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Diekmeier kriegt “auf die Fresse”, Rost vergaloppiert sich und Jarchow kommt zum Interview

3. Februar 2014

Oh Mann. Jetzt meldet sich Frank Rost zu Wort. Der Mann, der sicherlich einer aus der Kategorie „echter Typ“ beim HSV war, weil er gern aneckte und keiner Konfrontation aus dem Wege ging. Rost eckte immer wieder an. Auch mal heftig und sogar mit seinen Vorgesetzten. Das sogar sehr gern. „Nur durch Reibung entsteht Energie“, sagte er mir damals in einem längeren Interview über sich und nur so kann ich mir erklären, dass er tatsächlich sagt, dass nur der Abstieg diesen HSV noch retten könne. Ich hoffe einfach mal – in meinem Glauben an das Gute im Menschen-, dass er damit ganz bewusst für einen Aufschrei sorgen wollte. Denn, das ist klar (und an dieser Stelle als meine immer gültige Antwort auf die dämliche Frage „Meinst Du, der Abstieg wäre mal ganz gut für den HSV?“ zu sehen), es kann auch alles verändert werden, OHNE vorher abzusteigen. Es wäre für den Verein sogar nachweislich besser. Wozu bitte soll der Gang in die Zweite Liga nützlich sein?


Nein, wer das ernsthaft will, der hat in den letzten Wochen, Monaten und gar Jahren nicht aufgepasst. Denn inzwischen haben fast alle erkannt, dass dieser HSV mit dieser Besetzung und in dieser Form nicht zukunftsfähig ist. 80 Prozent auf der Mitgliederversammlung, die diesen kompletten Umbruch auch in der Ersten Liga haben wollen, hatten mich zumindest Besseres hoffen lassen. Daher ordne ich den Vorschlag mit dem „gesundenden Abstieg“ einfach mal in die Kategorie „Unsinn“ ein. So, wie es der Aufsichtsratsboss Jens Meier in dem großen Interview mit meinem Kollegen Kai Schiller in der Dienstagsausgabe des Abendblattes auch formuliert: „Ein Abstieg hätte fatale Folgen. Unsere ohnehin nicht einfache finanzielle Situation würde sich zusätzlich verschlechtern. Und weil das so ist, müssen wir die gesamte Kraft für den Erhalt der Klasse aufwenden. Ich bin mir sicher, dass es für Hamburg wichtig ist, dass unser HSV erstklassig bleibt.“

Stimmt.

Ebenso grotesk wie ein gewünschter Abstieg ist für mich die Frage, weshalb Carl Jarchow hier bei uns, das heißt bei Lars, Dieter und mir im Blog „Tabuthema“ sei. Denn das ist er nicht. Ganz sicher nicht. Ich weiß nicht, ob jemand von Euch mal eines der letzten „Matz ab Live“ gesehen hat, aber in fast jeder Sendung habe ich – die anderen auch, aber die können das selbst über sich sagen, ich spreche hier nur für mich – darauf hingewiesen, dass dieser Vorstand definitiv Konsequenzen ziehen muss aus seinem Handeln und den Ergebnissen. Und das schließt den Vorsitzenden des Vorstandes selbstredend und vollumfänglich mit ein.

Seit Wochen fordere ich – Dieter und Lars auch, aber die können für sich selbst sprechen – Konsequenzen. Nicht allein den Vorsitzenden persönlich treffend, klar. Immerhin hätten die Konsequenzen auch erst einmal allein die Mannschaft betreffen können.

Das allerdings hätte vorausgesetzt, der Vorstand hätte sich eingestehen müssen, dass die Mannschaft qualitativ zu schwach besetzt ist und man seine Fehlplanung korrigieren muss. Dafür hätte man personell nachbessern und Geld ausgeben müssen, womit die Zielvorgabe einer schwarzen Null so gut wie sicher verfehlt worden wäre. Das hätte dieser Mannschaft zwar aller Voraussicht nach sportlich geholfen – aber es hätte den Vorstand wieder in die Bedrängnis gebracht, sich für ein erneutes Minus im Geschäftsjahr erklären zu müssen. Und diese Traute hatte beim HSV keiner. Offensichtlich.

Das wiederum hat zur Folge, dass es sportlich weiter bergab geht und sich die Verantwortlichen nicht wegen eines korrigierbaren Minus’ auf dem Konto sondern jetzt wegen ausbleibenden Erfolges trotzdem verantworten müssen. Zumal sie sich jetzt bedingungslos, wie Jarchow heute im „kicker“, hinter den Trainer stellen. Ergo, und das ist gut daran: Es wurde kein Bauernopfer vorgeschoben, um von eigenen Fehlern abzulenken. Allerdings ist damit auch klar, dass sich sowohl Jarchow als auch seine drei Vorstandskollegen für den aktuellen Misserfolg komplett mit in die Pflicht nehmen. Die Frage ist nur, wann und mit welcher Konsequenz.

Aber das und noch vieles mehr wollen wir versuchen, zu hinterfragen. Lars und ich werden versuchen, noch vor dem Spiel gegen Hertha BSC Carl Jarchow in das von ihm vor einigen Wochen zugesagte Video-Interview zu bekommen. Der Vorstandsvorsitzende hat seine grundsätzliche Bereitschaft auch eben gerade erklärt und wird versuchen, uns in dieser Woche noch kurzfristig in seinem Terminkalender unterzubringen.

Was bleibt uns noch? Hoffen. Logisch! Dass alle endlich zusammenhalten, klar. „Gemeinsam den Bock umstoßen“ war dann auch die erste Meldung, wenn man auf die Homepage der Profis auf hsv.de klickte. „Die Fans wurden von uns in den letzten Wochen enttäuscht und haben das Recht, ihren Frust zu äußern. Aber gerade in einer so schwierigen Phase wie der unseren gilt es, seinen Worten Gehalt zu verleihen und zusammenzuhalten“, sagt Jarchow und fügt hinzu: „Und das fällt mir bei Bert van Marwijk überhaupt nicht schwer. Im Gegenteil.“

Und auch Dennis Diekmeier, der heute vor die Kameras und Mikrofone geschoben wurde, wurde nicht müde, davon zu sprechen, dass jetzt alle Kräfte gebündelt werden müssen. Vom Vorstand über die Mannschaft bis hin zu den Fans. Dass die parallel via Facebook und Twitter dazu aufrufen, dem Spiel am Sonnabend gegen Hertha BSC in den ersten 15 Minuten fernzubleiben, wusste Diekmeier zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Er wusste aber auch nicht, dass es zu dieser Anti-Bewegung wiederum eine Antibewegung gibt. Und letztere habe ich auch „geliket“, wie man so schön auf facebook-Deutsch sagt. Unter https://www.facebook.com/HSV5Gebote?sk=info&app_data findet Ihr da einen Aufruf von zwei Fans (Frederik und Gerrit), den ich nur zu gern hier unterstütze. Schaut bitte einmal rein, es lohnt sich wirklich!

Ebenso erfreulich wie dieser Aufruf ist die Tatsache, dass Rene Adler wieder ins Training einsteigt. Am heutigen Montag noch im Einzeltraining mit Markus Günther, soll der Torhüter in den nächsten Tagen auch wieder mit der Mannschaft trainieren. Gut möglich, dass Adler schon am Sonnabend gegen Hertha wieder dabei ist. Und auch bei Pierre Michel Lasogga scheint ein Ende der Auszeit in Sicht. Heute absolvierte er bereits Lauftraining. Wie wichtig der einzige Stürmer des HSV ist, muss seit dem Outing seiner so genannten Konkurrenz im Angriff nicht mehr erwähnt werden, glaube ich…

Ansonsten ist die Situation schlichtweg festgefahren. Alles reden hilft nichts, es helfen nur noch Taten – sofern sie Punkte bringen. Den Spielern bleibt gar nicht viel mehr übrig, als das zu wiederholen, was sie nach den letzten Niederlagen auch schon gesagt haben. Erstaunlich – oder besser formuliert: richtig traurig fand ich indes, dass uns Dennis Diekmeier heute erzählte, er sei zusammen mit seiner Frau und seiner Tochter angepöbelt worden ob des HSV. „Als wir im AEZ einkaufen waren, hatte ich meine Tochter an der Hand und plötzlich schrie mich ein Fan an“, erzählte Diekmeier. Geschehen ist das nach dem 2:9 in München. Aber es droht sich zu wiederholen. Auch heute wird Diekmeier des Öfteren angemacht. „Damit komme ich klar. Wenn ich allein bin und mich jemand anmacht, ist das nicht so schlimm. Manchmal stimmt die Kritik ja sogar. Aber das nach dem München-Spiel war schon grenzwertig damals. So weit darf es nicht gehen – auch wenn wir zurzeit nicht zu Unrecht auf die Fresse bekommen.“

Das stimmt. Obgleich die Formulierung etwas martialisch ist. Denn dass die Mannschaft derzeit mächtig Kritik abbekommt – von den Fans wie den Medien – ist korrekt und logisch. Allerdings wüsste ich ehrlich gesagt nicht, wie ich mich verhalten würde, wenn mich irgendein Fan so anschreien würde, dass meine Kinder und/oder meine Frau Angst bekämen. Ehrlich gesagt glaube ich, dass mich so ein Fan schnell aus nächster Nähe kennenlernen würde.

Umso erfreulicher ist es für mich, dass dieser Blog und auch die inzwischen fast 4000 Fans auf unserer Facebookseite alles so diskutieren, wie es Sinn macht: mit Respekt und Niveau. Und immer mit dem Blick fürs Wesentliche, was diesem HSV auf dem Weg zum Klassenerhalt retten kann. Auch, wenn es gerade in der schweren zeit zweifelsfrei dazugehört, mal so richtig dazwischenzuhauen und auch mal heftig zu kritisieren.

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird wieder um 14 Uhr trainiert. Dann soll auch bekanntgemacht werden, ob die Mannschaft am Freitag noch ein „Kurztrainingslager“ bezieht. Und vielleicht können Lars und ich Euch dann auch schon mehr zum Thema Video-Interview mit dem Vereinsvorsitzenden Carl Jarchow sagen/schreiben oder gar zeigen.

Bis morgen,
Scholle

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