Archiv für das Tag 'Scharner'

Ein bisschen Magath – das geht einfach nicht…

23. August 2013

Es ist wieder soweit: Die Politik beherrscht die Szenerie. Und ich bin zwiegespalten. Zum einen könnte ich kotzen, dass dem so ist, zum anderen aber weiß ich um die Notwendigkeit einer solchen Diskussion. Selbst einen Tag vor dem wichtigen Spiel bei Hertha BSC. Und als Diskussionsgrundlage stelle ich hier noch mal das interessante Abendblatt-Interview mit Investor Klaus-Michael Kühne für alle rein, die es noch nicht gelesen haben. Die Antworten des Milliardärs sind auf jeden fall lesenswert – und mindestens so diskutabel. Aber dazu nach dem Interview mehr. Das Interview:

Hamburger Abendblatt: Herr Kühne, was hat Sie als HSV-Fan mehr geärgert: die 1:5-Heimpleite gegen Hoffenheim oder die Geschehnisse in den Tagen danach?
Klaus-Michael Kühne: Die Tage danach haben mich um ein Vielfaches mehr geärgert. Richtig wütend bin ich über die Suspendierung von Aogo und Rincon. Wenn Trainer Fink schon die schwer nachvollziehbare Entscheidung trifft, den Spielern zwei Tage freizugeben, dann kann er die Profis nicht im Nachhinein für so einen Kurztrip bestrafen.
Die Verantwortlichen des HSV hatten kritisiert, dass es das falsche Zeichen von Aogo und Rincon gewesen sei, nach einem 1:5 ausgerechnet auf die Partyinsel Nummer eins zu fahren.
Kühne: Das falsche Signal hat der Trainer gesetzt. Er hat doch zwei Tage freigegeben. Diese Entscheidung hat das Fass zum Überlaufen gebracht.
Was meinen Sie? Thorsten Fink hat die Mannschaft doch seit seiner Amtsübernahme immerhin von einem Abstiegsplatz auf den siebten Rang geführt.
Kühne: Trotzdem bleibe ich bei meiner Meinung. Ich bin maßlos enttäuscht von ihm, und das war ich schon in der vergangenen Rückrunde, als ein durchaus möglicher Europa-League-Platz leichtfertig verspielt wurde. Mir scheint es so, als ob er die Mannschaft weder richtig führen noch motivieren kann.
Fink ist doch der erste Trainer, der nach all den Wechseln der vergangenen Jahre für ein wenig Kontinuität steht.
Kühne: Es stört mich auch, dass der HSV ständig die Trainer gewechselt hat. Aber ich glaube einfach nicht mehr an ihn, seine Entscheidungen sind für mich unverständlich. Doch leider scheinen ja auch der Vereinsführung die Hände gebunden zu sein. Meiner Meinung nach ist der Verein auf allen Ebenen amateurhaft aufgestellt.
Was muss sich beim HSV ändern?
Kühne: Alles. Der ganze Verein muss reformiert werden. Ich würde mir wünschen, dass es eine Strukturreform gibt, vor der zunächst der komplette Aufsichtsrat zurücktreten müsste. Ich würde mir einen verkleinerten Aufsichtsrat mit maximal sechs statt elf Mitgliedern wünschen. Gefragt wären Hamburger Persönlichkeiten und vielleicht auch ehemalige Größen aus dem HSV, die das nötige Know-how hätten. Und auch der Vorstand müsste dann neu zusammengesetzt werden.
Das klingt aber sehr nach Tabula rasa.
Kühne: Manchmal ist ein kompletter Schnitt der beste Weg für einen Neuanfang. Ich würde es sehr begrüßen, wenn die Profiabteilung des HSV ausgegliedert wird, die dann in einer neuen Gesellschaft professioneller aufgestellt wäre. An so einer Gesellschaft müssten sich dann Investoren im Rahmen der 50+1-Regel beteiligen können, sodass dem Verein das dringend benötigte frische Kapital zur Verfügung gestellt werden könnte. Ich selbst würde mich auch maßgeblich beteiligen, wobei ich nicht der einzige Geldgeber sein möchte.
Bereits seit Monaten wird hinter den Kulissen an so einer Strukturreform gebastelt. Ist Otto Rieckhoff, der die Pläne einer neuen Struktur bald vorstellen will, schon mal an Sie herangetreten?
Kühne: Wir hatten kurzen Kontakt. Wobei ich auch davon gehört habe, dass Jürgen Hunke ebenfalls eigene Reformpläne hat. Wichtig ist mir, dass es eine einheitliche und starke Gruppe für eine entsprechende Strukturreform gibt, die ich dann auch sehr gerne unterstützen würde. Mein größter Wunsch wäre, dass dann Felix Magath nach so einer Reform als neuer HSV-Präsident der starke Mann im Verein werden würde. Er könnte dem HSV dringend benötigte neue Impulse geben.
Halten Sie denn eine Verpflichtung Magaths für realistisch?
Kühne: Ich halte das zumindest für möglich. Ich selbst hatte auch schon Kontakt mit Herrn Magath. Und von dem, was ich so gehört habe, gibt es für Magath nur zwei ernsthafte Optionen: Entweder er geht als Trainer in den arabischen Raum, oder er wird neuer starker Mann beim HSV. Er selbst scheint die zweite Option zu präferieren.
Zuletzt hatte Magath in Wolfsburg und auf Schalke aber ganz andere finanzielle Möglichkeiten. Ist er in der aktuellen Situation wirklich der richtige Mann?
Kühne: Mir ist schon klar, dass es ohne Geld nicht geht. Nach einer Reform dürften aber durch Investoren auch entsprechende Finanzmittel zur Verfügung stehen. Ich würde sogar einen Schritt weitergehen: Meiner Meinung nach sollte man Magath sofort als Berater holen. Er könnte kurzfristig neue Akzente setzen. Und er ist auch der Einzige, den ich für fähig halte, bis zum Ende der Transferfrist einen dringend benötigten Stürmer zu verpflichten.
Eine Zusammenarbeit zwischen Magath, Oliver Kreuzer und Thorsten Fink klingt nicht gerade realistisch.
Kühne: Da gebe ich Ihnen recht. Ich würde von Magath erwarten, dass er auch einen neuen Trainer findet. Und Kreuzers Rolle empfinde ich als unglücklich. Er scheint mir sehr mit Fink verbandelt zu sein.
Kreuzer ist doch arm dran. Er soll neue Spieler ohne finanzielle Mittel verpflichten und muss teure “Ladenhüter” abgeben, die er gar nicht verpflichtet hat.
Kühne: Einfach ist diese Aufgabe wirklich nicht. Aber gerade deswegen müsste man einen Top-Mann holen, der dieser Aufgabe gewachsen ist – und eben keinen Drittligamanager. Ich kenne Herrn Kreuzer ja gar nicht persönlich, habe also auch nichts gegen ihn. Wir haben einmal kurz telefoniert, das war es dann aber auch. Doch ich halte ihn eben nicht für den richtigen Mann am richtigen Ort. Das HSV-Haus brennt doch lichterloh.
Sie halten viel von Vorstand Joachim Hilke. Könnte er nicht das “Feuer” gemeinsam mit Carl Jarchow löschen?
Kühne: Es stimmt, dass Herr Hilke und ich regelmäßig miteinander sprechen. Ich schätze ihn und ich würde mir ihn auch nach einer Strukturreform weiter im HSV-Vorstand wünschen. Aber das ändert nichts daran, dass dem HSV eine Führungspersönlichkeit fehlt. Und diese könnte meiner Meinung nach Felix Magath heißen.
Noch mal: Halten Sie derartige Gedankenspiele wirklich für realisierbar?
Kühne: Auch wenn es Widerstände geben könnte, ich trete mit großer Entschiedenheit für einen solchen Versuch ein. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.
Ohne diese Strukturreform stehen Sie aber als Investor beim HSV nicht mehr zur Verfügung?
Kühne: Genau so ist es. Ein weiteres Engagement könnte ich mir nur vorstellen, wenn sich grundlegende Dinge ändern. Kurzfristig würde ich nur noch mal helfen, wenn Magath schon jetzt als Berater verpflichtet wird. Ihm würde ich zutrauen, die passenden Trainer und Stürmer zu suchen, und dabei könnte ich mir auch vorstellen, mich finanziell zu beteiligen. Das wäre ein echter Drahtseilakt, weil ja schon nächste Woche die Transferfrist endet. Aber bei Rafael van der Vaart haben wir es 2012 auch in allerletzter Minute geschafft.

ENDE…

…und ich werde das Gefühl nicht los, wie ein Kind vor dem Bonbon-Verkäufer zu stehen. In einer finanziell selten so schlecht gewesenen Situation wie aktuell kommt ein Milliardär um die Ecke und wedelt mit den ganz großen Scheinen. Man möchte einfach zugreifen, den Moment genießen und sich schnell noch einen Robert Lewandowski kaufen. Zum Beispiel.

ABER: Der Milliardär ist zwar spendabel oder zumindest großzügig, das allerdings nur, wenn alle nach seinen Regeln arbeiten. Nur wenn all das passiert, was er will. Und weil das alles so schnell gar nicht umzusetzen ist, muss wenigstens sein Mann der neue starke Mann im HSV werden. Für den Anfang. Ansonsten gibt es – richtig: GAR NICHTS.

Eine Variante, die mir irgendwie bekannt vorkommt und die jedem Kritiker Wasser auf die Mühlen spült. Ich erinnere mich noch sehr genau an Jojo Liebnaus Plädoyer im Abendblatt, sich von Investoreneinflüssen fernzuhalten. Es geht ja auch so. Und ich erinnere mich auch, wie ich mich geärgert habe, dass diese Meinung so einseitig dargestellt werden konnte. Aber das Interview mit Herrn Kühne ist der eiskalte Ausgleichstreffer von Pro- und Kontra-Strukturreformern. Die Frage ist jetzt nur, was ist besser? Was hilft dem HSV?

Eine Frage, die schwerer kaum zu beantworten ist. Auf jeden Fall schon einmal schwerer als die, ob ein Christian Lell in der jetzigen Phase dem HSV helfen kann. Meine Antwort: nein! Spart die paar Hunderttausende und schmeißt am Ende alles Geld auf einen Haufen, um einen richtig guten Angreifer zu verpflichten. Mit oder ohne Kühne/Magath/Millionen.

Klar ist aber auch, dass Herr Kühne mit diesem Interview den Kampf gegen seine Kritiker offen angeht. Mit aller Vehemenz wie er sagt. Und der Zeitpunkt dafür ist natürlich günstig, dem HSV geht es nicht gut und die Diskussion um die Strukturreform wird seit Wochen und Monaten stärker werdend angetrieben. Jetzt wird sie mal so richtig aktuell. Kühne hat sie zum Thema ohne Tabus erklärt.

Und ganz ehrlich, bei allem Respekt vor Herrn Kühne, ich finde seine Vorgehensweise mehr als fraglich. Er bestätigt Klischees, die es besser nicht zu bestätigen gilt. Denn dass dieser HSV eine neue Struktur braucht, ist mehr als deutlich. Der Aufsichtsrat muss verkleinert werden, um die Gefahr einzuengen, daher Störfeuer zu bekommen. Der Verein muss sich Investoren weiter öffnen als bislang, sollte er irgendwann wieder zur deutschen und europäischen Elite gehören wollen. Allein mit Joachim Hilke und dem Vermieten des Stadions – um es etwas überspitzt zu formulieren – wird der HSV nicht an die Finanzen kommen, die er für die notwendigen Qualitätsspieler braucht. Ganz klar. Denn so wie jetzt reicht es eben „nur“ für Spieler wie Zoua und gegebenenfalls Lell. Und dann muss man sich damit abfinden, in der Bundesliga keine hohen Ziele verfolgen zu können.

Andererseits darf sich der Verein natürlich nicht von einem Investor/Mäzen/Sponsor vorschreiben lassen, die die Strukturen auszusehen haben und vor allem nicht, mit welchen Personen diese Positionen zu besetzen sind. Das aber macht Herr Kühne. Leider. Denn ansonsten ist die Liaison des HSV mit einem Multimilliardär, der zudem sein Herz an den Klub verloren hat, einfach zu verführerisch…

Dennoch bleibe ich dabei, dass der HSV einen starken Mann an der Spitze braucht. Dieser darf sich nicht viel gefallen lassen, wie Magath beispielsweise. Magath ist in Hamburg eine Persönlichkeit wie sonst kein anderer Fußballer (mein absoluter Favorit Netzer natürlich ausgenommen). Der Europapokalheld von 1982 verfügt auch über die Autorität, sich von niemandem etwas gefallen zu lassen. Der würde ganz sicher mit der harten Hand durch den Verein fegen, was angesichts der aktuellen Situation nicht verkehrt sein muss. Aber, und das ist das ganz große Problem, der HSV hat nur diesen einen ersten versuch. Sollte hier etwas schiefgehen, die Mannschaft und/oder die neue Struktur samt Protagonisten scheitern – es würde das reine Chaos bedeuten. Ebenso wie der Vorschlag Herrn Kühnes, „ein bisschen Magath“ in Form eines Beraters schon jetzt zu installieren. Wie bitte soll ein absolutes Alpha-Tier wie Magath mit dem aktuellen Aufsichtsrat oder dem Vorstand arrangieren. Was passiert mit Kreuzer, der komplett entmachtet wäre? Oder hätte Magath diesen Bereich gleich unter sich?

Nein, bei der Variante „Erstmal-ein-bisschen-Magath“ wären die Grabenkämpfe programmiert. Das würde nicht weniger chaotisch als jetzt. Es käme vielleicht noch ein Kühne-Spieler der gehobenen Qualität und die Mannschaft hätte sportlich etwas mehr Gewicht, aber vereinsintern würde es noch chaotischer als jetzt. So schwer das vorstellbar ist…

Nein, in diesem Fall gilt es jetzt bzw. im Januar spätestens eine gemeinsame Entscheidung zu treffen: Ganz oder gar nicht. Und ich befürchte, bei dieser Entscheidung hat Kühne dem HSV mit dem Interview nicht wirklich geholfen. Das Interview war klar, sehr interessant und meinungsstark. Aber alles andere als diplomatisch. Und das braucht eine solche Strukturreform – zumal der HSV eine Dreiviertelmehrheit bräuchte, um seine Satzung und somit Strukturen zu verändern. Da dürfte es ein leichtes sein für die Supporters, ihre eigene Entmachtung zu verhindern. Vor allem aber ist klar, dass uns und demnach auch mich hier im Blog dieses Thema noch eine ganze Weile stark beschäftigen wird. Leider.

Seinen eigenen Stand wiederherstellen kann der HSV sportlich am Sonnabend mit einem Sieg in Berlin. Und dabei setzt Trainer Thorsten Fink auf die gleiche Elf wie gegen Hoffenheim. Fast zumindest. Der HSV-Coach tauscht im Angriff Artjoms Rudnevs für Hakan Calhanoglu und ersetzt notgedrungen Marcell Jansen nach dessen Zehbruch durch Zhi Gin Lam. Ansonsten gilt es, Wiedergutmachung zu betreiben. Dafür reiste die Mannschaft am heutigen Freitag bereits früh an. Teamgeist stärken durch längeres Beisammensein – ich hoffe, es wirkt…

In diesem Sinne, morgen Abend wird es wenigstens wieder sportlich. Das Wesentliche steht auf dem Programm und wird anschließend von Dieter, Ex-HSV-Profi Jürgen Stars, mir und einem zweiten Gast bei „Matz ab live!“ ab ca. 20.30 Uhr diskutiert. Ich hoffe, mit einem Sieg als Diskussionsgrundlage.

Bis morgen,
Scholle

P.S.: Der HSV und Paul Scharner gehen ab sofort getrennte Wege. Offensichtlich konnten sich beide Seiten doch noch auf eine Summe einigen, um den Vertrag (lief bis 2014) vorzeitig aufzulösen.

Van der Vaart: “Es tut natürlich weh . . .”

21. August 2013

Ein Kollege von mir, eingefleischter und hundertprozentiger HSV-Fan (seit Jahrzehnten), er ist wirklich und absolut kein Schön-Wetter-HSV-Fan, hat mir folgende sms geschickt:

„Du weißt, wie es um diesen Verein steht, wenn dein sechsjähriger Sohn dich fragt: ‚Papa, hat der HSV eigentlich schon mal gewonnen . . ?’ Traurig.“

Lieber Kollege, Du kannst Deinem kleinen Knaben sagen, dass der HSV am Sonnabend gewinnen wird. Wahrscheinlich jedenfalls. Im HSV gehen sie davon mal aus. Da heißt es zurzeit: „Wenn wir gegen Hertha gewinnen, dann eine Woche später auch gegen Braunschweig, dann haben wir einen guten Saisonstart hingelegt.“ Wenn. So heißt dieses Zauberwort, und daran klammern sich im Moment fast alle. Wenn.

Und wenn nicht? Das wird nicht geklammert, das wird ausgeklammert. Lassen wir uns mal überraschen, denn so, wie es jetzt aussieht, werden die Spieler, die dieses 1:5 gegen Hoffenheim verbockt haben, wohl wieder eine Chance bekommen. Bis auf Marcell Jansen, denn der hat heute nicht trainiert – und wenn ich gefragt werde, so gehe ich davon aus, dass der Nationalspieler auch am Sonnabend nicht zum Einsatz kommen wird, kommen kann. Für ihn dürfte dann der junge Zhi Gin Lam auf links verteidigen, denn Dennis Aogo ist ja aus dem Verkehr gezogen worden. Wie übrigens auch Tomas Rincon, der ja auch kurz mal nach Mallorca gejettet war. Ich kann nur sagen: schade, schade. Ich hätte Aogo gerne mal wieder auf hinten links gesehen, und ich hätte auch Rincon gerne mal, als Defensivstabilisator, auf der Sechs gehabt. Diese beiden Wünsche muss ich dann wohl noch ein wenig hinten anstellen.

Gespannt bin ich ferner darauf, ob Heiko Westermann in der Stamm-Formation bleiben wird. Heute hat er im Trainingsspielchen für die A-Mannschaft verteidigt. Und während er das tat, hatte ich ein friedliches Streitgespräch mit einem „Matz-abber“, der so sehr wünscht, dass Westermann mal nicht . . . Auf dem Weg in die Redaktion schloss ich mich dann erstmalig diesem Wunsch an. Ich drücke die Daumen, dass Westermann am Sonnabend gegen die Hertha nicht spielen darf. Er wird wohl dennoch spielen, denn wenn Jansen fehlt, dann würde schon mal die halbe Viererkette fehlen, aber wünschen darf ich es mir doch mal – oder? Denn dann, und davon bin ich restlos überzeugt, würden alle die Fans, die Westermann gerne draußen sehen würden, mal erleben können, wie es ohne den großen Kämpfer geht. Natürlich, auch ich würde es erleben, aber ich bin davon restlos überzeugt, dass dieser Schuss nach hinten losgehen würde. Deswegen hoffe ich es – und wenn es nur diesen einzigen Versuch geben würde . . .

Wobei ich gerne zugebe, dass Heiko Westermann gegen Hoffenheim wirklich mal schwach gespielt hat. Nur – wer hat das nicht? Sie waren doch alle grottenschlecht, und zwar ohne Ausnahme (im Feld jedenfalls). Und das müssen die Spieler dann eben auch mal einsehen, sie müssen es auf jeden Fall auch mal verkraften, dass sie nicht von der Presse gepudert werden – nach einem solchen Desaster. Das kann aber nicht jeder. Aber eine solche 1:5-Klatsche ist eben nicht nur eine Niederlage, sondern eine totale Vernichtung. Und dann darf auch nichts beschönigt werden, dann muss die Wahrheit auf den Tisch, dann muss Tacheles gesprochen – und geschrieben werden. Es ist nur menschlich, wenn der eine oder andere Spieler dann „maulig“ ist, aber dennoch hoffe ich, dass er sich im stillen Kämmerlein einsichtig zeigt und dann befindet: „Der hat ja Recht, ich war wirklich schlecht wie die Suppe . . .“ Wie hat mit heute gerade der ehemalige HSV-Verteidiger Tobias Homp noch gesagt? „Selbstkritik ist der beste Weg, wieder zur Bestform zurückzufinden.“ Aber genau.

Aber, auch das ist mir natürlich bekannt, Selbstkritik ist erstens nicht jedermanns Geschmack, und ist darüber hinaus auch stark aus der Mode gekommen. Leider, leider.

Kurz, ganz kurz nur möchte ich noch einmal auf Mallorca und Aogo zurückkommen. Dieses Thema hat alles andere, was sich um dieses 1:5 rankt, verdrängt. Mir wäre es lieber, wenn statt Mallorca tatsächlich mal „knallhart“, so wie es der Sportchef Oliver Kreuzer angekündigt hatte, über dieses 1:5-Dilemma diskutiert werden würde. So dass dann tatsächlich mal die Fetzen fliegen und schonungslos die Wahrheit ans Tageslicht kommen würde. Aber beim HSV, so sagte es mir heute noch einmal ein Trainingskiebitz, „wird viel zu viel schöngeredet – und zwar seit Jahren schon“.

Und um das noch einmal zu sagen: Ich habe Sportchef Oliver Kreuzer für seine klaren Worte nun schon mehrfach gelobt, und ich finde es mutig, dass Kreuzer nun gesagt hat: „Solche Dinge werde bei mir sanktioniert, ganz klar.“ Der Trainer wusste nicht, dass der Sportchef Aogo schon für den Berlin-Ausflug gesperrt hatte – auch das bewerte ich positiv. Weil Kreuzer durchgreift, in Zukunft auch weiter durchgreifen wird. Speziell zu Dennis Aogo sei noch gesagt, dass er WM-Teilnehmer und Nationalspieler war, und dass er nun kein Stammspieler mehr ist – beim HSV! Das sollte ihm vielleicht auch ein wenig zu denken geben. Und wenn er dann zu dem Schluss kommt, dass es nicht am Trainer liegt (diese Frage muss er für sich beantworten), denn müsste er (Aogo) zu dem Ergebnis kommen, dass er mehr tun muss als andere, um wieder in Form zu kommen, dass er wieder erste Wahl für den HSV ist. Das allerdings muss dann wirklich jeder Spieler, nicht nur Dennis Aogo, für sich beantworten.

Um noch einmal das Thema zu wechseln: Wenn denn aber in Berlin gewonnen wird (vom HSV), und von mir aus auch eine Woche später gegen Braunschweig, dann ist ohnehin nicht mehr nötig, dass über dieses 1:5 auch nur noch ein Wort verloren wird. Wenn. Warten wir es mal ab.

Wenn aber nicht, dann werden sich auch danach wieder einige Ehemalige des HSV zu Wort melden. So wie es jetzt schon geschehen ist. Das ist ja immer so, schon seit Gründung der Bundesliga ist das so – und das ist auch gut so. Obwohl natürlich auch das von einige immer wieder scharf verurteilt wird. Aber zu 99 Prozent sind es doch die Spieler, die einst ganz Großes für den HSV geleistet haben, und die es auch heute noch immer nur gut meinen mit ihren Rothosen. Es äußert sich doch keiner deswegen negativ, weil er inzwischen Werder- oder St.-Pauli-Fan ist, sie äußern sich besorgt (und gelegentlich, stimmt auch, negativ), weil sie um ihren Dino zittern. Und sie wollen mit ihren (teilweise mahnenden) Worten auf- und wachrütteln. Nur das. Denn auch sie, die ja durchaus auch ein wenig (!) Ahnung von der Materie haben, sehen, was hier falsch läuft – seit Jahrzehnten. Und was das Gute ist: Niemand dieser Ehemaligen erhebt doch irgendwelche Ansprüche, um mitmischen zu wollen, um ein Pöstchen bekommen zu wollen.

Obwohl ich es, ich ganz persönlich, schon begrüßen würde, wenn der eine oder andere wirklich große HSV-Spieler von einst tatsächlich mitmischen würde, davon mal ganz abgesehen. Aber das ist zurzeit ja nicht möglich, denn jeder, wirklich jeder, lehnt es ja in dieser Konstellation ab, da irgendwie ein wenig Verantwortung tragen zu wollen. Aber gut, so ist es eben. Nur hoffe ich, dass sich die Zeiten schon bald und demnächst ändern werden. Zum Wohle des HSV.

Und für mich könnte auch Klaus-Michael Kühne durchaus eine solche Position beanspruchen und dann auch bekleiden. Ach wenn ich selbstverständlich weiß, dass es auch hier einige hartgesottene HSV-Fans gegenteiliger Meinung sind. Sie haben zwar zähneknirschend akzeptiert, dass der Herr Kühne hier einige Milliönchen in den Club gepumpt hat (nein, geschenkt hat er sie), aber das hat er ja auch freiwillig getan. Wo der HSV heute ohne die Kühne-Milliönchen stehen würde, ist natürlich eine ganz andere Frage. Und die wird auch gewiss nicht von jedem HSV-Fan beantwortet. Aber auch das ist gut so. Deswegen wird der HSV ja auch weltweit bewundert, von vielen, vielen anderen Clubs dieses Erdballs, und er wird natürlich auch beneidet – wegen der Mitbestimmung seiner Fans. So muss es sein.

Zum Glück will der Herr Kühne ja auch keine Milliönchen mehr geben. Wegen der unpassenden Strukturen des HSV, und wegen die Leute, die den Verein führen. Inklusive aller Räte, die sich um diesen Verein bemühen und verdient machen. Jeder ist enorm wichtig, jeder kann seinem HSV jederzeit sagen, was falsch läuft, wie es richtiger laufen könnte – mit ihm. Und ohne Kühne. Um an Geld zu kommen, das ist überhaupt die (!) Lösung, müsste der HSV doch einfach nur einige Spieler verkaufen. So wie früher, als Jungs wie Vincent Kompany, Nigel de Jong, Khalid Boulahrouz, Daniel van Buyten und zum Beispiel Jerome Boateng ge- und wieder verkauft worden sind. Alles ganz einfach. Heute müsste der HSV nur Spieler wie Gojko Kacar, Paul Scharner, Michael Mancienne, Slobodan Rajkovic, Robert Tesche und noch ein paar mehr verkaufen, und dann hätte er die Kasse wieder bestens gefüllt.

Oder liege ich da falsch? Wie, der HSV versucht schon seit Wochen, diese Spieler zu verkaufen? Und das gelingt nicht? Wieso das denn? Kann nicht angehen, kann ich nicht glauben. Das sind doch alles hochbezahlte HSV-Profis . . . Nun gut, das wird noch. Ganz sicher. Und wenn nicht? Dann hat der HSV ja auch schon Übung im Verschenken. Marcus Berg hat es uns allen und dem HSV ja vorgemacht. Zum Wohle des HSV.

Übrigens hat heute Rafael van der Vaart zu uns gesprochen. Um es einmal vorweg zu nehmen, der Niederländer tut mir leid. Er wurde, von Klaus-Michael Kühne, zum HSV zurückgeholt und hat bislang niemanden gefunden, mit dem er so richtig gut zusammenspielen kann. Früher konnte er das mit Sergej Barbarez, dem kleinen Dribbelkünstler (de jetzt in Spanien um Anschluss bemüht ist), mit Mehdi Mahdavikia, David Jarolim, Timothee Atouba, Guy Demel, Daniel van Buyten, Raphael Wicky, Stefan Beinlich und einigen mehr. Und heute? Auf diese Frage dürft ihr Euch gerne selbst die Antwort geben. ich glaube, dass sich die „ewige 23“ erstens mehr von seiner Rückkehr zum HSV versprochen hat, und dass er zweitens zurzeit nicht gerade glücklich in seiner Rolle als HSV-Spieler ist. Letzteres habe ich bewusst ein wenig untertrieben.

Rückblickend sagt van der Vaart (auf das 1:5 bezogen): „Es tut natürlich weh, wenn man so verliert, keine Frage. Es ist auch schwer zu verstehen, wenn man so gut auf Schalke spielt, und dann gegen Hoffenheim daheim so untergeht. Die Achterbahn-Fahrt geht weiter. Nach einem guten Spiel folgt ein schlechtes – also wäre in Berlin jetzt wieder ein gutes dran.“ Stimmt. Hoffen wir das Beste. „Rafa“ sagt weiter: „Im Moment ist es vielleicht einfacher für uns, wenn wir auswärts spielen, denn dann müssen wir nicht schön spielen, dann müssen wir das Spiel nicht machen. Dann haben wir auch etwas mehr Räume, zu spielen, und das könnte dann Selbstvertrauen geben.“

Zuletzt hatte es ja auch Kritik n den „Alten“ und „Erfahrenen“ gegeben, dass die die jungen Spieler nicht führen. Van der Vaart sagt: „Zuletzt haben wir alle schlecht gespielt, alte wie junge Spieler. Das ist auch eine Kopfsache. Wenn etwas schiefläuft, sind wir nicht in der Lage, das Spiel umzudrehen.“ So ist es – leider. VdV weiter: „Wir müssen jetzt das Hoffenheim-Spiel aus den Köpfen bekommen, wir wissen, dass wir uns blamiert haben – jetzt müssen wir unsere Ehre wieder zurückholen. Ich weiß, das haben wir schon oft gesagt, aber so ist es ja. Leider passiert das aber zu oft, das stimmt schon.“ Quintessenz? Platz sechs, der angepeilt wird, ist wohl doch nur Utopie, oder? „Rafa“, der auch von diesem Ziel gesprochen hat, sagt: „Es ist ja erst der zweite Spieltag vorbei, vor einem Jahr hatten wir nach drei Spieltagen nur null Punkte. So gesehen sind wir schon besser gestartet, mit diesem einen Punkt.“ Nur damals, das bleibt festzuhalten, kam Rafael van der Vaart erst nach diesen drei punktlosen Spielen zum HSV und bewirkte den Umschwung. Wer kommt diesmal? Keiner!

Zur „Aogo-Affäre“ (die auch eine „Rincon-Affäre“ ist) hat Rafael van der Vaart eine spezielle Meinung: „Ich nehme das ganz locker. Was er privat macht, das macht er privat. Dass es nicht schlau ist, das ist auch klar, das wissen wir – aber für mich ist das kein großes Problem.“ Für andere ist es das aber schon. Der Niederländer sagt jedoch: „Solche negativen Schlagzeilen gehören zum Fußball, das ist nach einem 1:5 doch normal. Dann kommen sie alle aus ihren Löchern raus und reden nur schlecht. Aber dann reden sie überall auf der Welt schlecht von dem Verein, der so verloren hat, das gehört wohl zum Fußball-Geschäft dazu.“

Der Trainer will in Zukunft etwas defensiver spielen lassen, mehr Wert auf die Defensive legen. Kann das der HSV überhaupt? Van der Vaart sagt: „Wir wollen gerne Druck machen und nach vorne spielen, aber wenn es dann nicht läuft, dann stehen wir oft auch zu weit auseinander. Das müssen wir versuchen abzustellen, wir müssen kompakter stehen. Lieber mal 1:2 verlieren, statt 1:5 oder 2:9. So etwa passiert uns zu oft, das ist ganz klar unsere Schuld. Wir wollen gerne Fußball spielen, gerne gewinnen, wir wollen nach vorne spielen, aber in dieser Situation sollten wir uns darauf besinnen, zunächst einmal die Null halten zu wollen. Wir bekommen zu viele Gegentore, da müssen wir gemeinsam rauskommen.“

Dass die Zuschauer am Sonnabend in Scharen frühzeitig das Stadion verließen, das hat van der Vaart mitbekommen – er meint: „Wenn man in einem Spiel innerhalb von zehn Minuten drei Gegentore kassiert, dann ist klar, dass das jedem HSVer weh tut. Jetzt ist es unsere Aufgabe, das wieder umzudrehen, dass die Leute uns wieder lieben.“ Dass er die Kapitänsbinde bei seiner Auswechslung nach hinten „fallen“ ließ, das beschreibt er heute so: „Ich habe sie zu Petr Jiracek geworfen . . . Aber ist doch klar, dass auch ich enttäuscht war. So etwas geht ja auch an mir nicht spurlos vorbei. Ich habe nach dem Spiel ganz schlecht geschlafen, das muss ich schon sagen.“

So, dann gab es noch ein SID-Interview, das bestimmt Eure Aufmerksamkeit erhalten wird:

Nach dem 1:5 gegen 1899 Hoffenheim lieferte der Hamburger SV weitere Negativ-Schlagzeilen. Der Vorstandsvorsitzende Carl Jarchow bezieht im SID-Interview Stellung.

SID: „Herr Jarchow, der HSV kommt nicht zur Ruhe. Jetzt lieferte sich laut Medienberichten Aufsichtsrat Hans-Ulrich Klüver eine Auseinandersetzung mit einem Ordner auf dem Arena-Parkplatz. Wie haben Sie reagiert, als sie am Mittwoch die Zeitung aufgeschlagen haben?“

Carl Jarchow: „Ich hatte es am Dienstag schon mitbekommen, es war keine Überraschung mehr für mich. Ich werde es nicht kommentieren. Klar ist, dass man sich über die aktuellen Schlagzeilen nicht freut.“

SID: „Der HSV steht derzeit stark im Fokus. Wie gehen Sie damit um, dass nach dem 1:5 gegen Hoffenheim schon nach dem zweiten Spieltag der Druck sehr hoch ist?“

Jarchow: „Ich finde es überraschend, dass der HSV immer sofort sehr kritisch beurteilt wird. Das war schon vor dem 3:3 gegen Schalke so, dann stimmte die Leistung. Sobald aber der nächste Rückschlag kommt, prallt es mit voller Wucht ein. Das frappierende an der Niederlage gegen Hoffenheim war, dass alles innerhalb von elf Minuten gekippt ist. Insofern liest sich das 1:5 schon als große Niederlage. Wir wissen aber, dass die Mannschaft es kann. Alle Beteiligten machen sich große Gedanken, aber wir werden nicht nach einer Niederlage alles in Schutt und Asche legen.“

SID: „Dennis Aogo und Tomas Rincon sind an den freien Tagen im Anschluss an das 1:5 nach Mallorca geflogen. Wie beurteilen Sie die Trips?“

Jarchow: „Ich finde es äußerst enttäuschend, weil sie jegliche Sensibilität für die Situation vermissen lassen und zeigen, dass sie nicht verstanden haben, was so eine Niederlage für den Verein bedeutet. Zwei freie Tage sind nicht dazu gedacht, Party zu machen, sondern dazu, sich Gedanken zu machen. Schlechter geht es nicht.“

SID: „Mit welchen Konsequenzen müssen die beiden Profis rechnen?“

Jarchow: „Arbeitsrechtlich können wir nichts unternehmen, weil wir ihnen nicht vorschreiben können, wo sie sich an freien Tagen aufhalten. Von Geldstrafen halten ich eher weniger, aber Folgen wird es sicher haben.“

SID: „Was halten Sie von der Entscheidung von Trainer Thorsten Fink, nach der klaren Niederlage zwei Tage frei zu geben?“

Jarchow: „Man kann diskutieren, ob zwei freie Tage richtig sind oder nicht. Aber es ist die Entscheidung des Trainers, die ich respektiere und nicht kommentieren werde. In der öffentlichen Beurteilung wird sich das nach unserem Spiel in Berlin zeigen. Wenn es schlecht ausgeht, werden die freien Tage sicher als Fehler gewertet, wenn wir gewinnen, hat Thorsten Fink alles richtig gemacht.“

PS: Morgen, am Donnerstag, wird um 16 Uhr im Volkspark trainiert

17.31 Uhr

Jarchow ist doch der beste Experte

12. August 2013

Und Carl-Edgar Jarchow liegt doch völlig richtig. Er ist wohl der einzige HSV-Mann, der den rechten Durchblick hat. Wir erinnern uns? Der HSV-Chef wurde von vielen belächelt, als er während der Vorbereitungszeit meinte, dass sein HSV „auf Augenhöhe mit Schalke 04 und Bayer Leverkusen“ stünde. Mutig, mutig – sagten Fans und Experten unisono. Und nun? Der HSV spielt in Gelsenkirchen 3:3, stand nach zweimaliger Führung sogar vor dem Sieg und wurde nach dem Spiel und mindestens bis zum heutigen Abend für eine sehr gute Leistung gefeiert. Da ist man versucht zu schreiben: „Na bitte, es geht doch!“

Wohin ich heute auch immer gehört habe, mit wem ich auch gesprochen habe, alle waren voll des Lobes für den HSV. Und die meisten Jungs davon waren ehrlich genug, um noch hinzuzufügen: „Eine solche Klasse-Leistung hätten wir dem HSV niemals zugetraut. Nach den Spielen gegen Dresden, Jena und Etelsen sah es doch eher nach einer Klatsche auf Schalke aus, zumal es nach Sekunden schon 1:0 für die Knappen stand.“ Stimmt. Zumal der Ober-Experte Franz Beckenbauer zuletzt (oder doch nicht zuletzt?) sogar als Abstiegskandidaten bezeichnet hatte. Zuletzt (wer steigt da noch durch?) aber dann doch nicht, weil der HSV eben 3:3 auf Schalke spielte. Sachen gibt es . . .

Wobei es doch, da muss man schon Realist sein, eher ein kleines Fußball-Wunder war, dieses Unentschieden. Der HSV spielt ohne „echte“ Spitze und schießt auf Schalke drei Tore. Wie geht das? In erster Linie wohl deshalb, weil sich alle Spieler hervorragend bewegt haben. So lange sie konnten. In der Schlussphase hatte so mancher Hamburger seine Schmerzgrenze erreicht, da stand das mit Macht drückende Schalke vor dem Siegtor. Letztlich aber war es völlig verdient, dass es diese Punkteteilung gegeben hatte, denn über weite Strecken war der HSV einfach spielbestimmend und besser. Weil auch – oder sogar – das Spiel „ohne Sturm“ funktionierte. Prächtig sogar. „Mitunter-Stürmer“ Maximilian Beister stellte später fest: „Diese Taktik ist bestens aufgegangen, ich glaube, dass die Schalker schon ein bisschen verwirrt waren. Und so waren wir vorne noch quirliger.“

Aus der Not heraus geboren? Da gibt es vielleicht Parallelen, denn in der vergangenen Saison ließ Thorsten Fink auch zunächst nur mit einer Spitze spielen. Dann wurde er im Herbst, als sich Rafael van der Vaart verletzte, dazu gezwungen, die Raute spielen zu lassen, er ließ fortan mit Heung Min Son und Artjoms Rudnevs zwei Spitzen spielen – und der HSV gewann mehr und mehr seine Spiele. So könnte es jetzt ja noch einmal laufen – ich hätte nichts dagegen.

…über das Unentschieden gegen Schalke: „…über die Aufstellung: „“

Jetzt befand HSV-Sportchef Oliver Kreuzer zur „neuen“ Fink-Taktik: „Es war etwas Mut dabei, ohne klassischen Stürmer aufzulaufen, aber die Taktik ist aufgegangen. Und wenn etwas gut war, dann kann man es immer wieder machen.“ Warum nicht? Kreuzer befand zum Spielausgang: „Wir waren einen Tick besser und hätten den Sieg eher mehr verdient.“ Stimmt auch. Kreuzer sagte rückblickend auch noch: „Vielleicht war das 0:4 in Dresden der Schuss vor den Bug zur richtigen Zeit. Die Worte, die ich damals nach der Niederlage gewählt habe, waren angebracht. Im Pokal haben wir es, auch wenn es ein Sechsligist war, besser gemacht. Und diesmal war die Mannschaft auf den Punkt bereit. Thorsten Fink hat die Mannschaft gut eingestellt.“

Auf „Sky“ sagte HSV-Kapitän Rafael van der Vaart, der diesmal der beste Mann seines Teams gewesen ist: „Wir haben sehr gut gespielt. Das war sehr wichtig. Wir haben in der ersten Halbzeit zwei Mal gepennt, das darf nicht passieren. Wir haben aber weiter gemacht und schöne Tore geschossen und verdient den Punkt geholt.“ Genau dieses Weitermachen imponierte viele Fans. Nicht wenige hatten nach dem schnellen 0:1 mit dem Schlimmsten gerechnet, aber der HSV kam zurück. Und in dieser Form hat er das noch nicht oft getan. Rene Adler, der beim 3:3 so unglückliche Nationaltorwart, befand: „Wir haben dumme Gegentore gekriegt. Beim dritten Gegentor muss ich den Ball einfach festhalten, das war ganz klar mein Fehler, wenn ich den halte, dann gewinnen wir das Spiel. Insgesamt haben wir klasse gespielt.“ Stimmt alles.

Und zum Sturm ohne Spitze ist für mich nur noch festzustellen: Es war ja immer ein Stürmer zur Stelle, wenn er gebraucht wurde. Mal war es Hakan Calhanoglu, dann Rafael van der Vaart, Maximilian Beister oder Jacques Zoua. Immer der, der sich in diesem Moment gerade „berufen“ fühlte, in die Spitze zu gehen. Die neue Unberechenbarkeit des HSV. Eigentlich muss ja jetzt kein neuer Stürmer, der ja immer noch geholt werden soll (bislang war nur kein Geld dafür vorhanden), mehr kommen, denn mit Rudnevs sitzt der Stoß-Stürmer ja zur Not (immer?) draußen.

Und ist „Maxi“ Beister nicht eigentlich auch ein „richtiger“ Stürmer? Für mich hat der Lüneburger am Sonntag sein bislang bestes Spiel für den HSV abgeliefert. Beister war hinten und vorne zu finden, er ging weiteste Wege, er wartete nicht nur vorne auf Vorlagen, sondern erkämpfte sie sich selbst. Für die Schalker Abwehr war er so ein ständiger Unruheherd, und hinten war er sich nicht zu schade, zu grätschen und dazwischen zu fahren, er stellte rechts auch Räume zu. Plötzlich schien er sogar ein (Abwehr-)Auge bekommen zu haben, so leicht wie einst war er jedenfalls nicht mehr auszumanövrieren – auch wenn noch nicht alles hundertprozentig klappte oder funktionierte. Ein Fortschritt, ein deutlicher Fortschritt aber war unverkennbar.

Und was für mich auch noch ganz wichtig war: Früher war Beister, der neuerdings eine „Sturm-Frisur“ trägt (fast ein Rundschnitt in Augenbrauen-Höhe), leicht aus der Ruhe zu bringen, wenn es mal nicht nach Wunsch (nach seinem Wunsch) lief. Dann kam es schon vor, dass er den Kopf hängen ließ, dass er leicht resignierte. Dass er auch gestikulierte und unzufrieden war mit sich und der Welt. Jetzt hatte es für mich den Anschein, als wolle er sich durch dick und dünn beißen. Er wollte auf Schalke, so dachte ich bei mir, jedem zeigen, dass er das Vertrauen des Trainers mit einer guten Leistung belohnen will. Das ist genau die Einstellung, die er auch künftig an den (Spiel-)Tag legen muss, um weiter erste Wahl für Thorsten Fink zu bleiben. So hat der HSV viel Spaß an Beister – und Beister selbst natürlich auch. In diesem Falle könnte man auch schreiben: „Na bitte, es geht doch!“

Natürlich habe ich heute auch mit einigen „Matz-abbern“ telefoniert, das passiert jeden tag. Nach einem solchen 3:3 natürlich noch häufiger. Mit „Eiche“ sprach ich dabei auch, und er schwärmte mir, ich muss es so weitergeben, von diesem 2:1-Tor vor: „Einen solchen HSV-Angriff habe ich seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen – wie aus dem Lehrbuch. Das war wie Felix Westermann auf Manfred Diekmeier und der per Flanke auf den Kopf von Horst Beister. Hervorragend!“ Und wer da jetzt nicht gleich mitgekommen ist: Wir befanden uns nun im Jahre 1983: Felix Magath auf Manfred Kaltz, der flankt auf das Ungeheuer Horst Hrubesch – und Tor!

Aber natürlich sind wir (alle) noch lange nicht bei 1983. Dazu müssten sich alle noch ein wenig steigern – alle. Und nach diesem Schalke-Spiel gilt das besonders für Milan Badelj, der noch nicht wieder in seiner Form von genau vor einem Jahr ist. Und zulegen darf auch noch Jacques Zoua – aber das wird, so denke ich (noch immer), schon noch kommen. Und Hakan Calhanoglu ohnehin, der junge Mann ist ein Juwel und wird immer besser und besser werden.

Zu den derzeitigen Personal-Diskussionen gab es heute einen DPA-Bericht, der alle auf einen Stand bringt:

Nach dem überraschend offensiven, aber abwehrschwachen 3:3 beim FC Schalke 04 treibt Sportdirektor Oliver Kreuzer die Personalplanung des HSV voran. Weil der nach einer Grippe geschwächte Artjoms Rudnevs keine Luft für 90 Minuten hatte, ließ Trainer Thorsten Fink ohne Stoßstürmer spielen. Das Modell funktionierte, aber eigentlich will der norddeutsche Bundesligist noch einen Angreifer verpflichten. Dafür müssen bis Ende August einige Profis von der Gehaltsliste verschwinden. Nach der Absage des russischen Erstligisten Rubin Kasan sucht Kreuzer nun einen anderen Abnehmer für den aussortierten Gojko Kacar.

„Es hatte keine finanziellen Hintergründe, sondern war eine rein sportliche Entscheidung“, sagte Kreuzer am Montag zu dem geplatzten Wechsel. Allerdings gebe es weitere Interessenten für den Profi, der etwa zwei Millionen Euro Gehalt verdient. Dabei handle es sich allerdings um Vereine aus der unteren russischen Tabellenhälfte. Von einem Wechsel zeigte sich Kreuzer weiterhin überzeugt. „Der Junge will Fußball spielen, der hat keine Lust U23 zu trainieren“, sagte er. Der ehemalige Mittelfeldspieler von Hertha BSC war von Kasan beobachtet worden, unter anderem, als er bei der U23 des HSV mit einer Roten Karte vom Platz geflogen war.

Fraglich ist zudem die Zukunft von Profi Paul Scharner, der ebenfalls zu den Amateuren geschickt wurde. Er habe sich bis zum Ende der Woche in ein Reha-Training verabschiedet, erzählte Kreuzer. Danach werde es aber zur U23 gehen. „Wenn Paul uns auffordert, dass ein lizenzierter Trainer das Training begleitet, dann werden wir das tun“, betonte Kreuzer. Scharners Vertrag gebe sowieso eine Versetzung in die U23 her.

Die Zukunftsplanung vorantreiben wollen die Hamburger mit der vorzeitigen Vertragsverlängerung von Rechtsverteidiger Dennis Diekmeier. „Wir wollen verlängern, Dennis möchte bleiben“, sagte Kreuzer. Er rechne mit einer Unterschrift in den nächsten acht bis zehn Tagen.

PS: Morgen wird am Volkspark nicht trainiert, aber um 18 Uhr findet dort ein Testspiel des HSV gegen den indonesischen Club „Pro Duta“ statt.

19.12 Uhr

“Und, was tippst Du?”

9. August 2013

„Was tippst Du?“ Das ist die mir momentan am meisten gestellte Frage. Alle wollen wissen, wie der HSV am Sonntag auf Schalke abschneidet. Dabei ist nach dieser durchwachsenen Vorbereitung eigentlich nur klar, dass nichts klar ist. Die Verantwortlichen und Spieler ergeben sich in Floskeln, die Vorbereitung sei eben nur eine Vorbereitung. Aber wenn man nachfragt, wie weit die Mannschaft ist, bekommt man zumeist ausweichende Antworten. Denn auch in der Mannschaft selbst herrscht noch eine gewisse Orientierungslosigkeit. Allein Trainer Thorsten Fink ist sich klar: „Wir gehen gut vorbereitet in die neue Saison. Wir brauchen uns nicht mit Bayern oder Dortmund zu vergleichen. Die Champions League als Ziel würde uns überfordern. Platz acht und neun aber unterfordern uns. Wir haben uns Platz sechs als Ziel gesetzt – und wir sind dieses Jahr reif genug, unsere Ziele zu formulieren.“

Zack. Fink macht in Optimismus. Kennen wir auch nicht anders von dem ehemaligen Bayern-Profi. Dabei musste er heute auf Artjoms Rudnevs verzichten, den er eigentlich als einzigen Stürmer für die Startelf in Gelsenkirchen am Sonntag eingeplant hatte. „Das ist ein kleiner Wermutstropfen, so unmittelbar vor dem Auftaktspiel. Aber es ist noch lange nicht ausgeschlossen, dass Rudi spielen kann. Im Gegenteil: wir hoffen alle, dass er am Sonnabend wieder dabei ist.“ Dennoch wies Fink an, dass statt der sonst üblichen 18 Spieler diesmal vorsichtshalber 19 mitreisen. Inklusive Rudnevs.


Dabei machte im heutigen Training tatsächlich und für mich erstmals in der Form, Zoua auf sich aufmerksam. Der Kameruner traf für seine Mannschaft im Abschlussspiel dreifach. „Jacques war zuletzt ein wenig müde“, sagte Fink vor ein paar Tagen und erklärte: „Aber er wird noch kommen. Wir werden noch viel Freude an ihm haben, wenn er seinen Rückstand aufgeholt hat.“ Das allerdings könne noch ein, zwei Wochen dauern. Nimmt man das heutige Training als Maßstab, ist Zoua zumindest auf einem guten Weg.

Das ist Hakan Calhanoglu schon lange. Der Mittelfeldspieler war heute im Training für fast jeden Standard verantwortlich. Ein Indiz für die Startelf? Mitnichten. Calhanoglu simulierte den gegnerischen Freistoßschützen, die HSV-A-Abwehr versuchte per Raumdeckung den Ball zu entschärfen, was zumeist gelang. Dennoch hoffe ich, dass Fink am Sonntag den Mut hat, Calhanoglu in die Startelf zu stellen, weil ich glaube, dass der Deutsch-Türke nur über Einsatzzeiten das Potenzial abruft, das zweifellos in ihm steckt.

Apropos: Welches Land sich letztlich über die Fußballkünste Calhanoglus freuen darf, ist weiter offen. „ich habe mich noch nicht entschieden“, ließ der Rechtsfuß heute verlauten. Ob er darauf setzt, am Sonntag von Beginn an zu spielen? „Das wäre ein Traum.“

Stimmt. Denn mit Calhanoglu hätte der HSV nach Rafael van der Vaart – der Niederländer sagt selbst, er habe seine Freistoßkünste wiederentdeckt – einen zweiten Freistoßspezialisten. Und den braucht der HSV gerade bei Mannschaften wie dem FC Schalke. Die hatte Vorstandsboss Carl Jarchow vielleicht vor einigen Wochen auf Augenhöhe mit dem HSV gesehen und der Pokalauftritt in Nöttingen schien das zu bestätigen – allerdings muss ich hier wohl niemandem sagen, dass der Kader von S04 nicht erst durch die Zukäufe bei weitem höher anzusiedeln ist als der des HSV. Dennoch, und da gebe ich Trainer Thorsten Fink uneingeschränkt recht, gegen vermeintlich übermächtige Gegner holst du am allerehesten etwas am Saisonbeginn. Dann, wenn noch niemand so recht weiß, wo er steht, wo Kleinigkeiten große Verunsicherungen nach sich ziehen können. Womit ich den Kreis schließen möchte zur Eingangsfrage: Denn diese beantwortet sich aus dem eben geschriebenen am besten. Das Spiel am Sonntag ist nicht zu tippen. Da ist alles drin.

„Mit dem Einsatz der Mannschat bin ich sehr zufrieden. Wir hatten in unserer Vorbereitung zweifellos Höhen und Tiefen – aber jetzt haben wir mit dem FC Schalke den ersten richtig guten Gradmesser. Wir gehen sehr gut vorbereitet in das schwierige Spiel und setzen auf ein positives Ergebnis.“ Vor allem auch, um es dem nimmermüden Umfeld zu beweisen. Sagt Fink. Denn der machte heute noch einmal eine neue Baustelle auf. „Es gibt hier im Umfeld immer jemanden, der negativ denkt. Und es gibt immer wieder Journalisten, die diese Leute suchen, finden und zu Wort kommen lassen.“ Das sei schade, aber eben nicht zu verhindern. Konsequenz: „Wir kümmern uns nicht darum, weil wir es nicht beeinflussen können. Außer mit guten Leistungen. Und die haben Priorität.“ Warum Fink das sagte? Um der Diskussion um Paul Scharner entgegenzuwirken? Oder um vorzubauen? Ich glaube weder noch. Ich glaube, dass Fink dieses „Die-Welt-will-uns-Böses-und-wir-wehren-uns“ für sich nutzen will, um der Mannschaft noch einmal zu zeigen, wie eng Trainer und Spieler zusammengewachsen sind. Und sollte das funktionieren, ist das absolut top. Dann freuen wir uns alle. Dann bin ich sogar nur zu gern der Böse.

Oder meinet Fink Stefan Effenberg? Der hatte mal wieder zu viel Zeit und holte beim Pay-TV-Sender Sky mit der Keule weit aus. Im Fokus: Rafael van der Vaart sowie dessen Position als Mannschaftskapitän. „Er wird nicht derjenige sein, der – wenn der Wind von vorn kommt – vor der Mannschaft steht und sagt: Ich nehme euch den Wind weg!“ Rafa sei „ein guter Fußballer, mehr aber auch nicht. Das sage ich knallhart.“ Selbst Effenbergs ehemaliger Mitspieler und heutiger Freund Thorsten Fink bekam Lack vom Hamburger. Van der Vaart die Binde zu geben, sei „die falsche Entscheidung von Thorsten Fink!“

Effenberg moniert, was nicht wenige monieren. Allerdings sei all denen gesagt, dass dieser HSV keinen besseren Kapitän hat. Wer sollte es denn sonst machen? Adler ist als Torwart nicht immer nah am Geschehen., Westermann kann man nicht noch mal nominieren, Badelj war noch viel zu schwankend, Aogo steht zur Disposition, Jansen sagt eh, was er denkt und einen Neuzugang zum Kapitän zu machen funktioniert nur, wenn dieser als Heilsbringer angesehen wird. Und das ist kein Djourou, sicher kein Zoua und noch weniger die Youngster Calhanoglou, Demirbay und Sobiech. Ergo: Van der Vaart ist die beste Wahl. Die bestmögliche.

Wobei diese Diskussion vielleicht die letzte ist, die man vor dem Auftakt auf Schalke führen muss. „Ich bin fit“, sagt van der Vaart, „wir sind fit. Und es interessiert mich nicht, was andere sagen.“ Gut so. Und wenn van der Vaart jetzt die Saison spielt, die er versprochen hat, ist auch alles okay. Umso mehr, wenn er gleich am Sonntag damit anfängt und einen Effenberg zum Schweigen bringt.

Bis morgen. Dann mit Dieter. Wir sehen uns am Sonntag im Anschluss an das Spiel bei Matz ab live wieder. Unser Gast: Lotto King Karl. Bis dahin Euch allen ein schönes Wochenende!

Scholle

Adler und Jansen nominiert – Scharner fordert Lizenztrainer

8. August 2013

Das war überraschend. Oder auch nicht. Denn obwohl Rene Adler bislang noch kein Pflichtspiel in der Saison 2013/2014 machen konnte und erst seit wenigen Tagen wieder auf dem Platz steht, wurde er von Bundestrainer Joachim Löw für das Länderspiel am kommenden Mittwoch in Kaiserslautern gegen Paraguay nominiert. Für mich überraschend – aber auch nachvollziehbar. Immerhin versicherte sich Löw zuvor bei HSV-Trainer Thorsten Fink über den Fitnesszustand des Keepers. „Ich habe ihm gesagt, dass Rene gut drauf ist und bei uns spielen wird“, so Fink, der am Sonntag in Gelsenkirchen Adler als Nummer eins in den Kasten stellen wird. „Es ist ein riesiger Vertrauensbeweis für Rene, aber einer, den er verdient“, so Fink.


Ebenso Marcell Jansen. Der Linksverteidiger ist ebenfalls nominiert. Und er selbst ist nicht überrascht. Im Gegenteil. „Ich hatte während der USA-Reise ein längeres Gespräch mit dem Bundestrainer in dem er mir gesagt hat, worauf es ihm ankommt. Und das bedeutet, dass ich beim HSV einfach Gas geben und meine Leistung bringen muss – dann klappt das auch.“ Mit Brasilien 2014? „Natürlich will ich dabei sein, ganz klar.“ Aber dafür muss er weiter konstant die Position des Linksverteidigers spielen. Eine Position, die in der Bundesliga inzwischen fast schon traditionell unterbesetzt ist. Konkurrenz hat Jansen – bis auf Dortmunds Schmelzer – nicht wirklich zu fürchten. „Marcel Schmelzer ist ein guter Junge und es gibt schon noch einige, die ich als Konkurrenten sehen würde“, sagt Jansen, „aber das ändert nichts daran, dass ich meine Leistung zeigen muss. Der Rest kommt dann von allein.“ Stimmt.

Und während sich Jansen und Adler heute freuen durften, machten Heiko Westermann und Dennis Aogo lange Gesichter. Beide wurden nicht nominiert. Wobei Aogo auch erst seit kurzem wieder voll trainieren kann und positionell nicht wie ein Torhüter behandelt werden kann. Dennoch, obwohl ich es beiden gegönnt hätte, hoffe ich, dass diese Nichtnominierung beide nur zusätzlich anstachelt, noch mehr Gas zu geben. Bei Westermann eigentlich eine selbstverständlich, hoffe ich da insbesondere auf Aogo. Der muss sich nämlich weiterhin ernsthaft Sorgen um seinen Stammplatz machen. Nachdem er lange ausgefallen war und Petr Jiracek seine Position zumeist spielte, konnte sich Aogo bislang nicht nachhaltig anbieten. Im Gegenteil, Jiracek scheint derzeit die Nase vorn zu haben.

So auch heute im Training. Da ließ Fink schon mal mit der vermeintlichen Startelf üben, die folgendermaßen aussah: Adler – Diekmeier, Sobiech, Westermann, Jansen – Arslan, Badelj – Beister, van der Vaart, Jiracek – Rudnevs. Und auf die Frage, welche Positionen er noch nicht endgültig besetzt habe, antwortete Fink anschließend: „Vorne und vorne links.“ Hintergrund ist: Fink kann sich auch vorstellen, Jacques Zoua wieder über links kommen zu lassen, nachdem dieser das gegen Jena vernünftig gemacht hat und der HSV-Coach weiter darum bemüht ist, seinen Wunschspieler zu installieren. „Jacques wäre die offensive Variante. So wären wir sicher am gefährlichsten. Aber ich hätte auch keine Offensivkraft mehr auf der Bank.“ Aogo? Kein Wort. Ich glaube tatsächlich, dass Aogo momentan hintendran ist. Allerdings, so war zu hören, er wird auf Schalke wenigstens wieder im Kader stehen.

„Petr ist eine Maschine, ein Fighter“, lobt auch Jansen. Das Zusammenspiel mit dem Tschechen hat dem Nationalspieler gefallen. „Mit Petr stimmt’s. Er ackert auch nach hinten, wir ergänzen uns gut“, sagt Jansen, der sich noch in Jena lautstark mit Jiracek verbal duelliert hatte. Von Ärger will Jansen aber nichts wissen, gewinnt dem kurzen Zwist nur Positives ab: „Wir haben uns in der Sache mal etwas deutlichere Worte gesagt in einer Phase, in der bei uns nicht viel zusammenlief. Ich habe das als eine Art Weckruf verstanden“, sagt Jansen.

Verständnisprobleme bestehen derzeit hauptsächlich zwischen HSV-Sportchef Oliver Kreuzer und Paul Scharner. Der Österreicher sollte eigentlich ab Montag bei den U23-Amateuren trainieren – nimmt diese Degradierung aber nicht hin und pocht auf seinen vertrag. Denn der besagt, dass ihm beim Training ein lizenzierter Fußballlehrer anleitet. Diesen Schein aber besitzen die U23-Trainer Rodolfo Cardoso und Soner Uysal (noch) nicht. „Ich bestehe darauf, unter einem ausgebildeten Fußballlehrer zu arbeiten, und dieser ist in der Zweiten derzeit nicht zu finden“, erklärte Scharner. Kreuzer hingegen reagierte ziemlich überrascht: „Ich gehe davon aus, dass sich Scharner bei der Zweiten einfindet. Und wenn er einen Lizenztrainer haben will, dann bekommt er ihn.“ Das Training dort leiten müsste dann Michael Schröder oder U19-Coach Otto Addo – beides ausgebildete Fußballlehrer.
Bis dahin absolviert Scharner weiter sein Aufbautraining bei Markus Günther. Gut möglich, dass dieses auch in der kommenden Woche Ochsenzoll stattfindet. Wie es weitergeht? Scharner lacht und zuckt mit den Schultern. „Bis zum Ende der Transferfrist am 31. August kann alles passieren“, sagte Scharner. Fortsetzung folgt.

Um auch Jonathan Tahs Aufstieg zu den Profis fortsetzen zu können, nimmt HSV-Trainer Thorsten Fink so einiges in kauf. Fink ist überzeugt von den Qualitäten seines Jungverteidigers, den er am Sonntag aller Voraussicht nach auch schon als dritten Verteidiger in den Kader berufen wird. Noch vor Rajkovic und Mancienne, denen damit nochmals verdeutlicht werden soll, dass sie in Hamburg keine Zukunft haben.

Zudem sollen in Zukunft die Trainingseinheiten so gelegt werden, dass Tah trotz seiner Schulpflicht möglichst immer dabei ist. „Wir werden schauen, was da möglich ist“, sagt Fink und zählt auf, dass Tah montags, dienstags und freitags eh immer kann und es sich letztlich nur noch um die Mittwoch und Donnerstag handele, an denen er erwägt, die Einheiten Tah-gerecht auf die Nachmittage zu legen. Konsequent. Und mit einer klaren Aussicht auf Erfolg.

So viel zu heute, wo es in Sachen Spielerverkäufe nichts Neues gibt. Und so lange dem nicht so ist, passiert auch auf der anderen Seite nichts.

Bis morgen.

Scholle

P.S.: Morgen wird um 10 Uhr an der Arena trainiert.

“Wir haben noch viel Arbeit vor uns. Das wissen wir.”

7. August 2013

Na Mensch, da ist man mal zwei Tage raus und – es bleibt doch alles beim Alten. Zumindest klang das so. Die Mannschaft besticht in den Spielen durch Ideenlosigkeit und müht sich mehr schlecht denn recht gegen kleine Gegner zu bestehen. Ein neuer Stürmer kann noch immer nicht gekauft werden und die ersten Aussortierten fangen an, ihrem Unmut öffentlich Luft zu machen. So hatte Paul Scharner klar gesagt, was er denkt und dem HSV respektlosen Umgang mit ihm vorgeworfen mit der Androhung, seinen Vertrag letztlich auszusitzen. Dass der Österreicher morgen bei den U23-Amateuren aufdribbelt, wie es ihm Sportchef Oliver Kreuzer auferlegt hat erscheint nach jetzigem Stand mehr als fraglich.

Nach dem heutigen Einzeltraining mit Markus Günther jedenfalls hatte Scharner ein nettes Gespräch mit HSV-Mediendirektor Jörn Wolf am Platz. Dabei wird ihm der ehemalige Mopo-HSV-Redakteur noch mal eindringlich auf die Auswirkungen seiner Worte hingewiesen haben. Das muss Wolf auch, wenn er seinen Job konsequent ausübt. Auf jeden Fall war Scharner anschließend etwas wortkarger als sonst. „Was soll ich jetzt sagen?“, so die rhetorische Frage des Innenverteidigers, „ich will ja nicht jeden Tag Theater machen.“

Einmal in der Woche reicht ja auch.

Egal wie, Scharner war anzusehen, dass er gern mehr sagen würde, sich aber im Klaren ist, dass das wiederum arbeitsrechtlich Folgen für ihn haben könnte. Also schwieg er, beziehungsweise: er deutete nur an. Ob er bei der U23 trainieren werde? „Schau’n mer mal!“, so Scharner mit einem Lächeln, „ab morgen soll ich da sein laut SMS von Oliver Kreuzer.“ Dabei lag die Betonung und die Mimik klar auf der SMS – denn den unpersönlichen Umgang mit ihm hatte Scharner schon vor Wochen angemerkt. Und jetzt eben wieder.

Es ist schwer einem solchen Thema korrekt zu begegnen. Zumal, wenn wie hier Aussage gegen Aussage stehen. Immer wieder haben Fink und Kreuzer betont, Scharner von Anfang an reinen Wein eingeschenkt zu haben. Der wiederum beteuerte, man habe ihm gesagt, er würde eine faire Chance bekommen, sofern er sich für einen Verbleib entscheidet. Jetzt schien sich Scharner für den HSV entschieden zu haben, weil er die interne Konkurrenz auf seiner Position als nicht übermächtig empfindet – und es gibt Ärger. Der HSV will ihn verkaufen – Scharner aber lehnte jetzt auch ein Angebot von Hull City ab. „Aus Familiengründen“, so Scharner, der heute wie gesagt etwas spekulationsunterstützend antwortete: „Ich habe bis zum 1. September überhaupt keinen Stress. Aber ich bin mir sicher, am Ende werden alle zufrieden sein. Beide Seiten.“

Was das heißt? Offen. Klar ist, dass der HSV seinen Kader weiter reduziert. Priorität haben Verkäufe, die zweite Option wären ablösefreie Abgaben. Auch bei Gojko Kacar, Robert Tesche, Slobodan Rajkovic und Michael Mancienne. Die beiden Letztgenannten werden am Donnerstag von Kreuzer im persönlichen Gespräch erklärt bekommen, dass sie künftig nicht mehr mit den Profis sondern mit der U23 trainieren werden. Kreuzer: „Wir haben immer gesagt, dass wir den Kader reduzieren wollen um mit einer gesunden Anzahl zu trainieren.“ So könne die Qualität der Einheiten gesteigert werden, glaubt der HSV-Sportchef.

Aber es würde auch eine Menge totes Kapital beinhalten. Wobei das gar nicht mehr zu verhindern ist. Nein, dieser Zug ist spätestens da abgefahren, als der HSV die Namen seiner Ungewollten veröffentlichte und ihren Preis ins Bodenlose fallen ließ. Ein Vorgehen, das bei Spielern wie Rene Adler oder einem van der Vaart früherer Tage kaum Wertverlust (weil unvermindert viele Interessenten) nach sich gezogen hätte. Bei so vergleichsweise durchschnittlichen Profis wie hier geht das jedoch nicht. Zumindest nicht ohne massive Verluste.

Nur als Beispiel: Kacar soll zu Rubin Kasan wechseln. Die Russen wollen den Serben auch haben, haben zudem einen Oligarchen an der Spitze, der den gesamten HSV kaufen könnte, ohne sich anschließend finanziell in irgendeiner Form einschränken zu müssen. Und dennoch zögert Kasan. Weil sie wissen, dass der HSV unter Zugzwang steht, den hoch dotierten Vertrag aufzulösen, um am Ende nicht einen Spieler teuer bezahlen zu müssen, der nichts anderes macht, als Kapital zu binden, dass für einen neuen Stürmer gebraucht wird. Gleichermaßen verhält es sich mit Rajkovic, Mancienne, Scharner und Tesche dieser Tage. Alle haben Interessenten, alle haben aber auch gut dotierte Verträge beim HSV. Sie wollen auf nichts verzichten, die interessierten Vereine aber nicht so viel zahlen. Die Spieler warten darauf, dass ihnen der HSV auch den Abschied finanziell schmackhaft macht. Per Zugabe von ein paar Euro. Ergo: Statt Ablöse zu bekomm en, müssen die Spielerabgänge vom HSV bezuschusst werden. Und selbst dann klappt es nicht reibungslos, wie man jetzt sieht.

Immer wieder ist in diesen Tagen auch der Name von Frank Arnesen zu hören. Nie offiziell, aber doch immer wieder, wenn es darum geht, gewisse Spielerkäufe zu hinterfragen. Weshalb verdient ein junger Spieler wie Slobodan Rajkovic knapp zwei Millionen Euro beim HSV? Ganz offensichtlich so viel, wie er offenbar nirgendwo sonst geboten bekommt. Eine Frage, die unbeantwortet bleibt und wahrscheinlich bleiben wird…

Egal, Ihr könnt Euch vorstellen, wie viel Schuld jetzt dem alten Sportchef angelastet wird. Und wahrscheinlich auch nicht immer zu Unrecht. Aber ich werde einen Teufel tun, hier im Nebel zu stochern und mich auf Hörensagen zu verlassen. Zumal dann nicht, wenn der Hauptbeschuldigte sich nicht gleichwertig wehren kann.

Es ist halt, wie es ist. Und das ist nicht gut. Obgleich die Rückkehr von Rene Adler bevorsteht. Der Keeper, der bis zum Dienstag die gesamte Vorbereitungszeit ohne Spiel geblieben war, ist rechtzeitig fit geworden und will am Sonntag auf Schalke beginnen. Der schwache Test in Etelsen habe ihm ein gutes Gefühl für sich auf dem Platz gegeben. „Ich habe mich wohlgefühlt in den Abläufen, habe wieder ein gutes Gefühl für Raum und Abläufe auf dem Platz. Ich bin heiß.“

So heiß, das er gleich mal eine Ansage verlauten ließ. Das 2:0 gegen die Schlossparkkicker (s. dazu auch den Leserbrief im P.S.:) sei so nicht hinnehmbar. Zwar habe dort die zweit und teilweise sogar dritte oder gar Garnitur gespielt – allerdings sei es umso schwerer vorzustellen, dass es Motivationsprobleme gibt. „Als junger Spieler ist das doch eine weggeschmissen Trainingseinheit mit den Profis gewesen. Das kann ich mir als junger Spieler aber nicht erlauben. Das verstehe ich nicht.“ Deshalb habe er intern noch mal auf den Putz gehauen. „Wir haben noch einen weiten Weg vor uns“, sagt Adler, „mal wieder.“

Allerdings ist Adler längst nicht so pessimistisch, wie man das angesichts dieser Worte glauben mag. Im Gegenteil. „Die Vorbereitung kann und will ich nicht beurteilen, wo ich erst in den letzten Wochen dazugestoßen bin. Aber ich weiß, dass alles gut gewesen ist, wenn wir am Sonntag gewinnen. Wenn die Ergebnisse stimmen, fragt keiner mehr danach, was in der Vorbereitung warum passiert ist. Dann sagen alle nur: es stimmt einfach.“

Stimmt einfach.

Zumal Adler die These aufstellt, dass es die perfekte Vorbereitung gewesen sein könnte. Zumindest für ihn persönlich. Er habe stets gezielt auf das Schalke-Spiel hingearbeitet und das große Vertrauen des Trainers als hohe Verantwortung empfunden. „Ich wollte nicht noch mal in eine Saison gehen und etwas mit reinnehmen. Ich wollte nicht mit 90 Prozent starten. Meine Vorbereitung war eine langfristig angelegte Entscheidung, weil ich langfristig eine erfolgreiche Saison spielen will und glaube, dass ich wichtig für die Mannschaft bin.“ Deshalb habe er gegen Jena noch verzichtet, obgleich er das in früheren Tagen sicher nicht gemacht hätte. „Die Ärzte sind involviert und geben jetzt ausnahmslos grünes Licht. Ich fühle mich fit.“ Dass bei einer so kurzen Vorbereitungszeit ein besonderes Augenmerk auch auf ihn gerichtet sein wird, stört Adler nicht. „Egal, was nach dem Spiel gesagt wird – ich bin top vorbereitet.“

Adler, der wie kaum ein anderer HSV-Keeper in sich ruht auf dem Platz, wirkt konzentriert. Er weiß, dass ihm und dem HSV eine schwere Saison bevorsteht. Er will zur WM mit der Nationalelf, und dafür muss er eine gute Saison spielen. Zeitgleich herrscht in Hamburg ein hohes Anspruchsdenken, wie Adler weiß. „Das rührt meines Erachtens nach noch zu größten Teilen aus der erfolgreicheren Vergangenheit. Aber dennoch nehmen wir es an. Wir können uns realistisch einschätzen und wissen, dass wir mit etwas mehr Glück und etwas mehr Konstanz in der abgelaufenen Saison die Europa League erreicht hätten. Ich finde es gut, das jetzt als Ziel auszugeben, denn so entsteht sportliche Entwicklung. Man darf das Ziel nur nicht mit einem Versprechen verwechseln. Wir uns als Kader aber eine Gemeinschaft schaffen, mit der wir dieses Ziel angehen.“ Und dabei habe er ein gutes Gefühl.

Ich noch nicht. Das gebe ich zu. Noch glaube ich zwar an einen etwas gepflegteren Fußball, den wir zu sehen bekommen werden, aber ich kann den Optimismus nicht teilen, dass das in einer Europa League-Teilnahme mündet. Zumal Adler selbst sagt: „Wir haben noch sehr viel Arbeit vor uns, das wissen wir auch. Aber das war letzte Saison auch nicht anders.“

Na dann. Hoffen wir also einfach, dass es besser wird. Etwas mehr spielerische Qualität ist vorhanden, ein Knackpunkt wird die neue Innenverteidigung, während vorn ganz sicher noch mehr kommen muss. Womit ich beim nächsten Thema wäre. Sicher muss noch ein spielerisch starker Angreifer geholt werden nach Sons Abgang. Aber ich hätte mir gewünscht, dass der HSV das Thema so behandelt, dass ein Rudnevs, der sich auch von mir anfänglich harter Kritik ausgesetzt sah, nicht wieder all das Selbstvertrauen in sich verliert, was er sich mit seinen überraschenden zwölf Buden in der Vorsaison geholt hat. Warum sagt man nicht, dass ein Rudnevs unverkäuflich ist? So würde sich der Lette geschätzt fühlen und man könnte ob Sons Wechsel trotzdem logisch erklären, warum noch ein Angreifer geholt wird. Und sollte es plötzlich doch ein unmoralisches Angebot für Rudnevs geben – na und?! Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Verein einen eben noch unverkäuflichen Spieler doch verkauft. Fürs richtige Geld. Quasi genau andersherum wie bei Rajkovic, Mancienne, Scharner, Tesche und Kacar…

Bis morgen. Da wird um 10 Uhr an der Arnena trainiert. Im Anhang findet Ihr noch einen Leserbrief eines enttäuschten Etelsen-Zuschauers, den ich als lesenswert empfinde. Allerdings muss ich Euch vor dem Lesen auch anhand geben, dass Schalke am Sonntag Priorität haben muss. Das muss den Veranstaltern bewusst sein, die das Spiel mit dem HSV abgemacht haben. Uneingeschränkt. Die Etelser hätten sich des Risikos bewusst sein können, dass so kurz vor dem Saisonauftakt beim HSV nichts mehr riskiert wird. Nichtsdestotrotz ist es schade, dass sich der HSV mit seiner volksnahen Art der letzten Zeit und den vielen Tests in der Region diesmal keinen Gefallen getan hat. Sportlich nicht und vom Image her noch weniger.

Bis morgen!

Scholle

P.S.: Der Brief mit anschließender Erklärung:

„Lieber Herr Fink,

vielen Dank das sie gestern Abend mit ihrer Bundesliga Mannschaft in
Etelsen zu Gast waren !
Es war für die 4500 Zuschauer ein echtes Erlebnis die ganzen unbekannten
Talente einmal von ganz nahen zu sehen! Gestört haben da nur die drei Profis Adler, Aogo und Rundnevs.
Warum hat der Busfahrer nicht mitgespielt? Wegen ihm sollen extra Beobachter vom TÜV da gewesen sein…
Klasse, dass sie die anderen 25 Profis zu Hause gelassen haben damit sie
sich erholen können. So hatten ja auch ihre 5 Co-Trainer mehr Zeit sich um das warm machen der jungen Hüpfer zu kümmern. Ich finde es toll wie der HSV Arbeitsplätze schafft!

Ich hoffe, sie haben bis kurz vorm Anpfiff Kaffee & Kuchen im Etelser
Vereinshaus genießen können ! Sich dem Volke zu zeigen bzw. auf dem Platz zu stehen ist ja auch nicht so schön bei dem Wetter. Sonst hätten sie ja auch noch mitbekommen wie der Landesligist beim Warmmachen auf die andere Spielhälfte unfreundlich von ihrem Co-Trainer Herrn Rahmen verscheucht wurde. Mit dem müssten sie mal reden, er sollte besser in hochdeutsch
beleidigen, das Schwitzerdütsch versteht man so schlecht. Zum Spiel kann ich ihnen auch nur gratulieren! Es war ein wahre Pracht, wie
ihre Mannschaft ganz ohne Konzept und Wille gegen die spielstarken Schlossparkkicker gegengehalten haben! Wer das im einzelnen war kann ich ihnen leider nicht sagen, da die meisten Spieler keinen Namen auf dem Trikot hatten. Falls ihr HSV
Shop Probleme mit dem Beflocken von Trikots haben sollte kann ich ihnen unseren Sportshop in Achim
empfehlen, der macht ihnen einen guten Preis.

Spitze ist auch, dass jeder HSV-Spieler den Ball mindestens 9 mal berühren kann, bevor er den Ball
abspielt, auch auf engsten Raum wenn andere Mitspieler frei gestanden haben. Wer weiß, was die damit gemacht hätten, evtl. hätten sie es gewagt den
Etelser Torwart beim Plausch mit den Zuschauern zu stören. Rundum muss ich sagen, das 2:0 war hart umkämpft aber verdient, Etelsen hatte selber Schuld
wenn sie den Freistoß nach 10 min nur ganz knapp neben den Pfosten setzen.
Ihr Torwart Adler war von der großen Menschenmenge wohl derart beeindruckt
das er jeden Ball fallen ließ oder bei Flanken wie Supermann mit gestreckter
Faust vorbeiflog. Auf Schalke wird das bestimmt besser, da kommen ja kaum Zuschauer.

Ich wünsche ihnen eine erfolgreiche Saison, viele Grüße an ihre Profis
unbekannterweise! Vielleicht sieht man sich ja mal wieder wenn sie mit der
Geschäftstellenmannschaft irgendwo
auf den Dörfern Geld machen müssen weil sie es wieder nicht in den Europa
Cup geschafft haben.
Im Namen der vielen traurigen Kindergesichter die leere Autogramm Blöcke behalten haben
sage ich ihnen Danke für nichts.

Ihr leidgeprüfter HSV Fan M.“

Im Gegensatz dazu kann und möchte ich (auch aus eigener Erfahrung) an dieser Stelle betonen, dass die Tingeltour des HSV in der Bundesliga seinesgleichen sucht und hervorragend angenommen wird. Welcher Bundesligist testet schon so häufig in seiner Region und bietet eine derartige Nähe zu seinen Fans? Insofern, auch wenn hier in Etelsen zweifellos eine ganze Menge schiefgelaufen ist, der Grundgedanke des HSV ist gut. Sehr gut sogar. Vielleicht schafft es der HSV ja, in der neuen Saison noch mal in Etelsen aufzulaufen und die eine oder andere Enttäuschung wiedergutzumachen. Sportlich – aber vor allem menschlich. Aber das nur so als Idee…

P.P.S.: Beim Nachmittagstraining fehlten heute Ivo Ilicevic (muskuläre Probleme) sowie Mancienne, Rajkovic, Scharner und Demirbay (Rückenprobleme). Dafür dabei: Eine Fahne, die ich hier nur zu gern eingestellt hätte. Leider lässt sich das Foto nicht wie gewünscht hochladen. Auf unserer facebookseite (www.facebook.com/groups/matzab) ist es schon zu sehen und ich hoffe, das hier schnellstmöglich nachzuholen. Den Initiatoren sei auf jeden Fall schon einmal gesagt: Vielen Dank! Es ist mir eine große Ehre!

Rudnevs und Zoua das neue Traumpaar?

6. August 2013

Alle „Matz-abber“ haben an diesem Dienstag Geburtstag. Herzliche Glückwünsche von mir, denn heute feiert „Matz ab“ sein vierjähriges Bestehen. Vier Jahre – es kommt mir schon wie mindestens 20 vor, Tatsache. Wo ist die Zeit geblieben? Vier Jahre jeden Tag „Matz ab“, was für eine Geschichte! Was vor allem für eine lehrreiche Zeit für mich?! Es gab Höhen und Tiefen, aber es gab vor allen Dingen mehr, viel mehr Erfreuliches als Unerfreuliches. Bruno Taut und der Frauenarzt aus der Ostalb wurden – wenn auch unter Schmerzen – „verarbeitet“, aber das sind im Grunde genommen Randstorys. Dass ich viele tolle, nette, hilfsbereite, charakterlich einwandfreie Menschen, die auch tatsächlich Menschen geblieben sind, kennenlernen durfte, war eine unglaublich tolle Geschichte, dafür bin ich dem Verlag auch dakbar. Demnächst werde ich bei „Matz ab“ ausscheiden, weil ich das Alter dazu erreicht habe, der Tag ist nicht mehr fern, aber ich werde ganz sicher mit vielen, vielen „Matz-abbern, nicht nur aus Hamburg und Umgebung, in Kontakt und damit verbunden bleiben.

Ihr seid einfach klasse, Weltklasse sogar, ich weiß seit spätestens vier Jahren „Matz ab“, dass der HSV viele, viele Super-Fans hat, die ihren Verein lieben, die alles für die drei großen Hamburger Buchstaben geben würden, die immer da sind, wenn sie gebraucht werden – dickes Kompliment! Und vielen Dank für die Glückwünsche, die mich heute erreicht haben – es waren, das sei erwähnt, weniger als in den Vorjahren, aber das ist auch ein gutes Zeichen (denke ich), denn „Matz ab“ gehört zum Alltag einfach dazu – Geburtstag nun hin, Geburtstag her. Alles Gute für Euch. Ich will hier keinen „Matz-abber“ besonders herausstellen, nur einen möchte ich an dieser Stelle (es sei mir gestattet) kurz erwähnen – den „el presidente“. Benno Hafas ist zurzeit „auf Kur, ihm wünsche ich beste Erholung und natürlich beste Gesundheit, damit er seinen geliebten HSV stets und ständig ertragen kann – in guten wie in schlechten Zeiten.

Das heutige „Geburtstags“-Training im Volkspark war hart und knackig, es ging in einem Kraftzirkel zur Sache. Thorsten Fink hatte seine „Assis“ machen lassen – und die machten. Obwohl nicht alle mitmachten. Paul Scharner lief am Rande, und Slobodan Rajkovic verließ den Parcours frühzeitig, weil er unter Migräne litt. Zudem fehlte Michael Mancienne, der sich am Freitag, als er umknickte, einen Kapselanriss (oder nur eine Dehnung?) zugezogen hat und eine Woche pausieren wird. Zhi Gin Lam hat auch heute noch nicht mit der Mannschaft trainiert, dazu sagte Thorsten Fink: „Reha-Trainer Markus Günther hat gemeint, dass ihm noch etwas an Muskulatur fehlt, daran wird in dieser Woche gearbeitet – und dann soll er eine Woche drauf wieder bei uns einsteigen.” Der an den Adduktoren operierte Johan Djourou hat die OP gut überstanden, leider aber verheilt die Wunde nicht so, wie erhofft, sodass der Abwehrmann weiter auf sein Comeback warten muss.

Paul Scharner soll übrigens der „Nachfolger“ von Marcus Berg werden, denn der Österreicher soll von der kommenden Woche an bei der U 23 (von Rodolfo Cardoso) trainieren und spielen. Mit anderen Worten, der ehemalige Nationalspieler wird auch, wie zuvor Berg und Gojko Kacar, aussortiert.

Dazu sagte er heute: „Es gibt verschiedene Möglichkeiten für mich. Ich kann wechseln, bei der U 23 spielen, meine Karriere beenden oder auch Krieg führen.“ Mit oder gegen den HSV. Klingt nicht unbedingt nach Harmonie. Auf die Frage, ob auch Mancienne und Rajkovic zur U 23 müssen (dürfen oder sollen), antwortete Trainer Torsten Fink: „Das ist nicht meine Sache, da müsste Oliver Kreuzer gefragt werden – ich bereite die Mannschaft jetzt auf das Schalke-Spiel vor.“ Fink wollte sich zur Scharner-Geschichte nicht groß äußern, sagte nur: „Fest steht, dass er nicht unter den ersten vier Innenverteidigern ist, alles andere ist jetzt die Sache von Oliver Kreuzer.“ Scharner selbst sagte nach seinem Spezial-Training und beim Verlassen des Platzes vielsagend: „Vielleicht hat der Trainer ja Angst vor mir . . ?“

Im Hinblick auf Schalke hat Thorsten Fink heute rückblickend (auf das Jena-Spiel) gesagt: „Ich denke, dass wir noch viel zulegen müssen für das Spiel am Wochenende, das ist ganz klar.“ Über die vermeintliche Aufstellung einer Mannschaft, die in Gelsenkirchen den ersten Auswärtssieg der Saison holen soll, verriet der Coach diesmal noch nichts: „Die Jungs sollen Gas geben, sich anbieten, es soll sich keiner zu sicher fühlen.“ Angeblich soll und kann sich noch jeder in das „Schalke“-Team hineinspielen: „Es war ja nicht so, dass wir am Wochenende eine solche Leistung abgeliefert haben, dass jeder auch gegen Schalke spielen muss.“ Fink zur Problematik, wer denn in der Spitze auflaufen wird: „Ich lasse mir in dieser Frage Zeit, ob nun Artjoms Rudnevs oder Jacques Zoua. Vielleicht spielen auch beide, der eine spielt außen, der eine als Spitze – das überlege ich mir noch.“ Als Spitze dürfte aber wohl „Rudi“ Rudnevs leicht die Nase vorn haben.

Nun also wird es ernst. Nicht nur für den HSV, sondern für alle –aber eben auch für den HSV. Der hat die letzten Spiele, 0:4 in Dresden und 4:0 in Jena, nicht sonderlich berauschend gespielt, aber Thorsten Fink sagt auch: „Gegen Inter haben wir gut gespielt, gegen Dresden haben wir ganz schlecht gespielt, gegen Jena haben wir unsere Aufgabe erfüllt. Entscheidend aber ist immer der erste Spieltag. Man sollte der ganzen Vorbereitungszeit nicht zu viel beimessen, wer wie gut gespielt oder wie gut trainiert hat, wie die Ergebnisse waren. Für uns ist wichtig, dass wir die erste Pokalrunde überstanden haben, das gibt sicherlich ein positives Vertrauen – ich freue mich auf den ersten Spieltag. Schalke ist sicher eine starke Mannschaft, aber gerade zu Beginn einer Saison, wo keiner genau weiß wo er steht, hat man immer seine Chancen.“

Und, das sei einmal eingefügt, Schalke hat beim 2:0-Erfolg im Pokal gegen Nöttingen ja nicht unbedingt überzeugend gespielt. Im Gegenteil, die Amateure hatten einige Möglichkeiten, um in Führung zu gehen. 04-Trainer Keller befand danach: „Einige von uns haben sehr arrogant gespielt . . .“ Das dürften sie ja auch gegen den HSV – sehr gerne – wiederholen.

Und dann könnte es ja auch durchaus mit einem Sieg, vielleicht auch „nur“ mit einem Punktgewinn, über den ich schon glücklich wäre, auf Schalke klappen. Zumal Thorsten Fink von seiner Mannschaft überzeugt ist: „Ich finde unseren Kader nun ausgeglichener als zuletzt, wir haben im Sturm einen anderen Spielertypen hinzubekommen, der den Ball halten kann, der auf den Außenbahnen spielen kann, der ein anderer Spielertyp ist, als den, den wir hatten. In der vergangenen Saison hatten Heung Min Son und Artjoms Rudnevs fast nur alleine spielen können, wir haben mit Maxi Beister jemanden, von dem ich erwarte, dass er in Sons Fußstapfen tritt. Das soll nicht heißen, dass er zwölf Tore schießt, aber acht sollten es schon werden. Und dass er das schafft, davon bin ich fest überzeugt.“ Der Trainer weiter über seinen (neuen) Kader: „Wir haben zwei Abwehrspieler mehr, was ganz wichtig ist, denn die Abwehr muss stehen, dass wir häufiger zu null spielen, dass wir mehr Kopfball-Präsenz haben –mit Johan Djourou und Lasse Sobiech. Und wir haben junge Spieler gekauft, haben wir Rafael van der Vaart mit Hakan Calhanoglu jemanden, der dann einspringen kann, wenn Raffa mal verletzt sein sollte und ausfallen sollte. Und wir haben mit Kerem Demirbay einen hoffnungsvollen jungen und hungrigen Mann bekommen, der von seinen Leistungen hoffen lässt, dass er uns auch verstärkt.“

Speziell zu den Talenten im Kader befand Fink: „Ich glaube, dass sie schnell lernen werden, und sie haben keine Angst. Dass sind alles Spieler, die spielen wollen, und das ist das, was wir brauchen – dieses Sieger-Gen der jungen Leute. Sie bringen das mit.“ Und zu Lasse Sobiech sagte der Coach: „Er ist jemand, der stolz ist, hier zu sein. Genau solche Spieler brauchen wir, die stolz sind, beim HSV zu kommen, die stolz sind, beim HSV zu spielen, die sich freuen, bei diesem großen Club zu spielen. Das alles ist sehr positiv.“

Dass Jacques Zoua das 1:0 in Jena von außen vorbereitet hat, das hat den Kameruner wieder ein wenig näher an die Stamm-Formation gebracht, denn Fink hat festgestellt: „Es ist eine Option für mich, Zoua auf der Außenbahn zu bringen. Das hat er früher bei mir in Basel auch schon gespielt. Und in Jena hat er gleich gezeigt, dass er es kann. Er weiß, wohin er laufen muss. Er legt ein Tor auf, dann schießt er eins – vielleicht wird aus Zoua und Rudnevs ja das neue Traumpaar?“ Thorsten Fink weiter über den neuen Stürmer: „Er hatte das erste Trainingslager verpasst, in den letzten Spielen hat er ein wenig müde gewirkt, da fehlte ein bisschen, aber in Jena wirkte er schon frischer, da konnte er 90 Minuten gehen. Aber ich erwarte von ihm noch mehr, weil er das Potenzial hat, das weiß ich. Er wird besser spielen, als das was er bisher gemacht hat, aber die letzte halbe Stunde in Jena hat mich zuversichtlich gestimmt.“ Fink noch einmal zu Zoua: „Der Junge hat keine zehn Millionen gekostet, wie andere. Er war sehr günstig, es war für uns und meiner Meinung nach ein Schnapper, da hat Oliver Kreuzer sehr gut und schnell gearbeitet. Ich bin der Meinung, dass wir uns mit Zoua verstärkt haben. Auch bei Standardsituationen, denn wir haben einen Spieler mehr, der groß ist und mit seinem Kopfball Spiele entscheiden kann.“

Vielleicht ja schon auf Schalke.

Etwas Neues hat der HSV, und darüber hat er heute berichtet:

Mit Beginn der neuen Saison wird der Hamburger Sport-Verein noch familienfreundlicher und öffnet den
XXL-Familienblock mit besonders kostengünstigen Tickets. Zum ersten Mal wird der reguläre Familienblock 8 in der Imtech Arena beim ersten Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim am 17. August 2013 ausgeweitet. Der ermäßigte Kinderpreis (bis 14 Jahre) beträgt acht Euro inklusive kostenlosem HVV-Ticket und vielen Aktionen wie Kinderschminken.

„Fußball ist ein emotionales Erlebnis, das man gerne mit anderen teilen möchte. Deswegen freue ich mich, dass wir in der Zukunft noch mehr Familien einen schönen gemeinsamen Tag in der Imtech Arena ermöglichen können”, so Joachim Hilke, Vorstand Marketing/Kommunikation.

Aufgrund der hohen Ticketnachfrage für den Langnese-Familienblock, wird der XXL-Familienblock neben dem ersten Heimspiel auch bei den Hinrunden-Begegnungen mit dem FC Augsburg und dem FSV Mainz auf der gesamten Südtribüne (Blöcke 9-13 A, B, C) zu finden sein.

Tickets für die Partie gegen die TSG Hoffenheim sind in allen VVK-Stellen, den Fanshops, sowie unter www.hsv.de/tickets erhältlich.

Heute gibt es am Abend (Anstoß 19 Uhr) noch ein Testspiel, und zwar beim TSV Etelsen (wird hier an dieser Stelle nach Spielschluss ergänzend eingefügt!). Dort wird Rene Adler zwischen den Pfosten stehen, und wenn alles gut geht, dann wird das auch auf Schalke am Sonntag (Anstoß 17.30 Uhr) sein. Heute sind auch etliche Talente aus der „Zweiten“ dabei, so auch Dennis Bergmann. Der 20-jährige Abwehrspieler könnte künftig durchaus eine Rolle bei den Profis spielen, denn Fink sagt lobend: „Er war schon mal mit im Trainingslager und soll in Zukunft mal häufiger bei uns trainieren, er hat die Grundschnelligkeit, die man in der Bundesliga braucht. Aber er ist ja auch noch jung und sollte sich erst einmal in der Zweiten durchsetzen und gute Leistungen bringen, bevor ich sage, dass ich ihn nach oben holen werde.“

PS: Training am Mittwoch um 10 und 16 Uhr im Volkspark.

PSPS: Das Spiel gegen den “Welt-Verein” TSV Etelsen (sorry, nichts gegen den TSV Etelsen!) endete mit einem grandiosen 2:0-Erfolg für den HSV. Vor 4000 Zuschauern trafen gegen den Verein aus der sechsten Liga (!) Rudnevs (26.) und Dennis Aogo (80.). Aus der Profi-Abteilung waren dabei Rene Adler, Jonathan Tah, Aogo, Calhanoglu, Demirbay, Per Ciljan Skjelbred und Tomas Rincon. Der HSV bot eine erschütternde Vorstellung, sodass dieser kurze Beitrag voll und ganz genügt. Adler sagte nach dem Spiel: “Es war gut, dass ich dabei war, so bekomme ich ein Gefühl für den Raum und für lange Pässe. Wenn nichts mehr passiert, werde ich Sonntag gegen Schalke spielen.”

18.36 Uhr

Nie zu früh zufrieden sein . . .

28. Juli 2013

Nur 25 000 Zuschauer, obwohl Inter Mailand da war. Das war schon enttäuschend zu sehen. Und irgendwie kann ich auch die Ernüchterung des HSV verstehen, denn die Herren haben sich – nach dem Nordcup vor einigen Tagen – auch diesmal Mühe gegeben, um den Fans einen Fußball-Leckerbissen zu präsentieren. Aber, und das muss ich auch ganz klar und sofort anfügen: Ich habe auch Verständnis für die, die daheim geblieben sind, denn:

Im vergangenen Jahr war der FC Barcelona da, mit der C-Truppe. In diesem Jahr war der FC Barcelona da, bei den Bayern. Mit der B-Truppe – und eine Halbzeit Messi. Das will kein Fan sehen, die fühlen sich nämlich auf den Arm genommen. Und solange sich die Vereine nicht solidarisch erklären, dass sie mit der bestmöglichen Mannschaft antreten werden, wenn es zu solchen Freundschafts- oder Testspielen kommt, solange werden die Stadion auch nur halbvoll sein.

Ein weitere Grund, warum die Arena so leer war: Live-Übertragung im Fernsehen. Bei diesem Wetter bleiben dann doch viele lieber daheim, denn der Weg zum Kühlschrank und zum kalten Bier ist bekannt und sehr kurz, und beim Trinken kann Mann die Beine hochlegen.

Boris Becker hat es ja kürzlich auf den Punkt gebracht, als er davon sprach, man solle nicht jede Busfahrt eines Bundesliga-Clubs live übertragen (gemeint waren wohl die Bayern), aber ich weiß nicht, ob solche Forderungen nicht in ein Ohr rein und aus dem anderen Ohr gleich wieder raus sind? Der HSV wurde übertragen, dann anschließend das 9:0 von Schalke gegen eine Scheich-Betriebsauswahl, am Abend dann – natürlich – das Super-Cup-Finale zwischen Bayern und Dortmund, zudem live auf Sky die Zweite Liga: erst Aue gegen Sandhausen, dann KSC gegen Pauli. Das alles zusammen ist doch mal ein Angebot – wer soll da noch ins Stadion gehen, Geld ausgeben, um sich eventuell zu ärgern, weil die Leistungen nicht stimmen – und bei der An- und Abfahrt dann eventuell noch in einen wunderschönen Stau am Elbtunnel (und sonst irgendwo) geraten.

Und noch einen Grund gibt es, und auch der muss noch kurz angesprochen werden: Mir haben viele „Matz-abber“ auch schlicht und einfach erklärt, dass sie immer noch ein wenig HSV-müde sind. Weil das eben kein Spitzenfußball ist, was da von den Rothosen gespielt wird – trotz des namhaften Gegners. Oder besser: Trotz des namhaften Clubs, der entweder mit der oder mit jener Mannschaft kommt, gerade wie es den Herren in den Kram passt. Vielleicht schreiben ja mal ein paar „Matz-abber“ darüber, warum sie nicht in den Volkspark gepilgert sind, um sich Inter Mailand und den HSV anzusehen.

Um schnell noch einmal auf den deutschen Super-Cup zu kommen:

Der FC Bayern hat ja auch sehr viel zurück gespielt, aber das ist vielleicht der neue Trend in der Liga. Vorgegeben – natürlich – vom HSV, denn der spielt schon seit Jahren so. Nun sogar die Bayern. Die Spanier nennen es – eingedeutscht: Tiki-Taka. In München nennen sie es wohl demnächst, bei dem Hype um Guardiola, „Pepi-Paka“. Und beim HSV müsste es dann „Finki-Fanka“ heißen. Das Kind muss doch einen Namen haben.
Also, ich war beim Zurückspielen. Dabei haben die Bayern ihren Torwart, das war satt Manuel Neuer diesmal Tom Starke, gelegentlich richtig schön schwindelig gespielt. Allein Lahm und van Buyten hatten wohl (gefühlt) jeweils 40 Rückpässe zum Torwart! Das sah stark aus. „Pepi-Paka“ eben. Und apropos Starke. Der ehemalige HSV-Torwart sah ja nicht immer so gut aus (nicht nur beim 0:1), und deshalb muss man schon sagen: Es gibt einen Punkt, da ist der HSV dann doch den großen Bayern klar überlegen. Das ist die Position des zweiten Torhüters. Mit Jaroslav Drobny, dem großen Schweiger, hat der HSV eindeutig den besseren Ersatztorwart. Das hat der Tscheche auch gestern erneut und eindrucksvoll bewiesen. Ich weiß nicht, ob sich der „FC PepGuardiola“ (oder wie der ZDF-Poschmann so lässig und weltmännisch und oberlehrerhaft sagte: „Guuhhooohhhuuuuhhaardioolaa“ – hat der Posch-Mann genervt!) nach diesem 2:4 gegen Dortmund nicht doch noch schnell nach einem neuen zweiten Mann zwischen den Pfosten umsehen wird. Überall gibt es die Doppelbesetzung mit zwei Weltklasse-Spielern, nur im Tor nicht. Und diese Position ist ja auch nicht ganz so unwichtig, wie mir scheint. Zudem haben die Bayern in ihrer Portokasse ganz sicher noch die eine oder andere Million, um noch einmal zuschlagen zu können – auf dem Transfermarkt.

Das will der HSV ja auch noch. Ohne die eine oder andere Million noch in der Porto-Kasse zu haben. Dass Christian Norgaard nun nach Dänemark wechseln wird (oder soll), dürfte die finanzielle Situation beim HSV nicht großartig und nachhaltig tangieren. Im Sturm soll ja noch etwas passieren – obwohl da gegen Inter ja durchaus etwas passiert ist. Artjoms Rudnevs hat getroffen. Und er hatte dazu noch einige gute und große Chancen auf dem Schlappen – der Junge scheint doch wieder zu kommen. Und wenn ich sehe (und höre), wie der Lette fast enthusiastisch gefeiert wurde, erst bei seinem Tor, dann bei seiner Auswechslung, dann glauben auch die Fans weiter und zu 100 Prozent an ihn. Glückwunsch. Damit wäre doch das Problem eigentlich gelöst. Denn Jacques Zoua ersetzt Heung Min Son, und dazu hat der HSV ja auch noch Maximilian Beister. Da aber ja meistens doch nur mit einer Spitze gespielt wird, dürfte die Wahl auf Artjoms Rudnevs fallen. Bei einer solch großen Beliebtheit des Torjägers wäre der HSV doch dumm, wenn er noch Geld für einen weiteren Stürmer ausgeben würde – zumal es ja Geld wäre, das der Club ja gar nicht hat.

Die Fans waren ja zufrieden – nicht nur mit Rudnevs. Viel Beifall gab es nach dem Schlusspfiff des guten Schiedsrichters Florian Meyer (der seinen internationalen Platz übrigens freiwillig an Deniz Aytekin abgetreten hat, so etwas gibt es auch noch!). Und allgemein herrschte beim HSV eine rundherum große und volle Zufriedenheit. Sportchef Oliver Kreuzer hatte „ein starkes Spiel des HSV“ gesehen, und auch Trainer Thorsten Fink war zufrieden. Er resümierte nach dem 1:1: „Wir haben eine ordentliche Leistung gezeigt, Inter Mailand ist ja eine taktisch sehr gute, spielerisch gute und dazu auch clevere Mannschaft, aber dennoch haben wir die Italiener weitgehend im Griff gehabt – bis auf die ersten Minuten. Das waren ja die ersten Aktionen des Spiels, da dürfen sie einfach nicht rauskommen, da hinten links – ansonsten war ich mit der Defensivleistung meiner Mannschaft zufrieden. Auch mit der Offensiv-Leistung, denn wir hatten ja einige gute Chancen, wir haben auch über die Außenpositionen Akzente gesetzt und viel gemacht – spielerisch war das teilweise schon sehr gut anzusehen. Deswegen kann man heute zufrieden sein. Aber es war ein Freundschaftsspiel, die Zuschauer waren auch zufrieden und haben geklatscht, letztlich aber zählt es erst beim ersten Pflichtspiel – und das ist das DFB-Pokalspiel in Jena.“

Das steht am kommenden Sonntag auf dem Programm, vorher, am Mittwoch, gastiert der HSV noch zu einem Benefizspiel bei Dynamo Dresden.

Über das Rudnevs-Tor befand Thorsten Fink: „Ich bin über jedes Stürmer-Tor froh, es ist mir immer lieber – weil jedes Tor ja Selbstvertrauen gibt. Und dann kommen auch die Diskussionen nicht immer auf, wie lange ein Stürmer nicht getroffen hat. Jetzt hat ein Stürmer getroffen, deswegen tut das dem Stürmer und auch der Mannschaft sehr gut.“

Den HSV-Fans hat es auf jeden Fall schon mal sehr gut getan, sie waren voll zufrieden: „Ruuuuhhuuuudnevs, Ruuuuuhhuuudnevs.“ Was ein Tor doch so auslösen kann.

Ich denke aber generell, dass ich das Wort „zufrieden“ schon viel zu oft in dieser Vorbereitungsphase gehört habe. Selbst nach einem 1:3 gegen West Ham United herrschte ja voll Zufriedenheit, denn der HSV war spielerisch die bessere Mannschaft, war in beiden Halbzeiten überlegen. Ob es dann trotz der Niederlage gut ist, wenn man „zufrieden“ ist – und es dann auch noch öffentlich sagt, das wage ich zu bezweifeln. Irgendwie besteht doch die Gefahr, dass man die eigenen Spieler einlullt. Die verlieren (oder spielen nicht gerade berauschend), und trotzdem sind die Verantwortlichen zufrieden. Wie sieht das dann am 11. August auf Schalke aus? Der HSV verliert 1:3, aber alle sind zufrieden, weil der HSV spielerisch die bessere Mannschaft war?

Mir hat als Spieler ein Trainer gefallen, wenn er trotz eines Sieges in einem Vorbereitungsspiel jene Punkte kritisch angesprochen hat, die noch deutlich verbesserungsfähig waren. Und dass dieser HSV, auch dieser HSV (!), noch Punkte hat, die zu verbessern wären, davon gehe ich mal ganz verstärkt aus. Man sollte, das gilt generell für das Leben, nie zu früh zufrieden sein, das könnte sich schnell rächen. Und wenn ein Trainer – auch öffentlich – diese oder jene spielerischen Missstände innerhalb seiner Mannschaft betont, so weckt er damit die Aufmerksamkeit seiner Spieler. Sagt er aber immer wieder, dass er zufrieden sei, dann können die sich ja beruhigt zurücklegen, sich auf die Schultern klopfen und sich sagen: „Siehst du, wir haben zwar nicht gewonnen, aber anscheinend haben wir alles richtig gemacht – selbst der Alte ist zufrieden mit uns . . .“

Thorsten Fink, das will ich aber nicht verheimliche, hat nach dem 1:1 gegen Inter auch gesagt: „Wir wollen das alles nicht überbewerten, Inter ist erst seit zehn Tagen im Training. Wir müssen noch zulegen, ein wenig mehr Frische zeigen, wir müssen auch noch effektiver im Abschluss werden, denn die eine oder andere gute Chance hatten wir und haben sie liegen gelassen, und dann müssen wir die eine oder andere Unkonzentriertheit noch abstellen.“

Drei Dinge habe ich noch, bezogen auf das Mailand-Spiel, anzumerken.

Rafael van der Vaart trat erneut nicht übermäßig oft oder viel in Erscheinung, obwohl ich den Verdacht hatte, dass er um die 50. bis 65. Minute herum leicht zulegen konnte. Insgesamt aber ist es immer noch viel zu wenig. Deswegen war ich auch enttäuscht, als ich vor dem Spiel die Aufstellung in Händen hielt: Kerem Demirbay und Hakan Calhanoglu nur auf der Bank. Schade, schade. Wenn nicht jetzt, wann dann? Gerade Demirbay hatte bislang eine sehr gute Vorbereitung gespielt, ihn, einer der jungen Wilden im HSV, hätte ich gerne mal über 90 Minuten gegen eine so ausgebuffte Mannschaft wie Inter gesehen. Thorsten Fink aber vertraute den „Alten“, setzte lieber auf das Bewährte. Das ist seine Linie, er ist der Boss, er hat das Sagen – ich denke aber, dass ein „junger Sprinter“ dem HSV-Spiel ganz gut getan hätte, ganz gut tun würde. Aber was (noch) nicht ist, kann ja noch werden. Und irgendwann wird ein Trainer ja auch mal zu seinem Glück gezwungen, wer weiß?

Mit Lasse Sobiech stand so nur ein „Neuer“ in der Anfangsformation des HSV. Und der junge Innenverteidiger hatte einige Szenen, in denen er nicht gerade souverän wirkte. Nervosität? Kann sein. Es war ja kein leichtes Spiel und kein leichter Gegner. Dennoch wird er zulegen müssen, wenn er seinen Platz in der Mannschaft beanspruchen will. Dann muss er besser sein, als diejenigen, die nun den HSV verlassen sollen. Dazu, fällt mir jetzt gerade ein, zählt ja auch immer noch Paul Scharner. Auch ein Beispiel, dass man nicht immer dann kaufen sollte, wenn man mal eine Idee hat. Warum hat der finanzschwache HSV den Scharner Paul überhaupt gekauft? Weil Bedarf bestand? Den sah ich damals nicht, den sehe ich heute erst recht nicht. Aber das nur mal am Rande.

Der dritte Punkt ist der Torwart. Rene Adler fehlte lange verletzt, ist nun wieder im Training. Reicht das bis zum Schalke-Spiel? Ich glaube nicht. Ich erinnere mich noch an das 1:5 von Hannover, als Adler einen rabenschwarzen Tag hatte. Damals hatte er ein Spiel zuvor verletzungsbedingt gefehlt, natürlich auch wenig Training gehabt – und dann das Debakel. Für ihn und für den HSV. Deswegen denke ich, dass Drobny auch auf Schalke beginnen wird, denn der Tscheche ist voll im Saft, Adler hat noch schwer aufzuholen. Und tut sich und seiner Karriere (in der Nationalmannschaft) sicherlich keinen Gefallen, wenn er nur mit 70 oder 80 Prozent zwischen die Pfosten geht. Thorsten Fink sagt zu diesem Punkt (ob Drobny oder Adler?) diplomatisch: „Es kommt darauf an, wie viel Zeit Rene Adler braucht. Diese Zeit gebe ich ihm natürlich. Er sagt mir, wenn er sich hundertprozentig fit fühlt, wenn er sich gut fühlt, dann soll er auch spielen, das ist ganz klar. Letztlich aber braucht er auch ein bisschen Training, um Spielpraxis für Pokal und Meisterschaft zu haben.“
Das wird Rene Adler aber wohl auch wissen – und bestens einschätzen können.

PS: Training morgen (am Montag) nicht.

PSPS: Den deutschen Fußball-Frauen herzlichen Glückwunsch zum Gewinn der Europameisterschaft! So ersatzgeschwächt, und trotzdem gewonnen – das ist hervorragend. Und: Bei solchen Schiedsrichter-Leistungen (die Elfmeter!) in der Männer-Bundesliga würde ich mit Fußball aufhören – und zwar sofort.

17.53 Uhr

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