Archiv für das Tag 'Scharner'

Labbadias Suche nach dem Geheimrezept – Absage an Halilovic

13. August 2015

Grübelt über die Marschroute: Bruno Labbadia

Grübelt über die Marschroute: Bruno Labbadia

Das erste Spiel der Liga steht an bei den Bayern. In mehr als 200 Ländern wird die Partie live übertragen. Der HSV hat sich durch einen deutlichen Kantersieg im Pokal in Jena Selbstvertrauen geholt. Unsicherheit nach zwei Jahren Relegation? Fehlanzeige! Vereins-Boss und Sportchef geben klare Zeichen vor. Die Stürmer haben sich in der Vorbereitung ordentlich warm geballert und 7000 Hamburger in der Allianz Arena freuen sich diebisch auf den Anpfiff.

So hätte es sein können – doch bis auf die ersten beiden Sätze steckt wenig Wahrheit drin. Kaum zu glauben, aber diesmal zittert die HSV-Gemeinde schon vor dem ersten Spiel.

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Von Versprechungen, Forderungen und Altmeistern

20. Juni 2015

So eine Fußball-Sommerpause ist einfach nur schrecklich. Jahr für Jahr wieder. Zumal dann, wenn sich der HSV wieder einmal traditionell Zeit lässt, Zeit lassen muss, um neue Spieler zu verpflichten. Auch Jahr für Jahr wieder. The same procedure as every year – im Sommer, nicht zum Jahreswechsel. Still ruht der See. Es tut sich nichts. Obwohl die Herren des HSV schön unterwegs sind, um sich nach Verstärkungen umzusehen. Sogar bei der U21-Europameisterschaft waren sie in Tschechien, obwohl die Talente dort wohl allesamt eine Preisklasse zu hoch sein dürften für den HSV. Aber warten wir es ab, mehr bleibt ja nicht. Obwohl die Ungeduld wächst. Bei vielen HSV-Fans. Und eventuell auch bei manchem Angestellten des Clubs. So las ich heute beim Einkaufen die Titelseite der „Bild“, und dort stand zu lesen: „Olic fordert neue Stars“. Da dachte ich so bei mir: „Wer nicht?“
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. . . der muss zum Dino nach Hamburg!

10. Juni 2015

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Erste DFB-Pokalrunde:
FC Carl-Zeiss Jena gegen den HSV
Barmbek-Uhlenhorst empfängt den Erstliga-Absteiger SC Freiburg
Bernd Hollerbachs Würzburger Kicker treffen auf Werder Bremen
und, so viel Zeit muss sein: St. Pauli gegen Borussia Mönchengladbach
gespielt wird am 7. oder 8. August

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Jansen trifft zweimal für das A-Team!

8. November 2014

„Wir gewinnen! 2:0 für’n HSV, logisch. Ja ist doch logisch. Wer gegen Bayern 0:0 spielt, gegen Dortmund 1:0 gewinnt und gegen Leverkusen auch, der gewinnt doch auch in Wolfsburg. Vor Wolfsburg müssen wir nun wirklich keine Angst haben.“ Sagt wer? Das sagte mir heute vor dem Abschlusstraining im Volkspark „Helm-Peter“. Der Mann („Tschuldigung, da muss ich kurz mal dazwischen grätschen“) mit dem Bart. Und mit dem Fahrrad. Peter war einer von ganz wenigen Kiebitzen, die an diesem wunderbar sonnigen Tag den Weg zum HSV gefunden hatten. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit wurde trainiert, aber ein bisschen sehen kann man ja immer. Und festgestellt wurde schnell, dass Tolgay Arslan nicht mit von der Partie ist. Der „Pferdekuss“, den er sich im Training eingefangen hat, ließ heute kein Training zu – und morgen auch keinen Einsatz in Wolfsburg.

 

Die Sendung beginnt um 17:30 Uhr.

 

Ebenfalls fehlen wird an diesem Sonntag der ehemalige Wolfsburger Petr Jiracek, der an einer Fußprellung leidet und heute nur mit Reha-Coach Markus Günther durch den Volkspark lief. Ansonsten alles an Bord (natürlich bis auf Rene Adler und Maximilian Beister). Also auch Valon Behrami, der das gesamte Programm ohne Einschränkung absolvieren konnte.
Es wurde heute leicht und locker trainiert, nach der Aufwärmphase wurden Spielzüge über die Außen-Positionen geübt, in der Mitte wurde die jeweilige Spitze angespielt, der Ball dann nach außen weitergeleitet, Flanke – Tor. So sollte es jedenfalls im Normalfall aussehen, sah es natürlich nicht immer. Ist ja klar.

 

Nach dieser Übung ging es auf jenen Platz, der schlecht einsehbar ist – da spielte dann die A-Elf gegen das B-Team. Dieses Match ging über zwei Halbzeiten und dauerte 20 Minuten, die Stamm-Formation gewann durch zwei Treffer von Marcell Jansen 2:0. Und nach dem Spielchen applaudierte Trainer Joe Zinnbauer seinen Mannen und sparte auch nicht mit Lob: „Das war gut, Jungs, das war gut, das sah gut aus.“ Hoffentlich ernten die HSV-Profis auch morgen so viel Beifall. Apropos: Den erntete heute Artjoms Rudnevs bei der ersten Übung, als er eine Flanke knallhart und technisch super verwandelte. Da klatschten und lobten viele Mitspieler den Letten. Beifall gab es dazu auch für Pierre-Michel Lasogga, der auch einige Male sehr schön verwandelte.

 

Um Rudnevs gab es später noch einige Sorgen, denn der Lette war von Johan Djourou gefoult und zu Boden befördert worden. „Rudi“ humpelte danach einige Sekunden länger, hielt dann aber bis zum Schluss tapfer durch – um dann doch mit einem leicht schmerzverzerrtem Gesicht in die Kabine zu humpeln. Mal sehen, wie sich diese Verletzung noch am Abend „entwickelt“; kommen die Muskeln zur Ruhe (und werden kälter), könnte das durchaus noch richtig schmerzhaft werden. Das sah wie bei einem „Pferdekuss“ aus.

 

Kurz noch einmal zu Rudnevs. Beim „Matz-ab“-Treffen vor einer Woche wurden wir ja (u. a.) gefragt, warum der gute „Rudi“ zuletzt zweimal nicht mal auf der Bank saß, also keine Berücksichtigung bei Trainer Joe Zinnbauer fand. Es soll so sein, dass Artjoms Rudnevs einfach nur schlechter als die Kollegen trainiert hat, dass er im Training große Abschlussschwächen offenbart hat, und dass er die Laufwege der Mannschaft noch nicht so „kapiert“ hat, wie die anderen Mitspieler. So langsam soll es „kommen“, heute allerdings war davon nicht allzu viel zu erkennen. Ich habe, das muss ich mal sagen, Rudnevs schon besser und effektiver gesehen und erlebt. Er könnte es sicher noch besser, als er es derzeit anbietet. Aber vielleicht wird es ja demnächst noch etwas – wo er doch so von seinen Fans über den Rasen getragen wird. Das muss doch mal auf fruchtbaren Boden fallen, diese Fan-Liebe.

 

Zum Abschluss des heutigen Trainings gab es dann „Feuer frei“. Es wurde nach Herzenslust geschossen, wer immer wollte, der durfte, und die drei Torhüter (Jaroslav Drobny, Alexander Brunst und Kevin Otremba) flogen nach allen Regeln der Torwart-Kunst, weil ihnen mitunter auch gleich zwei oder sogar drei Bälle um die Ohren sausten. Das sollte Spaß machen, und es machte allen offenbar viel Spaß. Da hatte jeder einmal oder auch mehrfach das Gefühl, es ja doch noch zu können. Wäre für morgen ja gar nicht so unwichtig, mal das eine oder andere Törchen zu erzielen. Bei bislang erst vier HSV-Buden . . .

 

Apropos vier Buden. So etwas wird es wohl nie wieder geben: Der HSV spielte am 3. März 2000 in Wolfsburg und „schaffte“ nach einem 4:1-Vorsprung nur ein 4:4. Das allein ist schon denkwürdig, aber dass es im selben Jahr, und zwar am 23. September, beim erneuten Aufeinandertreffen in der Autostadt erneut ein 4:4 gab, das ist für mich immer noch sensationell. Wie oft gibt es in der Bundesliga ein 4:4? Und dann gelingt dieses Resultat zweimal hintereinander. Das ist wie ein Sechser im Lotto. Und was würden die HSV-Fans dafür geben, wenn heutzutage mal wieder vier Tore für ihre Mannschaft fallen würden!

 

Nur mal so zur Erinnerung, weil es so schön war. Das erste 4:4 erreichte für den HSV folgende Spieler: Butt, Hoogma, Hertzsch, Panadic, Hollerbach, Kovac, Fischer, Cardoso (Ernst), Mahdavikia, Yeboah (Hashemian), Präger (Dembinski). Die Tore schossen Mahdavikia (zwei) und Cardoso (zwei). Das zweite 4:4 „erspielten“ folgende Herren: Butt, Fukal, Hoogma, Hertzsch, Hollerbach, Töfting (Sandmann), Kovac, Cardoso (Ketelaer), Mahdavikia, Barbarez, Präger (Kientz). Die HSV-Tore markierten Mahdavikia, Fukal, Cardoso und Präger, der heute ja wieder ein „Wolf“ ist. Trainer der ganzen Geschichte war Frank Pagelsdorf, der offenbar Gefallen an diesem Ergebnis hatte, denn zwischendurch gab es ja noch ein 4:4 – das legendäre gegen Juventus Turin (13. September).
Wie schön, ich muss es noch einmal sagen, wären mal wieder vier HSV-„Dinger“. Und wenn es morgen ein 4:4 geben sollte – auch damit könnte ich (jetzt noch) wunderbar leben.

 

Im Moment aber ist ja Tor-Armut angesagt. Was dann ja auch zu verkraften wäre, wenn es denn – wie in Dortmund und gegen Leverkusen – einen 1:0-Sieg geben würde. Oder auf jeden Fall keine Niederlage. Ich bin gespannt, wie sich die Mannschaft kämpferisch aus der Affäre ziehen wird. Ob sie sich wieder zu reinhängt, wie zuletzt gegen die Werks-Elf aus Leverkusen, oder ob sie „halblang“ macht – wie gegen die jetzt schwer kriselnden Berliner? Ich habe immer noch eine Aussage von
Rafael van der Vaart im Ohr, der nach dem Sieg gegen Bayer bei „Sky“ gesagt hat: „Es war nicht nur für mich persönlich eine Befreiung, sondern auch für die ganze Mannschaft. So zu kämpfen, war schon geil. Für uns war es wichtig, zu zeigen, dass wir hier die Chefs sind.“ In Wolfsburg sind sie morgen ganz sicher nicht die Chefs, aber kämpfen darf man auch als nur „kleiner Angestellter“. Denn sie alle, die „kleinen Angestellten“ haben eines gezeigt: das sie es können! Also, macht’s noch einmal, Jungs!

 

Der HSV wird morgen mit jener Formation antreten, die auch zuletzt gegen Leverkusen begann – und das ist ja auch etwas Besonderes. Zweimal in Folge mit demselben Team, das gab es lange nicht (wenn ich richtig erinnere) – und zwei Siege hintereinander erst recht nicht. Morgen würde sich mal wieder die Chance dazu bieten – also fangt damit an!

 

Von Erfolg zu Erfolg eilen derweil die Regionalliga-Spieler des HSV, die ihr schweres Auswärtsspiel am Freitag in Havelse mit 2:1 gewannen. Es ist ein unglaublicher Lauf, den diese Talente da hinlegen, 16 Spiele, 14 Siege, zwei Unentschieden zu Hause, 52:11 Tore, 44 Punkte! Sensationell! Die Tore an diesem Freitag schossen Matti Steinmann und Ahmet Arslan. Super, super, großartig – weiter so! Und herzliche Glückwünsche!

 

So, ich komme zum Quiz. Es ging um die hervorragenden Illustrierten unseres Kollegen Oliver Wurm, der mit jedem deutschen WM-Helden sprach und es zu Papier gebracht hat. „Olli“ wird dafür wahrscheinlich einen Preis gewinnen, er ist für eine größere Auszeichnung nominiert. Völlig berechtigt, ganz nebenbei. Diese drei Hefte sind wahrscheinlich schon bei ihren Gewinnern. Und da ich die Postkarten in der Redaktion gelassen habe, es heute aber aufklären will, versuche ich mich zu erinnern, wohin diese Illustrierten gingen: Einmal nach Hamburg, zu Herrn Joppe. Dann nach Hille (wo immer es auch liegt) zu Herrn, und den weiß ich nun wirklich nicht mehr genau, ich tippe auf Herrn Fendel. Wir aber auf jeden Fall noch nachgereicht, damit mir kein Schmu unterstellt wird. Und der dritte Gewinner ist Carsten Hahn aus Windbergen (weiß ich auch nicht, wo das liegt). Alle drei Gewinner sind mir nicht persönlich bekannt, aber diese drei Herren haben eines gemeinsam: Sie sind die einzigen Teilnehmer an diesem Quiz, die alle zwölf Namen richtig haben.

 

Zu erraten waren: Paul Scharner, Manfred Kaltz, Harry Bähre, Holger Hieronymus, Thomas Doll, Hermann Rieger, Uwe Seeler, Lotto King Karl, Sven Neuhaus, Horst Schnoor, Klaus Neisner und Hans-Jürgen „Dittschi“ Ripp.

 
Eine Sache muss ich in diesem Zusammenhang noch erwähnen. Es gab eine Mail, auf der auch einige richtige Namen standen – und ich finde, dieses „Werk“ sollte dann auch ruhig mal Erwähnung finden, auch wenn es nicht ganz richtig ist – aber immerhin zum Schmunzeln. Allerdings, das vergaß der Absender wohl, ohne Adresse. Also wenn er gewonnen hätte, dann hätte ihn dieses WM-Heft wohl kaum erreicht. Hier nun der Text dazu:
 

sorry, der nachfolgende text passtnicht auf eine postkarte…

Ein Gewinnspiel, ein Gewinnspiel:
Ich KALTZ im Kopf nicht aus.
Was BÄHRE „Matz ab” ohne ein Gewinnspiel.
Hoffentlich gewinnt nicht ein SCHARNERtan,
sondern ein Teilnehmer, der von Zero to “HIERO” aufsteigt.
Das wäre DOLL.
Es gibt ja mehrere Gewinner, aber die entscheidende Frage lautet:
Wer wird erster RIEGER beim Promi-Quiz…?
Es heißt zwar “Geben ist SEELER denn nehmen”,
aber Preise abstauben ist letztlich wie im “LODDO” zu gewinnen.
Davon kann man sich dann ein NEUHAUS bauen
oder aber die kleinen Wünsche des Alltags erfüllen.
Das ist wie beim Durchtrennen der Nabel-SCHNOOR –
ein echtes Glücksgefühl.
Man ist zudem beliebt wie die größten STARS,
die ja auch immer diese tollen “FUMMEL” tragen.

Mit sportlichen Grüßen
WORTSPIELER

 

So, am morgigen Sonntag gibt es nach dem Spiel wie immer die immer beliebter werdende (ich muss es einfach mal wieder loswerden) HSV-Talk-Runde „Matz ab live“, diesmal mit den Gästen Stefan Schnoor und Alexander Laas sowie eventuell einem Überraschungs-Gast. „Scholle“ und ich, wir würden uns sehr freuen, wenn Ihr wieder mit von der Partie sein würdet.

 
Dann komme ich – sehr gerne übrigens – noch einmal auf das „Matz-ab“-Treffen vor einer Woche im „Anno 1887“ in Norderstedt zurück. Weil ich im Nachhinein gedacht habe, dass ich unseren „Mitstreiter“ Lars Pegelow zu wenig erwähnt habe – für einige „Neulinge“ auch nicht vorgestellt hatte. Sorry, mein Lars, das war ein Fauxpas der selten-blöden Art, ich entschuldige mich dafür. Du bist, das möchte ich sehr gerne hier erwähnen, eine sehr wertvolle Verstärkung für das „Matz-ab“-Team, Deine Texte sind immer sehr schön zu lesen und reichlich gefüllt mit Inhalt. Vielen Dank dafür. „Scholle“ hatte ich an diesem Abend gelobt, den Lars leider nicht, und deshalb hatte ich in dieser Woche doch reichlich Gewissensbisse.

Auch gegenüber unsere jungen „Mutter der Kompanie“, Eva/Hope. Sie fehlte an diesem Abend, hatte ihn aber vorher super organisiert, dafür auch an dieser Stelle und ganz offiziell herzlichen Dank für Deine großartige Hilfe, liebe Eva/Hope. Du bist in diesem Blog unersetzlich – und einfach nur toll!

 

PS: Zum „Matz-ab“-Treffen habe ich etliche Dankesschreiben (auch Fotos! Danke dafür, HSV-Lünen!) und –Anrufe erhalten, vielen dank dafür. Eine Zuschrift möchte ich schnell noch öffentlich machen, ich hoffe, dass ich das auch darf – aber sie hat mir deshalb so gut gefallen, weil sie das Niveau und die Stimmung an diesem Abend so gut widerspiegelt:

„Hallo Manfred,

kennen H. Matz und Herr Scholz eigentlich schon das schönste Garagentor in Nordrhein-Westfalen? Diese Bilder sind wirklich Klasse.
Morgen Abend schaue ich mir HSVII in Havelse an, von meiner Arbeitsstelle in Hannover ist dies nur ein Katzensprung entfernt. Am Sonntag bin ich mit Alnipe, Thomas Kerfin und Flashzbax in Wolfsburg.
Dank H. Matz kennen auch wir uns. Dadurch sind inzwischen schon richtige Freundschaften entstanden. Auch die “Nicht Plusser und Nicht Realos” sind HSVer. Deshalb halte ich Kontakte zu allen Fraktionen, u.a. Bob Dylan, Alnipe, usw., denn eines eint uns alle, die Liebe zu unserem HSV.

Gruß R.“

 

So, ich habe fertig. Ich wünsche Euch und Euren Lieben ein wunderschönes Wochenende, und dem HSV (damit uns allen) einen Auswärtssieg in Wolfsburg. Alles Gute!
Dieter

 

17.57 Uhr

Abstiegskampf spitzt sich zu – und Kreuzer muss sich gegen Vorwürfe wehren

6. April 2014

Kein Tag ohne Fußball – dachten sich heute auch die beiden HSV-Vorstände Carl Jarchow und Oliver Kreuzer. Die abstiegsbedrohte U 19 des Vereins hatte es an der Hagenbeckstraße mit dem VfL Osnabrück zu tun, dem Tabellenletzten der Bundesliga. Ein Sieg musste her für die Truppe von Trainer Otto Addo, aber das hat nicht geklappt. Trotz zahlreicher Torchancen, vor allem am Ende, hat es nur zu einem 1:1-Unentschieden gereicht.

Dominik Masek hatte den HSV Mitte der zweiten Halbzeit in Führung gebracht, etwa eine Viertelstunde vor dem Ende glichen die Niedersachsen aus. Der Abstiegskampf geht weiter für den HSV – bitter, dass es nicht einmal gegen den Letzten zu einem Sieg gereicht hat. Jonathan Tah spielte solide als Innenverteidiger, im zentralen Mittelfeld versuchte Matti Steinmann, dem Spiel seinen Stempel aufzudrücken. Das gelang nicht immer richtig gut.

Der Nachwuchs ist eines der Themen, dem sich Sportchef Oliver Kreuzer in Zukunft dringend widmen muss. Was dort alles brach liegt, hat Scholle hier zuletzt bereits deutlich formuliert. In jedem Fall zahlt der Verein nicht nur bei den Profis sondern auch im Nachwuchs die Zeche für Fehler der Vergangenheit.

Für Abendblatt-Blogs


Heute musste sich Kreuzer zudem mit Vorwürfen der Gegenwart auseinander setzen. Es geht um einen Artikel des „Spiegel“, der morgen erscheint. Demnach soll Kreuzer einem Spielerberater gebeten haben, einen Abnehmer für Torwart Rene Adler zu finden. Der Bericht beginnt mit einem angeblichen Gespräch Kreuzers mit einem Berater – Adler (Vertrag bis 2017) könnte doch in der spanischen und englischen Liga angepriesen werden, heißt es.

Oliver Kreuzer wurde heute, konfrontiert mit dieser Meldung, wütend: „Das ist absoluter Blödsinn. Solch ein Gespräch hat es nie gegeben. Warum sollte ich jetzt, mitten im Abstiegskampf, unseren Torwart irgendwo anbieten?“ Vereins-Chef Carl Jarchow ergänzte: „Die Geschichte ist totaler Schwachsinn.“

Dass die Hamburger Mannschaft, insbesondere bei einem immer noch möglichen Abstieg in die Zweite Liga, kommende Saison ein anderes Gesicht haben würde – das ist dabei völlig unstrittig. Egal ob die Spieler nun Verträge für beide Ligen haben oder nicht. Im Unterhaus würde sich das Gesicht des Teams komplett verändern. So viel steht fest.

Dass es soweit nicht kommen muss, hat die Partie vorgestern gegen Bayer Leverkusen gezeigt. Da war Leben und Stimmung in der Bude wie lange nicht. Und der HSV ist dabei, eine neue Führungsfigur zu finden. Es ist Hakan Calhanoglu, der seit Wochen glänzende Leistungen zeigt. Nicht nur wegen seiner Tore, sondern vor allem wegen seiner kämpferischen Einstellung auf dem Platz. Calhanoglu hat sich dabei in den Monaten seit seiner Verpflichtung im vergangenen Sommer enorm entwickelt. Am Anfang war er unter Thorsten Fink noch Joker. Manchmal wurde er eingewechselt, wie zum Beispiel beim 2:6 Anfang September in Dortmund, leistete sich Fehlpässe, ohne anschließend hinter dem Ball hinterherzujagen.

Die Mitspieler waren nicht eben gut zu sprechen auf diesen jungen Emporkömmling aus der Dritten Liga, der bislang nur in Karlsruhe zu begeistern wusste und ein allzu großes Selbstvertrauen zu haben schien. Doch unter Bert van Marwijk und erst recht unter Mirko Slomka zeigt sich ein anderen Hakan Calhanoglu. Er spielt nicht für die Galerie oder um seinen Ego-Trip bei Freistößen durchzuziehen. Er rennt und läuft und kämpft und setzt Zeichen im Stadion. Sehr gut, dass Oliver Kreuzer seinen Vertrag vorzeitig bis 2018 verlängert hat.

Kein Wunder übrigens auch, dass die halbe Haupttribüne am Freitag voll war mit Scouts aus Spanien und aus England, die das HSV-Juwel mit dem goldenen rechten Fuß auf dem Zettel haben. Da wird mit ziemlicher im Sommer das eine oder andere Angebot auf den Schreibtischen in der imtech-Arena landen.

Ob der HSV im Fall der Fälle standhalten könnte – das steht wohl in den Sternen, Zweifel sind angebracht. Immer wieder wird ja darüber diskutiert, wie die Arbeit von Oliver Kreuzer denn nun zu bewerten ist. Gute Vertragsabschlüsse (Calhanoglu, Lasogga) und schlechte (van Marwijk, aktuell Djourou) lassen sich für beide Sichtweisen finden.

Klar ist jedenfalls, dass der HSV in dieser Saison unter Kreuzer aber auch wirklich alle Deals, also Käufe, Verkäufe und Leihgeschäfte, unter wirtschaftlichem Zwang getätigt hat. Das ging schon im letzten Sommer los, wo die Verteidiger Sobiech und Djourou geholt wurden, um den Verkauf von Mancienne, Rajkovic und Scharner anzufeuern. Alle drei Großverdiener – hier musste Geld aus dem Gehaltsetat eingespart werden. Das hat nicht geklappt, dazu kamen später die Abfindungen für Arnesen und Fink, so dass Aogo verscherbelt wurde. Lasogga konnte nur ohne Kaufoption geholt werden (schlecht für den HSV), während bei Djourou eine Kaufoption unumgänglich war, um ihn überhaupt zu bekommen (auch schlecht für den HSV – jetzt muss der Verein ihn für einen viel zu hohen Betrag ganz kaufen).

Im Winter lief es ja ähnlich. Irgendwelche Spieler konnten nur geholt werden, ohne dass der HSV wirtschaftlich etwas draufpacken konnte – auf der anderen Seite wurde mit Rudnevs entgegen jeder sportlichen Logik ein dringend benötigter Ersatz für Lasogga abgegeben. Da kann man nicht davon sprechen, dass dieser Verein das Heft des Handelns in den eigenen Händen hält. Natürlich wäre es hilfreich gewesen, wenn die Trefferquote bei Transfers von Oliver Kreuzer näher an den 100 Prozent dran gewesen wäre, als sie es am Ende war.

Wer viel Zeit hat zum Lesen, der konnte sich schon seit gestern durch die 300 Seiten quälen, die der Verein als Grundlage für die Ausgliederung in eine Fußball AG an seine Mitglieder herum geschickt hat. Am 25. Mai wird dort auf der großen Versammlung ja über das Modell nach HSV-Plus-Vorbild abgestimmt. „Das Konzept entspricht eins zu eins unseren Vorstellungen“, sagte HSV-Plus-Frontmann Otto Rieckhoff. In den 300 Seiten stehen allerhand juristische und wirtschaftliche relevante Einzelheiten – für das normale Mitglied kaum zu durchschauen. Eine erste eigene Vereinfachung und Zusammenfassung ist auf der HSV-Plus-Seite nachzulesen.

Viele Grundzüge sind bereits bekannt. Der Profi-Fußball-Bereich bis hinab zur U 16 geht über in die neue Fußball AG. Diese Fußball AG wird gestaltet aus der bereits existierenden (leeren Hülle) Sport AG, die entsprechend umbenannt und mit Leben gefüllt wird. Die Campus-Anleihe geht auf die Fußball AG über. 271 Mitarbeiter des HSV e.V. gegen mit ihren Arbeitsverträgen in die Fußball AG. Sollte HSV Plus und damit die Fußball AG die nötige Dreiviertelmehrheit erhalten, dann würde es bis zur folgenden Versammlung im Januar 2015 eine Übergangsregelung geben.

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ERGÄNZUNG 19.52 Uhr: Zunächst würde am 25. Mai der neue Aufsichtsrat gewählt. Der aktuelle Vorstand würde gleichzeitig ins Präsidium des e.V. übergehen. Ob der neue Aufsichtsrat der Fußball AG den alten Vorstand des Vereins gleichzeitig als Vorstand der Fußball AG behält, ist offen. Genauso möglich ist, diesen Vorstand ganz oder teilweise neu zu besetzen mit neuen Leuten. Und das ist ja sehr gut möglich.
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Ganz wichtig wird in diesem Zusammenhang sein, welches Team Rieckhoff für seinen neuen Aufsichtsrat ins Rennen schicken wird. Bis zum 20. April müssen entsprechende Vorschläge eingereicht sein, und vorher will Rieckhoff die Kandidaten noch öffentlich vorstellen. Mit Thomas von Heesen und dem Kühne-Vertrauten Karl Gernandt stehen bereits zwei Namen im Raum.

Die Debatte um die HSV-Reform wird mit Sicherheit in den kommenden Wochen, wenn die Mannschaft noch um den Klassenerhalt in der Bundesliga kämpft, für Schlagzeilen sorgen. Wobei das 2:1 gegen Leverkusen und die sensationelle Stimmung im Stadion schon gleich eine ganz andere Hoffnung hervorgerufen hat. Dass die Lage im Keller der Bundesliga sich jedoch kaum entspannt hat, wird beim Blick auf die Tabelle nach dem 3:0 von Eintracht Braunschweig gegen Hannover 96 deutlich:
13. Hannover -18 29 Pkt.
14. Freiburg -19 29
15. Stuttgart -13 27
16. HSV -15 27
17. Nürnberg -20 26
18. Braunschweig -22 25

Wie wichtig wäre es jetzt bitteschön, wenn der HSV in Hannover nachlegen und auch diese Partie für sich entscheiden könnte? Einen Weg zum Klassenerhalt hat der Leverkusener Sportchef Rudi Völler heute bei Sport 1 aufgezeigt:

„Wir haben, obwohl wir verloren haben, am Freitagabend eine recht gute Leistung gebracht. Es gab nur einen Grund, warum wir verloren haben: Der zwölfte Mann war das Publikum in Hamburg, aber der Schiedsrichter Herr Dankert war der 13. Mann für Hamburg. Der HSV wird sicherlich den Antrag stellen, ob Herr Dankert nicht noch eines der letzten Spiele pfeifen darf. Dann werden sie nämlich definitiv nicht absteigen.“

Nun wird es wahrscheinlich aber doch wechselnde Schiedsrichter geben und der HSV muss – wie am Freitag – sein Schicksal in die eigenen Hände nehmen. Das wird zunächst ohne Milan Badelj geschehen, bei dem sich der befürchtete Muskelfaserriss im Oberschenkel bestätigt hat. Damit fehlt er mal ganz sicher in Hannover. Der HSV hofft auf die Rückkehr von Pierre Michel Lasogga, ganz klar.

Morgen wird es noch einmal ruhig werden auf dem Trainingsplatz, ehe Mirko Slomka am Dienstag mit voller Kraft in die Hannover-Woche einsteigen wird.

Schöner Gruß von Lars

Kreuzers Transferbilanz – nicht alles lief nach Wunsch

23. Dezember 2013

Ich habe vorhin Hefte und Aufzeichnungen aus diesem Jahr durchgeblättert. Dabei bin ich etwas länger hängen geblieben am 30. März dieses Jahres. Der HSV ging in München mit 2:9 unter, und der Vorstands-Vorsitzende Carl Jarchow sagte einen Tag später: „Aus diesem Spiel werden wir unsere Schlüsse ziehen und die werden uns auch beeinflussen bei der Analyse der Saison am Ende dieser Saison.“ Soweit Carl Jarchow Ende März. Knapp neun Monate später, Sportchef Oliver Kreuzer nach dem 2:3 gegen Mainz 05: „Wir werden wirklich alles auf den Prüfstand stellen. Jeden einzelnen Spieler schauen wir uns genau an. Wenn gewisse Dinge nicht ausreichen, werden wir sie wenn nötig radikal verändern.“

Man muss also festhalten, dass sich der HSV, so die Innenansicht der Verantwortlichen, in den vergangenen neun Monaten nicht verändert und vor allen Dingen nicht erkennbar weiter entwickelt hat. Es gibt lediglich unterschiedliche Ausprägungen von Enttäuschungen. Herbe Niederlagen wie in Hannover (1:5), München (2:9), gegen Hoffenheim (1:5) oder in Dortmund (2:6) kommen aktuell nicht mehr vor. Aber was nützt das, wenn das Team zum Abschluss der Hinrunde drei Mal in Folge verliert? Es nützt gar nichts. Der Umbruch nach dem Umbruch nach dem Umbruch nach dem Umbruch geht weiter. So kann das Weihnachtsfest nur gelingen, wenn man den HSV mal ein paar Tage ausblendet.

Was wir nach dem Trainingsstart am 3. Januar zu erwarten haben, liegt einigermaßen deutlich vor uns. Die Mannschaft wird ihr Gesicht nicht verändern. „Der Trainer ist einer, der keine Bedingungen und Wünsche äußert“, so Vereins-Chef Carl Jarchow. „Ich arbeite mit den Leuten, die ich habe – das hat er vom ersten Tag an gesagt. Stand heute werden wir daran nichts ändern in der Winter-Transferzeit.“ Geht ja auch nicht. Keine Kohle, keine neuen Spieler – die Gleichung ist bekannt.

Als Sportchef Oliver Kreuzer vor gut einem halben Jahr seinen Dienst in Hamburg aufgenommen hat, da ist er nicht gerade begeistert begrüßt worden. Die Entscheidung des Aufsichtsrates für Kreuzer wurde teilweise belächelt. Wie sieht nun die erste Bilanz des neuen Mannes aus? Er hat sich gut geschlagen, teilweise sehr gut in einem schwierigen Umfeld, wenngleich seine Transfers nicht durch die Bank gesessen haben.

Auf der Haben-Seite von Kreuzer steht sein ehrlicher Blick auf die Mannschaft. Kreuzer versteckt sich nicht, spricht Dinge an und versucht sie im Rahmen seiner (wirtschaftlichen) Möglichkeiten zu verändern. Er ist authentisch und eine positive Figur im HSV geworden. Chapeau dafür. Kreuzer hat Bundesliga-Format. Wer ihm das abgesprochen hatte im Juni, sollte nun Abbitte leisten.

Aber: abgerechnet wird der Sportchef auch und vor allem an den Transfers. Er hat sich verschätzt, als er im Sommer einige Profis veräußern wollte (Kacar, Tesche, Scharner, Rajkovic, Mancienne). Genau genommen ist ihm das bei keinem einzigen der fünf genannten gelungen. Kreuzer hat sich verkalkuliert, weil die Gehälter des Quintetts nirgendwo sonst auf dem Markt zu erreichen waren.

Natürlich haben sich einige ernsthaft um einen neuen Club bemüht, aber wenn Slobodan Rajkovic, Michael Mancienne und Gojko Kacar nahe an den zwei Millionen Euro pro Jahr sind – da kann man schon mal einen Vertrag aussitzen. In seinem Brass nach dem Mainz-Spiel hat sich Kreuzer auch zu diesem Thema geäußert. „Mal sehen, ob wir wieder einige Spezialisten haben, die sich da nur die Hände reiben und so weitermachen“, meckerte Kreuzer.

Ein wesentlicher Punkt bei Kreuzers Amtsübernahme war die Analyse, dass es in der Innenverteidigung des HSV an Qualität fehlt. Also wurden Lasse Sobiech und Johan Djourou geholt, Jonathan Tah befördert. Der Schweizer Djourou, gehandicapt von zwei Verletzungen in der Vorbereitung bzw. während der Hinrunde, konnte die Erwartungen nicht erfüllen. Seine eigenen vermutlich auch nicht. So wird das nichts beim HSV und in der Bundesliga!

Er ist ein sehr eleganter Spieler, aber es hapert an „Karo einfach“. Leichte Stockfehler, Ballverluste in brenzligen Szenen – so wurde Djourou zu einem Unsicherheitsfaktor.

Das kann man von Jonathan Tah nicht sagen. Nicht alles gelingt dem 17-Jährigen, aber solche eine Hinrunde in seinem ersten Bundesligajahr hinzulegen, ist aller Ehren wert. Klasse, dass Kreuzer Tahs Vertrag bis 2018 verlängern konnte.

Lasse Sobiech, mit 1,2 Millionen Euro teuerster Transfer des HSV-Sommers, dürfte wie Djourou nicht zufrieden sein. Nur acht Bundesligaspiele stehen auf seinem Konto, die meisten davon zu Saisonbeginn, als Djourou noch fehlte. Auch beim Ex-Dortmunder waren zu viele Fehler dabei, seinen schwärzesten Tag hatte er beim 0:2 gegen Mönchengladbach, als er beide Gegentore auf dem Gewissen hatte. Er ist nur eine Ergänzung im Moment – das Stamm-Duo in der Mitte sollte, alle Eundrücke zusammen gefasst, Westermann/Tah heißen. Und, ehrlich gesagt: das ist jetzt nicht zwingend ein Verdienst von Oliver Kreuzer.

Kerem Demirbay ist beinahe die gesamte Hinrunde ausgefallen. Jacques Zoua hat der HSV durch Betreiben von Thorsten Fink geholt – er ist noch ungeschliffen und derzeit ebenfalls nur Ersatz, auch wenn er seine fußballerischen Fähigkeiten andeuten konnte.

Und damit sind wir bei den beiden positiven Erscheinungen unter den neuen Spielern. Hakan Calhanoglu hat mit seinen fünf Toren nachgewiesen, welches Potential er besitzt. Für diesen Spieler gibt es aber keine Kreuzer-Beurteilung, denn ihn hat noch sein Vorgänger Frank Arnesen geholt.

Bleibt Leih-Stürmer Pierre Michael Lasogga. Ein Volltreffer, und es ist völlig klar, dass Oliver Kreuzer ihn ebenso wie Calhanoglu langfristig halten will. Der erste Schritt ist mit den Vertragsangeboten gemacht, aber ob es klappt, liegt nicht nur in der Macht des HSV.

Ich bleibe alles in allem dabei: dieser Sportchef tut dem HSV gut. Ich wünsche ihm eine Zukunft in Hamburg – unabhängig von den Entscheidungen am 19. Januar.

In den nächsten Wochen steht alles im Zeichen der Strukturdebatte. Wer mit dem Auto beim Mainz-Spiel war, hat bestimmt auch einen der „HSV-PLUS“-Prospekte unter dem Scheibenwischer gehabt. Wer Mitglied ist oder sich das Stadion-Magazin gekauft hat, der hat 120 Seiten zum Nachlesen über alle Anträge, die am 19. Januar gestellt werden. Und wer die aktuelle „Supporters-News“ in den Händen hatte, hat sich hier auch beinahe monothematisch informiert gesehen.

Was fällt auf in den Supporters-News? Welche Standpunkte werden vertreten? Weleche Argumente gebracht? Zunächst gibt der Delegierte der Supporters, Björn Floberg, seinen Bericht ab. Zwei Aspekte sind mir aufgefallen. Floberg schreibt, die aktuell schwierige Situation des Vereins liege in der Fehlentscheidung begründet, Dietmar Beiersdorfer 2009 entlassen und keinen Nachfolger geholt zu haben.

Dass dies damals eine Fehlentscheidung war, ist wohl mittlerweile unbestritten. Aber um ehrlich zu sein: ich hätte nicht gedacht, dass nach viereinhalb Jahren und einer Summe weiterer Fehlentscheidungen dieser Aspekt noch einmal auftaucht.

Floberg geht auch ein auf die Debatte um Schweigen oder Nicht-Schweigen von Vorstand und Aufsichtsrat. Er führt an, dass er selbst und andere Mitstreiter, wie Manfred Ertel und Uli Klüver, die sich zur „HSV-Reform“ bekennen, getadelt werden, weil sie sich positionieren. Das sei bei Otto Roeckhoff und Horst Becker 2012 nicht der Fall gewesen, als die beiden Satzungsänderungen (Verkleinerung des Aufsichtsrates) vorgeschlagen haben.

Hier, denke ich, besteht irgendwo ein Verständnisproblem, das ganz tief sitzt. Niemand beschwert sich doch generell, dass sich wer auch immer zu diesem oder jenem Struktur-Modell äußert. Aber: Selbst zu beschließen, nichts zu sagen, um es dann doch zu tun – DAS ist der Widerspruch. Oder kläre mich bitte jemand auf – habe ich nach monatelanger Diskussion in diesem Punkt etwas falsch verstanden? Den Kniff, seine eigene Äußerung nicht als die eines Aufsichtsrates, sondern als einfaches Vereinsmitglied getätigt zu haben, würden Floberg und Ertel anders herum doch sicher auch nicht gelten lassen.

Jan Bartels, einer der Initiatioren der „HSV-Reform“, nimmt später Stellung zur, wie es einige sagen, Notwendigkeit der Ausgliederung, um eine Rechtsformverfehlung zu vermeiden. Hintergrund: Die Steuerbehörden könnten millionenschweren Bundesliga-Vereinen den Status der Gemeinnützigkeit entziehen. Tatsächlich gibt es diese Befürchtung seit Jahren, ohne dass bisher etwas geschehen ist.

Anschließend werden die drei größeren Reform-Modelle vorgestellt. „HSV-Reform“ überraschenderweise als Nummer eins. Beschleunigung der Entscheidungen, schlankerer Aufsichtsrat, Erhaltung des e.V. in seiner jetzigen Form. Und überhaupt die Strukturen im HSV: sogar der Sportausschuss im britischen Unterhaus findet diese Strukturen vorbildlich, lobt Martin Oetjens von der „HSV-Reform“.

Wir werden demnächst um ein Exklusiv-Interview mit dem Sportausschuss des britischen Unterhauses bitten, um zu erfahren, wie gut der HSV ist.

Entschuldigung, das war polemisch, aber in diesem Punkt liegt Polemik auf der Hand. In Wahrheit hat die „HSV-Reform“ doch andere Argumente zu bieten. Dass es immer wieder schwer fällt, positive Fälle zu finden, wo eine Ausgliederung einen Verein wirtschaftlich nach vorn gebracht hat, ist augenscheinlich. Otto Rieckhoff und sein Team werden Zweifler überzeugen müssen, warum der HSV solch ein positives Beispiel sein soll.

Als nächster kommt Jürgen Hunke zu Wort, der den Profi-Fußball eigenständiger machen will, ohne auszugliedern. Kurz und knapp, stichwortartig, stellt er sein Programm vor. „Die Seele des Vereins ist unantastbar“, schreibt Hunke. Ein starker Satz, der allerdings noch nicht erklärt, wie der Verein künftig an neue Gelder kommen soll. Verschlankung in allen Bereichen ist hier angekündigt.

Jürgen Hunke wird dazu „zwischen den Jahren“ hier bei „Matz ab“ noch einmal ein Interview geben. Wir haben „HSV-Reform“-Vertreter schriftlich und in „Matz ab live“ zu Wort kommen lassen, ebenso sehr ausführlich „HSV-PLUS“ und Otto Rieckhoff – demnächst also auch Hunke.

Schließlich nennt Otto Roeckhoff die Vorzüge von „HSV-PLUS“. Er spricht ganz klar von einem „strategischen Partner“, den er mit ins Boot holen möchte. Keinen Investor also, denn finanziellen Rücklauf kann kein Unternehmen, das bei einem Fußball-Verein einsteigt, ernsthaft erwarten. Wenn die Bayern mal ein „normales“ Jahr haben und statt fünf vielleicht nur zwei Titel gewinnen, ihre Mannschaft mit Millionen verstärken, dann bleibt am Ende auch kein Gewinn übrig, den sich adidas oder Audi einstreichen können. Dieses Ziel verfolgen die Unternehmen mit ihrer strategischen Partnerschaft in München auch nicht.

Ist der HSV einer der wenigen Vereine, die sich vor diesem Hintergrund für einen anderen strategischen Partner lohnen? Welche Namen führt „HSV-PLUS“ ins Feld, um ausgegliedert den HSV auf Vordermann zu bringen? Diese Fragen bleiben zunächst unbeantwortet – ein Schritt nach dem anderen, so die Devise. Aber reicht das am Ende für eine Dreiviertelmehrheit der HSV-Mitglieder? Ist das Vertrauen derart groß, ohne dass Ross und Reiter genannt werden?

All das und noch viel mehr sind Überlegungen, die bis zum 19. Januar auf allen Ebenen angestellt werden, ehe der Showdown beginnt.

So, und dann hat Scholle einen Coup gelandet:

Bastian Reinhardt, ehemaliger Profi und Ex-Sportchef des Fußball-Bundesligisten Hamburger SV, wird zum neuen Jahr Coach des Oberligisten Niendorfer TSV. Er bildet künftig ein Trainer-Duo mit dem Rückkehrer Frank Hüllmann. Der Hamburger Club bestätigte am Montag entsprechende Medienberichte. «Ich freue mich riesig, meine ersten Trainererfahrungen in so einem großen Traditionsverein machen zu können», sagte der 38-jährige Reinhardt. Hintergrund für den Wechsel: Der bisherige Coach Vahid Hashemian, früher ebenfalls Profi beim HSV und auch beim FC Bayern München, will sich auf die Aufnahmeprüfung zur Fußballlehrer-Lizenz konzentrieren. Der 37 Jahre alte Iraner hatte den Posten erst im Sommer von Hüllmann übernommen, der aus familiären Gründen eine Pause eingelegt hatte.

Liebe Matz abber, ich wünsche Euch allen jetzt schöne Weihnachtstage. Erholt Euch ein wenig, das haben wir alle, die sich intensiv mit dem Verein beschäftigen, dringend nötig.

In diesem Sinne alles Gute
Lars

Klasse Treffen, dieses Klassentreffen!

8. September 2013

Herzlichen Dank, Hamburg. Und auch ein dickes Danke an Veranstalter Reinhold Beckmann. Das war, trotz des Regens, mal wieder ein ganz tolles Fußball-Fest, über das in Hamburg sicherlich noch die nächsten Tage gesprochen wird. Der „Tag der Legenden“ sorgte für Spaß bei den Alt-Stars und für riesige Begeisterung bei den Fans. Eine richtig runde Sache für einen guten Zweck, denn die Einnahmen dieses Highlights kommen den Projekten von „NestWerk e.V.“ zugute, bislang sind durch diese unvergesslichen Tage mit den Legenden schon über, 14 Millionen Euro eingespielt worden; an diesem Sonntag betrug die Summe 260 000 Euro – hervorragend. Und weiter so. Die nächste Veranstaltung für 2014 wird bereits seit heute geplant und organisiert. Danke Hamburg auch deswegen, weil es diesem Spiel einen neuen Zuschauerrekord gegeben hat, im Stadion waren über 25 000 Fußball-Fans – und bei weitem nicht nur St. Paulianer. Mehr als 100 ehrenamtliche Helfer halfen, aus diesem Spiel etwas ganz Besonderes zu machen – das war Fußball und Spaß mit Herz. Hamburg hat übrigens gewonnen, es hieß am Ende 4:3 für die Mannschaft von der Elbe, die damit endlich einmal wieder gewonnen hat. Zur Halbzeit hieß es bereits 4:2, daran sieht man, wie ernst dieses Spiel von allen genommen wurde – im zweiten Durchgang nur noch ein Tor.


Um einmal mit den Spielern zu beginnen. Aus HSV-Sicht waren folgende Altmeister dabei: Thomas Doll, Thomas von Heesen, Vahid Hashemian, Mehdi Mahdavikia, Heinz Gründel, Richard Golz, Martin Pieckenhagen, Jochen Kientz, Jörg Butt, Nico Hoogma, Stefan Schnoor, Sergej Barbarez, Bernd Hollerbach, Hasan Salihamdizic, Thorsten Fink, Otto Addo, Wolfgang Rolff, Collin Benjamin, Ian Joy, Bastian Reinhardt, Manfred Kaltz und als Betreuer Bernd Wehmeyer und Jimmy Hartwig. Masseur war, wie immer, Hermann Rieger, der diesmal einen besonderen Auftritt hatte, denn er wurde von Schirmherr Michael Schumacher (spielte später sogar noch mit!) auf den Platz „gerast“. Für Team Deutschland waren die ehemaligen HSVer Markus Babbel, Andreas Reinke und Claus Reitmaier dabei. Besonders bejubelt wurde Uwe Seeler, der direkt aus dem Urlaub kam und zur zweiten Halbzeit den Rasen betrat, gemeinsam mit Reinhold Beckmann. Trainer der Hamburger war Helmut Schulte, der das HH-Team aus HSV und St. Pauli klug und clever eingestellt hatte. Schulte war aus Wien angereist, aus den Niederlanden kam Nico Hoogma, und am Vormittag war Mehdi Mahdavikia aus Teheran eingeschwebt. Das ist Einsatz für eine gute Sache. Jörg Butt war aus München gekommen, durfte aber, weil es bereits zwei Torhüter pro Mannschaft gab, nur im Feld spielen. Er nahm es gelassen: „Egal, die Hauptsache ist, dass ich überhaupt mitspielen und helfen kann, dieses Spiel ist eine Super-Sache.“ Wie ein Klassen-Treffen, wobei ich immer gesagt habe: ein klasse Treffen! Und es folgt ja jetzt noch die „Nacht der Legenden“, die ist auch immer legendär!

Für die deutsche Mannschaft war (fast) alles was im Fußball Rang und Namen hat, dabei. Michael Ballack feierte seine Premiere, dazu spielten mit Thomas Helmer, Stefan Reuter, Christian Wörns, Thomas Berthold, Dieter Eilts, Tim Borowski, Lothar Matthäus, Jürgen Klopp, Patrick Owomoyela (gebürtiger Hamburger), Lars Ricken, Michael Schulz, Youri Mulder, Olaf Thon, Fredi Bobic, Ulf Kirsten, Karlheinz Riedle, Alexander Zickler und viele mehr. Trainer war Matthias Sammer.

Hamburg legte einen Blitzstart hin, die St. Paulianer Michael Dinzey (1:0) und Marius Ebbers (der am Freitag noch zwei Tore für seinen neuen Club, Landesliga-Verein VfL 93, geschossen hatte) sorgten für ein schnelles 3:0 – Ebbers traf dabei erneut zweimal. Der agile Maurizio Gaudino sorgte per Hacke für das 1:3, dann verwandelte Sergej Barbarez einen Foulelfmeter (einer mit einer besonderen Geschichte – die gleich noch folgen wird) zum 4:1, Tim Borowski verkürzte noch vor dem Seitenwechsel, und dann traf nur noch Alexander Zickler zum 3:4- Endstand. Besonders zu loben waren bei diesem Spiel die Torhüter Richard Golz, Martin Pieckenhagen (beide Hamburg) sowie Claus Reitmaier und Andreas Reinke, die alle überragend hielten. Gerade so, als stünden sie noch immer im besten Saft . . .

Viel Pech hatte Keeper Reitmaier, der in der 22. Minute mit Dinzey zusammengeprallt war. Der ehemalige HSV-Torwarttrainer musste schwerer verletzt ins Krankenhaus gefahren werden, er hat sich mindestens einen Nasenbeinbruch zugezogen. Dinzey erlitt eine stark blutende Kopfplatzwunde, konnte später aber weiterspielen. Für diesen Zusammenprall hatte Schiedsrichter Walter Eschweiler auf den Elfmeterpunkt gezeigt – daraus entwickelte sich dann der Hamburger Siegtreffer . . . Kurios: Weil die Vorstellung aller Spieler zu lange gedauert hatte, dauerte die erste Halbzeit nur 38 Minuten – und nach insgesamt 81 Minuten wurde die Partie dann auch vorzeitig beendet. Sport 1, der übertragende Sender (sogar der Doppelpass kam aus dem Stadion am Millerntor), hat ja noch andere Programm-Aufträge zu erfüllen . . .

Aber, um das nicht zu vergessen, gute Besserung, lieber Claus Reitmaier!

Auch wenn das Spiel zehn Minuten gekürzt über die Bühne ging – es war großartig. Und Initiator Reinhold Beckmann, vor, während und nach dem Spiel die Ruhe in Person, verriet seinen zurzeit größten Wunsch (einen hat er pro Jahr frei!): „Ich habe immer die Hoffnung, irgendwann in zehn Jahren spielt hier dann auch mal Lionel Messi.“ Und dazu dann noch Mesut Özil und Cristiano Ronaldo, das hätte schon was. Es geht auf jeden Fall weiter, und träumen darf man ja wohl mal.

In Hamburg blieb übrigens alles friedlich, im Gegensatz zum Vortag bei unseren Nachbarn an der Weser:

Eine Schlägerei mit fast 40 Beteiligten hat nach dem Abschiedsspiel von Torsten Frings die Bremer Polizei beschäftigt. Bei dem Handgemenge im Ostkurvensaal des Weserstadions wurde am Sonnabend auch ein Rollstuhlfahrer durch einen umfallenden Stehtisch schwer am Kopf verletzt. Ein Notarzt versorgte den 45-Jährigen und brachte ihn in ein Klinikum.
Nach Angaben der Polizei hatte eine Gruppe von fast 40 Fußballfans den Saal betreten und sofort drei am Tresen stehende Männer angegriffen. Dabei wurde der Stehtisch umgerissen und der Rollstuhlfahrer verletzt. Auch zwei der attackierten Fans mussten ins Krankenhaus gebracht werden. Die Angreifer flüchteten zu Fuß, die Polizei ermittelt wegen besonders schweren Landfriedensbruchs gegen die Gruppe.

So, und dann gab es noch folgende Meldung über den (und vom) HSV:

Der angeschlagene HSV-Kapitän Rafael van der Vaart hofft auf einen Einsatz am kommenden Samstag im Bundesligaspiel gegen Tabellenführer Borussia Dortmund. „Ich tue alles dafür. Ich hoffe, dass es klappt. Vergangene Saison haben wir dort beim 4:1-Sieg unser wohl bestes Spiel gemacht“, sagte der 30-Jährige der „Bild am Sonntag“. Er war zuletzt beim 4:0 gegen Eintracht Braunschweig mit Problemen in der Oberschenkelmuskulatur ausgewechselt worden.

Auch bei HSV-Coach Thorsten Fink herrscht noch Unklarheit, ob er beim BVB auf den niederländischen Fußball-Nationalspieler setzen kann. „Das kann ich jetzt noch nicht sagen. Er muss bis Mittwoch trainieren können, um dabei sein zu können. Donnerstag, Freitag würde mir wahrscheinlich zu eng werden“, sagte Fink am Sonntag am Rande des „Tags der Legenden“. Als van-der-Vaart-Ersatz würde er auf den 19-jährigen Hakan Calhanoglu zurückgreifen: „Wenn Rafael fehlen wird, wird er seine Rolle einnehmen. Und ich habe dann auch keine Angst.“

Van der Vaart traut dem türkischen Neu-Nationalspieler, der gegen Braunschweig als Joker mit zwei Toren für Furore gesorgt hatte, seine Nachfolge zu: „Die Qualität besitzt er. Aber man sollte ihm nicht zu viel Druck machen. Er steht ja noch am Anfang seiner Karriere.“

Auf die Frage, wer der Adressat seiner Herzjubel-Geste nach seinem jüngsten Treffer in der Hamburger Arena war, erklärte van der Vaart der „Bild“: „Meine große Liebe Sabia und mein Sohn Damian auf der Tribüne. Der Kleine hatte als Einlaufjunge an meiner Hand Glück gebracht, und wir werden diese Prozedur so lange bei Heimspielen wiederholen, bis wir wieder mal verlieren. Er ist ab jetzt mein persönlicher Talisman.“

Welche Schlagzeile er am Saisonende lesen wolle? „Privat am liebsten kein Wort. Beruflich: Hurra, HSV wieder in Europa!“ Sein Glaube ans Saisonziel Europa League sei „ungebrochen“. Kritisch äußerte sich van der Vaart über den inzwischen an den FC Schalke 04 ausgeliehenen Dennis Aogo, der mit seinem Mallorca-Trip für Schlagzeilen gesorgt hatte: „Natürlich war es seine Privatsache, dorthin zu reisen. Aber nach dem 1:5-Desaster gegen Hoffenheim war diese Reise sicherlich das falsche Signal, nicht besonders schlau.“

Öffentlich hat sich an diesem Wochenende auch wieder einmal ein Österreicher zu Wort gemeldet:

Ex-HSV-Enfant-terrible Paul Scharner (33) zieht eine triste Karrierebilanz. „Nur fünf Jahre und drei Monate war ich glücklich und zufrieden. Ja, das ist erschütternd“, sagte er dem ORF. „Ich habe Einstellungen, die sind im Fußball nicht lebbar.“ Für seine Nationalelf wurde er 2012 lebenslang gesperrt, hält sich aber zugute: „Ich lege mich ja nicht mit jedem an. Ich bin ein Erfolgsdenker.“

PS: Morgen, am Montag, wird beim HSV um 16 Uhr trainiert – Volkspark.

PSPS: Im Laufe des Sonntagabends wird hier noch ein Video-Bericht vom “Tag der Legenden” veröffentlich, die Kamera (und die ganze Bearbeitung) hatte – wie immer – Axel Leonhard bestens im Griff, die Interviews (jedenfalls die meisten) durfte ich führen.

PSPSPS: Die Zweite des HSV verlor das Regionalliga-Auswärtsspiel bei Eintracht Norderstedt mit 0:1 und steht nun auf Tabellenplatz zehn.
Das als kurze Ergänzung: Ich habe mit meinem Freund Bert Ehm gesprochen, der ist Trainer von Germania Schnelsen und sah sich Norderstedt gegen HSV II an. Sein Kurz-Kommentar: “Ich bin nicht nicht enttäuscht, ich bin total entsetzt und tief erschüttert. Wenn das der Bundesliga-Nachwuchs des HSV sein soll, dann ist es wirklich schlimm um den Verein bestellt. Das war ja gar nichts. Der HSV hat sich von Norderstedt, einem bis dahin sieglosen Aufsteiger, an die Wand spielen lassen. Jawohl, an die Wand spielen lassen. Der Sieg war verdient und ist noch viel zu knapp ausgefallen. Die Eintracht hat Fußball gespielt, richtig gut, schnell, ideenreich, engagiert, aggressiv – aber genau so hatte ich den HSV erwartet. In einem Derby! Der HSV aber war lahm, pomadig und blutleer, kein Kampf, kein nichts – unfassbar!”
Und unglaublich: Von Robert Tesche und Gojko Kacar war nichts zu sehen. Nicht etwa deshalb, weil sie schlecht waren – nein, sie waren gar nicht dabei. Es spielte auch – trotz der Länderspiel-Pause – kein einziger Profi des HSV mit. Vornehm geht die Welt zu Grunde . . .
Das verstehe, wer will.

17.21 Uhr

Zwei- oder gar Drei-Klassen-Gesellschaft?

7. September 2013

Bundesliga VfL Wolfsburg gegen Bayern München, live im Fernsehen. Und wer führt? Natürlich Bayern. 1:0 bei den Wölfen – vor 8942 Zuschauern. Genau genommen führt der FC Bayern bei den Wölfinnen, denn es ist der erste Spieltag der Frauen-Bundesliga – live auf Eurosport. Und München ist eigentlich Außenseiter gegen den Triple-Gewinner aus Norddeutschland, aber nicht immer gewinnt der Favorit. Auch wenn Deutschland, favorisiert gegen Österreich, ein sehr gutes Spiel abgeliefert hat und seiner Favoritenrolle mit einem klaren 3:0 gerecht geworden ist. Ich hatte ja auf einen Tag der offenen Tür getippt, und auch vorhergesagt, dass es keine Treterei geben wird – aber gegen Schluss des Spiels langten die Ösis dann doch einige Male kräftig zu. War wohl viel Frust im Spiel. Besonders bei Kavlak, der dreimal was auf die Nase bekam und sich dann spät mit einem ganz bösen Tritt gegen Kroos für einen Ellenbogenschlag kräftig revanchierte. Das war eigentlich glatt Rot, so wie es das Regel-Lehrwerk zwingend vorsieht, aber der Schiedsrichter dachte wohl an die über eine Stunde lang blutende Nase, hatte Mitleid und zeigte nur Gelb.

So, das war der Ausflug in die WM-Qualifikation, jetzt geht es zum HSV. Da war heute Abschlusstraining – für die Zweite. Rodolfo Cardosos Mannschaft spielt morgen bei Regionalliga-Aufsteiger Eintracht Norderstedt, Anpfiff ist um 14 Uhr. Und leider kollidiert diese Partie mit dem Tag der Legenden am Millerntor, wo ich mich schon am Vormittag einfinden werde. Ich bin gespannt, wie sich der HSV-Talente-Schuppen an der Ochsenzoller Straße aus der Affäre ziehen wird – im Edmund-Plambeck-Stadion hatte der HSV ja bis zuletzt Heimrecht genossen. Es ist also fast noch ein Heimspiel, aber zuletzt hatte die „Zweite“ ja nach zwei Siegen in Folge mit 1:3 daheim gegen Goslar den Kürzeren gezogen.

Beim HSV könnten zwei „Aussortierte“ mitmachen: Robert Tesche und Gojko Kacar. Zwei von vier, denn in diesen Kreis gehörten ja vor einigen Tagen ja auch noch Michael Mancienne und Slobodan Rajkovic. Beide sollten, so war es einst angekündigt, am Ende der Transferperiode auch zur club-eigenen U 23 gehen, falls sie bis dahin keinen neuen Arbeitgeber gefunden haben. Und das haben sie bekanntlich nicht. Und nun gibt es im HSV sogar zwei verschiedene Sorten von „Aussortierten“. Eine Sorte trainiert mit dem Regionalliga-Team in Ochsenzoll, die andere mit den Profis im Volkspark. Das ist schon ein wenig kurios. Oder sogar reichlich.

Was, so wurde ich gestern während des Profi-Trainings gefragt, macht den Unterschied aus? Sind Mancienne und Rajkovic bessere Menschen als Kacar und Tesche, sind sie besser Profis – oder trainieren sie nur besser? Ich muss gestehen, dass ich diese Frage nicht beantworten konnte. Es ist vielleicht so, dass sich Kacar und Tesche zu oft schon gesträubt haben, den HSV zu verlassen, obwohl ihnen die Verantwortlichen schon seit Monaten klar gemacht haben, dass sie hier keine Rolle mehr spielen werden. Allerdings würde das in meinen Augen auch auf Rajkovic zutreffen, denn der Innenverteidiger machte auch relativ wenig bis gar keine Anstalten, den HSV verlassen zu wollen.

Lediglich Mancienne hätte Hamburg den Rücken gekehrt, doch um das in die Tat umzusetzen, hätte es mindestens einen Verein geben müssen, der ihn hätte haben wollen – das aber war nicht der Fall. Und auf jeden dieser vier Profis trifft dann auch zu, dass sie einfach zu gute Verträge mit dem HSV abgeschlossen haben. Wer würde schon freiwillig auf viel Geld verzichten wollen, wenn er dazu noch einen viel, viel schlechteren Club als neuen Arbeitgeber zu akzeptieren hätte?

Ich gestehe, dass ich eine gewisse Zeit schon mit Unverständnis auf die „Aussortierten“ reagiert habe. Weil ich es nicht verstehen konnte, dass sie – wenn schon dermaßen unerwünscht – sich keinen neuen Club gesucht haben. Oder von ihren Beratern haben suchen lassen. Allerdings denke ich nun auch ein wenig anders darüber, denn die Zeiten sind ja wirklich schlecht geworden. Nicht nur für Profi-Fußballer, aber auch. Wer als Profi bei seinem Verein „ausgespielt“ hat, der muss erst einmal etwas Besseres finden. Aber, und das halte ich mir immer vor Augen, was ist denn schon besser als der HSV? Bayern und Dortmund. Aber dann? Und wenn man dazu weiß, dass der HSV in den vergangenen Jahren (als es keinen Sportchef gab) Gehälter gezahlt hat, die zu Bayern und Dortmund passen würden, dann ist es für Außenstehende leicht zu sagen: „Weg mit ihnen.“

Nehmen wir mal Gojko Kacar. Super-Vertrag mit dem HSV. In diesem Jahr, das haben wir alle erfahren dürfen, erhöhte sich des jährliche Gehalt des 26-jährigen Mittelfeldspielers von 1,5 auf 1,8 Millionen Euro. Das war damals, bevor Frank Arnesen und später Oliver Kreuzer kamen, so vertraglich vereinbart. Kacars Vertrag läuft noch bis zum 30. Juni 2015. Das sind so bummelige 3,5 Millionen, die der frühere Nationalspieler bis zu seinem Ausscheiden in Hamburg kassiert. Wer würde darauf schon freiwillig verzichten? Ich nicht, gebe ich zu. Und wenn ich dann zum punktlosen Tabellenletzten Russlands nach Sibirien wechseln sollte, dann natürlich auch nicht. Selbstverständlich nicht. Tom Tomsk als Absteiger in spe, oder Hamburg und die U 23 des HSV – da würde ich für 3,5 Millionen Euro auch Hamburg bevorzugen. Wenn der Vertrag von Kacar ausgelaufen ist, geht der Spieler auf die 28 Jahre zu. Dann ist er in einem Alter, in dem er in der Heimat sehr wohl noch einen Verein finden wird. Zwar für viel, viel weniger Geld als beim HSV, aber die Millionen, die Kacar bislang schon in Hamburg verdient hat (und die er noch verdienen wird – diese bummeligen 3,5), die haben ihn spätestens dann zu einem gemachten Mann gemacht.

Ähnlich verhält es sich doch mit Robert Tesche. Angebot vom FC St. Pauli – abgelehnt. Natürlich. Zweite Liga. Und dazu wissen alle Hamburger, dass der große Nachbar des HSV genau so flüssig ist (in Sachen Finanzen) wie der Erstliga-Club aus dem Volkspark. Tesche hätte spielen können, aber ganz bestimmt für viel, viel weniger Geld. Und er hat sich für das Geld entschieden, dass er noch bis zum 30. Juni 2014 immer schön aufs Konto überwiesen bekommt. Der HSV war damals eben so großzügig und warf mit dem Euro nur so um sich. Bei der Gelegenheit: Ich traf kürzlich einen Münchner, dessen Geschäft in der Bundesliga läuft. Der lachte sich in diesem Gespräch kaputt über den blauäugigen HSV, dass der solche Wahnsinnssummen zahlt.

Zahlte, muss man ja sagen, denn der HSV ist ja längst vernünftiger geworden. Und ihm wird es sicherlich auch dann wieder etwas besser gehen, wenn die „Aussortierten“ irgendwann keine Millionen mehr in Empfang nehmen werden. Der Vertrag von Rajkovic endet übrigens am 30. Juni 2015, der von Mancienne ebenfalls. Das sind doch mal Perspektiven . . .

Wobei ich, das ist schon klar, die eine Frage immer noch nicht beantwortet habe. Zwei-Klassen-Gesellschaft bei den „Aussortierten“? Oder sogar eine „Drei-Klassen-Gesellschaft“? Denn eines ist doch auch klar: Auch ein Marcus Berg und ein Paul Scharner gehörten einst zu den „Aussortierten“, zu jenen Spielern, die beim HSV „über“ waren. Das „Millionenden“-Missverständnis Berg wurde nach Athen verschenkt, 49-Minuten-Mann Scharner mit einer Abfindung von einer halben Million vor die Tür gesetzt. Das sind natürlich auch Möglichkeiten, sich von Spielern auf die elegante Art zu trennen, allerdings gehen die auch ganz schön ins Geld . . .

Ich sehe, wenn ich eine Begründung dafür finden müsste, warum Mancienne und Rajkovic nun plötzlich doch „oben“ bleiben und trainieren dürfen, die Gewerkschaft der Profi-Fußballer dafür (mit-)verantwortlich. Sie wagte sich vor einer Woche mit der dieser pikanten These an die Öffentlichkeit: „Profi-Fußballer, geht nicht zum HSV und nicht nach Hoffenheim, da werdet ihr gemein behandelt, am Ende sogar aussortiert.“ Als diese Meldung kam, blieben Mancienne und Rajkovic plötzlich bei den Profis. Zufall? Daran mag ich nicht so recht glauben. Eher denke ich, dass es der HSV mit dem „Aussortieren“ nicht gänzlich auf die Spitze treiben wollte. Es würde dem Image des Clubs sehr abträglich sein . . .

Wobei ich eines sagen muss: Rajkovic und Mancienne trainieren zurzeit wirklich vorbildlich. Besonders der Engländer, er würde bei mir fast die Note eins bekommen. Aber, auch das muss ich sagen: Kacar machte zu Saisonbeginn, als er bei der U 23 mittrainieren musste, einen ganz schlimme Eindruck auf mich – nur körperlich. Da wirkte er rundlicher, untrainiert, überhaupt nicht spritzig, auch nicht ehrgeizig. Das aber hatte sich schnell erledigt. Wochen später sah ich Gojko Kacar wieder, er war rank und schlank, beweglich, ehrgeizig, temperamentvoll. Auch heute beim Abschlusstraining gab er sich so. Er will nicht verlieren, er kann nicht verlieren, er gibt alles, um als Gewinner vom Platz zu gehen. Er meckert, er schreit, er kritisiert die Kollegen, weil er den Erfolg will. Den Erfolg, den er zurzeit mit der Regionalliga-Mannschaft des HSV erleben muss.

Die Frage, die er – und die drei anderen Kollegen – stellen wird, ist die: „Wie lange noch?“ Im Winter, im Januar, beginnt die zweite Transferperiode dieser Saison, vielleicht klappt es ja dann. Wenn es denn gewollt und gewünscht wird.

So, aktuell ist heute beim HSV nichts passiert. Gestern allerdings bestritt Hakan Calhanoglu sein erstes A-Länderspiel für die Türkei, der Mittelfeldmann wurde beim WM-Qualifikationsspiel Türkei gegen Andorra (5:0) in den letzten acht Spielminuten eingesetzt – und darf demzufolge jetzt für kein anderes Land als die Türkei spielen. Schade. Aber Glückwunsch zur Premiere – der HSV hat einen Nationalspieler mehr.

Ganz zum Schluss, es hat niemand (!) darauf gewartet, aber ich muss es noch chronologisch abliefern: Wolfsburg gegen Bayern, die Frauen, endete 1:1. Aber nur deshalb, weil Bayerns Nationalspielerin Lena Lotzen, die kürzlich auch half, dass Deutschland Europameister wurde, beim Stande von 1:1 bereits die VfL-Torhüterin umkurvt und das leere Tor vor sich hatte, sie auch schoss – aber um Millimeter am leeren Tor vorbei (75.). Ein Kunststück, das, ganz klar, auch schon so mancher Mann in der Bundesliga vollbracht hat – aber beim Frauen-Fußball habe ich das noch nie gesehen, das geht ganz sicher in die Geschichte ein.

PS: Morgen, am Sonntag, wird im Volkspark nicht trainiert. Gespeilt wird um 14 Uhr in Norderstedt (Eintracht gegen HSV II), und gespielt wird schon früh am Millerntor, wenn sich die Elite des deutschen Fußballs zum Tag der Legenden trifft. Dabeisein ist alles – und es ist immer noch für einen sehr guten Zweck.

16.39 Uhr

Lasogga, van der Vaart, Rieckhoff und Co ***HSV gewinnt 4:0 in Lüneburg***

3. September 2013

Nicht Pierre-Michel Lasogga steht heute an erster Stelle, auch nicht Paul Scharner oder Ernst-Otto Rieckhoff – sie alle kommen erst später dran. Einer nach dem anderen. Beginnen möchte ich aber mit dieser Nachricht:

Ohne Rafael van der Vaart müssen die Niederlande bei ihren beiden WM-Qualifikationsspielen in Estland und Andorra auskommen. Der Mittelfeldspieler vom HSV zog sich am Dienstag im Training in Katwijk eine Oberschenkelverletzung zu und reiste aus dem Mannschaftsquartier ab. Für den Kapitän des Fußball-Bundesliga-Clubs nominierte Trainer Louis van Gaal Mittelfeldspieler Adam Maher von PSV Eindhoven nach. Durch den Ausfall van der Vaarts steigen die Chancen auf ein Comeback von Wesley Sneijder. Der bei van Gaal in Ungnade gefallene Spielmacher von Galatasaray Istanbul stand ursprünglich nicht im Kader, wurde am Montagabend aber nachnominiert, weil Eindhovens Georginio Wijnaldum verletzungsbedingt passen musste.

Diese Nachricht möchte ich kurz noch ergänzen: Nicht nur Wesley Sneijder könnte oder wird profitieren, sondern auch Hakan Calhanoglu. Ich glaube nämlich nicht, dass diese Verletzung, die sich der „kleine Engel“ mit einem ganz langen Anlauf eingefangen hat, so schnell auskuriert sein wird. Das dauert bestimmt. Obwohl Dortmund jetzt noch eineinhalb Wochen entfernt ist, rechne ich ganz stark damit, dass „Cal“ gegen den BVB die Geschicke des HSV lenken wird – auf dem Rasen natürlich. Und dann bin ich mal gespannt. Ich traue dem türkischen U-21-)Nationalspieler zu, dass er gegen den Vizemeister schon mal sein ganzes Können präsentieren wird. Zum Vorteil des HSV. Ich freue mich auf jeden Fall schon mal auf dieses Spiel und auf diesen Auftritt, ohne dem Neu-HSVer damit einen gewissen Druck machen zu wollen. Einfach nur mal locker aufspielen und zeigen, was man so drauf hat, das wäre das richtige Motto.

So, und dann zum nächsten Mann: Lasogga. Heute stellte er sich in Hamburg und im Volkspark vor. Um ehrlich zu sein, ich hatte gedacht, dass er gleich am Ball sein würde, aber erstens war heute am Vormittag keiner am Ball (es gab einen 24-minütigen Waldlauf), und zweitens kann Pierre-Michel, der von allen nur Pierre gerufen wird (auch von mir jetzt), noch gar nicht so richtig mit Ball. Obwohl Thorsten Fink bei mir (und vielleicht nicht nur bei mir) eine gewisse Neugierde geweckt hatte, als der HSV-Coach letzte Woche verkündete: „Ich denke, dass Pierre am Dienstag das erste Mal mit uns trainieren wird . . .“ Das aber geht gar nicht, denn nachdem Lasogga 2012 einen Kreuzbandriss erlitten hatte, so laboriert er jetzt noch an den letzten Auswirkungen eines Außenbandanrisses. Ende offen. Der 21-jährige Stürmer, der von Erstliga-Aufsteiger Hertha BSC zum HSV wechselte, wird sich in den nächsten Tagen erst einmal mit HSV-Reha-Trainer Markus Günther „vergnügen“ müssen. Und dann wird man sehen, wie schnell der Heilungsprozess endgültig abgeschlossen ist. Auch hier ist das Ende noch offen. Ich tippe mal: Dortmund ist nicht. Er selbst sagt: „Ich denke nur von Tag zu Tag, bin aber zuversichtlich, weil es mir wirklich gut geht.“

Dann sprudelt es aus ihm hervor: „Hamburg ist eine schöne Sache für mich, ich denke über diesen Wechsel nur positiv und freue mich auf den HSV, ich will helfen, dass wir eine Super-Saison spielen.“ Und: „Ich werde jetzt langsam aufgebaut, und dann schauen wir mal, wie schnell ich dann zur Mannschaft stoße. Ich fühle mich sehr gut, ich bin zuversichtlich, dass ich in den nächsten Tagen Fortschritte machen werde.“ Nach Soforthilfe klingt das nicht. Leider nicht. Wie er dem HSV später einmal helfen will,, das verriet Pierre Lasogga (Rückennummer 20) auch schon mal: „Ich werde so spielen, wie es meine Art ist. Ich werde mich überall reinhauen, und ich werde dem Gegner da vorne auf den Keks gehen. Und dass ich, wenn es super läuft, meine Tore machen werde. Das erwartet man ja auch von einem Stürmer. Und ich spüre von allen Seiten das Vertrauen, deswegen denke ich auch, dass das mit mir hier auch klappen wird.“

Pierre Lasogga ist für ein Jahr ausgeliehen, es gibt keine Kauf-Option, so, wie es zurzeit aussieht, müsste er im Sommer 2014 wieder zurück zur Hertha. Aber ähnlich verhält es sich ja auch mit Per Ciljan Skjelbred (Hertha) und Dennis Aogo (auf Schalke). „Es ging alles recht schnell über die Bühne, spiele von heute auf morgen für einen anderen Verein, aber so ist der Fußball, da kann es mitunter recht schnell gehen – das sieht man ja jetzt. Ich freue mich aber auf diese Aufgabe, denn ich hoffe, dass ich hier die Chance bekommen werde, wieder regelmäßig zu spielen – und diese Chance möchte ich nutzen.“ Ein direktes Vorbild hatte er nie, schon als kleiner Knirps wollte er Profi-Fußballer werden. Er schwärmt aber für den englischen Fußball, weil sich die Stürmer auf der Insel auch immer körperlich voll reinhauen: „Das entspricht auch meiner Spielweise. Deswegen ist England auch ein Traum von mir.“

Über den HSV befand der neue Mann: „Es ist immer schön, für einen Traditions-Club spielen zu können, denn ich denke, dass dahinter immer eine große Fan-Kultur steckt. Ich habe ja auch schon mit der Hertha hier gespielt, ich weiß also schon, welch großartige Stimmung hier in diesem Stadion herrscht, deswegen freue ich mich auch sehr auf die Fans.“ Seine bisherigen Kollegen Tunay Torun und Änis Ben-Hatira haben ihm erstens geraten, zum HSV zu gegen („Tolle Fans, super Stadion“), und zweitens haben sie ihm alles Gute gewünscht. Lasogga sollte bereits im Winter zum HSV kommen, aber damals war er noch zu teuer, in diesen Tagen wollte ihn auch der VfB Stuttgart – aber der HSV machte das Rennen. „Ich weiß, was ich kann, und ich bin einer, der jeden Tag 100 Prozent gibt, der nie aufgibt. Und ich würde mich mal als fußball-bekloppt beschreiben, ich denke nur an den Fußball, dafür lebe ich“, sagt Pierre Lasogga, der in Hamburg zunächst einmal in einem Hotel leben wird.

Dann sagte Pierre Lasogga noch etwas für mich ganz Bemerkenswertes. Nämlich über seinen Hund. „Hunde wissen nicht, ob man reich oder arm ist, die freuen sich einfach, wenn du nach Hause kommst. Und in unserem Leben, das muss man mal sagen, gibt es ja nicht so viele wahre Freunde, deswegen ist es schön jemanden zu haben, der sich immer freut, wenn man nach Hause kommt. Das war jetzt besonders schön, wenn ich jeden Tag von der Reha nach Hause gekommen bin – das war schon cool. Mitunter fällt da der Abschied schwerer als von der eigenen Mutter . . .“ Die Hündin heißt übrigens „J. Lo“!

Dann geht es einen Mann weiter. Ernst-Otto Rieckhoff. Der ehemalige Aufsichtsrats-Chef des HSV ging heute mit seiner Initiative „HSVplus – Aufstellen für Europa“ an die Öffentlichkeit. Gemeinsam mit den „Altmeistern“ Holger Hieronymus, Ditmar Jakobs und Thomas von Heesen, die mithelfen wollen, dass der HSV endlich die so dringend benötigten Bundesliga- und profi-gerechten Strukturen bekommt. Unter „www.hsvplus.de“ kann sich jedes interessierte HSV-Mitglied (natürlich auch Fans) darüber informieren, was und wie etwas geplant ist – und wie es weitergehen soll – und kann.

Ich muss zugeben, dass ich von der Art und Weise dieser Präsentation sehr, sehr angetan war, das hatte alles Sinn und Verstand, und in dieser (fast) perfekten Umsetzung hätte ich es auch nie erwartet. Mich durchfuhr während der Veranstaltung im Haus des Sports immer wieder ein Gedanke: „Otto Rieckhoff muss sich seit Wochen, ja seit Monaten mit nichts anderem mehr beschäftigt haben, als mit dieser Struktur-Änderung. Davor ziehe ich den Hut.“ Wie gut das alles bisher durchdacht und geplant ist, davon kann sich nun jeder selbst im Internet überzeugen.

„Es geht um die Ausgliederung der Fußball-Lizenz-Aktivitäten des HSV, aber unter ganz besonderer Beachtung des einmaligen Charakters unseres Universal-Sportvereins“, sagt Rieckhoff und fuhr fort: „Wir reden hier nicht über Personen, sondern wir reden erst über den einzig richtigen Weg, und dann über Personen. Das schließt aber nicht aus, dass wir bereist Unterstützer für diesen Weg gefunden haben.“ Dann wurden die „Jungs“ von 1983 begrüßt und vorgestellt. Danach sagte Rieckhoff weiter: „Wir, die HSV-Mitglieder in der Initiative HSVplus, sind der festen Überzeugung, dass für uns der Zeitpunkt gekommen ist, auch außerhalb des Stadions zu handeln. Der Anstoß zu Struktur-Änderungen muss ganz offenbar von uns Mitgliedern kommen, denn die Führungsgremien des HSV bewegen sich nicht – in unserer Situation völlig unverständlich. Wir wollen jetzt nicht mehr tatenlos zusehen.“

Rieckhoff stützt sich auf Experten, die sich juristisch, wirtschaftlich und auch im Fußball bestens auskennen. „Diese Gruppe weiß, wovon sie redet, und sie fühlt sich ausschließlich dem Wohl des HSV verpflichtet. Hier sucht niemand einen Job, ein Amt oder ein Spielfeld für Eitelkeiten, es geht ausschließlich um die Sache – das gilt insbesondere auch für mich“, sagte Otto Rieckhoff und fügte hinzu: „Mit den vorhandenen Strukturen, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten wird es nicht gelingen, unseren HSV sportlich und wirtschaftlich wieder auf die Erfolgsspur zu bekommen.“ Und: „Kein durchschlagskräftiger Partner, auch keine Persönlichkeiten engagieren sich mehr innerhalb der vorhandenen Vereinstruktur, was auch kein Wunder ist – bei der schweren Belastung mit unserem Negativ-Image, was wir uns in letzter Zeit aufgebaut haben. Sympathisanten, Partner und Zuschauer wenden sich zum Teil schon ab von unserem HSV. Wir wollen finanziell wieder handlungsfähig werden und unsere Mannschaft verstärken können.“ Eine der wichtigsten Veränderung bei einer zukünftigen HSV-Fußball-AG wäre die Möglichkeit für externe Geldgeber, mit bis zu 24,9 Prozent Anteile zu erwerben.

Es ist alles das, was Otto Rieckhoff antreibt, ist aber unter „www.hsvplus.de“ zu sehen.

Ditmar Jakobs, ehemaliger Nationalspieler und HSV-Kapitän, sagte zu seiner Rolle bei „HSVplus“: „Ich habe mich zur Verfügung gestellt, weil ich sehe, dass es so nicht mehr weitergeht mit unserem Club. Allein vom Finanziellen her. Wir müssen ausgliedern und alles auf vernünftige Beine stellen. Es geht meiner Meinung nach gar nicht mehr anders.“ Thomas von Heesen befand: „Strukturveränderung bedeutet aus meiner Sicht immer Fortschritt. Und es ist an der Zeit, dass der HSV seine Strukturen nachhaltig ändern muss, um auf Dauer wieder wettbewerbsfähig zu sein. Man lebt zu viel in der Historie, wenn man wieder Erfolge haben will, dann muss man die Dinge ändern, die nicht mehr zeitgemäß sind.“ Von Heesen weiter: „Es ist schon längst an der Zeit, es ist höchste Eisenbahn sogar, dass etwas passiert, um auch die Möglichkeit zu schaffen, den HSV vom Kapital her wieder dorthin zu bringen, dass er Möglichkeiten hat, wieder international eine Rolle zu spielen – national natürlich auch. So ist der Anspruch beim HSV.“ Resümierend befand „Tommy“: „Die Initiative hat meine totale Unterstützung, sie ist absolut sinnvoll, sie wird von vielen begrüßt und ebenfalls unterstützt – von daher möchte ich auch alle anderen auffordern, HSVplus zu unterstützen und voranzutreiben.“

Holger Hieronymus sagte über seine Beweggründe: „Ein kurzer Blick zurück: Wir waren mal der Marktführer, und wir sind im Moment ganz weit weg vom Marktführer. Das sieht wohl keiner anders. Ich habe in den letzten acht Jahren die Gelegenheit gehabt, aus nächster Nähe zu beobachten, was andere Vereine hinsichtlich der Ausgliederung getan haben – da wurden viele Dinge ganz gründlich, sehr gründlich sogar, vorbereitet. Und genau so ist es hier nun auch passiert. Ich bin froh, dass ich mich dabei ein Stück weit auch mit einbringen konnte.“ Der ehemalige DFL-Geschäftsführer weiß natürlich genau, wovon er spricht – er kennt die anderen Profi-Vereine in Deutschland wie seine Westentasche. Und macht genau deswegen auch im Team Rieckhoff mit.

In der vergangenen Woche gab es die Nachricht von einem „Magath-Plan“ unter der Regie von Klaus-Michael Kühne, heute stellte Otto Rieckhoff sein Modell (überaus gekonnt und professionell!) vor – und auch Ex-Präsident Jürgen Hunke ist ja noch mit ähnlichen Dingen „unterwegs“, um ebenfalls neue Strukturen innerhalb des HSV herbeizuführen. Es ist etwas losgetreten worden – und das ist auch gut so. Denn so wie bisher, so darf es nicht weitergehen, so hätte der HSV nämlich nie wieder die Chance, mal wieder ein der Spitze von Deutschland zu stehen. Profi-Fußball funktioniert nur dann gut, wenn man auch Geld für den Profi-Fußball hat, und der HSV hat kein Geld mehr. Wer diesen neuen Weg nicht mitgehen will,, der sollte sich besser darauf einstellen, dass der HSV mindestens zu grauen Maus der Liga verkümmert – wenn nicht noch Schlimmeres passiert.

So, dann noch einige kleine Dinge am Rande:

Paul Scharner hat sich heute von den Hamburger Journalisten mit einem Wiener Schnitzel verabschiedet – der Abwehrspieler beendet ab sofort seine Karriere. Vielen Dank für 49 Bundesliga-Minuten, die dem HSV viel, viel Geld gekostet haben – und damit möchte ich nicht nur Paul Scharner die Schuld an einem unfassbaren Missverständnis in die Fußballstiefel schieben.

Dann gab es für „Matz ab“ etwas Erfreuliches, denn das „Matz-ab-Banner“ist wieder aufgetaucht. „Gobi“ schrieb: „Nicole Fister hat mich gerade informiert, dass der Ordnungsdienst unser Banner einigen Braunschweig-Fans abgenommen hat. Wir können es uns Ende dieser Woche abholen.“ Großartig. Das wäre ja auch jammerschade gewesen, wenn das brandneue Ding gleich in der Versenkung verschwunden wäre. Bin gespannt, wer der nächste sein wird, der sich des „Dingens“ bemächtigen will . . .

Dann möchte ich mich ausdrücklich bei HSV-Fan Thomas Hä. aus Winsen/A. bedanken, der mir einen unfassbar langen Brief geschrieben (!) hat, mit Kuli-Wechsel zwischendurch. Lieber Herr Hä., Sie haben mir in vielen, vielen Dingen aus de Seele geschrieben, aber ich glaube, dass Sie und auch ich nichts daran ändern werden – es ist beim HSV so, wie es ist. Leider. Und gelegentlich ist es eben sehr, sehr unprofessionell.

Zu, zum Schluss dann noch ein neues HSV-Buch: 111 Gründe, den HSV zu lieben. Oder den Hamburger SV zu lieben. Das Buch ist eine einzige Liebeserklärung, von Jörg von Ahn, Thorsten Eikmeier, Malte Laband und Philipp Markhard geschrieben. Es hat 256 Seiten und kostet nur 9,95 Euro. „Der HSV ist’n reiner Weltverein, das sach ich dir!“ Das hat „Dittsche“ schon mehrfach gesagt, und warum das so ist, das ist in diesem Buch nachzulesen. Viel Spaß damit. Das Werk erscheint am 15. September.

PS: Morgen, Mittwoch, wird im Volkspark um 10 Uhr trainiert.

P.P.S.: Der HSV gewann den Test bei Eintracht Lüneburg mit 4:0. Maximilian Beister traf gleich dreifach (11., 42., 64.). Den vierten Treffer vor 1700 Zuschauern besorgte Ivo Ilicevic in der 36. Minute.

18.23 Uhr

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