Archiv für das Tag 'Ruud van Nistelrooy'

Immer mehr Fragen – immer weniger Antworten…

30. Januar 2011

Mich tröstet das nicht. Keine Werder-Niederlage oder dergleichen ersetzt ein gutes Spiel des HSV. Und während es bei mir eigentlich immer unmittelbar nach einem schwachen Spiel am schlimmsten ist und die Zeit die eine oder andere Wunde heilt, ist es diesmal andersrum. Mich nervt, dass der HSV seine Chance so fahrlässig liegengelassen hat. Und zu allem Überfluss habe ich mir vorhin auch noch Stuttgart angesehen, das eine ganz bittere Niederlage gegen alles andere als starke Freiburger zu verkraften hat. Und obwohl die Schwaben durch den Abstiegskampf insgesamt sicherlich noch größere Sorgen als wir haben, muss ich sagen, dass ich als VfB-Fan zumindest heute weniger sauer wäre, denn als HSVer. Denn die Schwaben wollen wenigstens, die arbeiten Fußball, die kämpfen. Sie scheitern – wie Harnik vor dem leeren Tor – immer wieder an sich selbst, aber sie versuchen es wenigstens. Ihnen kann man mangelnde Qualität anlasten, aber nicht, dass sie sich verweigern.

Genau diesen Vorwurf müssen sich allerdings die HSV-Profis für den unwürdigen Auftritt gegen schwache Nürnberger gefallen lassen.

Hier im Blog herrscht, das ist deutlich an Euren Kommentaren zu erkennen, tiefer, festsitzender Frust. Zu viel Kredit hat sich der HSV in den letzten 18 Monaten verspielt, als dass so eine Niederlage als Ausrutscher hingenommen wird. Und ganz ehrlich, es war auch diese Saison nicht der erste derartig lust- und emotionslose Auftritt. Insofern sind nahezu alle Eure Vorwürfe berechtigt. Die Frage ist allerdings, warum ist das so? Wieso werden bei dem immer wieder berechtigt hoch gelobten Kader inzwischen schon Spieler hervorgehoben, weil sie einfach nur eine Menge Kilometer abreißen? Sind unsere Ansprüche schon so niedrig? Warum gibt’s beim HSV zum Beispiel keinen Maik Franz (den sehe ich gerade wieder auf dem Platz, wie er Idrissou mit zweifelhaften Methoden entnervt)? Oder zumindest einen, der die Mannschaft wachrüttelt – egal, ob durch sportliche oder verbale Impulse? Oder erreicht der Trainer samt seinem Team nicht die Mannschaft?

Fragen, auf die es Antworten zu finden gilt, wenn man in der kommenden Saison nicht neuerlich enttäuscht werden will.

Allerdings, und deswegen habe ich es gestern noch vorsichtig formuliert, noch habe ich die Hoffnung, dass sich die Mannschaft über ihre fußballerische Qualität über die letzten 14 Spiele hinwegrettet – und dann der nötige Umbruch eingeläutet wird. Damit der HSV in seinem Kreativbereich nicht mehr allein von der Tagesform des immer launischer werdenden Zé Roberto abhängig ist. So sehr ich den Brasilianer schätze, er geht mir zu oft einfach mit unter. Er war in Nürnberg zweifellos noch der Einäugige unter den Blinden – aber eben auch nicht annähernd so mitreißend, wie man es von einem Mann seiner Qualität erwarten darf. Gleiches gilt für einen Ruud van Nistelrooy. Real Madrid hin oder her.

Ich erspare es mir und Euch, jetzt hier auf alle Spieler einzeln einzugehen. Dabei würde auch sehr wenig Positives herumkommen. Aber eben auch nichts, was wir an dieser Stelle nicht schon hundert Mal gesagt haben. Allein der Gedanke daran, ermüdet schon…

Nein, es bringt nichts. Wir müssen uns mit der Situation arrangieren. Und die besagt, dass am kommenden Wochenende das vielleicht brisanteste Spiel der Saison ansteht: das Derby gegen St. Pauli im eigenen Stadion. Hier ein Sieg und alle Gemüter dürften sich wieder etwas beruhigen. Zumindest bis zum nächsten „Rückfall in alte Zeiten“, wie Trainer Armin Veh das Nürnberg-Spiel beschrieb.

Allerdings: „Alte Zeiten“? Wie kommt Veh auf „alt“?

Das Nürnberg-Spiel hatte ich in der Hinrunde gefühlt jedes zweite Wochenende. Da hatte sich abgezeichnet, dass diese Mannschaft in sich nicht einig ist. Die Qualität jedes einzelnen werde ich auch heute nicht in Frage stellen. Die ist da. Aber nach den beiden Arbeitssiegen gegen Schalke und Frankfurt hatten viele – auch ich – gehofft, dass die Mannschaft über Erfolge gefestigter wird. Vergebens?

Der Mannschaft fehlen auf jeden Fall die Ideen. Gegen Mannschaften, die sich hinten reinstellen gelingt quasi nichts. Das war in der Hinrunde so – das ist es auch jetzt. Schalke wollte mitspielen – und das Spiel wurde interessant. Aber schon Frankfurt war zäh, für die Mannschaft wie den Betrachter. Der HSV schafft es einfach nicht, sich gegen destruktiv agierende Teams Torchancen zu erarbeiten. Die Außen funktionieren offensiv momentan nicht, ein Elia beispielsweise war gegen die Franken bei nicht mehr als 20 Prozent dessen, was er kann und beim HSV nicht zeigt. Pitroipa überrascht weniger die Gegner als sich selbst. Flanken kommen von beiden nicht – womit ein Ruud van Nistelrooy in der Mitte hängt. Wie es besser geht, hat zuletzt Ben-Hatira gezeigt, der mit aller Macht versuchte, nahezu jeden Ball auf den ehemaligen Welttorjäger zu spielen.

Aber ok, neben den Außen gibt es noch das zentrale Mittelfeld, das zwar defensiv vernünftig arbeitet, aber offensiv nahezu wirkungslos ist. Zé Roberto deutet zwar immer wieder an, was er drauf hat, aber er zeigt es nie komplett. Er füttert uns an und lässt uns dann verhungern. Warum auch immer.

Etwas Leid taten mir gestern Westermann und Kacar. Beide hatten die klare Ansage, alles wegzuräumen, und wenn dies mit Befreiungsschlägen passiert. Und sie erfüllten ihre Aufgaben in der ersten Halbzeit ordentlich, obwohl Guy Demel altgewohnte Schwächen im Stellungsspiel zeigte. Der Ivorer zeigte auf, dass es fast fahrlässig von der Vereinsführung ist, auf dieser Position bislang nichts unternommen zu haben. So fiel das erste Gegentor, so werden leider auch noch mehr fallen, wenn sich der verletzungsanfällige Demel nicht plötzlich schwer verbessert.

Apropos Rechtsverteidiger: Ochs wechselt zu Schalke 04. Ein Typ, der als loyal und vorbildlich in Sachen Einstellung zählt und außergewöhnlich konstant sein hohes Niveau hält. Warum also kommt der Frankfurter nicht zum HSV? Eine Frage, die ich morgen Bastian Reinhardt stellen werde. Der Sportchef stellt sich morgen unseren Fragen. Und ich verspreche, ich habe einige, die ich stellen werde und deren Antworten ich Euch morgen mitteilen werde. Denn für heute fällt mir nichts mehr ein. Ich habe immer mehr Fragen – und immer weniger Lösungsansätze. Mal sehen, vielleicht bin ich morgen schlauer…

In diesem Sinne, seid besser drauf als ich. Bis morgen!

19.45 Uhr

P.S.: Bei Choupo gibt es noch nichts Neues. Im Gegenteil, inzwischen messen die HSV-Verantwortlichen dem Szenario, dass der Kameruner bleibt, die höhere Wahrscheinlichkeit bei. Allerdings, das kann ich Euch glücklicherweise versprechen, zumindest in dieser Frage werde ich morgen eine hundertprozentig korrekte Antwort finden 😉

…dann kann plötzlich alles ganz schnell gehen…

19. Januar 2011


Dass ich Euch auch immer anlügen muss! Entschuldigt! Gestern hatte ich Euch geschrieben, Sammer sei bereits in Hamburg und dass er bleibt. Beides, darauf haben mich meine Kollegen aufmerksam gemacht, stimmt so nicht. Denn zum Einen haben sich die Aufsichtsräte nicht in Hamburg sondern zwei Autostunden entfernt mit Sammer getroffen, und zum Zweiten ist Sammer anschließend wieder gen Heimat gereist.

Aber ganz ehrlich: das ist mir alles sch…egal.

Denn, und das wollte ich mit der Überschrift aussagen, Sammer hat sich mit einem Großteil der zwölf Räte persönlich getroffen, indem er zu ihnen gereist ist – und er ist sich inhaltlich einig mit dem HSV-Kontrollgremium. Dass die werten Herren Kontrolleure das Treffen am gestrigen Abend leugneten, darf als Versuch gewertet werden, dem DFB etwas vorzugaukeln. Denn die reagieren auf derartig konspirative Treffen – ohne dass ihnen vorher Bescheid gegeben wurde – manchmal sonderbar.

Das tun sie allerdings auch, wenn ihnen Bescheid gegeben wird. Denn heute war aus Frankfurt lange zu vernehmen, dass keiner etwas vom HSV und Sammer gehört habe. Als den Granden des größten Dachverbandes der Welt dann mitgeteilt wurde, dass der HSV-Aufsichtsrat bereits am Vorabend offiziell das Interesse an Sammer bekundet hatte, kam ein offizielles Statement von Wolfgang Niersbach: „Der erklärte Wunsch des DFB ist es, dass er uns als Sportdirektor mit seinem Engagement und seiner Kompetenz erhalten bleibt“, sagte Niersbach und stellte Sammers Willen, zum HSV zu wechseln, grundsätzlich in Frage: „Für den DFB ist die Situation unverändert: Auch nach einem Telefonat zwischen Matthias Sammer und mir gibt es für uns kein Signal, dass der bis 2013 laufende Vertrag aufgelöst werden soll.“
Allerdings, das sagt zwar keiner, aber das wissen alle, sollte Sammer sich schnell für den HSV entscheiden, dürften auch Vertragsauflösung beim DFB und Unterschrift beim HSV schnell gehen. Wie zu hören war, soll die Präsidiumssitzung des DFB am Freitag noch abgewartet werden, danach die Entscheidung fallen.

Eine Hängepartie erwartet jedoch niemand. Auch die hier im Blog vermutete Ablösesumme, die vom DFB gefordert werden könnte, soll kein Thema sein. Zum einen hatte sich der HSV sauber bei dem gescheiterten Engagement mit Siegenthaler gezeigt. Und zum anderen soll Sammer nach den Streitigkeiten mit Bundestrainer Joachim Löw, Oliver Bierhoff und Dr. Theo Zwanziger bereits signalisiert worden sein, dass sein bis 2013 laufender Vertrag notfalls aufgelöst wird – wenn er selbst es so will.

Und dass scheint so zu sein. Zum großen Glück für den HSV.

Denn Sammer gilt als stiller Architekt des DFB-Jugendstils. Unter dem Ex-Meistertrainer wurden die Europameisterschaften der U17 (2009), der U19 (2008) und der U21 (2009) gewonnen. Dennoch wurde Sammer nach einem Streit mit Löw und einem Machtwort Zwanzigers die Verantwortung für die U21 verweigert. Grund genug für Sammer, seine Rolle beim DFB grundsätzlich zu überdenken.

Keine Rolle in den Gesprächen hat bislang Horst Hrubesch gespielt. Und, bei aller Wertschätzung für das einstige Kopfballungeheuer, wer Hrubesch als neuen Jugendchef fordert, liegt falsch. Mit Paul Meier hat der HSV seit Sommer einen ausgewiesenen Fachmann, der sich mit unfassbarer Akribie um eine komplette Neustrukturierung der Jugend kümmert. Und der Schweizer hat klare Richtlinien, hat ein klares Ziel.: Jugendspieler bis ins Profiteam zu führen. Er setzt seine Marschroute konsequent durch, gibt Jugendtrainern Vorgaben, wie sie auszubilden haben und kontrolliert höchstpersönlich die Umsetzung. Warum aber sollte hier wieder alles über den Haufen geworfen werden? Nur, um einen sicher sehr verdienten Ex-HSVer einzubinden? Ich glaube, das wäre die richtige Tat zur falschen Zeit. Und das falsche Signal. Allerdings, und das geisterte hier auch rum, Hrubesch als Trainer einzubauen wäre eine andere Nummer. Die Frage ist nur, wo…
Gleiches gilt für Bastian Reinhardt. Auch die neue Position des 35-Jährigen ist weiter unklar. Und Reinhardt ist mächtig sauer über seine bevorstehende Entmachtung. Wirklich hinnehmen mag der Sportchef seine Degradierung trotz der warmen Worte von Aufsichtsrats-Vize Alexander Otto nicht. „Wir haben großes Interesse, dass er im sportlichen Bereich eine wichtige Rolle spielt“, sagte Otto: „Darüber haben wir auch mit Sammer gesprochen.“ Und eben mit Reinhardt. Mit dem Unterschied, dass das Gespräch nicht in Harmonie endete.

Ein Ende gibt es auch in der Angelegenheit Ruud van Nistelrooy noch nicht. Allerdings weigere ich mich, hier über etwaige Wechselszenarien zu berichten, solange die Aussage des HSV („Wir werden ihn nicht abgeben. Ruud bleibt!“) Bestand hat. Zwar erzählen uns unsere spanischen Kollegen jeden Tag „große Neuigkeiten“, und quasi jeden Tag rückt ein Wechsel näher, allein beim HSV ist bislang kein offizielles Angebot eingegangen. Deshalb beschränke ich mich hier auf Ruud, wie er sich beim HSV gibt. Sportlich wohlgemerkt.
Und das ist nett zu sehen.
Heute versteckte sich Ruud lachend hinter Gojko Kacar, als er aus der Kabine kam. So wollte er einem spanischen Fotografen entkommen, der tatsächlich nichts unversucht ließ, van Nistelrooy zu fotografieren. Auch im Training zeigte sich Ruud von seiner guten Seite. Kurzum: Dem Niederländer, der angeblich mit Streik gedroht haben soll, ist von dem Wechseltheater nichts anzusehen. Bei der mal wieder langen Einheit (gute 110 Minuten) absolvierte der 35-Jährige problemlos die Konditionseinheit mit Schleifer Günter Kern, er wirkte beim Zonen-Spiel Fünf-gegen-zwei ebenso frisch wie beim Abschlussspiel 11-gegen-elf über den ganzen Platz.

Hierbei interessant: wer schlüpft in die Rolle des am Freitag gegen Frankfurt gelb-gesperrten David Jarolim? Und Armin Veh macht es spannend. Er ließ schon A gegen B spielen, allerdings tauschte er die Position neben Zé Roberto einmal. Zuerst durfte Trochowski ran, dann Rincon und dann – wieder Trochowski, der seine Sache trotz beklagter Defensivschwächen ordentlich machte.

Ebenfalls dabei: Mladen Petric. Der Kroate ist wieder fit, auch wenn Veh sagt: „Wir müssen sehen, ob er schon für Freitag eine Alternative ist.“ Petric selbst ist – mal wieder – optimistischer. „Ich habe die ganze Zeit daraufhin gearbeitet, gegen Frankfurt wieder im Kader zu stehen. Ich fühle mich gut und hoffe, zumindest auf der Bank zu sitzen.“

Das hoffe ich auch. Ich hoffe, dass Mladen in der 70. Minute beim Stand von 3:0 für den Doppeltorschützen Ruud van Nistelrooy eingewechselt wird…

Aber auch hier gilt: am Freitag wissen wir mehr.

In diesem Sinne: Nur der HSV!

19.19 Uhr

Leckerbissen in Dortmund – mit Happy-End!

11. November 2010

Es steht schon alles im Zeichen des Spitzenspiels morgen Abend. Der HSV ist bereits heute Nachmittag gen Westfalen geflogen. Und das zum ersten Mal mit dem gleichen Kader wie in der Vorwoche. Genauer gesagt: Sollte Jonathan Pitroipa wie erwartet morgen auflaufen können, hätte Armin Veh erstmals die Möglichkeit, die gleiche Startelf der Vorwoche aufzubieten. „Das wird uns als Mannschaft helfen“, sagt Zé Roberto, der sich durch mehr Gewöhnung innerhalb der Startelf mehr spielerische Automatismen erhofft. Und der stellvertretend für die Mannschaft sagt: „Das Spiel in Dortmund ist eine besondere Aufgabe für uns. Wir wollen den Tabellenführer stürzen.“

Na klar. Was auch sonst. Es hat noch niemand vor einem Spiel den Wunsch geäußert, die bevorstehende Partie verlieren zu wollen. Das denken jetzt vielleicht auch einige von Euch. Aber hinter Zé Robertos Worten steckt mehr als Plattitüde. Der Brasilianer, der vor verschiedenen Bundesligarekorden steht, versprüht genau den Optimismus, den ich in dieser Saison lange vermisst hatte. Die Mannschaft habe „hart trainiert“ sagt er. Fand ich nicht. Aber bevor ich etwas sagen konnte, erklärte Zé, dass er eigentlich nur meinte, die Mannschaft habe sehr konzentriert trainiert. „Alle sind total auf Dortmund fokussiert. Denn so ein Spiel in Dortmund macht einfach mehr Spaß als andere Spiele. Da wollen zwei Mannschaften spielen und kein Team stellt sich hinten rein. Dazu ein ausverkauftes Stadion mit 80000 Zuschauern – das ist Begeisterung. Auf dem Platz für uns -aber genauso auf den Rängen für die Zuschauer.“

Zé Roberto, der am Anfang seiner Zeit beim HSV über Klub-Sprecher Jörn Wolf mitteilen ließ, bitte nicht außer der Reihe von Journalisten angesprochen werden zu wollen, ist endgültig in Hamburg angekommen. Der Brasilianer ist gut gelaunt, er spricht von sich aus und -ds ist das Wichtigste -er versprüht Spielfreude, die seine Mitspieler anzustecken scheint. Selbst jetzt, wo er auf der eher ungeliebten Position links in der Viererabwehrkette spielen muss. „Es ist nicht meine Lieblingsposition, aber sie ist kein Problem für mich. Marcell Jansen fällt aus, Dennis Aogo ist schon länger verletzt – und ich kann helfen. Deshalb ärgere ich mich nicht. Im Gegenteil: Im Mittelfeld kennen mich alle Gegner, da wissen die, dass ich gern eins gegen eins gehe. Aber über links habe ich den Vorteil, mehr Raum zu haben.“

Und den nutzte er zuletzt, indem er als Vorlagengeber brillierte. 99 Assists weist die Bundesliga-Datenbank für Zé Roberto aus – in Dortmund soll die Jubiläumsvorlage folgen. Und noch mehr. „Ich bin bislang ganz zufrieden, was meine Vorarbeiten betrifft. Aber mir fehlt immer noch ein Tor. Aber ich glaube, das kommt. Jetzt!“

Da hätte von uns ganz sicher niemand was dagegen. Und wo wir gerade bei Statistiken sind, zwei bevorstehende Rekorde des HSV-Oldies: Vier Spiele fehlen Zé Roberto noch, um der Brasilianer mit den meisten Bundesligaspielen zu werden. In diesem Ranking führt übrigens ausgerechnet Dortmunds Dede mit 318 Spielen. Sollte er nicht nur Dede überholen, sondern zudem in dieser Saison noch 15 Spiele absolvieren, würde er sogar Sergej Barbarez als den Ausländer mit den meisten Bundesliga-Einsätzen insgesamt ablösen. „Toll“, lach Zé, „aber vielleicht beschäftie ichmit damit erst später. Vielleicht spiele ich ja noch vier,fünf Jahre…“

Auch dagegen hätte von uns sicher niemand etwas. Obgleich eine Zukunftsplanung nicht selten auf das Heranziehen deutlich jüngerer Spieler abzielt. Wie eben in Dortmund – auch aus finanzieller Not heraus – geschehen. Ob Zé Roberto vor der Saison BVB-Shootingstar und Neu-A-Nationalspieler Mario Götze kannte? „Nein“, gibt er zu, „aber er spielt eine überragende Saison, hat sich die Nominierung verdient.“ Wie Zé damit umgeht, dass seine Gegenspieler fast schon seine Kinder sein könnten? „Das ist unterschiedlich. Zum Einen ist es als Gegner unangenehm, denn die Jungen laufen immer ohne Ende. Wenn du dann nicht in Form bist, hast Du ein Problem. Allerdings, wenn du fit bist, haben die Jungen ein riesiges Problem. Und ich bin fit.“

Punkt. Anschließend folgten noch die zuletzt in meinen Augen etwas zu oft geäußerten Wünsche nach einer Serie von Siegen, und ein paar Komplimente für die offensive, attraktive Spielweise der Westfalen. Das alles änderte allerdings nichts an Zé Robertos klarer Vorhersage, dass der HSV in Dortmund punkten wird. Eine Einschätzung, der ich mich gern anschließe.

Ebenso muss ich dem Bundestrainer ein Kompliment machen. Er hat schon bei den Europa- und Weltmeisterschaften den momentan so gefeierten Jugendspiel geprägt. Und jetzt legte er nach, indem er für das Länderspiel am 17. November gegen Schweden auf neue, junge Spieler setzt. Anstelle der Routiniers Klose, Lahm und Özil stehen mit den Mainzern Lewis Holtby und André Schürrle, sowie den Dortmunder Talenten Mario Götze und Marcel Schmelzer gleich vier Spieler ohne Länderspielerfahrung im 22-köpfigen Kader. Zudem erhalten die Dortmunder Mats Hummels und Kevin Großkreutz eine weitere Bewährungschance im DFB-Team.

So komisch es vor dem Spiel gegen den BVB klingen mag, aber auf die Nationalmannschaft bezogen freut mich der erfolgreiche Weg der Dortmunder richtig. Zumindest das Zustandekommen. Schließlich rekrutieren sie mit ihrem Jugendstil die Müllers und Özils von morgen. Und das macht mir große Hoffnung, dass wir auch 2012 einen ähnlich begeisternden Fußball spielen können wie bei der WM in Südafrika.

Aber zurück zum HSV. Der wird in Dortmund, das machte das heutige Training deutlich, wieder im 4-3-3-System antreten. Mit Demel hinten rechts, mit Westermann im Abwehrzentrum und mit Kacar im Dreier-Mittelfeld. Womit ich bei meiner größten Sorge angekommen bin. Zwar wird es haarig für Guy gegen einen starken Götze – aber an einem guten Tag ist der Ivorer dazu definitiv in der Lage. Zudem hoffe ich, dass ihm der Reiz, gegen seinen Ex-Klub zu spielen, zusätzlich motiviert. Nein, vielmehr Sorgen bereitet mir das Mittelfeld. Im Speziellen: Gojko Kacar. Der Serbe trainiert nicht besonders gut, er wirkt auf mich noch immer nicht austrainiert, manchmal sogar etwas träge. Und jetzt kommen die quirligen Kagawa, Sahin und Bender. Wer stoppt die jungen Wilden? Jarolim ist lauf- und formstark. Ebenso wie Trochowski momentan. Allerdings haben beide Schwächen im Defensiv-Zweikampf. Diese Lücke sollte Kacar ausfüllen – allerdings bislang mit eher mäßigem Erfolg. Und hier wird morgen ganz sicher eines der wichtigsten Duelle entschieden.

Und lasst mich zum Schluss noch mit einem aus meiner Sicht ebenso leidigen wie unsinnigen Thema abschließen: Jürgen Klopp. Der Mann ist top. Er ist der momentan erfolgreichste Trainer der Bundesliga. Er stand auch beim HSV auf dem Zettel. Allerdings ist er nicht Trainer geworden. Warum aber jetzt alten Entscheidungen nachtrauern? Damals kam statt Klopp immerhin ein gewisser Martin Jol, der über jeden Zweifel erhaben sein dürfte und ein gutes Einstandsjahr mit der Qualifikation zur Europa League feierte.

Ja, vielleicht hätte das mit Klopp auch geklappt. Vielleicht wäre es sogar noch besser geworden. Aber genauso vielleicht hätte es mit Klopp nicht funktioniert. Weshalb also heute noch mal darüber streiten? Zumal mir die Entscheidunsfindung von damals von den beiden Streitparteien (damals lagen Beiersdorfer und Hoffmann schon im offenen Clinch) in zwei komplett voneinander abweichenden Formen erzählt wurde. Nicht, dass Ihr jetzt denkt, ich hätte keine Meinung dazu, nein, so ist das ganz sicher nicht! Diese Diskussion führt nur zu nichts mehr. Wichtiger ist doch die Realität. Und die hält für uns alle ein sehr, sehr spannendes Spiel parat. Ich jedenfalls freue mich, morgen mal wieder einen echten (Fußball-)Leckerbissen vorgesetzt zu bekommen. Und den lasse ich mir im Vorfeld von nichts versauen…

In diesem Sinne: Hinfahren, reinhauen, Punkte einsacken, wegfahren. Punkt.

Obwohl, so viel Zeit muss sein:

Nur der HSV!