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0:0 gegen Astana – der HSV im Dubai-Tief

18. Januar 2015

Baulärm und Krangeräusche von nebenan, wo gerade eine neue Schwimmhalle entsteht. Überall Absperrzäune. Keine Tribüne, sondern nur zwei kleine, abgegrenzte Bereiche hinter einem Tor für etwa zwei Dutzend Zuschauer aus Deutschland und ein Dutzend aus Kasachstan. Sogar ein paar Wolken sind zu sehen und helles Flutlicht von den Masten. Ein paar Kilometer entfernt ragt der mehr als 800 Meter hohe Burj Khalifa in den Himmel. Unter diesen Bedingungen fand heute das zweite Testspiel des HSV in Dubai statt. Am Ende wurde es ein 0:0 gegen den FK Astana aus Kasachstan. „Immerhin zu Null gegen einen Euro-League-Verein“, so HSV-Trainer Joe Zinnbauer. „Das sind keine schlechten.“

Den Gegner als nicht schlecht zu bezeichnen und die eigene Leistung als gut – soweit würde aber wohl keiner der Hamburger Verantwortlichen und Profis gehen. Es war im wahrsten Sinne des Wortes ein sehr müder Kick bei passender äußerer Kulisse. Bis auf den dritten Torwart Alexander Brunst setzte Zinnbauer alle 22 gesunden Spieler ein, die er augenblicklich noch zur Verfügung hat. Das Ergebnis war irgendwo abzusehen, insbesondere weil sich die Kicker ganz augenscheinlich am körperlichen Tiefpunkt der Vorbereitung befinden.

„Ich bin generell niemand, der Testspiele überbewertet“, sagte Torwart Rene Adler. „Heute hat man gesehen, dass wir ziemlich platt sind. Man hat gesehen, dass wir in einem leichten Trainingsloch sind, was ja auch gewollt ist. Und jetzt müssen wir sehen, dass wir da wieder rauskommen.“ Joe Zinnbauer ergänzte die positiven Aspekte: „Wir wollten den Inhalt sehen und haben Wert auf eine gute Spieleröffnung gelegt. Unser Gegner sollte tief stehen. Dazu haben wir sie auch gezwungen. Von der Seite bin ich zufrieden.“


In der ersten Halbzeit wirkte der Auftritt des HSV noch einigermaßen frisch. Das Resultat waren drei hochkarätige Torchancen. Zunächst scheiterte Maximilian Beister mit einem Heber am kasachischen Keeper (4.). Etwas später landete ein abgefälschter Schuss von Ahmet Arslan am gegnerischen Pfosten (14.). Und schließlich war es erneut Ahmet Arslan, der freistehend am Astana-Torwart scheiterte.

So spielte der HSV in der 1. Halbzeit: Drobny – Götz, Djourou, Kacar, Jansen – Mende, T. Arslan – A. Arslan, Green, Beister (32. Marcos) – Rudnevs

Keeper Jaroslav Drobny hatte nur eine Gelegenheit sich auszuzeichnen – und zwar gleich zu Beginn des Spiels, als er eine verunglückte Kopfballrückgabe von Gojko Kacar aus der rechten unteren Torecke kratzen musste. Ansonsten konnte sich kein HSV-Spieler wirklich abheben, mit Ausnahme vielleicht von Ahmet Arslan, der die auffälligsten Szenen hatte. Die ganz offensiven Julian Green und Artjoms Rudnevs blieben völlig blass. Aus der Zentrale versuchte Sven Mende Sicherheit auszustrahlen, was auch gelang – allerdings ging er mit seinen Pässen nicht ins Risiko. Tolgay Arslan an seiner Seite riskierte mehr, machte deswegen aber auch den einen oder anderen Fehler mehr.

In Durchgang zwei wurde komplett durchgewechselt. Insgesamt präsentierte sich diese Mannschaft nicht ausgeschlafen. Hier gab es nur eine echte Gelegenheit. Nach Vorarbeit von Philipp Müller scheiterten Mohamed Gouaida und Innocent Emeghara nacheinander aus aussichtsreicher Position (66.). Nicht ganz zufällig vielleicht, denn diese beiden gelang nicht viel. Das Urteil von Joe Zinnbauer über Testspieler Emeghara fiel denn auch alles andere als überschwänglich aus: „Es ist schwer, ihn zu bewerten. Wir haben schon im Training gemerkt, dass er langsam einbricht. Er war gegen Frankfurt dynamisch, aber das Potenzial konnte er heute nicht abrufen, weil er müde war.“ Wahrscheinlich erhält Emeghara am Mittwoch gegen Manchester City noch eine dritte Bewährungschance. Der ganz große Durchbruch für den HSV wäre seine Verpflichtung also nicht, aber das war ja schon vorher abzusehen.

So spielte der HSV in der 2. Halbzeit: Adler – Westermann, Cleber, Rajkovic, Marcos – Stieber, Jiracek – P. Müller, van der Vaart, Gouaida – Emeghara

Gegen Ende der zweiten Halbzeit zog Joe Zinnbauer Emeghara sogar auf die linke offensive Seite zurück und stellte Rafael van der Vaart in die Spitze. Der Schweizer Emeghara sollte also auf einer weiteren Position getestet werden. In dieser Formation gefiel mir übrigens Zoltan Stieber ganz gut, trotz des einen oder anderen ungenauen Abspiels. Er präsentiert sich allgemein ordentlich hier in Dubai, nachdem er – als Fehleinkauf aus oberen Vereinsgremien gebrandmarkt – denkbar schlechte Startbedingungen beim HSV hatte.

0:0 also gegen Astana – mit diesem Resultat kann man nicht angeben, aber wenn sechs potentielle Stammspieler fehlen, sind mildernde Umstände angemessen. Lewis Holtby ist heute aus dem Krankenhaus entlassen worden. Mit Armbinde erschien er nach seinem Schlüsselbeinbruch aus dem Frankfurt-Spiel wieder in Dubai und soll nun doch bis zum Ende des Trainingslagers hier bleiben. Devise: In Hamburg kann er auch nichts machen, da soll er sich lieber in der Nähe des Teams aufhalten und die Wärme genießen. Auch Holtbys Lebensgefährtin ist mittlerweile nach Dubai geflogen.

Mit welchen angeschlagenen Spielern Joe Zinnbauer morgen um 12 Uhr Ortszeit zum Training rechnen kann, ist noch etwas offen. Auf jeden Fall wünscht er sich relativ zügig den Wiedereinstieg von Dennis Diekmeier, Nicolas Müller und Pierre Michel Lasogga, die allesamt mit Muskelbeschwerden zu tun haben. Bei Nicolai Müller wurde heute eine Kernspin-Untersuchung vorgenommen, zur Sicherheit, aber nichts Gravierendes gefunden. Er hat nur eine Verhärtung im Oberschenkel.

Wie hier bereits gestern geschrieben, drosselt Joe Zinnbauer sein Programm nun auch ganz offen. „Es kommt jetzt die Phase der Verletzungen, deswegen werden wir den Plan kürzen“, so Zinnbauer. „Wir arbeiten weniger, aber trotzdem konzentrierter. Man merkt, dass die Spieler wollen, Gas geben und über den Punkt gehen. Wir nehmen Rücksicht auf ihre Müdigkeit und gestalten das Programm in den Einheiten entsprechend.“ So viel Zeit bleibt ja nun auch nicht. Die Partie gegen Man City ist sicher eine Nagelprobe.

Matthias Ostrzolek plagt sich mit den Folgen einer Bänderdehnung im Fuß herum – das sollte auch kein langfristiges Problem werden. Schon eher die Kniebeschwerden von Valon Behrami. Dem Beobachter ist der Schweizer hier noch gar nicht unter die Augen gekommen. Behrami kann nur im Kraftraum und im Gym arbeiten. Natürlich ist er gegen Köln am 31. Januar sowieso gesperrt, aber danach ist er ziemlich sicher wieder gesetzt, weshalb sein Ausfall aktuell alles andere als ein gutes Zeichen ist. Und vor allem eben auch für die Mannschaft ein großer Nachteil, die sich mit diesem zentralen Spieler nicht einspielen kann.

Die Personallage ist also kompliziert. Dazu Rene Adler: „Irgendwo ist das normal – wobei fünf oder sechs natürlich sehr viel sind. Wir hoffen, dass Nicolai oder Lasogga mit ihren Muskelbeschwerden schnell zurückkehren, weil es Spieler sind, die ums im Moment äußerst gut weiterhelfen würden.“ Siebter Verletzter im Bunde ist Gideon Jung (Knieprellung) – bei ihm ist es eine Frage der (kurzen) Zeit, wann er wieder trainieren kann.

HSV-Wunschstürmer Josip Drmic hat gestern noch einmal für seinen Verein Bayer Leverkusen gespielt. Getroffen hat er zwar nicht bei der 1:2-Niederlage seinen Teams gegen die Corinthians Sao Paulo, aber doch den Treffer vorgelegt. Übrigens gingen beide Treffer für die Brasilianer auf das Konto von Paolo Guerrero. Wäre er noch in Hamburg, hätte der HSV ein Stürmer-Problem weniger. Und wo wir gerade von Ex-Hamburgern sprechen – es ist manchmal einfach nur zum Kopfschütteln. Ich will es gar nicht groß kommentieren, aber Eljero Elia hat nach seiner Ausleihe zum FC Southampton kräftig zugeschlagen und beide Treffer beim 2:1-Auswärtserfolg in Newcastle erzielt. Und Marcus Berg, flüsterte mir heute eine Statistik, liegt bei Panathinaikos Athen mittlerweile bei 27 Treffern in 50 Liga-Spielen.

Abschließend möchte ich Euch auf die Montag-Ausgabe des Hamburger Abendblatts hinweisen. Kai Schiller hat hier in Dubai ein Interview mit Marketing-Vorstand Joachim Hilke geführt. In diesem Interview fordert Hilke einen neuen Verteilerschlüssel für den TV-Vertrag. „Der HSV wird sich für einen neuen Schlüssel einsetzen, weil wir das Gefühl haben, dass wir in Bezug auf unsere mediale Aufmerksamkeit nicht entsprechend honoriert werden. Wir sind immerhin eine der Haupt-Quotenbringer im Pay-TV.“ Bislang ist der Quotenschlüssel eng an den Tabellenplatz geknüpft – da schneidet der HSV logischerweise nicht gut ab. Außerdem spricht Hilke über die Gespräche mit Hauptsponsor Emirates, Klaus-Michael Kühne und den Campus-Bau. Sehr lesenswert.

Morgen wird hier also vor allem dosiert trainiert. Mittags geht es kurz auf den Platz, und dann geht der HSV seinen Sponsoren-Verpflichtungen nach im Rahmen einer großen Pressekonferenz, an der Trainer und Spieler des HSV teilnehmen werden. Damit beginnen also die letzten drei aktiven Tage hier in Dubai, ehe es zurück geht in die Kälte. „Wir wollen auf den Punkt gegen den 1. FC Köln fit sein“, sagte Rene Adler abschließend. „Es nützt uns nichts, wenn wir unsere Gegner hier wegknallen. Wenn man nach acht Tagen Trainingslager fit ist und man sich gut fühlt, dann hat man etwas falsch gemacht. Insofern ist alles im Rahmen.“

Und ganz abschließend schicke ich – auch im Namen von Dieter und Scholle – einen herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag an Benno Hafas. Alles Gute, lieber Benno, wir freuen uns alle weiter über Deine Beiträge und Fotos!

Lars
18.25 Uhr

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