Archiv für das Tag 'Rudnevs'

0:1 nach großem Kampf – schade!

18. Mai 2013

Schade, schade, HSV! Trotz einer guten und teilweise starken Vorstellung vor 57 000 Zuschauern in der ausverkauften Arena gab es gegen den Tabellendritten Bayer Leverkusen eine 0:1-Heimniederlage. Aus Europa ist nichts mehr geworden, diese Chance aber hatte der HSV schon Wochen vorher gegen Fürth, Augsburg oder Freiburg liegen lassen, aber an diesem 18. Mai 2013 hat die Mannschaft von Trainer Thorsten Fink trotz allem und ganz sicher viele Freunde zurückerobert. Diesmal hat die Mannschaft beherzt gespielt, alles gegeben, alles versucht – und war leider in der Offensive etwas zu schwach besetzt. Natürlich kam dieser Endspurt etwas zu spät, aber die Mannschaft hat gezeigt, dass sie willig ist, dass sie lebt, dass sie sich doch nicht aufgegeben hat. Trotz der erneuten Heimniederlage – die Fans feierten ihren HSV, und das hatte die Mannschaft diesmal auch verdient. Das haben die HSV-Anhänger ganz, ganz toll gemacht, ein riesiges Kompliment an die Zuschauer – an den 12. Mann. Großartig. Und ein toller, trotz allem gelungener Saisonabschluss. Und bitte an alle, die nun enttäuscht sind: Seid nicht zu traurig, geht nicht zu sehr und zu hart mit euren Lieblingen ins Gericht, heute haben sie alles versucht. Stadionsprecher „Lotto King Karl“ sagte es richtig: „Das war ein Mega-Spiel.“ Das war es.

Als um 15.41 Uhr auf der Anzeigentafel das 1:0 der Wolfsburger in Frankfurt erschien, lief im Spiel gegen Leverkusen gerade die elfte Minute. Genau genommen zehn Minuten und 41 Sekunden. Und das Stadion glich einem Tollhaus. Wird doch noch alles gut? Nach 19 Spielminuten und 51 Sekunden stand es dann in Hamburg immer noch 0:0, aber in Frankfurt sogar schon 0:2. „Hey, hey, hier kommt Hamburg“, skandierte der Norden lautstark. „Scholle“, der neben mir saß, zeigte mir seine Gänsehaut auf beiden Armen. Wahnsinn. Mir ging es ebenso. Welch eine Dramaturgie! Was für ein Krimi auf diesem seifigen, schmierigen Rasen, auf den fast alle Spieler mehrfach ausrutschten! Es muss unheimlich schwer gewesen sei, da stets das Gleichgewicht zu behaupten. Zudem musste ich während des Spiels immer an Thorsten Fink denken, der am Tag zuvor ja über die Qualität der Werkself gesagt hatte. Leverkusen hat da schon eine sehr, sehr feine Mannschaft beisammen, vor allem die Offensive ist ja wirklich erstklassig besetzt. Damit lässt sich schon prächtig Fußball spielen . . .

Die Stimmung in der Arena war hervorragend, alles bereit für das „Finale Furioso“. Nur fußballerisch war das noch nicht ganz das Gelbe vom Ei – aus Sicht des HSV. Leverkusen hatte in Person von Hegeler, als Slobodan Rajkovic zu spät zur Grätsche ansetzte – doch Rene Adler hielt den Schuss des Bayer-Stürmers bravourös. Statt 0:1 nur Eckstoß (9.) – zum Glück für den HSV. Torchancen blieben in diesem ersten Durchgang ohnehin Mangelware. Der HSV hatte zwei gute Möglichkeiten, etwas aufzubauen, als einmal Heung Min Son links auf der Torauslinie durchmarschierte, in der Mitte aber keinen Mitspieler fand, und als noch einmal Son links durch war, auf Dennis Aogo ablegte, doch der Schuss des Nationalspielers flog über das Bayer-Tor (39.)

Halbzeit. In der Pause sprach ich mit „Pipo“, der HSV-Neuerwerbung (aus dem ARD-„Frühstücksfernsehen), die ihre Beine noch immer in Gips trägt: Olli Dittrich. Natürlich. Der Comedian und HSV-Fan war angetan von den ersten 45 Minuten: „Das ist ganz sicher eines der besseren Heimspiele des HSV, da ist viel Tempo drin, man sieht, dass die Spieler wollen. Und bislang hat Wolfsburg ja super mitgemacht. Aber egal wie die Jagd nach Europa auch ausgehen wird, der HSV sollte sich auf jeden Fall mit einer guten, auf jeden Fall soliden Leistung aus dieser Saison verabschieden, das haben die großartigen Fans verdient. Und wenn es dann nicht für einen internationalen Startplatz gelangt hat, dann lag es nicht an dem heutigen Spiel, sondern zum Beispiel an den Auftritten gegen Fürth und Augsburg. Da hätte mehr kommen müssen.“ Eine großartige Bilanz, die „Dittsche“ da schon mal zur Pause gezogen hat.

Die ersten Möglichkeiten des zweiten Durchgangs hatte Leverkusen, vor allem der starke Hegeler. Und als Schürrle vor Adler aufkreuzte, faustete der HSV-Keeper den Ball in höchster Not in Feld zurück (57.). Der HSV drückte, der HSV kam, er das erlösende 1:0 wollte und wollte nicht fallen. Als Dennis Diekmeier von rechts flankte stieg in der Mitte Heiko Westermann der Kugel entgegen – und Lars Bender sprang dem HSV-Abwehrchef nur in den Rücken. Kein Elfmeter, Schiedsrichter Wolfgang Stark breitete beide Arme aus: „Nichts.“

Das traf auch für die HSV-Torstatistik zu: nichts. Leider. Und weil Leverkusen in der 90. Minuten traf, als Kießling allein auf Adler zugelaufen war (ein Bilderbuch-Konter), kam die heutige große Schlacht, die der HSV abgeliefert hatte, leider etwas zu spät. Trotz allem: Dieser HSV hat sich heute sehr gut verkauft – und er hat insgesamt eine gute Saison gespielt. Eine Saison, die Hoffnung auf bessere Zeiten macht. Ganz sicher. Auch wenn heute einige traurige HSV-Fans wieder meckern und zetern werden – das war insgesamt schon okay. Und, das ist vielleicht ein ganz kleiner Trost: Wolfsburg schaffte in Frankfurt letztlich doch nur ein 2:2, selbst ein HSV-Sieg hätte heute also nicht mehr gelangt . . .

Die Einzelkritik:

Rene Adler hielt wieder einmal sehr gut, war bärenstark, nur mit dem Fuß hatte er so seine (kleineren) Schwierigkeiten, den Ball sinnvoll nach vorne zu befördern, das wirkte mitunter doch wackelig. Aber das vergessen wir an diesem Tag mal schnell, denn er hielt ansonsten hervorragend. Note zwei.

Dennis Diekmeier war hinten und vorne zu finden, das machte Spaß, ihm zuzusehen – in dieser Verfassung wäre er tatsächlich ein Kandidat für den „amerikanische“ „Jogi“ Löw gewesen . . .

Heiko Westermann war bester Mann. Unfassbar, wo er überall den Ball eroberte, erahnte, wo er Löcher stopfte, wo er abblockte, wo er mit dem Kopf zur Stelle war, wo er grätschte, sich ganz lang machte – das ist einfach nur großartig. Und vorbildlich. Und dazu dann dieses Wahnsinns-Pensum! Klärte in der 66. Minute überragend vor dem leeren Tor und vor Hegeler. Note eins.

Slobodan Rajkovic begann fahrig, vielleicht auch nervös, aber nach 30 Minuten hatte er sich im Griff. Dann war das ganz solide, was er ablieferte – obwohl es sicher noch besser und souveräner ginge.

Marcell Jansen ging weite Wege, leitete einige gefährliche (oder im Ansatz gefährlich wirkende) Dinger ein, aber irgendwie wirkte er auch nicht bei 100 Prozent, als wenn er leicht angeschlagen war. Aber er biss sich durch.

Tomas Rincon ackerte wie ein Gaul, rauf und runter, quer und zurück, er gab alles und das machte ihn so wertvoll. Ganz, ganz großartig, der kleine „Popeye“!

Milan Badelj spielte nicht so auffällig, schloss seine Aktionen aber auch nicht immer besonders glücklich ab – er kann es besser. Obwohl er nicht groß abfiel. In der 67. Minute ausgewechselt.

Petr Jiracek zeigte sein großes Kämpferherz, rieb sich in heißen Zweikämpfen (in denen er und es tüchtig zur Sache ging) auf, zerstörte und trieb voran – sehr engagiert, gelegentlich übertrieb er die Härte – und er lag nicht immer richtig in Sachen Abspiel.

Dennis Aogo war von der ersten Sekunde an griffig und bissig, er ging mächtig zur Sache – eine Stütze der Mannschaft.

Rafael van der Vaart lief wie gewohnt sehr viel, aber es lief auch einiges an ihm vorbei. Ganz sicher wollte er, aber so richtig viele und vor allem gute Sachen gelangen ihm an diesem wichtigen Tag nicht.

Heung Min Son war der gefährlichste Mann in der HSV-Offensive, er hat, auch wenn er hin und wieder leichtere Fehler begeht, in dieser Saison unglaublich viel dazugelernt. Note drei.

Artjoms Rudnevs (ab 67. Min. für Badelj) hatte leichte bis größere Schwierigkeiten, in diese Partie zu finden. Ein Einwechselspieler wird er wohl nicht mehr werden. Oder?

Maximilian Beister (ab 78. Min. für Aogo) wurde als Zusatz-Offensive ins Spiel geworfen und er machte auch richtig Dampf, aber er konnte es nicht mehr herbeiführen – das eine so sehr erhoffte Tor.

Ivo Ilicevic (ab 81. Min. für Aogo) sollte noch den entscheidenden Pass geben, die entscheidende Flanke – aber er schaffte es nicht mehr.

PS: Ein kleiner Hinweis für alle HSV-Fans: Morgen, Pfingstsonntag, zeigt der NDR nach dem Sportclub live (23 Uhr) die HSV-Nacht von Athen 1983, der Europapokal-Gewinn des HSV vom 25. Mai 1983 wird rauf und runter und kreuz und quer beleuchtet. Ein Muss für HSV-Anhänger.

So, jetzt geht sie gleich los, die Block-House-Talkrunde, „Matz-ab-live“. Zwei Gäste warten auf uns und natürlich auf euch. Einer davon ist Harry Bähre, der Bundesliga-Profi Nummer 001, und der zweite ist ebenfalls ein Hamburger Jung, nämlich Klaus Fock. Der frühere Stürmer kam einst, welch ein großes Kunststück, vom kleinen TuS Finkenwerder zum großen HSV, brachte es dann aber leider nur auf 25 Bundesliga-Spiele und fünf Tore brachte. Wir werden natürlich über das Leverkusen-Spiel sprechen, über die Saison allgemein und über den HSV ganz speziell. Wäre super, wenn ihr uns eure Zeit schenken würdet, um dabei zu sein.

17.32 Uhr

Frankfurt wird nervös . . .

17. Mai 2013

Spannend wird es auf jeden Fall. Vielleicht sogar dramatisch. Und wenn es in Hamburg und Frankfurt lange Zeit 0:0 steht, dann wird mit jeder Minute mehr eine ganz besondere Atmosphäre in beiden Stadien herrschen. Dann gibt es eventuell ein Herzschlag-Finale. Und geht es nach dem Computer der Sport-Bild, dann wird an diesem Sonnabend ganz – oder auf jeden Fall fast ganz – Hamburg jubeln. Wer sich erinnert: Vor Wochen, Ende März, hatte die Sport-Bild die letzten Bundesliga-Spieltag tippen lassen. Von Udo Lattek und von Experten aus dem Wettbüros. Und vom eigenen Computer, Der SB-Computer hatte den HSV zwar letztlich auf Rang zehn einlaufen lassen (sich also „leicht“ geirrt), aber immerhin hat er für morgen folgende Spielausgänge getippt: Eintracht Frankfurt – VfL Wolfsburg 2:3, HSV – Bayer Leverkusen 3:1. Was will der Hamburger mehr?

Übrigens: Die Experten von Tipico haben den HSV auf Rang sechs einlaufen lassen, die von Bwin sogar auf Platz fünf. Letzteres kann nicht mehr geschehen, aber die Herren hatten eben Vertrauen in den HSV. Anders als Udo Lattek, der den HSV auf Rang zwölf enden sah. Knapp daneben ist auch vorbei, aber der gute Udo kennt sich eben auch etwas besser beim FC Bayern aus . . .

Die stehen hier und heute aber nicht zur Diskussion. Leverkusen muss morgen erst einmal besiegt werden, und dann muss gehofft werden, dass die Wolfsburger ihre gute Auswärtsform durch einen erneuten Dreier (diesmal in Frankfurt) unterstreichen. Unmöglich ist das alles doch nicht. Der VfL ist mit 25 Auswärtspunkten die drittbeste Auswärtsmannschaft der Liga – hinter Bayern und Dortmund. Das ist doch etwas, das Mut machen müsste, ihr Hamburger. Und mit Leverkusen kommt eine Mannschaft in den Volkspark, die auswärts nur einen Punkt mehr geholt hat, als der HSV in der Fremde. Dass der HSV gegenüber der Werkself daheim nur 26 Zähler geholt hat, Bayer dagegen 39 – das verschweigen wir dann doch besser.

Egal aber was die Statistiken auch immer sagen, die Tagesform und vielleicht auch ein Hauch Glück entscheiden darüber, ob der HSV doch noch Europa packen wird. Die Hamburger sind heiß, das war heute beim Abschlusstraining zu spüren. Da wurde konzentriert gearbeitet – gepaart mit Spaß. Erst eine habe Stunde das obligatorische Kreisspielchen (drei Stationen), dann wurde immer zu dritt über fünf Meter gesprintet. Wobei die Spieler ganz genau darauf achteten, wer diesen Sprint gewonnen hat. Da wurde teilweise um Zentimeter gefeilscht. Dann gab es ein Abschlussspielchen, in dem die beiden Mannschaften bunt durcheinander gewürfelt wurden. Ein Team spielte mit Drobny, Westermann, Rajkovic, Rincon, Badelj, Co-Trainer Heinemann, Ilicevic, Sala, Skjelbred und Rudnevs, das andere Team mit Adler, Bruma, Jansen, Mancienne, Diekmeier, Aogo, van der Vaart, Jiracek, Son und Beister. Heung Min Son traf zuerst gegen Rene Adler, dann Maximilian Beister. Wie das Match (auf einem Viertel des Platzes) endete, das entzieht sich allerdings meiner Kenntnis, denn die nebenan trainierende „Zweite“ verließ den Rasen, und ich wollte unbedingt noch mit Andre Panadic sprechen. Der ehemalige HSV-Spieler (101 Spiele, fünf Tore als Innenverteidiger) ist im Moment mit seinem Sohn Mateo in Hamburg, „Panas“ Sohnemann trainiert – auf Vermittlung von HSV-Manager Bernd Wehmeyer – bis einschließlich morgen zur Probe beim HSV (Regionalliga-Team). „Pana“ ist mächtig stolz auf seinen Filius, wagt aber noch keine Prognose. Es „sehe ganz gut aus“ sagt er vorsichtig und will abwarten, was und wie sich der HSV nach dem Sonnabend entscheidet. Immerhin: Neben „Pana“ stand der frühere Bundesliga-Profi Uwe Fuchs, der sich einst auch als Trainer versucht hatte, heute aber Spielerberater ist. Er wird sich wohl künftig um Mateo Panadic kümmern und dabei behilflich sein, einen Verein zu finden – falls es mit dem HSV nicht klappen sollte.

Aber zurück zum aktuellen Geschehen, zum 34. Spieltag. Oh, als ich das schreibe, den 34. Spieltag, wird mir ganz „schwummerig“ – Schei . . .-Sommerpause. Das wird noch eine schlimme und über weite Strecken auch langweilige Zeit. Weil sich beim HSV ja auch in Sachen Ein- und Verkäufen traditionell erst gegen Ende der Pause etwas tut. Nun gut, damit müssen wir leben. Auch wenn es schwerfällt.

In Frankfurt scheinen sie inzwischen auch ein wenig nervös zu werden. Weil es aus Hamburg je den einen oder anderen Satz – von wegen des Drucks – gegeben hatte. Dazu schreibt die Agentur heute:

Trainer Armin Veh vom Tabellensechsten Eintracht Frankfurt hat vor dem Bundesliga-Finale am Samstag die Störfeuer vonseiten des Hamburger SV gekontert. „Wir haben einen Etat von 25 Millionen Euro, und der HSV macht in dieser Saison Schulden. Und dann sollen wir Druck haben. Das ist doch ein Witz. Da lache ich mich kaputt, wenn ich sowas höre“, sagte Veh einen Tag vor dem abschließenden Saisonspiel der Hessen am Samstag gegen den VfL Wolfsburg (15.30 Uhr/Sky und Liga total!). HSV-Trainer Thorsten Fink hatte vor dem Showdown um Platz sechs gestichelt: „Wir haben nicht viel zu verlieren, Frankfurt dagegen schon.“ Auch Keeper Rene Adler hatte gesagt, dass der Druck bei der Eintracht liege. Dem Aufsteiger aus Frankfurt (50 Punkte) würde ein Sieg im Duell mit den „Wölfen“ für die Europa-League-Qualifikation reichen, und sogar ein Unentschieden, wenn zeitgleich Verfolger Hamburger SV (48) gegen Bayer Leverkusen nicht gewinnt oder bei einem Sieg nicht 13 Treffer aufholt. Die Eintracht könnte prekärerweise nach 33 Spieltagen auf einem der ersten sechs Plätze und einer tollen Saison noch aus den internationalen Rängen purzeln.

Veh muss noch um den Einsatz von Toptorjäger Alexander Meier (15 Treffer) bangen, der zuletzt wegen einer Sprunggelenkverletzung ausgefallen war. Kapitän Pirmin Schwegler stehe nach seiner Schambeinblessur auf jeden Fall im Kader, kündigte Veh an. Der Schweizer Mittelfeldspieler liebäugelt mit einem Wechsel nach Wolfsburg. Coach Veh, der die Hessen vor dieser Saison zurück in die Bundesliga geführt hatte, sprach im Vorfeld von einem schwierigen Spiel. „Wir wissen aber, dass wir etwas Großes erreichen können“, erklärte der 52-Jährige, der selbst ein Verpassen der Europa League nicht als Drama bewerten würde. „Wenn es nicht klappt, dann geht die Welt auch nicht unter. Auch Platz sieben wäre ein großer Erfolg.“

Für den HSV doch auch. Ernsthaft. Sollte es nicht mit Rang sechs klappen, dann sind Platz sieben oder acht auch akzeptabel. Für mich jedenfalls. Und daran, dass wir dann alle gemeinsam wieder auf die nächste Spielzeit hoffen, daran haben wir uns alle doch schon längst seit Jahren gewöhnt. Immerhin, und das kann selbst der größte HSV-Kritiker nicht von der Hand weisen, ist es in dieser Saison wieder bergauf gegangen – mit dem HSV. Auch wenn es diese berühmt-berüchtigte Berg-und-Talfahrt gegeben hat. Daran wird der Club sicher arbeiten – wenn Geld da ist.

Erst einmal abwarten, was der Sonnabend nun bringen wird. Beim HSV sind alle Mann an Deck, lediglich „Maxi“ Beister hatte heute während des Spiel ein paar Schwierigkeiten und musste sich behandeln lassen, ging dann auch, als das Trainingsende gekommen war, als erster Spieler in die Kabine. Thorsten Fink hatte zuvor eine engagierte Gemeinschaft trainieren sehen. Und der Coach sagte: „Wir sind heiß, wir brennen auf dieses Spiel.“ Dann sagte er auch noch: „Wenn Leverkusen aber genauso motiviert ist wie wir, genauso top drauf ist, dann werden wir keine Chance haben. Das ginge dann doch nur für uns, wenn Bayer eine Rote Karte bekäme – oder so. Die haben doch mehr Qualitäten. Die stehen doch ganz oben, haben Platz drei schon sicher. Der FC Bayern könnte gegen uns auch nur verlieren, wenn sie nicht hundert Prozent geben. Wenn aber zwei Mannschaften, von der eine qualitativ stärker besetzt ist, gleich motiviert sind, dann muss schon viel passieren, wenn die etwas schwächere gewinnen sollte . . .“

Tagesform. Ich sage, die Tagesform wird entscheiden. Und wenn die HSV-Mannschaft endlich von der ersten Minute an begreift – und dementsprechend zur Sache geht – dass es hier um sehr, sehr viel geht und dass das die allerletzte Chance auf Europa ist, dann ist der Unterschied – auch der qualitative – zwischen beiden Teams vielleicht doch nicht ganz so groß.

So, zum Schluss sie noch kurz erwähnt, dass der frühere HSV-Kapitän David Jarolim heute seinen 34. Geburtstag feiert – herzlichen Glückwunsch, „Jaro“ – und bis bald.

Dann findet auch morgen nach dem Spiel wieder die immer beliebter werdende „Matz-ab-live“-Talkrunde“ statt, für das wir eigentlich schon zwei Gäste seit Anfang Februar fest verpflichtet hatten: Manfred Kaltz und Harry Bähre. Rekordspieler Kaltz allerdings hat heute Nachmittag (leider) absagen lassen, sodass wir im Laufe des heutigen Abends noch um einen Ersatz bemüht sind. Wir sind am „röteln“ . . .

PS: Aus technischen Gründen ist das”Matz-ab”- Gewinnspiel noch nicht aktualisiert, es ist “am werden”, aber die Gewinner der Trikots und der Karten sind bereits benachrichtigt worden.

18.52 Uhr

4:1-Sieg – die Hoffnung stirbt zuletzt!

11. Mai 2013

Der HSV lebt noch. Am 33. Spieltag gab es den ersten Sieg in Sinsheim, oder besser gesagt, bei der TSG 1899 Hoffenheim, der mit 4:1 noch recht üppig ausfiel. Der HSV zeigte diesmal eine seiner besten Leistungen dieser Saison und darf noch bis zuletzt vom Weg nach Europa träumen. Weil es Eintracht Frankfurt mit dem 1:1 in Bremen noch spannend gemacht hat. Freiburg ist vom HSV aber nicht mehr einholbar, weil es in Fürth mit viel, viel Glück einen 2:1-Sieg gab. Der HSV wird seinen Chancen nachtrauern, denn den europäischen Start hat die Mannschaft von Thorsten Fink in den Heimspielen gegen Fürth, Augsburg und Freiburg vergeben. Aber, es gibt sie ja noch, die Minimal-Chance für den HSV – dank Frankfurt oder auch dank Bremen. Es lebe die Hoffnung.

Sie haben sich noch nicht aufgegeben. Das habe ich Mitte der Woche geschrieben. Und habe so bei mir gedacht: „Naja, was sollen die Spieler, was soll der Trainer und was sollen die Verantwortlichen schon sagen? Lieber eine Woche noch an einen Strohhalm klammern, an einen ganz, ganz kleinen und dünnen Strohhalm, als schon eine Woche lang erklären müssen, warum es nicht mit Europa geklappt hat. Aber die Mannschaft und ihr Chef Thorsten Fink, sie haben alle Ernst gemacht. Von Beginn an wurde im letzten Auswärtsspiel der Saison auf das Gaspedal gedrückt. Der HSV war heiß, war bissig, war aggressiv. Und hätte fast schon nach wenigen Sekunden in Führung gelegen: Eckstoß Rafael van der Vaart von rechts, Kopfball in der Mitte von Marcell Jansen – der Ball streicht am langen Eck vorbei. Fast wäre Heung Min Son noch herangekommen, aber das war schon mal ein verheißungsvoller Auftakt.

Thorsten Fink hatte seine Mannschaft doch noch einmal umgekrempelt. Dennis Aogo kam links zum Einsatz, weil Son in die Sturmmitte rückte – denn Artjoms Rudnevs blieb auf der Bank. Und im rechten Mittelfeld spielte Petr Jiracek, auf jener Position, die ihm vor dem letzten Heimspiel gegen Wolfsburg auch schon zugedacht war. Und, um es einmal, vorweg zu nehmen: Thorsten Fink hat mit dieser Aufstellung alles richtig gemacht.

Das zeigte sich schon beim ersten HSV-Tor an diesem Nachmittag. Dennis Diekmeier sprintete mit Ball von der Mittellinie recht los, rannte und rannte, zog dann von der Rechtsaußen-Position (auf Höhe Elfmeterpunkt) eine traumhafte Flanke zur Mitte, in die Son am Elfmeterpunkt stieg – und die Kugel super in die lange Ecke köpfte. Hoffenheim-Keeper Casteels rutschte zwar bei seinem Abwehrversuch aus, aber die Experten, die um mich herumsitzen, waren sich einig: „Den hätte der Torwart auch ohne auszurutschen nicht bekommen . . .“ Ich will ihnen mal glauben. Auf jeden Fall ein Tor aus dem Bilderbuch, und ein ganz wichtiges für den HSV (18.).

Zehn Minuten später hätte es schon 2:0 stehen müssen. Son bediente den mitgelaufenen Jiracek, der kreuzte völlig frei vor dem TSG-Tor auf und konnte sich die Ecke aussuchen. Der Tscheche entschied sich – völlig richtig – für die lange, für die linke Ecke, schlenzte den Ball mustergültig am Keeper vorbei – aber auch um Zentimeter am Pfosten vorbei. Das war Pech. Viel Pech sogar.

Das 2:0 fiel aber trotzdem. Rafael van der Vaart sah Son in die halbrechte Gasse starten, der Pass kam zuckermäßig, der Südkoreaner nahm den Ball mit der Brust mit, umkurvte Torwart Casteels und schoss. Und nun rätseln die Experten: War es ein Torschuss, oder war es doch eher ein kluger und sehenswerter Rückpass? Wir entschieden uns hier, im Block House Eidelstedt, mit 4:0 für Rückpass. Egal wie, es war großartig gemacht, Borussia Dortmund wird es wahrscheinlich sehr gerne sehen (warum wohl?) – und Aogo hat es auch sehr, sehr gerne gesehen, denn der Nationalspieler musste den Ball nur über die Torlinie drücken. Sein zweites Saisontor. Und natürlich lief er sofort zu Son, um sich für diesen Treffer zu bedanken (35.). Das sah schon ganz verdächtig nach großartigem Fußball aus. Der HSV war in dieser Phase eindeutig der Chef im Ring. Hoffenheim kam lediglich einmal recht gefährlich vor das HSV-Tor, als Rene Adler nach einem Freistoß etwas unfair attackiert wurde (Volland) und am Ball vorbeisprang. Die anschließende Flanke köpfte Volland dann auf das Tor, doch zum Glück war Marcell Jansen auf die Torlinie zurückgeeilt und drosch die Kugel wieder Richtung Mittellinie (43.). Gut gemacht, „Cello“! Halbzeit. Und auf dem Gang in die Kabine beschwerte sich Adler noch bei Schiedsrichter Dingert (der ansonsten sehr gut pfiff).

Mit dem Anpfiff zum zweiten Durchgang begann der Sturmlauf der Hoffenheimer. Der HSV konnte sich selten aus dieser Umklammerung lösen, aber einmal gelang es ganz entschieden: Nach einem abgewehrten Ball schoss Diekmeier aus der halblinken Position – eigentlich weit vorbei – Heiko Westermann bekam die Kugel im zweiten Versuch unter Kontrolle, überließ sie Jansen, der den Ball flach zu Mitte beförderte. Dort stand mutterseelenallein Jiracek, der ohne große Mühe zum 3:0 einschoss. Die Vorentscheidung (60.).

Einziger Schönheitsfehler an diesem Treffer – im Gegenzug schoss Volland zum 1:3 ein, unhaltbar für Adler. Noch einmal durfte dann der HSV dagegen von einem Tor träumen, als Milan Badelj seine Spitze Son schickte. Wie einst in Mainz lief der Torjäger auf das TSG-Tor zu, legte sich die Kugel dann aber etwas zu weit vor – Casteels hielt (69.). Der Rest war Abwehrkampf – und ein Konter. Badelj schickte den eingewechselten Rudnevs, und der traf mit links zum 4:1. Das zwölfte Saisontor für den Letten (88.).

Die Einzelkritik:

Rene Adler hielt großartig, auf ihn war stets Verlass – einmal sah er unglücklich aus, als er von Volland unfair attackiert wurde, aber das blieb ohne Folgen.

Dennis Diekmeier bot eine sehr engagierte Partie ab, er lief rauf und runter und machte seine rechte Seite ziemlich dicht. Nur in der 66. Minute sah er einmal schlecht aus – Schwamm drüber. Note drei.

Heiko Westermann war wieder einmal unheimlich wertvoll, denn er hatte so oft noch seinen Kopf oder auch nur die Stiefelspitze zwischen einem gut gemeinten TSG-Pass. Der Bundestrainer sah bei dieser Partie zu, er wird es mit Freude registriert haben, wie gut Westermann in Form ist. Note zwei.

Slobodan Rajkovic räumte hart, gelegentlich etwas rustikal ab, aber das zeigte Wirkung. „Slobo“ bot eine solide Partie, Note drei.

Marcell Jansen hatte wieder eine sehr gute erste Halbzeit, dann ließ er ein wenig nach. Ohne abzustürzen. Beim 1:3 aber sah er nicht sehr glücklich aus, als er nur mit der Hacke einen Pass abblocken wollte – das war eine falsche Idee, weil einfach zu simpel.

Tomas Rincon wurde oft hart und auch überhart attackiert, aber er, der sonst so austeilt, steckte alles super weg. Das war eine gute Partie, er spielte zuverlässig und konzentriert – Note drei.

Milan Badelj war ein wichtiger Mann in dieser HSV-Mannschaft, spielte viele gute Bälle, eroberte auch einige – das sah teilweise schon wie in der Hinrunde aus, als er überragend spielte.

Petr Jiracek war auch rechts ein Gewinn, er arbeitete enorm viel und vor allen Dingen ohne Pause für die Mannschaft, das war besonders wertvoll. Und er krönte diese Partie mit seinem ersten Saisontor. Note drei.

Dennis Aogo durfte – etwas überraschend – auf link ran und bedankte sich mit einer engagierten Fließleistung – und mit seinem zweiten Saisontor.

Rafael van der Vaart war der Chef in dieser HSV-Mannschaft, auch wenn die ganz großen Szenen wieder fehlten. Dennoch, und das hat in dieser Woche Trainer Fink schon gesagt: „Wenn es gefährlich nach vorne geht, dann hängt meistens van der Vaarts linker Fuß damit zusammen.“ So ist es. Note drei.

Heung Min Son schoss sein zwölftes Saisontor und legte das 2:0 vor, wirkte unternehmungslustig und wirbelte viel – das war eine gute Bewerbung für eine Mannschaft aus der Champions League. Note zwei. Ging in der 77. Minute mit einem Wadenkrampf raus.

Per Ciljan Skjelbred (ab 65. Min. für Aogo) stopfte fleißig – so wie er von Natur aus ist – noch etliche Löcher. Was gut an diesem wuseligen Norweger ist: Er braucht selten eine längere Anlaufzeit.

Artjoms Rudnevs (ab 77. Min. für Son) konnte eigentlich nur noch verteidigen, denn der HSV stand zu diesem Zeitpunkt unter Dauerdruck.

Maximilian Beister (ab 90. Min. für Jiracek) durfte die Siegprämie noch einheimsen. Mehr war nicht drin.

So, das war es mit dem letzten Auswärtsspiel des HSV in der Saison 2012/13. Gleich aber geht es noch ein wenig weiter, denn wir sind, und zwar in einigen Minuten, mit „Matz ab live“ zur Stelle und werden über das Hoffenheim-Spiel reden. Und zwar mit unserem Gast Holger Hieronymus, dem ehemaligen Nationalspieler, HSV-Profi, HSV-Trainer und HSV-Sportchef sowie DFL-Geschäftsführer. Und dazu ist „HH“ natürlich – und für mich sogar in erster Linie – einer der HSV-Helden von 1983, vom Europapokal-Sieg über Juventus Turin. Wir freuen uns. Auch auf euch.

17.29 Uhr

Nächste Einträge »