“. . . wir wollen Herz und Leidenschaft”
3. April 2013
Immer wieder dieses 2:9. Noch immer. Aber auch immer wieder die Fragen: „Kommt Holger Badstuber zum HSV?“ Oder: „Kommt nun auch Claudio Pizarro zum HSV?“ Und meine Antworten sind immer gleich: „Natürlich.“ Auf die Frage, ob der Vertrag mit Trainer Thorsten Fink, der ja noch bis 2014 Vertrag hat, tatsächlich vorzeitig verlängert wird, sage ich selbstverständlich auch: „Natürlich.“ Und ich sage auch jedem: „Der HSV holt natürlich auch Bastian Reinhardt als Abwehrbollwerk zurück, und natürlich wird für das Mittelfeld noch gerade rechtzeitig vor dem Saisonende Sergej Barbarez reaktiviert, und neuer Flügelflitzer rechts wird natürlich Mehdi Mahdavikia, der im Iran gerade seine Karriere beenden will. Es ist wirklich alles im Fluss. Nur Messi und Ronaldo kommen noch nicht, weil deren Ausleihgebühren doch noch ein wenig zu hoch sind. Aber immerhin, ausgeschlossen ist auch da nichts, es wird verhandelt, da gibt es noch Hoffnung.“ Im Prinzip ist wirklich alles bestens, und während der Frühling hierzulande erst noch kommen wird, ist beim HSV das Feld bereits bestens bestellt. Die 51. Bundesliga-Spielzeit kann kommen, ab sofort kann diese Saison schon abgehakt und vergessen werden.
Aber, und das ist höchst bedauerlich, zu Ende ist ja noch nichts. Und jetzt kommt erst einmal der SC Freiburg. Der kleine SC Freiburg. Ein namenloser Außenseiter. Der steht im Moment zwar auf Rang sieben, also vor dem HSV, aber der HSV hat ja gelernt. Und bevor jetzt nach jeder Pleite ein Haufen Grillwürste angekarrt wird, wird dann doch lieber mal gewonnen. Besser ist besser.
Nein, nein, und nochmals nein. Mir steht es nach wie vor noch bis Unterkante Oberlippe. Nichts hat sich an meinem Zustand gebessert. Ich bin satt, wenn ich nur an Bratwürste denke . . . Und wenn ich beim HSV-Training bin, werde ich dieses 2:9-Gefühl, diese 2:9-Ohnmacht, diesen 2:9-Wahnsinn einfach nicht los.
Wann das wohl mal vorbei ist?
Heute haben Rot gegen Grün und Blau gegen Rot und Grün gegen Blau gespielt. Im Training. Und Grün hat das Turnier gewonnen. Was euch sicherlich nicht viel helfen wird, denn wer war Grün, wer war Rot und wer war Blau? Blau, ich höre es jetzt schon, waren sie am Sonnabend wohl alle . . . Was natürlich nicht stimmt. Aber heute spielten für „Blau“ Jungs wie Nafiu, Aogo, Rajkovic, Kacar, Rincon, Diekmeier und Lam. Für „Grün“ spielten van der Vaart, Arslan, Jansen, Jiracek, Westermann und Son; und bei Rot standen Beister, Rudnevs, Skjelbred, Norgaard, Sala, Badelj und Bruma unter Vertrag. Im letzten Spielchen ging es zwischen Blau und Grün um den Turniersieg, eigentlich wäre um 11.15 Uhr Trainingsende gewesen, aber da stand es noch 0:0. Das nächste Tor musste entscheiden, und das schoss van der Vaart (gegen Sven Neuhaus), indem er den Ball um 11.21 Uhr den Ball mächtig unter die Latte drosch. Jubel brach danach aber bei „Grün“ nicht aus. Einziger Gratulant des Torschützen war Heung Min Son, der seine Faust gegen die Faust von Rafael van der Vaart presste.
Woraus vielleicht schon zu entnehmen ist, dass die Stimmung immer noch nicht wieder bei 100 Prozent ist. Entgegen anders lautender Meldungen, wonach die Spieler schon wieder scherzen und lachen sollen, war davon heute (ich glaube, auch gestern) nichts zu sehen. Es herrscht im Volkspark nach wie vor eher eine angespannte, vielleicht auch irgendwie explosive Atmosphäre vor – der Lage und den Umständen angemessen.
Auch heute waren wieder viele Zaungäste und Kiebitze beim Training, viel mehr als gestern. Es scheint so, als wenn die „harten HSV-Fans“ schnell und schneller verzeihen könnten. Es hat nämlich auch heute keiner (laut) geflucht oder seinem Ärger per Meckerei oder Pöbelei Luft gemacht. Im Gegenteil, den Spielern wurden die besten Wünsche für das Freiburg-Spiel mit auf den Gang in die Kabine zugerufen, und es wurden wieder fleißig Autogramme gesammelt. Dafür scheint jetzt tatsächlich die beste Zeit gekommen zu sein – denn welcher HSV-Profi würde es jetzt schon wagen, sich zu verweigern?
Übrigens: Mindestens eine Unmutsäußerung gab es heute dann doch noch. Es hing ein Plakat am Zaun, genau dort, wo die Spieler trainierten. Es war also unübersehbar. Und darauf stand zu lesen: „Wir pfeifen auf Wurst und Bier, wir wollen Herz und Leidenschaft dafür.“
Passend zu diesem Thema gab es heute in der Agentur einen Beitrag:
. . . Auch die HSV-Fans erwarten im Heimspiel gegen Freiburg am Samstag (18.30 Uhr/Sky und Liga total!) eine Trotzreaktion ihrer Mannschaft. „Die Leute brauchen ein Zeichen und wollen von Anfang an sehen, dass sich die Mannschaft zerreißt“, sagte Supporters-Chef Christian Bieberstein der Morgenpost und drohte gleichzeitig mit Konsequenzen: „Wenn das nicht der Fall ist, könnte es ungemütlich werden.“ Nach nur vier Punkten aus den letzten fünf Spielen sind die Norddeutschen zurzeit Neunter, liegen jedoch nur einen Punkt hinter Platz sechs, der zur Teilnahme an der Europa League berechtigt. Auch die Champions League ist angesichts von vier Punkten Rückstand noch in Reichweite.
Zur Aufstellung für Sonnabend zeichnen sich immer mehr einige Umstellungen ab. Nach dem heutigen Training würde ich auf folgende HSV-Mannschaft tippen, die es im Volkspark gegen den SC Freiburg richten soll:
Adler; Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen; Rincon, Arslan; Skjelbred, Jiracek; van der Vaart; Rudnevs.
Also ohne Bruma, Aogo, Badelj und Son.
Könnte so sein, könnte so werden – muss aber nicht.
Zum Thema Heimspiel erreichte mich übrigens eine interessante Statistik, die ich niemandem vorenthalten möchte:
Hallo Herr Matz,
anbei mal etwas Statistik vom HSV (Heimspiele der letzten 10 Jahre). Die erschütternde Bilanz der letzten 50 Heimspiele (ab 04. April 2010): 18 Siege – 14 Remis – 18 Niederlagen; 57:58 Tore.
Nun wundert sich hoffentlich niemand mehr, warum zuletzt immer mehr Plätze im Stadion frei geblieben sind . . . Es sind eben nicht nur die jüngsten Enttäuschungen (Frankfurt, Fürth, Augsburg), sondern das zieht sich seit Jahren wie ein roter Faden durch . . .
Viele Grüße, Andreas K.
Bei der Gelegenheit, ich habe es schon so oft geschrieben: Bitte schickt mir keine Mails in oder auf die Gewinnspiel-Adresse. Die meisten, 90 Prozent, denke ich, verkümmern dort. Ich lese in dieser Gewinnspiel-Adresse so gut wie nie, sie ist Sache der Internet-Abteilung. Wenn ihr also Mails an mich habt, dann über das Hamburger Abendblatt (es wird weitergeleitet an mich) oder über Matz ab und die Moderatoren.
Bitte beherzigt das, sonst heißt es – was natürlich falsch wäre – dass ich keine an mich gerichtete Post bearbeite.
Dann zu unserem „Matz-ab“-Treffen, das bekanntlich am 19. April stattfinden soll. Dazu erreichten mich einige Mails, eine davon möchte ich euch zeigen:
Hallo Dieter,
ich würde als Matz-ab-Leser gern mal zu einem Treffen kommen und habe mir das für den 19. 04. vorgenommen.
Da der Ort nicht klar ist und du nach einem suchst, schlage ich ein Restaurant vor, das neben den „normalen“ Räumlichkeiten über drei unterschiedlich große Räume/Häuser für Feiern aller Art verfügt.
Gemeint ist . . .Mit freundlichen Grüßen, Detlef
Vielen Dank für diesen Vorschlag – und die vielen anderen, die mich ebenfalls erreichten. Da uns die Raute nur ein Pauschal-Angebot machen würde und wollte, haben wir haben uns anderweitig umgesehen – und inzwischen ein Lokal gefunden, in dem wir uns treffen wollen – und werden. Es ist das HSV-Restaurant „1887“ auf der HSV-Sportanlage Ochsenzoll (in der Ulzburger Straße in Norderstedt). Dort werden wir „Matz-abber“ uns am 19. April von 19 Uhr an treffen. Dazu möchte ich schon einmal ein besonderes Dankeschön an unsere „Eva/Hope“ senden, die wieder einmal als großartige Organisatorin aufgetreten und eingesprungen ist. Dankeschön! Wir treffen uns an diesem 19. April um 19 Uhr, und es wurde mit dem „1887“-Chef vereinbart, dass Speisen und Getränke, die an diesem Abend bestellt werden, gleich nach Erhalt bezahlt werden. Weil es, die „harten“ „Matz-abber“ wissen es, in der Vergangenheit immer mal wieder vorgekommen ist, dass einige Fans glatt vergessen hatte, zu bezahlen . . .
Für Auswärtige gibt es auf der von der HSV-Anlage gegenüberliegenden Seite zwei Hotels: Hotel Cafe Kampe und Hotel Maromme.
PS: Morgen, am Donnerstag, wird um 10 Uhr im Volkspark geübt.
18.03 Uhr
PSPS: Gerade kommt noch diese Meldung über den Ticker:
Ailton vor Weggang bei Hassia Bingen
Bingen (dpa/lrs) – Der frühere Bundesliga-Torschützenkönig Ailton wird den Sechstligisten Hassia Bingen womöglich schon nach einer Saison wieder verlassen. Nach einem Bericht der „Allgemeinen Zeitung“ in Mainz gab der abstiegsbedrohte Verbandsliga-Club am Mittwoch bekannt, dass er seine Option auf eine Weiterverpflichtung des 39 Jahre alten Brasilianers nicht ziehen werde. Die Begründung: Einer der drei Geldgeber habe sich noch nicht entschieden, ob er auch in der kommenden Saison in ein Engagement von Ailton investieren wolle.
Ein Verbleib des früheren Torjägers von Werder Bremen und Schalke 04 ist damit aber noch nicht vom Tisch. Zum einen sucht Hassia Bingen nun nach einem neuen Sponsor für seinen Star. Und zum anderen sagte Ailton selbst: „Mit der sportlichen Entwicklung bin ich nicht zufrieden – ich hätte lieber um den Aufstieg als gegen den Abstieg gespielt. Aber meine Familie fühlt sich sehr wohl und ich werde meine Entscheidung, ob ich bleibe oder gehe, mit meiner Frau besprechen.“
Wer es gemerkt hat: Vom HSV wurde in diesem Bericht gar nichts geschrieben. Ob sich da vielleicht doch noch eine kleine Sensation anbahnt?