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Ilicevic oder Badelj? Oder am Ende doch Rudy?

22. August 2014

Gegen Mittag sollte er vorgestellt werden. Um 13.30 Uhr war er für das Abschlusstraining eingeplant. Und aus beidem wurde – nichts. Somit wird der neue Innenverteidiger des HSV auch nicht am Sonnabend in Köln mit dabei sein. Und das, obwohl sich der HSV mit dem abgebenden Klub Corinthians Sao Paulo einig ist und Cléber Janderson Pereira Reis den Medizincheck in Hamburg am Donnerstag bestanden hatte. Am Ende aber scheiterte die schnelle Integration in den Tagesablauf an einem Schriftstück der Brasilianer.

In Köln werden an seiner Stelle erneut Johan Djourou und Heiko Westermann in der Innenverteidigung beginnen. Letztgenannter hat nach einer für ihn schwierigen Vorbereitung inzwischen schon Bastian Reinhardts Spitznamen „Der Überleber“ übernommen. Ebenso wie der heutige Niendorfer, wurde auch Westermann Jahr für Jahr aus der Startelf verdrängt – um letztlich dann doch wieder zu spielen. „Ich mache mir darüber keine Gedanken mehr“, sagt Westermann, „weil ich es nur bedingt ändern kann. Meine Aufgabe ist auf dem Platz und darauf konzentriere ich mich.“ Dass mit Cléber ein neuer Mann geholt wurde störe ihn ebenso wenig. Es würde eh nichts bringen.

 

Nichts bringen – das ist heute ein gutes Stichwort. Denn als ich heute beim Trainingsplatz stand, erzählte mir eine junge Frau, dass vor einiger Zeit (im Juni) irgendwelche Idioten das Grab ihres viel zu früh verstorbenen Bruders geschändet hätten. Das allein ist schon dramatisch. Allerdings setzt die Tatsache, dass hier irgendwelche Idioten St.-Pauli-Aufkleber (St.Pauli-Fans gegen Rechts) auf den Grabstein auf dem HSV-Friedhof geklebt haben, dem Ganzen die Krone der Geschmacklosigkeit auf.

Ohne Worte.

Nachdem das Gröbste bereits abgekratzt war. Für diese Kriminellen fehlen mir die Worte…

Natürlich müssen das keine St.-Pauli-Fans gewesen sein. Aber egal wer das auch immer war, als erklärter Pazifist wäre ich geneigt, in diesem Fall eine Ausnahme zu machen. Was muss in den Hirnen solcher Leute los sein? Wie viel Hohlraum würde Gunther von Hagens bei diesen Kreaturen in den Köpfen wohl vorfinden? Wissen diese Idioten überhaupt, wie man selbständig atmet? Das und noch viele andere Fragen hätte ich, die alle in die eine selbe Richtung gingen. Aber lassen wir das. Es ist sinnlos.



Etwas gedacht hat sich dagegen heute Mirko Slomka bei seinem Abschlusstraining. 20 Akteure waren auf dem Platz – und Valmir Nafiu absolvierte ein Einzeltraining mit Markus Günther. Ergo: es wurde zehn gegen zehn gespielt. Eine Position in der vermeintlichen A-Elf blieb also offen. Adler – Diekmeier, Djourou, Westermann, Ostrzolek – Arslan, Behrami, van der Vaart, Jansen – Lasogga – das war die vermeintliche A-Elf, die das Abschlussspiel auch gewann und die Frage offen ließ, wer aus der B-Elf noch dazukommen wird, wenn es morgen darum geht, nach 2010 (damals 2:1 gegen schalke, 2x van Nistelrooy) mal wieder ein Auftaktspiel zu gewinnen.

Kandidaten gibt es für mich tatsächlich drei, wobei ich zwei in die engere Wahl nehmen will: Milan Badelj und Ivo Ilicevic. „Ich bin gesund, ich fühle mich gut“, sagte Ilicevic nach dem Training, „ich könnte spielen.“ Gleiches gilt für Milan Badelj, über dem noch immer der Schatten schwebt, letztlich doch noch verkauft zu werden. Gleiches gilt für meinen dritten Kandidaten: Artjoms Rudnevs, an dem Danzig bislang jedoch nur an einem Leihgeschäft Interesse bekundet hat.

Für Abendblatt-Blogs


Sollte Badelj ins Team rücken, würde Slomka Tolgay Arslan erneut auf der rechten Bahn spielen lassen. So, wie heute im Abschlusstraining. „Ich kann es nicht sagen“, so Arslan auf die Frage, ob er mit der rechten Außenbahn in Köln rechnen würde, „ich lasse mich überraschen und freue mich darüber, wenn ich beginnen kann.“ Verdient hätte er es sich nach seinem belebenden Kurzauftritt in Cottbus. Im Gegensatz zu Badelj, der in Cottbus ebenso wie Behrami fast nie ins Spiel fand. Möglich wäre aber auch, dass Slomka auf das Tempo von Rudnevs setzt und den Letten auf der rechten Bahn beginnen lässt. Wie zuletzt ab der zweiten Halbzeit in Cottbus.

Vorn beginnt auf jeden Fall Pierre Michel Lasogga, dem ich in Cottbus noch (erwartungsgemäß) Anpassungsprobleme attestiert hatte, der aber unter der Woche sehr gut trainiert hat. Lasogga ist unverzichtbar und hat im Laufe der Trainingswoche das gerechtfertigt, was Slomka über ihn sagt: „Seine Körperlichkeit, seine Präsenz und seine Torgefahr brauchen wir. Er ist für mich einer, der keinen langen Anlauf braucht – ihn werfe ich einfach rein.“ Ergo, im zweiten Pflichtspiel nach seiner Verletzungspause dürfte der Angreifer allemal akklimatisiert sein.

Und das muss er auch, denn mit dem 1. FC Köln trifft der HSV auf einen Gegner, der defensiv zuletzt sehr stabil stand. In den letzten 34 Zweitligaspielen kassierte die Mannschaft von Trainer gerade einmal 20 Gegentore kassiert. Und davon zehn Prozent im letzten Spiele gegen den FSV Frankfurt, als man bereits eine Woche zuvor mit der ganzen Stadt den Titel und den Aufstieg gefeiert hatte. „Defensiv ist Köln gewohnt stark“, mutmaßt Slomka, während Stöger die Offensive seiner Mannschaft anpreist. „Wenn es möglich ist, wollen wir aktiv sein. Wir haben die Spieler dafür, die eher die Qualität mit dem Ball haben. Wir werden versuchen, offensiver aufzutreten. Eckbälle und Standards werden wir vermeiden müssen. Das ist eine große Stärke der Hamburger.“ Wer beim 1. FC Köln anfängt, ließ Stöger, der im Pokalspiel am vergangenen Wochenende wild durchgewechselt hatte, offen. „Der Gegner muss ja nicht alles wissen.“

Doch, sollte er. Und der HSV versucht das auch. Wie ich die HSV-Spielanalysten (Matze, alles Gute…!) kenne, wissen sie auch nahezu alles und stellen die Mannschaft detailliert auf den euphorisierten Aufsteiger ein. Dabei bekommen die Spieler einzeln CDs von ihrem potenziellen Gegenspieler und etwaigen Stärken wie Schwächen. Insbesondere vor Angreifer Ujah warnte Slomka, womit ich wieder bei den Innenverteidigern bin, auf die es morgen maßgeblich ankommen wird. Denn in Köln wird es eine erste Tendenz geben, ob der HSV sein Defensivproblem (75 Gegentreffer in der abgelaufenen Saison) in Teilen oder gänzlich wegtrainieren konnte. Und das noch ohne Cléber. Und ohne Tah. Und ohne Kacar, den bis zu seiner Verletzung großen Gewinner der Vorbereitung.

In diesem Sinne, Daumen drücken! Es wird ein schwieriger Auftakt. Zum einen trifft man auf euphorisierte Aufsteiger, zum anderen weiß man noch nicht genau, wo man steht. Ob das anschließend besser zu benennen ist, weiß ich nicht. Aber wie immer wird es im Anschluss an das Spiel unser Matz ab live geben. Diesmal sind die beiden Ex-HSV-Profis und Fußballexperten Andreas Fischer und Stefan Schnoor zu Gast. Sendebeginn ist wie immer 15 Minuten nach Schlusspfiff. Ach ja, und dann noch im Abspann eine Ankündigung für alle, die vom HSV nicht genug kriegen können! Aber lest selbst…

Bis morgen!
Scholle

Jeden Montag kann man sich künftig ab 4 Uhr morgens über ikiosk.de oder über die ikiosk App das Sonderheft „HSV KOMPAKT“ herunterladen. Die Ausgabe mit jeweils zwölf Seiten startet jeweils mit den Berichten zum aktuellen Bundesliga-Spiel. Dann folgen die Artikel, die wir unter der Woche über den HSV gemacht haben.

Für treue Leser unseres HSV-Blogs „Matz ab“ gibt es noch einen besonderen Service. In gekürzter Form erscheinen auf einer Doppelseite die Kolumnen unserer Experten Dieter Matz, Marcus Scholz und Lars Pegelow. Jede „HSV KOMPAKT“-Ausgabe schließt mit einer historischen Seite, wo wir Triumphe und Dramen der langen HSV-Geschichte Revue passieren lassen.

„HSV KOMPAKT“ startet am kommenden Montag (25. August). Jede Ausgabe kostet nur 0,89 Cent im Einzelverkauf über ikiosk.de oder die ikiosk App (gibt es für iPhone, iPad (iOS) und für Geräte mit Googles Android). Natürlich kann man sich die zwölf Seiten einfach ausdrucken. Während der Winter- und der Sommerpause der Bundesliga erscheint „HSV KOMPAKT“ nicht.

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