Archiv für das Tag 'Schieber'

Oliver Kreuzer: “Wir reden nichts schön . . .”

26. August 2013

Beim HSV wird jetzt schon eine 0:1-Niederlage wie ein Sieg gefeiert, nur deshalb, weil es nur ein 0:1 und kein 1:5 war. Das sagen Spötter – und zwar landauf, landein. „Falsch“, sagt HSV-Sportchef Oliver Kreuzer, „wir feiern keine Niederlage, und wir reden auch nichts schön. Ich bleibe dabei, wir reden nichts schön. Aber es ist doch normal: Wenn man 1:5 verliert, und dann hat man in der folgenden Woche solche Probleme – das geht doch an keiner Mannschaft spurlos vorüber. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass wir in Berlin nach anfänglichen Schwierigkeiten besser ins Spiel gekommen sind. Eigentlich hätten wir da einen Punkt verdient gehabt. Und mit etwas mehr Abschlussglück und mit etwas mehr Zielstrebigkeit holen wir auch einen Punkt dort.“ Kreuzer weiter: „Dann haben wir zwar immer noch keinen Sieg, aber nach Hoffenheim musst du doch auch die kleinen Dinge aufgreifen, um voran zu kommen. So wissen wir natürlich selbst: Drei Spiele, ein Punkt – große Kacke. Ja, das wissen wir selbst. Aber wir feiern jetzt keine Niederlage, feiern auch keine Wiederauferstehung. Nein, es war ein Trend zu sehen, und diesen Trend müssen wir gegen Braunschweig intensivieren.“

Kreuzer ging auch kurz noch einmal auf die vergangene Woche ein, als der HSV Gesprächsthema Nummer eins in Fußball-Deutschland war: „Was da passiert ist, ist eigentlich nicht förderlich für einen Fußball-Verein, auch nicht für eine Fußball-Mannschaft. Das waren Dinge, die nichts mit dem Fußball zu tun hatten, aber es waren Dinge, die uns und die Mannschaft natürlich begleitet haben. Das soll aber keine Entschuldigung sein für die Niederlage in Berlin.“ Und, um gleich in die Zukunft zu blicken: „Wir wollen am Sonnabend gegen Braunschweig gewinnen, ganz klar, deswegen hoffen wir auch auf Ruhe in dieser Woche, damit wir uns ruhig und konzentriert auf dieses Spiel vorbereiten können.“

Speziell zu Kühne sagte Kreuzer: „Ich hatte vor drei Wochen ein sehr angenehmes Gespräch mit dem Herrn Kühne, deswegen hat mich diese Pauschal-Kritik an alle Leute im Verein geärgert. Man kann immer diskutieren über Struktur-Änderungen, das ist in Ordnung, aber ob man das in dieser Form machen muss, darüber kann man auch diskutieren, doch ich fand es komplett unangebracht, dass er auf einzelne Personen losgeht, die er gar nicht kennt, deren Arbeit er aus der Distanz gar nicht beurteilen kann.“

Drei Spiele, ein Pünktchen – träumt der HSV immer noch international? Oder werden die Ansprüche nun doch schon zurückgeschraubt? Kreuzer: „Das wollen wir noch nicht, ich glaube, die Mannschaft hat diese Qualität. Wenn wir nach dem 3:3 gegen Schalke gegen Hoffenheim gewonnen hätten, dann hätte das alles eine gewisse Eigendynamik abgenommen – leider lief es nicht so, leider sind wir gegen Hoffenheim untergegangen. Und dann hatten wir diese schwere Woche, dann das Spiel in Berlin, in dem die Mannschaft zunächst noch unter dem Einfluss des 1:5 stand. Trotz allem bin ich der Meinung, dass wir in Berlin eine Leistungssteigerung in allen Bereichen haben erkennen lassen.“

Ich bleibe dabei: Wenn der gute „Rudi“ Artjoms Rudnevs eine oder zwei von seinen drei Groß-Chancen genutzt hätte, dann hätte der HSV nie verloren. Vielleicht auch deshalb will der HSV die Suche nach einem neuen Angreifer noch einmal verstärken. Plötzlich und unerwartet hatte ja Club-Chef Carl-Edgar Jarchow am Sonntag beim NDR-Sportclub live zu diesem Thema gesagt:

„Wir würden sicherlich gerne noch einen weiteren offensiven Spieler verpflichten. Wir wären sicherlich dazu in der Lage, aber wir haben uns gewisse Budgetziele gesetzt . . .“

Was Jarchow sonst noch gesagt hat, könnt Ihr im weiteren Verlauf dieses Berichtes lesen.

Interessant aber war, dass der HSV „dazu in der Lage wäre“. Das hieß doch in den letzten Wochen ganz anders: Erst verkaufen, um Geld zu haben für einen neuen Stürmer. Und noch immer sind Robert Tesche, Gojko Kacar, Michael Mancienne und Slobodan Rajkovic nicht verkauft beziehungsweise nicht verschenkt worden – und trotz allem „in der Lage“? Was ist über Nacht passiert? Ein Lottogewinn? Oder hat Klaus-Michael Kühne doch noch ein Einsehen gehabt? Ich bin gespannt, wie sich diese Suche und das Bezahlen eines neuen Stürmers noch entwickelt. Eren Derdiyok (Hoffenheim) könnte der „Neue“ sein, Julian Schieber (BVB) oder auch Patrick Helmes (Wolfsburg II), vielleicht auch Ciprian Marica (zuletzt Schalke 04). Mladen Petric ist es nicht, das steht fest. So gut wie, denke ich mal, man soll im Fußball ja nie nie sagen.

Oliver Kreuzer zur Stürmer-Suche: „Wir werden heute im Verein beraten, was machbar ist. Wir brauchen in der Offensive noch einen guten Mann, nicht allein deswegen, um dem Rudi Druck zu machen, sondern auch deshalb, um dem Trainer eine Alternative anzubieten. In Berlin saß kein Stürmer mehr auf der Ersatzbank, und da ist es für einen Trainer schon wichtig, wenn man gegen Ende des Spiels noch einmal Druck machen will, dass man dann noch eine Alternative hat.“ Kreuzer sagt dann noch zwei wichtige Dinge: „Die Zeit drängt. Und ein neuer Stürmer würde absolut Sinn machen. Absolut Sinn machen, keine Frage. Denn wenn man keinen Stürmer mehr holen würde, begibst du dich natürlich in gefährliche Situationen. Es kann doch mal sein, dass sich der Rudi für acht Wochen verletzt, oder er kassiert eine dumme Karte. Und dann hätte man keine Alternative, und das halte ich für gefährlich. Man würde den Erfolg gefährden, denn um Spiele zu gewinnen, braucht man Tore . . .“

Auch auf der Abgabenseite will der HSV in dieser Woche – natürlich – noch etwas tun. Gut sieht es – so der Sportchef – bei Robert Tesche aus, dem ein Angebot aus Deutschland vorliegen soll, und gut sieht es auch bei Gojko Kacar aus, der beim russischen Tabellenletzten Tom Tomsk im Gespräch sein soll. Michael Mancienne möchte gerne gehen, Slobodan Rajkovic möchte gar nicht so gerne gehen – offenbar ist der HSV-Vertrag doch zu gut.

Dass diese „aussortierten“ Spieler eventuell doch noch einmal eine Rolle beim und für den HSV spielen könnten, verneint Oliver Kreuzer strikt: „Das wäre grundverkehrt, da macht man sich als Verein auch lächerlich. Man muss jetzt dazu stehen, denn wir haben beschlossen, dass wir unseren Weg ohne diese Spieler gehen – da gibt es auch kein Zurück mehr.“ Das wäre also endgültig geklärt.

So, dann noch einmal zurück zum vergangenen Sonntag. Da war der HSV-Vorstandsvorsitzende Carl-Edgar Jarchow zu Gast im NDR Sportclub live und gab ein ausführliches Interview zur Lage des HSV. Er sagte dabei über . . .

. . . Trainer Thorsten Fink:
Er hat noch Kredit, keine Frage.

… zu möglichen Verpflichtungen:
Wir würden sicherlich gerne noch einen weiteren offensiven Spieler verpflichten. Wir wären sicherlich dazu in der Lage, aber wir haben uns gewisse Budgetziele gesetzt, wir wollen keinen Verlust machen, insofern werden wir versuchen, unseren Kader in den nächsten Tagen noch zu verkleinern. Auf alles andere sind wir vorbereitet.

… zum Kühne-Interview im Hamburger Abendblatt:
Seine Vorschläge, das ist seine private Meinung, die kann er gerne äußern. Ich werde das nicht befeuern, indem ich dazu Stellung nehme. Man sollte ganz deutlich sagen, der HSV ist kein Verein, der sich von außen hineinregieren lässt, sondern der Vorstand ist für den Trainer zuständig und der von den Mitgliedern gewählte Aufsichtsrat für den Vorstand und so wird es auch bleiben. Die Frage einer veränderten Struktur werden wir intern besprechen und als Vorstand auch begleiten.
Der HSV wäre schlecht beraten, wenn er sich von außen unter Druck setzen ließe von einer einzelnen Person, die sagt, wenn ihr das und das macht, dann kriegt ihr mein Geld. Wenn wir uns in diese Abhängigkeit begeben, wären wir schlecht beraten.

Zu Wort kam in der Sendung auch der ehemalige HSV-Präsident Dr. Wolfgang Klein. Er sagte im NDR Sportclub-Interview …

… zur Reaktion von HSV-Sportdirektor Kreuzer auf die Kühne-Kritik:
Ich finde es schlicht und ergreifend dumm. Das spricht nicht unbedingt für Herrn Kreuzer. Darüber gibt es ja hoffentlich keine Debatte, dass Herr Kühne für den HSV bisher weit mehr geleistet hat als Herr Kreuzer. Und Herr Kreuzer schneidet sich damit möglicherweise Investitionsmöglichkeiten ab, um die Mannschaft zu verstärken. Ich hoffe, dass das nicht geschieht, aber die Gefahr ist groß. Wenn man so unüberlegt reagiert, dann ist das einfach dumm.

… zur Personalie Carl-Edgar Jarchow:
Er hat seine eigene Position geschwächt, indem er auf die Frage zur Strukturreform sinngemäß gesagt hat: Das ist nicht mein Bier, das ist Sache der Mitglieder. Wenn man das vergleicht mit einem mittelständischen Unternehmen, dann möchte man wissen, was mit dem Geschäftsführer eines solchen Unternehmens wäre, wenn der sich so äußern würde.
Er muss sich hinterfragen, was überhaupt seine Aufgabe ist. Was eigentlich notwendig ist für den HSV. Und wenn er nicht einsieht, dass er sich selbst stark machen muss für die Strukturreform, für die Ausgliederung des Profi-Fußballs, dann hat er auch keine Position mehr nach einer Strukturreform im HSV.

… zum Image des HSV:
Ich kenne keinen in Deutschland, der ein bisschen Ahnung vom Fußball hat, der sagt, der HSV hätte noch bis Ende letzten Jahres ein positives Image gehabt. Ich kenne keinen Spielerberater, der gerne mit dem HSV verhandelt, ich kenne keinen Spieler, der von sich aus gerne zum HSV kommen würde, und ich kenne auch keinen Sportchef und keinen Aufsichtsratskandidaten, der bei dieser Struktur wirklich gern mit dem HSV spricht. Und das sage ich eben. Die notwendige Grundlage für eine verbesserte Situation ist einfach die Strukturreform.“

… zur Strukturreform:
Ich habe die große Hoffnung, dass in der Mitgliederversammlung im Januar bereits sehr ernsthaft nicht nur über die Strukturreform geredet wird, sondern dass wir sogar eine Dreiviertelmehrheit zusammenkriegen. Und das würde die Ausgliederung des Fußballbereichs bedeuten. Ich verwende das Wort Ausgliederung ganz bewusst. Ich weiß, beim HSV soll man nur Strukturreform sagen, aber ich weiß nicht, warum dieses alberne Unterscheiden notwendig sein soll.“

Ja, ich will Euch nicht langweilen, aber ich werde mit Mails und sonstigen Nachrichten-Formen zugeschmissen. Ist ja auch logisch. Ich wurde u. a. gefragt, ob ich meine Telefonnummer nicht preisgeben könne, weil es so einfacher wäre, Probleme zu besprechen. Andere „Matz-abber“, so ist hier zu lesen (stimmt ja!), hätten meine Nummer ja auch. Da bitte ich um Nachsicht, dass ich meine Handy-Nummer nicht öffentlich machen möchte. Diejenigen, die sie haben, die waren wohl einst mal Matz-ab-Gewinner und wurden von mir angerufen, oder sie hatten die Nummer schon früher, bevor ich mit „Matz ab“ losgelegt habe. Wenn ich aber meine Nummer hier nennen würde – ich würde kaum noch zu anderen Arbeiten kommen, ganz sicher. Deswegen bitte ich um Verständnis, dass nicht . . .

Dann bekam ich auch einige Leserbriefe, die so begannen:

Ich bin mal gespannt, ob Sie den Mut finden oder haben, meine Zuschrift zu veröffentlichen . . .

Darauf bin ich nicht so sehr gespannt, denn das ist für mich die denkbar schlechteste Variante, einen Leserbrief zu beginnen. Wenn ein Brief gut ist, wenn dazu auch die Chance besteht, es vom Platz her zu veröffentlichen, dann wird er auch hier gezeigt. So wie die, die nun noch folgen. Wer sich gelangweilt fühlt, sollte nun „abschalten“, aber ich denke, es sind ganz lesenwerte Beiträge aus unserer Mitte. Und noch ein kurzer Hinweis: Ein User schrieb mir, dass Günter Netzer mein Favorit Nummer eins sei. Das stimmt grundsätzlich, denn ich hänge, wo immer Netzer auch etwas sagt, stets an seinen Lippen. Der Mann ist Weltklasse. Aber ich habe niemals behauptet, er sei ein Mann für den HSV, Netzer sei der Mann, der den HSV aus dem Sumpf führen kann. Da muss ein Missverständnis vorliegen, so etwas habe ich nie geschrieben und nie behauptet.

Nun aber der erste Beitrag aus unserer Mitte:

Einen Funken Hoffnung bitte!!!
Sehr geehrter Herr Matz, für uns alle als HSVer sind es wieder mal schwere Tage… und alle sind sicherlich froh um jeden kleinen Hoffnungsschimmer. Daher möchte ich eine Frage an Sie richten. Generell ist es ja mehr als lobenswert, wenn bei unserem Verein auch mal passiert, ohne das dies direkt in den Medien breitgetreten wird. Daher ist es für Sie natürlich auch wohl sehr schwierig meine Frage betreffend eine Antwort zu formulieren, da ja eigentlich im besten Fall alles hinter verschlossenen Türen eingetütet werden soll, bevor es nach außen dringt. Fragen muss ich trotzdem: Sie haben wiederholt angedeutet, dass “etwas Großes” passieren kann/soll/wird… ehemalige HSV-Größen und ein paar Millionen von Herrn Kühne könnten dabei eine Rolle spielen.

Meine Frage: läuft die Planung nach aktueller Kenntnis weiterhin? Und wann ist ENDLICH!!! mit einer entsprechenden Entscheidung zu rechnen? Ich frage mich ernsthaft wie es nur sein kann, dass eine Kapazität des deutschen Fußballs wie Felix Magath mit seiner Geschichte in unserem Verein im AR keine Mehrheit finden kann. Gut, die Probleme sind mir bekannt… aber generell ist es einfach unfassbar. Zwischen den Zeilen ist ja sehr deutlich zu lesen, dass Magath nur zu gerne zur Verfügung stehen würde. Wenn ich zudem lese, dass Horst Hrubesch sagt er würde, unter den richtigen Voraussetzungen, gerne helfen und in der angespannten finanziellen Situation in entsprechender Konstellation auch von Herrn Kühne eine weitere “Schenkung” erfolgen könnte, dann frage ich mich: wann geht da jemand mal richtig in die Offensive, wann passiert da was?

Magath könnte als einer der wenigen für etwas Ruhe in der Presselandschaft UND im Verein sorgen, Hrubesch kennt alle Talente im deutschen Fußball… all das muss man ja keinem erzählen… wie soll und kann das laufen? Verschiedene Personen müssten ja letztlich freiwillig zum Wohle des Vereins zurücktreten, um den Weg frei zu machen. Magath & Co. werden es sicher nicht auf eine “Kampfabstimmung” ankommen lassen, die haben sie nämlich nicht nötig… und sie würden “es” nur machen, wenn eine Ausgliederung erfolgt?! Also müsste der aktuelle Vorstand diese durchbringen. Das Interesse daran erscheint mir von dort jedoch insgesamt sehr vage. Und eine Ausgliederung hätte wohl entweder nur dann, oder zumindest weit größere Chancen, wenn Magath und andere namentlich sich dann auch zur Verfügung stellen würden. Offiziell, nicht so schemenhaft wie bisher. Vielleicht können Sie ja aus ihrer Sicht, ohne vielleicht zu viel zu verraten, zumindest mal skizzieren, wie sich die Angelegenheit darstellen könnte.
Ich bin gespannt…
Danke und Gruß, Sascha

Zur allgemeinen Lage des HSV erhielt ich – schätze ich mal – weit über 100 Mails, und täglich kommen mehr. Hier nur ein Exemplar davon:

Guten Tag.

Seit zwei drei Tagen kämpfe ich mit mir, ob ich mich in dieser Angelegenheit auch zu Wort melden soll. Ich wollte allerdings in keinem Fall einen Matz-ab-Kommentar verfassen, denn in diesem Forum geht es ja hauptsächlich um Rechthaberei – mir allerdings ist das nicht das Wichtigste.

Ich will auch nicht groß meine Meinung zu den vielen aktuellen Affären des HSV darlegen, ich möchte nur einmal darauf hinweisen, wie dies Theater in anderen Gegenden Deutschlands – in meinem Fall in Frankfurt am Main – ankommt. Der HSV und seine Protagonisten verkommen hier zur Lachnummer der Nation. Es wird schon nicht mehr über die HSV-Eklats berichtet, nein, sie werden nur noch glossiert. Speziell in Frankfurt steigt das Ansehen Armin Vehs, der ja von sich aus nicht mehr beim HSV bleiben wollte, bevor er entlassen wurde.

Wenn tatsächlich die zwei freien Tage bereits vorher, vermutlich in allgemeiner Erwartung eines sicheren Sieges, gewährt wurden, dann ist es sicherlich wenig verwerflich, dass diese Tage von zwei wahrscheinlich daran unbeteiligten Ersatzspielern verplant wurden. Der Flug nach Mallorca ist nur knapp eine Stunde länger als der nach München, wo der Trainer die zwei freien Tage bei seiner Familie verbracht habe, hieß es in den hiesigen Zeitungen.
Natürlich tragen auch die Medien in Hamburg dazu bei, und ich frage mich wirklich, warum es notwendig ist, alles, wirklich aber auch alles breitzutreten. Wenn ich beispielsweise an Wochenenden meinem Basketballverein hinterherfahre, obwohl ich auch andere Dinge zu tun hätte, schreibt kein Mensch darüber. Wenn Vertragsverhandlungen unterbrochen werden – ein völlig normaler Vorgang – dann wird drei Tage lang ein Trara gemacht. Warum kann die Presse nicht auch einmal einvernehmlich sagen: „Das ist nun eigentlich Privatsache und keiner Berichterstattung wert?”

Wenn sich also noch mehr Deutsche außerhalb Hamburgs bestens amüsieren sollen, dann sollte sowohl der HSV als auch die Hamburger Presse so weitermachen, auch die Kabarettisten und Satiriker werden sich sicher freuen, während die Fans sich schämen.

Soweit das Stimmungsbild aus Frankfurt, kann gerne auch an die Herren Matz und Scholle weitergegeben werden – was vermutlich aber nicht nötig sein wird, da ich vermute, dass sie bestens informiert sind.

Klaus G.

Dann zu den neuen Strukturen, die kommen müssen und sollten, wenn der HSV weiterhin in der Ersten Liga spielen soll. Es ist nur ein Ausschnitt aus einer längeren Mail:

. . . .Ich finde es aber schade, so hab ich das Gefühl, das du ein wenig in der Neutralität zu diesem Thema abtauchst und deine täglichen Hoffnungsvolle Worte in Bezug auf:
„Da tut sich was und das ist gut so!“ kaum noch wissen lässt. Zumal es gestern in der Bild am Sonntag eine Steilvorlage von Herrn Netzer gab dieses Thema wieder und wieder zu thematisieren!

Oder ist es mittlerweile (kenne ja die Mails, SMS, etc. nicht an dich) zu heikel geworden, dieses täglich in deinem Blog so rüber zu bringen?

Dazu möchte ich sagen, dass ich nicht müde geworden bin, dass ich aber nicht immer mit dem langweilen möchte, was ich bisher schon geschrieben habe. Tatsache ist, dass es hinter den Kulissen reichlich Betrieb gibt, und schon bald wird der eine oder andere HSVer, der daran beteiligt ist, damit an die Öffentlichkeit treten. Das soll, so wie ich weiß, schon in der kommenden Woche der Fall sein – Ihr werdet es dann von allen Seiten erfahren. Nur Geduld. Aber es tut sich etwas. Etwas Gutes, so denke ich. Auch wenn vom Aufsichtsrat ja der eine oder andere schon tatkräftig dagegen arbeitet, aber das ist ja auch alles eine Sache der Einstellung. Punktspiele auf dem Grandplatz an der Gustav-Falke-Straße, oder weiterhin in der Ersten Liga und im Volkspark, das ist hier die Frage.

PS: Morgen (Dienstag) wird im Volkspark um 10 Uhr trainiert. Um 18.30 Uhr spielt dann der HSV in Heide gegen den „kleinen HSV“ aus der Schleswig-Holstein-Liga.

18.06 Uhr

Son und Dortmund – läuft da was?

21. Februar 2013

Oha, die Verbindung Son und Dortmund nimmt ja tatsächlich Fahrt auf. Und das, obwohl ich mir gerade heute noch einmal aus berufenem Munde beim HSV habe sagen lassen, dass eine Vertragsverlängerung in Hamburg schon sehr wahrscheinlich ist. Dennoch, ich bekam heute einen interessanten Anruf aus Westfalen. Ein Kollege war dran und bat mich um Hilfe, eine Rufnummer betreffend. Und während wir uns grundsätzlich über Fußball, den HSV (er ist HSV-Fan) unterhielten, kam er auf das Thema zu sprechen: Heung Min Son. Er habe gehört, dass auch in Hamburg die Konkurrenz aus Dortmund gefürchtet würde, nachdem Robert Lewandowski sich mit den Bayern geeinigt hatte. Zudem erzählte er mir, dass der Dortmunder Julian Schieber nach Lewandowski abgegeben werden soll und der BVB alle Initiative der Verpflichtung von Edin Dzeko stecken wollten.

So weit so bekannt.

Neu war mir allerdings, dass sich der BVB tatsächlich mit der Personalie Heung Min Son beschäftigt. Der Südkoreaner wäre flexibel einsetzbar und entspräche dem Anforderungsprofil von Trainer Jürgen Klopp, der durch den Verkauf Lewandowskis fast schon mehr Geld in der Kasse haben dürfte, als er ausgeben kann. Klar ist, dass ein Gehalt von zwei bis drei Millionen (so viel dürfte Son beim HSV geboten bekommen) per annum für den Meister kein Problem ist. Zumal nicht, weil Son mit Hanwha Solar und Kumho Tyres auch beim HSV Sponsoren mitgebracht hat, die Millionen in die Klubkassen spülen. „Mit Kagawa hat der Klub sportlich und wirtschaftlich beste Erfahrungen gemacht“, so mein Kollege, der sich zu diesem Thema länger auch mit BVB-Klubboss Hans Joachim Watzke unterhalten hat. „Watzke hat mir bestätigt, dass Son durchaus ein Thema für den BVB sei. Ich habe daraufhin bei Sons Berater Thies Bliemeister angerufen und ich habe ihn danach gefragt. Bliemeister sagte mir, dass es ihn nicht verwundere, dass es aber keinen persönlichen Kontakt diesbezügliche geben würde.“

Nun muss man dazu sagen, dass Bliemeister in Dortmund gut bekannt ist, weil er einst Ilkay Gündogan vertrat und für diesen sowohl beim HSV als auch beim BVB erste Verhandlungen führte, ehe sich Gündogan (so musste er weniger Provision zahlen) doch von seinem Vater vertreten ließ. Zudem ist festzustellen, dass sich Son in Hamburg sehr wohlfühlt und der HSV bereit ist, seinen Vertrag dramatisch anzuheben. Aber so ungern ich es sage – Son und Dortmund, das könnte passen… Insofern setze ich volles Vertrauen in Sportchef Frank Arnesen, den Vertrag mit dem Südkoreaner, der immer mehr Mängel abzustellen weiß, schnellstmöglich und langfristig zu verlängern.

Egal wie, am Sonnabend steht Son für den HSV auf dem Platz. Der umworbene Angreifer soll dabei helfen, dass der vierte Sieg im sechsten Rückrundenspiel eingefahren wird und mit Hannover ein weiterer Verfolger (nach Gladbach letzte Woche) auf Distanz gehalten wird. Immerhin will „Hannover auch….“, sagt Fink und unterbricht seinen zugegebenen Freud’schen Versprecher, „Hannover will in die Europa League. Sie wittern ihre Chance und haben eine starke Mannschaft.“ Ob noch mal so ein Spiel wie das in Dortmund erwartet werden kann? Fink schüttelt den Kopf. „Beim BVB war das ein riesiges Spiel, das kann man nicht so leicht wiederholen. Zumal 96 vorbereitet ist. Die wissen, dass wir auswärts keine Angst haben.“

Fürwahr. Van der Vaart gestern und Fink heute haben es richtig erkannt: dieser HSV hat sich den Respekt in der Liga erarbeitet. „Der HSV kommt gefestigt zu uns“, lobt Hannovers Trainer Mirko Slomka, der ansonsten noch mit dem heutigen Euro-League-Spiel gegen Anschi beschäftigt war. Ein Spiel, das sich Fink vor Ort ansehen wollte. „Es ist nicht weit weg und bietet sich an, live vor Ort die ein schönes Spiel anzuschauen, die Mannschaft zu beobachten und die Stimmung mitzuerleben“, so Fink, der zwar grundsätzlich keine Nachteile für die Niedersachsen ob des Spiels sieht. Allerdings sagte er heute auch: „Hannover ist offensiv stark, stark bei Kontern und spielt mittlerweile sehr gut Fußball. Sie können auch das Spiel machen. Hannover hat eine tolle Mannschaft, aber sie leiden auch unter der Doppelbelastung.“ Ernst gemeint oder nur ein kleines Psychospielchen? Ich glaube, es ist eher Letzteres…

Nicht immer ernst, weil gut aufgelegt, ist auch Per Skjelbred. Der Norweger ist frisch verheiratet, frisch zum Stammspieler aufgestiegen und nach langer Zeit beim HSV endlich richtig glücklich. „Es war schon eine schwierige Situation“, blickt der sympathische Mittelfeldmann kurz zurück, um gleich wieder den Blick nach vorn zu richten: „Im Moment ist alles gut. Aber das ist auch klar. Wenn du spielst, und das gut – dann kommt das Selbstvertrauen.“ Und davon hat der Kämpfertyp eine Menge gewinnen können. Zumal ihn Trainer Fink unter die ersten 14 Mann im Kader zählt. „Ich schaue nur von Woche zu Woche“, so Skjelbred, „aber klar ist, dass sich meine Familie in Hamburg sehr wohlfühlt. Meine Kinder und meine Frau sind sehr glücklich. Wie ich. Ich will in Hamburg bleiben.“

Und das will Fink auch – von Skjelbred. „Ich sehe das genauso“, sagt der Trainer auf den Wunsch des Norwegers angesprochen. Ob es überhaupt noch nötig sei, das vor einigen Monaten angekündigte Gespräch mit dem Norweger über dessen Zukunft in Hamburg zu führen? „Wir reden ja sowieso immer. Und wenn er was hat, kann er immer zu mir kommen. Aber ich muss ihn im Moment nicht ansprechen.“ Weil alles passt und nichts gegen einen Verbleib des Rechtsfußes spricht.

Arslan und Skjelbred – zwei Aufsteiger in einer Saison, die unpassenderweise auch noch um dieselbe Position konkurrieren. Zunächst hatte Arslan mit starken Leistungen die Nase vorn. Doch als er für einen Moment schwächelte, war Skjelbred da. Mehr noch: Schon bei Finks Umstellung vom 4-2-3-1-System auf Raute (4-4-2) erarbeitete sich Skjelbred seinen Platz im Team – damals mit Arslan im zentral-offensiven Mittelfeld. „Ich habe gegen Schalke meine Chance bekommen – und sie genutzt.“ Bis auf die Partie gegen Frankfurt, die 0:2 verloren ging, wirkte er seither immer mit. Und er weckte das Interesse in seiner Heimat. Ob der Nationaltrainer Norwegens ihn schon angerufen habe? „Nein“, sagt der Mittelfeldspieler, „aber ich habe gehört, dass er nach mir gefragt wurde. Ich hoffe, dass ich das nächste Mal dabei sein darf.“ Verdient hätte er es.

Verdient haben wir uns alle den dritten großen Fußballabend in Folge. Heute natürlich mit einem besonderen Augenmerk auf Hannovers Rückspiel gegen Anschi. Ob ich mich freuen würde, wenn 96 viel Kraft lassen müsste, wurde ich gefragt. Und ich muss mich Finks Antwort auf dieselbe Frage anschließen: Ich freue mich am meisten, wenn Hannover gewinnt, in die nächste Runde einzieht und weitere Punkte für den DFB sammelt. Wer weiß, wann der HSV das nächste Mal auf den Uefa-Koeffizienten angewiesen ist…

In diesem Sinne, Euch allen viel Spaß heute Abend! Und bis morgen. Da wird leider unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert.

Scholle

Kurz notiert:
Rene Adler, Slobodan Rajkovic und Heiko Westermann trainierten heute problemfrei mit. Alle drei sind einsatzbereit für das Spiel in Hannover. Somit dürfte Adler Drobny ersetzen und ansonsten die Startelf aus dem Gladbach-Spiel beginnen.

Auf die Frage, ob der Nachname von Per Skjelbred als „Schellbrett“ oder wie geschrieben ausgesprochen wird, antwortete der Norweger völlig unberührt: „Eigentlich Schellbrett. Aber sche… drauf.“

Auf die Frage, was Fink von der Torkamera hält, antwortete der Coach diplomatisch: „Wenn man so noch besser sehen kann, dann ist das okay. Ich finde sie grundsätzlich gut. Ansonsten finde ich aber, sollte man nicht ständig alles hinterfragen. Es gehört doch dazu, dass die Leute nach den Spielen leidenschaftlich diskutieren können. Gerade diese Emotionen machen doch den Fußball aus.“ Recht hat er.

Zé Robertos Traum soll Wirklichkeit werden

14. Februar 2011

+++++Korrektur: Gündogan statt Erdogan+++++++

Bei Holger Stanislawski will noch immer kein echtes Derby-Feeling aufkommen. Sagt er zumindest selbst. Nur, was genau will er uns damit sagen? Dass ihm die Motivation fehlt?

Kein Problem!

Allein ich glaub es nicht. Ich kenne Stani seit Jahren und weiß, wie heiß der auf ein Spiel ist. Besonders auf dieses Derby. Seine Mannschaft ist in einem Rausch, er selbst lässt sich anstecken und prahlt, dass der FC St. Pauli in der aktuellen Verfassung nicht zu schlagen sei. Von niemandem. „Außer von uns“, kontert HSV-Sportchef Bastian Reinhardt die „leicht verfehlte“ Selbsteinschätzung Stanislawskis. Reinhardt selbst ist nach eigener Auskunft seit mehr als einer Woche schon in Derbystimmung. „Das sind alles kleine Sticheleien, die dazugehören. Vor dem Hinspiel und auch zuletzt vor dem ausgefallenen Spiel war es mir sogar schon zu viel Friede, Freude, Eierkuchen. Der FC St. Pauli kommt mit seiner besten Elf – und das ist auch gut so. Und wir gewinnen. Das ist sogar noch besser. Denn dann ist endlich wieder Ruhe in der Stadt.“

Einmal dabei, legt Reinhardt gleich noch nach. „Sollte Pauli gewinnen, wäre das eine Sensation. Die haben nichts zu verlieren. Und wir haben nichts zu gewinnen, weil jeder den Sieg erwartet. Aber wisst ihr was? Wir selbst auch. Jeder bei uns weiß, dass es eine ganz wichtige Woche ist, dass gerade jetzt unheimlich wichtige Spiele mit den beiden Derbys anstehen. Und alle wissen, dass sie sich in diesen Spielen in der HSV-Geschichte verewigen können.“

Auch Ruud van Nistelrooy. Der Niederländer, der gegen Wolfsburg laut Statistik nur drei von 14 Zweikämpfen gewann und auch sonst wie schon in den Vorwochen nicht zu den formstärksten gehörte, wird voraussichtlich wieder beginnen. Obwohl Reinhardt sagt: „Bei uns ist keiner unantastbar. Auch nicht Ruud. Das gilt für alle gleichermaßen.“ Dennoch scheint beim HSV einer gleicher zu sein als der Rest. Obgleich Reinhardt den ehemaligen Welttorjäger auch in den letzten Spielen nicht so schwach gesehen wie meine Kollegen und ich gesehen haben will. „Er gibt den entscheidenden Pass vorm Tor und muss eigentlich auch selbst ein Tor machen. Trifft er den, hätte er ein Tor und einen Assist beim dann 2:0-Sieg. Das wäre sehr ordentlich.“ Allerdings hat van Nistelrooy nicht getroffen. „Das stimmt natürlich“, sagt Reinhardt, „aber Ruud hat viel gearbeitet und viele gute Pässe gespielt.“

Van Nistelrooy wird protegiert. Obwohl im Training Paolo Guerrero seit Wochen bärenstark ist und sowohl Reinhardt als auch Trainer Armin Veh nicht müde werden, die Ersetzbarkeit eines jeden einzelnen Spielers zu betonen. Gerade jetzt, wo alle Spieler wieder gesund sind hätte Veh die Möglichkeit, Ruud van Nistelrooy zu ersetzen.

Weil es nicht anders geht?

Immerhin könnte man auch glauben, eine Nicht-Berücksichtigung des stolzen Niederländers könnte gleichbedeutend mit dem vorzeitigen Ende seiner Karriere beim HSV sein. Und ehrlich gesagt werde ich auch das Gefühl nicht los, dass sich die Verantwortlichen nur deshalb noch in Geduld üben, weil sie hoffen, dass der zweifellos mit dem Instinkt eines Weltklassetorjägers ausgestattete van Nistelrooy doch noch mal zündet. Wenigstens für die letzten Bundesligaspiele. Schön wär’s!

Wie auch immer. Van Nistelrooy darf weiter spielen – und das ist auch okay. Trifft er gegen St. Pauli und Bremen oder zumindest in einem der Spiele ist auch alles wieder gut. Dann würde der Niederländer gefeiert und Veh sowie der Vorstand bekämen die aufgebrachte Geduld zurückbezahlt. Ich jedenfalls werde mich hüten, einen solchen Mann vorzeitig abzuschreiben.

Geduld, wie bei „Van the man“ scheint man beim HSV bezüglich Eljero Elia nicht mehr zu haben. Heute hat sich Eljero via „Mopo“ über zu wenig Vertrauen ihm gegenüber beschwert. Und auch wenn ich überzeugt davon bin, dass Elia noch immer in der Bringschuld ist und sich das geforderte Vertrauen erst mit guten (oder besser: mit besseren) Leistungen erarbeiten muss, so bietet ihm der Umgang des Trainers mit van Nistelrooy zumindest eine Relation, die Kritik grundsätzlich gestattet.

Frei von jeder Kritik ist Zé Roberto. Der Brasilianer blüht langsam wieder auf. In Wolfsburg agierte der Linksfuß stark. Und auch gegen den FC St. Pauli wird es gerade auf ihn ankommen. Das weiß auch Reinhardt. Trotzdem mauert der Sportchef, angesprochen auf die Vertragsgespräche mit Zé Roberto. Ob es von Vereinsseite schon eine Tendenz gibt? „Im März werden wir eine Entscheidung treffen.“ Wie er Zé sportlich sieht? „Er zählt ganz sicher zu den Stützen der Mannschaft.“ Das gelte im Übrigen auch für Frank Rost, so Reinhardt. Oldies but Goldies eben.

Wie auch immer. Die Stimmung (Achtung, Phrasenschweinalarm!) steht und fällt mit Siegen und Niederlagen. Selbst das zuletzt so oft und von allen Seiten kritisierte Führungsvakuum (20 Spielerverträge laufen aus, der Trainer hat ebenso wie der Vorstand noch nicht verlängert und Entscheidungen scheinen nicht in Sicht) sei nach Siegen ertragbar. „Erfolgserlebnisse machen alles leichter“, sagt Reinhardt, „in den Gesprächen mit interessanten Spielern spielen unsere internen Personalien zumindest keine wichtige Rolle“, sagt Reinhardt und widerspricht damit den Beratern, mit denen ich mich (und der HSV übrigens auch) unterhalten habe. Reinhardt versucht dabei die Bedeutung des HSV hervorzuheben. „Der HSV ist immer noch eine große Adresse – egal was in den letzten Monaten vorgefallen ist. Natürlich hätte jeder gern Sicherheit, aber die gibt’s im Fußball nicht. Und die Spieler, mit denen wir sprechen, interessiert es auch nicht primär, wer zum Beispiel Trainer ist. Die sind ausreichend von sich überzeugt. Die wissen, dass sie sich bei egal welchem Trainer durchsetzen können.“

Und während beispielsweise mit FCN-Akteur Gündogan schon konkret gesprochen wird (an dem Nürnberger ist allerdings auch der FC Bayern interessiert) schiebt sich Julian Schieber immer weiter in den Vordergrund. Der an die Franken verliehene Linksfuß mit Vertrag beim VfB Stuttgart (bis 2012 plus vereinsseitige Option auf ein weiteres Jahr) gilt als absoluter Wunschspieler des HSV. Erste Gespräche mit Schiebers Berater Robert Schneider hat es bereits gegeben. Und sollte Stuttgart tatsächlich absteigen, könnte die Personalie neuen Schwung aufnehmen. Auch wenn Reinhardt tief stapelt: „Schieber ist ein richtig Guter. Das zeigt er – und das sehen eben auch alle. An dem sind 90 Prozent aller Bundesligisten interessiert.“ Auch der HSV. Es heißt: Daumen drücken.

Das gilt auch für Zé Roberto. Zumindest für die Erfüllung seiner Träume. Denn der Brasilianer träumt nicht nur von zwei weiteren Siegen am Mittwoch und am Sonnabend. „Dann sind wir wieder ganz dicht dran an der Europa League“, so der Brasilianer, der nach eigener Aussage die Spiele mit Real Madrid gegen Barcelona und mit Brasilien gegen Argentinien die heißesten Derbys seiner Karriere hatte. Ob er selbst sogar noch mehr hofft? „Klar. Ich habe, seit ich in Deutschland spiele, immer nur Champions League gespielt. Und das kann dieser HSV auch. Die Europa League wäre toll, gerade weil wir nicht so eine Saison spielen, wie wir es uns selbst vorgestellt haben. Aber wie jeder andere Fußballer träume auch ich immer wieder von den schönen Spielen in der Champions League. Mal sehen, vielleicht geht da noch was, wenn wir unsere Spiele weiter gewinnen.“

Ein Indiz zu seinem Verbleib wäre allerdings auch die Qualifikation für die Champions League nicht. „Nein, meine Entscheidung treffe ich mit meiner Familie.“ Wohin die tendiert? „Meine Kinder sind vier, sieben und elf Jahre alt. Und nur der Große realisiert schon alles. Der will nie nach Brasilien, weil er hier seine Freunde hat. Und wenn wir da sind, will er nie zurück, weil er da auch Freunde hat.“ Unentschieden also. Und was sagt die Frau? „Die macht mit, was auch immer ich entscheide. Zuhause bin ich noch der Chef.“ Also weiterhin alles offen.

Und während die Stamm-Mannschaft heute maximal so eine Art „aktive Erholung“ als Trainingseinheit einlegte (Warmmachen, Kreisspiel, Auslaufen) halten sich die HSV-Offiziellen vor dem Derby betont zurück. Keine Sticheleien aus dem Volkspark gen Millerntor. Was nicht schlecht sein muss. Im Gegenteil. „Ein 1:0 reicht mir vollkommen“, sagt Zé Roberto, „Hauptsache ist doch, dass wir gewinnen und unsere Fans, die lange auf dieses Spiel im eigenen Stadion warten mussten, glücklich machen.“

Mir würde es jedenfalls reichen. Die große Klappe kann man sich eh immer erst dann wirklich erlauben, wenn man sie sich zuvor verdient hat. Alles andere kann nur bös‘ nach hinten losgehen, nicht wahr, Herr Meggle?

In diesem Sinne, morgen ist beim HSV erst Pressekonferenz mit Armin Veh und anschließend aller Voraussicht nach Training unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Allerdings hatten wir zuletzt immer das Glück, geduldet zu werden. Worauf ich auch für morgen hoffe. Denn ein, zwei sehr interessante Personalien stehen wohl noch an. Zum einen die Frage, ob Joris Mathijsen oder doch wieder Gojko Kacar in der Innenverteidigung neben Heiko Westermann aufläuft. Und zum anderen die Frage, wer für den voraussichtlich auf die Bank rotierenden Änis Ben-Hatira die rechte Seite übernimmt. Elia? Oder Pitroipa? Oder gar Piotr Trochowski?

Ich persönlich bin – gerade in Anbetracht der Leistungen von Volz und Thorandt auf den beiden Außenverteidigerpositionen beim FC St. Pauli – noch immer der Meinung, der HSV braucht viel Tempo. Einen trickreichen Elia gegen den extrem fitten und hart spielenden, aber eben auch häufiger mal etwas hölzerner agierenden Thorandt. Und eben einen pfeilschnellen Außen gegen den eher langsamen Volz. Das könnte passen. Und vor allem: so könnte tatsächlich auch Ruud wieder etwas besser zur Geltung kommen…

Aber okay, mehr dazu gibt’s morgen. Da wird es im Gegensatz zu heute wohl wieder ein Abschlussspiel mit der A- gegen die B-Elf geben, das in der Regel immer aufzeigt, wer am darauffolgenden Tag in der Startelf steht.

Ich bin gespannt.

Und ganz ehrlich: ich habe richtig Bock auf dieses Derby! Ein ausverkauftes Stadion, ne Menge Brisanz, Flutlichtstimmung und ein HSV-Sieg 😉 – Fußballerherz, was willst du mehr?

In diesem Sinne: Nur der HSV!

18.45 Uhr

P.S.: Der HSV testet aktuell den dänischen Offensivallrounder Uffe Manich Bech. Der 18-Jährige dänische U-21-Nationalspieler gilt als das Supertalent in Dänemark und hat bei Lyngby BK noch einen bis 2013 laufenden Vertrag. Der 169 Zentimeter „kleine“ Bech, der als Spielertyp Bremens Marko Marin ein wenig ähnelt, trainiert bei der U-23 des HSV zur Probe mit.

90 völlig verpennte Minuten…

29. Januar 2011

Es gibt Tage, die kann man sich nicht erklären. Genau so einen hatte der HSV heute. Mit drei Siegen in Folge und dementsprechend viel Optimismus ins Frankenland gereist, wurde das Spiel komplett verpennt. Und anschließend wusste keiner so recht, warum man so lethargisch agiert hatte.

Aber der Reihe nach.

Die erste Halbzeit hätte man sich schenken können. Ich muss sogar zugeben, dass ich in der 30. Minute die Option „Konferenz“ kurz geschaltet hatte – was ich sonst wirklich nie mache. Während der HSV-Spiele gilt eigentlich immer: nichts und niemand darf stören. Handy und Festnetz bleiben ebenso wie das Klingeln an der Haustür unbeantwortet. Aber was der FCN und der HSV sich da in den ersten 45 Minuten zurechtschoben, das ließ dann doch viel Zeit für “Nebensächlichkeiten”. Gefahr, etwas zu verpassen, lief man jedenfalls nicht wirklich.

Allerdings will ich hier jetzt gar nicht anfangen, zu nörgeln. Denn in der Hinrunde hatte uns hinten genau das gefehlt, worauf Veh jetzt vermehrt Wert legt: es wird eher rustikal und schnörkellos – dafür aber umso effektiver gearbeitet. Das ist nicht immer schön, muss Aber sein. Und wenn es dann zu einer Konstellation kommt wie zuletzt mit den überaus defensiven Frankfurtern oder eben Nürnberger, die selbst im eigenen Stadion komplett auf Konter eingestellt sind, dann wird das Spiel langweilig, weil es eben logischerweise weniger Torszenen gibt.

Zwei, drei wurden es letztlich doch. In der elften Minute setzte sich Änis Ben-Hatira über links gekonnt durch und passte von der Grundlinie zurück auf Ruud van Nistelrooy. Allerdings einen Tick zu scharf für den in den ersten 45 Minuten enttäuschend schwachen Niederländer. Der war es allerdings auch, der in der 19. Minute fast das 1:0 für den HSV besorgt hätte, wäre nicht FCN-Verteidiger Simons (guter Mann!!) gerade noch mit der Fußspitze vor ihm am Ball gewesen.
Sechs Minuten später war es Änis, der diesmal über rechts flankte. Allerdings hoch, statt wie in dieser Situation erforderlich flach auf den heranstürmenden Elia, der so unter dem Ball durchlief. Erstmals in der 27. Minute kamen dann sogar die Gastgeber. Kurz. Aber gefährlich. Abiturient Mendler setzte sich am Sechzehner gegen drei Hamburger durch, aber nicht gegen Rost. Der Keeper war da und rettete.

Auf meinem Notizblock hatte ich für die29. Minute noch Ruuds ersten Torschuss und einen abgefälschten Schuss aus 18 Metern von Elia, ehe es zur nächsten echten Chance kam. Diesmal für den FCN. Dennis Aogo konnte die flache Hereingabe im eigenen Fünfer im Fallen gerade noch abwehren. Und in der 45. Minute war es Nürnbergs Stärkster, Simons, der per Direktabnahme mit der Innenseite aus 18 Metern an Rost scheiterte.

Halbzeit. Pause – für mich heute irgendwie ähnlich spannende Minuten wie zuvor auf dem Platz.

Die zweite Halbzeit versprach mehr Offensivdrang vom HSV. Trainer Armin Veh brachte Mladen Petric als zweite Spitze für den angeschlagenen und unauffälligen Jonathan Pitroipa. Und der Kroate versuchte sich gleich mit einem spektakulären Fallrückzieher zum Matchwinner aufzuschwingen. Allerdings verfehlte er das Tor ebenso deutlich, wie der HSV sein eigenes Vorhaben, den dritten Rückrundensieg. Und somit das vierte Spiel in Folge zu gewinnen.

Stattdessen kam es binnen zehn Minuten knüppeldick. Erst verschätzte sich der schwache Guy Demel bei einem Mendler-Pass, wodurch Eigler frei an den Ball kam und Rosts Parade nutzte, um einen Elfmeter herauszuholen. Wohlgemerkt: Eigler suchte das Foul, Rost bot ihm die Gelegenheit und Eigler nutze sie. Somit (leider) ein berechtigter Strafstoß, den Simons flach in die Tormitte verwandelte (59.). Und es waren keine zehn Minuten nach dem bittere 0:1 aus Hamburger Sicht gespielt, da gab’s den Gau. Erst musste Kacar nach einer aus meiner Sicht ebenso harmlosen wie unnötigen Trikotberührung beim eingewechselten Nürnberger Mak mit Rot vom Platz, dann folgte aus dem Freistoß das 0:2. Den Freistoß aus 17 Metern konnte Rost gerade noch an die Latte lenken, den Abpraller passte jedoch Simons (wer sonst?) irgendwie durch Westermanns Beine hindurch an Rost vorbei zu Cohen, der Jarolim im Rücken entschwunden war.

Die Entscheidung.

Zwar hätte der eingewechselte Guerrero in der 75. Minute freistehend vor Schäfer aus acht Metern den Anschlusstreffer besorgen können, aber er zielte zu hoch.

Was folgte waren 15 Minuten, in denen sich den überzähligen Nürnbergern Räume zum Kontern boten und der HSV fast nicht mehr stattfand.

Es fehlte dem HSV heute der Umschalter. Anfänglich wollte man den Nürnbergern das Spiel überlassen. Etwas, was die Franken bekanntermaßen nicht beherrschen. Das funktionierte auch – zumindest defensiv ließ der HSV nichts anbrennen. Allerdings fehlte der Mannschaft heute der Umschalter, der Impuls, auf die eigene Offensive zu setzen. Fast keine echte Torchance auf 90 Minuten ist gegen einen alles andere als starken, dafür aber leidenschaftlicher kämpfenden FCN zu wenig. Ein Ruud van Nistelrooy fand heute überhaupt nicht statt, Elia und Pitroipa blieben ohne offensive Szenen. Die Abwehr stand lange Zeit ungefährdet sicher, bis Demels Fehler und Rosts Foul die Niederlage einläuteten. Anschließend schwamm der HSV, ob im Mittelfeld mit Jarolim und Zé, oder im nach der Roten für Kacar verschobenen Abwehrverbund insgesamt.

Fazit: Eine ebenso unglückliche wie absolut unnötige, weil durch individuelle Fehler verschuldete Niederlage gegen Nürnberger, bei denen Simons, der Abiturient Mendler und ein kantiger wie technisch versierter Schieber die besten Spieler auf dem Platz waren.

Und für den HSV war es nicht nur ein richtig schwaches Spiel, es war auch eine besonders bittere Niederlage, weil neben den Punkten auch der Ausfall von Kacar verkraftet werden muss. Der Serbe spielte tadellos – bis zur Roten Karte, die Veh zumindest für das Derby am kommenden Wochenende gegen St. Pauli eine Entscheidung leichter macht: er wird Joris Mathijsen nicht erklären müssen, warum er nur auf der Bank sitzt…

Dennoch kann die Mannschaft jetzt zeigen, dass die Komplimente der letzten Wochen nicht falsch waren. Sie kann jetzt nach der Niederlage beweisen, welch neue Einheit sie ist und dass die Niederlage in Nürnberg nicht mehr als ein zu verkraftender Ausrutscher war. Auf eine Diskussion darüber, ob van Nistelrooy heute so schwach war, weil er Madrid nicht nur im Herzen sondern auch im Kopf trägt, verzichte ich. Es wäre falsch, hier jetzt alles in Schutt und Asche zu legen. Im Gegenteil: ich erwarte von Ruud gegen St. Pauli der Mannschaft eine Trotzreaktion. Schon deshalb werde ich nicht derjenige sein, der das zweifellos enttäuschende Auftreten beim FCN überbewertet.

Ich bin wie wahrscheinlich alle hier und beim HSV enttäuscht – aber ich bin noch lange nicht hoffnungslos.

In diesem Sinne, bis morgen!

17.45 Uhr

P.S.: Sollte es heute noch neue Entwicklungen in Sachen Verleih- oder gar Verkaufsgeschäft geben, melde ich mich natürlich zu späterer Stunde noch mal bei Euch.