Archiv für das Tag 'Rudnevs'

Mit Gojko Kacar nach Hannover!

13. September 2014

Der Boss war da. Dietmar Beiersdorfer ist rechtzeitig vor dem Sonntagsspiel des HSV in Hannover aus seinem USA-Urlaub zurückgekehrt – und stand sofort auf dem Trainingsplatz. Das heißt, er sah nur zu, vom Spielfeldrand aus. Aber er zeigte sich, er war da – das ist wichtig. Er muss sich schließlich immer ein Bild davon machen, was da läuft und was da eventuell nicht läuft. Nicht gelaufen ist heute Ivo Ilicevic, der beim Abschlusstraining nicht zu sehen war und somit auch für das morgige Spiel ausfallen wird. Wie es heißt, mit „muskulären Problemen“. Was immer sich dahinter auch verbirgt. Wer heute gelaufen ist, und das ist schon eine faustdicke Überraschung, dass ist Gojko Kacar. Von dem hatte Trainer Mirko Slomka gestern noch gesagt, dass er nächste Woche ins Mannschaftstraining einsteigen wird – aber das geschah schon an diesem Mittag. Und dann noch eine Überraschung: Kacar sitzt jetzt mit im Bus, trat die Reise mit nach Hannover an – und sitzt morgen schon auf der Ersatzbank. So schnell geht das manchmal, weil dem HSV so langsam doch die Leute ausgehen.

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Apropos Leute: Ich war nach dem Training, dem nicht-öffentlichen Training der Profis, auch noch bei der Zweiten. Zur Pause stand es 4:0 gegen Cloppenburg, und ich hatte natürlich alle Treffer verpasst. Dafür sah ich das Tor zum 5:0-Endstand, und das war erste Sahne. Nach diesem fünften Treffer hielten sich fast alle HSV-Nachwuchsspieler die Hände vor das Gesicht, denn so etwas Schönes hatten sie lange nicht mehr gesehen. Und vielleicht auch noch nie live miterlebt. Flanke von rechts, Christian Derflinger mit links zur Mitte, auf den gedeckten Nils Brüning. Der, hart bedrängt, nimmt die Kugel an, dreht sich um den Abwehrspieler, Brüning jongliert die Kugel um den Gegner herum, dann ist der Weg frei – der Ball wird aus 14 Metern volley und überlegt eingeschossen, fast eingeschoben. Herrlich gemacht. Wie Rastelli. Das ist schon sehenswert, was der Nachwuchs da anbietet. Diesmal waren 420 Zuschauer dabei. Und die sahen vorher die Treffer von Ahmet Arslan (9. Min., sein siebtes Saisontor!), Tolcay Cigerci (17.), Dominik Masek (20.) und Nils Brüning, der auch schon in der 40. Minuten getroffen hatte.

 

Die Cloppenburger standen in Halbzeit zwei oft massiert vor dem eigenen Tor und hätte eigentlich richtig „Kloppenburger“ heißen müssen, weil sie mitunter recht kräftig zutraten. Und dabei immer dem Schiedsrichter bedeutend, dass sie ja nur den Ball gespielt hätten . . . Das machen ja auch die Profis Woche für Woche vor. Was mir am HSV imponiert: Da wird nicht vom Tempo-Fußball gesprochen, er wird auch praktiziert. Da ist immer alles in Bewegung, das sieht richtig, richtig gut aus. Da ich nicht das ganze Spiel gesehen habe, halte ich mich mit einer gesamten Einschätzung zurück, diejenigen, die alles gesehen haben, die waren aber tüchtig am Schwärmen. Mir hat, wie schon gestern im Training bei den Profis, wiederum Ashton Götz gefallen, dazu auch Nils Brüning, der schnell und agil ist, jedem Ball nachsetzt. Er scheint gerade einen großen Sprung nach vorn zu machen. Übrigens stand HSV-Sportchef Bernhard Peters auf dem Dach eines Nachbargebäudes und sah sich das Spiel aus der Höhe an. Was ich sehr gut finde, dass der Nachwuchs-Chef persönlich anwesend ist. Ist ja eigentlich eine Selbstverständlichkeit, wenn ich so recht überlege, aber das war beileibe nicht immer so.

 

So, kurz mal zum Spiel in Hannover. Wenn ich an 96 – HSV denke, fällt mir immer ein Traumtor ein. Von Thomas von Heesen erzielt, und zwar am 13. August 1988. Die Sonne schien an diesem Tag, der HSV führte 2:0, dann drosch Thomas von Heesen den Ball ins Netz der Niedersachsen. Per Fallrückzieher! Schöner hätte es Uwe Seeler auch nicht machen können, es war ein perfekter Fallrückzieher und ich sehe noch heute, wie das gesamte Tor zittert und zittert und zittert. Fast möchte ich sagen, minutenlang. Ein solches Pfund war das! Unvergessen. Und es wäre doch wunderschön, wenn so etwas mal wieder – aus Hamburger Sicht – in Hannover für den HSV passieren würde. Das damalige Spiel wurde dann noch knapper gewonnen, als es der Zwischenstand hergab, es hieß nach 90 Minuten 3:2, aber mir würde das morgen schon reichen.

 

 

Das Training heute verlief ohne besondere Vorkommnisse, soweit man das sehen konnte, denn es war ja nicht-öffentlich. Deswegen waren auch nicht einmal zehn Fans anwesend. Im Trainingsspielchen war nicht unbedingt etwas von einer Aufstellung zu erkennen, so spielte beispielsweise das Verteidiger-Pärchen Dennis Diekmeier/Matthias Ostrzolek in der Mannschaft, die für uns draußen als B-Team galt. In dieser B-Vertretung spielten auch die Talente Matti Steinmann und Philipp Müller mit, die, Ihr habt es blitzschnell erkannt, somit ihrer Mannschaft gegen Cloppenburg fehlten. Nach wie vor, und das wurde ich später an der Hagenbeckstraße relativ oft gefragt, gehe ich, gehen wir davon aus, dass morgen Jaroslav Drobny und nicht Rene Adler im HSV-Tor stehen wird. Und so wird aus dem HSV-Team fast eine neue Mannschaft. Mit Drobny; Diekmeier, Djourou, Cleber, Ostrzolek; Behrami, Holtby; Arslan, Nicolai Müller, Stieber; Lasogga. Die einzig wackelige Position ist dabei die von Arslan. Könnte durchaus sein, dass sich da Mirko Slomka noch etwas ganz Spannendes einfallen lässt – nämlich Neuzugang Julian Green. Ausgeschlossen ist das nicht – aber es wäre auf jeden Fall sehr mutig. Im HSV-Kader sind noch Adler, Jiracek, Kacar, Steinmann, Green und Rudnevs.

 

Ja, wenn ich etwas von mutig geschrieben habe: Mut hat in den letzten Jahren des Öfteren gefehlt, wenn es darum ging, junge Leute einzubauen. Und gestern, am Freitag, haben wir es alle wohl ganz hautnah erlebt, wie wenig Mut da beim HSV unterwegs ist. Leverkusen hat diesen Mut, da spielen viele, viele „Knaben“ und bieten teilweise Hochgeschwindigkeits-Fußball. Und „mittenmang“ Heung Min Son und Hakan Calhanoglu. Auf der Gegenseite übrigens, da spielte einer, den wir hier aus Hamburg kennen, den nicht nur ich sehr gerne im Volkspark gehabt hätte, aber der HSV wollte es nicht: Fin Bartels. Er schoss das 1:1 beim überraschenden 3:3. Und ganz besonders getränt haben die Augen einiger HSV-Fans, die zuvor schon die Zweite Liga gesehen hatten. Beim 1. FC Kaiserslautern spielte HSV-Leihgabe Kerem Demirbay mit, und er war vielleicht der beste Mann auf dem Platz. Was den Sky-Reporter dazu veranlasste, sich (in etwa) zu folgender Aussage hinreißen zu lassen: „Wenn der HSV solche guten Leute ausleihen kann, dann muss es ja richtig tolle Spieler in Hamburg geben . . .“ Gibt es ja auch, gibt es ja auch, keine Sorge, das werden die Jungs schon morgen in Hannover beweisen.

 

Was seit gestern heiß diskutiert wird: Die Aussage von Peter Nogly, der fragte, ob der HSV vielleicht zu hart trainiert wird. Fragte oder sagte, das weiß ich gar nicht, das Zitat erschien in der Bild. Was Mirko Slomka dazu sagte, das könnt Ihr Euch gerne auf dem Video von der Pressekonferenz am Donnerstag ansehen und anhören. Es gab jedenfalls einigen Wirbel darum. Was ich nicht so recht nachvollziehen kann, aber das muss ja auch nicht. Auf jeden Fall kann ich sagen, dass gestern und heute auf keinen Fall zu hart trainiert worden ist, die Kraft müsste eigentlich reichen, um in Hannover ein gutes Spiel auf die Platte zu bringen. Müsste.

 

So, nun bliebt mir nur noch darauf zu verweisen, dass wir morgen, kurz nach dem Abpfiff in Hannover, wieder mit „Matz ab live“ zur Stelle sind. Ob „Papa Scholle“ mit von der Partie ist, kann ich noch nicht sagen, ich lasse mich überraschen. Auf jeden Fall sind zwei Gäste zur Stelle, und das werden Soner Uysal (ehemaliger HSV-Profi und nun Co-Trainer der Zweiten) und Sven Mende, Kapitän der „Wundermannschaft“ von Trainer Joe Zinnbauer, sei. Wäre wunderbar, wenn Ihr wieder mit von der Partie sein würdet.

 

18.07 Uhr

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