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1:4 auf Schalke – einfach nur blamabel!

28. April 2013

Ihr werdet euch erinnern: „Nun spielt auch noch der Huntelaar von Beginn an . . . .“ So hatte ich am Donnerstag meinen Bericht begonnen. Und Huntelaar spielte tatsächlich und erschoss den HSV. Schalke lag zwar schnell 0:1 zurück, aber dann schossen die „Knappen“ die Hamburger brutal ab – 4:1. „Da spielt die Spitze hinter der Bundesliga-Spitze“, sagte Sky-Reporter Marcel Reif und machte sich damit über das Niveau der deutschen Eliteliga lustig. Völlig berechtigt, denn vor allem der HSV versagte total. Natürlich ist das Wort, das mit einem großen „E“ beginnt, immer noch möglich, aber spricht das für diese Bundesliga? Ganz sicher nicht. Das hat mit internationalen Ansprüchen nichts zu tun, was der HSV diesmal in Gelsenkirchen geboten hat, das ist unterste Bundesliga-Schublade, da muss man mal Realist sein. Der HSV hat auf Schalke wieder einmal sein hässliches Gesicht gezeigt. Und deswegen höre ich nun auch wieder nur auf die Hamburger Verantwortlichen, die ja schon seit Wochen immer wieder predigen: „Lasst uns nur von Spiel zu Spiel denken.“ Es sind jetzt ja auch nur noch drei . . . Und der HSV kann schon seit geraumer Zeit nicht mehr absteigen.
Und: Europa nein danke!

Der Start war ideal, geradezu bilderbuchartig. Und genau so, wie es sich jeder Trainer erhofft. In der vierten Minute hieß es schon 1:0 für den HSV. Eckstoß von links von Rafael van der Vaart, der nun doch eingesetzt werden konnte (hatte am Sonnabend das Training wegen einiger Oberschenkel-Probleme abbrechen müssen), am langen Pfosten stieg Heiko Westermann (gegen Matip) hoch und köpfte den Ball zu Marcell Jansen, der das Luft-Duell mit Neustädter gewann – Kopfball, die Führung für den HSV. Da dachte ich an die heutige „Bild am Sonntag“, in der Schalkes Manager Heldt prophezeit: „Wir müssen höllisch aufpassen, nicht unter die Räder zu kommen.“ Wie nun? Gegen den HSV? Unter die Räder kommen? Schalke? Was ist das denn für eine Aussage? Da kann doch etwas nicht stimmen. Und plötzlich drohte es tatsächlich. Nach vier Minuten 1:0 für den HSV, das war ja ganz locker und flockig . . . Und für jede Mannschaft eigentlich ein Traum.

Nur nicht für den HSV. Das ist schon wie verhext. Was sich in den folgenden Minuten nach dem Führungstreffer offenbarte, waren wieder einmal haarsträubende Abwehrfehler. Das ist wie bei einer Bubi-Truppe, das, das muss ich so krass sagen, hat mit Bundesliga nichts zu tun. Es ging danach, nach dem 1:0, das ja eigentlich beruhigen soll, drunter und drüber. Und es dauert nur sechs Minuten, als es 1:1 hieß. An der Mittellinie wollte Jacopo Sala den Ball auf Per Ciljan Skjelbred spielen, zu durchsichtig, ein Schalker dazwischen – und schwupps lief der Konter. Huntelaar spielte auf Bastos, der schoss nicht hart, aber platziert – der Ausgleich. Rene Adler schien mir etwas auf dem falschen Fuß erwischt zu sein, den hält er eigentlich, denn er hält gelegentlich ja auch den einen oder anderen „Unhaltbaren“. Diesmal nicht. Aber es lag ja auch nicht am Keeper, sondern daran, wie leichtfertig der Ball im Mittelfeld verschenkt worden war – und wie „gnadenlos“ der Gegner, die Hausherren, zum Kontern eingeladen, nein, sogar gebeten worden war. Es ist zum Aus-der-Haut-fahren.

So auch in der 21. Minute. Schalke durfte am HSV-Strafraum „herumdaddeln“, das war wie auf einem Bolzplatz um die Ecke. Draxler jonglierte den Ball gegen Westermann, Sala, Tolgay Arslan und Michael Mancienne. Scheinbar mühelos. Ein Querpass zu Huntelaar – 2:1 für Schalke. So spielt man mit Studenten. Unfassbar. Und unfassbar wie leicht das alles ging.

Auch in der 36. Minute. Im Mittelfeld konnten Heung Min Son und Arslan den Ball nicht stoppen, wieder kontert Schalke. Bastos schickt Huntelaar, der steht frei vor Rene Adler, der HSV-Keeper rettet zur Ecke. Sekunden später, wer weiß, wie es dann geworden wäre, schlägt van der Vaart einen Freistoß von halbrechts zur Mitte, Westermann steigt hoch (hat er die Kugel noch berührt?) – und der Ball prallt an den Pfosten. Um ehrlich zu sein: Hildebrand, der Schalker Schlussmann wäre wohl da gewesen. Auf der Gegenseite war dann Sekunden vor dem Halbzeitpfiff Adler noch einmal da – aber wie! Nach einem Eckball köpft Jones mit Anlauf und viel Wucht auf das Tor, aber der HSV-Torwart rettet mit einem Weltklasse-Reflex zur Ecke. Halbzeit.

Und das Hamburger Drama setzte sich fort. 58. Minute: Skjelbred und Jiracek werden von Raffael vorgeführt, Flanke zur Mitte, Huntelaar ist zur Stelle – 3:1. Und dann auch noch 4:1. Draxler lässt Son mit einem Liedchen auf den Lippe stehen, Ball zur Mitte, Adler hechtet und faustet – auf den Kopf von Huntelaar – alles klar! So wird ein Torjäger, der wochenlang verletzt gefehlt hat, wieder aufgebaut. Und so etwas kann der HSV immer sensationell gut. Ich habe das Gefühl, dass nur der HSV so etwas so gut kann. Das beherrscht kein anderer Bundesliga-Verein. So gut. Wer erinnert sich nicht als Hamburger an den Frankfurter Lakic? Der kam nach Monaten mal zu Zuge – und zwei Tore gegen den HSV (in Hamburg). Danach hat er nie wieder für die Hessen getroffen . . . Noch Fragen?

Das ist einfach nur blamabel und kümmerlich und erschütternd und amateurhaft.
Ich habe fertig.

Die Einzelkritik:

Rene Adler hielt einmal mehr sehr gut, obwohl er beim 1:1 nicht optimal stand (und dann flog) und beim 4:1 mithalf. Aber er bewahrte sein Team mit Sicherheit noch vor vier weiteren Gegentoren und verhinderte damit auch ein Debakel. Note zwei. Ist am nächsten Sonntag wegen der fünften Gelben gegen Wolfsburg gesperrt.

Jacopo Sala hatte viele gute Szenen im Gang nach vorne, aber das ist es ja leider nicht allein, wenn es um den rechten Mann in der Viererkette geht. Er ist allerdings, das wissen wir ja auch, kein Rechtsverteidiger, er musste da ja nur aushelfen . . .

Michael Mancienne liebt das körperlose Spiel, was grundsätzlich nicht zu verurteilen ist. Allerdings dürfte er dann – meiner Meinung nach – keine Position in der Innenverteidigung innehaben, sondern irgendwo im Mittelfeld „herumtoben“. Es ist einfach zu leicht, gegen diese HSV-Abwehr zu Toren und zu Chancen zu kommen, dafür war dieses Schalke-Spiel wieder einmal ein klassischer Beleg.

Heiko Westermann war oft Retter in höchster Not, auch wenn ihm wieder mal einige Abspielfehler (oder auch technische Fehler) unterliefen. Er hielt aber wenigstens immer voll dagegen.

Marcell Jansen war nicht nur aufgrund seines Tores zum 1:0 eine Stütze der Mannschaft, er bestätigte seine gute Trainingsform von dieser Woche – leider war er einer der wenigen Hamburger, der das tat.

Tolgay Arslan begann gut und spritzig, aber das war spätestens nach 15 Minuten vorbei, dann spielte er nicht mehr Fußball, dann arbeitete er nur noch Fußball.

Dennis Aogo müsste auf der „Sechs“ eigentlich – oder vornehmlich – etwas defensiver stehen, aber er läuft auf dieser Position immer noch so viel, als würde er – so wie bis vor einigen Wochen – immer noch im Mittelfeld spielen.

Per Ciljan Skjelbred lief mit viel Aktionismus in den Stiefeln auf, aber dann kam nicht viel – oder eher fast gar nichts. Sein Fleiß ist okay, aber das müsste sich dann auch mal für die Mannschaft bezahlt machen, und das macht es sich nicht.

Petr Jiracek mit guten Szenen, wenn es nach vorne ging, defensiv arbeitete er eher „luschig“.

Rafael van der Vaart ging (leicht?) angeschlagen ins Spiel, riskierte dementsprechend nicht viel (und schon gar nicht alles!), deswegen lief über ihn auch kaum etwas nach vorne. Aber was wäre die Alternative für Thorsten Fink gewesen? Ganz auf ihn verzichten? Das wäre es sicherlich auch nicht gewesen.

Heung Min Son war kaum zu sehen. Das ist nun mal so bei ihm: Entweder er trumpft groß auf, oder er steckt in einem Loch fest. Letzteres war diesmal wieder der Fall.

Artjoms Rudnevs (ab 62. Min für Skjelbred) sollte noch etwas bewegen, aber das ließ sich mit dieser HSV-Mannschaft nicht mehr machen.

Tomas Rincon (ab 69. Min. für van der Vaart) sollte einen restlosen Untergang verhindern, irgendwie ist dieses Vorhaben sogar aufgegangen . . .

So, das war das Spiel. Wir sind nun gleich (hoffentlich) mit Matz-ab-live aus dem Block House in Eidelstedt auf Sendung, unsere Gäste sind heute die ehemaligen HSV-Profis Jürgen Stars (Torwart) und Klaus Zaczyk (Mittelfeldspieler).

Und dann noch ein Leserbrief, der die Redaktion erreicht hat, und zwar zum Thema „Die Großen fressen die Kleinen“ vom Freitag im Hamburger Abendblatt. Dazu erreichten mich diese Zeilen:

Sehr geehrter Herr Matz,

Ihr Bericht im HA vom 26.04. auf Seite 2 ist von ihnen richtig beurteilt. Allerdings haben sie vergessen zu schreiben, daß der HSV durch die Verkäufe auch viel Geld eingenommen hat; jedenfalls mehr, als dafür ausgegeben. Trotzdem hat der HSV in den letzten 5 – 6 Jahren ca. € 150 Mio. für Spieler ausgegeben – wofür??
Dortmund hat in diesem Zeitraum auch nicht mehr investiert.

Mit freundlichen Grüßen,
Hans St.

Das kann man sich auch mal auf der Zunge zergehen lassen. Vielen Dank für diese Ergänzung.

19.27 Uhr

Van der Vaart und das Salz in der Cola

25. April 2013

Den Spruch hat inzwischen wohl jeder schon gehört: „Wenn der FC Bayern die beste Mannschaft der Welt mal eben mit 4:0 wegdonnert, dann relativiert sich das 2:9 des HSV aber ganz, ganz gewaltig.“ Stimmt. Aber wie verhält es sich eigentlich mit dem 4:1 von Borussia Dortmund gegen Real Madrid? Hat nicht der HSV den BVB, der mal eben die „Königlichen“ „weggefiedelt“ hat, in dieser Saison gleich zweimal besiegt und dafür gesorgt, dass alle Schwarz-Gelben mit gesenkten Häuptern in der Kabine verschwanden? Und relativiert sich das denn auch? Einmal 3:2, einmal – in Dortmund – 4:1? Mal sehen. Mal sehen, wie sich das jetzt in Gelsenkirchen anlässt. Es sind nur noch vier Spiele, die der HSV in dieser Bundesliga-Saison bestreiten muss, das auf Schalke scheint im Moment das wichtigste zu sein. Es geht ja nicht nur um das „einfache Europa“, es geht um mehr. Und für Rafael van der Vaart ist sogar das Erreichen der Champions-League-Qualifikation kein völlig utopisches Ziel. „Wenn wir am Sonntag bei Schalke 04 gewinnen sollten, darf man ein bisschen daran denken“, sagte der HSV-Kapitän, fügte aber auch gleich warnend hinzu: „Dafür müssen wir natürlich deutlich besser spielen als zuletzt.“

Heute im Training war das schon mal gut. Vielleicht sogar sehr gut. Es ging im Abschlussspielchen mächtig zur Sache. Gerade so, als wisse nun jeder Spieler ganz genau, um was es jetzt geht. Das Spiel zwischen A und B war temporeich, aggressiv und rassig. Da hatte kein Spieler auch nur eine Sekunde Zeit, sich am Ball auszuruhen. Das sah wirklich gut aus. Wobei Thorsten Fink zwei Wechsel zur Halbzeit vornahm: Heung Min Son ging von A nach B, Artjoms Rudnevs ging von B nach A. Und dazu wechselte Dennis Aogo von A nach B, für ihn kam Tomas Rincon von B nach A. Das bedeutete, dass sich der Trainer auf jeden Fall noch etwas offen lassen möchte – bis Sonnabend.

Im Moment scheint es aber so (für mich) zu sein, dass vorne Son beginnen und Rudnevs auf der Bank sitzen wird, und auf der „Sechs“ werden Tolgay Arslan (für den – wohl – verletzt ausfallenden Milan Badelj) und Aogo zum Einsatz kommen – „Reserve“ ist Rincon. Wenn ich die Gedanken des Trainers denn richtig lesen kann . . . Hinten rechts wird dazu, daran ändert sich nichts, Jacopo Sala spielen (für den gesperrten Dennis Diekmeier). Wobei mich schon ein wenig wundert, dass Jeffrey Bruma dann doch so überhaupt keine Chance mehr hat – und auch bekommt. In der Not, so heißt es doch, frisst der Teufel Fliegen, aber Bruma scheint beim HSV nicht nur ein Auslaufmodell zu sein, er wird auch als ein solches behandelt. Knallhart. Die Zeiten ändern sich. Ich habe zudem das Gefühl, dass Thorsten Fink tatsächlich härter auftritt – auf jeden Fall, so behaupte ich, anders als noch vor ein paar Wochen. Aber, das fällt mir just beim Schreiben dieser Zeilen ein, genau das habe ich gemeint, als ich bei „Sky 90“ vor Wochen, einen Tag nach dem 2:9 von und in München, auf die Frage von Moderator Patrick Wasserziehr („Wird der HSV daraus seine Lehren ziehen?“) gesagt habe: „Vor allen Thorsten Fink wird aus diesem Debakel lernen und seine Schlüsse ziehen . . .“ Hat er – in meinen Augen jedenfalls.

Und in diesem Zusammenhang fällt mir immer wieder das Wort „Penner“ ein. Gebrüllt vom Trainer am vergangenen Freitag, gemeint war die Mannschaft. So etwas gab es in dieser Woche (bislang) noch nicht. Fink: „Wenn ich aber merke, dass die Mannschaft nachlässt, dann werde ich sicherlich wieder etwas sagen, wenn sie nicht nachlässt, dann werde ich auch nichts erfinden. Ich bin aber auch der Meinung, dass die Mannschaft auf einem guten Weg ist, wenn sie jedoch mal einen Impuls braucht, dann werde ich ihr diesen auch geben.“ Fink sagte auch: „Wir haben noch vier Spiele, da muss man schon noch vorsichtig sein und aufpassen, dass es jetzt nicht wieder anders herum geht, aber ich denke mit nun 44 Punkten und noch vier Spielen ist das schon gut gelaufen.“

Kurz noch einmal zum heutigen Training zurück. Einige gute, vielleicht auch sehr gute Szenen hatte Gojko Kacar, aber richtig beeindruckt war ich vor allen Dingen von Heung Min So. Der Junge, das stelle ich immer wieder fest, hat viel, nein, er hat sehr viel gelernt beim HSV. Er war heute auch im Spiel Mann gegen Mann, im Dribbling, richtig stark. Sodas ich mir während dieser „Vorstellung“ gedacht habe: „Es ist doch alles Quatsch, wenn da Hinz und Kunz immer wieder sagen, dass Son noch so jung sei, dass ihm noch einige Jahre beim HSV sehr gut tun würden, weil er so in der Bundesliga lernen und zu einem fertigen Spieler werden kann. Das ist, um es noch einmal zu sagen, Quatsch. Er hat jetzt schon viel gelernt, und ich bin davon überzeugt, dass er das auch bei einem Spitzen-Club – wie zum Beispiel Borussia Dortmund – zeigen würde.

Denkt doch bitte einmal kurz zurück, ich sprach mit einigen Kollegen heute vor der Pressekonferenz darüber, wie es damals mit Hasan Salihamidzic war. Als der 1998 vom FC Bayern gekauft wurde, war er gerade mal 21 Jahre alt. Und was hat ihm hier jeder in Hamburg prophezeit? Genau: „Der wird dort niemals zum Einsatz kommen, geschweige denn Stammspieler. Der überschätzt sich maßlos – und wird auch maßlos überschätzt.“ Und? Wie kam es? Salihamidzic mischte erst München, dann die Bundesliga und später auch Europa auf. Wie oft hat er allein Real Madrid aufgemischt? Nun gut, das ist, wie Dortmund zeigt, ja auch keine große Kunst mehr . . . Nein, nein, ein Scherz. Das war ein Scherz.

Und noch einmal kurz zum heutigen HSV-Training zurück. Zum Schluss wurde „geballert“. Jeder der wollte, der durfte auch mal. Oder mehrfach. Im Tor standen sie alle, die das können – wobei ich einmal mehr von Sven Neuhaus begeistert war. Wie er fliegt, wie er sich reinhängt, obwohl er am Sonntag wieder nur daheim vor dem Fernseher sitzen wird – das ist schon erste Sahne. Toll. Und vorbildlich. Aber darüber wollte ich gar nicht groß berichten. Es gab da einen Zweikampf, der verbissen geführt wurde. Tolgay Arslan und Rafael van der Vaart zählten jeden Treffer, das war ein richtig hartes Duell. Und das endete dann auch noch mit einem Unentschieden. Deshalb musste ein Elfmeterschießen entscheiden. Jeder nur einen Schuss. Der „kleine Engel“ drosch den Ball weit und hoch über das Tor, die Kugel suchen sie morgen noch. Dann Arslan. Als er anlief (gegen Neuhaus), schoss – zum Zwecke der Störung – van der Vaart einen zweiten Ball quer. Wie unfair! Arslan beschwert sich, lief noch einmal an – und verwandelte. Daraufhin ging er in die Knie und hob laut jubelnd seine Arme in die Luft: Sieg.

Und dann sprachen sich die beiden Kontrahenten ab. Was genau, war nicht zu hören. Es ging aber darum: Der Verlierer musste dem Sieger eine Cola mit Zitrone und Eis auf den Umkleideplatz in der Kabine stellen. Und? Hat „Rafa“ das gemacht? Ja. Sagte er. Aber ohne Zitrone und Eis. Dafür war ein wenig Salz in diesem Frei-Getränk. Die Niederländer freute sich diebisch: „Ali hat getrunken und alles sofort wieder ausgespuckt . . .“ Es war dann doch wohl eher ein Pyrrhus-Sieg. Und, um das auch noch zu sagen: Das Schuss-Duell zwischen Arslan und van der Vaart wurde zwar verbissen geführt, aber trotz allem fair und stets mit einem Lächeln auf den Lippen. Was davon zeugt, dass man sich im Moment (nach zwei Siegen) und mit einem neuen Kapitän bestens versteht.

Schnell noch zu einem ganz, ganz anderen Thema. Ich schreibe ja heute zum ersten Mal in dieser Woche, mir brannte in dieser Zeit immer noch die Seite 62 des HSV-live-Magazins unter den Nägeln. Da hatte sich der ehemalige Aufsichtsrats-Chef Udo Bandow mit einem Leserbrief an den HSV zu Wort gemeldet. Ich fand diese Zeilen schon sehr bemerkenswert, doch irgendwie schienen sie mir doch ein wenig untergegangen zu sein. Und weil ich denke, dass dieser Brief eine größere Aufmerksamkeit verdient (gehabt hätte), möchte ich ihn hier noch einmal veröffentlichen – mit Genehmigung von Udo Bandow.

Liebe Sportfreunde, mit großem Interesse habe ich den Bericht des Aufsichtsrates über seine Arbeit gelesen. Ich stimme ihm voll zu, dass die wirtschaftliche Konsolidierung unseres Vereins höchste Priorität hat. In der Tat hat sich die wirtschaftliche Situation des HSVin den letzten drei bis vier Jahren dramatisch verschlechtert. Ich befürchte, dass der nicht durch Vermögensanlagen gedeckte Fehlbetrag in der laufenden Saison durch die Abschreibungen auf die teuren Neuverpflichtungen auf 20 Millionen Euro ansteigen wird.
Nicht nachvollziehen kann ich die Formulierung: „Oberste Prämisse sei dabei, eine sportliche Nachhaltigkeit zu garantieren und nicht die Substanz der Mannschaft entscheidend zu schwächen; es sollen nicht die gleichen Fehler wie in der Vergangenheit gemacht werden.“
Der Aufsichtsrat sollte sich hier keinen Illusionen hingeben. Wenn wir wieder einen Kader haben, der international Interesse erweckt, was zurzeit leider nicht der Fall ist, wird der Aufsichtsrat ähnlich entscheiden wie er es in anderer Zusammensetzung in der Vergangenheit getan hat. Wenn Spieler Offerten bekommen von Vereinen wie zum Beispiel Bayern München, Real Madrid oder Manchester-Vereinen, dann sind sie nicht zu halten, da sich nicht nur ihre Bezüge kräftig erhöhen, sondern sie auch die Garantie der permanenten Teilnahme in der Champions League haben, was ihre Position in den Nationalmannschaften nachhaltig stärkt.
Entscheidend ist dabei, die ausscheidenden Spieler durch qualitativ gleichwertige, jüngere und finanziell günstigere zu ersetzen. Dies ist bis zur Trennung von Dietmar Beiersdorfer recht gut gelungen.
Ich nenne als Beispiels für jüngere Spieler, die Abgänge ersetzt und später ebenfalls hohe Transfergewinne erbracht haben, nur einige Namen:
Tomas Ujfalusi, Khalid Boulahrouz, Daniel van Buyten, Rafael van der Vaart, Vincent Kompany, Nigel de Jong, Jerome Boateng und Joris Mathijsen.
Ich hoffe, dass dies bei ähnlicher Konstellation auch in Zukunft gelingen möge.
Ihr Udo Bandow.

Ich habe mit Udo Bandow über diesen Brief gesprochen, er wollte aber nicht mehr ins Detail gehen – was ich verstehe. Er sagte nur noch: „Ich werde dazu keine weiteren Kommentare abgeben, es steht alles drin, es ist alles gesagt.“
Was natürlich auch stimmt, dennoch hätte ich gerne noch etwas „mehr“ gehört. Aber man kann ja auch zwischen den Zeilen lesen . . .

PS: Am Freitag wird um 10 Uhr im Volkspark geübt.

18.53 Uhr

Son will in die Champions League. Mit dem HSV?

24. April 2013

Milan Badelj ist verletzt. So eine Sch… Ausgerechnet jetzt, wo sich der in meinen Augen eminent wichtige Organisator im Mittelfeld wieder gefangen zu haben schien, musste er mit einer Adduktorenverletzung das Training abbrechen. „Wir haben eine Ultraschall-Untersuchung gemacht und es ist wohl nichts gerissen“, sagt Badelj, ohne Entwarnung geben zu können. Im Gegenteil: „Es fühlt sich aber wie eine Zerrung an. Sollte dem so sein, dürfte Badelj auf Schalke und möglicherweise auch am kommenden Wochenende gegen Wolfsburg ausfallen. Erneuter Nutznießer könnte Dennis Aogo werden. Der hatte gegen Düsseldorf den an Grippe erkrankten Tolgay Arslan ersetzt. Arslan ist inzwischen wieder gesund und gilt als gesetzt – neben Badelj. Sollte dieser ausfallen, rückt Aogo nach. Mal wieder.

Genaueres in Sachen Badelj soll es am morgigen Donnerstag geben. Da soll die verletzte Stelle erneut untersucht, geröntgt und anschließend eine exakte Diagnose gestellt werden. Ergo: Daumen drücken. Zumindest werde ich das machen.

Gleiche gilt für die Personalie der Woche: Heung Min Son. Der Südkoreaner ist heiß umworben – vom HSV und anderen Klubs. Unter anderem, nein: vor allem von Borussia Dortmund. Intern sorgt das für eine Menge Gesprächsstoff, wie Tolgay Arslan bestätigt. Der wieder genesene Mittelfeldspieler, der von Trainer Thorsten Fink bereits seinen Einsatz auf Schalke signalisiert bekommen hatte, sagt: „Ich habe Sonni schon gesagt, dass er ein echtes Problem hätte, wenn er mir plötzlich als Dortmunder gegenübersteht. Dann müste er aufpassen, dass ich ihn nicht mächtig erwische.“ Worte, die im Spaß gemeint aber durchaus einen ernsten Hintergrund haben. Immerhin rechnet man auch beim HSV auf kurze Sicht mit einem Angebot aus Dortmund. Der BVB hat gerade knapp 70 Millionen Euro für seine beiden Topspieler Robert Lewandowski und Mario Götze (dazu könnt Ihr auf unserer neuen Facebookseite https://www.facebook.com/groups/matzabauch ein Video mit Rene Adler sehen) eingenommen und ist auf der Suche nach Ersatz. „Sonni hat nicht gesagt, wie er sich entscheidet“, so Arslan, „aber ich hoffe, dass er sich für uns entscheidet und bleibt.“

Bleiben will auf jeden Fall Rene Adler. Das zumindest sagte der angeblich vom FC Arsenal umgarnte Keeper den Nachwuchsreportern vom Team „SportXperten“. Die Schüler hatten eine Ausschreibung des Hamburger Weg-Projektes gewonnen und befragten heute eine Stunde lang den HSV-Keeper und seinen Pendant vom HSV-Handball, Jogi Bitter. Adler: „Ich habe in Hamburg ein Haus gekauft, habe einen langen Vertrag – das wäre mir zu unentspannt. Ich habe keine Wechselgedanken.“ Eine Ansicht, die Adler in abgewandelter Form kurz zuvor auch Heung Min Son nahelegte – im persönlichen Gespräch. „Natürlich reden wir, Sonni ist sehr wissbegierig, fragt viel“, so Adler. Er habe dem begehrten Jungstar auch einen Tipp für die Zukunft mitgegeben. „Aber der bleibt geheim.“

Genauso wie das Ziel Heung Min Sons, dessen Vertrag 2014 ausläuft. Sollte der Südkoreaner nicht verlängern, wird er verkauft. Darauf legte sich Sportchef Frank Arnesen bereits fest. Stand Und Son ist weiterhin heiß umworben von englischen Klubs sowie der Bundesligakonkurrenz. Allen voran: Borussia Dortmund. Der noch amtierende Deutsche Meister hat durch den Verkauf seiner Top-Spieler Robert Lewandowski sowie Mario Götze gerade rund 70 Millionen Euro generiert – und ist heiß auf Son. „Mich interessiert das noch nicht“, sagt Son und man spürt die Unbehaglichkeit beim Angreifer. Immerhin ist er einer der Hoffnungsträger im Kampf um einen internationalen Startplatz für den HSV. „Ich lasse das meinen Vater und meinen Berater machen. Für mich ist es erst nach der Saison Thema. Bis dahin zählt nur der HSV.“

Worte, die so gesagt oft Abschiede nach sich zogen. Und angesichts des kolportierten Angebotes von rund zehn Millionen Euro seitens der Dortmunder rückt dieser wohl auch näher. Obgleich der HSV finanziell mit seinem Angreifer einig schien. Zuletzt, so hieß es, ging es nur noch um eine von Son geforderte Ausstiegsklausel. Allein es scheint nur die halbe Wahrheit zu sein. Für Son ist auch die sportliche Perspektive entscheidend. Und die ist in Hamburg tabellarisch ebenso offen wie in Sachen Kaderplanung, da noch keine Spieler verkauft werden konnten.
Das soll – zumindest im Fall Son – auch so bleiben. Deswegen wirken derzeit beim HSV fast alle auf das Sturmjuwel ein. Thorsten Fink hatte zuletzt deutlich gemacht, wie sehr er auf Son setzen wolle. Auch Adler und zuletzt Rafael van der Vaart, der öffentlich zum Verbleib in Hamburg riet, bemühen sich. Nur Son selbst weiß nach eigener Aussage noch überhaupt nicht, wie er sich entscheiden soll.

Er will es auch noch gar nicht. Es sei ein schönes Gefühl, umworben zu sein. Aber eben auch Stress. Und: „Es ist anstrengend, aber ich will Ruhe haben, mich konzentrieren“, sagt Son. „Es ist noch nichts entschieden. Wir haben vereinbart, uns nach der Saison zu besprechen und zu entscheiden.“ Ob der internationale Wettbewerb entscheidend sei? „Der HSV ist meine Familie, egal ob Europa League oder nicht. Champions League ist ein Traum, wäre geil, wenn ich das spielen könnte.“ Das wäre mit dem BVB gesichert. Aber auch der HSV hat noch die Chance. Sagt Son. „Wir müssen mindestens Europa League schaffen. Aber es sind auch nur zwei Punkte bis zur Champions League. Deshalb ist es wichtig, dass sich alle auf den HSV konzentrieren. Auch ich.“

Bei allem, was Son heute von sich gab, war ihm anzumerken, dass ihm nicht wohl ist im Moment. So schön das Werben anderer Klubs, so verlockend die Aussicht auf das große Gehalt auch ist – Son belastet das Thema. Daher ist die Frage, ob es gut ist, so lange mit einer Entscheidung zu warten, aus meiner Sicht schnell beantwortet. Und auch der HSV hätte lieber gestern als morgen den Vertrag verlängert. Dass es sich letztlich nur noch um eine kleine Ausstiegsklausel handelt, in der sich beide Parteien noch nicht einig sind – Blödsinn. Das mag ein Punkt sein, aber der Kern liegt in den sich „androhenden“ Angeboten großer Klubs. Und auf dem Weg dahin zögern Son, sein Vater und der Berater alles möglichst weit nach hinten raus.

Ein legitimes Vorgehen, das aber zuletzt für eine lange Schwächephase bei Son gesorgt hatte. Es ist kontraproduktiv. Gerade jetzt in der finalen Phase, wo es verrückterweise noch um einen internationalen Startplatz geht, schwächt sich Son. Mit Ausnahmen, wie in Mainz. Und auch gegen Düsseldorf war Son nicht so schlecht, wie ihn viele machen wollten. Allerdings: er war auch nicht top. Was mich immer wieder die eine Frage stellen lässt: Ist Son ein Talent, das später den ganz großen Durchbruch schafft? Oder sollte der HSV selbst interessiert sein, den Spieler teuer abzugeben. Gerade jetzt, wo man finanziell Probleme hat, würde ein solcher Millionendeal helfen.

Denkt man. Sollte man auch denken.

Dennoch befürchte ich, dass ein Millionentransfer nur zu (zu kleinen) Teilen wieder in die Mannschaft investiert würde. Dafür ist man in der Chefetage – auch wieder nur zu Teilen, wohlgemerkt – zu sehr auf eine schwarze null aus.

Dabei sind Investitionen in die Mannschaft zwingend nötig. In der Innenverteidigung fehlen zwei gute Spieler. Wie wichtig die sein können, haben jüngst Dante und Boateng gegen Barca bewiesen. Beide spielten bärenstark und gaben den Bayern trotz gerade 35 Prozent Ballbesitzes die Sicherheit, das Spiel zu gewinnen. „Wenn die Achse funktioniert, verlierst du selten“, hatte Fink vor kurzem gesagt – und er hat Recht. Aber zu einer wirklich top funktionierenden Achse fehlt (neben Westermann) mindestens ein richtig guter Innenverteidiger und eine IV-Alternative, dazu muss ein Badelj deutlich konstanter sein zweifellos vorhandenes Potenzial abrufen – ebenso wie Rafael van der Vaart. Und sollte Son verkauft werden bliebe „nur“ noch Rudnevs. Ergo: eigentlich auf allen Positionen der so wichtigen „Achse“ fehlt es beim HSV noch an Personal. Teilweise sogar doppelt. Dazu kommt, dass Dennis Diekmeier auf rechts hinten quasi konkurrenzlos ist. Auch hier ist Nachbesserung nötig.

Wobei sich – so fair sollten wir sein – ein Jacopo Sala empfehlen dürfen muss. Zum Beispiel am Sonntag. Da dürfte der Italiener erste Wahl sein als Diekmeier-Ersatz. „Er ist eine Option“, so Fink, der lediglich Zhi Gin Lam als weitere Option sieht. Bruma spielt – wie am Dienstag geschrieben – keine Rolle mehr.

Eine ganz wichtige Rolle für meine Abendplanung spielt – natürlich nur neben meinen Kindern und meiner Frau – heute das Spiel des BVB gegen Real Madrid. Und so sehr ich mich gestern für den Auftritt der Bayern (insbesondere für den von Müller!) begeistern konnte, sollte der BVB aus der Götze-Transfer-Bekanntgabe tatsächlich sichtbare Schäden davontragen – ich würde die Bayern dafür verurteilen. Dass der Deal stattfindet und bekannt wurde ist das Eine. Der Zeitpunkt der Bekanntgabe aber ist das Andere. Der wirkt nicht zufällig. Im Gegenteil, da scheint sich der aktuell von Hoeneß-Geißelungen geplagte FCB einen Deal mit der Berichterstattung erhofft zu haben. Ergo: Gebt ihnen Götze, dann schreiben sie weniger über Hoeneß’ Steuerhinterziehung. Und das wäre nicht nur hochgradig unsportlich sondern auch für den deutschen Fußball schädlich.

In diesem Sinne, ich hoffe, dass der BVB seinen Leistungen im bisherigen Wettbewerb ein weiteres Husarenstück folgen lässt und Real Madrid aus dem Westfalenstadion geschossen wird. So, wie Barca in München. Am besten mit jeweils zwei Treffern von Lewandowski und Götze.

Bis morgen. Da wird um zehn Uhr an der Arena trainiert. Dieter wird Euch davon sowie von der Presserunde mit unserem neuen Kapitän Rafael van der Vaart berichten.

Scholle

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