Archiv für das Tag 'Schieber'

Son und Dortmund – läuft da was?

21. Februar 2013

Oha, die Verbindung Son und Dortmund nimmt ja tatsächlich Fahrt auf. Und das, obwohl ich mir gerade heute noch einmal aus berufenem Munde beim HSV habe sagen lassen, dass eine Vertragsverlängerung in Hamburg schon sehr wahrscheinlich ist. Dennoch, ich bekam heute einen interessanten Anruf aus Westfalen. Ein Kollege war dran und bat mich um Hilfe, eine Rufnummer betreffend. Und während wir uns grundsätzlich über Fußball, den HSV (er ist HSV-Fan) unterhielten, kam er auf das Thema zu sprechen: Heung Min Son. Er habe gehört, dass auch in Hamburg die Konkurrenz aus Dortmund gefürchtet würde, nachdem Robert Lewandowski sich mit den Bayern geeinigt hatte. Zudem erzählte er mir, dass der Dortmunder Julian Schieber nach Lewandowski abgegeben werden soll und der BVB alle Initiative der Verpflichtung von Edin Dzeko stecken wollten.

So weit so bekannt.

Neu war mir allerdings, dass sich der BVB tatsächlich mit der Personalie Heung Min Son beschäftigt. Der Südkoreaner wäre flexibel einsetzbar und entspräche dem Anforderungsprofil von Trainer Jürgen Klopp, der durch den Verkauf Lewandowskis fast schon mehr Geld in der Kasse haben dürfte, als er ausgeben kann. Klar ist, dass ein Gehalt von zwei bis drei Millionen (so viel dürfte Son beim HSV geboten bekommen) per annum für den Meister kein Problem ist. Zumal nicht, weil Son mit Hanwha Solar und Kumho Tyres auch beim HSV Sponsoren mitgebracht hat, die Millionen in die Klubkassen spülen. „Mit Kagawa hat der Klub sportlich und wirtschaftlich beste Erfahrungen gemacht“, so mein Kollege, der sich zu diesem Thema länger auch mit BVB-Klubboss Hans Joachim Watzke unterhalten hat. „Watzke hat mir bestätigt, dass Son durchaus ein Thema für den BVB sei. Ich habe daraufhin bei Sons Berater Thies Bliemeister angerufen und ich habe ihn danach gefragt. Bliemeister sagte mir, dass es ihn nicht verwundere, dass es aber keinen persönlichen Kontakt diesbezügliche geben würde.“

Nun muss man dazu sagen, dass Bliemeister in Dortmund gut bekannt ist, weil er einst Ilkay Gündogan vertrat und für diesen sowohl beim HSV als auch beim BVB erste Verhandlungen führte, ehe sich Gündogan (so musste er weniger Provision zahlen) doch von seinem Vater vertreten ließ. Zudem ist festzustellen, dass sich Son in Hamburg sehr wohlfühlt und der HSV bereit ist, seinen Vertrag dramatisch anzuheben. Aber so ungern ich es sage – Son und Dortmund, das könnte passen… Insofern setze ich volles Vertrauen in Sportchef Frank Arnesen, den Vertrag mit dem Südkoreaner, der immer mehr Mängel abzustellen weiß, schnellstmöglich und langfristig zu verlängern.

Egal wie, am Sonnabend steht Son für den HSV auf dem Platz. Der umworbene Angreifer soll dabei helfen, dass der vierte Sieg im sechsten Rückrundenspiel eingefahren wird und mit Hannover ein weiterer Verfolger (nach Gladbach letzte Woche) auf Distanz gehalten wird. Immerhin will „Hannover auch….“, sagt Fink und unterbricht seinen zugegebenen Freud’schen Versprecher, „Hannover will in die Europa League. Sie wittern ihre Chance und haben eine starke Mannschaft.“ Ob noch mal so ein Spiel wie das in Dortmund erwartet werden kann? Fink schüttelt den Kopf. „Beim BVB war das ein riesiges Spiel, das kann man nicht so leicht wiederholen. Zumal 96 vorbereitet ist. Die wissen, dass wir auswärts keine Angst haben.“

Fürwahr. Van der Vaart gestern und Fink heute haben es richtig erkannt: dieser HSV hat sich den Respekt in der Liga erarbeitet. „Der HSV kommt gefestigt zu uns“, lobt Hannovers Trainer Mirko Slomka, der ansonsten noch mit dem heutigen Euro-League-Spiel gegen Anschi beschäftigt war. Ein Spiel, das sich Fink vor Ort ansehen wollte. „Es ist nicht weit weg und bietet sich an, live vor Ort die ein schönes Spiel anzuschauen, die Mannschaft zu beobachten und die Stimmung mitzuerleben“, so Fink, der zwar grundsätzlich keine Nachteile für die Niedersachsen ob des Spiels sieht. Allerdings sagte er heute auch: „Hannover ist offensiv stark, stark bei Kontern und spielt mittlerweile sehr gut Fußball. Sie können auch das Spiel machen. Hannover hat eine tolle Mannschaft, aber sie leiden auch unter der Doppelbelastung.“ Ernst gemeint oder nur ein kleines Psychospielchen? Ich glaube, es ist eher Letzteres…

Nicht immer ernst, weil gut aufgelegt, ist auch Per Skjelbred. Der Norweger ist frisch verheiratet, frisch zum Stammspieler aufgestiegen und nach langer Zeit beim HSV endlich richtig glücklich. „Es war schon eine schwierige Situation“, blickt der sympathische Mittelfeldmann kurz zurück, um gleich wieder den Blick nach vorn zu richten: „Im Moment ist alles gut. Aber das ist auch klar. Wenn du spielst, und das gut – dann kommt das Selbstvertrauen.“ Und davon hat der Kämpfertyp eine Menge gewinnen können. Zumal ihn Trainer Fink unter die ersten 14 Mann im Kader zählt. „Ich schaue nur von Woche zu Woche“, so Skjelbred, „aber klar ist, dass sich meine Familie in Hamburg sehr wohlfühlt. Meine Kinder und meine Frau sind sehr glücklich. Wie ich. Ich will in Hamburg bleiben.“

Und das will Fink auch – von Skjelbred. „Ich sehe das genauso“, sagt der Trainer auf den Wunsch des Norwegers angesprochen. Ob es überhaupt noch nötig sei, das vor einigen Monaten angekündigte Gespräch mit dem Norweger über dessen Zukunft in Hamburg zu führen? „Wir reden ja sowieso immer. Und wenn er was hat, kann er immer zu mir kommen. Aber ich muss ihn im Moment nicht ansprechen.“ Weil alles passt und nichts gegen einen Verbleib des Rechtsfußes spricht.

Arslan und Skjelbred – zwei Aufsteiger in einer Saison, die unpassenderweise auch noch um dieselbe Position konkurrieren. Zunächst hatte Arslan mit starken Leistungen die Nase vorn. Doch als er für einen Moment schwächelte, war Skjelbred da. Mehr noch: Schon bei Finks Umstellung vom 4-2-3-1-System auf Raute (4-4-2) erarbeitete sich Skjelbred seinen Platz im Team – damals mit Arslan im zentral-offensiven Mittelfeld. „Ich habe gegen Schalke meine Chance bekommen – und sie genutzt.“ Bis auf die Partie gegen Frankfurt, die 0:2 verloren ging, wirkte er seither immer mit. Und er weckte das Interesse in seiner Heimat. Ob der Nationaltrainer Norwegens ihn schon angerufen habe? „Nein“, sagt der Mittelfeldspieler, „aber ich habe gehört, dass er nach mir gefragt wurde. Ich hoffe, dass ich das nächste Mal dabei sein darf.“ Verdient hätte er es.

Verdient haben wir uns alle den dritten großen Fußballabend in Folge. Heute natürlich mit einem besonderen Augenmerk auf Hannovers Rückspiel gegen Anschi. Ob ich mich freuen würde, wenn 96 viel Kraft lassen müsste, wurde ich gefragt. Und ich muss mich Finks Antwort auf dieselbe Frage anschließen: Ich freue mich am meisten, wenn Hannover gewinnt, in die nächste Runde einzieht und weitere Punkte für den DFB sammelt. Wer weiß, wann der HSV das nächste Mal auf den Uefa-Koeffizienten angewiesen ist…

In diesem Sinne, Euch allen viel Spaß heute Abend! Und bis morgen. Da wird leider unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert.

Scholle

Kurz notiert:
Rene Adler, Slobodan Rajkovic und Heiko Westermann trainierten heute problemfrei mit. Alle drei sind einsatzbereit für das Spiel in Hannover. Somit dürfte Adler Drobny ersetzen und ansonsten die Startelf aus dem Gladbach-Spiel beginnen.

Auf die Frage, ob der Nachname von Per Skjelbred als „Schellbrett“ oder wie geschrieben ausgesprochen wird, antwortete der Norweger völlig unberührt: „Eigentlich Schellbrett. Aber sche… drauf.“

Auf die Frage, was Fink von der Torkamera hält, antwortete der Coach diplomatisch: „Wenn man so noch besser sehen kann, dann ist das okay. Ich finde sie grundsätzlich gut. Ansonsten finde ich aber, sollte man nicht ständig alles hinterfragen. Es gehört doch dazu, dass die Leute nach den Spielen leidenschaftlich diskutieren können. Gerade diese Emotionen machen doch den Fußball aus.“ Recht hat er.

Zé Robertos Traum soll Wirklichkeit werden

14. Februar 2011

+++++Korrektur: Gündogan statt Erdogan+++++++

Bei Holger Stanislawski will noch immer kein echtes Derby-Feeling aufkommen. Sagt er zumindest selbst. Nur, was genau will er uns damit sagen? Dass ihm die Motivation fehlt?

Kein Problem!

Allein ich glaub es nicht. Ich kenne Stani seit Jahren und weiß, wie heiß der auf ein Spiel ist. Besonders auf dieses Derby. Seine Mannschaft ist in einem Rausch, er selbst lässt sich anstecken und prahlt, dass der FC St. Pauli in der aktuellen Verfassung nicht zu schlagen sei. Von niemandem. „Außer von uns“, kontert HSV-Sportchef Bastian Reinhardt die „leicht verfehlte“ Selbsteinschätzung Stanislawskis. Reinhardt selbst ist nach eigener Auskunft seit mehr als einer Woche schon in Derbystimmung. „Das sind alles kleine Sticheleien, die dazugehören. Vor dem Hinspiel und auch zuletzt vor dem ausgefallenen Spiel war es mir sogar schon zu viel Friede, Freude, Eierkuchen. Der FC St. Pauli kommt mit seiner besten Elf – und das ist auch gut so. Und wir gewinnen. Das ist sogar noch besser. Denn dann ist endlich wieder Ruhe in der Stadt.“

Einmal dabei, legt Reinhardt gleich noch nach. „Sollte Pauli gewinnen, wäre das eine Sensation. Die haben nichts zu verlieren. Und wir haben nichts zu gewinnen, weil jeder den Sieg erwartet. Aber wisst ihr was? Wir selbst auch. Jeder bei uns weiß, dass es eine ganz wichtige Woche ist, dass gerade jetzt unheimlich wichtige Spiele mit den beiden Derbys anstehen. Und alle wissen, dass sie sich in diesen Spielen in der HSV-Geschichte verewigen können.“

Auch Ruud van Nistelrooy. Der Niederländer, der gegen Wolfsburg laut Statistik nur drei von 14 Zweikämpfen gewann und auch sonst wie schon in den Vorwochen nicht zu den formstärksten gehörte, wird voraussichtlich wieder beginnen. Obwohl Reinhardt sagt: „Bei uns ist keiner unantastbar. Auch nicht Ruud. Das gilt für alle gleichermaßen.“ Dennoch scheint beim HSV einer gleicher zu sein als der Rest. Obgleich Reinhardt den ehemaligen Welttorjäger auch in den letzten Spielen nicht so schwach gesehen wie meine Kollegen und ich gesehen haben will. „Er gibt den entscheidenden Pass vorm Tor und muss eigentlich auch selbst ein Tor machen. Trifft er den, hätte er ein Tor und einen Assist beim dann 2:0-Sieg. Das wäre sehr ordentlich.“ Allerdings hat van Nistelrooy nicht getroffen. „Das stimmt natürlich“, sagt Reinhardt, „aber Ruud hat viel gearbeitet und viele gute Pässe gespielt.“

Van Nistelrooy wird protegiert. Obwohl im Training Paolo Guerrero seit Wochen bärenstark ist und sowohl Reinhardt als auch Trainer Armin Veh nicht müde werden, die Ersetzbarkeit eines jeden einzelnen Spielers zu betonen. Gerade jetzt, wo alle Spieler wieder gesund sind hätte Veh die Möglichkeit, Ruud van Nistelrooy zu ersetzen.

Weil es nicht anders geht?

Immerhin könnte man auch glauben, eine Nicht-Berücksichtigung des stolzen Niederländers könnte gleichbedeutend mit dem vorzeitigen Ende seiner Karriere beim HSV sein. Und ehrlich gesagt werde ich auch das Gefühl nicht los, dass sich die Verantwortlichen nur deshalb noch in Geduld üben, weil sie hoffen, dass der zweifellos mit dem Instinkt eines Weltklassetorjägers ausgestattete van Nistelrooy doch noch mal zündet. Wenigstens für die letzten Bundesligaspiele. Schön wär’s!

Wie auch immer. Van Nistelrooy darf weiter spielen – und das ist auch okay. Trifft er gegen St. Pauli und Bremen oder zumindest in einem der Spiele ist auch alles wieder gut. Dann würde der Niederländer gefeiert und Veh sowie der Vorstand bekämen die aufgebrachte Geduld zurückbezahlt. Ich jedenfalls werde mich hüten, einen solchen Mann vorzeitig abzuschreiben.

Geduld, wie bei „Van the man“ scheint man beim HSV bezüglich Eljero Elia nicht mehr zu haben. Heute hat sich Eljero via „Mopo“ über zu wenig Vertrauen ihm gegenüber beschwert. Und auch wenn ich überzeugt davon bin, dass Elia noch immer in der Bringschuld ist und sich das geforderte Vertrauen erst mit guten (oder besser: mit besseren) Leistungen erarbeiten muss, so bietet ihm der Umgang des Trainers mit van Nistelrooy zumindest eine Relation, die Kritik grundsätzlich gestattet.

Frei von jeder Kritik ist Zé Roberto. Der Brasilianer blüht langsam wieder auf. In Wolfsburg agierte der Linksfuß stark. Und auch gegen den FC St. Pauli wird es gerade auf ihn ankommen. Das weiß auch Reinhardt. Trotzdem mauert der Sportchef, angesprochen auf die Vertragsgespräche mit Zé Roberto. Ob es von Vereinsseite schon eine Tendenz gibt? „Im März werden wir eine Entscheidung treffen.“ Wie er Zé sportlich sieht? „Er zählt ganz sicher zu den Stützen der Mannschaft.“ Das gelte im Übrigen auch für Frank Rost, so Reinhardt. Oldies but Goldies eben.

Wie auch immer. Die Stimmung (Achtung, Phrasenschweinalarm!) steht und fällt mit Siegen und Niederlagen. Selbst das zuletzt so oft und von allen Seiten kritisierte Führungsvakuum (20 Spielerverträge laufen aus, der Trainer hat ebenso wie der Vorstand noch nicht verlängert und Entscheidungen scheinen nicht in Sicht) sei nach Siegen ertragbar. „Erfolgserlebnisse machen alles leichter“, sagt Reinhardt, „in den Gesprächen mit interessanten Spielern spielen unsere internen Personalien zumindest keine wichtige Rolle“, sagt Reinhardt und widerspricht damit den Beratern, mit denen ich mich (und der HSV übrigens auch) unterhalten habe. Reinhardt versucht dabei die Bedeutung des HSV hervorzuheben. „Der HSV ist immer noch eine große Adresse – egal was in den letzten Monaten vorgefallen ist. Natürlich hätte jeder gern Sicherheit, aber die gibt’s im Fußball nicht. Und die Spieler, mit denen wir sprechen, interessiert es auch nicht primär, wer zum Beispiel Trainer ist. Die sind ausreichend von sich überzeugt. Die wissen, dass sie sich bei egal welchem Trainer durchsetzen können.“

Und während beispielsweise mit FCN-Akteur Gündogan schon konkret gesprochen wird (an dem Nürnberger ist allerdings auch der FC Bayern interessiert) schiebt sich Julian Schieber immer weiter in den Vordergrund. Der an die Franken verliehene Linksfuß mit Vertrag beim VfB Stuttgart (bis 2012 plus vereinsseitige Option auf ein weiteres Jahr) gilt als absoluter Wunschspieler des HSV. Erste Gespräche mit Schiebers Berater Robert Schneider hat es bereits gegeben. Und sollte Stuttgart tatsächlich absteigen, könnte die Personalie neuen Schwung aufnehmen. Auch wenn Reinhardt tief stapelt: „Schieber ist ein richtig Guter. Das zeigt er – und das sehen eben auch alle. An dem sind 90 Prozent aller Bundesligisten interessiert.“ Auch der HSV. Es heißt: Daumen drücken.

Das gilt auch für Zé Roberto. Zumindest für die Erfüllung seiner Träume. Denn der Brasilianer träumt nicht nur von zwei weiteren Siegen am Mittwoch und am Sonnabend. „Dann sind wir wieder ganz dicht dran an der Europa League“, so der Brasilianer, der nach eigener Aussage die Spiele mit Real Madrid gegen Barcelona und mit Brasilien gegen Argentinien die heißesten Derbys seiner Karriere hatte. Ob er selbst sogar noch mehr hofft? „Klar. Ich habe, seit ich in Deutschland spiele, immer nur Champions League gespielt. Und das kann dieser HSV auch. Die Europa League wäre toll, gerade weil wir nicht so eine Saison spielen, wie wir es uns selbst vorgestellt haben. Aber wie jeder andere Fußballer träume auch ich immer wieder von den schönen Spielen in der Champions League. Mal sehen, vielleicht geht da noch was, wenn wir unsere Spiele weiter gewinnen.“

Ein Indiz zu seinem Verbleib wäre allerdings auch die Qualifikation für die Champions League nicht. „Nein, meine Entscheidung treffe ich mit meiner Familie.“ Wohin die tendiert? „Meine Kinder sind vier, sieben und elf Jahre alt. Und nur der Große realisiert schon alles. Der will nie nach Brasilien, weil er hier seine Freunde hat. Und wenn wir da sind, will er nie zurück, weil er da auch Freunde hat.“ Unentschieden also. Und was sagt die Frau? „Die macht mit, was auch immer ich entscheide. Zuhause bin ich noch der Chef.“ Also weiterhin alles offen.

Und während die Stamm-Mannschaft heute maximal so eine Art „aktive Erholung“ als Trainingseinheit einlegte (Warmmachen, Kreisspiel, Auslaufen) halten sich die HSV-Offiziellen vor dem Derby betont zurück. Keine Sticheleien aus dem Volkspark gen Millerntor. Was nicht schlecht sein muss. Im Gegenteil. „Ein 1:0 reicht mir vollkommen“, sagt Zé Roberto, „Hauptsache ist doch, dass wir gewinnen und unsere Fans, die lange auf dieses Spiel im eigenen Stadion warten mussten, glücklich machen.“

Mir würde es jedenfalls reichen. Die große Klappe kann man sich eh immer erst dann wirklich erlauben, wenn man sie sich zuvor verdient hat. Alles andere kann nur bös‘ nach hinten losgehen, nicht wahr, Herr Meggle?

In diesem Sinne, morgen ist beim HSV erst Pressekonferenz mit Armin Veh und anschließend aller Voraussicht nach Training unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Allerdings hatten wir zuletzt immer das Glück, geduldet zu werden. Worauf ich auch für morgen hoffe. Denn ein, zwei sehr interessante Personalien stehen wohl noch an. Zum einen die Frage, ob Joris Mathijsen oder doch wieder Gojko Kacar in der Innenverteidigung neben Heiko Westermann aufläuft. Und zum anderen die Frage, wer für den voraussichtlich auf die Bank rotierenden Änis Ben-Hatira die rechte Seite übernimmt. Elia? Oder Pitroipa? Oder gar Piotr Trochowski?

Ich persönlich bin – gerade in Anbetracht der Leistungen von Volz und Thorandt auf den beiden Außenverteidigerpositionen beim FC St. Pauli – noch immer der Meinung, der HSV braucht viel Tempo. Einen trickreichen Elia gegen den extrem fitten und hart spielenden, aber eben auch häufiger mal etwas hölzerner agierenden Thorandt. Und eben einen pfeilschnellen Außen gegen den eher langsamen Volz. Das könnte passen. Und vor allem: so könnte tatsächlich auch Ruud wieder etwas besser zur Geltung kommen…

Aber okay, mehr dazu gibt’s morgen. Da wird es im Gegensatz zu heute wohl wieder ein Abschlussspiel mit der A- gegen die B-Elf geben, das in der Regel immer aufzeigt, wer am darauffolgenden Tag in der Startelf steht.

Ich bin gespannt.

Und ganz ehrlich: ich habe richtig Bock auf dieses Derby! Ein ausverkauftes Stadion, ne Menge Brisanz, Flutlichtstimmung und ein HSV-Sieg ;-) – Fußballerherz, was willst du mehr?

In diesem Sinne: Nur der HSV!

18.45 Uhr

P.S.: Der HSV testet aktuell den dänischen Offensivallrounder Uffe Manich Bech. Der 18-Jährige dänische U-21-Nationalspieler gilt als das Supertalent in Dänemark und hat bei Lyngby BK noch einen bis 2013 laufenden Vertrag. Der 169 Zentimeter „kleine“ Bech, der als Spielertyp Bremens Marko Marin ein wenig ähnelt, trainiert bei der U-23 des HSV zur Probe mit.

90 völlig verpennte Minuten…

29. Januar 2011

Es gibt Tage, die kann man sich nicht erklären. Genau so einen hatte der HSV heute. Mit drei Siegen in Folge und dementsprechend viel Optimismus ins Frankenland gereist, wurde das Spiel komplett verpennt. Und anschließend wusste keiner so recht, warum man so lethargisch agiert hatte.

Aber der Reihe nach.

Die erste Halbzeit hätte man sich schenken können. Ich muss sogar zugeben, dass ich in der 30. Minute die Option „Konferenz“ kurz geschaltet hatte – was ich sonst wirklich nie mache. Während der HSV-Spiele gilt eigentlich immer: nichts und niemand darf stören. Handy und Festnetz bleiben ebenso wie das Klingeln an der Haustür unbeantwortet. Aber was der FCN und der HSV sich da in den ersten 45 Minuten zurechtschoben, das ließ dann doch viel Zeit für “Nebensächlichkeiten”. Gefahr, etwas zu verpassen, lief man jedenfalls nicht wirklich.

Allerdings will ich hier jetzt gar nicht anfangen, zu nörgeln. Denn in der Hinrunde hatte uns hinten genau das gefehlt, worauf Veh jetzt vermehrt Wert legt: es wird eher rustikal und schnörkellos – dafür aber umso effektiver gearbeitet. Das ist nicht immer schön, muss Aber sein. Und wenn es dann zu einer Konstellation kommt wie zuletzt mit den überaus defensiven Frankfurtern oder eben Nürnberger, die selbst im eigenen Stadion komplett auf Konter eingestellt sind, dann wird das Spiel langweilig, weil es eben logischerweise weniger Torszenen gibt.

Zwei, drei wurden es letztlich doch. In der elften Minute setzte sich Änis Ben-Hatira über links gekonnt durch und passte von der Grundlinie zurück auf Ruud van Nistelrooy. Allerdings einen Tick zu scharf für den in den ersten 45 Minuten enttäuschend schwachen Niederländer. Der war es allerdings auch, der in der 19. Minute fast das 1:0 für den HSV besorgt hätte, wäre nicht FCN-Verteidiger Simons (guter Mann!!) gerade noch mit der Fußspitze vor ihm am Ball gewesen.
Sechs Minuten später war es Änis, der diesmal über rechts flankte. Allerdings hoch, statt wie in dieser Situation erforderlich flach auf den heranstürmenden Elia, der so unter dem Ball durchlief. Erstmals in der 27. Minute kamen dann sogar die Gastgeber. Kurz. Aber gefährlich. Abiturient Mendler setzte sich am Sechzehner gegen drei Hamburger durch, aber nicht gegen Rost. Der Keeper war da und rettete.

Auf meinem Notizblock hatte ich für die29. Minute noch Ruuds ersten Torschuss und einen abgefälschten Schuss aus 18 Metern von Elia, ehe es zur nächsten echten Chance kam. Diesmal für den FCN. Dennis Aogo konnte die flache Hereingabe im eigenen Fünfer im Fallen gerade noch abwehren. Und in der 45. Minute war es Nürnbergs Stärkster, Simons, der per Direktabnahme mit der Innenseite aus 18 Metern an Rost scheiterte.

Halbzeit. Pause – für mich heute irgendwie ähnlich spannende Minuten wie zuvor auf dem Platz.

Die zweite Halbzeit versprach mehr Offensivdrang vom HSV. Trainer Armin Veh brachte Mladen Petric als zweite Spitze für den angeschlagenen und unauffälligen Jonathan Pitroipa. Und der Kroate versuchte sich gleich mit einem spektakulären Fallrückzieher zum Matchwinner aufzuschwingen. Allerdings verfehlte er das Tor ebenso deutlich, wie der HSV sein eigenes Vorhaben, den dritten Rückrundensieg. Und somit das vierte Spiel in Folge zu gewinnen.

Stattdessen kam es binnen zehn Minuten knüppeldick. Erst verschätzte sich der schwache Guy Demel bei einem Mendler-Pass, wodurch Eigler frei an den Ball kam und Rosts Parade nutzte, um einen Elfmeter herauszuholen. Wohlgemerkt: Eigler suchte das Foul, Rost bot ihm die Gelegenheit und Eigler nutze sie. Somit (leider) ein berechtigter Strafstoß, den Simons flach in die Tormitte verwandelte (59.). Und es waren keine zehn Minuten nach dem bittere 0:1 aus Hamburger Sicht gespielt, da gab’s den Gau. Erst musste Kacar nach einer aus meiner Sicht ebenso harmlosen wie unnötigen Trikotberührung beim eingewechselten Nürnberger Mak mit Rot vom Platz, dann folgte aus dem Freistoß das 0:2. Den Freistoß aus 17 Metern konnte Rost gerade noch an die Latte lenken, den Abpraller passte jedoch Simons (wer sonst?) irgendwie durch Westermanns Beine hindurch an Rost vorbei zu Cohen, der Jarolim im Rücken entschwunden war.

Die Entscheidung.

Zwar hätte der eingewechselte Guerrero in der 75. Minute freistehend vor Schäfer aus acht Metern den Anschlusstreffer besorgen können, aber er zielte zu hoch.

Was folgte waren 15 Minuten, in denen sich den überzähligen Nürnbergern Räume zum Kontern boten und der HSV fast nicht mehr stattfand.

Es fehlte dem HSV heute der Umschalter. Anfänglich wollte man den Nürnbergern das Spiel überlassen. Etwas, was die Franken bekanntermaßen nicht beherrschen. Das funktionierte auch – zumindest defensiv ließ der HSV nichts anbrennen. Allerdings fehlte der Mannschaft heute der Umschalter, der Impuls, auf die eigene Offensive zu setzen. Fast keine echte Torchance auf 90 Minuten ist gegen einen alles andere als starken, dafür aber leidenschaftlicher kämpfenden FCN zu wenig. Ein Ruud van Nistelrooy fand heute überhaupt nicht statt, Elia und Pitroipa blieben ohne offensive Szenen. Die Abwehr stand lange Zeit ungefährdet sicher, bis Demels Fehler und Rosts Foul die Niederlage einläuteten. Anschließend schwamm der HSV, ob im Mittelfeld mit Jarolim und Zé, oder im nach der Roten für Kacar verschobenen Abwehrverbund insgesamt.

Fazit: Eine ebenso unglückliche wie absolut unnötige, weil durch individuelle Fehler verschuldete Niederlage gegen Nürnberger, bei denen Simons, der Abiturient Mendler und ein kantiger wie technisch versierter Schieber die besten Spieler auf dem Platz waren.

Und für den HSV war es nicht nur ein richtig schwaches Spiel, es war auch eine besonders bittere Niederlage, weil neben den Punkten auch der Ausfall von Kacar verkraftet werden muss. Der Serbe spielte tadellos – bis zur Roten Karte, die Veh zumindest für das Derby am kommenden Wochenende gegen St. Pauli eine Entscheidung leichter macht: er wird Joris Mathijsen nicht erklären müssen, warum er nur auf der Bank sitzt…

Dennoch kann die Mannschaft jetzt zeigen, dass die Komplimente der letzten Wochen nicht falsch waren. Sie kann jetzt nach der Niederlage beweisen, welch neue Einheit sie ist und dass die Niederlage in Nürnberg nicht mehr als ein zu verkraftender Ausrutscher war. Auf eine Diskussion darüber, ob van Nistelrooy heute so schwach war, weil er Madrid nicht nur im Herzen sondern auch im Kopf trägt, verzichte ich. Es wäre falsch, hier jetzt alles in Schutt und Asche zu legen. Im Gegenteil: ich erwarte von Ruud gegen St. Pauli der Mannschaft eine Trotzreaktion. Schon deshalb werde ich nicht derjenige sein, der das zweifellos enttäuschende Auftreten beim FCN überbewertet.

Ich bin wie wahrscheinlich alle hier und beim HSV enttäuscht – aber ich bin noch lange nicht hoffnungslos.

In diesem Sinne, bis morgen!

17.45 Uhr

P.S.: Sollte es heute noch neue Entwicklungen in Sachen Verleih- oder gar Verkaufsgeschäft geben, melde ich mich natürlich zu späterer Stunde noch mal bei Euch.