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Defensive okay – die Offensive muss nachlegen

14. August 2012

Und noch ein Sieg. Der HSV gewann am Abend 5:3 beim Fünftliga-Klub Altona 93. Mehr zum Spiel folgt am Ende des Textes.

„Ich weiß, dass wir einen guten Job gemacht haben.“

Das sagt HSV-Trainer Thorsten Fink. Was er meint? Die Fast-Verpflichtung von Hakan Calhanoglu. Dazu gibt es heute bei der Agentur dapd folgende Meldung:

„Dem Wechsel von Mittelfeldspieler Hakan Calhanoglu von Fußball-Drittligist Karlsruher SC zum Hamburger SV scheint nichts mehr im Wege zu stehen. „Hakan freut sich natürlich auf die neue Aufgabe beim HSV. Das ist der nächste Schritt in seiner Karriere“, wird Calhanoglu-Berater Bektas Demirtas auf eurosport.yahoo.de zitiert. „Er ist sehr froh, dass er dem KSC noch ein Jahr helfen kann, seine Ziele zu erreichen. Das ist eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten.“ Hintergrund: Das 18 Jahre junge Mittelfeld-Talent soll noch eine Saison an den KSC ausgeliehen werden und erst im Sommer 2013 zum HSV wechseln. Dort soll der türkische U19-Nationalspieler einen Vertrag bis 2016 erhalten. Als Ablösesumme wird eine Summe von zwei bis 2,5 Millionen Euro geschätzt.

Calhanoglu gilt als eines der größten Talente im deutschen Fußball. Der gebürtige Mannheimer gab bereits vor anderthalb Jahren im Alter von 17 Jahren sein Debüt beim Zweitliga-Absteiger KSC. In den ersten fünf Drittligapartien dieser Saison erzielte er bereits drei Tore. Karlsruhes Sportchef Oliver Kreuzer hatte ihn zuletzt in der Bild-Zeitung überschwänglich gelobt: „Er ist ein so großes Talent wie damals Mehmet Scholl. Er hat eine große Karriere vor sich“, sagte der Ex-Profi über seinen Spieler.“

Gratulation, HSV, und ein dickes Kompliment an die Verantwortlichen, dass sie sich diesen 18 Jahre alten Fußball-Diamanten schnappen konnten! Dem HSV endlich mal wieder ein großer Coup gelungen.

Thorsten Fink über den neuen HSV-Spieler, der noch für ein Jahr an den KSC ausgeliehen wird: „Den Hakan wollten einige andere Klub ebenfalls haben, denn er ist ein guter Spieler. Er kann die Bälle in die Spitze spielen, er ist sehr schnell, er schlägt Super-Standards, er ist sehr weit für sein Alter. Er hat alles das, was man braucht, damit er ein guter Bundesliga-Spieler wird.“ Der Transfer ist zwar noch nicht hundertprozentig eingetütet, aber Fink ist sich seiner Sache sicher: „Wir warten noch auf gewisse Werte, und der Vertrag ist auch noch nicht unterschrieben, aber wir sind uns alle einig“, sagt der HSV-Coach. Gewartet wird noch – zum Beispiel – auf die sporttaugliche (Bundesliga-) Untersuchung. Und auf die Unterschrift. Mehr nicht. In etwa ist es so wie kürzlich bei der Verpflichtung von Paul Scharner, der auch schon „fest“ war, aber noch zwei Tage benötigte, bevor der Vertrag unterschrieben war. Ich bin in diesem Fall aber mal optimistisch, das Ding ist gebongt.

Thorsten Fink hat allerdings noch nicht mit Calhanoglu gesprochen. Weil es da ja noch die Verbindung zum Spiel am Sonntag gibt. Das DFB-Pokalspiel, das um 14.30 Uhr im Wíldpark angepfiffen wird. Fink: „Wir wollten keine zusätzliche Brisanz in diese Partie bringen, deswegen habe ich noch nicht mit dem Spieler gesprochen, danach werde ich mich sicherlich mal mit ihm treffen.“

Aber erst einmal ist Pokal. Keine unwichtige, schon gar keine leichte Aufgabe für den HSV. Auch wenn es gegen einen Zweitliga-Absteiger geht, auch wenn der KSC inzwischen schon in Liga drei noch sieglos auf einem Abstiegsplatz steht. Abgesehen von den Nationalspielern, die bei ihren Änder-Mannschaften weilen, fehlten heute einige weitere HSV-Profis beim Vormittags-Training. Für diese Spieler stand ein „Nachsitzen“ in Sachen Laktat-Test auf dem Programm. Sie hatten vor Saisonbeginn nicht gerade die besten Werte, und in diesem Punkt galt es, mit neuen und besseren Werten zu glänzen. Ob es gelungen ist? Das wissen nur einige wenige Leute. Für diejenigen Profis, die auf dem Trainingsrasen zu finden waren, standen hauptsächlich Pass-Übungen auf dem Programm. Und nach dem Training sprach Thorsten Fink noch eine längere Zeit mit Spielern unter vier Augen. So mit Jeffrey Bruma und Heiko Westermann.

Zur Lage seiner Mannschaft befand Thorsten Fink im Anschluss daran: „Wir haben vor Saisonbeginn gesagt, dass wir an der Defensive arbeiten wollen, das haben wir getan, unsere Defensive ist jetzt verstärkt, wir habe da gut gearbeitet. Und nun müssen wir natürlich wieder versuchen, beides zu können: Abwehr und Offensive. Wir müssen nicht nur gut verteidigen können, wir müssen auch gut angreifen können, wir müssen auch im Ballbesitz bleiben, und wir müssen auch gut kontern können. Das alles gehört zum guten Fußball. Jetzt müssen wir daran arbeiten, dass wir besser und schneller nach vorne spielen können.“

Grundsätzlich befindet Fink: „Wir haben auch schon in der vergangenen Saison gezeigt, dass wir gut Fußball spielen können, das haben wir auch jetzt gegen große Gegner gezeigt, da hat meine Mannschaft bezeigt, dass sie nichts von ihrem Können verloren hat. Wenn wir in jedem Spiel gut stehen und wir gewinnen 1:0, dann muss man auch zufrieden sein. Dass wir dann mit der Zeit wieder etwas erarbeiten können, ist ja auch klar. Man muss nicht alles von der Mannschaft erwarten, dass wir schon alles perfekt können – wichtig ist, dass wir die Spiele gewinnen.“ Und Fink sagte auch: „Wir haben jetzt in 13 Spielen neun Gegentore bekommen, das ist nicht viel in der Vorbereitung, von daher bin ich damit schon mal zufrieden. Dass wir im Moment noch nicht so spielen können wie was weiß ich wer, das sollte keiner erwarten – und das hat ja auch keiner erwartet. Denn wenn wir schon alles so gut könnten, dann müssten wir auch schon wieder Ansprüche haben – und die haben wir im Moment nicht. Wir haben den Anspruch, dass wir uns im Spiel nach vorne verbessern wollen, und dass das eine oder andere auch gegenüber der vergangenen Saison besser klappt – und auch das haben wir schon bewiesen. Standardsituationen sind zum Beispiel schon verbessert worden, defensiv ist das okay – und offensiv war auch schon einiges ganz gut. Ich sehe schon einige Entwicklungen.“

Die werden auch nötig sein, wenn sich der Favorit am Sonntag (locker flockig) durchsetzen will. Fink: „Das ist ein gefährliches Spiel für uns. Der KSC ist sicherlich abgestiegen, aber ich weiß aus Erfahrung, was uns in Karlsruhe erwartet, das ist ein ganz besonderes und positiv fanatisches Publikum dort. Die Fans treiben ihr Team gerade gegen einen größeren Gegner nach vorne, und dann kann der JSC schon mal über sich hinaus wachsen. Deswegen müssen wir auf der Hut sein, wir müssen konzentriert zu Werke gehen und hundertprozentig bei der Sache sein. Es ist ein gefährliches Spiel für uns. Aber wir können uns darauf einstellen, dass wir dort nicht den schönsten Fußball spielen müssen, sondern wir müssen gewinnen. Im Pokal zählt nur das Weiterkommen, und das ist Pflicht für uns. Und dann haben wir eine Woche Zeit, uns auf das erste Bundesliga-Spiel vorzubereiten. Kommt man weiter, gibt das ja auch immer frisches Selbstvertrauen. Es gibt keinen Ersatz für Siege, das müssen wir wissen.“

Karlsruhe wurde in den letzten drei Drittliga-Spielen beobachtet, und Thorsten Fink hat sich ein Video vom Punktspiel-Auftakt Heidenheim gegen den KSC (2:2) angesehen. Der HSV-Trainer: „Da hat der KSC 2:0 geführt, durch zwei Freistoß-Tore eines ganz tollen Spielers . . .“ Hakan Calhanoglu. Fink: „Ist doch klar, dass wir diesen Gegner ernst nehmen. Wir sind ja keine Amateure. Wir wissen ja, dass man dort auch rausfliegen kann, aber für uns zählt nur der Sieg.“ Ob Fink bis Sonntag noch Elfmeter üben lässt, das lässt er noch offen: „Vielleicht machen wir das, ich weiß es noch nicht genau . . .“ Sicher ist sicher. Dazu müssten aber auch erst einmal alle Spieler wieder von ihren Nationalmannschaften in Hamburg sein.

Für Thorsten Fink ist es ein besonderes Spiel. Beim KSC hat er sich einst für den FC Bayern München empfohlen. 1994 wechselte der Mittelfeldspieler von Wattenscheid 09 zum KSC, dort spielte er drei Jahre und brachte es auf 92 Bundesliga-Einsätze für die Badener, bevor 1997 nach München ging. „Ich habe dort tolle Zeiten erlebt, der KSC war damals auf Top-Niveau, wir hatten eine großartige Mannschaft. Häßler, Bilic, Bender, Kirjakov, Reich, Edgar Schmitt, Metz, Keller, Tarnat – das waren schon tolle Namen.“ Dann erinnert sich Fink an eine ganz besondere Besonderheit: „Es war schon klar, dass ich von Wattenscheid zum KSC wechseln würde, und der KSC kam damals nur aufgrund des schlechteren Torverhältnisses nicht in den Uefa-Cup – weil wir mit Wattenscheid 5:1 gewonnen haben. Ich habe dabei ein Riesen-Spiel gemacht, bei meinem Empfang in Karlsruhe gab es deshalb manch skeptischen Blick – aber ich habe dabei gezeigt, dass ich immer alles gebe für den Klub, bei dem ich unter Vertrag stehe. Ich habe immer ehrlich eine Arbeit abgeliefert, so habe ich das immer bei jedem Verein gehalten, das habe ich immer vorgelebt.“

Da Thorsten Fink besonders mit seiner Defensive zufrieden ist, bot sich folgende Frage geradezu an: „Wie weit ist Zhin Gin Lam? Ist er schon einer für die Start-Elf?“ Der Coach: „Das wird sich diese Woche zeigen. Aber er hat gut gespielt jetzt auf Mallorca – aber ich werde diese Woche mal schauen, er ist aber auf jeden Fall ein ernst zunehmender Konkurrent von Dennis Diekmeier. Lam hat dort hinten gute Leistungen gebracht, er hat sich taktisch sehr gut verhalten, das hat mir gut gefallen, er hat ein gutes Abwehrverhalten gezeigt, und er hat die Technik für einen guten Spielaufbau, er macht das schon hervorragend. Der Wille ist bei ihm vorhanden, das sind schon alles gute Voraussetzungen.“

Es gibt für Sonntag nicht mehr so viele Fragezeichen in Sachen Aufstellung. Ungeklärt ist die Position neben Heiko Westermann (der heute seinen 29. Geburtstag feiert – herzlichen Glückwunsch!). Laut Fink stehen Per Ciljan Skjelbred und Jacopo Sala auf einer Höhe, für den Norweger würde sprechen, dass er sich in dieser Woche in Hamburg auf den KSC vorbereiten kann, während Sala mit Italiens U-21-Mannschaft unterwegs ist. Auch ganz vorne ist noch nichts geklärt. Marcus Berg? Oder Artjoms Rudnevs? Für Berg spricht, dass er es schon kennt, wie der HSV spielen will. Aber Fink sagt auch: „Rudnevs hat in den letzten 14 Tagen einen guten Eindruck auf mich gemacht.“

So könnte die HSV-Mannschaft für Sonntag aussehen: „Adler; Diekmeier, Bruma, Mancienne, Aogo; Westermann, Skjelbred; Son, Arslan, Jansen; Berg.

Zum Abschluss des Gesprächs kam die Frage noch nach einem, nein, nach „dem“ Zehner auf. Wird einer geholt, oder wird doch eher keiner mehr geholt? Fink: „Grundsätzlich muss ein Trainer immer auf alles vorbereitet sein. Wir werden uns noch einmal zusammensetzen, der Frank und ich, dann werden wir besprechen, was zu kriegen ist und was nicht. Auch finanziell. Ein Top-Mann? Wir gesagt, wir werden uns da noch mal zusammensetzen, aber mehr möchte ich darauf auch nicht eingehen. Persönlich ist es so: Wenn der Frank es mir vorgibt, muss ich es umsetzen.“

Letzteren Satz möchte ich nicht groß kommentieren, es darf und kann sich jeder dabei denken was er will. Und ich weiß jetzt schon, was hier jeder Zweite dabei denken will . . .

So, gleich geht es nach Altona, zum Testspiel gegen 93. Anstoß in der Adolf-Jäger-Kampfbahn ist um 19 Uhr. Morgen ist dann um 10 Uhr im Volkspark das nächste Üben angesagt, am Donnerstag wird um 10 und um 16 Uhr trainiert.

So, ich bin am Ende. Das Moderatoren-Team hat mir (und uns) heute einen Beitrag vom „Mustang“ empfohlen – ich empfehle ihn weiter. Es geht auch um ein Interview, das Sergej Barbarez der Mopo gegeben hat. Darin offenbart Sergej, dass er sich keine so großen Sorgen um den HSV macht. Hier nun „Mustang“:

„Die Gretchenfrage: Hat Segeij recht oder ist der derzeitige HSV ein
Blamagekandidat für die erste Pokalrunde und endgültiger Abstiegskandidat
aus der Bundesliga in seiner 50igsten Liga-Zugehörigkeit?
.
Sergeij hat unrecht, wir sind ein Abstiegskandidat, weil wir uns den
Realitäten verweigern, und wir brauchen keinen neuen Stoßstürmer, sondern
einen 10er, zumindest um in der kommenden Saison die Klasse zu halten. Der
junge 10er Calhanoglou könnte uns erst helfen, wenn wir bereits abgestiegen
sind, wenn wir uns nicht umgehend im Jetztzeitpunkt bis zum 31. August 2012
was Besseres in der Zusammenstellung der Mannschaft einfallen lassen. Ich
habe trotz allen Unkens ein gewisses Urvertrauen in FAs + TFs Instinkte.
.
NordischByNature hat viel Zustimmung gefunden (bei we are family, Last
Libero und anderen) mit seiner These der fehlenden Schlüssigkeit des
Ballbesitzdenkens seitens FA + TF. Dabei übersieht er, dass überzeugend an
die gegnerische Grundlinie durchtankende RVs/LVs und R/LOMs die Stürmer mit
Flanken versorgen sowie insbesondere präzise Zuspiele seitens unserer 6er
oder unseres neuen 8/10ers in unseren Angriff nur das i-Tüpfelchen und die
Vervollkommnung jener taktischen Ausrichtung sein werden, wenn sie denn
umgesetzt werden. Dennis passt noch zu häufig zurück, Lam spielt auf AV
noch verhalten, DD verkennt bei seinem Offensivdrang das Primat der
Defensive – Jansen zeigt Ansätze und ich würde Beister vor Son den Vorzug
geben: aber es wird entscheidend darauf ankommen, ob Arslan endlich
konsequent die Bälle zu Rudnevs und Berg durchsteckt und in der Zukunft ihm
Skjelbred und Badelj dabei entscheidend helfen. Dies ist kein Widerspruch
zum Ballbesitz-Denken, sondern seine logische Ergänzung und taktische
Vervollständigung. Ballbesitz per se ist nicht verkehrt, er ist nur nicht
allein-seligmachend, denn was zählt sind Treffer und Punkte.
.
Wenn wir uns im Moment auf Arslan als Spielmacher (Tesche als
Stellvertreter) und Per als Antreiber aus dem defensiven Mittelfeld
verlassen müssten, würden wir gerade da anknüpfen, wo wir aufgehört haben –
mit unzähligen Unentschieden und zT empfindlichen Klatschen. Zwar haben FA
+ TF die berufliche Verpflichtung, ab Sonntag d. 19. August in Karlsruhe
auf alle unsere Zweifel Antworten parat zu haben und sie zu zerstreuen –
aber ohne tiefgreifende Verbesserungen der Stammelf sehe ich die Mannschaft
nicht den nächsten Schritt vollziehen, nämlich das Mittelfeld nicht nur als
Verbindung zwischen Verteidigung und Angriff irgendwie zu überbrücken,
sondern zur neuen Schaltstelle und kreativen Oberkammando der neuen
HSV-Mannschaft umfunktionieren und damit aufzuwerten – mit Arslan und Per
in der Hinterhand und im Blickfeld, aber neuen Kräften in der Verantwortung
für die Hinrunde.

Und ganz zum Schluss noch ein – oder der – Versöhnungs-Vorschlag zum Dienstagabend:

Von „scorpion“:

Können wir nicht alle jetzt einmal der “RESET” Knopf drücken (auch
Blogfather himself), alte fest eingefressene Vorurteile wegpacken, uns auf
die nächsten Spiele des HSV freuen, sich positiv überraschen lassen und mit
entsprechender Einstellung in die Arena gehen?
.
Habt Ihr heute schon mal gelacht – auch über Euch selbst? Nö? Dann wirds
Zeit.
.
Ich lass die nächsten Wochen auch den AR, VV u.a. HSV Protagonisten in
Ruhe ;-)
.
Jetzt gilt einzig und allein auf dem Rasen …“

17.24 Uhr

Und jetzt zum 5:3-Sieg in und gegen Altona:

Ein Erfolg, aber kein Ruhmesblatt für den HSV. Die so gelobte Abwehr bot eine schwache Leistung, irgendwie hatten an diesem Abend die (aber beileibe nicht nur sie) beiden Innenverteidiger Jeffery Bruma und Michael Mancienne eine kurze “Auszeit” genommen.

Altona war heiß, der HSV war kalt. Und Altona wurde von Minute zu Minute heißer. Die beiden AFC-Trainer und ehemaligen HSV-Spieler Oliver Dittberner und Andree Fincke hatten ihre Leute auf „Europapokal-Atmosphäre“ eingestellt. Da wurde eng am Mann gespielt, noch enger – und kein Millimeter Rasen wurde verschenkt. Das hatte der HSV offenbar nicht erwartet, denn die Mannschaft fand in Halbzeit eins keine Einstellung mehr zu einem so aggressiven Freundschaftsspiel-Gegner.

Verdient ging der AFC in Führung: Sezgin Akgül traf zum 1:0 (15.), dann erhöhte der vom HSV II zu Altona 93 gewechselte Stefan Winkel auf 2:0 (18.). Und Benjamin Lipke, der frei vor HSV-Keeper Tom Mickel auftauchte, hätte das 3:0 erzielen müssen, schoss aber überweg (28.). Lag diese Minus-Leistung am hohen Rasen? Man weiß es nicht, man weiß es nicht, Profis sind in dieser Hinsicht ja verwöhnt. Siehe Messi, der bei seinem Fast-Gastspiel in Hamburg Wochen vorher noch auf einen zwei Zentimeter langen Rasen bestanden hatte . . .

Der HSV konnte erst eine Minute später (!) seine erste Möglichkeit für sich reklamieren, aber Dennis Diekmeier schoss aus sieben Metern ebenfalls über das Tor. Noch vor der Pause verkürzte immerhin Heung Min Son auf 1:2 (33.), so stand es auch zur Halbzeit. Glück hatte in der 36. Minute Jeffrey Bruma, der den allein auf das HSV-Tor laufenden Dennis Thiessen festhielt. Schiedsrichter Sven Ehlert zückte statt Rot nur Gelb – Gnade für den HSV-Profi.

Zur Pause muss es dann ein mächtiges Donnerwetter in der HSV-Kabine gegeben haben, denn die Mannschaft kam zwar unverändert wieder auf den Rasen zurück, aber mit einer ganz anderen Einstellung. Zunächst traf Heung Min Son, der einer der Spieler in Halbzeit eins war, der noch ein wenig Biss gezeigt hatte, nur die Torlatte (48.), aber dann gab es auch Tore. HSV-Kapitän Marcell Jansen erzielte auf Flanke von Zhin Gin Lam mit einem Kopfballtreffer das 2:2 (52.), und 60 Sekunden legte der beste HSV-Spieler, Jansen den Ball mustergültig zur Mitte, wo Tolgay Arslan nur noch einschieben musste. Das Spiel war doch noch gedreht – und viele HSV-Fans fast schon wieder versöhnt. Restlos zufrieden (?) war der Rothosen-Anhang in der 70. Minute, als Son auf 4:2 erhöhte und damit die Verhältnisse wieder auf die richtige Ebene brachte.

Auf 3:4 verkürzte für Altona 93 der eingewechselte Mehdi Jaoudat (79.), in der 86. Minute sorgte der für den HSV eingewechselte Felix Brügmann für den 5:3-Endstand. Zu diesem Zeitpunkt war es schon ein wenig dunkler über Altona geworden . . . Was aber nicht an der Leistung des HSV gelegen haben soll.

Erst danach wechselte der HSV aus. Diekmeier, Mancienne, Aogo, Bruma, Lam, Skjelbred, Son, Jansen und Arslan gingen in der 72. Minute, dafür betraten dann sämtlich Spieler aus der Zweiten den Rasen. Und ein „unrasierter“ Flitzer kam auch noch und sorgte mit einem Sprint bis fast zur Mittellinie für Lacher. Und für seine Rolle rückwärts gab es für diesen besonderen Fan sogar eine Menge Applaus.. Den 3315 Zuschauern wurde schon einiges in der Adolf-Jäger-Kampfbahn geboten.

Gratulation an Altona 93: Der HSV spielte zum Nulltarif, die über 3000 Zuschauer sorgten für volle Kassen – und sportlich hat der Oberliga-Vertreter auch gute und beste Eigenwerbung betrieben. Kompliment.

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