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Defensive okay – die Offensive muss nachlegen

14. August 2012

Und noch ein Sieg. Der HSV gewann am Abend 5:3 beim Fünftliga-Klub Altona 93. Mehr zum Spiel folgt am Ende des Textes.

„Ich weiß, dass wir einen guten Job gemacht haben.“

Das sagt HSV-Trainer Thorsten Fink. Was er meint? Die Fast-Verpflichtung von Hakan Calhanoglu. Dazu gibt es heute bei der Agentur dapd folgende Meldung:

„Dem Wechsel von Mittelfeldspieler Hakan Calhanoglu von Fußball-Drittligist Karlsruher SC zum Hamburger SV scheint nichts mehr im Wege zu stehen. „Hakan freut sich natürlich auf die neue Aufgabe beim HSV. Das ist der nächste Schritt in seiner Karriere“, wird Calhanoglu-Berater Bektas Demirtas auf eurosport.yahoo.de zitiert. „Er ist sehr froh, dass er dem KSC noch ein Jahr helfen kann, seine Ziele zu erreichen. Das ist eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten.“ Hintergrund: Das 18 Jahre junge Mittelfeld-Talent soll noch eine Saison an den KSC ausgeliehen werden und erst im Sommer 2013 zum HSV wechseln. Dort soll der türkische U19-Nationalspieler einen Vertrag bis 2016 erhalten. Als Ablösesumme wird eine Summe von zwei bis 2,5 Millionen Euro geschätzt.

Calhanoglu gilt als eines der größten Talente im deutschen Fußball. Der gebürtige Mannheimer gab bereits vor anderthalb Jahren im Alter von 17 Jahren sein Debüt beim Zweitliga-Absteiger KSC. In den ersten fünf Drittligapartien dieser Saison erzielte er bereits drei Tore. Karlsruhes Sportchef Oliver Kreuzer hatte ihn zuletzt in der Bild-Zeitung überschwänglich gelobt: „Er ist ein so großes Talent wie damals Mehmet Scholl. Er hat eine große Karriere vor sich“, sagte der Ex-Profi über seinen Spieler.“

Gratulation, HSV, und ein dickes Kompliment an die Verantwortlichen, dass sie sich diesen 18 Jahre alten Fußball-Diamanten schnappen konnten! Dem HSV endlich mal wieder ein großer Coup gelungen.

Thorsten Fink über den neuen HSV-Spieler, der noch für ein Jahr an den KSC ausgeliehen wird: „Den Hakan wollten einige andere Klub ebenfalls haben, denn er ist ein guter Spieler. Er kann die Bälle in die Spitze spielen, er ist sehr schnell, er schlägt Super-Standards, er ist sehr weit für sein Alter. Er hat alles das, was man braucht, damit er ein guter Bundesliga-Spieler wird.“ Der Transfer ist zwar noch nicht hundertprozentig eingetütet, aber Fink ist sich seiner Sache sicher: „Wir warten noch auf gewisse Werte, und der Vertrag ist auch noch nicht unterschrieben, aber wir sind uns alle einig“, sagt der HSV-Coach. Gewartet wird noch – zum Beispiel – auf die sporttaugliche (Bundesliga-) Untersuchung. Und auf die Unterschrift. Mehr nicht. In etwa ist es so wie kürzlich bei der Verpflichtung von Paul Scharner, der auch schon „fest“ war, aber noch zwei Tage benötigte, bevor der Vertrag unterschrieben war. Ich bin in diesem Fall aber mal optimistisch, das Ding ist gebongt.

Thorsten Fink hat allerdings noch nicht mit Calhanoglu gesprochen. Weil es da ja noch die Verbindung zum Spiel am Sonntag gibt. Das DFB-Pokalspiel, das um 14.30 Uhr im Wíldpark angepfiffen wird. Fink: „Wir wollten keine zusätzliche Brisanz in diese Partie bringen, deswegen habe ich noch nicht mit dem Spieler gesprochen, danach werde ich mich sicherlich mal mit ihm treffen.“

Aber erst einmal ist Pokal. Keine unwichtige, schon gar keine leichte Aufgabe für den HSV. Auch wenn es gegen einen Zweitliga-Absteiger geht, auch wenn der KSC inzwischen schon in Liga drei noch sieglos auf einem Abstiegsplatz steht. Abgesehen von den Nationalspielern, die bei ihren Änder-Mannschaften weilen, fehlten heute einige weitere HSV-Profis beim Vormittags-Training. Für diese Spieler stand ein „Nachsitzen“ in Sachen Laktat-Test auf dem Programm. Sie hatten vor Saisonbeginn nicht gerade die besten Werte, und in diesem Punkt galt es, mit neuen und besseren Werten zu glänzen. Ob es gelungen ist? Das wissen nur einige wenige Leute. Für diejenigen Profis, die auf dem Trainingsrasen zu finden waren, standen hauptsächlich Pass-Übungen auf dem Programm. Und nach dem Training sprach Thorsten Fink noch eine längere Zeit mit Spielern unter vier Augen. So mit Jeffrey Bruma und Heiko Westermann.

Zur Lage seiner Mannschaft befand Thorsten Fink im Anschluss daran: „Wir haben vor Saisonbeginn gesagt, dass wir an der Defensive arbeiten wollen, das haben wir getan, unsere Defensive ist jetzt verstärkt, wir habe da gut gearbeitet. Und nun müssen wir natürlich wieder versuchen, beides zu können: Abwehr und Offensive. Wir müssen nicht nur gut verteidigen können, wir müssen auch gut angreifen können, wir müssen auch im Ballbesitz bleiben, und wir müssen auch gut kontern können. Das alles gehört zum guten Fußball. Jetzt müssen wir daran arbeiten, dass wir besser und schneller nach vorne spielen können.“

Grundsätzlich befindet Fink: „Wir haben auch schon in der vergangenen Saison gezeigt, dass wir gut Fußball spielen können, das haben wir auch jetzt gegen große Gegner gezeigt, da hat meine Mannschaft bezeigt, dass sie nichts von ihrem Können verloren hat. Wenn wir in jedem Spiel gut stehen und wir gewinnen 1:0, dann muss man auch zufrieden sein. Dass wir dann mit der Zeit wieder etwas erarbeiten können, ist ja auch klar. Man muss nicht alles von der Mannschaft erwarten, dass wir schon alles perfekt können – wichtig ist, dass wir die Spiele gewinnen.“ Und Fink sagte auch: „Wir haben jetzt in 13 Spielen neun Gegentore bekommen, das ist nicht viel in der Vorbereitung, von daher bin ich damit schon mal zufrieden. Dass wir im Moment noch nicht so spielen können wie was weiß ich wer, das sollte keiner erwarten – und das hat ja auch keiner erwartet. Denn wenn wir schon alles so gut könnten, dann müssten wir auch schon wieder Ansprüche haben – und die haben wir im Moment nicht. Wir haben den Anspruch, dass wir uns im Spiel nach vorne verbessern wollen, und dass das eine oder andere auch gegenüber der vergangenen Saison besser klappt – und auch das haben wir schon bewiesen. Standardsituationen sind zum Beispiel schon verbessert worden, defensiv ist das okay – und offensiv war auch schon einiges ganz gut. Ich sehe schon einige Entwicklungen.“

Die werden auch nötig sein, wenn sich der Favorit am Sonntag (locker flockig) durchsetzen will. Fink: „Das ist ein gefährliches Spiel für uns. Der KSC ist sicherlich abgestiegen, aber ich weiß aus Erfahrung, was uns in Karlsruhe erwartet, das ist ein ganz besonderes und positiv fanatisches Publikum dort. Die Fans treiben ihr Team gerade gegen einen größeren Gegner nach vorne, und dann kann der JSC schon mal über sich hinaus wachsen. Deswegen müssen wir auf der Hut sein, wir müssen konzentriert zu Werke gehen und hundertprozentig bei der Sache sein. Es ist ein gefährliches Spiel für uns. Aber wir können uns darauf einstellen, dass wir dort nicht den schönsten Fußball spielen müssen, sondern wir müssen gewinnen. Im Pokal zählt nur das Weiterkommen, und das ist Pflicht für uns. Und dann haben wir eine Woche Zeit, uns auf das erste Bundesliga-Spiel vorzubereiten. Kommt man weiter, gibt das ja auch immer frisches Selbstvertrauen. Es gibt keinen Ersatz für Siege, das müssen wir wissen.“

Karlsruhe wurde in den letzten drei Drittliga-Spielen beobachtet, und Thorsten Fink hat sich ein Video vom Punktspiel-Auftakt Heidenheim gegen den KSC (2:2) angesehen. Der HSV-Trainer: „Da hat der KSC 2:0 geführt, durch zwei Freistoß-Tore eines ganz tollen Spielers . . .“ Hakan Calhanoglu. Fink: „Ist doch klar, dass wir diesen Gegner ernst nehmen. Wir sind ja keine Amateure. Wir wissen ja, dass man dort auch rausfliegen kann, aber für uns zählt nur der Sieg.“ Ob Fink bis Sonntag noch Elfmeter üben lässt, das lässt er noch offen: „Vielleicht machen wir das, ich weiß es noch nicht genau . . .“ Sicher ist sicher. Dazu müssten aber auch erst einmal alle Spieler wieder von ihren Nationalmannschaften in Hamburg sein.

Für Thorsten Fink ist es ein besonderes Spiel. Beim KSC hat er sich einst für den FC Bayern München empfohlen. 1994 wechselte der Mittelfeldspieler von Wattenscheid 09 zum KSC, dort spielte er drei Jahre und brachte es auf 92 Bundesliga-Einsätze für die Badener, bevor 1997 nach München ging. „Ich habe dort tolle Zeiten erlebt, der KSC war damals auf Top-Niveau, wir hatten eine großartige Mannschaft. Häßler, Bilic, Bender, Kirjakov, Reich, Edgar Schmitt, Metz, Keller, Tarnat – das waren schon tolle Namen.“ Dann erinnert sich Fink an eine ganz besondere Besonderheit: „Es war schon klar, dass ich von Wattenscheid zum KSC wechseln würde, und der KSC kam damals nur aufgrund des schlechteren Torverhältnisses nicht in den Uefa-Cup – weil wir mit Wattenscheid 5:1 gewonnen haben. Ich habe dabei ein Riesen-Spiel gemacht, bei meinem Empfang in Karlsruhe gab es deshalb manch skeptischen Blick – aber ich habe dabei gezeigt, dass ich immer alles gebe für den Klub, bei dem ich unter Vertrag stehe. Ich habe immer ehrlich eine Arbeit abgeliefert, so habe ich das immer bei jedem Verein gehalten, das habe ich immer vorgelebt.“

Da Thorsten Fink besonders mit seiner Defensive zufrieden ist, bot sich folgende Frage geradezu an: „Wie weit ist Zhin Gin Lam? Ist er schon einer für die Start-Elf?“ Der Coach: „Das wird sich diese Woche zeigen. Aber er hat gut gespielt jetzt auf Mallorca – aber ich werde diese Woche mal schauen, er ist aber auf jeden Fall ein ernst zunehmender Konkurrent von Dennis Diekmeier. Lam hat dort hinten gute Leistungen gebracht, er hat sich taktisch sehr gut verhalten, das hat mir gut gefallen, er hat ein gutes Abwehrverhalten gezeigt, und er hat die Technik für einen guten Spielaufbau, er macht das schon hervorragend. Der Wille ist bei ihm vorhanden, das sind schon alles gute Voraussetzungen.“

Es gibt für Sonntag nicht mehr so viele Fragezeichen in Sachen Aufstellung. Ungeklärt ist die Position neben Heiko Westermann (der heute seinen 29. Geburtstag feiert – herzlichen Glückwunsch!). Laut Fink stehen Per Ciljan Skjelbred und Jacopo Sala auf einer Höhe, für den Norweger würde sprechen, dass er sich in dieser Woche in Hamburg auf den KSC vorbereiten kann, während Sala mit Italiens U-21-Mannschaft unterwegs ist. Auch ganz vorne ist noch nichts geklärt. Marcus Berg? Oder Artjoms Rudnevs? Für Berg spricht, dass er es schon kennt, wie der HSV spielen will. Aber Fink sagt auch: „Rudnevs hat in den letzten 14 Tagen einen guten Eindruck auf mich gemacht.“

So könnte die HSV-Mannschaft für Sonntag aussehen: „Adler; Diekmeier, Bruma, Mancienne, Aogo; Westermann, Skjelbred; Son, Arslan, Jansen; Berg.

Zum Abschluss des Gesprächs kam die Frage noch nach einem, nein, nach „dem“ Zehner auf. Wird einer geholt, oder wird doch eher keiner mehr geholt? Fink: „Grundsätzlich muss ein Trainer immer auf alles vorbereitet sein. Wir werden uns noch einmal zusammensetzen, der Frank und ich, dann werden wir besprechen, was zu kriegen ist und was nicht. Auch finanziell. Ein Top-Mann? Wir gesagt, wir werden uns da noch mal zusammensetzen, aber mehr möchte ich darauf auch nicht eingehen. Persönlich ist es so: Wenn der Frank es mir vorgibt, muss ich es umsetzen.“

Letzteren Satz möchte ich nicht groß kommentieren, es darf und kann sich jeder dabei denken was er will. Und ich weiß jetzt schon, was hier jeder Zweite dabei denken will . . .

So, gleich geht es nach Altona, zum Testspiel gegen 93. Anstoß in der Adolf-Jäger-Kampfbahn ist um 19 Uhr. Morgen ist dann um 10 Uhr im Volkspark das nächste Üben angesagt, am Donnerstag wird um 10 und um 16 Uhr trainiert.

So, ich bin am Ende. Das Moderatoren-Team hat mir (und uns) heute einen Beitrag vom „Mustang“ empfohlen – ich empfehle ihn weiter. Es geht auch um ein Interview, das Sergej Barbarez der Mopo gegeben hat. Darin offenbart Sergej, dass er sich keine so großen Sorgen um den HSV macht. Hier nun „Mustang“:

„Die Gretchenfrage: Hat Segeij recht oder ist der derzeitige HSV ein
Blamagekandidat für die erste Pokalrunde und endgültiger Abstiegskandidat
aus der Bundesliga in seiner 50igsten Liga-Zugehörigkeit?
.
Sergeij hat unrecht, wir sind ein Abstiegskandidat, weil wir uns den
Realitäten verweigern, und wir brauchen keinen neuen Stoßstürmer, sondern
einen 10er, zumindest um in der kommenden Saison die Klasse zu halten. Der
junge 10er Calhanoglou könnte uns erst helfen, wenn wir bereits abgestiegen
sind, wenn wir uns nicht umgehend im Jetztzeitpunkt bis zum 31. August 2012
was Besseres in der Zusammenstellung der Mannschaft einfallen lassen. Ich
habe trotz allen Unkens ein gewisses Urvertrauen in FAs + TFs Instinkte.
.
NordischByNature hat viel Zustimmung gefunden (bei we are family, Last
Libero und anderen) mit seiner These der fehlenden Schlüssigkeit des
Ballbesitzdenkens seitens FA + TF. Dabei übersieht er, dass überzeugend an
die gegnerische Grundlinie durchtankende RVs/LVs und R/LOMs die Stürmer mit
Flanken versorgen sowie insbesondere präzise Zuspiele seitens unserer 6er
oder unseres neuen 8/10ers in unseren Angriff nur das i-Tüpfelchen und die
Vervollkommnung jener taktischen Ausrichtung sein werden, wenn sie denn
umgesetzt werden. Dennis passt noch zu häufig zurück, Lam spielt auf AV
noch verhalten, DD verkennt bei seinem Offensivdrang das Primat der
Defensive – Jansen zeigt Ansätze und ich würde Beister vor Son den Vorzug
geben: aber es wird entscheidend darauf ankommen, ob Arslan endlich
konsequent die Bälle zu Rudnevs und Berg durchsteckt und in der Zukunft ihm
Skjelbred und Badelj dabei entscheidend helfen. Dies ist kein Widerspruch
zum Ballbesitz-Denken, sondern seine logische Ergänzung und taktische
Vervollständigung. Ballbesitz per se ist nicht verkehrt, er ist nur nicht
allein-seligmachend, denn was zählt sind Treffer und Punkte.
.
Wenn wir uns im Moment auf Arslan als Spielmacher (Tesche als
Stellvertreter) und Per als Antreiber aus dem defensiven Mittelfeld
verlassen müssten, würden wir gerade da anknüpfen, wo wir aufgehört haben –
mit unzähligen Unentschieden und zT empfindlichen Klatschen. Zwar haben FA
+ TF die berufliche Verpflichtung, ab Sonntag d. 19. August in Karlsruhe
auf alle unsere Zweifel Antworten parat zu haben und sie zu zerstreuen –
aber ohne tiefgreifende Verbesserungen der Stammelf sehe ich die Mannschaft
nicht den nächsten Schritt vollziehen, nämlich das Mittelfeld nicht nur als
Verbindung zwischen Verteidigung und Angriff irgendwie zu überbrücken,
sondern zur neuen Schaltstelle und kreativen Oberkammando der neuen
HSV-Mannschaft umfunktionieren und damit aufzuwerten – mit Arslan und Per
in der Hinterhand und im Blickfeld, aber neuen Kräften in der Verantwortung
für die Hinrunde.

Und ganz zum Schluss noch ein – oder der – Versöhnungs-Vorschlag zum Dienstagabend:

Von „scorpion“:

Können wir nicht alle jetzt einmal der “RESET” Knopf drücken (auch
Blogfather himself), alte fest eingefressene Vorurteile wegpacken, uns auf
die nächsten Spiele des HSV freuen, sich positiv überraschen lassen und mit
entsprechender Einstellung in die Arena gehen?
.
Habt Ihr heute schon mal gelacht – auch über Euch selbst? Nö? Dann wirds
Zeit.
.
Ich lass die nächsten Wochen auch den AR, VV u.a. HSV Protagonisten in
Ruhe 😉
.
Jetzt gilt einzig und allein auf dem Rasen …“

17.24 Uhr

Und jetzt zum 5:3-Sieg in und gegen Altona:

Ein Erfolg, aber kein Ruhmesblatt für den HSV. Die so gelobte Abwehr bot eine schwache Leistung, irgendwie hatten an diesem Abend die (aber beileibe nicht nur sie) beiden Innenverteidiger Jeffery Bruma und Michael Mancienne eine kurze “Auszeit” genommen.

Altona war heiß, der HSV war kalt. Und Altona wurde von Minute zu Minute heißer. Die beiden AFC-Trainer und ehemaligen HSV-Spieler Oliver Dittberner und Andree Fincke hatten ihre Leute auf „Europapokal-Atmosphäre“ eingestellt. Da wurde eng am Mann gespielt, noch enger – und kein Millimeter Rasen wurde verschenkt. Das hatte der HSV offenbar nicht erwartet, denn die Mannschaft fand in Halbzeit eins keine Einstellung mehr zu einem so aggressiven Freundschaftsspiel-Gegner.

Verdient ging der AFC in Führung: Sezgin Akgül traf zum 1:0 (15.), dann erhöhte der vom HSV II zu Altona 93 gewechselte Stefan Winkel auf 2:0 (18.). Und Benjamin Lipke, der frei vor HSV-Keeper Tom Mickel auftauchte, hätte das 3:0 erzielen müssen, schoss aber überweg (28.). Lag diese Minus-Leistung am hohen Rasen? Man weiß es nicht, man weiß es nicht, Profis sind in dieser Hinsicht ja verwöhnt. Siehe Messi, der bei seinem Fast-Gastspiel in Hamburg Wochen vorher noch auf einen zwei Zentimeter langen Rasen bestanden hatte . . .

Der HSV konnte erst eine Minute später (!) seine erste Möglichkeit für sich reklamieren, aber Dennis Diekmeier schoss aus sieben Metern ebenfalls über das Tor. Noch vor der Pause verkürzte immerhin Heung Min Son auf 1:2 (33.), so stand es auch zur Halbzeit. Glück hatte in der 36. Minute Jeffrey Bruma, der den allein auf das HSV-Tor laufenden Dennis Thiessen festhielt. Schiedsrichter Sven Ehlert zückte statt Rot nur Gelb – Gnade für den HSV-Profi.

Zur Pause muss es dann ein mächtiges Donnerwetter in der HSV-Kabine gegeben haben, denn die Mannschaft kam zwar unverändert wieder auf den Rasen zurück, aber mit einer ganz anderen Einstellung. Zunächst traf Heung Min Son, der einer der Spieler in Halbzeit eins war, der noch ein wenig Biss gezeigt hatte, nur die Torlatte (48.), aber dann gab es auch Tore. HSV-Kapitän Marcell Jansen erzielte auf Flanke von Zhin Gin Lam mit einem Kopfballtreffer das 2:2 (52.), und 60 Sekunden legte der beste HSV-Spieler, Jansen den Ball mustergültig zur Mitte, wo Tolgay Arslan nur noch einschieben musste. Das Spiel war doch noch gedreht – und viele HSV-Fans fast schon wieder versöhnt. Restlos zufrieden (?) war der Rothosen-Anhang in der 70. Minute, als Son auf 4:2 erhöhte und damit die Verhältnisse wieder auf die richtige Ebene brachte.

Auf 3:4 verkürzte für Altona 93 der eingewechselte Mehdi Jaoudat (79.), in der 86. Minute sorgte der für den HSV eingewechselte Felix Brügmann für den 5:3-Endstand. Zu diesem Zeitpunkt war es schon ein wenig dunkler über Altona geworden . . . Was aber nicht an der Leistung des HSV gelegen haben soll.

Erst danach wechselte der HSV aus. Diekmeier, Mancienne, Aogo, Bruma, Lam, Skjelbred, Son, Jansen und Arslan gingen in der 72. Minute, dafür betraten dann sämtlich Spieler aus der Zweiten den Rasen. Und ein „unrasierter“ Flitzer kam auch noch und sorgte mit einem Sprint bis fast zur Mittellinie für Lacher. Und für seine Rolle rückwärts gab es für diesen besonderen Fan sogar eine Menge Applaus.. Den 3315 Zuschauern wurde schon einiges in der Adolf-Jäger-Kampfbahn geboten.

Gratulation an Altona 93: Der HSV spielte zum Nulltarif, die über 3000 Zuschauer sorgten für volle Kassen – und sportlich hat der Oberliga-Vertreter auch gute und beste Eigenwerbung betrieben. Kompliment.

Vom “Über-Jogi” zum Sündenbock

30. Juni 2012

Im Nachhinein ist man immer schlauer. Heißt es im Volksmund. Ist wohl auch was dran. Aber ich kann mich erinnern, dass wir im Kollegenkreis so gut wie fassungslos waren, als wir am Donnerstag von der deutschen Aufstellung für das Italien-Länderspiel erfahren hatten. Und ich bin mir sicher, dass wenn der Bundestrainer seine 20 Millionen „Kollegen“ im Lande gefragt hätte, dass er mindestens zehn Millionen Einsprüche gegen diese Elf geerntet hätte. Wenn nicht noch viele, viele mehr. Nun gut, es ist jetzt ohnehin nicht mehr zu ändern, aber was nun im „Nachhinein“ auf „Jogi“ Löw einprasselt, das hätte ich nicht vermutet. Vor dem Halbfinale wurde er in ganz Deutschland als „Über-Jogi“ gefeiert – und nun hat er mit einem Spiel plötzlich soooooo viele Gegner gewonnen. Eine höchst zweifelhafte „Ehre“. Und wer da nicht alles was zu sagen hat. Ballack, Thon, Schumacher und, und, und. Besonders die ehemaligen Nationalspieler äußern sich ja jetzt sehr, sehr kritisch. Bin gespannt, wann in diese „Hetze“ auch noch der eine oder andere Bundesliga-Trainer mit einsteigen wird.

Mein Freund Klaus ist ja einer von den 20 Millionen Bundestrainern hierzulande. Er sagte mir heute am Telefon: „Ich würde jetzt Matthias Sammer als Bundestrainer bringen. Bei dem wären solche Fehler ganz sicher nicht vorgekommen.“
Mag ja sein, aber dafür passieren dem dann eben andere Fehler. Wer ist schon fehlerfrei? Ein Bundestrainer sicher nicht. In Deutschland gab es jedenfalls noch keinen fehlerfreien Bundestrainer. Um noch einmal kurz meine Meinung in Sachen Italien-Aufstellung einfließen zu lassen: Podolski, Gomez und Kroos hätten bei mir nicht gespielt. Und wenn man ganz, ganz ehrlich ist, dann gehörte auch Schweinsteiger nicht mehr in diese Mannschaft, denn der war bei dieser EM nie bei 100 Prozent. Zu keiner Phase.

Irgendein schlauer Mensch hat kürzlich, weit vor dem Italien-Spiel, zu mir gesagt: „Der hat nach seiner langen und schweren Verletzung beim FC Bayern viel zu früh wieder angefangen. Der sollte gegen diese verdammten zweiten Plätze ankämpfen, aber das ist ja bekanntlich gescheitert. Damit jedoch ist er verheizt worden, sodass er bei dieser EM nur mit höchsten 60 Prozent dabei war.“

Kann ja sein. Eventuell waren bei Schweinsteiger aber auch ganz besonders die drei zweiten Plätze des FC Bayern zu spüren, bei ihm haben sie eventuell doch mehr Wirkung gezeigt, als er, als der DFB und als „Jogi“ Löw zugeben wollen. Natürlich gehört Schweinsteiger in die deutsche Nationalmannschaft, natürlich gehört er auch zu den festen Größen des europäischen Fußballs, aber man muss eben auch mal „nein“ sagen können. Schweinsteiger selbst aber sagte vor dem Italien-Spiel: „Ich bin fit.“ Wie bitte? Durch einen Crash-Kurs? Er mag schmerzfrei gewesen sein, aber ganz sicher nicht fit. Und ich bin gespannt, wie lange es in der kommenden Saison dauern wird, bis der „Schweini“ wirklich wieder zu hundert Prozent fit ist. Aber wenn es ein solches Vertrauensverhältnis zwischen Spieler und Bundestrainer gibt, wie es offensichtlich der Fall ist, dann hätte Löw seinem Star vielleicht in einem Vier-Augen-Gespräch klar machen müssen, dass es für die Mannschaft diesmal besser ist, ohne ihn . . .

Aber das ist vielleicht auch ein wenig zu viel verlangt. Und warum bei Schweinsteiger anfangen, wenn schon Podolski und Gomez „mittun“ dürfen? Ich wurde ja bei „Matz ab“ ausgelacht, als ich kürzlich schrieb, dass mir der FC Arsenal Leid täte. Weil die Engländer einen Mann gekauft haben, der seine Zukunft schon hinter sich hat. Da bin ich auch mal gespannt, wie sich das so auf der Insel entwickelt. Sehr, sehr, sehr gespannt sogar. Ich habe das Gefühl, dass Podolski unter die Denker gegangen ist. Er denkt zu viel über sein Spiel nach, statt wie früher unbekümmert den direkten Weg zum Tor zu suchen. Ich jedenfalls war total entsetzt über diese EM-Vorstellung des Kölners, besonders natürlich über diese 45 Minuten gegen Italien. Außer einem Foul von ihm habe ich nichts gesehen.

Nun gut, jetzt bin ich auch noch einmal mittendrin statt nur dabei. Interessant fand ich, was ZDF-Experte Oliver Kahn (43), Vize-Weltmeister von 2002 und dreimaliger „Welttorhüter des Jahres“, im Gespräch mit Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein zum deutschen Scheitern im EM-Halbfinale gesagt hat. Da war nämlich enorm viel Kluges und Wahres dabei:

„Was ich in den letzten Jahren beobachtet habe, ist so ein bisschen das Verleugnen ganz wichtiger, ganz zentraler Tugenden und Werte, die den deutschen Fußball früher ausgemacht haben – Grundeinstellungen wie Zweikampfhärte, Wille, Leidenschaft, Einsatz. All das hat bei der deutschen Mannschaft diesmal gefehlt. Wir tun so seit einer gewissen Zeit, ca. seit 2006, als bräuchten wir all diese Tugenden nicht mehr, als könnten wir alles immer ganz leicht, spielerisch lösen. Man hat gerade in diesem Spiel gesehen, wie wichtig diese Dinge sind. Eine dieser Tugenden heißt: Verantwortung übernehmen. Wenn es 0:1 oder 0:2 steht, wo ist dann der Spieler, der Verantwortung für das Team übernimmt…?“

Oliver Kahn sagte auch:

„Es ist oft von den ‚flachen Hierarchien’ im deutschen Fußball die Rede. Der Nachteil dabei ist, dass die Spieler nicht zur Verantwortung erzogen werden. Und genau das hat in diesem Spiel letztlich gefehlt. Wir sollten uns auf die alten Tugenden besinnen, die den deutschen Fußball groß gemacht haben. Wir sollten uns Gedanken darüber machen, wie wir die modernen Facetten des Fußball, die Spielphilosophie mit den alten deutschen Tugenden verbinden können.“

Und dann gab es noch eine kleine Kritik an Löw:

„Diesmal hat das Konzept, das der Bundestrainer sich ausgedacht hat, alles andere als funktioniert. Man hat gemerkt, dass die Mannschaft in diesem taktischen System noch nie zusammengespielt hat. Kroos hatte die Aufgabe, Pirlo fast schon in Manndeckung auszuschalten. Das hat dazu geführt, dass sich Özil und Kroos fast immer auf den Füßen gestanden haben. Özil hat auch versucht, das Zentrum zu besetzen. Damit waren zwei in der Mitte, und die ganze rechte Seite blieb dann praktisch frei.“

Dabei waren dem früheren Welttorhüter auch folgende Dinge nicht verborgen geblieben:

„Wenn dann noch solche Fehler im Defensivbereich gemacht werden, eigentlich einfache, unverständliche Fehler, Konzentrationsfehler, dann muss man sich nicht wundern, wenn man gegen so eine hoch motivierte Mannschaft wie die Italiener rausfliegt. Fußball ist ja zunächst einmal ein Fehlervermeidungsspiel. Es geht darum – gerade auf diesem Niveau – so wenig Fehler wie möglich zu machen. Wenn Du natürlich solche Klopse machst wie die deutsche Mannschaft im Defensivbereich, die Italiener geradezu dazu einlädst, die Tore zu erzielen, dann wird es natürlich sehr schwierig.“

Alles war recht ist, aber da hat Kahn schon viel Wahres gesagt. Ich habe ja auch bei „Matz ab live“ unseren Gast Lotto King Karl gefragt, ob Deutschland nicht auch der eine oder andere „harte Hund“ (einer wie der Spanier Ramos, wie van Bommel bei den Niederländern) fehlt? Mein Kollegen „Scholle“ hat mich ausgelacht, als ich meine Bedenken über unsere Innenverteidigung äußerte. Badstuber und Hummels wollen Fußball spielen. Deutschland war und ist stolz darauf, nur noch ganz wenige Fouls zu begehen – aber was nützt einem ein Fairness-Preis, wenn man die großen Titel nicht gewinnt? Balotelli ist eine richtige Kante, der zur Not auch durch Betonwände marschiert – mit dem Kopf voran. „Scholle“ aber sagte zu mir: „Ach was, der Balotelli ist doch auch kein Überflieger, der hat doch keine überragende Saison gespielt. Nein, nein, den legen die Deutschen schon an die Kette . . .“

Wie Kahn schon sagte: deutsche Tugenden. Ich weiß, ich weiß, keiner kann das mehr hören. Aber fehlt uns nicht so einer wie der frühere Stuttgarter „Eisenfuß“ Karlheinz Förster? Oder Jürgen Kohler? Oder ein Willi Schulz? Von dem hieß es stets: „Wer an Schulz vorbeikommt, hat selber schuld.“ So richtige „Hacker“ gibt es doch heute gar nicht mehr. Einen „Treter“, der schon beim Auflaufen die Ellenbogen ausfährt. Der einem Angst und Schrecken einjagt, wenn man ihn nur sieht. Die deutschen Abwehrspieler wollen „nur spielen“. Um keine Freistöße in Tornähe zuzulassen. Mag ja sein, dass so etwas auch ganz gut ist, aber einen Balotelli bekommt man nur zufassen, in dem man ihm auch mal die Kante gibt. Ohne unfair zu sein – einfach nur mit gesunder Härte. Spanien hat diesen Ramos, und der wird dem Balotelli schon zeigen, wo Bartel den Most holt.

Und so sehr ich es auch begrüße, dass in Fußball-Deutschland den jungen Leuten, sogar den ganz jungen Leuten das Fußball „spielen“ beigebracht wird – es dürfte auch schon der eine oder andere Hauch von Härte vermittelt werden. Heute sind die jungen Fußballer, die kurz vor den Bundesligen stehen, alle super und großartig mit viel, viel Technik ausgebildet, aber einen Schuss sollte irgendwann doch auch mal wieder ein Thema werden. Die Mischung macht’s.

Um noch einmal kurz auf Oliver Kahn zurückzukommen: Er war trotz allem nur zweiter Sieger bei dieser EM, denn sein frühere Kollege Mehmet Scholl, der war bei der ARD der große Gewinner dieser EM. Trotz des „Wundlegens“ mit Gomez. Was Scholl alles während dieser Meisterschaft an fußballerischen Weisheiten verkündete, wie er fußballerische Feinheiten aufklärte und erklärte, das war erste Sahne. Der Mann hat es drauf, und ich kann dem großen Trapattoni nur beipflichten: „Scholl wird mal ein großer Trainer.“

Und wo ich gerade bei Irland (Trapattoni) bin. Die Uefa wird den „irländischen“ Fans (würde Rudi Völler sagen, ich kann es mir nicht verkneifen!) einen Sonderpreis verleihen – weil diese Anhänger während der EM-Tage so positiv aufgefallen sind. Die haben gesungen, geschunkelt, gefeiert – obwohl die Iren nur verloren haben. Irlands Ikone Roy Keane waren die grünen Partys nach Niederlagen allerdings ein großer Dorn im Auge. Er sagte während der EM: „Ich denke, die Spieler und Fans müssen ihre Mentalität ändern. Lasst uns nicht gegenseitig verarschen, die Anhänger wollen ihr Team gewinnen sehen. Wir sind ein kleines Land, aber lasst uns hin und wieder nicht nur mit dem Rumgesinge zufrieden geben.“ Was der ehemalige Kapitän der irischen Nationalmannschaft jetzt wohl sagt, dass Irland nun noch einen Preis für das Rumgesinge erhält. Wird Keane eventuell am Fußball generell zweifeln? Vielleicht. Ich aber habe mir damals schon gedacht: Jetzt dürfen die Fans schon nicht mal mehr singen, schunkeln und feiern. Sind zuschlagende Krawall-Brüder denn doch erwünschter? Oder wie kann man sich den idealen Zuschauer denn „schnitzen“? Schlagen sollen sie nicht, singen, schunkeln und feiern sollen sie auch nicht – eines Tages, da bin ich mir sicher, werden wir schon noch den „idealen Fan“ haben. Ob ich das allerdings noch erlebe, das bezweifle ich doch stark.

So, ansonsten bin ich froh, dass wir morgen den letzten EM-Tag vor uns haben. Nicht wegen der EM an sich, nein (es hat doch viel Spaß gebracht), sondern deswegen, weil einen Tag später der HSV in die neue Saison starten wird. Herrlich. Wunderschön. Endlich. Die Bundesliga hat uns wieder. Natürlich nicht gleich und sofort, aber den Hauch davon erleben wir auf jeden Fall schon mal. Und wenn dann noch der eine oder andere neue Spieler nach Hamburg kommen wird, dann sieht die ganz Geschichte ja auch schon wieder viel freundlicher (für den HSV und seinen Anhang) aus.

Zur Erinnerung: Morgen, nach dem EM-Finale zwischen Spanien und Italien, ist „Matz ab live“ wieder in Schnelsen und damit im „Champs“ zu Gast, und wir haben zwei besonders tolle Gäste: HSV-Kapitän Heiko Westermann und HSV-Heimkehrer Maximilian Beister. Ich freue mich – auch auf euch, wenn ihr wieder dabei seid. Ansonsten muss ich zugeben, dass ich gesundheitlich ein wenig schwächele – Magen-und-Darm-Grippe, aber volle Delle, den ganzen Tag im Bett. Und wir hatten so viel Sonne heute. Aber das sind wohl Nachwirkungen des deutschen EM-Aus . . .

Ein schönes Wochenende für alle “Matz-abber”

19.05 Uhr

“Fußball-Gott” Benjamin zurück zum HSV?

13. Juni 2012

Er könnte wohl spielen. Verraten aber, ob er am Abend auch tatsächlich dabei ist, das hat er nicht. Joris Mathijsen, der ehemalige Hamburger, hatte heute SMS-Kontakt mit seiner früheren Wahl-Heimat, dem Volkspark. HSV-Team-Manager Marinus Bester wollte ein wenig Spaß mit dem HSV-Abwehrspieler haben – vor dem Knüller Niederlande gegen Deutschland, am Abend um 21.45 Uhr. Es wurde heftigst geflachst. Bester schrieb Mathijsen: „Ich drücke Dir ganz fest die Daumen, dass Du mitspielst – das wäre gut. Für Deutschland . . .“ Dem kann ich nichts hinzufügen. Außer, dass ich der Meinung von „Maschine“ Bester bin. Deswegen drücke ich Mathijsen ganz fest die Daumen. Er war ja nie der Schnellste einer, und wenn er nun über eine Woche nur eingeschränkt trainiert hat, dann kann er auf jeden Fall ja nicht viel schneller geworden sein . . . Und irgendwie möchte ich ja doch, dass die Truppe von „Clever & Smart“ gewinnt. Also die Truppe von Löw und Bierhoff.

Aber es wird ganz, ganz eng. Die Niederländer kämpfen schließlich schon um ihre letzte Chance. Doch wem sag ich das? Ihr seid ja ohnehin alle auf Ballhöhe. Es ist schon erstaunlich, wie das „gesamte Volk“ in diesen Tagen und Wochen mitfiebert – einfach toll, wie viele Fahnen ich an den Autos sehe, wie viele Damen und Herren in deutschen Trikots herumlaufen. Wahnsinn. Das war doch vor zehn, 20 Jahren nicht denkbar. Und obwohl die HSV-Fans ja für ihre unglaubliche Treue zu ihrem HSV gelobt wurden (völlig zu Recht!), bin ich trotz allem der Meinung, dass einige der HSV-Fans jetzt noch ein wenig lernen könnten. Nämlich ohne Wenn und Aber zu seinem Klub zu stehen (ohne dabei unkritisch zu sein). Ich denke dabei jetzt, während der EM, vor allem an die HSV-Nationalspieler (auch an die ehemaligen), zu denen einige HSV-Anhänger ja ihre ganz spezielle Meinung hatten und haben – und diese auch immer ganz exklusiv (oft auch anonym) mitteilten: „Der gehört da nicht rein, der ist viel zu schlecht – es ist geradezu lachhaft, dass der Nationalspieler ist . . .“ Usw, usw.
Die, die jetzt gerade in ganz Deutschland ganz emsig Flagge zeigen, die stehen fest zu ihrer Mannschaft. Und sie stören sich zum Beispiel ja auch nicht an der Frage, ob nun der lauffaule Mario Gomez Spitze spielen soll, oder doch besser sprunghafte Miroslav Klose? Wobei ich eher für den kleinen, wuseligen Marco Reus wäre . . . Aber das ist dann doch noch eine ganz andere Frage.

Um aber noch einmal auf Gomez zu kommen: Wie er die Kritik von Scholl verarbeitet hat, wie der Torjäger diese harte, überharte oder sogar auch unfaire Kritik in der Öffentlichkeit behandelt hat – das war Weltklasse. Ich stelle mir nur mal vor, wenn eine solche Kritik auf Mario Basler oder auf Lothar Matthäus hernieder geprasselt wäre – dann hätten wir auf Wochen in jeder Zeitung Schlagzeilen satt. Mario Gomez aber hielt den Ball wunderschön flach, ob nun auf Anraten des DFB oder auch des FC Bayern, oder aus eigenem Antrieb – egal, er hat sicher super verhalten. Und deswegen gönne ich ihm auch heute mindestes ein Tor – und ein gutes Spiel. Und Scholl war gestern, in der ARD (als Partner von Gerhard Delling), ja auch ein wenig zurückhaltender als sonst. „Scholl light“, sozusagen. Aber er wird auch während dieser EM noch wieder in seine alte Form zurückkommen . . . Aber, auch das muss mal gesagt werden, „Scholl light“ mit Delling oder Reinhold Beckmann ist immer noch dreimal so gut wie dien ZDF-EM-Sendung aus Usedom. „Olli, woher du das immer weißt . . .“, himmelte Frau Müller-Hohenstein ihren Partner Oliver Kahn an, und der sagte – dabei mit den Augen rollend: „Ja, ich habe ja auch mal ein bisschen Fußball gespielt.“ Ist nicht wahr! Das ist die ganz hohe Schule der Fußball-Moderation.

Themenwechsel. Mein Freund „Dicki“ steht mit den Super-Senioren des HSV am Sonntag im Endspiel-Turnier um die Hamburger Meisterschaft. Das findet am Sonntag am Grophuisring (Steilshoop) statt. Und was macht er, der über 60-jährige Fußball-Verrückte? Er fuhr am Dienstag schon mal zum Platz, um die Verhältnisse zu prüfen! Unfassbar. So klärt er schon mal die Stollenfrage, die Windverhältnis, ob der Platz abschüssig ist, wie die Sonne um 10.30 Uhr steht – und, und, und. Aber so ist er. Und es ist wohl auch nicht so ganz unnormal, denn, und darum habe ich das geschrieben, heute „turnte“ eine Delegation des FC Barcelona durch den Volkspark. Tatsächlich. Die Herren waren gekommen, um sich das Stadion anzusehen, um zu klären, was für jenen 24. Juli alles benötigt wird – wenn der große FC Messi gegen den HSV antritt. Ja, da wird selbst in einem Freundschafts-Kick nichts, aber auch nicht dem Zufall überlassen. Profihaft? Oder doch etwas übertrieben? Das überlasse ich euch. Aber wenn schon über 60-Jährige die Platzverhältnisse für den nächsten Sonntag überprüfen . . . Bislang sind übrigens schon 48 000 Eintrittskarten für dieses Spiel (HSV – Barca) verkauft worden – das lässt (demnächst) auf „ausverkauft“ schließen.

Noch ein Themenwechsel. Nächste Woche wird Collin Benjamin in Hamburg erwartet. Beim HSV. Der ehemalige HSV-Profi hat seine Profi-Karriere ja wohl an den Nagel gehängt, nachdem er zuletzt beim TSV 19860 München kaum noch regelmäßig gespielt hat – aus Verletzungsgründen. Kehrt „Collo“ nun in seine „Heimat“ Hamburg zurück, der kehrt er in seine „richtige“ Heimat zurück? Der HSV wäre eigentlich ja ideal für ihn, und Medien-Direktor Jörn Wolf sagte mir heute: „Er war hier Publikumsliebling, er ist ein verdienter HSV-Spieler mit vielerlei Talenten – vielleicht können wir ihn ja irgendwie an den HSV anbinden. Wir machen uns auf jeden fall Gedanken in diese Richtung.“ Toll. Würde ich riesig finden, wenn Collin Benjamin „Fußball-Gott“ hier in irgendeiner Form mitmischen würde. Und es klingt ja auf jeden Fall schon mal recht vielversprechend.

In aller Stille (fast schon klammheimlich) hat der HSV gestern (s)einen neuen Kunstrasenplatz an der Arena eingeweiht. Mit einem Spielchen zwischen Geschäftsstellen-Mitarbeitern. Sogar HSV-Boss Carl-Edgar Jarchow, der frühere Linksaußen (?) von Komet Blankenese, trug sich in die Torschützenliste ein. Alter schützt vor Toren nicht . . . Aber zurück zum Platz: Was da alles in den letzten Jahren entstanden ist (muss ich auch mal den Vorstand vor Jarchow loben!), das ist schon klasse. Und hat nichts mehr mit dem Ochsenzoll früherer Jahre zu tun, das st schon enorm professionell, was sich da getan hat – und auch noch tun wird (dann dank Jarchow und Co).

In Sachen Neuzugängen allerdings hat sich auch heute nichts getan, wird sich auch so schnell nichts tun – denke ich jedenfalls. Zumal es ja auch dieses unwiderrufliche HSV-Motto gibt: „Erst verkaufen, dann einkaufen“. Die Spekulationen schossen nach Saisonschluss ja sofort wie Spargel aus dem Boden, aber nun herrscht auf diesem gebiet ja absolute Ebbe. Völlig normal. Und denjenigen, die nun schon Angst haben, dass gar nichts mehr passieren wird, sei versichert: es wird noch. Erst aber müssen die „Großen“, die Branchenführer in die Gänge kommen, bevor dann der HSV zuschlagen wird. Keine Panik also, wenn ihr weiterhin keine neuen Namen hört, es wird sich alles erst noch entwickeln. So mit Beginn des EM-Endspiels. Dann haben alle wieder mehr Zeit und Bereitschaft, an ihren Verein und an ihren Job zu denken.
Erst einmal aber ist EM.

So, einige Sachen noch am Rande.

Vielleicht kann jemand diesem „Matz-abber“ aus dem Hessenland helfen. Diese Mail erhielt ich zum Thema EM:

„Moin moin.
Habe ich das eben richtig gesehen, war da tatsächlich eine Raute im Stadion beim Spiel Ukraine gegen Schweden zu sehen – hinter dem rechten Tor?
Was könnte das für eine Bedeutung haben, es war doch in keinem der Teams ein HSVer dabei?
Besten Gruß, K.-G. Gutowski.“

Dann erhielt ich in diesen Tagen eine Mail, die mich sehr berührte. Ich habe mit mir gekämpft, ob sich sie öffentlich mache (was ich darf, ich habe mir die Genehmigung geholt!), habe mich dann dafür entschieden. Es soll ein kleiner Denkanstoß an alle „Matz-abber“ sein, dass uns doch alle vor allem der Fußball, der HSV und der Sport verbindet. Und dass hier Aggressionen, Arroganz und Häme fehl am Platze sind. Mensch sein muss der Mensch, so hieß mal ein Theaterstück, und das sollte vor allem das Motto sein. Vielleicht geben die folgenden Zeilen ja auch dem einen oder anderen User etwas, wenigstens etwas zu denken.

„Mein lieber Dieter,

ich hab mich ja unheimlich lange nicht mehr bei Dir gemeldet.
Und weißt Du was? Ich melde mich nicht wegen des Blogs, nicht wegen des HSV, sondern einfach nur so

Seit langem bin ich nicht mehr im Blog, wobei den lese ich schon noch, aber in die Kommentare schau ich seit letztem Jahr schon nicht mehr rein.
Ich kann und will mit den ganzen Kleinkrieg nicht mitmachen. Da muss ich mich echt fragen, ist es das wert, dass ich mehr Medikamente zur Beruhigung nehme, nur um mich über so etwas nicht mehr aufzuregen?

Nein.

Ich leb mit weniger Infos besser.
Außerdem hab ich hier auch genug zu tun – bin dabei, selbst wieder gesund zu werden.
Gefällt nicht allen Ärzten, die hatten mich ja mal als „untherapierbar” eingestuft (wegen einer schweren Knochenmarkserkrankung). Soll ich Dir mal was sagen? Die haben oft keine Ahnung.

Ich hab 25 Jahre gebraucht, um den fehlenden Baustein rauszukriegen, jetzt wird es zumindest krass besser, in 4 Monaten hab ich die Medikamentendosis auf 8% gesenkt!!!
Wenn ich könnte, würde ich die Medikamente schon ganz absetzen, denn ich brauch das nicht mehr, aber das geht nicht, weil man dann zu starke Entzugserscheinungen kriegt…
Aber wenn man überlegt, dass ich die letzten 2 Jahre kein Sport mehr machen konnte, nichts…
Und vor ein paar Wochen hab ich wieder angefangen, am ersten Tag gleich 1 Stunde Laufen… nach 4 Wochen dann 13 km . . .

Zu tun hab ich trotzdem genug . . .
(die nun folgende Passage – in der der „Matz-abber“ über seine ebenfalls erkrankte Ehefrau schreibt – habe ich gelöscht; Dieter Matz)

Mein lieber Dieter, Du hast zwar nie was dazu gesagt (soweit ich weiß), aber ich bin bei solchen Dingen recht feinfühlig… Ich hab oft gemerkt, dass es Dir nicht besonders gut geht. Darum denk daran, auch wenn z.B. ich (aber auch viele andere Menschen, die Dich gern haben) nicht immer schreiben, wir sind da und denken an Dich!

Und wenn man nicht bereit ist, klein bei zu geben… dann findet man auch einen Weg da raus. Du bist ein feiner Kerl mit dem Herz am rechten Fleck!

Hihi, lustig, wie die Dinge manchmal so spielen, während ich Dir seit 1 Jahr zum ersten Mal schreibe, kriege ich eine Nachricht, dass ein Kracher zum HSV kommen soll . . .
Das nenne ich Timing. Du sollst ja Bescheid wissen . . .
Aber deshalb schreib ich nicht, Du brauchst mir auch keinen Namen sagen!
Klar bin ich gespannt, aber ich kann warten, bis es raus ist.
Nee, nee, ich schreib nur wegen Dir, nicht wegen irgendwelcher Infos. Zumindest wunderst Du Dich jetzt wohl nicht mehr, dass man von mir nichts mehr gehört hat.

So mein Bester, Kroatien hat das 2:1 gemacht… und ich mach Schluss.
Ich wünsch Dir einen schönen Abend!

So, das war es in aller Kürze. Ich wünsche euch und euren Lieben einen wunderschönen und erfolgreichen Fußball-EM-Abend. Gutes Gelingen.

„Scholle“ und ich werden heute nach dem Schlusspfiff wieder bei „Matz ab live“ (im „Champs“ Burgwedel/Schnelsen) zu sehen und (hoffentlich) auch zu hören sein – mit zwei Top-Gästen: HSV-Medien-Direktor Jörn Wolf und HSV-Profi Dennis Aogo. Wir würden uns sehr freuen, wenn ihr wieder einschalten würdet.

Bei der Gelegenheit, weil ich verschiedentlich gefragt wurde (wegen des FIFA-Aufnähers am linken Arm): Während der letzten „Wolfgang-Petry-Matz-ab-live“-Gedächtnis-Sendung (als ich den etwas dickeren Hals hatte . . .) hatte ich das Trikot von Oliver Bierhoff angezogen, das er im Endspiel 2002 in Yokohama gegen Brasilien trug. Und auch heute werde ich, das kann ich schon mal verraten, ein Bierhoff-Trikot tragen. Zufall. Aber es passt mir am besten (er groß und breit, ich mit der Größe, die leider nur in die Breite gegangen ist . . .). Der frühere HSV-Stürmer und heutige Nationalmannschaftsmanager trug dieses Trikot am 4. September 1999 in einem EM-Qualifikationsspiel Spiel in Helsinki gegen Finnland. Ich hatte Bierhoff, der beide Tore zum 2:1-Sieg der Deutschen erzielt hatte, vor dem Spiel um sein Trikot gebeten – und er machte sich nach diesem Spiel keine neuen Freunde (und Freude), denn er war tatsächlich der einzige (!) DFB-Spieler, der sein Trikot nicht mit einem Gegenspieler tauschte.
Ich sehe diesen finnischen Glatzkopf, der sich gegen Bierhoff bei einem Kopfballduell eine stark blutende Platzwunde am Kopf geholt hatte, noch heute in den dunklen Katakomben des Stadions vor Ärger platzen; er stieß Fluch um Fluch Richtung Bierhoff aus, weil der das Trikot nicht getauscht hatte.
Und ehrlich gesagt, mir war diese Aktion spätestens dann doch ganz schön peinlich. Aber Oliver Bierhoff hielt Wort, obwohl er beschimpft und bepöbelt wurde – unfassbar. Doch so ist er, der Oliver Bierhoff, er ist ein feiner Mensch – das kann ich jedem versichern, der es hören will (oder auch nicht – oder der eventuell auch voreingenommen ganz anderer Meinung ist).

Nochmals einen tollen EM-Abend für euch.

17.22 Uhr

Calhanoglu zu Werder – verpasst der HSV einen Riesen?

11. Juni 2012

Da hat er doch mal allen Journalisten kurz Hoffnung gemacht – und ihnen sofort wieder die Beine weggezogen. Chapeau, Mario Gomez! Schon stark, wie er trotz der zweifellos diskutablen Kritik von Mehmet Scholl heute die Brisanz aus der Geschichte nahm. Zuerst holte er weit aus und schien sich doch auf eine Antwort einzulassen. In diesem Moment hofften die anwesenden Journalisten bei der Pressekonferenz auf eine Fortsetzung der Story Gomez/Scholl. Aber nichts da, „mia san mia“ schlug durch und Gomez sagte, dass er Scholls Worte als Ansporn nehmen würde und vor längerer Zeit schon mal mit Scholl über dessen Form der Kritik gesprochen hatte. Es ist eben doch alles gut.

So löst man professionell unnötige Baustellen. Eine Vorgehensweise, die hoffentlich auch beim HSV von allen registriert wurde. Gerade die letzten drei Jahre, angefangen mit dem Theater Beiersdorfer/Hoffmann bis hin zu unserem heutigen Aufsichtsrat, haben gezeigt, wie es nicht geht.

Einen neuen weg will Trainer Thorsten Fink gehen. Überlebenstraining in Schweden. Na dann! Zelten mit Adler, Drobny, Fink und Co. – das klingt nach einer Menge Unterhaltungswert. Paolo Guerrero ohne Handy – das scheint ebenso schwer vorstellbar wie der eine oder andere Spieler im wenig luxuriösen Zelt mitten im Wald. Aber gut, das soll es ja auch sein. Und Trainingslager bieten zum einen die Möglichkeit, komprimierter zu trainieren. Aber da das auch in Hamburg machbar ist, haben Trainingslager vor allem den Vorteil, dass die Mannschaft eng beisammen ist. Und auch wenn es den einen oder anderen Koller geben kann, in der Regel ziehen Mannschaften aus den Wochen oft viele Gemeinsamkeiten. So eine Tour in Schweden dürfte deutlich mehr Aktionen beinhalten, die für die Spieler unvergesslich bleiben und über die sie noch lange sprechen.

Lange nicht mehr gesprochen haben wir über Paolo Guerrero. Der Peruaner ist weiter in einer sportlich herausragenden Verfassung. Auch gegen Uruguay traf er – obgleich die Partie 2:4 verloren ging. Allerdings, und da muss man sehr vorsichtig mit umgehen, kommen aus Peru auch immer wieder Meldungen, wonach sich Guerrero gedanklich mit einem Vereinswechsel beschäftigen soll. „Wenn Du irgendwas aus Peru hörst – glaube es erstmal nicht“, hatte mit Paolo vor drei Jahren mal gesagt. Damals wurden ihm nächtliche Sauftouren und Verhältnisse mit anderen Frauen als seiner damaligen Freundin zugeschrieben. „Nichts davon war wahr“, sagte Guerrero, der diesen Umstand sogar erfolgreich vor Gericht einklagte, woraufhin eine Society-Reporterin sogar wegen Verleumdung ins Gefängnis musste. Schon deshalb bleibe ich auch diesmal vorsichtig – und lasse mich nicht weiter auf das Thema ein. Zumal es von HSV-Seite nichts diesbezüglich zu hören gibt.

Zum Hintergrund: Ich bekam heute einen Anruf eines gebrochen Englisch sprechenden Kollegen. Kollege nannte er sich zumindest. Nachprüfen kann ich es nicht, da ich seinen Namen nicht weiß – er sagte ihn wohl am Anfang, ich habe ihn aber so schnell nicht verstanden – und lediglich seine Mobilnummer auf dem Display habe. Allerdings tat er sehr geheimnisvoll und sprach davon, etwas zu wissen, was auch für uns – natürlich gegen das entsprechende Entgelt – interessant sein könnte. Ich verneinte dankend und der Kollege, wahrscheinlich aus Peru, legte schnell auf.

Was ich Euch damit erzählen will? Nichts Besonderes. Ich wollte Euch nur warnen. Denn: sollte in den nächsten Tagen irgendwo eine große Wechsel-Geschichte von Guerrero auftauchen – ich wüsste – und Ihr jetzt wahrscheinlich auch -, welchen Ursprungs sie wäre. Und in der Regel hatten diese Quellen selten viel Nachhaltigkeit in ihren Geschichten. Im Gegenteil.

Wenig nachhaltig scheinen auch die Negativerlebnisse der letzten Saison zu sein. Zumindest vermeldete die Agentur heute folgendes:
„Beim Hamburger SV läuft der Kartenvorverkauf wie geschmiert. Für die neue Saison in der Fußball-Bundesliga sind bereits 28000 Saisontickets abgesetzt worden. Bislang durften nur Abonnenten Karten bestellen, seit dem (heutigen) Montag können alle Fußball-Anhänger Tickets erwerben. Von den 57000 Stadionplätzen sollen maximal 31000 als Saisontickets angeboten werden. Die Karten kosten zwischen 188 Euro im Stehplatzblock und 727 Euro im besten Sitzplatzbereich.
Zudem werden Tickets in der Komfortkategorie Business für 3500 Euro pro Spieljahr angeboten. Alle Preise sind im Vergleich zur Vorsaison konstant geblieben. „Es sieht sehr gut aus“, sagte HSV-Präsident Carl-Edgar Jarchow. „Wir haben sogar eine geringere Kündigungsrate bei den Business-Seats als im Vorjahr.“ Von den Logen seien allerdings einige gekündigt worden.
Für das hochkarätige Freundschaftsspiel zum 125. Geburtstag des Vereins gibt es ebenfalls einen großen Andrang. Rund 46000 Fans wollen bislang die Partie gegen den FC Barcelona am 24. Juli (18 Uhr) sehen. Die Karten kosten zwischen 14 und 55 Euro. Da es sich um ein Testspiel handelt, müssen die Stehplätze nicht wie bei internationalen Pflichtspielen in Sitzplätze umgerüstet werden. Folglich können 57000 Fußball-Anhänger das Spiel gegen Messi, Xavi und Iniesta verfolgen. „Wir müssen wohl auch etwas richtig gemacht haben. Die Leute merken, dass sich hier etwas entwickelt und wollen dabei sein“, sagte Trainer Thorsten Fink der „Hamburger Morgenpost“ am Montag. „Jetzt liegt es an uns, auch die entsprechende Leistung zu bringen.“ Er stellte klar, dass der HSV den Baseler Innenverteidiger David Abraham nicht um jeden Preis haben will: „Damals war ich noch davon ausgegangen, dass er ablösefrei ist. Wir werden sicher keine Ablöse für ihn zahlen.“

Gut. Finde ich zumindest. Das klingt doch ganz gut. Die Fans wollen den HSV wieder sehen, haben weiter Hoffnung. Dass das so ist, weil der HSV in der vergangenen Serie etwas richtig gehabt haben muss, wie Fink meint, sehe ich zwar nicht. Aber ich glaube, dass der HSV in den Jahren davor zumeist durch gute Leistungen bei den eigenen Anhängern im Gedächtnis geblieben ist. Und davon zehrt der Klub heute, wo er eine nicht so gute Phase (hoffentlich) hinter sich gebracht hat. Und der Klub hat einem namhaften Mitbewerber damit etwas voraus, denn der HSV hat seine Zuschauereinnahmen noch nicht verkauft und kann von einem vollen Haus profitieren. Das ist bei Schalke anders. Dort wurde noch unter Rudi Assauer so einiges im Voraus verkauft, was ihnen heute an Einnahmen fehlt. Dass sich ein Huub Stevens heute meldet und sagt, dass ein Rafael van der Vaart für den FC Schalke nicht zu finanzieren ist, unterstützt mich in dieser These. Vor allem aber unterstützt es das, was Dieter am Rande des Länderspiels in Leipzig von einem bekannten Spielerberater erzählt bekam: Dass der FC Schalke finanziell genauso wenig auf Rosen gebettet ist wie der HSV. Oder besser: der Berater sagte sogar, dass Schalke finanziell schwierigere Zeiten habe als der HSV.

Schwierig ist für mich indes zu verstehen, weshalb Hakan Calhanoglu, an dem der HSV interessiert war, zu Werder Bremen wechselt. So wird es zumindest vermeldet. Der Youngster vom Karlsruher SC ist für mich eines der absoluten Toptalente der Zweiten Liga, trotz Vertrages vergleichsweise günstig zu haben. Der 18-Jährige ist für mich nicht der Top-Mittelfeldspieler, auf den wir alle hoffen. Ganz klar! Aber er ist ein Riesentalent und wird in meinen Augen nicht umsonst mit Mesut Özil verglichen. Vor allem aber ist er für mich genau das, was einem Klaus Michael Kühne angeboten werden müsste: ein junger Spieler, der noch am Anfang seiner Karriere steht und dessen Marktwert deutlich steigerbar ist – sofern er sich wie erhofft beim HSV entwickelt.

Nun ist er wohl in Bremen. Und ich hoffe, dass ich mich mit meiner Einschätzung vom KSC-Talent irre. Das würde mich weniger ärgern, als dass sich Calhanoglu beim SV Werder Bremen durchsetzt und der HSV (mal wieder) ein Riesentalent verpennt hätte.

In diesem Sinne, ich sehe gerade Frankreich – England. Das hebt nicht unbedingt meine Stimmung. Aber das Gute ist: Besser als die Deutschen gegen Portugal ist hier auch niemand (Stand 78. Minute).

Bis morgen,
Scholle

P.S.: Am Mittwoch soll es wieder ein Matz-Ab-Live geben. Eigentlich hatte uns Klubboss Carl Jarchow zugesagt, musste heute aber kurzfristig absagen. Der Vorstandsboss sagte aber zu, dafür am Sonntag nach der Partie gegen Dänemark unser Gast zu sein. Wir suchen Ersatz. Ebenso wie in Sachen Ersatz für unsere bisherige Location, sollte aber auch zu schaffen sein.

EM-Notizen mit Scholl, Polen und Trompeten

10. Juni 2012

Ist ja EM. Und ich habe gerade – per Zufall und wieso auch immer – in der Redaktion ein altes Bundesliga-Sonderheft in die Hände bekommen. Eines von der Saison 2010/11. Als ich darin blätterte, las ich eine Überschrift von einem Interview mit Rudi Völler. Der Sportchef von Bayer Leverkusen gab da den gewagten Satz von sich: „Michael Ballack wird der ganzen Liga guttun.“ Tat er aber dann doch nicht, wie wir heute wissen. Und dabei hätten viele HSV-Fans den Herrn Ballack doch so gerne in Hamburg und beim HSV gesehen. Aber, und nun zur EM, was stört uns dieses Geschwätz von gestern? Auch die ganz Großen können sich irren. Wie auch die Kleinen: Ich habe mich ja jetzt ein weiteres Mal geirrt, denn ich habe nicht an einen deutschen Sieg gegen Portugal geglaubt. Es war zwar eng, aber die Löw-Truppe hat gewonnen – also lag ich daneben. So geht das im Fußball. 1:0-Siege, so heißt es in unserem Sport, sollen die schönsten sein. Und obwohl es ja viele Sportsfreunde hierzulande gibt, die der deutschen Mannschaft ein schlechtes Spiel attestieren – ich halte dagegen. Deutschland hat das Spiel gemacht, die Portugiesen haben Beton mit ein wenig härterer Härte angemischt.

In der Totalen im Fernsehen sah man es oft eindrucksvoll: alle Portugiesen im und am eigenen Strafraum. Und die Deutschen, die mit vier, fünf, sechs oder gelegentlich mit sieben Mann angriffen, bissen sich immer wieder fest. Räume dicht. Und mit Mann und Maus kann man gegen diese Portugiesen eben nicht stürmen, denn dann läuft man ins offene Messer. Habt ihr noch in Erinnerung, wie Ronaldo einmal Mitte der zweiten Halbzeit auf links abging? Wie Schmidts Katze. Wie von einem anderen Stern. Hat er den Raum, ist er nicht zu stoppen. Deswegen war dieses Spiel so gefährlich für die DFB-Auswahl. Seien wir alle zufrieden, dass es am Ende einen 1:0-Sieg gab – ich hätte auch mit einem 0:0 gut leben können. Zumal es einige deutsche Spieler gab, die lange nicht ihre 100 Prozent abgerufen haben: Lukas Podolski war bei 60 Prozent (höchstens), Bastian Scheinsteiger bei 70 Prozent (höchstens), Philipp Lahm bei 80 Prozent (allerhöchstens – oder allerhöökschtens, wie Löw sagen würde). Da muss es noch einige gewaltige Steigerungen geben. So wie die von Mats Hummels, der der überragende Mann im deutschen Team war. Zum Glück hatte Löw nicht auf per Mertesacker gesetzt – dann hätte ich auch am Bundestrainer arg gezweifelt.

Wobei, das muss ich schon zugeben, ich nach dem Spiel auch noch etwas andere Sorgen hatte. Die mit „Matz ab live“. Da hatten wir ja mit dem ehemaligen HSV-Profi Detlef Spincke und dem Vorstandsmitglied des Schleswig-Holsteinischen Fußball-Verbandes, Eberhard „Eddy“ Münch (auch Gründungsmitglied Eintracht Norderstedt, Mitglied im DFB-Sozialausschuss, und, und, und), zwei sehr gute, ich möchte fast sagen überragende Gäste, die viele großartige Sachen über den Fußball zu sagen hatten. Aber am Übertragungsort wollte natürlich gefeiert werden. Da kamen sich dann Disk-Jockey, Musik und „Matz ab live“ mitunter – und nach meiner Meinung zu oft – in die Quere. Ich gebe zu, ich wollte schon während der „Sendung“ einige Male hinschmeißen, und ich hatte auch danach einen total dicken Voll-Hals. Das drückt sich dann wie folgt aus: Mikrophon von Kopf und Mund genommen, Lederjacke angezogen, den beiden Technikern des Abendblattes die Hand gegeben (Danke und tschüs) – und weg. Es hat keine Minute gedauert, bis ich das Lokal verlassen hatte und im Auto saß. Und wenn ich zum Schluss gesagt habe, dass das die letzte Sendung gewesen sei, so war das lediglich und nur für diesen Ort gedacht. Wir werden uns etwas anderes einfallen lassen (müssen), so geht es jedenfalls nicht.

Obwohl ich auch zugeben muss, dass ich „volles“ Verständnis habe für die Fans. Die jubeln während des Spiels mit, die haben „VUwe-VUwe-Seelas“ (die Dinger aus Südafrika!), Trompeten, Tröten und Rasseln mitgebracht, die schreien und ein pfeifen und sind – wie wir – in Deutschland–Trikots gekommen, die wollen natürlich feiern. Die wollen dann auch die Sau rauslassen. Nach einem Sieg und zehn Bier. Und dann kommen wir und – bitten um Ruhe. So geht es natürlich auch nicht. Und das müssen wir schon auf unsere Kappe nehmen, ganz klar. Falsch gedacht und falsch geplant.

Obwohl, und dann ist auch Schluss mit diesem Thema, „uns Scholle“ sagt, alles sei vorher – das ist der Unterschied zwischen Theorie und Praxis – mit dem Wirt abgesprochen gewesen. Was für mich aber total egal ist. Du kannst einfach keine bierseligen Fans mit einem Knopfdruck abschalten. Ich mag aber, das sei noch gesagt, Wolfgang Petry – auch richtig schön laut. Das war ja unser „Rausschmeißer“. Und Ende.

Zum Fußball. Fast jedenfalls. Ist ja EM. Und Frau M. hat sich natürlich auch Deutschland gegen Portugal angesehen. Wir sprachen spät in der Nacht noch drüber. Sie: „Ich verstehe nicht, dass diese Sache mit Boateng und er Gina-Lisa so im Mittelpunkt steht. Als gäbe es keinen Fußball . . .“ Und was sagst du so zum Spiel? Frau M.: „Cristiano Ronaldo, der gefällt mir. Ein toller Spieler. Und sieht nebenbei auch gut aus. Und dass der ein so großer Star ist, das merkt man ihm nicht an, der meckert doch nie, der ordnet sich total unter – da ist nichts von Star-Gehabe oder Arroganz erkennbar. Toller Mann und toller Spieler.“ Und ein Deutscher? Gibt es auch einen deutschen Nationalspieler, der dir gefällt? Frau M.: „Ja, du wirst es vielleicht nicht glauben, aber das ist der Mesut Özil.“ Wieso der? Frau M.: „Der spielt klasse, wie der mit dem Ball umgehen kann – wie kein anderer Deutscher. Und trotz der Tatsache, dass er ja eigentlich ein Star ist, der bei Real Madrid spielt, ist er immer auf dem Teppich geblieben. Der ist kein Lautsprecher, im Gegenteil, der ist immer still und bescheiden – der gefällt mir in seiner Art einfach, der ist großartig.“

Vielen Dank für diese kleinen weiblichen EM-Randaspekte, Frau M.

Mir hat ja, um beim Thema zu bleiben, stets Mehmet Scholl gut gefallen. Als Spieler, aber auch als ARD-Experte ganz besonders. Er spricht Klartext mit einer gehörigen Portion Schalk im Nacken, mit einer Prise Ironie und mit viel fußballerischem Sachverstand. Gefällt mir, diese Mischung. Während seiner Zeit als Nationalspieler habe ich ihn ja kommen und gehen gesehen (bei der Nationalmannschaft), hatte aber nie auch nur annähernd ein gutes Verhältnis zu ihm. Zum Beispiel gab es mit ihm nie ein Einzelgespräch für mich. Und wenn wir uns mal zufällig im Hotel über den Weg liefen, dann blickte er stets zu Boden – und husch, weg war er. Nicht etwa, weil er so schüchtern war oder ist. Das ist er nämlich ganz sicher nicht Er ist nur ein Mensch, der mit der Presse und den dazugehörigen „Fuzzis“ nicht viel zu tun haben wollte. Deshalb machte er immer einen ganz großen Bogen um uns (Journalisten). Ähnlich wie Oliver Kahn, der ja ohnehin nur mit den ganz großen Illustrierten sprach – wenn er sich überhaupt einmal dazu herunter ließ. Okay, gelegentlich kam er zu Pressekonferenzen, da durfte ich ihm dann auch die eine oder andere Frage stellen – aber das war es dann auch schon. Kurios ist für mich nur, dass zum Beispiel diese beiden medienscheuen Spieler, Kahn und Scholl, jetzt nicht nur die ganz großen Fußball-Experten für ARD und ZDF sind, sondern dass sie auch fleißig Reklame machen. Werbung mit Scholl und Kahn ist „in“, läuft auf allen Kanälen. Ich jedoch frage mich, warum ich ausgerechnet das kaufen sollte, was mir zwei „Jungs“ anpreisen, die mit dem „Fußvolk“ eigentlich nie so richtig etwas zu tun haben wollten. Aber Werbung ist wohl so.

Um auf Mehmet Scholl zurückzukommen: Als ARD-Mann neben dem von mir sehr geschätzten Reinhold Beckmann hat der „liebe Scholli“ die Einsatzbereitschaft von Mario Gomez beim Auftaktsieg der DFB-Elf gegen Portugal hart kritisiert – wie die deutsche Presse-Agentur (dpa) schreibt: „Ich hatte zwischendrin Angst, dass er sich wund gelegen hat, dass man ihn wenden muss“, sagte Scholl nach dem Portugal-Spiel in der ARD: „Es war zwischenzeitlich wirklich extrem, wenn man geschaut hat, dass die Mittelfeldspieler, die Abwehrspieler, sie wollten nach vorne spielen, sie wollten in die Spitze spielen. Aber da war keiner. Und das ist immer die Frage, wie lange hält eine Mannschaft so was aus.“

Wenn Gomez dann nicht treffe, gehe die Diskussion los. „Das könnte er ganz einfach vermeiden, in dem er einfach mehr tut fürs Spiel“, befand Scholl und wünschte sich einen lauffreudigeren Auftritt des Angreifers mit einer Torquote von 45 Treffern in 58 Pflichtspielen in dieser Saison.

„Man braucht heutzutage Stürmer, die auch nach hinten laufen. Das gibt es eigentlich im modernen Fußball nicht mehr, dass ein Spieler einfach nur zentral bleibt, keinen Ball kurz haben will, sondern nur irgendwo auf Flanken hofft, oder auf einen Laufweg, der sich auftut hofft, oder auf eine freie Straße, die er benutzen kann. Insgesamt ist das zu wenig“, erklärte Scholl, in der neuen Saison Trainer der Amateure beim Gomez-Club FC Bayern.

Oha. Zwei Münchner bei der EM. Aber diese beiden Münchner werden sich schon demnächst auch wieder beim FC Bayern über den Weg laufen. Wie sie sich dann wohl begegnen werden? Da scheint dicke Luft programmiert zu sein. Wobei ich ganz klar sagen möchte, dass Scholl auch in diesem Fall nicht so falsch liegt. Und ich finde es einfach klasse, dass er es auch schonungslos ausspricht, obwohl er damit einen Vereinskollegen kritisiert. Ohnehin halte ich Scholl in Sachen Experte für den besseren Mann – gegenüber Kahn. Um da mal klar Stellung zu beziehen.

Kurze Randnotiz während der EM: In Polen gibt es ja, von Nationaltrainer Franciszek Smuda eventuell in die Welt gesetzt, das Gerücht, dass nach diesem Turnier die Dortmunder Jakub Blaszczykowski, Lukasz Piszczek und Robert Lewandowski (Manchester United bietet angeblich 18 Millionen Euro für ihn) keine Dortmunder mehr seien werden. Was unglaublich hart für den Meister wäre, keine Frage. Aber es ist eben alles auch eine Sache des Preises. Und der Schmerzgrenze. Dortmund seinerseits soll sich nun auch in den Kampf um Edin Dzeko (Manchester City) eingeschaltet haben – zuletzt waren die Bayern sehr um den ehemaligen Wolfsburger bemüht.
Bin mal gespannt, wie sich das alles entwickeln wird. Piszczek wird mit Real Madrid in Verbindung gebracht, und ich könnte das verstehen. Dieser polnische Verteidiger hat mich in der vergangenen Saison – neben dem Schalker Raul – am meisten beeindruckt, wie er den Platz rauf und runter rennt, wie ihm der Ball gehorcht – klasse, einfach nur klasse. Er spielt mir den Verteidiger schon fast perfekt. Es würde ihm aber bei allen Madrid-Plänen aber wohl doch ein wenig mehr helfen, wenn die polnische Mannschaft wieder ein bisschen besser spielen würde – als die letzten 60 Minuten gegen die Griechen. Mal abwarten, wie sich „ein Drittel Dortmund“ (oder „eine Hälfte Bundesliga“) so entwickelt.

Begonnen habe ich ja mit einem alten Bundesliga-Sonderheft. Aussteigen möchte ich für heute mit der brandaktuellen Schiedsrichter-Zeitung des DFB, das „Offizielle Organ für die Schiedsrichter im deutschen Fußball-Bund“. Die lese ich immer gründlich von vorne bis hinten durch – das ist schon Tradition. Wir bekommen das „grüne Ding“ regelmäßig und kostenlos in die Redaktion – und ich bilde mich auch dadurch immer ein wenig weiter. Zum Beispiel bei kniffligen Regelfragen. Man lernt ja nie aus. Wie wäre es damit: Der Torwart hat den Ball sicher gefangen. Er wirft das Leder zu einem Mitspieler, der im Strafraum steht. Weil der Abwehrspieler einen Gegenspieler hinter sich vermutet, köpft er den Ball in die Arme des Torwarts zurück. Muss der Schiedsrichter eingreifen? Solche Fragen – und noch viel schwerer – finde ich ganz spannend.

Aber zum Kernthema: Ein wenig erstaunt war ich, als ich in der jetzigen Ausgabe 4 (Juli/August – ja, die Unparteiischen sind schon weit vor der Zeit!) auf der Seite 16 ein Foto eines spuckenden Spielers entdeckte – ein Gegenspieler wird angespuckt. Man sieht es in aller Deutlichkeit, nichts wird beschönigt. Und in der Bild-Unterschrift dazu steht dann auch tatsächlich:

Den Gegenspieler anspucken: Die widerlichste aller Unsportlichkeiten muss in jedem Fall mit „Rot“ bestraft werden.

Spontan dachte ich an Christian Lell. Und auch an Paolo Guerrero. Der eine (nämlich der HSV-Spieler) erhält nach einem zugegeben sehr üblen und brutalen Tritt acht Spiele Sperre, der andere, nämlich der Hertha-Spieler aus Berlin, erhält für die „widerlichste aller Unsportlichkeiten“ (so die DFB-Schiedsrichter) fünf Spiele Sperre – er hatte den Düsseldorfer Spieler Assani Lukimya angespuckt. Wahrscheinlich kam in diesem Falle aber noch „strafmildernd“ für den Berliner hinzu, dass er bei diesem chaotischen Relegationsspiel in Düsseldorf auch noch ein zweites Vergehen aufzubieten hatte, denn er hatte ja auch Schiedsrichter Wolfgang Stark beleidigt. Muss nicht zwangsläufig „strafmildernd“ gewesen sein, könnte aber . . .

Nein, ich schrieb es schon kürzlich, als dieses (in meinen Augen) „Skandal-Urteil“ gegen Lell erging – das ist alles nicht mehr normal, was (sich) diese Herren im DFB-Sportgericht leisten. Aber vielleicht wird es uns ja auch mal bei passender Gelegenheit erklärt. Ich bleibe aber dabei: Da wird mit zweierlei Maß gemessen. Vielleicht ja auch einmal in Denkanstoß, jetzt, wo nichts aktuell passiert ist, mal mit dem DFB zu sprechen und zu verhandeln – das ist doch paradox. Den Schiedsrichter verbal attackieren und dazu auch noch den Gegenspieler anspucken – nur fünf Spiele Sperre? Wo leben die denn in Frankfurt? Immerhin, das sei noch erwähnt, der Kontrollausschuss hatte sechs Spiele Sperre für Lell gefordert. Aber auch das, so muss ich es sagen, wäre für mich ein Witz gewesen . . .

Aber wir haben ja EM. Und da gibt es ja durchaus auch viele positive Aspekte. Zum Beispiel die ersten drei Punkte für Deutschland.

Und wir haben ja, fast schon ein wenig nebenbei, auch immer noch ein bisschen HSV. So richtig viel tut sich da im Moment noch nicht, obwohl ich nicht ausschließen will, dass es da schon bald ein „dickes Ding“
Und dann auch noch das vom HSV:

Liebes HSV-Mitglied,

am kommenden Montag, den 11. Juni 2012 beginnt der Dauerkartenvorverkauf für HSV-Mitglieder. Sie als Mitglied können max. eine Dauerkarte für die Saison 2012/2013 erwerben. Ab den freien Vorverkauf (ab 26. Juni 2012) können bis zu zwei Dauerkarten erworben werden.

Folgende Blöcke stehen im Mitgliedervorverkauf zur Verfügung:

Osttribüne: 2 C, 3 C, 4 C, 5 C und 7 A

Westtribüne: 17 C, 18 C, 19, 20 C und 21 A/B/C

Südtribüne: 9 A/B/C, 10 A/B/C und 11 A/B/C

Eine Übersicht der Blöcke finden Sie hier.

Alle anderen Blöcke stehen nicht zur Verfügung. Im freien Vorverkauf werden keine weiteren Blöcke angeboten.

So buchen Sie Ihre Dauerkarte

– im Onlineshop
– telefonisch unter 01805 / 478 478*
– persönlich im HSV Service Center in der Imtech Arena

Alle Informationen zum Dauerkartenvorverkauf erhalten Sie hier.

Ein Verkauf im HSV CITY STORE und im HSV FANSHOP im Herold-Center wird nicht angeboten.

Und dann gibt es da noch eine SID-Meldung, die mich betroffen macht, denn ich schätze diesen Mann sehr, er ist zwar oft sehr locker und leger, aber er ist mit Sicherheit auch ein großer Fußball-Kenner und -Experte:

Fußballtrainer Peter Neururer liegt nach einem am Sonnabend erlittenen Herzinfarkt in einem Gelsenkirchener Krankenhaus im künstlichen Koma. Der 57-Jährige sei mit Freunden auf der Golfanlage Haus Leythe unterwegs gewesen, als er kurz vor Ende der Runde auf der Bahn 17 zusammenbrach. Mitspieler hätten sofort den Notarzt gerufen. Neururer sei dann zunächst ins Krankenhaus Bergmannsheil und von dort ins Marienhospital zum Herzspezialisten Professor Heinrich Blanke transportiert worden.

Gute Besserung, lieber Peter!

Viel Spaß bei den heutigen EM-Spielen.
Und morgen einen guten Start in die neue (EM-)Woche.

16.23 Uhr

Drobny spricht wieder – und hat allen Grund zur Freude

6. Januar 2012

Er ist der begehrteste Gesprächspartner – und er verneint weiterhin jegliche Interviewwünsche. Zu sehr haben Jaroslav Drobny die kritischen Töne zum Saisonbeginn getroffen, als er wiederholt patzte. Inzwischen hat sich Drobny gefangen und avanciert zum Punktegranten, geändert hat sich an seiner Meinung dennoch nichts. Außer über den Mediendirektor Jörn Wolf beantwortet der von den Fans zum zweitbesten Spieler der Hinrunde gewählte Keeper keine Fragen. Nur gut, dass er wenigstens das macht. Ansonsten würden wir von ihm gar nichts hören. Das Interview vor dem ersten Testspiel 2012, worüber ich Euch nach Schlusspfiff möglichst kompakt berichten werde:

Jaroslav, wie trainiert es sich unter der Sonne Spaniens?
Drobny: Es macht Spaß. Nicht nur wegen der Sonne. Bei der letzten Vorbereitung in Österreich war ich verletzt und konnte kaum mit der Mannschaft trainieren. Es ist immer ein gutes Gefühl, mit den Jungs zusammen zu sein.
In der Mannschaft bist du beliebt, gibst auch mal den Spaßvogel. Und die Fans haben dich nach Gökhan Töre zum Spieler der Hinrunde gewählt.
Drobny: Gut, dass die Abstimmung am Ende der Hinrunde war (lacht). Es ist natürlich schön, wenn ich so einen Rückhalt bekomme. Ein großes Dankeschön dafür. Als die Fans im Stadion meinen Namen gerufen haben, hat mir das noch mehr Sicherheit gegeben.
Wie hast du dich nach dem Tief zu Saisonbeginn wieder zur Topform zurück gekämpft?
Drobny: Ich habe einfach weitergemacht. Ein Fehler kann immer passieren. Die eines Torwarts kosten nur meistens gleich Punkte, das ist bitter. Ich glaube, ich wollte einfach zu viel. Es hat mir geholfen, dass es keine bösen Worte aus dem Verein und der Mannschaft gab. Alle haben mich unterstützt.
Danach hast du der Mannschaft durch deine Paraden auch viele Punkte gerettet.
Drobny: Das ist mein Job. Ganz nüchtern. Gerade bei einer jungen Mannschaft, die sich noch finden muss, ist es wichtig, dass der Torwart funktioniert. Ich muss Fehler ausbügeln.
Wie weit kann es noch nach vorn gehen in dieser Saison?
Drobny: Gucken wir mal. Wir wollen etwas erreichen. Aber ich bin nicht der Typ, der große Ansagen macht. Das bringt mich nicht weiter und uns keine Punkte.
Hältst du dich deswegen auch öffentlich so zurück? Es gibt selten Interviews von dir zu lesen.
Drobny: Ich sage dann etwas, wenn ich etwas zu sagen habe. Mit dem Rest langweile ich die Leute nur. Zu Saisonbeginn brauchte ich ein bisschen Ruhe. Als es dann besser lief, wollte ich mich auch nicht hinstellen und gleich den Lautsprecher machen.
Niemand weiß, dass du eine zeit lang auch sehr traurig warst…
Drobny: Das ist richtig. Durch einen Flugzeugabsturz habe ich einen meiner besten Freunde verloren. Jan Marek. Er war Mitglied der russischen Eishockeymannschaft Jaroslavl, deren Maschine abgestürzt ist. Es war eine grausame Situation, der absolute Horror.
Jetzt gibt es für dich aber wieder Grund zur Freude. Wie man hört, bahnt sich Nachwuchs an im Hause Drobny.
Drobny: Stimmt. Im März kommt unser zweites Kind. Dann gibt es wieder schlaflose Nächte.
Junge oder Mädchen?
Drobny: Wie hat Mehmet Scholl gesagt? Hauptsache, sie ist gesund…

Bis später,
Scholle (15.10)