Archiv für das Tag 'Scheel'

. . . der muss zum Dino nach Hamburg!

10. Juni 2015

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Erste DFB-Pokalrunde:
FC Carl-Zeiss Jena gegen den HSV
Barmbek-Uhlenhorst empfängt den Erstliga-Absteiger SC Freiburg
Bernd Hollerbachs Würzburger Kicker treffen auf Werder Bremen
und, so viel Zeit muss sein: St. Pauli gegen Borussia Mönchengladbach
gespielt wird am 7. oder 8. August

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Arslan ist weg, noch kein Neuer da – Guerrero-Comeback unwahrscheinlich

26. Januar 2015

Dietmar Beiersdorfer hatte Grund zum feiern – und auch wieder nicht. Denn während der Vorstandsboss beim Boulevard ob der Millionenspritzen der HSV-Milliardäre Klaus Michael Kühne und Alexander Otto als „Dukaten-Didi“ Renaissance feiert, hat er sportlich noch lange nichts verbessert. Im Gegenteil. Bisher steht nur der Abgang von Tolgay Arslan zu Besiktas Istanbul (500000 Euro Ablöse und Beteiligung am Weiterverkauf) fest, den es nun doch zu Besiktas zieht. Und das, obwohl er bei Trabzonspor (Arsenal London war keine ernsthafte Option) dem Vernehmen nach bis zu drei Millionen Euro netto per annum hätte verdienen können. Via facebook verkündete er: „Ich freue mich, euch berichten zu können, dass ich einen Vertrag bei Besiktas Istanbul unterzeichnet habe. Letzten Endes konnte ich trotz verlockender Angebote nur auf mein Herz hören und das schlägt für Besiktas!!! Ich möchte mich aber vor allem auch bei dem HSV und seinen Fans für die unglaublichen Jahre mit vielen Höhen und Tiefen bedanken. Vielen Dank für eure Unterstützung – Hamburg ist und bleibt mein zu Hause und ich werde euch immer in meinem Herzen behalten!
Euer Tolgay“. Um 16.30 Uhr hob der defensive Mittelfeldspieler dann per Flieger gen Istanbul ab. Alles Gute Tolgay!

 

Arslan musste gehen, nachdem Trainer Joseph „Joe“ Zinnbauer unmissverständlich klar gemacht hatte, dass Arslan bei ihm nicht spielen würde. Einzig die Frage nach dem „Warum?“ wurde nie wirklich erklärt. Und auch Tolgay äußerte sich nicht. Dabei soll der junge Mittelfeldspieler im Zuge der Enttäuschung nur kurz nach Amtsübernahme Zinnbauers gemeckert haben. Dabei schimpfte Arslan dem Vernehmen über das neue System Zinnbauers, das ihn zum Reservisten degradierte. Pech für Arslan war in diesem Fall, dass im Nebenraum Cotrainer Patrick Rahmen saß und alles mit anhören konnte. Seither soll das Verhältnis Arslan/Zinnbauer nachhaltig beeinträchtigt gewesen sein – vorsichtig formuliert…

 

Wobei, glaubt man den schnellen italienischen Medien, hatte der HSV schon Ersatz, als es Arslan per Flieger in die Türkei zog. Gegen Mittag sollen sich demnach der HSV und Inter Mailand auf einen Wechsel des Serben Zdravko Kuzmanovic geeinigt haben. Das aber dementierte der HSV umgehend. Noch.

 

Nicht geleugnet – aber auch betont „nur Alternative“ ist Paolo Guerrero. Bislang zumindest. Wobei ich noch immer ein bekennender Fan seines Fußballs bin und glaube, dass der Peruaner genau der Typ Spieler ist, den der HSV für vorn sucht. Technisch stark kann kaum einer besser den Ball festmachen und verteilen als er. Allerdings würde es mich wundern, wenn Guerrero selbst kann sich vorstellen, wieder nach Deutschland zu wechseln. Allerdings würde ich mich wundern, wenn es der HSV schaffte, den 31-Jährigen finanziell glücklich zu machen, ohne sich zu verheben. Rund drei Millionen Euro im Jahr soll der 31-Jährige bei Corinthians kassieren. Und die Brasilianer wollen den ehemaligen HSVer unbedingt halten.

 

Aber wie dem auch sei, heute passiert eher nichts mehr. Zumindest kommt kein Neuer. Dennoch rechnen beim HSV intern alle fest damit, dass die benötigten Verstärkungen bis zum Transferende am 2. Februar kommen. Dass Dietmar Beiersdorfer den Wunschkandidaten Josip Drmic bereits mehr oder weniger abschreibt („Es würde mich sehr wundern, wenn er zu uns wechselt“) werte ich nicht als Aufgabe. Der HSV will und muss Bayer Leverkusen klar machen, dass sie die Entscheidung des Werksklubs nicht über Wohl und Wehe des HSV entscheidet, und dass der HSV Alternativen hat. Daher wird Guerrero, den Leverkusen übrigens mit der Begründung ablehnte, dass Drmic ja bleiben würde, nicht abgehakt – aber intern eben auch nur als B-Lösung betrachtet.

 

Immer erste Kategorie war David Jarolim. Menschlich wie sportlich war er ein Vorzeigeprofi. Heute war der Tscheche in Hamburg, um sich sportärztlich untersuchen zu lassen. Und der ehemalige Sechser nutzte die Gelegenheit, um noch einmal in eigener Sache für sein Abschiedsspiel am 28. März zu werben – obgleich das kaum nötig ist. Und er freut sich: „Natürlich hast du am Anfang immer Angst, dass die Leute es nicht annehmen. Umso mehr freue ich mich, dass jetzt so viele Tickets abgesetzt wurden. Es wird einer der emotionalsten Augenblicke, die ich je in diesem tollen Stadion erleben durfte.“

Anbei ein Videointerview mit Jarolim im (entschuldigt bitte!) unüblichen Hochformat…

Der Sportdirektor von Mlada Boleslav hat es geschafft, dass bereits mehr als 21000 Tickets abgesetzt sind. Als Fünftbeliebtester HSVer aller Zeiten wählten ihn die Leser der „BILD“ zuletzt. „Das fühlt sich gut an“, so Jarolim, dem der HSV immer wieder nahegelegt hatte, ihn im eigenen Nachwuchs unterbringen zu wollen. Als Trainer. „Ich werde das jetzt auch machen“, so Jarolim, „allerdings erst einmal bei uns im Klub. Ich bleibe Sportdirektor und werde zusätzlich die Woche die U19 von Boleslav trainieren, um erste Erfahrungen zu sammeln. Ich will meine Lizenzen erwerben – dann schaue ich weiter.“

 

 

Allerdings, einmal hier, kam Jaro nicht umhin, sich auch zum HSV zu äußern. „Ich glaube, dass der HSV die richtigen Leute auf den wichtigen Positionen hat und dass sie die Situation erkannt haben. Deshalb bin ich auch optimistisch. Es wird wieder eine schwierige Saison, aber sie wird nicht noch mal so schlimm wie die letzte Saison.“ Dass der HSV noch in dieser Wintertransferphase Verstärkung braucht – auch Jaro sieht es so. Obwohl er überlegt, etwas anderes zu sagen, gibt er zu: „Wenn die Möglichkeit besteht, jemanden zu bekommen, der helfen würde, dann sollte man es machen.“ Ob er Guerrero empfehlen würde? „Das kann ja nicht klappen – der hat doch Flugangst…“, scherzte Jarolim, um dann hinzuzufügen: „Paolo ist ein super Fußballer. Helfen könnte er immer.“

 

Womit ich noch einmal kurz auf die Mitgliederversammlung eingehen will. Die hat gezeigt, was eine Person des Vertrauens bewirken kann. Wobei es sicher mindestens zwei waren, die der Versammlung zu einem friedlichen Verlauf verholfen haben, wie wir ihn schon Ewigkeiten nicht mehr miterleben durften. Immerhin in einer finanziell und sportlich derart angespannten Situation – das war für mich dann doch überraschend. Aber nehmen wir die auf deutlich zu persönlicher Ebene geführten Reden von und gegen Manfred Ertel mal aus, war es letztlich ein sehr erfreulicher Sonntag. Die Verantwortlichen der Campus-Anleihe wurden zwar unter dem Eindruck der Zehn-Millionen-Spende von Alexander Otto unverdient wenig in die Verantwortung genommen – andererseits hätte es mehr als neuen Ärger dadurch auch nicht gegeben. Moralisch verheerend sind die Herren Jarchow, Hilke, Arnesen und Scheel rechtlich abgesichert – das Kleingedruckte macht’s möglich.

 

Dennoch war bei der Veranstaltung ein Hauch von Einigkeit zu spüren, die dieser Verein dringend benötigt. Und Vorstandsboss Dietmar Beiersdorfer ist das Gesicht der Neuausrichtung – zusammen mit Otto. Und Klaus Michael Kühne natürlich. Wobei die beiden Millionen-Unterstützer unterschiedlicher kaum sein könnten. Hier Otto, der bewusst zurückhaltend agiert und keine Anteile zeichnen sondern in letzter Instanz dem Amateursport helfen will. Und auf der anderen Seite Kühne – der Mann, der sein Darlehen lang und hart verhandelte, ehe er es in Anteile umwandelte und der gern öffentlichkeitswirksam sagt, was er denkt. Aber – in diesem Fall sollte man es nur so nehmen, wie es im Moment ist: als unfassbar große Hilfe für die Konsolidierung des HSV. Den Dank haben sich die beiden Milliardäre verdient.

 

In diesem Sinne, der Testspieler Innocent Emeghara wird nicht genommen, Ivo Ilicevic darf vorerst ebenso bei den Profis weiter mittrainieren, wie die U23-Youngster Philipp Müller, Ahmet Arslan und Nils Brüning (Marcos, Götz und Gouaida bleiben natürlich auch). Pierre Michel Lasogga ist wieder einsatzbereit, hat aber morgen frei, da kein Training ist.

 

Bis dahin, Scholle

 

P.S.: Angeblich ist Mpoku (Standard Lüttich) in Deutschland zu Verhandlungen. Und Inter Mailands Trainer Roberto Mancini soll sich nun doch gegen die Abgabe Kuzmanovics entschieden haben. Diese Gerüchte habe ich deshalb ins „P.S.“ gestellt, weil sie in fünf Minuten wieder überholt sein werden. Wetten dass…?

0:2 gegen ManCity – der HSV hielt nur eine Hälfte dagegen

21. Januar 2015

Im dritten und letzten Testspiel des Trainingslagers in Dubai setzte es für den HSV die erste Niederlage. Das Zinnbauer-Team verlor gegen Manchester City mit 0:2. Eine Halbzeit gar nicht schlecht gespielt vor 5.000 Fans in Al Ain, danach ging aber nicht mehr viel – das ist das Fazit. Auf Twitter machte schnell die Runde: die Gegentore waren die ersten gegen einen Champions-League-Verein in dieser Saison nach den Bundesliga-Partien gegen die Bayern (0:0), in Dortmund (1:0), gegen Leverkusen (1:0) und in Schalke (0:0). Auf jeden Fall blieb dem HSV durch diese Partie im Hazza Bin Zayed Stadium, das einjähriges Bestehen feierte, am Ende ein Sümmchen übrig, das das Trainingslager finanziert.

Die ersten Aktionen waren recht nervös vom HSV. Die junge ersatzgeschwächte Truppe hatte doch ein wenig Ehrfurcht vor dem englischen Meister. Allen voran Sven Mende, der erst kurzfristig für Petr Jiracek (Wadenprobleme) reingerutscht war. In der 5. Minute der erste gute Angriff des HSV. Nach einem öffnenenden Pass von van der Vaart flankte Marcos von links, aber Gouaidas Schuss aus 16 Metern ging über das City-Gehäuse. Das erste Mal eng auf der anderen Seite wurde es in der 12. Minute, als Götz eine Milner-Vorlage beinahe ins eigene Netz lenkte.

Auffällig in der ersten Halbzeit: Beim HSV lief alles über van der Vaart. In der 16. Minute prüfte er Caballero im Manchester-Gehäuse mit einem 25-Meter-Fernschuss. Weniger Mühe hatte der Schlussmann mit einem van-der-Vaart-Freistoß einige Augenblicke später. In der 27. Minute segelte ein Ball von Artjoms Rudnevs, halb Schuss, halb Flanke, über das englische Tor. Immerhin war bis zu diesem Zeitpunkt schon erkennbar: Der HSV wollte und konnte auch nach vorn spielen. Vielleicht lag es ja daran, dass Frank Lampard Mitte der ersten Hälfte das Feld verließ. Einer der britischen Fußball-Stars des vergangenen Jahrzehnts war offenbar leicht angeschlagen. Glück für die Hamburger kurz vor dem Wechsel, als kurz nacheinander Sagana und Jovetic mit ihren Schüssen das Tor von Jaroslav Drobny verfehlten.

Einmal gab es Hamburger Torjubel, aber Stiebers Treffer in der 43. Minute zählte zurecht nicht, weil der im Abseits stehende Emeghara den Ball abfälschte (43.). Beinahe machte der Leih-Stürmer diese unglückliche Aktion wett, als er eine Minute später aus 22 Meter aufs lange Eck zog. Erneut war Caballero aber zur Stelle.

Die zweite Halbzeit begann mit dem 0:1. Nach einem Milner-Steilpass nahm Jovetic den Ball mit der Brust runter und überwand Adler direkt, obwohl der Hamburger Torwart noch mit der Hand am Ball war (50.). Beim HSV wurde nun viel gewechselt, der Spielfluss schwand zusehends. Mohamed Goauida hatte noch einen sehenswerten Fernschuss übers Tor (73.). Ex-Wolfsburger Edin Dzeko erhöhte in der 74. Minute auf 2:0 für Manchester. Der Treffer hätte wegen eines vorausgegangenen Handspiels auch abgepfiffen werden können. Die jungen Hamburger brachten die englischen Stars nur noch zweimal in Verlegenheit. Nach einer flachen Vorlage von Ashton Götz traf Philipp Müller aus acht Metern die Latte (77.), und ein Kopfball von Ahmet Arslan ging knapp drüber (89.)

Bei den Engländern fehlte übrigens der etatmäßige Kapitän Vincent Kompany. Der ehemalige HSV-Verteidiger wurde geschont und absolvierte vor der Partie im Stadion sein leichtes Trainingsprogramm. Auch Nationalkeeper Joe Hart stand nicht auf dem Rasen.

So spielte der HSV: Drobny (46. Adler) – Götz, Djourou (46. Cleber), Rajkovic (67. Westermann), Marcos (46. Jansen) – Mende – Stieber (67. Kacar), Gouaida (78. A. Arslan), van der Vaart (60. P. Müller), Emeghara (60. Beister) – Rudnevs (74. Green)

Nach diesem Test plant Zinnbauer für den Rückrundenstart gegen den 1. FC Köln ohne zwei seiner Spieler: Valon Behrami und Lewis Holtby. Behrami ist ohnehin gesperrt wegen der fünften Gelben Karte und überdies noch am Knie verletzt. Holtbys Schlüsselbeinbruch war die schwerste Verletzung des Trainingslagers. Alle anderen sollen gegen Köln zur Verfügung stehen. Auch Pierre Michel Lasogga. „Davon gehe ich aus“, so Zinnbauer. „Auch wenn es vielleicht noch nicht für 90 Minuten reichen wird.“ Gleiches gilt für Nicolai Müller, der in Hamburg gleich wieder ins Training einsteigen und schon das Testspiel gegen Odense (hinter verschlossenen Türen) bestreiten soll.

Was die Verletzungen in Dubai angeht, weist Zinnbauer darauf hin, dass nur wenige muskuläre Probleme aufgrund von Überbeanspruchung dabei seien. „Holtby und Ostrzolek waren Unfälle. Lasogga und Behrami haben ihre Maleschen schon mitgebracht. Jung und Cleber haben einen Schlag bekommen, und nur Nicolai Müller hat eine Muskelverhärtung.“ Bei Dennis Diekmeier liegt eine Knochenhautreizung vor. Schmerzhafte Angelegenheit, die auch dauern kann. Zeitpunkt der Rückkehr offen.

Tolgay Arslan wird am Donnerstag – ziemlich sicher ein letztes Mal – den Flieger mit der HSV-Mannschaft besteigen. Der Verkauf zu Besiktas Istanbul ist noch nicht ganz unter Dach und Fach. Sein Vater und Berater hat bestätigt, dass zuvor ein Angebot von Trabzonspor abgelehnt worden war. „Wir sind in Verhandlungen und gehen davon aus, dass wir uns einigen werden“, sagte HSV-Manager Peter Knäbel in Dubai zu den Gesprächen mit Besiktas.

Noch längst nicht soweit ist Ivo Ilicevic. Der Kroate hält sich in Hamburg fit und hat keinen neuen Verein. Sein Vertrag beim HSV läuft bis Saisonende. „Ich kenne Ivo schon aus seiner Zeit in Kaiserslautern. Er ist ein guter Spieler“, sagte Joe Zinnbauer heute. „Aber wir haben die Entscheidung getroffen, ihn in Hamburg zu lassen. Die Begründung habe ich über Peter Knäbel ausrichten lassen.“ Stilistisch nicht ganz elegant, und darüber hat sich Ilicevic heute auch in der „Mopo“ beklagt. Aber guter Stil hin oder her – entscheidend im Profi-Geschäft ist die Leistung, und die hat der Kroate nach Einschätzung der Verantwortlichen in Hamburg viel zu selten abgerufen seit 2011.

In aller Stille hat der HSV mittlerweile den Vertrag mit Ashton Götz bis 2018 verlängert. Götz hat in der Hinrunde seine ersten Profi-Meriten gesammelt. Im Stadionheft des Manchester-Kicks wurde er sogar neben Rafael van der Vaart als zweiter HSV-Star mit großem Porträt vorgestellt – eine etwas voreilige Maßnahme. Joe Zinnbauer ist mit Götz‘ Entwicklung zufrieden und von seiner Perspektive überzeugt: „Ich finde ihn gut. Er kommt aus dem eigenen Stall und hat Qualität. Asthon ist schnell, gut in der Spieleröffnung und agiert sehr vorausschauend. Aber natürlich muss er auch noch besser werden.“

Auf der Tagesordnung zur Mitgliederversammlung am 25. Januar stehen wohl diese vier entscheidenden Punkte. Unter Punkt sechs der Bericht des HSV-Präsidiums, unter Punkt sieben der des AG-Vorstands, dann unter Nummer zwölf die Neuwahl des Präsidiums mit den Präsidentschafts-Kandidaten Jens Meier, und unter Punkt 17 schließlich die verschiedenen Anträge.

Bei sechs und sieben geht es insbesondere um die wirtschaftliche Situation des HSV. Der e.V. hat seinen Verlust des Geschäftsjahres bereits mit knapp vier Millionen Euro beziffert. Vereinbarungsgemäß wurde dieser Verlust je zur Hälfte auf e.V. und AG verteilt, woraus sich ein Gesamtminus von etwa 7,5 Millionen Euro ergibt, den der alte Vorstand unter Leitung des Vorsitzenden Carl Jarchow zu beklagen und zu verantworten hat. Die konkreten AG-Zahlen fehlen allerdings noch, weswegen eine genaue Analyse der wirtschaftlichen Situation noch offen bleiben muss. Wie hoch sind die Gesamt-Verbindlichkeiten? Welchen Berg schiebt der HSV vor sich her? Wieviel Geld wurde für den Campus-Bau genau verplant bzw. für andere Projekte ausgegeben? Auch interessant zu hören in diesem Zusammenhang: Wie weit ist der HSV mit Alexander Otto, der den Campus finanzieren möchte?

Je nachdem, wie die Berichte ausfallen, geht es auch um die Entlastungen für alte Vorstände und Aufsichtsräte. Ob die Neuwahl des Präsidiums eine lange Angelegenheit wird, ist heute schwer zu beurteilen. Viel eher kann ich mir denken, dass die Debatte sich um das Wahlverfahren ranken wird. Ist es richtig, dass der Beirat für jedes Amt nur einen Kandidaten benennt? Zu dieser Frage sind dann einige Anträge zu entscheiden, die eine Änderung des aktuellen Verfahrens bei künftigen Sitzungen zur Folge haben sollen. Alternativ könnte der Antrag des Seniorenrates zum Tragen kommen, genau diese Frage zu verschieben und bei einer der nächsten Versammlungen zu besprechen, denn Zeitdruck besteht in dieser Frage nicht. Die nächste Präsidiumswahl steht für 2018 an.

Es gibt unsinnige Anträge (wie den nach der Entlassung von Karl Gernandt als Aufsichtsrats-Vorsitzendem, was die Mitgliederversammlung des e.V. gar nicht zu entscheiden hat) und es gibt natürlich noch den Antrag von Manfred Ertel. Der Ex-Aufsichtsrats-Boss hat im Wortlaut beantragt:

Das Präsidium des HSV e.V. wird aufgefordert alle erdenklichen Schritte zu ergreifen, dass der Vorsitz im Aufsichtsrat der HSV Fußball AG vom Präsidenten des HSV e.V. bekleidet wird. Dazu gehört insbesondere, einen entsprechenden Beschluss in der Hauptversammlung der Fußball AG herbeizuführen.

In der Praxis würde das bedeuten, dass Jens Meier Karl Gernandt ablösen könnte. Aber: Gernandt selbst hat ja bereits erklärt, dass es eine derartige Klausel nach AG-Recht gar nicht greifen würde. Letzten Endes müsste sich mit der Thematik aber die Hauptversammlung beschäftigen – kurioserweise wäre das dann das e.V-Präsidium selbst als aktuell alleiniger Anteilseigner der AG. Überspitzt formuliert: Meier selbst und seine Mitstreiter könnten darauf drängen, dass Meier den AG-Vorsitz übernimmt. In diesem Szenario sind eine Menge Konjunktive, zumal Hafen-Chef Meier ja bereits angedeutet hat, dass er nicht mit dem Ziel antritt, den Job von Karl Gernandt zu übernehmen. Meier tritt an, um HSV-Präsident zu werden. Was aus der anderen Regelung wird, sollte sie denn durch entsprechende Zustimmung zum Ertel-Antrag angeschoben werden, bleibt abzuwarten. Wie vor ein paar Wochen schon mal geschrieben, taugt Bayern München hier vielleicht als Beispiel. Die Anteilseigner an der Bayern-AG sitzen im Aufsichtsrat und haben an ihre Spitze Karl Hopfner gewählt, ein FC Bayern-Urgestein. Und zwar ohne entsprechende Aufforderung durch die Bayern-Mitglieder, sondern aus eigener Entscheidung.

Der Antrag von Manfred Ertel spiegelt auch Unzufriedenheit mit dem aktuellen Amtsinhaber wieder. Karl Gernandt selbst hat zwar vor zwei Wochen einen Interessenkonflikt zwischen seiner HSV- und seiner Kühne-Tätigkeit zurückgewiesen. Doch fast im selben Atemzug hat er in die Mikrofone von TV und Radio auch gesagt, dass er sich aus allen Entscheidungen, die Klaus-Michael Kühne beim HSV betreffen, heraushalten würde. Das würde seine Unabhängigkeit beweisen.

Für mich ist das gerade ein Beleg des Gegenteils. Denn als HSV-Aufsichtsrat müsste er auch in Kühne-Fragen allein die Interessen des HSV vertreten können. Eine öffentliche Erklärung zu dieser Frage, noch ehe auf der Versammlung darüber die große Diskussion ausbricht, könnte Gernandt und seiner Glaubwürdigkeit im HSV sicher nicht schaden.

Und dann ist da angesprochene Antrag auf Einzelentlastung, der sich insbesondere gegen das „alte“ e.V.-Präsidium Jarchow/Hilke/Kreuzer/Scheel richtet. Ihnen soll die Entlastung verweigert werden wegen verschiedener schlechter wirtschaftlicher Prozesse und Entscheidungen des betreffenden Geschäftsjahres.

Morgen fliegt der HSV zurück nach Hamburg. Gegen 19 Uhr ist die Landung in Fuhlsbüttel, und mit im Gepäck hat die Mannschaft auf ihr selbstgestecktes Saisonziel. Auf einem Mannschaftsabend am Dienstag hat sich das Team (ohne Trainer) intern auf eine Marschroute für die folgenden 17 Spiele dieser Saison geeinigt. In der Vorrunde blieb sie mit 17 statt angestrebten 19 Zählern knapp hinter der selbstgesteckten Vorgabe zurück. In zehn Tagen startet der zweite Versuch – und er wird anders angegangen. Kein Punkteziel, sondern einzelne, individuelle Zielvorstellungen für die einzelnen Bundesliga-Spiele, die formuliert wurden und werden. Von Spiel zu Spiel. Na dann.

Bis morgen
Lars

18.25 Uhr

PS: Im Vorlauf zu diesem Beitrag hat es ein “Erinnerungsstück” zum Fall Hoyzer gegeben.

Joe droht mit Kamelen – Scheels “geile Zeit”

14. Januar 2015

Wie sich die Bilder doch gleichen. Oder die Situationen. Am 5. August 2014 stand im Matz-ab-Blog folgende Passage aus einem Interview zu lesen, das „Scholle“ mit dem damaligen HSV-Trainer Mirko Slomka geführt hat:

 

Matz ab: Wie sehr sorgen Sie sich um den Fitnesszustand bei Pierre-Michel Lasogga, der gerade die dieswöchige, sehr intensive Phase nicht mitmachen konnte?

Mirko Slomka: Für ihn ist das viel schlimmer als für uns. Wir haben ja neben dem Platz auch viel mit ihm gearbeitet, aber ihm fehlt natürlich die Spielpraxis. Er ist ein Typ, den man sofort reinschmeißen kann und der sofort funktionieren wird. Die Situation frustriert ihn natürlich selbst am meisten. Er muss Dinge machen auf dem Nebenplatz, die keinen Spaß machen, während die anderen Spielformen einstudieren. Wie bitter ist das denn…?! Vor allem nach einer eigentlichen Kleinigkeit, die leider sehr schmerzhaft ist. Aber wir arbeiten daran, dass er schnell zurückkommt und hoffen, das in den nächsten zwei, drei Tagen hinzubekommen.

 

Ja, wir hatten doch alles schon einmal. Im Fußball heißt es ja so schön und so oft, dass sich alles immer mal ausgleicht, aber offenbar wiederholt sich auch alles. Im Juli 2014 war der HSV ins Trainingslager nach Stegersbach in Österreich gefahren. Damals mit einem „leicht“ angeschlagenem Pierre-Michel Lasogga. Bei der Abreise aus Hamburg hieß es seinerzeit, dass der Torjäger vorsichtshalber aus dem Training herausgenommen worden ist, er aber im Trainingscamp wieder voll einsteigen wird. Und so wurde fortan von Tag zu Tag gehofft – und von einem angeschlagenen Lasogga berichtet.
Am 28. Juli hieß es bei Matz ab:

 

„Heute nicht im Training dabei war Pierre-Michel Lasogga, der weiterhin mit muskulären Problemen pausiert und im Mannschaftshotel behandelt wurde.“

 
Auch einen Tag später hieß es bei uns:

 

„Lasogga arbeitete auch heute wieder im Mannschafts-Hotel mit den Physios und absolvierte am Nachmittag einen Lauftest auf dem Laufband. Er soll am Mittwoch wieder ins Mannschaftstraining einsteigen.“

 

Schrieb „Scholle“. Aber: Lasogga stieg tatsächlich erst wieder am 16. August ins Mannschaftstraining ein. Und genau zwei Tage später fand in Cottbus das DFB-Pokalspiel gegen Energie statt. Lasogga galt für diese Partie als HSV-Strohhalm und wurde in der 46. Minute eingewechselt. Von nun an ging’s bergauf? Nicht ganz. Lasogga stand zwar eine Woche später, beim Bundesliga-Auftakt in Köln, in der Startformation, aber noch wochenlang bescheinigte ihm die gesamte Hamburger Medienlandschaft: „Er ist noch lange nicht bei 100 Prozent, kann es ja auch gar nicht sein.“

 

Auch heute hat Pierre-Michel Lasogga nicht mit der Mannschaft trainiert, und nicht nur in mir werden Erinnerungen an den Start dieser Saison wach. Was soll werden, wenn die ganze Sache wieder so läuft wie im Sommer 2014? Irgendeiner sollte doch dafür zuständig sein, Tore für den HSV zu machen. Aber vielleicht findet sich derjenige ja noch in den restlichen Tagen – bis zum 31. Januar, dem Auftakt mit dem Heimspiel gegen den 1. FC Köln. Nur, das sollte doch zu denken geben, es sind ja nur noch 16 Tage. Das könnte wieder einmal recht knapp werden, und dabei hoffen wir doch alle, dass der Neun-Törchen-HSV in diesem Jahr mal so richtig loslegt in Sachen Toren.

 

Bei der Gelegenheit, das fand ich auch im Blog vom August 2014 – weil ich doch gerade bei neuen Spielern für den HSV war. Damals gab es ein Interview mit Klaus-Michael Kühne, und der sagte dabei am 14. August zu seinem (Fast-)Lieblings-Thema:

 

„Ich erwarte, dass sich die Mannschaft stabilisiert. Die Führung ist ausgetauscht, es sind die richtigen Leute dort. Natürlich können sie keine Wunder bewirken, man muss Geduld haben, man muss sehen, wie die Mannschaft sich jetzt einspielt. Ich glaube, Herr Beiersdorfer macht eine erstklassige Arbeit und ich bin hoffnungsvoll. Aber ich würde auch sagen, man muss diesem Verein und dieser Mannschaft jetzt eine Chance geben. Man sollte jetzt kein überehrgeiziges Ziel formulieren.“ Was das sein könnte? „Einen einstelligen Tabellenplatz erhoffe ich mir schon“, sagt Kühne und schiebt nach: „Und wenn es dann noch weiter nach oben geht, dann freue ich mich. Aber das ist vielleicht dann erst in der übernächsten Saison der Fall.“
Beim Thema Neuzugänge (Kühne: „Ich habe einen kleinen Teil dazu beigetragen“) zeigte sich Kühne bislang sehr zufrieden. „Herr Beiersdorfer hat das Talent dazu. Er musste nur leider die guten Spieler immer wieder zu schnell verkauft und viel Geld damit verdient. Und das Geld daraus ist alles verwirtschaftet worden – ein Phänomen für mich“, so Kühne kritisch, ehe er sehr moderat und mit Weitsicht formuliert: „Ich hoffe, dass die Finanzen des Vereins dann irgendwann so gut werden, dass die guten Spieler nicht gleich wieder verkauft werden müssen, sondern bleiben, damit es eine eingespielte, homogene Mannschaft wird. Und das geht nicht von heute auf morgen, das muss in Jahren aufgebaut werden. Es muss hier ganz sicher mittel- bis langfristig gedacht werden.“

 

Mit anderen Worten: Geduld ist gefragt. Hatten bsilang aber nicht alle. Und ich glaube, wenn ich mich richtig erinnere, dass auch Klaus-Michael Kühne zu diesen etwas ungeduldigen Menschen gehörte. Oder immer noch gehört. Nun gut, wir werden es abwarten müssen, wie sich die Geschichte mit ihm und auch mit den eventuellen Verpflichtungen noch entwickelt.

 

Und das ist ja auch in jedem Jahr dasselbe. Oder in jeder Sommer- oder Winter-Pause. Neu ist allerdings der heutige Tag für Oliver Scheel gewesen. Das HSV-Vorstandsmitglied hatte heute seine Schlussvorstellung beim HSV. Scheel ist zwar offiziell noch bis zum 25. Januar ein ehrenamtliches HSV-Vorstandsmitglied, an diesem 14. Januar 2015 aber packte er seine sieben Sache in der HSV-Geschäftsstelle zusammen und – ging. „Nach einem halben Jahr das Abtauchens und zum Verdauen ist meine Vorstandsarbeit beim und im HSV nun abgeschlossen. Ich gehe aufrecht durch das Stadion, denn ich weiß, was ich für den Verein geleistet habe.“

 

Der 49-jährige Rechtsanwalt war sechs Jahre HSV-Vorstand und geht mit einem weinenden und einem lachenden Auge: „Weinend, weil ich gerne im HSV-Vorstand gearbeitet habe. Lachend, weil ich weiß, dass nun eine neue Zeit im Club beginnt, dass nun eine neue Generation heranreift. Ich weiß, dass ich dieses Kapitel nun gut abschließen kann, es sollen und werden nun andere richten, und ich freue mich, dass der HSV jetzt drei Persönlichkeiten bekommen wird, die dem Verein gut tun werden.“ Oliver Scheel wäre gerne geblieben, das ist auch klar, aber er wollte als bezahlter Präsident bleiben – das hat der HSV aber abgebogen. Und Scheel sagt dazu: „Das ist auch okay so. Man hat sich für das Ehrenamt entschieden, und das war eben nichts für mich.“

 

Rückwirkend sagt Scheel zu seiner Zeit in der HSV-Führungsetage: „Es war unterm Strich eine wirklich geile Zeit, trotz aller Intrigen und aller Härte, die es dabei gab. Der Druck lag auch auf meinen Schultern, es war nicht immer leicht, aber insgesamt war es ein schöner Lebensabschnitt für mich. Ich habe viele Dinge mitgemacht, habe sogar Europapokal-Spiele miterleben dürfen, und auch die größte und auch die längste Mitgliederversammlung in der HSV-Geschichte.“ Und er hat sie fast alle organisiert. Und er stand oft im Mittelpunkt, wenn etwas schiefgelaufen war – mit den Fans, mit seinen Fans: „Ich habe mein Gesicht hinhalten müssen, wenn unsere Anhänger mal wieder einen Zug auseinandergenommen hatten.“ Oder in Sachen Pyro-Techniker unter den HSV-Fans. Scheel gibt zu: „Sicher habe ich auch Fehler gemacht, aber war macht die nicht? Ich wäre ja sonst Supermann, und der HSV wäre schon auf Augenhöhe mit dem FC Bayern . . .“

 

Auf die Frage, ob er seine Arbeit für den HSV entsprechend gewürdigt sah, antwortete Olli Scheel: „Ja. Mit dem Hintergrund, dass meine Arbeit ja nicht in der großen und breiten Öffentlichkeit geschehen ist. Dennoch habe ich stets viele zufriedene und auch glückliche Menschen im Stadion getroffen, die mit mir einverstanden waren.“

 

Jetzt, wo er geht – sorgt er sich da um den HSV? Um seinen HSV? Oliver Scheel: „Das ist in der Gesamtheit sicherlich schwer zu beantworten, denn in der Bundesliga-Abteilung fehlt mir seit einem halben Jahr der Einblick. Von außen ist für mich erkennbar, dass es dort sicher noch einiger Zeit bedarf, ehe der Aufschwung zu sehen ist. Mit Dietmar Beiersdorfer an der Spitze ist der HSV aber gut aufgestellt, es freut mich, dass er wieder zu uns zurückgekehrt ist. Mit ihm habe ich meine Amtszeit damals begonnen, mit ihm höre ich nun auf – das werte ich als gutes Zeichen. Es kann aber, das muss ich schon sagen, nicht gleich alles von heute auf morgen funktionieren, was nun angedacht und angeschoben worden ist, es können nicht auf Anhieb wieder blühende Landschaften zu sehen sein – alles braucht seine Zeit. Aber ich bin optimistisch, dass das auch klappen wird.“

 

Auch im Zusammenspiel AG und e.V.? Scheel dazu: „Natürlich kann man dafür nicht endlos Zeit beanspruchen, aber auch in diesem Punkt bin ich Optimist. Wir müssen sportlich durch diesen Sommer kommen, das ist klar, um dann bis Mitte 2016 gemeinsam in ein gutes und gesundes Fahrwasser zu kommen. Ich will damit nicht sagen, dass wir dann in der Champions League spielen werden, dass der Club wieder total aufgeblüht ist, aber die größten Einlauf-Schwierigkeiten sollten bis Mitte 2016 dann doch behoben sein.“ Sein Wort in Fußball-Gottes Gehörgang. Ich wünsche es Oliver Scheel, dass es so kommen wird, ich wünsche es auch dem HSV und seinem Anhang.

 

Aber verlässt er jetzt nicht doch etwas desillusioniert den Verein? Oliver Scheel überlegt ein, zwei Sekunden und sagt dann: „Nein. Ich habe es mir nicht leichter vorgestellt, also kann ich auch nicht desillusioniert sein. In meinen sechs Jahren als HSV-Vorstandsmitglied habe ich ja, es ist allen bekannt, einige Male gegen die Mehrheit gestimmt, und da hätte ich mir schon gelegentlich gewünscht, dass ich Unterstützung erhalte, um diese Dinge in meine Richtung umzusetzen. Grundsätzlich aber sage ich rückblickend, dass es schon klar war, wie schwer ein solches Amt zu bekleiden ist.“

 

Und nun? Als einfaches HSV-Mitglied? Gibt es nun eine Freikarte für ihn? Scheel lacht: „Hoffentlich nicht, denn ich habe mir meine Dauerkarten immer selbst gekauft.“ Er saß überwiegend auf der Südtribüne, ließ sich aber bei Spielen immer überall mal sehen: „Da war ich flexibel, und das möchte ich auch bleiben.“ Und eines fernen Tages wieder ein HSV-Amt? Scheel: „Das will ich nicht ausschließen. Es ist ja nicht so, dass mich nun sage: Schluss – und nie wieder. Aber ich würde nicht um jeden Preis ein Amt übernehmen. Die Rahmenbedingungen müssen schon stimmen. Was nicht heißen soll, dass ich nur Ja-Sager um mich herum haben möchte, aber ich würde die Gewissheit haben wollen, dass ich in einem Team arbeite, dass die gleichen Ansichten vertritt, wie ich. Man sollte schon in dieselbe Richtung marschieren.“

 

Ich wünsche Oliver Scheel für seine Zukunft alles Gute. Und ich bedanke mich für die stets faire und gute Zusammenarbeit. Das hat trotz gelegentlicher Meinungsverschiedenheiten sehr gut und professionell geklappt. Und vielleicht ist es ja so, wie es in Deutschland ja auch oft und schön heißt: „Man sieht sich immer zweimal im Leben.“ Oliver Scheel wird wohl als Rechtsanwalt arbeiten, sagt aber auch: „Ich habe auch einige andere Ideen im Kopf, die wollte ich aber solange nicht forcieren, wie ich noch beim HSV bin. Jetzt werde ich sicherlich die eine oder andere Sache für mich ausloten.“ Vielleicht schon am heutigen Abend. Den hatte Oliver Scheel schon genau geplant: „Um 17 Uhr werde ich das Stadion verlassen, dann werde ich mich zu Hause umziehen und um die Außenalster laufen. Dabei werde ich noch einmal an die Zeit beim HSV zurückdenken.“ Und vielleicht schon mit der konkreten Zukunftsplanung beginnen? Wer weiß?

 

Eine letzte Frage musste ich Scheel aber dann doch noch stellen. Die von „Scholle“ zum Thema Finanzen und Campus. Am 25. Januar, so hatte es „Scholle“ gestern formiert, auf der Mitgliederversammlung wird der alte Vorstand ob der in den Bilanzen versenkten Campus-Millionen Stellung beziehen müssen. Oliver Scheel tat es heute schon: „Ganz klar, juristisch ist das alles einwandfrei gelaufen, da war und ist alles in Ordnung. In der Option der Anleihe konnte jeder lesen, was im Prospekt stand. Wir sind da völlig rein. Dass einige nicht alles lesen, das kann uns nicht zum Nachteil gereichen. Dennoch sage ich auch: Wir hätten damals genau diesem Punkt doch etwas mehr Aufmerksamkeit schenken sollen, das wäre am Ende dann . . .“ Oliver Scheel hält inne. Sagt dann: „Da suche ich noch nach dem richtigen Wort. Man sollte sich das schon klar ins Gesicht schauen können, aber grundsätzlich sage ich auch, dass das ein schwieriges Thema ist. Wenn das ein wenig klarer herausgestellt worden wäre, dann wären wir wohl alle eine einvernehmliche Anliegergemeinschaft gewesen wären – das glaube ich schon.“

 

„Scholle“ wollte diese Frage auch Carl-Edgar Jarchow gestellt haben, aber das klappte aus technischen Gründen nicht – deshalb sprang ich in die Bresche. Der HSV-Vorstandsvorsitzende sagte zu diesem diffizilen Thema: „Das Geld ist damals zu bestimmten Bedingungen eingeworben worden, das konnte jeder lesen. Wir durften das Geld anderweitig anlegen, das ist klar. Wenn ich jetzt immer wieder höre, dass der Campus nicht gebaut wird, dann sage ich allen: Wartet es doch mal ab! Der nächste Trainingsplatz ist bereits geplant, es geht voran. Wenn auch langsamer, als damals gedacht. Die Leute werden es aber erleben, dass der Campus kommt, und sogar mit einem Platz mehr als ursprünglich geplant.“ Abschließend sagt Jarchow zu diesem Thema: „Wir haben die liquiden Mittel anderweitig benutzt, das ist klar, aber dazu stehen wir, denn es war legitim. Ich kenne die Vorwürfe, die uns in diesem Zusammenhang gemacht werden, aber sie schockieren mich nicht.“

 

So, und nach diesem Abstecher in die Vorstandsarbeit geht es dann doch noch nach Dubai und auf den dortigen Trainingsacker. Das heißt, um es mit „Scholle“ zu sagen, ich bin nicht in Dubai, ich sitze in der Redaktion und habe heute verschiedentlich mit Männern in Dubai telefoniert. Vornehmlich mit meinem Kollegen Kai Schiller, der mich umfassend über den Tag informiert hat.

 

Morgens stand ein Lauf vor dem Frühstück auf dem Programm, dann wurde von 11 Uhr bis 13 Uhr (oder sogar eine halbe Stunde länger?) hart trainiert. Dabei wurde der Coach auch ein wenig lauter, weil es nicht alles so lief, wie er sich das vorgestellt hatte: „Wenn ihr das nicht schafft, dann könnt ihr drüben in der Wüste Kamele reiten . . .” Oha! Es soll ja in Dubai millionenschwere Renn-Kamele geben, die nicht ganz so leicht zu reiten sein werden. Als ich mit dem HSV vor Jahren in Dubai war, logierten wir gegenüber einer solchen Kamele-Ranch – und ich machte mich eines Tages mal auf, solche Tierchen zu filmen. Eines fraß mir ein wenig vom Ärmel meines Hemdchens ab, ein anderes Kamel stieß mit dem Kopf voll gegen die Kamera (die ich durch den Zaun gehalten hatte!) und damit gegen mein rechtes Auge. Da habe ich dann mal kurzzeitig ein Auge zugedrückt . . . Also, Joe Zinnbauer, das mit den Kamelen wird doch nicht so leicht sein – wie Fußball.

 

Beim Training nicht dabei waren Pierre-Michel Lasogga, Dennis Diekmeier und Valon Behrami. Besonders bitter ist Lasogga, der nicht mal auf dem Platz zu sehen war, sondern nur individuell im Hotel trainierte. Diekmeier war gestern beim Kernspin fällt noch mit Kniereizung ein paar weitere Tage aus. Behrami war ebenfalls nicht auf dem Platz zu sehen, überhaupt noch nicht in Dubai, aber das war nach seiner Operation nicht anders zu erwarten. Ronny Marcos drehte immerhin Runden. Das Quartett wird sicherlich morgen beim Spiel gegen Frankfurt im Hazza-bin-Zayed-Stadium in Al-Ain fehlen. Anpfiff ist um 20 Uhr Ortszeit (bei uns in Deutschland 17 Uhr), Hessen 3 überträgt live.

 

Zitat Joe Zinnbauer zum Fehlen seines Torjägers: „Lasoggas Verletzung ist noch nicht so, wie wir uns das vorstellen. Wir nehmen ihn ein paar Tage raus.” Apropos raus: Heiko Westermann und Maximilian Beister waren beide am harten Vormittag voll dabei, wurden am Nachmittag aber geschont. Grundsätzlich hat mir Kai Schiller verraten: „Das Training hier ist sehr intensiv, das alles macht einen hervorragenden Eindruck.“ Besonders ein Spieler hat es dabei meinem Kollegen angetan: Cleber Reis. Schiller: „Der Brasilianer räumt alles ab, der ist super drauf, an ihm kommt keiner vorbei, und er gibt auch lautstark Anweisungen. Der macht ein richtig tollen Eindruck.“ Der Schweizer Testspieler Innocent Emeghara, der durch seine Schnelligkeit beeindruckt, fand auch Erwähnung, weil er ein schönes Fallrückzieher-Tor schoss. Er soll morgen gegen Frankfurt zum Einsatz kommen. Apropos Testspieler: Ein solcher könnte eventuell auch Mohamed Salah Ghaly werden. Der ägyptische Profi ist ebenfalls für seine Schnelligkeit bekannt, ist Linksfüßer und spielt als Stürmer für den FC Chelsea. Seit 2011 gehört der 22-Jährige dem Kader der ägyptischen Nationalmannschaft an.
Was mich an dieser Personalie stört? FC Chelsea! Für die Älteren unter uns – es gab mal ein Lied: „Wer kann das bezahlen, wer hat so viel Geld, wer hat so viel Pinke-Pinke, wer hat so viel Geld?“ Ansonsten hätte ich nichts dagegen. Und irgendwann ist ja auch ein Ruud van Nistelrooy von Real Madrid zum HSV gewechselt, nicht wahr, Eiche und Jacek Dembinski?
Das waren noch Zeiten.

 

So, wir sind ein wenig lang geworden heute, aber ich hatte ja auch, zwangsläufig, längere Zeit ausgesetzt. So ist das, wenn sich drei Herren um eine gute Sache verdient machen möchten.

 

17.47 Uhr

Ich bin dann mal weg…

13. Januar 2015

So, obwohl ich es in der letzten Woche schon geschrieben hatte, jetzt noch mal: Ich bin in Hamburg und nicht in Dubai vor Ort dabei. Meine Infos vom Training erhalte ich von meinen geschätzten Kollegen vor Ort, insbesondere natürlich von meinem Abendblatt-Kollegen Kai Schiller. Ansonsten bleibt mir wie sonst auch das Telefon. Das nur, weil ich gestern mehrfach gefragt wurde. Ab Freitag ist dann Lars für uns live vor Ort und wird Euch mit frischen Infos erfreuen, während morgen und übermorgen Dieter wieder dabei ist. Ich mache zwangsläufig einige Tage frei und melde mich dann am 23. Januar wieder. Aber bis dahin haben wir noch den heutigen Blog vor uns. Ab geht’s…

…allerdings noch immer nicht für Pierre Michel Lasogga, der mal wieder mit Oberschenkelproblemen pausieren muss. Auch heute konnte der Angreifer, dessen Trainingspause vor einer Woche als „Vorsichtsmaßnahme“ tituliert wurde, wieder nicht mittrainieren. Ein Schelm, der Böses dabei denkt…

Zusammen mit Ronny Marcos (Zerrung) ging Lasogga nur Joggen und verpasste das Training ebenso wie Dennis Diekmeier, dessen Kniereizung heute per MRT noch einmal festgestellt wurde. Der Rechtsverteidiger wird einige Tage pausieren müssen. Ebenso wie Valon Behrami, der bis heute lediglich im Kraftraum arbeiten konnte, wie mir die Kollegen berichteten.

Richtig rasant ging es heute dennoch zur Sache. Nicht nur, dass Artjoms Rudnevs seinen 27. Geburtstag vor Ort feierte, sondern auch, weil die Spieler zum Ultimativen Sprinttest gebeten wurden.

Matthias Ostrzolek beim Sprinttest

Matthias Ostrzolek beim Sprinttest

In der angrenzenden Sporthalle des Nad Al Sheba Sports Complexes wurden die Werte über fünf, zehn und 30 Meter gemessen. Der Schnellste: Nicolai Müller, der sich knapp vor dem Geburtstagskind sowie Marcell Jansen durchsetzen konnte. Wie schnell René Adler war, konnte mir niemand sagen. Dafür stand der zuletzt oft kritisierte Keeper heute den Kollegen vor Ort Rede und Antwort.

Unmittelbar nach der Vertragsverlängerung von Jaroslav Drobny nicht der leichteste Zeitpunkt, nachdem er zuletzt geschwiegen hatte. Wobei Adler gut drauf zu sein scheint. Zumindest vermittelt er diesen Eindruck: „Ich bin fit, habe auch zuhause in meinem eigenen Gym gearbeitet. Auf den Vorbereitungsstart habe ich mich extrem gefreut. Die Bedingungen hier sind atemberaubend.“ Am Donnerstag wird Adler 30. Ob er irgendetwas ändern will? „Ich bin mit meinem Leben sehr zufrieden, auch wenn ich kein gutes Jahr hatte. So ist das manchmal im Sport.“

Professionellste Bedingungen für René Adler und Co. in Dubai.

Professionellste Bedingungen für René Adler und Co. in Dubai.

Sportlich. Aber auch erst einmal nur Worte von Adler, der sich als absoluter Teamplayer präsentiert. Und obwohl er als Nummer eins geholt und inzwischen nur noch die Nummer zwei ist, versucht er souverän zu bleiben. Kein böses Wort – obwohl ihn die Situation seit Wochen erkennbar belastet. Adler er respektiert die Entscheidungen des Trainers. „Die Mannschaft lebt doch vom Konkurrenzkampf. Wir kommen extrem gut klar, auch wenn natürlich jeder spielen will. Ich will dem Trainer Argumente liefern. So trainiere ich jeden Tag.“ Wie er die Vertragsverlängerung Drobnys aufgefasst hat? „Wenn ich Sportdirektor wäre, dann hätte ich es genauso gemacht. Drobo hat gut gespielt, jetzt hat er genauso lange Vertrag wie ich. Und das Trainingslager ist eine von vielen Chancen, einen Stammplatz zu erobern. Ich will durch Leistung überzeugen. Ich will von hinten Druck machen.“

Adler kennt es, bis an den Rand der Aufgabe getrieben zu sein. Gut 60 Wochen Verletzungspause in vier Jahren, dazu eine verpasste WM und den Verlust der Nummer eins in der Nationalelf an den inzwischen unumstrittenen Manuel Neuer – „da gab es nicht wenige Situationen, die hart waren“, so Adler damals. Und heute? Adler betont ruhig: „Natürlich ist es nicht einfach, es lässt mich nicht kalt. Aber es ist auch eine gute Erfahrung. Man muss auch mal so eine Phase durchgemacht haben.“ Aufgeben sei das letzte, was ihm vorschwebt: „Ich werde meine Karriere beenden, wenn ich das irgendwann sage. Davon bin ich aber sehr weit weg. Wichtig ist mir nur, dass ich selbst das irgendwann entscheiden werde.“

Nicht zuletzt die Vertragsverlängerung 35 Jahre alten Drobnys dürfte ein Zeichen des HSV gewesen sein, dass sie mit der aktuellen Nummer eins zufrieden sind. Adler selbst hatte zuletzt jedoch nie einen Zweifel daran aufkommen lassen, dass er in Hamburg bleiben werde und sich durchsetzen will. „Der HSV ist ein Verein, der mir am Herzen liegt. Nur weil es mal nicht so läuft, wie ich mir das gerade vorstelle, muss man ja nicht alles hinwerfen. Ich bin keiner, der dann auf beleidigte Leberwurst macht, auch wenn ich als Sportsmann natürlich spielen will.“

Adler zählt zweifellos zu den fleißigsten Profis. Das bestätigen fast alle Spieler, mit denen ich über ihn gesprochen habe. „Wenn einer wirklich immer als Erster im Gym ist und auch noch als Letzter trainiert, dann ist es zweifellos René“, hatte mir Marcell Jansen zuletzt erzählt. Dennoch die hohe Verletzungsanfälligkeit. Ob Adler irgendwas geändert habe? „Ich trainiere auch ein bisschen ökonomischer. Ich kann nicht mehr so trainieren wie ein 18- oder 20-Jähriger.“ Und das erwartet auch niemand von ihm. Im Gegenteil: Adler soll die Jungen führen. Zumal der HSV-Kader immer jünger wird. Oder besser: werden soll.

Hierbei gibt es aber leider noch nichts Neues. Krystian Bielik ist weiter ein ganz heißes Eisen. Und auch Drmic ist weiter Stürmer Nummer eins auf der Prioritäten-Liste des HSV, soll aber noch immer rund sechs Millionen Euro kosten. Knäbel betonte heute noch mal, dass er dennoch eine Chance sehe, den Schweizer von Bayer Leverkusen loszueisen. Und das, obwohl es auch weiterhin keinen konkreten Ansatz eines Spielerverkaufs gibt.

Ob ein Wechsel ins Ausland für Adler irgendwann noch mal eine Option sei? „Es wäre schon schön, irgendwann noch mal eine neue Sprache zu lernen. Aber es muss auch sportlich stimmen. Man sollte auch mal zufrieden sein mit dem, was man hat. In Spanien können doch die meisten Vereine außer die Top Drei gar nicht pünktlich die Gehälter zahlen. Da hätte ich keinen Bock drauf.“ Hat wohl keiner.

Wobei sich der HSV diesbezüglich wird erklären müssen. Am 25. Januar auf der Mitgliederversammlung wird der alte Vorstand ob der in den Bilanzen versenkten Campus-Millionen Stellung beziehen müssen. Spricht man mit den Verantwortlichen, werden schnell die Verantwortlichkeiten auf zwei Personen gelenkt: Carl Jarchow und Joachim Hilke. Und während Letztgenannter gerade zusammen mit Karl Gernandt in Dubai eingetroffen ist, um dort mit Hauptsponsor Emirates zu verhandeln, konnte ich Jarchow nicht erreichen, habe ihm aber auf Band gesprochen. Ich bin allerdings für morgen telefonisch mit Oliver Scheel verabredet und weiß aus der Vergangenheit, dass sich Jarchow auch diesen unangenehmen Fragen nicht entzieht.

In diesem Sinne, bis morgen. Dann hoffentlich mit Neuigkeiten zu bevorstehenden Transfers und mit ersten Antworten zu zurückliegenden Anleihe-Geschäften. Ich bin dann mal weg…

Scholle

Ein bisschen Rieckhoff, ein bisschen Hieronymus – und einige neue Gerüchte

17. November 2014

Oh Mann, was für ein zäher Tag. Kein Training, keine Spieler erreichbar, die Offiziellen nicht im Haus. Und das keine sieben Tage vor einem Nordderby. Ach was, vor DEM Nordderby gegen Werder Bremen immerhin. Erst morgen um zehn Uhr geht es weiter. Noch ohne die Nationalspieler, die sich heute via Twitter von ihren verschiedenen Länderspielstationen meldeten. Apropos Meldung, eine davon wurde mir just von meinem Blog-Freund Leon Heinemann zugespielt. Demnach soll im Winter das 18-jährige Sturmtalent Batuhan Altintas zum HSV wechseln. Nach Drmic und dem jungen Schweizer ist das bereits der dritte Name, der mit dem HSV in Verbindung gebracht wird. Zumindest berichtet das der türkische Radiosender „Lig Radyo“. Demnach soll sich der HSV mit Altintas’ abgebendem Klub Bursaspor auf den Wechsel verständigt haben – was durchaus Sinn ergeben würde. Denn der Verein selbst hat den Youngster wettbewerbsübergreifend bis Juni 2015 gesperrt. Der junge Mittelstürmer soll im Sommer Vertragsverhandlungen (Vertrag läuft im Sommer 2015 aus) platzen lassen haben und seither in Ungnade gefallen sein. Totes Kapital also für den türkischen Erstligisten – es sei denn, er wird noch vor seinem Vertragsende verkauft. Bei einem Marktwert von knapp 400000 Euro ein machbares Geschäft für den HSV – sofern der eine oder andere hier nicht mehr gebrauchte Spieler abgegeben werden kann.

Allerdings ist das so genannte „Tote Kapital“ etwas, was man beim HSV nur zu gut kennt. Leider. Monat für Monat überweisen die hiesigen Verantwortlichen Funktionären Millionen von Euro, obwohl diese schon lange nicht mehr tätig sind. Und in dieser Woche will man sich von wenigstens zweien dieser Angestellten endgültig trennen. Am Donnerstag hat der HSV seinen Schlichtungsgespräch in Sachen Mirko Slomka, am Freitag den Arbeitsgerichtstermin mit dem ehemaligen Fitnesstrainer Nikolai Vidovic. Beide waren telefonisch nicht zu erreichen, was eigentlich auch nur logisch ist. Dennoch dürften diese beiden Termine unmittelbar vor dem Nordderby noch mal interessant werden. Zumindest dann, wenn man sich – wie erwartet wird – nicht sofort einigen kann.

Interessant und täglich neu befeuert wird auch das Thema Präsident im e.V., der im Januar gewählt werden soll. Zuletzt wurden hier Carl Jarchow und Oliver Scheel als potenzielle Kandidaten geführt, ehe auch Otto Rieckhoffs Name genannt wurde. Zwar weniger vom bestimmenden Beirat, dafür aber von einer Entourage, die schon ziemlich weit gediehen ist. Den Schatzmeister und seinen Vizepräsidenten bringt der einstige Kopf der HSV-Plus-Bewegung gleich mit. FussballRieckhoff soll sich sein Team bereits zusammengestellt haben. Und zwar namentlich mit dem Vorzeige-Fan Axel Formeseyn sowie dem Unternehmer Dr. Konstantin Rogalla (HSV-Realos). Allein im Beirat wurde der Name Rieckhoff bislang eher beiläufig genannt. Gefragt wurde Rieckhoff noch nicht nach seiner Bereitschaft. Zwei Monate vor der wichtigen Mitgliederversammlung sicher kein Grund für den einstigen Aufsichstratsboss, nervös zu werden.

Im Gegenteil, Rieckhoff selbst lässt alles auf sich zukommen und will sich selbst gar nicht äußern. „Das behalte ich auch so lange bei, wie ich es für nötig halte“, so Rieckhoff, der sich auch über die Vorwürfe nicht ärgert, er würde sein eigenes Versprechen brechen. „Sollen die anderen doch reden“, ist Rieckhoffs einziges Statement. Wobei Rieckhoff sehr wohl weiß, dass die anderen genau das tun. Der 63-Jährige hat sich in seiner Zeit als Werbeträger von HSV-Plus nicht nur Freunde gemacht. Im Gegenteil. Selbst innerhalb der HSV-Plus-Bewegung gab es etliche Zerwürfnisse. Die einstigen 83-er-Helden, die auf Werbeveranstaltungen oft den Platz neben Rieckhoff einnahmen, stiegen mit der Wahl am 25. Mai geschlossen wieder aus.

Wobei einer von ihnen jetzt als Kandidat für den Posten des Präsidenten immer wieder genannt wird: Holger Hieronymus. Der ehemalige HSV-Sportchef und DFL-Geschäftsführer soll beim Beirat, der die zur Wahl stehenden Kandidaten letztlich zulässt, mehr als einen Befürworter haben. Fussball„Ich weiß davon nichts“, so Hieronymus heute, „und ich beschäftige mich mit dem Thema auch nicht unnötig.“ Ob er es sich anhören würde, wenn der Beirat an ihn herantritt. „Ich bin gut erzogen, von daher schon aus Respektsgründen ja. Zudem bin ich grundsätzlich an HSV-Themen immer interessiert. Aber ich kann auch sagen, dass es mir ohne Amt momentan auch sehr, sehr gut geht. Ich vermisse nichts – abgesehen vom sportlichen Erfolg des HSV.“

Und damit will ich den vereinspolitischen Sch… auch schon wieder zurücklegen. Nicht, weil er mich nicht interessiert. Nein, nur, weil ich weiß, dass das ganze Theater leider wieder früh genug und dann mit annehmbarer Sicherheit auch in Massen auf uns zukommt. Im Vorfeld der Strukturreform hat dies bei mir zu einem Overkill Vereinspolitik geführt. Ich bekam täglich neu vor Augen geführt, dass es in diesem Zusammenhang einen verschwinden geringen Anteil wirklich ehrlicher Kandidaten gibt, denen es ausschließlich um den Verein geht. Und diese Erfahrung hat meine Leidensfähigkeit mit dem HSV einst auf eine harte Probe gestellt. Und solche Phasen brauche ich nicht allzu oft…

Brauchen tue ich dagegen Fußball. Den ehrlichen Fußball auf dem Platz. Und der nimmt morgen mit der ersten Trainingseinheit in dieser Woche um 10 Uhr wieder Fahrt auf. Ich werde da sein und melde mich im Anschluss daran bei Euch. Mit Fußball. Viel Fußball hoffentlich…

Bis dahin!
Scholle

U 23 zieht die Hinrunde ungeschlagen durch

15. November 2014

Joe Zinnbauer hatte gestern nach dem 1:0 im Test gegen Eintracht Braunschweig angekündigt, verstärkt auf die Nachwuchsspieler aus der U 23 zu achten. Scholle hatte dies hier ausführlich aufgegriffen. Wie weit die Jugend wirklich ist, konnten 1.250 Zuschauer heute an der Hagenbeckstraße verfolgen. Die Partie musste wegen des großen Andrangs vor den Kassenhäuschen mit acht Minuten Verspätung erst begonnen werden.

U-23-Trainer Daniel Petrowsky setzte allein sechs Spieler ein, die tags zuvor auch einige Minuten mit den Profis gegen Braunschweig auf dem Rasen standen. Ronny Marcos in der Abwehr; Ahmet Arslan, Sven Mende und Mohamed Gouaida im Mittelfeld; Nils Brüning und Philipp Müller im Sturm. Anfangs lief alles nach Plan. Im Anschluss an einen Freistoß nutzte Francis Adomah, heute als Innenverteidiger eingesetzt, das folgende Durcheinander in der VfB-Deckung zum 1:0. Großer Jubel schon in der 8. Minute.

Doch der dauerte nicht lange an. Schon im Gegenzug gelang Andre Senger der Ausgleich (9.), wenige Minuten später fiel durch Markeineke gar das 1:2 (14.). Dieser Halbzeitstand war für den HSV noch schmeichelhaft, denn Lübecks bester, Andre Senger, traf noch einmal den Pfosten (27.). In der zweiten Halbzeit bissen sich die Petrowsky-Schützlinge lange vergebens die Zähne aus an der sicheren Gäste-Deckung. Bis eine sensationelle Kombination doch noch das Unentschieden und damit die Rettung der Serie brachte. Mohamed Gouaida spielte prächtig Doppelpass mit Ahmet Arslan und vollendete diese Aktion mit einem platzierten Schuss zum 2:2 (84.).

„Das war ein hartes Stück Arbeit“, sagte Kapitän Sven Mende. „Aber wir können natürlich auch ein bisschen stolz sein. Eine ganze Hinrunde ungeschlagen zu sein, hat noch niemand geschafft. Dennoch müssen wir für heute zufrieden sein, wenn wir kurz vor dem Schluss erst den Ausgleich schaffen. Wenn wir jetzt noch für die restlichen drei Spiele dieses Jahres konzentriert bleiben, sieht es gut aus für das neue Jahr.“ Am kommenden Sonntag tritt der HSV zunächst bei Eintracht Norderstedt an. Und in der Tat sieht es gut aus in der Tabelle: Aktuell zwölf Punkte Vorsprung sind eine sensationelle Bilanz (wobei Verfolger Werder Bremen morgen noch spielt). Da ist das Ziel natürlich, die Aufstiegsrunde zur 3. Liga zu erreichen, wo dann allerdings die Karten völlig neu gemischt werden.

So spielte der HSV: Brunst – Jordan (58. Derflinger), Jung, Adomah, Marcos – Arslan, Mende, Haut (77. Charrier), Gouaida – P. Müller, Brüning (68. Benkarit)
Tore: 1:0 Adomah (8.), 1:1 Senger (9.), 1:2 Marheineke (14.), 2:2 Gouaida (84.)
Zuschauer: 1.250

Zu einem anderen Thema. Am 25. Januar, genau acht Monate nach der historischen Mitgliederversammlung im Stadion, als die Ausgliederung der Profi-Fußball-Abteilung in eine AG beschlossen wurde, steigt die nächste große Sitzung des HSV. Es handelt sich um die erste ordentliche Mitgliederversammlung des „neuen“ HSV e.V. und um das Ende der bisherigen Übergangsregelung. Das betrifft vor allem die Besetzung des Präsidiums.

Bekanntlich sind aktuell Carl Jarchow (Präsident), Joachim Hilke (Vizepräsident) und Oliver Scheel (Schatzmeister) im Präsidium. Sie sind sozusagen das Überbleibsel aus dem alten Vereins-Vorstand vor der AG-Ausgliederung. Die Verträge von Jarchow und Hilke enden am 31. Mai kommenden Jahres. Oliver Scheel, ursprünglich von der Mitgliedschaft als deren expliziter Vertreter in den Vorstand gewählt, scheidet bereits Mitte Januar aus.

Hinter den Kulissen wird seit Monaten kräftig daran gewerkelt, ein neues e.V.-Präsidium auf die Beine zu stellen. Dafür verantwortlich ist der Beirat unter Leitung des Vorsitzenden Eckart Westphalen (er ist der Delegierte aus den Amateur-Abteilungen des HSV). Ferner sitzt ihm als Stellvertreter Andreas Peters (Vorsitzender des Ehrenrates) sowie Walter Koninski, Engelbert Wichelhausen (beide ebenfalls Mitglieder des Ehrenrates) sowie Sven Winkelmann (Förderer) zur Seite. Die fünf Herren hatten und haben die heikle Aufgabe, Kandidaten für den neuen Vorstand zu finden und letztlich der Mitgliederversammlung vorzuschlagen.

Genau genommen ist die Aufgabe schon in dem Punkt heikel geworden, als sich der Beirat auf das Wahl-Procedere einigen musste. Wie sich herausstellte, ist die neue e.V.-Satzung in einigen Punkten offenbar nicht eindeutig. Juristische Hilfe wurde in Anspruch genommen – und dies führte am Ende zu dem Ergebnis, das der Beirat auf der Internet-Seite des HSV vor einigen Tagen veröffentlichte.

Was das Verfahren am 25. Januar angeht, ist nun folgendes angedacht. Der Beirat schlägt ein Präsidium vor, also drei Personen, die er für die Geeignetsten hält. Es soll keinen Wahlkampf auf dieser Veranstaltung geben, sondern nur eine Vorstellung eines Präsidenten-, eines Vize-Präsidenten- und eines Schatzmeister-Bewerbers. Die Mitgliedschaft soll anschließend mit einfacher Mehrheit beschließen, ob der jeweilige Kandidat das Amt dann auch für drei Jahre antritt. Abgesehen davon, dass dieser Weg dann sehr dem des FC St. Pauli ähnelt, der ja morgen seinen spannenden Sitzungs-Tag hat, hatten die Satzungs-Väter des HSV eine konkrete Idee, die dahinter steckt. In den vergangenen Jahren ist der HSV nicht zuletzt deswegen immer wieder auf härteste Belastungsproben gestellt worden, weil ein unerträgliches Hauen und Stechen um Ämter die Vereins-Versammlungen und damit das Klima im Verein vergiftet hatte. Beispiele muss ich an dieser Stelle nicht aufführen. Eigentlich waren alle Veranstaltungen im CCH in den letzten 20 Jahren geprägt von verbalen Tiefschlägen, Beschimpfungen, Anfeindungen, Gepöbel. Unerträglich eben, und daher ist die Entscheidung, nur einen Kandidaten pro Amt vorzuschlagen, konsequent – und eben überdies rechtlich geboten.

Wünschenswert ist im Sinne der Befriedung des HSV und der Eindeutigkeit der Entscheidung, und auch, damit ein neues Präsidium mit möglichst großer Unterstützung ins neue Amt gehen kann, dass eine große Mehrheit für die neuen Leute gefunden wird. Aus diesem Grund kommt dem Beirat eine verantwortungsvolle Aufgabe zu, denn er muss den Kandidaten finden, der nicht nur der beste ist, sondern auch die höchste Akzeptanz in der Mitgliedschaft besitzen könnte – hier muss spekuliert werden.

Mit Namen hält sich der Beirat zurzeit zurück. Das wird in den kommenden Wochen sicher folgen, wenn die sondierenden Gespräche mit möglichen Kandidaten abgeschlossen sind. Dennoch sind drei Namen bereits als Tuschelthema in der Öffentlichkeit unterwegs, und ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage, dass keiner der drei Namen bisher für Begeisterungsstürme gesorgt hat.

Nummer eins war Oliver Scheel, der dem Beirat proaktiv sein Interesse am Präsidentenamt mitgeteilt hat. Gleichzeitig betonte Scheel, dass er nur als hauptamtlicher Präsident zur Verfügung stehe. Diese Kern-Entscheidung hat der Beirat ja auch noch zu treffen – wird der Präsident angestellt oder ehrenamtlich (mit Aufwandsentschädigungen) bestellt? Intern wird die ehrenamtliche Variante bevorzugt, was allein schon die Kandidatur von Scheel ausschließen würde. Dass der gelernte Anwalt ohnehin ein Kandidat wäre, der aufgrund seiner kritischen Position zur AG-Ausgliederung umstritten ist, kommt dazu.

Die Namen zweier weiterer Längjähriger wabern im HSV-Raum. Otto Rieckhoff, der im letzten Vierteljahrhundert so ziemlich jedes Amt im HSV bekleidet hat, ist einer von ihnen. Carl Jarchow, von 2011 bis 2014 Vorstands-Vorsitzender des Vereins, ist der andere. Offizielle Kommentare gibt es aktuell von beiden nicht. Wobei sich Rieckhoff wahrscheinlich bei jedem Gespräch, dass er in den letzten Wochen geführt hat seit einer entsprechenden Veröffentlichung im Hamburger Abendblatt, eine Frage stellen lassen muss: „Warum willst Du das jetzt doch machen – du hattest doch am 25. Mai noch ganz deutlich gesagt, kein Amt im HSV anzustreben?“

Die Beantwortung dieser Frage und damit das Schließen einer Glaubwürdigkeitslücke wird Rieckhoffs Kernaufgabe sein, wenn er eine Chance besitzen will, im Januar als Präsident anzutreten. Carl Jarchow hatte sich in bisherigen Veröffentlichungen zu seiner möglichen Zukunft (entsprechende Aussagen liegen allerdings auch schon Monate zurück) ebenfalls bedeckt gehalten was seine persönliche Motivation auf Übernahme des Präsidenten-Amtes angeht. Nun ist er also wieder im Gespräch. Der Mann also, der als Haupt-Verantwortlicher steht für die drei katastrophalsten Jahre der Hamburger Bundesliga-Geschichte. Ist dies bereits das Ausschluss-Kriterium? Oder denken die Beiräte zurück an die Gründe, die den damaligen Aufsichtsrat 2011 bewogen hatten, Jarchow als Nachfolger für Bernd Hoffmann zu bestellen. Jarchow sollte den Verein befrieden, was ihm im ersten Schritt gelungen ist. Das Drama begann mit der Verlängerung seines Vertrages, als andere, nämlich strategische und richtungsweisende Entscheidungen anstanden, die – das wissen wir heute – im Zusammenhang mit personellen, wirtschaftlichen und sportlichen Fehlentscheidungen fast der gesamten HSV-Führungsriege im Beinahe-Untergang gipfelten.

Im Kern heißt die Frage also bei diesen drei Namen: hat einer von ihnen noch eine Chance verdient oder ist es auch im HSV-e.V.-Präsidium Zeit für ganz neue Leute? Das Anforderungsprofil, das der Beirat auf der oben genannten Internet-Seite herausgegeben hat, ist nicht eben klein. Ehrlich gesagt frage ich mich, ob nicht wirklich ein hauptamtlicher Präsident gefunden werden muss bei dem gewaltigen Umfang der anstehenden Aufgaben. Abgesehen von der großen Verantwortung der Aufgabe auch für die AG. Denn immer noch ist der e.V. der Mehrheitseigner der AG – und das wird sich auch nicht ändern. Darüber hinaus sitzt der e.V.-Präsident automatisch im Aufsichtsrat der AG, was ihm zusätzliches Gewicht verleiht.

So gesehen wäre eine von weiten Teilen der HSV-Vergangenheit unbelastete Persönlichkeit gut, die trotzdem einen hohen Bezug zum HSV besitzt und ein Standing in der Stadt ohnehin. Auch wenn die ganz laute Musik des HSV im Vorstand der AG gespielt wird – das Amt des e.V.-Präsidenten ist ein ganz entscheidendes für die Zukunft des gesamten Vereins.

Zum Ablauf am 25. Januar noch eine Schluss-Bemerkung. Natürlich ist es praktisch möglich, dass einer oder mehrere der vorgeschlagenen Kandidaten für eines der Ämter durchfallen. Was geschieht dann? Bleibt der e.V. führungslos? Das soll und muss natürlich vermieden werden, deswegen würde es so sein, dass noch auf derselben Veranstaltung ein zweiter Kandidat vorgestellt werden würde, über den dann ebenfalls noch an diesem Tag abgestimmt werden soll. Erst wenn der dann auch noch durchfällt – rein theoretisch – wäre eine weitere Vereins-Versammlung fällig.

Wir dürfen gespannt sein, wen der Beirat „ausgräbt“.

Morgen ist Scholle hier wieder am Ball. Das nächste Training der Profis steigt am Dienstag um 10 Uhr.

Lars

17.43 Uhr

Bravo! Die U 23 begeistert weiter!

11. Oktober 2014

Aus aktuellem Anlass stelle ich heute nicht die Profis nach vorn, sondern den Nachwuchs. Heute Nachmittag hat die U 23 des HSV ihre Serie fortgesetzt. In der Regionalliga Nord gewann das Team von Trainer Daniel Petrowsky mit 4:1 gegen Hannover 96. Und es war zeitweise Fußball wie aus einem Guss. Am Anfang kamen die Niedersachsen, auch angetrieben von ihren zahlreichen Fans, zum ersten Treffer. Doch der HSV hielt dagegen. Glänzend, wie der Ausgleich durch Tolcay Cigerci von Philipp Müller vorbereitet wurde (Ich musste spontan an Scholles Blog vorgestern denken, als er von Müller geschrieben hat. Der Bursche hat echt was drauf.)! Wunderbar die Kombination vor dem 2:1 mit dem letzten Pass von Kapitän Sven Mende in die Mitte zum Torschützen Mohamed Gouaida! Und ebenso klasse die Vorarbeit von Ronny Marcos, die wieder Cigerci zum 3:1 nutzte!

Es gab begeisterten Beifall des Publikums. 1400 Zuschauer haben sich an diesem sonnigen Tag auf den Weg an die Hagenbeckstraße gemacht – und sie haben ihr Kommen ganz sicher nicht bereut. Spielfreude und Tempo waren in der Partie. Das war ohne Einschränkungen wirklich erste Sahne. Nach zwölf Saisonspielen steht die Mannschaft bei elf Siegen und einem Unentschieden, also 34 Punkten, an der Tabellenspitze. 38:9 Tore hat sie geschossen. Eine beeindruckende Bilanz, und von der Stärke des HSV-Nachwuchses hat sich auch Uwe Erkenbrecher überzeugen können. „Erke“ ist aktuell Trainer des VfR Neumünster, des nächsten HSV-Gegners. Dann müssen die Hamburger Jungs auswärts antreten.

Im Publikum staunte übrigens auch die gesamte HSV-Prominenz. Trainer Joe Zinnbauer kam mit dem Fahrrad, auch Sportdirektor Bernhard Peters und der Vereins-Boss Dietmar Beiersdorfer waren da.

So spielte der HSV II: Brunst – Götz, Kim, Jung, Marcos – A. Arslan, Mende, Steinmann (83. Jordan), Gouaida – Cigerci (74. Masek), P. Müller (67. Brüning)
Tore: 0:1 Ernst (7.), 1:1 Cigerci (14.), 2:1 Gouaida (35.), 3:1 Cigerci (38.), 4:1 Arslan (55.)

Die Bundesliga-Profis hatten zum Zeitpunkt des Spiels ihre Einheit am Volkspark bereits hinter sich. Etwa eineinhalb Stunden wurde hier bei besten Bedingungen geübt. Im Mittelpunkt standen Kleinfeldspiele. Und auffällig dabei nicht nur für mich: Rafael van der Vaart in sehr guter Spiellaune. Es macht den Eindruck, als ob ihm seine kleine verletzungsbedingte Zwangspause Frische zurückgegeben hat. Und durch diese Frische hat er Handlungsschnelligkeit zurück erlangt und einige feine Törchen geschossen, die man so ganz sicher von keinem anderen HSV-Spieler sehen würde. Die Spannung steigt vor dem Bundesliga-Duell mit Hoffenheim in der kommenden Woche. Die Spannung über Aufstellung und Leistung im Mittelfeld des HSV.

Nach dem Training mit dem Ball ging es für einige Zeit noch zum Laufen in den Volkspark. Mit dabei war dann auch Julian Green, der sich das Balltraining noch geschenkt hatte. Wenn nach den beiden trainingsfreien Tagen morgen und am Montag dann am Dienstag wieder trainiert wird, wird wohl auch Artjoms Rudnevs wieder dabei sein. Der Lette hat sich gestern Abend in der EM-Quali gegen Island (0:3) die Gelb-Rote Karte eingefangen und ist somit beim nächsten Spiel der Letten nicht spielberechtigt. Zum Zeitpunkt der Hinausstellung stand es übrigens noch 0:0 – in Unterzahl ging das Spiel dann verloren.

Für Abendblatt-Blogs


Eine Sache wollte ich schon immer mal ansprechen, sie ist in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder hochgepoppt. Seit geraumer Zeit werden wir ja überversorgt mit vielen Statistiken zu den Bundesliga-Spielen. Ganz besonders beliebt ist dabei immer wieder die Laufstatistik. Der HSV ist zu faul, läuft soundsoviele Kilometer weniger als der Gegner, ohne Laufen gewinnt man keine Spiele usw. Über bundesliga.de oder auch montags im kicker kann jeder Interessierte ganz viele Daten bekommen, die für viel Diskussionsstoff sorgen.

Ich möchte mich jetzt auf die Gesamt-Laufleistung beziehen, hier habe ich einen Zusammenhang festgestellt, der die vermeintlich klare erste Erkenntnis relativiert. Es steht nämlich diese Laufleistung eines Teams in der Regel in unmittelbarem Zusammenhang mit der Ballbesitz-Statistik. Ganz konkret bedeutet dies: Hat eine Mannschaft einen deutlich höheren Balbesitzanteil als der Gegner, dann hat der Gegner die höheren Laufwerte. Das ist logisch, denn ohne Ball muss man hinterherlaufen und verteidigen. Ab einem deutlichen Ballbesitz-Übergewicht von mindestens 60 Prozent gibt es fast nie ein Team, das gleichzeitig auch mehr läuft. Mit anderen Worten: Der Laufwert ist nicht in erster Linie ein Indiz für Fitness oder Einsatzbereitschaft eines Teams, sondern für die Spielanlage. Unter Coach Thorsten Fink, der seine Philosophie auf Ballbesitz ausgelegt hatte, besaß der HSV fast immer schlechtere Laufwerte als der Gegner. Jetzt mit Joe Zinnbauer ist das anders. Die Hamburger Mannschaft agiert mit Gegenpressing, ähnlich Borussia Dortmund, was von Haus aus sehr laufintensiv in der Verteidigung ist. Das Spiel nach vorn wird nicht breit gemacht (hoher Ballbesitz, geringe Bewegung), sondern geht in die Tiefe (niedriger Ballbesitz, da riskantes Spiel, und mehr Bewegung).

Ich würde wetten: Wenn wir uns die kommenden Bundesliga-Statistiken unter diesen Kriterien anschauen, dann wird der Zusammenhang sichtbar. Ich schreibe dies, weil es mir oft schlicht zu einfach ist, die Kilometer-Leistung gleichzusetzen mit der eingebrachten Energie der Mannschaft. Ich finde zum Beispiel, dass der HSV hohen Aufwand (bei ganz geringem Ertrag) im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt betrieben hat – am Ende stand ein lächerlich geringer Laufwert von 112 Kilometern. Aussagekräftiger finde ich schon die Statistik der angezogenen Sprints, weil sie auch zeigt, wie intensiv Druck ausgeübt wird auf den Gegner.

Am Ende ist natürlich vieles Glaubenssache – letztlich denke ich, dass Fußball-Statistiken häufig nicht so viel über ein Spiel sagen wie im Basketball oder Baseball.

Zu einem anderen Thema. Was ist eigentlich aus den Ermittlungsverfahren und Strafanträgen geworden, die Klaus Meetz in die Wege geleitet hat? Im Sommer war der ehemalige Volleyball-Star des HSV in aller Munde. Im Hintergrund werden verschiedene Verfahren weitergeführt. Zum einen ist da der Strafantrag, den Meetz gegen den “alten” HSV-Vorstand beantragt hat – der Vorwurf lautete Veruntreuung der Millionen-Anleihe, die im Zusammenhang mit dem Nachwuchs-Konzept “Campus” aufgelegt wurde. Das Ermittlungsverfahren wurde mittlerweile eingestellt. Warum, Herr Meetz, ist die Sache für Sie aber noch nicht erledigt?

Gegen den offensichtlich als “Gefälligkeit” erlassenen, abwegigen Einstellungsbescheid der Staatsanwaltschaft Hamburg vom 11.09.2014 habe ich am 30.09.2014 form- und fristgerecht das gebotene Rechtsmittel „Beschwerde” eingelegt. Dieses Verfahren ist bei der Generalstaatsanwaltschaft anhängig. Gegen die unterzeichnende Oberstaatsanwältin Gräwe habe ich gleichzeitig, da offensichtlich keine “ernsthaften” Ermittlungen vorgenommen wurden, wegen der von ihr offensichtlich begangenen strafbaren Handlungen (Rechtsbeugung, Strafvereitelung im Amt und Begünstigung) Strafanzeige gestellt. Insoweit verweise ich auf den Inhalt meines Ihnen vorliegenden Schreibens vom 30.09.2014, in dem nochmals die strafbaren Handlungen der Herren Jarchow, Kreuzer, Hilke und Scheel und der dem HSV entstandene und noch entstehende Schaden (17,5 Mio. € zweckentfremdete “Campus-Anleihe”, zzgl. Zinsen und Rückzahlung!) nachgewiesen worden ist.

Die Schreiben liegen uns tatsächlich vor. Was den ablehnenden Bescheid der Staatsanwaltschaft angeht, wird dies insbesondere damit begründet, dass kein Geschädigter vorliege. Das heißt: nach Ansicht der Staatsanwaltschaft sei nach wie vor gesichert, dass die Anlagen-Zeichner ihr Geld zurückbekommen, wenn sie es wünschen. Und Meetz reicht diese Begründung eben nicht aus.

Zweites großes Thema ist die Ausgliederung der Profi-Fußball-Abteilung
in eine AG. Auch hier laufen bzw. liefen Strafanträge gegen Richter des Amtsgerichts, darüber hinaus strebt Meetz nach wie vor an, die Ausgliederung anzufechten. Auch hier gab es bisher durch die Bank ablehnende Briefe der Gerichts – mit welchem Ziel gehen Sie weiterhin dagegen an?

Vorbemerkung:
Es gab bisher keinen einzigen ablehnenden Bescheid eines Gerichts. Am 14.08.2014 habe ich die gegen die Richter des Vereins- und Handelsregisters
gerichtete Strafanzeige ergänzt und sie aus gegebener Veranlassung begründet gegen die Justizsenatorin Schiedeck, den Amtsgerichtspräsidenten Rzadtki und den ersten Bürgermeister Scholz erweitert. Gegen den offensichtlich ebenfalls als “Gefälligkeit” erlassenen, abwegigen Bescheid der Staatsanwaltschaft Hamburg vom 04.09.2014, mit dem die “Aufnahme von Ermittlungen” abgelehnt (!) worden ist (obgleich mir mit Schreiben vom 14.07.2014 die Einleitung des Ermittlungsverfahrens mitgeteilt worden war und die Akten des Vereins- und Handelsregisters von der Staatsanwaltschaft angeblich beigezogen worden sind!) habe ich form- und fristgerecht das gebotene Rechtsmittel “Beschwerde” eingelegt. Dieses Verfahren ist bei der Generalstaatsanwaltschaft anhängig. Gegen die unterzeichnende Staatsanwältin Wichmann habe ich gleichzeitig, wegen der von ihr offensichtlich begangenen strafbaren Handlungen (Rechtsbeugung, Strafvereitelung im Amt und Begünstigung) Strafanzeige gestellt. Mit Schreiben vom 26.09.2014 wurde mir von der Staatsanwaltschaft mitgeteilt, dass “das Ermittlungsverfahren gegen Wichmann unter o.a. Aktenzeichen geführt wird.” – 3404 Js 358/14. Insoweit verweise ich auf den Inhalt meines Ihnen vorliegenden Schreibens vom 19.09.2014, indem nochmals die strafbaren Handlungen der Beschuldigten begründet nachgewiesen worden sind. Mein simples Ziel ist es, in den Vorgängen die Einhaltung rechtsstaatlicher Normen zu erreichen und in der Folge, die “meinem” HSV entstandenen Schäden von deren Verursachern ersetzen zu lassen.

Dies für Euch einmal als Zwischenstand. Mit Sicherheit werden sich die Verfahren noch hinziehen. Klaus Meetz hat angekündigt, notfalls bis vor das Oberlandesgericht ziehen zu wollen.

Für heute einen schönen Länderspielabend!
Lars 18.14 Uhr

Van der Vaart und Jansen fallen sicher aus – Nicolai Müller wackelt

11. September 2014

Der geneigte HSV-Fan musste heute beim Training schon mal zum Fernglas greifen. Mirko Slomka, der Trainer, hatte den Anfang der Vormittags-Einheit auf den hinteren Trainingsplatz verlegt, so dass es einige Minuten dauerte, ehe alle Spieler identifiziert werden konnten. Dabei gibt es doch so viele spannende Fragen: Ist Nicolai Müller fit? Ist Jansen wirklich verletzt? Was macht van der Vaart? Welcher Torwart steht im A-Team – Drobny oder Adler?

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Im Laufe der 80 Minuten wurden ganz konkrete Antworten gegeben – aber besser sieht die Personalsituation nicht eben aus. So steht auf jeden Fall fest, dass Marcell Jansen einige Wochen fehlen wird. Der linke Verteidiger hat einen Muskelfaserriss erlitten. Damit ist unzweifelhaft, was wohl auch ohne die Verletzung so gekommen wäre: Matthias Ostrzolek wird am Sonntag in Hannover sein Startelf-Debüt für den HSV geben.

„Ich will natürlich endlich anfangen“, sagte Ostrzolek heute im Anschluss ans Training. Er strahlte richtig – und im Gegensatz zu manch anderer Einheit in den vergangenen Wochen wirkte er auch auf dem Platz spritziger und unternehmungslustiger. „Ich möchte Stabilität und Power ins Team bringen“, so Ostrzolek. „Was ich im letzten Jahr in Augsburg gezeigt habe, will ich auch hier zeigen.“ Dass im Nordduell nicht nur er, sondern auch der eine oder andere Neue mehr auf dem Rasen stehen wird, beunruhigt Ostrzolek nach eigener Aussage nicht: „Jeder von uns spielt seit 20 Jahren Fußball. Außerdem haben wir die Länderspielpause nutzen können, um uns einzuspielen – das sollte schon passen.“


Ostrzolek also optimistisch – und Trainer Slomka ließ seine neue A-Elf dann auch gleich gegen die vermeintliche B-Elf antreten. Bei allem Vorbehalt, denn es war eine Spielform, in der in der Abwehr nicht alles erlaubt war und ein spezielles Überzahlspiel einstudiert werden sollten, zeigte sich folgende Stamm-Mannschaft:

Drobny – Diekmeier, Djourou, Cleber, Ostrzolek – Behrami, Holtby – Ilicevic, van der Vaart, Stieber – Lasogga.

Diese Mannschaft erreichte ein 2:2 gegen die Reservisten:

Adler – Götz, Dongsu, Westermann, Jiracek – Arslan, Steinmann – Nafiu, P. Müller, Green – Rudnevs.

Die Tore für den Stamm erzielten van der Vaart und Lasogga, die Gegentreffer steuerten Green und Rudnevs bei. Wie gesagt, dieses Spiel und die Aufstellung sind nicht überzubewerten. Und zwar aus mehreren Gründen.

Dass Jaroslav Drobny heute im Kasten der vermeintlichen Hannover-Elf stand, muss keineswegs Symbolcharakter haben. Nach den Aussagen von Mirko Slomka im Anschluss an den Test gegen Neumünster vergangene Woche (3:0) gehe ich auch eher davon aus, dass Rene Adler weiter im HSV-Tor stehen wird.

Dazu kommt, dass Rafael van der Vaart gleich nach diesem Trainingsspiel in die Kabine gegangen ist und den Abschluss der Einheit nicht mehr mitmachen konnte. Zunächst war „nur“ von Wadenproblemen die Rede – mittlerweile ist klar, dass der Kapitän wieder zwei Wochen fehlen wird wegen einer Muskelverletzung. Und zwar genau an der Stelle, die ihn schon in der Partie gegen den SC Paderborn zur Auswechslung gezwungen hat.

Nun bietet sich also erneut eine Chance für den Rest des HSV zu zeigen, dass es auch ohne „Rafa” geht. Am Dienstag beim Walk of Fame hat Ex-Keeper Horst Schnoor dieses Thema witzigerweise angeschnitten, ohne ahnen zu können, dass der Mittelfeld-Stratege nun wirklich ausfallen würde. Er wurde angesprochen auf die Torwartfrage und sagte nur kurz und bündig: „Wir haben kein Torwartproblem. Warum spricht man nicht über andere Spieler – zum Beispiel van der Vaart?” Nun fehlt van der Vaart also in Hannover – vielleicht gelingt dem HSV ohne ihn der erste Sieg seit anno dazumal.

Den Namen von Nicolai Müller habe Ihr vielleicht bei den Mannschaftsaufstellungen vermisst. Der Flügelstürmer hat heute erneut nicht am Mannschaftstraining teilgenommen. Stattdessen absolvierte er sein individuelles Programm und lief am Ende mit Gojko Kacar Runden um die Trainingswiese, während sich die anderen im Spiel duellierten. Das sah denn natürlich noch nicht so aus, als ob seine hartnäckigen Adduktoren-Probleme endlich verschwunden wären. Anschließend signalisierte er jedoch, dass seine heutige Zurückhaltung geplant war, er am Freitag mit der Mannschaft aufs Feld kommen wolle und somit für Hannover alles möglich sei. Abwarten.

Nach dem Training haben wir mit dem Schweizer Johann Djourou gesprochen. Dort ging es auch um die Person von Trainer Slomka, der nach dem schlechten Saisonstart unter Druck gerät. „Er hat die Mannschaft unter Kontrolle und ist ein Supertrainer. Natürlich geht es immer schnell um den Trainer. Aber wir sind erst am Anfang der Saison. Wir haben in den letzten Wochen gut gearbeitet. Ich habe den Eindruck, dass es im Moment schon besser geht. Wir brauchen Punkte, das gibt Vertrauen, und dann geht alles besser.“

Soweit die Theorie. Aber der Schweizer Nationalspieler weiß auch, dass ihn und den HSV bei den 96ern eine heiße Partie erwartet: „Es wird nicht einfach in Hannover. Aber außer unserem guten Training haben wir auch viel geredet. Wir müssen wissen: Fußball ist auch Kampf! Diese Mentalität brauchen wir. Es reicht nicht, einfach nur gut Fußball spielen zu wollen.“ Ohnehin ist Djourou der Überzeugung, dass der HSV aus der vergangenen Saison viel Erfahrung mitgenommen und dazu jetzt eben neue Leute im Kader hat. Ergo: „Wir sind stärker.“

Wie sieht Djourou die Verstärkungen im einzelnen? „Holtby ist ein sehr guter Spieler, das sieht man sofort. Green ist sehr schnell und sehr stark. Auch Cleber Reis ist ein guter Spieler, wobei ich im Training jetzt erst einmal mit ihm zusammen gespielt haben, aber er ist gut am Mann. Für Matze (Ostrzolek) ist es auch eine gute Chance, sich jetzt zu beweisen. Und Nicolai Müller ist ein Superspieler. Er wird ganz wichtig für uns werden, wenn er fit ist. Wir brauchen gute Spieler, brauchen neuen Willen und müssen nach vorn gucken.“

Null Tore, erst ein Punkt, vorletzter Platz nach zwei Spielen. Djourou fasst zusammen: „Wir dürfen jetzt noch nicht alles zu dramatisch sehen, sondern müssen positiv bleiben.“

Wir haben hier in den vergangenen Monaten stets genau darauf geblickt, was mit der neuen HSV AG geschieht. Natürlich gibt es auch noch den HSV e.V. – und hier kommt offenbar Fahrt in künftige Personalplanungen. Oliver Scheel, bis vor kurzen noch HSV-Vorstand für Mitgliederbelange, hat seinen Hut in den Ring geworfen. Gestern hat er dem Beirat erklärt, dass er für das Amt des neuen e.V.-Präsidenten zur Verfügung steht.

Der Beirat ist ja der alte Aufsichtsrat (dem im übrigen mittlerweile Eckart Westphalen vorsteht und nicht mehr Jens Meier) und insofern zuständig für die Kontrolle des e.V.-Präsidiums. Vor diesem Gremium also hat Oliver Scheel gesprochen, der ja selbst nach der Ausgliederung des Profi-Fußball-Bereichs in eine AG vom alten HSV-Vorstand ins e.V.-Präsidium gewechselt ist. Im Januar auf der nächsten Mitgliederversammlung wird das neue e.V.-Präsidium gewählt.

„Ich möchte meine Arbeit dem Verein anbieten“, sagt Scheel zu seiner bevorstehenden Kandidatur. „Ich will jetzt nicht einfach gehen. In den vergangenen Jahren habe ich in vielen verschiedenen Funktionen beim HSV gearbeitet. Nach der Ausgliederung und mit ein wenig Abstand bin ich zu dem Entschluss gekommen, nun für das Amt des Präsidenten anzutreten.“ In der Satzung ist die Frage, ob der e.V.-Präsident als bezahltes oder unbezahltes Amt geführt wird, offen gelassen. Scheel tritt nur für einen bezahlten Posten an, das macht er auch deutlich. Der Arbeitsumfang gibt eine rein ehrenamtliche Tätigkeit nicht her, glaubt Scheel.

Ob es andere Kandidaten geben wird, ist zur Stunde noch nicht bekannt. Carl Jarchow, dessen Vertrag als AG-Vorstand im kommenden Jahr ausläuft, hatte zuletzt immer ausgeschlossen, als e.V-Präsident zu kandidieren.

Zu einem anderen Thema. Bei uns ist noch eine Frage eingetroffen aus dem Südwesten des Landes:

Hi liebes Matz-ab-Team, danke für den Blog. Ich komme aus Saarbrücken und bekomme aus Hamburg nicht so viel mit. Könntet ihr mal erwähnen, was die Hamburger Bewerbung für Olympia mit dem Volkspark vor hat?
Hoffentlich auf Bundeskosten sanieren!
LG aus dem Saarland
Aljosha

Grüße zurück nach Saarbrücken – das mit der Komplett-Sanierung steht komischerweise nicht im Olympia-Konzept, aber doch ist der HSV betroffen bzw. eingebunden in die Planungen der Stadt Hamburg. Und zwar im Wesentlichen durch zweierlei: zum einen, wie zu erwarten, mit der imtech-Arena, in der Olympische Fußball-Spiele stattfinden sollen – insbesondere auch die Finals.

Weil das gesamte Turnier der Frauen und Männer nicht in einer Arena ausgetragen werden kann, sollen weitere Standorte eingebunden werden (Bremen, Wolfsburg, Rostock, Hannover, Braunschweig), so dass Olympische Fußball-Turnier ein Norddeutsches werden wird.

Zum Zweiten ist der Bau eines weiteren Stadions geplant mit einer Kapazität von 10.000 Plätzen, in dem Rugby gespielt werden soll. Anschließend soll dieses kleine Stadion weitergenutzt werden als Amateur-Fußball-Stadion – so steht es im offiziellen Bewerbungs-Konzept. Das heißt: Die U 23 des HSV könnte eine neue Heimat erlangen. Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass andere Sportarten dort stattfinden können. American Football etwa, oder vielleicht sogar (mit Kunstrasen) größere Hockey-Veranstaltungen.

Wo genau dieses Stadion stehen könnte, ist noch nicht besprochen. Auf einem oder mehreren der geplanten neuen Trainingsplätze des HSV (die zum „Campus“-Projekt gehören sollen) nun nicht unbedingt – der Verein benötigt ja schließlich seine sieben Trainingsrasen. Das haben der AG-Vorsitzende Dietmar Beiersdorfer und Sport-Direktor Bernhard Peters ja gerade erst ausgearbeitet. Dennoch denke ich, dass eine Lösung in dieser Frage eher ein kleines Problem auf dem Weg Hamburgs zur Austragung Olympischer Spiele sein dürfte…

Wie auch immer – das ganze ist Zukunftsmusik. Die kompletten Bewerbungskonzepte Hamburgs und von Berlin sind übrigens auf der Internetseite des Deutschen Olympischen Sport Bundes (DOSB) veröffentlicht.

Der guten Vollständigkeit halber hier noch eine Meldung:

SID – Trainer Bert van Marwijk hat sein kurzes und erfolgloses Engagement beim Fußball-Bundesligisten Hamburger SV im Nachhinein bedauert und als Fehler bezeichnet «Da ging vieles drunter und drüber, so etwas habe ich noch nie erlebt. Die Konzentration auf den Fußball war fast nicht möglich», sagte der Niederländer der Bild-Zeitung. Die Hanseaten hatten den 62-Jährigen im September vergangenen Jahres als Nachfolger von Thorsten Fink verpflichtet. Nach nur drei Siegen aus 15 Spielen wurde der Coach im Februar 2014 bereits wieder beurlaubt und durch Mirko Slomka ersetzt. Mittlerweile arbeitet van Marwijk als TV-Experte beim niederländischen Fernsehen.

Hat er recht, der Bert van Marwijk? Klar hat er recht. Aber: Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein – heißt es schon in der Bibel. Oder auf van Marwijk übertragen: Ein bisschen weniger Selbstgerechtigkeit, dazu ein demütiger Blick auf das eigene und durch den HSV um einige Millionen Euro gefüllte Konto (wo war die Gegenleistung?) wäre ein besserer Schritt gewesen, als diese Aussagen in der „Bild“ zu platzieren.

Morgen ist wieder Training um 10 Uhr. Dieter wird Euch über alles auf dem Laufenden halten.

Lars

18.22 Uhr

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