Archiv für das Tag 'Rudnevs'

Bis Schlusspfiff ist nichts wichtiger als dieses Spiel…!

27. Mai 2015

Da schreibe ich einmal wieder über Rafael van der Vaart und alle drehen durch. Dabei steht in meinen Zeilen, dass van der Vaart in meinen Augen keine Erstligatauglichkeit hat und in meinen Augen auch nur dann zum Einsatz kommen dürfte, wenn Lasogga und/oder Olic ausfallen UND HSV-Trainer Bruno Labbadia es als die beste Lösung ansieht. Eben jener Labbadia, der (man glaubt es kaum!!) deutlich näher an dem Niederländer dran ist und dessen momentane Leistungsfähigkeit besser einschätzen kann als ich, ihn als die momentan beste Besetzung für die etwaige Position sieht. Ich vertraue dem Trainer nach dessen überzeugender Performance in den letzten Wochen – mehr nicht. Auch dann, wenn er im Gegensatz zu mir glaubt, dass van der Vaart der Mann ist, der jetzt gebraucht wird.

 

Ich maße mir schlichtweg nicht an, es besser zu wissen. Schon gar nicht, nachdem ich nur Bruchteile der letzten Einheiten mitverfolgen konnte. Und vor allem: auf mich kommt es auch überhaupt nicht an. Ich will nur, dass der HSV die Relegation übersteht – erst einmal. Danach wird abgerechnet. Auch mit van der Vaart. Daher, noch mal für alle, für die ich mich nicht klar genug ausgedrückt habe: Mit keinem Wort heiße ich van der Vaarts Aktion in Stuttgart nachträglich gut – im Gegenteil: Das war eines Mannschaftskapitäns mehr als unwürdig, das war definitiv voll fürn A….. Und ich schrieb daher auch, dass ich ihn allein ob dieser Szene nicht aufstellen würde. Obwohl ich ihn in den Jahren kennengelernt habe und weiß, dass er diesen Fehler wiedergutmachen will…

Aber zurück zum einzig Wichtigen, was in meinen Augen bis zum Klassenerhalt auch alles andere in den Schatten stellt: zum Sportlichen. Heute fand in Malente die letzte Trainingseinheit statt. Nach dem Feuerschwur, den meine „BILD“-Kollegen beim gestrigen Lagerfeuer ausgemacht hatte, ging es heute noch einmal zur Sache. Die letzten Feinschliffe für die zwei Spiele der Saison sollten geholt werden – und neben Petr Jiracek (brach ab) fehlte Ivica Olic ob seiner anhaltenden Rückenprobleme. Es droht also weiterhin der Ausfall des 1:0-Torschützen vom Sonnabend. Positiv: Pierre Michel Lasogga indes ist offenbar wieder gesund. Heute trainierte er erneut voll mit und dürfte somit auch morgen von Beginn an auflaufen können.

Die große Frage also ist: Wer ersetzt Olic, sollte der Kroate ausfallen? Zuletzt hatte Labbadia immer betont, bei einem Stürmerausfall logischerweise Artjoms Rudnevs reinwerfen zu wollen. Allerdings ging es dabei eher um einen Ausfall Lasoggas. Das viel größere Problem aber ist, dass auch Rudnevs heute ausfiel und nicht im Kader steht. Der Lette leidet an Adduktorenproblemen. Statt seiner agierte im heutigen Training Zoltan Stieber als Linksaußen, während Lewis Holtby die „Neuneinhalb“ spielte und van der Vaart nur im B-Team agierte. Im A-Team beließ es Labbadia erwartungsgemäß bei der Abwehr aus dem Köln-Spiel sowie erneut Marcelo Diaz neben Gojko Kacar.

Mit im Kader für das erste Relegationsspiel ist (noch) Ivica Olic. Und obwohl noch nicht klar ist, ob er Olic spielen kann (der Mopo sagte er: „Abwarten. Heute könnte ich noch nicht…“), sorgte sein Sturmpartner Pierre Michel Lasogga heute für Freude im Trainerteam. Bei den Abschlussübungen mit Flanken über die Außen traf der letztjährige Relegationsheld nahezu wie er wollte. Mit dem Fuß links wie rechts und mit dem Kopf – und das Lob von Trainer Labbadia war ihm sicher. Zumal der sich gegen defensiver spielende Karlsruher gut beraten ist, das eigene Spiel über die Außen zu forcieren und Lasogga zu suchen. Denn wichtig wird sein, dass der bullige Angreifer möglichst oft im oder zumindest direkt am Strafraum in Ballbesitz kommt. Nur dann ist er wirklich gefährlich – wie auch das heutige Training eindrucksvoll bewies. Und sollte Labbadia letztlich doch eine zweite Spitze brauchen, hat er ja auch noch Offensivallrounder Maximilian Beister im Kader…

Es gäbe tatsächlich an einem Tag wie diesem noch so viel zu berichten, man könnte so viele verschiedene Aufstellungsmöglichkeiten diskutieren. Aber ich belasse es heute beim Notwendigsten. Ich glaube, dass bis morgen nach dem Spiel wirklich nichts anderes wichtig ist als das, was die Mannschaft unterstützt. So, wie der erneute Aufruf zum Spalierstehen für die Mannschaft. Auf www.hsv-ev.de heißt es:

Alles geben für die Relegation

Wir haben gezittert, wir haben gebangt, wir haben gejubelt. Und wir alle haben immer noch Gänsehaut, wenn wir an den 23.05.2015 denken.

MACHT ES NOCH EINMAL

Die Begrüßung der Mannschaft war ein toller, großartiger Erfolg. Tausende HSV Fans säumten den Weg von der Sylvesterallee bis direkt vor das Stadion und sorgten für Gänsehautatmosphäre – auch im Mannschaftsbus. Die Mannschaft war so begeistert, dass wir gebeten wurden, die Aktion vor dem Relegationsspiel am kommenden Donnerstag zu wiederholen.

MACHT ES NOCH EINMAL

Kommt alle am Donnerstag um 19 Uhr zur Sylvesterallee und begrüßt unser Team! Wir brauchen noch mehr Leute, noch mehr Stimmung, NOCH MEHR GÄNSEHAUT!

Und danach mobilisieren wir alle im Stadion nochmal all unsere Kräfte und geben 90 Minuten ALLES!

Ihr werdet gebraucht!

MACHT ES NOCH EINMAL

 

 

Eine mehr als unterstützenswerte Aktion, wie ich finde. Weniger Verständnis habe ich für die kurzfristige Vorverlegung des Rückspiels auf 19 statt 20.30 Uhr am kommenden Montag. Angeblich will man so der Dunkelheit nach dem Spiel aus dem Weg gehen, die der Sicherheit abträglich wäre. Ich hoffe nur, dass alle HSV-Fans mit langer Anreise trotz dieser Verlegung pünktlich im Stadion sein werden.

 

Aber zurück zum morgigen Hinspiel! Morgen heißt es, noch mal alles zu geben – und am besten noch mal ein wenig mehr als sonst! 90 Minuten lang Vollgas auf und neben dem Platz! Auch, wenn man sich mal nicht einer Meinung ist, und auch wenn man mit der Aufstellung mal nicht einverstanden ist – Einzelschicksale zählen nicht mehr. Was auch immer irgendwer glaubt, kritisieren zu müssen – er sollte damit warten bis nach Schlusspfiff dieser Relegation. Es zählt gegen den KSC tatsächlich ausschließlich das Ergebnis. Kurz gesagt: Die elf, die auflaufen, müssen es richten – mit der uneingeschränkten Unterstützung von den Rängen. Und ich bin mir sicher, dass sie morgen genau das von den Rängen der Imtech-Arena bekommt. So, wie zuletzt immer…

 

In diesem Sinne: Alle Mann an Bord!!!

 

Bis morgen!

 

Scholle

Welch ein Glück! 2:0-Sieg – Relegation!

23. Mai 2015

Das Zittern geht weiter. Zum Glück! Nach großem Kampf hat der HSV zwar mit 2:0 gegen Schalke 04 gewonnen, aber noch ist nichts gewonnen – es geht in die Relegation gegen den Zweitliga-Dritten, der am morgigen Sonntag ermittelt wird: Kaiserslautern, Darmstadt oder Karlsruhe sind die Kandidaten. Seine Pflichtaufgabe hat der HSV nach mäßiger erster Hälfte großartig erfüllt, als die Mannschaft im zweiten Durchgang Richtung Norden spielte, also auf die prächtigen Fans, da war dann mehr Schwung, mehr Tempo und auch mehr Siegeswille erkennbar. Der Sieg war völlig verdient – gegen eine doch recht schwache Schalker Truppe. Das soll allerdings nicht die Leistung des HSV herabwürdigen, denn diesmal zeigte sich die Mannschaft von ihrer besseren Seite – endlich einmal wieder. Jetzt geht es doch noch weiter, was viele vorher nicht für möglich gehalten hatten – aber zum Glück darf jetzt noch weiter gezittert werden. Zum Glück. Der HSV lebt noch. Jedenfalls ein bisschen. Wer hätte das gedacht?
Direkt abgestiegen sind Paderborn und der SC Freiburg, der 1:2 in Hannover verlor. Auch das war riesiges Glück! Und vielen Dank, nein, ein riesiges Dankeschön an Hannover 96, dass es diesen Sieg und kein Unentschieden gab, sonst läge ganz Hamburg jetzt wohl am Boden. Danke, 96!

Der Geist von Malente schwebte über diesem Spiel. Oder, wie auch schon geschrieben, das Abstiegsgespenst. Gestern war noch ein kleines, „inoffizielles“ Matz-ab-Treffen in Barmbek, das wieder ganz hervorragend organisiert war – von unserer „Hope/Eva“. Vielen Dank dafür, das war wieder einmal großartig (auch die Teilnahme von Buchautor Volker Keidel – „Mein Ditmar Jakobsweg“). Und es war wieder, für mich – bei diesem Tabellenstand – total überraschend, auch sehr gut besucht. Das ist überragend! Wenn die HSV-Mannschaft nur halbwegs so viel Einsatz und Herz gezeigt hätte, es wäre mindestens ein Mittelfeldplatz geworden. Aber es ist müßig, jetzt noch groß und breit darüber zu schreiben, es ist wie es ist. Bewundernswert, und dann komme ich zum Fußball, ist auf jeden Fall der fast grenzenlose Optimismus der „Matz-abber“, die alle noch von einem positiven Saisonausklang überzeugt waren. Auch das ist hervorragend und vorbildlich.

 

Im Presseraum war – wie immer – der Tipp der Medien gefragt. An einer Tafel prangten einige Ergebnisse, wie wohl das Spiel ausgehen werde. Die meisten hatten auf HSV-Sieg getippt. Zu gewinnen gab es – einen HSV-Gartenzwerg. Wie sinnig. Aber in Klammern war hinzugefügt worden: „Nur bei Nicht-Abstieg des HSV“ . . . Natürlich. Wer wollte denn sonst noch einen HSV-Gartenzwerg mit nach Hause nehmen?

 

 

Die Stimmung war grandios. Von Beginn an. Es wurde von Anfang an gesungen. Bis auf die Schalker Ecke (es sollten diesmal nur 5000 Anhänger aus Gelsenkirchen gekommen sein?), die dagegenhielten: „Nie mehr Erste Liga, HSV . . .“

 

Begann das Spiel eigentlich gut – für den HSV? Blitzschnell führte Hannover 96 gegen Freiburg 1:0, und auch der SC Paderborn gelang das erste Tor gegen den VfB Stuttgart. Damit war der HSV erst einmal Tabellenschlusslicht. Aber würde der HSV ein Tor erzielen und damit 1:0 in Führung gehen, stünde er gleich auf Platz 14. Das war doch Anreiz genug, etwas zu riskieren – nach vorne. Pech aber gesellte sich wieder einmal hinzu. Nach einem Tritt gegen Pierre-Michel Lasogga signalisierte die HSV-Spitze alsbald: „Auswechseln. Die Schulter.“ In der 27. Minute kam Artjoms Rudnevs für Lasogga und hatte sofort eine prächtige Chance, die bis dahin beste des Spiels: Lewis Holtby bediente den auf rechts in den Strafraum preschenden Heiko Westermann, kluger Rückpass – „Rudi“ hatte seine Beine noch nicht richtig sortiert, schoss sich mit rechts an die linke Wade, vorbei. Weit vorbei. Bitter. Ganz bitter. Weil man ja weiß, dass der HSV Chancen solcher Güte nur recht, recht wenige in einem Spiel bekommt. Aber gut, es ist so wie es ist. Und noch einmal der gute „Rudi“, diesmal zog er aus 20 Metern ab, zentral, aber er hatte immer noch kein Zielwasser getrunken (kam sein Einsatz zu plötzlich?) – wieder weit vorbei (38.).

 

Dann kam Schalke (ohne Dennis Aogo, der mit war, aber nicht im Kader, und mit Choupo-Moting auf der Bank). Der junge Abwehrmann Friedrich hätte aus fünf Metern nach einer Ecke den Ball nur treffen müssen . . . So gab es nur einen harmlosen Roller, den Marcelo Diaz auf der Linie stehend ohne Mühe abfing (39.). Und drei Minuten später die beste Möglichkeit der ersten Halbzeit: Nach einem krassen Abspielfehler von Diaz lief der Konter, Meyer bediente Huntelaar, der einen Moment lang unbewacht am Fünfer stand – doch der Niederländer trat in den Rasen und schoss weit vorbei, gestört noch von Johan Djourou. Das war Glück. Es blieb beim 0:0 – und es gab Beifall zur Pause. Trotz der Tatsache, dass der HSV teilweise zu pomadig, zu langsam und zu umständlich gespielt hatte, und dazu ohne große Bewegungen – von wegen anbieten, freilaufen.

 

„Ich verstehe diese vielen Quer- und Rückpässe nicht, der HSV muss doch gewinnen, also schneller nach vorne spielen. Er tut aber gerade so, als würde er schon 3:0 führen“, sagte „Dittsche“, Schauspieler und Komiker Olli Dittrich, der in weiß-blauer HSV-Jacke auf der Tribüne saß. Und dennoch hoffte er natürlich auf das eine, das erlösende Tor. Und das fiel nach dem Seitenwechsel. Eckstoß von links von Ivo Ilicevic, vorne verlängerte (?) Djourou fast artistisch mit der Hacke (anders ging es nicht), und so kam die Kugel zu Ivica Olic. Der stoppte, dann schoss er aus halblinker Position mit rechts – unhaltbar in die lange Ecke. Oben stand Olli Dittrich mit erhobenen Arme und feierte wie ein Triumphator. Und unten sauste Trainer Bruno Labbadia wieder auf den Rasen und drehte seine Ehrenrunde. Zudem waren sie alle von der Ersatzbank aufgesprungen und feierten ausgelassen am Rande (49.). Jetzt geht’s los!

 

Und wie. In der 58. Minute hieß es 2:0. Freistoß von Holtby aus halbrechter Position, und am Fünfmeterraum schraubte sich Innenverteidiger Slobodan Rajkovic in die Luft und köpfte mit dem Hinterkopf ein. Welch ein Jubel! Der Volkspark erzitterte, alle lagen sich in den Armen. Und „niemals Zweite Liga, niemals, niemals.“

 

Danach zog sich der HSV zurück, verteidigte geschickt und konzentriert. Bis auf die „Hundertprozentige“ für Schalke, die Eric-Maxim Choupo-Moting (ausgerechnet er!) vergab, weil Rene Adler großartig parierte, passierte nicht mehr so viel. 2:0. Jubel nach dem Schlusspfiff. Und das große Warten auf die anderen Ergebnisse. Rettung? Relegation? Oder was?

 

Es wurde die Relegation. Und dafür kassierte die Mannschaft dann doch noch viel Beifall. Die Mannschaft drehte schon eine Ehrenrunde, aber in Hannover wurde noch gespielt, kurz vor Schluss verkürzte Freiburg noch auf 1:2 – bei einem Unentschieden wäre der HSV abgestiegen! Aber dann lagen sich Lotto King Karl und Sky-Moderator Patrick Wasserziehr in den Armen – Schluss in Hannover. Am Donnerstag gibt es hier in Hamburg das erste Relegationsspiel – es wird weiter gezittert.
Daumen drücken!
Nur der HSV.

 

Die Einzelkritik

 

Rene Adler war die Ruhe selbst, wurde aber auch kaum einmal vor eine große Probe gestellt. Bis auf die 83. Minute. Da stand der eingewechselte Choupo-Moting allein vor ihm, der Schalker wollte den Keeper ausspielen – und scheiterte. Riesige Parade von Adler, eine Weltklasse-Parade.

 

Heiko Westermann ging rauf und runter, er gab wirklich wieder einmal alles – und wirkte früh kaputt (oder angeschlagen?). Er hielt bis zur 82. Minute durch, und das ist wieder vorbildlich zu nennen.

 

Johan Djourou trat souverän, haute sich immer wieder großartig rein, fuhr den Schalker Angreifern in die Füße – so soll es sein. Und so wollen ihn die Hamburger immer sehen.

 


Slobodan Rajkovic
war wieder derjenige, der den Ball immer wieder nach vorne schlagen musste – weil es kein anderer der Kollegen tat. Diesmal waren nicht ganz so viele Fehlpässe dabei. Hinten gab er sich keine Blöße, vorne erzielte er das so wichtige 2:0 – gut.

 

Matthias Ostrzolek hatte Farfan meistens im Griff, das allein ist schon mal okay. Ansonsten müsste er sich in Sachen Offengeist vielleicht einmal etwas mehr zutrauen.

 

Gojko Kacar hatte einige Fehlpässe auf Lager, zerriss sich aber ansonsten wie zuletzt immer. Viel unterwegs. Eine Stütze.

 

Marcelo Diaz erledigte einige „Dinge“ sehr lässig, aber er hatte meistens alles im Griff, auch wenn er einige Fehlpässe spielte. Bewahrte auch oft die Ruhe am Ball, was einige Kollegen von ihm nicht taten. Dennoch: Es muss mehr kommen von ihm.

 

Ivo Ilicevic spielte ein richtig gutes Spiel, alle Achtung. Es geht ja doch. Auch wenn er zuletzt ein wenig abtauchte.

 

Lewis Holtby war in Halbzeit eins kaum zu sehen, im zweiten Durchgang etwas besser – aber so richtig gut wurde er dennoch nicht.

 

Ivica Olic schoss das wichtigste Tor seiner zweiten HSV-Karriere, ackerte, kämpfte, war überall zu finden – das war gut.

 

Pierre-Michel Lasogga musste früh passen, da verletzt.

 

Artjoms Rudnevs (ab 27. Min. für Lasogga) war viel auf Achse, bäumte sich auf, wehrte sich, ging weite Wege – nur das Glück stand ihm beim Abschluss nicht zur Seite. Kommt das noch?

 


Dennis Diekmeier
(ab 82. Min. für Westermann) kämpfte noch tüchtig mit.

 

Petr Jiracek (ab 87. Min. für Olic) durfte noch mitmachen – und die Siegprämie kassieren.

 

Gleich werden wir, es könnte allerdings etwas später (15 Minuten vielleicht) werden, weil heute ja doch so einiges los ist im Volkspark. Da sich die Weg zu bahnen, könnte diesmal etwas schwerer werden.
Wir werden natürlich über den Saisonausgang sprechen, über das Schalke-Spiel, und da haben wir uns den „Glücksbringer“ der vergangenen beiden Heimspiel wieder eingeladen, den ehemaligen HSV-Profi Stefan Böger. Zudem gibt uns der in Deutschland bekannte und populäre Fußball-Journalist Jan-Christian Müller (Frankfurter Rundschau) die Ehre, er ist Dauergast bei Sendungen wie „Doppelpass“ (Sport1) und „Sky 90“. Das HA-TV, „Scholle“ und ich würden uns wieder sehr freuen, wenn Ihr uns per Bildschirm bei diesem Rückblick begleiten würdet. Bis gleich also.

 

17.47 Uhr

Die “Affen” tanzen, der HSV liegt am Boden!

16. Mai 2015

Stuttgart bezwingt den HSV im Abstiegs-Endspiel 2:1 – die „Affen“ tanzen, der HSV liegt am Boden. Nun muss es sich am letzten Spieltag zeigen, ob der HSV tatsächlich immer wieder aufstehen kann. Am Sonnabend geht es im Volkspark gegen Schalke 04 um alles – jetzt ist der HSV erst einmal auf den vorletzten Tabellenplatz zurückgefallen. Es scheint, als müsste auch in diesem Jahr wieder ein Wunder helfen, um den Dino vor der Zweiten Liga zu bewahren. Der HSV bot auch im Ländle eine erschütternde Leistung, der Tabellenletzte war klar und deutlich das bessere Team und gewann verdient. Die Hamburger hatten deutlich mehr Unzulänglichkeiten zu bieten, als der VfB, HSV-Trainer Bruno Labbadia schlug sich mehrfach entsetzt die Hände vor das Gesicht. So wird das kaum noch etwas. Und für das Schalke-Spiel fällt nun auch tatsächlich noch Kapitän Rafael van der Vaart aus, der sich in der Nachspielzeit die zehnte Gelbe Karte der Saison erbettelte – Schiedsrichter Manuel Gräfe erhörte den Niederländer! Jetzt hat es der HSV schon nicht al mehr in eigener Hand, den Abstieg noch zu vermeiden. So sieht die Realität im Mai 2015 aus. Gute Nacht!

 

Mit der Aufstellung überraschte Trainer Bruno Labbadia auch diesmal wieder. Es scheint ein Hobby von allen Fußball-Lehrern zu sein, die den HSV coachen. Diesmal kam Marcell Jansen wie Kai aus der Kiste, und Ivo Ilicevic musste wohl deswegen ins Team, weil er ein Rechtsfuß ist. Obwohl der frühere Lauterer mal gesagt hatte, dass er rechts eigentlich nicht spielen möchte. Nun gut, in der allergrößten Abstiegs-Not frisst der Teufel wohl doch Fliegen . . .

 

Die „Affen“, wie VfB-Trainer Huub Stevens seine Spieler in der Woche tituliert hatte, traten mit der stimmgewaltigen Unterstützung von 54 000 Zuschauern an – aber der HSV hielt tapfer dagegen. Und ging sogar mit 1:0 in Führung. Freistoß von halbrechts, den gab Rafael van der Vaart mustergültig (diesmal mustergültig!) vor das Stuttgarter Tor, und dort stieg am Elfmeterpunkt Gojko Kacar in die Luft und köpfte ein. Der Wahnsinn! Kacars drittes Tor in Folge! Das ist unfassbar! Und die Teamkollegen erdrückten den Serben fast vor Freude. Der HSV auf dem Weg zum rettenden Ufer?

 

Leider nein. Und ausgerechnet Kacar bereitete den Ausgleich der Schwaben vor. Der HSV-Torschütze hätte einen Ball weit und hoch aus dem Strafraum herausschlagen können, nein müssen, aber er traf den Ball nicht gut. Stuttgarts Serey Die fing den Ball leichtfüßig ab, und postwendend flog die Kugel wieder zurück in den HSV-Strafraum, weil Marcell Jansen die Flanke nicht verhindern konnte, im Gegenteil, er fälschte die Kugel noch leicht ab. Am Fünfmeterraum-Eck kam Gentner an den Ball, und der schoss, bedrängt von Slobodan Rajkovic, aus der Drehung den Ball durch die Beine von Rene Adler ins Tor (27.). Wie bitter. Plötzlich war Stuttgart hellwach.

 

Und legte nach. In der 35. Minute hieß es 2:1 für den Tabellenletzten. Eckstoß von links, am kurzen Pfosten verlängerte Gentner (setzte sich gegen Ivica Olic durch) den Ball auf das lange Eck, und dort schien die gesamte HSV-Defensive irgendwie eingenickt. Marcell Jansen ließ den aus Hamburg stammenden Martin Harnik (Vier- und Marschlande) gewähren, der auf der Torlinie (am Pfosten) stehende Ilicevic zog schnell mal den Kopf zwischen die Schultern – Tor. Wie bitter war das denn bitte? So kann man im Abstiegskampf, jedenfalls den in der Ersten Bundesliga, nicht agieren. Das ist ein ganz schlimmes Abwehrverhalten, spricht aber Bände für diesen HSV. Und wenn es ganz schlecht gekommen wäre, dann hätte Harnik kurz vor der Pause noch das 3:1 erzielt, nachdem er sich gegen Rajkovic und Johan Djourou durchgesetzt hatte, aber der Österreicher schoss dann doch zwei, drei Meter am HSV-Tor vorbei.

 

Halbzeit. Und Stuttgart jubelte. Weil der VfB dann ganz klar Chef im Ring war. Die „Affen“, die nach dem 2:1 auch wie die Affen getanzt hatten, waren deutlich besser. Der HSV leistete sich viele und in der Entstehung ganz amateurhafte Fehlpässe, Stuttgart war schneller, wirkte frischer, zeigte viele Ideen – und waren schlicht williger, auch viel hungriger auf den Erfolg. Die HSV-Spieler zeigten dazu einige ungewöhnliche technische Fehler. So „paddelte“ Ivica Olic gleich zweimal bei VfB-Eckstößen am Ball vorbei, als er an erster Stelle stand. So etwas darf ganz einfach nicht passieren – aber beim HSV ist das leider an der Tagesordnung.

 

Die Überlegenheit des Schlusslichtes, das längst am HSV vorbeigezogen war, wurde im zweiten Durchgang noch eklatanter. Der VfB stürmte mit Mann und Maus, und der HSV hatte kaum bis nichts dagegen zu setzen. In der 62. Minute schien das 3:1 fällig, überfällig sogar, als Harnik an Rajkovic vorbeigezogen war und quer legte, aber Djourou rettete in allerhöchster Not vor Ginczek – nur Eckball für den VfB. Und als kurz darauf Adler unter einer Flanke durchlief, hätte Didavi eigentlich nur köpfen müssen, dann hätte es 3:1 gestanden – aber der Stuttgarter zögerte zu lange, Chance vorbei. Glück für den HSV. Aber was hilft es?

 

Adler wehrte noch bravourös gegen den frei vor ihm auftauchenden Kostic ab, der Ball prallte danach gegen die Latte (83.). Und noch einmal Adler in der 88. Minute, als er super gegen den durchlaufenden Werner hält. Zum Schluss war das 1:2 für den HSV noch glücklich, weil es nur so knapp war.

 

Niemals Zweite Liga.
???? Das wird noch enger als 2014!

 

Der HSV spielte mit: Adler; Westermann,
Rajkovic, Djourou, Ostrzolek; Kacar, van der Vaart; Ilicevic, Jansen (64. Min. Jansen); Olic; Lasogga (58. Min. Rudnevs).

 

Die Einzelkritik

 

Rene Adler leistete sich eine Schwäche, ansonsten bewahrte er den HSV vor einer höheren Niederlage. Das war eine Weltklasse-Leistung, Note eins mit Sternchen. Aber was hilft es, wenn eine solche Benotung nur auf den Torwart zutrifft?

 

Heiko Westermann hatte gegen den pfeilschnellen Kostic einen ganz schweren Stand, zweimal wurde er regelrecht „nass“ gemacht, ansonsten war das halbwegs in Ordnung.

 

Slobodan Rajkovic wirkte hölzern und langsam, im Moment scheint er mehr und mehr an Form zu verlieren.

 

Johan Djourou war der einzige Lichtblick in der Viererkette, der Schweizer warf sich immer wieder in die Angriffe der Schwaben – das war okay.

 

Matthias Ostrzolek schwamm mit, und zwar tüchtig, da war von Souveränität und Erstliga-Niveau nicht allzu viel zu erkennen.

 

Gojko Kacar markierte „sein“ Tor, da sah alles noch rosig aus, aber dann ging es bergab mit dem HSV – leider auch für den Serben.

 

Rafael van der Vaart ging leider nach dem 1:1 stetig mit unter.

 

Ivo Ilicevic war nie zu sehen. Warum er das so lange zeigen durfte? Ich weiß es nicht! Null Zweikampfverhalten, das mal nur so nebenbei.

 

Marcell Jansen blieb fast alles schuldig, leider, leider.

 

Ivica Olic das war überhaupt nichts. Und zwar 90 Minuten lang.

 

Pierre-Michel Lasogga tauchte von der ersten Minuten an ab und spielte viel zu lange.

 

Artjoms Rudnevs (ab 58. Min. für Lasogga) wollte bestimmt, konnte aber nichts mehr bewegen. Weil sein Umfeld es auch nicht mehr konnte.

 

Zoltan Stieber (ab 64. Min. für Jansen) ist nicht der Typ, der reinkommt und alles durcheinanderwirbelt. Das bewies er auch in Stuttgart.

 

Das war es zunächst vom Spiel gegen Stuttgart. Wir sind dann gleich wieder mit „Matz ab live“ zur Stelle, um über die Partie gegen die Schwaben zu sprechen. Unsere Gäste sind heute der ehemalige HSV-Abwehrspieler Detlef Spincke sowie Hamburgs erfolgreichster Amateurtrainer, Bert Ehm, zurzeit Manager des TSV Sasel. Wir vom Abendblatt-TV würden uns sehr freuen, wenn Ihr wieder zahlreich „einschalten“ würdet.

 

PS: Die Zweite hat heute ihr Regionalliga-Spiel in Lübeck gegen den VfB mit 2:0 gewonnen. Ahmet Arslan, der ehemalige Lübecker, erzielte das 1:0, Matti Steinmann den 2:0-Endstand – schon vor dem Seitenwechsel. Glückwunsch!

 

PSPS: Wer immer noch mehr HSV und Fußball will, der sollte morgen den „Sportclub live“ im Dritten Programm (NDR) einschalten. Da sind der frühere HSV-Trainer Frank Pagelsdorf und der ehemalige Volleyball-Bundestrainer, heutige Mental-Coach und immer noch HSV-Ehrenmitglied Olaf Kortmann (auch bei uns schon mehrfach zu sehen) zu Gast. Viel Spaß.

 

17.27 Uhr

René Adler: „Stuttgart ist kein Endspiel!“

12. Mai 2015

Konzentrieren wir uns auf Stuttgart. Als Sinnbild für die notwendige Haltung für dieses vielleicht entscheidende Spiel im Abstiegskampf präsentierte sich heute Torwart Rene Adler. Der 30 Jahre alte Keeper wird nicht nur von seiner Freundin gefordert, wie wir heute lesen konnten, sondern ist auch als Führungsfigur mit einer extrem klaren Einstellung beim HSV gefragt. Selten war es so überzeugend wie heute, was Adler kurz vor dem Ende dieser Saison sagte.

„Ich glaube, es ist der größte Fehler zu denken: Wir fahren nach Stuttgart und es ist ein Endspiel! Für mich ist das kein Endspiel. Die Situation vor drei, vier Spielen war viel aussichtsloser. Wir können aus eigener Kraft die Liga halten. Das ist viel besser, als auf andere angewiesen zu sein.“

„Wir sind alle überzeugt, dass wir es schaffen!“ Immer wieder betont Rene Adler die eigenen Stärken, die er in einen realistischen Kontext setzt. „Wir haben eine Ausgangssituation, die wir uns mit brutal harter Arbeit geschaffen haben. Vor dem Bremen-Spiel haben selbst die größten Optimisten nicht mehr an uns geglaubt. Jetzt haben wir wieder alles in eigener Hand.“ Es werde unter Bruno Labbadia konsequent an der Taktik gearbeitet – und vor allem der Teamgedanke hoch getragen. Diese Einschätzung hören und lesen wir immer wieder in den vergangenen Tagen. Und selbst, wenn wir uns alle fragen, wo bitteschön dieser Teamgedanke vorher war, und ob es sich jetzt nicht alles ein wenig zu pathetisch und mantramäßig anhört – im Moment benötigt der HSV diese positiven Gedanken.

Noch so eine der Weisheiten, die abgedroschen klingen mögen, die aber den Kern treffen: „Wir beschäftigen uns jetzt nicht mit Stuttgart. Wir sehen unsere eigenen Stärken. Klar, der Gegner wird analysiert, aber unser Ziel ist, mit unserer Stärke nach Stuttgart zu fahren, um dort zu gewinnen.“ Überhaupt müsse sich inzwischen jeder Gegner warm anziehen, wenn er auf den HSV treffe. „Wir sind in den letzten drei Spielen zurückgekommen. Immer gab es Niederschläge, und wir haben dennoch reagiert. Kein Gegner kann sich mehr sicher sein, wenn er gegen uns mit 1:0 führt.“

Warum er all diese positiven Eindrücke hat, konnte Rene Adler auch ganz deutlich benennen. „Es macht wieder Freude, Fußball zu spielen“, so Adler. „Natürlich kann man sich Schöneres vorstellen, als im Abstiegskampf zu stecken. Aber ich fahre mit großer Lust zum Stadion und zum Training. Es macht Spaß, mit der Mannschaft zusammen etwas zu entwickeln, was wir dann gemeinsam am Wochenende zeigen wollen. Das spüre ich wirklich.“ Und das alles durch den Trainerwechsel hin zu Bruno Labbadia.

„Wenn ich jetzt sage, was mir gefällt, dann wird es so ausgelegt, als würde ich etwas gegen die anderen Trainer sagen. So ist das nicht gemeint“, stellt Adler klar. „Aber das der Teamgedanke über allem steht, ist einfach Fakt. Vielleicht“, so der Torwart weiter, „ist es vorher auch menschlich gewesen, dass sich jeder Einzelne angesichts des großen Trubels ein bisschen mehr um sich selbst kümmert. Mittlerweile habe ich diesen Eindruck nicht mehr.“

Adler weiter: „Es ist schon so, dass Bruno Labbadia eine Leidenschaft und eine Entschlossenheit und auch Spaß vorlebt, der es ausmacht. Das ist anders als vor ein paar Monaten – unabhängig von meiner Position. Das ist es, was Mannschaftssport ausmacht.“ Dass dann Einzelne hervorstechen, ist ein normales Phänomen. Beispiel Gojko Kacar. „Wie ich Gojko kennen gelernt habe, hat er sich immer aufgeopfert. Harte Arbeit wird immer belohnt. Jetzt hat er die beiden wichtigsten Tore seiner Karriere geschossen. Mit seinem Charakter ist er eine zentrale Figur für unsere Mannschaft.“

Noch einen Vergleich zieht Adler – diesmal nicht zwischen den Trainern, sondern zum Abstiegskampf in der vergangenen Saison: „Letztes Jahr war es unruhiger im Verein. Es war mehr Tumult da. Ich spüre jetzt Geschlossenheit. Von uns wird viel ferngehalten, das ist entscheidend, warum wir so gepunktet haben. Und das ziehen wir jetzt gnadenlos durch, und dann gehen wir alle davon aus, dass wir in den Urlaub fahren als Erstligisten.“

Auf seine eigene Position angesprochen, hatte Adler heute keine Lust, ins Detail zu gehen. Einzelne Personen seien jetzt nicht wichtig, so der Keeper. Und überhaupt: „Fußball ist ein Tagesgeschäft.“ Vergangene Saison wurde Jaroslav Drobny zum Retter des HSV im Abstiegskampf, nun ruht alles Vertrauen auf Rene Adler.

Wichtig für Adler ist neben der absoluten Konzentration auf die anstehenden Aufgaben eine gesunde Mischung aus An- und Entspannung. „Ich war gestern mit Lewis und Pierre Golf spielen“, sagte Adler. „Wir brauchen einfach den sportlichen Wettkampf.“ Aber eben in ungezwungener Atmosphäre ohne Druck. Sieben Tage in der Woche den Kessel unter Volldampf zu halten – davon hält Rene Adler aus seiner Erfahrung heraus wenig. Er erläuterte, dass er sich die anderen Fußballspiele der Konkurrenz lieber nicht angucke. Da werde er nur noch nervöser und verbrauche Energie, die er für sein eigenes Spiel brauche.

Die Haltung, die bei Rene Adler deutlich wird, schätzt auch der Vereins-Vorsitzende Dietmar Beiersdorfer. Heute hat Beiersdorfer beim SOS-Kinderdorf in Dulsberg einen Scheck über 25.000 Euro überreicht. Ein großartiger Erfolg einer entsprechenden Initiative über den „Hamburger Weg“. „Für uns ist das wie ein Sechser im Lotto“, sagte Stefan Rebbe, der Einrichtungsleiter in Dulsberg. Und auch, wenn das mit Fußball wenig zu tun hat, darf dies mal gesagt und geschrieben werden. Ich habe jetzt einige Aktionen, meist auf PR-Basis, des Hamburger Weges verfolgt in den vergangenen Jahren. Egal wie das jeweilige Konzept gestaltet war oder wie hoch die Spende im Einzelnen ausfiel – es wird viel Gutes getan mithilfe dieser Idee, die unter Vorstands-Mitglied Katja Kraus und durch Unterstützung mit dem damaligen Bürgermeister Ole von Beust ins Leben gerufen worden war.

Beiersdorfer nahm auch eine Einschätzung von Rene Adler vor. Dass dabei nicht viel Negatives herauskam, liegt auf der Hand: „Rene war immer da. Natürlich hat er die eine oder andere Verletzung gehabt, aber jetzt hat er wieder das Vertrauen. Er ist ein toller Rückhalt der Mannschaft. Jeder muss spüren und leben, dass er in den letzten Tagen der Saison alles für den HSV geben muss. Das macht Rene großartig.“

Beiersdorfer schwor dann auch noch die gesamte Mannschaft auf die nächsten beiden Aufgaben ein: „Man muss versuchen, die Spiele zu gewinnen. Das ist gar nicht so schwer – nicht das Gewinnen, sondern dieses Ziel zu definieren. Jetzt kommt das schwere Auswärtsspiel in Stuttgart. Es ist eine Riesenchance für uns, einen weiteren Schritt zu machen. Das wollen wir tun.“

Faktisch Neues, etwa Vertragsfragen („Nach der Saison.“) oder zum Wiedersehen mit Huub Stevens („Huub ist ein großer Trainer, der viel erreicht hat und immer wieder gezeigt hat, was er leisten kann.“), gab es heute von Beiersdorfer nicht.

Im Volkspark wurde derweil gleich zwei Mal trainiert. Ein paar Dutzend Zuschauer freuten sich, dass ein Laster aus Tschechien, auf dem Rollrasen für die neuen Trainingsplätze geliefert worden war, als Tribüne taugte, um über die Planen auf die Übungseinheiten der Profis zu schauen. Dort ging es vormittags und nachmittags ziemlich hart zur Sache. Rudnevs und Holtby wurden erwischt – und Johan Djourou. Der Schweizer Verteidiger musste mit dick bandagiertem rechtem Knöchel sogar vorzeitig in die Kabine gefahren werden. Bruno Labbadia geht nicht davon aus, wie er anschließend sagte, dass etwas Schlimmes passiert sei. „Noch mache ich mir keine Sorgen.“ Aber etwas bedrohlich sah es nach dem Zusammenprall mit Lewis Holtby doch aus.

Morgen wird um 15 Uhr noch einmal in dieser Woche öffentlich trainiert, ehe der HSV vor der Stuttgart-Partie die Zäune hochzieht.

Lars
18.30 Uhr

Gojko Kacar rettet den HSV erneut – 1:1!

8. Mai 2015

Das war knapp! In der letzten Minute schaffte der HSV doch noch den Ausgleich gegen den SC Freiburg. Das 1:1 hilft zwar nicht so gut wie die beiden letzten Siege zuletzt, aber immerhin wurde der Abstand zu den Breisgauern gewahrt. Deswegen war der Hamburger Jubel nach dem Schlusspfiff auch riesig, gigantisch, sensationell. Es bleibt aber festzuhalten, dass dieser HSV über eine Stunde lang wieder in alte Schwächen zurückgefallen war und nur ein sehr, sehr dürftiges Spiel abgeliefert hat. Das war weder Fleisch noch Fisch, das war kein Abstiegskampf noch war irgendwie etwas von spielerischer Linie zu sehen – von spielerischer Klasse mal ganz abgesehen. Das war Dusel, das war viel Glück – und das war wieder einmal Gojko Kacar, der in der 90. Minuten das 1:1 köpfte. Der Abstiegskampf wird im Kopf entschieden, aber diesmal half auch das Glück – wieder einmal. Hoffentlich geht es gut – am nächsten Sonnabend geht es zum nächsten Abstiegsendspiel nach Stuttgart. Und an diesem Wochenende kann der HSV nun in Ruhe abwarten, was die Konkurrenz macht. Noch ist nichts entschieden, es wird noch eine ganz, ganz heiße Schlussphase dieser Spielzeit geben. Der Fußball-Gott möge dem HSV erneut so beistehen, wie im Sommer 2014!
Nur der HSV!


 

Man, man, man! Fußball-Hamburg auf Wolke sieben. Vorher. 3:1, 4:1, 3:0 – so kann es gehen. Nach zwei Siegen am Stück sind die Hanseaten nicht mehr zu bremsen, sie flippen regelrecht aus. Nur der HSV! Klar. Wer soll hier denn sonst siegen? Mehr Optimismus geht gar nicht. Vergessen ist der Rest der Saison, als hier Zweitliga-Fußball geboten wurde. Jetzt ist alles neu – der Trainer wird es schon richten. Immer wieder habe ich heute gehört, dass man Bruno Labbadia vor etwas weniger als sechs Jahren niemals hätte vor die Tür setzen dürfen. Ja, aber ein Trainer, auch wenn er noch so heiß ist, kann nur ohnmächtig am Rande stehen, wenn seine elf Spieler wieder einen Rückfall in alte Zeiten erleben. Oder hinlegen. Dramatisch. Freiburg spielte in Hamburg Fußball mit dem HSV. Auf meinem Notizblock habe ich nach 20 Minuten geschrieben: „Schon jetzt würde sich Bruno Labbadia wohl schon den Halbzeitpfiff ganz dringend herbeisehnen, damit er seine Truppe aufwecken kann.“ Und zu diesem Zeitpunkt stand es noch 0:0 . . .

 

Allmählich werde ich neurotisch, gebe ich ehrlich zu. Wenn ich solche Trainer am Rande ausrasten sehe. An diesem Mittwoch Pep Guardiola in Barcelona, jetzt der Herr Streich in Hamburg. Unfassbar. Ob diesem Coach schon jemals 90 Minuten von ihm am Stück vorgeführt worden sind? Und ob er dann nicht sofort den Job hinschmeißen würde. Was Streich da am Rande fabriziert, wie er gestikuliert, jedem Ball die genau richtige Richtung anzeigt, jedes Foul erkennt, jeden Einwurf richtig zuordnet – man, wie geht mir das auf den Zeiger! Wann pfeift der Herr eigentlich sein erstes Bundesliga-Spiel? Das ist doch längst überfällig! Bereits nach einer Minute und 20 Sekunden wurde Streich beim vierten Offiziellen vorstellig, weil der Trainer natürlich erkannt hatte, dass Lewis Holtby nur mit einer Schwalbe einen Freistoß für sich herausgeholt hat. Das ist unmenschlich. Wie halten die Schiedsrichter so etwas aus?

 

Natürlich hat es daran nicht gelegen, dass der HSV so chancenlos und teilweise hilflos Fußball gespielt hat. Das hatte mit Streich nun wirklich nichts zu tun. Natürlich nicht. Dabei wurde die Mannschaft von Beginn lautstark unterstützt und von den Fans getragen. Mehr Stimmung geht nicht. Aber die HSV-Spieler ließen sich davon nicht anstecken. Leider, leider. Woran das lag? Vielleicht schon zu gut, die ganze Stimmung, die Euphorie in der Stadt?

 

Freiburg begann stark. Und blieb auch stark. Bereits nach acht Minuten hätte es 0:1 stehen können, doch Rafael van der Vaart grätschte am Elfmeterpunkt noch gerade so eben in den Schuss, sodass er damit einen Freiburger Treffer verhinderte. Großartig. In der 14. Minute der erste HSV-Schuss: Pierre-Michel Lasogga von der Strafraumgrenze, doch Bürki im SCF-Tor hält. Drei Minuten später der erste HSV-Eckstoß, getreten von rechts von van der Vaart. Abgewehrt, Konter. Darida gegen die HSV-Absicherung Matthias Ostrzolek und Lewis Holtby. Innerhalb von Sekunden aber waren noch vier weitere Hamburger zurückgeeilt und beendeten den Vorstoß. Dafür gab es viel Applaus von den Zuschauern, die es honorierten, wie gut in diesem Fall verteidigt wurde.

 

In der 18. Minute höchste Alarmstufe im HSV-Strafraum. Van der Vaart, Slobodan Rajkovic verhinderten mit letztem Einsatz ein Gegentor, doch dann stand Freiburgs Klaus plötzlich drei Meter frei vor Adler – und der HSV-Keeper hielt mit einer Weltklasse-Parade a la Neuer sein Tor sauber. Die Chance der Freiburger eingeleitet hatte an der Mittellinie Ivica Olic, der einen Ball leichtfertig herschenkte. Das macht mich fassungslos, wieso das so einfach geht!
Spätestens jetzt hätte ein Umdenken in der HSV-Truppe erfolgen müssen, die Mannschaft sich zusammenreißen müssen, aber es wurde weiter nach Schema F gespielt. Amateurhaft. Null Aufbau. Hin und her und quer und zurück – dann ein langes Ding. So einfallslos. Oder soll man besser sagen: so hilflos, so ideenlos. Das ist zu wenig, wenn man im Abstiegskampf bestehen will. Viel, viel zu wenig.

 

Dennoch hätte es in der 24. Minute im Freiburger Tor klingeln können, denn Zoltan Stieber zog aus 15 Metern ab, der Ball wurde abgefälscht – und dennoch parierte Bürki die Kugel mit dem Fuß. Das Tor fiel dann Sekunden später auf der Gegenseite. Abstoß Bürki, kurz hinter der Mittellinie verlor Raijkovic das Kopfballduell gegen den ehemaligen HSV-Spieler (U23) Guede, Mehmedi lief Johan Djourou leichtfüßig davon – und schoss den Ball hart, aber nicht platziert auf das Tor. Der Schuss aus elf Metern (halbrechte Position) flog aber ins Tor, weil Rene Adler seine Arme nicht schnell genug hoch bekam. Haltbar? Ich vermag das nicht zu sagen, das sollen mir Torhüter erklären – aber ich würde eher haltbar sagen. Auf jeden Fall nicht unhaltbar. Und auf jeden Fall 1:0 für Freiburg, und das nicht unverdient.

 

Plötzlich und unerwartet war die alte Verunsicherung beim HSV wieder da. Sie war schon weg, in den Gedanken vieler jedenfalls, aber so schnell geht das im Fußball. Wenn die ersten Aktionen nicht klappen, dann geht es oftmals in die Hose. Da es spielerisch schon nicht klappen wollte, hätte die Mannschaft aber wenigstens hundertprozentig kämpfen sollen – aber das war auch kein Abstiegskampf. Höchstens Abstiegskämpfchen. Wenn überhaupt.

 

In der 40. Minute geht Stieber im Strafraum der Freiburger zu Boden, Klaus (der Sohn des ehemaligen HSV-Stürmers Fred Klaus) hatte ihn attackiert, aber der gute Schiedsrichter Knut Kircher ließ weiterspielen – und das war wohl auch richtig so. Für Trainer Streich ohnehin . . . Sekunden vor dem Pausenpfiff hatte Lasogga dann noch „einen“ auf dem Fuß, doch sein Drehschuss aus 16 Metern flog relativ weit am langen Pfosten vorbei ins Aus. Pfiffe zur Pause.

 

Beide Mannschaften kamen unverändert aus den Kabinen. Beim HSV überraschte das, aber wer hilft dem HSV in einer solchen Truppe, in der kaum etwas zusammenläuft? Da ist kein „Überflieger“ mehr auf der Bank. Bruno Labbadia hatte umgestellt, nahm Holtby ins Mittelfeld zurück, beorderte Olic neben Lasogga nach vorne. Ein Versuch. Es war ein Anfang für eine bessere Struktur in der Hamburger Offensive. Und immerhin gab es dann doch einen Wechsel: In der 58. Minute ging der schwache Holtby, für den Marcell Jansen kam. Der HSV spielte auf den Norden zu, der mächtig Stimmung machte – aber außer einigen kleineren Chancen war da nichts Zwingendes dabei. Es sah mitunter gefällig aus, mehr aber auch nicht.

 

Das Spiel wurde erst offener, dann wurde der HSV allmählich überlegen – bei Freiburg ließ die Kraft nach. Bruno Labbadia setzte in der Schlussphase voll auf Offensive – wa sblieb ihm auch anderes übrig? Und er setzte auf die richtige Karte. Der Ausgleich fiel doch noch. Zum Glück. Zum Glück! Eckstoß von links von van der Vaart, in der Mitte stiegen drei Hamburger hoch, Olic köpfte die Kugel (wohl?) auf das Tor, doch Bürki war zunächst mit einer Faust zur Stelle. Gojko Kacar aber gab nicht auf, er stieg in die Luft und köpfte den Ball noch an Bürki vorbei ins Netz. Der Rest war Jubel.

 

Bis auf die 95. Minute. Freistoß für Freiburg am HSV-Strafraum, abgewehrt. Es hätte ein Konter gefahren werden können, doch von der Freiburger Bank wurde kurzerhand ein zweiter Ball auf das Feld geschossen. Sehr sportlich. Aber Knut Kircher pfiff die Partie ab. Während sich am Rande beide Lager der Ersatzspieler zofften.
Ob der Herr Streich wohl wütend gegen den Mann vorgegangen ist, der den Ball auf dem Platz schoss? Müsste er doch – als Ehrenmann und als Sportsmann. Hat er bestimmt auch, er wird diesen Mann zur Rechenschaft ziehen, ganz sicher. Ganz, ganz sicher!

 

Niemals Zweite Liga. Vor allem im Norden wurde gefeiert. Weil der HSV doch noch so gerade dem Tod von der Schippe gesprungen war. Toll, diese Fans!

 

Der HSV spielte mit: Adler; Westermann, Rajkovic, Djourou, Ostrzolek (79. Min. Rudnevs); Kacar, van der Vaart; Stieber (86. Min. Beister), Olic; Holtby (58. Min. Jansen); Lasogga.

 

Die Einzelkritik

 

Rene Adler sah beim 0:1 nicht ganz so glücklich aus, ansonsten aber zeigte er sich von seiner besten Seite und hielt mehrfach glänzend. Seine Fußarbeit (Abstöße) könnten aber besser werden.

 

Heiko Westermann ackerte hinten rechts – und zeigte eine gute Partie.

 
Slobodan Rajkovic war lange nicht so souverän, wie zuletzt.

 

Johan Djourou zeigte diesmal eine schwächere Partie, er wirkte unsicher, verlor sogar etliche Kopfballduelle – das war allerhöchstens Note fünf! Die Rettungsaktion in der 79. Minute bewahrte ihn vor einer glatten Sechs – da verhinderte der Schweizer das 2:0 gegen Petersen.

 

Matthias Ostrzolek stand zu oft zu weit von seinem Gegenspieler entfernt, sodass der immer den Ball annehmen konnte. Ganz Hamburg wartet immer noch darauf, dass bei ihm mal der Knoten platzt. Ob der aber noch platzt? Ich habe meine Zweifel – so ganz allmählich.

 

Gojko Kacar fand langsam ins Spiel, aber dann war er fast in der Verfassung, in der er zuletzt so geglänzt hatte. Aber insgesamt nicht so wirkungsvoll wie in den Spielen zuvor. Er rettete den HSV erneut.

 

Rafael van der Vaart vergab viele Freistoßmöglichkeiten, weil die Bälle auf dem Weg in die Gefahrenzone „verhungerten“. Das war diesmal zu wenig, denn er hatte seine besten Szenen zu Beginn, als er gleich dreimal in höchster Not grätschend rettete.

 

Zoltan Stieber zeigte nur hin und wieder seine Gefährlichkeit, er tauchte zu oft zu lange ab. Da muss, nein, da müsste viel mehr kommen.

 

Ivica Olic fand in Halbzeit eins kaum einmal statt, dann auch nur sehr, sehr sporadisch. Von ihm aber kam der Kopfball in der 90. Minute, der dann noch zum späten Ausgleich führte – durch Kacar.

 


Lewis Holtby
war nie zu sehen, das war eher eine glatte Sechs.

 

Pierre-Michel Lasogga blieb ohne echte Torszene, deswegen auch hinter den hohen Erwartungen, die er zuletzt geweckt hatte, zurück. Trotz seines Kampfeseifers.

 

Marcell Jansen
(ab 58. Min. für Holtby) spielte mit, mehr auch nicht. Schade.

 

Artjoms Rudnevs (ab 79. Min. für Ostrzolek) hatte in der 81. Minute das 1:1 auf dem Fuß, als er nach Jansens Flanke aus vier Metern zum Schuss kam – aber neben das Tor zielte. Ansonsten hätte ich ihn gerne wegen seiner unorthodoxen Art etwas eher gesehen.

 

Maximilian Beister (ab 86. Min. für Steiber) sollte noch etwas versuchen, ganz sicher wollte er es auch – aber die Zeit war zu knapp. Immerhin, mit ihm fiel der Ausgleich.

 

Das war es zunächst vom Spiel gegen Freiburg. Wir sind dann gleich wieder mit „Matz ab live“ zur Stelle, um über die Partie gegen die „Streich(er)“-Truppe zu sprechen. Unsere Gäste sind heute zwei ehemalige HSV-Profis. Der eine war einst der Nachfolger von Uwe Seeler, es handelt sich um Klaus Fock (Stammverein TuS Finkenwerder). Der zweite Mann an unserer Seite ist Stefan Böger, den wir nach dem (und seinem) Auftaktsieg gegen Augsburg als Glücksbringer gebeten haben, wieder mit von der Partie zu sein. Wir vom Abendblatt-TV würden uns sehr freuen, wenn Ihr wieder zahlreich „einschalten“ würdet.
Dieter
 

22.39 Uhr

 

Riesig, Gojko, Hamburg liegt Dir zu Füßen!

3. Mai 2015

Ist das sensationell! Der HSV ist wieder da, er lebt, er ist auf Platz 14 vorgerückt – und hat das Abstiegsgespenst ein wenig geschockt. Herrlich! Der HSV siegt in Mainz 2:1 und darf weiter von der Rettung träumen. Der Druck auf die Mannschaft war riesig, vor dem Anpfiff, aber die HSV-Profis hielten diesem Druck Stand. Hamburg spielte lange Zeit sehr gut in Mainz, holte die Hausherren aber in der Schlussphase doch noch wiedre ziurück ins Spiel – kassierte den Ausgleich und kam doch noch zurück. Zum Sieg. Gojko Kacar war in der 87. Minute erfolgreich, ausgerechnet der „Aussortierte“ Serbe, der trotz allem eine vorbildliche Einstellung an den Tag legt. Super. Gojko, ganz Hamburg liegt Dir zu Füßen! Jetzt am Freitag gegen Freiburg nachlegen, mit einem Sieg natürlich, und dann hängt der Hamburger Himmel voller Geigen!

 

Morgens um zehn Uhr war die Welt für mich nicht mehr so ganz in Ordnung an diesem Sonntag. Ich hörte, gemeinsam mit Frau M., Radio Hamburg, und dort wurde gemutmaßt, dass der HSV eventuell (oder sicher?) seinen Teamgeist in Hamburg vergessen hätte. Oha! Was soll das werden? Die Entwarnung kam dann aber so gegen 15.30 Uhr, denn von Beginn an zeigte der HSV sein neuestes Gesicht. Die Mannschaft trat als Einheit aus, sie spielte konzentriert und auch sehr diszipliniert. Und sie stand kompakt, hatte die Räume bestens zugenagelt. Was darüber hinaus auffällig war: Der Ball wurde in den eigenen Reihen gehalten, nur wenn es wirklich eine Möglichkeit ging, mit Tempo nach vorne zu spielen, wurde das auch beherzt getan. Ansonsten aber wurden die Mainzer klug in Schach gehalten, die quirligen 05-Offensivkünstler wurden so geschickt gebremst, denn sie kamen nicht so oft an den Ball, wie sie es sich vielleicht – oder ganz bestimmt – gewünscht hätten.

 

Der HSV begann gegenüber dem Spiel gegen Augsburg mit einer auf einer Position veränderten Aufstellung. Statt Zoltan Stieber stand der ehemaliger Mainzer Nicolai Müller in der Anfangsformation. Bruno Labbadia hatte wohl auch die Karte gesetzt, dass die „Ehemaligen“ sehr gerne gegen ihren früheren Arbeitgeber treffen – und generell auch spielen. Für Müller aber war das Spiel früher beendet, als gedacht, denn in der 39. Minute ging er gezerrt vom Platz. Es kam aber nicht, wie von mir erwartet, Stieber, sondern Marcell Jansen.

 

Natürlich hatten die Mainzer von Beginn an mehr vom Spiel, sie führten zur Halbzeit auch mit 5:0 Ecken, aber nur zweimal bestand die Gefahr, dass der HSV in Rückstand geriete. In der achten Minute schoss Jairo aus halbrechter Position scharf auf das Tor, Rene Adler tauchte blitzschnell ab und wehrte den Ball auch ab – nur zur Mitte. Da hatte der HSV dann Glück, dass kein Mainzer einschussbereit war, Heiko Westermann schoss den Ball zwar nicht souverän, aber er klärte – ebenfalls mit Glück. Die zweite Mainzer Möglichkeit genau zehn Minuten später, als Baumgartlinger aus 23 Metern abzog, doch Adler flog ins bedrohte linke Ecke und lenkte den Ball zur Ecke.

 

Im Dauerregen von Mainz kam der HSV dann aber stetig besser ins Spiel. Und in der 29. Minute (!), also nach einer halben Stunde, riskierte Ivica Olic auch den ersten Torschuss. Der Kroate zog aus 25 Metern ab, aber der Ball stieg in die zweite Etage und flog zudem weit am Tor vorbei. Immerhin, der erste Versuch war gestartet . . . Weil es ja so viele davon nicht gibt, im Spiel des HSV.

 

In der 30. Minute dann ein böser Zusammenprall im Mittelfeld: Rafael van der Vaart und der Mainzer Soto gingen zum Ball, beide Spieler gingen danach auch zu Boden – und Soto musste mit einer schweren Verletzung vom Platz getragen werden. Das sah ganz, ganz schlimm aus, gute Besserung für den Mainzer Strategen, aber er wird ganz sicher in dieser Saison nicht mehr auflaufen können.

 

Van der Vaart konnte dann weitermachen, und er hatte in der 35. Minute eine große Chance auf dem linken Fuß. Der HSV stürmte in Überzahl, aber der „kleine Engel“ schaltete nicht schnell genug, er verpasste den geeigneten Moment zum Abspiel – und ließ sich auf der Strafraumgrenze noch stoppen. Da war mehr drin. Doch damit hatte der HSV auf jeden Fall mal angedeutet, dass auch er in der Offensive gefährlich werden kann.

 

Und zwei Minuten später stand es sogar 0:1 in Mainz. Wieder ein Hamburger Konter, diesmal über rechts. Westermann umkurvte am Strafraumeck Gegenspieler Koo, flankte dann zur Mitte – mit links! Baumgartlinger wollte per Kopf abwehren, verlängerte den Ball aber so unglücklich, dass der Ball – für den HSV total glücklich – sich hoch in den linken Torwinkel senkte, unhaltbar für Torwart Karius. Der Bann war gebrochen. Sensationell. Eine Westermann-Flanke in den siebten Hamburger Himmel! Jetzt hieß es nur noch, die letzten 53 Minuten ohne Gegentor zu überstehen . . . Und vorne vielleicht doch noch das eine oder andere Tor (!) zu machen. Ivo ILicevic schoss in der 38. Minute aus 23 Metern, aber genau auf Karius, der die Kugel ins Feld zurückfaustete. Und unmittelbar vor dem Pausenpfiff hatte Marcell Jansen dann das 2:0 auf dem linken Fuß, aber nach Vorlage von Pierre-Michel Lasogga schoss der Mittelfeldspieler zu schwach, 05-Keeper Karius hielt ohne Mühe – auch da war wesentlich mehr drin. Halbzeit.

 

Nach dem Seitenwechsel gleich große Aufregung am Mainzer Strafraum. Bungert hatte Jansen gelegt – drin? Oder doch eher draußen? Der gute Schiedsrichter Peter Sippel hatte es genau gesehen, draußen – nur Freistoß. Und den versemmelte Lasogga. Aber trotz allem, auch das war ein guter Auftakt. Der HSV zeigte Zähne. Und hatte das 2:0 vor Augen. Nach einer Ecke von van der Vaart stieg Gojko Kacar neun Meter vor dem Tor der Mainzer hoch, köpfte die Kugel aber genau auf Karius (55.). Pech. Aber auch ein Zeichen, dass Mainz noch einmal kommen wollte. Und Mainz kam. In der 69. Minute war die Hamburger Defensive zu weit aufgerückt und einigermaßen unsortiert, Koo, der einst auch mal zum HSV kommen sollte, lief in den Hamburger Strafraum und schoss aus zwölf Metern – an den Pfosten. Glück für den HSV, obwohl Adler auch im bedrohten Eck war.

 

Das aber war die Zeit des Erwachens der Mainzer. Sie drückten. Und der HSV wackelte. Bedenklich sogar. Wieso? Das werden wir gleich bei „Matz ab live“ klären können – vielleicht. Auf jeden Fall drückten die Hausherren, und sie hatten Erfolg. Brosinski wurde rechts in den Strafraum geschickt, Johan Djourou stand zu tief und hob die Abseitsstellung auf – Rückpass, den der eingewechselte De Blasis täuschend durchließ, sodass der ebenfalls eingewechselte Malli einschießen konnte – 1:1 in der 76. Minute. Die Schlussphase konnte ja noch heiter werden . . .

 

Und es wurde noch so etwas von heiter! Der HSV schlug zurück. Nach einer Ecke kam Kacar an den Ball, er riskierte einen Schuss aus 22 Metern, der misslang – aber Jansen köpfte ihm die Kugel wieder zurück, und dann traf Kacar aus 16 Metern zum 2:1-Siegtor. Dass in der Schlussphase der Mainzer Brosinski nach einem vermeintlichen Foul an dem eingewechselten Artjoms Rudnevs noch die Rote Karte sah, war unerheblich. Für die Mainzer aber eher bitter, weil es kein Rot war. Aber das störte niemandem im Hamburger Lager, da war Jubel. Trubel Heiterkeit angesagt. Herrlich, herrlich, herrlich! Es ist eine wunderbare Zeit angebrochen – Zeit für ein Hamburger Fußball-Wunder.

 

Der HSV spielte mit: Adler; Westermann,
Rajkovic, Djourou, Ostrzolek; Kacar, van der Vaart; Müller (39. Min. Jansen), Olic (83. Min. Rudnevs), Ilicevic (77. Min. Stieber); Lasogga.

 

Die Einzelkritik

 

Rene Adler machte keinen Fehler, auch wenn man sich gelegentlich wünschen würde, dass er in Sachen Strafraumbeherrschung mehr Souveränität ausstrahlen würde. Seine Vorderleute wünschten sich das bestimmt auch – gelegentlich.

 

Heiko Westermann hatte auf seiner ungeliebten Rechtsverteidiger-Position fast alles immer gut im Griff – und leitete das HSV-Tor ein. Das war okay.

 

Slobodan Rajkovic soll während des Spiels zwei Schmerztabletten bekommen haben, aber er hielt tapfer durch – und bot eine solide Leistung dabei.

 

Johan Djourou köpfte viele gefährliche Sachen aus dem Strafraum, hob leider aber vor dem 1:1 auch das Abseits des Mainzers Brosinski auf. Insgesamt aber absolut okay.

 

Matthias Ostrzolek setzte die Reihe seiner guten Auftritte in Mainz fort, auch wenn er noch besser werden muss! Note drei!

 

Gojko Kacar schreibt HSV-Geschichte! Weil er als „Aussortierter“ alles gibt, immer volle Pulle – und dann schießt er noch das 2:1. Das ist sensationell, Gojko!

 

Rafael van der Vaart hatte Ideen, lief viel, wenn auch nicht immer schnell – aber so gehört er ganz einfach in das HSV-Team.

 

Ivo Ilicevic machte anfangs flott mit – aber die Kräfte verließen ihn stetig. Da müsste noch mehr kommen, wenn er Eigenwerbung betreiben wollte.

 

Nicolai Müller durfte in der alten Heimat ran, zeigte Biss, aber er verletzte sich früh und schied aus.

 

Ivica Olic rackerte, ackerte, aber in Sachen Abspiel lag er verdächtig oft total daneben. Das konnte er mal besser.

 

Pierre-Michel Lasogga war stets unterwegs, er zeigte sich von seiner guten Seite, auch wenn er vorne oft allein auf sich gestellt war. Dennoch ist er als „Stoßstürmer“ sehr, sehr wichtig – und wertvoll. Obwohl er kein Tor erzielte. Macht nichts.

 

Marcell Jansen (ab 39. Min. für Müller) war da, und er machte mit seiner Routine etliche gute Sachen – auch wenn er noch besser könnte.

 

Zoltan Stieber (ab 77. Min. für Ilicevic hätte ruhig ein wenig früher kommen dürfen, aber er kam – und er war lebhaft und zeigte viel Einsatzwillen.

 

Artjoms Rudnevs (ab 84. Min. für Olic) mischte mit seiner Kampfkraft noch sehr gut mit – er ist ja unberechenbar, und deswegen auch gut für einen solchen Wechsel.

 

Das war es zunächst vom Spiel in Mainz, bei dem wieder viele HSV-Fans dabei waren – und auch etliche „Matz-abber“. Sie hatten sich vor dem Spiel bei mir gemeldet und ein gemeinsames Daumendrücken gefordert – was natürlich gemacht wurde. Vielen Dank für den Anruf, Ihr seid klasse. Wir sind dann gleich wieder mit „Matz ab live“ zur Stelle, um über die Partie beim Karnevalsverein zu sprechen. Unser Gast ist heute der ehemalige HSV-Kapitän und –Aufsichtsrat Thomas von Heesen. Wir alle würden uns sehr freuen, wenn Ihr wieder unsere Zuschauer sein würdet. Und die Jungs, die jetzt auf der Rückfahrt aus Mainz sind, die können es dann ja heute Nacht in aller Ruhe ansehen.

 

17.39 Uhr

 

Das Gefühl der Deutschen Meisterschaft

30. April 2015

Wenn die Stimmung eines Trainers ein Gradmesser ist für die Atmosphäre im gesamten HSV, dann braucht sich niemand Sorgen zu machen um das Abschneiden des Teams von Bruno Labbadia am Sonntag in Mainz. Das 3:2 gegen den FC Augsburg war nicht nur punktemäßig ein Brustlöser, sondern auch atmosphärisch. Der Trainer kommt ungeheuer locker rüber, und vermittelt er seinen Spielern eine ähnliche Gelassenheit, dann sollte es grundsätzlich auch Anlass zu Optimismus geben für einen ordentlichen Auftritt in der Coface-Arena.

Einen Knackpunkt hat Labbadia, dessen Pressekonferenz ihr hier wie gewohnt und komplett sehen könnt, aber auch genannt. Der HSV-Coach erwähnte die Aussage von Rafael van der Vaart mitten in der Jubel-Welle vom vergangenen Sonnabend. „Ein Gefühl wie eine Deutsche Meisterschaft“ hat van der Vaart dort beschrieben. Und mit dieser Aussage kommt gleich zweierlei zum Ausdruck.

Zum einen beschrieb „Rafa“ damit die Bedeutung des Erfolgs, die er gespürt hat. Nach neun sieglosen Spielen muss den Hamburger Kickern ein Dreier in der Bundesliga wie die Erklimmung des Mount Everest, wie das Durchtauchen des Mariannen-Grabens oder die Umsegelung der Erde auf einem Surfbrett vorgekommen sein. Oder eben die Deutsche Meisterschaft. Eine unglaublich hohe Hürde wurde überwunden. Glückwunsch dazu.

Gleichzeitig wohnt in solch ungewöhnlich großen Leistungen, oder auch nur in der Empfindung dessen, auch schon der nächste Misserfolg inne. Dass der HSV in den vergangenen Jahren so unglaublich selten nach einem Sieg nachlegen konnte – ausnahmsweise im Februar mit den Siegen in Paderborn und gegen Hannover -, untermauert die Misserfolgsmentalität in Hamburg. Siege sind gar keine Selbstverständlichkeit mehr beim HSV, wie es Bruno Labbadia heute ausdrückte. Insofern ist in Hamburg nach einem Sieg zuletzt immer wieder eine Niederlage gefolgt. Keine Spannung, kein Druck, keine weitere Sehnsucht nach Erfolg, kein Sauerstoff mehr auf dem Gipfel des Mount Everest. Keiner von Labbadias Vorgängern hat diese Haltung ausmerzen können. Nun ist Labbadia dran. Vielleicht gelingt es ihm.

Ich hatte unter der Woche die Gelegenheit mit Henning Vöpel, dem Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) zu sprechen. Er hat hat eine Theorie genannt, warum der HSV nun schon dauerhaft der Musik hinterher rennt. Seiner Ansicht nach ziehe der HSV seit Jahren seine Motivation aus dem Erhalt des Dino-Images. Also der Vermeidung eines Misserfolgs. Da, so Vöpel, ist überhaupt keine positive Motivation bei, etwa einen Titel zu holen oder wenigstens eine bestimmte Punktzahl zu erreichen. Zwar wird oft genug ein positives Ziel formuliert von der Vereins-Führung, aber gelebt, so Vöpel, werde doch nur der Dino und die Ewige Uhr, die um Gottes Willen nicht aufhören darf zu ticken.

Sicherlich ein guter Ansatz, hiermit müssen sich die Vereins-Vorderen dann am Anfang der nächsten Serie auseinander setzen. Im Moment könnte man zwar versuchen, ein positives Ziel auszugeben (Platz 15), doch im Kern geht’s aktuell leider auch wieder nur um die Vermeidung eines sportlichen GAUs, des Abstiegs in Liga zwei. Immerhin packt Labbadia das Ganze positiv an und vermutlich auch mit der ersten Elf, die auch gegen den FC Augsburg auf dem Rasen stand.

Ob diese Prognose bis zum Sonntag Bestand hat, werden die nächsten Trainingseinheiten zeigen. Valon Behrami und Lewis Holtby stehen nach ihren abgesessenen Sperren jedenfalls wieder zur Verfügung. Ob Labbadia sie berücksichtigt – fraglich. Ziemlich unwahrscheinlich ist, dass Marcelo Diaz in Mainz zum Einsatz kommt. Nach seiner Adduktorenverletzung deutet doch eher vieles auf ein Comeback im Freiburg-Spiel fünf Tage später hin.

Was die Gerüchteküche angeht, ist heute mal wieder mit dem Namen von Rafael van der Vaart gespielt worden. Und zwar im türkischen Internet-Portal „Fanatik“. Dort werden gleich eine ganze Reihe von angeblichen Interessenten genannt: Besiktas und Fenerbahce, Trabzonspor und Bursaspor. Niederländische Spieler haben durchaus Tradition am Bosporus, und tatsächlich könnte man sich ja einen Wechsel des „kleinen Engels“ zum Ausklang seiner Karriere vorstellen. Wobei bekannt ist, dass van der Vaart durchaus daran liegt, dass wegen seines Sohnes alles familienverträglich läuft. Wie auch immer: türkische Vereins, Clubs aus den USA, Katar oder natürlich Ajax – sie alle werden gespielt, solange der HSV-Kapitän nicht offiziell irgendwo vorgestellt wird.

Gestern hat Peter Knäbel auf Nachfrage ein paar Kommentare abgegeben zu den Planspielen mit den verliehenen Spielern, die im Sommer mutmaßlich zum HSV zurückkehren werden. Gemeinsam mit der unklaren Zukunft der beiden Innenverteidiger Heiko Westermann und Slobodan Rajkovic, deren Verträge Stand heute auslaufen, ergibt sich jetzt schon dieses Kader-Bild des HSV für die kommende Saison. Ganz wichtig: Wir reden hier über den Fall des Verbleibs in der Bundesliga. Bei einem Abstieg würden sich ganz andere Nöte ergeben, die heute nicht ernsthaft vorherzusehen sind. Also, das ist der HSV 2015/2016:

  • Tor: Adler (Vertrag bis 2017), Drobny (2017)
  • Rechter Verteidiger: Diekmeier (2016), Götz (2017)
  • Innenverteidiger: Tah (2018), Djourou (2016), Cleber (2018), Sobiech (2016)
  • Linker Verteidiger: Ostrzolek (2017), Marcos (2017)
  • Defensives/zentrales Mittelfeld: Behrami (2017), Diaz (2017), Demirbay (2017), Holtby (2018), Jiracek (2016)
  • Flügelstürmer: Müller (2018), Gouaida (2018), Stieber (2017), Beister (2016)
  • Angreifer: Lasogga (2019), Rudnevs (2016), Olic (2016), Zoua (2016)

Auf dieser Grundlage operiert Peter Knäbel zur Zeit gemeinsam mit dem Vereins-Vorsitzenden Dietmar Beiersdorfer. 23 Spieler – das geht erst einmal.

Allerdings sind verschiedene Sachen zu bedenken. Einige der 23 werden sicher nicht die allerhöchste Wertschätzung genießen bei Beiersdorfer/Knäbel/Labbadia. Ich kann mir schwer vorstellen, dass die Verantwortlichen mit den Ausgeliehenen Lasse Sobiech (FC St. Pauli) und Jacques Zoua (Erciyesspor) in die nächste Saison gehen möchten. Was die Innenverteidigerfrage angeht, hat der HSV das Heft des Handelns mehr oder weniger in eigenen Händen, die Optionen liegen auf dem Tisch. Westermann und Rajkovic sind mögliche Alternativen.

Was die Lage im Sturm angeht – und angesichts der Tatsache, dass dort nur Pierre Michel Lasogga einen langfristigen Vertrag besitzt -, sind Veränderungen wahrscheinlich. Lasogga und Olic sind klar, aber wenn Zoua wirklich nicht wiederkommt und der HSV einen Verein finden sollte für Artjoms Rudnevs (letzte Chance, eine Ablöse zu bekommen, in dieser Saison bei allen Trainer nur zweite bis dritte Wahl), dann ist hier noch eine Verstärkung vonnöten.

Mit seinen neun Mittelfeldspielern kann der HSV zunächst ganz gut auskommen. Lediglich Maxi Beister und Petr Jiracek haben Verträge, die bereits 2016 auslaufen. Beim Tschechen Jiracek kann der Verein recht gelassen abwarten, was sich ergibt – bei Beister steht wohl mal ein Grundsatzgespräch an. Seine Fähigkeiten sind unbestritten, ebenso seine Verbundenheit zum HSV. Ob topfit oder nicht – Berater hin oder her – Trainingsleistungen gut oder schlecht – all dies muss auf den Tisch und eine mittelfristige Perspektive besprochen werden. Ich würde mir wünschen, dass Beister länger an den HSV gebunden wird. In jedem Fall kann es sich der Club kaum erlauben, ihn im nächsten Jahr ablösefrei gehen zu lassen. Das wäre Verschwendung.

Johan Djourou ist im Moment der erfahrenste Innenverteidiger, der beim HSV in der kommenden Saison sicher unter Vertrag steht. Die Dominanz und die Klasse eines überdurchschnittlichen Bundesliga-Abwehrspielers hat er sicher nicht unter Beweis gestellt. Dennoch, zumal mit Tah und Cleber gerade zwei recht junge an seiner Seite stehen, müsste der HSV Djourous Zukunft auch demnächst in Angriff nehmen. Es sei denn, Knäbel und Co. entscheiden sich für Heiko Westermann als Stütze, ehe die nächste Generation verlässlich nachrückt.

Bei den Außenverteidigern ist der HSV soweit solide besetzt, wobei Ashton Götz und Ronny Marcos noch nicht die zuverlässigen Backups gewesen sind, die sie sein müssten. Ein flexibler Verteidiger zusätzlich würde dem HSV guttun. Und was die Torhüterfrage angeht, hat der Verein sicher kein Problem.

 

 

All diesen subjektiven Einschätzungen liegt die Frage zugrunde, wie der HSV in der nächsten Saison eine solide Basis legen kann für die Zukunft. Den meisten HSV-Anhängern und auch den Verantwortlichen und Spielern wäre ja schon mal geholfen, wenn eine normale durchschnittliche Spielzeit wie bei Eintracht Frankfurt oder Mainz 05 herausspringen würde. Selbst der 1. FC Köln hat es hinbekommen, ohne allzu große Erschütterungen durch die vergangenen Monate zu kommen.

Entscheidend für den Verlauf ist natürlich auch, was sich auf Führungsebene beim Bundesliga-Dino tut. Eine kritische Analyse für die Zeit nach Saisonende hat Peter Knäbel ja schon angedeutet. Hoffentlich stellen sich alle Verantwortlichen dieser kritischen Analyse.

Morgen und übermorgen trainiert die Mannschaft unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Einige kicken heute noch bei der U 23 mit, die um 19 Uhr in Meppen antritt. Maximilian Beister ist heute nicht in der Regionalliga dabei – er darf sich also wieder Hoffnung machen auf eine Kader-Berücksichtigung bei Bruno Labbadia.

Lars
18.05 Uhr

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