Wer Zeit hat und (mehr) lesen möchte!
9. Juni 2013
Wer bei diesem schönen Wetter noch Sinn fürs Lesen entwickelt – bitteschön. Es handelt sich im Folgenden allerdings nur um Mails von „Matz-abbern“:
Ich habe hier einige Schreiben, die mir in den letzten Tagen und Stunden zugegangen sind, und die ich für lesenswert halte.
Wer hier ansonsten keine oder wenige Kommentare liest, der kann sich so ein Bild davon machen, was andere HSV-Fans derzeit beschäftigt – und wie sie denken.
Sehr geehrter Herr Matz,
ich möchte mich einmal persönlich bei Ihnen (und Herrn Scholz) für Ihre Arbeit im Rahmen des HSV-Blogs bedanken. Auch wenn ich nicht immer einer Meinung mit Ihnen bin (was bei der Komplexität auch gar nicht möglich ist), so ist doch das große Engagement und Herzblut stets zu spüren, mit dem sie beide hinter unserem Verein stehen. Trotz des teilweise heftigen Gegenwindes aus der „Bloggemeinde“ und häufig genug auch unqualifizierter und unfairer Kommentare versuchen Sie täglich, den HSV-Fans ein Bild davon zu zeichnen, was im Verein vor sich geht. Ich denke, dass trotz der z. T. hitzigen Diskussionen eigentlich alle Fans vor allem eines wünschen: Endlich, endlich wieder einen Titel für den HSV. Das mittlerweile jahrzehntelange Warten erzeugt Ungeduld und manchmal auch Unfairness.
Ich habe früher selbst Fußball gespielt, als der HSV noch auf Augenhöhe mit Bayern München war. HSV-Fan bin ich seit dem Gewinn der deutschen Meisterschaft 1979. Beim 4:1 gegen die Bayern im Jahr 1981 war ich live im Volkspark dabei. Die beiliegende Fahne hat dieses Spiel – wahrscheinlich eines der besten des HSV – miterlebt. Vielleicht finden Sie ja einen geeigneten Platz dafür im HSV-Museum o. ä.. Beim 4:3 im Rückspiel stand ich selbst auf dem Fußballplatz und hatte in der Halbzeitpause den 1:3 Rückstand mitbekommen. Als ich nach Abpfiff hörte, dass das Spiel doch noch gewonnen wurde war ich überglücklich. Diese Epoche wurde gekrönt durch den Europapokalsieg 1983: Der HSV stand an der Spitze des europäischen Fußballs.
Seitdem geht die Entwicklung allerdings hauptsächlich bergab. Der letzte große Titel mit dem Gewinn des DFB-Pokals 1987 liegt mittlerweile 26 Jahre (!) zurück. Seither ist der HSV – vom einen oder anderen Zwischenhoch abgesehen – lediglich nicht abgestiegen. Das allein kann jedoch nicht Anspruch eines Vereins sein, der meiner Meinung nach sowohl in die nationale als auch in die internationale Spitze gehört. Ein Verein mit dem Umfeld einer Weltstadt wie Hamburg muss in der Lage sein, mehr aus sich zu machen, als es der HSV seit Jahrzehnten tut. Ziel eines Vereins wie des HSV kann nur sein, zunächst national aber mittelfristig auch international dauerhaft zu den „Großen“ zu zählen. Auch wenn Vereine wie München, Chelsea, Madrid oder Barcelona zurzeit unendlich weit entfernt scheinen, muss es das Ziel sein, zumindest wieder in die Nähe solcher Klubs zu kommen. Es darf nicht sein, dass der HSV weiterhin lediglich eine „Randnotiz“ der Bundesliga bleibt.
Der Weg in eine bessere Zukunft führt meiner Meinung nach nur über eine vollständige Strukturreform des Vereins. Die Bewahrer und Traditionalisten haben fast 30 Jahre lang – mehr oder weniger ohne großen Erfolg – versucht, den HSV zu führen. Es wird allerhöchste Zeit für einen Neubeginn (Ausgliederung der Profiabteilung, drastische Verkleinerung des Aufsichtsrates, sportliche Kompetenz in die Entscheiderpositionen, Gewinnung von Sponsoren/Investoren,…).
Ich kann mir sogar vorstellen, dass Uli Hoeneß den seinerzeit fast perfekten Wechsel von Matthias Sammer zum HSV in letzter Minute noch verhindert hat. Ich denke, Hoeneß weiß, was ein echter „Macher“ wie Sammer oder Magath bei veränderten Strukturen in Hamburg bewirken könnte. Hoeneß hat ja selbst vor einigen Jahren einmal gesagt, dass man bei den Bayern langfristig eigentlich nur den HSV als nationalen Konkurrenten fürchtet.
Insbesondere im Jugendbereich scheint mir ein stärkeres Engagement wünschenswert und notwendig. Der deutsche Fußball erlebt gerade eine Blütezeit wie seit Jahren nicht mehr. Wo aber sind die jungen deutschen Talente beim HSV? Warum bindet man ehemalige HSV-Stars wie Horst Hrubesch, der mit DFB-Nachwuchsteams sehr erfolgreich war nicht stärker ein? Kaum ein HSV-Eigengewächs konnte sich in den letzten Jahren in der Profimannschaft durchsetzen. Eine nachhaltige Entwicklung im Jugendbereich, wie sie viele große europäische Vereinsmannschaften teilweise seit Jahrzehnten erfolgreich praktizieren sollte daher auch für den HSV selbstverständlich sein. Von den Jugendmannschaften bis zum Profiteam sollte ein durchgängiges System gespielt und somit bereits früh verinnerlicht werden.
Natürlich müssen flankierend auch erfahrene Spieler verpflichtet werden. Das alles kostet viel Geld, dass der HSV nicht hat. Wenn man den Verein jedoch noch einmal in die Lage versetzen will, dauerhaft an der deutschen bzw. europäischen Spitze mitzuspielen, dann muss man m. E. massiv investieren. Warum man nicht viel stärker als bisher auf Herrn Kühne zugeht ist mir angesichts der wirtschaftlichen Situation des HSV völlig unerklärlich. Im Zuge der vdV-Verpflichtung habe ich Herrn Kühne schriftlich für sein Engagement gedankt und sogar eine persönliche Antwort von ihm erhalten! Dieser Mann will sich für den Verein und ggf. auch im Verein engagieren, doch man lässt ihn scheinbar nicht. Wer soll das noch verstehen? Eventuell könnte er mit seinem Einfluss und seinen Kontakten in die Wirtschaft sogar weitere Investoren für den Verein gewinnen. Nur so können wir den Abstand zu den großen Klubs verringern und in absehbarer Zeit auch mal wieder den einen oder anderen Titel feiern. Mehr als ein Vierteljahrhundert „ohne“ sind einfach eine viel zu lange Zeit für einen solchen Verein, der im Grunde ein riesiges Potenzial hat. Für mich ist der HSV ein schlafender Riese, der endlich (wieder) aufwachen muss.
Ich bitte Sie, dazu beizutragen unseren Verein wieder dorthin zu führen, wo er hingehört.
Oliver G.
Lieber Dieter, Lieber Scholle,
normalerweise bin ich so gar kein „Kommentierer“ oder „Leserbriefschreiber“ aber ich möchte Euch, vor dem Hintergrund der momentanen Diskussionen, gerne einmal meine Sicht der Dinge schildern.
Als erstes einmal lese ich bereits seit langem regelmäßig Euren Blog und schaue auch gerne die Spieltagsanalyse. Ich bin sicher nicht immer Eurer Meinung, aber weder Ihr noch Ich haben diesen Anspruch. Ich finde Ihr seid immer aktuell und es macht Spaß den Blog zu lesen.
Es wundert mich sehr, dass ausgerechnet zum jetzigen Zeitpunkt die Diskussion über den AR entbrennt. Das dieser genau so wenig funktioniert wie Jahreshauptversammlungen bei denen einige hundert über einen Verein mit über 70tausen Mitgliedern (viertgrößter Deutschlands) abstimmen, ist lange bekannt. Die Initiative ProHSV hat nach der Entlassung von Hoffmann stark daran gearbeitet, diese Umstände zu ändern. Wie Ihr wisst vergebens, weil die nächste JHV leider so weit entfernt war das sich keiner mehr erinnern konnte und es am Ende ja mal wieder irgendwie lief.Ich bin absolut der Meinung, dass es jetzt ein guter Zeitpunkt wäre diese Dinge erneut ins Auge zu fassen, aber es kann nur gemeinsam gehen.
Die Presse ist momentan sicher überkritisch und nicht ganz unschuldig an der momentanen öffentlichen Meinung, sollte sich aber nicht bei Dienstantritt von Hr Kreuzer gleich wieder in Lobeshymnen und „alles ist wieder Gut“ Berichterstattung üben.Viele Fans (Mitglieder) sehen den dringenden Änderungsbedarf, müssen aber auch irgendwie mobilisiert werden um abzustimmen.
Die sogenannten „Altstars“, die sich gefragt oder ungefragt in der Presse, auch in Deiner Sendung, kritisch bis negativ zu Worte melden, müssen jetzt aber auch etwas bewegen. All die Fehler die das „System HSV“ hat müssen nicht mehr diskutiert werden sondern angepackt. Meiner Meinung nach muss es ein breites Bündnis geben in dem die ehemalige HSV-Prominenz wortführend mitarbeitet an einem neuen Konzept. Nur so kann eine Dynamik entstehen die dann die notwendige Mehrheit zur Versammlung bringt um eine bessere Zukunft für den HSV zu schaffen.
Uns Uwe sollte, auch wenn er sich in der jüngsten Vergangenheit nicht unbedingt überall beliebt gemacht hat, sich hinstellen und sagen „Ich habe es damals gut gemeint, aber wir haben es nicht gut gemacht“. Wir brauchen eine Veränderung.
Ich hoffe, dass die allgemeine Aufmerksamkeit sich dieses Mal in eine wirklich positive Richtung für den Verein bewegt. Denn das wollen doch am Ende alle.
In Diesem Sinne, NUR DER HSV und macht weiter so.
Liebe Grüße,
Sven W.
Hallo Herr Matz,
ich lese seit einigen Jahren Ihren Blog (zugegeben: ohne Kommentare). Ich bin HSV-Mitglied, jedoch eher „außenstehend”, da ich aus dem Emsland komme und mittlerweile in der verbotenen Stadt Bremen wohne.
Der HSV liegt mir sehr am Herzen und ich kann daher nicht nachvollziehen, warum dort niemand aufwacht. Ich bekomme es hier bei Werder mit (nicht falsch verstehen, ich hege keinerlei Sympathien für Werder), wie ein Verein gut funktionieren kann und wo schnelle Handlungen keinerlei Problem darstellen. Und das ist nach meiner Meinung nicht nur hier in Bremen so sondern auch bei vielen anderen Vereinen wie Dortmund, den Bayern, Leverkusen, Schalke etc.. Was diese Vereine alle gemein haben ist schnell klar: Die Profisportabteilung wurde ausgegliedert und in den häufigsten Fällen zu einer GmbH & Co. KG gemacht, im Fall Dortmund meines Wissen seit vielen Jahren zu einer AG?!
Dass die HSV-Anhänger an der Tradition festhalten und den Verein nicht „kommerzialisieren” wollen, ist nachvollziehbar, aber naiv. Dass Bernd Hofmann damals so abgestraft wurde, konnte ich nie nachvollziehen. Anstatt die Vorteile einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung und einer Kommanditgesellschaft zu nutzen und mit einem deutlich kleineren Aufsichtsrat, der auch weniger Verantwortung inne hat, handlungsfähiger zu werden, geht der HSV lieber mit einem zu großen zerstrittenen Aufsichtsrat Richtung Unterklassigkeit. Personen werden ohne große Not entlassen, Vertragsverlängerungen werden einfach abgelehnt, persönliche Kompetenzen innerhalb des AR werden einfach ignoriert usw.. Von der Besetzung des AR mal ganz zu schweigen, denn eine mangelnde Kompetenz sowohl wirtschaftlich als auch sportlich ist offensichtlich.
Mir bereitet es Bauchschmerzen, wenn ich an die Zukunft des HSV denke und ich bin es ehrlich gesagt leid, in nahezu jeder Transferperiode zu erleben, wie man sich in Hamburg innerhalb des Vereins gegenseitig das Leben schwer macht und dem Verein von Jahr zu Jahr mehr schadet.
Felix Magath hat mit seiner Kritik Recht – ist meine Meinung. Es muss was passieren beim HSV, die Strukturen müssen überdacht werden und man muss verstehen, dass Tradition zwar schützenswert ist, aber auch keine Tore schießt.
Ich hoffe auf eine Wende.Mit freundlichem Gruß aus der kleinen Stadt nahe Delmenhorst,
Manuel K.
Lieber Dieter,
ich hätte das wirklich nicht für möglich gehalten. Ich lese nun schon seit einiger Zeit jeden Tag deinen blog und verfolge ihn immer sehr interessiert. Häufig gefällt er mir äußerst gut (besonders die Trainingseindrücke und Spielanalysen sowie die Insiderstories), insbesondere bei sportpolitischen Fragen bin ich aber oft anderer Meinung gewesen, weil du bis zuletzt nie ein kritisches Wort zum AR und einzelnen Mitgliedern verloren hast, dich auch scheinbar nur sehr ungern mit Themen wie Fernwahl und Modernisierung auseinandergesetzt hast und Strukturänderungen auch offensichtlich in der Vergangenheit als nicht notwendig erachtet hattest (Getreu dem Motto: Strukturen schießen keine Tor). So war zumindest immer mein Eindruck.
Ich persönlich habe es auch nicht verstanden, dass seit Monaten viele Hamburger Wirtschaftsgrößen und zuletzt auch vermehrt ehemalige Hamburger Fußballgrößen auf die wahren Probleme beim HSV hinwiesen, du aber – für deine Leser zumindest – davor die Augen weiterhin verschlossen hattest. Es war mir einfach unerklärlich, dass die Hamburger Sportjournalisten die Zeichen der Zeit nicht erkennen wollten – es war doch eine Steilvorlage zuletzt auch von Felix Magath (mit seinen Aussagen auf seiner facebook-Seite), die einfach danach schrie, endlich von der Presse aufgenommen zu werden. Wieso erkennt das denn keiner dachte ich.
Und als ich schon dachte, dass sich wieder nichts ändert, dass wieder eine große Möglichkeit verstreicht, da hast du plötzlich vor ein paar Tagen begonnen, das Thema aufzunehmen und vor allem Tacheles zu reden. Im Rahmen deiner Kolumne und auch im blog – und du tust es noch immer. Bravo!
Ich weiß nicht, ob deine Auffassung zu den notwendigen Reformen beim HSV schon länger bei dir so vorhanden ist oder ob sie erst kürzlich gereift ist – auch weiß ich nicht, was hier der Auslöser war für dich. Es spielt auch überhaupt keine Rolle. Ich habe höchsten Respekt davor, dass du voran gehst und diese auch unbequemen Wahrheiten nun schonungslos ansprichst. Hut ab. Klasse.
Die Presse im Allgemeinen ist enorm mächtig. Sie kann viel bewegen, auch viel bewirken. Und ich habe mittlerweile die Hoffnung, dass viele Menschen auf diesen fahrenden Zug aufspringen werden, sodass vielleicht bald eine Strukturreform beim HSV kommen kann, die den Club aus seinem mittlerweile fast 30-jährigen Winterschlaf erwachen lässt.
Ich schreibe nur sehr selten eine e-mail an dich, weil du sicherlich hunderte täglich bekommst. Mir war es aber einfach mal ein Bedürfnis „Danke” zu sagen. Danke – weil ich wirklich glaube, dass du dazu beigetragen hast (und weiter beiträgst, wie ich hoffe), dass hier etwas losgetreten wurde, was etwas wirklich Gutes für den HSV bewirken könnte in Zukunft.
Bitte „Bleib am Ball“ – und weiter so!
Viele Grüße, papa@home
Lieber Dieter,
das war eine interessante „Matz-ab-live“-Runde, die die Saison noch einmal kritisch
Revue passieren ließ – oder wie „unser Horst” sagen würde: Paroli laufen ließ. Ihr habt „Matz-ab live“ schon fast zu einer Marke entwickelt. Auf jeden Fall aber eine Institution, die weiter bestehen sollte. Wie üblich, ist man mit einigen Dingen, die gesagt werden, so nicht einverstanden und hat andere Schwerpunkte oder Ansichten. Aber genau das macht es ja interessant. Und es gibt ja auch genügend Dinge , mit denen man durchaus einverstanden ist.Ich habe heute ein kleines Anliegen: Könntest Du mir bitte die Emailadresse von E.-O. Rieckhof zukommen lassen? Ich will ihn nicht beschimpfen
sondern mit ihm Kontakt wegen seiner angekündigten „Veränderungsoffensive” aufnehmen. Um zum Beispiel über Themen zu diskutieren, wie ich sie mal spontan in dem beigefügten Papier niedergelegt habe. Vielen Dank schon mal im Voraus!
Vielleicht kann ich ja einen kleinen Beitrag leisten und/oder mit meiner Erfahrung aus Wirtschaft und Sport von Nutzen sein, wer weiß? Gerne nehme ich Kritik und Anregungen entgegen, das Papier ist alles andere als vollständig oder gar perfekt. Eine Anregung zum Weiterdenken, mehr nicht.
Beste Grüße,
Lars49
Zu dem Wunsch von „Lars49“ kann ich (D. Matz) nur das sagen, was ich schon vielen Usern gesagt oder geschrieben habe:
Ihr schickt mir das, was ihr an Ernst-Otto Rieckhoff schicken wollt, und ich leite es weiter. Der gute Mann (EOR) wird im Moment mit Mails überschüttet. Habt bitte Verständnis dafür, dass ich seine Mail-Adresse nicht veröffentliche. Es ist verschiedene Male schon über mich gelaufen, und E.-O. Rieckhoff freut sich über jeden, der ihm schreibt – und Vorschläge macht.
PS: An Oliver G. gerichtet. Die Fahne ist angekommen, ich werde sie bei nächster Gelegenheit dem HSV-Museum überreichen. Vielen Dank.
PSPS: An Franz aus dem Allgäu – ist alles heil (!) angekommen, vielen Dank, das allein ist oder war eine Wahnsinns-Aktion. Aber großartig! Ich melde mich aber noch einmal per Brief.
19.06 Uhr