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0:4 – wieder ein Klassenunterschied

20. Juli 2013

Katar lässt grüßen. HSV gegen Bayern München nicht in der Wüste und erst recht nicht bei der WM, aber bei tropischen Temperaturen. Ich weiß nicht, ob der Herr Blatter, der allgewaltige Fifa-Boss, etwas dagegen gehabt hätte, aber gespielt haben sie trotzdem. Leicht gesundheitsgefährdend, aber das Geschäft muss ja brummen, und egal ob Schnee, Eis oder Sonne brutal, ein Profi hat eben zu funktionieren. Wobei ich, wenn ich an Blatter und die WM denke, immer noch platzen könnte. Was sind das für unfähige Männer, die eine WM nach Katar vergeben und erst Jahre später feststellen, dass es im Sommer in der Wüste ein wenig heiß wird. Diese ahnungslosen Herren müsste man alle sofort entlassen. Die denken nur an (ihre) Millionen, Millionen, Millionen. Aber der „Pep“ Blatter, der Herrscher aller Reusen, wird seine Entlassung wohl kaum zulassen . . . Aber zurück zum aktuellen Vorbereitungs-Fußball. HSV gegen den „FC Pep Guardiola“. Das Halbfinale des Telekom-Cups in Mönchengladbach. Wer auf ein Wunder gehofft hatte, sah sich schwer ge- und enttäuscht. Die Bayern dominierten den HSV spätestens in den zweiten 30 Minuten nach Belieben und gewannen im Schongang 4:0. Damit war der biedere, harmlose und ideenlose HSV noch bestens bedient. Das war, um es auf einen Punkt zu bringen, wie Erste Liga gegen Zweite Liga.

Der HSV begann diese Partie mit folgender Aufstellung:

Jaroslav Drobny, Jacopo Sala, Lasse Sobiech, Heiko Westermann, Marcell Jansen;
Tolgay Arslan, Milan Badelj; Maximilian Beister, Ivo Ilicevic; Rafael van der Vaart; Jacques Zoua. Gefehlt hat – mehr oder weniger kurzfristig – Dennis Diekmeier, der wegen muskulärer Probleme nicht auflaufen konnte. Gefehlt hat beim HSV natürlich auch Rene Adler, der Nationaltorwart leidet ja bekanntlich unter Knie-Problemen. „Scholle“ hatte aus Österreich von einer „Knie-OP“ geschrieben, aber nur deshalb, weil er sich verhört hatte. Fest steht, da möchte ich Entwarnung geben, dass Adler nicht operiert worden ist. Und ich verkneife mir den Zusatz: „Was nicht ist, kann ja noch werden . . .“ Ich verkneife es mir.

Vor dem zweiten Halbfinale hatte es in Mönchengladbach – logisch – das erste Halbfinale gegeben, und das hat die heimische Borussia gegen Borussia Dortmund mit 1:0 gewonnen. Ich hätte wetten können, dass es so kommt, denn ich glaube nicht, dass die Dortmunder schon jetzt große Lust verspürten, gegen den Rekordmeister anzutreten. Bevor man sich auf diese Art eine gute Vorbereitung etwas (oder etwas mehr) ruinieren lässt, verliert man lieber gegen Gladbach, denn dass der HSV gegen die Bayern gewinnen würde, das war nicht zu erwarten. Deswegen kommt es morgen, an diesem Sonntag, zum Spiel um Platz drei zwischen dem HSV und Borussia Dortmund, im Finale stehen sich Gladbach und die peppigen Guardiolas aus Bayern gegenüber.

Apropos Guardiola. Habt ihr gesehen, in welchem Meer von Fotografen der Spanier vor dem Anpfiff baden musste? Das ist doch nicht mehr normal. Aber gut, er muss es aushalten, nicht ich. Und die Stars der Bayern auch. Herrlich, hier ist der Trainer der Star, und nicht die Mannschaft, schon gar nicht Ribery, Robben, Neuer, Müller oder Schweinsteiger. Vor dem Spiel marschierte HSV-Coach Thorsten Fink Seite an Seite von Pep Guardiola fröhlich plaudernd in die Arena ein. Die beiden Herren verstanden sich offenbar prächtig.

Das Spiel gegen die – ich bin immer versucht zu schreiben – zweite Mannschaft des FC Bayern, denn es fehlten ja in der Startformation noch Namen wie Neuer, Dante, Schweinsteiger, Gustavo, Müller, Robben und Martinez (zum Beispiel), begann für den HSV nicht schlecht. Die Münchner wurden früh attackiert, sogar Torwart Tom Starke (neben Daniel van Buyten und Jerome Boateng der dritte ehemalige HSV-Profi der Bayern) wurde im Strafraum angegriffen. Das sah nicht so schlecht aus. Da stimmte (noch) die Laufarbeit, da wurde durchaus aggressiv und mit Emotionen gespielt. Und das habe ich, das muss ich gestehen, durchaus mit Wohlwollen verfolgt, denn nach dem 2:9 vom 30. März 2013 hatte ich schon befürchtet, dass der HSV in Ehrfurcht vor den großen und übermächtigen Münchnern erstarren würde. Das war nicht der Fall. Jedenfalls in der Anfangsphase der Begegnung.

Dennoch war natürlich in vielen Szenen ein Klassen-Unterschied zu erkennen. Wer etwas anderes gedacht oder erhofft hatte, lag (natürlich) gründlich daneben. Die Bayern bleiben auch in dieser neuen Saison das Maß aller Dinge im deutschen Fußball, und zwischen Platz eins und Platz sieben liegen in der Bundesliga eben doch Welten. Der HSV ist seinen spielerischen und auch taktischen Möglichkeiten eben sehr, zu sehr limitiert und begrenzt.

Das wurde auch beim Führungstor der Bayern offenbar. Nach einer Kroos-Flanke kam Pizarro aus sechs Metern zum Kopfball, Drobny reagierte super und lenkte den Ball spektakulär zur Ecke (11.). Die führte von links Ribery aus, am langen Pfosten stand Mandzukic ungedeckt (war Westermann da eingeteilt?) und zwang Drobny erneut zu einer Glanzparade. Den Abpraller beförderte zweimal Pizarro Richtung Drobny, der Tscheche hielt zweimal super – dann staubte Boateng zum 1:0 ab. Der Anfang vom Ende.

Der HSV hatte nur zweimal die Chance, zu einem Tor zu kommen. Jansen passte von links zur Mitte, dort verlor van der Vaart den Zweikampf gegen Torwart Starke, den Nachschuss setzte Beister weit über das Tor – weil schon abgepfiffen worden war? Der „kleine Engel“ soll im Abseits gestanden haben, stand er aber nicht (18.). Schade. Und dann flankte Beister in der 22. Minute von rechts zur Mitte, Zoua kam einen Tick zu spät gegen Starke, die Kopfballchance danach vergab der HSV dann mehr oder weniger leichtfertig.

Ansonsten nur Bayern. Im zweiten Durchgang war der HSV nur noch Zuschauer im eigenen Spiel. Mandzukic nach Super-Vorarbeit von Ribery (41.), Kroos mit einem haltbaren 15-Meter-Flachschuss (44.) und Müller, der nach Lahms Flanke den eingewechselten Per Ciljan Skjelbred übersprang (ein Foul?) und einköpfte, waren die Torschützen zum 4:0-Endstand. Vier Bayern-Treffer in einer Stunde, ich möchte das gar nicht hochrechnen. Neun Dinger wären aber wieder möglich gewesen . . . Dabei hatte Sportchef Oliver Kreuzer beim 0:1-Pausenstand noch gesagt: „Unterm Strich sah das, was wir bis jetzt gespielt haben, ganz ordentlich aus.“ Aber unterm Strich wird auch beim Telekom-Cup erst nach 60 Minuten abgerechnet.

Thorsten Fink hat übrigens noch fleißig gewechselt. In der 47. Und 48. Minute kamen Hakan Calhanoglu, Skjelbred, Michael Mancienne, Petr Jiracek, Artjoms Rudnevs, Tomas Rincon, Kerem Demirbay und Slobodan Rajkovic. Im Spiel blieben nur Drobny, Sobiech und Westermann. Genützt haben diese Wechsel dem HSV natürlich nichts. Zum Schluss war es wieder nur ein Trauerspiel unter freiem Himmel . . .

Gut? Schlecht? Außer Drobny habe ich wirklich keinen Spieler gesehen, der 60 Minuten gut war. Einige Spieler, wie van der Vaart, Badelj, Sala, Ilicevic und Zoua habe ich gar nicht gesehen, muss ich schon sagen. Arslan hatte sich mehr auf seine Aggressivität versteift, statt auf seine spielerischen Fähigkeiten – so wird das nichts. Jansen begann sehr gut, ließ aber früh stark nach (ohnmächtig, weil er keine Gegenliebe fand?). Beister war der einzige Hamburger, der mal den Abschluss suchte – aber seine Schüsse waren sämtlich Fahrkarten. Zu Zoua muss ich sagen, dass er sehr wohl einige gute Ansätze hatte, aber er war vorne eben ganz allein, und das ist dann gegen diese Bayern viel zu wenig. Zoua kann in meinen Augen trotz allem ein Spieler werden, der dem HSV helfen kann, ich schreibe den Kameruner da noch lange nicht ab. Oder anders gesagt: Auch wenn ich der einzige Hamburger bin, aber ich finde Zoua gut. Und er wird auch noch besser.

Wobei, das sei noch angefügt, Drobny das 3:0 von Kroos natürlich halten muss, keine Frage. Mehr Fehler aber haben seine Vorderleute gemacht. Mit zunehmender Spielzeit immer mehr. Was schon grausam anzusehen war. Der HSV war gegen Ende der Partie nur ein Spielball der Bayern, die im Schongang zu ihrem Erfolg kamen. Ich denke immer noch an den Spruch von Thorsten Fink, der am Tag zuvor noch gesagt hatte: „Als HSV-Trainer muss man immer den Anspruch haben, jedes Spiel zu gewinnen . . .“

Jo.
Das muss ich dann mal so stehenlassen.

Nach dem Spiel hat sich Thorsten Fink dann über das erste Gegentor beklagt. Der HSV-Coach hatte gehofft, dass es mal 20 oder 25 Minuten lang kein Gegentor für seine Mannschaft geben könnte, und dann, so die Hamburger Hoffnung “könnte vielleicht auch mal eine solche Weltklasse-Mannschaft leicht nervös werden”. Dass ausgerechnet eine Standardsituation zum 0:1 führte, lag dem Trainer quer im Magen. In seinem Resümee sagte Fink auch: “Nach vorne war bei uns nicht viel, nach hinten auch nicht viel mehr.”

Stimmt.

Morgen geht es weiter, neues Spiel, neues Glück. SAT.1 überträgt von 16.30 Uhr an – wer es deftig mag, sollte rechtzeitig einschalten.

Einen schönen und heißen Sommerabend noch für alle Matz-abber.

20.18 Uhr

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