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Behrami will spielen – Gouaida für Lasogga?

18. Dezember 2014

Joe Zinnbauer musste lachen. Ob er und Pierre Michel Lasogga Probleme hätten, wurde der HSV-Trainer gefragt. Und diese Frage war zulässig, wenn man allein das nimmt, was zuletzt zu sehen und zu hören war. „Nein“, so Zinnbauers Antwort, „ganz im Gegenteil: Wir haben ein gutes Verhältnis“, so der HSV-Trainer, der am Sonnabend auf Schalke auf seinen Stoßstürmer ebenso verzichten muss wie auf den gelbgesperrten Kapitän Rafael van der Vaart. Die gute Nachricht heute: Valon Behrami will auf Schalke wieder auflaufen können. „Die Signale sind da, dass er spielen kann“, so Zinnbauer. „Und wenn Valon das sagt, dann stimmt das meistens.“ Hoffentlich auch diesmal.

Denn diesmal wird es noch wichtiger sein, als gegen den VfB Stuttgart am Dienstag. Der FC Schalke hat nach dem Einzug ins Achtelfinale der Champions League mit dem schweren Sieg gegen starke Paderborner (ich habe mir das Spiel im Wechsel mit Frankfurt – Hertha angesehen) viel Selbstvertrauen. Die Mannschaft von Ex-HSVer Dennis Aogo hat Tempo im Spiel nach vorn, kantige, hart spielende und schnelle Defensivleute sowie mit Huntelaar einen Angreifer, der aus nichts Tore macht. „Es wird ganz sicher ein sehr intensives Spiel“, weiß Zinnbauer, der sich von Cotrainer Patrick Rahmen und einem HSV-Analysten Bericht erstatten ließ, „auf jeden Fall wird es ein ganz anderes als gegen Stuttgart. Es wird nicht vergleichbar sein.“

Auch personell nicht. Und voraussichtlich auch Taktisch, da Zinnbauer vom Zweierangriff wieder auf 4-2-3-1 umzustellen scheint. Mit Petr Jiracek oder Tolgay Arslan für van der Vaart und mit – Überraschung? Eigentlich nicht…! – Mohamed Goaida für Pierre Michel Lasogga. „Es kann gut sein, dass ich mit Mo auf der Position spiele“, so Zinnbauer, der auch die Abkehr von zwei Stürmern hin zum Spiel mit einer Spitze und einem so genannten „falschen Neuer“, einer „Neuneinhalb“ in Aussicht stellte. „Alles offen. Aber auch das ist eine Überlegung, das umzustellen.“ Und während Zinnbauer davon spricht, dass die Doppelspitze zuletzt eher Pech hatte, scheint das Projekt für mich gescheitert. so lange und stark ich auch darauf gepocht hatte, dass Zinnbauer es endlich mal mit zwei Spitzen versucht – für mich ist der Versuch zumindest in der Konstellation Lasogga/Rudnevs gescheitert. Die zwei harmonieren nicht. Und Torgefahr entwickeln sie miteinander schon mal gar nicht.

Von daher bin ich gar nicht so traurig, dass Lasogga auf Schalke nicht dabei sein wird. Der formschwache Rechtsfuß ist in einem Spiel, das vermehrt auf Konter ausgelegt sein wird, eh nicht die Optimallösung. Rudnevs hingegen bringt zumindest die nötige Geschwindigkeit mit. Ebenso wie der laufstarke Gouaida, der mir gegen Stuttgart offensiv trotz der überschaubaren Einsatzzeit noch am besten gefallen hat – was allerdings sehr, sehr relativ ist. Dennoch, wenn der Einsatz eines U23-Youngsters in der Bundesliga Sinn macht, dann dieses Mal.

Soll am Sonnabend auf Schalke voraussichtlich hinter Rudnevs die Fäden ziehen: Mohamed Gouaida.

Soll am Sonnabend auf Schalke voraussichtlich hinter Rudnevs die Fäden ziehen: Mohamed Gouaida.

Gouaida ist ein gelernter Stürmer, der zuletzt alles einmal spielen durfte und musste. „Er ist ein gelernter Stürmer, der dann auf der Zehn, später auf der Elf und zuletzt auch auf der Acht gespielt hat. Vielleicht wird es Zeit, dass er eine feste Position bekommt“, sagt Zinnbauer.

Gesetzt war zuletzt Ronny Marcos, der seine Sache defensiv zufriedenstellend erledigt hat und dem ich großen Respekt dafür zolle, dass er auf Anhieb so präsent ist. Dennoch habe ich in den letzten Wochen eher eine fallende denn eine steigende Formkurve ausgemacht. Insbesondere nach vorn kommt von dem pfeilschnellen Youngster wenig bis nichts. Zudem hat Marcos mannschaftsintern die höchste Fehlpassquote. Wie fast die ganze Mannschaft schien mir Marcos wie ein angeschlagener Boxer, den der Runden-Gong gerade noch retten kann. Und ehrlich gesagt hoffe ich für ihn, dass selbiger schon vor dem Spiel auf Schalke ertönt. Und das deutete Zinnbauer heute sogar an: „Ich glaube nicht, dass er sagt, dass er nicht spielen will. Klar ist, dass die Mannschaft jungen Spielern helfen muss. Klar ist aber auch, dass der Spieler seine Leistung abrufen muss. Und wir haben mit Ostrzolek auch einen guten Spieler, der auch in die Mannschaft will. Das sieht man auch im Training. Es kann durchaus sein, dass es auch da mal wieder einen Wechsel gibt. Da ist alles offen. Die Jungs wissen doch auch, dass nach einem verlorenen Spiel wieder die Türen offen sind beim Trainer. Von daher lade ich alle Jungs ein, Gas zu geben und mir zu zeigen, dass sie auf Schalke ein gutes Spiel machen wollen.“

Dass es voraussichtlich wieder kein ansehnliches Spiel des HSV wird, scheint klar. Man müsse z den alten regeln zurückkommen, zu kämpfen und die Bälle zu gewinnen, fordert Zinnbauer erneut großen Einsatz. Und um körperlich bestens präpariert zu sein, wurden zusätzliche Physiotherapeuten zur Arena berufen. Heute gab es eine ordentliche Laufeinheit und Stabilisationstraining für den Stamm, lockeres Balltraining für die Reservisten auf dem Platz. Wieder mit dabei waren Tolgay Arslan, der gegen Schalke im Kader stehen wird und auch Marcell Jansen, bei dem die Ärzte von einem Einsatz noch dringend abraten. „Es ist sehr schade für mich“, sagt Jansen, dem Wechselgedanken für den Winter nachgesagt werden. „Aber noch mal, ob verletzt oder nicht – jetzt zählt nur Schalke. Ganz eindeutig auch für mich. Was danach passiert, kann und will ich jetzt auch noch nicht sagen. Wir werden uns zu gegebener Zeit allesamt hinsetzen und sprechen. Aber bis dahin will ich nicht derjenige sein, der den Fokus vom Wesentlichen abrückt. Zumal ich fest davon überzeigt bin, dass wir auf Schalke was mitnehmen können.“

Das stimmt. Vielleicht ja sogar einen Punkt. Oder drei. Auf jeden Fall aber reagierte Zinnbauer auf die letzte Winterpause und setzte am Sonntag, also am Tag nach dem letzten Hinrundenspiel noch eine Trainingseinheit an. Dass diese letztlich nicht mehr als ein lockeres Auslaufen beinhalten dürfte – egal. Zinnbauer geht es darum, dass sich niemand schon frühzeitig gedanklich gen Urlaub verabschiedet und alle zum Abschluss noch mal in Ruhe zusammenkommen. „Mit einem Sieg im Gepäck würde das natürlich deutlich angrenehmer“, sagt Zinnbauer, „auch für die Stimmung in der wochenlangen Pause.“

Angesichts der Art seiner fünften Gelben musste ich mir zuletzt von vielen sagten lassen „das hat der doch mit Absicht gemacht“. Und wirklich widersprechen konnte ich nach neuerlicher Ansicht des Zustandekommens der Gelben Karte für Rafael van der Vaart nicht. Aber ich habe diesen van der Vaart anders kennengelernt und schätze ihn als Typ. Er hat mit der Valencia-Geschichte einen Fehler gemacht und diesen eingestanden – seither habe ich ihn als ehrlichen, kritischen HSVer erlebt. Ich will dem Niederländer schlichtweg nichts unterstellen und gehe daher weiterhin davon aus, dass er – wie nach dem Spiel – einfach etwas zu stark gereizt war, als dass er sich im Griff haben konnte. Das macht die Sache nicht ungeschehen – aber auch nicht noch schlimmer…

In diesem Sinne! Ich hoffe einfach mal, dass sich alle Spieler – egal wer am Ende in der Startelf steht – noch ein letztes Mal hochfahren und 100 Prozent Einsatz aus sich herauskitzeln können. Aber vor allem hoffe ich darauf, dass der HSV im Winter Spieler abgeben kann und wenigstens ein wenig handeln kann und wird. Denn dass das zwingend nötig ist, hat diese Hinrunde jetzt schon bewiesen.

Bis morgen! Da wird wieder unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert.

Scholle

P.S.: Am Sonnabend werden wir wie immer nach dem Spiel aus dem „Champs“ in Burgwedel „Matz ab live“ senden. Gäste diesmal sind der ehemalige Weltklasse-Volleyballer und HSV-Aufsichtsrat Frank Mackerodt sowie Jürgen Wähling, seines Zeichens Ex-Bundesligaspieler und –trainer, der zudem als Scout für den HSV arbeitete.

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