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Van der Vaart und Jansen fallen sicher aus – Nicolai Müller wackelt

11. September 2014

Der geneigte HSV-Fan musste heute beim Training schon mal zum Fernglas greifen. Mirko Slomka, der Trainer, hatte den Anfang der Vormittags-Einheit auf den hinteren Trainingsplatz verlegt, so dass es einige Minuten dauerte, ehe alle Spieler identifiziert werden konnten. Dabei gibt es doch so viele spannende Fragen: Ist Nicolai Müller fit? Ist Jansen wirklich verletzt? Was macht van der Vaart? Welcher Torwart steht im A-Team – Drobny oder Adler?

Für Abendblatt-Blogs



Im Laufe der 80 Minuten wurden ganz konkrete Antworten gegeben – aber besser sieht die Personalsituation nicht eben aus. So steht auf jeden Fall fest, dass Marcell Jansen einige Wochen fehlen wird. Der linke Verteidiger hat einen Muskelfaserriss erlitten. Damit ist unzweifelhaft, was wohl auch ohne die Verletzung so gekommen wäre: Matthias Ostrzolek wird am Sonntag in Hannover sein Startelf-Debüt für den HSV geben.

„Ich will natürlich endlich anfangen“, sagte Ostrzolek heute im Anschluss ans Training. Er strahlte richtig – und im Gegensatz zu manch anderer Einheit in den vergangenen Wochen wirkte er auch auf dem Platz spritziger und unternehmungslustiger. „Ich möchte Stabilität und Power ins Team bringen“, so Ostrzolek. „Was ich im letzten Jahr in Augsburg gezeigt habe, will ich auch hier zeigen.“ Dass im Nordduell nicht nur er, sondern auch der eine oder andere Neue mehr auf dem Rasen stehen wird, beunruhigt Ostrzolek nach eigener Aussage nicht: „Jeder von uns spielt seit 20 Jahren Fußball. Außerdem haben wir die Länderspielpause nutzen können, um uns einzuspielen – das sollte schon passen.“


Ostrzolek also optimistisch – und Trainer Slomka ließ seine neue A-Elf dann auch gleich gegen die vermeintliche B-Elf antreten. Bei allem Vorbehalt, denn es war eine Spielform, in der in der Abwehr nicht alles erlaubt war und ein spezielles Überzahlspiel einstudiert werden sollten, zeigte sich folgende Stamm-Mannschaft:

Drobny – Diekmeier, Djourou, Cleber, Ostrzolek – Behrami, Holtby – Ilicevic, van der Vaart, Stieber – Lasogga.

Diese Mannschaft erreichte ein 2:2 gegen die Reservisten:

Adler – Götz, Dongsu, Westermann, Jiracek – Arslan, Steinmann – Nafiu, P. Müller, Green – Rudnevs.

Die Tore für den Stamm erzielten van der Vaart und Lasogga, die Gegentreffer steuerten Green und Rudnevs bei. Wie gesagt, dieses Spiel und die Aufstellung sind nicht überzubewerten. Und zwar aus mehreren Gründen.

Dass Jaroslav Drobny heute im Kasten der vermeintlichen Hannover-Elf stand, muss keineswegs Symbolcharakter haben. Nach den Aussagen von Mirko Slomka im Anschluss an den Test gegen Neumünster vergangene Woche (3:0) gehe ich auch eher davon aus, dass Rene Adler weiter im HSV-Tor stehen wird.

Dazu kommt, dass Rafael van der Vaart gleich nach diesem Trainingsspiel in die Kabine gegangen ist und den Abschluss der Einheit nicht mehr mitmachen konnte. Zunächst war „nur“ von Wadenproblemen die Rede – mittlerweile ist klar, dass der Kapitän wieder zwei Wochen fehlen wird wegen einer Muskelverletzung. Und zwar genau an der Stelle, die ihn schon in der Partie gegen den SC Paderborn zur Auswechslung gezwungen hat.

Nun bietet sich also erneut eine Chance für den Rest des HSV zu zeigen, dass es auch ohne „Rafa” geht. Am Dienstag beim Walk of Fame hat Ex-Keeper Horst Schnoor dieses Thema witzigerweise angeschnitten, ohne ahnen zu können, dass der Mittelfeld-Stratege nun wirklich ausfallen würde. Er wurde angesprochen auf die Torwartfrage und sagte nur kurz und bündig: „Wir haben kein Torwartproblem. Warum spricht man nicht über andere Spieler – zum Beispiel van der Vaart?” Nun fehlt van der Vaart also in Hannover – vielleicht gelingt dem HSV ohne ihn der erste Sieg seit anno dazumal.

Den Namen von Nicolai Müller habe Ihr vielleicht bei den Mannschaftsaufstellungen vermisst. Der Flügelstürmer hat heute erneut nicht am Mannschaftstraining teilgenommen. Stattdessen absolvierte er sein individuelles Programm und lief am Ende mit Gojko Kacar Runden um die Trainingswiese, während sich die anderen im Spiel duellierten. Das sah denn natürlich noch nicht so aus, als ob seine hartnäckigen Adduktoren-Probleme endlich verschwunden wären. Anschließend signalisierte er jedoch, dass seine heutige Zurückhaltung geplant war, er am Freitag mit der Mannschaft aufs Feld kommen wolle und somit für Hannover alles möglich sei. Abwarten.

Nach dem Training haben wir mit dem Schweizer Johann Djourou gesprochen. Dort ging es auch um die Person von Trainer Slomka, der nach dem schlechten Saisonstart unter Druck gerät. „Er hat die Mannschaft unter Kontrolle und ist ein Supertrainer. Natürlich geht es immer schnell um den Trainer. Aber wir sind erst am Anfang der Saison. Wir haben in den letzten Wochen gut gearbeitet. Ich habe den Eindruck, dass es im Moment schon besser geht. Wir brauchen Punkte, das gibt Vertrauen, und dann geht alles besser.“

Soweit die Theorie. Aber der Schweizer Nationalspieler weiß auch, dass ihn und den HSV bei den 96ern eine heiße Partie erwartet: „Es wird nicht einfach in Hannover. Aber außer unserem guten Training haben wir auch viel geredet. Wir müssen wissen: Fußball ist auch Kampf! Diese Mentalität brauchen wir. Es reicht nicht, einfach nur gut Fußball spielen zu wollen.“ Ohnehin ist Djourou der Überzeugung, dass der HSV aus der vergangenen Saison viel Erfahrung mitgenommen und dazu jetzt eben neue Leute im Kader hat. Ergo: „Wir sind stärker.“

Wie sieht Djourou die Verstärkungen im einzelnen? „Holtby ist ein sehr guter Spieler, das sieht man sofort. Green ist sehr schnell und sehr stark. Auch Cleber Reis ist ein guter Spieler, wobei ich im Training jetzt erst einmal mit ihm zusammen gespielt haben, aber er ist gut am Mann. Für Matze (Ostrzolek) ist es auch eine gute Chance, sich jetzt zu beweisen. Und Nicolai Müller ist ein Superspieler. Er wird ganz wichtig für uns werden, wenn er fit ist. Wir brauchen gute Spieler, brauchen neuen Willen und müssen nach vorn gucken.“

Null Tore, erst ein Punkt, vorletzter Platz nach zwei Spielen. Djourou fasst zusammen: „Wir dürfen jetzt noch nicht alles zu dramatisch sehen, sondern müssen positiv bleiben.“

Wir haben hier in den vergangenen Monaten stets genau darauf geblickt, was mit der neuen HSV AG geschieht. Natürlich gibt es auch noch den HSV e.V. – und hier kommt offenbar Fahrt in künftige Personalplanungen. Oliver Scheel, bis vor kurzen noch HSV-Vorstand für Mitgliederbelange, hat seinen Hut in den Ring geworfen. Gestern hat er dem Beirat erklärt, dass er für das Amt des neuen e.V.-Präsidenten zur Verfügung steht.

Der Beirat ist ja der alte Aufsichtsrat (dem im übrigen mittlerweile Eckart Westphalen vorsteht und nicht mehr Jens Meier) und insofern zuständig für die Kontrolle des e.V.-Präsidiums. Vor diesem Gremium also hat Oliver Scheel gesprochen, der ja selbst nach der Ausgliederung des Profi-Fußball-Bereichs in eine AG vom alten HSV-Vorstand ins e.V.-Präsidium gewechselt ist. Im Januar auf der nächsten Mitgliederversammlung wird das neue e.V.-Präsidium gewählt.

„Ich möchte meine Arbeit dem Verein anbieten“, sagt Scheel zu seiner bevorstehenden Kandidatur. „Ich will jetzt nicht einfach gehen. In den vergangenen Jahren habe ich in vielen verschiedenen Funktionen beim HSV gearbeitet. Nach der Ausgliederung und mit ein wenig Abstand bin ich zu dem Entschluss gekommen, nun für das Amt des Präsidenten anzutreten.“ In der Satzung ist die Frage, ob der e.V.-Präsident als bezahltes oder unbezahltes Amt geführt wird, offen gelassen. Scheel tritt nur für einen bezahlten Posten an, das macht er auch deutlich. Der Arbeitsumfang gibt eine rein ehrenamtliche Tätigkeit nicht her, glaubt Scheel.

Ob es andere Kandidaten geben wird, ist zur Stunde noch nicht bekannt. Carl Jarchow, dessen Vertrag als AG-Vorstand im kommenden Jahr ausläuft, hatte zuletzt immer ausgeschlossen, als e.V-Präsident zu kandidieren.

Zu einem anderen Thema. Bei uns ist noch eine Frage eingetroffen aus dem Südwesten des Landes:

Hi liebes Matz-ab-Team, danke für den Blog. Ich komme aus Saarbrücken und bekomme aus Hamburg nicht so viel mit. Könntet ihr mal erwähnen, was die Hamburger Bewerbung für Olympia mit dem Volkspark vor hat?
Hoffentlich auf Bundeskosten sanieren!
LG aus dem Saarland
Aljosha

Grüße zurück nach Saarbrücken – das mit der Komplett-Sanierung steht komischerweise nicht im Olympia-Konzept, aber doch ist der HSV betroffen bzw. eingebunden in die Planungen der Stadt Hamburg. Und zwar im Wesentlichen durch zweierlei: zum einen, wie zu erwarten, mit der imtech-Arena, in der Olympische Fußball-Spiele stattfinden sollen – insbesondere auch die Finals.

Weil das gesamte Turnier der Frauen und Männer nicht in einer Arena ausgetragen werden kann, sollen weitere Standorte eingebunden werden (Bremen, Wolfsburg, Rostock, Hannover, Braunschweig), so dass Olympische Fußball-Turnier ein Norddeutsches werden wird.

Zum Zweiten ist der Bau eines weiteren Stadions geplant mit einer Kapazität von 10.000 Plätzen, in dem Rugby gespielt werden soll. Anschließend soll dieses kleine Stadion weitergenutzt werden als Amateur-Fußball-Stadion – so steht es im offiziellen Bewerbungs-Konzept. Das heißt: Die U 23 des HSV könnte eine neue Heimat erlangen. Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass andere Sportarten dort stattfinden können. American Football etwa, oder vielleicht sogar (mit Kunstrasen) größere Hockey-Veranstaltungen.

Wo genau dieses Stadion stehen könnte, ist noch nicht besprochen. Auf einem oder mehreren der geplanten neuen Trainingsplätze des HSV (die zum „Campus“-Projekt gehören sollen) nun nicht unbedingt – der Verein benötigt ja schließlich seine sieben Trainingsrasen. Das haben der AG-Vorsitzende Dietmar Beiersdorfer und Sport-Direktor Bernhard Peters ja gerade erst ausgearbeitet. Dennoch denke ich, dass eine Lösung in dieser Frage eher ein kleines Problem auf dem Weg Hamburgs zur Austragung Olympischer Spiele sein dürfte…

Wie auch immer – das ganze ist Zukunftsmusik. Die kompletten Bewerbungskonzepte Hamburgs und von Berlin sind übrigens auf der Internetseite des Deutschen Olympischen Sport Bundes (DOSB) veröffentlicht.

Der guten Vollständigkeit halber hier noch eine Meldung:

SID – Trainer Bert van Marwijk hat sein kurzes und erfolgloses Engagement beim Fußball-Bundesligisten Hamburger SV im Nachhinein bedauert und als Fehler bezeichnet «Da ging vieles drunter und drüber, so etwas habe ich noch nie erlebt. Die Konzentration auf den Fußball war fast nicht möglich», sagte der Niederländer der Bild-Zeitung. Die Hanseaten hatten den 62-Jährigen im September vergangenen Jahres als Nachfolger von Thorsten Fink verpflichtet. Nach nur drei Siegen aus 15 Spielen wurde der Coach im Februar 2014 bereits wieder beurlaubt und durch Mirko Slomka ersetzt. Mittlerweile arbeitet van Marwijk als TV-Experte beim niederländischen Fernsehen.

Hat er recht, der Bert van Marwijk? Klar hat er recht. Aber: Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein – heißt es schon in der Bibel. Oder auf van Marwijk übertragen: Ein bisschen weniger Selbstgerechtigkeit, dazu ein demütiger Blick auf das eigene und durch den HSV um einige Millionen Euro gefüllte Konto (wo war die Gegenleistung?) wäre ein besserer Schritt gewesen, als diese Aussagen in der „Bild“ zu platzieren.

Morgen ist wieder Training um 10 Uhr. Dieter wird Euch über alles auf dem Laufenden halten.

Lars

18.22 Uhr

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