Archiv für das Tag 'Sala'

Ein Schritt wider die eigene Philosophie?

31. Juli 2015

Wird er verliehen? Mohamed Gouaida (hier im Testspiel bei Arminia Bielefeld)

Wird er verliehen? Mohamed Gouaida (hier im Testspiel bei Arminia Bielefeld)

Er hatte keinen Blick für uns. Der sonst so freundliche Mohamed Gouaida stapfte schnellen Schrittes und ohne ein Wort an uns Journalisten vorbei. Und sowohl mein Bild- als auch mein Abendblatt-Kollege staunten, hatten aber auch eine logisch klingende Erklärung parat: Gouaida ist angeschlagen und musste ein gesteigertes Lauftraining absolvieren, während seine Kollegen in Spielformen übten. Das hebt nicht unbedingt die Stimmung, verständlich. Und während wir uns schnell einig waren, dass das Ganze nichts Schlimmeres zu bedeuten haben muss, wurde hinter den Kulissen mächtig an einer Idee geschraubt, die mich enttäuscht: Gouaida soll verliehen werden. Den ganzen Beitrag lesen »

Sala – nicht auf der Liste, aber weg?

22. Juli 2013

Gegen Borussia Dortmund und erst recht gegen den FC Bayern reicht es für den HSV noch nicht, das hat das vergangene Wochenende mehr oder weniger eindrucksvoll bewiesen. Und irgendwie war das ja auch vorher schon klar, auch wenn es in der vergangenen Saison zu zwei Siegen gegen den BVB gereicht hatte. Womit ich schon beim Thema bin. Dortmund war zwei Jahre in Folge Meister, und trotz allem hat dieser Meister gegen den HSV verloren. Bei „Matz ab“ in den Beiträgen der Fans habe ich nun aber gelesen, dass es ja logisch gewesen ist, dass der HSV gegen die Bayern verloren hat, denn: „Da sind Spieler dabei, die kosten 40, 50 oder auch 60 Millionen Euro. Beim HSV kostet der teuerste Mann gerade mal 13 Millionen. Wer da einen HSV-Sieg erwartet hatte, der . . .“ Hat keine Ahnung vom Fußball.

So einfach, ich kann es immer nur wieder sagen, so einfach also kann der Fußball dann doch sein.
Oder etwa doch nicht? Die Dortmunder Mannschaft hatte in der vergangenen Spielzeit sicher auch den einen oder anderen Spieler, der etwas mehr als 13 Millionen Euro gekostet hat – und trotzdem schaffte es der HSV gleich zweimal, die Schwarz-Gelben zu besiegen. Und wenn man nun immer voraussetzt, dass die Mannschaft, deren Spieler teilweise 40, 50 oder gar 60 Millionen Euro kosten, immer jenes Team vom Platz fegt, das nur einen Spieler im Werte von 13 Millionen besitzt – warum spielen wir denn überhaupt noch? Dann sollten die „kleinen“ und „minderbemittelten“ Clubs (wie der HSV) doch die Punkte gleich und stets an die Säbener Straße nach München schicken – per Post. Sind doch sowieso fast alle chancenlos.

Umgekehrt geht es natürlich auch, das ist schon klar. Der HSV besitzt einen Mann, der 13 Millionen kostet, und zum Beispiel besitzt der FC Augsburg nur einen Mann, der nicht mal die Hälfte dieser 13 Millionen kostet. Da ist dann doch auch ganz sicher, wer der Gewinner dieser Partie ist – natürlich der HSV. Alles andere wäre ja ein Witz. Und wir wissen ja auch alle, wie diese Spiele zwischen den „Kleinen“ der Bundesliga und dem „großen“ HSV zuletzt (teilweise) ausgegangen sind . . . Geld regiert den Fußball. Da muss nicht mehr großartig gegeneinander gekickt werden, da nennen sich die Vereine gegenseitig die Etats, die Ablösesummen und die Gehälter seiner Spieler, und schon gehen die Punkte auf Reisen. Alles ganz einfach. Das ist wie bei einem Auto-Quartett zum Beispiel: „Wie viele PS hat deiner?“

Und es war ja auch schon früher ganz einfach: Fußball ist ein Spiel zweier Mannschaften, elf gegen elf, und nach 90 Minuten gewinnen immer die Deutschen. Hat mal ein Engländer erfunden: Gary Lineker. Übertragen auf die Bundesliga heißt das natürlich, dass immer die Bayern gewinnen. Logisch. Die haben ja auch die Spieler, die 40, 50 oder gar 60 Millionen Euro kosten.

Ich finde es aber trotz allem mutig und auch bemerkenswert, wenn sich einige Clubs dennoch aufraffen, um sich mit dem FC Bayern zu messen. Auch wenn es in den meisten Fällen schön auf die Nasen gibt – Versuch macht klug. Und bei elf gegen elf, egal wie teuer, könnte ja auch mal die Tagesform entscheiden, die Laufbereitschaft, die Leidenschaft – das Herz. Und deswegen durfte auch jeder HSV-Fan einmal (ganz kurz) hoffen, dass es gegen diese übermächtigen Bayern vielleicht doch einen Sensations-Sieg geben könnte. Und ganz bestimmt haben auch viele HSV-Fans genau darauf gehofft. Nur im Spiel sah das dann ganz anders aus. Das war dann tatsächlich wie 60 Millionen gegen 13. Die bittere Realität. Aber was schließen wir daraus? Wenn man die Punkte nicht tatsächlich vorher abschicken will, dann muss man mehr investieren. Mehr Laufbereitschaft, mehr Kampf, mehr Leidenschaft – und mehr Herz. Nur so geht es nämlich. Und wenn das eines Tages eine Mannschaft (fast) in Perfektion schafft, dann wird auch der FC Bayern mal wieder verlieren. Wenn man aber vor 40, 50 und 60 Millionen erstarrt, wie hier publiziert, dann sollte man es in der Tat lieber ganz lassen.

Ich aber möchte doch lieber darauf hoffen, dass es auch einer HSV-Mannschaft eines Tages wieder einmal gelingen möge, dass die Tagesform so überragend ist, dass der Kampfgeist stimmt, dass auch die Laufbereitschaft, die Leidenschaft und das Herz zu 100 Prozent da sind, um ein kleines Fußball-Wunder zu schaffen. Dann nämlich könnte es vielleicht doch noch einmal klappen – eines fernen Tages, mit einem Sieg gegen die Bayern. Und wenn alles Gute schon am vergangenen Wochenende beieinander gewesen wäre, dann hätte dieser Tag ja sogar schon jetzt beim Telekom-Cup in Mönchengladbach Geschichte werden können.

Bei der Gelegenheit, weil ich ja auch netterweise immer mal wieder gefragt werde, wie das nun bald mal mit meiner Rente ist. Offiziell ist am 30. November 2013 Schluss für mich, soll heißen, am 1. Dezember 2013 bin ich Rentner. Inoffiziell ist es aber so, dass mein vorläufig letzter Arbeitstag der 13. September 2013 ist. Danach nehme ich meinen Jahresurlaub und einige freie Tage, sodass ich gegen Ende November noch eine kurze Zeit arbeiten werde. Vielen Dank für euer Mitgefühl.

Zurück zum HSV. Da hatte Oliver Kreuzer ja nach dem 0:2 gegen Wacker Innsbruck ordentlich „Alarm“ gemacht. Was mich zu jenem Zeitpunkt schon ein wenig wunderte, hatten doch einige Spieler erst tags zuvor ein einziges Mal trainiert. Gut aber fand ich es trotzdem, das habe ich schon geschrieben, dass der neue Sportchef mal so richtig „auf den Putz gehauen hat“, um den Spielern damit zu signalisieren, dass es nur dann etwas wird, wenn man sich quält und alles abruft. Nun aber habe ich in dieser Hinsicht lange nichts mehr von Oliver Kreuzer gehört und gelesen. Ist sein Bayern-Gen, das Thorsten Fink vor einigen Tagen ja noch bei Kreuzer vermutet hatte, schon nach so kurzer Zeit vollkommen von der Bildfläche verschwunden? Ist er eventuell sogar zurückgepfiffen worden? Von wem auch immer? Das wäre dann jammerschade, denn nach wie vor hielte ich es für vollkommen richtig, schlechte Leistungen auch beim Namen zu nennen. Aber vielleicht kommt das ja noch einmal wieder – in der Bundesliga. Ich werde es mal beobachten.

Ein anderes Thema: Beim Sport-Informations-Dienst erschien heute eine kleine Geschichte von und zu Paul Scharner. Die sieht so aus:

Innenverteidiger Paul Scharner hat erneut eine neue Chance beim HSV eingefordert und seine Situation als „Horror“ bezeichnet. „In Hamburg habe ich das Empfinden, kein Vertrauen und keine reelle Chance bekommen zu haben. Das ist für einen Sportler nicht verkraftbar“, sagte der 33 Jahre alte Österreicher. Ohne diese bekommen zu haben, werde er „nicht freiwillig gehen“, fügte er hinzu. Derzeit laboriert Scharner an einem Muskelfaserriss in der Wade, den er auf seine angeschlagene Psyche zurückführt: „Jede Verletzung hat eine psychische Ursache, und das Gefühl von fehlendem Vertrauen sucht sich ein Ventil. Weshalb sollte das bei Fußballprofis anders sein als bei anderen Berufstätigen?“ In der abgelaufenen Saison war Scharner nach nur vier Kurzeinsätzen für die Hanseaten im Winter auf Leihbasis zu Wigan Athletic gewechselt. Mit dem Premier-League-Club gewann Scharner den FA Cup. Wie Robert Tesche, Gojko Kacar, Slobodan Rajkovic und Michael Mancienne steht er auf der Streichliste des Sportdirektors Oliver Kreuzer.

Apropos Streichliste. Nicht darauf stand ja der Name Jacopo Sala, aber der Italiener wird wohl dennoch den HSV verlassen. Auf Facebook wurde heute geschrieben, dass der 21-jährige Mittelfeldspieler zum italienischen Erstliga-Aufsteiger Hellas Verona wechseln wird. Dass etwas Wahres an dieser Meldung ist, das hat der HSV inzwischen bestätigt. Fortsetzung folgt. Auf der einen Seite wäre ich nicht traurig, wenn Sala gehen würde, denn er hat sich hier bislang nicht durchsetzen können – und der HSV könnte wieder ein Gehalt einsparen. Auf der anderen Seite würde beim HSV wieder in junger Mann gehen, der einst mit großen Hoffnungen nach Hamburg gelockt worden ist, der dann nicht auf Anhieb „funktionierte“ – und nun wieder geht. Und zwar bevor er es allen zeigen konnte, dass er es doch eigentlich drauf hätte.

Da denke ich dann sofort, nur ein Beispiel, an Reto Ziegler, der 2005 aus England (Tottenham) zum HSV gekommen war, sich nicht durchsetzen konnte, nur acht Bundesliga-Einsätze schaffte – und dann noch Nationalspieler der Schweiz wurde (32 Länderspiele). Und der dazu noch bei so manchem namhaften Club (Sampdoria Genua, Juventus Turin, Fenerbahce Istanbul, Lok Moskau) in Europa unter Vertrag stand. Und dieser Ziegler ist heute erst, das kommt erschwerend hinzu, 27 Jahre alt. Deswegen hätte ich mir schon gewünscht, dass Sala noch geblieben wäre (so er denn tatsächlich gehen sollte). Er selbst aber hat wohl noch weniger an sich geglaubt, als der HSV und die sportlich Verantwortlichen. Ein Aufbäumen gegen das Reservisten-Dasein, den unbändigen Willen, sich durch gute Trainingsleistungen in die Mannschaft zu kämpfen, das habe ich bei dem jungen Italiener nämlich bislang nie gesehen. Im Gegenteil, eine gewisse Phase hatte er sich mit Jeffrey Bruma vereint, und der Niederländer hatte ja ebenfalls recht wenig Biss, um sich ins Team zu kämpfen – beide Reservisten hatten mir schon viel zu zeitig resigniert. Schade drum.

Und irgendwie denke ich, wie bei Ziegler, auch an Tomas Rincon. 25 Jahre jung ist der Mittelfeldmann, immerhin schon seit Januar 2009 beim HSV, aber einen Stammplatz hat er nie bekommen. Auch schade. Weil ich glaube, dass der Venezolaner auf der Sechs ein richtig guter Abräumer wäre. Bei der (letzten?) Südamerika-Meisterschaft wurde Rincon zum besten (oder wertvollsten?) Spieler gewählt, und da frage ich mich schon (lange), warum er es beim HSV nicht schafft? Und ich lande, bei meinen Antwort-Versuchen, immer wieder bei dem Wort „Überangebot“. Für mich hat der HSV einfach viel zu viele Spieler. Quintessenz: Da sieht dann so mancher Trainer den Wald vor lauter Bäumen nicht. Weniger wäre wohl mehr. Und für Rincon eventuell auch hilfreich. Und ich glaube in der Tat, dass ein eher defensiv denkender Sechser, der wie ein Staubsauger vor der Abwehr fungiert, dem HSV ganz gut zu Gesicht stehen würde. Vor jenen Sechsern nämlich, die dort spielen, seit es diese ominöse „Sechs“ gibt, fürchten sich die Gegner nicht unbedingt. Weil diese HSV-Sechser doch eher Leute sind, die ihre Stärken in der Offensive haben: Tolgay Arslan, Milan Badelj, Petr Jiracek.

Aber vielleicht wird ja auch Heiko Westermann ein neuer Sechser. Wenn dann Lasse Sobiech und Johan Djourou in der Innenverteidigung spielen. Könnte ja sein. Wobei ich zu Sobiech heute einen interessanten Anruf hatte. Da wurde mir nämlich gesagt: „Ob diejenigen, die Heiko Westermann aus der Mannschaft haben wollen, tatsächlich die vielen Fehler, die Lasse Sobiech begangen hat, gesehen haben? Ich weiß jedenfalls nur eines: Hätte Westermann diese Fehler gemacht, im Blog hätte es wieder einen Sturm der Entrüstung gegeben. Der aber blieb diesmal aus – war ja Sobiech . . .“ Wie gesagt, so wurde es mir am Telefon gesagt – und ich finde, dass da viel Wahres dran ist. Aber auch diese Entwicklung werden wir alle ja erleben – in den kommenden Wochen.

Ganz kurz noch zum Aktuellen. Heute am Vormittag lief Dennis Diekmeier einige Runden, um sich danach pflegen zu lassen. Muskuläre Probleme im Oberschenkel. Er sagte danach: „Ich bin ganz optimistisch, dass ich morgen wieder mit der Mannschaft trainieren kann. Und vielleicht geht es am Abend ja sogar mit einem Einsatz gegen West Ham United. Das werden wir nach dem Training entscheiden.“
Das Training beginnt an diesem Dienstag am 10 Uhr, am Abend wird dann in Flensburg gegen den englischen Erstliga-Club gespielt (Anstoß 18.45 Uhr).

17.19 Uhr

0:4 – wieder ein Klassenunterschied

20. Juli 2013

Katar lässt grüßen. HSV gegen Bayern München nicht in der Wüste und erst recht nicht bei der WM, aber bei tropischen Temperaturen. Ich weiß nicht, ob der Herr Blatter, der allgewaltige Fifa-Boss, etwas dagegen gehabt hätte, aber gespielt haben sie trotzdem. Leicht gesundheitsgefährdend, aber das Geschäft muss ja brummen, und egal ob Schnee, Eis oder Sonne brutal, ein Profi hat eben zu funktionieren. Wobei ich, wenn ich an Blatter und die WM denke, immer noch platzen könnte. Was sind das für unfähige Männer, die eine WM nach Katar vergeben und erst Jahre später feststellen, dass es im Sommer in der Wüste ein wenig heiß wird. Diese ahnungslosen Herren müsste man alle sofort entlassen. Die denken nur an (ihre) Millionen, Millionen, Millionen. Aber der „Pep“ Blatter, der Herrscher aller Reusen, wird seine Entlassung wohl kaum zulassen . . . Aber zurück zum aktuellen Vorbereitungs-Fußball. HSV gegen den „FC Pep Guardiola“. Das Halbfinale des Telekom-Cups in Mönchengladbach. Wer auf ein Wunder gehofft hatte, sah sich schwer ge- und enttäuscht. Die Bayern dominierten den HSV spätestens in den zweiten 30 Minuten nach Belieben und gewannen im Schongang 4:0. Damit war der biedere, harmlose und ideenlose HSV noch bestens bedient. Das war, um es auf einen Punkt zu bringen, wie Erste Liga gegen Zweite Liga.

Der HSV begann diese Partie mit folgender Aufstellung:

Jaroslav Drobny, Jacopo Sala, Lasse Sobiech, Heiko Westermann, Marcell Jansen;
Tolgay Arslan, Milan Badelj; Maximilian Beister, Ivo Ilicevic; Rafael van der Vaart; Jacques Zoua. Gefehlt hat – mehr oder weniger kurzfristig – Dennis Diekmeier, der wegen muskulärer Probleme nicht auflaufen konnte. Gefehlt hat beim HSV natürlich auch Rene Adler, der Nationaltorwart leidet ja bekanntlich unter Knie-Problemen. „Scholle“ hatte aus Österreich von einer „Knie-OP“ geschrieben, aber nur deshalb, weil er sich verhört hatte. Fest steht, da möchte ich Entwarnung geben, dass Adler nicht operiert worden ist. Und ich verkneife mir den Zusatz: „Was nicht ist, kann ja noch werden . . .“ Ich verkneife es mir.

Vor dem zweiten Halbfinale hatte es in Mönchengladbach – logisch – das erste Halbfinale gegeben, und das hat die heimische Borussia gegen Borussia Dortmund mit 1:0 gewonnen. Ich hätte wetten können, dass es so kommt, denn ich glaube nicht, dass die Dortmunder schon jetzt große Lust verspürten, gegen den Rekordmeister anzutreten. Bevor man sich auf diese Art eine gute Vorbereitung etwas (oder etwas mehr) ruinieren lässt, verliert man lieber gegen Gladbach, denn dass der HSV gegen die Bayern gewinnen würde, das war nicht zu erwarten. Deswegen kommt es morgen, an diesem Sonntag, zum Spiel um Platz drei zwischen dem HSV und Borussia Dortmund, im Finale stehen sich Gladbach und die peppigen Guardiolas aus Bayern gegenüber.

Apropos Guardiola. Habt ihr gesehen, in welchem Meer von Fotografen der Spanier vor dem Anpfiff baden musste? Das ist doch nicht mehr normal. Aber gut, er muss es aushalten, nicht ich. Und die Stars der Bayern auch. Herrlich, hier ist der Trainer der Star, und nicht die Mannschaft, schon gar nicht Ribery, Robben, Neuer, Müller oder Schweinsteiger. Vor dem Spiel marschierte HSV-Coach Thorsten Fink Seite an Seite von Pep Guardiola fröhlich plaudernd in die Arena ein. Die beiden Herren verstanden sich offenbar prächtig.

Das Spiel gegen die – ich bin immer versucht zu schreiben – zweite Mannschaft des FC Bayern, denn es fehlten ja in der Startformation noch Namen wie Neuer, Dante, Schweinsteiger, Gustavo, Müller, Robben und Martinez (zum Beispiel), begann für den HSV nicht schlecht. Die Münchner wurden früh attackiert, sogar Torwart Tom Starke (neben Daniel van Buyten und Jerome Boateng der dritte ehemalige HSV-Profi der Bayern) wurde im Strafraum angegriffen. Das sah nicht so schlecht aus. Da stimmte (noch) die Laufarbeit, da wurde durchaus aggressiv und mit Emotionen gespielt. Und das habe ich, das muss ich gestehen, durchaus mit Wohlwollen verfolgt, denn nach dem 2:9 vom 30. März 2013 hatte ich schon befürchtet, dass der HSV in Ehrfurcht vor den großen und übermächtigen Münchnern erstarren würde. Das war nicht der Fall. Jedenfalls in der Anfangsphase der Begegnung.

Dennoch war natürlich in vielen Szenen ein Klassen-Unterschied zu erkennen. Wer etwas anderes gedacht oder erhofft hatte, lag (natürlich) gründlich daneben. Die Bayern bleiben auch in dieser neuen Saison das Maß aller Dinge im deutschen Fußball, und zwischen Platz eins und Platz sieben liegen in der Bundesliga eben doch Welten. Der HSV ist seinen spielerischen und auch taktischen Möglichkeiten eben sehr, zu sehr limitiert und begrenzt.

Das wurde auch beim Führungstor der Bayern offenbar. Nach einer Kroos-Flanke kam Pizarro aus sechs Metern zum Kopfball, Drobny reagierte super und lenkte den Ball spektakulär zur Ecke (11.). Die führte von links Ribery aus, am langen Pfosten stand Mandzukic ungedeckt (war Westermann da eingeteilt?) und zwang Drobny erneut zu einer Glanzparade. Den Abpraller beförderte zweimal Pizarro Richtung Drobny, der Tscheche hielt zweimal super – dann staubte Boateng zum 1:0 ab. Der Anfang vom Ende.

Der HSV hatte nur zweimal die Chance, zu einem Tor zu kommen. Jansen passte von links zur Mitte, dort verlor van der Vaart den Zweikampf gegen Torwart Starke, den Nachschuss setzte Beister weit über das Tor – weil schon abgepfiffen worden war? Der „kleine Engel“ soll im Abseits gestanden haben, stand er aber nicht (18.). Schade. Und dann flankte Beister in der 22. Minute von rechts zur Mitte, Zoua kam einen Tick zu spät gegen Starke, die Kopfballchance danach vergab der HSV dann mehr oder weniger leichtfertig.

Ansonsten nur Bayern. Im zweiten Durchgang war der HSV nur noch Zuschauer im eigenen Spiel. Mandzukic nach Super-Vorarbeit von Ribery (41.), Kroos mit einem haltbaren 15-Meter-Flachschuss (44.) und Müller, der nach Lahms Flanke den eingewechselten Per Ciljan Skjelbred übersprang (ein Foul?) und einköpfte, waren die Torschützen zum 4:0-Endstand. Vier Bayern-Treffer in einer Stunde, ich möchte das gar nicht hochrechnen. Neun Dinger wären aber wieder möglich gewesen . . . Dabei hatte Sportchef Oliver Kreuzer beim 0:1-Pausenstand noch gesagt: „Unterm Strich sah das, was wir bis jetzt gespielt haben, ganz ordentlich aus.“ Aber unterm Strich wird auch beim Telekom-Cup erst nach 60 Minuten abgerechnet.

Thorsten Fink hat übrigens noch fleißig gewechselt. In der 47. Und 48. Minute kamen Hakan Calhanoglu, Skjelbred, Michael Mancienne, Petr Jiracek, Artjoms Rudnevs, Tomas Rincon, Kerem Demirbay und Slobodan Rajkovic. Im Spiel blieben nur Drobny, Sobiech und Westermann. Genützt haben diese Wechsel dem HSV natürlich nichts. Zum Schluss war es wieder nur ein Trauerspiel unter freiem Himmel . . .

Gut? Schlecht? Außer Drobny habe ich wirklich keinen Spieler gesehen, der 60 Minuten gut war. Einige Spieler, wie van der Vaart, Badelj, Sala, Ilicevic und Zoua habe ich gar nicht gesehen, muss ich schon sagen. Arslan hatte sich mehr auf seine Aggressivität versteift, statt auf seine spielerischen Fähigkeiten – so wird das nichts. Jansen begann sehr gut, ließ aber früh stark nach (ohnmächtig, weil er keine Gegenliebe fand?). Beister war der einzige Hamburger, der mal den Abschluss suchte – aber seine Schüsse waren sämtlich Fahrkarten. Zu Zoua muss ich sagen, dass er sehr wohl einige gute Ansätze hatte, aber er war vorne eben ganz allein, und das ist dann gegen diese Bayern viel zu wenig. Zoua kann in meinen Augen trotz allem ein Spieler werden, der dem HSV helfen kann, ich schreibe den Kameruner da noch lange nicht ab. Oder anders gesagt: Auch wenn ich der einzige Hamburger bin, aber ich finde Zoua gut. Und er wird auch noch besser.

Wobei, das sei noch angefügt, Drobny das 3:0 von Kroos natürlich halten muss, keine Frage. Mehr Fehler aber haben seine Vorderleute gemacht. Mit zunehmender Spielzeit immer mehr. Was schon grausam anzusehen war. Der HSV war gegen Ende der Partie nur ein Spielball der Bayern, die im Schongang zu ihrem Erfolg kamen. Ich denke immer noch an den Spruch von Thorsten Fink, der am Tag zuvor noch gesagt hatte: „Als HSV-Trainer muss man immer den Anspruch haben, jedes Spiel zu gewinnen . . .“

Jo.
Das muss ich dann mal so stehenlassen.

Nach dem Spiel hat sich Thorsten Fink dann über das erste Gegentor beklagt. Der HSV-Coach hatte gehofft, dass es mal 20 oder 25 Minuten lang kein Gegentor für seine Mannschaft geben könnte, und dann, so die Hamburger Hoffnung “könnte vielleicht auch mal eine solche Weltklasse-Mannschaft leicht nervös werden”. Dass ausgerechnet eine Standardsituation zum 0:1 führte, lag dem Trainer quer im Magen. In seinem Resümee sagte Fink auch: “Nach vorne war bei uns nicht viel, nach hinten auch nicht viel mehr.”

Stimmt.

Morgen geht es weiter, neues Spiel, neues Glück. SAT.1 überträgt von 16.30 Uhr an – wer es deftig mag, sollte rechtzeitig einschalten.

Einen schönen und heißen Sommerabend noch für alle Matz-abber.

20.18 Uhr

2:0-Sieg – der erste Pott ist da!

14. Juli 2013

Das Wetter war schlechter, aber der Zuschauer-Zuspruch beim Nordcup war trotz allem nicht besser. Sollen es am Sonnabend laut HSV-Zählung 13 800 Fans gewesen sein, die zur Saison-Eröffnung in den Volkspark gekommen waren, so waren diese 13 800 auch am Sonntag dabei. Keiner mehr. Trotz der Tatsache, dass der HSV das „Finale“ seines eigenen Turniers erreicht hatte. Nach einer Stunde Spielzeit gegen den Endspiel-Gegner FC Kopenhagen stand ein 2:0 zu Buche, der erste Pokalgewinn der neuen Spielzeit. Und wer weiß, vielleicht gesellt sich ja noch der eine oder andere „Pott“ im Laufe des Jahres dazu – vielleicht sogar der, der am Ende einer Saison in Berlin überreicht wird. Wer weiß es schon? Für den HSV war es schon bedauerlich, da möchte ich mich wiederholen, dass der Zuschauer-Zuspruch so gering war. Lag es an den Ferien? Lag es an der Sommerpause, die ja noch andauert? Lag es an einer gewissen „Bocklosigkeit“ auf den HSV, der in der vergangenen Saison ja nicht immer überzeugt aufgespielt hatte? Oder lag es am Teilnehmerfeld, das nicht attraktiv genug war? Letzteres kann es in meinen Augen nicht gewesen sein – schade war es in jedem Fall.

Viel Beifall gab es für das „Vorspiel“. Es ging bei Eintracht Braunschweig gegen den VfL Wolfsburg um Platz drei beim Nordcup, und weil der Erstliga-Aufsteiger am Ende der einen Stunde als 2:1-Sieger vom Platz ging, gab es viel Applaus. Ganz offenbar genossen die Blau-Gelben die Sympathien fast aller Hamburger. Nur ein „Grüner“ aus Wolfsburg war die große Ausnahme: Ivica Olic. Als der frühere HSV-Profi nach durchwachsener Leistung in der 49. Minute ausgewechselt wurde, da applaudierte jeder Zuschauer – viele standen sogar für das „Laufwunder“ auf. Es wird eben nicht vergessen, wenn sich einer (wie der „Ivi“) hier mal – pausenlos – den Hintern für die Raute aufgerissen hat. Wer die Statistik des Spiels braucht: Braunschweig ging durch ein Tor von Kratz in Führung (30.), Jackson baute diesen Vorsprung auf 2:0 aus (36.). Kutschke verkürzte für die Wolfsburger, die mich heute enttäuscht haben (gestern waren sie gegen Kopenhagen 45 Minuten lang besser).

Der HSV begann danach im Finale gegen die Dänen mit folgender Mannschaft:

Jaroslav Drobny, Dennis Diekmeier, Paul Scharner, Heiko Westermann, Marcel Jansen; Tomas Rincon, Milan Badelj; Per Ciljan Skjelbred, Petr Jiracek; Rafael van der Vaart; Artjoms Rudnevs. Der 23. Mann dieses Endspiels kam ebenfalls aus Hamburg, das war Norbert Grudzinski, der keinerlei Probleme mit dem Spiel hatte.

Für die ersten 30 Minuten gab es Beifall von den Rängen. Der HSV war deutlich engagierter, zielstrebiger, druckvoller und bemühter als noch am Vortag gegen Braunschweig. Oder lag es am schwächeren Gegner? Kopenhagen wirkte doch ein wenig hausbacken. Aber egal, der HSV spielte gut. Damit, um es mal mit Thorsten Fink zu sagen, war ich schon „sehr, sehr zufrieden“. Nun gut, ein „sehr“ tut es wahrscheinlich auch. Aber zufrieden stimmt auf jeden Fall.

Schon früh die Führung. Eckstoß von Rafael van der Vaart (von rechts), FC-Keeper Wiland faustete den hochspringenden Heiko Westermann an, der Ball prallte danach vor die Füße von Marcell Jansen, der ohne Mühe vollenden konnte, das 1:0 in der achten Minute. Gefahr vor dem HSV-Tor kam danach kaum einmal auf, der HSV war spielbestimmend, hatte in Person von Artjoms Rudnevs auch einige gute Schuss-Chancen.

Was auffällig war: Rafael van der Vaart wirkte unternehmungslustiger als noch am Vortag, er bot sich ständig an, lief dementsprechend viel, er schlug auch einige gute Pässe und gefiel mit seinem Spiel in die Spitze. Es geht bergauf! Das würde ich auch von Per Ciljan Skjelbred behaupten wollen. Der Norweger wirkt schon jetzt super austrainiert auf mich, er läuft, er kämpft, er rennt, er beißt – ist ständig auf Achse. Das gefällt mir sehr. Gute Noten erhält bei mir auch der stets „bissige“ „Popey“, Tomas Rincon. Ich oute mich da gerne als (kleiner) Rincon-Fan, denn jeder Trainer kann den Wadenbeißer blind bringen, Rincon macht sie alle weg. Weil er kernig ist, weil er zur Sache kommt, weil er will. Mir gefällt Rincon, das gebe ich zu, er ist selten mal schlecht, und total versagt hat er eigentlich nie – oder?

Und noch einen Mann möchte ich loben: Heiko Westermann. Nur ein Fehlpass in der ersten Halbzeit, dafür aber – in seiner Parade-Disziplin – unheimlich viele Bälle erobert, wie er antizipiert – sensationell. Dazu hat er auch einige Male in höchster Not gerettet – sehr, sehr gut. Das wurde diesmal auch vom Publikum honoriert, denn es gab mitunter Beifall auf offener Szene für den ehemaligen Kapitän.

Etwas unglücklich agierte in der Spitze Artjoms Rudnevs. Der Lette bemüht sich in jeder Szene, er läuft sehr viel, er gibt nie auf, er hechelt jedem Ball hinterher – aber er erreicht die Kugel nur selten. Es muss nicht unbedingt an ihm liegen, vielleicht ist es auch der Tatsache geschuldet, dass er ganz vorne ja einen Einzelkämpfer ist – aber so richtig eine Fuß vor den anderen kann er derzeit (noch) nicht setzen. Dennoch, und das finde ich richtig gut, bekam Rudnevs bei guten Szenen immer wieder viel Beifall – die Fans honorieren auch bei ihm den ständigen und nimmermüden Einsatz. Und wohl auch die Tatsache, dass er sich immer wieder Chancen erkämpft, weil er auch dorthin geht, wo es weh tut.

Zur zweiten Halbzeit (den zweiten 30 Minuten) kamen drei neue Leute beim HSV: Michael Mancienne für Scharner, Lasse Sobiech für Westermann und Jacopo Sala für Badelj. In der 42. Minute wurden dann auch Maximilian Beister (für Jansen) und Jacques Zoua (für van der Vaart) eingewechselt.

Die erste Szene im zweiten Durchgang hatten die Dänen. Nach einem 17-Meter-Freistoß hätte eigentlich der Ausgleich fallen müssen, aber Michael Jakobsen traf den Ball aus vier Metern nicht richtig, sein Kopfball flog Millimeter am HSV-Tor vorbei (35.). Glück für Jaroslav Drobny. Fast im Gegenzug hatte Rudnevs eine Kopfball-Möglichkeit, aber die Diekmeier-Flanke kam doch einen Zentimeter zu hoch, sodass der Stürmer die Kugel nicht mehr drücken konnte.

Und dann der Höhepunkt des Abends! Was für ein Tor! Das Tor des Jahres. Hoffentlich hat es eine Kamera eingefangen, so etwas gab es ja im Volkspark seit Jahrzehnten nicht mehr. Eckstoß Jacopo Sala, Michael Mancienne nimmt den Ball volley, aber so etwas von volley, und hämmert ihn aus elf Metern in die Maschen. Aber hallo! Endlich mal ein Erfolgserlebnis für den Innenverteidiger – auch wenn es zu spät für ihn kommt. Wenn der Engländer aber von irgendeinem Club per Video verpflichtet werden sollte (was ja vorkommen soll!), dann wäre das sein absolutes Meisterstück. Großartig, hervorragend, traumhaft, einmalig! Herzlichen Glückwunsch, einen solchen Treffer schafft ein Abwehrspieler wohl nur einmal in seiner Karriere. Unfassbar, dieser Hammer.

Und fast noch ein Traumtor. Nach Diekmeier-Flanke (die war zuckersüß!) lag Jacques Zoua waagerecht in der Luft, doch sein Fallrückzieher ging dann doch etwas weiter vorbei als erhofft (52.). Schade, schade. Trotz allem gab es viel Applaus.

Gegen Ende der Partie kam Kopenhagen zwar noch einmal kurz auf, aber es waren eben nur noch wenige Minuten zu spielen – zu wenige. Es blieb beim 2:0, und der HSV hatte endlich mal wieder einen Pokal gewonnen. Auch wenn es der eigene war. Super nach dem Abpfiff, wie beide (!) Mannschaften im Norden der Arena gefeiert und verabschiedet wurden, das hatte schon was. Für den HSV überreichte Vorstandsmitglied Joachim Hilke den Pokal an Kapitän van der Vaart. „Nur der HSV“

Jetzt noch zwei etwas andere Dinge aus dem großen, weiten Fußball.

Am Sonnabend war ja, neben Lothar Matthäus und Bundesliga-Rekord-Spieler Karl-Heinz „Charly“ Körbel, der „Kaiser“ zu Gast bei Reinhold Beckmann und seinem „Liga-Fieber“ in der ARD. Eine Art Sportschau-Ersatz. Franz Beckenbauer hat da einige interessante Dinge über sich verraten. Getreu dem Motto:

Heute Lichtgestalt, früher arroganter Pinsel – Franz Beckenbauer traf zu Beginn seiner Karriere die Kritik an seiner Spielweise.
„Ich habe darunter gelitten. Die Journalisten konnten mit meiner Spielweise nicht viel anfangen“, sagte Beckenbauer und ergänzte: „Ich galt als arroganter Pinsel mit einer arroganten Spielweise. Ich habe mich halt geweigert, einem Ball hinterherzuwerfen, der ohnehin ins Aus geht, und dachte: Der geht auch ohne mich ins Aus. Aber dann hat man sich Gott sei Dank daran gewöhnt.“
Glück habe bei seinen sportlichen Erfolgen eine entscheidende Rolle gespielt, gesteht Franz Beckenbauer: „Natürlich brauchst du Können, natürlich brauchst du Fleiß, das sind die Voraussetzungen von allem. Aber es gehört auch viel Glück dazu. Das Glück, immer im richtigen Moment die richtige Mannschaft und die richtigen Mitspieler zu haben, das ist ja keine Selbstverständlichkeit. Ich hatte Glück, mich durchzuwurschteln bis zum Schluss.“

Als der frühere HSV-Spieler (!), den ich noch als HSV-Spieler kennengelernt und auch interviewt habe, das gesagt hatte, dachte ich so bei mir: „Naja, durchwurschteln war das nun ja ganz sicher nicht. Der Franz hatte so viel Gefühl in seinen Füßen, wie kein anderer in Europa. Ein solches Gefühl habe ich nicht mal in den Händen . . . das mal nebenbei. Aber ich wollte auf etwas anderes hinaus. Von wegen die richtige Mannschaft und die richtigen Mitspieler.“

Da habe ich an Rafael van der Vaart gedacht. Und auch ein wenig, ich gestehe, an meinen Kollegen Björn Jensen, der kürzlich im Abendblatt über seinen Beweggründe, warum er weiterhin zum HSV geht, geschrieben hatte. Jensen ist ja, das offenbarte er bei der Gelegenheit, gegen die Ausgliederung und sagt, dass der HSV auch ohne eine solche durchaus Erfolge hatte – und haben könnte. Was ich total anders sehe, aber das ist auch nicht mein Thema. Ich komme nun zurück zu van der Vaart. Hat der eigentlich die richtige Mannschaft? Die richtigen Mitspieler, wie sie einst Franz Beckenbauer überall gehabt hat? Da habe ich doch meine leichten Zweifel. Früher gab es sie noch, die hochkarätigen Mitspieler, nämlich Kollegen wie Barbarez, Atouba, van Buyten, Boulahrouz, Kompany, Guerrero, Olic, Mathijsen, Demel, Wicky, Beinlich, de Jong und Boateng. Solche „Künstler“ hat van der Vaart heute nicht mehr um sich, und vielleicht behindert ihn auch diese Tatsache so dermaßen, dass er seine fußballerischen Fähigkeiten nicht so entfalten kann, wie erhofft. Von allen erhofft – auch von ihm. Denn oft ertappe ich mich auch dabei, wenn ich HSV-Spiele sehe, dass ich eine gewisse Resignation bei dem „kleinen Engel“ erkenne, weil er fußballerisch nicht immer nur auf Gegenliebe bei einigen (leicht überforderten) Kollegen trifft. Und an Björn Jensen gerichtet möchte ich sagen, dass der HSV ohne die Ausgliederung nie wieder eine solche Fülle an erstklassigen Fußballern haben wird, wie ich sie eben namentlich geschildert habe. Weil das Geld dazu dem HSV ganz einfach immer fehlen wird. Und: Beckenbauer hat, wie er selbst sagt, das Glück der richtigen Mannschaft und der richtigen Mitspieler gehabt. Aber ganz offenbar hat das nicht jeder.

Ein ganz anderes Thema, und das hat Boris Becker und danach auch der Sport-Informations-Dienst aufgegriffen und aufgenommen. Das liegt mir seit einiger zeit schon etwas schwerer im Magen:

Boris Becker hat die Live-Berichterstattung von bedeutungslosen Fußball-Ereignissen kritisiert und eine Übertragung von wichtigen Tennis-Turnieren in den öffentlich-rechtlichen Sendern gefordert. „Ich mag Bayern München und von mir aus auch Borussia Dortmund. Aber es muss nicht jedes Training oder jede Busfahrt zum Stadion live übertragen werden“, sagte Becker am Rande des ATP-Turniers auf dem Stuttgarter Weissenhof.

Herr Becker, ich bin begeistert, Wobei ich nichts mit Tennis am Hut habe. Aber dieses Getue um die Bayern geht mir, ehrlich gesagt, gegen den Strich. Jedes noch so kleine Spiel des FC Pep Guardiola wird live übertragen, jedes. Selbst wenn der FC Pep Guardiola morgen um 13 Uhr gegen die Theken-Truppe Treudelberg und um 17 Uhr gegen Schornsteinfeger-Innung Blankenese spielen würde, irgendein Fernsehsender (wahrscheinlich Sport 1) würde sich sicherlich finden, um auch dies wichtigen und interessanten Partien live zu übertragen. Ganz sicher. Zum Pokal-Wochenende überraschen uns die Öffentlich-Rechtlichen ja auch mit der Welt-Partie BSV Rehden gegen den FC Pep Guardiola. Wobei ich mich frage: Was macht eigentlich dieser Pep Guardiola zurzeit? Ich habe bestimmt seit 47 Minuten nichts mehr von ihm, diesem Über-Menschen, gehört, gesehen und gelesen von ihm. Nun wird das aber Zeit . . . Und wenn nicht von ihm, dann doch wenigstens noch einmal eine Busfahrt mit ihm.

So, ich bin am Ende. Morgen fliegt der HSV wieder nach Österreich, um ein Trainingslager in Klagenfurt zu beziehen. Von dort wird euch „Scholle“ berichten und auf dem Laufenden (wie passend zu einem Trainingslager) halten.

18.52 Uhr

HSV per Elfmeterschießen ins Finale

13. Juli 2013

Das war ja mal ein Schuss in den Ofen. Saison-Eröffnung im Volkspark, und keiner kommt hin. Okay, okay, keiner ist übertrieben, aber die wenigen Fans, die da waren, die konnte man per Handschlag begrüßen. zwischen 9000 uns 12 000 Zuschauer lagen unsere Schätzungen. Schade, schade. Bei diesem schönen Wetter, was ja immer noch viel, viel besser ist als Regen, und bei diesem Programm – das hätte mehr Beachtung verdient gehabt. Offenbar ist die Zeit aber noch nicht reif gewesen für Fußball, es sind wohl doch viele im Urlaub – und viele müssen wohl auch erst einmal wieder das Gefühl für den HSV bekommen. Das aber, was sich die HSV-Verantwortlichen rund um den Nordcup hatten einfallen lassen, das war schon okay, ich habe nichts daran zu meckern. Mit dem VfL Wolfsburg, dem FC Kopenhagen und dem Aufsteiger Eintracht Braunschweig gab es ein durchaus attraktives Turnier-Feld, und auch das Rahmen-Programm war ganz sicher nicht schlecht. Schade, schade, aber wie gesagt, die Zeit war wohl noch nicht reif für diese Veranstaltung.

Bevor ich auf das Eröffnungsspiel komme, möchte ich schnell einmal ein herzliches Dankeschön loswerden. Und zwar an die Trainingslager-Matz-abber, die mit einer Postkarte (mit der Zillertalbahn drauf – super!) Grüße an Frau M. und an mich schickten, die Karte ist heute angekommen. Habe ich sehr gefreut, wirklich.

Und nun zum Spiel Kopenhagen gegen Wolfsburg. Der VfL war in den ersten 30 Minuten klar besser, ich hätte nie gedacht, dass der Sieger nach einer Stunde Spielzeit Kopenhagen heißen würde. Aber so ist Fußball. Diese Erkenntnis hatte ich schon vor dem Spiel, als ich die Aufstellung der Dänen gesehen hatte. Der „ewige“ Lars Jacobsen ist immer noch dabei. „Den haben wir doch hier vor geschätzten 25 Jahren mal weggeschickt“, sagte ein Ordner zu mir – und ich konnte ihm nur beipflichten. Jacobsen, inzwischen 33 Jahre alt, spielte einst für den HSV, und zwar von 2002 bis 2004, er schaffte aber nur 22 Bundesliga-Einsätze. Als er später zum 1. FC Nürnberg wechselte, brachte er es auch nur auf sieben Erstliga-Spiele. Wie kann das aber angehen? Jacobsen spielte danach noch unter anderem für den FC Everton, West Ham United und Blackburn Rovers, und er absolvierte 62 Länderspiele für Dänemark. 62 Länderspiele. Die muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, denn die muss man auch erst einmal machen. Und, das kommt hinzu, heute spielt er noch immer für Dänemark. Und er ist Kapitän des FC Kopenhagen. Ich denke, da ist doch irgendetwas falsch gelaufen – jedenfalls mit dem Bundesliga-Spieler Lars Jacobsen.

Nun zurück zum ersten „Halbfinale“ des Nordcups. Der VfL Wolfsburg ging erwartungsgemäß in der 40. Minute in Führung, Polak war der Torschütze. Im Gegenzug aber zeigten die Dänen erstmalig Gefährlichkeit. Schäfer brachte Vetokele zu Fall, der gute Schiedsrichter Norbert Grudzinski aus Hamburg zeigte zum Entsetzen von VfL-Torwart Benaglio auf den Elfmeterpunkt. Völlig berehctigt, wie ich fand. Dass sich der Schweizer Nationalkeeper bei diesem Zusammenprall böse verletzte und ausgewechselt werden musste, war doppeltes Pech für die Wolfsburger. Kopenhagens Kristensen verwandelte den Strafstoß zum 1:1 (45.). Sechs Minuten vor dem Schluss dann der Höhepunkt des Spiels: Wolfsburgs Dost brachte das Kunststück fertig, den Ball freistehend aus fünf Metern nur an den Pfosten des (fast leeren) Tores zu schießen. Wahnsinn, das war keine Hundertprozentige, sondern eine Tausendprozentige! Aber der Abpraller leitete einen Bilderbuch-Konter ein. Gislason lief aus der Mitte der eigenen Hälfte los, schüttelte alle Wolfsburger ab – und schoss an Ersatztorwart Grün vorbei zum 2:1-Siegtreffer für die Dänen ein. Traumhaft gemacht. Was nicht für Dost gilt, das war die Minus-Leistung des Turniers (was, so glaube ich, für beide Tage Gültigkeit haben wird!).

Dann wurde es ernsthafter. Der HSV traf auf Eintracht Braunschweig, das Spiel endete nach einer Stunde trotz HSV-Überlegenheit 0:0. Das Elfmeterschießen musste den Sieger ermitteln.
Rafael van der Vaart verwandelte zum 1:0, Vrancic traf zum 1:1, Marcell Jansen verschoss (Außenpfosten), Jaroslav Drobny hielt gegen Dogan, Lasse Sobiech verwandelte zum 2:1, Caligiuri erzielte das 2:2, Milan Badelj schob mit viel Glück zum 3:2 ein, Reichel glich wieder aus, 3:3, Jacopo Sala drosch die Kugel hoch zum 4:3 ein und dann hielt Drobny gegen Oehrl – das Endspiel. 4:3 wurde die Eintracht „weggearbeitet“.

Für die Rothosen begannen in diesem Spiel:
Jaroslav Drobny, Jacopo Sala, Lasse Sobiech, Heiko Westermann, Marcell Jansen; Kerem Demirbay, Milan Badelj; Maximilian Beister, Ivo Ilicevic; Rafael van der Vaart, Jacques Zoua.

Die Niedersachsen spielten ein braves 4:4:2-System, ohne Stürmer. Nach vorne wollten sie nicht, oder lag es daran, dass sie es nicht konnten? Das war erschütternd. In der Defensive wurde der HSV nicht gefordert. Eine aufregende Szene gab es in Halbzeit eins vor dem Tor von Drobny, ansonsten hätte auch kein Torwart im HSV-Gehäuse stehen müssen. Den ersten Schuss auf das HSV-Tor gaben die Braunschweiger aber erst in der 45. Minute ab, Drobny hielt mühelos.

Beim HSV gaben Sobiech, Demirbay und Zoua ihr Debüt vor eigenem Publikum, und alle machten sie ihre Sache ordentlich – bis gut. Kerem Demirbay, der neben Badelj auf der Sechs spielte, war für mich der beste Mann der ersten 30 Minuten. In der 46. Minute musste der ehemalige Dortmunder aber verletzt vom Platz, für ihn kam Rincon. Zuvor war schon Artjoms Rudnevs (für Zoua) zu Beginn der zweiten Halbzeit gekommen, und in der 40. Minute hatte Petr Jiracek den glücklosen Ilicevic abgelöst.

Einige (Experten) nörgeln ja, dass Demirbay noch „zu wenig auf den Rippen“ hätte, aber das sehe ich absolut nicht so. Der junge Mann ist technisch stark, bewegt sich geschmeidig, zeigt ein gutes Auge. Und wenn er in Zweikämpfe verwickelt ist, dann zeigt er durchaus Biss und eine gesunde Aggressivität. Wenn er nun ständig ein Profi-Training absolviert (beim BVB spielte und trainierte er in der Zweiten), dann wird der Körper schon dementsprechend „auf- oder nachgerüstet“, sodass er auch seine Zweifler besänftigen wird. Mir, wie gesagt, hat er schon mal auf Anhieb (weil ich ihn ja erstmalig in einem Spiel live sah) überzeugt. Und vielleicht auch überrascht. Spielt er so weiter, kann Thorsten Fink eigentlich gar nicht an ihm vorbeikommen – der Coach muss ihn bringen.

Zu Zoua ist zu sagen, dass er den Ball in der Spitze schon sehr gut verteidigt und hält, dazu auch verteilt. Er ist sicher nicht der Mann, der im Strafraum seine Knipser-Qualitäten hat oder entwickelt, aber er das, was er nun erstmalig in Hamburg zeigte, das lässt mich hoffen, dass da noch viel mehr kommen wird. Nicht unbedingt an Toren, aber an Vorarbeit. Wobei er sicherlich auch den einen oider anderen Treffer erzielen wird, keine Frage, er hat ja auch den Körper dazu, sich da vorne zu behaupten.

Der dritte HSV-Neue in diesem Spiel heißt Sobiech, doch der Innenverteidiger wurde so gut wie nie gefordert. Dass, was er machte, hatte Hand und Fuß, einmal glänzte er mit einer Fallrückzieher-Abwehr – der Ball kam sogar beim eigenen Mann an.

So etwas wie „Neuzugänge“ waren dazu ja auch Jacopo Sala und Ivo Ilicevic. Beide hatte ich tags zuvor noch gelobt, weil sie im Training gute Leistungen gezeigt hatten. Sala ist hinten rechts sicherlich nur eine Notlösung, weil der defensiv ganz sicher ein Risiko wäre, nach vorne kann er aber auch mehr, als er diesmal gezeigt hat. Und Ilicevic? Gefühlt 30 Bälle spielte er in Halbzeit zwei nach hinten oder quer, nur zwei nach vorne. Gefühlt. Nein, was ich damit meine: Da muss ganz einfach viel, viel mehr kommen. Vielleicht ist das Selbstvertrauen nicht da, es kann ja auch nicht da sein, aber etwas mehr Herz in der Offensive wünschte ich mir schon. Es ist mir viel zu einfach, wenn ein Mann, der seine Qualitäten in der Offensive hat, immer dann den Ball (weit) zurückspielt, wenn ein Gegner vor ihm auftaucht. Und ganz sicher hätte Ilicevic die Fähigkeiten, auch einmal (oder mehrfach) ein eins gegen eins zu wagen. Das aber war diesmal noch viel zu wenig.

Aber da war Ilicevic auch nicht der einzige Hamburger, der in dieser Kategorie „glänzte“. Rafael van der Vaart zum Beispiel war kaum einmal zu sehen. Symptomatisch für den Niederländer, dass er erst in der achten Spielminute seine erste Ballberührung hatte.

Im zweiten Durchgang drückte der HSV mehr auf das Tempo, „Maxi“ Beister spielte offensiver und hatte im Minuten-Takt gute bis beste Chancen. Und er machte dabei nur bei der ersten Möglichkeit etwas falsch, als er einen Heber aus 16 Metern am Braunschweiger Tor vorbei bugsierte (47.). Sekunden später scheiterte Beister mit einem großartigen Kopfball (nach Jansen-Flanke) an Eintracht-Torwart Petkovic, der großartig hielt – Ecke. Und in der 49. Minute scheiterte Beister nochmals am Braunschweiger Keeper, als der den Zweikampf für sich entschied. Das war Pech. Aber Beister hatte wenigstens diese Szenen und konnte so auf sich aufmerksam machen. Dass er in der 56. Minute vom Platz ging (für ihn kam Per Ciljan Skjelbred), lag sicher auch am bevorstehenden Elfmeterschießen.

Morgen treffen dann im Spiel um Platz drei der VfL Wolfsburg und Eintracht Braunschweig aufeinander, im Finale stehen sich danach Kopenhagen und der HSV gegenüber. Und vielleicht kommt ja doch noch der eine oder andere HSV-Fan mehr ins Stadion, um diesem Turnier einen besseren Rahmen zu geben. Verdient hätte es der HSV.

17.29 Uhr

PS: Ergänzt (um 18.43 Uhr) mit der Analyse von HSV-Trainer Thorsten Fink, der später sagte:

„Ich bin zufrieden, im Endeffekt hätten wir das Spiel gewinnen müssen – haben wir ja auch, weil wir im Elfmeterschießen die Nerven bewahrt haben, und weil wir einen guten Torwart hatten. Das geht aber nur, wenn man eine positive Stimmung hat, und das haben wir. Deswegen bin ich zufrieden, es freut mich auch für die Zuschauer, dass sie uns morgen im Finale sehen – und auch für uns freut es mich, dass wir im Finale sind, denn ich will immer gewinnen. Auch wenn das jetzt kein Bundesliga-Spiel war heute, die Fans sollen uns im Finale sehen.”

Was dem Coach in diesen 60 Minuten vor allem aufgefallen ist: „Dass alle Jungen selbstbewusst und frech sind, dass sie nicht nur mitspielen wollen, sondern dass sie rein wollen in die Mannschaft, dass sie nach oben wollen ganz allgemein. Ich denke, dass die Neuzugänge ganz ordentlich gespielt haben, sie haben mir gut gefallen. Und dass wir lange im Ballbesitz waren, dass wir kaum Chancen der Braunschweiger zugelassen haben. Bei einigen Kontern der Eintracht hätten wir im Mittelfeld besser stehen können, aber insgesamt war ich aber sehr, sehr zufrieden. Das Mittelfeld hat nach vorne spielerisch auch gut gespielt, defensiv müssen wir noch etwas besser sein, müssen beobachten, wer nach vorne geht, dass man besser absichert – da müssen wir nachbessern.”

Mit Lasse Sobiech in den Nordcup

12. Juli 2013

Das war ein Akt. Was heißt ein Akt? Das waren viele, viele Akte, die Zahl übersteigt wohl die 50. Wie lange wurde allein gesagt, dass Lasse Sobiech zum HSV wechseln soll, kann, wird und darf. Woche um Woche, Tag um Tag. Dann war er seit gestern in Hamburg und musste die sporttaugliche Untersuchung über sich ergehen lassen, und alle Hamburger Medienvertreter warteten und warteten und warteten. Ich hatte ja angekündigt, dass der HSV jede Minute verkünden würde, dass alles okay sei mit Sobiech, aber nichts passierte. Der gute Lars Wegener von der Presse-Abteilung des HSV, der uns alle informieren sollte, der muss fast durchgedreht sein, denn sein Handy kam praktisch nie zur Ruhe. Am späten Abend wurde dann, wie spektakulär, die Vertagung verkündet, weil die Blutwerte des Neu-HSVers nicht so schnell entschlüsselt werden konnten. Gute Nacht. So etwas gab es, so denke ich, noch nie beim HSV. Aber nun ist alles perfekt, der 1,96 Meter große Abwehrriese ist da, unterschrieb einen Drei-Jahres-Vertrag. Und ich kann dem HSV und seinen Fans nur zu diesem Kauf gratulieren, denn aus Dortmund hörte ich, dass Lasse Sobiech ein super-feiner Kerl sein soll – mit einem einwandfreien Charakter. Davon konnte ich mich heute schon selbst überzeugen, bis jetzt stimmt alles.

Morgen, am Sonnabend, können sich dazu die HSV-Fans von Sobiechs fußballerischem Können überzeugen, denn er wird, davon gehe ich mal stramm aus, im Rahmen des Nordcups gegen Eintracht Braunschweig zum Einsatz kommen. Schon deshalb, weil dem HSV, der ja sieben Innenverteidiger unter Vertrag hat, die Innenverteidiger auszugehen scheinen. Heiko Westermann hat heute am Vormittag nicht trainiert, weil er aus dem Spiel gegen den österreichischen Zweitliga-Aufsteiger FC Liefering eine Prellung auf dem Schienbein mit nach Hamburg gebracht hat. Heute am späten Nachmittag soll der ehemalige Kapitän aber wieder auf dem Platz stehen, und auch im Nordcup soll er, so ist es auf jeden Fall geplant, zum Einsatz kommen. Da aber Johan Djourou wegen einer Adduktoren-Zerrung ausfällt, und Jonathan Tah eine Fußprellung hat, dürfte die HSV-Innenverteidigung gegen Braunschweig wohl Westermann/Sobiech heißen.

Apropos Nordcup. Bei der Gelegenheit möchte ich das mal loswerden:

Der HSV könnte wohl noch ein paar Zuschauer mehr gut gebrauchen – schönes Wetter nun hin, schönes Wetter nun her. Bislang sind für die beiden Tagen nur um die 18 000 Karten verkauft worden. Und da es ein buntes Rahmen-Programm gibt (das schon um elf Uhr beginnt), dürfte sich ein Kommen schon lohnen.

Und damit zurück zu den Innenverteidigern. Sollte Westermann wider Erwarten nicht spielen können, müsste einer aus dem Kreis der „drei Überflüssigen“ ran. Klingt hart, ist aber so, denn HSV-Sportchef Oliver Kreuzer hat heute vor allen meinen Kollegen (die im Volkspark waren) gesagt: „Diese drei Spieler haben keine Chance mehr.“ Das klingt in meinen Augen noch härter als „überflüssig“. Vor Wochen hieß es noch, dass jeder Spieler die gleichen Chancen besitzt, nun aber wissen die Herren Michael Mancienne, Paul Scharner und Slobodan Rajkovic, dass sie tatsächlich „über“ sind – und weg sollen. Sollte einer von ihnen an diesem Wochenende trotz allem zum Einsatz kommen, so ist das gleichzeitig eine „Bewerbung für einen neuen Verein“, wie Oliver Kreuzer sagt. Mancienne, so der Sportchef, soll darüber hinaus signalisiert haben, dass er sich einen Vereinswechsel durchaus vorstellen kann. Von den anderen beiden Spielern kam bislang noch kein Signal.
Aber vielleicht werden sie ja auch doch noch eines Tages gebraucht, wer weiß das schon?

Auf der HSV-Verkaufsliste stehen ja auch immer noch die Herren Gojko Kacar und Robert Tesche. Letzterer soll sich inzwischen mit einem spanischen Club (Erstliga-Aufsteiger?) geeinigt haben, doch bislang fehlt die für einen Wechsel erforderliche Bankbürgschaft. Aber wenn es bis dahin schon geschafft ist, dann sollte diese Kleinigkeit (?) doch auch irgendwann kein Hindernis mehr sein. Kreuzer weiß auf jeden Fall: „Wir müssen jetzt im Abgabe-Bereich etwas tun, damit wir etwas holen können.“ Im Gespräch ist ja noch ein neuer Stürmer, aber der ist es nicht allein. Kleinere Sorgenfalten hat der HSV noch auf der Stirn, wenn er an die Positionen der Außenverteidiger denkt. Sowohl links als auch rechts fehlen die rechten oder richtigen Alternativen, wie Oliver Kreuzer sagt, und deswegen will der HSV auch für diese Posten in naher Zukunft Augen und Ohren offen halten, um gegebenenfalls noch zuschlagen zu können.
Das klingt in meinen Augen alles plausibel und auch sehr gut. Auch wenn diese Vorhaben natürlich auch wieder einiges an Kleingeld kosten würden. Aber mich stimmt es deshalb froh, weil diese Sachen jetzt erkannt worden sind. Kreuzer bringt schon Schwung in die ganze Geschichte . . . Das stimmt mich zuversichtlich.

Ein weiteres Problem hat der HSV vor der Brust, wenn er an sein DFB-Pokalspiel in Jena denkt (4. August). Ein Problem, das der HSV allerdings nicht lösen kann. Das Heimrecht zu tauschen, das verbieten die DFB-Statuten, nun muss der HSV warten, ob nicht doch in Jena gespielt werden kann, oder eben woanders. Im Moment scheint Halle der Favorit für ein Ausweichstadion zu sein, Leipzig hat eine Absage erteilt, Erfurt soll vom gastgebenden Verein Schott Jena nicht unbedingt favorisiert werden. Mal abwarten, was sich daraus noch alles ergibt. Kreuzer: „Uns ist es letztlich egal, wo wir spielen.“

Und wo ich gerade bei Stadien, Arenen und Fußballplätzen bin: Ein dickes Kompliment möchte ich einmal den Greenkeepern des HSV machen, die Trainingsplätze im Volkspark gleichen einem handgeknüpften Orient-Teppich, das ist Note eins plus. Und auf diesem Teppich wurde heute auch ganz schön hart trainiert. Nicht von den Anforderungen her, sondern von den Zweikämpfen beim abschließenden Spielchen. Zuerst knallten Maximilian Beister und Paul Scharner schwer zusammen, es gab tatsächlich einen lauten Knall, beide Profis lagen am Boden, berappelten sich aber schnell und gaben sich die Hände. Und eine Minute später noch einmal, weil dieser Zusammenprall gewiss nichts Alltägliches hatte. Dass beide Spieler unverletzt geblieben sind, war für mich ein kleines Wunder. Später trafen sich auch noch Per Ciljan Skjelbred und Tolgay Arslan (an den Füßen oder Schienbeinen), aber beide Herren spielten weiter, als sei nichts geschehen. Und alles ging ohne Händedruck über die Bühne. Muss ja auch mal so gehen.

Was ich so am Rande still vor mich hin dachte: „Dieser Jacopo Sala ist eigentlich ein ganz feiner Fußballer. Warum platzt aber bei dem jungen Italiener nicht irgendwann einmal der Knoten? Oder warum ist der Knoten bislang noch nicht geplatzt? Eigentlich kann Sala viel am Ball, er ist schnell und trickreich – ob das im mentalen Bereich hakt? Schade eigentlich. Wobei ich dieses Gefühl auch hatte, als ich Ivo Ilicevic beobachtete. Der kann ja auch einiges am Ball, nein, er kann sogar sehr viel, aber was fehlt ihm? Die Härte? Vielleicht. Und noch einer fiel mir auf: Jacques Zoua. Was der heute auf jeden Fall gut konnte: schießen. Und er bewegt sich ganz geschmeidig. Bin mal gespannt, wie das dann im Ernstfall aussieht.“

Recht unauffällig trainierte erstmalig Lasse Sobiech in diesem Kreis mit, der U-21-Nationalspieler kennt beim HSV ja die Nationalmannschafts-Kollegen „Maxi“ Beister und Tolgay Arslan, hat also schon zwei „alte“ Kumpel in seiner neuen Umgebung gefunden, die den Einstand erleichtern. Der Dortmunder spielte zuletzt auf Leihbasis für Greuther Fürth, davor beim FC St. Pauli. Sobiech: „Ein paar Sprüche gab es deshalb von den früheren Kollegen schon, aber das war alles nur scherzhaft gemeint, sie gönnen mir alle diesen Sprung zum HSV.“ Gefrotzelt wurde der 22-Jährige aber auch von einigen neuen HSV-Kollegen. „Zecke kam schon“, sagt er, aber auch das hielt sich alles im Rahmen und war natürlich nur scherzhaft gemeint.

Seine Ziele hat sich Sobiech schon mal sehr ehrgeizig gesteckt: „So viele Spiele wie möglich machen, ich möchte mich in die Mannschaft spielen und mithelfen, dass wir wieder oben angreifen können, dass wir so weit wie möglich oben mitspielen.“ Dass er mit Johan Djourou und Heiko Westermann zwei Spieler noch „vor der Nase“ hat, die ihm das Mitspielen in der Stamm-Mannschaft noch erschweren könnten, das weiß Sobiech, aber er sagt auch voller Selbstbewusstsein: „Ich denke, dass ich mich vor niemandem verstecken muss. Natürlich ist die Konkurrenz da, aber das ist überall so. Mal sehen, wie die Vorbereitung läuft, und dann entscheidet der Trainer, ich will mich so gut wie es geht anbieten.“ Das geht schon gegen Braunschweig los: „Ich freue mich riesig, dass ich schon dabei sein kann.“

Übrigens hat Lasse Sobiech heute, an diesem Freitag, Thorsten Fink erstmalig persönlich getroffen. Telefoniert haben sie schon häufiger, aber Auge um Auge standen sie sich nie gegenüber. Das gab es bislang nur mit Oliver Kreuzer, der das „Ding“ letztlich auch klar gemacht hat. Endlich einen „richtigen“ Vertrag, kein Ausleih-Geschäft mehr. Lasse Sobiech: „Ich wollte keinen Leihvertrag mehr, weil ich bei einem Verein sein wollte, bei dem ich mich über Jahre durchsetzen will. Und weil ich dann weiß, dass ich eine Saison spielen um dann in der nächsten Saison die Früchte zu ernten. Es war mir schon enorm wichtig, von Dortmund verkauft zu werden – und nicht wieder verliehen.“

Als St.-Pauli-Spieler hat er damals noch nicht an den HSV gedacht: „Ich bin ja aus der zweiten Mannschaft des BVB ans Millerntor gekommen, da war der HSV noch weit weg. Als ich dann vom FC St. Pauli weggegangen bin, da habe ich mir gedacht, dass ich in diese schöne Stadt sehr gerne noch einmal zurückkehren möchte. Am liebsten natürlich in die Erste Liga, aber so richtige Pläne mit dem HSV habe ich auch da noch nicht geschmiedet.“

Er liebt Hamburg, er schätzt zurzeit das gute Wetter – aber seine Beine, die wird er ganz sicher nicht noch einmal in die Alster baumeln lassen. Das hat ihm einst, als Spieler des FC St. Pauli, viele Schmerzen, zwei kaputte Beine und eine lange Verletzungspause beschert. Weil ein parkender Alsterdampfer seine Beine eingeklemmt hat. Ich, das muss ich zugeben, kannte diese Geschichte nicht, sie muss wohl passiert sein, als ich damals im Urlaub war, aber es ist für mich der reine Horror – wenn ich nur daran denke. Die Beine hätte ja Totalschaden erleiden können . . . Lasse Sobiech sagt rückblickend: „Letztlich ging aber alles gut, es hat mich nicht die Karriere gekostet, irgendwie hatte ich ja auch selber schuld. Deswegen ist diese ganze Sache auch ohne großes Aufsehen über die Bühne gegangen.“ Dann ergänzt er: „Eines ist aber geblieben: Ich habe damals von meiner Freundin eine Bootstour auf der Alster geschenkt bekommen – die habe ich immer noch gut.“ Er sagt jedoch auch: „Ich weiß aber nicht, ob ich diese Alster-Tour wirklich mal durchziehen werde . . .“
Aber im Alsterdampfer sitzend? Das geht schon! So lange der Dampfer nicht untergeht.

So, kurz noch zu meinem letzten Beitrag. Darin habe ich ja darüber geschrieben, dass mich der Kommentator des Spiels Wacker Innsbruck – HSV ein wenig irritiert hatte. Weil er oft (nur) von „den Hamburgern“ sprach. Nun rief mich die Chefin des HSV-TV, Julia Papke, an und klärte mich auf: „Wacker Innsbruck sorgte für die Übertragung und gestattete auch die kostenlose Sendung im HSV-TV, der Verein bat uns aber, dass unser Kommentator auch für die Österreicher überträgt und redet. So ist es geschehen.“ Und deswegen, weil die Österreicher mit im Boot saßen, hieß es dann doch das eine oder andere Mal mehr – und ganz neutral – „die Hamburger“. Ich habe verstanden. Danke. Muss man ja nur wissen.

Und wo ich gerade dabei bin: Das HSV-TV überträgt auch an beiden Tagen live vom Nordcup aus dem Volkspark. Toller Service. Das Braunschweig-Spiel wird zudem auch im Fernsehen – und zwar vom Dritten (NDR) – live übertragen.

Schönes Wochenende für alle.

PS: Einen habe ich dann doch noch.
Von der DPA

Rafael van der Vaart will Abschied in Amsterdam

HSV-Star Rafael van der Vaart will am liebsten in Amsterdam Abschied von seiner Profikarriere nehmen. „Wenn ich echt aufhöre, dann will ich noch einmal ein Spiel organisieren mit nur guten Fußballern. Und das muss in Amsterdam sein, in der Arena, volles Haus,“ sagte der 30-jährige Niederländer in einem vorab veröffentlichten Interview mit dem niederländischen Radio. „Noch einmal so ein Gloria-Moment, Abschied, Schluss.“
Zunächst will der niederländische Nationalspieler aber noch mit Oranje eine gute Weltmeisterschaft im nächsten Jahr in Brasilien spielen. „Am liebsten den Weltmeistertitel natürlich, das wäre ein fantastischer Abschied“, sagte van der Vaart.
Nach seiner Profikarriere will der Amsterdamer zunächst seine Trainer-Lizenz machen und möglicherweise in Hamburg bleiben. „Beim HSV wollen sie auch, dass ich nach meiner Karriere bleibe, in irgendeiner Funktion.“ Aber van der Vaart schließt auch eine Rückkehr zu seinem früheren Club, Ajax Amsterdam, nicht aus. „Wenn ich noch einmal in den Niederlanden spielen sollte und Ajax mich noch haben will, dann wäre Ajax natürlich der Club, wo ich gerne spielen würde.“

17.09 Uhr

2:0 in schlechtem Test – aber van der Vaart will hoch hinaus ***Ergänzt mit Fink und Zoua***

9. Juli 2013

Marcus Bergs Vertragsauflösung – sie verzögerte sich aus einem sehr, sehr schönen Grund: Bergs Frau hat am Montagabend entbunden. Das erste Kind für das Ehepaar Berg: dazu Herzlichen Glückwunsch aus dem Zillertal!! Anschließend, oder besser gesagt am heutigen Dienstag unterschrieb der Schwede dann seinen Auflösungsvertrag, nachdem der Angreifer bei Panathinaikos für vier Jahre unterschrieben hatte. Und obwohl Berg ablösefrei nach Athen wechselt, hoffen die HSV-Verantwortlichen auf einen finanziellen Zuschlag. Den gibt es im Erfolgsfall. Soll heißen: Für nationale Titel von Panathinaikos sowie fürs Erreichen internationaler Wettbewerbe und/oder eines Weiterverkaufs. „Am Ende des Tages sind wir zufrieden“, sagt HSV-Sportchef Oliver Kreuzer, wissend, dass Berg so lange ins Schaufenster gestellt worden war, dass es trotz der einstigen Ablösesumme von zehn Millionen Euro (plus Handgeld) keinen Cent geben konnte.

Und apropos Berg: Ja, ich bin den Berg hochgefahren. Und nein, nicht mit der Vespa sondern einem geliehenen, sehr guten Rennrad mit den Kollegen Alexander Laux und Kai Uwe Hesse. Wer sich selbst überzeigen will ist jetzt schon eingeladen, mit mir im nächsten Berg-Trainingslager 2014 (wohin es geht, steht noch nicht fest) eine vergleichbare Tour zu machen.

Aber zurück zum wichtigeren Berg. Oder besser zum wichtigeren Thema. Denn teurer als Berg war in der HSV-Vereinsgeschichte lediglich der Einkauf von Rafael van der Vaart vor der abgelaufenen Saison. 13 Millionen Euro berappte der HSV – auf Pump. Milliardär Klaus Michael Kühne hatte seine Schatulle weit geöffnet und den HSV unterstützt. Und der Speditionsmilliardär dürfte sich zuletzt Sorgen gemacht haben, nachdem bei seinem Lieblingsspieler privat einige Unruhe aufgekommen war und dieser ein wenig zu untrainiert aus dem Urlaub zurückkam. Zwei, drei Kilogramm zu viel brachte der HSV-Kapitän auf die Waage – was er unumwunden zugibt. „Ich hatte keine Pulsuhr bekommen“, lacht van der Vaart, der ansonsten weiß, dass ihm ein solches Thema nicht guttut. „Dass das Thema wurde ist meine Schuld. Ich habe es ganz ehrlich gesagt, weil ich ehrlich bin“, sagt van der Vaart, der seine Zusatzlast – und damit meine ich nicht Sylvie – inzwischen abgeschüttelt hat. „Ich bin ehrlich und gebe zu, dass ich meinen Urlaub richtig genossen habe. Ich wollte mal so richtig den Kopf frei bekommen. Aber alles, was ich zu viel hatte, ist jetzt weg. Jetzt bin ich fit.“

Fit genug, um große Ziele zu formulieren. „In erster Linie will ich wieder richtig wichtig sein für die Mannschaft. Ich will wieder mehr Tore schießen.“ Fünf waren es in der abgelaufenen Saison. Auch ein Grund, weswegen der Niederländer in die Kritik geraten war und weswegen sowohl HSV-Trainer Thorsten Fink als auch Vorstandsboss Carl Jarchow zuletzt mehr eingefordert hatten. „Das mache ich selbst auch. Obwohl ich im Gesamten mit der abgelaufenen Saison von mir nicht enttäuscht war. Ich fand, es war eine ganz gute Saison.“ Aber eben nicht gut genug. Auch nicht für van der Vaart selbst. „Man will immer besser werden. Auch ich. Und ich weiß auch, dass es noch besser geht“, sagt der HSV-Kapitän, der im Trainingslager entspannt wirkt. Obwohl ihm Trainingslager mit ihren harten Laufeinheiten eigentlich nicht so liegen. „Diesmal habe ich das Glück, dass ich einen Trainer habe, der fast alles mit dem Ball löst. Das ist gut“, lacht van der Vaart.

Und er hat gut Lachen. Immerhin läuft es sportlich wieder, nachdem ihn Louis van Gaal wieder zur Nationalelf berufen hatte. Umso wichtiger für van der Vaart, in der so genannten WM-Saison zu überzeugen und am Ende in Brasilien dabei zu sein. „Das wäre ein schöner Nachtisch in meiner Karriere“, sagt van der Vaart, der noch immer an der Finalniederlage 2010 mit den Niederländern gegen Spanien zu knabbern hat. „Wir waren so nah dran, dass es noch immer wehtut.“ Umso versessener ist van der Vaart darauf, das 2014 wiedergutzumachen. Als krönenden Abschluss seiner Nationalelfkarriere will van der Vaart aber selbst den größten Triumph für einen Fußballer nicht gelten lassen. Im Gegenteil. Ich bin noch jung, habe noch Zeit. Und ich werde irgendwie immer fitter.“ Zumindest in den letzten beiden Jahren sei er nicht mehr so oft verletzt gewesen. „Daher freue ich mich auch noch mehr auf die. Saison.“

Weil die Mannschaft ihn nicht mehr braucht, um Sicherheit zu erlangen. „Sie ist jetzt lange zusammen, wir haben nur wenige Neue.“ Allerdings sind die gut. Glaubt van der Vaart. Insbesondere von Abwehrmann Johan Djourou ist der Kapitän überzeugt. „Johan ist groß, schnell, zweikampfstark. Er hat ein sehr gutes Aufbauspiel, bei Arsenal London große Spiele gemacht und viel Erfahrungen sammeln können. Johan ist für uns sehr gut.“ Ebenso die jungen Kicker – und Trainer Thorsten Fink. Für den wünscht sich van der Vaart einen neuen Vertrag. „Thorsten Fink ist ein toller Trainer, der große Ziele hat. Ich hoffe, dass der verein seinen Vertrag bald verlängert.“ Geschehen soll dies gegen Ende Oktober, Anfang November. Zumindest sollen dann die ersten Gespräche stattfinden.“

Und eigentlich schien alles ganz gut zu beginnen für van der Vaart. Beim Spiel gegen das Farmteam von Red Bull Salzburg, gegen den österreichischen Zweitligisten FC Liefering, traf der Niederländer nach schönem Pass von Tolgay Arslan per Schlenzer zum 1:0 in der vierten Minute. Und van der Vaart legte nach, wirkte agil, voller Spielwitz – bis zur 15 Minute. Von da an ging nichts mehr. Beister vergab noch einen so genannten 100-Prozentigen, während van der Vaart hatte noch gefühlt einen halben Ballbesitz hatte. Ansonsten schien Liefering das Kommando zu übernehmen. Das junge Team des Brausegiganten wirkte frischer, schneller und hatte neben gefährlichen Standards auch drei gefällige und vor allem gefährliche Ballstafetten dabei, die in letzter Sekunde von Drobny, Westermann und dem für den in der 16. Minute verletzt ausgewechselten Djourou gekommenen Michael Mancienne entschärft werden konnten. Ganz mau in der ersten Hälfte waren Jiracek und Rudnevs, die keine Aktionen hatten, darf aber etliche verlorene Zweikämpfe.

In der zweiten Halbzeit wurde es nicht besser. Im Gegenteil. Plötzlich waren die jungen Bullen nicht mehr nur aggressiver und schneller sondern auch spielerisch überlegen. Umso überraschender das 2:0 durch Kerem Demirbay in der 61. Minute, der einen Fehler des RB-Verteidigers (wir haben keine Aufstellung bekommen, leider) nutzte.

Danach passierte nichts aufregendes mehr. Außer der Einwechslung von Jacques Zoua. Der Kameruner war um 13.37 Uhr zur Mannschaft gestoßen und war im Spiel um Aktionen bemüht – und hätte sich in der 83. Minute belohnen können – nein, müssen. Der Kameruner lief allein den FC-Keeper zu und schoss diesen an. Mehr gab es nicht. Das war nicht viel. Wider nicht. Mal sehen, was Kreuzer zu dieser Leistung zu sagen hat. Fink: “Wir snd noch nicht da, wo wir hinwollen. Die Jungbullen waren frischer, schneller. Man merkt, dass sie nächste Woche in die DSaison starten.” Und zu den Neuen: “Djourou hat eine Leistenzerrung, im Hotel schauen wir nach, was es genau ist. Und Jacques, bei ihm hat man gesehen, dass er ein anderer Typ ust als die, die wir haben. Er ist ähnlich wie Guerrero.” Sagte Fink. Aber das hat er recht exklusiv. Guerrero war für mich der Inbegriff des technischen Angreifers – leider mit zu wenig Toren. Dagegen scheint Zoua eher über das Tempo und die Kraft zu kommen.

Aber okay, ich warte mal ab. Die paar Minuten reichen ganz sicher nicht, um den Kameruner zu beurteieln, zumal dieser die ganze Nacht durchgeflogen war, müde sein dürfte. Zoua selbst war mit sich zufrieden. “Ich bin heute erst gekommen, dafür war das absolut okay. Es ist eine gute Mannschaft, und das ist für mich das Wichtigste.” Wobei auch der Umstand, dass er mit Fink einen Trainer in Hamburg vorfindet, unter dem er schon gespielt hat, positiv ist. “Thorsten Fink ist einer der besten Trainer, die ich je hatte. Er ist ein Mann mit Klasse und hat große Fähigkeiten. ich glaube, der Verein wird mit ihm Erfolg haben.” Ob die Europa League sein Ziel sei: “Ja, das ist absolut klar.” Dass Zou fit ist, dieses Ziel anzugehen, bestätigt er: “Ich hatte keinen Urlaub, habe trainiert und mich professionell verhalten. der HSV ist für mich eine große Cahnce, auf die ich hart hingearbeitet habe.

Ich gehe jetzt rüber zum Fanfest, treffe dort wieder zahlreiche Matzabber, die hier im Zillertal anwesend sind. Bis morgen“!

Scholle

Statistik:
HSV: Drobny – Diekmeier (Steinmann), Djourou (16, Mancienne), Westermann (64. Rajkovic), Jansen – Badelj (46. Demirbay), Arslan (46. Rincon) – Beister (46. Skjelbred), van der Vaart (68. Sala), Jiracek (77. Nafiu) – Rudnevs (68. Zoua).

P.S.: Lasse Sobiech war zwar am Dienstagmorgen beim BVB-Training mit auf dem Platz, ist aber schon nicht mehr mit aufs Mannschaftsfoto genommen worden, da der Transfer zum HSV durch sein soll. Sagen die Dortmunder. In Hamburg weiß man davon noch nichts. Zumal der Aufsichtsrat dem Deal erst noch zustimmen muss, sobald Kreuzer eine finale Zahl für die Gesamtkosten vorgelegt hat.

“Zoua hat die Bundesligatauglichkeit – absolut”

18. Juni 2013

Die Strukturveränderung wird vorangetrieben – hier wie da. Hier der eine, da der andere. Und da hinten noch ein paar Vereinzelte mehr. Letztlich aber entscheiden im Januar natürlich die Mitglieder, ob und vor allem in welcher Form der HSV künftig die Profigeschäfte vorantreibt. Und so wie Dieter es ja auch schon geschrieben hatte, gibt es momentan einen hohen Motivationsgrad bei altgedienten HSVern, sich an dieser Reform zu beteiligen. Manchmal macht es zwar den Anschein, als wolle jeder einzelne der Erste sein, um als DER Reformierer in die Vereinschronik einzugehen. Allerdings ist mir das letztlich egal, solange der HSV sich zu einer Veränderung der veralteten Vereinsstruktur durchringt. Fähig sind die Leute, ob wie einst Bernd Hoffmann oder wie heute Jürgen Hunke, Ernst-Otto Rieckhoff, Dr. Klein und wer auch sonst noch momentan mitmischt, alle. Und die Mitglieder werden es zu entscheiden wissen. Hoffentlich.

Entschieden hat sich noch nichts Weiteres in Sachen Kaderplanung. Weder bei den Abzugebenden (Kacar, und zwei aus Rajkovic, Scharner, Mancienne) noch bei möglichen Neuen. Der erste richtig Neue ist noch immer nicht da. Sportchef Oliver Kreuzer sowie die Youngster Hakan Calhanoglu und Kerem Demirbay mal ausgenommen.

Allerdings warten Kreuzer und Trainer Thorsten Fink inzwischen täglich auf den ersten Coup. Namen sind bereits genug im Spiel. Diesmal nicht von Frank Arnesens Ex-Klub FC Chelsea sondern von Finks und Kreuzers ehemaligem Arbeitgeber FC Basel. Der Innenverteidiger Aleksandar Dragovic und der Linksverteidiger Joo-Ho Park sollen interessant sein. Heißt es. Allerdings wird Park vom HSV ebenso wie vom FC Basel dementiert. Und Dragovic ist mit einer realistischen Ablösesumme von rund 8 Millionen Euro schlichtweg außer Reichweite des HSV. Einziger realistischer Kandidat bei den Schweizern ist weiterhin Jaques Zoua.

Und der 21-jährige Angreifer ist sich mit dem FC Basel über einen Vereinswechsel ebenso wie mit dem HSV weitgehend einig. Einzig die beiden Clubs haben noch letzte Details zu klären. „Die Gespräche laufen, und das sehr gut“, sagt Basels Sportdirektor Georg Heitz, der im Gegensatz zum ersten Werben des HSV um Granit Xhaka im vergangenen Winter dieses Mal nicht sauer ist auf seinen ehemaligen Cheftrainer Thorsten Fink. „Nein, diesmal ist alles hochkorrekt gelaufen“, so Heitz, „der Thorsten hatte sich schon vor einigen Wochen bei uns gemeldet und nach Zoua erkundigt. Seither haben wir intensiven Kontakt, auch jetzt zu Oliver Kreuzer.“

Dass Fink bei der Spielersuche immer wieder auch bei seinem Ex-Klub landet, dem er einst bei seinem vorzeitigen Wechsel nach Hamburg versprach, nicht in dessen Kader zu wildern, stört Heitz nicht. Nicht mehr. „Das muss man relativieren. Es ist ja nicht immer so, dass es hinter dem Rücken passiert. Im Gegenteil, diesmal war alles korrekt. Und letztlich versucht jeder für seine Mannschaft nur das Beste. Fink für den HSV, wir für den FC. Da darf man nicht sensibel sein.“

Stimmt. Aber ein Geschmäckle bleibt dann doch immer. Das ist bei Amateurtrainern, die gehen und plötzlich Ihre alten Spieler mitziehen, nicht anders als in der Bundesliga. Jeder ist sich selbst eben der Nächste. Und das gilt auch jetzt bei Zoua. Obwohl Zoua bei den Schweizern keine Chance hatte, soll er für den HSV gut genug sein. Klingt für mich zunächst komisch. Es ist eben jene Ausgangssituation, wie sie mir noch bestens bekannt ist von den Chelsea-Spielern, die Arnesen einst holte. Aber, und das ist der entscheidende Unterschied, ich bin mir sicher, dass sowohl Kreuzer als auch Fink absolut mit den Anforderungen eines Bundesligaspielers vertraut sind. Das war bei Arnesen („Ich habe die Qualität der Bundesliga am Anfang unterschätzt“) damals noch anders.

Warum Zoua sich in Basel nicht durchsetzen konnte und ob er dann wirklich gut genug ist für die Bundesliga? „Zoua ist ein Nationalspieler, der den berechtigten Anspruch hat, Stammspieler zu sein. Bei uns hatte er aber seit der Winterpause mit Raul Bobadilla und Kapitän Marco Streller gleich zwei Größen vor sich für nur eine Position. Und in der Schweiz haben wir das Problem der Ausländerregel. Es dürfen bei uns nicht mehr als fünf Ausländer zugleich auf dem, Platz stehen. Und leider haben wir in der Abwehr schon einige unverzichtbare ausländische Mitspieler.“ Stichwort Park und Dragovic… „Genau. Deshalb verstehe ich den Spieler, wenn er wechseln will“, sagt Basels Sportdirektor Georg Heitz. Und was ist mit der Bundesliga-Tauglichkeit? Für Heitz keine Frage. „Die hat er. Absolut“, sagt der gelernte Journalist. Aber was soll er auch sonst sagen, wenn er den Kameruner nicht zum Ladenhüter machen will?

Klar ist, dass der Deal in den nächsten Tagen über die Bühne gehen soll. Einen direkten Zusammenhang zum möglichen Transfer von Roque Santa Cruz besteht dem Vernehmen nach nicht. Hier werden die Chancen auf eine Verpflichtung mit 50:50 beziffert. Und ich selbst kann mich noch nicht dazu durchringen, mich für einen Wechsel des Paraguayers komplett zu begeistern. Irgendwas sträubt sich in mir. Ich halte Santa Cruz für technisch hervorragend, für einen Torjäger mit eingebauter Acht- bis Zwölf-Toregarantie in der Bundesliga. Und ich halte ihn für fußballerisch besser als alles, was der HSV in der abgelaufenen Saison vorne reingestellt hat. Aber wenn ich höre, dass der im August 32 Jahre alt werdende Angreifer rund vier Millionen Euro verdienen und mindestens so viel Ablösesumme (Handgeld für ihn und seinen Berater kommt noch obendrauf) kosten soll – ich würde zumindest noch ein zweites, drittes und auch viertes und fünftes Mal ganz genau schauen, ob ich für das Geld nicht einen Stürmer mit der gleichen Qualität aber dafür mit sechs bis zehn Lenzen weniger auf der Uhr finden kann. Zumindest aber gilt es als wahrscheinlich, dass die HSV-Verantwortlichen abwarten, was der Königstransfer kostet, um zu sehen, was letztlich für Zoua oder eben ein anderes Offensivtalent übrigbleibt.

Das soll heute jedoch noch nicht geklärt werden, dafür aber in den nächsten Tagen. Auf jeden Fall aber bis zum Trainingsauftakt am 1. Juli. Bis dahin wird auch die Zukunft von Chefscout Lee Congerton geklärt sein. Der Attaché vom suspendierten Sportchef Frank Arnesen ist dem Vernehmen nach schon jetzt weitgehend aus den Kaderplanungen genommen worden und soll demnächst sein Engagement komplett aufgeben, geht es nach Kreuzer. Das allerdings gegen eine noch zu verhandelnde Abfindung, die bei rund 600000 Euro Jahressalär nicht unerheblich sein dürfte. Geklärt ist indes, dass Ronny Teuber weiter den Torwarttrainer macht.

Der ehemalige DFB-Torwarttrainer hatte lange warten müssen. Erst vor dem letzten Saisonspiel hatte ihn Frank Arnesen angesprochen, in zwei Wochen liefe der Vertrag aus. „Ich weiß nicht, warum das so lange gedauert hatte“, sagt Teuber, der sich gerade im Urlaub aufhält. „Aber das ist jetzt auch egal. Ich hatte ein sehr gutes Gespräch mit dem neuen Sportchef Oliver Kreuzer und bin mir sicher, dass wir die letzten Kleinigkeiten nach meiner Rückkehr in der kommenden Woche klären.“ Teuber gilt als einer der besten Torwarttrainer Deutschlands. Zuletzt hatten Jaroslav Drobny und vor allem Rene Adler den Verbleib Teubers gefordert.

Apropos Torhüter: Zum Abschluss des Blogs eine kleine Exkursion zum Handball. Dort wird morgen um 14 Uhr Ex-HSV-Keeper Frank Rost als neuer Geschäftsführer vorgestellt. Von mir aus herzlichen Glückwunsch an Rost und den HSV Handball. Ich bin mir sicher, dass Rost dort einige Veränderungen herbeiführen wird. Ich bin gespannt…

So und bevor ich den Blog beende noch eine kleine Info am Rande. Wie mir Herr Heitz nebenbei mitteilte, absolviert der HSV am 18. Januar in der Imtech-Arena ein Freundschaftsspiel gegen den FC Basel. Das Spiel und deren Einnahmen sind Bestandteil des einstigen Wechsels von Fink zum HSV.

In diesem Sinne, genießt die Sonne.

Bis morgen.
Scholle

P.S.: Dem Vernehmen nach sollen Jacpo Sala (Fink hält viel von dem Allrounder) und Tomas Rincon nun doch gehalten werden, was mich für Rincon sehr freut.

Rückblick, Teil zwei – das Mittelfeld

10. Juni 2013

„Dem Stümperer Nummer eins gibst du eine Eins – ich kann es nicht glauben.“
Sagte heute ein eigentlich ganz netter „Matz abber“ zu mir – und ich wusste selbstverständlich sofort, wen er gemeint hatte. „Natürlich“, habe ich geantwortet, „weil sich dieser Mann um das HSV-Team verdient gemacht hat wie kein anderer HSV-Profi. Und zwar auf dem Rasen und auch ansonsten überall. Das sogar schon seit Jahren, auch in jenen Zeiten, in denen es besonders schlecht lief.“ Und nebenbei, so ganz nebenbei bemerkt, ist Heiko Westermann ja auch noch aktueller deutscher Nationalspieler. Und diese deutsche Nationalmannschaft steht in der Weltrangliste immer noch auf Rang zwei. Okay, ich weiß, ich weiß (habe ich auch dem Matz abber gesagt), Bundestrainer Joachim Löw hat keine Ahnung vom Fußball, das weiß ja jeder. Der hat es doch sogar gewagt, zuletzt mal vier HSV-Spieler gegen Ecuador einzusetzen – man, was ist dieser Löw nur für ein Nichtskönner. Wie kann denn der „Bundes-Sepp“ nur vier HSVer einsetzen? Viel besser wäre es doch gewesen, zwei von Werder und zwei von 96 zu bringen . . . Oder zwei Braunschweiger und zwei vom Millerntor. Statt diese HSV-Hamburger, von denen die meisten ja ohnehin nur Stümperer sind . . .

Ich kann es nicht mehr ab, muss ich zugeben. Ich kann es nicht mehr ab und werde mich auch nie dran gewöhnen. Und jedes Mal tut es mir wieder aufs Neue weh. Wie hier HSV-Spieler vom HSV–Anhang, von den eigenen Fans, immer und immer wieder in der Luft zerrissen werden – ich kann es nicht mehr hören und lesen. Auch deshalb, ich gestehe, freue ich mich auf Mitte/Ende September, dass ich damit dann nicht mehr konfrontiert werde. Ich habe ein solches Anti-Fan-Verhalten noch nie erlebt, ich kannte es auch in dieser krassen Form nicht – und ich werde aus auch nie akzeptieren. Natürlich soll jeder seine eigene Meinung haben, ich verlange auch nicht, dass jeder HSV-Fan dem guten Westermann eine Eins gibt, auch nicht, dass ihn ein jeder ins Herz schließt oder liebt, aber tolerant sollte jeder sein – und auch ein bisschen mit Fußball-Verstand gesegnet. Dann nämlich würde man nicht nur die gestümperten Fehlpässe registrieren, sondern die vielen Balleroberungen sehen, die vielen gewonnenen Kopfballduelle beachten und die unzähligen Rettungsaktionen, der der Ex-Kapitän immer dann unternehmen muss, wenn einem Mitspieler ein Fehler unterlaufen ist. Dann riskiert der Herr Westermann stets Kopf und Kragen und schont sich nicht. Und er spielt selbst dann noch, wenn er eigentlich nicht spielen dürfte – zum Beispiel mit einem Muskelfaserriss. 34 Einsätze kann kein anderer vorweisen – beim HSV. Aber gut. Ende. Und jeder so, wie er es will.

Bei der Gelegenheit: ich muss mich entschuldigen. Ich hatte Milan Badelj und Ivo Ilicevic unterstellt, bei Kroatiens 0:1-Niederlage gegen Schottland dabei gewesen zu sein – das ist eine Falschmeldung, und diese nehme ich mit dem größten Bedauern zurück. Beide HSV-Spieler haben an diesem Qualifikationsspiel nicht (!) teilgenommen – sie waren lediglich als Zuschauer auf der Bank dabei. Sonst hätten die Kroaten doch bestimmt auch gewonnen, oder?

Aktuell gibt es immer noch nichts Neues. Heung Min Son wartet weiter auf Chelsea und Andre Schürrle, und Marcus Berg auf die Eulen in Athen. Oder war es Panathinaikos? Ja, doch, Pana war es.
Ansonsten freue ich mich auf morgen (Dienstag), denn dann wird Oliver Kreuzer seinen Dienst beim HSV aufnehmen. Es gibt viel zu tun, ich hoffe er packt es zügig an . . .

So, und dann wäre ich auch schon beim zweiten Teil. Der Saisonbilanz. Heute ist das Mittelfeld „dran“! Los geht es:

Milan Badelj
war die Entdeckung der Saison. Ich habe noch die Worte von Carl-Edgar Jarchow im Ohr, denn der HSV-Boss sagte im Herbst: „Milan Badelj spielt so über die Maßen gut, dass ich schon die Befürchtung habe, dass er uns am Saisonende gleich wieder weggekauft wird.“ Die Befürchtung, lieber Herr Jarchow, ist jetzt unbegründet, denn der gute Milan hat dann nach starker Hinrunde auch stark nachgelassen. Was viele auch darauf zurückführen, dass er im Sommer 2012 keine Pause hatte. Mag sein, ich kann das nicht ausschließen. Aber ich hoffe, dass Badelj jetzt – nach einer gewissen pause – doch wieder an jene Leistungen anknüpfen wird, die ihn in Hamburg zum Shootingstar haben werden lassen. Note drei.

Tomas Rincon
kam erst in der Rückrunde mehrfach zu Einsätzen und gehörte immer zu jenen HSV-Profis, die zuverlässig und solide „arbeiteten“. Enttäuscht hat „Popeye“ nie – mich jedenfalls nicht, obwohl er in Länderspiel-Einsätzen für Venezuela meistens zu den besten Spielern auf dem Platz gehört. Insofern gibt es bei ihm noch Luft nach oben – wenn er denn in Hamburg bleibt. Ich könnte mir sehr wohl vorstellen, dass ihm jetzt doch mal nach einer Luftveränderung ist. Und irgendwie würde ich es ihm sogar gönnen – es muss ja nicht die Bundesliga sein, in der er dann ganz groß heraus kommt . . . Note vier.

Dennis Aogo
konnte nicht an seine (guten und teilweise sehr guten) Leistungen der Vorsaison anknüpfen. Das, obwohl er ja auf der zunächst ungewohnten Mittelfeld-Position doch hin und wieder ganz starke Spiele abgeliefert hat. Besonders zu Anfang dieser Zeit. Irgendwie aber stagnierte er dann im Frühjahr, er konnte seine 100 Prozent nie wieder erreichen. Dass er zuletzt seine Länderspiel-Einsätze elf und zwölf feiern konnte, das freut mich aber sehr für ihn – und vielleicht gibt es ihm ja auch wieder jenen Auftrieb, dass er zur alten Stärke zurückfinden wird. Ich wünsche es ihm, denn er hat – egal wie gut oder schlecht es für ihn auch auf dem Platz lief – stets viel für diese Mannschaft getan. Note vier.

Ivo Ilicevic
kam nach langer Verletzungszeit erst gegen Saisonende zurück und zu einigen Kurz-Einsätzen. Den Durchbruch hat er immer noch nicht geschafft, und ich hatte ja schon eine Phase, in der ich ihm diesen Durchbruch auch nicht mehr zugetraut hatte – nun schwanke ich. Gebe ich gerne zu. Im Training nämlich hat dieser Ilicevic teilweise Dinge drauf, die einfach klasse sind. Wenn er das nur einmal in einem Spiel . . . Er steht sich meiner Meinung nach zu sehr selbst im Wege, weil es ihm nicht gelingt, alles für den HSV (meinetwegen auch für die Raute) zu geben. Wenn er sich mit dem Club zu 100 Prozent identifizieren würde, sich dementsprechend auch ins Zeug legen würde, dann könnte es doch noch was werden. Zweifel aber bleiben. Und diese Zweifel sind nicht von der kleinen Art. Noch Note fünf.

Petr Jiracek
kam auch erst gegen Ende der Saison in Fahrt – die lange Verletzungspause verhinderte, dass der HSV-Anhang den „wahren Jira“ sehen und bejubeln konnte. Und wenn wir ehrlich sind, dann haben wir alle den „wahren Jira“ auch immer noch nicht im HSV-Trikot gesehen. Da muss schon noch viel mehr kommen. Und ich glaube, dass das auch in der nächsten Spielzeit kommen wird. So er dann zum Einsatz kommen wird. Wenn Thorsten Fink auf den Tschechen baut, dann, so glaube ich fest, dann wird er es ihm auch mit guten Leistungen danken. Hatte ich doch gegen Ende der Saison schon den (kleinen) Verdacht, dass die HSV-Mannschaft mit Petr Jiracek schon etwas gefestigter wirkte – als vorher ohne ihn. Note vier.

Jacopo Sala
war jener Jüngling, der einst die Bayern ganz kräftig erschreckte. Kann sich noch jemand erinnern? Einige sind bestimmt noch dabei. Seit diesem 2. Februar 2012 ist es still um den Italiener geworden. Nach dem 1:0-Führungstor gegen die Bayern (Endstand 1:1 – durch Olic) hatte jeder (Zweite?) darauf gehofft, dass Sala nun ein aufgehender Stern in der Liga wird – aber dann kam da nicht mehr viel. Heute steht er bei 20 Einsätzen – und immer noch bei diesem einen – aber durchaus spektakulären – Tor. Ich habe nicht mehr viel Hoffnung, dass da noch viel mehr kommen wird, denn den Willen, sich im Training durch überdurchschnittliche Leistungen aufzudrängen, den kann ich so gut wie nie erkennen. Im Gegenteil, Sala wirkt eher so auf mich, als wenn er schon ein wenig resigniert hätte. Note fünf.

Tolgay Arslan
war eine der großen und guten Entdeckungen der Hinrunde. Und das auf der Sechs! Für mich wäre das undenkbar gewesen, aber er hat mich überzeugt – und den Trainer und die meisten Fans. Hut ab. Das kann er also auch. Leider musste er nach guten und teilweise starken Leistungen dann auch den „Van der Vaart“ geben, also vorgezogen zentral spielen, und schwupps war er die Sechs wieder los. Schade. Vielleicht wäre sonst sein Stern vollends aufgegangen. Bleibt mir nur, darauf für diese Saison zu hoffen. Note vier.

Rafael van der Vaart
kam als großer Hoffnungsträger, und es ging ja mit ihm auch (steil?) bergauf. Dennoch, fußballerisch ist er – keine Frage – hinter den Erwartungen aller zurückgeblieben. Auch er hatte sicherlich mehr von sich erwartet, er hat es jedenfalls oft genug gesagt. Dass sein Förderer (und Geldgeber) Klaus-Michael Kühne inzwischen (im Abendblatt-Interview) gesagt hat, dass sich „van der Vaart den allgemeinen Leistungen des HSV angepasst“ hätte, spricht Bände. Dennoch muss ich sagen, war die Verpflichtung des Niederländers von enormer Wichtigkeit, denn er hat dafür gesorgt, dass seine Kollegen alle eine Schippe mehr drauf gelegt haben. Und auch viel konzentrierter trainiert haben. Note vier.

Per Ciljan Skjelbred
kam zurück wie Kai aus der Kiste. Den Norweger hatten sie alle schon abgeschrieben (auch ich!), er war praktisch schon aussortiert, und dann dieses Comeback! Großartig. Auch wenn er – wie der gesamte HSV – eine stete Berg- und Talfahrt hinlegte, also ziemlich unkonstant spielte. Trotz allem, er ist eine erfreuliche Figur in diesem HSV geworden, feierte nun sogar seine Rückkehr in die norwegische Nationalmannschaft. Obwohl, das wissen wir, das ja nicht so viel bedeuten muss. Note vier.

Gojko Kacar
war mit einem Male „über“. Im Winter sollte er zu Hannover 96, das zerschlug sich, seit dieser Zeit (spätestens) spielte er keine Rolle mehr. Erst als zum Schluss ein gewisser Mangel an Abwehrspielern bestand, da durfte der Serbe dann doch noch mal für Minuten ran. Was seine Situation beim HSV aber keinen Deut verbesserte – Kacar ist nach wie vor „über“ und soll gehen. Schon jetzt, wo kein Ball mehr rollt, wurde er quasi aussortiert. Note fünf.

Robert Tesche
war zuletzt an Fortuna Düsseldorf ausgeliehen – und stieg mit dem Aufsteiger wieder ab. Immerhin, er war dort in der Rückrunde Stammspieler. Nun kehrt er zurück, weil er dem neuen Zweitliga-Club doch zu teuer geworden ist. Ja, in Hamburg sind die Spieler, auch die, die regelmäßig draußen sitzen und „über“ sind, noch wahre Könige, denn sie alle werden königlich bezahlt. Dem Vernehmen nach zahlt zum Beispiel Eintracht Frankfurt, in der Bundesliga leicht etwas vor dem HSV platziert, ein Viertel von den HSV-Gehältern. Hier wird eben jeder fürstlich und überfürstlich belohnt, auch unser „Zehner“ – der Robert. Deswegen will er ja auch noch nicht weg – der Vertrag läuft. Und zwar sehr gut. Note fünf.

So, kurz noch zur kommenden Saison. Der HSV hat bislang 27 000 Dauerkarten für die Spielzeit 2013/14 in der Fußball-Bundesliga verkauft. Von den 57 000 Stadionplätzen sollen 30 000 als Saisontickets angeboten werden. Das Jahresabonnement kostet zwischen 198 Euro im Stehplatzblock und 788 Euro im besten Sitzplatzbereich. Für eine Dauerkarte müssen abhängig von der Kategorie zwischen zehn und 61 Euro mehr als im Vorjahr berappt werden. Tickets in der Komfortklasse Business werden unverändert für mindestens 3500 Euro pro Spieljahr angeboten. Am 18. Juni beginnt der freie Verkauf.
Am Dienstag, also morgen, beginnt um acht Uhr der Dauerkartenvorverkauf für die HSV-Mitglieder. Als Mitglied kann man maximal eine Dauerkarte für die Saison 2013/2014 erwerben. Mit Beginn des freien Vorverkaufs (18. Juni) können dann bis zu vier Dauerkarten erworben werden.
Folgende Blöcke stehen im Mitglieder-Vorverkauf zur Verfügung:
Osttribüne: 1A, 2C, 3C, 4C, 5C und 7A
Westtribüne: 17C, 18C, 19C, 20C und 21A/B/C
Südtribüne: 9A/B/C, 10A/B/C und 11A/B/C.

Bei den Einzeltickets sind die Preise für die nächste Saison stabil geblieben. Im Stehplatzbereich wurden die verschiedenen Kategorien (12, 14, 16, 19 Euro) auf einheitlich 16 Euro festgelegt. Die neue Bundesliga-Saison beginnt am zweiten August-Wochenende.

PS: HSV-Mittelfeldspieler Christian Nørgaard hat mit dem dänischen U-19-Nationalteam die EM-Endrunde verpasst. Die Dänen unterlagen im entscheidenden Qualifikationsspiel dem gleichaltrigen Team aus Portugal mit 0:1. Die Endrunde findet vom 20. Juli bis 1. August in Litauen statt.

18.38 Uhr

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