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Behrami will spielen – Gouaida für Lasogga?

18. Dezember 2014

Joe Zinnbauer musste lachen. Ob er und Pierre Michel Lasogga Probleme hätten, wurde der HSV-Trainer gefragt. Und diese Frage war zulässig, wenn man allein das nimmt, was zuletzt zu sehen und zu hören war. „Nein“, so Zinnbauers Antwort, „ganz im Gegenteil: Wir haben ein gutes Verhältnis“, so der HSV-Trainer, der am Sonnabend auf Schalke auf seinen Stoßstürmer ebenso verzichten muss wie auf den gelbgesperrten Kapitän Rafael van der Vaart. Die gute Nachricht heute: Valon Behrami will auf Schalke wieder auflaufen können. „Die Signale sind da, dass er spielen kann“, so Zinnbauer. „Und wenn Valon das sagt, dann stimmt das meistens.“ Hoffentlich auch diesmal.

Denn diesmal wird es noch wichtiger sein, als gegen den VfB Stuttgart am Dienstag. Der FC Schalke hat nach dem Einzug ins Achtelfinale der Champions League mit dem schweren Sieg gegen starke Paderborner (ich habe mir das Spiel im Wechsel mit Frankfurt – Hertha angesehen) viel Selbstvertrauen. Die Mannschaft von Ex-HSVer Dennis Aogo hat Tempo im Spiel nach vorn, kantige, hart spielende und schnelle Defensivleute sowie mit Huntelaar einen Angreifer, der aus nichts Tore macht. „Es wird ganz sicher ein sehr intensives Spiel“, weiß Zinnbauer, der sich von Cotrainer Patrick Rahmen und einem HSV-Analysten Bericht erstatten ließ, „auf jeden Fall wird es ein ganz anderes als gegen Stuttgart. Es wird nicht vergleichbar sein.“

Auch personell nicht. Und voraussichtlich auch Taktisch, da Zinnbauer vom Zweierangriff wieder auf 4-2-3-1 umzustellen scheint. Mit Petr Jiracek oder Tolgay Arslan für van der Vaart und mit – Überraschung? Eigentlich nicht…! – Mohamed Goaida für Pierre Michel Lasogga. „Es kann gut sein, dass ich mit Mo auf der Position spiele“, so Zinnbauer, der auch die Abkehr von zwei Stürmern hin zum Spiel mit einer Spitze und einem so genannten „falschen Neuer“, einer „Neuneinhalb“ in Aussicht stellte. „Alles offen. Aber auch das ist eine Überlegung, das umzustellen.“ Und während Zinnbauer davon spricht, dass die Doppelspitze zuletzt eher Pech hatte, scheint das Projekt für mich gescheitert. so lange und stark ich auch darauf gepocht hatte, dass Zinnbauer es endlich mal mit zwei Spitzen versucht – für mich ist der Versuch zumindest in der Konstellation Lasogga/Rudnevs gescheitert. Die zwei harmonieren nicht. Und Torgefahr entwickeln sie miteinander schon mal gar nicht.

Von daher bin ich gar nicht so traurig, dass Lasogga auf Schalke nicht dabei sein wird. Der formschwache Rechtsfuß ist in einem Spiel, das vermehrt auf Konter ausgelegt sein wird, eh nicht die Optimallösung. Rudnevs hingegen bringt zumindest die nötige Geschwindigkeit mit. Ebenso wie der laufstarke Gouaida, der mir gegen Stuttgart offensiv trotz der überschaubaren Einsatzzeit noch am besten gefallen hat – was allerdings sehr, sehr relativ ist. Dennoch, wenn der Einsatz eines U23-Youngsters in der Bundesliga Sinn macht, dann dieses Mal.

Soll am Sonnabend auf Schalke voraussichtlich hinter Rudnevs die Fäden ziehen: Mohamed Gouaida.

Soll am Sonnabend auf Schalke voraussichtlich hinter Rudnevs die Fäden ziehen: Mohamed Gouaida.

Gouaida ist ein gelernter Stürmer, der zuletzt alles einmal spielen durfte und musste. „Er ist ein gelernter Stürmer, der dann auf der Zehn, später auf der Elf und zuletzt auch auf der Acht gespielt hat. Vielleicht wird es Zeit, dass er eine feste Position bekommt“, sagt Zinnbauer.

Gesetzt war zuletzt Ronny Marcos, der seine Sache defensiv zufriedenstellend erledigt hat und dem ich großen Respekt dafür zolle, dass er auf Anhieb so präsent ist. Dennoch habe ich in den letzten Wochen eher eine fallende denn eine steigende Formkurve ausgemacht. Insbesondere nach vorn kommt von dem pfeilschnellen Youngster wenig bis nichts. Zudem hat Marcos mannschaftsintern die höchste Fehlpassquote. Wie fast die ganze Mannschaft schien mir Marcos wie ein angeschlagener Boxer, den der Runden-Gong gerade noch retten kann. Und ehrlich gesagt hoffe ich für ihn, dass selbiger schon vor dem Spiel auf Schalke ertönt. Und das deutete Zinnbauer heute sogar an: „Ich glaube nicht, dass er sagt, dass er nicht spielen will. Klar ist, dass die Mannschaft jungen Spielern helfen muss. Klar ist aber auch, dass der Spieler seine Leistung abrufen muss. Und wir haben mit Ostrzolek auch einen guten Spieler, der auch in die Mannschaft will. Das sieht man auch im Training. Es kann durchaus sein, dass es auch da mal wieder einen Wechsel gibt. Da ist alles offen. Die Jungs wissen doch auch, dass nach einem verlorenen Spiel wieder die Türen offen sind beim Trainer. Von daher lade ich alle Jungs ein, Gas zu geben und mir zu zeigen, dass sie auf Schalke ein gutes Spiel machen wollen.“

Dass es voraussichtlich wieder kein ansehnliches Spiel des HSV wird, scheint klar. Man müsse z den alten regeln zurückkommen, zu kämpfen und die Bälle zu gewinnen, fordert Zinnbauer erneut großen Einsatz. Und um körperlich bestens präpariert zu sein, wurden zusätzliche Physiotherapeuten zur Arena berufen. Heute gab es eine ordentliche Laufeinheit und Stabilisationstraining für den Stamm, lockeres Balltraining für die Reservisten auf dem Platz. Wieder mit dabei waren Tolgay Arslan, der gegen Schalke im Kader stehen wird und auch Marcell Jansen, bei dem die Ärzte von einem Einsatz noch dringend abraten. „Es ist sehr schade für mich“, sagt Jansen, dem Wechselgedanken für den Winter nachgesagt werden. „Aber noch mal, ob verletzt oder nicht – jetzt zählt nur Schalke. Ganz eindeutig auch für mich. Was danach passiert, kann und will ich jetzt auch noch nicht sagen. Wir werden uns zu gegebener Zeit allesamt hinsetzen und sprechen. Aber bis dahin will ich nicht derjenige sein, der den Fokus vom Wesentlichen abrückt. Zumal ich fest davon überzeigt bin, dass wir auf Schalke was mitnehmen können.“

Das stimmt. Vielleicht ja sogar einen Punkt. Oder drei. Auf jeden Fall aber reagierte Zinnbauer auf die letzte Winterpause und setzte am Sonntag, also am Tag nach dem letzten Hinrundenspiel noch eine Trainingseinheit an. Dass diese letztlich nicht mehr als ein lockeres Auslaufen beinhalten dürfte – egal. Zinnbauer geht es darum, dass sich niemand schon frühzeitig gedanklich gen Urlaub verabschiedet und alle zum Abschluss noch mal in Ruhe zusammenkommen. „Mit einem Sieg im Gepäck würde das natürlich deutlich angrenehmer“, sagt Zinnbauer, „auch für die Stimmung in der wochenlangen Pause.“

Angesichts der Art seiner fünften Gelben musste ich mir zuletzt von vielen sagten lassen „das hat der doch mit Absicht gemacht“. Und wirklich widersprechen konnte ich nach neuerlicher Ansicht des Zustandekommens der Gelben Karte für Rafael van der Vaart nicht. Aber ich habe diesen van der Vaart anders kennengelernt und schätze ihn als Typ. Er hat mit der Valencia-Geschichte einen Fehler gemacht und diesen eingestanden – seither habe ich ihn als ehrlichen, kritischen HSVer erlebt. Ich will dem Niederländer schlichtweg nichts unterstellen und gehe daher weiterhin davon aus, dass er – wie nach dem Spiel – einfach etwas zu stark gereizt war, als dass er sich im Griff haben konnte. Das macht die Sache nicht ungeschehen – aber auch nicht noch schlimmer…

In diesem Sinne! Ich hoffe einfach mal, dass sich alle Spieler – egal wer am Ende in der Startelf steht – noch ein letztes Mal hochfahren und 100 Prozent Einsatz aus sich herauskitzeln können. Aber vor allem hoffe ich darauf, dass der HSV im Winter Spieler abgeben kann und wenigstens ein wenig handeln kann und wird. Denn dass das zwingend nötig ist, hat diese Hinrunde jetzt schon bewiesen.

Bis morgen! Da wird wieder unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert.

Scholle

P.S.: Am Sonnabend werden wir wie immer nach dem Spiel aus dem „Champs“ in Burgwedel „Matz ab live“ senden. Gäste diesmal sind der ehemalige Weltklasse-Volleyballer und HSV-Aufsichtsrat Frank Mackerodt sowie Jürgen Wähling, seines Zeichens Ex-Bundesligaspieler und –trainer, der zudem als Scout für den HSV arbeitete.

Im Zeichen des Wechsels – der Tag danach

17. Dezember 2014

Man ist schnell geneigt, Peter Knäbels Worte als „Schönreden“ zu interpretieren. So falsch das auch ist. Denn die stets unbeeindruckt gleichbleibende Tonlage, wohl gewählte Formulierungen und der Verzicht auf direkte Kritik lassen den Verdacht zwar zu. Aber er ist zweifellos falsch. Denn zwischen den Zeilen lässt Peter Knäbel mehr als deutlich erkennen, wie maßlos enttäuscht er ist. Er sagt nett, dass es so nicht weitergehen kann, darf und vor allem auch so nicht weitergehen wird. Er kündigt personelle Konsequenzen an und wirkt entspannt, nett – einfach alles andere als aufgeregt oder böse. „Peter ist ein herausragender Analyst, der immer den Überblick behält“, hatte Vorstandsboss Dietmar Beiersdorfer bei dessen Inthronisierung gesagt – und damit den Nagel auf den Kopf getroffen.

Der Direktor Sport stand uns heute 30 Minuten Rede und Antwort. Und er sagte trotz aller Zurückhaltung sehr viel. Nach dem Videointerview sogar noch etwas mehr. „Es war zweifellos das hässliche Gesicht zu Hause, das wir gegen Stuttgart gezeigt haben“, so Knäbel auf Nachfrage offen. Dennoch hoffe er jetzt auf eine Reaktion: „Die Wut über die eigene Leistung muss so viel Energie freisetzen, die wir auf Schalke hoffentlich in Leistung umsetzen können.“

Wütend, oder zumindest enttäuscht war zuletzt auch Tolgay Arslan. Und nach seinem Kurzeinsatz gegen Stuttgart dürfte sich seine Aussicht, in Hamburg zu bleiben, nicht verbessert haben. Im Gegenteil. Großen Tönen (Mopo-Interview) folgten minimalistische Taten. Seine Aktionen wurden am Spielende sogar mit Pfiffen bedacht. Und das berechtigt, wie insgesamt die Pfiffe für die Gesamtleistung der Mannschaft. Ob Arslan ebenso wie Marcell Jansen im Winter gehen dürfe bei einem passenden Angebot? „Ich bin mit beiden Spielern wie auch mit allen anderen, die Anfragen haben, in Kontakt. Konkretisiert hat sich bislang gar nichts. Aber wenn wir Anfragen reinkommen, sprechen wir und sehen, was am Ende in der Realität auch umgesetzt wird“, sagt Knäbel. Soll heißen: Ja, beide dürften gehen und das Geld würde für Verstärkungen ausgegeben. Und danach sieht es tatsächlich aus.

Wobei es damit noch lange nicht getan ist. Denn Knäbel stellt alle auf den Prüfstand. Und neben Arslan und Jansen sollen nach Möglichkeit auch Ivo Ilicevic, Slobodan Rajkovic und Gojko Kacar einen Abnehmer finden. „Es ist überdeutlich, dass der HSV nach vorn in der Breite noch Bedarf hat“, hat Thomas von Heesen bei Matz ab live gesagt. Und der Aufsichtsrats-Vize hat Recht damit. Denn der auch von mir so lange erhoffte Zweiersturm funktioniert nicht. Nicht mal im Ansatz. „Man hat nicht das Gefühl, dass sie zusammen spielen“, so von Heesen vorsichtig, während aus der Mannschaft zu hören ist, dass die beiden mehr gegen- als miteinander spielen.

Dass sich Lasogga zudem mit Trainer Joe Zinnbauer überworfen haben soll, wollte Knäbel heute nicht bestätigen. Und ehrlich gesagt glaube ich das auch nicht. Obwohl Zinnbauer und Lasogga im Abschlusstraining vor Stuttgart ein verbales Scharmützel hatte, nachdem sich Lasogga Zinnbauers Kritik bei der Abschlussübung nicht widerspruchslos gefallen lassen wollte. „Wenn es da Gesprächsbedarf gibt, werden es die beiden schon lösen“, so Knäbel darauf angesprochen. „Das ist Trainersache.“

Lasogga ist bereits in der Winterpause. Der Angreifer fällt mit einer Oberschenkelzerrung verletzt aus. Er könnte jetzt resümieren, obgleich das nicht wirklich positiv ausfiele. Denn Lasogga muss sich selbst hinterfragen. Er kann lediglich auf eine Hinrunde zurückblicken, die für ihn persönlich wie für alle im Verein sehr enttäuschend verlaufen ist. Für 8,5 Millionen Euro diskutabel teuer aus Berlin verpflichtet wurde der Rechstfuß und stieg in Hamburg zu den Topverdienern auf. Er verpasste Großteile der Vorbereitung und kam trotz riesigen Vertrauensvorschusses von Zinnbauer, der immer weiter an ihm festhielt, bis zum Schluss seiner Hinrunde nicht so ins Spiel wie in der Vorsaison. „Wenn man den körperlichen Nachteil nicht mit mentaler Stärke wettmachen kann, dann sieht es so aus“, sagt Knäbel und nimmt seinen Angreifer teilweise auch in Schutz: „Torschusskrisen gehören bei einem Stürmer dazu – ohne, dass ich sagen will, dass er eine hat. Er hat auch das Problem, dass wir nicht so gut nach vorn spielen, wie wir es müssten. Dann kann es bei einem Stürmer auch mal so aussehen.“

Ich habe heute viele Gespräche geführt und mal wieder bemerkt, dass Tage nach derartig üblen Niederlagen oft dazu dienen, allen Frust rauszulassen. Es wird ehrlich gepöbelt. Von Funktionärsseite, aber auch von Spielerseite. Und klar ist mir spätestens seit heute, dass wir nicht noch mal einen Winter erleben werden, indem der HSV keinen Spieler los wird und deshalb nicht handeln kann. Trotz der überbordenden Schulden lege ich mich einfach mal fest: Arslan, der gleich von mehreren Klubs umworben sein soll, wird gehen. Jansen (Benfica will ihn) und Rajkovic (erneutes Angebot aus Russland) auch. Für Ilicevic wird es schwerlich einen Abnehmer geben. Ebenso wenig für Kacar, während René Adler einem Wechsel nicht zustimmen wird und sich hier durchbeißen will.

Viel Arbeit für den Vorstand – und für Knäbel. „Für mich beginnt nach dem letzten Spiel die Analyse. Und dann werden die entsprechenden Entscheidungen auf dem Transfermarkt getroffen. Wir müssen sehen, dass wir uns im Winter verbessern können. Ich gehe davon aus, dass wir alles, was wir reinholen auch wieder ausgeben können. Und selbst wenn man nicht viel einnimmt, gibt es immer einen Weg, Lücken zu schließen.“ Personeller Art, sagt Knäbel.

Wer am Sonnabend van der Vaarts Lücke schließen wird, der sich mit einer Dummheit zuerst die fünfte Gelbe abholte, um anschließend völlig berechtigte Fragen des Sky-Reporters mit „hast Du schlecht geschlafen“ dümmlich (aber auch nicht dramatisch, wie ich finde!) zu beantworten, scheint klar: Petr Jiracek rückt in die Startelf. Und sollte Valon Behrami tatsächlich ausfallen, wie ich heute gehört habe, rücken entweder Mohamed Gouaida (für mich der beste Hamburger gegen Stuttgart) oder Tolgay Arslan ins Team. Für den Letztgenannten könnte es zum Abschiedsspiel werden, oder? „Nein“, sagt Arslan, „es ist ausschließlich ein wichtiges Spiel für uns auf Schalke. Wir wollen die Punkte holen, die wir zu Hause liegengelassen haben. Was danach passiert, spielt bis dahin keine Rolle.“ Dass er das Fass seines möglichen Wechsels selbst aufgemacht hat, lässt er unkommentiert. Aber man spürt, dass der Frust bei dem Deutsch-Türken sogar tiefer sitzt als die Erkältung, wegen der er heute im Training fehlte. „Aber noch mal“, versichert Arslan, „am Sonnabend geht es um drei Punkte, die wir uns mit allen Mitteln holen wollen. Und ich würde dazu zu gern meinen Anteil beitragen. Punkt.“

Erst am vergangenen Wochenende haben sich Knäbel und Arslan ausführlich über dessen Zukunft unterhalten. Und dabei wurde dem Eigengewächs deutlich gemacht, dass er gehen kann, wenn sich ein Abnehmer findet, mit dem sich der HSV auf eine Ablösesumme einigen kann. Von dem einstigen „Wir sind von unserem Kader restlos überzeugt“ ist bei Knäbel nicht mehr allzu viel übrig. Wie auch…? Vor seiner ersten Transferphase als HSV-Direktor Sport schränkte er heute deutlich ein: „Ich glaube, dass wir genug Qualität haben, um unter diesen zehn Mannschaften, die sich alle im Existenzkampf befinden, zu bestehen.“

Daher ist ein neuerlicher, personeller Umbruch gewollt, weil nötig. Mit Abgängen – und neuerlichen Geldquellen, die noch niemand genauer benennen will – oder kann? Knäbel formuliert es so: „Es ist auch klar, dass man versucht, die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, indem man im Winter was tut. Wie viel man tun kann, hängt auf der einen Seite davon ab, wer geht. Und auf der anderen Seite ist es so, was hat man für Rahmenbedingungen, um zusätzlich was zu tun.“ Ein Investor? Knäbel weicht aus: „Es wird sich in den nächsten Wochen erweisen, was man zusätzlich tun kann und was man für Rahmenbedingungen hat. Es ist ein sehr komplexer, ein sehr schwieriger Fall. Aber es gibt auch einige da draußen, die uns helfen können.“ Klar, die Messlatte dafür wurde gestern ja sogar noch mal gesenkt.

Eigentlich wollte ich heute auch noch auf Ronny Marcos eingehen, den Zinnbauer meiner Meinung nach momentan überfordert. Ebenso wie auf die genau so fleißigen wie harmlosen Holtby und Müller. Aber das würde heute den Rahmen sprengen. Und für alle, die fachlich viel Input suchen, sei zum einen Thomas von Heesens herausragende Analyse im Matz-ab-live-Video empfohlen, zum anderen natürlich auch das Video-Interview mit Peter Knäbel.

Ich melde mich morgen nach dem Training (10 Uhr an der Arena) und der Pressekonferenz (12.30 Uhr) wieder bei Euch. Dann hoffentlich mit besseren Nachrichten von Valon Behrami.

Scholle

Van der Vaart: “Wir werden zusammen durchs Feuer gehen”

6. Februar 2014

Es ist etwas passiert in dieser Woche. So zumindest sieht es Trainer Bert van Marwijk – ebenso wie HSV-Kapitän Rafael van der Vaart. Der Niederländer, sonst eher ein Freund der leisen Töne, hatte ebenso wie Bert van Marwijk meiner Meinung nach heute einen wirklich richtig guten Auftritt bei der obligatorischen Pressekonferenz vor einem Heimspiel. Beide versprachen Besserung und demonstrierten ihre Überzeugung, dass die Mannschaft am Sonnabend den nötigen Kampf gegen Hertha BSC aufnehmen wird. Beide sind überzeugt, dass die Mannschaft die Situation erkannt hat und explodieren wird. „Man sieht sofort im Training, dass wir füreinander durchs Feuer gehen wollen“, sagt van der Vaart. Dieses Gefühl hätte er zwar lange nicht mehr gehabt, aber der Kapitän ist sich sicher: „Wir haben keine einfache Woche gehabt, haben viel miteinander geredet und sind zusammengerückt. Der Druck ist da – aber ich habe ein gutes Gefühl.“

Natürlich, es sind erst einmal nur Worte. Nicht mehr – nicht weniger. Am Sonnabend ab 18.30 Uhr wird sich zeigen, was diese Worte wert sind. Dennoch will ich hier nichts aburteilen, ohne ihm eine Chance gegeben zu haben. Selbst wenn es vielleicht die letzte Chance ist für den einen oder anderen, glaubwürdig rüberzukommen. So, wie van der Vaart heute. Im Training, das heute zum Teil öffentlich und zum Teil im Stadion unter Ausschluss von Zuschauern lief, wirkt van der Vaart die Woche über hochmotiviert. Mit „14 Sprints in 180 Rückrundenminuten“ hat van der Vaart statistisch einen schweren Schlag auf den Hinterkopf bekommen – aber dafür läuft er am meisten. Auch im Training. Und obwohl alle wissen, wie schwer es ihm fällt, wird er jetzt sogar laut. Er mahnt seine Kollegen, endlich den Kampf anzunehmen. „Inzwischen kommt bei uns auch Angst dazu, das geht bis in die Knochen. Schlechter geht es kaum. Keiner glaubt mehr an uns. Aber wir wissen, nur wir selbst können das drehen. Nicht mit schönem Fußball, wir müssen zusammen kämpfen. Wenn einer seinen Zweikampf verliert, dann muss der nächste da sein. Von vorne bis hinten.“

Stimmt. Das sind die Basics im Abstiegskampf. In Mainz, Nürnberg und Augsburg haben sie das längst begriffen und praktizieren es erfolgreich. In Braunschweig haben sie es auch erkannt – verlieren aber trotzdem weiter. Allein in Hamburg schien das noch nicht bei allen angekommen zu sein.
Aber jetzt?

Van der Vaart jedenfalls ist davon überzeugt. „Wir dürfen nicht nur sagen, dass wir schlecht verteidigen oder dass wir zu wenig Tore machen. Wir müssen alles zusammen machen. Wenn wir dann am Ende nicht gewinnen, oder zum Beispiel einfach 0:0 spielen, obwohl wir einen geilen Kampf geliefert haben, dann glaube ich auch, dass am Ende die Fans wieder an uns glauben. Und das ist für uns am wichtigsten. Das Gefühl wieder zu bekommen, dass wir eine Mannschaft sind.“ Denn dann sei sicher, dass die Klasse gehalten würde. Van der Vaart: „Wir werden nicht absteigen. Ganz sicher.“

Das klingt so, wie es klingen soll. Und auch van Marwijk bleibt gewohnt cool. Der Cheftrainer scheint aus seinen Männchen Männer zu machen. „Ich habe mal gesagt, dass wir härter miteinander umgehen müssen, dass wir mehr Widerstand haben. Mannschaften, die unglaublich nett zueinander sind, die gewinnen am Ende nicht. Und da ist diese Woche etwas passiert, dass man kritischer zueinander ist. Und dabei wächst man oft noch enger zusammen. Dafür ist dieser Moment.“ Ebenso wie die Montagseinheit diese Woche, die ansonsten nicht Usus war. „Es war nicht, um extra zu belasten, sondern, um ein Signal zu geben.“ Als ein solches habe er auch die Fanaktionen verstanden. „Das ist schön zu sehen.“

Van Marwijk bleibt trotz aller Kritik auch an seiner Person souverän. Und das ist gut zu sehen. Gerade bei einer Mannschaft, die verunsichert ist, ist das enorm wichtig. Er schützt die Mannschaft so, obwohl ich mir sicher bin, dass er innerlich ob der vielen individuellen Fehler kocht.

Auch bei Jonathan Tah macht er vieles richtig. Das Gespräch mit seinem Youngster, der ob seiner öffentlich gewordenen Vertragsdetails im Fokus der Öffentlichkeit stand, schmettert er kurz ab. „Ich habe mit ihm gesprochen. Und was wir besprochen haben, bleibt unter uns.“ Auch auf erneute Nachfrage kommt nicht mehr. „Ich möchte auch immer gern etwas mehr sagen, aber das geht nicht immer. Denn das wichtigste ist die Mannschaft. Und daran halte ich mich.“ Daher behielt er auch für sich, was er noch an Kleinigkeiten verändern wolle im Ablauf vor dem Spiel. Auch seine fehlinterpretierte Aussage nach dem 0:3 gegen Schalke im Kabinentrakt („Ich steige hier nicht ab“) stellte er kurz klar. „Das war ganz anders.“ Punkt. Und irgendwie ist das auch gut so. Reicht ja.

So, zum Schluss noch zwei kurze Infos: Während van Marwijk den Einsatz von Pierre Michel Lasogga zwar herbeisehnt aber selbst sagt, dass es „ganz schwierig“ wird für Sonnabend, scheint der Einsatz von Rene Adler wahrscheinlicher. „Bei ihm sieht es von Tag zu Tag besser aus“, hofft der Trainer.

In diesem Sinne, im Abspann habe ich noch eine Kleinigkeit in eigener Sache. Ich bitte aber nur diejenigen, das zu lesen, die kommunizierend diesen Blog leben wollen. Es ist auf jeden Fall keinesfalls so, dass ich beleidigt bin. Das schafft hier keiner … 😉 Nein, wer mich beschimpfen will, kann das gern weiter machen. Und Kritik ist sogar herzlich willkommen. Aber okay, lest selbst…

Scholle


Nachtrag in eigener Sache:
Ihr wisst, dass ich mit Kritik kein Problem habe, selbst wenn sie mal unsachlich oder aus meiner Sicht sogar mal unberechtigt ist. Das seht Ihr schon daran, dass Dylan und Wortspieler noch immer nicht gesperrt sind… Aber, okay, im Ernst: Das Interview mit Carl Jarchow war sicherlich nicht das investigativste. Das muss es auch nicht sein und das habe ich auch nicht erwartet. Dieses Interview wird sicher keinen Preis gewinnen – aber es informiert über seine Haltung. Es transportiert seine Meinung in den wichtigen Fragen.

Richtig ist sicherlich, das sehe ich auch so, dass ich nicht meinen besten Tag hatte. Ich hätte mehr machen müssen. Aber bei Lars sehe ich das anders. Lars hat die Fragen gestellt, die jetzt zu stellen sind. Ob der HSV für die Zweite Liga gerüstet ist, ob Jarchow an Rücktritt gedacht hat oder ihn mit einem etwaigen Misserfolg in Abhängigkeit stellt – alles gefragt. Und sobald diese Fragen abschließend beantwortet waren, machte es auch keinen Sinn mehr, zu fragen: „Wirklich nicht? Nicht mal, wenn…“ Nein, hier zu erwarten, dass der HSV-Vorstandsvorsitzende bei uns im Interview wiederholt zum Rücktritt gedrängt wird, bis er auf seinem Stuhl zusammenbricht und tatsächlich zurücktritt – das kann keiner ernsthaft. Es wäre respektlos. Und bei aller Kritik an allen handelnden Personen – so berechtigt sie auch ist – ich werde nicht respektlos handeln, nur, weil Teile von Euch das gern sehen und hören würden. Dafür habt Ihr anschließend natürlich das Recht, mich zu kritisieren, das Videointerview langweilig zu finden – oder es einfach gar nicht erst anzusehen. Niemand wird hier zu irgendwas gezwungen. Ich nicht zum Schreiben des Blogs – und Ihr nicht zum Lesen. Nein, aber konstruktiver wäre, wenn Ihr mir die Fragen reinstellt, die Eurer Meinung nach unbedingt gefragt werden müssen. Dazu hatte ich Euch vor Wochen hier auch aufgerufen. Und es kam genau – keine einzige. Schade eigentlich. Aber ich werde beim nächsten Mal dran denken. Versprochen. Also, noch mal: Bis morgen!

Die gute Stimmung ist zurück – jetzt will die Mannschaft nachlegen

5. Februar 2014

Mann oh Mann. Jetzt wird es auf Mannschaftsebene unsauber. Und das ausgerechnet jetzt, wo Männer gefragt sind, echte Typen besonders wichtig sind. Gerade stellt sich einer dieser Spieler hin und nimmt einen Satz vom Trainer und lässt ihn auf den ersten Blick aussehen, als würde der Trainer sich nicht mit dem Verein, der Mannschaft und vor allem der Situation identifizieren. Der Satz des Trainers wurde daraufhin von der „Sportbild“ thematisiert und heute auch von der „Mopo“ aufgegriffen. Man müsse hinterfragen, ob dem so war, so die Forderung meines integeren Kollegen Matthias Linnenbrügger, der wissen wollte, ob die Äußerung tatsächlich so gemeint war, wie der Informant der „Sportbild“ es verstanden wissen wollte.

Die wenig überraschende Antwort: Sie war natürlich nicht so gemeint.

„Wenn wir weiter so spielen, dann steigen wir ab. Aber: Ich steige hier nicht ab.“ So soll die Aussage von Herrn van Marwijk im Originalton geklungen haben. Sagt Kreuzer, der bei der Kabinen-Ansprache am tag nach dem 0:3 gegen Schalke dabei war. In Schriftform macht uns das zunächst nicht wirklich schlauer, daher hier die Erklärung: Der Trainer hat der Mannschaft mit dem Satz nur versucht, den Ernst der Lage zu erläutern, um dann hinterherzuschießen, dass ein Abstieg mit ihm zusammen nicht machbar sei. Dass er sich dagegen verwehrt. Er hat lediglich an die Ehre eines jeden einzelnen appelliert. Daraus zu drehen, der Trainer würde sich von der Mannschaft lossagen – das hat schon was Bösartiges.

Aber gut, jeder weiß, dass ein großer Bundesligakader immer auch unzufriedene Spieler produziert – und die loben ihren Cheftrainer selten dafür, dass der sie auf die Bank oder gar Tribüne verbannt hat. Und weil das beim HSV auch alle wissen, ist auch keiner aufgeregt trotz dieser neuerlichen Indiskretion. Man tut auch gut daran, daraus kein großes Thema mehr zu machen in einer Phase, in der die Mannschaft nur noch eines im Blick haben sollte: das jeweils nächste Spiel. Allein deshalb – und nicht, weil er beleidigt irgendeine Dummheit rausposaunt – ist das Verhalten dieses einzelnen so unfassbar dumm. Und hoffentlich nicht bezeichnend für den Rest.

Bezeichnend für die Umgangsweise der Berater im Fußballprofi-Business scheint der Fall Tah zu sein, wo sich der Spielerberater und der Vater nach der jüngsten Vertragsverlängerung des 17-Jährigen darum streiten, wer Jonathan Tah berät und entsprechend Anspruch auf Honorar bei etwaigen Wechseln hat. Und es scheinen sich inzwischen alle Beteiligten auf den Vater als undichte Stelle in diesem Konstrukt eingeschossen zu haben. Auch HSV-Sportchef Oliver Kreuzer: „Ich finde es einen Skandal, was dem Jungen da durch seinen eigenen Papa wiederfährt. Der Vater saß doch damals auch in meinem Büro, hat den Vertrag unterschrieben und war happy.“ Ob sich der HSV, der sich die Gültigkeit des Vertrages von der DFL noch einmal schriftlich bestätigen ließen, von Tah am kommenden Dienstag den Vertrag noch mal unterschreiben lassen will, wenn dieser seinen 18. Geburtstag feiert? „Das könnte er, muss er aber nicht. Wir haben uns heute noch mal bei der DFL abgesichert, dass der Vertrag wasserdicht ist“, so Kreuzer. Nur gut, dass sich Tah jr. selbst von den Aussagen seines Vaters nicht aus dem Rhythmus bringen lässt. Im Gegenteil, Tah wirkt weiter gelassen und unaufgeregt. Hoffentlich hält sich das.

Ebenfalls schön zu sehen – sogar richtig schön zu sehen – ist, dass der HSV sein Tafelsilber langfristig bindet. Bei aller auch gültigen Kritik am Sportchef – in diesen Fällen hat er gute Arbeit geleistet und die will ich hiermit auch gewürdigt wissen: Chapeau, Herr Kreuzer! Zuerst die Vertragsverlängerung von Tah vor zwei Monaten, bei Diekmeier im Dezember – und eben jetzt bei Hakan Calhanoglu. Der Mittelfeldspieler hat seinen Vertrag am Dienstag bis 2018 verlängert und damit bewusst ein Zeichen setzen wollen. Sagt er. Dass er das jetzt im Nachhinein natürlich leicht behaupten kann – okay. Aber wie immer glaube ich erst einmal an das Gute im Menschen und nehme es dem Jungen ab.

Immerhin hat sich der talentierte und nach Angaben seines Beraters bereits international umworbene HSV-Profi in den Vertrag bis 2018 keine Klauseln setzen lassen, die ihm einen vorzeitigen Ausstieg beim HSV ermöglichen würden. Obgleich es ein Leichtes gewesen wäre für ihn. „Ich wollte den Leuten zeigen, dass ich mich hier wohlfühle und mit dem HSV identifiziere, dass ich für den verein da sein will. Und ich wollte klarstellen, dass ich sicher bin, dass wir nicht absteigen. Wir alle hier werden das zusammen schaffen“, sagt Calhanoglu, der dafür heute von den Anhängern beim Nachmittagstraining gesondert gefeiert wurde.

Calhanoglus Botschaft ist angekommen. Ebenso wie die gute Stimmung im direkten Umfeld der Mannschaft – zumindest heute. Rund 400 HSV-Fans versammelten sich teils am Bahnhof Stellingen und teils am Trainingsplatz, um bei der Trainingseinheit zu demonstrieren, dass sie weiterhin hinter der Mannschaft stehen. Eine rundum gelungene Aktion, organisiert von den Miniaturwunderland-Chefs Frederik und Gerrit Braun. Am Trainingsplatz sorgten die Anhänger mit ihren Schlachtgesängen („Immer erste Liga“) für Stadionatmosphäre. Stark!

Ebenso wie die Tatsache, dass Calhanoglu heute Vormittag bereits wieder auf dem Platz stand. Trotz Prellung und der Ansage, dass er voraussichtlich einen Tag pausieren müsse. „Es war ein Riesenschmerz am Anfang, aber der Arzt meinte, dass nichts kaputt ist, und ich bin ehrgeizig und will unbedingt spielen. Deshalb habe ich nicht lange überlegt“, so Calhanoglu, der mit Schmerzen trainierte. „Es tut zwar weh, aber ich habe einen dicken Tape-Verband drum. Ich wollte einfach nicht ausfallen, weil ich am Wochenende unbedingt spielen will.“ Auch für den Trainer. Calhanoglu: „Der Herr van Marwijk ist ein sehr guter Trainer. Er gibt uns sehr viel Selbstvertrauen und sagt auch immer wieder dass wir das schaffen werden. Er hat auch hier gesagt, dass wir nicht mit ihm absteigen werden. Und das ist auch ein Riesensignal an die Mannschaft gewesen.“


Auf ein Signal wartet van Marwijk indes von Rene Adler, der heute erstmals mit der Mannschaft trainierte. Sollte der Nationaltorhüter Grünes Licht für einen Einsatz geben, dürfte er am Sonnabend gegen Hertha BSC wieder sein Comeback feiern. Ebenso wie Pierre Michel Lasogga – wobei dessen Einsatz immer unwahrscheinlicher wird. Zumindest konnte der Mittelstürmer auch heute nicht mit der Mannschaft trainieren und absolvierte sein individuelles Pensum mit Rehatrainer Markus Günther. Ansonsten aber waren alle wieder dabei. Auch Heiko Westermann, dessen Einsatz am Sonnabend nicht gefährdet sein soll.

Egal wie, auch wenn ich grundsätzlich noch immer sehr skeptisch bin, kann ich mich langsam wieder dazu überreden, mich auf den Sonnabend zu freuen. Irgendwie muss gewonnen werden. Meinetwegen dreckig wie noch nie, mit gefühlt 52 Roten Karten, einem Foulspielweltrekord, einer Abseitsposition samt Handspiel beim Siegtreffer – meinetwegen auch komplett unverdient weil nur mit 3 Prozent Ballbesitz und 200 Lattentreffern der Hertha – das alles wäre mir scheißegal! Denn diese Mannschaft braucht nichts mehr als Erfolgserlebnisse, um wieder annährend in gesunde Fahrwasser zu kommen und dabei offenbar Hilfe von außen (oder eben Beistand von oben). Die Fans haben heute schonmal mit einer sehr gelungenen Aktion (ein Video und einige Fotos dazu, auch von unseren Matzabbern, findet Ihr auf unserer Facebookseite www.facebook.com/groups/matzab) vorgelegt. „Und wir schlagen am Sonnabend Hertha“, ist sich Calhanoglu sicher, den Doppelpass mit den eigenen Anhängern erfolgreich zu spielen. Vielleicht ja mit einem Freistoßtreffer von ihm – quasi als Abrundung einer guten Woche für und von ihm… Für mich ginge das auf jeden Fall völlig in Ordnung.

In diesem Sinne, bis morgen, dann unter anderem mit dem Interview mit unseren Vorstandsboss Carl Jarchow.

Scholle

Kreuzer im Video: “Von den Führungsspielern erwarte ich einfach mehr”

27. Januar 2014

Ein wenig Ratlosigkeit, eine Menge Verärgerung, ein Appell und eine ganz große Portion Hoffnung als Mittel für den Klassenerhalt? HSV-Sportchef Oliver Kreuzer fällt nicht mehr viel ein, wie man diese Mannschaft jetzt noch greifen kann. Einzig an die Führungsspieler appelliert er, endlich ihrer Rolle nachzukommen. Und an die Einstellung der gesamten Mannschaft.

Daher, bevor ich heute Abend nach der Aufsichtsratssitzung (Beginn ist um 18.30 Uhr) diesen Blog noch einmal aktualisiere, hier das Videointerview mit dem HSV-Sportchef vorweg.

Es geht hoch her, bei „Matz ab“. Mails, Briefe und Telefonate ohne Ende. Da sich „Scholle“ am Abend noch einmal nach der konstituierenden Sitzung des Aufsichtsrates meldet, möchte ich (DM) schnell einige Mails und Beiträge veröffentlichen. Das ist ein Querschnitt von dem, wie HSV-Fans über diese miese Situation denken. Es ist nur ein kleiner Querschnitt, überwiegend allerdings haben die meisten „Matz-abber“ nur noch Angst – weil niemand weiß, wie dieser HSV noch zu retten ist.

Eine bemerkenswerte Mail (Beitrag bei Matz ab) kam vom früheren Volleyball-Bundestrainer, der folgende Zeilen schrieb – und damit wohl bei den meisten Usern offene Türen einrennt. Ich danke für diesen Beitrag (natürlich auch für alle anderen, das ist klar!), denn er ist ja so etwas von fundiert. Klar, ein Experte – was schreibe ich?

Hier geht es los:

1. Quittung für falsche Vorbereitung bekommen – wie schon Weihnachten angekündigt
2. Trainingsspiele in Wärme statt Akklimatisierung und Konditionierung für Kälteperiode
3. Fußballtennis und Aufwärmspielchen gegen zweitklassige Gegner, anstatt Zweikampfverhalten unter widrigen Umständen
4. Psychische Widerstandskraft erzeugen in Stresssituationen, anstatt Pressekonferenzen unter Palmen.

Niederlage mit Ansage !

Von dem User S. gab es folgenden Zeilen:

Lieber Dieter Matz,

seit 1964 hängt mein Herz am HSV; viele gute und schlechte Zeiten gab’s, aber so hoffnungslos wie momentan war ich noch nie.
Der Tiefpunkt bisher war 1972, aber damals erklärbar, nach Uwes Rücktritt und dem jugendlichen Umbruch – und dann kam Horste Heese…

Aber 2014? Alles gestandene Profis mit teilweise überdurchschnittlichen Fähigkeiten! Und doch kriegt es seit Jahren kein Trainer hin, diese PS auch auf die Straße zu bringen. Es herrscht allgemeine Ratlosigkeit und das macht mir Angst.
Einfachste Voraussetzungen, wie Einsatz und Siegeswillen habe ich zuletzt gespürt bei Spielern wie van Buyten de Jong und Olic, leider sind alle der egomen Marketingpolitik des Herrn Hofmann zum Opfer gefallen.

Zusätzlich zerfällt die aktuelle Mannschaft in Grüppchen mit unterschiedlichen Eigeninteressen:
Van der Vaart mit aufwendigem Privatleben, Westermann, Jansen und Adler mit Nationalmannschaft und WM (gilt auch für die beiden Neuen Hollaender), Arslan und Calhanoglu mit Angeboten aus der Türkei und ihren HSV-Verträgen, Lasogga mit seiner Zukunft in der Bundesliga.
Hinzu kommt unfassbares Verletzungs – Pech (?); merkwürdig, dass Adlers Verletzung wochenlang nicht optimal behandelt, weil falsch diagnostiziert wurde; in Fachkreisen der Liga wird auch gemunkelt, das Fitness und Ausdauer beim HSV nicht optimal sind….
Dann die Ablenkung durch interne, negativ beladene Probleme:
Strukturreform; kein Geld; Schulden…..
Und ein Trainer, dem ich seine Ratlosigkeit ansehe, der energischen, bedingungslosen Einsatz und Siegeswillen nicht optimal vorlebt, genauso wenig, wie seine HSV – Identifikation (Hotelleben).
Hinzu kommt das höhere Leistungsniveau der Liga, durch das eine Mannschaft sich nicht mehr irgendwie durchwursteln kann, sondern eine klaren Matchplan braucht und eine erkennbare Handschrift des Trainers.
BvM bleibt bei seinem Spiel “flach durchs Mittelfeld”; eigentlich hat er ja auch feine Techniker mit gutem Auge dafür, aber – sie kriegens nicht auf den Platz. Probiert hat BvM ja einiges mit “kernigen Spielern” (TR, PJ), aber die wandeln wg. ihrer Spielweise immer knapp am Platzverweis und müssen es auch, weil sie Löcher durch die vielen Ballverluste im Spiel nach vorne risikohaft stopfen müssen.
Ballverluste; ja, immer ist der Ball schnell weg, aber die Mannschaft hat Schwierigkeiten, ihn vom Gegner zurück zu holen; hier ist der Trainer gefordert, aber – s. o. – (auch) er schafft es nicht, in die Köpfe aller Spieler vorzudringen….

Wie geht es weiter? Sollte die natürliche Auslese der Liga funktionieren, gehört unser HSV diesmal nach (ganz) unten; Zielsetzung muss sein, die Relegation zu vermeiden; hoffentlich klappt es.
Danach muss dringend neues Entscheidungspersonal her; eine Führung/ein Team, die das Charisma ausstrahlen, das wir uns von unserer Mannschaft erwarten, In einer Verbindung von HSVplus und externen Mitteln muss dann die Mannschaft völlig neu zusammengestellt werden – unter welchem Trainer/Manager auch immer ( m. E. ist BvM zu Beginn der nächsten Saison nicht mehr Trainer beim HSV).

Tut mir leid, dass es nun doch länger geworden ist, aber Resultat Ihres bewundernswerten Blogs ist eben auch, Anstoß zu Gedanken zu geben, und ich verspreche, ich schreibe nur selten!

Ihr S.

Der „Matz-abber“ „Urgestein0511“ schreibt:

Eigentlich lohnt es sich gar nicht mehr, zu schreiben – es ist alles gesagt, alles erkannt – und es ändert ich … nichts ! Das Problem ist nicht die Abwehr, sondern unser Begleitschutzmittelfeld !! Ich weiß nicht, wie oft das hier schon thematisiert worden ist: Aber habt ihr euch mal die Schalke-Angriffe angeschaut ? Alle frei, keiner am Gegenspieler ! Nie ! Van derVaart, Calhanoglu, Illicevic, Arslan, Badelj : alles Schöngeister, alles Tempowunder, die das körperlose Spiel bevorzugen – weil sie das andere, das bissige Pressing nicht beherrschen !!! So lädt man nicht nur jeden Gegner zum Toreschießen ein, sondern lässt auch die eigene Abwehr im Stich, die der Lächerlichkeit preisgegeben wird und das ganze dann ausbaden muss !

Mal sehe, wer nächstes Jahr gegen Paderborn und Sandhausen, gegen Aalen und Heidenheim noch auf dem Platz steht. . .

Der User „Fleischwolf“ schrieb uns:

Drei Beispiele, die mir spontan einfallen. Bei näherem Nachdenken mögen es noch ein paar mehr werden.
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2006/07 sorgte Alemannia Aachen für Furore, war sogar einmal Tabellenführer. Sie standen auf Platz neun, als ich sagte: “Die steigen ab.”
Aachen stieg ab.
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Im Februar 2011 schlug St. Pauli uns im Derby und hatte ein sehr komfortables Punktekonto. Mein Kommentar: “Was Pauli spielt, ist Zweite Liga!”
Es WAR Zweite Liga.
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Ein Jahr später stand Hertha vor dem gegenseitigen Duell in Berlin vor uns in der Tabelle. Nach dem Spiel sagte ich: “Hertha wird jetzt durchgereicht.”
Hertha WURDE durchgereicht.
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Und heute?
Heute halte ich besser meinen Mund…

Und dann gab es noch einen längeren (und trotzdem ganz „kleinen“) Beitrag von „slobocop“:

nun ist als das eingetreten, was meine wenigkeit und ein paar andere kritische geister in diesem blog schon seit monaten schreiben: die komplette
wintervorbereitung wurde verkackt und nichts, aber auch rein gar nichts wurde getan, um das spiel der mannschaft in irgendeiner form zu verbessern.
man rannte quasi mit ansage in die heutige niederlage und versuchte die breite fanmasse mit leeren phrasen à la “es ist alles auf das erste spiel
gegen schalke ausgerichtet” oder “wir wissen, dass wir im abstiegskampf stecken” ruhigzustellen, was auch hervorragend geklappt hat. dies sagt nämlich
ungefähr genau so wenig aus wie fink’s “wir müssen hart arbeiten”. noch gestern abend wurde man von dem einen oder anderen bewegten fan dafür


kritisiert, dass man (mal wieder) alles viel zu schwarz sehe und man doch erst mal das erste spiel abwarten solle. dieses wurde nun soeben gespielt
und leider haben sich die schlimmsten befürchtungen nicht nur bestätigt, sondern wurden sogar noch übertroffen.
+++
erschwerend kam hinzu, dass man sich an dieser stelle in endlosen, viele bücher füllenden diskussionen über vereinsstrukturen und unterschiedliche
reformmodelle erging und dabei die durchaus erkennbaren alarmzeichen verdrängte. alles würde schon irgendwie werden, wenn erst mal hsv plus durch ist.
dass das ganze tandaradei aber nicht im entferntesten etwas mit dem grottigen fußball zu tun hatte, den diese mannschaft SEIT JAHREN unter
verschiedensten trainern spielt, wurde einfach stoisch negiert. schuld daran waren die strukturen und nicht etwa der trainer, die spieler, der
sportdirektor, der vorstand. jetzt haben wir aber genau den salat, den man sich beim besten willen nicht vorstellen konnte – oder besser – wollte und
guter rat ist teuer. dumm gelaufen könnte man nun sagen, aber das trifft eben nicht den eigentlichen kern der sache.
+++
aus meiner sicht müsste man bvm im prinzip noch diese woche entlassen, da er bis auf einen kurzen höhenflug kurz nach seiner übernahme nicht in der
lage war, der mannschaft so etwas wie ein erkennbares spielsystem und ein kompaktes defensivverhalten anzutrainieren und gleichzeitig den
unerträglichen schlendrian sowie die fehlende handlungsschnelligkeit aus ihr rauszukriegen. ich gebe zu, dass ich mich in den ersten spielen unter ihm
auch blenden ließ, weil ich das gefühl hatte, dass es geordneter auf dem platz zuging als vorher, was aber im nachhinein betrachtet, wohl eher daran
lag, dass es sich um vermeintlich leichte gegner handelte, bei denen die nach wie vor vorhandenen eklatanten schwächen nicht so zur geltung kamen. ich
erinnere nur an den freiburger keeper, der uns drei tore (und punkte) auf dem silbertablett servierte. zum ende der hinrunde zeigte sich aber bereits
wieder das wahre gesicht des teams.
+++
ich habe bvm trotzdem immer in schutz genommen und ihm eine (seine) komplette vorbereitung zugestanden, nach der ich mir ein erstes fazit erlauben
würde. heute ist nun der tag gekommen, an dem ich dieses tue und das resultat ist ebenso ungenügend wie erschütternd. und wer mir jetzt damit kommt,
dass die mannschaft untrainierbar ist, der soll mir bitte erklären, weshalb er es denn nicht wenigstens versucht hat, in dem er die herren wenigstens
zwei mal pro tag (besser wäre drei mal) laufwege, automatismen und stellungsspiel üben lässt, ihnen erklärt, dass sie sich verhalten wie ein
hühnerhaufen. ich habe noch eine aussage von ihm in den ohren, in der er sagte, dass man defensive nicht trainieren könne, welche für ein erstes
verdutztes aufhorchen bei mir sorgte, da ich dies nicht nachvollziehen konnte, denn NATÜRLICH ist so etwas trainierbar. machen ja siebzehn andere
bundesligatrainer auch tagtäglich und die meisten sogar mit erfolg wie man gestern bei der konkurrenz sehen konnte. ich nenne nur mal nürnberg als
beispiel, die in der hinrunde kein einziges spiel gewinnen konnten.
+++
ich habe die schnauze voll von dem gelaber über wissenschaftliches training und ruhezeiten wegen reisestrapazen, da diese nichts als banale
generalentschuldigungen sind, weil man es sich lieber schön bequem machen möchte. wenn sich hier nicht ab morgen etwas gravierendes dahingehend
ändert, dass man endlich anfängt, jeden tag von morgens bis abends bei jedem wetter und trotz verletzungssorgen an den schwächen zu arbeiten, muss bvm
gehen. aber im prinzip ist es jetzt eh schon zu spät, da man die verlorene zeit gegenüber den anderen mannschaften nicht mehr gut machen kann. also
bleibt eigentlich nur noch die sofortige notbremse, um überhaupt eine chance auf den klassenerhalt zu haben. es ist zehn minuten nach zwölf und hsv
plus sollte nun bis zur nächsten MV kein thema mehr sein, da es uns in der zweiten liga nicht hilft.

So, nachher kommt noch einmal „Scholle“ hier ganz groß raus.

Der Wahlkampf hat begonnen – Lasogga steigt ein

4. September 2013

Der HSV ist zweigeteilt. Mindestens. Auf der einen Seite steht das Sportliche, das Aktuelle. Und auf der anderen Seite eine Revolution, wie die Bild heute titelte. Ich stimme dem sogar in der Form zu und behaupte, dass es ob des Ausmaßes an Veränderungen zumindest ein revolutionärer Ansatz ist, den HSV strukturell komplett neu zu gestalten. Wie das aussehen soll, habt Ihr heute aus den Zeitungen und Dieters Blog erfahren können. Zudem wird via social media keine Gelegenheit ungenutzt gelassen, einen noch einmal auf das Konzept von „Ernst Otto Rieckhoff and friends“, so nenne ich die Zusammenarbeit des ehemaligen Aufsichtsratsbosses mit etlichen honorigen, agilen und prominenten Mitstreitern zu stoßen. Dieter hatte es ja auch einige Male im Vorblog erwähnt, inzwischen aber dürften alle mindestens einmal über das Konzept drübergelesen haben, die sich dafür interessieren.

Auf jeden Fall geht in der ersten Hochrechnung Ernst Otto Rieckhoff (EOR) als großer Gewinner der Veranstaltung vom Dienstag hervor. Die Art der Präsentation schlägt dabei noch selbige, aber auch inhaltlich sprechen sich die meisten grundsätzlich für die Vorschläge EORs aus. Viele von Euch haben das Konzept kritisch durchleuchtet und Verbesserungsvorschläge gemacht. „Unser Konzept wird sich sicher noch ändern, ganz klar. Wir haben die HSVerinnen und HSVer ja bewusst dazu aufgefordert, uns ihre Kritik mitzuteilen und uns Denkanstöße zu geben, um diese zu berücksichtigen. Wir werden uns auf jeden Fall alle Kommentare ansehen und auch mit einarbeiten“, verspricht EOR, den ich heute so gut gelaunt wie lange nicht mehr am Telefon hatte. „Die Reaktionen bis jetzt sind überwältigend positiv“, so EOR, „von der Anzahl bis zum Inhaltlichen.“ Das dürfte bei den aktuellen Amtsträgern nicht mehrheitlich so sein, aber darum geht es ja auch. „EOR and friends“ wollen den HSV von Grund auf umbauen. Strukturell. Und ganz sicher auch personell.

Dass sich in den nächsten Wochen vermehrt Fronten herauskristallisieren werden, ist klar. Die Supporters wittern inzwischen nicht mehr nur einen Versuch, ihnen ihr Mitbestimmungsrecht größtenteils zu entziehen – sie wissen jetzt, dass es so ist. Das allein wird in den nächsten Wochen bis zur Mitgliederversammlung dazu führen, dass öffentlich Wahlkampf betrieben wird und die Mitgliederversammlung im Januar im Vorfeld schon so heißgeredet worden sein wird, dass der HSV gut beraten wäre, die O2-World dem CCH als Austragungsort vorzuziehen. Zumindest aber hätte eine solch wegweisende Veranstaltung ein derartigen Ansturm verdient. Denn die Strukturreform würde den alten HSV nicht nur umgestalten, sie würde dem alten HSV ein derart neues Gesicht geben, dass der alte HSV kaum mehr zu erkennen wäre.

Traditionalisten gegen Strukturreformer – diese Diskussion hatte einst schon Bernd Hoffmann in Zusammenarbeit mit Dr. Klein angeschoben und sich für eine Ausgliederung der Profiabteilung ausgesprochen. Damals wurde der Ex-Vorstand hart attackiert und scheiterte gnadenlos an den Supporters. Heute hat sich die Supporters-Opposition vergrößert und scheint weiter zu wachsen. Zumindest inhaltlich die Strukturreform begleitend und Hoffmann würde heute wahrscheinlich vornehmlich Applaus ernten. Wie sich die Zeiten doch ändern, wenn der Erfolg ausbleibt.

Aber okay, der direkte Weg zurück zum Erfolg ist immer noch der auf dem Bundesligaplatz. Und dafür hat sich Thorsten Fink den Wunsch nach einem großen Stürmer, der kopfballstark ist, den Ball festmachen kann und Tore erzielt erfüllen lassen. „Ich bin zufrieden mit dem, was ich an Spielern zur Verfügung habe. Ich habe auch den Stürmer bekommen, der in unser Anforderungsprofil passt und verlieren dafür mit Per sicherlich einen Guten. Aber den können wir ausgleichen.“

Nicht ausgeglichen ist derzeit das Verhältnis Lasogga/Rudnevs beim Trainer. Denn Fink sieht Rudnevs hintendran. „Pierre hat vom Kopfballspiel her Vorteile, kann eher den Ball festmachen. Es ist schon von großem Vorteil, wenn man die Kopfballduelle gewinnt, Bälle verlängert.“ Klingt irgendwie so, als sei Rudnevs derzeit auf dem Abstellgleis, nachdem nun auch noch Maxi Beister im Sturmzentrum starke Spiele machte und bei Fink („Er hat seine beste Position gefunden“) als gesetzt gilt. Immerhin plant der Trainer, nur möglichst wenige Umbauten an der Startelf vorzunehmen, wenn es am 14. September nach Dortmund geht. Fink: „Es gibt nicht viele Gründe, etwas zu ändern.“

Es sei denn, Rafael van der Vaart fällt aus. „Er hat eine schwere Zerrung“, sagt Fink und übersetzt heißt das so viel wie: die Wahrscheinlichkeit, dass der Kapitän aufläuft, ist gering. „Es wird ganz sicher eng bei ihm“, so Fink, der im Falle eines Ausfalles Hakan Calhanoglu beginnen lassen würde. „Ich glaube, der hat sich auch aufgedrängt…“, so Finks amüsierte Antwort auf die Frage, wer die erste Alternative zu van der Vaart sei.

Wenig amüsiert ist indes Artjoms Rudnevs. Der Lette, der in der vergangenen Saison immerhin zwölf Treffer erzielen konnte, hat bei Fink einen schweren Stand – und der wird nicht leichter mit dem Zugang von Lasogga. „Klar, Rudy guckt sich schon etwas um, das merkt man“, sagt Fink, der aber die Konkurrenzsituation als leistungssteigernd betrachtet: „Ich habe ihm vor der Sommerpause gesagt, dass es so würde. Und ich glaube, dass wir durch die zusätzliche Alternative den Konkurrenzkampf zusätzlich anheizen und am Ende alle davon profitieren können.“ Außer Rudnevs. Glaube ich zumindest. Denn der hat ob seiner fußballerischen Defizite bei Fink auf lange Sicht wohl kaum eine reale Chance.

Diese fehlte auch Dennis Aogo, weshalb er sich zum Wechsel zum FC Schalke entschlossen hat. Und dieser Wechsel scheint dem Linksfuß sehr glücklich zu machen. „Sportlich ist das schon sehr reizvoll, hier hängen die Ansprüche schon sehr hoch“, sagt Aogo, der sich auf Anhieb in der Startelf wiederfand Zumindest sagt er mir das via Telefon. Aogo ist schnell angekommen im Pott, er hat in Düsseldorf bereits eine Bleibe gefunden und sich auch ansonsten gut eingelebt. Allein der Blick zurück lässt ihn nachdenklich werden. Gegenüber Sport1 sagte er jetzt über…seine Mallorca-Reise und seine anschließende Suspendierung beim HSV: „Der Verein hat mich in einem Licht dargestellt, das meinem Charakter einfach nicht entspricht. Meine Vita zeigt, dass ich dem Verein immer treu war – auch in Zeiten, in denen es beim HSV nicht gut lief. Es gab kaum Rückendeckung vom Verein und das hat mich auf menschlicher Ebene enttäuscht. Ich glaube nicht, dass so etwas so rufschädigend ist, dass es einen ein Leben lang begleitet. Dafür bin ich einfach zu korrekt und zu ehrlich. Deshalb mache ich mir keine Sorgen.“
…seinen Abschied vom HSV: „Was mir am meisten weh tut ist, dass ich nicht mal richtig ‚Tschüss‘ sagen konnte, auch vielen im Umfeld, die mir ans Herz gewachsen sind.“

Ich glaube, dass er dafür noch einige Gelegenheiten bekommen wird, zumal er ja bislang nur ausgeliehen (mit 3,5_Mio-Kaufoption für S04) ist. Ob er es dann bei einem Verein mit unternehmerischer oder bei einem Verein mit Basisdemokratie macht, ist allerdings offen.

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird um zehn Uhr trainiert. Allerdings ohne Van der Vaart, Jansen und Arslan. Die zwei letztgenannten steigen am kommenden Montag wieder ein, während Lasogga schon am Donnerstag mit der Mannschaft trainieren soll. Unklar ist nur, wo. Noch ist nicht klar, ob das Krafttraining auf dem Platz oder in der Gym stattfindet.

Bis morgen,
Scholle

3:3 – super Spiel, toller Auftakt!

11. August 2013

Das war doch prima! Der HSV holt nicht nur einen Punkt auf Schalke, indem er 3:3 spielt, der HSV spielte auch richtig guten und herzerfrischenden Fußball. Herzlichen Glückwunsch, mit einem solch tollen Auftakt hatten in Hamburg wohl die wenigsten Fans gerechnet. Das war Tempo, Finesse, Kampf und Leidenschaft mit von der Partie, der HSV zeigte sich nach durchwchsener Vorbereitungszeit von seiner besten Seite und hatte den Favoriten am Rande einer Niederlage. Bundesliga-Eröffnungsspiele gegen Schalke hat der HSV nie verloren. Dabei bleibt es auch. Und nun muss der HSV am nächsten Sonnabend nachlegen, im Heimspiel gegen Hoffenheim, um zu einem tollen Start zu kommen. Die 90 Minuten von Gelsenkirchen sollten allen Mut machen!


Mit einer Überraschung hatte Trainer Thorsten Fink das Spiel eröffnet. Artjoms Rudnevs blieb auf der Bank, der HSV spielte ohne oder mit vier Spitzen. Das sah nach einem 4:2:4-System aus, vorne spielten von rechts: Maximilian Beister, Hakan Calhanoglu, Rafael van der Vaart und Jacques Zoua. Bei Ballbesitz HSV rückte stets einer von diesen vier Spielern in die Spitze. So hatte Fink noch nie spielen lassen, aber er dachte sich wohl: Öfter mal was Neues!

Die erhoffte Wirkung dieses Systems verpuffte allerdings in der Anfangsphase. Weil Schalke bereits in der zweiten Minute 1:0 in Führung ging. Die Viererkette des HSV war vor allem in der Mitte total unsortiert, ein langer Pass, Huntelaar geht der Kugel nach und zieht sofort aus 20 Metern ab. Überraschend. Eigentlich geht er noch ein, zwei Schritte, aber der Niederländer ließ Rene Adler keine Sekunde, um sich besser zu stellen. Der „Hunter“ zog ab – und traf, flach und platziert ins linke untere Eck. Das ging ja wunderbar los!

Aber der HSV knickte nicht ein. Donnerwetter. Ich war total überrascht und begeistert. Nichts von einem Quer- und Zurück-Geschiebe, und dazu bewegte sich jeder Hamburger so, als wäre es ein End- und kein Eröffnungsspiel. Gratulation. Zuvor lief auf Sky Mainz gegen Stuttgart (3:2), da war auch jeder der 22 Akteure immer in Bewegung – und ich dachte mir: „So müsste es der HSV auch mal machen. Bewegung, Tempo, Kampf, Einsatz und Leidenschaft.“ Und dann machte es der HSV so. Das war mein Aha-Erlebnis an diesem Sonntag. Und ich bin ehrlich: Eine solche Leistung hätte ich dem HSV nicht zugetraut.

Und der Ausgleich ließ nicht lange auf sich warten: In der 12. Minute flankte Marcell Jansen zur Mitte, Schalkes Matip stand im Weg, bekam den Ball an den rechten Arm – Elfmeter. Schiedsrichter Manuel Gräfe (Berlin), den ich sehr schätzte, zögerte nicht eine Sekunde. Rafael van der Vaart, der kurz zuvor wegen Meckerns die Gelbe Karte gesehen hatte, schnappte sich den Ball – und schob ihn eiskalt ins rechte untere Eck, Torwart Hildebrand lag auf der anderen Seite. Das Spiel konnte von neuem beginnen . . .

Und das tat es auch. Ganz im Sinne des HSV. Der nach dem Ausgleich die bessere Mannschaft war. Dennis Diekmeier flitzte rechts an der Linie entlang und brachte eine Super-Flanke zur Mitte. Dort stieg Beister gleich in die zweite Etage, wie einst Horst Hrubesch. Das war großartig. Er köpfte die Kugel an die Latte, und den abprallenden Ball beförderte Torwart Hildebrand mit dem Rücken und dem Hinterteil über die Linie (24.) – der HSV führte! Und das völlig zu recht.

Fast hätte es sogar 3:1 für Hamburg gestanden, aber der Ball, den Milan Badelj nach einem Freistoß von van der Vaart per Hinterkopf an die Latte befördert hatte, flog leider wieder ins Feld zurück (28.). Kurz darauf musste Tolgay Arslan zu einem taktischen Foul greifen, denn nach einer HSV-Ecke wurden die „Finken“ brutal schnell ausgekontert. Wenn Arslan Huntelaar nicht so unfair gestoppt hätte, wäre es wohl sehr eng geworden – vielleicht schon das 2:2 (36.). Gelb für den HSV-Mittelfeldspieler war die Folge.

Als es schon danach aussah, als könne der HSV mit einer Führung in die Halbzeitpause gehen, fiel doch noch der Ausgleich. Fuchs flankte von links, vier Meter vor dem Hamburger Tor stieg Huntelaar ganz allein in die Luft und köpfte ein. Beister stand hinter ihm und konnte nur zuschauen. Doch noch der Ausgleich in der Nachspielzeit des ersten Durchgangs.

Auch nach dem Seitenwechsel war der HSV weiter präsent. Beister tauchte frei vor dem Schalker Tor auf, aber Hildebrand verkürzte geschickt den Winkel – nur Eckball. Den aber brachte van der Vaart von rechts zur Mitte, am langen Pfosten stieg Lasse Sobiech höher als Matip und köpfte den Ball ins Tor, die Kugel prallte von der Unterkante der Torlatte ins Netz (49.) – der HSV führte wieder, 3:2!

Danach aber kam Schalke. Tempo verschärft, Druck erhöht, Chancen. Zunächst hielt Rene Adler mehrfach glänzend, aber dann ließ er einen Fernschuss von Clemens abprallen, sodass der eingewechselte Szalai das 3:3 erzielen konnte (72.). Pech. Und Schalke kam weiter – mit Macht. Der HSV wackelte, er wackelte einige Male sogar recht bedenklich, aber er kippte nicht um. Ein 3:3 zum Bundesliga-Start, das konnte sich sehen lassen – und das lange Zeit gute Spiel ebenfalls. Oder erst recht.

Die Einzelkritik:

Rene Adler hatte zunächst wenig zu tun, in der zweiten Halbzeit zeigte er dann seine Klasse. Bis auf die Szene vor dem 3:3 – war ihm die Sicht verdeckt? Note drei.

Dennis Diekmeier lieferte eine runde Partie ab, zeigte sich nach vorne beherzt und ging hinten ordentlich (mehr als sonst?) zur Sache – Note drei.

Lasse Sobiech war beim 0:1 nur in der Nähe, ansonsten aber zeigte er eine ordentliche Leistung, er rettete oft mit dem Kopf und erahnte manchen Schalker Pass – und köpfte das 3:2 – toller Bundesliga-Einstand beim und für den HSV. Note drei. Zog sich in der Schlussphase eine dicke Kopfplatzwunde zu.

Heiko Westermann war der ruhende Pol in der Abwehr, an ihn konnten sie sich alle anlehnen, Note drei.

Marcell Jansen knüpfte an die guten Leistungen der Vorbereitung an, bot eine solide Vorstellung.

Tolgay Arslan ging mächtig zur Sache – das ist nichts Schlechtes. Er teilt aus und muss damit rechnen, dass er selbst mal auf die Socken bekommt – und das bekam er reichlich. Er muss es lernen. Note drei.

Milan Badelj spielte ordentlich mit, machte nicht viel falsch – Note vier.

Maximilian Beister zeigte im Westen, dass es steil bergauf mit ihm geht. Er hat auch gelernt, wie man nach hinten und auch vor allen Dingen hinten arbeitet, das war sehenswert. Note zwei.

Hakan Calhanoglu begann verhalten, zeigte dann einige Male, welch großes Talent er ist – und wurde in der 62. Minute ausgewechselt. Aber er wird kommen, ganz sicher, er wird ein HSV-Gesicht der Zukunft. Denn er kann ja doch noch viel, viel mehr. Note vier.

Rafael van der Vaart hatte das bislang letzte HSV-Tor auf Schalke geschossen – und erzielte auch diesmal wieder eines, das erste! Der Niederländer brannte, er wollte, er zeigte Biss wie lange nicht mehr, er war immer anspielbar, er wollte angespielt werden, er zeigte sich – er war überragend! Fast schon in WM-Form, so wollen wir ihn sehen. Note zwei.

Jacques Zoua hatte Licht und Schatten, in der ersten Halbzeit hatte er dabei die besseren Szenen – das war schon okay, wenn er auch noch deutlich wird zulegen müssen. Das war gerade noch die Note vier.

Tomas Rincon (ab 64. Min. für Badelj) sollte den Vorsprung über die Zeit retten, was nicht ganz gelang (und nicht an ihm lag) – er mischte noch kräftig mit.

Dennis Aogo (ab 74. Min. für Calhanoglu) hat noch mitgemacht, mehr Zeit hatte er nicht.

Artjoms Rudnevs (ab 83. Min. für Beister) sollte in der Schlussphase, als kaum noch etwas nach vorne ging, für Unruhe in den Schalker Reihen sorgen. Auch ihm blieb keine Zeit mehr, zu glänzen.

Dann haben wir noch einen kleinen Nachtrag zur Zweiten. Die verlor gegen Hannover 96 mit 1:3, wohl auch deshalb, weil Gojko Kacar schon in der 21. Minute Rot wegen einer Notbremse gesehen hatte. Viel Pech für den HSV – und für Kacar, der ja von Rubin Kasan beobachtet wurde.

19.38 Uhr

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