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Zinnbauers große Chance

24. Februar 2015

Wer will, der findet. Immer. Dieses Prinzip ist keinem fremd. Dennoch glaube ich, dass man seine Abrechnungen immer auch an dem maximal Erwartbaren messen muss. Soll heißen: Auch wenn man gegen Mönchengladbach zwei Punkte in der Nachspielzeit abgeben musste, muss dieser HSV in der aktuellen Verfassung zufrieden sein, einen Punkt und eine aufbaufähige Leistung abgeliefert zu haben. Zumal der Spielverlauf an sich ein Unentschieden rechtfertigt. Leider.

 

Aber, um auf den ersten Satz zurückzukommen: Leider wird – auch teilweise hier im Blog – ein positives Signal völlig unnötig umgekehrt. Statt die Gewinner zu nennen und es positiv zu deuten, werden die Verlierer näher beleuchtet. Rafael van der Vaart überstrahlt hierbei sogar noch Heiko Westermann, den ungerechtfertigt und mit weitem Abstand am schlechtesten beurteilten Innenverteidiger des HSV. Bei seiner Einwechslung am Sonntag, in der heißesten Phase des Spiels, kamen sogar Pfiffe von der Tribüne – unfassbar! Dabei ging es in dem Moment darum, dass sich der HSV irgendwie zu drei überlebenswichtigen Punkten über die Zeit rettet. Egal mit wem – es ging nur darum, es irgendwie zu packen. Und einzelne Dummbatze pfeifen den eigenen Spieler aus, bevor er das erste Mal den Ball berührt…


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Nein, den Gedanken, dass man von seinen hohen Ansprüchen herunterkommen muss, weil sie unberechtigt sind, haben noch längst nicht alle zu Ende gedacht. Denn dieser Umstand bedeutet für den glühenden Fan auch, diese fraglos fragile Mannschaft nicht noch fragiler zu machen – so, wie es Pfiffe bei mental angeschlagenen Spielern zweifellos bewirken können. Aber gut, ich hoffe, dass sich Heiko Westermann nach all den Jahren ein dickes Fell angelegt hat und es an ihm abprallt. Aber: Unnötiger als diese Pfiffe ist momentan beim HSV wenig. Nein, sogar nichts…

 

Denn, das muss bei aller Freude über die gezeigte Leistung klar bleiben, der HSV steckt weiter tief im Abstiegskampf – mit hammerharten Spielen vor der Brust. Selbst die Ausfälle von Seferovic und Zambrano (ohne Gelbe vorweg hätte er für das Foul glatt rot bekommen) reichen nicht aus, um dem HSV in der Partie bei Eintracht Frankfurt zum Favoriten werden zu lassen. Nein, dieser HSV muss in jedem Spiel an seine absolute Leistungsgrenze gehen, um etwas Zählbares zu erreichen. Dieser HSV ist auf Augenhöhe mit dem unteren Tabellendrittel und kann sich tatsächlich – entschuldigt, dass ich das sage – bei Werder Bremen abschauen, wie es trotz der qualitativen Mängel reichen kann.

 

Hat schwere Zeiten hinter und vor sich: Heiko Westermann

Hat schwere Zeiten hinter und vor sich: Heiko Westermann

Und, damit komme ich wieder in die Spur, genau diese Tugenden hat der HSV gegen Gladbach an den Tag gelegt. Zum einen natürlich, weil man nach dem 0:8 eine unübersehbare Verpflichtung hatte. Andererseits auch, weil man das richtige Personal auf dem Platz hatte. Teilweise überraschend gut – aber eben gut. Und genau daraus ist der Stoff, der abstürzende Mannschaften auffängt. In Bremen sin es die jungen di Santo und Co., die unter Viktor Skripnik aufblühen und für Furore sorgen. Beim HSV könnten diese Rolle eigentlich schon ausgediente Spieler übernehmen. Zumal dann, wenn sie so viel Willen haben wie Petr Jiracek, Gojko Kacar und sogar Artjoms Rudnevs.

Seine Chance, sich zu profilieren: HSV-Trainer Joe Zinnbauer

Seine Chance, sich zu profilieren: HSV-Trainer Joe Zinnbauer

Schon deshalb wäre Joe Zinnbauer sicher gut beraten, der Startelf aus dem Gladbach-Spiel auch in Frankfurt das Vertrauen zu schenken. Zu offensiv war das allemal nicht. So kann man auch in Frankfurt spielen. Zudem dürfte Zinnbauer dies unter der Woche intensiv mit van der Vaart, Westermann und gegebenenfalls auch Valon Behrami – sofern er einsetzbar wäre –besprechen. Denn diese drei werden im Laufe der Rückrunde zweifellos alle noch sehr wichtig. Und das ist kein Floskel sondern ein Erfahrungswert. „Zwischenmenschlich ist das eine schwierige Entscheidung gewesen“, hatte Zinnbauer van der Vaarts Herausnahme kommentiert, „aber es gehört im Fußball-Business dazu.“

 

Stimmt. Und Zinnbauer, dem das Ganze nachvollziehbar schwer fällt, hat dadurch die Möglichkeit, sich sein eigenes Profil zu verschaffen. Er kann zeigen, dass er die Traute hat, für die richtige Entscheidung große Namen (van der Vaart) und sogar Freundschaften (Westermann) auszublenden. Er würde seinem eigens proklamierten Leistungsprinzip damit als Vorbild dienen und damit in der Mannschaft – sogar bei den dadurch nicht mehr Berücksichtigten – an Glaubwürdigkeit gewinnen. Ergo: Diese Phase ist wahrscheinlich Zinnbauers bislang größte Chance, sich mit seinen Entscheidungen nachhaltig vom Newcomer zum profilierten Bundesligatrainer zu entwickeln. Und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass er sie nutzt. Zu gönnen ist es ihm – und vor allem dem HSV.

 

Apropos Gönnen. Zu jedem Umbruch zählen normalerweise auch ausklingende Karrieren. Und der HSV macht dabei keine Ausnahme. Van der Vaart scheint auf der Zielgeraden angekommen und seine letzten Jahre als Fußballer woanders zu sehen. Dennoch ist er einer der verdientesten HSVer der letzten Jahre und verdient einen ordentlichen Abschied. Ebenso Westermann, dessen Vertrag beim HSV ausläuft. Beiden gönne ich es, dass sie den in langen Jahren hart erarbeiteten, verdienten Respekt erfahren. Vom Trainer, indem er ehrlich mit ihnen umgeht und sie nur dann bringt, wenn sie wirklich die beste Lösung darstellen. Und von den Fans, indem sie wenigstens die Pfiffe nachlassen – denn die sind gänzlich unwürdig.

 

Passend zum Thema kam heute die Meldung, dass das nächste Heimspiel gegen Borussia Dortmund bereits ausverkauft ist und dass angeblich nur die Verträge von Kacar und Rajkovic verlängert werden sollen. Das würde bedeuten, dass Green (wird so kommen) wieder zum FC Bayern zurückgeht und die Verträge von Marcell Jansen, van der Vaart, Westermann und Ilicevic nicht verlängert wNun denn, warten wir es ab. ll J so kommen) wieder zum FC Bayern zurückgeht und die Verträge von Marcell jansen, van der Vaart, ürden.

 

Nun denn, warten wir es ab. Noch haben sie alle die Möglichkeit, sich in Hamburg zu empfehlen. Oder sich zumindest ordentlich zu verabschieden. Denn klar ist: Wenn irgendeiner der Startelf-Spieler der Meinung ist, sich auch nur eine Minute ausruhen zu können, sind van der Vaart und Co. schneller wieder drin als viele momentan glauben. Stichwort: Leistungsprinzip…

 

 

So, damit verabschiede ich mich, bis morgen. Da wird an der Imtech-Arena um zehn und um 17.30 Uhr trainiert. Dann auch wieder mit Cléber und Behrami. Bis dahin!

 

Scholle

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