Archiv für das Tag 'Schnoor'

Von Versprechungen, Forderungen und Altmeistern

20. Juni 2015

So eine Fußball-Sommerpause ist einfach nur schrecklich. Jahr für Jahr wieder. Zumal dann, wenn sich der HSV wieder einmal traditionell Zeit lässt, Zeit lassen muss, um neue Spieler zu verpflichten. Auch Jahr für Jahr wieder. The same procedure as every year – im Sommer, nicht zum Jahreswechsel. Still ruht der See. Es tut sich nichts. Obwohl die Herren des HSV schön unterwegs sind, um sich nach Verstärkungen umzusehen. Sogar bei der U21-Europameisterschaft waren sie in Tschechien, obwohl die Talente dort wohl allesamt eine Preisklasse zu hoch sein dürften für den HSV. Aber warten wir es ab, mehr bleibt ja nicht. Obwohl die Ungeduld wächst. Bei vielen HSV-Fans. Und eventuell auch bei manchem Angestellten des Clubs. So las ich heute beim Einkaufen die Titelseite der „Bild“, und dort stand zu lesen: „Olic fordert neue Stars“. Da dachte ich so bei mir: „Wer nicht?“
Den ganzen Beitrag lesen »

van der Vaarts leiser Abschied

12. Juni 2015

Während die Meldungen über Spielerwechsel in der Bundesliga nur so reintrudeln, gibt es vom HSV keinen Vollzug zu melden. Das ist nicht überraschend, und selbst die Personalie Süleyman Koc könnte sich noch einige Zeit hinziehen. Dessen Berater hat Druck gemacht und von einer grundsätzlichen Einigung mit dem HSV berichtet. Allerdings ist die Ablöse (zwischen 1,5 Millionen und 2 Millionen Euro) noch recht hoch. Nun also baut der Berater Druck auf den SC Paderborn auf, um von den Forderungen herunterzukommen. Ein nicht unübliches Spielchen, schließlich wollen alle Seiten Klarheit.
Den ganzen Beitrag lesen »

Nur 1:1 – Ilicevic sorgt für Hoffnung!

28. Mai 2015

„Niemals, Zweite Liga, niemals, niemals!“ Könnte diesmal aber ganz, ganz eng werden, denn der HSV schaffte vor 56 615 Zuschauern im Volkspark nur ein 1:1 im Relegationsspiel gegen den Karlsruher SC. Ob das zu wenig ist? Das muss sich am Montag im Badischen zeigen, aber es darf kräftig gezittert werden. Auch deshalb, weil der HSV eine Stunde lang unfassbar schlecht spielte, keine Mittel fand, gegen den früh führenden KSC, der danach kompakt und kompakter stand, offensive Akzente zu setzen. Da hat der HSV während der gesamten Saison schon mächtig viele Defizite, und das offenbarte sich leider auch diesmal, im Spiel gegen den Zweitliga-Dritten. Der KSC wollte die „ewige Uhr“ abstellen, so hatte er Abwehrmann Max gesagt, er hatte den Mund voll genommen, aber ob zu voll, das wird sich zeigen. Der HSV wird sich steigern müssen, und zwar dramatisch steigern, wenn er diese Rückspiel-Hürde noch nehmen will. Vorerst ist er mit einem dicken blauen Augen davongekommen, aber nun wird es happig – keine Frage. In Hamburg wird es ein Public Viewing im Volkspark geben, Einlass ab 18 Uhr, das Spiel wird um 19 Uhr angepfiffen.
Daumen drücken, dass der HSV diese harte Nuss doch noch knacken kann, aber es wird verdammt, verdammt schwer.

 

Wir erinnern uns. Schalke 04 wurde hier vor ein paar Tagen aus dem Volkspark gefegt. Ganz Hamburg jubelte. Ganz Hamburg. Bis auf ein paar Jungs, die das anders sahen. Laut Trainer hatte der HSV ein riesiges Spiel gemacht. Von Beginn an. Mag stimmen, aber das lag daran, dass Schalke gar nicht mehr mitspielen wollte. Laut Trainer Labbadia hatte Schalke nicht einen Millimeter verschenkt – mag ja auch stimmen, aber nur deshalb, weil Schalke erst gar keine Millimeter haben wollte. Da musste es gegen diesen „heißen“ KSC ein böses Erwachen geben – und es gab ein bitterböses Erwachen.

 

Dabei begann es recht verheißungsvoll. Eckstoß von links, ausgeführt von Lewis Holtby, auf den Kopf von Ivica Olic – der köpfte, aus sechs, sieben Metern, aber um Zentimeter drüber. Pech in der dritten Minute. Das Tor fiel im folgenden Angriff – der Karlsruher. Der ehemalige HSV-Spieler Hennings wurde Richtung HSV-Tor geschickt, Johan Djourou leistete ihm einen netten Begleitservice, der KSC-Torjäger zog aus halblinker Position genau aus 16 Metern ab – und drin der Fisch. Vom Innenpfosten rollte der Ball ins HSV-Netz. Das war mal ein Auftakt. Den sich jeder Hamburger genau umgekehrt gewünscht hätte, aber auch Relegationsspiele sind eben kein Wunschkonzert.

 

Fortan zogen sich zehn Karlsruher an den eigenen Strafraum zurück, und der HSV „stürmte“. Das sah dann so aus: Heiko Westermann zu Djourou, quer natürlich, der weiter zu Slobodan Rajkovic, quer natürlich, der weiter zum winkenden Matthias Ostrzolek, weil der den Ball nun unbedingt haben wollte. Dann hatte er ihn. Wie schön. Nur wohin damit? Natürlich. Zurück. Am besten zu Rene Adler. So sah der stürmende HSV aus. Keine Ideen, mein Mut, kein Nichts. Das war einfach nur arm. Da sind die Karlsruher bestimmt in Aue, gegen Sandhausen oder in Aalen ganz anders gefordert worden, von Düsseldorf und Leipzig ganz abgesehen. Das war einfach nur erbärmlich, was sich der HSV da zurechtkickte. Das war nicht mal Zweite Liga.

 

Auf den Werbebanden vor der Haupttribüne liefen unterdessen ganz sinnige Sprüche ab. Solche wie diese hier: „Nervt der Job? Dann einfach wechseln!“ Ob das die HSV-Spieler gesehen haben? Oder: „Nun müssen wir die Suppe gemeinsam auslöffeln.“ Klar. Auch wenn sie nicht klar ist. Oder auch dies: „Gekommen, um zu bleiben.“ Selbstverständlich. In Liga eins. Aber wie? Das stand nicht auf den Werbebanden. Und niemand fand ein Mittel, wie das hätte gehen sollen?
Ganz ehrlich: Ich weiß nicht, ob sich die Karlsruher diesen Gang in Hamburg so leicht vorgestellt hatten. Nur die Fans waren erstligareif – oder sogar besser. Aber das werden am Montag die KSC-Anhänger auch ganz sicher sein, mit Liga eins im Blick.

 

Der KSC spielte, wenn er die Chance sah, mutig und schnell nach vorne. Da gab es Tempo und Zug zum Tor, und es gab keine dilettantischen Fehler bei der Ballannahme. Wer war hier eigentlich der Erstligist? Erst in der 42. Minute der erste Ball, den KSC-Torwart Orlishausen tatsächlich halten musste. Ein Roller, nachdem Ivica Olic einen 25-Meter-Schuss von Gojko Kacar gefälscht hatte. Bis dahin aber war nicht ein Ball auf das KSC-Tor geflogen oder gerollt – das ist ein Offenbarungseid. Nicht nur ein offensiver Offenbarungseid, sondern ein fußballerischer Offenbarungseid. Das war ein Kollateralschaden in Sachen Profi-Fußball. Der arme Labbadia da an der Seite, er musste dieses Dilemma mitansehen, ohne helfen zu können. Nur beten konnte er, aber das half diesmal auch nicht.

 

In der 43. Minute hämmerte der verzweifelte Pierre-Michel Lasogga die Kugel aus 25 Metern rauf – aber der Ball flog knapp daneben. Halbzeit, um genau 51 Jahre, 277 Tage, vier Stunden und 17 Minuten sowie 31 Sekunden bat Schiedsrichter Aytekin zum Pausentee. Und auf dem Gang dorthin da bekamen die Herren des HSV mal kurz zu hören, was die Zuschauer von ihren Darbietungen hielten: es gab ein gellendes Pfeifkonzert. Bis die Profis in der Kabine verschwunden waren . . . Das waren 45 Minuten mit Fußball zum Abgewöhnen. Schlechter geht es nimmer – warum strapaziert der HSV nur so die Nerven seiner Anhänger? Warum nur?

 

Nach dem Seitenwechsel zuerst der KSC. Torres traf in der 53. Minute die Querlatte des HSV-Tores, zehn Sekunden später visierte auch Nazarov das Quergebälk des HSV an. Das war gleich zweimal dickes Glück. Aber dann kam der HSV. Mit der verbalen Kraft des Nordens. Wenn der HSV vor dem KSC-Tor auftauchte, brannte es im Norden – leider brannte es nicht oft genug.

 

Dann kam der HSV aber, er drückte, plötzlich ging es mächtig in Richtung KSC-Tor. Und plötzlich, wie aus heiterem Himmel, hieß es 1:1. Der eingewechselte Dennis Diekmeier bediente den im KSC-Strafraum lauernden Ivo Ilicevic, der drosch die Kugel aus halbrechter Position aus sieben Metern flach ins Tor. Jubel, Trubel, Heiterkeit. Wird doch noch alles gut? Das wird sich am Montag zeigen müssen – die Hoffnung stirbt zuletzt. Oder?

 

Nur der HSV.

 

„Auswärtssieg“ skandierten die HSV-Fans im Norden lautstark nach dem Schlusspfiff. Mal sehen.

 

Der HSV spielte mit: Adler; Westermann (56. Diekmeier), Djourou, Rajkovic, Ostrzolek; Kacar, Diaz; Olic (88. Beister), Holtby (69. Stieber), Ilicevic; Lasogga.

 

Die Einzelkritik

 

Rene Adler war beim 0:1 sichtlich überrascht, dass Hennings sofort abzog. Das war in der vierten Minute. Danach ließ sich der frühere Nationalkeeper immer sehr viel Zeit bei seinen Abstößen – Zeit, die der HSV eigentlich nach vier Minuten schon nicht mehr hatte. Aber muss wohl gut sein . . . Ansonsten wenig beschäftigt, was kam, hielt er souverän.

 

Heiko Westermann sah seine fünfte Gelbe Karte und fehlt schon mal beim Rückspiel. Ging in der 56. Minute verletzt raus – Saison beendet.

 

Johan Djourou begann fahrig, später war er der einzige Hamburger, der mal eine klare Aktion hatte.

 

Slobodan Rajkovic wirkte wieder einmal zu hölzern, dazu gab es etliche technische Probleme mit dem Ball.

 

Matthias Ostrzolek stellte sich in erschütternder Verfassung vor. Kopfballschwach, und wenn er die Hand hob, um den Ball zu fordern, dann bekam er ihn auch – und spielte weit zurück. Unfassbar. Zweite Halbzeit etwas effektiver.

 

Gojko Kacar entpuppte sich leider als Fehlpass-Weltmeister. Unglaublich. Auch wenn er viel lief. Den Willen allerdings konnte ihm keiner absprechen, nur an der Umsetzung haperte es ganz gewaltig. Sah die fünfte Gelbe Karte und fehlt beim Rückspiel. Übrigens ebenso wie der KSC-Mann Peitz (zehnte Gelbe).

 

Marcelo Diaz war schwach. Mehr ist da nicht festzustellen. Schade eigentlich. Riskierte in der Nachspielzeit immerhin einen Schuss aus 20 Metern, den Orlishausen sehr gut parierte.

 

Ivo Ilicevic riskierte hin und wieder ein Dribbling – als einziger Hamburger. Aber auch er schubste mit dem Hintern gleich wieder um, was er sich gerade aufgebaut hatte. Immerhin schoss er das Tor, das noch ein wenig Hoffnung machen könnte.

 

Lewis Holtby bot leider nur eine unterirdische Partie. Jeder, wirklich jeder aus der Zweiten, hätte das besser gemacht. Das war so bitter, ich weiß gar nicht, wann ich so etwas Unterirdische zuletzt von einem HSV-Spieler gesehen habe – und es gab schon etliche Grottenkicks, das wissen wir alle. Wurde in der 69. Minute (zu spät) erlöst, als er von Zoltan Stieber abgelöst wurde.

 

Ivica Olic war rechtzeitig fit, nachdem er eine Woche lang Rücken hatte – aber spielte er mit? Das war gar nichts, leider, leider.

 

Pierre-Michel Lasogga spielte oft wie eine Dampfwalze – und Dampfwalzen haben auch gelegentliche technische Probleme . . .

 

Dennis Diekmeier (ab 56. Min. für Westermann) sorgte rechts für frischen Schwung – er brannte, wie auch schon sein Trainer in der Woche sagte.

 

Zoltan Stieber (ab 69. Min. für Holtby) sorgte für Belebung beim HSV, der erst dann vollends aufwachte.

 

Maximilian Beister (ab 88. Minute für Olic) sollte noch einmal mit einem Schuss etwas versuchen, oder mit einem Kopfball, aber dazu kam es aufgrund von fehlenden Minuten nicht mehr.

 

Gleich werden wir wieder mit „Matz ab live“ zur Stelle sein, um über das erste Relegationsspiel zu sprechen. Zwei ehemalige HSV-Profis sind dann bei „Scholle“ und mir zu Gast, es sind zwei Männer, bei denen die Wahrheit an den Tag kommt – und auch an die Nacht. Einmal Stefan Schnoor, bekannt als eisenharter HSV-Stopper und heute Sport1-Experte, zudem ist es der ehemalige HSV-Torwart Jürgen Stars, der einst die Nummer zwei hinter „Elfmeterkiller“ Rudi Kargus war. Das HA-TV, „Scholle“ und ich würden uns wieder sehr freuen, wenn Ihr uns per Bildschirm bei diesem Vierer-Gespräch begleiten würdet. Bis gleich also.

 

22.36 Uhr

Zinnbauer ist raus – Knäbel übernimmt

22. März 2015

Für Abendblatt-Blogs


***** UPDATE: Der HSV trennt sich per sofort von Trainer Joe Zinnbauer. Peter Knäbel übernimmt bis Saisonende. *****

Ja, das ging jetzt doch schneller als gedacht, aber es musste so kommen, da waren sich alle einig. Ein dickes Kompliment den Mopo-Kollegen, die heute schon meldeten, dass Peter Knäbel Interims-Trainer wird. Der Sportchef als interne Übergangs-Lösung, das kennen wir von Frank Arnesen und Holger Hieronymus. Ich bin gespannt, wie sich das entwickelt – sage aber auch, dass ich sehr, sehr skeptisch bin. Als ich das heute von der Mopo erfuhr, habe ich sofort an den 1. April gedacht – aber denkste! Für mich ist die gesamte Situation des HSV, die Entwicklung über die letzten Jahre, unfassbar, und dazu zähle ich auch den heutigen Tag. Was mag sich der Fußball-Gott bei solchen Entscheidungen denken?
Dass Peter Knäbel nun übernimmt, das ist für mich ein Zeichen dafür, dass es sich (nur) um die nächsten (und letzten?) acht Bundesliga-Spiele handelt – und danach kommt dann der neue Mann. Es soll sich ja, so die Gerüchteküche, tatsächlich um Thomas Tuchel handeln. Mal abwarten.

So, das war ein kurzes Zwischenspiel, hier geht es nun weiter mit jenem Beitrag, den ich vorhin schon veröffentlicht hatte.
Gute Nacht!

„Jetzt müssen wir am Freitag gegen Hertha BSC gewinnen, das ist sehr wichtig. Wir müssen zeigen, dass wir eine Mannschaft sind.“ Gesagt hat es Dennis Diekmeier nach dem 0:3 gegen Hoffenheim, aber es dieses Zitat könnte von jedem HSV-Spieler und von jedem Offiziellen stammen.

 

So begann ich am vergangenen Sonntag. Diesmal ist das nächste Spiel, es geht immerhin in Leverkusen gegen die Werks-Elf, nicht so wichtig, als dass man drüber sprechen müsste, aber Dennis Diekmeier hat immerhin wieder nach der 0:1-Niederlage gegen Hertha BSC etwas gesagt. Und zwar dies hier: „Wir müssen weiter hart arbeiten.“
Wobei ich Dennis Diekmeier gar nicht verdammen will, und zwar überhaupt nicht, denn er stellt sich den Medien (da gibt es auch gewisse Verträge, weil die Medien ja einiges an Geld dafür geben), während andere K

 

ollegen schweigend in die Kabine schleichen. In den letzten Jahren aber ist es, das nur am Rande, in Hamburg in Mode gekommen, dass jene Spieler, die den Mut haben, sich auch bei Misserfolgen zu stellen, abgewatscht werden und total in Ungnade fallen – es gibt ja so viele Beispiele (Trochowski, Aogo, Westermann). Ich hoffe sehr, dass das mit Diekmeier nun nicht passieren wird, aber meine Hand würde ich dafür nicht ins Feuer legen.

 

 

Dass nun weiter hart gearbeitet werden muss, mag einige überraschen, aber es ist wohl die einzige Phrase, die nun gerade noch passt. Was soll denn jetzt überhaupt noch gemacht werden? Und was soll erst recht gesagt werden? Hart arbeiten – natürlich, aber hart wird nach Aussagen aller HSV-Profis in den, sagen wir mal, letzten 25 Jahren schon immer. Ganz, ganz hart. Ehrlich. Ist es wirklich mit „hart arbeiten“ getan?

 

Ganz offen gesagt: Ich kann dieses „hart arbeiten“ schon lange, lange nicht mehr hören, es geht mir schon seit Jahren total auf den Geist. Hart arbeiten ist in meinen Augen etwas ganz, ganz anderes. Und in Sachen HSV würde mir bei „hart arbeiten“ vorschweben, dass nicht nur einmal am Tag 90 Minuten abgerissen werden – unter dem Deckmantel „Training“. Bei „hart arbeiten“ wären die Herren Profis jeden Tag auf dem Acker, rund um die Uhr. Nicht nur, um zu rennen, sondern auch deshalb, um vor allem mit dem Ball besser klarzukommen. Und um Dinge wie zum Beispiel Standards zu üben. Aber darauf komme ich gleich noch.

 

„Wir müssen gegen Berlin nicht nur gewinnen, wir werden auch gewinnen.“

Hatte Trainer Joe Zinnbauer vorher versprochen. Weil er seiner Mannschaft offenbar vertraute. Zu sehr vertraute. Nach der Heimpleite sagte der Coach dann etwas geläutert: „Ich glaube nicht, dass die Qualität fehlt.“ Was aber fehlt denn tatsächlich? Wenn nicht die Qualität der Spieler? Liegt es dann nicht doch am Trainer? Oder woran krankt dieser HSV?

 

Sportchef Peter Knäbel erklärte zu diesem Thema: „Es ist nicht so, dass wir jetzt nur über den Trainer richten. Wir werden mit ihm darüber sprechen, was zu tun ist.“ Und weiter: „Ich mag keine Leute, die irgendwelche Treueschwüre machen, und an Tag eins zaubern sie plötzlich jemanden aus dem Hut. Es kann nicht sein, dass man nicht weiß, was man tun würde, wenn man in eine andere Richtung geht.“ Laut Knäbel aber soll es ja einen Plan B geben – der nun (demnächst, morgen oder heute?) greifen könnte.

 

An diesem Sonntag haben sich die Verantwortlichen getroffen, um zu analysieren. Und am Nachmittag sollte Joe Zinnbauer dazu kommen. Um aus erster Hand von seiner Entlassung zu erfahren? Ich glaube ja, dass es genau so kommen wird, aber ich bin nicht davon überzeugt, dass es der richtige Schritt für den HSV ist. Auf der einen Seite wäre es der kleine Strohhalm, an den man sich jetzt noch klammern könnte, denn neue Spieler gibt es nicht mehr. Auf der anderen Seite aber glaube ich fest, dass diese Mannschaft auch von Mourinho, Guardiola und Wenger gemeinsam trainiert werden könnte, ohne dass sich eine Besserung einstellen würde. Ohne dass sich nur ein Hauch von einer kleinsten Besserung einstellen würde! Diese Mannschaft ist so schlecht, wie sie steht.

 

Weil es fußballerisch nicht passt. Zinnbauer, das wird überall hervorgehoben, hat diese Truppe endlich mal zum Laufen gekriegt, das ist sein Verdienst. Fußballspielen aber hat der HSV unter ihm leider nicht auch noch gelernt. Tore schießen erst recht nicht. Aber der gute Joe kann eben nicht zaubern. Dazu hätte er noch kurz einen Crash-Kurs bei Kalanag belegen müssen. Wer von Euch gestern die Erstliga-Spiele gesehen hat, der wird festgestellt haben, wenn er noch HSV gegen Hertha im Gedächtnis gehabt hat, dass keine andere Mannschaft einen so finsteren Fußball spielt, wie der HSV. Vielleicht noch Paderborn – aber es werden ja auch zwei Absteiger gesucht, der HSV kann ja nicht gleich beide Abstiegsplätze belegen. Was die Konkurrenz ja vor allem hat: Stürmer. Jungs, die Tore schießen wollen und es auch können.

Nein, meine Damen und Herren, ich habe den Glauben an diese HSV-Truppe total verloren, total. Da müsste nicht nur ein Wunder geschehen, sondern gleich mehrere, um diesen Club wieder einmal vor dem Sturz in die Zweitklassigkeit zu bewahren – aber gleich mehrere Wunder auf einem Haufen? Das gibt es selbst beim HSV nicht. 15, in Buchstaben fünfzehn (!), von nunmehr 26 Spielen ohne eigenen Torerfolg? Das ist einfach nur erschütternd und entlarvend.
Gut an dieser fatalen Situation ist nur, dass man sich als HSV-Fans beizeiten ganz gelassen mit dem Thema Abstieg befassen kann, man kann es allmählich mal sacken lassen – und sich von Tag zu Tag – mal mehr, mal weniger – daran gewöhnen.
Zur Erinnerung: Das nächste Spiel steigt in 13 Tagen in Leverkusen, danach kommt der VfL Wolfsburg, dann geht es nach Bremen. Noch Fragen?

 

Als das 0:1-Spiel am Freitag vorbei war, da pfiffen die (meisten) Fans nicht einmal mehr. Es herrschte fast überall betretendes Schweigen. Die Enttäuschung war riesig. Und es war an jeder Ecke des Volkspark Resignation zu spüren. Wie schon in der Woche vorher. „Gewinnt der HSV nicht gegen Hertha, dann steigt er ab.“ Das war so oft wie noch nie zuvor zu hören. Selbst ein Punkt hätte den meisten HSV-Fans nicht gereicht – es wurde gar keiner. Und es mehren sich die Stimmen, die sagen: „Ich habe keine Lust und keine Kraft mehr, mich um diesen schwachen HSV zu sorgen. Das geht schon zu lange, seit Jahren, das ist für mich beherrschende Thema – dann steigt er eben mal ab. Dann ist es eben so, sie haben es wohl auch nicht anders verdient, weil sie auf allen Ebenen zu schwach besetzt sind. Und Ende.“

 

53 640 Zuschauer waren am Freitag wieder dabei. Sensationell! Okay, es war ein „Endspiel“, es ging um sehr viel, aber es ist dennoch immer wieder erstaunlich, dass bei dieser Art Fußball so viele Leute immer und immer wieder kommen und sich das antun. Wobei in Halbzeit eins vom HSV ja auch guter Fußball, okay, okay, ich korrigiere ein wenig auf ganz ansehnlicher Fußball, geboten worden ist. Zur Pause sprach ich mit einigen „Ehemaligen“ des HSV, die da alle noch total optimistisch waren, und auch „Dittsche“ (Olli Dittrich) soll ja zur Pause bei „Sky“ von einem HSV-Sieg überzeugt gewesen sein, denn er soll gesagt haben: „Der HSV gewinnt noch 4:0.“ Nachher traf ich den ehemaligen HSV-Torwart Horst Schnoor (Meisterkeeper von 1960), und der sagte mir total konsterniert (und wohl auch mit dem Schlimmsten rechnend) : „Ich habe es nicht für möglich gehalten, dass wir dieses Spiel verlieren, weil Hertha in der ersten Halbzeit doch so schwach war . . .“ Das habe ich voll und ganz unterstrichen. Aber die Realität sah leider etwas anders aus.

 

„Die Gelb-Rote Karte war vielleicht wieder ein Knackpunkt – wie schon in der letzten Woche gegen Hoffenheim“, sagte Dennis Diekmeier. Aber es gab sie eben mal wieder – zur Unzeit (81. Minute beim Stande von 0:0) Und: Es war auch diesmal so, dass sie berechtigt war. Das war kein Pech, das war auch nicht hart, das war einfach Foulspiel. Was hat die Hand von Cleber im Gesicht von Lustenberger zu suchen? Nichts. Und das muss mal als Spieler auch endlich einmal begreifen – oder auch nur wissen. Erst hat der HSV eine riesige Anzahl von verletzten Stammspielern zu verkraften, kommt jetzt die Flut der Platzverweise? Es wäre fatal, aber dann gäbe es hinterher immerhin eine weitere Erklärung für den Misserfolg . . .

 

An diesem Morgen hatten sie ja im Doppelpass bei Sport1 (mit „Scholle“) auch das Thema, dass in Hamburg alle Spieler stets schlechter werden. Ist ja alt, das Ding. Uralt sogar. Und es stimmt ja auch. Hier in Hamburg ticken die Uhren eben ein wenig anders. Hier ist Leben, viel Abwechslung. Da geht man eben mal zur Premiere des „Queen-Musicals“, oder in diese oder jene Bar. Und wenn das nicht reicht, dann herrscht natürlich auch in der Umgebung einiges an Leben. Wie gestern am späten Abend in Rostock: Boxen mit Brähmer gegen Krasniqi. Saß da nicht auch ein verletzter HSV-Profi am Rande des Rings? Mir war so. Aber gut, ist ja Freizeit. Da kann man ja machen was willst du. Und man kann ja nicht 24 Stunden am Tag nur seine Verletzung pflegen und pflegen lassen, und auch nicht immer nur an den HSV und dessen Abstiegssorgen denken.

 

Aber ich will ja auch nicht abschweifen. Hier werden, die asbach-uralte Behauptung, die Spieler stets schlechter, dabei war ich stehengeblieben. Mir fällt bei diesem Thema der eine oder andere Name ein, muss ich gestehen, aber einer immer wieder etewas mehr: Jeffrey Bruma. Der konnte es hier, aus London kommend, nicht so, dass er Stammspieler wurde. Saß oft draußen, fiel nicht groß auf. Und irgendwie schien man an der Elbe froh zu sein, dass Bruma endlich weg war. Alles Käse, bloß zurück nach Holland. Und dann wird er dort (wieder) A-Nationalspieler. Nun kann man ja sagen: „Okay, der Bruma wird in eine zweitklassige Nationalmannschaft wie die Niederlande berufen, aber wer ist schon die Niederlande? Deutschland ist Weltmeister!“ Es wird sicherlich auch solche Leute geben, aber den Kern treffen die damit nicht unbedingt. Denn auch Bruma war ein Spieler, der eigentlich eine gute Veranlagung hatte, nur wurde die hier nicht genügend gefördert. Vielleicht wurde sein Talent auch gar nicht erkannt, es wurde sich aber auch nicht besonders darum bemüht. In Hamburg hat man als Profi zu funktionieren, ansonsten bist du hier verraten und (wirst) verkauft. Gelegentlich auch nur gekauft, um dann verschenkt zu werden. Auch diese Art von Luxus existiert ja im Volkspark.

Aber gut, so ist es nun einmal. Wir haben uns immer wieder und schon seit Jahren versucht daran zu gewöhnen. Zum Beispiel das Tor am Freitag. Es offenbarte gleich zwei riesige Mängel des HSV. Erstens war es eine der wenigen Standardsituationen für die Hertha, die zu diesem Treffer führte, und die wurde mal eben mustergültig vor das HSV-Tor geschlagen. Und dort standen die HSV-Spieler etwas unsortiert in der Gegend herum, sodass ausgerechnet der ehemalige HSV-Spieler Sebastian Langkamp (erinnert Ihr noch?) einköpfen durfte. Erstens: Langkamp war mal hier, konnte sich nie durchsetzen, ist aber in Berlin (fast immer) gesetzt. Und zweitens die Standards. Da kräuseln sich bei mir die Nackenhaare, und mein Hals wird langsam wieder dicker. Man oh man! Der HSV hat eine Vielzahl von Standards, aber nicht einen Spieler mit einem solchen Schuss, dass der Ball auch bis in die Gefahrenzone hineinschlagen kann. Die meisten Bälle verhungern auf halber Strecke und fliegen genau – und fast wie abgesprochen – auf den Kopf des ersten Gegenspielers. Garantiert. Darauf kann man wetten! Es ist unfassbar, wie dilettantisch da gearbeitet wird.
Und dann denke ich daran, wie die vielen Trainer im Training (oder vorher) Tausende von Hütchen aufstellen, damit sich die Spieler daran orientieren können, wenn sie laufen – mit und ohne Ball. Wie schön aber wäre es, wenn sie täglich mal Tausende von Standards üben würden, um den Ball wenigstens einmal gefährlich vor das Tor des Gegners bugsieren zu können! Einmal würde ja schon reichen. Man erinnere sich nur mal, dass bei jedem Freistoß vor dem Tor des Gegners alle kopfballstarken HSV-Abwehrspieler 60 Meter und mehr nach vorne laufen, in der Hoffnung, ein Tor köpfen zu können. Und dann köpft doch wieder nur der kleinste Spieler des Gegners, weil er ganz vorne steht. 120 Meter umsonst und ganz vergeblich gelaufen – das kostet Kraft.

 

Ja, das wäre eine meiner ersten Maßnahmen, die ich beim HSV treffen würde: Jeden Tag von morgens bis abends auf dem Acker (mit Pausen natürlich), und dann üben, üben, üben. Und nochmals üben. Und nochmals üben. Auch wenn einige Herren nicht glauben, dass sie so etwas nötig hätten. Aber sie sollten eben nicht immer nur labern, dass das nächste Spiel so wichtig ist, und dass es auf jeden Fall in auch in jedem Fall gewonnen wird.
Besondere Situation erfordern nun einmal besondere Maßnahmen, aber davon, meine Damen und Herren, davon haben die Damen und Herren in Hamburg, die das Sagen hier haben, noch nie etwas gehört. Und wenn doch, dann haben sie es alle nur geflissentlich ignoriert. Nur nicht zu viel ändern. Und schon gar nicht die Herren Profis verärgern. Die müssen hier schön und nach allen Regeln der Kunst „gepampert“ werden. Ganz brav und immer und immer wieder werden die Herren in Watte gepackt. Das nenne ich eben „hart arbeiten“. Weiterhin „hart arbeiten“ . . . Bis Leverkusen. Und danach das Spiel, das ist dann wieder ganz besonders wichtig.

 

So läuft es hier aber schon immer. Von ganz, ganz kleinen Ausnahmen mal abgesehen. Aber die sind auch nicht erwähnenswert. So ist es nicht nur bei Joe Zinnbauer, der leider in Sachen Programm und Anforderungen (vom Trainingslager in Dubai vielleicht mal abgesehen) nichts anderes gemacht hat, als alle seine Vorgänger. Und wenn ich gerade mal bei Vorgänger bin. Sind Euch nicht auch die Tränen gekommen, als Mirko Slomka im NDR-„Sportclub live“ davon sprach, dass er im Herbst bei dem Rausschmiss von Sportchef Oliver Kreuzer eigentlich hätte mit zurücktreten müssen? Er hätte zurücktreten müssen, der gute Herr Slomka? Hätte? Er hätte es wahrscheinlich auch fast gemacht. Aber dann schwebte ihm da doch dieses nette Wort von „Abfindung“ vor Augen. Rücktritt und Abfindung? Das passt aber irgendwie nicht so ganz. Deswegen dann doch besser keinen Rücktritt. Eher eine Klage einreichen, damit es auch genügend Abfindung gibt.
So wurde es ja auch gemacht. Aber ein halbes Jahr danach ist es eben doch besser, von einem eventuellen Rücktritt zu reden, denn dann denkt keiner mehr über Klage und Abfindung nach. Super, super – und so fair. Und so anständig. Nein, meine Damen und Herren, der Profi-Fußball hat schon was. Das ist ein besonders tolles und gut gehendes Geschäft.

 

Bei der Gelegenheit möchte ich mich für die viele Resonanz, die wir bekommen, die ich bekomme, bedanken. Wenn die Herren „dort oben“ und auf dem Rasen wüssten, wie sehr Ihr Euch sorgt, sie würden bessere Freistöße schießen, und sie würden auch das eine oder andere Tor markieren, da bin ich mir sicher. Leider wissen sie es nicht. Ich aber möchte Euch auch sagen, dass ich unheimlich viele Mails, sms und anrufe bekomme, privat, aber ich kann nicht alles beantworten, schon gar nicht überall zurückrufen – ich bitte um Euer Verständnis. Andernfalls müsste der Tag 30 Stunden und mehr haben. Und was nicht alles bei mir anruft? Leute, die dem HSV die nächsten Gegner verzaubern können, sie müssten nur mal eben mit einem HSV-Verantwortlichen sprechen. Leute, die den HSV-Spielern Mut und Leben einhauchen würden, wenn sie es nur dürften – ich soll es vermitteln. Und Männer, die einige Spieler auf andere Positionen stellen würden, auf die kein Zinnbauer oder ein andere Coach jemals kommen würde – die aber Erfolge versprechen. Natürlich. Oder die sich in Sachen Ernährung einbringen würden, wenn sie es dürften – ein besonders Müsli würde ganz besondere Kräfte in den Spielern wecken.
All diesen Leuten kann ich nur immer wieder sagen: Ich bin gar nicht in der Lage, mit so etwas beim HSV vorstellig zu werden. Sie würden mich vom Hof jagen, weil sie derzeit ganz andere Sorgen haben. Deswegen mein Rat: Geht zum HSV in den Volkspark und sprecht die Leute direkt an – sie werden sich sicherlich über so viel Hilfe und Sorge freuen.

 

Nebenbei, ganz nebenbei sehe ich zurzeit gerade Mainz gegen Wolfsburg (gerade mit 1:1 beendet). Das sieht nach Fußball aus. Und eben, kurz vor der Pause, kreuzten doch glatt mal vier Mainzer im Wolfsburger Strafraum auf. Auch unfassbar . . .

 

(So, um 20 Uhr habe ich die Mail eines Users, die sich um Thomas Tuchel drehte, wieder herausgenommen – auf ganz besondere Wünsche vieler Matz-abber)

 

PS: Morgen soll im Volkspark zweimal trainiert werden. Vormittags und nachmittags.

 

PSPS: Die Agentur vermeldet, dass Joe Zinnbauer als Chef-Trainer des HSV bereits abgelöst worden ist – und dass er wieder zurück zur U23 gehen wird. Das aber kann ich nicht bestätigen. Noch nicht.

 

Aber da in Sachen der aktuellen HSV-Analyse immer noch keine Entscheidung nach außen gedrungen ist, kann ich nur darauf hinweisen, dass ich mich hier sofort melden würde, falls etwas beim HSV passieren sollte – oder ist. Aber das könnte noch eine etwas längere Nacht-Vorstellung werden. Und nicht vergessen: Es geht jetzt und hier und heute nicht um Zinnbauer, sondern nur um den
HSV!
Dieter
17.19 Uhr

0:2 – ohne Tor geht auch in Wolfsburg nichts!

9. November 2014

Der Betriebsausflug nach Wolfsburg ging in die Hose. Der HSV verlor beim neuen Tabellenzweiten VfL mit 0:2 und stellte einmal mehr unter Beweis, dass im Spiel nach vorne fast alles fehlt. Nur zwei Gegentreffer ist noch hinnehmbar, in der Offensive aber wird sich der Vier-Tore-HSV spätestens in der Winterpause etwas einfallen lassen müssen, denn so geht es nicht. So wird dieser HSV wieder nur gegen den Abstieg spielen, so kommt er da unten aus dem Sumpf auch kaum noch einmal heraus. Es ist schon grausam zu sehen, wie sich der HSV im Spiel nach vorne anstellt, wie groß die Defizite sind – das ist von 90 Minuten bestimmt 70 Minuten lang nicht einmal zweitligareif. Es darf in Hamburg weiter gezittert werden, aber ab heute recht, recht kräftig. Wenn die Dortmunder gleich gegen Mönchengladbach gewinnen sollten, dann rutscht der HSV auf den vorletzten Platz ab. Gute Nacht, Hamburg! Und der nächste Gegner ist in 14 Tagen im Volkspark Werder Bremen – gegen den Erzfeind ist ein HSV-Sieg auch nicht unbedingt eine klare Sache, wenn man mal in die Vergangenheit blickt. Es wird ein harter Winter, auch wenn es wettermäßig noch immer recht, recht mild ist. Zieht euch warm an, HSV-Fans, es kommen schwere Zeiten auf euch zu. Und der gute Joe Zinnbauer ist um seinen Trainer-Job in Hamburg wirklich nicht zu beneiden, nein, wirklich nicht!

Für Abendblatt-Blogs


 

Die Seitenwahl hatte Rafael van der Vaart gegen VfL-Kapitän Benaglio noch gewonnen . . . Aber schon bald war klar, dass HSV-Tore auch diesmal Mangelware bleiben würden.

 

Eines ist trotz allem klar – und auch gut zu sehen: Dieser HSV wehrt sich von der ersten Minute an. Er hält dagegen, er geht zur Sache, verschenkt nicht einen Zentimeter. Auch beim Bayern-Verfolger in Wolfsburg trat der HSV unerschrocken auf. Zwar nicht ganz in der Leverkusen-Verfassung, als es vor einer Woche ganz ordentlich im Karton rappelte, aber es wurde aggressiv dagegen gehalten. Und die Gelben Karten konnten sich nach einer Halbzeit auch sehenlassen. Dennis Diekmeier, der in der 18. Minute Vieirinha umgrätschte, Matthias Ostrzolek der gegen Träsch mit gestrecktem Bein vorging (21.), und Pierre-Michel Lasogga, der erst Naldo und dann Knoche zu Boden schickte (45.) wurden von Schiedsrichter Knut Kircher verwarnt. Glück hatte Rafael van der Vaart, der de Bruyne von hinten umgrätschte, aber kein Gelb sah – es war ganz, ganz hart am Rande (17.).

 

Nach Toren aber führte der VfL zur Pause mit 1:0, und das ist nun einmal entscheidend. In der 28. Minute wollte Valon Behrami den Ball auf Jaroslav Drobny zurückköpfen, der Ball flog aber ins Toraus – ein Missverständnis. Und das wurde „teuer“. Hunt schlug den Eckstoß von links zur Mitte, das „Ding“ war abgesprochen: Aus 20 Metern nahm de Bruyne den Ball volley, der Schuss wäre am HSV-Tor vorbeigeflogen, aber ausgerechnet der frühere HSV-Star Ivica Olic lenkte die Kugel noch ins Netz. Eigentlich wäre „Ivi“ im Abseits gewesen, aber weil sich Diekmeier sich zu spät vom langen Pfosten gelöst hatte, war es ein reguläres Tor. Leider, leider. Es hatte sich nicht angekündigt, obwohl man schon sagen musste, dass die Wolfsburger schon das bessere Team waren.

 

Es steckt in dieser Spitzen-Mannschaft schon eine Menge oder jede Menge Qualität drin. Das ist der Unterschied zwischen Hamburg und Wolfsburg – im Jahre 2014. Der HSV versuchte spielerische Defizite mit Kampf wettzumachen, was nicht immer gelang. Zudem lief nach vorne beim Zinnbauer-Team kaum etwas zusammen. Lediglich ein Freistoß schwor Gefahr vor dem VfL-Tor herauf. In der 15. Minute lag der Ball 20 Meter vor dem Wolfsburger Gehäuse, van der Vaart wollte aus halbrechter Position schießen, reklamierte aber – völlig richtig – den Abstand der Mauer. Kircher aber ließ sich nicht erweichen, er setzte sein Spray, so er denn eines mitgebracht hatte, konsequent nicht ein. Eigen ist eigen, das muss man ihm lassen. Wahrscheinlich war er auch damals der einzige Unparteiische, der auf sein Head-Set verzichten wollte – einer wehrte sich zu jener Zeit vehement gegen die Ohrenstöpsel – heute haben sie es alle. Weil es eine gute Sache ist. Das Spray wird Kircher eines Tages auch irgendwann einmal einsetzen. Ganz sicher.

 

Die ersten Möglichkeiten in Halbzeit zwei hatte der HSV:
50. Minute: Rafael van der Vaart aus halbrechter Position, Heiko Westermann stieg hoch und köpfte aus acht Metern um Zentimeter drüber.
59. Minute, Flanke Lewis Holtby, Kopfball von Lasogga, der sich gegen Vieirinha durchsetzte, aber der Ball flog weit über das Gehäuse. Das war es dann auch schon wieder.

 

Besser machten es die Wolfsburger. Obwohl es zunächst nicht danach aussah: Diekmeier sprintete nach vorne, wurde am Strafaum-Eck von Naldo gefällt, Gelb und Freistoß. Den schoss van der Vaart, abgeblockt, Konter des VfL, de Bruyne lief Behrami mit einem Lied auf den Lippen auf und davon, Eingabe von rechts, und dann stand Hunt völlig allein und sieben Meter vor Drobny: 2:0, weil der Neu-Wolfsburger eben ein abgezockter Typ ist, der weiß, was er mit der Kugel zu machen hat – und das macht er wirklich klasse. Das muss man neidlos anerkennen. Nicht anerkennen muss man, wie sich die HSV-Defensive verhalten hat – alle Mann nach vorne, das kann man machen, aber das ist in 64. Minute vielleicht ein wenig zu früh. Dass der HSV aufmachen würde (und müsste), das war schon klar, und dass dann das Risiko eines Konters eingegangen wird, ebenfalls. Und gleich der erste Konter saß – das ist bitter.

 

Der HSV brachte Zoltan Stieber, Julian Green und Valmir Nafiu, aber Artjoms Rudnevs blieb draußen. Nach den letzten Trainingseindrücken vom Sonnabend keine Überraschung. Aber nach vorne ging immer noch nichts – da half weder ein Wunder noch sprang der Fußball-Gott in die Bresche. Der HSV spielt ohne Offensive, und so lassen sich eben nur selten mal Spiele gewinnen. Es geht eben nicht immer gegen Dortmund und Leverkusen – nein, ein Scherz. Ohne Offensive muss es schon passen, wenn es einen Sieg geben soll, und es passt eben nicht immer.

 

Der HSV spielte mit: Drobny; Diekmeier, Djourou, Westermann, Ostrzolek; Behrami; Müller (ab 79. Min. Green), Holtby, van der Vaart (ab 79. Min. Nafiu), Jansen (ab 70. Min. Stieber); Lasogga.

 

Die Einzelkritik:

 

Jaroslav Drobny war am Gegentor schuldlos, ansonsten hatte er wenig zu halten. Das Wenige erledigte er aber souverän.

 

Dennis Diekmeier kniete sich mächtig und gut rein, erledigte seinen Job hinten zuverlässig, nach vorne schaffte er diesmal allerdings recht wenig. Was wohl auch oder in erster Linie der Qualität der VfL-Offensive geschuldet war. In der 62. Minute allerdings sprintete er bis an den VfL-Strafraum, und dann kam Naldo . . . Der sah Gelb, und Diekmeier Sterne.

 

Johan Djourou spielte einen soliden Part, große Klopse hatte er diesmal nicht mit auf den Rasen gebracht.

 

Heiko Westermann war in seinem 300. Bundesliga-Spiel defensiv eine Bank, räumte unten und oben ab, meistens recht kompromisslos, das war okay.

 

Matthias Ostrzolek ließ hinten nichts anbrennen und entfachte vorne leider nichts.

 

Valon Behrami biss wie immer kräftig zu, er ist eine Bank als Abräumer. Beim 0:2 aber sah er (im Laufduell mit de Bruyne) nicht gut aus.

 

Nicolai Müller lief viel, aber meistens ohne Ball, dementsprechend lief vieles – wenn nicht alles – an ihm vorbei. Der Wille, das muss schon erwähnt werden, ist ihm aber nicht abzusprechen. Wenn der HSV eine perfekt oder bestens funktionierende Offensive hätte, dann würde er wohl auch mal so richtig aufblühen, aber so etwas gibt es beim HSV ja leider nicht.

 

Lewis Holtby war in Halbzeit eins nicht zu sehen, dann „taute“ er allmählich auf. Etwas zu spät –leider.

 

Rafael van der Vaart gab alles, grätschte sogar einige Male, aber es reichte einmal mehr nicht – weil auch die Mitspieler nicht immer auf ihn eingehen (können?).

 

Marcell Jansen blieb diesmal blass, hatte kaum Szenen.

 

Pierre-Michel Lasogga rannte, rannte oft umsonst und vergeblich, aber irgendwie ist rennen auch nicht der Sport, der ihm auf den Leib geschneidert ist. So richtig eingesetzt wird er von den Kollegen jedenfalls nicht – und unterstützt auch nicht. Daran krankt diese Vier-Tore-Offensive – schon lange übrigens, nicht erst seit Wolfsburg.

 

Zoltan Stieber (ab 70. Min. für Jansen) machte mit, versuchte auch etwas, aber was sollte da nach vorne noch gehen? Es geht ja auch ohne ihn schon nichts, wie sollte er das schon ändern?

 

Valmir Nafiu (ab 79. Min. für van der Vaart) durfte noch ein paar Minuten Bundesliga-Luft schnuppern – gebracht hat es wenig. Aber für den Verkauf im Winter mag es vielleicht ganz gut sein . . .

 

Julian Green (ab 79. Min. für Müller) wirbelte noch einige Minuten, ohne dass er groß in Erscheinung trat. Aber das war auch nicht wirklich zu erwarten.

 

PS: Wir sind gleich wieder mit „Matz ab live“ zur Stelle. „Scholle“ und ich freuen uns auf Euch, wir werden natürlich über das Spiel gegen den VfL in Wolfsburg sprechen. Unsere Gäste sind die ehemaligen HSV-Profis Alexander Laas (ehemals Wolfsburg) und Stefan Schnoor, der frühere Wolfsburger und heutige Experte von „Sport1“.

 

17.27 Uhr

Jansen trifft zweimal für das A-Team!

8. November 2014

„Wir gewinnen! 2:0 für’n HSV, logisch. Ja ist doch logisch. Wer gegen Bayern 0:0 spielt, gegen Dortmund 1:0 gewinnt und gegen Leverkusen auch, der gewinnt doch auch in Wolfsburg. Vor Wolfsburg müssen wir nun wirklich keine Angst haben.“ Sagt wer? Das sagte mir heute vor dem Abschlusstraining im Volkspark „Helm-Peter“. Der Mann („Tschuldigung, da muss ich kurz mal dazwischen grätschen“) mit dem Bart. Und mit dem Fahrrad. Peter war einer von ganz wenigen Kiebitzen, die an diesem wunderbar sonnigen Tag den Weg zum HSV gefunden hatten. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit wurde trainiert, aber ein bisschen sehen kann man ja immer. Und festgestellt wurde schnell, dass Tolgay Arslan nicht mit von der Partie ist. Der „Pferdekuss“, den er sich im Training eingefangen hat, ließ heute kein Training zu – und morgen auch keinen Einsatz in Wolfsburg.

 

Die Sendung beginnt um 17:30 Uhr.

 

Ebenfalls fehlen wird an diesem Sonntag der ehemalige Wolfsburger Petr Jiracek, der an einer Fußprellung leidet und heute nur mit Reha-Coach Markus Günther durch den Volkspark lief. Ansonsten alles an Bord (natürlich bis auf Rene Adler und Maximilian Beister). Also auch Valon Behrami, der das gesamte Programm ohne Einschränkung absolvieren konnte.
Es wurde heute leicht und locker trainiert, nach der Aufwärmphase wurden Spielzüge über die Außen-Positionen geübt, in der Mitte wurde die jeweilige Spitze angespielt, der Ball dann nach außen weitergeleitet, Flanke – Tor. So sollte es jedenfalls im Normalfall aussehen, sah es natürlich nicht immer. Ist ja klar.

 

Nach dieser Übung ging es auf jenen Platz, der schlecht einsehbar ist – da spielte dann die A-Elf gegen das B-Team. Dieses Match ging über zwei Halbzeiten und dauerte 20 Minuten, die Stamm-Formation gewann durch zwei Treffer von Marcell Jansen 2:0. Und nach dem Spielchen applaudierte Trainer Joe Zinnbauer seinen Mannen und sparte auch nicht mit Lob: „Das war gut, Jungs, das war gut, das sah gut aus.“ Hoffentlich ernten die HSV-Profis auch morgen so viel Beifall. Apropos: Den erntete heute Artjoms Rudnevs bei der ersten Übung, als er eine Flanke knallhart und technisch super verwandelte. Da klatschten und lobten viele Mitspieler den Letten. Beifall gab es dazu auch für Pierre-Michel Lasogga, der auch einige Male sehr schön verwandelte.

 

Um Rudnevs gab es später noch einige Sorgen, denn der Lette war von Johan Djourou gefoult und zu Boden befördert worden. „Rudi“ humpelte danach einige Sekunden länger, hielt dann aber bis zum Schluss tapfer durch – um dann doch mit einem leicht schmerzverzerrtem Gesicht in die Kabine zu humpeln. Mal sehen, wie sich diese Verletzung noch am Abend „entwickelt“; kommen die Muskeln zur Ruhe (und werden kälter), könnte das durchaus noch richtig schmerzhaft werden. Das sah wie bei einem „Pferdekuss“ aus.

 

Kurz noch einmal zu Rudnevs. Beim „Matz-ab“-Treffen vor einer Woche wurden wir ja (u. a.) gefragt, warum der gute „Rudi“ zuletzt zweimal nicht mal auf der Bank saß, also keine Berücksichtigung bei Trainer Joe Zinnbauer fand. Es soll so sein, dass Artjoms Rudnevs einfach nur schlechter als die Kollegen trainiert hat, dass er im Training große Abschlussschwächen offenbart hat, und dass er die Laufwege der Mannschaft noch nicht so „kapiert“ hat, wie die anderen Mitspieler. So langsam soll es „kommen“, heute allerdings war davon nicht allzu viel zu erkennen. Ich habe, das muss ich mal sagen, Rudnevs schon besser und effektiver gesehen und erlebt. Er könnte es sicher noch besser, als er es derzeit anbietet. Aber vielleicht wird es ja demnächst noch etwas – wo er doch so von seinen Fans über den Rasen getragen wird. Das muss doch mal auf fruchtbaren Boden fallen, diese Fan-Liebe.

 

Zum Abschluss des heutigen Trainings gab es dann „Feuer frei“. Es wurde nach Herzenslust geschossen, wer immer wollte, der durfte, und die drei Torhüter (Jaroslav Drobny, Alexander Brunst und Kevin Otremba) flogen nach allen Regeln der Torwart-Kunst, weil ihnen mitunter auch gleich zwei oder sogar drei Bälle um die Ohren sausten. Das sollte Spaß machen, und es machte allen offenbar viel Spaß. Da hatte jeder einmal oder auch mehrfach das Gefühl, es ja doch noch zu können. Wäre für morgen ja gar nicht so unwichtig, mal das eine oder andere Törchen zu erzielen. Bei bislang erst vier HSV-Buden . . .

 

Apropos vier Buden. So etwas wird es wohl nie wieder geben: Der HSV spielte am 3. März 2000 in Wolfsburg und „schaffte“ nach einem 4:1-Vorsprung nur ein 4:4. Das allein ist schon denkwürdig, aber dass es im selben Jahr, und zwar am 23. September, beim erneuten Aufeinandertreffen in der Autostadt erneut ein 4:4 gab, das ist für mich immer noch sensationell. Wie oft gibt es in der Bundesliga ein 4:4? Und dann gelingt dieses Resultat zweimal hintereinander. Das ist wie ein Sechser im Lotto. Und was würden die HSV-Fans dafür geben, wenn heutzutage mal wieder vier Tore für ihre Mannschaft fallen würden!

 

Nur mal so zur Erinnerung, weil es so schön war. Das erste 4:4 erreichte für den HSV folgende Spieler: Butt, Hoogma, Hertzsch, Panadic, Hollerbach, Kovac, Fischer, Cardoso (Ernst), Mahdavikia, Yeboah (Hashemian), Präger (Dembinski). Die Tore schossen Mahdavikia (zwei) und Cardoso (zwei). Das zweite 4:4 „erspielten“ folgende Herren: Butt, Fukal, Hoogma, Hertzsch, Hollerbach, Töfting (Sandmann), Kovac, Cardoso (Ketelaer), Mahdavikia, Barbarez, Präger (Kientz). Die HSV-Tore markierten Mahdavikia, Fukal, Cardoso und Präger, der heute ja wieder ein „Wolf“ ist. Trainer der ganzen Geschichte war Frank Pagelsdorf, der offenbar Gefallen an diesem Ergebnis hatte, denn zwischendurch gab es ja noch ein 4:4 – das legendäre gegen Juventus Turin (13. September).
Wie schön, ich muss es noch einmal sagen, wären mal wieder vier HSV-„Dinger“. Und wenn es morgen ein 4:4 geben sollte – auch damit könnte ich (jetzt noch) wunderbar leben.

 

Im Moment aber ist ja Tor-Armut angesagt. Was dann ja auch zu verkraften wäre, wenn es denn – wie in Dortmund und gegen Leverkusen – einen 1:0-Sieg geben würde. Oder auf jeden Fall keine Niederlage. Ich bin gespannt, wie sich die Mannschaft kämpferisch aus der Affäre ziehen wird. Ob sie sich wieder zu reinhängt, wie zuletzt gegen die Werks-Elf aus Leverkusen, oder ob sie „halblang“ macht – wie gegen die jetzt schwer kriselnden Berliner? Ich habe immer noch eine Aussage von
Rafael van der Vaart im Ohr, der nach dem Sieg gegen Bayer bei „Sky“ gesagt hat: „Es war nicht nur für mich persönlich eine Befreiung, sondern auch für die ganze Mannschaft. So zu kämpfen, war schon geil. Für uns war es wichtig, zu zeigen, dass wir hier die Chefs sind.“ In Wolfsburg sind sie morgen ganz sicher nicht die Chefs, aber kämpfen darf man auch als nur „kleiner Angestellter“. Denn sie alle, die „kleinen Angestellten“ haben eines gezeigt: das sie es können! Also, macht’s noch einmal, Jungs!

 

Der HSV wird morgen mit jener Formation antreten, die auch zuletzt gegen Leverkusen begann – und das ist ja auch etwas Besonderes. Zweimal in Folge mit demselben Team, das gab es lange nicht (wenn ich richtig erinnere) – und zwei Siege hintereinander erst recht nicht. Morgen würde sich mal wieder die Chance dazu bieten – also fangt damit an!

 

Von Erfolg zu Erfolg eilen derweil die Regionalliga-Spieler des HSV, die ihr schweres Auswärtsspiel am Freitag in Havelse mit 2:1 gewannen. Es ist ein unglaublicher Lauf, den diese Talente da hinlegen, 16 Spiele, 14 Siege, zwei Unentschieden zu Hause, 52:11 Tore, 44 Punkte! Sensationell! Die Tore an diesem Freitag schossen Matti Steinmann und Ahmet Arslan. Super, super, großartig – weiter so! Und herzliche Glückwünsche!

 

So, ich komme zum Quiz. Es ging um die hervorragenden Illustrierten unseres Kollegen Oliver Wurm, der mit jedem deutschen WM-Helden sprach und es zu Papier gebracht hat. „Olli“ wird dafür wahrscheinlich einen Preis gewinnen, er ist für eine größere Auszeichnung nominiert. Völlig berechtigt, ganz nebenbei. Diese drei Hefte sind wahrscheinlich schon bei ihren Gewinnern. Und da ich die Postkarten in der Redaktion gelassen habe, es heute aber aufklären will, versuche ich mich zu erinnern, wohin diese Illustrierten gingen: Einmal nach Hamburg, zu Herrn Joppe. Dann nach Hille (wo immer es auch liegt) zu Herrn, und den weiß ich nun wirklich nicht mehr genau, ich tippe auf Herrn Fendel. Wir aber auf jeden Fall noch nachgereicht, damit mir kein Schmu unterstellt wird. Und der dritte Gewinner ist Carsten Hahn aus Windbergen (weiß ich auch nicht, wo das liegt). Alle drei Gewinner sind mir nicht persönlich bekannt, aber diese drei Herren haben eines gemeinsam: Sie sind die einzigen Teilnehmer an diesem Quiz, die alle zwölf Namen richtig haben.

 

Zu erraten waren: Paul Scharner, Manfred Kaltz, Harry Bähre, Holger Hieronymus, Thomas Doll, Hermann Rieger, Uwe Seeler, Lotto King Karl, Sven Neuhaus, Horst Schnoor, Klaus Neisner und Hans-Jürgen „Dittschi“ Ripp.

 
Eine Sache muss ich in diesem Zusammenhang noch erwähnen. Es gab eine Mail, auf der auch einige richtige Namen standen – und ich finde, dieses „Werk“ sollte dann auch ruhig mal Erwähnung finden, auch wenn es nicht ganz richtig ist – aber immerhin zum Schmunzeln. Allerdings, das vergaß der Absender wohl, ohne Adresse. Also wenn er gewonnen hätte, dann hätte ihn dieses WM-Heft wohl kaum erreicht. Hier nun der Text dazu:
 

sorry, der nachfolgende text passtnicht auf eine postkarte…

Ein Gewinnspiel, ein Gewinnspiel:
Ich KALTZ im Kopf nicht aus.
Was BÄHRE „Matz ab” ohne ein Gewinnspiel.
Hoffentlich gewinnt nicht ein SCHARNERtan,
sondern ein Teilnehmer, der von Zero to “HIERO” aufsteigt.
Das wäre DOLL.
Es gibt ja mehrere Gewinner, aber die entscheidende Frage lautet:
Wer wird erster RIEGER beim Promi-Quiz…?
Es heißt zwar “Geben ist SEELER denn nehmen”,
aber Preise abstauben ist letztlich wie im “LODDO” zu gewinnen.
Davon kann man sich dann ein NEUHAUS bauen
oder aber die kleinen Wünsche des Alltags erfüllen.
Das ist wie beim Durchtrennen der Nabel-SCHNOOR –
ein echtes Glücksgefühl.
Man ist zudem beliebt wie die größten STARS,
die ja auch immer diese tollen “FUMMEL” tragen.

Mit sportlichen Grüßen
WORTSPIELER

 

So, am morgigen Sonntag gibt es nach dem Spiel wie immer die immer beliebter werdende (ich muss es einfach mal wieder loswerden) HSV-Talk-Runde „Matz ab live“, diesmal mit den Gästen Stefan Schnoor und Alexander Laas sowie eventuell einem Überraschungs-Gast. „Scholle“ und ich, wir würden uns sehr freuen, wenn Ihr wieder mit von der Partie sein würdet.

 
Dann komme ich – sehr gerne übrigens – noch einmal auf das „Matz-ab“-Treffen vor einer Woche im „Anno 1887“ in Norderstedt zurück. Weil ich im Nachhinein gedacht habe, dass ich unseren „Mitstreiter“ Lars Pegelow zu wenig erwähnt habe – für einige „Neulinge“ auch nicht vorgestellt hatte. Sorry, mein Lars, das war ein Fauxpas der selten-blöden Art, ich entschuldige mich dafür. Du bist, das möchte ich sehr gerne hier erwähnen, eine sehr wertvolle Verstärkung für das „Matz-ab“-Team, Deine Texte sind immer sehr schön zu lesen und reichlich gefüllt mit Inhalt. Vielen Dank dafür. „Scholle“ hatte ich an diesem Abend gelobt, den Lars leider nicht, und deshalb hatte ich in dieser Woche doch reichlich Gewissensbisse.

Auch gegenüber unsere jungen „Mutter der Kompanie“, Eva/Hope. Sie fehlte an diesem Abend, hatte ihn aber vorher super organisiert, dafür auch an dieser Stelle und ganz offiziell herzlichen Dank für Deine großartige Hilfe, liebe Eva/Hope. Du bist in diesem Blog unersetzlich – und einfach nur toll!

 

PS: Zum „Matz-ab“-Treffen habe ich etliche Dankesschreiben (auch Fotos! Danke dafür, HSV-Lünen!) und –Anrufe erhalten, vielen dank dafür. Eine Zuschrift möchte ich schnell noch öffentlich machen, ich hoffe, dass ich das auch darf – aber sie hat mir deshalb so gut gefallen, weil sie das Niveau und die Stimmung an diesem Abend so gut widerspiegelt:

„Hallo Manfred,

kennen H. Matz und Herr Scholz eigentlich schon das schönste Garagentor in Nordrhein-Westfalen? Diese Bilder sind wirklich Klasse.
Morgen Abend schaue ich mir HSVII in Havelse an, von meiner Arbeitsstelle in Hannover ist dies nur ein Katzensprung entfernt. Am Sonntag bin ich mit Alnipe, Thomas Kerfin und Flashzbax in Wolfsburg.
Dank H. Matz kennen auch wir uns. Dadurch sind inzwischen schon richtige Freundschaften entstanden. Auch die “Nicht Plusser und Nicht Realos” sind HSVer. Deshalb halte ich Kontakte zu allen Fraktionen, u.a. Bob Dylan, Alnipe, usw., denn eines eint uns alle, die Liebe zu unserem HSV.

Gruß R.“

 

So, ich habe fertig. Ich wünsche Euch und Euren Lieben ein wunderschönes Wochenende, und dem HSV (damit uns allen) einen Auswärtssieg in Wolfsburg. Alles Gute!
Dieter

 

17.57 Uhr

Van der Vaart und Jansen fallen sicher aus – Nicolai Müller wackelt

11. September 2014

Der geneigte HSV-Fan musste heute beim Training schon mal zum Fernglas greifen. Mirko Slomka, der Trainer, hatte den Anfang der Vormittags-Einheit auf den hinteren Trainingsplatz verlegt, so dass es einige Minuten dauerte, ehe alle Spieler identifiziert werden konnten. Dabei gibt es doch so viele spannende Fragen: Ist Nicolai Müller fit? Ist Jansen wirklich verletzt? Was macht van der Vaart? Welcher Torwart steht im A-Team – Drobny oder Adler?

Für Abendblatt-Blogs



Im Laufe der 80 Minuten wurden ganz konkrete Antworten gegeben – aber besser sieht die Personalsituation nicht eben aus. So steht auf jeden Fall fest, dass Marcell Jansen einige Wochen fehlen wird. Der linke Verteidiger hat einen Muskelfaserriss erlitten. Damit ist unzweifelhaft, was wohl auch ohne die Verletzung so gekommen wäre: Matthias Ostrzolek wird am Sonntag in Hannover sein Startelf-Debüt für den HSV geben.

„Ich will natürlich endlich anfangen“, sagte Ostrzolek heute im Anschluss ans Training. Er strahlte richtig – und im Gegensatz zu manch anderer Einheit in den vergangenen Wochen wirkte er auch auf dem Platz spritziger und unternehmungslustiger. „Ich möchte Stabilität und Power ins Team bringen“, so Ostrzolek. „Was ich im letzten Jahr in Augsburg gezeigt habe, will ich auch hier zeigen.“ Dass im Nordduell nicht nur er, sondern auch der eine oder andere Neue mehr auf dem Rasen stehen wird, beunruhigt Ostrzolek nach eigener Aussage nicht: „Jeder von uns spielt seit 20 Jahren Fußball. Außerdem haben wir die Länderspielpause nutzen können, um uns einzuspielen – das sollte schon passen.“


Ostrzolek also optimistisch – und Trainer Slomka ließ seine neue A-Elf dann auch gleich gegen die vermeintliche B-Elf antreten. Bei allem Vorbehalt, denn es war eine Spielform, in der in der Abwehr nicht alles erlaubt war und ein spezielles Überzahlspiel einstudiert werden sollten, zeigte sich folgende Stamm-Mannschaft:

Drobny – Diekmeier, Djourou, Cleber, Ostrzolek – Behrami, Holtby – Ilicevic, van der Vaart, Stieber – Lasogga.

Diese Mannschaft erreichte ein 2:2 gegen die Reservisten:

Adler – Götz, Dongsu, Westermann, Jiracek – Arslan, Steinmann – Nafiu, P. Müller, Green – Rudnevs.

Die Tore für den Stamm erzielten van der Vaart und Lasogga, die Gegentreffer steuerten Green und Rudnevs bei. Wie gesagt, dieses Spiel und die Aufstellung sind nicht überzubewerten. Und zwar aus mehreren Gründen.

Dass Jaroslav Drobny heute im Kasten der vermeintlichen Hannover-Elf stand, muss keineswegs Symbolcharakter haben. Nach den Aussagen von Mirko Slomka im Anschluss an den Test gegen Neumünster vergangene Woche (3:0) gehe ich auch eher davon aus, dass Rene Adler weiter im HSV-Tor stehen wird.

Dazu kommt, dass Rafael van der Vaart gleich nach diesem Trainingsspiel in die Kabine gegangen ist und den Abschluss der Einheit nicht mehr mitmachen konnte. Zunächst war „nur“ von Wadenproblemen die Rede – mittlerweile ist klar, dass der Kapitän wieder zwei Wochen fehlen wird wegen einer Muskelverletzung. Und zwar genau an der Stelle, die ihn schon in der Partie gegen den SC Paderborn zur Auswechslung gezwungen hat.

Nun bietet sich also erneut eine Chance für den Rest des HSV zu zeigen, dass es auch ohne „Rafa” geht. Am Dienstag beim Walk of Fame hat Ex-Keeper Horst Schnoor dieses Thema witzigerweise angeschnitten, ohne ahnen zu können, dass der Mittelfeld-Stratege nun wirklich ausfallen würde. Er wurde angesprochen auf die Torwartfrage und sagte nur kurz und bündig: „Wir haben kein Torwartproblem. Warum spricht man nicht über andere Spieler – zum Beispiel van der Vaart?” Nun fehlt van der Vaart also in Hannover – vielleicht gelingt dem HSV ohne ihn der erste Sieg seit anno dazumal.

Den Namen von Nicolai Müller habe Ihr vielleicht bei den Mannschaftsaufstellungen vermisst. Der Flügelstürmer hat heute erneut nicht am Mannschaftstraining teilgenommen. Stattdessen absolvierte er sein individuelles Programm und lief am Ende mit Gojko Kacar Runden um die Trainingswiese, während sich die anderen im Spiel duellierten. Das sah denn natürlich noch nicht so aus, als ob seine hartnäckigen Adduktoren-Probleme endlich verschwunden wären. Anschließend signalisierte er jedoch, dass seine heutige Zurückhaltung geplant war, er am Freitag mit der Mannschaft aufs Feld kommen wolle und somit für Hannover alles möglich sei. Abwarten.

Nach dem Training haben wir mit dem Schweizer Johann Djourou gesprochen. Dort ging es auch um die Person von Trainer Slomka, der nach dem schlechten Saisonstart unter Druck gerät. „Er hat die Mannschaft unter Kontrolle und ist ein Supertrainer. Natürlich geht es immer schnell um den Trainer. Aber wir sind erst am Anfang der Saison. Wir haben in den letzten Wochen gut gearbeitet. Ich habe den Eindruck, dass es im Moment schon besser geht. Wir brauchen Punkte, das gibt Vertrauen, und dann geht alles besser.“

Soweit die Theorie. Aber der Schweizer Nationalspieler weiß auch, dass ihn und den HSV bei den 96ern eine heiße Partie erwartet: „Es wird nicht einfach in Hannover. Aber außer unserem guten Training haben wir auch viel geredet. Wir müssen wissen: Fußball ist auch Kampf! Diese Mentalität brauchen wir. Es reicht nicht, einfach nur gut Fußball spielen zu wollen.“ Ohnehin ist Djourou der Überzeugung, dass der HSV aus der vergangenen Saison viel Erfahrung mitgenommen und dazu jetzt eben neue Leute im Kader hat. Ergo: „Wir sind stärker.“

Wie sieht Djourou die Verstärkungen im einzelnen? „Holtby ist ein sehr guter Spieler, das sieht man sofort. Green ist sehr schnell und sehr stark. Auch Cleber Reis ist ein guter Spieler, wobei ich im Training jetzt erst einmal mit ihm zusammen gespielt haben, aber er ist gut am Mann. Für Matze (Ostrzolek) ist es auch eine gute Chance, sich jetzt zu beweisen. Und Nicolai Müller ist ein Superspieler. Er wird ganz wichtig für uns werden, wenn er fit ist. Wir brauchen gute Spieler, brauchen neuen Willen und müssen nach vorn gucken.“

Null Tore, erst ein Punkt, vorletzter Platz nach zwei Spielen. Djourou fasst zusammen: „Wir dürfen jetzt noch nicht alles zu dramatisch sehen, sondern müssen positiv bleiben.“

Wir haben hier in den vergangenen Monaten stets genau darauf geblickt, was mit der neuen HSV AG geschieht. Natürlich gibt es auch noch den HSV e.V. – und hier kommt offenbar Fahrt in künftige Personalplanungen. Oliver Scheel, bis vor kurzen noch HSV-Vorstand für Mitgliederbelange, hat seinen Hut in den Ring geworfen. Gestern hat er dem Beirat erklärt, dass er für das Amt des neuen e.V.-Präsidenten zur Verfügung steht.

Der Beirat ist ja der alte Aufsichtsrat (dem im übrigen mittlerweile Eckart Westphalen vorsteht und nicht mehr Jens Meier) und insofern zuständig für die Kontrolle des e.V.-Präsidiums. Vor diesem Gremium also hat Oliver Scheel gesprochen, der ja selbst nach der Ausgliederung des Profi-Fußball-Bereichs in eine AG vom alten HSV-Vorstand ins e.V.-Präsidium gewechselt ist. Im Januar auf der nächsten Mitgliederversammlung wird das neue e.V.-Präsidium gewählt.

„Ich möchte meine Arbeit dem Verein anbieten“, sagt Scheel zu seiner bevorstehenden Kandidatur. „Ich will jetzt nicht einfach gehen. In den vergangenen Jahren habe ich in vielen verschiedenen Funktionen beim HSV gearbeitet. Nach der Ausgliederung und mit ein wenig Abstand bin ich zu dem Entschluss gekommen, nun für das Amt des Präsidenten anzutreten.“ In der Satzung ist die Frage, ob der e.V.-Präsident als bezahltes oder unbezahltes Amt geführt wird, offen gelassen. Scheel tritt nur für einen bezahlten Posten an, das macht er auch deutlich. Der Arbeitsumfang gibt eine rein ehrenamtliche Tätigkeit nicht her, glaubt Scheel.

Ob es andere Kandidaten geben wird, ist zur Stunde noch nicht bekannt. Carl Jarchow, dessen Vertrag als AG-Vorstand im kommenden Jahr ausläuft, hatte zuletzt immer ausgeschlossen, als e.V-Präsident zu kandidieren.

Zu einem anderen Thema. Bei uns ist noch eine Frage eingetroffen aus dem Südwesten des Landes:

Hi liebes Matz-ab-Team, danke für den Blog. Ich komme aus Saarbrücken und bekomme aus Hamburg nicht so viel mit. Könntet ihr mal erwähnen, was die Hamburger Bewerbung für Olympia mit dem Volkspark vor hat?
Hoffentlich auf Bundeskosten sanieren!
LG aus dem Saarland
Aljosha

Grüße zurück nach Saarbrücken – das mit der Komplett-Sanierung steht komischerweise nicht im Olympia-Konzept, aber doch ist der HSV betroffen bzw. eingebunden in die Planungen der Stadt Hamburg. Und zwar im Wesentlichen durch zweierlei: zum einen, wie zu erwarten, mit der imtech-Arena, in der Olympische Fußball-Spiele stattfinden sollen – insbesondere auch die Finals.

Weil das gesamte Turnier der Frauen und Männer nicht in einer Arena ausgetragen werden kann, sollen weitere Standorte eingebunden werden (Bremen, Wolfsburg, Rostock, Hannover, Braunschweig), so dass Olympische Fußball-Turnier ein Norddeutsches werden wird.

Zum Zweiten ist der Bau eines weiteren Stadions geplant mit einer Kapazität von 10.000 Plätzen, in dem Rugby gespielt werden soll. Anschließend soll dieses kleine Stadion weitergenutzt werden als Amateur-Fußball-Stadion – so steht es im offiziellen Bewerbungs-Konzept. Das heißt: Die U 23 des HSV könnte eine neue Heimat erlangen. Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass andere Sportarten dort stattfinden können. American Football etwa, oder vielleicht sogar (mit Kunstrasen) größere Hockey-Veranstaltungen.

Wo genau dieses Stadion stehen könnte, ist noch nicht besprochen. Auf einem oder mehreren der geplanten neuen Trainingsplätze des HSV (die zum „Campus“-Projekt gehören sollen) nun nicht unbedingt – der Verein benötigt ja schließlich seine sieben Trainingsrasen. Das haben der AG-Vorsitzende Dietmar Beiersdorfer und Sport-Direktor Bernhard Peters ja gerade erst ausgearbeitet. Dennoch denke ich, dass eine Lösung in dieser Frage eher ein kleines Problem auf dem Weg Hamburgs zur Austragung Olympischer Spiele sein dürfte…

Wie auch immer – das ganze ist Zukunftsmusik. Die kompletten Bewerbungskonzepte Hamburgs und von Berlin sind übrigens auf der Internetseite des Deutschen Olympischen Sport Bundes (DOSB) veröffentlicht.

Der guten Vollständigkeit halber hier noch eine Meldung:

SID – Trainer Bert van Marwijk hat sein kurzes und erfolgloses Engagement beim Fußball-Bundesligisten Hamburger SV im Nachhinein bedauert und als Fehler bezeichnet «Da ging vieles drunter und drüber, so etwas habe ich noch nie erlebt. Die Konzentration auf den Fußball war fast nicht möglich», sagte der Niederländer der Bild-Zeitung. Die Hanseaten hatten den 62-Jährigen im September vergangenen Jahres als Nachfolger von Thorsten Fink verpflichtet. Nach nur drei Siegen aus 15 Spielen wurde der Coach im Februar 2014 bereits wieder beurlaubt und durch Mirko Slomka ersetzt. Mittlerweile arbeitet van Marwijk als TV-Experte beim niederländischen Fernsehen.

Hat er recht, der Bert van Marwijk? Klar hat er recht. Aber: Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein – heißt es schon in der Bibel. Oder auf van Marwijk übertragen: Ein bisschen weniger Selbstgerechtigkeit, dazu ein demütiger Blick auf das eigene und durch den HSV um einige Millionen Euro gefüllte Konto (wo war die Gegenleistung?) wäre ein besserer Schritt gewesen, als diese Aussagen in der „Bild“ zu platzieren.

Morgen ist wieder Training um 10 Uhr. Dieter wird Euch über alles auf dem Laufenden halten.

Lars

18.22 Uhr

Herzlich willkommen, lieber Mats!

10. September 2014

Mats ab! Aus ganz besonderem Grund heute etwas früher. Mats ab!

Jawoll, Mats ab! Mit „s“. Unser „Scholle“ ist heute zum dritten Mal Papa geworden, dazu ihm und der Mutter Sandra alles, alles Gute. Und dem neuen Erdenbürger „Mats Niklas“ möchte ich zurufen: „Viel Erfolg und viel Spaß auf dieser Welt, hau rein, mein Junge, werde ein Super-Fußballer und setze Dich durch in oder auf dieser doch manchmal auch ungemütlichen und ungerechten Kugel. Und werde natürlich HSV-Fan, wie Dein Papa.“ Der teilte übrigens mit, dass es Mutter und Knabe gut gehe – Mats kam heute um 11.33 Uhr zur Welt, fast eine Punktlandung, denn der 9. September war der Stichtag, der Neu-HSVer wog bei seiner Ankunft 3760 Gramm, verteilt auf 53 Zentimeter.
Also, der jungen Familien noch einmal einen ganz besonders herzlichen Glückwunsch, und die „Matz-ab“-Gemeinde sollte heute mal zu einer etwas anderen Feier aufgelegt sein – Prost!

 

Zum Fußball-Alltag:

Das ist leider ein wenig untergegangen, was ich sehr, sehr schade finde: Bei der Feier und der Erweiterung des HSV „Walk of fame“, 2005 erfunden und seitdem organisiert und finanziert vom rührigen Unternehmer Andreas Maske, hielt der Kapitän der HSV-Meistermannschaft von 1960, Jochen Meinke, eine brillante Rede für den posthum geehrten Erwin Seeler. Das Besondere an dieser Rede: Meinke, im HA-Video versehentlich als „Meine“ vorgestellt (sorry!), sprach „freihändig“. Das heißt, ohne jede Unterstützung durch ein Manuskript oder einem Zettel. Frisch, frei und fromm von der Leber weg, der 83-jährige ist immer noch in Weltklasse-Form. Unglaublich, und er erntete für diesen Auftritt nicht nur viel Beifall, sondern Schulterklopfer und von allen Seiten höchstes Lob. Was Jochen Meinke – bescheiden wie er ist – immer weit wegschob von sich: „Ich habe nur das erzählt, was ich mit Erwin Seeler und der gesamten Familie erlebt habe, ich wohnte doch um die Ecke. Und wenn ich ehrlich bin, dann wollte ich noch so viel mehr erzählen, aber ich habe das denn doch weggelassen.“

 


Wie gesagt, sehr schade. Denn für mich, und sicher nicht nur für mich, war dieser Meinke-Auftritt aber ein besonderes Erlebnis und wird es immer bleiben. Weil er einzigartig ist.

 

Die Stimmung ist und soll auch nach Auskunft der Promis in diesem Jahr wieder super gewesen sein. Der frühere Aufsichtsrats-Chef Udo Bandow lobte: „So harmonisch und stimmungsvoll war es lange nicht mehr, das war eine der schönsten HSV-Versammlungen der vergangenen Jahre.“
Von den „alten Herren“ waren Willi Schulz, Horst Schnoor (mit Ehefrau Gerda), Erwin Piechowiak (mit Ehefrau Mienchen), Klaus Neisner, Harry Bähre, Vereins-Manager Bernd Wehmeyer, Aufsichtsratsmitglied Peter Nogly und der heutige Marketing-Mitarbeiter Sven Neuhaus gekommen, ferner die HSV-Größen Carl-Edgar Jarchow, Oliver Scheel, Dieter Horchler und viele, viele mehr. Zudem natürlich Uwe Seeler (mit Ehefrau Ilka und den Töchtern mit Schwiegersöhnen!), der die Ehrung für seinen Papa „old Erwin“ entgegennahm, und Laudator Rudi Kargus, der seinen Vorgänger und Freund Arkoc Özcan ehrte. Holger Hieronymus ist nun ebenfalls neu verewigt, und auch Bernd Hollerbach, der leider absagen musste, da er daheim in Würzburg an einer schweren Magen-und-Darm-Grippe leidet. Gefehlt hat, neben anderen, diesmal Dr. Peter Krohn. Das Wetter war wohl zu schlecht, denn vorher hatte es lange kräftig geschüttet . . .
Für alle HSVer, die anwesend waren, das muss erwähnt werden, gab es erfreulicherweise keine Diskussion darüber, ob sich hier nun die HSV-AG oder der HSV e.V. getroffen hat – es ging einzig und allein um den HSV. Wie schön. Am Rande sei noch bemerkt, dass sogar zwei Bremer bei der Zeremonie dabei waren: Max Lorenz, seit Jahrzehnten ein ganz, ganz dicker Freund von Uwe Seeler, und der frühere Verteidiger Dieter Zembski, der von der Feier wusste und zufällig (Arbeit) in der Nähe war.

 

Erfreulich an diesem Tag:

Eine Trainer-Diskussion gab es am Rande der Veranstaltung nicht. Die meisten vertraten diese Auffassung: „Wie oft hat der HSV in den letzten Jahren schon den Trainer gewechselt? Das ist doch schon nicht mehr zu zählen. Gebracht hat es nie etwas – nie. Das sollten sich einmal alle überlegen. Es hat dem HSV nur immer viel Geld gekostet. Jetzt sollten die Spieler mal etwas dafür leisten, dass es dem HSV wieder besser geht. Und da ist dann auch der Club gefordert, der sollte endlich mal etwas weniger hohe Gehälter zahlen, dafür ordentliche Prämien, wenn tatsächlich etwas erreicht worden ist. Und zudem sollte nun endlich damit angefangen werden, auf den Nachwuchs zu setzen – die U23 hat ja einen erstaunlichen Weg eingeschlagen.“ Das war so oder so ähnlich an allen Ecken und an den meisten Tischen zu hören.

 

Natürlich waren auch die Kollegen aus der Medienbranche zugegen. Es wurden viele, viele Interviews geführt – das hat Tradition. Am Abend sah und hörte ich dann:
„Der Trainer braucht keine Leute die ihm sagen, wen er aufstellen soll . . .“ Das sagte Holger Hieronymus beim TV-Sender „Hamburg1“. Das war offenbar eine Antwort darauf, dass zuvor in einer Hamburger Zeitung zu lesen gewesen war, dass es aus dem Aufsichtsrat Tipps für Mirko Slomka gegeben hatte, dass nun die „Neuen“ gegen Hannover spielen sollten und müssten. Aber wie bereits geschrieben, es wurde dann keine Trainer-Diskussion vom Zaume gebrochen . . .

 

Zum Sportlichen, und da gibt es aus meiner Sicht recht Erfreuliches zu berichten.
Während die Mannschaft heute frei bekommen hat (nicht weil „Scholle“ Papa geworden ist!), trainierten einige zuletzt angeschlagene Spieler, um doch noch rechtzeitig für das Hannover-Spiel am Sonntag fit zu werden. Rafael van der Vaart ging mit Reha-Trainer Markus Günther zu einer Sonderschicht auf den Platz, Ivo Ilicevic arbeitete im Kraftraum. Auch Slobodan Rajkovic (nach Kreuzbandriss) und Gojko Kacar (nach Außenbandanriss im Knie) schufteten weiter für ein Comeback, Neuzugang Nikolai Müller sowie der erkältete Marcell Jansen fanden sich zur Pflege ein. Dafür, dass das ein freier Tag war, war doch relativ viel im Volkspark los – was mir ausnahmslos gut, nein sehr gut gefällt.

 

Dann las ich heute im Hamburger Abendblatt:
„Dennis Diekmeier lebt seinen Traum“. Und in den verschiedenen Video-Texten eine Aussage von Bundestrainer Joachim „Jogi“ Löw, der über die schlechte Defensive seiner Mannschaft befand: „Wir können uns leider noch keinen Philipp Lahm aus dem Hut zaubern. Die jungen Verteidiger sind sicher talentiert, aber sie brauchen noch ein wenig Zeit, um sich zu verbessern, das wird wohl dauern bis zur nächsten WM. . . .“ Aber dann. Oder: und dann?

 

Das wäre doch genug Ansporn für Dennis Diekmeier. Von dem nach dem Paderborn-Spiel ein großer HSVer mir gegenüber gesagt hat: „Diekmeier war der einzige Hamburger, der auf mich einen absolut fitten Eindruck gemacht hat. Der beackert die rechte Seite fast allein, rast 80 Meter rauf und 80 Meter runter, und das immer wieder. Der scheint mir wirklich voll im Saft zu stehen, vielleicht so wie gut noch nie . . .“

 

Kann schon sein. Aber zu einem Nationalspieler gehört dann doch ein wenig mehr. Unter anderem auch, dass man eine gewisse Defensivstärke besitzt, dass man zweikampfstark ist, dass man weiß, wie man sich in bestimmten Situationen zu verhalten hat, dazu gehört ferner auch eine gewisse Kopfballstärke. All das ist zu erlernen. Wir hatten beim HSV einst einen talentierten Spieler wie Christian Rahn. Der wurde sogar Nationalspieler (unter Rudi Völler). Aber „Rahner“ hatte ähnliche Schwächen wie Diekmeier nun. Ich empfahl Rahn damals, sich privat einen Trainer zu nehmen, damit er sich verbessert, aber es geschah nichts. Und der HSV-Profi hatte schnell seine Nationalmannschafts-Karriere beendet – und dann auch seine Erstliga-Karriere. Schade drum. Rahn war talentiert, hatte einen sensationellen linken Fuß, konnte gut flanken und super schießen. Nur nach hinten war er verbesserungsfähig, doch weder er noch irgendeiner beim HSV haben daran gearbeitet. Ich sage und behaupte noch heute: „Eine verschenkte Profi-Karriere.“

Heute würde ich auch Dennis Diekmeier einen Privat-Trainer empfehlen, wenn der HSV-Abwehrspieler noch etwas werden will. Und die Chance, dass er noch etwas werden könnte, ist ja so groß wie nie. Nur wird beim HSV wurde daran so gut wie nie gearbeitet, und ich habe die Hoffnung aufgegeben, dass daran noch einmal explizit gearbeitet wird. Vormittags Training mit der Mannschaft, nachmittags mit einem Trainer (und vielleicht sogar einem „Gegenspieler“, der die Zweikämpfe führt!) auf den Acker. Des wäre ein Anfang. Diekmeier würde sich defensiv bestimmt verbessern, wenn sein Auge, sein Kopfball- und sein Stellungsspiel geschult werden würde.

 

Aber da Individual-Training in der Bundesliga und für die Trainer kaum ein Thema ist, sollte er nun selbst handeln – wenn er noch die ganz große Karriere starten will. Ich kann nur daran erinnern, dass zwei mir bekannte Profis einst „eigenhändig“ Privat-Trainer engagiert – und davon absolut profitiert haben. Dennis Diekmeier wird im Oktober 25 Jahre alt, noch würden ihm alle Türen offen stehen, aber er sollte jetzt wissen, dass er ziemlich bald damit anfangen müsste, etwas für sich zu tun. Andere werden es nicht für ihn erledigen. Die sind alle viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, so ist das im heutigen Profi-Geschäft.

 

So, bevor ich zum Ende komme, schnell noch einmal der Hinweis in eigener Sache:

Jeden Montag kann man sich künftig ab 4 Uhr morgens über ikiosk.de oder über die ikiosk App das Sonderheft „HSV KOMPAKT“ herunterladen. Die Ausgabe mit jeweils zwölf Seiten startet jeweils mit den Berichten zum aktuellen Bundesliga-Spiel. Dann folgen die Artikel, die wir unter der Woche über den HSV veröffentlicht haben.

Für treue Leser unseres HSV-Blogs „Matz ab“ gibt es noch einen besonderen Service. In gekürzter Form erscheinen auf einer Doppelseite die Kolumnen unserer Experten Dieter Matz, Marcus Scholz und Lars Pegelow. Jede „HSV KOMPAKT“-Ausgabe schließt mit einer historischen Seite, wo wir Triumphe und Dramen der langen HSV-Geschichte Revue passieren lassen.

„HSV KOMPAKT“ kostet nur 0,89 Cent pro Ausgabe im Einzelverkauf über ikiosk.de oder die ikiosk App (gibt es für iPhone, iPad (iOS) und für Geräte mit Googles Android). Natürlich kann man sich die zwölf Seiten einfach ausdrucken. Während der Winter- und der Sommerpause der Bundesliga erscheint „HSV KOMPAKT“ nicht.

 

PS: Morgen, am Donnerstag, wird beim HSV wieder im Volkspark trainiert, und zwar um 10 Uhr.

 

17.05 Uhr

Nächste Einträge »