Archiv für das Tag 'Schopp'

Schweißnasse Hände . . .

29. April 2010

Schnell noch ein paar Zeilen vor dem Spiel der Spiele. War schon einmal eines wichtiger? Ich lege mich fest (ein Scherz) – in diesem Jahr noch nicht . . . Ich kann Eure Aufregung und die steigende Nervosität sehr gut verstehen, mir geht es nicht anders. Um es genau zu schildern: Ich bin davon überzeugt, dass es heute gut für den HSV enden wird. Und dann kommt von links ein innerer Einwand dazwischen: „Wieso glaubst du Trottel eigentlich, dass auf einmal alles gut wird? Nur weil Ricardo Moniz nun zwei Tage lang seine heilenden Hände auf die Häupter der Spieler gelegt hat? Träum schön weiter, mein lieber Dieter . . .“ Und Sekunden danach bekommt der Optimismus wieder die Oberhand: „Mach mal halblang, Digger, alles wird gut, es gibt ein wunderschönes und maßgeschneidertes 1:1.“ Nun bin ich gespannt, wer von den Beiden in mir gegen 22.50 Uhr – oder auch eine Verlängerung und ein eventuelles Elfmeterschießen später – richtig liegt. Mensch, meine Hände sind schon wieder schweißnass. . .

Um kurz auf andere Gedanken zu kommen. Nur ein „alter Sack“ wird sich daran erinnern können (natürlich!), was um das erste Europapokal-Spiel des HSV herum geschah. Einen tag vor dem 2. November 1960, dem Spiel im Landesmeister-Wettbewerb bei Young Boys Bern, war keine Aschewolke aus Richtung Island unterwegs, und dennoch flog der HSV nicht in die Schweiz, es ging mit dem zug. Genauer: Es ging mit dem super-modernen TEE nach Bern. Und es ging auch so, denn der HSV siegte beim Meister der Schweiz, der fast identisch war mit der Nationalmannschaft der Eidgenossen, mit 5:0. Es wurde gejubelt. Aber es wurde in Hamburg auch böse gemosert, denn: Der HSV spielet unter Flutlicht zum ersten Mal mit weißen Stutzen. Die blauen Socken mit der schwarz-weißen Krempe blieben im Mannschaftskoffer, was zu Folge hatte, dass an der Elbe die HSV-Oberen total entsetzt waren. Es wurde gemeckert und getadelt, fast hätte es eine Abmahnung für die Mannschaft um Uwe Seeler gegeben, so groß wurde dieses Vergehen bewertet. Schließlich einigte man sich auf einen Kompromiss: Nie wieder weiße Stutzen. Was allerdings nicht lange eingehalten wurde, denn die Öffentlichkeit hatte nichts gegen dieses Weiß, ganz im Gegenteil. Es gab danach Jahre, in denen dieses Weiß ganz einfach zum HSV gehörte.

Ja, Sorgen hatten die damals . . . Andere Zeiten, andere Stutzen. Dann, Jahre später, auch eine kuriose Geschichte. Es gab in der Saison 1968/69 noch den Messepokal. In diesem erreichte der HSV nach Spielen gegen den FC Metz, Slavia Prag und Hibernian Edinburgh (es waren damals genau 6 721 Zuschauer im Volksparkstadion!) das Viertelfinale, trat aber gegen den kommenden Gegner Göztepe Izmir aufgrund von Terminschwierigkeiten nicht mehr an. Wenn so etwas heute passieren würde . . . Nein, natürlich kann so etwas heute nicht mehr passieren, aber dass es damals passiert ist, das ist noch heute ein Hammer. Schließlich spielten in der damaligen HSV-Mannschaft Uwe Seeler, Charly Dörfel, Arkoc Özcan, Willi Schulz, Jürgen Kurbjuhn und „Bubi“ Hönig, um nur einige zu nennen. Dass diese Spieler nicht auf die Barrikaden gegangen sind, wundert mich noch heute. Sehr sogar. Aber: Andere Zeiten, andere Prioritäten.

Noch einmal kurz zu den Zuschauer-Zahlen. In die Geschichte ging auch ein Intertoto-Spiel gegen IFK Göteborg ein. Am Rothenbaum hatten sich am 13. Juni 1970 gerade einmal 2 500 Zuschauer versammelt, die sahen einen 1:0-Sieg des HSV. Noch weniger gab es 1974. Der HSV war in der Intertotorunde über „die Dörfer gezogen“ und gastierte zum Spiel gegen Xamax Neuchatel in Oldenburg. Da verliefen sich dann beim 5:2-Sieg gerade einmal 1 700 Fans. Was allerdings eine riesige Steigerung gegenüber dem Hinspiel war, denn in der Schweiz wollten nur 500 Zuschauer diese Partie sehen.

Wunderschöne Erinnerungen habe ich auch an ein UI-Cup-Spiel auf Island (damals noch ohne Asche-Wolke!). Am Abend vor dem Spiel wurde auf der Insel Mitsommernacht gefeiert – traumhaft. Um 24 Uhr ging hinter den Bergen von Akureyri die Sonne auf, ein solches Schauspiel hatte ich zuvor noch nie gesehen. Tags darauf ging es gegen IF Leiftur Olafsfjördur, 1000 Zuschauer wurden offiziell angegeben, aber es waren vielleicht gerade mal 500. Vielleicht wurden auch die vielen Ziegen, die auf den Bergen und Hängen standen und das Spiel Spiel sein ließen, mitgezählt. Egal: De HSV hat wohl zuvor und auch nie wieder danach so schön gespielt – von der Botanik her. Umgeben von herrlichen und eisbedeckten Gletschern lag malerisch in einer Talsohle der unebene und schräge abfallende Dorfplatz, der lediglich ein Klubheim mit Umkleidekabinen zu bieten hatte. Das eigentliche Dorf Olafsfjördur lag jenseits (und war damit unsichtbar) eines Gletschers. Ein wunderschöner und zugleich skurriler Anblick, denn unter solchen Bedingungen hatte der HSV wohl noch nie ein internationales Pflichtspiel absolvieren dürfen und müssen – aber es gab einen mühevollen 2:1-Sieg. Tore: Dirk Weetendorf und Markus Schopp. Ende gut, alles gut.

Ein 2:1 wäre heute ja auch absolut herrlich, traumhaft, sensationell. Vor ausverkauftem Haus! Die Zeiten haben sich zum Glück geändert. Und während ich doch erneut an ein 1:1 denke, kommt von links wieder der . . . Nein, lassen wir das. 1:1. Alles Gute für den HSV und für Euch, dass Ihr einen wunderschönen Abend haben werdet.

PS: Ich habe eben mit Jörn Wolf (auf der Insel)  kurz vor dem Abendessen um 17.45 Uhr telefoniert, es sind alle Spieler fit – auch Dennis Aogo. Es kann also losgehen – packt es an, Männer!

17.49 Uhr