Archiv für das Tag 'Rudnves'

“. . . wir wollen Herz und Leidenschaft”

3. April 2013

Immer wieder dieses 2:9. Noch immer. Aber auch immer wieder die Fragen: „Kommt Holger Badstuber zum HSV?“ Oder: „Kommt nun auch Claudio Pizarro zum HSV?“ Und meine Antworten sind immer gleich: „Natürlich.“ Auf die Frage, ob der Vertrag mit Trainer Thorsten Fink, der ja noch bis 2014 Vertrag hat, tatsächlich vorzeitig verlängert wird, sage ich selbstverständlich auch: „Natürlich.“ Und ich sage auch jedem: „Der HSV holt natürlich auch Bastian Reinhardt als Abwehrbollwerk zurück, und natürlich wird für das Mittelfeld noch gerade rechtzeitig vor dem Saisonende Sergej Barbarez reaktiviert, und neuer Flügelflitzer rechts wird natürlich Mehdi Mahdavikia, der im Iran gerade seine Karriere beenden will. Es ist wirklich alles im Fluss. Nur Messi und Ronaldo kommen noch nicht, weil deren Ausleihgebühren doch noch ein wenig zu hoch sind. Aber immerhin, ausgeschlossen ist auch da nichts, es wird verhandelt, da gibt es noch Hoffnung.“ Im Prinzip ist wirklich alles bestens, und während der Frühling hierzulande erst noch kommen wird, ist beim HSV das Feld bereits bestens bestellt. Die 51. Bundesliga-Spielzeit kann kommen, ab sofort kann diese Saison schon abgehakt und vergessen werden.

Aber, und das ist höchst bedauerlich, zu Ende ist ja noch nichts. Und jetzt kommt erst einmal der SC Freiburg. Der kleine SC Freiburg. Ein namenloser Außenseiter. Der steht im Moment zwar auf Rang sieben, also vor dem HSV, aber der HSV hat ja gelernt. Und bevor jetzt nach jeder Pleite ein Haufen Grillwürste angekarrt wird, wird dann doch lieber mal gewonnen. Besser ist besser.

Nein, nein, und nochmals nein. Mir steht es nach wie vor noch bis Unterkante Oberlippe. Nichts hat sich an meinem Zustand gebessert. Ich bin satt, wenn ich nur an Bratwürste denke . . . Und wenn ich beim HSV-Training bin, werde ich dieses 2:9-Gefühl, diese 2:9-Ohnmacht, diesen 2:9-Wahnsinn einfach nicht los.
Wann das wohl mal vorbei ist?

Heute haben Rot gegen Grün und Blau gegen Rot und Grün gegen Blau gespielt. Im Training. Und Grün hat das Turnier gewonnen. Was euch sicherlich nicht viel helfen wird, denn wer war Grün, wer war Rot und wer war Blau? Blau, ich höre es jetzt schon, waren sie am Sonnabend wohl alle . . . Was natürlich nicht stimmt. Aber heute spielten für „Blau“ Jungs wie Nafiu, Aogo, Rajkovic, Kacar, Rincon, Diekmeier und Lam. Für „Grün“ spielten van der Vaart, Arslan, Jansen, Jiracek, Westermann und Son; und bei Rot standen Beister, Rudnevs, Skjelbred, Norgaard, Sala, Badelj und Bruma unter Vertrag. Im letzten Spielchen ging es zwischen Blau und Grün um den Turniersieg, eigentlich wäre um 11.15 Uhr Trainingsende gewesen, aber da stand es noch 0:0. Das nächste Tor musste entscheiden, und das schoss van der Vaart (gegen Sven Neuhaus), indem er den Ball um 11.21 Uhr den Ball mächtig unter die Latte drosch. Jubel brach danach aber bei „Grün“ nicht aus. Einziger Gratulant des Torschützen war Heung Min Son, der seine Faust gegen die Faust von Rafael van der Vaart presste.

Woraus vielleicht schon zu entnehmen ist, dass die Stimmung immer noch nicht wieder bei 100 Prozent ist. Entgegen anders lautender Meldungen, wonach die Spieler schon wieder scherzen und lachen sollen, war davon heute (ich glaube, auch gestern) nichts zu sehen. Es herrscht im Volkspark nach wie vor eher eine angespannte, vielleicht auch irgendwie explosive Atmosphäre vor – der Lage und den Umständen angemessen.

Auch heute waren wieder viele Zaungäste und Kiebitze beim Training, viel mehr als gestern. Es scheint so, als wenn die „harten HSV-Fans“ schnell und schneller verzeihen könnten. Es hat nämlich auch heute keiner (laut) geflucht oder seinem Ärger per Meckerei oder Pöbelei Luft gemacht. Im Gegenteil, den Spielern wurden die besten Wünsche für das Freiburg-Spiel mit auf den Gang in die Kabine zugerufen, und es wurden wieder fleißig Autogramme gesammelt. Dafür scheint jetzt tatsächlich die beste Zeit gekommen zu sein – denn welcher HSV-Profi würde es jetzt schon wagen, sich zu verweigern?

Übrigens: Mindestens eine Unmutsäußerung gab es heute dann doch noch. Es hing ein Plakat am Zaun, genau dort, wo die Spieler trainierten. Es war also unübersehbar. Und darauf stand zu lesen: „Wir pfeifen auf Wurst und Bier, wir wollen Herz und Leidenschaft dafür.“

Passend zu diesem Thema gab es heute in der Agentur einen Beitrag:

. . . Auch die HSV-Fans erwarten im Heimspiel gegen Freiburg am Samstag (18.30 Uhr/Sky und Liga total!) eine Trotzreaktion ihrer Mannschaft. „Die Leute brauchen ein Zeichen und wollen von Anfang an sehen, dass sich die Mannschaft zerreißt“, sagte Supporters-Chef Christian Bieberstein der Morgenpost und drohte gleichzeitig mit Konsequenzen: „Wenn das nicht der Fall ist, könnte es ungemütlich werden.“ Nach nur vier Punkten aus den letzten fünf Spielen sind die Norddeutschen zurzeit Neunter, liegen jedoch nur einen Punkt hinter Platz sechs, der zur Teilnahme an der Europa League berechtigt. Auch die Champions League ist angesichts von vier Punkten Rückstand noch in Reichweite.

Zur Aufstellung für Sonnabend zeichnen sich immer mehr einige Umstellungen ab. Nach dem heutigen Training würde ich auf folgende HSV-Mannschaft tippen, die es im Volkspark gegen den SC Freiburg richten soll:

Adler; Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen; Rincon, Arslan; Skjelbred, Jiracek; van der Vaart; Rudnevs.
Also ohne Bruma, Aogo, Badelj und Son.
Könnte so sein, könnte so werden – muss aber nicht.

Zum Thema Heimspiel erreichte mich übrigens eine interessante Statistik, die ich niemandem vorenthalten möchte:

Hallo Herr Matz,

anbei mal etwas Statistik vom HSV (Heimspiele der letzten 10 Jahre). Die erschütternde Bilanz der letzten 50 Heimspiele (ab 04. April 2010): 18 Siege – 14 Remis – 18 Niederlagen; 57:58 Tore.

Nun wundert sich hoffentlich niemand mehr, warum zuletzt immer mehr Plätze im Stadion frei geblieben sind . . . Es sind eben nicht nur die jüngsten Enttäuschungen (Frankfurt, Fürth, Augsburg), sondern das zieht sich seit Jahren wie ein roter Faden durch . . .

Viele Grüße, Andreas K.

Bei der Gelegenheit, ich habe es schon so oft geschrieben: Bitte schickt mir keine Mails in oder auf die Gewinnspiel-Adresse. Die meisten, 90 Prozent, denke ich, verkümmern dort. Ich lese in dieser Gewinnspiel-Adresse so gut wie nie, sie ist Sache der Internet-Abteilung. Wenn ihr also Mails an mich habt, dann über das Hamburger Abendblatt (es wird weitergeleitet an mich) oder über Matz ab und die Moderatoren.
Bitte beherzigt das, sonst heißt es – was natürlich falsch wäre – dass ich keine an mich gerichtete Post bearbeite.

Dann zu unserem „Matz-ab“-Treffen, das bekanntlich am 19. April stattfinden soll. Dazu erreichten mich einige Mails, eine davon möchte ich euch zeigen:

Hallo Dieter,

ich würde als Matz-ab-Leser gern mal zu einem Treffen kommen und habe mir das für den 19. 04. vorgenommen.
Da der Ort nicht klar ist und du nach einem suchst, schlage ich ein Restaurant vor, das neben den „normalen“ Räumlichkeiten über drei unterschiedlich große Räume/Häuser für Feiern aller Art verfügt.
Gemeint ist . . .

Mit freundlichen Grüßen, Detlef

Vielen Dank für diesen Vorschlag – und die vielen anderen, die mich ebenfalls erreichten. Da uns die Raute nur ein Pauschal-Angebot machen würde und wollte, haben wir haben uns anderweitig umgesehen – und inzwischen ein Lokal gefunden, in dem wir uns treffen wollen – und werden. Es ist das HSV-Restaurant „1887“ auf der HSV-Sportanlage Ochsenzoll (in der Ulzburger Straße in Norderstedt). Dort werden wir „Matz-abber“ uns am 19. April von 19 Uhr an treffen. Dazu möchte ich schon einmal ein besonderes Dankeschön an unsere „Eva/Hope“ senden, die wieder einmal als großartige Organisatorin aufgetreten und eingesprungen ist. Dankeschön! Wir treffen uns an diesem 19. April um 19 Uhr, und es wurde mit dem „1887“-Chef vereinbart, dass Speisen und Getränke, die an diesem Abend bestellt werden, gleich nach Erhalt bezahlt werden. Weil es, die „harten“ „Matz-abber“ wissen es, in der Vergangenheit immer mal wieder vorgekommen ist, dass einige Fans glatt vergessen hatte, zu bezahlen . . .

Für Auswärtige gibt es auf der von der HSV-Anlage gegenüberliegenden Seite zwei Hotels: Hotel Cafe Kampe und Hotel Maromme.

PS: Morgen, am Donnerstag, wird um 10 Uhr im Volkspark geübt.

18.03 Uhr

PSPS: Gerade kommt noch diese Meldung über den Ticker:

Ailton vor Weggang bei Hassia Bingen

Bingen (dpa/lrs) – Der frühere Bundesliga-Torschützenkönig Ailton wird den Sechstligisten Hassia Bingen womöglich schon nach einer Saison wieder verlassen. Nach einem Bericht der „Allgemeinen Zeitung“ in Mainz gab der abstiegsbedrohte Verbandsliga-Club am Mittwoch bekannt, dass er seine Option auf eine Weiterverpflichtung des 39 Jahre alten Brasilianers nicht ziehen werde. Die Begründung: Einer der drei Geldgeber habe sich noch nicht entschieden, ob er auch in der kommenden Saison in ein Engagement von Ailton investieren wolle.
Ein Verbleib des früheren Torjägers von Werder Bremen und Schalke 04 ist damit aber noch nicht vom Tisch. Zum einen sucht Hassia Bingen nun nach einem neuen Sponsor für seinen Star. Und zum anderen sagte Ailton selbst: „Mit der sportlichen Entwicklung bin ich nicht zufrieden – ich hätte lieber um den Aufstieg als gegen den Abstieg gespielt. Aber meine Familie fühlt sich sehr wohl und ich werde meine Entscheidung, ob ich bleibe oder gehe, mit meiner Frau besprechen.“

Wer es gemerkt hat: Vom HSV wurde in diesem Bericht gar nichts geschrieben. Ob sich da vielleicht doch noch eine kleine Sensation anbahnt?

Kacar wechselt nicht nach Frankfurt

30. Januar 2013

Schönwetter-Fußballer sind die HSV-Profis gewiss nicht. Bei Wind und Dauerregen waren sie voller Spaß bei der Sache, und selbst nach dem offiziellen Trainingsende wurde freiwillig (!) weitergemacht. Jaroslav Drobny stellte sich zwischen die Pfosten, und dann schossen sie wie die Wilddiebe um sich. Dennis Aogo, Artjoms Rudnevs, Milan Badelj, Per Ciljan Skjelbred, Marcus Berg und, und, und. Wie gesagt, freiwillig. Das ist doch wirklich ein tolles Zeichen. Und das bei diesem (Un-)Wetter. Da müsste eigentlich jeder froh sein, wenn er endlich wieder in der warmen Kabine wäre – aber denkste! Sogar der Trainer zeigte Härte. Thorsten Fink hatte nichts auf dem Kopf, während der 75 Minuten, es muss bei ihm oben rein und unten wieder raus gelaufen sein, aber er hielt tapfer durch. Und sah danach wie ein begossener Pudel aus.
Gefehlt haben heute natürlich Paul Scharner, der sich Richtung England vom Acker gemacht hat – zu Wigan Athletic. Zudem fehlten Ivo Ilicevic (Bauchmuskelprobleme), Marcell Jansen (Erkältung) und natürlich immer noch Michael Mancienne, Jacopo Sala und Zhi Gin Lam.

Zudem trainierte Gojko Kacar in der Arena. Ob das eine spezielle Vorbereitung auf Sonnabend war? Der Serbe hätte nämlich eventuell am Sonnabend schon spielen – und zwar gegen den HSV. Kein Scherz! Eintracht Frankfurt, der kommende HSV-Gegner, war an einem Leihgeschäft interessiert. Und der HSV wäre bestimmt nicht abgeneigt gewesen, aber zurzeit ist es so, dass die Sache geplatzt ist. Das kam aus der Kacar-Ecke, das kam auch aus Frankfurt. Armin Veh hätte Kacar wohl gerne gehabt, aber insgesamt war der Deal wohl doch ein wenig zu teuer. Noch ist aber ja etwas Zeit, mal sehen, ob noch einmal wieder Fahrt in diese Geschichte (bis zum Schluss der Transferliste am morgigen Donnerstag) kommen wird – aber so wie es jetzt steht, ist dieser Transfer erledigt.

Zurück noch einmal zu den freiwilligen Schützen. Im Tor, wie geschrieben, Drobny. Kein Einzelfall. Das hat er zuletzt schon oft gemacht. Alles freiwillig. Und da klingen mir noch jene Sätze in den Ohren, die es im Sommer zu hören gab. Viele Experten und Fans vermuteten und prophezeiten damals, dass sich „Jaro“ Drobny nur noch einen Lenz in Hamburg machen würde. Dass er seinen Vertrag beim HSV lediglich aussitzen würde, im Training nur noch Dienst nach Vorschrift absolvieren würde. Aber nichts, auch nicht mal ein Hauch, davon ist erkennbar. Für mich ist der tschechische Nationaltorwart ein Phänomen. Er ist, obwohl er nur noch Ersatz hinter Rene Adler ist, stets mittendrin statt nur dabei. Jüngstes Beispiel vom vergangenen Sonntag: Nach dem Sieg gegen Werder lagen sich die HSV-Profis – natürlich – in den Armen. Und voll dabei: Jaroslav Drobny. Der 33-jährige Keeper, der auch im Training immer alles gibt, lachte, jubelte, feierte mit den Kollegen, als hätte er eben mit einigen Glanzparaden für den Dreier gesorgt. Nichts zu sehen oder zu spüren von Frust, kein beleidigtes Abschalten, keine Maulerei – Drobny leidet mit, freut sich mit, ist ein richtig guter HSVer. Vorbildlich.

„Wir haben mit ihm einen erstklassigen Mann als Vertreter von Rene Adler, das wissen wir, ich habe keinerlei Bedenken, wenn Jaroslav Drobny einmal ins Tor müsste“, sagt Thorsten Fink über seine Nummer zwei. Und Adler könnte in nächster Zukunft durchaus mal eine Pause einlegen müssen, denn er hat, wie auch Milan Badelj, Dennis Diekmeier und Marcell Jansen, bereits vier Gelbe Karten eingesammelt. „Jaroslav ist ein charakterstarker Junge, der sich voll mit dem Verein identifiziert, und solche Leute brauchen wir. Er ist ja auch ein sehr guter Torwart“, lobt Thorsten Fink. Drobny hat ganz sicher auch anerkannt, dass Adler nicht nur wieder auf dem Weg zurück ins deutsche Tor ist, sondern dass er auch schon etliche Punkte für den HSV gewonnen hat. Fink sieht es ähnlich, denn er sagt: „Das Beste für eine Hierarchie in der Mannschaft ist, wenn alle elf Spieler immer beste Leistungen bringen und Punkte gewinnen. Dann werden die anderen Spieler etwas ruhiger . . .“

Der HSV ist auf jeden Fall bestrebt, den Vertrag mit Drobny noch einmal zu verlängern – natürlich zu etwas reduzierten finanziellen Bedingungen. Sollte sich der Tscheche darauf einlassen, dann wäre er auch in den nächsten ein, zwei Jahren noch ein überragender Ersatzkeeper beim HSV. Die Gespräche über eine Verlängerung ruhen allerdings zurzeit, denn es gibt wichtigere und andere Baustellen.

Eine davon dürfte Heung Min Son heißen. Der Südkoreaner wird immer besser, und beinahe jeden Tag gibt es neue Interessenten, die sich um den 20-jährigen HSV-Stürmer bemühen (sollen). Jetzt fehlen eigentlich nur noch Real Madrid und der FC Barcelona. Aber auch da könnte er wohl spielen. Er hat einen riesigen Sprung nach vorne gemacht, einen in der Art, den ich ihm nicht zugetraut habe. Son ist nicht nur torgefährlicher geworden, sondern auch robuster. Er geht nun auch – nicht immer, aber immer öfter – mal richtig und giftig zur Sache. Thorsten Fink dazu: „Er setzt sich jetzt öfter durch. Wir machen Krafttraining mit ihm. Jeder Spieler wird von uns genau durchleuchtet, wo die Stärken und Schwächen sind, bei ihm haben wir festgestellt, dass er im Oberkörperbereich Schwächen hatte – und daran arbeiten wir, vor alle Nikola Vidovic mit ihm.“ Thorsten Fink resümierend: „Es ist ja aber auch normal, dass sich ein 19-jähriger Spieler weiterentwickelt, wenn man professionell mit ihm arbeitet. Und dann setzt er sich eben häufiger durch – ich habe auch das Gefühl, dass er sich da enorm verbessert hat.“ Son ist ein Juwel (geworden). Das weiß auch der Trainer, der ihn lobt: „Er schießt mit links und mit rechts – den darf man nicht zum Schuss kommen lassen. Wenn wir es erreicht haben, dass er schießen kann, dann ist der Ball auch meistens drin. Son ist saugefährlich!“

Wie mittlerweile auch Artjoms Rudnevs. Der Lette steht in der Bundesliga im Moment an achter Stelle der Torjägerliste – mit inzwischen schon acht Toren. Wenn „Rudi“ so weitermacht, dann endet er noch bei 15 Treffern – und mehr. Und das wäre denn schon ein Hammer, denn eine solche Zahl hat in diesem Jahrtausend bislang nur ein HSV-Spieler erreicht: Sergej Barbarez. Der Bosnier erzielte in der Saison 2000/01 sagenhafte 22 Tore. Diejenigen Offensivkünstler des HSV, die Barbarez sehr nahe kamen:

Ivica Olic schaffte 2007/08 14 Treffer, Bernardo Romeo 02/03 ebenfalls 14, und dann wird es immer schlechter. Mladen Petric erzielte 08/09 zwölf Tore, 10/11 noch einmal elf. Zweistellig wurden seit 13 Jahren nur noch Rafael van der Vaart (07/08 mit zwölf), Olic (08/09 mit zehn), Barbarez (05/06 mit zehn, 04/05 mit elf und 03/04 mit zehn) und Romeo noch einmal (03/04 mit elf). Eine – wie ich finde – höchst kümmerliche Bilanz. Die noch erschreckendere Formen annimmt, wenn man die „etwas anderen“ HSV-Torjäger begutachtet.

In der Saison 06/07 traf van der Vaart mit acht Treffern von allen HSV-Profis am besten, 01/02 war es Romeo mit acht, 09/10 Petric mit acht und 11/12 lag Petric mit sogar nur sieben (!) Toren intern vorn. Unfassbar!

Mehr hat nun schon Artjoms Rudnevs auf seinem Konto. Und der Trainer lobt ihn: „Er hat eine Super-Entwicklung genommen. Es zahlt sich nun aus, dass er emsig trainiert. Und die Mannschaft akzeptiert ihn jetzt mit allen Schwächen, die er noch hat. Weil er wichtige Tore schießt für uns. Und weil er enorm arbeitet für das Team.“ Das freiwillige Training nach dem Training galt vor einigen Wochen ja nur Rudnevs. Inzwischen haben sich viele angeschlossen. Fink: „Rudi hat früher ja nur und einfach auf das Tor geballert, ohne zu gucken. Jetzt ist er angehalten, den Ball mitzunehmen und sich beim Torschuss dann eine Ecke auszusuchen. Das klappt nun schon immer besser.“ Auch heute beim freiwilligen Wettschießen zu sehen. Er und es wird immer besser. Fink lobt seinen Letten: „Er ist ehrgeizig, er hat einen guten Charakter – ich kann ihn auch mal anschreien, ihm macht das nichts. Und dann macht er das, was ich ihm sage. Er nimmt sich das zu Herzen, was ich sage, und zwar positiv, er bricht nicht innerlich zusammen, wenn er mal kritisiert wird.“

Nur eines hat Thorsten Fink an seinem Torjäger Nummer eins noch auszusetzen: „Rudi ist kein Weichei. Er geht zur Sache, und er steckt ein. Wie oft wird er gefoult oder geschubst. Und da sage ich ihm immer wieder, dass er ruhig mal fallen darf. Das wünschte ich mir von ihm, denn sonst bekommen wir ja nie einen Freistoß in Tornähe – und wir haben ja gute Schützen. Daran muss Rudi noch arbeiten – aber er ist eben ein ganzer Mann, der sich wehrt, wenn er geschubst wird.“ Zu Boden gehen aber, das ist nichts für Rudnevs. Er sagt: „Ich spüre schon den Schmerz, wenn ich gefoult werde, aber ich bin nicht der Typ, der sich dann fallen lässt. So lange es geht, bleibe ich auf den Füßen, schauspielern liegt mir nicht.“

Themenwechsel:

Morgen (Donnerstag) kommt es in der Imtech Arena zwischen 13 und 14.30 Uhr zu einer sportlichen Begegnung der ganz besonderen Art: Rafael van der Vaart, Marcell Jansen, Dennis Aogo und René Adler treffen in der Mixed Zone auf die Darts-Superstars der Professional Darts Corporation (PDC) Raymond van Barneveld und Michael van Gerwen aus den Niederlanden und Adrian Lewis und den 16-fachen Weltmeister Phil Taylor aus Großbritannien. In vier gemischten Teams messen sich die Profisportler 45 Minuten lang im Pfeile werfen. Dabei werden sie von Caller Russ Bray „The Voice“ lautstark und von Darts-Experte Elmar Paulke von Sport1 moderativ begleitet. Präsentiert wird die Veranstaltung von Schweinske.

So, und damit endet der heutige Tag auch schon – fast.

Kurz noch zum „Matz-ab“-Baby von „Scholle“ (bei der Gelegenheit: vielen Dank für die vielen und netten Gratulationen, die von euch kamen!):

Lia-Sophie ist gestern, am 29. Januar 2013, um 9.09 Uhr auf die Welt gekommen. Sie hat Haare auf dem Kopf, dunkelblonde. Und sie ist 53 Zentimeter groß, wiegt dabei 3350 Gramm. Und sie hat zwei Hobbys: trinken und schlafen…;-)
Sagt „Scholle“.

Dann möchte ich euch noch kurz sagen, dass niemand glauben muss, dass ich Per Ciljan Skjelbred nun „wie Rudnevs fertigmachen will“. Ich sehe einen Spieler, sehe seine Leistung, und diese lobe oder kritisiere ich. Das mache ich schon seit über drei Jahrzehnten so. Und dafür werde ich beim Hamburger Abendblatt noch immer bezahlt. Leider gibt es ja stets einige nette Zeitgenossen, die das System nicht so ganz verstehen. Ich lese übrigens schon seit geraumer Zeit keinen einzigen Kommentar mehr, deswegen trifft mich diese Anpöbelei auch nicht im Entferntesten – ich erfahre eben nur hin und wieder durch Mundpropaganda beim Training, was im Blog unterhalb unserer Beiträge so los ist. Obwohl ich auch darauf getrost verzichten könnte, aber die Menschen meinen es eben immer nur gut mit mir . . .

An meine Kritiker sei nochmals gesagt: Ihr meint es sicherlich nur gut mit dem HSV, wollt Schaden, den ich dem Club zufüge, von ihm wenden. Das ist auch gut so. Das trifft absolut mein Verständnis. Wer aber lesen kann ist glatt im Vorteil. Solltet ihr Zeit finden, dann blättert im Matz-ab-Blog mal ein wenig zurück. Dann werdet ihr feststellen, wie sehr ich den Per Ciljan Skjelbred schon „fertig gemacht“ habe. Seit Wochen und Monaten. Siehe auch beim Nürnberg-Spiel – fällt mir gerade ein. Und wie habe ich ihn fertig gemacht!!! So fertig, dass Thorsten Fink gar nicht mehr umhin kam, ihn endlich einmal aufzustellen . . .

Zu diesem Thema (im Groben) habe ich in jüngster Zeit natürlich auch einige private Mails erhalten – und Gespräche (auch am Telefon) geführt. Heute bekam ich eine Mail, die ich nun gerne an euch weiterreichen möchte. Wer es mag, sollte sich diese Mail antun, wer sich daran stört (auch diese User gibt es ja), der sollte nun flugs aufhören zu lesen:

Hallo Dieter,
nach solch einem, zumindest vom Ergebnis, erfreulichen Wochenende wollte ich mir es nehmen lassen, Dich einmal persönlich anzuschreiben. Sieh es mir nach , dass ich dies auf die Firmenadresse tue und mich nicht im Forum äußere. Ich lese nicht jeden Tag, und schon gar nicht das Forum, aber was dort geschrieben wird geht ja wirklich teilweise auf keine Kuhhaut. Man, man, man… Wer Deine Art des Schreibens etc nicht mag , der braucht
doch Deinen Blog nicht zu lesen. Verstehe ich alles nicht.

Die Mannschaft macht, zumindest im Moment vom Ergebnis , wieder Spaß.
Die Stellschrauben wurden teilweise offenbar so gestellt, dass ergebnisorientiert gespielt wird.
Ein Rudnevs bestätigt die Aussagen von Arnesen und darüber bin ich happy.
Dass auch ein Skjelbred (bei mir heißt er nur Ballettänzer) auf einmal „Leistung“ bringt ist ebenso verwunderlich. Die Tatsache, dass Aogo nach vorne gezogen wurde, war ein sehr kluger Schachzug.

Nichts desto trotz sollte es über eines nicht hinwegtäuschen: Am Sonntag haben zwei (unter-)durchschnittliche Mannschaften gegeneinander gespielt. Ich bleibe bei meiner Aussage: Was passiert eigentlich, wenn wir einmal gut spielen? Wir haben 75 gute Minuten in Gladbach gehabt + ein Superspiel gegen Schalke gemacht. Der Großteil der anderen Spiele und damit verbundenen Punkte basierte auf Glück oder Zufall (hat man Sonntag auch gesehen: Sons Tor kam absolut aus dem Nichts!). Es gibt immer noch sehr, sehr viel zu tun. Mir ist allerdings nicht Bange. Im nächsten Jahr kommt „Özil 2“ und somit werden die Alternativen immer besser. Dass vdv und Badelj im Moment unter ihren Möglichkeiten sind , steht außer Frage.
Auch Sie werden wieder zur Form finden.

Ich als Entscheidungsträger würde mich allerdings von Son höchstbietend trennen. Verträge in Korea hin oder her. Son ist und bleibt mehr als limitiert im Spiel. Schlechtes Zweikampfverhalten etc. Natürlich sind seine Einzelleistungen teilweise Weltklasse. Aber auch Beister hat Potenzial. Um zum Abschluss zu kommen: Mir missfällt am meisten die linke + rechte Verteidigerposition. Ich mag Marcell Jansen wirklich gerne und rede ihn selber im Bekanntenkreis immer schön ,aber um ehrlich zu sein reicht das nicht !!!!Viel zu behäbig , er schwimmt mit dem Strom …Mir kommt es nach 15 Minuten schon immer so vor als wenn er nicht mehr kann! Hast Du gesehen wie er sich von Arnautovic hat abkochen lassen???
Diekmeier ist schneller als sein Schatten, aber mehr als eine 3- ist das auch nicht.

Ich behaupte: Wenn wir nachhaltig erfolgreich sein wollen , dann muss ganz dringend auf diesen beiden Positionen was getan werden.
So , Ende mit meinen Auslassungen.
Mittagspause gleich vorbei!
Hau rein und gutes Gelingen weiterhin!

Vielen Dank dem Schreiber (den ich kenne) dieser Zeilen, er ist glühender HSV-Fan und wohnt nicht in Hamburg. Zweierlei möchte ich aber noch aus meiner Sicher hinzufügen: Son sehe ich inzwischen mit anderen Augen – deshalb auch ganz anders. Und Glück und Zufall mögen hin und wieder im Spiel gewesen sein, auf jeden Fall aber auch ein Adler. Zum Glück fliegt der gute Rene bei uns zwischen den Pfosten hin und her . . .

PS: Morgen Training im Volkspark um 10 Uhr.

17.09 Uhr

Thorsten Fink: “Frankfurt ist zu schlagen”

29. Januar 2013

Beim FC Bayern begehrt der große Arjen Robben auf. Weil er nicht zum Einsatz kommt. Der Arme. Nun ist er einmal nicht verletzt, was schon sehr selten ist, und dann wird er nicht auf den Rasen gelassen. Ganz bitter für einen solchen Weltstar, den ich in den Kreis von Sophia Loren, Marlene Dietrich oder Hildegard Knef stelle – eine Diva eben. Schlecht für einen Verein, wenn man einen solchen (verletzungsanfälligen) Profi, der so egoistisch ist, unter Vertrag hat. Der HSV hat so einen, also einen von dieser Sorte wohl nicht – oder? Wer Böses denkt, der könnte dem Paul Scharner nun ja Ähnliches unterstellen, aber ich glaube ja, dass der HSV-Österreicher noch ein sehr gemäßigter Profi ist. Er will spielen. Das wollen alle. Er sieht, dass er kaum eine Chance hat zu spielen. Da sehen nicht alle so, beziehungsweise, sie sind nicht so einsichtig. Scharner will sich gerne bis zum Sommer nach England ausleihen lassen – und dann wieder nach Hamburg zurückkehren, um dem HSV zu zeigen, dass es doch kein Fehler war, ihn verpflichtet zu haben. Bis Donnerstag muss dieses Leighgeschäft über die Bühne gegangen sein, denn dann schließt das Transferfenster. Bereits heute aber steht so gut wie fest, dass Scharner wechselt. Als Leihspieler zu Wigan Athletic – nicht nach Sunderland. Morgen soll die Sache unter Dach und Fach sein.

Um noch einmal auf maulende Ersatzspieler (a la Robben) zu kommen: Tolgay Arslan war Stammspieler, saß gegen Bremen zuletzt erstmalig wieder auf der Bank – und es gab kein Knurren und Murren von ihm. Arslan machte keinen großen Ärger, sondern sah seine Chance gekommen, als er in der 62. Minute für jenen Spieler eingewechselt wurde, der ihm den Stammplatz „gestohlen“ hatte: Per Ciljan Skjelbred. Und in der verbleibenden Spielzeit gab Arslan die richtige Antwort auf seine Bankdrückerei: er gab Vollgas. In 30 Minuten machte er mehr gute Sachen, als zuvor Skjelbred in einer Stunde. Und nun könnte es durchaus wieder so sein, dass Tolgay Arslan – im Hinblick auf das Frankfurt-Spiel am Sonnabend im Volkspark – die besseren Karten hat. Trainer Thorsten Fink ließ es durchblicken, denn er spielt mit dem Gedanken, ihn wieder in die Anfangsformation zu stellen. Nur für wen, das ist noch die Frage? Für Skjelbred? Oder doch eher für den „Sechser“ Milan Badelj, der zurzeit alles andere als Bestform hat.

Thorsten Fink sprach heute noch einmal rückblickend über das Nordderby vom Sonntag. Und er befand: „Es hat bei uns sicher nicht jeder Spieler seine Topleistung abgerufen, aber ich finde, dass wir über Teamwork, Teamgeist und über den Willen dieses Spiel umgebogen haben. Das war für mich sicherlich erfreulich. Und es scheint so, obwohl ich da aufpassen muss, was ich sage, aber es scheint so, dass die Mannschaft aus früheren Fehlern gelernt hat. Diese Mannschaft will unbedingt weiterkommen, als das, was jetzt die ganze Zeit war – und von daher bin ich zufrieden. Jetzt gilt es, dass Selbstvertrauen mit ins nächste Spiel zu nehmen, die Kleinigkeiten, die es zu verbessern gilt, abzustellen.“ Fink sagte dann noch weiter: „Ich gehe nicht so weit, dass ich fordere: die Mannschaft muss das machen, sie muss das wollen . . . Ich gehe davon aus, dass die Mannschaft jetzt selbst will. Ich gehe davon aus, dass diese Mannschaft am Sonnabend gegen Frankfurt den nächsten Step machen. Und weiter Selbstvertrauen tanken.“

Dann sagte Thorsten Fink noch etwas nicht ganz Unwichtiges: „Wir wollen rausgehen, Spaß haben am Fußball, mutig spielen, den Zuschauern zeigen, dass hier schöner Fußball gespielt wird. Und das haben wir ja in letzter Zeit. Die Fans sehen viele Tore, wie gegen Dortmund und jetzt gegen Bremen, und wir gewinnen die Heimspiele. Wir sind eine Heim-Mannschaft geworden im Moment, und das ist für einen Trainer schon erfreulich. Es ist schon besser, wenn man die Heimspiele gewinnt, anstatt nur in der Fremde zu siegen. Das tut dem ganzen Verein gut. Noch besser ist es allerdings, das ist klar, wenn beides gewonnen wird – auswärts und daheim. Aber da gibt es noch eine Entwicklungsstufe, die wir noch nehmen müssen.“

Ja, und dann sprach der HSV-Trainer in seiner ganzen Bescheidenheit und ehrfürchtig noch von den Clubs ganz oben: „Wir können uns nicht immer wieder mit den ersten vier Vereinen der Liga vergleichen . . .“ Oha! Am Sonnabend kommt der Tabellenvierte nach Hamburg. Ist Frankfurt etwa doch noch eine Nummer zu groß für den HSV? Fink: „Die Eintracht spielt ganz sicher eine gute Saison, sogar eine sehr gute Saison, und Armin Veh leistet dort auch sehr gute Arbeit, trotz allem ist die Saison ja noch nicht vorbei, wir wollen mal sehen wie es weitergeht. Mir scheint es, als könne Frankfurt nicht so konstant gut bis zum Ende spielen, wie es im Moment vielleicht den Anschein hat. Frankfurt ist zu schlagen, denn wir haben schon im Hinspiel mit einem Mann weniger einen Punkt verdient gehabt. Deswegen denke ich, dass wir aufgrund unserer Heimstärke auch in der Lage sind, Frankfurt zu besiegen. Auch wenn sie im Moment noch eine Stufe höher sind als wir. Dennoch, Frankfurt ist nicht Bayern und nicht Dortmund, Frankfurt ist zu schlagen.“

Das klingt doch gut. Vor allem sehr selbstbewusst. Von Europa aber will der HSV auch heute noch nicht sprechen: „Wir wollen keine großen Sprüche machen, wir wollen auf dem Platz Taten für uns sprechen lassen. Mit einem tollen Spiel. Wie gegen Werder, da sind doch unsere Fans alle zufrieden nach Hause gegangen. Ich jedenfalls habe viel Anrufe erhalten, in denen sich die Leute für das tolle Spiel bedankt haben. Und irgendwie müssen wir ja gegen Bremen auch etwas Gutes gemacht haben, obwohl wir natürlich ein paar Abspielfehler drin hatten, dass wir gewisse Dinge noch besser machen können – wir sind auf einem guten Weg und ich habe das Gefühl, dass die Mannschaft gegen Frankfurt Vollgas geben wird.“

Und Europa? Die Frage geistert doch im HSV-Anhang schon wieder täglich durch die Tiefe des Raumes. Was sagt Thorsten Fink? „Es wäre Quatsch, wenn ich sagen würde, dass mich Platz fünf, sechs oder so nicht interessieren würde. Natürlich interessiert mich das. Aber im Moment gibt es vier Mannschaften, die vorne stehen, die einfach gut sind. Oder drei davon sind absolut top. Und dann folgt ein Feld, in dem Mannschaften stehen, die viel erreichen können. Man darf ja nicht vergessen, es sind ja noch einige Clubs wie Schalke noch vor uns. Obwohl ich durchaus sehe, dass da zurzeit einige schwächeln. Deswegen wollen wir ja auch nichts ausschließen, trotz allem wollen wir uns weiter an jenen Zielen orientieren, die wir einst ausgegeben haben – wir denken von Spiel zu Spiel.“ Dann ergänzte Thorsten Fink ein wenig leiser: „Es bringt doch nichts, jetzt schon wieder von Europa zu reden – nur weil wir unser erstes Heimspiel des Jahres gewonnen haben. Nein, es bringt doch nichts. Das ist doch noch alles viel zu früh. Ich weiß zwar, dass wir gewisse Spieler haben, die Qualität haben, trotzdem weiß ich, dass eine Mannschaft wachsen muss. Und diese Mannschaft spielt erst seit dem vierten Spieltag zusammen, und es gibt immer wieder mal Rückschläge, die die Mannschaft gemeinsam verarbeiten muss, um dadurch zusammenzuwachsen. Am Wochenende meine ich das gesehen zu haben.“

Da ist die Mannschaft zusammengewachsen. Ein Stückchen auf jeden Fall. Und sie hat einen harten Rivalen besiegt, der dieses Derby auch auf jeden Fall gewinnen wollte. Der HSV hat gesiegt, obwohl Stützen wie Heiko Westermann, Milan Badelj und Rafael van der Vaart weit von Bestform entfernt waren. Wie mag es erst werden, wenn diese Spieler alle bei 100 Prozent sind? „Genau deswegen habe ich vor dem Sonnabend-Spiel auch keine Angst, denn ich glaube, dass diese drei Spieler gegen Frankfurt wieder ihre besten Leistungen abrufen werden. Wie alle anderen Spieler auch. Wir lassen jetzt nicht nach, wir sind jetzt nicht zufrieden und lehnen uns zurück – das ist nicht mehr in unserer Mannschaft. Wir haben Spieler wie Adler und Co in unseren Reihen, die sagen: ‚Jetzt wollen wir auch dieses Spiel gewinnen, ganz klar.’ Ich glaube, dass wir alle wieder ein tolles Spiel sehen werden. Obwohl das Wichtigste ist, dass wir die drei Punkte behalten, es muss dann nicht unbedingt ein schönes Spiel gewesen sein. Drei Punkte sind wichtig. Es wäre mir wurscht, wenn wir nicht so gut gespielt hätten . . .“

Der HSV-Coach sprach an diesem Dienstag noch von sich aus einen „Härtefall“ in den eigenen Reihen an: Maximilian Beister. Fink: „Er müsste eigentlich spielen, weil er in guter Form ist. Es tut mir fast Leid für ihn, denn er hat eine riesige Entwicklung hinter sich. Weil er ein paar Tage in der Vorbereitung verletzt war, haben Heung Min Son und Artjoms Rudnevs die Situation für sich nutzen können, haben gut gespielt, haben Tore geschossen. Deswegen haben sie zuletzt gespielt – obwohl auch Maximilian Beister mit ihnen auf einer Stufe stand. Wobei auch Marcus Berg gut gespielt und trainiert hat, und ja auch viele Tore geschossen hat.“ Aber zwei können eben nur spielen. Und wenn es dann gilt, einen knappen Vorsprung über die Zeit zu bringen, dann werden eben vorzugsweise Abwehrspieler eingewechselt – und keine Offensivkräfte. Viel Pech für Beister. Und für Berg. Da kann man nur hoffen, dass sie sich nicht so wie Robben entwickeln. Fazit von Fink: „Son trifft, Rudi trifft – da kann ich doch nicht einfach mal wechseln . . .“ Natürlich nicht.

Und demnächst kommt vielleicht noch ein Stürmer hinzu. Heute trainierte (zur Probe) ein italienischer Jugendnationalspieler mit: Mattia Maggio, 18 Jahre jung, 1,84 Meter groß, zuletzt bei Novara Primavera unter Vertrag. Der junge Mann kommt auf Empfehlung des früheren Nationalspielers Maurizio Gaudino, soll aber zunächst erst bei Rodolfo Cardoso und der Regionalliga-Mannschaft spielen. Thorsten Fink sollte Maggio in der Hinsicht unter die Lupe nehmen, ob das Talent reicht, um später (oder früher?) den Sprung die Bundesliga schaffen zu können. Fink nach der Einheit: “Der junge Mann ist gut ausgebildet, sehr athletisch und schnell. Das ist das, was ich nach einem Training sagen kann.” Maggio blieb relativ unauffällig in dieser langen Einheit, aber vielleicht zeigt er sich dann ja in Liga vier von seiner besten Seite . . . Und einen Vorteil hat er auf jeden Fall schon einmal: Er ist drei Zentimeter größer als jener Spieler, der von Hannover 96 als 1,90 Meter großer Profi eingekauft worden war. Per Video.

PS: Morgen wird im Volkspark tatsächlich (nicht so wie heute – meine Falschmeldung, sorry!) um 10 Uhr geübt. Mittwoch also um 10 Uhr.

PSPS: Für alle, die es noch nicht wissen: “Scholle” ist heute Papa eines Töchterchens geworden, sie heißt Lia Sophie. Wer an diesem schönen Abend also noch einen kleinen Schluck trinken möchte, der kann das auch gerne auf Papa “Scholle”, Mama Sandra und Lia Sophie machen. Prost!

18.17 Uhr

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