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Van der Vaart: “Wir werden zusammen durchs Feuer gehen”

6. Februar 2014

Es ist etwas passiert in dieser Woche. So zumindest sieht es Trainer Bert van Marwijk – ebenso wie HSV-Kapitän Rafael van der Vaart. Der Niederländer, sonst eher ein Freund der leisen Töne, hatte ebenso wie Bert van Marwijk meiner Meinung nach heute einen wirklich richtig guten Auftritt bei der obligatorischen Pressekonferenz vor einem Heimspiel. Beide versprachen Besserung und demonstrierten ihre Überzeugung, dass die Mannschaft am Sonnabend den nötigen Kampf gegen Hertha BSC aufnehmen wird. Beide sind überzeugt, dass die Mannschaft die Situation erkannt hat und explodieren wird. „Man sieht sofort im Training, dass wir füreinander durchs Feuer gehen wollen“, sagt van der Vaart. Dieses Gefühl hätte er zwar lange nicht mehr gehabt, aber der Kapitän ist sich sicher: „Wir haben keine einfache Woche gehabt, haben viel miteinander geredet und sind zusammengerückt. Der Druck ist da – aber ich habe ein gutes Gefühl.“

Natürlich, es sind erst einmal nur Worte. Nicht mehr – nicht weniger. Am Sonnabend ab 18.30 Uhr wird sich zeigen, was diese Worte wert sind. Dennoch will ich hier nichts aburteilen, ohne ihm eine Chance gegeben zu haben. Selbst wenn es vielleicht die letzte Chance ist für den einen oder anderen, glaubwürdig rüberzukommen. So, wie van der Vaart heute. Im Training, das heute zum Teil öffentlich und zum Teil im Stadion unter Ausschluss von Zuschauern lief, wirkt van der Vaart die Woche über hochmotiviert. Mit „14 Sprints in 180 Rückrundenminuten“ hat van der Vaart statistisch einen schweren Schlag auf den Hinterkopf bekommen – aber dafür läuft er am meisten. Auch im Training. Und obwohl alle wissen, wie schwer es ihm fällt, wird er jetzt sogar laut. Er mahnt seine Kollegen, endlich den Kampf anzunehmen. „Inzwischen kommt bei uns auch Angst dazu, das geht bis in die Knochen. Schlechter geht es kaum. Keiner glaubt mehr an uns. Aber wir wissen, nur wir selbst können das drehen. Nicht mit schönem Fußball, wir müssen zusammen kämpfen. Wenn einer seinen Zweikampf verliert, dann muss der nächste da sein. Von vorne bis hinten.“

Stimmt. Das sind die Basics im Abstiegskampf. In Mainz, Nürnberg und Augsburg haben sie das längst begriffen und praktizieren es erfolgreich. In Braunschweig haben sie es auch erkannt – verlieren aber trotzdem weiter. Allein in Hamburg schien das noch nicht bei allen angekommen zu sein.
Aber jetzt?

Van der Vaart jedenfalls ist davon überzeugt. „Wir dürfen nicht nur sagen, dass wir schlecht verteidigen oder dass wir zu wenig Tore machen. Wir müssen alles zusammen machen. Wenn wir dann am Ende nicht gewinnen, oder zum Beispiel einfach 0:0 spielen, obwohl wir einen geilen Kampf geliefert haben, dann glaube ich auch, dass am Ende die Fans wieder an uns glauben. Und das ist für uns am wichtigsten. Das Gefühl wieder zu bekommen, dass wir eine Mannschaft sind.“ Denn dann sei sicher, dass die Klasse gehalten würde. Van der Vaart: „Wir werden nicht absteigen. Ganz sicher.“

Das klingt so, wie es klingen soll. Und auch van Marwijk bleibt gewohnt cool. Der Cheftrainer scheint aus seinen Männchen Männer zu machen. „Ich habe mal gesagt, dass wir härter miteinander umgehen müssen, dass wir mehr Widerstand haben. Mannschaften, die unglaublich nett zueinander sind, die gewinnen am Ende nicht. Und da ist diese Woche etwas passiert, dass man kritischer zueinander ist. Und dabei wächst man oft noch enger zusammen. Dafür ist dieser Moment.“ Ebenso wie die Montagseinheit diese Woche, die ansonsten nicht Usus war. „Es war nicht, um extra zu belasten, sondern, um ein Signal zu geben.“ Als ein solches habe er auch die Fanaktionen verstanden. „Das ist schön zu sehen.“

Van Marwijk bleibt trotz aller Kritik auch an seiner Person souverän. Und das ist gut zu sehen. Gerade bei einer Mannschaft, die verunsichert ist, ist das enorm wichtig. Er schützt die Mannschaft so, obwohl ich mir sicher bin, dass er innerlich ob der vielen individuellen Fehler kocht.

Auch bei Jonathan Tah macht er vieles richtig. Das Gespräch mit seinem Youngster, der ob seiner öffentlich gewordenen Vertragsdetails im Fokus der Öffentlichkeit stand, schmettert er kurz ab. „Ich habe mit ihm gesprochen. Und was wir besprochen haben, bleibt unter uns.“ Auch auf erneute Nachfrage kommt nicht mehr. „Ich möchte auch immer gern etwas mehr sagen, aber das geht nicht immer. Denn das wichtigste ist die Mannschaft. Und daran halte ich mich.“ Daher behielt er auch für sich, was er noch an Kleinigkeiten verändern wolle im Ablauf vor dem Spiel. Auch seine fehlinterpretierte Aussage nach dem 0:3 gegen Schalke im Kabinentrakt („Ich steige hier nicht ab“) stellte er kurz klar. „Das war ganz anders.“ Punkt. Und irgendwie ist das auch gut so. Reicht ja.

So, zum Schluss noch zwei kurze Infos: Während van Marwijk den Einsatz von Pierre Michel Lasogga zwar herbeisehnt aber selbst sagt, dass es „ganz schwierig“ wird für Sonnabend, scheint der Einsatz von Rene Adler wahrscheinlicher. „Bei ihm sieht es von Tag zu Tag besser aus“, hofft der Trainer.

In diesem Sinne, im Abspann habe ich noch eine Kleinigkeit in eigener Sache. Ich bitte aber nur diejenigen, das zu lesen, die kommunizierend diesen Blog leben wollen. Es ist auf jeden Fall keinesfalls so, dass ich beleidigt bin. Das schafft hier keiner … ;-) Nein, wer mich beschimpfen will, kann das gern weiter machen. Und Kritik ist sogar herzlich willkommen. Aber okay, lest selbst…

Scholle


Nachtrag in eigener Sache:
Ihr wisst, dass ich mit Kritik kein Problem habe, selbst wenn sie mal unsachlich oder aus meiner Sicht sogar mal unberechtigt ist. Das seht Ihr schon daran, dass Dylan und Wortspieler noch immer nicht gesperrt sind… Aber, okay, im Ernst: Das Interview mit Carl Jarchow war sicherlich nicht das investigativste. Das muss es auch nicht sein und das habe ich auch nicht erwartet. Dieses Interview wird sicher keinen Preis gewinnen – aber es informiert über seine Haltung. Es transportiert seine Meinung in den wichtigen Fragen.

Richtig ist sicherlich, das sehe ich auch so, dass ich nicht meinen besten Tag hatte. Ich hätte mehr machen müssen. Aber bei Lars sehe ich das anders. Lars hat die Fragen gestellt, die jetzt zu stellen sind. Ob der HSV für die Zweite Liga gerüstet ist, ob Jarchow an Rücktritt gedacht hat oder ihn mit einem etwaigen Misserfolg in Abhängigkeit stellt – alles gefragt. Und sobald diese Fragen abschließend beantwortet waren, machte es auch keinen Sinn mehr, zu fragen: „Wirklich nicht? Nicht mal, wenn…“ Nein, hier zu erwarten, dass der HSV-Vorstandsvorsitzende bei uns im Interview wiederholt zum Rücktritt gedrängt wird, bis er auf seinem Stuhl zusammenbricht und tatsächlich zurücktritt – das kann keiner ernsthaft. Es wäre respektlos. Und bei aller Kritik an allen handelnden Personen – so berechtigt sie auch ist – ich werde nicht respektlos handeln, nur, weil Teile von Euch das gern sehen und hören würden. Dafür habt Ihr anschließend natürlich das Recht, mich zu kritisieren, das Videointerview langweilig zu finden – oder es einfach gar nicht erst anzusehen. Niemand wird hier zu irgendwas gezwungen. Ich nicht zum Schreiben des Blogs – und Ihr nicht zum Lesen. Nein, aber konstruktiver wäre, wenn Ihr mir die Fragen reinstellt, die Eurer Meinung nach unbedingt gefragt werden müssen. Dazu hatte ich Euch vor Wochen hier auch aufgerufen. Und es kam genau – keine einzige. Schade eigentlich. Aber ich werde beim nächsten Mal dran denken. Versprochen. Also, noch mal: Bis morgen!

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