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0:2 gegen Lazio – da passte nicht viel

8. August 2014

Die Meinungen gingen nach dem Spiel auseinander. Der HSV war nicht so schlecht – oder: der HSV war so, wie der HSV zuletzt immer war. Also schlecht. Bis grottig. Für mich war er schlecht, und als ich das schreibe, geht ein HSV-Fan mit seinem Kind an mir vorbei und sagt: „Das war ernüchternd!“ Stimmt. Und es trifft genau. Mit 0:2 verlor der HSV den Test gegen Lazio Rom, und er blieb dabei vieles schuldig. Von einem Aufwärtstrend war nicht so wirklich viel zu erkennen. Vor über 11 000 Zuschauern auf der Lohmühle waren die Italiener die deutlich bessere Mannschaft und kamen völlig verdient zu diesem Erfolg. Beim HSV gab es – bis auf wenige Ausnahmen – kaum einmal Torgefahr, ohne Pierer-Michel Lasogga läuft da nicht viel. Leider, leider. Aber wer weiß, wofür diese HSV-Niederlage gut war – jetzt wissen alle, dass noch viel Arbeit wartet, um tatsächliche eine Trendwende in Sachen Leistung und Fußball schaffen zu können. Wer jetzt nicht aufwacht, hat den Job verfehlt!

Etwas enttäuschend für fast jeden Zuschauer: Miroslav Klose war weder zu sehen noch zu hören – dabei waren doch viele Fans extra wegen des Weltmeisters gekommen. Aber es stand wohl nicht in dem Vertrag, dass er seine Fans doch noch einmal schnell begrüßt – schade, schade . . .

Der HSV wurde in Lübeck richtig herzlich, fast euphorisch empfangen. An der Trave sind die Fußball-Fans hungrig auf den großen Fußball, diese Partie war endlich einmal wieder ein Leckerbissen. Schon beim Einlaufen der Mannschaften gab es donnernden Applaus von den stehenden Zuschauern, und während des Spiels wurden gute Szenen auf offener Szene beklatscht. Besonders die Aktionen von Rafael van der Vaart hatten es den Fans angetan. Zu Beginn jedenfalls. Schnell war dann klar, wer die bessere Mannschaft ist: Lazio. Die Italiener waren sofort im Bilde, waren enorm bissig, sie waren offenbar nicht gekommen, um ein Freundschaftsspiel zu absolvieren – das war ein internationaler Vergleich, und sie diktierten das Geschehen. Erst nach 20 Minuten fand der HSV (etwas) besser ins Spiel. Artjoms Rudnevs hatte nach Pass von Ivo Ilicevic das erste Hamburger Tor auf dem Fuß, kam aber um wenige Zentimeter zu spät, die Kugel rutschte an seinem Fuß vorbei (18.).

Zu diesem Zeitpunkt führten die Römer, die ohne Miroslav Klose angetreten waren (der Weltmeister trainierte vor dem Spiel gemeinsam mit vier Kollegen auf dem Nebenplatz in Lübeck!), bereits 1:0. Gojko Kacar, der sich kurz zuvor schon einen schlimmen Fehlpass vor dem eigenen Strafraum erlaubt hatte, schlug in der fünften Minute nach einer hohen Eingabe der Italiener am Ball vorbei, Djordjevic schoss ohne Mühe aus fünf Metern ein, Rene Adler war chancenlos.

Mitte der ersten Halbzeit entwickelte sich ein ausgeglichenes Spiel, allerdings blieb der HSV in der Offensive harmlos. Lazio, in der vergangenen Saison auf Platz neun eingelaufen, traf einmal noch den Pfosten, Adler stand dabei in der ganz anderen Ecke und blieb nur Zuschauer, der HSV hatte zwei Szenen vor dem Tor der Römer. In der 31. Minute schoss Ivo Ilicevic aus 20 Metern zwei Meter über das Gehäuse der Italiener, und in der 42. Minute köpfte Artjoms Rudnevs nach einer Rechtsflanke (!) von Marcell Jansen den Ball als Bogenlampe auf das Lazio-Gehäuse, die Kugel verfehlte dann aber doch klar das Ziel, es gab Abstoß. Ansonsten spielte Lazio das Ding hier clever und ohne große Anstrengungen, so sah das jedenfalls aus, bis zur Pause (es gab viel Beifall beim Halbzeitpfiff) herunter. Indem ich das schreibe muss ich gestehen, dass ich mir nur schlecht vorstellen kann, dass dieser HSV auch nur ein Tor schießt. Aber mal abwarten. Man hat ja auch oft schon die Pferde vor der Apotheke . . .

Der HSV hatte diese Partie in folgender Aufstellung begonnen: Adler; Diekmeier, Djourou, Kacar, Jansen; Behrami, Arslan; Ilicevic, van der Vaart, Stieber; Rudnevs. Mit Valon Behrami und Zoltan Stieber waren zwei „Neulinge“ dabei, dazu ja auch Gojko Kacar und Artjoms Rudnevs – halbe „Neulinge“. Behmrami (der sich vor dem Anstoß ganz herzlich mit Lazio-Profi Keita umarmte), ja aus Italien zum HSV gekommen (Neapel), machte auf mich einen sehr engagierten Eindruck, allerdings leistete er sich einige Flüchtigkeitsfehler, er war im Abspiel nicht immer treffsicher. Aber er war dennoch einer der besseren oder sogar der Beste beim HSV, legte auch in Halbzeit zwei noch bis zu seiner Auswechslung (71. Min.) zu – er war schnell und ging auch aggressiv zur Sache; wie von seinem Nationalcoach Ottmar Hitzfeld („Valon ist einer wie Mark van Bommel“) schon angekündigt. Der Schweizer Nationalspieler wurde nach dem Schlusspfiff auch zum besten Spieler der Partie gewählt (oder auch nur gekürt) – verdient. Sicherlich aber muss er sich, Behrami, noch an seine neue Umgebung gewöhnen. Das gilt wohl auch für Zoltan Stieber. Er macht auf mich stets (auch im Training) einen quirligen Eindruck, diesmal allerdings blieb er ohne Durchsetzungsvermögen. Weil die Unterstützung fehlte? Oft schien es so, als sei er rechts allein auf sich gestellt, Dennis Diekmeier, zuletzt auch offensiv stark, blieb ohne Szene nach vorne. In Halbzeit eins.

Der zweite Durchgang sah eine etwas veränderte HSV-Mannschaft: Adler; Westermann, Djourou, Kacar, Jiracek; Badelj, Behrami (71. Min. Skjelbred); Stieber (62. Min. Zoua), van der Vaart (62. Demirbay), Ilicevic; Rudnevs.

Auffällig bei dieser Formation: Heiko Westermann scheint nun tatsächlich auf dem Weg zu einem Abstellgleis. Was ich persönlich sehr bedauere, allerdings weiß ich sehr wohl, dass sich Trainer Mirko Slomka mit dieser Entscheidung sehr, sehr viele neue Freunde machen wird. Aber mal abwarten. Es ist für mich, das muss ich zum jetzigen Zeitpunkt sagen, ist nur eine Momentaufnahme. Ich bin mir ganz sicher, dass, wenn Westermann nicht vorher aufgibt, er schon sehr, sehr bald seinen Stammplatz wieder einnehmen wird. Das ist für mich überhaupt keine Frage.

Das Spiel änderte sich trotz der neuen Leute nicht. Lazio blieb Chef im Ring, wirkte einfach routinierter, abgeklärter, aber auch schneller, gedanklich immer eine Schritt voraus. Der HSV fiel zu oft ein sein Phlegma, das er vor allen in der vergangenen Saison zu oft an den Tag gelegt hatte. Das war auch in vielen Fällen zu brav, einfach zu bieder und ohne große Ideen. Bei aller Liebe, und bei aller Hoffnung darauf, dass es schon bald bergauf gehen könnte (und ja auch soll) – da muss noch hart gerabietet werden. Ganz hart. Und jeder Tag zählt dabei. Sonst könnte es schon am 18. August eine unliebsame und damit auch recht böse Überraschung geben, beim Pokalspiel in Cottbus. Nach dieser Vorstellung von heute mache ich mir doch einige (um nicht zu sagen, ganz große) Gedanken, wie der HSV dort bestehen will.

Immerhin gab es in Lübeck im zweiten Durchgang eine Großchance. Rudnevs legte den Ball am Lazio-Strafraum in den Lauf von Ilicevic, der lief noch einige Schritte und ließ dann einen Hammer los. Aber was für einen! Den Ball suchen sie morgen noch. Das ist ganz einfach zu wenig. In einem so engen Spiel (vom Spielstand her – 1:0), muss eine solche gute Möglichkeit genutzt werden, auf jeden Fall aber muss dieser Ball auf das Tor, und nicht in die Wolken. Das weiß Ilicevic zwar auch, aber das ist dann auch zu wenig – es nur zu wissen. Und, um den Bock noch fett zu machen, nach erneutem Querpass von Rudnevs (und Vorarbeit von Kerem Demirbay) stand Ilicevic noch einmal frei vor dem Lazio-Gehäuse, diesmal schoss er aber aus elf Metern am langen Eck vorbei (79.).

Die Quittung kam prompt, statt des Ausgleichs fiel das 0:2. Mamadou brauchte den Ball nur noch ins leere Tor zu befördern, als Rene Adler zuvor noch gut abgewehrt hatte (81.). Dieses 2:0 machte auch den Unterschied zwischen beiden Mannschaften deutlich, trotz der beiden Ilicevic-Möglichkeiten.

Gut beim HSV: Rafael van der Vaart setzte seinen Aufwärtstrend fort, allerdings fehlt ihm oft die nötige Unterstützung. Nicht dass seine Kollegen nicht wollen, aber oft scheinen sie gedanklich noch einen Schritt zu spät zu sein. Gut ferner Behrami und Johan Djourou sowie Adler. Von den eingewechselten Spielern gefiel mir Petr Jiracek. Aber grundsätzlich gilt: Ale müssen noch mächtig zulegen, aber ganz, ganz kräftig.

Ein Wort noch zu Schiedsrichter Patrick Ittrich. Es ist immer undankbar, wenn ein deutscher Unparteiischer ein solches internationales Spiel pfeifen muss, und hier potenziertes sich das noch, denn Ittrich kommt aus Hamburg. Er pfiff das Ding dennoch gut, auch wenn einige HSV-Spieler (van der Vaart zum Beispiel) nicht immer einverstanden waren mit den Entscheidungen des 23. Mannes. Er machte seine Sache dennoch gut, Kompliment.

Kleine Randnotiz am Rande: Sieh an, sieh an. Klaus-Dieter Fischer, Werder-Ur-Gestein, ist auf der Suche nach Geldgebern. Er, der den HSV wg. der Kühne-Millionen öffentlich kritisiert hat („Wer vernünftig wirtschaftet, der braucht keine Kühne-Millionen“). Da erübrigt sich jeder Kommentar. Fassungslos macht es mich trotz allem, das muss ich gestehen. Und irgendwie, ich muss es doch schreiben, hat Werder auch nicht so arg richtig und gut gewirtschaftet. Das allerdings weiß Fußball-Deutschland ja schon seit einigen Jahren. Deshalb: Wer im Glashaus sitzt . . .

Und dann hat mir ein HSV-Fan eben noch etwas Witziges erzählt: „Bert van Marwijk liebäugelt mit dem Amt des Nationaltrainers in Südkorea. Er würde das unter einer Bedingung machen. Wenn er erst am
Spieltag anreisen kann . . .“

PS: Morgen, am Sonnabend, wird um 10 Uhr im Volkspark geübt, am Sonntag ist dann ein Frei-Tag.

20.50 Uhr

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