Archiv für das Tag 'Rudnevs'

Arnesen: “Slomka will Kacar unbedingt” – Fink überlegt, Beister spielen zu lassen

10. Mai 2013

So dick ist er wirklich nicht, Trainer Thorsten Fink. Im Gegenteil. Dennoch glaubt er, er habe gerade eine Menge Gefühl in seinem Bauch. Gefühl für die richtige Aufstellung, und vor allem: das richtige Gefühl für den ach so unumgänglich notwendigen Sieg in Hoffenheim, der den Traum von der Europa League ein wenig weiterköcheln lassen könnte. Sofern Freiburg und/oder Frankfurt patzen. Wie sich die Mannschaft über die Spielstände in den anderen Stadien informiert? „Gar nicht“, so Fin, „wir haben eh keine Wahl und müssen uns auf uns konzentrieren.“ Dennoch, sollte der eigene Spielstand einen gewissen Motivationsanschub benötigen, würde er im entsprechenden Fall über die Ergebnisse der anderen Spiele (Freiburg in Fürth und Frankfurt in Bremen) berichten. „Wenn’s helfen kann, klar. Ansonsten sind wir gut beraten, uns auf unser Spiel zu konzentrieren.“

Und das könnte Veränderungen erfahren. Nachdem Artjoms Rudnevs zuletzt Ladehemmung hatte, könnte er durch Maximilian Beister ersetzt werden, während Heung Min Son mit großer Wahrscheinlichkeit auf der rechten Außenbahn bleibt. Wetten würde ich allerdings nicht auf diesen Wechsel, auch wenn Beister im Abschlussspiel häufiger traf als Rudnevs – immerhin blieb der Lette bei null Treffern.

Die Aussagekraft von Trainingseinheiten ist zudem hinlänglich bekannt. Genau zweimal empfanden Trainer Thorsten Fink und/oder Spieler die Trainingswoche als zu schwach – ansonsten stimmte die Einstellung stets. Herausgekommen sind dabei 45 Punkte in 32 Spielen. Keine atemberaubende Ausbeute. „Es müssen sechs dazukommen, wenn wir uns die Chance erhalten wollen“, sagt Frank Arnesen. Der Sportchef war heute mal wieder Trainingsgast und nahm sich anschließend noch Zeit für ein Gespräch mit Matz ab. Ob sich seine Arbeit massiv verändert, wenn der HSV das Unmögliche noch erreicht und in der kommenden Saison international spielt? „Finanziell nicht so sehr“, sagt der Däne, „aber emotional ist es nicht unwichtig. Es gibt schon Spieler, bei denen ein internationaler Wettbewerb den Unterschied machen kann.“ Zumal dann, wenn andere Vereine selbigen zu bieten haben.

Im Gegensatz zu den Schilderungen meiner Kollegen aus den letzten Wochen war Arnesen heute richtig entspannt. Er antwortete auf fast alle Fragen. Einzig die nach Bojan Krkic wollte er nicht näher beantworten. Klar ist aber, dass er zusammen mit Fink in Mailand war und mit Krkic sowie dessen Berater gesprochen hat. Zudem kennt er den Spanier mit doppelter Staatsbürgerschaft – er ist auch Serbe – schon seit dessen früherer Jugend. „Das stimmt“, so Arnesen auf meine Frage, ob er Krkic tatsächlich seit dessen 15. Lebensjahr auf dem Wunschzettel hat. „Ich kennen ihn seitdem, werde aber jetzt nichts weiter zu ihm sagen, weil er nicht hier ist. Es macht auch keinen Sinn, jetzt über Namen zu spekulieren.“

Und obwohl ich das in den letzten Jahren immer genau so gesehen hätte – diesmal ist es anders. Denn ich glaube sehr wohl, dass es ein sehr gutes Zeichen sein könnte. Zuletzt war immer nur zu hören, dass der HSV finanziell nichts machen könne. Das ist vielleicht realistisch – aber die trüben Aussichten schrecken auch gute Spieler ab, die ambitioniert sind. Allein die Tatsache, dass der HSV bei der Suche nach Neuen sehr wohl in die oberen Regale greifen will, dürfte ein gutes Signal sein für andere Spieler, die der HSV gern hätte.

Aber okay, Fakt ist, da beißt die Maus keinen Faden ab, es müssen Spieler verkauft werden. Das wissen alle, das kann keiner mehr leugnen. Und der erste Spieler dürfte schon sehr bald verkauft werden: Gojko Kacar. Zumindest gibt es nach dem Winter auch jetzt wieder ernsthaftes Interesse der Niedersachsen an dem Defensivallrounder. Insbesondere Hannovers Trainer Mirko Slomka scheint sehr angetan von Kacar. „Slomka will ihn scheinbar unbedingt“, sagt Arnesen, der in Sachen Ablösesumme keine Kompromisse eingehen will. Rund zwei Millionen Euro ruft der HSV für den 26 Jahre alten Serben auf, der Spieler selbst will rund 1,5 Millionen Euro verdienen. „Letztes Mal war es weniger der Spieler als sein Umfeld, woran es gescheitert ist“, erzählt Arnesen – und ich lasse das so stehen.

Nicht minder wahrscheinlich ist inzwischen der Abgang von Heung Min Son. Das sagt mir mein Bauchgefühl. Ob er geht? „Es gibt Interessenten“, sagt Arnesen und nennt die zwei Hauptverdächtigen: Tottenham Hotspur und Borussia Dortmund, wobei er bislang persönlich nur Kontakt zu Tottenhams Boss Daniel Levy hatte. „Es gibt noch keine offizielle Anfrage aus Dortmund“, so Arnesen, der allerdings von Sons Berater Thies Bliemeister über das Interesse des Champions-League-Finalisten informiert wurde. „Die beiden Klubs scheinen am hartnäckigsten zu sein“, so Arnesen, der damit zu rechnen scheint, Son zu verkaufen.

Es wäre aus meiner Sicht eh das Beste. Nicht, weil ich Son nicht schätze – im Gegenteil: der Südkoreaner hat riesiges Potenzial und kann dem HSV sicherlich weiterhelfen. So, wie er es in dieser Saison mit seinen elf Treffern bereits gemacht hat. Aber, und das ist für mich entscheidender, er stagniert in den Punkten, die ihm lange vorgeworfen werden: seinem Defensivverhalten. Da lässt er den Kopf inzwischen das eine oder andere Mal oben, okay. Aber Defensivzweikämpfe verliert er ebenso ohne Gegenwehr wie Offensivzweikämpfe, wenn sein Gegner an hm dran ist. Dann gibt’s ’nen kleinen Rempler und Son kommt aus dem Tritt. Aber vor allem geht es hierbei um Geld, und zwar um viel Geld. Rund zehn Millionen Euro stehen auf dem Plan und dürften am Ende zu rund 15 Millionen anwachsen, wenn sich Tottenham und der BVB tatsächlich weiter beide um Son bemühen. Und diese Millionen bracht der HSV, um nachzurüsten. Soll heißen: aus einem (Son) mach zwei, drei, vier Verstärkungen. Krkic inklusive, wobei ich ehrlicherweise an dessen Eignung zweifle. Wenn einer reichsten Klubs der Welt, der AC Mailand, nicht bereits ist, 13 Millionen zu zahlen, Barcelona seinen Angreifer trotz der jungen Jahre aber abgeben will und der sich im Profibereich nirgendwo richtig durchsetzen konnte, dann ist das ganz sicher kein Selbstgänger. Den wiederum sollte der HSV bei einer angedachten Investition um die zehn Millionen Euro holen. Flops in dem Ablösebereich kann sich der HSV – im Gegensatz zu Milan, Barca oder auch Bayern und Dortmund nicht erlauben. Da braucht der HSV die berühmten „besseren Augen“, die Fink bei der Auswahl Neuer angekündigt hatte. „Wir werden alles genau abstimmen und Risiken minimieren“, hatte Fink angekündigt – und Arnesen bestätigt: „Wir haben eine längere Liste interessanter Spieler, über die wir uns unterhalten werden. Dabei sind auch Namen, die man uns nicht sofort zutraut, wir greifen auch nach dem Unmöglichen. Das muss sein.“ Ansonsten hätte man nicht alles versucht…

Klingt gut,

Alles versucht hatten auch Dieter und ich, um Holger Hieronymus zu uns in die Matz-ab-Live-Sendung zu bekommen – und jetzt hat es geklappt. Morgen ist der ehemalige HSV-Abwehrchef, -Interimstrainer, -Sportchef und ehemalige DFL-Geschäftsführer im Block House Eidelstedt zu Gast. Und ich freue mich auf ein sehr interessantes, kurzweiliges Gespräch. Ebenso wie auf den ersten Sieg in Hoffenheim für den HSV.

In diesem Sinne, Daumen drücken, Augen zu – und durch. Wenn es am Ende die Europa League wird – umso schöner.

Bis morgen.

Scholle

Fink sagte heute, er würde auch noch überlegen, ob er zentral mit Aogo oder Rincon beginnt. Ich lege mich einfach mal fest, so könnte der HSV spielen: Adler – Diekmeier, Westermann, Rajkovic, Jansen – Rincon, Badelj – Son, van der Vaart, Jiracek – Rudnevs.

1:1 gegen die “Wölfe”, das ist zu wenig

5. Mai 2013

Europa ade. Das stand eigentlich schon vor dem Spiel fest, weil Freiburg gegen Augsburg 2:0 gewonnen hatte, aber der HSV schaffte gegen den VfL Wolfsburg wieder keinen Heimsieg, sondern nur ein 1:1. Vor 50 135 Zuschauern hatte der HSV das Spiel zwar in Halbzeit eins gut im Griff, ließ aber im zweiten Durchgang nach und hatte das Glück, dass die Niedersachsen mit den besten Möglichkeiten nichts anzufangen wussten. Einen Heimsieg hatte der HSV an diesem Sonntag auch leider nicht verdient. Gefeierter Mann war nach dem Schlusspfiff aber Jaroslav Drobny, der seine Team vor einer Niederlage bewahrt hatte. Sein Gang in die Nordkurve sah dabei ein wenig nach Abschiedsstimmung aus. Mal abwarten, wohin es den Ersatztorwart ziehen wird – oder ob er doch als Nummer zwei in Hamburg bleiben wird. Der HSV muss nun am nächsten Sonnabend versuchen, mal in Sinsheim gegen Hoffenheim zu gewinnen . . . An einem Mittelfeldplatz würde aber dieser Dreier dann auch nichts mehr ändern. So geht eine gute Saison doch relativ unspektakulär zu Ende. Aber ich sage eines – und ich meine das so: Abstiegsgefahr bestand nach der Hinrunde nicht einmal mehr, und das bewerte ich als absolut positiv.

Der frühere HSV-Spieler Roy Präger hatte von einem „packenden und spannenden Spiel“ geträumt, hatte sich bestimmt auch darauf gefreut – aber dann kam es irgendwie doch zunächst ganz anders. Gelegentlich war ich schon froh, wenn ein Einwurf an den eigenen Mann kam . . . Feuer war in diesem Spiel zunächst gar nicht drin, obwohl der HSV durchaus vielversprechend begann. In der vierten Minute flankte Milan Badelj von links, und in der Mitte nahm Rafael van der Vaart die Kugel aus zwölf Metern direkt – doch VfL-Keeper Benaglio hielt ohne größere Schwierigkeiten.

Danach verflachte das Spiel. Oder besser: Es kam gar nicht erst so richtig in Schwung. Einer der Höhepunkte: Slobodan Rajkovic wollte den Ball aus 30 Metern zu Torwart Jaroslav Drobny zurückpassen – und schoss den Ball ins Toraus – Eckstoß für den VfL- Ein Kunststück. Schiedsrichter Jochen Drees (Münster-Sarmsheim) bewies danach Durchblick, denn er zeigte Heung Min Son die Gelbe Karte (20.). Weil sich der Südkoreaner des HSV vor Torwart Benaglio hatte fallen lassen. Diesen gelben Karton kann man geben, ab er ich denke, es war doch sehr mutig des Unparteiischen, der ansonsten gut pfiff und keinerlei Probleme mit diesem Spiel hatte.

Viel Glück dann in der 31. Minute, als Heiko Westermann zentral und als letzter Mann am Ball vorbeischlug. Plötzlich stand der ehemalige HSV-Publikumsliebling Ivica Olic völlig frei vor Drobny, doch der VfL-Stürmer konnte mit diesem Geschenk nichts anfangen. Er wollte besonders schlau sein und versuchte sich mit einem Heber aus der Drehung, schoss den Ball aber genau in die Arme des tschechischen HSV-Keepers, der keine Mühe hatte, die Kugel zu fangen. Hätte Olic Überblick bewiesen, hatte er geschnallt, dass er völlig frei und ganz allein vor dem HSV-Tor stand, dann hätte es wohl 0:1 gestanden, aber zum Glück hatte „Ivi“ diese Übersicht nicht.

Am Rande stand Thorsten Fink und gestikulierte. Wie wild, möchte ich fast schreiben. Kaum eine Szene, die der HSV-Trainer nicht in irgendeiner Form begleitete. Er fuchtelte mit dem linken Arm in der Luft herum, während die rechte Hand in der Hosentasche schmorte, und er fuchtelte mit rechts in der Luft herum, während die linke Hand in der Hosentasche ruhte. Aber Fink dirigierte, dirigierte, dirigierte. Er muss unheimlich unter Druck stehen, er muss Europa unbedingt wollen, denn er gibt 90 Minuten alles. Und da er (nicht nur an diesem Spieltag) der bestaussehendste und bestangezogendste Trainer der Liga ist, verdiente er sich so die Note eins. Obwohl ich glaube, dass nicht mal die hinter Fink sitzenden Ersatzleute verstehen, was er von den Jungs, die da auf dem Rasen kämpfen und spielen, will. Ist vielleicht auch eine Art Selbsttherapie.

Dass Fink teilweise recht heftige Kritik an Schiedsrichter Drees übte, das brachte ihm dann in der 33. Minute Ärger mit dem vierten Mann, Christian Fischer, ein. Der beschied dem HSV-Coach unmissverständlich: „Hinsetzen und Mund halten.“ Das klappte aber nur für ein, zwei Minuten . . .

Und dann ging der HSV-Coach doch noch völlig zufrieden in die Halbzeitpause. Weil Sekunden zuvor Rafael van der Vaart einen Freistoß aus 38 Metern in den VfL-Strafraum geschlagen hatte. Dort übersprang Westermann alle Gegenspieler und köpfte zum 1:0-Halbzeitstand ein – das erste Saisontor des ehemaligen Kapitäns. (drittes Saisontor, danke Ralf. Das hatten wir gestern bereits einmal korrigiert, ist aber durch die Live-Sendung wieder überschrieben worden). Glückwunsch. Sein Name wurde bei der Nennung des Torschützen gleich dreimal durch das Stadion gebrüllt . . .

Nach dem Wiederanpfiff hätte dann Dennis Diekmeier der neue Held werden können. Nach Pass von Zhi Gin Lam kreuzte der rechte Verteidiger im VfL-Strafraum auf und schoss aus fünf Metern – überweg (47.). Das wäre was gewesen. Wäre. Wahrscheinlich kommt bei Diekmeier, der noch nie ein Bundesliga-Tor erzielen konnte (auch für Nürnberg nicht), auch ein wenig Nervenflattern vor seinem ersten Treffer hinzu. Schade, schade, ich würde es ihm ja gönnen. Dann wäre der Knoten endlich mal geplatzt.

Der HSV hatte dann bis zum Schlusspfiff kaum noch große Möglichkeiten, Wolfsburg aber markierte doch noch das (verdiente) 1:1. In der 65. Minute flankte Vieirinha von links, und in diesen Ball hinein hechtete der Japaner Hasebe, der die Kugel einköpfte – unhaltbar für Drobny. Danach kam Wolfsburg, stürmte und drückte, vergab aber die besten Tormöglichkeiten, wobei sich besonders der eingewechselte Niederländer Dost „hervortat“. Zum Glück für den HSV.

Die Einzelkritik:

Jaroslav Drobny hielt, weil er ja genügend Spielpraxis hatte, souverän und teilweise auch spektakulär – und wurde bei der Ballberührung von den Fans gefeiert. In der 75 und 76. Minute stand der Wolfsburger Dost zweimal völlig allein vor dem HSV-Keeper, der die Ruhe behielt und hielt. Überragend. Note eins.

Dennis Diekmeier hatte seine rechte Seite gut im Griff, vom neuen „Star“ der Wolfsburg, Maximilian Arnold war nichts zu sehen. Note drei.

Heiko Westermann leistete sich einen ganz „dicken Bock“ (31. Min.), als Olic völlig frei vor dem HSV-Tor stad, aber zum Glück ging alles gut. Und dann köpfte sich der Innenverteidiger mit dem 1:0 in die Herzen aller HSV-Fans – auch die, die ihn nicht so sehr mögen, die aber das Tor natürlich sehr gerne „mitnehmen“. . .

Slobodan Rajkovic hatte auch ein „ganz dickes Ding“ auf seinem linken Schlappen, als er den Ball aus 30 Metern zur Ecke schlug, ansonsten aber machte er seine Sache gut – rettete einmal mit dem Kopf kurz vor der Torlinie (und in höchster Not), als nach einer Arnold-Flanke Vieirinho geköpft hatte. Und noch einmal war „Slobo“ Retter in höchster Not, als der dem einschussbereiten Dost den Ball noch vom Fuß grätschte. Note drei.

Zhi Gin Lam hatte ich, das gebe ich zu, vorher als Achillesferse des HSV ausgemacht, aber das hielt sich dann doch in Grenzen, Natürlich wurde er einige Male überlaufen, aber das war zu erwarten, insgesamt machte er seine Sache jedoch recht ordentlich.

Tomas Rincon sollte zerstören, sollte beißen, sollte kämpfen – und das tat er. Gelegentlich ein wenig unorthodox, aber meistens effektiv. Vordem 1:1 war er nicht in der Lage, die Flanke von Vieirinha zu verhindern. Note vier.

Milan Badelj begann flott und unternehmungslustig, aber nach einer Viertelstunde wechselten Licht und Schatten bei ihm munter hin und her. Seine Form aus der Hinrunde hat er noch nicht wieder erreicht. Note vier.

Petr Jiracek wurde auf der rechten Seite erwartet, spielte aber links. Und da spielte er unauffällig, meistens aber nicht sehr ansehnlich. Beim 1:1 von Hasebe war er zwar im Sturzflug dabei, konnte den Treffer aber nicht verhindern. Auch er, das muss man schon konstatieren, ist noch nicht in jener Form, die er einst bei der EM als Nationalspieler der Tschechei hatte. Der HSV-Anhang muss noch weiter warten, ob da noch mehr kommt – ich warte und hoffe mit. Das ist noch lange nicht das Gelbe vom Ei. Note fünf.

Heung Min Son kam über rechts, war aber kaum einmal auffällig zu sehen. Kurios ist nur eins: Wenn er von den Kollegen rechts „übersehen“ wurde, dann reklamierte er wie wild. Er sollte sich aber mal daran erinnern, dass er auch dann immer wild drauflosballert, wenn er die Kugel am Fuß hat – und andere Kollegen deutlich besser stehen als er. So in der 80. Minute, als er mit dem Kopf durch die Wand wollte – und Rudnevs „übersah“. So auch in der Nachspielzeit, als er aus spitzem Winkel losballerte, aber in der Mitte drei Leute „übersah“. Bitter, bitter., bitter. Also, schnell mal an die eigene Nase fassen. Note fünf.

Rafael van der Vaart war der Mann, der Struktur und Linie in das HSV-Spiel brachte, bringen wollte. Das war eine durchaus gute Vorstellung des Kapitäns. Note zwei.

Artjoms Rudnevs versuchte viel, aber er allein war da oft genug chancenlos. Und auch ein wenig überfordert. Note vier.

Ivo Ilicevic (ab 78. Min. für Rincon) sollte die Offensive beleben – und irgendwie gelang es ihm auch. Selbst wenn er keine große Szene mehr hatte.

Maximilian Beister (ab 83. Min. für Jiracek) sollte auch noch in der Offensive tätig werden, aber die Zeit war wohl doch zu knapp.

Jeffrey Bruma (ab 88. Min. für Lam) sollte den Punkt retten – das gelang.

So, das war es zunächst, aber es geht ja gleich weiter. Dann sind wir, und zwar in Minuten, mit „Matz ab live“ zur Stelle und werden über das Wolfsburg-Spiel reden. Und zwar mit den Gästen Oliver Scheel (HSV-Vorstandsmitglied) und dem früheren HSV-Profi Tobias Homp. Wir freuen uns. Auch auf euch.

PS: Die A-Jugend-Bundesliga des HSV hat am Vormittag seinen „Siegeszug“ mit einem 2:0-Erfolg über Hannover 96 fortgesetzt. Seit Levin Öztunali wieder spielen darf, ist der HSV wieder in die Erfolgsspur zurückgekehrt. Am nächsten Sonntag geht es zu Tabellenvorletzten der Bundesliga Nord(Nordost, zum Chemnitzer FC.

PSPS: Die Regionalliga-Mannschaft hat das Auswärtsspiel in Goslar mit 2:1 gewonnen, die Rettung scheint nun wieder ganz nah zu sein. Janek Sternberg erzielte das wichtige 1:1, und dann traf Fabian Graudenz in der 90. Minute zum erlösenden Siegtreffer.

PSPSPA: Morgen, am Montag, ist der ehemalige HSV-Aufsichtsrats-Vorsitzende Ernst-Otto Rieckhoff zu Gast in der TV-Sendung „Rasant“ bei „HH1“, ich werde an der Seite Rieckhoffs sitzen – Moderator ist Tim Niemeyer. Die Sendung beginnt um 20.15 Uhr und wird im Laufe des Abends noch (mehrfach) wiederholt.

19.31 Uhr

“Jeder muss sein Duell gewinnen wollen!”

3. Mai 2013

„In diesem Sinne, bis morgen. Da wird wieder um zehn Uhr trainiert und es sollen alle Feldspieler bis auf Marcus Berg dabei sein können. Dieter wird ebenfalls dort sein und Euch an gewohnter Stelle berichten.“

So endete „Scholle“ gestern. Aber so schön, wie er es angedacht hat, wurde es dann doch nicht. Gleich zwei HSV-Profis fehlten heute beim „Kurkonzert“. Marcell Jansen hat sich nun noch eine Magen- und Darm-Grippe zugelegt, Ende offen. Ich meine damit, dass sein Einsatz am Sonntag gegen den VfL Wolfsburg, im vorletzten Heimspiel der Saison, doch fraglich ist. Und zudem hat sich Michael Mancienne Oberschenkel-Probleme eingefangen, er setzte deswegen heute aus – und wir auch beim nicht-öffentlichen Abschlusstraining am Sonnabend fehlen – und damit auf gegen die „Wölfe“ am Sonntag. Ich lasse mir da keine Hintertür offen, Mancienne wird ausfallen – Ende. Für ihn kommt Slobodan Rajkovic in die Mannschaft, und wenn ich Trainer Thorsten Fink richtig interpretiere, dann hatte er das ohnehin so geplant. Weil der Coach einen rustikalen Abräumer braucht. Und das war Mancienne zuletzt nicht, der Engländer war eher genau das Gegenteil eines Abräumers. Wobei ich jedem User, der nun genau dieses Gegenteil suchen wird, selbst überlasse, wo er mit dieser Suche endet . . .

Thorsten Fink sagte in Sachen Innenverteidigung: „Ich hatte schon in dieser Woche überlegt, ob ich Slobo spielen lassen werde – von der Aggressivität her.“ Sollte Jansen auch nicht spielen können, so wäre Zhi Gin Lam sein Ersatzmann – und nicht Dennis Aogo. Der ehemalige Linksverteidiger der deutschen Nationalmannschaft wird so oder so (diesmal) Nur auf der Bank sitzen. Erklärung von Fink, warum er Aogo nicht als Linksverteidiger bringen wird: „Dennis hat es in seinem letzten Spiel als Linksverteidiger, das war das Spiel gegen die Bayern, nicht so angenommen – finde ich. Von der Ausstrahlung her.“

Das wird nicht die einzige Änderung sein, die Thorsten Fink vornehmen wird – gegenüber dem mageren 1:4-Auftritt in Gelsenkirchen. Petr Jiracek wird im rechten Mittelfeld auflaufen Heung Min Son links. Vorne wird Artjoms Rudnevs einzige Spitze sein, und auf der „Doppel-Sechs“ werden sich Tolgay Arslan und der wieder genesene Milan Badelj (trainierte heute ohne Pause und ohne Beschwerden mit) versuchen. Auf geht’s, Buam.
Jiracek soll deswegen rechts spielen, weil er sich so besser um Wolfsburgs Diego kümmern kann, denn der kommt vorzugsweise über links und zeiht dann zur Mitte – das könnte Jiracek als Linksfuß dann bestens „begleiten“.

Vom heutigen Training nur zwei Dinge. Beim abschließenden Schießen auf die „Hütte“ von (abwechselnd) Rene Adler und Sven Neuhaus schoss Rafael van der Vaart das schönste (Traum-)Tor – der Niederländer hob danach beide Arme gen Himmel und sucht mit seinen Augen dort oben jenen Herrn, der ihm bei diesem Schuss so trefflich half. Gleich am Anfang war aber die Szene, die mich am meisten begeistert hat: Beim Kreisspiel (fünf gegen zwei) wurden Jacopo Sala (er gleich zweimal) und Jaroslav Drobny getunnelt. Nach dem dritten Tunnel brachen alle Spieler in ein wahres Indianergeheul aus, alle lachten. Drobny (als „Geschädigter“) und Jeffrey Bruma hielt es nicht mehr auf den Beinen, beide kippten vor Freude aus den Latschen und wälzten sich vor Lachen auf dem Boden herum. Welch eine Szenerie! Und nicht auszudenken, wenn die Stimmung auch noch am Sonntag um 19.25 Uhr so herrlich ungezwungen und toll wäre. Jetzt sind alle Hamburger gefordert.

Von der Ausgangsposition her könnte es ein heißes Spiel geben. Ohnehin gibt es gegen Wolfsburg immer ein schwer und hart umkämpftes Match. Und oft genug haben die „Wölfe“ dem HSV schon (auch in Hamburg) ganz kräftig in die Suppe gespuckt. Ich sprach heute mit einem Mann, der beide Seiten schon erlebt hat, der sowohl in Hamburg als auch in Wolfsburg Publikumsliebling war (und ist): Roy Präger. Der frühere Wirbelwind wird nicht beim Spiel sein, er ist mit der Jugend-Fußballschule des VfL beschäftigt. Präger über seine Erwartungen für Sonntag: „Es wird sicher ein packendes Derby, wie immer, wenn der HSV und der VfL aufeinanderprallen. Die Voraussetzungen für ein intensives und spannendes Spiel sind gegeben, denn der HSV muss gewinnen, und der VfL, der in meinen Augen auch noch eine Minimal-Chance auf Europa hat, auch. Beide müssen Gas geben, und das kann und wird nur zum Wohle aller Fans sein. Auf einen Tipp möchte ich mich nicht festlegen, aber der VfL ist ja bekanntlich sehr auswärtsstark – es wird nicht leicht für den HSV.“

Das weiß auch Frank Arnesen. Der Sportchef: Wir stehen vor drei Finals, Wolfsburg ist das erste davon. Wir spielen zu Hause, wir müssen auch zeigen, dass wir zu Hause spielen – gegen Düsseldorf zuletzt ist es uns gelungen, denn wir haben gewonnen. Gegen den VfL müssen wir dieselbe Einstellung auf den Platz bringen, wie in der ersten halben Stunde gegen Düsseldorf.“ Der Däne war gestern Gast beim Training, war auch heute dabei und unterhielt sich lange Zeit mit Thorsten Fink. Über die Lage sagte Arnesen: „Zwei Tage vor einem Spiel ging es heute recht locker zu, es wurde viel gelacht – so muss es auch sein. Man muss entspannt sein, und ab Sonnabend wird sich dann konzentriert, dann kommt die Spannung bei den Spielern. Erst die Freude, und dann alle Energie für diese 90 Minuten. Ich will eine HSV-Mannschaft sehen, die diszipliniert spielt, die konzentriert spielt, und in der jeder Spieler seine Duelle gewinnen will. Jeder muss jedes Duell gewinnen wollen, das will ich sehen.“

Das HSV-Team wird am Sonntag nicht nur körperlich gefordert sein, sondern auch mental. Immerhin geht es um – wahrscheinlich – die letzte Chance, das Ticket nach Europa zu lösen. Es ist also auch eine Frage des Kopfes. Frank Arnesen ist davor nicht bange: „Die Mannschaft hat es im vergangenen Jahr, als es gegen den Abstieg ging, gezeigt, dass sie dass kann, dass sie damit umgehen kann. Sie ist damals damit sehr gut umgegangen, deswegen sehe ich diesbezüglich keinerlei Probleme.“ So sehen es wahrscheinlich auch die meisten HSV-Fans. Die lagen am vergangenen Wochenende, nach dem 1:4-Debakel auf Schalke, alle am Boden, die meisten davon sind auch erst am Mittwoch oder Donnerstag erst wieder aufgestanden – aber nun sind sie auch wieder da. Voll da. Sieg gegen Wolfsburg, davon waren heute so viele Trainingskiebitze überzeugt – restlos überzeugt.

Ist es nicht phänomenal, wie schnell die HSV-Fans doch vergessen können? Spätestens am Freitag ist alles wieder gut, dann ist selbst ie größte Wunde wieder verheilt – dann beginnt die Zeit der Träume. „HSV-Sieg“ – es gibt ja gar nichts anderes. Arnesen lacht: „Solche Einstellung ist auch genau die richtige, solche Einstellung muss es auch bei jedem unserer Spieler geben. Die müssen auch sagen, dass sie Wolfsburg weghauen, ganz klar – wir spielen zu Hause, wir haben noch etwas aufzuholen. Natürlich wissen wir, dass Wolfsburg die drittbeste Auswärtsmannschaft ist, dass der VfL jetzt schon lange nicht mehr verloren hat, aber wir müssen auf uns selbst gucken. Wir haben in dieser Saison schon gute Spiele zu Hause angeliefert, weitaus bessere als in der Spielzeit davor, und deswegen gilt es für uns nun, diese Reihe der guten Spiele fortzusetzen.“

Die hat es, um ein wenig Wasser in den Wein zu kippen, sicherlich gegeben. Aber es gab auch Spiele wie die gegen Fürth, Augsburg und Freiburg, die waren dann doch nicht ganz so geglückt. Daran sollten sich die HSV-Spieler dann doch besser nicht orientieren. Ich wollte wissen, ob auch Frank Arnesen vorher noch mit der Mannschaft sprechen wird, aber er sagt: „Ich spreche mit dem Trainer, der Trainer spricht mit der Mannschaft. Ich habe viel Vertrauen zu Thorsten Fink. Wir haben nach dem Schalke-Spiel gesprochen, das ist jetzt aber abgehakt, es geht weiter – und jetzt sind die Spieler wieder gefragt. Jeder weiß, um was es geht.“

Ein anderes Thema schwebt in diesen Tagen und Wochen stets über dem Sportchef: Spielerverkäufe. Erst muss verkauft werden, bevor eingekauft werden kann. Wie weit sind die Verkäufe gediehen? Arnesen: „Da ist noch nichts passiert. Das ist auch völlig normal, denn das Geschäft fängt im Juni an, nachdem die Saison beendet worden ist. Aber trotz allem rede ich jetzt schon viel, ich rede mit Beratern und auch mit Spielern, die zu uns kommen wollen. Aber meine Hauptaufgabe ist erst einmal die, zu verkaufen. Das wissen wir. Und wir wollen die Spieler behalten, die uns weiterbringen sollen.“ So war die Situation ja auch schon vor einem Jahr. Arnesen erinnert sich: „Damals musste ich auch verkaufen, um dann Rene Adler, Artjoms Rudnevs und Milan Badelj holen zu können, und ich habe verkauft. Gökhan Töre und Paolo Guerrero waren das. Im Winter aber war das sehr schwer denn jeder weiß, dass die Ein- und Verkäufe zu 90 Prozent im Sommer stattfinden.“

Immerhin wissen die Verantwortlichen des HSV, dass sie etwas tun müssen – bezüglich der kommenden Saison. Frank Arnesen: „Ich rede viel mit Thorsten Fink, wir sind uns einige darüber, dass wir Verstärkungen brauchen. Aber wir werden darüber erst offensiv werden, wenn die Saison beendet ist. Erst kommen die drei letzten Spiele, und wenn die absolviert worden sind, dann reden wir mit den Spielern. So oder so.“ Der HSV sucht, das ist ja schon durchgesickert, einen Innenverteidiger und einen großen Stürmer. Mindestens.

Spieler, die beim HSV bleiben – oder auch gehen müssen – die werden im Moment von Frank Arnesen bearbeitet. Jaroslav Drobny gehört dazu. Arnesen: „Ich bin ganz positiv, aber leicht wird es nicht. Denn Drobo, der gemeinsam mit seinem Berater mit mir ganz offen spricht, hat einige gute Angebote von Clubs, bei denen er als Nummer eins spielen könnte.“ Es geht auch um Dennis Diekmeier, der wohl bleiben dürfte, und es geht im Tomas Rincon, der noch ein Jahr Vertrag hätte. Beste Voraussetzung, um den HSV in diesem Sommer zu verlassen denn dann kassiert der Club noch Ablöse. Arnesen: „Tomas ist ein hervorragender Junge.“ Stimmt. Aber das zeigt er regelmäßig nur in seiner Nationalmannschaft, nicht so sehr beim HSV. Weil er so konstant ja auch selten einmal spielen durfte. Es geht auch um Sven Neuhaus. Das wurde ja zuletzt schon als fast perfekt gemeldet, und da ist es wohl auch. Es sollen nur noch Nuancen fehlen – und dann die beiden Unterschriften. Arnesen: „Es sieht in diesem Fall sehr gut aus, wir sind uns zu 99 Prozent einig.“

Klingt gut. Neuhaus ist ein Super-Typ, der bestens zum HSV passt. Und zu allen anderen „Patienten“: Gut Ding will Weile haben.

Zunächst aber geht es ja auch nur um die drei letzten Bundesliga-Spiele: Wolfsburg, Hoffenheim, Leverkusen. Und dann wird ein Schlussstrich gezogen und abgerechnet. Aber auch erst dann.

PS: Schnell mal wieder in eigener Sache. Wir sind am Sonntag unmittelbar nach dem Schlusspfiff wieder mit „Matz ab live“ auf Sendung, unsere Gäste werden diesmal das HSV-Vorstandsmitglied Oliver Scheel und der frühere HSV-Profi Tobias Homp sein – ich freue mich schon sehr auf die beiden Herren. Und ihr seid hoffentlich wieder bei und mit uns, es würde uns auf jeden Fall freudig stimmen. Ein schönes Wochenende für euch und eure Lieben.

PSPS: Das HSV-Abschlusstraining am Sonnabend ist nicht öffentlich.

17.53 Uhr

« Vorherige Einträge - Nächste Einträge »