Archiv für das Tag 'Sala'

Sala – nicht auf der Liste, aber weg?

22. Juli 2013

Gegen Borussia Dortmund und erst recht gegen den FC Bayern reicht es für den HSV noch nicht, das hat das vergangene Wochenende mehr oder weniger eindrucksvoll bewiesen. Und irgendwie war das ja auch vorher schon klar, auch wenn es in der vergangenen Saison zu zwei Siegen gegen den BVB gereicht hatte. Womit ich schon beim Thema bin. Dortmund war zwei Jahre in Folge Meister, und trotz allem hat dieser Meister gegen den HSV verloren. Bei „Matz ab“ in den Beiträgen der Fans habe ich nun aber gelesen, dass es ja logisch gewesen ist, dass der HSV gegen die Bayern verloren hat, denn: „Da sind Spieler dabei, die kosten 40, 50 oder auch 60 Millionen Euro. Beim HSV kostet der teuerste Mann gerade mal 13 Millionen. Wer da einen HSV-Sieg erwartet hatte, der . . .“ Hat keine Ahnung vom Fußball.

So einfach, ich kann es immer nur wieder sagen, so einfach also kann der Fußball dann doch sein.
Oder etwa doch nicht? Die Dortmunder Mannschaft hatte in der vergangenen Spielzeit sicher auch den einen oder anderen Spieler, der etwas mehr als 13 Millionen Euro gekostet hat – und trotzdem schaffte es der HSV gleich zweimal, die Schwarz-Gelben zu besiegen. Und wenn man nun immer voraussetzt, dass die Mannschaft, deren Spieler teilweise 40, 50 oder gar 60 Millionen Euro kosten, immer jenes Team vom Platz fegt, das nur einen Spieler im Werte von 13 Millionen besitzt – warum spielen wir denn überhaupt noch? Dann sollten die „kleinen“ und „minderbemittelten“ Clubs (wie der HSV) doch die Punkte gleich und stets an die Säbener Straße nach München schicken – per Post. Sind doch sowieso fast alle chancenlos.

Umgekehrt geht es natürlich auch, das ist schon klar. Der HSV besitzt einen Mann, der 13 Millionen kostet, und zum Beispiel besitzt der FC Augsburg nur einen Mann, der nicht mal die Hälfte dieser 13 Millionen kostet. Da ist dann doch auch ganz sicher, wer der Gewinner dieser Partie ist – natürlich der HSV. Alles andere wäre ja ein Witz. Und wir wissen ja auch alle, wie diese Spiele zwischen den „Kleinen“ der Bundesliga und dem „großen“ HSV zuletzt (teilweise) ausgegangen sind . . . Geld regiert den Fußball. Da muss nicht mehr großartig gegeneinander gekickt werden, da nennen sich die Vereine gegenseitig die Etats, die Ablösesummen und die Gehälter seiner Spieler, und schon gehen die Punkte auf Reisen. Alles ganz einfach. Das ist wie bei einem Auto-Quartett zum Beispiel: „Wie viele PS hat deiner?“

Und es war ja auch schon früher ganz einfach: Fußball ist ein Spiel zweier Mannschaften, elf gegen elf, und nach 90 Minuten gewinnen immer die Deutschen. Hat mal ein Engländer erfunden: Gary Lineker. Übertragen auf die Bundesliga heißt das natürlich, dass immer die Bayern gewinnen. Logisch. Die haben ja auch die Spieler, die 40, 50 oder gar 60 Millionen Euro kosten.

Ich finde es aber trotz allem mutig und auch bemerkenswert, wenn sich einige Clubs dennoch aufraffen, um sich mit dem FC Bayern zu messen. Auch wenn es in den meisten Fällen schön auf die Nasen gibt – Versuch macht klug. Und bei elf gegen elf, egal wie teuer, könnte ja auch mal die Tagesform entscheiden, die Laufbereitschaft, die Leidenschaft – das Herz. Und deswegen durfte auch jeder HSV-Fan einmal (ganz kurz) hoffen, dass es gegen diese übermächtigen Bayern vielleicht doch einen Sensations-Sieg geben könnte. Und ganz bestimmt haben auch viele HSV-Fans genau darauf gehofft. Nur im Spiel sah das dann ganz anders aus. Das war dann tatsächlich wie 60 Millionen gegen 13. Die bittere Realität. Aber was schließen wir daraus? Wenn man die Punkte nicht tatsächlich vorher abschicken will, dann muss man mehr investieren. Mehr Laufbereitschaft, mehr Kampf, mehr Leidenschaft – und mehr Herz. Nur so geht es nämlich. Und wenn das eines Tages eine Mannschaft (fast) in Perfektion schafft, dann wird auch der FC Bayern mal wieder verlieren. Wenn man aber vor 40, 50 und 60 Millionen erstarrt, wie hier publiziert, dann sollte man es in der Tat lieber ganz lassen.

Ich aber möchte doch lieber darauf hoffen, dass es auch einer HSV-Mannschaft eines Tages wieder einmal gelingen möge, dass die Tagesform so überragend ist, dass der Kampfgeist stimmt, dass auch die Laufbereitschaft, die Leidenschaft und das Herz zu 100 Prozent da sind, um ein kleines Fußball-Wunder zu schaffen. Dann nämlich könnte es vielleicht doch noch einmal klappen – eines fernen Tages, mit einem Sieg gegen die Bayern. Und wenn alles Gute schon am vergangenen Wochenende beieinander gewesen wäre, dann hätte dieser Tag ja sogar schon jetzt beim Telekom-Cup in Mönchengladbach Geschichte werden können.

Bei der Gelegenheit, weil ich ja auch netterweise immer mal wieder gefragt werde, wie das nun bald mal mit meiner Rente ist. Offiziell ist am 30. November 2013 Schluss für mich, soll heißen, am 1. Dezember 2013 bin ich Rentner. Inoffiziell ist es aber so, dass mein vorläufig letzter Arbeitstag der 13. September 2013 ist. Danach nehme ich meinen Jahresurlaub und einige freie Tage, sodass ich gegen Ende November noch eine kurze Zeit arbeiten werde. Vielen Dank für euer Mitgefühl.

Zurück zum HSV. Da hatte Oliver Kreuzer ja nach dem 0:2 gegen Wacker Innsbruck ordentlich „Alarm“ gemacht. Was mich zu jenem Zeitpunkt schon ein wenig wunderte, hatten doch einige Spieler erst tags zuvor ein einziges Mal trainiert. Gut aber fand ich es trotzdem, das habe ich schon geschrieben, dass der neue Sportchef mal so richtig „auf den Putz gehauen hat“, um den Spielern damit zu signalisieren, dass es nur dann etwas wird, wenn man sich quält und alles abruft. Nun aber habe ich in dieser Hinsicht lange nichts mehr von Oliver Kreuzer gehört und gelesen. Ist sein Bayern-Gen, das Thorsten Fink vor einigen Tagen ja noch bei Kreuzer vermutet hatte, schon nach so kurzer Zeit vollkommen von der Bildfläche verschwunden? Ist er eventuell sogar zurückgepfiffen worden? Von wem auch immer? Das wäre dann jammerschade, denn nach wie vor hielte ich es für vollkommen richtig, schlechte Leistungen auch beim Namen zu nennen. Aber vielleicht kommt das ja noch einmal wieder – in der Bundesliga. Ich werde es mal beobachten.

Ein anderes Thema: Beim Sport-Informations-Dienst erschien heute eine kleine Geschichte von und zu Paul Scharner. Die sieht so aus:

Innenverteidiger Paul Scharner hat erneut eine neue Chance beim HSV eingefordert und seine Situation als „Horror“ bezeichnet. „In Hamburg habe ich das Empfinden, kein Vertrauen und keine reelle Chance bekommen zu haben. Das ist für einen Sportler nicht verkraftbar“, sagte der 33 Jahre alte Österreicher. Ohne diese bekommen zu haben, werde er „nicht freiwillig gehen“, fügte er hinzu. Derzeit laboriert Scharner an einem Muskelfaserriss in der Wade, den er auf seine angeschlagene Psyche zurückführt: „Jede Verletzung hat eine psychische Ursache, und das Gefühl von fehlendem Vertrauen sucht sich ein Ventil. Weshalb sollte das bei Fußballprofis anders sein als bei anderen Berufstätigen?“ In der abgelaufenen Saison war Scharner nach nur vier Kurzeinsätzen für die Hanseaten im Winter auf Leihbasis zu Wigan Athletic gewechselt. Mit dem Premier-League-Club gewann Scharner den FA Cup. Wie Robert Tesche, Gojko Kacar, Slobodan Rajkovic und Michael Mancienne steht er auf der Streichliste des Sportdirektors Oliver Kreuzer.

Apropos Streichliste. Nicht darauf stand ja der Name Jacopo Sala, aber der Italiener wird wohl dennoch den HSV verlassen. Auf Facebook wurde heute geschrieben, dass der 21-jährige Mittelfeldspieler zum italienischen Erstliga-Aufsteiger Hellas Verona wechseln wird. Dass etwas Wahres an dieser Meldung ist, das hat der HSV inzwischen bestätigt. Fortsetzung folgt. Auf der einen Seite wäre ich nicht traurig, wenn Sala gehen würde, denn er hat sich hier bislang nicht durchsetzen können – und der HSV könnte wieder ein Gehalt einsparen. Auf der anderen Seite würde beim HSV wieder in junger Mann gehen, der einst mit großen Hoffnungen nach Hamburg gelockt worden ist, der dann nicht auf Anhieb „funktionierte“ – und nun wieder geht. Und zwar bevor er es allen zeigen konnte, dass er es doch eigentlich drauf hätte.

Da denke ich dann sofort, nur ein Beispiel, an Reto Ziegler, der 2005 aus England (Tottenham) zum HSV gekommen war, sich nicht durchsetzen konnte, nur acht Bundesliga-Einsätze schaffte – und dann noch Nationalspieler der Schweiz wurde (32 Länderspiele). Und der dazu noch bei so manchem namhaften Club (Sampdoria Genua, Juventus Turin, Fenerbahce Istanbul, Lok Moskau) in Europa unter Vertrag stand. Und dieser Ziegler ist heute erst, das kommt erschwerend hinzu, 27 Jahre alt. Deswegen hätte ich mir schon gewünscht, dass Sala noch geblieben wäre (so er denn tatsächlich gehen sollte). Er selbst aber hat wohl noch weniger an sich geglaubt, als der HSV und die sportlich Verantwortlichen. Ein Aufbäumen gegen das Reservisten-Dasein, den unbändigen Willen, sich durch gute Trainingsleistungen in die Mannschaft zu kämpfen, das habe ich bei dem jungen Italiener nämlich bislang nie gesehen. Im Gegenteil, eine gewisse Phase hatte er sich mit Jeffrey Bruma vereint, und der Niederländer hatte ja ebenfalls recht wenig Biss, um sich ins Team zu kämpfen – beide Reservisten hatten mir schon viel zu zeitig resigniert. Schade drum.

Und irgendwie denke ich, wie bei Ziegler, auch an Tomas Rincon. 25 Jahre jung ist der Mittelfeldmann, immerhin schon seit Januar 2009 beim HSV, aber einen Stammplatz hat er nie bekommen. Auch schade. Weil ich glaube, dass der Venezolaner auf der Sechs ein richtig guter Abräumer wäre. Bei der (letzten?) Südamerika-Meisterschaft wurde Rincon zum besten (oder wertvollsten?) Spieler gewählt, und da frage ich mich schon (lange), warum er es beim HSV nicht schafft? Und ich lande, bei meinen Antwort-Versuchen, immer wieder bei dem Wort „Überangebot“. Für mich hat der HSV einfach viel zu viele Spieler. Quintessenz: Da sieht dann so mancher Trainer den Wald vor lauter Bäumen nicht. Weniger wäre wohl mehr. Und für Rincon eventuell auch hilfreich. Und ich glaube in der Tat, dass ein eher defensiv denkender Sechser, der wie ein Staubsauger vor der Abwehr fungiert, dem HSV ganz gut zu Gesicht stehen würde. Vor jenen Sechsern nämlich, die dort spielen, seit es diese ominöse „Sechs“ gibt, fürchten sich die Gegner nicht unbedingt. Weil diese HSV-Sechser doch eher Leute sind, die ihre Stärken in der Offensive haben: Tolgay Arslan, Milan Badelj, Petr Jiracek.

Aber vielleicht wird ja auch Heiko Westermann ein neuer Sechser. Wenn dann Lasse Sobiech und Johan Djourou in der Innenverteidigung spielen. Könnte ja sein. Wobei ich zu Sobiech heute einen interessanten Anruf hatte. Da wurde mir nämlich gesagt: „Ob diejenigen, die Heiko Westermann aus der Mannschaft haben wollen, tatsächlich die vielen Fehler, die Lasse Sobiech begangen hat, gesehen haben? Ich weiß jedenfalls nur eines: Hätte Westermann diese Fehler gemacht, im Blog hätte es wieder einen Sturm der Entrüstung gegeben. Der aber blieb diesmal aus – war ja Sobiech . . .“ Wie gesagt, so wurde es mir am Telefon gesagt – und ich finde, dass da viel Wahres dran ist. Aber auch diese Entwicklung werden wir alle ja erleben – in den kommenden Wochen.

Ganz kurz noch zum Aktuellen. Heute am Vormittag lief Dennis Diekmeier einige Runden, um sich danach pflegen zu lassen. Muskuläre Probleme im Oberschenkel. Er sagte danach: „Ich bin ganz optimistisch, dass ich morgen wieder mit der Mannschaft trainieren kann. Und vielleicht geht es am Abend ja sogar mit einem Einsatz gegen West Ham United. Das werden wir nach dem Training entscheiden.“
Das Training beginnt an diesem Dienstag am 10 Uhr, am Abend wird dann in Flensburg gegen den englischen Erstliga-Club gespielt (Anstoß 18.45 Uhr).

17.19 Uhr

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