Archiv für das Tag 'Rudnevs'

Van der Vaart ist drin – oder doch nicht?

17. Oktober 2014

Angstgegner. Dieses Wort geistert seit Tagen durch den Volkspark, wenn über die nächste Bundesliga-Aufgabe des HSV gesprochen wird. Die TSG 1899 Hoffenheim soll der Angstgegner des HSV sein. Aber das ist nur die trockene Statistik. Fragt man beispielsweise Lewis Holtby danach, wie oft er mit dem HSV gegen Hoffenheim verloren hat, so wird er von keiner Niederlage berichten können. Anderen HSV-Spielern wie Nicolai Müller, Zoltan Stieber, Valon Behrami und weitere werden nur eine Antwort kennen: „Noch nie.“ Allein deswegen kann Hoffenheim doch kein Angstgegner für den „neuen“ HSV sein. Dass Hoffenheim unangenehm und höchst unbequem werden dürfte, das müsste nicht nur jedem Fan klar sein, sondern auch jedem Hamburger Spieler. Da kommt nicht nur der Tabellenzweite in den Volkspark, sondern eine Mannschaft, die sich inzwischen gemausert hat – zu einem echten Spitzen-Team.

 

Die Truppe von Trainer Martin Gisdol spielt nicht nur technisch einen feinen Ball mit viel Finesse, sondern ist auch enorm schnell, kontert zum Beispiel blitzartig. Nein, nein, alles was recht ist, diese 90 Minuten am Sonntag werden es schwer in sich haben. Das wird eine Aufgabe wie gegen die Bayern und die Dortmunder – auch wenn der HSV gegen beide Clubs zuletzt ohne Gegentor geblieben ist – und ungeschlagen blieb. Solche Leistungen müssen nun unbedingt wiederholt werden, sollte es am Sonntag aus Hamburger Sicht keine negative Überraschung geben.

 

Zwölf Spiele hat es in der Bundesliga-Vergangenheit zwischen Hoffenheim und dem HSV gegeben. Von den sechs Heimspielen konnte der HSV immerhin vier gewinnen. 1:0, 2:1, 2:0, 2:0. Dazu gab es im Dezember 2009 ein 0:0, und zuletzt, am 17. August 2013, eine herbe 1:5-Klatsche. Die sorgt noch immer für eine gewisse Nachhaltigkeit.

 

In Hoffenheim hat der HSV nie gespielt, dennoch sieht die Auswärts-Bilanz erschütternd aus. Vier zum Teil klare Niederlagen stehen zu Buche, wobei die erste, ein 0:3 (Trainer Martin Jol), noch in Mannheim geschah. In Sinsheim folgte eine 1:5-Niederlage, eine 0:4-Pleite und am 1. Februar 2014 eine 0:3-Niederlage. Dazu gab es im April 2011 ein 0:0, und einmal konnte der HSV sogar 4:1 gewinnen, das war im Mai 2013. Es ist also noch gar nicht so lange her, dass der „Angstgegner“ sogar auswärts geputzt wurde. Alles also halb so wild – wenn sich Hoffenheim nicht zur Zeit in einer sehr guten Verfassung befinden würde. Doch diese gute Verfassung wird ja auch dem HSV unter der Regie von Trainer Joe Zinnbauer bescheinigt. Vielleicht entscheidet ja auch nur die Tagesform . . .

 

Das heutige Training begann mit Applaus und ein wenig Indianergeheul – es hörte sich jedenfalls so oder so ähnlich an. Die Spieler und die Trainer beglückwünschten in einem Kreis den strahlenden Kollegen Tolgay Arslan zur Vaterschaft. Es ist ein Knabe geworden – Kian Ali heißt das hoffnungsvolle Talent. Herzlichen Glückwunsch den glücklichen Eltern, und dem Sohnemann alles, alles Gute auf dieser nicht selten zu hektischen und manchmal auch ungerechten Erde.

 

Zum Tag im Volkspark ist zu sagen, dass Ferienzeit ist. Der Trainingsplatz war „proppevoll“ mit Fans, die Fotos und Autogramme erhaschen wollten. Natürlich. Und nebenbei wurde es ein Wandertag, da die HSV-Mannschaft mal auf jenem Platz hinter der Südtribüne trainierte, und dann mal wieder „hinten links“. Gut für jene Fans, die sich ohnehin etwas bewegen müssen – jeder Gang macht schlank. Trifft auch auf mich zu, natürlich. Weil das Training, das nur zur Erklärung, erst um 15.30 Uhr begann und kurz nach 17 Uhr beendet wurde, erscheint dieser Beitrag auch etwas später. Wir können beim HSV vor Ort nicht mehr schreiben (weil wir nicht in die Räumlichkeiten dürfen), und die „Raute“ macht schon gegen 17.30 Uhr das Licht aus – also muss von zu Hause geschrieben werden. Und die Fahrt dorthin dauert im Feierabend natürlich seine Zeit – sorry. Mit einem Hubschrauber wäre das sicherlich etwas leichter . . .

 

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So, zum Wesentlichen. Spielt er, oder spielt er nicht? Gemeint ist Rafael van der Vaart. Die Frage schien während zunächst klar und eindeutig geklärt. Er spielt. Der Niederländer lief im Hemdchen des A-Teams herum, mit ihm im Mittelfeld rechts Nicolai Müller, links Lewis Holtby. Draußen vor – und im blauen Hemdchen – blieb aus der siegreichen Dortmund-Formation Marcell Jansen. „Never change a winning team“ – ob Joe Zinnbauer davon etwas hält? Der hält auf jeden Fall nichts davon, zu früh seine Karten auf den Tisch zu legen. Und deswegen verwirrte er auch jeden Trainingskiebitz, denn er wechselte bunt hin und her. Spielten in der ersten Formation sogar elf Feldspieler (plötzlich trug Slobodan Rajkovic das Trikot der A-Elf), so waren beim abschließenden Spielchen Artjoms Rudnevs und Rajkovic dann „draußen“. Beide spielten unter der Aufsicht von Reha-Coach Markus Günther Fußball-Tennis.

 

Als zu Beginn alles noch „normal“ lief, Marcell Jansen im B-Team spielte und auch sonst nicht getauscht worden war, schossen Nicolai Müller und Matthias Ostrzolek einen 2:0-Vorsprung heraus. Als später Jansen im A-Team spielte, schoss er das dritte Tor des Abends. Zu dieser Zeit spielten aber auch Rafael van der Vaart, Tolgay Arslan, Pierre-Michel Lasogga und zum Beispiel auch Johan Djourou im Team der „Reservisten“. Also alles Kuddelmuddel. Zum Schluss spielten zwar noch immer zwei Mannschaften gegeneinander, doch dann sogar in drei unterschiedlichen Hemdchen-Farben: blau, rot und gelb. Verwirrung total. Und nichts Genaues weiß man nicht. Und das ist ja auch gut so, damit die Hoffenheimer noch nicht zu früh zu viel wissen. Auffällig an diesem Tag war auf jeden Fall, dass Joe Zinnbauer sehr oft unterbrach – und die Mannschaft um sich herum versammelte, um zu erklären, was und wie er es will. Das erinnerte den „Matz-abber“ Rudi Noack zum Beispiel an die HSV-Zeit mit Bruno Labbadia . . .

 

Gut für den HSV auf jeden Fall, dass Valon Behrami wieder mit dem Team trainieren konnte – und zwar ohne jede Einschränkung. Der Schweizer wird also – wenn nicht noch etwas beim Abschlusstraining am Sonnabend dazwischen kommen sollte – am Sonntag auf laufen können. Auch Zoltan Stieber mischte heute von Beginn bis zum Ende mit, eine Verletzung war ihm nicht anzumerken. Erfreulich (weiterhin für mich – vielleicht auch für Euch): Bernhard Peters, Peter Knäbel und Dietmar Beiersdorfer wurden heute wieder beim Training gesichtet – man kümmert sich also weiterhin intensiv um die Truppe. Und das ist auch gut so.

 

Ganz nebenbei bemerkt: In der HSV-Anhängerschaft scheint Rafael van der Vaart ein wenig an Rückhalt eingebüßt zu haben. Beim heutigen Training jedenfalls gab es viele Stimmen (oder so gesagt: mehr Stimmen), die gegen seinen Einsatz am Sonntag votierten. Einige Fans nehmen dem „kleinen Engel“ die Italien-Pläne, die der HSV-Kapitän in dieser Woche in seiner Heimat geäußert hat, doch einigermaßen übel. Ob sich van der Vaart damit einen Gefallen getan hat – ich weiß es nicht, oftmals wäre Schweigen doch Gold . . .

 

Diejenigen, die sich sportlich mit dem Spielführer des HSV auseinandersetzten, die favorisierten Lewis Holtby in der zentralen Mittelfeldrolle. Da scheint der deutsche Nationalspieler seine Fähigkeiten am besten entfalten zu können. Ich habe am Vormittag mit einem großen HSV-Spieler von einst gesprochen, der sich nicht einmischen will, der mir aber sagte, dass er bei Holtby links doch ein paar Bauchschmerzen hätte: „Weil er dann gemeinsam mit Ostrzolek auch die Defensive beackern müsste – und ob das dann defensiv so gut gehen würde? Ich weiß es nicht, ich weiß es nicht.“ Ich auch nicht, ehrlich gesagt. Da hätte ich bei Marcell Jansen (mit Ostrzolek) doch etwas weniger Angst.

 

 

So, drei kleine Kleinigkeiten noch zum Schluss. Schiedsrichter der Partie am Sonntag ist Peter Sippel. Und wir haben bei „Matz ab live“ am Sonntag zwei ehemalige Spieler zu Gast. Es kommen Bastian Reinhardt und der (verletzte) Mann aus der Zweiten, Fabio Morena zu „Scholle“ und mir. Und wir würden uns freuen, wenn Ihr wieder so zahlreich wie zuletzt immer „einschalten“ würdet. Und dann möchte ich noch einmal (aber nicht zum letzten Mal) an den Termin des nächsten „Matz-ab-Treffens“ erinnern: Am 31. Oktober (Freitag) treffen wir uns um 19 Uhr im HSV-Restaurant „Anno 1887“ in Norderstedt, HSV-Anlage Ochsenzoll.

 

PS: Das Abschlusstraining am Sonnabend findet wohl – wie üblich – unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, es soll zur Bundesliga-Anstoßzeit durchgeführt werden. Ich werde berichten. Guten Abend noch für Euch. Und nochmals sorry für die Verspätung.

 

Dieter

 

PSPS: Da die Lokführer zum zweiten Mal in dieser Woche streiken, wird es wohl (größere?) Schwierigkeiten bei der An und Abreise geben. Die S-Bahn fährt in Richtung Stellingen (und nach dem Spiel von Stellingen) deutlich weniger als sonst an Spieltagen – es sollen deswegen Shuttle-Busse von der U-Bahn-Station Hagenbeckstraße in Richtung Arena verkehren.

 

19.18 Uhr

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