Archiv für das Tag 'Rudnevs'

Alte Probleme – und ein neuer Spieler

19. August 2014

Spannend war es. Und teilweise auch sehr zäh. Aber letztlich ist der HSV weitergekommen. Im Elfmeterschießen gegen einen Drittligisten. Nichts, was einen rühmt – aber auch nichts ehrabschneidendes. Und das wurde schon während wir gestern die Sendung mit den beiden phänomenalen Gästen Joe Zinnbauer und Thomas Seeliger produzierten deutlich. Parallel spielte ein selbst ernannter Champions-League-Kandidat in Dresden, einem Drittligisten wie Cottbus. Und siehe da: Mit den Königsblauen verabschiedete sich der fünfte Erstligist. 13 sind noch im Rennen – und der HSV ist einer von ihnen.

Nein, dieser Pokal ist nicht anders als der der letzten Jahre. Er ist ein Wettbewerb, indem es darum geht, weiterzukommen und am Ende als einziger ungeschlagen zu sein. Und das ist der HSV noch.


Nichtsdestotrotz geben alle Spiele (Test- wie Pflichtspiele) Aufschlüsse, die wichtig sein können. Auch das Spiel gestern. Denn da hat der HSV erneut alte Probleme gezeigt, selbst Chancen zu kreieren. Die Außenbahnen blieben trotz guter Vorbereitungsleistungen wirkungslos, die Angreifer sind noch lange nicht in der Verfassung, das Sturmproblem des Vorjahres zu lösen. Passend dazu kam jetzt die Meldung, dass sich Danzig darum bemüht, Artjoms Rudnevs auszuleihen. Ein Angebot, das für den HSV nur wenig lukrativ wäre, da man so nicht mehr als einen Teil des Jahresgehaltes (rund 1,8 Millionen Euro per annum) Millionen Euro Jahresgehalt sparen würde.

Nein, der HSV will Spieler verkaufen. Verleihen wäre lediglich ein Kompromiss. Zumal der Gehaltsetat sowie der Betrag für Transferausgaben erneut steigen. Heute Nacht konnten wir hier bei Matz ab – auch dank der erneuten Hilfe eines treuen Bloggers! – exklusiv vermelden, dass der Brasilianer Cléber Janderson Pereira Reis kurz vor einem Wechsel zum HSV steht. Der Innenverteidiger soll am morgigen Mittwoch nach Hamburg kommen und schon am Donnerstag seinen Vertrag unterschreiben, sofern er erwartungsgemäß den Medizincheck besteht.

Mein portugiesisch sprechender Kollege und Brasilien-Fan Kai Schiller hat sich heute telefonisch auf die Suche nach dem neuen HSV-Innenverteidiger gemacht und ihn auch erreicht. Der 23-Jährige, der zum ersten Mal nach Europa wechselt, freut sich naturgemäß auf die neue Aufgabe. Und traut man den uns bekannten Brasilienexperten, zählt Cléber zu den besten Innenverteidigern der brasilianischen Liga. Zudem ist er ambitioniert. Das Spiel zum Bundesligaauftakt am Sonnabend hat er lange noch nicht abgeschrieben. Aber dafür müsse er erst noch den Medizincheck bestehen, so Cléber im Abendblatt (Mittwochs-Ausgabe).

Für Abendblatt-Blogs



Rund drei Millionen Euro soll der HSV dem Vernehmen nach für den neuen Innenverteidiger überweise, was den Gedanken, der HSV muss noch Spieler abgeben, erhärtet. Und, weil ich oben geschrieben hatte, dass Leihgeschäfte für den HSV in der momentanen finanziellen Situation sind, hier würde ich dem widersprechen. Denn einen Jonathan Tah erneut ein Jahr auf der Bank oder beim U23-Nadhwuchs spielen zu lassen, wäre verschenkte Zeit. Zeit, die für die Entwicklung des jungen Toptalentes wichtig ist. „Es muss unsere Aufgabe sein, Jonathan in seiner Entwicklung zu unterstützen und weiter auszubilden“, hatte mir Vorstandsboss Dietmar Beiersdorfer gesagt. Beiersdorfer sieht in Tah mehr als nur eine Ergänzung: „Jonathan hat bewiesen, dass er für die Bundesliga alles mitbringt. Eine Abgabe hat noch in keiner Überlegung eine Rolle gespielt.“

Wen also abgeben?

Mit Gojko Kacar (Innenband), der noch drei Wochen ausfallen wird und Slobodan Rajkovic (heute das erste Mal wieder auf dem Platz) hat der HSV inklusive der gesunden Heiko Westermann, Johan Djourou und jetzt auch Cléber fünf Innenverteidiger für zwei Positionen – Tah noch nicht mitgerechnet, der der sechste Mann wäre. Zudem soll weiterhin ein Mittelfeldspieler abgegeben werden. Einzig die Angebote für HSV-Spieler sind weiter rar bis nicht vorhanden.

Klar ist, dass auch Beiersdorfer und Slomka sich einig sind, personell noch etwas machen zu müssen. Allein über das Wie ist man sich noch nicht ganz im Klaren. Wie auch. Das Geld fehlt.

Einen Rückschlag hatte zuletzt Maxi Beister befürchtet und bestätigt bekommen. Er musste am gestrigen Montag in Augsburg operiert werden. Dabei allerdings stellte sich heraus, dass es nicht wie befürchtet ein Meniskusschaden ist, sondern lediglich die Kreuzbänder verklebt waren. Er selbst schrieb uns heute: „Hallo zusammen: kleine Info: Mir geht es gut! Operation ist gut verlaufen. Sehr positiv da der Meniskus nicht kaputt war. Das vordere und hintere Kreuzband waren verklebt (wurden wieder gelöst voneinander) sowie eine erhöhte innere Narbenbildung, die ebenfalls entfernt wurden. Gruß aus Augsburg“

Erleichterte Grüße zurück, Maxi!

Und dann noch etwas, worüber ich mich grundsätzlich freue: Der Fanclub „Poptown“ hat einen Rückzieher gemacht und unterstützt den HSV auch in seiner neuen Rechtsform weiter wie gewohnt. Sollten sie jetzt noch das Abbrennen von Pyro unterlassen, wäre ich ihnen für einen guten Fingerzeig durchweg dankbar. Denn ich bleibe dabei, dass dieser Verein auch in seiner neuen Rechtsform der HSV bleibt, den ich seit frühester Kindheit kennen und lieben gelernt habe. „Wir bleiben“, ließen die einst hart kritisierten Fans via Flyer in Cottbus verlauten. Und wer auch immer jetzt anfängt, den Ultraschlauen raushängen zu lassen und von einem „Rückzieher“ spricht, der hat es nicht verstanden. Vielmehr sollte es jetzt darum gehen, sich gegenseitig die Hände zu reichen, um die alte und zuletzt zurecht hochgelobte Fankultur des HSV aufleben zu lassen.

Denn eines ist nach jetzigem Stand auch klar: Dieser HSV braucht seine Anhänger in der kommenden Saison. Denn bei aller positiven Stimmung und Tendenz aus der Vorbereitung darf keiner Wunder erwarten. Diese Mannschaft kommt aus einer Schwächesituation mit unzähligen Negativerlebnissen der Vorsaison und muss sich noch immer fangen. Genau DAS war für mich gegen Cottbus am deutlichsten zu erkennen. Aber: Genau DAS war für mich auch zu erwarten.

In diesem Sinne, immer die Ruhe bewahren. Es wartet noch viel Arbeit auf den HSV. Und das sollte meiner Meinung nach die Basis aller Erwartungshaltung sein.

Bis morgen! Da wird wieder um zehn Uhr an der Arena trainiert.

Scholle

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