Archiv für das Tag 'Rudnevs'

Sorgen um Lasogga – Freude bei Djourou ***Kreuzer im Videointerview***

9. April 2014

Was für ein Fußballabend mit dem BVB. Und am Ende muss ich ehrlich sagen, dass ich deutlich enttäuschter war über das Aus, als dass ich mich über die tolle Unterhaltung gefreut habe. Diese Leistung hatte zweifellos mehr verdient – und es wäre auch so leicht möglich gewesen. Aber just in dem Moment, wo ich eine Art Mitleid für die BVB-Fans entwickelte, fiel mir wieder ein: Dieses Gefühl kennst Du doch. Auf deutlich niedrigerem sportlichen Niveau – zugegeben. Aber genauso bitter…


Apropos bitter: Mitleid habe ich auch mit dem HSV – für seine Finanzpolitik. Die Geschichte meines Kollegen Achim Leonie, in der erklärt wird, weshalb die Regionalliga-Spieler der Tischtennisabteilung wegen fehlender rund 5000 Euro abgemeldet werden müssen, ist erschütternd. Erschütternder als dieser Umstand ist eigentlich nur noch die Interpretation einiger HSVPlus-Gegner, die mit diesem Beispiel aufzuzeigen versuchen, wohin der HSV mit einer AG steuert.

Merken die noch was?

Das Beispiel der Tischtennisspieler ist ein absolutes Pro-Argument für die Ausgliederung. Immerhin hätten die Tischtennisspieler ihr Glück danach in der eigenen Hand, da sie sich im e.V. nicht an den Millionen-Schulden der Fußball-Bundesligamannschaft orientieren müssten und zudem ihre Vermarktung selbst in die Hand nehmen könnten. Und ich würde wetten, dass sie den Betrag über Spenden und Sponsoren schnell aufgetrieben bekämen.

Allerdings, und das möchte ich damit noch mal ganz ausdrücklich betonen: Dieser Fehlbetrag der Tischtennismannschaft MUSS für einen 140 Millionen Euro umsetzenden Verein einfach machbar sein. Punkt!!! Alles andere ist es einfach nur noch peinlich.

Erfreulicher sind da die personellen Aussichten bei den Fußballprofis des HSV – gewesen? Heute pausierte nämlich der Topstürmer Pierre-Michel Lassogga wieder, weil er wieder leichte Probleme hatte, nachdem er gestern zwei Einheiten mitgemacht hatte. Ob und wann er wieder einsteigen kann, ist offen. Also: Daumen drücken!

Klar ist dagegen, dass Jacques Zoua, Rafael van der Vaart und Ivo Ilicevic wieder dabei sein werden, während Milan Badelj ausfällt. Auch Johan Djourou ist wieder dabei. Der Schweizer Nationalspieler freut sich ebenso wie Slomka (s. Interview im Anhang) auf die Partie bei seinem Ex-Klub. “Das Spiel gegen Hannover ist schon sehr speziell für mich, ich hatte sechs gute Monate dort. Eigentlich wollte ich wegen Trainer Slomka dort bleiben. Der Trainer hat eine sehr große Persönlichkeit, er verbreitet auch sofort gute Stimmung. Für mich war es ein Glücksfall, dass er zum HSV gekommen ist.”

Stimmt. Seither verteidigt der bullige Innenverteidiger tatsächlich ziemlich ordentlich. Fußballerisch ist das Ganze sicher noch stark ausbaufähig, aber zusammen mit dem ebenfalls formstärker werdenden Michael Mancienne passt es für den Moment. Mit dem Engländer verstehe er sich nicht nur in der Verteidigung gut, sondern auch privat, erklärt Djourou: “Er ist ein sehr guter Freund geworden. Wir vertrauen uns sehr. Ich weiß, dass er hinter mir ist, wenn ich nach vorne gehe und umgekehrt.” Und das passt. Unter Slomka hat sich die Gegentorquote nahezu halbiert.

Und Djourou macht die Leistungssteigerung – nicht nur seine eigene – speziell am Trainer fest. “Ich war vorher nicht so ganz fit, hatte eine Verletzung. Wir haben mit dem alten Trainer nicht so hart trainiert wie unter Slomka. Die Mannschaft ist jetzt einfach fitter.” Auch er. Djourou fühlt sich in Hamburg richtig wohl – auch, weil sich sein Vertrag hier nach dem 20. Einsatz automatisch verlängert hat. “Es ist schon gut, dass jetzt meine Zukunft geklärt ist. Aber ich war mir immer sicher, dass ich diese 20 Spiele machen werde.”

Fünf weitere folgen noch in dieser Saison. Beginnend mit einem so genannten “Überholspiel” gegen einen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf. Ob er noch Kontakt zu seinen ehemaligen Kollegen hat? “Ja”, sagt Djourou, “ich habe noch Kontakt zu Ya Konan und zu Mame Diouf. Mit Ya Konan habe ich diese Woche noch per SMS Kontakt gehabt.” Und daraus wolle er seinen Vorteil ziehen. “Es ist ganz sicher gut, dass ich sowohl Ya Konan als auch Rundevs gut kenne. Didier ist technisch sehr stark, gut am Ball und hat den Blick für das Tor. Rudi ist schnell im Kopf, ist ein Instinktfußballer.”

Stimmt. Und Rudi, der mit Hannover aktuell ein Kurztrainingslager bezogen hat, fehlt nicht nur in Hamburg, er ist auch in Hannover gelandet, weil er von Mirko Slomka dorthin gelotst wurde, wie Ihr im anschließenden Interview lesen könnt. Apropos lesen: Dieser Blog ist auf der Minitastatur meines iPads entstanden, nachdem mein Laptop irgendein Update seit nunmehr anderthalb Stunden hochzuladen versucht. Daher meine Bitte: Verzeiht mir meine Rechtschreibfehler. Heute noch mehr als sonst… ;-)

In diesem Sinne, im Abspann findet Ihr noch das komplette Interview mir unserem Trainer Mirko Slomka. Und ich verabschiede mich an dieser Stelle bis morgen. Da wird übrigens um 15 Uhr trainiert.

Scholle

Das Interview:

Hamburger Abendblatt: Herr Slomka, wie war Ihre Gefühlswelt am Sonntag? Waren Sie als HSV-Trainer glücklich über Hannovers heftige 0:3-Klatsche gegen Braunschweig oder haben Sie als früherer 96er mit Ihrer ehemaligen Mannschaft gelitten?

Mirko Slomka: Wenn ich ehrlich bin, habe ich mich weder gefreut noch großartig geärgert. Natürlich ist Hannover 96 ein ganz besonderer Verein für mich, das ist doch klar. Aber da wir nun am Sonnabend gegen Hannover spielen, habe ich das Spiel nur durch die Brille des HSV-Trainers gesehen. Mein Co-Trainer war im Stadion und ich habe das Spiel Zuhause im TV verfolgt. Und wir haben dann telefoniert, wenn uns Dinge aufgefallen sind, die uns für die Partie helfen könnten. Für mich war es aber extrem überraschend, dass Hannover überhaupt wieder da unten reingerutscht ist.

Im Dezember wurden Sie in Hannover entlassen, um das Ziel Europa nicht zu gefährden. Nun können Sie Ihren Ex-Club mit dem HSV tief in den Tabellenkeller stürzen. Ganz ehrlich: Empfinden Sie auch ein bisschen Genugtuung?

Slomka: Ganz so war das nicht. Die Begründung für meine Entlassung war, dass Hannover eine ruhige Rückrunde spielen wollte. Man wollte nichts mit dem Abstiegskampf zu tun haben…

…von einer ruhigen Rückrunde ist Hannover weit entfernt.

Slomka: Das ist richtig. Aber Genugtuung ist völlig fehl am Platz. Ich habe einen Großteil meines Arbeitslebens bei Hannover 96 verbracht, war lange im Nachwuchs, als Co-Trainer und schließlich als Cheftrainer tätig. Ich hatte immer eine enge Verbindung zum Verein, zu den Verantwortlichen, zu den Fans und auch zur Stadt. Aber jetzt habe ich nun mal eine neue Aufgabe.

Wie lange hat es gedauert, Ihre emotionale Bindung mit Hannover zu kappen?

Slomka: Natürlich richtet sich mein zweiter Blick immer auf das Ergebnis von Hannover. Es wäre Unsinn, wenn ich leugnen würde, dass mich die Entwicklung von 96 nicht interessiert. Und ich hoffe auch, dass Hannover und wir die Klasse halten. Aber das ändert nichts daran, dass ich mit dem HSV am Sonnabend dort gewinnen will.

Beim 0:3 gegen Braunschweig wirkten Hannovers Profis ähnlich von der Rolle wie die Hamburger vor Ihrer Verpflichtung. Wie haben Sie die HSV-Profis so schnell wieder in die Spur bekommen?

Slomka: Ich hatte das Gefühl, dass die Mannschaft eine positive Ansprache brauchte. Sie stand in den vorangegangenen Wochen extrem in der Kritik, da musste man Aufbauarbeit leisten. Ganz wichtig ist aber, dass die Spieler vom ersten Moment verstehen, was der neue Trainer eigentlich will. Wenn dann das, was der Trainer ändert, auch umgehend zum Erfolg führt, schafft man Glaubwürdigkeit. Der 3:0-Sieg gegen Dortmund bei meinem Einstieg hat uns schon sehr geholfen.

Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes Fußballlehrer, haben auch Mathematik und Sport auf Lehramt studiert. In wie fern ist der Trainerjob mit dem Beruf des Lehrers vergleichbar?

Slomka: Psychologisches Halbwissen kann in beiden Berufen schon hilfreich sein (lacht). Aber Spaß beiseite, es geht in beiden Berufen darum, Selbstvertrauen und einen eigenen Willen zu fördern. Ansonsten muss man die jüngeren Spieler ähnlich auf einen guten Weg bringen wie man es als Lehrer an der Schule mit seinen Schülern macht, aber im Großen und Ganzen sind die meisten Profis ja bereits gestandene Erwachsene. Gerade unsere jungen Spieler beim HSV machen einen sehr reifen Eindruck auf mich.

Ist der Unterschied zwischen der jüngeren und der älteren Generation in Ihrer Mannschaft gravierend?

Slomka: Die Mischung ist in jedem Fall sehr spannend. Und weil die Unterschiede doch erheblich sind, muss man natürlich auch immer eine ganz eigene Ansprache finden. Ich muss mich anders mit einem Jungprofi unterhalten, der sich vielleicht über seinen ersten Porsche definiert, als mit einem 30 Jahre alten Familienvater, den das Lob seiner Kinder nach dem Spiel am wichtigsten ist. Dabei dürfen Sie auch eines nicht vergessen: Meine öffentlichen Aussagen haben natürlich oft einen ganz anderen Tonfall als meine internen Ansagen. Ich kann auch einem jungen Spieler in der Videoanalyse mal sehr deutlich seine Fehler aufzeigen, würde das so aber niemals öffentlich vor den Kameras tun. Ich habe auch das Gefühl, dass gerade die jüngeren Spieler alles aufsaugen, was man ihnen als Trainer so mit auf dem Weg gibt. Wobei ich auch sehr aufpassen muss, dass ich mir in all den Einzelgesprächen, die ich mit den Jungs so führe, nie widerspreche. Die Spieler merken sich jedes Wort, was man ihnen sagt.

Sind diese persönlichen Gespräche der Schlüssel zum Erfolg für Sie?

Slomka: Längere Einzelgespräche sind in jedem Fall eminent wichtig. Ich muss doch als Trainer auch verstehen lernen, wie die Jungs so ticken, wie sie leben, was sie bewegt. Bei Jacques Zoua ist beispielsweise gerade seine Frau nach Hamburg gezogen. Das ist wichtig für ihn – und das kann dann auch wichtig für die Mannschaft sein. Auch mit Jonathan Tah war ich letzte Woche länger im Wald laufen, habe mich intensiv mit ihm ausgetauscht. Ich habe ihn gefragt, wie das mit der Veröffentlichung seines Vertrages in seiner Schule angekommen ist. Er ist ja auch gerade erst aus dem Internat in seine erste eigene Wohnung gezogen. Da will ich als Trainer dann auch so ganz profane Dinge wissen, wie er sich zum Beispiel jetzt ernährt, ob er kocht oder ob er immer nur essen geht. Ich will niemanden kontrollieren, will nicht wissen, wer wann auf der Piste war oder Ähnliches. Denn wenn sich ein Spieler hängen lässt, dann ist er der erste, der darunter leidet, weil er nicht mehr spielt. Aber als Trainer ist man eben nicht nur für das Geschehen auf dem Rasen verantwortlich. Deswegen muss ich mich natürlich erkundigen, wenn ich das Gefühl habe, dass einen meiner Spieler gerade etwas beschäftigt. Mir geht es eher um die Dinge, die einen Spieler im Herzen treffen. Wenn sich beispielsweise ein Spieler absondert, sich zurückzieht, dann frage ich schon nach, ob er irgendwas hat, ob es ihm gut geht, ob es seiner Frau und seinen Kindern gut geht. Ich bemühe mich, empathisch zu sein. Das habe ich auch in meiner Zeit in Hannover gelernt. Denn nur wenn man als Trainer menschlich ist, könnte man die Dinge erfahren, die einen Spieler beschäftigen. Immer gelingt das aber auch nicht. Ich spreche auch mal mit einem Psychologen, hole mir Ratschläge. Aber als Trainer darf man durch zu viel Nähe zu den Spielern auch nicht die nötige Distanz verlieren.

Wann ist für Sie diese Grenze überschritten?

Slomka: Klar ist, dass ich als Trainer eine Grenze ziehen muss. Ich würde beispielsweise niemals mit meinen Spielern nach dem fünften Sieg in Folge in die gleiche Bar auf ein Bier gehen. Das ist ein absolutes No Go. Aber ich erlaube mir schon, einem jungen Nachwuchsspieler auch mal zu sagen, dass er sich vielleicht nicht nach seinem ersten Bundesligaspiel gleich einen Porsche zulegen sollte.

Ihre Tochter Lilith ist mit 16 Jahren gerade mal zwei Jahre jünger als beispielsweise Jonathan Tah. Hilft sie Ihnen auch manchmal dabei, die Welt der Jungprofis zu verstehen?

Slomka: Ich weiß nicht ganz genau, ob eine pubertierende 16-Jährge in der gleichen Welt wie beispielsweise Jonathan Tah lebt, aber sie hält mich definitiv jung. Und natürlich lerne ich von ihr genauso wie ich auch von unseren jungen Spielern lernen kann.

Machen wir einen kleinen Test: Der 20 Jahre alte Hakan Calhanoglu benutzt häufiger das Wort Babo. Wissen Sie überhaupt, was das bedeutet?

Slomka: Da muss ich leider passen.

Babo ist das Jugendwort des Jahres 2013 und bedeutet Anführer, Chef, Boss. Wer ist denn der Babo des HSV?

Slomka: Es gibt mehrere Babos bei uns. René Adler natürlich, aber auch Heiko Westermann zum Beispiel. Er zeigt jeden Tag auf dem Trainingsplatz, in der Arena und auch in der Kabine, dass er ein gestandener Profi ist. Man kann sich auf ihn verlassen, auch wenn ihm mal der Ball wegspringt oder er sich einen Schnitzer erlaubt. Er ist ein echter Typ, von mir aus auch ein Babo.

Und wer ist der Babo im Hause Slomka?

Slomka: Zuhause brauchen wir keinen Babo. Vielleicht ist aber auch mein neunjähriger Sohn Luk unser Babo, der hält unseren Laden jedenfalls ganz schön auf Trab.

« Vorherige Einträge - Nächste Einträge »