzeptionelle Verantwortung über alle fußballerischen Entwicklungen beim Dino der Bundesliga von der Jugend bis nach oben.

Die Entscheidung für den Strategen Peters kann als Richtung weisend verstanden werden. Jahrelang herrschte draußen in Norderstedt Flickschusterei. Die Chefs des Nachwuchszentrums wechselten viel zu häufig, immer wieder gab es eine andere Strategie – oder der Posten wurde mit Personen besetzt, die dafür eigentlich gar nicht geeignet waren. Bastian Reinhardt bekam die Verantwortung für Norderstedt, nachdem sein Sportchef-Diskurs gescheitert war. Michael Schröder hat das Amt im Moment inne, er kennt den HSV und den Fußballmarkt aus dem „effeff“, hat seine Stärken in der Sichtung. Ein Stratege wie Bernhard Peters ist er jedoch wahrscheinlich nicht.

Es gibt nicht wenige HSVer, die die Nachwuchsarbeit der vergangenen Jahre genau beobachtet haben, die den Schweizer Paul Meier für den besten Mann auf dieser Position gehalten haben. Doch auch diese Vertragskonstruktion hatte ihre Fehler. Meier war am Wochenende selten in Hamburg, so dass er die Nachwuchsteams viel zu selten im Wettkampf beobachten konnte. Unter Sportchef Frank Arnesen schließlich wurde die Jugend viel zu sehr vernachlässigt. Die Folge: Eine Reihe guter Trainer haben den HSV im Laufe der Jahre verlassen, die Spieler wurden nicht mehr so gut gefördert, wie es erforderlich gewesen wäre usw.

Oliver Kreuzer schließlich, der zuletzt als Sportchef auch für die Jugend verantwortlich war, konnte sich diesem Thema wegen tausender anderer Baustellen nicht genügend widmen. Schuldzuweisung hin, Erklärung her: Wie der Profifußball geriet auch der Nachwuchsbereich beim HSV in eine Abwärtsspirale, die sich im schwachen Abschneiden der Aushängeschilder U 23 und U 19, die jeweils den Abstieg nur um ein Haar verhindern konnten, ausdrückt.

Nun hat Beiersdorfer also Bernhard Peters verpflichtet. Dessen Arbeit in Hoffenheim wird allgemein anerkannt. Er hat der Jugendförderung im Kraichgau in acht Jahren ein Gesicht verpasst. Und die große Hoffnung ist, dass dies auch beim HSV möglich ist. Wobei Dietmar Beiersdorfer auch ganz realistisch einen Zeitrahmen nannte. Er sprach von einem langfristigen Projekt, das sich über zwei, drei oder vier bis hin zu zehn Jahren hinziehen könnte. Tatsächlich sind die Nachwuchs-Strukturen beim HSV ja genauso weit wie der Bau des Campus: Es gibt eine Idee, eine Baugenehmigung – aber noch liegt kein einziger Stein auf dem anderen. Auf geht’s, Bernhard Peters!

Dass der 54-Jährige frühere Hockey-Bundestrainer als durchaus knorriger Typ gilt, muss nicht hinderlich sein. Was er bislang in seiner Karriere als Sport-Manager anstellte, das war erfolgreich. Wobei im Hockeysport sowieso schon weit vor dem Fußball auf internationaler Arbeit konzeptionelle Pionierarbeit geleistet wurde. Nur um ein Beispiel zu nennen, und das soll jetzt bitte nicht „hochsterilisiert“ werden: Auch beim FC Barcelona hat ein Hockey-Mann für die aktuellen Strukturen gesorgt.

Entscheidend wird natürlich sein, dass es auch im Nachwuchsbereich Anschub-Finanzierungen gibt. Aus diesem Grund war Dietmar Beiersdorfer am vergangenen Freitag auch in der Schweiz bei Klaus-Michael Kühne. Zwar verkündete Beiersdorfer anschließend, man sei im Gespräch, es sei jedoch noch keine endgültige Entscheidung über Form und Umfang der Kühne-Unterstützung gefallen. Dass Kühne aber nach wie vor nachhaltig mit eingebunden werden soll (und muss) in den neuen HSV, das ist klar.

Über die aktuellen personellen Entwicklungen auf Führungs-Ebene hat Scholle Euch in den vergangenen Tagen auf dem Laufenden gehalten. Carl Jarchow und Joachim Hilke behalten (vorerst) in der AG ihre Vorstands-Positionen, wobei sich die Frage stellt, warum im Fall Hilke der Verbleib im Amt nicht gleich mit einer Vertragsverlängerung verbunden wurde. Klar, sein Kontrakt läuft noch ein Jahr, aber die Spekulationen, nach denen insgeheim ein anderer Finanz-Fachmann im HSV-Vorstand gesucht wird, die gibt es nun schon seit Wochen. Machen wir es wie auch bei den Personalien Kreuzer und Peters – warten wir auf handfeste Entscheidungen.

Was nun Carl Jarchow angeht, liegt der Fall sicher anders. Ihn im Vorstand zu lassen, kann getrost als taktische Entscheidung gewertet werden. Würde ihn der AG-Aufsichtsrat aus dem Vorstand abberufen, hätte Jarchow als e.V.-Präsident zunächst noch einen Sitz im AG-Aufsichtsrat sicher – und das will man ja nun irgendwie auch nicht. Irgendwann muss auch Jarchow selbst erkennen, dass er als Vorstands-Vorsitzender der vergangenen Jahre vier Mal in Folge ein deutlich negatives Bilanz-Ergebnis zu verantworten hat. In der Saison 2013/14 wird das ja wieder so sein, selbst wenn die abschließende Berechnung noch aussteht. Ich finde, ein Rücktritt würde Jarchow im Moment nicht schlecht zu Gesicht führen. Das, was ihm Karl Gernandt als Aufgabe zubilligt, nämlich sich um die verschiedenen Fan-Strömungen zu kümmern und sie zu befrieden – mehr Abschiebung in die Bedeutungslosigkeit geht doch kaum.

Kein wirkliches formales Hindernis war die Demission Oliver Kreuzers. Dietmar Beiersdorfer hat Kreuzer die Entscheidung, wie bekannt, am Montag mitgeteilt. Er begründete den Schritt mit der geplanten „Neuausrichtung im sportlichen Bereich“. So weit, so gut. Oliver Kreuzer musste darüber offenbar ein paar Mal schlucken und hat mir heute noch einmal gesagt, dass er schon ziemlich enttäuscht ist: „Ich bin enttäuscht vor allem über den Zeitpunkt der Entscheidung, denn ich habe geglaubt, dass es eine gemeinsame Zukunft gibt. Ich hätte gern für den HSV weiter gearbeitet. Für mich war es nicht im Ansatz zu spüren, dass es zwischen Dietmar Beiersdorfer und mir nicht passt. Aber im Fußball muss man Entscheidungen akzeptieren. Das tue ich.“

Offenbar hatte es am Wochenende noch einen langen sportlichen Gipfel beim HSV gegeben, an dem Beiersdorfer und Kreuzer auch gemeinsam teilgenommen hatten, am Montag wurde die Zusammenarbeit dann beendet.

Soweit zur Vergangenheit. (Frage mich gerade, was wohl mit dem neuen U-23-Trainer Josef Zinnbauer wird, den Kreuzer ja geholt hat – wir werden abwarten müssen…)

Kommen wir zur Gegenwart und dieser Meldung (dpa):

Fußball-Profi Michael Mancienne vom Hamburger SV steht laut Medienberichten vor einem Wechsel zum englischen Zweitligisten Nottingham Forest. Nach übereinstimmenden Informationen der Zeitungen «Nottingham Post» und «Telegraph» hielt sich der 26 Jahre alte Abwehrspieler am Mittwoch zu medizinischen Untersuchungen in Nottingham auf. Demnach soll Mancienne, der beim HSV meist nicht über die Rolle eines Edelreservisten hinausgekommen war, seinem Noch-Club umgerechnet rund 1,8 Millionen Euro Ablöse einbringen. Bei Nottingham Forest soll er einen Vierjahresvertrag erhalten.

Alles Gute, Michael, wenn der Wechsel klappt. Klar, mit knapp zwei Millionen Euro Jahresgage ist er dem HSV zu teuer. Aber er hat sich hier immer professionell verhalten, auch als er ausgemustert war, und auf Michael Mancienne war im Abstiegskampf Verlass, als er wieder gebraucht wurde.

Neues von Klaus Meetz: Der Ex-Volleyballstar des HSV und Vereins-Ehrenmitglied ist weiter aktiv. Bekanntlich hatte er ein Ermittlungsverfahren gegen die drei Richter beantragt, die die Eintragung der HSV AG ins Handelsregister bearbeitet haben – dafür hat die Staatsanwaltschaft nun ein Aktenzeichen eingerichtet und das heißt, dass das Verfahren eröffnet wurde. Darüber hinaus hat Meetz übrigens auch einen Brief an Bürgermeister Olaf Scholz und die Justizsenatorin Jana Schiedek geschrieben. Auch hier geht es um angebliches Fehlverhalten von Richtern und Strafanträge, die er stellen möchte – und zwar gegen Scholz und Frau Schiedek.

Mit dieser Nachricht schließe ich für heute.
Grüße von Lars

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