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Slomkas 100. Bundesligasieg muss her…

11. April 2014

Das hatte schon eine gewisse Situations-Komik. Der HSV trainierte vor dem so wichtigen Spiel bei und gegen Hannover 96 unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Fast jedenfalls. Denn im Osten der Anlage im Volkspark gibt es eine klitzekleine Lücke. Durch die hätte Mann sehen können, wenn die nicht von einem Ordner besetzt worden wäre. Ein Power-Ordner, der auch das Volumen hatte, diese Lücke vollständig zu verdecken. Ein Typ wie es einst Rudi Carrell gewesen ist, also lang und dünne, der hätte diese Lücke nicht ausfüllen können. Und so stand der etwas rundliche Herr (rundlicher als ich – auf jeden Fall!) dort eine Stunde und verdeckte die Lücke. Das erinnerte mich an David gegen Goliath, da hatte der Koloss ja auch eine Schwachstelle – aber die hatte der HSV eben selbst erkannt und entschlossen gehandelt.


Wenn keiner zusehen soll, dann ist es auch keiner. Der Ordner selbst verkniff sich das Zusehen dann auch – meistens jedenfalls, ab und an luscherte er schon, aber er wollte wohl nur wissen, ob das Training noch läuft – wg. Feierabend. Und dieser kam dann schon und doch nach 45 Minuten: Nach der Aufwärmphase gab es noch ein kleines Spielchen – und Ende. Es spielte dabei nicht die für 96 gedachte Mannschaft gegen die B-Elf, sondern zwei bunt durcheinander gewürfelte Mannschaften. Erkenntnisse, wer morgen spielt, gab es deshalb nicht.


Um ehrlich zu sein, riss mich dieses Spielchen auch nicht von den Socken. Eher war das Gegenteil der Fall. Da lief herzlich wenig zusammen. Ich telefonierte gerade mit einem Kollegen aus Hannover, als ich mich nach dem x-ten Fehlpass dazu hinreißen ließ zu sagen: „Wenn der HSV morgen so spielen sollte, dann . . .“ Gute Nacht. In Hannover. Nein, besonders rund lief es nicht. Das gipfelte in einem Elfmeter, den Ivo Ilicevic schießen durfte (er war im Nicht-van-der-Vaart-Team). Im Tor stand Jaroslav Drobny, und der sah den Ball gar nicht. Die Kugel stieg nicht nur über das Tor, sondern auch noch über den Zaun. Es gibt Gerüchte, nach denen die Ballholer die Pille immer noch suchen . . . Etwas zielsicherer war zuvor Rafael van der Vaart, der für das erste Tor in diesem Kick zuständig war – der Niederländer drosch die Kugel in den rechten oberen Winkel – Bing-Bong, Avon läutet schon bald auch bei Ihnen. Ansonsten aber, das muss ich auch erwähnen, war auch vom kleinen Engel nicht so viel zu sehen, eher war auch hier das Gegenteil der Fall. Aber, so mein Trost, vielleicht haben sich die Helden heute ja auch nur für morgen geschont.

Aber, auch das ist nun mal Tatsache, bei Hannover 96 läuft es ja auch nicht so, wie erwünscht. Lange nicht. Zum ersten Mal seit Jahren gab es vier Pleiten in Folge. Und deshalb ist die Luft an der Leine nicht so besonders rein, eher das Gegenteil ist der Fall. Die Mannschaft war nun drei Tage im Trainingslager in der Hotel-Residence Klosterpforte in Harsewinkel-Marienfeld, um sich auf dieses Abstiegs-Endspiel in aller Ruhe und Abgeschiedenheit vorzubereiten. Ob es hilft, werden wir alle morgen um 17.20 Uhr wissen.

Neben den gesperrten Hoffmann und Huszti wird auch Pocognoli fehlen, er hat Rücken. Und nicht zum Einsatz kommen sollen (auf jeden Fall nicht von Beginn an) die beiden Innenverteidiger Sane und Marcelo. Die beiden Spieler, einst auch von Mirko Slomka (und Sportchef Dufner) an die Leine geholt, haben bislang nicht das gebracht, was sich alle von ihnen erhofft hatten. Und zudem soll sich Sané in diesem Trainingslager mit Trainer Tayfun Korkut (der, da gibt es durchaus Parallelen zum HSV, auch und sehr wohl Trainer des eventuellen Zweitliga-Clubs Hannover 96 bleiben soll) angelegt haben – der Abwehrspieler zeigte dem Coach nicht genügend „Leben“ im Training. So kann es gehen. In der Innenverteidigung von 96 spielen deshalb zwei Leute, die eigentlich keine Innenverteidiger sind: Andreasen und Schulz. Beide werden sich wärmstens um Jacques Zoua kümmern. Und ob dazu auch um Mattia Maggio, dem Nachwuchsmann des HSV, das ist dann – etwas später als 15.30 Uhr – wahrscheinlich alles eine Frage des Spielstandes. Vor dem Spielchen heute nahm sich Mirko Slomka den Stürmer der U23 noch einmal kurz unter vier Augen zur Brust. Einstimmung für ein ganz, ganz wichtiges Spiel. Das übrigens von Schiedsrichter Robert Hartmann (Wangen) geleitet wird.

Dass morgen viel auf dem Spiel steht, muss wohl niemandem plausibel gemacht werden – oder? Es ist ja alles auch eine Art Rechenexempel. Der HSV empfängt danach den VfL Wolfsburg, die wollen noch in Richtung Champions-League-Qualifikation. Dann geht es zum FC Augsburg, und dieser Club (vor allem Trainer Weinzierl und Sportchef Reuter) ist nicht besonders gut auf den HSV zu sprechen, weil die Hamburger sich in jüngster Zeit um zwei Augsburger (Vogt und Ostrzolek) für die kommende Saison bemüht haben soll. Da wird auf jeden Fall mal nichts an Geschenken zu erwarten sein. Danach kommen dann die Bayern, die sich (wohl) kein zweites „Augsburg“ erlauben können und wollen, und danach wartet der Karnevalsverein 05 in Mainz. Mit einem Trainer namens Tuchel, der immer nur eines kennt: Vollgas. Und siegen. Deswegen ist es für den HSV wohl besser, es schon mal morgen in Hannover zu versuchen, einen oder drei Punkte mit an die Elbe zu bringen. Besser wäre es.

Leider kann dabei, es ist ja inzwischen jedem HSV-Fan bekannt, Pierre-Michel Lasogga nicht mithelfen. Der Torjäger ist ja nun für 14 Tage ausgebremst worden, und man sagt ja (aus Erfahrung): „14 Tage Pause bedeuten 14 Tage Training, um sich wieder heran zu kämpfen.“ Dann kann sich jeder wohl ausrechnen, wie oft Lasogga noch im HSV-Trikot (diese Saison) auflaufen wird. Wobei ich diejenigen, die zuletzt schon meinten, dass sich Pierre Lasogga eventuell für einen neuen Club schonen könnte, absolut nicht verstehen kann. Miroslav Klose ist verletzt, Mario Gomez ist verletzt, wer soll da eigentlich (außer einer verkappen Neun) in der Mitte stürmen? Das wäre dann doch die Chance für Lasogga. Und ich glaube, dass er von dieser Chance auch durchaus etwas weiß. Ich vermute sogar, dass diese Chance Antrieb dafür war, dass er es immer wieder versucht hat – einige Male vielleicht oder wahrscheinlich sogar zu früh. Es ist schon bitter – für ihn und den HSV.

So, dann fertig machen zum Zittern. Wobei Mirko Slomka nicht nur die beste Punktebilanz aller Trainer beim HSV in dieser saison hat, sondern auch, weil der Ex-96-Coach ein Angsgegner der Niedersachsen ist. Fünfmal ging es für Hannover gegen Slomka (immer mit Schalke) – herausgekommen sind vier Slomka-Siege und ein remis. Zudem könnte Slokmka morgen in seinem 223. Bundesligaspiel als Trainer seinen 100. Sieg feiern. Also: Alles klar, oder??

Aber im Ersnst: Morgen spielen alle Abstiegs-Kandidaten um 15.30 Uhr, und das ist auch gut so. Es kann mal wieder ein hoch emotionales Hin und Her geben – mit dem hoffentlich besten Ende für den HSV. Also für den großen HSV. Die Rechnung ist klar: Mönchengladbach besiegt den VfB Stuttgart, der VfL Wolfsburg schießt den 1. FC Nürnberg weiter in den Keller, und der SC Freiburg und Eintracht Braunschweig trennen sich unentschieden. Das wäre es doch. Und wenn es dann so gut und super (oder so ähnlich) für den HSV gelaufen ist, könnte der HSV um 17.30 Uhr auf Tabellenplatz 13 rangieren. Okay, okay, ich will da gar nicht so viel „hochsterilisieren“ (wie Bruno sagen würde), aber es könnte ja immerhin sein. Nur ein Startplatz in der Europa League, der ist wohl nicht mehr so ganz drin . . . Ein Scherz, es ist nur ein Scherz. Wirklich.

Und so könnte der große HSV spielen: Adler – Diekmeier, Djourou, Mancienne, Westermann – Arslan, Rincon – Calhanoglu, van der Vaart, Ilicevic (Jiracek) – Zoua.

Bis morgen! Dann auch wieder mit einem Matz ab live nach dem Spiel. Aus dem Champs senden wir dann mit Frank Rost sowie “Sexmachine” Andreas Fischer ab ca. 17.30 Uhr live.

Dieter und Scholle

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