Archiv für das Tag 'Scharner'

Der HSV nimmt die Rolle des Jägers an!

12. Mai 2013

Geht es euch nicht auch so? Ich muss immer an „Troche“ denken. Ihr doch sicher auch, oder? Piotr Trochowski, der „kleine Dribbelkünstler“ und sein Tor in Frankfurt. Man schrieb damals in Deutschland die 90. Minute im Hessenland, es stand zwischen der Eintracht aus Frankfurt und dem HSV 2:2, und dann hob der Fußball-Gott die Abseitsregelung auf – und „Troche“, unsere aller „kleiner Dribbelkünstler“, gerade noch im Abseits stehend, zog mutig und beherzt ab. Drin das Ding. Und drin der Fisch. Der HSV spielte doch noch Europapokal, Europapokal, Europapokal, Europapokal, Eu-roo-paa-poooo-kaaaaaal . . . Das kann doch kein Zufall sein. Das ist ein Zeichen. Ganz bestimmt. Wieder Frankfurt. Wieder der letzte Spieltag. Wieder muss ein Sieg her – und Frankfurts Niederlage. Doch wo ist der „kleine Dribbelkünstler“? Daran könnte es natürlich noch scheitern, aber ich gehe nicht davon aus. Das wird was. Ihr werdet sehen. Dieser 4:1-Sieg des HSV gegen Hoffenheim hat Langzeitwirkung – und entwickelt sich erst noch. Eine Woche lang, und dann versinkt Hamburg im Freudentaumel. Nächsten Sonnabend, so gegen 17.20 Uhr . . .

„Ich habe schon die verrücktesten Dinge am letzten Spieltag gesehen“, sagte Trainer Thorsten Fink in Sinsheim – und sprach mir dabei so aus dem Herzen. Was gab es nicht schon alles? Die reinsten Kopfstände gab es da schon. Und fragt mal nach bei Otto Rehhagel. Von wegen 12:0 und so. Nein, nein, da kann es doch durchaus passieren, dass die auswärtsstarken Wolfsburger in Frankfurt gewinnen, und der heimstarke HSV, der nur nicht an Fürth, Augsburg und Freiburg denken darf, gegen die nicht ganz so schlechten Leverkusener gewinnt. Das ist ja nicht unmöglich, das wäre ja nicht einmal in der Nähe eines Fußball-Wunders. „Wir haben jetzt viel zu gewinnen und überhaupt nichts zu verlieren. Und vielleicht sind wir in der Jägerrolle besser“, sagte Thorsten Fink auch noch, und ich würde ihm sagen: „Natürlich. Natürlich und absolut liegt dem HSV die Jägerrolle, ganz klar. Eindeutig. Die andere Art von Fußball, nämlich von oben herab spielen, das lag dem HSV ja zuletzt nicht so . . .“

Obwohl – Sinsheim hat ja eigentlich gezeigt, dass der HSV auch von oben herab . . . Mit einer, das ist nun kein Spaß, mit einer erstklassigen Leistung, mit einem konzentrierten und disziplinierten Spiel. Und diesmal hatte ich das Gefühl, dass da eine Mannschaft versucht, das Unmögliche doch noch wahr werden zu lassen. A wurde sich gegenseitig geholfen und motiviert, sodass ich mir gedacht habe: „Menschenskinder, und jetzt, wo sie es halbwegs kapiert haben, da ist die Saison zu Ende. Ein Jammer das.“ Immerhin sagte Thorsten Fink in einem ersten und ganz kurzen Resümee: “Die Saison war und ist jetzt schon mal gut, denn in der letzten Saison wären wir fast abgesteigen, und nun stehen wir auf dem siebten Tabellenplatz – udn wir können nun am letzten Spieltag noch den Sprung nach Europa schaffen.” Das ist doch was! Aber genau. Ich sage dazu schon einmal vorab: “Herzlichen Glückwunsch, Thorsten Fink, gut gemacht.”

Aber – was lehrt uns nun dieser 4:1-Sieg? Ein Wort rückte sich in mir während des Spiels gegen Hoffenheim stets zurecht: punktuell. Carl-Edgar Jarchow, der total verärgerte HSV-Chef (weil der NDR die Sache mit den 24 Mios als kleines Minus rausgehauen hat!), hat ja in der vergangenen Woche gesagt, dass es „keinen Schnitt“ geben wird (beim HSV), sondern dass man sich „punktuell“ verstärken wird. Und das wird genügen. Behaupte ich mal. Kemer Demirbay und Hakan Calhanoglu sind schon da, und wenn nun noch ein „ordentlicher“ Innenverteidiger (vom Typ „Kante“) käme, und ein Brecher wie zum Beispiel St. Paulis Torjäger Daniel Ginczek, dann wäre das schon okay. Natürlich, ich höre und lese es schon, natürlich, da liegt ihr ja nicht so falsch, natürlich könnten auch Rooney, Messi und Ronaldo passen, aber ob man an diese Jungs so billig rankommt? Da habe ich doch meine Zweifel. Leichte, aber sie sind doch schon da. Und noch einmal zu Ginczek. Mein neben mir sitzender Kollege sagte heute während des Spiels neben dem Dom-Platz: „Wenn der HSV nicht geschlafen, sondern den Zambrano und den Kruse im Sommer 2012 mit der U- und der S-Bahn geholt hätte, dann gäbe es heute gar keine Frage mehr, ob sich der HSV noch für Europa . . .“
Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute ist so nah?
Und der HSV sucht doch einen Brecher. 17 Tore in der Zweiten Liga sind ja auch nicht ganz so schlecht, die muss man mal erst machen.

Kurz noch einmal zu Carl-Edgar Jarchow. Der Boss freute sich nach dem 4:1-Erfolg und sagte: „Jetzt haben wir ein kleines Finale. Nach dem Verlauf der vergangenen Wochen habe ich das nicht mehr erwartet.“ Der FDP-Politiker glaubt auch, so meldete es die Agentur, dass die Wirtschaftsbilanz zum Saisonende nicht so verheerend wie befürchtet ausfallen werde. Wobei zu diesem Thema immer wieder auch aus der Mitgliedschaft zu hören ist, dass das stimmen mag (und kann). Nämlich dann, wenn der Vertrag mit dem Vermarkter Sportfive doch verlängert wird. Dann steht eine Summe von elf Millionen Euro für den HSV im Raum – und die würde dann ja schnell mal helfen (und etwas ausgleichen) können. Mal abwarten, in welche Richtung sich das alles so bewegen wird. Obwohl, wenn ich so ganz genau nachdenke, dann ist mir so, als hätte ich vor ein, zwei oder drei Jahren gehört, dass der HSV sich künftig selbst vermarkten wolle – und auf Sportfive verzichten wollte. Das hat mir vor langer, langer Zeit schon mal der eine oder andere Offizielle ganz inoffiziell gesagt, aber man kann seine Meinung natürlich auch mal ändern. Keine Frage. Alles legitim. Wenn es zum Wohle es HSV ist.

Zurück nach Sinsheim. In Gedanken. “Wenn wir jetzt doch noch den europäischen Startplatz erreichen sollten, dann interessiert niemanden, ob wir zwischendurch mal schlecht gespielt haben, on es zwischendurch mal ein Auf und Ab oder ob es Höhen und Tiefen gegeben hat. Dann sind wir einfach da”, sagte Nationaltorwart Rene Adler. „Das lief richtig gut.“, sagte Marcell Jansen und dachte (bei Liga total) schon mal sieben Tage weiter: „Es liegt jetzt nicht mehr in unserer Hand, aber wir werden versuchen, das Heimspiel gegen Leverkusen zu gewinnen. Wolfsburg ist im Moment auch gut drauf und sie wollen sicher in Frankfurt gewinnen. Wir werden sehen, was sich der liebe Fußballgott für uns ausgedacht hat . . .“ Aber genau. Und Rafael van der Vaart befand bei „Liga total“: „Die Ergebnisse waren diesmal gut für uns. Wir mussten gewinnen – es wird noch spannend am letzten Spieltag. Hoffentlich gewinnen wir wieder – und die anderen nicht.“ Wie gesagt (und geschrieben): Die Hoffnung stirbt am letzten Spieltag.

Wobei zum Hoffenheim-Ausflug des HSV auch noch eines bemerkt werden darf: Markus Gisdol, der junge und erstliga-unerfahrene TSG-Trainer, war dem HSV schon auch ein bisschen sehr entgegengekommen. Ich dachte so während des Spiels an Joachim „Jogi“ Löw, der während der letzten EM ja auch – vor dem Italien-Spiel – gedacht hat, dass er schon so weit ist, dass er mit der ganzen Fußball-Welt spielen könne. Und heute dachte ich während der Partie St. Pauli – Eintracht Braunschweig an den BTS-Coach Lieberknecht, der ja auch nur, als Dank (denke ich) an seine Aufstiegs-Reservisten, die etwas verbesserte B-Mannschaft auf das Millerntor geschickt hatte. Glückes Geschick. Gisdol, der Hoffenheimer, hatte wohl nach den jüngsten Erfolgen unter seiner Regie gedacht, dass die Bundesliga an sich ein ganz einfaches Geschäft sei. Er baute auf den unerfahrenen Stefan Thesker, der hinten verteidigte (für US-Nationalspieler Fabian Johnson), und er baute in der Innenverteidigung auf den erst 17 Jahre alten Niklas Süle, der bei seinem Erstliga-Debüt den gesperrten Vestergaard. Vertrat. Beide TSG-Youngster aber stürzten (ihre Mannschaft) von einer Verlegenheit in die nächste. Jetzt werden sie in Sinsheim wohl wissen, dass Bundesliga doch nicht ganz so leicht ist.

Dabei fällt mir just ein, wie wohl Paul Scharner jetzt darüber denkt. Über die Bundesliga. Der Österreicher. Der ja nur vom HSV auf die Insel ausgeliehen wurde. Scharner hat es nun allen Hamburgern bewiesen, dass man auch mit der Raute (im Herzen) einen Pott gewinnen kann. Keinen ganz so unwichtigen. Den englischen FA-Cup, der immerhin im Wembleystadion ausgespielt wird. Scharner spielte mit Abstiegskandidat Wigan gegen das große Manchester City und gewann 1:0. Und damit den Pokal. Sensationell. Wobei City ja mit keiner „Gurkentruppe“ spielte, sondern mit: Hart – Zabaleta, Kompany, Nastasic, Clichy – Barry, Yaya Touré – Nasri, Tevez, Silva – Aguero. Der in Dortmund gehandelte Edin Dzeko wurde in der 90. (+ 1) erst eingewechselt – da hatte Watson gerade für das einzige Tor des Tages gesorgt. Übrigens spielte Scharner in der Dreierkette von Wigan, hinten zentral. Und die Null stand hinten.
Ich meine ja nur. Weil der HSV doch einen Innenverteidiger sucht.

PS: Die Regionalliga-Mannschaft des HSV hat gegen Spitzenreiter Holstein Kiel ein achtbares 0:0 erzielt und damit einen kostbaren Punkt gewonnen. Glückwunsch. Und wenn die Agentur es richtig berichtet (oder es der „Matz-abber“ „Wortspieler“ vielleicht doch besser weiß), dann hat die A-Jugend des HSV im letzten Spiel der Saison beim Tabellenvorletzten Chemnitzer FC mit 1:4 verloren, steht aber zum Saisonende auf dem zehnten Tabellenplatz.

PSPS: In eigener Sache. Hier steht am Tag nach dem HSV-Spiel . . .
Diese Passage habe ich am Montag gelöscht, denn “Matz ab live” steht nun drin. Vielen Dank an die Techniker, die daran Tag und Nacht gearbeitet haben.
Holger Hieronymus (HSV-Profi, -Sportchef und – Trainer, Europapokal-Gewinner 1983, Nationalspieler und DFL-Geschäftsführer) war unser ganz besonderen Gast – es lohnt sich, dieses Interview noch einmal anzusehen.

Übrigens gab es diesmal eine große Anzahl von Fragen, die uns per Mail geschickt wurden, die aber während der Sendung nicht alle beantwortet werden konnten. Deshalb hier noch einige Ergänzungen, die gleich kommen werden. Eines muss ich aber im Namen von Holger Hieronymus noch sagen, weil es ja sofort viele Sepkulationen und Vermutungen um seine Person gegeben hatte. Der ehemalige Nationalspieler sagte mir: “Um Missverständnissen vorzubeugen, ich werde zu 100 Prozent nie wieder HSV-Sportchef und ich werde auch nicht in den Aufsichtsrat gehen, nicht wechseln und auch nicht wählen lassen. Das ist hundertprozentig. Bevor mir unterstellt wird, dass ich mich mit dieser Sendung bei ‘Matz ab’ ganz einfach mal so positionieren wollte. Das war zu 100 Prozent nicht der Fall.” Letzteres kann und muss ich bestätigen, “HH” sollte schon lange mal unser Matz-ab-Gast sein, wenn er sich damit und dadurch hätte positionieren wollen, hätte er es schon vor Monaten tun können.

Holger Hiernoymus zu der Frage eines “Matz-abbers”, ob der HSV an Frank Arnesen als Sportchef und an Thorsten Fink als Trainer festhalten sollte: “Das ist eine wirklich schwere Frage, denn ich kann nicht beurteilen, wie man beide miteinander arbeiten. Das kann man auch nicht nur daran festmachen, welche Ergebnisse man an den Wochenenden sieht. Zur Arbeit von Sportchef und Trainer gehören auch Dinge, die kein Außenstehender sieht und beurtelen kann. Arnesen muss zum Beispiel Kontakte pflegen und halten, mit der Blickrichtung auf neue Spieler, Spielerberater. Genau so ist es auch bei Thorsten Fink, der hat Aufgaben, die ein Fan oder Außenstehender nicht sieht und deswegen auch nicht beurteilen kann.”

Holger Hiernoymus zu der Frage eines “Matz-abbers”, ob die HSV-Statuten nicht 60 000 Mitglieder entmündigen, denn es gibt keine Briefwahl: “Ich bin nicht für die Briefwahl. Ganz klar. Und wenn dann gesagt wird, wir können nicht zur Mitgliederversammlung kommen, dann frage ich: Was treibt eigentlich Menschen in einen Verein, wenn er nicht zweimal im Jahr zur Mitgliederversammlung kommen kann? Bei der Versammlung werden nun einmal wichtige und maßgebliche Maßnahmen für den Club getroffen, und das wird über Wochen und ganz genau vorbereitet – so etwas kann man auf dem Postwege nicht erledigen.”

Holger Hiernoymus zu der Frage eines “Matz-abbers”, ob die Philosophie beim HSV schon über Jahre fehlt (außer Sparen und Platz zehn als Vorgabe): “Man muss die Zeile, die man sich steckt, ja auch erreichen können. Es macht ja keinen Sinn zu sagen, dass man sich die Ziele einfach mal ein bisschen höher stecken sollte. Nach dem Motto: ‘Diese Ziele können wir zwar nicht erreichen, aber wir stecken sie trotzdem mal hoch.’ Das bringt in meinen Augen nichts.”

Dann kamen noch weltbewegende Fragen wie diese eine: “War das Steak durch oder medium?” Dazu sei noch kurz angemerkt: Niemand von uns, auch Holger Hierinymus nicht, hat an diesem Tage, also an diesem 11. Mai 2013, ein so herrliches Block-House-Steak gegessen. Leider. Dabei liebe ich es so sehr, es gibt nichts Besseres! Aber wir waren alle noch zu satt vom Mittagessen (im Hause). Auf die nun dazu aufkommenden neuen Fragen möchte ich jedem zugestehen: “Jawoll, ich bin zu blöd.” Daqs gilt für mich, für die anderen Mitstreiter möchte ich das lieber nicht sagen. Obwohl auch sie nichts gegessen hatten . . .

Bei der Gelegenheit: An diesem Montag wird im Volkspark nicht trainiert.

17.59 Uhr

Westermann wird wohl spielen können

9. März 2013

Thorsten Fink ging zu Boden, verlor die Mütze vom Kopf – aber die Flanke brachte er noch zur Mitte. Aber nicht vor das Tor, sondern hinter den von Jaroslav Drobny gehüteten Kasten. Und schon lief der Gegenzug – der zum Tor führte. Heung Min Son war es, der das 5:4 markierte, das Siegtor für „Grün“. So geschehen heute beim Abschlussspielchen. Die letzte Szene der Partie, dann ging es in Richtung Kabine. Und da keine Zuschauer dabei waren, erlaubte ich mir einen Scherz. Neben mir standen die Kollegen von Bild und der Mopo (und „Papa“ Son im Hintergrund), und ich rief dem Trainer zu: „Der Fehler begann hier vorne rechts . . .“ Und da Fink ja Humor hat, blickte er zurück und hob den Daumen. Das sollte wohl Zustimmung signalisieren. Ein, zwei Minuten später, als der Coach in Richtung Kabine ging, sagte er dann: „Nicht dass es heißt, dass ein Fehlpass von Fink zur Niederlage geführt hat . . .“ Nein, Trainer, niemals. Und überhaupt, es war ja nur ein Scherz, dass der Fehler vorne rechts begonnen hatte. Wirklich nur ein Scherz.

Den man zum Glück ja mit Thorsten Fink machen darf. Da gab es schon andere HSV-Trainer, denen man mit einem solchen Zuruf nicht kommen durfte. Bei Willi Reimann zum Beispiel bin ich gleich zweimal vom Platz geflogen. Ernsthaft. Einmal deshalb, weil ich einen Ball zurückgeschossen hatte – genau in die Torschussübungen hinein. Das war natürlich auch ein Fauxpas. Und dann auch, weil wir (Journalisten) einmal zu laut lachte, als Stefan Schnoor von links flanken sollte, aber auch der 38. Versuch nicht in die Luft steigen wollte. Der Ball natürlich. Ich habe wohl am lautesten gelacht, ich musste deshalb gehen. Irgendwie auch verständlich, dieses Lachen war ja auch eher kontraproduktiv . . .

Und bei Thorsten Fink konnte ich deshalb nicht „fliegen“, weil er, wie geschrieben, erstens Humor hat, und weil ich zweitens außerhalb der Platzanlage stand. Übrigens, wer es noch nicht weiß: Der grüne Sichtschutz ist wieder verschwunden. Ob das aber auf Dauer gilt, wage ich zu bezweifeln, wie ich erfuhr, wird an einem neuen „gebastelt“. Der soll dann mit Werbung (Adidas) versehen werden. Schaun mer mal. Gegen den alten Sichtschutz hatten diverse Fans ja auch schon einige „Attentate“ verübt – das Grün war verbrannt worden und hatte wohl auch schon zu viele Löcher.

So, zurück zum Abschlusstraining. Die wichtigste Nachricht zuerst: Heiko Westermann hat bis zum Ende durchgehalten. Der Kapitän war lange vor den Kollegen mit Reha-Trainer Markus Günther auf dem Platz, um sich richtig warm zu machen. In der rechten Waden schmerzt ja nach wie vor ein Bluterguss. Westermann machte aber alles tapfer mit, obwohl er später zugab: „Schmerzfrei bin ich noch nicht. Aber ich habe heute auch keine Schmerztablette genommen . . .“ Diese Option hätte er ja morgen noch, wenn um 17.30 Uhr die Partie beim VfB Stuttgart angestoßen wird. Ich gehe mal davon aus, dass der Innenverteidiger dabei sein kann, er hat heute mit links und rechts geschossen – den weitesten Schuss allerdings mit links: Nach einem Gegentor drosch Westermann den Ball aus Wut und laut fluchend über den Zaun – so um 30, 40 Meter in die Botanik.

Während ich nun sage, dass ich Westermann morgen spielen sehe, bleibt Thorsten Fink noch skeptisch: „Das war ja heute kein hartes Training, man muss mal abwarten, wie sich die Beschwerden bis morgen entwickeln. Eines ist klar: Heiko wird nicht spielen, wenn er nicht bei 100 Prozent ist. 70 oder 80 Prozent sind zu wenig, dieses Risiko gehe ich nicht ein.“ Verständlich. Auch wenn Thorsten Fink den Kapitän natürlich viel lieber an Bord hätte. Ich auch, denn die Mannschaft dürfte seinen Verlust nicht so mir nichts dir nichts verkraften. Auch wenn das einige HSV-Fans (?) anders sehen – was mir immer total weh tut, das muss ich schon zugeben. Und auch heute, die diesem ja eigentlich belanglosen Trainingsspielchen, war Heiko Westermann hundertprozentig bei der Sache, er wollte dieses „Ding“ nicht verlieren. Hat er letztlich auch nicht, denn seine „Grünen“ gewannen ja 5:4 – trotz eines Eigentores von Slobodan Rajkovic.

Kurz noch einen ganz anderen Abstecher in Sachen Innenverteidiger: Bevor die Bundesliga begann, sah ich im FA-Cup die Viertelfinal-Partie Everton gegen Wigan. Der krasse Außenseiter Wigan gewann fast sensationell 3:0 – mit dem „HSVer“ Paul Scharner. Der Österreicher trug die Rückennummer 33, spielte mit Handschuhen – und bot eine gute Leistung. So jedenfalls hat er beim HSV in seinen Einsätzen nicht gespielt, aber er saß ja auch meistens nur auf der Tribüne. Entweder verletzt oder gesperrt.

Zurück in den Volkspark: Aus den Aufstellungen war allerdings nicht erkennbar, wie Fink morgen im Ländle spielen lassen will. Bei „Grün“ stand Drobny im Tor, davor spielten Dennis Diekmeier, Westermann, Rajkovic, Petr Jiracek, Tomas Rincon, Maximilian Beister, Son und Co-Trainer Heinemann. Das erste Tor für diese Formation erzielte übrigens Diekmeier. Ein gutes Omen? Oh, da hätte ich noch etwas, das passt zu diesem Thema: Es schneite ja unaufhörlich, aber von den drei Trainingsplätzen waren zwei grün – dank der Rasenheizung. Da es aber dunkel war, wurde das Flutlicht eingeschaltet. Und bitterkalt war es. Richtig schön kalt – durch den Ostwind. So kalt, dass Dennis Aogo eine lange Trainingshose trug. Meistens, zu 98 Prozent, würde ich mal sagen, versucht sich Aogo mit kurzer Hose, aber heute nicht. Und beim Gang in die Kabine sprach ich ihn darauf an. Und seine Antwort: „Vor dem Werder-Spiel Ende Januar trug ich auch lang, und dann habe ich mein erstes Bundesliga-Tor für den HSV erzielt . . .“ Dann lief er die Treppen hoch und schrie seine Hoffnung und auch seine Entschlossenheit in Richtung menschenleeres Stadion: „Und morgen mache ich mein zweites . . .“
Ich hätte nichts dagegen. Wirklich nicht – hau rein, Dennis!
Gilt auch für Diekmeier.
Obwohl ich auch, und zwar schon seit Tagen, ein sehr gutes Tor-Gefühl bei (und für) Rafael van der Vaart habe. Warum auch immer, aber ich glaube, dass er morgen treffen wird.

Überrascht war ich, wie Jaroslav Drobny trainierte. Nämlich ohne jede Einschränkung. Er schoss gelegentlich (gemeinsam mit Torwart-Trainer Ronny Teuber) auf das Tor von Rene Adler, und da ist irgendwie dann doch ein medizinisches Wunder. Drobny soll doch etwas in der Wade gerissen sein . . . Komisch. Diese dubiose Verletzung. Auf jeden Fall trainierte der Tscheche ohne jegliches Anzeichen von einem Schmerz.

Bleibt nur die Frage, wie der HSV morgen in Stuttgart spielen wird? Ich tippe mal auf folgende Mannschaft:

Adler; Diekmeier, Westermann, Rajokovic, Jansen; Rincon, Badelj; Skjelbred, Aogo; van der Vaart; Rudnevs. Letzterer machte auch mich auch heute nicht den Eindruck, als würde er sich zurzeit in Bestform befinden, aber das kann er ja morgen doch etwas korrigieren. Der „gute Rudi“ hatte auf jeden Fall heute noch eine Schrecksekunde zu überstehen, denn er wurde von Co-Trainer Heinemann von den Beinen geholt. Das tat weh. Aber als Heinemann den Schopf des Letten tätschelte, da ging es nach einem kurzen Humpeln dann doch weiter.

Offen sind bis zum Anpfiff noch zwei Personalien beim HSV:
Wer ist der zweite Innenverteidiger neben Westermann? Ich tendiere zu Rajkovic, der heute ja auch in der zusammengewürfelten Mannschaft neben dem Kapitän verteidigte. Und so wirklich für einen Einsatz aufgedrängt hat sich Jeffrey Bruma heute auch wieder nicht, obwohl er keinen großen Fehler beging. Ich bin aber immer noch und immer wieder davon überzeugt, dass Bruma mehr könnte – bei etwas mehr Engagement. Aber jeder so, wie er es will . . .

Und dann die Sache mit dem Angriff. Nur Rudnevs – und dahinter der lauernde Rafael van der Vaart? Ich denke, dass es so kommen wird, aber Fink ließ sich das noch offen. Der Trainer hat noch eine Alternative im Kopf: Auf der Sechs nur Tomas Rincon, Milan Badelj nur Ersatz – und vorne das bewährte Duo Rudnevs/Son. Denn Fink sagte: „Son hat heute sehr gut trainiert.“ Stimmt. Er wirkte im Schnee quirlig, schnell – und treffsicher. Aber er könnte eventuell ja auch noch als Joker kommen. Und wo ich gerade bei Lob bin: Gojko Kacar hat mir auch heute wieder gefallen. Er ist ja aber auch im Kader. Wenn auch nicht mit so großen Einsatzchancen, da müsste schon sehr viel passieren.

Noch einmal zurück zum (fehlenden) Sichtschutz. Wir diskutierten darüber heute auch mit HSV-Medien-Direktor Jörn Wolf. Erschlug in jene Kerbe, in die auch in der Woche schon Werder-Trainer Thomas Schaaf geschlagen hatte: „Man kann ja nichts unbeobachtet machen. Keine Standards trainieren, keine Aufstellung verheimlichen. Immer sind die Fans und die Journalisten dabei. Ich kann alle Trainer verstehen, wenn sie sich darüber beklagen . . .“ Ich auch irgendwie. Aber wie soll das Problem gelöst werden?

Die Nationalmannschaft trainiert ja schon seit Jahren (gelegentlich) unter Ausschluss der Öffentlichkeit, aber dieser Trend hat sich in der Bundesliga noch nicht so richtig durchgesetzt. Obwohl der DFB, wenn er etwas vorgibt oder vorlebt, ansonsten immer „erhört“ wird. Ich denke, dass sich in der neuen Saison etwas beim FC Bayern tun wird, denn dort hat der neue Trainer Pep Guardiola schon angekündigt, dass er das öffentliche Training nicht so sonderlich liebt. Und auch die Einzelgespräche mit Journalisten, aber das ist noch ein anderes Thema. In England wird schon lange ohne Fans trainiert, und in Italien – so glaube ich – auch. Ich war einst, 1990, nach dem Wechsel von Thomas Doll vom HSV zu Lazio Rom, beim Training der Römer (damals unter dem großen Dino Zoff), hätte aber nie Zutritt zum Trainingsgelände erhalten, wenn ich mich nicht vorher für das Training (!) hätte akkreditieren lassen. Ich kam dann rauf auf das Lazio-Gelände, aber durfte nur von einem ganz kleinen Haus (mit nur zwei kleinen Fenstern) aus zusehen – mit den italienischen Kollegen. Und von diesem Haus war dann auch nicht alles zu sehen. Wenn Zoff wollte, trainierte er „um die Ecke“ – und wir machten Nase.
Ich glaube ja, dass das demnächst auch in Deutschland so sein wird. Ich will da nichts beschreien, aber der Trend geht zum Ausschluss. Von allen. Deswegen mein Rat an alle Fans (und die Kollegen): genießt noch diese paradiesischen Zustände, sie werden bald der Vergangenheit angehören.

Aber zunächst mal ist Bundesliga-Alltag. Und beim Spiel in Stuttgart können alle dabei sein, die wollen, die Partie ist noch nicht ausverkauft.

Und wer nicht ins Stadion geht (gehen kann), der wird eventuell vor dem Fernseher sitzen. Und hinterher vor dem Computer – wenn „Matz ab live“ erstmalig aus unserer „neuen Heimat“, dem Block House Eidelstedt, gesendet wird. „Scholle“ und ich haben dann Hamburg seine Perle zu Gast, nämlich Lotto King Karl, und das ehemalige Aufsichtsratsmitglied Frank „Macke“ Mackerodt. Ich freue mich darauf – und freue mich auch, wenn ihr wieder zusehen werdet. Wobei ich gerade in der nun abgelaufenen Woche drei HSV-Fans aus dem Süden der Republik getroffen habe, die uns für das „Matz ab live“ sehr gelobt haben. Danke dafür. Ich kann mich erinnern, als wir im August 2009 mit „Matz ab“ starteten, dass viele HSV-Fans darum baten, eine HSV-Talkrunde einzuführen. Weil beim „Doppelpass“ von Sport 1 ja meistens und zu viel über den FC Bayern gesprochen wird. Nun haben wir diese Runde – sogar nach jedem Spiel, und deswegen würden wir uns freuen, wenn dieses „Ding“ immer mehr Beachtung finden würde.

Ein schönes Wochenende für euch – und ein erfolgreiches Wochenende für den HSV. Wobei die Regionalliga-Truppe von Rodolfo Cardoso heute schon gespielt und wieder einmal verspielt hat. 1:3-Heimniederlage gegen Cloppenburg. Das ist schon tragisch. Der HSV II steht nun sogar auf einem direkten Abstiegsplatz, weil der SC Victoria gegen Neumünster gewonnen hat. In Neumünster hatte zuletzt der HSV II verloren . . .
Aber wäre es wirklich so dramatisch, wenn die Zweite des HSV absteigen würde? Ich kann das nicht wirklich sehen. Aber vielleicht habt ihr da ja die besseren Argumente.

17.31 Uhr

Ein HSV-Tag zum Einrahmen!

10. Februar 2013

„Aufwachen ist der erste Schritt, seine Träume wahr zu machen.“
Hat einst die amerikanische Schauspielerin Diane Keaton gesagt. Schön gesagt. Und so treffend. Es blieb auf jeden Fall der Nachwelt erhalten, und genau dieser Spruch prangte auf dem Blatt des 9. Februars des (begehrten) Springer-Kalenders. Als ich das morgens beim Frühstück las, da keimte dann doch ein wenig Hoffnung auf. Sollte in Dortmund doch etwas gehen? Und dann wachte der HSV tatsächlich auf, und es wurde dieser 9. Februar ein so wunderbarer Tag. Auch wenn das Dortmunds Trainer Jürgen Klopp nach der 1:4-Heimpüleite natürlich völlig anders sah, denn er sprach von einem „Scheiß-Tag“, den niemand braucht. Einspruch, Euer Ehren, ich brauchte den. Darauf haben wir, genau auf einen solchen Tag, doch schon seit Jahren gewartet. Ich kann nur hoffen, dass HSV-Trainer Thorsten Fink sein kleine Geheimnis jetzt für immer in der Tasche behalten wird: den Glücks-Cent. Ihr erinnert euch? Am Freitag, nach dem Abschlusstraining, fand der Coach, kurz bevor er die Treppen in Richtung Kabine betrat, diesen Cent. Er hob ihn auf, bevor es ein anderer machen konnte, und sagte: „Der bringt Glück.“ Tat er tatsächlich. 4:1 in Dortmund ist ein Traum! Jetzt sollte mit diesem glitzernden Cent eine Sieges-Serie gestartet werden. Und dazu muss die Mannschaft nun auch stets hellwach bleiben – aufgewacht ist sie ja jetzt schon.


Am Tag danach war trainingsfrei. Das hatten sich die Helden auch verdient. Umso erstaunlicher, dass der Doppelpack-Torschütze Son an diesem Sonntag um 14 Uhr einen Fitness-Club in Eppendorf betrat, um dort nach allen Regeln der Kunst kräftig zu arbeiten. Wer rastet der rostet, und von nichts kommt nichts. Zur Nachahmung empfohlen. Auch wenn Per Ciljan Skjelbred nach dem grandiosen Erfolg im Westen ganz nüchtern festgestellt hatte: „Wenn man 4:1 gegen Dortmund gewinnt, dann hat man vieles richtig gemacht.“ So ist es. Und Marcell Jansen dachte schon an die nächsten Aufgaben: „Wir haben gezeigt, dass wir als Mannschaft funktionieren, dieser Sieg war so wichtig für uns.“ Unheimlich wichtig. Denn mit diesem Dreier, auch mit diesem Spiel, hat sich der HSV zurückgemeldet und sich wieder einmal Respekt erspielt. Das war ein HSV-Tag zum Einrahmen.

„Wir haben diesen 4:1-Erfolg gefeiert wie eine Meisterschaft, wir waren an diesem Tag die bessere Mannschaft“, meinte Rafael van der Vaart. Und Dennis Aogo befand: „Dass wir gewonnen haben, das ist kaum zu glauben, weil der BVB normalerweise zu Hause eine Macht ist. Das sollte uns Auftrieb geben.“ Natürlich. Heung Min Son stammelte auch weit nach dem Schlusspfiff immer wieder: „Das ist ein Traum. Ich kann es nicht glauben, ich kann es nicht glauben . . .“ Und dazu gehört wahrscheinlich auch die Tatsache, dass der HSV den Meister gleich zweimal in einer Saison besiegt hat. Thorsten Fink gab zu: „Mit diesem Sieg konnte keiner rechnen – nach der Heimniederlage gegen Frankfurt. Ich habe den Jungs aber gesagt, sie sollen nach vorn spielen. Das ist ein Teil meiner Philosophie, so stelle ich mir Fußball vor: Freude am Spiel zu haben und mutig nach vorn. Diesmal haben wir von Beginn an mutig gespielt.“

Europapokal, Europapokal, Eu-ro-pa-pokal . . . Platz fünf am Sonnabend sah doch schon mal super aus. Und träumen, das hat Armin Veh (der Eintracht-Trainer) im ZDF-Sportstudio gesagt, träumen ist erlaubt. Sonst macht das ganz Leben ja keinen Spaß.

Dortmunds Coach Jürgen Klopp, die sonstige Frohnatur, war natürlich bedient: „Das ist nicht leicht zu erklären. Das Spiel hat so viele Geschichten geschrieben. Ich habe nach dem Schlusspfiff gemerkt, das Leben geht weiter und endet nicht mit so einem Dreck. Leider gehören solche Scheißtage zum Leben eines Fußballers dazu. Das war für uns ein gebrauchter Tag gegen einen starken HSV.“ Und noch ein Lob in Richtung Hamburg hatte „Kloppo“ parat: „Das 2:1 war ein Weltklassetor von Son.“

Ja, der HSV-Angriff. Wer hätte das zu Beginn der Saison gedacht, dass Artjoms Rudnevs und Heung Min So mal das Prunkstück des HSV werden? Beide haben jetzt zusammen 19 der 26 HSV-Tore erzielt. Rudnevs zehn, Son, neun. Und mal unabhängig von diesen Treffern – wie sich beide bemühen, wie sich beide voll reinhängen, wie sie beide spielen und Torgefahr ausstrahlen, das ist schon klasse. Und wenn man Rudnevs immer daran festmacht, dass er ein „Grob-Techniker“ sei, dann konnte und kann das nicht für die Partie in Dortmund gelten. Da hatte der Lette nämlich auch viele gute und erstaunliche Szenen am Ball. Das Einzel- oder Sonder-Training macht sich bezahlt, keine Frage.

Natürlich kam dem HSV entgegen, dass BVB-Torjäger Robert Lewandowski in der 24. Minute (nach einem bösen Foul an Per Ciljan Skjelbred) vom Platz gestellt worden war. Eine völlig richtige Entscheidung. Schiedsrichter Manuel Gräfe (Berlin) hat ohnehin in diesem Spiel eine ganz starke Leistung gezeigt, hat sich auch von den 80 645 Zuschauern nie beeindrucken lassen und seine Linie konsequent beibehalten. Dass Rafael van der Vaart dem Unparteiischen eine kleine Nachhilfe-Minute in Sachen Platzverweis gegeben hat – Schwamm drüber. Das war aber in meinen Augen überflüssig. Auch wenn der Niederländer eine Befürchtung hatte: „Der Schiedsrichter wollte keine Rote geben. Da habe ich ein wenig Theater gemacht.“ Wie der „kleine Engel“ bemerkt haben will, dass Gräfe kein Rot ziehen wollte, bleibt mir schleierhaft, denn der HSV-Star lief ja sofort und total aufgebracht auf Lewandowski zu, um dem Polen schnell mal die Meinung zu „geigen“. Wie hat der gute „Raffa“ dabei noch den Schiedsrichter im Auge gehabt? Na gut, es muss ja ohnehin immer für alles im Fußball eine Erklärung geben, sonst sind wir wohl nicht zufrieden . . .

Dass van der Vaart nur wenige Minuten später vor der mit BVB-Fans („die Wand“) besetzten Südtribüne von einem Gegenstand am Körper getroffen wurde, wollte van der Vaart nach dem Schlusspfiff nicht an die große Glocke hängen. Und auch schon während des Spiels zog er keine große Show ab. Das war absolut okay, das war fair und hochanständig, so verhält sich in der heutigen Zeit (und in einer so hitzigen Atmosphäre!) absolut nicht jeder Profi. Leider, leider.

Pech hat der HSV jetzt allerdings mit seinen Innenverteidigern. Michael Mancienne verletzt, Paul Scharner verliehen, Jeffrey Bruma (60.) vom Platz gestellt und nun gesperrt. Jetzt schlägt die Stunde von Slobodan Rajkovic und wohl auch die von Gojko Kacar. Beide werden nun ganz dringend benötigt – so schnell kann es gehen. Für beide Spieler hat es mich aber auch gefreut, dass sie bei diesem Sieg dabei sein konnten (und durften). Es war ohnehin ein großartiger Tag für den Gemeinschaftssinn des HSV, denn es haben sich in Dortmund ja alle von ihrer besten Seite gezeigt. Skjelbred zum Beispiel spielte hervorragend mit und gewann vor dem 3:1 ein ganz wichtiges Kopfballduell (!) am Dortmunder Strafraumeck, danach flankte dann van der Vaart auf den Kopf von Rudnevs. Und dann erst das 4:1. Eine grandiose Einzelleistung von Jansen, der sich erst den Ball an der Eckfahne energisch erkämpfte (Super-Einsatz!), dann Slalom lief und den Ball anschließend zur Mitte passte, wo Son zur Stelle war – 4:1.

Ja, Jansen, er hatte in Dortmund einen unglaublichen Schokoladen-Tag, endlich einmal wieder, und er hatte ja auch schon das 1:1 traumhaft vorbereitet, als er einen millimetergenauen Pass auf Aogo gespielt hatte, der den Ball zur Mitte gab – Tor Rudnevs. Und den Pass auf Son, als der das 2:1 machte, hatte Bruma gespielt – was auch höchst selten vorkommt, dass der Niederländer mal als „Vorlagengeber“ glänzt. Nein, diesmal passte wirklich alles, diesmal griff tatsächlich ein Rädchen in das nächste.

Zum Abschluss möchte ich mich noch einmal (und an dieser Stelle) kurz bei Thomas Doll und Torsten Walter bedanken, dass sie gestern im „Grand Elysee“ unsere Gäste bei „Matz ab live“ waren. Es ist ganz sicher keine Selbstverständlichkeit, dass da ein Publikumsliebling wie Doll aufläuft, wir (und ich) wissen das zu schätzen – es hat Spaß gemacht. Und wir waren hinterher erleichtert: Weder „Scholle“ noch ich haben auch nur ein einziges Mal „Dolli“ gesagt. Weil er ja auch Thomas Doll heißt.

So von einem „Altmeister“ zum nächsten „Altmeister“, ein älterer „Altmeister“ sogar, der aber auch ein ganz großes Stück HSV-Geschichte mitgeschrieben hat. Morgen, am Montag, ist der große Flügelflitzer Gert „Charly“ Dörfel in der Sendung Rasant zu Gast, der Live-Auftritt beginnt um 20.15 Uhr – natürlich bei „HH1“. Ein paar “Matz-abber”, so wurde mir geflüstert, sind als Zuschauer auch mit von der Partie.

PS: An diesem Montag wird im Volkspark nicht trainiert.

17.58 Uhr

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