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*** UPDATE: Olic kommt zum HSV zurück***

29. Januar 2015

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21.30 Uhr: Ivica Olic kommt zum HSV. Am Freitagmorgen soll der Kroate seinen Medizincheck beim HSV absolvieren. Anschließend möchte der Verein ihn im Stadion präsentieren. Danach folgt das erste Training mit der neuen Mannschaft. Für’s Spiel gegen Köln, so Olic, sei er bereit, wenn der Trainer ihn aufstelle. Manager Klaus Allofs hatte Olic am Donnerstagabend nach dem Training des VfL Wolfsburg den Wechsel zum HSV verkündet. Die Wolfsburger haben dafür Nationalspieler Andre Schürrle vom FC Chelsea bekommen für etwa 30 Millionen Euro. Olic freut sich, wie er sagt, auf Hamburg und den HSV. Dem Abendblatt bestätigte Manager Peter Knäbel mittlerweile den Transfer. Der HSV zahlt etwa zwei Millionen Euro Ablöse und bis Sommer 2016 ca. drei Millionen Euro Gehalt.
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Für Abendblatt-Blogs


Heute Nachmittag gegen 17 Uhr in Wolfsburg. Gerade hat das Abschlusstraining des VfL vor dem Rückrundenauftakt morgen gegen den FC Bayern begonnen. Die Kollegen vor Ort greifen zu ihren Smartphones und twittern, dass Ivica Olic noch immer dabei ist. „Gibt nichts Neues. Muss morgen Tor schießen.“ Das sagte Olic noch im Vorbeigehen, ehe die Einheit begann.

Der Poker um Olic ist jedenfalls in vollem Gang – aber dazu zum Ende dieses Blogs noch etwas mehr. Denn unabhängig davon, ob die Hamburger die Rückkehr des kroatischen Publikumslieblings am Ende hinbekommen, ist es recht unwahrscheinlich, dass er schon am Sonnabend gegen den 1. FC Köln dabei ist. Das müssen wohl noch die bewährten Recken schaffen. Deshalb sorgte das Verschwinden von Pierre Michel Lasogga heute vom Trainingsplatz gleich wieder für (kurze) Unruhe. Vor dem Abschlussspielchen verließ Lasogga den Trainingsrasen, so dass Artjoms Rudnevs (in der A-Elf) und Nils Brüning (B-Elf) übrig blieben. Trainer Joe Zinnbauer gab aber recht zügig Entwarnung: „Es ist nichts mit Pierre. Ich habe ihn nur reingeschickt – das war abgesprochen. Keine Verletzung!“


Somit ist die Liste der fehlenden Stammkräfte fürs Köln-Spiel aktuell bei vier. Holtby, Behrami, Diekmeier, Cleber. Dieses Quartett kann nicht dabei sein – und sie werden es wohl auch in den darauf folgenden Partien nicht sein. Wer genau in der Startelf stehen wird, scheint dabei noch offen zu sein. Zinnbauer wird ein 4-1-4-1 spielen lassen. So war es in den letzten Tests, und das Personal gibt ihm auch kaum eine andere Möglichkeit. In besagtem Abschlusspiel ohne Lasogga sah das ganze zunächst so aus: Drobny – Götz, Djourou, Rajkovic, Jansen – Westermann – Müller, van der Vaart, Jiracek, Gouaida – Rudnevs. Später wurde Jansen durch Marcos sowieo Jiracek durch Stieber ersetzt.

Bei der Pressekonferenz, die Ihr hier gewohnt im Video sehen könnt, hat Joe Zinnbauer ein gutes Bild der Vorbereitungsphase gezeichnet. Wobei er eingestehen musste, dass die Verletztenmisere, die zwischenzeitlich sieben Mann erfasst hatte, diese Vorbereitung gestört hat. „Unser Ziel ist der Klassenerhalt“, ließ der Trainer wissen. „Dann hätten wir alles richtig gemacht.“ Nun ja, die Messlatte hängt niedrig…. Aber vielleicht ist das nachvollziehbar, denn generell sieht es nicht besonders gut aus mit dem Personal des HSV. Dazu gehört auch die Transfersituation. Dass es schwierig ist, im Winter passende Verstärkungen zu akzeptablen Preisen zu bekommen, ist klar. Ärgerlich ist allerdings, wenn sich der Club durch eigenes Zutun in die Bredouille bringt. Noch ist das Transferfenster nicht geschlossen. Das wird am kommenden Montag um 12 Uhr der Fall sein. Doch der Zwischenstand ist schlecht.

Wenn ein Spieler abgegeben wird, dann gilt es vorab zwei Fragen zu beantworten. Können wir aus eigenen Mitteln die Lücke schließen? Wenn nicht, gibt es Ersatz, der mindestens gleichwertig ist? Im Fall Tolgay Arslan sind diese Fragen nicht eindeutig positiv zu beantworten. Hier im Blog wurde immer heftig gestritten über Arslan. Viele, die hier kommentieren, haben ihn sehr kritisch gesehen. Ob das die Meinung aller Leser ist, ist letztlich immer schwer zu filtern, jedenfalls hat er auch gute Spiele gemacht – am Ende war seine Leistung den Verantwortlichen zu schwankend. Aber abgesehen von der Frage, ob die knapp zwei Millionen Euro Grundgehalt, die er nun von Besiktas erhält, berechtigt sind, gilt es doch festzustellen: Viele Vereine sind auf Arslan aufmerksam geworden, und dass ihn Arsenal auf dem Zettel hatte (wenn auch nicht für die erste Elf), zeigt doch, dass Tolgay Arslan über Qualität verfügen muss.

Wie auch immer. Kann der HSV also die Lücke aus eigenen Mitteln schließen? Aktuelle Antwort: Nein. Zum Zeitpunkt des Verkaufs waren Behrami und Holtby schon verletzt. Jiracek hat in seiner HSV-Zeit – trotz aufsteigender Tendenz vor der Winterpause – noch weniger überzeugt als Arslan. Mende ist noch nicht soweit, Kacar will auf der sechs nicht spielen und Westermann ist eigentlich Innenverteidiger (war zudem auch verletzt). Also muss Ersatz von außen kommen. Der ist derzeit nicht da. Die HSV-Verantwortlichen wissen all das und es wäre wenig verwunderlich, wenn spätestens kommende Woche beim Auswärtsspiel in Paderborn ein neuer Sechser dabei ist. Aber eingespielt wird er sicher noch nicht sein – was eigentlich eine zentrale Bedeutung hätte auf dieser zentralen Position. Ich finde nicht, dass sich dies alles nach optimaler Transferpolitik anhört. Aber nochmals: Die Rahmenbedingungen im Winter sind ungleich schwieriger als im Sommer. Aus Italien kam mittlerweile die Nachricht, dass Inter Mailand ein 3-Millionen-Euro Angebot des HSV für Zdravko Kuzmanovic angelehnt habe. Hierzu habe ich heute keinen bestätigenden Kommentar aus HSV-Kreisen gehört, deshalb gebe ich dieses Gerücht unter Vorbehalt weiter.

Was die Frage eines zusätzlichen Stürmers angeht, verhält es sich anders als in der Mittelfeld-Thematik. Hier hat der HSV keinen Spieler abgegeben – und somit einen Fehler aus der Vorsaison, als Rudnevs ohne Not nach Hannover gelassen wurde, vermieden. Dass kein dritter Stürmer auf der Matte steht, ist fast nachvollziehbar. Wahrscheinlich gibt es in ganz Europa maximal eine Handvoll Angreifer, die aktuell in das HSV-Raster fallen könnten. Einigermaßen jung, trotzdem schnell eine Verstärkung, guter Charakter, nicht zu teuer. Josip Drmic hätte in diese Raster gepasst, wenn da nicht ein weiteres Kriterium wäre: Er muss abkömmlich sein bei seinem momentanen Club. Gerade dieses Kriterium beißt sich mit der Anforderung „schnell eine Verstärkung“, denn welcher Club ließe solch einen Spieler schon ohne weiteres ziehen?

Drmic also ist ein schwieriger Fall. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Hamburger Verantwortlichen bald auf den Namen von Ivica Olic gestoßen sind. Auf ihn treffen natürlich nicht mehr alle gewünschten Kriterien zu. Aber wohl immer noch besser, so denken sich Knäbel und Co., als bei der Bedingung „Sofort-Verstärkung“ Abstriche zu machen. Was hätte dem HSV Innocent Emeghara genutzt? Vermutlich sehr wenig angesichts seines Trainingsrückstandes. Emeghara ist nicht viel besser (wenn überhaupt) als Philipp Müller oder Nils Brüning aus der U 23.

Das dicke Lob von HSV-Trainer Joe Zinnbauer für Olic könnt Ihr direkt im Video der Pressekonferenz heute Mittag sehen. „Super-Spieler. Schießt Tore. Kann laufen. Kennt die Bundesliga, und kennt den HSV. Also, ein guter Spieler.“ Das waren Zinnbauers Worte im Original-Ton, und ich kann mir nicht denken, dass der Coach das einfach so über einen Spieler sagt, bei dem er keine Chance auf eine Verpflichtung sieht. Die Gespräche laufen im Hintergrund, so viel ist klar, aber aus der Wolfsburger Ecke war heute auch nichts Neueres zu hören. Auch hier die Statements im Wortlaut. „Ivi ist mit seinem Begehren auf uns zugekommen“, so Trainer Dieter Hecking. „Wir haben eine Aussage getroffen, Ivi hat sich dazu heute querbeet geäußert – das ist der Stand.“ VfL-Manager Klaus Allofs fügte seiner am Dienstagnachmittag erstmals getätigten recht negativen Aussage nichts Gravierendes hinzu: „Es gibt keine Veränderungen. Auch im Fall Schürrle keine Veränderungen.“ Der Hintergrund ist klar: Wenn die ‚Wölfe‘ Olic am Ende doch Richtung Hamburg ziehen lassen, dann wird Allofs unbedingt einen Ersatz haben wollen. Die im Raum stehenden 30 Millionen Euro Ablöse für Andre Schürrle vom FC Chelsea wären allerdings nicht zu stemmen. Die Niedersachsen würden gegen Gebote des „Financial Fairplay“ verstoßen.


In allen Fragen gibt es beinahe stündlich einen neuen Wasserstand. So soll Weltmeister Schürrle den FC Chelsea gebeten haben, von seiner hohen Ablöse-Forderung runterzukommen. In Wolfsburg gehen Beobachter längst davon aus, dass der mögliche Schürrle-Deal sofort der den Weg frei machen würde für Olic und den HSV. Zu welchem Preis? Wenn wir von einer Ablöse um die zwei Millionen Euro ausgehen und einem Gehalt von zwei Millionen pro Jahr (vorsichtige Schätzung), dann wäre das Olic-Paket insgesamt schon mal fünf Millionen Euro schwer, sofern der Kroate einen Vertrag bis 2016 erhalten würden. Ein halber Otto, sozusagen. Mindestens.

Abschließend dazu auch noch einmal in Schriftform der Satz von Dietmar Beiersdorfer zur Personalie Olic: „Wir können zugeben, dass wir mit Wolfsburg gesprochen haben. Aber weiter kann ich aktuell zum Stand nichts sagen. Wir sind noch im Kontakt, ja.“ Klaus Allofs ergänzte im Laufe des frühen Abends, dass sich in Transferperioden gerade zum Ende hin ungeahnte Gelegenheiten ergäben.

Jedenfalls hört es sich alles so an, als ob der Wechselpoker immer heißer und die Wahrscheinlichkeit auf den ersten Wintereinkauf beim HSV immer größer werden.

Morgen wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert. Scholle hält Euch anschließend über Tagesaktuelles auf dem Laufenden – und ich würde wetten, dass etwas passiert.

Lars
18.25 Uhr

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