Archiv für das Tag 'Rozehnal'

David Jarolim beim 5:7 herzlich gefeiert

28. März 2015

Endlich einmal HSV-Tore im Volkspark! „An Tagen wie diesen“ sangen die „Toten Hosen“, aber an diesem Sonnabend herrschte im Volkspark alles andere als „tote Hose“. David Jarolim bat zu seinem Abschiedsspiel, und viele, viele kamen. 32 000 Zuschauer waren dabei, und etliche Stars aus Tschechien und vom HSV. Das Jaro-Dream-Team aus Tschechien siegte 7:5, aber das Resultat war ganz sicher unwichtig. Es war eine schöne Abschiedsparty für einen großen HSV-Spieler, der hier immer alles gegeben hat. Und der vielleicht auch irgendwann noch einmal nach Hamburg zurückkehren wird, um beim HSV zu arbeiten. „Diesen Tag werde ich niemals vergessen“, sagte „Jaro“ bei seiner kleinen Dankesrede, und er versprach: „Ich werde versuchen, bei den letzten Spielen das HSV in dieser Saison dabei zu sein um die Daumen zu drücken.“ Alle Zuschauer feierten den Helden des Tages, besonders der Norden – und dafür danke ich ganz besonders, denn „Jaro“ hat es hier auch einst anders kennengelernt. Dabei viel mir heute vorher und auch nachher der große Udo Lattek ein, der einst beim „Doppelpass“ über David Jarolim gesagt hatte: „Ich kann ihn nicht ab, er provoziert, spielt zu oft foul – aber als Trainer hätte ich dieses Schlitzohr liebend gerne in meiner Mannschaft gehabt. So einen brauchst du.“ Mehr Lob geht doch fast gar nicht.

 

Beim Einlaufen der Spieler gab es viel Beifall der 32 000 Zuschauer. Jeder Profi wurde herzlich begrüßt. Lauter wurde es bei Mehdi Mahdavikia, und ganz laut wurde es bei Thimothee Atouba, der geradezu enthusiastisch gefeiert wurde. Atouba! Er tanzte hier nur ganz kurz auf, aber ihn lieben sie hier noch immer. Weil er Dinge drauf hat, die kein anderer macht. Besonders laut wurde es dann aber, als der Mann des Tages einlief – mit seinen Kindern an der Hand und auf dem Arm: David Jarolim. Der Norden sang, alle Zuschauer standen auf. Lotto King Karl und Carsten Pape sangen „Hamburg meine Perle“, und HSV-Boss Dietmar Beiersdorfer hielt eine kurze, aber unheimlich warmherzige Rede: „David, Du bist ein großartiger Mensch mit einem ganz feinen Charakter, Du warst immer ein vorbildlicher Spieler.“ Dem war nichts hinzuzufügen. Und nicht wenige auf der Tribüne hatten den Eindruck, dass der Vereins-Chef bei seinen Sätzen kurz davor war, die eine oder andere Träne zu verdrücken . . .

 

Mein persönliches Highlight an diesem Nachmittag, und es war nicht nur meines, heißt aber nicht in erster Linie Jarolim, auch nicht Atouba, sondern Tomas Ujfalusi. Nein, nein und noch einmal nein, ich hätte ihn nicht erkannt. Und ich konnte es eine Halbzeit lang nicht glauben, dass der etwas rundliche Herr mit dem etwas mehr an Bauch, mit ohne Haare auf dem Kopf, dafür sehr, sehr viel am Kinn, dass der wirklich unser „Ujfi“ ist. Nein, und irgendwie kann ich es immer noch nicht fassen. Obwohl ich ihn schon eine Stunde vor dem Spiel in den Katakomben sah – und mich fragte, wer dieser Mann denn ist? Aber er war es tatsächlich, auch wenn der neben mir sitzende „Scholle“ es bis zum Schlusspfiff nicht glauben wollte.

 

Während des Spiels, das von Radio-Hamburg-Moderator John Ment kommentiert wurde, wurde übrigens Ballermann-Musik gespielt. „Schatzi schenk mir ein Foto“, und zum Beispiel: „Atemlos“. Ob der HSV den Antrag stellen wird, künftig auch während der Bundesliga . . . Nein, lassen wir das. Denn diese Musik war ja auch gewöhnungsbedürftig.
Das Spiel wurde geleitet von Schiedsrichter Babak Rafati aus Hannover – er hatte ein leichtes Amt, es gab weder Fouls noch Meckereien.

 

Die erste Möglichkeit der Partie hatte David Jarolim, der plötzlich allein vor Stefan Wächter stand – aber den Ball nicht stoppen konnte! Wie bitter war das denn?! Kurz darauf hatte Atouba einen bühnenreifen Auftritt, als er drei Tschechen an der linken Eckfahne vorführte. Er hat es eben immer noch nicht verlernt.

 

Bis zur 11. Minute hieß es 0:0 im Volkspark (wie sonst?), dann aber fielen die Tore. Lukas Jarolim schoss das 1:0 für das Dream-Team, nachdem zuvor Wächter noch großartig einen Fallrückzieher von Koller gehalten hatte. Für das 1:1 zeichnete Mladen Petric verantwortlich. Koller traf zum 1:2, Wildcard-Spieler Norman Lessmann glich aus. Noch einmal Lukas Jarolim und auch noch einmal Mladen Petric, der immer noch schlitzohrig über den Platz läuft und Torchancen erahnt, sorgten für das 3:3 zur Halbzeit.
Der HSV hatte mit Stefan Wächter (Claus Reitmaier), Guy Demel, David Rozehnal, Tomas Ujfalusi, Thimothee Atouba, Mehdi Mahdavikia, Stefan „Paule“ Beinlich, Thorsten Fink, Thomas Doll, Mladen Petric und Norman Lessmann begonnen.

 

Im zweiten Durchgang kam dann folgende HSV-Mannschaft zum Zuge: Reitmaier (Drobny),Demel (Martin Groth), Milan Fukal, Bastian Reinhardt, Atouba (Dennis Aogo), David Jarolim, Rodolfo Cardoso, Marcel Meyer (mit Wildcard), Lessmann, Sergej Barbarez und Vahid Hashemian. Interessant: Martin Groth sollte eigentlich gar nicht spielen, war ohne Fußball-Klamotten nach Hamburg gekommen, aber plötzlich durfte er dabei sein. Weil doch einige angekündigte Spieler nicht gekommen waren.

 

Für die erst- und einmalige HSV-Führung in diesem Spiel sorgte Wildcard-Spieler Marcel Meyer, der das 4:3 markierte. Koller, Poborsky, Kuka und Wildcard-Spieler Stefan Kück schossen dann die Tore für den Sieger, für den HSV verkürzte David Jarolim nur noch per Elfmeter, den Ujfalusi an ihm verschuldet hatte – das war ja wohl auch Pflicht. 5:7 hieß es am Ende, aber diese HSV-Niederlage tat ausnahmsweise einmal nicht weh.
Als Trainer fungierten an diesem Tag übrigens Bruno Labbadia, Ralf Zumdick, Klaus Augenthaler und Vater Karel Jarolim. Im Dream-Team standen so bekannte Stars wie Koller, Poborsky, Kuka, Nikl, Smicer und Tyce.

 

Und während es nach diesem Spiel noch an der Alster weitergeht und ging, geht es für einige HSV-Spieler nun auch offiziell nicht mehr weiter. Rafael van der Vaart, Marcell Jansen, Ivo Ilicevic und Gojko Kacar erhielten nun vom HSV die Mitteilung, dass der Club künftig ohne sie plane. Dietmar Beiersdorfer: „Sie haben es sportlich aufgenommen, und alle haben ihre persönlichen Belange hintenangestellt – denn alle wollen, dass der HSV nicht absteigt. Dafür werden sie noch bis zuletzt alles geben.“

Toi, toi, toi.

 

PS: Morgen, am Sonntag, sitzt nach “Scholle” ein weiterer Mann von “Matz ab” beim Doppelpass vom Sport1: Lars Pegelow gibt sich die Ehre. Alles Gute, mein Lars!

 

PPS: Heute gibt es keine Matz-Ab-Live-Sendung.

17.16 Uhr

Mitglieder wählen HSVPlus-Initiative

24. Mai 2014

+++++ Aktualisierung +++++
Dies soll nur als eine Art kleine Zusammenfassung und Aktualisierung des ereignisreichen, ja historischen, Tages beim HSV dienen. Die Mitglieder haben für die Ausgliederung, für die HSVPlus-Initiative gestimmt. 86,9 Prozent der 9702 anwesenden Mitglieder – nie kamen mehr zu einer HSV-Versammlung – stimmten am Sonntag um 16.33 Uhr für die entsprechenden Pläne der Reforminitiative HSVPlus.

Der Klub wird nun völlig umgekrempelt. Der bisherige Vorstandsvorsitzende Carl Jarchow steht vor dem Aus. Stattdessen soll der ehemalige Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer an der Spitze der neuen Fußball-AG stehen. Die neue HSV-Fußball-AG muss nun noch ins Handelsregister aufgenommen werden – dies soll bis Ende Juni passieren. Erst dann können die neuen Macher auch offiziell ihre Arbeit aufnehmen.

Alles Weitere Infos gibt es in den Videos, im Ticker und ab morgen, dann auch wieder hier. Bis dahin genießt den Rest des sonnigen Sonntages und erholt Euch so schnell wie möglich von dieser, nun vergangenen, Saison.
+++++ Aktualisierung +++++

Es kribbelt schon genau so, wie vor dem Relegations-Spiel in Fürth, das vor einer Woche mit 1:1 gewonnen wurde. Ähnlich knapp dürfte der „Sieg“ morgen bei der Mitgliederversammlung ausfallen, entweder für „HSVPlus“, oder für die Traditionalisten der „HSV-Allianz“. „Zerstört sich der HSV morgen selbst“, so stand es in großen Lettern auf der Seite eins der „Bild“, und im Sportteil des Abendblatts hieß die Zeile: „Die letzte Schlacht um den HSV“. Unter dem Aufmacher-Artikel des Kollegen Alexander Laux lautete die Überschrift des „Fußkastens“: Otto: „Es darf kein Triumphgeheul geben“.


HIER GEHT‘S ZUM TICKER FÜR SMARTPHONES

 

Da kamen sofort Erinnerungen auf, denn bei der letzten Mitgliederversammlung des HSV fiel eine ganz wichtige Entscheidung, als bereits viele, viele Mitglieder die Halle verlassen hatten – es war weit mehr als die Hälfte. Und es ging dann immerhin noch um den so wichtigen Punkt der Briefwahl. Damals siegte die Opposition, und diese Damen und Herren stimmten sehr wohl ein ganz besonders lautes Indianergeheul an. Weil vorher keiner auf die Bremse getreten war, wie jetzt der ehemalige HSV-Aufsichtsrats-Chef Alexander Otto?

 

Interessant an dem Interview, das HA-Sportchef Peter Wenig mit Otto führte, fand ich besonders eine Passage. Da sagt der Multi-Millionär unter anderem: „Frisches Geld hilft ohne Frage, aber es löst nicht alle Probleme.“ Und: „Viel wichtiger ist ein handlungsfähiger Vorstand, der schnelle, klare und transparente Entscheidungen trifft. Der FC Augsburg arbeitet mit einem viel kleineren Etat erfolgreicher als der HSV. Das zeigt, dass Geld eben nicht alles ist.“

 

Natürlich nicht. Besonders dann, wenn man es hat . . . Aber noch einmal zum Vorstand zurück. Otto fordert eine HSV-Führung, die „schnelle, klarere und transparente Entscheidungen trifft“. Toll. Aber, das ist nun eine der Kernfragen, die alle HSV-Mitglieder morgen beschäftigen sollte: „Wer hat diesen Vorstand denn ins Amt gehoben?“ Richtig. Und wer hat diesen Aufsichtsrat zu Leben erweckt? Richtig. Und rückblickend, das werden wahrscheinlich auch einige Damen und Herren der Opposition einsehen (müssen), gibt es da zu konstatieren: „Es ist wohl nicht immer alles ganz richtig gelaufen. Oder: Es sind wohl oft die falschen Leute dazu befähigt worden, diesen Verein zu führen.“ Zu was das letztlich geführt hat, das wissen inzwischen alle. Hoffentlich. Obwohl mir dabei einfällt, dass es bestimmt noch den einen oder anderen Menschen gibt, der glaubt, dass alles so richtig war, wie es gelaufen ist. Nur die Spieler haben versagt . . .

 

Wie dem auch sei, dem HSV steht die letzte Schlacht bevor, vielleicht auch nur die bislang größte der Vereinsgeschichte.

 

Hoch interessant in dem Abendblatt-Artikel von Alexander Laux war auch die Aussage von HSV-Vorstandsmitglied Oliver Scheel, der aussagte: „Mit HSVPlus fährt man die Mitgliederbestimmung von 100 auf fünf Prozent zurück.“ Zum Wohle des Vereins? Oder: Zum Wohle des Vereins. Denn die Mitglieder hatten in jenen Jahren, in denen sie den Aufsichtsrat (und der dann den Vorstand) bestimmten und wählten, doch immer viel, sogar sehr viel zu meckern und zu kritisieren. Und, siehe oben, es ist doch, bei aller Liebe zum HSV, vieles, ja so vieles falsch gelaufen. So unendlich viel. Bis hin zur Relegation. Ob das nun ein letzter Warnschuss war? Man wird sehen.

 

Und es wird ganz sicher spannend, eventuell sogar dramatisch. Und es könnte auch ein langer Abend werden. Der Beginn dieser so brisanten Mitgliederversammlung, zu der sich bis heute knapp 9000 Mitglieder angesagt haben, ist auf elf Uhr taxiert, das Ende aber ist völlig offen. Wegen der großen Flut von Satzungsänderungs-Anträgen. Sollte abends über „HSVPlus“ abgestimmt werden, könnten sich schon wieder viele HSV-Mitglieder per Bahn oder Zug auf den weiten Heimweg gemacht haben. Und damit würden dann natürlich die Chancen steigen, dass die Dreiviertelmehrheit, die „HSVPlus“ erreichen muss, verfehlt wird – und dass die Opposition doch ein Indianergeheul anstimmen kann. Es sei denn, die Damen und Herren nehmen den Rat von Alexander Otto auf.

 

Der HSV steht vor seiner größten Zerreißprobe, keine Frage. Es wird nach diesem Sonntag Austritte geben, vielleicht sogar hageln – so oder so. Mal sehen, wie der Club damit wird umgehen können.

 

Die Frage, die sich am Ende des Tages aber stellen könnte, ist die: „Kann es denn überhaupt noch schlechter werden?“ Natürlich kann es das, nämlich mit dem direkten Abstieg in Liga zwei. Und das mit einer ähnlichen grottenschlechten Saison wie die gerade erlebte. Und im Moment sieht es eher danach aus, dass diejenigen Spieler, die es noch halbwegs konnten, Hamburg verlassen werden. Ich habe gestern schon geschrieben, dass ich fest mit der Vertragsauflösung von Rafael van der Vaart rechne. Jetzt hat der Niederländer im WM-Vorbereitungs-Quartier seiner Nationalmannschaft folgende nette Sätze über sein momentanes Befinden gesagt – und zwar: „Es fühlt sich wie eine Befreiung an, nach so einer Saison mit dem HSV. Wenn du zur Nationalmannschaft kommst, ist das Niveau höher und es sind Spieler da, die Titel gewonnen haben. Deshalb ist die Stimmung hier positiv, ich fühle mich richtig wohl.“
Na dann.
Es klingt doch eher nach Abschied, oder?

 

Und nachdem der zweitbeste HSV-Torschütze, nämlich Hakan Calhanoglu, seinen Abschied schon verkündet und auch mehrfach gefordert hat, geht – natürlich – auch der beste HSV-Torjäger. Hertha-Manager Michael Preetz sagte über den Hamburger Leihspieler: „Wir wollen ihn zurück, denn wir wollen nicht auch noch, nach dem Wechsel von Ramos nach Dortmund, unseren zweiten Top-Torjäger verlieren.“ Natürlich nicht. Es sei denn? Gibt es da noch ein Hintertürchen? Preetz: „Da müsste schon ein Angebot für Pierre-Michel kommen, das wir unmöglich ablehnen können, aber das gibt es nicht.“ Und wenn es ein solches Angebot tatsächlich doch geben sollte, dann – nach jetzigem Stand – ganz bestimmt nicht vom HSV.

 

Ja, ja, das liebe Geld. Das allerdings spielte in der gerade zurückliegenden Winterpause keine Rolle, als es darum ging, ob David Jarolim zum HSV – sofort – zurückkehren wird. „Jaro“ der zurzeit noch für den tschechischen Tabellendritten FK Mlada Boleslav spielt, wäre dazu bereit gewesen, er stand parat und saß zugleich auf gepackten Koffern. Der HSV, die sportliche Führung, wollte ihn nicht. Dabei wäre der Dauerläufer, der „kleine Emil Zatopek“, ganz sicher in besserer körperlicher Verfassung gewesen, als der Großteil der HSV-Spieler. Aber gut, es war ja auch nur ein Angebot . . . Quasim Bouy und Ola John waren da schon ganz andere Kaliber, kamen sie doch nicht aus Tschechien, sondern von Juventus Turin und Benfica Lissabon. Nee, liebe Leute, ich komme über diese beiden Herren einfach nicht hinweg. Der HSV hat sich in Sachen Verpflichtungen und Verstärkungen schon einige richtig dicke Klops erlaubt (Marcus Berg, David Rozehnal waren zuletzt wohl die größten Fehler), aber diese beiden Winter-Leihgaben, die bleiben die ungekrönte Krönung, sie sind der Knüller der Vereinsgeschichte. Aber Jarolim ablehnen . . .

 

Natürlich ist „Jaro“ auch heute noch topfit. Das war er immer – ein Vorbild-Profi eben. Deswegen muss er doch eigentlich über die letzten 30 Minuten in Fürth entsetzt gewesen sein, wie der HSV da über das Spielfeld taumelte, weil ihm die Kraft ausgegangen war. Die meisten Hamburger waren stehend k.o. Jarolim: „Deswegen hatte ich ja auch eine so große Angst um den HSV, aber ich habe mich gefragt, warum das so ist. Eindeutig war, dass Fürth in Hamburg spritziger und läuferisch stärker war, und dass dem HSV dann in der letzten halben Stunde in Fürth die Kraft ausging. Einige Spieler hingen mächtig durch, wobei es bei van der Vaart, Lasogga und Jansen schon klar war, denn sie hatten lange Verletzungspausen zu überstehen.“ Jarolim lobt aber auch: „Die erste Halbzeit war super vom HSV, da hat die Mannschaft genau so gespielt, wie man es in einer solchen Begegnung machen muss.“ Aber dann. . . Dann gab es den Einbruch. Und David Jarolim sagt dazu auch noch: „Das war schade, denn es gibt einer Mannschaft auch Selbstbewusstsein, wenn sie genau weiß, dass sie jedes Tempo des Gegners bis zur letzten Sekunde mitgehen kann.“ Natürlich. Aber davon konnte beim HSV in dieser Saison nie die Rede sein.

 

Der gute David Jarolim hatte sich am vergangenen Sonntag gemeinsam mit seiner Frau auf die 300 Kilometer von Prag nach Fürth gemacht, die Karten hatten ihnen Medien-Direktor Jörn Wolf und Teammanager Marinus Bester besorgt: „Diese beiden Spiele gegen Fürth waren schwer zu ertragen für mich, wenn man nur zuschauen und nicht helfen kann. Besonders das Rückspiel hatte es in sich, das war in der Schlussphase ganz, ganz schwierig, das zu erleben. Ich habe noch an den Klassenerhalt des HSV geglaubt, aber ich habe auch unheimlich gezittert. Nach dem 1:1 von Fürth spielte ja nur noch eine Mannschaft, die Spannung war unerträglich.“

 

300 Kilometer – das zeugt davon, dass Jarolim die Raute immer noch im Herzen trägt. Er sagt aber: „Leider war es nach zwei Jahren erst das erste Spiel des HSV, bei dem ich im Stadion war – das ist zu wenig, das enttäuscht mich selbst ein bisschen. Dafür haben wir uns aber auch schon eine Woche vorher gefreut, dass wir Karten für das Fürth-Spiel hatten. Mindestens eine Woche Vorfreude auf den HSV war das.“

 

Aber er ist natürlich auch noch selbst Spieler, deswegen fehlte ihm oft die Zeit, den HSV mal live zu sehen. Und morgen steht in Tschechien erst der vorletzte Spieltag auf dem Programm, Boleslav muss daheim gegen Meister Sparta Prag antreten, aber unabhängig vom Ausgang dieses Spiels, die Mannschaft von David Jarolim, die von seinem Vater Karel trainiert wird, hat sich bereits für die Europa League qualifiziert. Und für das morgige Spitzenspiel ist er total optimistisch: „Wir hätten es nun, nachdem wir in Europa dabei sind, leicht, locker und leger angehen lassen können, aber mein Vater und die gesamte Mannschaft ist so ehrgeizig, wir haben trainiert, als ging es um die Meisterschaft. Und das ist auch gut so, ich bin ja immer dafür gewesen, dass man hart arbeitet.“

 

Hart arbeiten soll – oder sollte – „Jaro“ ja auch nach seiner Profi-Karriere, und zwar beim HSV. Das ist noch immer nicht vom Tisch. Würde eine neue Vereinsführung denn die Chancen auf eine Rückkehr des Mittelfeldspielers verringern? Er sagt: „Nein, im Gegenteil. Ich habe von der jetzigen Vereinsführung lange nichts mehr gehört, wir haben keinen Kontakt mehr, da gab es früher, als Frank Arnesen noch da war, mehr Telefonate. Ich weiß zwar, dass der HSV natürlich ganz andere Sorgen gehabt hat und hat, aber trotz allem denke ich, dass wenn Interesse da gewesen wäre, dass man mich dann mal angerufen hätte.“

 

Jetzt hofft er auf die neue HSV-Führung. Und speziell auf einen Mann. Jarolim: „Ich hoffe darauf, dass Dietmar Beiersdorfer zum HSV zurückkommen wird, mit ihm lief es damals doch gut wir hatten ein gute und auch eine erfolgreiche Zeit.“ „Jaro“ weiter: „Ich habe auf jeden Fall noch Interesse, der HSV ist mein Club, und als meine Frau und ich die HSV-Fans nun live erlebt haben, da dachten wir schon an die Zeit zurück – und wie toll es doch wäre, wenn wir wieder in Hamburg wären. Zumal wir noch immer unsere Wohnung dort haben, wir würden also sofort wieder heimisch sein in Hamburg. Auf jeden Fall. Wir haben es vor.“ Wobei sich David Jarolim noch immer nicht entschlossen hat, ob er noch weiterhin als Profi spielen wird. Sein Vater versucht ihn zu überreden, aber „Jaro“ lässt es sich noch offen. Vielleicht auch wegen der Option Hamburg.

 

Schnell noch zu einem Mann, der Hamburg in diesem Sommer (wohl) verlassen wird. Co-Trainer Roger Stilz hat sich bekanntlich vom HSV verabschiedet, und ich denke nicht, dass er künftig im Hamburger Amateurfußball arbeiten wird. Vielleicht ist Wolfsburg seine nächste Station im Profi-Fußball – mal sehen. Ich, das muss ich an dieser Stelle mal sagen, bedauere seinen Abschied vom HSV, weil Stilz sehr wohl ein Mann ist, der viel, sogar sehr viel vom Fußball versteht, der auch seine klaren Vorstellungen von dem hat, wie es im Profi-Fußball zu laufen hat. Deswegen wäre er weiterhin ein guter Mann für den HSV gewesen – und für mich zugleich auch eine Art Hoffnungsträger, dass vieles gut gemacht wird, dass nicht allzu vieles schief läuft.
Schade, schade, aber es ist nicht mehr zu ändern.

 

So, hoffentlich wird das nun nicht das Motto für diejenigen HSVer, die morgen den Volkspark verlassen und sich eventuell zu einer solchen Aussage veranlasst sehen.

 

Ich wünsche allen eine gute Wahl, auf dass der HSV endlich wieder aufblühen wird. Alles Gute für Euch, für morgen und für alle Rothosen. Und dann noch einen wunderschönen Fußballabend mit zweimal Madrid in Lissabon.

16.03 Uhr

PS: Die Zweite hat ihr letztes Saisonspiel in der Regionalliga bei Meister VfL Wolfsburg mit 2:3 verloren, dabei aber zur Pause noch mit 2:0 geführt. Für die Tore hatten Nils Brüning und Ronny Marcos gesorgt, es war die Abschiedsvorstellung von Trainer Rodolfo Cardoso, dessen Mannschaft letztlich auf dem 14. Tabellenplatz einlief.

Dies und das an einem freien Tag

29. Juli 2013

Eigentlich ganz schön, dass es diese trainingsfreien Montage gibt – habe ich so bei mir gedacht. Und deswegen habe ich in meinem Postfach gekramt, um nach noch unbeantworteten Mails zu suchen. Und bin – natürlich – fündig geworden Bei der Gelegenheit, ich muss es jetzt noch ein, zwei Mal sagen, bitte ich um Verzeihung, wenn ich nicht alles beantworte oder aufnehme, denn es wird mir täglich einfach zu viel zugeschickt. Diesmal will ich aber, wie eine Art Sprechstunde (von früher) einige Mails aufgreifen, denn erstens gibt es beim HSV aktuell nichts zu berichten, und zweitens sind einige Fragen oder Anregungen gekommen, die wirklich erwähnenswert sind. Das soll nun und jetzt und heute geschehen. Allen, die mir geschrieben haben – und auch schreiben – sage ich auf diesem Wege aber noch einmal ein herzliches Dankeschön für das Mitmachen, für die Anregungen, für die Emotionen rund um „Matz ab“ – das ist einfach nur klasse.

Ganz am Anfang aber möchte ich noch zum Thema „Verkäufe“ kommen. Gojko Kacar steht ja bei Rubin Kazan auf der Einkaufsliste, wird deshalb sogar in Ochsenzoll beim Training mit der U 23 beobachtet, aber beim Testspiel der Zweiten in Magdeburg konnte sich Kacar nicht in den Vordergrund spielen. Eher war das Gegenteil der Fall. Rubin Kazans Deutschland-Scout Alexander Asimow: „Mit dieser Leistung wird es schwer für Gojko, er muss fit werden, muss sich neu beweisen.“ Am 10. August spielt HSV II gegen Hannover 96, dann soll Kacar noch einmal unter die Lupe genommen werden, dann dürfte sich wohl entscheiden, ob es für den 26-jährigen Serben Richtung Russland geht.

So, nun zur „Sprechstunde“. Wobei der erste „Fall“ ein Doppel-Interview ist, das mir in Auszügen von der Fußball-Illustrierten „11FREUNDE“ (Ausgabe 141) zur Verfügung gestellt worden ist. Diese Aussagen, die HSV-Sportchef Oliver Kreuzer und HSV-Trainer Thorsten Fink gaben, lasse ich einmal unkommentiert. Es sind nur, wie geschrieben, Auszüge des Interviews, aber ich finde, dass das schon einige bemerkenswerte Sätze sind, die da gesagt wurden:

Über die Aussage von Uli Hoeneß, dass der HSV der einzige Verein ist, der von den infrastrukturellen Voraussetzungen her dem FC Bayern das Wasser reichen könnte, sagte Thorsten Fink:
„Es äußern sich oft Leute zu unserem Verein, ohne Interna zu kennen. Bei allem Respekt für Uli Hoeneß wäre es manchmal auch angebracht, ruhig zu sein. […] Momentan liegen Welten zwischen uns und dem FC Bayern. Und es wird noch Jahre dauern, bis wir uns wieder annähern.“

Zur These, dass es dem Bundesliga-Urgestein mal gut tun würde, abzusteigen, um sich zu erneuern, sagte Oliver Kreuzer:

„Auf keinen Fall. Das darf und wird nicht passieren. Die Erwartungshaltung der Leute ist, dass der HSV wieder am Dienstag oder Mittwoch live im Fernsehen läuft. Und ich verstehe es als unsere Aufgabe, den Klub auch wieder dahin zu bringen. Aber es gibt gegenwärtig zehn Klubs, die diese Möglichkeiten haben, und Stand heute sind bei vielen die wirtschaftlichen Voraussetzungen deutlich besser als hier.“

Zur Aussage »Der HSV muss wieder in die Champions League« befand Kreuzer:

„Natürlich muss das unser Ziel sein. Aber wir können nun mal nicht sagen: Diese Saison schaffen wir Platz sechs, nächstes Jahr Platz drei und ab da nur noch Königsklasse. Erst mal müssen die Voraussetzungen geschaffen werden, überhaupt wieder international anzugreifen. Und ob es dann klappt, kann bei der großen Konkurrenz auch von einer Schiedsrichterentscheidung oder einem verschossenen Elfmeter abhängen.

Über Mitglieder des Aufsichtsrats, die Interna an die Presse geben, sagte Kreuzer:

„Der HSV ist ein diffiziles Konstrukt auf Führungsebene. […] Aber die Problematik, dass in Medienstädten bestimmte Funktionsträger auch enge Beziehungen zu Journalisten unterhalten, gibt es in Köln und München genauso – vielleicht sogar noch extremer. Damit müssen wir in unserer Position umgehen können. Die Leute, die Interna bewusst öffentlich machen, sollten sich darüber Gedanken machen, dass sie dem Verein großen Schaden zufügen. Was sollen Spieler denken, wenn sie beispielsweise Details aus ihren Verträgen in den Zeitungen lesen?“

Zu vorzeitigen Wechseln bei laufenden Verträgen äußerte Fink:

„Was soll ich da sagen? Ich wollte vom FC Basel weg, als der HSV mir ein Angebot machte. Aber habe ich deswegen schlechte Arbeit abgeliefert? Ich glaube nicht. Deswegen kann ich Heung Min Son verstehen, wenn er aus dem Vertrag raus will. Jeder, der gehen will, soll gehen.“

Kreuzer dazu:

„Fußball ist nicht berechenbar. Glauben Sie, ich hätte vor zehn Wochen daran gedacht, dass ich heute in Hamburg sitze und ein Interview zum HSV gebe? Da habe ich noch überlegt, ob wir mit dem Karlsruher SC den Aufstieg in die zweite Liga schaffen. Keiner weiß, was morgen ist. Dafür werden hohe Entschädigungen bezahlt, so dass am Ende alle zufrieden sein können. Eine moralische Bewertung bringt da nichts. Der Fußball ist heute anders als zu unserer aktiven Zeit. Profis wechseln einfach viel öfter.“

Dann schrieb uns „Reinhard 1954“

„Ich habe im Blog vergeblich auf ein Statement von Herrn Matz und von „Scholle“ zum Interview von Herrn Kühne im Kicker vom 22. 07. 2013 und zum Artikel im Managermagazin 8/2013 gewartet.
Die nachstehenden Aussagen von Herrn Kühne im Kicker müssten die Verantwortlichen des HSV eigentlich nachdenklich stimmen. U. a.:

Der HSV hat wieder einmal finanzielle Probleme. Haben Sie nicht mal Lust mal wieder einzugreifen, Herr Kühne?- Nein, unter den jetzigen Umständen nicht. Zunächst müssen die Strukturen im Klub verändert werden – es muss professioneller werden. Der Aufsichtsrat ist zu groß, es gibt zu viele Streitereien. Bei Transfers hatte der HSV in jüngster Vergangenheit ein nicht so glückliches Händchen. Herrn Kreuzer kenne ich nicht. Ich hätte mir Felix Magath als einflussreichen Vorstand und Sportdirektor gewünscht. Ein Investor bin ich nicht, sondern ein Sympathisant als gebürtiger Hamburger. Einer, der helfen will, den Verein in Form zu bringen. Und ein Sponsor bin ich auch nicht, weil ich keine Gegenleistung verlange. Unter anderen stellen die Werksmannschaften von Leverkusen und Wolfsburg eine Wettbewerbsverzerrung dar.

Wir haben uns dazu nicht geäußert, das stimmt, aber damit wollten wir keineswegs kneifen. Erstens war es eine Geschichte des Kickers, und diese steht schon für sich, hat klare und eindeutige Aussagen. Zweitens weiß ich ja, was hinter den Kulissen läuft – in Sachen Strukturen im HSV. Wartet ab, es wird schon noch genügend passieren – und ich glaub auch, dass darin Herr Kühne keine so ganz kleine Rolle spielen wird. Grundsätzlich bleibt festzuhalten, dass von einigen Männern viel und emsig und akribisch daran gearbeitet wird, dass der HSV professioneller auf die Beine gestellt wird. Letztlich aber sind dann doch die Mitglieder entscheidend, ob sie diesen Weg mitgehen möchten. Weiter wurschteln (bis zum Abstieg), oder neue und professionelle Strukturen, das ist dann die Frage.

Eines muss ich aber mal klar betonen, weil das aus dem HSV heraus gefragt und gesagt worden ist: Ich bin nicht derjenige, der die Struktur-Änderungen vorantreibt, bei mir laufen – auch nicht inoffiziell – keine Fäden zusammen, ich bin auch nicht der „heimliche Chef“ für den neuen HSV – aber: Ich werde das tun, was ich tun kann, damit der HSV professioneller auf die Beine gestellt wird, damit er endlich wieder einmal voll konkurrenzfähig in der Ersten Bundesliga wird. Jeder, der das auch will, wird meine Unterstützung erhalten. Wobei ich in einigen Tagen ja nur noch die Privatperson Dieter Matz bin, der auch nur das kann, was jedes HSV-Mitglied tun könnte und kann.

Dann gab es diese Mail, die uns der „Kollauer“ zukommen ließ:

Moin Dieter,

ganz gegen meine sonstige Gewohnheit ein paar Anmerkungen zu Deinem Blog und zwar hinsichtlich der Trainerausbildung. Während meiner Tätigkeit als Jugendtrainer habe ich die Lehrgänge nur als Fortbildung für die Fähigkeit zur Vermittlung des „Wie“ nie des „Was“ verstanden. Damit will ich sagen, dass von Uwe Jahn nie erwartet habe, dass er mir perfekte Trainingspläne für meine Jungs mitgibt. Welche Trainingsinhalte ich meinen Burschen vermitteln wollte, war doch sehr von dem individuellen Talent und Leistungsvermögen und –willen meiner eher breitensportorientierten Knäblein anhängig. Und damit war ich in der Pflicht.

Nun ist das mit Profis sicher eine ganz andere Geschichte, obwohl: so sehr unterscheidet sie sich vielleicht doch nicht. Es kann mir doch keiner erzählen, dass unter Berücksichtigung der „modernsten“ Trainingsmethoden und Taktiken der Kader vom FC Pep dasselbe Training machen würde wie Wolfsburg, Schalke, Braunschweig und last but not least der HSV. Auch hier muss der jeweilige Trainer die körperlichen wie mentalen Voraussetzungen seines Kaders berücksichtigen. Es wäre doch außerordentlich betrüblich, wenn den z. T. gestandenen Ex-Profis, die beim DFB ihren Fußballlehrerschein machen, noch der Aufbau eines
leistungsorientierten Trainings vermittelt werden müsste. Dass dabei Themen wie Athletik, Taktik, Regeneration, Ansprache usw. theoretisch unterfüttert wird, halte ich für selbstverständlich. Nur ist doch wohl jeder Profi-Trainer in der Verpflichtung sich ständig weiter zu entwickeln!

Ich gehe einmal davon aus, dass das bei Thorsten Fink genauso ist. Ich mag nicht glauben, dass es sich bei ihm verhalten soll, wie bei dem alten und nicht mehr aktuellen Bild von den Lehrern: nach dem Examen einen Lehrplan erstellt und diesen bis zur Pension durchgezogen. Ich fühle mich nicht in der Lage, das Training von Thorsten Fink und seines Trainerstabes zu beurteilen. Dafür fehlen mir ganz einfach die fachlichen Voraussetzungen. Was ich allerdings sehr wohl beurteilen kann, sind die Ergebnisse, die mir die Mannschaft vor die Füße wirft. Jeder kann verlieren – keine Frage -, aber dann will ich wenigstens Kampf und Einsatzbereitschaft sehen. Und eben dieser Eindruck ist mir überwiegend in den vergangenen Spielzeiten abhandengekommen. Für mich steht zunächst einmal jeder einzelne Spieler und dann die gesamte Mannschaft als TEAM in der Verantwortung. Da kann ich dann auch nichts mit dem Wehklagen über das Chaos in den Führungsetagen des Clubs anfangen. Bisher haben die Männer wohl noch immer pünktlich ihr Geld bekommen, dann sollen sie gefälligst auch Leistung liefern.

Lieber „Kollauer“, vielen Dank für diesen Beitrag – sehr schön. Eines möchte ich aber dazu sagen: Ich habe nie unterstellen wollen, dass die Trainer-Ausbildung im Hamburger Fußball-Verband und unter Verbandssportlehrer Uwe Jahn schlecht sei. Ich meinte die Fußball-Lehrer-Ausbildung (in Köln). Weil mir in den letzten Jahrzehnten (!) aufgefallen ist, dass kaum einmal individuell trainiert wird. Das war einmal eine Ausnahme unter Martin Jol, als Ricardo Moniz mit vornehmlichen jungen Leuten am Rande übte, und auch Thorsten Fink ist eine Ausnahme (eine kleine), weil er „befahl“, dass seine Assis mit Artjoms Rudnevs allein übten.

Grundsätzlich aber fordere ich (ich kann ja fordern was ich will, es muss ja keiner auf mich hören – das ist schon klar), dass viel mehr individuell trainiert wird. Jeder Bundesliga-Club hat heute bis zu zehn Trainer unter Vertrag, die sollen sich gefälligst damit beschäftigen, die Spieler besser zu machen. Im Einzeltraining, in Sonderschichten. Bei manchem Amateurverein geht es auch, deshalb muss es erst recht in Profi-Clubs möglich sein. Alles andere ist (schon seit Jahrzehnten) ein Armutszeugnis, denn für diese Trainer wird ja viele, viel Geld gezahlt – oder aus dem Fenster hinausgeschmissen.

Bei der Gelegenheit möchte ich auch auf eine Mail der „Ruhrpottraute“ eingehen:

Danke für den Beitrag, Dieter, aber ich würde mir so gerne mal wünschen, dass ein wenig mehr auf die Probleme der Mannschaft eingegangen wird und nicht so viel über das Umfeld, Finanzen und Zuschauer.
Woran liegt es zum Beispiel, dass bei uns kein Spieler mal BESSER wird als er vorher war. Im Gegenteil bei uns spielen die meisten schwächer als man sie schon gesehen hat und das hat bei keinem mit dem Alter zu tun. WARUM also???? Am Trainer kann es ja nicht immer wieder liegen oder?

Beispiele:
Westermann war auf Schalke sogar mal auf der 6 gut (keine Ahnung wie er das gemacht hat), Rincon (Spieler der COPA und hier auf der Bank), Beister (der Spieler bei Fortuna), Ilicevic ( bei Lautern überragend) , Jiracek (EM), Kacar (war doch mal ein herausragender Spieler bei Hertha). Von der Vergangenheit will ich gar nicht erst anfangen. Kompany etc… Gegenbeispiele fallen mir kaum ein. Vielleicht Son. Ansonsten Diekmeier, Jansen oder Aogo die solide bis gut spielen bei uns.

Hier wird doch immer wieder betont, dass das kein Fan-Blog ist, sondern journalistisch über den HSV berichtet wird. Dann hätte ich doch wirklich gerne mal Antworten auf die Frage, warum die Spieler beim HSV so selten ihr Potenzial ausschöpfen?

Ich sehe es nicht so, dass beim HSV keine Spieler besser werden, besser geworden sind. Heung Min Son wurde deutlich besser (auch weil er viel – gemeinsam mit Papa – nebenbei gearbeitet hat), Tolgay Arslan ebenfalls, Dennis Diekmeier hat einen Sprung gemacht, sogar Michael Mancienne war in der vergangenen Hinrunde sehr gut – bis er verletzt wurde, ausfiel und nie wieder seine Form fand. Artjoms Rudnevs ist unter Thorsten Fink deutlich verbessert worden, Marcell Jansen fand fast zu 100 Prozent zu seiner alten Stärke zurück, Per Ciljan Skjelbred wurde im Lauf der vergangenen Spielzeit besser und besser, sodass ich sagen kann, dass Thorsten Fink es in diesem Punkt schon auf eine recht gute oder beachtliche Quote bringt.

Generell aber gilt, dass erstens mehr – viel, viel mehr – individuell und in Sonderschichten trainiert werden sollte, und zweitens müssen auch die Spieler bereit sein, außer der Reihe etwas zu tun. Und daran scheitert es auch oft. Die Herren nehmen immer, aber es hapert doch gelegentlich daran, dass sie etwas geben müssten. Und auch in diesem Punkt verlange ich von den Vereinen, dass sie entschiedener fordern und dafür eintreten, dass da mehr und professioneller gearbeitet wird. Es gab mal einen HSV-Profi, der wurde trotz etlicher Defizite Nationalspieler. Weil beim HSV zwar über diese Defizite gesprochen (und geklagt) wurde, aber nichts dafür getan wurde, damit sich das ändert, empfahl ich dem guten Mann, einen Privattrainer zu nehmen. Leider passierte das nie: zu bequem! Heute spielt er in der Vierte Liga . . .

Das muss schon ein Geben und ein Nehmen sein, aber leider gibt es das zu selten. Und leider sind auch einige Trainer viel zu bequem, denn ansonsten würden sie auch dann noch auf dem Acker stehen, wenn es an einem Nachmittag mal kein Mannschaftstraining gibt. Und dabei geht es ja nicht nur um die Defizite eines Spielers, sondern zum Beispiel auch um Standardsituationen. Die ja oft (beim HSV) auch recht kümmerlich ausfallen. Weil zu wenig, viel zu wenig geübt.

Dann gab es noch diesen Beitrag:

Liebes Matz-ab Team,
vorab ein großes Lob für eure großartige Arbeit, und die tägliche HSV Dosis.
Mich würde im Zuge der Strukturdebatte mal interessieren, wie denn die äußerst erfolgreiche Handball Schwesterabteilung aufgestellt ist/ funktioniert.

Ferner würde mich interessieren, wie der Status der HSV-Fußball-Frauen ist. Nach den horrenden Summen, die in den vergangenen Jahren versenkt wurden, erscheint die letztjährige Abmeldung der Damen aus Liga eins wegen einer 100 000 € Finanzierungslücke grotesk.
Wäre schön, wenn ihr das beizeiten mal aufgreifen könntet.

Schöne Grüße, Björn D.

Dazu möchte sagen, dass ich mit dem Vorstandsmitglied Oliver Scheel über diese Punkte gesprochen habe. Zu den Handballern sagte mir Herr Scheel: „Das ist keine Schwester-Abteilung von uns, denn es gibt nur eine Lizenz-Vereinbarung zwischen dem HSV und dem HSV Hamburg Handball. Diese Bundesliga-Handballer sind völlig autark.“ Frank Rost und Co machen also ihr eigenes Ding, da wird kein HSVer mit- und reinreden wollen.

Zum Frauen-Fußball sei gesagt, dass eigentlich schon lange alles gesagt und geschrieben wurde. Oliver Scheel: „Da ist alles längst ganz ausführlich durchgekaut worden, irgendwann muss mal Ende sein.“ Denke ich auch. Nur so viel: Es ging da nicht um 100 000 Euro, sondern um Millionen, die innerhalb von einigen Jahren verpulvert wurden. Jedes Jahr wollte sich die Frauen-Bundesliga selbst tragen, für Sponsoren und Zuschauer sorgen, und, und, und – aber jedes Jahr ging es in die Hose. Und damit war der HSV absolut kein Einzelfall, viele Frauen-Vereine in der Fußball-Bundesliga klagten oder gingen baden. Selbstverständlich wurden in der Fußball-Bundesliga der Männer viele, viele Millionen versenkt (David Rozehnal und Marcus Berg sind die Top-Beispiele), aber das ist das Risiko, das jeder Club hat – selbst bei Bayern und Dortmund gibt (oder gab) es so etwas.

Dann möchte ich auf den Mittwoch hinweisen. Da pflegt der HSV die Städte-Partnerschaft zwischen Dresden und Hamburg, denn der HSV spielet bei Dynamo Dresden, um den Opfern der Hochwasser-Katastrophe zu helfen:

„Ich bin sehr stolz auf diese enge Freundschaft unserer Städte. Umso mehr freut es mich, dass nun ein Benefizspiel zwischen dem Bundesliga-Dino HSV und Dynamo diese enge Verbindung weiter untermauert”, sagt Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz. Dynamo-Geschäftsführer Christian Müller erklärte: „Wir freuen uns außerordentlich, dass der HSV als Spitzenteam der Bundesliga, gespickt mit vielen Stars, seinen Saisonauftakt mit einer Generalprobe in unserem Stadion vorbereitet. Ich erkenne über die Städtepartnerschaft hinaus auch viele Gemeinsamkeiten in der Vereinsstruktur und -philosophie. Sportlich müssen wir uns noch ein wenig strecken, um auf Augenhöhe zu kommen. Am 31. Juli wollen wir durch günstige Eintrittspreise ein möglichst ausverkauftes Stadion bieten, um mit den Betroffenen der Flut und den unzähligen aufopferungsvollen Helfern einen unvergesslichen Abend zu erleben.“

Carl-Edgar Jarchow, Vorstandsvorsitzender des HSV: „Für uns als Hamburger Sport-Verein ist es eine Selbstverständlichkeit, den Opfern der Flutkatastrophe zu helfen. So können wir einen kleinen Teil zum Wiederaufbau der Heimat der Betroffenen beitragen und hoffentlich viele andere Menschen motivieren, dies ebenfalls zu tun.“

Das Benefizspiel beginnt am Mittwoch um 18:30 Uhr. Die Tickets im Stehplatzbereich kosten sechs Euro. Außerdem werden zwei Kategorien im Sitzplatzbereich zum Preis von zwölf und 18 Euro angeboten. Kinder bis 15 Jahre zahlen jeweils die Hälfte des Eintrittspreise (VIP-Tickets sind davon ausgeschlossen).

PS: Morgen, am Dienstag, wird zweimal im Volkspark trainiert. Um 10 Uhr und um 16 Uhr.

18.39 Uhr

Auf ein besseres 2013 – oder warum der Fehlstart Arnesens Glück war…

27. Dezember 2012

Heute im Büro zu sitzen, ist irgendwie komisch. Die Straßen sind beachtlich leer und auch die Besetzung des Abendblattes erfüllt kaum mehr als die Mindestnorm zum Erstellen einer qualitativ hochwertigen Tageszeitung. Zu verführerisch war die Aussicht, mit zwei Urlaubstagen gleich sieben am Stück frei zu haben. „Wir müssen das Elend verwalten“, scherzte heute ein hier namentlich nicht genannt werden wollender Ressortleiter auf dem Weg im Fahrstuhl gen Redaktion – und er beschreibt ein wenig das, was Frank Arnesen und seine drei Vorstandskollegen sowie das Trainerteam im Sommer vorfanden: Eine Mannschaft, die mehr schlecht denn recht aufgestellt die Bundesligazugehörigkeit erspielen sollte.

„Wir haben ganz schlecht begonnen und viele Spiele verloren. Zu Hause gegen Nürnberg und davor sogar in Karlsruhe. Das war hart“, erinnert sich Frank Arnesen zurück und erklärt, weshalb er vom miesen Start profitierte. Immerhin musste der HSV so personell nachrüsten, weil auch dem Letzten klar wurde, dass das damalige Team in der Konstellation höchstwahrscheinlich um einen zweistelligen Tabellenplatz mit einer Quersumme größer/gleich sieben spielen würde. Und das wollte Arnesen: finanziell ins Risiko gehen. Zwar hatte man mit Rene Adler einen herausragenden Torwart verpflichtet, auch Milan Badelj war im Anflug schon reichlich Vorschusslorbeeren versehen worden – allerdings hakte es ansonsten überall auf dem Platz. Die Abwehr war kopf- und führungslos dem harmlosen FCN-Angriff unterlegen, das defensive Mittelfeld fand nicht statt, und offensiv gab es keinen Spieler, der auch nur annähernd für Gefahr sorgen konnte. Das alles verwundert nicht, schaut man sich mal die Aufstellung an:

Adler – Diekmeier, Mancienne, Bruma, Aogo – Skjelbred, Westermann – Sala, Son, Jansen – Berg.

„Wir haben früh gesehen, dass noch Handlungsbedarf bestand“, sagt Carl Jarchow. Der Klubboss hatte zunächst die Zahlen im Auge behalten (müssen) und daher von großen Investitionen Abstand genommen, was zu teilweise heftigen Diskussionen zwischen ihm und Arnesen führte. Letztlich aber war es dann auch Jarchow, der zusammen mit Vorstands-Vize Joachim Hilke sowie Mediendirektor Jörn Wolf, der einen sehr freundschaftlichen Draht zum Spieler pflegt, und natürlich Darlehensgeber Klaus Michael Kühne den entscheidenden Transfer eintütete: Rafael van der Vaart. Womit ich nicht sagen will, dass van der Vaart spielerisch wichtiger war als Adler oder auch Badelj, die für mich entscheiden sind. Nein, aber van der Vaart war der einzige Spieler, der dem stark ins Wanken geratenen Bundesligadino mit einem Schlag Hoffnung verliehen konnte.

Allein seine Anwesenheit stimmte Fans optimistisch. Aber noch wichtiger war, dass sich die Mannschaft, die kaum noch selbst an sich glaubte, wieder Hoffnung hatte. „Wir hatten ja keine Erklärungen mehr, die nicht schon genannt worden waren“, sagte Mannschaftskapitän Heiko Westermann. Da sei es nur logisch gewesen, dass auch die Mannschaft an sich zweifelte. Zumindest bis van der Vaart. Der Niederländer kam am 31. August als Last-Minute-Transfer, sah (in Bremen zu) und verlor (in Frankfurt) zwar zunächst – siegte dann aber gegen Frankfurt und den BVB mit starken Auftritten als Passgeber, Mittelfeldlenker und Kämpfer in einem. Das 3:2 gegen Dortmund war dann sicherlich der Befreiungsschlag, nachdem Trainer Thorsten Fink den Fehler im System erkannt hatte und ausmerzte. Es war der Brustlöser, immerhin folgten weitere sieben Punkte aus drei Spielen, ehe in Stuttgart verloren wurde.

Dennoch, der Transferaufwand von insgesamt 27 Millionen Euro hätte bei jedem anderen Klub in der Bundesliga den Anspruch höher steigen lassen als nur davon zu sprechen, besser als letztes Jahr, wo man fast abgestiegen wäre, werden zu wollen. Immerhin gab es in der HSV-Historie nur 2009/2010 mehr Aufwand. Damals wurden auch in letzter Sekunde noch mal 16 Millionen Euro ausgegeben – für die Ladenhüter David Rozehnal und Marcus Berg. Heraussprang mit einer Gesamtinvestition von mehr als 30 Millionen Euro damals ein siebter Tabellenplatz und das Verfehlen der internationalen Wettbewerbe. Das gepaart mit dem Ärger um Dietmar Beiersdorfers Demission, die zu noch größerer Skepsis gegenüber dem gefühlten „Alleinherrscher“ (so nannten ihn viele Mitarbeiter und sogar Aufsichtsräte) Bernd Hoffmann führten schien der HSV nach Jahren des Aufstieges den rechten Weg verlassen zu haben.

Und das bis heute. Denn was folgte, wurde nicht besser. Der HSV verfehlte nicht nur wiederholt den internationalen Wettbewerb, sondern er verschlechterte sich tabellarisch und der Klub brach auch finanziell langsam ein. Die Einnahmen sanken, der Spieleretat blieb konstant hoch – eine Mischung, die heute aufwändig korrigiert werden muss. Allein in der vergangenen Saison musste der HSV noch 20 Millionen Euro für Transfers zahlen – dabei wurden gerade mal für zehn Millionen Euro neue Spieler geholt. „Es ist durchaus branchenüblich, Ratenzahlungen zu vereinbaren“, gab sich Jarchow zunächst diplomatisch, als ich ihn darauf ansprach. Der Klubboss weiß, dass jedes schlechte Wort über seine Vorgänger gegen ihn verwendet wird. Allerdings kann er auch nicht an den Fakten vorbei.

Und die bedeuten, dass der HSV insbesondere durch den Rekord-Transferaufwand 2009/2010 in der vergangenen Saison Einsparungen tätigen musste, die einen Umbruch innerhalb des Vereins und seiner Kaderstruktur unumgänglich machten. Dass der nicht zur Zufriedenheit umgesetzt wurde, ist deutlich an der Abschlusstabelle mit Platz 15 abzulesen. „Auch wir hatten uns mehr erhofft, als nur gegen den Abstieg zu spielen“, nimmt sich Jarchow in die Kritik mit ein. Auch er als Triebfeder des Sparkurses weiß, dass der HSV sich fast kaputtgespart hätte. Dass er draus gelernt hat, beweisen seine Zustimmungen für Jiracek (vier Millionen Euro) und van der Vaart (13 Millionen Euro).

Zwei Verpflichtungen, die teuer waren – und jetzt wieder zu Teilen eingespart werden müssen. 6,4 Millionen Euro soll Frank Arnesen über Verkäufe einsparen und einnehmen. Tom Mickel wandert ablösefrei gen Greuther Fürth ab. Ersparnis: maximal 100000 Euro. Bleiben also noch rund 6,3 Millionen, die nicht über Jaroslav Drobny – der Tscheche will seinen mit gut 1,8 Millionen Euro Jahreseinkommen sehr gut dotierten Vertrag bis Saisonende beim HSV erfüllen/aussitzen – generiert werden. Wobei, ich verstehe Drobny sogar. Immerhin ist sein Ruf als Torwart gut – der seiner Knie indes nicht mehr. Und mit 33 Jahren ist der Tscheche auch nicht mehr der Mann mit der größten Perspektive für andere Klubs.

Ziemlich weit ist der Transfer von Gojko Kacar zu Hannover 96. Bei dem Serben, der in Hamburg einen mit rund 2,2 Millionen Euro und bis 2015 dotierten Vertrag besitzt, liegen die Vereine bereits auf Wellenlänge – allein Kacar selbst konnte sich mit Hannover bislang noch nicht einigen. Marcus Berg (2,5 Millionen Euro Jahressalär/Vertrag bis 2014) soll ein noch unbestätigtes Angebot aus Spanien vorliegen (Jarchow: „Davon habe ich nichts gehört“) und Vitesse Arnheim soll an Jeffrey Bruma (etwas mehr als eine Million im Jahr/ausgeliehen bis Juni 2013) interessiert sein. Sollte Arnesen alle drei (Bruma, Berg, Kacar) und zudem noch Slobodan Rajkovic (2 Millionen per annum bis 2015) abgeben können – ich würde ihn dafür feiern. Genau so wie der Aufsichtsrat, dem der Däne dann die geforderten Einsparungen vorlegen könnte. Und: Für den zweifellos sympathischen aber sportlich bisher durchweg enttäuschenden Berg noch Ablöse zu kassieren – das wäre fast zu schön, um wahr zu sein. Allein bei Bruma hätte ich nicht nur Freude, da ich ihn für den talentiertesten Jungprofi aus der Chelsea-Reihe halte. Allerdings hat sich der Niederländer bislang nicht durchsetzen können – trotz nicht allzu großer Konkurrenz.

Allerdings wären diese Aufräumarbeiten auch der erste Schritt, aus der Mängelverwaltung seit Juni 2011 endlich ein Team zu formen, das Perspektive hat, wieder international zu spielen. Dafür sind allerdings weitere Feinjustierungen nötig, über die ich mich hoffentlich heute oder morgen noch mit HSV-Sportchef Frank Arnesen unterhalten kann. „Wir wollen Fußball spielen“, betont Fink immerhin seit Monaten seine Vision vom HSV, die er so noch nicht erreicht hat. Der HSV der Zukunft soll demnach weniger mit Kampf denn mit technischen Finessen brillieren. Und dafür fehlt es in der Abwehr ebenso wie im Angriff noch zu sehr am Fußballerischen. Ebenso wie in der Breite des Kaders, die mit entscheidend für mich ist, zwischen der vorherrschenden Mängelverwaltung und einem hoffentlich bald wieder soliden Kadergerüst.

Klar, die HSV-Verantwortlichen der Gegenwart haben sicherlich keinen leichten Job. Aber sie haben nach den letzten Enttäuschungen allemal genug Möglichkeiten sich mit wenigen Schritten deutlich zu verbessern. Deshalb: Hoffen wir mal, dass Arnesen und seine Kollegen im Winter gut verkaufen – wobei das für mich zunächst nur wirtschaftlich der nächste Schritt wäre. Allerdings basiert darauf bekanntermaßen auch die sportliche Entwicklung. Und die muss besser werden. Und daran müssen sich die Herren Jarchow, Arnesen und Fink nach dem diesjährigen Transferaufkommen allein messen lassen. Altlasten hin oder her…

In diesem Sinne, bevor ich virtuell auf ein besseres 2013 mit Euch allen anstoße – zunächst einmal bis morgen!
Scholle

P.S.: Vielen Dank noch mal für die netten Geschenke und die vielen lieben Grüße zu Weihnachten! Ich kann nur hoffen, dass Ihr genau so schöne ruhige Tage wie ich hattet! und Euch an meinen sportlichen Wünschen für den HSV 2013 – wenigstens im Stillen – beteiligt habt. Dann sollte doch auch das klappen…

Lasst uns dem Umbruch eine echte Chance geben…

16. Juni 2011

Es klang alles gut. „Die Zahlen lassen es zu, optimistisch in die Zukunft zu blicken“, hatte Ernst-Otto Rieckhoff nach der Aufsichtsratssitzung am, Mittwoch gesagt. Mehr gäbe es von seiner Seite nicht zu berichten. Von rund drei Millionen Euro Minus für das abgelaufene Geschäftsjahr war die Rede. Eine Summe, die angesichts des teuren Kaders und des Nichterreichens eines internationalen Wettbewerbes auf den ersten Blick auch nicht verwundern. Und da der Aufsichtsratsvorsitzende hinzufügte, dass die Zahlen für die Zukunft Optimismus verbreiten könnten, schien alles im Lot. Eben so, wie wir es alle gern hätten – und einige hier auch mit Vehemenz behaupten und verteidigen.

Dennoch, und ich weiß, damit mache ich mir hier keine Freunde, die Wahrheit ist leider nicht so rosig, wie es zu vermuten wäre. Der Aufsichtsrat versucht, Ruhe in den Verein zu bringen, setzt auf Zeitgewinn. Es wird gehofft, dass durch Erfolge in der kommenden Saison (Finanz-)Löcher gestopft werden können, die abzusehen sind, aber unerwähnt bleiben. Und um hier eins klarzustellen: mit einem Konzept im Hinterkopf ist das wahrscheinlich auch die taktisch cleverste Lösung.

Aber eben eine, über die sich alle bewusst sein müssen und die nicht – wie hier von immer denselben Leuten wieder – verkannt werden darf. Dieser Verein steht finanziell nun mal am Scheideweg. Das ist ein unbestrittener Fakt. Und je früher das allen klar wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass auf die neuen Umstände passend reagiert werden kann.

Wie es der HSV mit seiner Transferpolitik längst tut. Deshalb werden teure Spieler abgegeben, verkauft und dafür junge, talentierte und vor allem kostengünstige Spieler geholt. Der HSV reagiert und macht auch kein Geheimnis daraus, dass „in Zukunft kleinere Brötchen gebacken werden müssen“, wie Vorstandsboss Carl-Edgar Jarchow vor Wochen bereits verkündet hatte.

Aber es gibt in meinen Augen einfach noch zu viel Augenwischerei. Von drei Millionen Euro Minus zu sprechen und dabei die 12,5 Millionen Euro von Kühne unerwähnt zu lassen, die auch einen Teilverkauf von Transferechten nach sich ziehen, ist trügerisch. Zudem für die neue Saison die bislang 14 Millionen Euro eingesparte Gehälter einzuberechen und die Verkäufe von David Rozehnal, Alex Silva, Guy Demel und Joris Mathijsen vorauszusetzen, ist zwar legitim, aber gefährlich weil spekulativ. Zumal dann, wenn die Spieler nicht das erlösen, was sich der Verein von ihnen erhofft hat. Bestes und aktuellstes Beispiel dafür ist Joris Mathijsen, der 2006 für sechs Millionen aus Alkmaar verpflichtet worden war und statt der erhofften zwei bis drei Millionen Euro dem Vernehmen nach nur 1,5 Millionen Euro einbringt. Zudem steht der Abgang von Demel zwar für beide Seiten fest, eine finanzielle Lösung hierbei ist aber weiter nicht in Sicht. Denn während Mathijsen heute in Malaga unterschrieb, trafen sich Demels Berater und HSV-Sportchef Frank Arnesen in Hamburg. Wieder ohne Ergebnis.

Rund zwei Millionen fordert der HSV für den Ivorer, der defensiv vielseitig einsetzbar ist und von französischen Erstligisten umgarnt wird. Eine Summe, die man sich beim HSV für David Rozehnal als Ablöse erhofft hatte. Der Tscheche, an dem sein Leihklub OSC Lille interessiert ist, wurde allerdings intern bereits abgewertet. Der 2009 für sechs Millionen Euro eingekaufte Innenverteidiger wird den HSV verlassen und weniger als eine Million Euro an Ablösesumme einbringen. So teilte es der Vorstand seinen Kontrolleuren mit.

Wer genau hinsieht, merkt, dass sich Transfererlöse generell zurückentwickeln. Das ist also kein Fehler der aktuellen HSV-Führung, und kein HSV-typisches Problem, sondern eine allgemeine Tendenz. Bei Mathijsen macht der HSV 4,5 Millionen Minus, bei Rozehnal mehr als fünf Millionen. Und auch für Silva, der 2008 knapp sieben Millionen Euro kostete und bislang eine Million Euro Leihgebühr einbrachte, wird mit einem Minus eingeplant.

Auch deshalb ist beim HSV derzeit kein Spieler mehr „absolut unverkäuflich“. „Wir wollen Pitroipa nicht abgeben“, sagte Jarchow gestern, angesprochen auf ein 4,5-Millionen-Angebot von Stade Rennes, „aber klar ist auch, dass es auch für uns eine Grenze des Vertretbaren gibt.“ Wie ich gehört habe, liegt die aktuell bei geforderten sechs Millionen Euro. Womit der HSV dem Trend entgegenwirken könnte: Immerhin kam Pitroipa 2008 ablösefrei aus Freiburg…

Allerdings, und das ist die Überleitung zum hoffnungsvollen Teil, es können eben nicht nur Spieler abgegeben werden. Es müssen auch qualitativ ebenbürtige geholt werden, um das Saisonziel, um Platz sechs zu spielen, auch realistisch bleiben zu lassen. Und hier liegt der Fokus auf Frank Arnesen, der weder von Dieter noch von mir angegriffen wurde und wird, ehe die Saison ein ganzes Stück weit gespielt ist und genug Erkenntnisse liefert, die Neuen zu bewerten. Im Gegenteil, allen Vorwürfen von einigen Euch zum Trotz, sorge ich mich eher. Ich befürchte einfach, dass die Erwartungen an Arnesen zu groß werden. Denn, und das ist die Schnittmenge dessen, was mir alle mit den aktuellen Zahlen befassten Entscheidungsträger mitteilten, die finanzielle Situation des HSV übt großen Druck auf den sportlichen Bereich aus. Alle wissen, dass sie irgendwann Farbe bekennen müssen und die Zahlen 2011/2012 offenlegen müssen. Ergo: sportlicher Erfolg muss her. Und dieser Bereich wird – gefühlt – momentan fast (ein bisschen Trainer Michael Oenning ist auch dabei) allein von Arnesen vertreten.

Ich würde mich freuen, auch für den Frieden hier im Blog, wenn endlich die finanzielle Situation des HSV offengelegt wird. Ich habe heute mit mehreren Aufsichtsräten gesprochen und alle waren sich einig, dass das die beste Lösung wäre. Allerdings, und das schränkte ein Teil der Gesprächspartner ein. Könnte die gutgemeinte Ehrlichkeit zu negativen Reaktionen führen. „Wir müssen doch aufpassen, dass wir auch für die kommende Saison genug Karten verkaufen“, sagte mir ein Aufsichtsrat und erklärte für mich absolut nachvollziehbar: „Wenn wir alles offenlegen, könnte das abschreckend wirken. Es würden doch eh nur Schreckensszenarien gezeichnet. Und am Ende entsteht eine Art Depression. Das können wir nicht riskieren.“ Schon deshalb gab es gar keine andere Möglichkeit, als nach der Aufsichtsratssitzung auf Optimismus zu machen. „Unser Ziel muss dennoch sein, intern schonungslos ehrlich zu sein und danach zu handeln.“

Und ganz ehrlich: DAS ist ehrlich!
Und ein guter Anfang.

In diesem Sinne, es müssen Fakten geschaffen werden. Wie gestern. Da teilte Interims-Vorstandsboss Jarchow denm Kontrolleuren mit, dass er seinen Job gern fest und nicht mehr übergangsweise machen wolle. Er beendete Spekulationen – und stieß damit auf Zuspruch.

Zudem, und das ist mein absolut ehrlich und mit den besten Absichten geäußerter Appell an uns alle hier im Blog: lasst uns auch hier die Realitäten anerkennen und benennen, damit umgehen und gemeinsam das Beste daraus machen. Ich glaube, nur so hat der Umbruch des HSV eine echte Chance.

Scholle

19.30 Uhr

P.S.: Einen neuen Anfang könnte es übrigens bald für Collin Benjamin geben. Der Namibier steht bei Zweitligist 1860 München ganz hoch im Kurs. So verlautbaren es zumindest meine Münchner Kollegen. Collo selbst war heute (für mich) leider nicht zu erreichen. Sobald ich was höre, reiche ich es hier nach…

Die Sache mit Skoblar und Pralija

11. Juni 2011

Alles im Fluss, aber nichts ist entschieden. Und so wie es aussieht, wird davon auch Pfingsten nichts. Mit Jeffrey Bruma gibt es Gespräche, aber unterschriftreif ist ganz offenbar noch ist nichts. Ähnlich sieht es mit David Rozehnal aus, der vom französischen Doppelmeister Lille gekauft werden soll. Nebenbei? Wer hätte das gedacht? Und wer hätte dem Tschechen denn eine solche Karriere zugetraut? Und, was ich mich frage: Was läuft da falsch? Der französische Meister holt mit David Rozehnal zwei „Pötte“, aber für den HSV war der Abwehrspieler zu schlecht? Da stimmt doch etwas nicht. Aber gut, darüber werden sich andere Herren Gedanken machen müssen.

Und noch eine Nachricht gibt es vom HSV: Der Meisterspieler von 1960, Gerhard Krug, der seit Wochen schwer erkrankt ist, legte seine Aufsichtsratsmitgliedschaft nieder. Es gibt im Moment also nur elf Räte. Die HSV-Senioren werden demnächst eine Wahl vornehmen – und den Gewinner dann neu in den Aufsichtsrat entsenden.

So, und wo ich gerade beim Aufsichtsrat bin: Jürgen Hunke hatte vor einigen Tagen eine schwere Operation zu überstehen, heute geht es ihm aber schon wieder den Umständen entsprechend gut. Im Krankenhaus, so sagte mir der ehemalige HSV-Präsident, hat er sich ausführliche Gedanken über den HSV gemacht. Viele wissen es, er weiß es auch, dass nämlich die Zeiten für den Klub schwieriger werden. Und genau deswegen haben wir uns auch an diesem Tag über ein besonderes Thema unterhalten. Zensur im Blog. In allen Blogs.
Jürgen Hunke sagt: „Ich bin gegen Zensur, aber ich bin auch gegen jegliche Denunzierungen, Diffamierungen und gegen jegliche Unwahrheiten. Wir sollten alle aber im Interesse des HSV sportlich-fair miteinander umgehen, deshalb reich ich jedem die Hand – weil es nur gemeinsam geht, den HSV wieder in die Spur zu bringen.“

Insider wissen es: Jürgen Hunke hatte im „Matz-ab-“Blog seinen Namen sperren lassen, weil oftmals Unwahrheiten über ihn verbreitet worden waren (er hat intern mit Eidesstattlichen Versicherungen reagiert, einige seiner Gegner wissen es!). Nun aber sagt Hunke, dass diese Sperre aufgehoben werden soll, weil er – wie gesagt – gegen eine Zensur ist. Und für eine gemeinsames Miteinander zum Wohle des Vereins.

Dazu muss ich zwei Dinge anführen: Die Sperre wird aus technischen Gründen erst nach Pfingsten aufgehoben werden können. Und zweitens: Ich weiß natürlich, dass sich nun gleich einige Hunke-Gegner wieder aufgerufen fühlen, gegen ihr „Feindbild“ zu wettern, zu schreiben, zu schimpfen, Dampf abzulassen. Diejenigen möchte ich aber bitten, ein wenig zurückhaltender damit zu sein, denn Hunke hat sich im Krankenbett dazu entschlossen, allen HSVern seine Hand zu reichen. Weil er möchte, dass nun alle gemeinsam an einer erfolgreichen Zukunft des HSV arbeiten sollten.
Das sollten, so meine ich, auch die Hunke-Feinde respektieren. Und vielleicht ist es ja auch möglich. Vielleicht. Und ich bitte darum.

So, nun zu einem „Trainer-Nähkästchen“. Ich bin zuletzt bis Ernst Happel gekommen, heute ist sein Nachfolger Josip Skoblar dran. Kein ruhmreiches Kapitel der HSV-Vereinsgeschichte. Als Happel 1987 gegangen war, wollte Dr. Wolfgang Klein, der damalige HSV-Präsident, unbedingt einen klangvollen, internationalen und großen Namen. Er kam auf Skoblar. Ich weiß noch genau, was in jener Zeit in unserer Redaktion los war. Auf dunklen Pfaden hatte ein Kollege herausbekommen, dass Dr. Klein in einem kleinen Privat-Jet ins Ausland fliegen würden. Es ging nach Split. Im Flieger (getrennt) hinter ihm her – und irgendwie früher da: Bild und Abendblatt.

Mein Kollege Rainer Grünberg sprach als erster Hamburger Journalist mit dem künftigen Trainer, dieses Interview wurde auch veröffentlicht, obwohl es von Seiten des HSV verhindert werden sollte. Alles sollte noch geheim bleiben. Aber da die Bild auch vor Ort war, gingen beide Geschichten so raus. War ja auch nicht schlimm, denn Skoblar war es nicht nur, Skoblar wurde es ja auch.

Ein Fehler. Denn der Coach holte Torwart Mladen Pralija nach Hamburg. Ein noch größerer Fehler. Ich weiß es noch wie heute: Erstes Training in Ochsenzoll von Pralija. Ich dachte ich träume. Der Keeper fing fast keinen Ball. Er hatte eine seltsame Technik: Er hielt die Hände immer so fünf Zentimeter vor (!) seiner Brust, wollte so jeden noch so harten Schuss fangen – was natürlich schiefging. Schiefgehen musste. Jeder zweite Ball flutschte durch die Hände, prallte gegen die Brust des Torhüters – und von dort den Stürmern wieder vor die Füße . . .

Als ich das sah, flitzte ich aufgebracht zum damaligen Jugendleiter des HSV, Jochen Meinke (Kapitän von 1960). Der saß in seinem Arbeitszimmer und ich sagte ihm – unvergessen: „Herr Meinke, so einen Torwart haben Sie noch nie gesehen. Den müssen sie sich mal ansehen – das ist unglaublich, ein echter Fliegenfänger . . .“ Das bewahrheitete sich ja auch dann auf grausame Art und Weise.

Ich war schon damals mit Felix Magath, dem HSV-Manager, befreundet, fragte ihn: „Felix, wieso kannst du das mitansehen, dass der Trainer einen solchen schlechten Torwart verpflichtet?“ Magaths Antwort: „Wenn Skoblar mir sagt, dass das der beste Mann ist, den er sich vorstellen kann, dann muss ich ihm vertrauen. Oder ich muss den Trainer gleich wieder entlassen. Ich habe ihm vertraut.“ Und Felix Magath lag damit daneben. Aber das konnte er wirklich nicht ahnen . . .

Ich habe Skoblar von seinem ersten Tag an beim HSV kennen gelernt. Ein netter Kerl. Nett, höflich, still, zurückhaltend – irgendwie ein Typ graue Maus. Er bekam kaum einmal seinen Mund auf. Und er gestattete den Spielern beim Essen das Rotwein-Trinken. Das war schon eine große Überraschung. Und ich hatte mein persönliches Aha-Erlebnis mit Skoblar beim Vorbereitungsturnier in Marseille. Er hatte sich dort im Mannschaftshotel mit einem Freund getroffen, ein französischer Profi-Fußballer aus Nizza – der gleichzeitig auch ein alter Jugendfreund von mir war. Ja, so klein ist die Welt, stimmt aber.

Als wir vor der Abfahrt zum ersten Spiel des Turniers (es ging gegen den FC Santos – 0:1 verloren) vor dem Bus standen, befahl uns Skoblar: „Einsteigen!“ Einsteigen? Das war schon lange kein Thema für uns Journalisten. Wir durften gar nicht mit in den Mannschaftsbus. Skoblar aber wurde eindringlicher und lauter: „Du steigst jetzt mit ein.“ Ich stieg natürlich nicht – mein (und sein) Freund schon. Und Skoblar war sauer auf mich, weil ich ihm einfach nicht gehorchen wollte.

Das mit dem Gehorchen war dann auch während des Turniers ein großes Thema. Es ging um Thomas von Heesen. Im System von Josip Skoblar sollte er Linksdraußen spielen. Das sah sich von Heesen einmal an, aber kein zweites Mal. Im Spiel gegen Toulon (2:2) begehrte der gute „Tommy“ auf, er wollte zur Pause ausgewechselt werden, so er denn weiter „links draußen“ spielen sollte. Es wurde laut in der Kabine, und es wurde hektisch. Die Stimmung, das ist nicht übertrieben, war total im Eimer.

Und es kam noch schlimmer. Die große deutsche Sonntags-Zeitung schrieb auf der Seite eins (riesig): „Meuterei beim HSV!“ Das lasen die HSV-Jungs bei der Zwischenlandung in Paris – und waren total sauer. Sauer deswegen, weil es offenbar einen „Verräter“ gegeben hatte, denn die so genannte „Meuterei“ hatte sich ja lediglich in der von innen abgeschlossenen Kabine abgespielt. Der Verräter wurde nie entlarvt, aber von Heesen musste fortan nie wieder Linksaußen spielen – und Josip Skoblar war schon vor der Saison auf eine kuriose Art „enteiert“ worden. So kann es gehen.

Josip Skoblar bekam nie ein Bein (in Hamburg) an den Boden, er musste scheitern – nicht nur wegen des Flops Pralija. Skoblar war einfach zu nett, zu unentschlossen, zu lieb, zu menschlich – und Härte schien ihm ein absolutes Fremdwort zu sein. Daran ist er letztlich früh gescheitert. Als der HSV am 7. November 1987 mit 0:2 verloren hatte, zog die HSV-Führung die Reißleine und befahl das jähe Ende des Skoblar-Gastspiels in Hamburg.

Über die Nachfolge werde ich beim nächsten Mal berichten.

Jetzt folgt, Ihr müsst ganz tapfer sein, das ausführliche Abendblatt-Interview, das mein Kollege Alexander Laux und ich mit Uwe Seeler und Carl-Edgar Jarchow geführt haben. Ich weiß sehr wohl, dass es schon viele „Matz-abber“ gibt, die dieses Gespräch schon in der Zeitung gelesen haben, aber es gibt sicher auch etliche User, die diese Möglichkeit noch nicht hatten. Und da die Redaktions-Leitung darum gebeten hat, hier dieses Doppel-Interview zu veröffentlichen, komme ich dieser Bitte selbstverständlich nach.
Es geht mir dabei nicht um irgendwelche Platzfüll-Arbeiten, sondern nur darum, der Bitte zu entsprechen – also nicht ausflippen bitte (gilt für die, die schon alles wissen).

Es geht los:

Abendblatt: Herr Jarchow, Herr Seeler, wie lange kennen Sie sich?

Carl-Edgar Jarchow: Ich kenne ihn natürlich länger als er mich.

Er war ihr Idol, sagt man.

Jarchow: Ohne Uwe wäre ich glaube ich nicht zum Fußball und zum HSV gekommen. Meine beiden älteren Brüder haben mich früh mit zum HSV genommen, da war ich sechs oder sieben Jahre alt. Damals gab es für uns in Hamburg doch nur einen: Uwe Seeler. Und mein großer Traum war, ein Autogramm von ihm zu bekommen. Da mein Vater gute Beziehungen zur Holsten-Brauerei hatte, brachte er mir zu Weihnachten einen Ball mit Uwes Unterschrift.

Wo ist der heute?

Jarchow: Den Ball haben wir natürlich jahrelang nicht benutzt, bis es eines Tages dann doch eng wurde. Uwe, leider habe ich den Ball heute nicht mehr . . .

Uwe Seeler (lacht): Mein Vadder hatte auch beste Verbindungen zur Holsten-Brauerei. Von denen hat er zum Schluss jede Woche einen Kasten Bier gratis nach Hause geliefert bekommen…

Jarchow: Persönlich kennengelernt haben wir uns 1973, da gab es die erste Trikot-Werbung beim HSV. Das war Campari, dafür hatte mein Vater gesorgt, er hatte damals auch die Mannschaft zum Essen eingeladen – und Uwe war dabei. Er wird es nicht mehr erinnern, aber für mich war das ein großer Moment.

Seeler: Zu der Zeit hatte der HSV viele junge Küken. Und Willi Schulz, der den Laden geführt hat. Damals war der HSV schon auf dem aufsteigenden Ast mit vielen jungen Leuten wie Kaltz, Kargus oder Hidien.

Jarchow: Das ist genau jene Phase, die wir heute wieder brauchen. Mit jungen Leuten einen neuen Start wagen. Das ist ein gutes Beispiel, denn damals klappte das ja ganz hervorragend.
Damals gab es aber auch einen Talentspäher namens Gerhard Heid, der offenbar einen guten Blick für Talente hatte.

Seeler: Genau. Wie man ja weiß, sind die meisten durchgekommen. Obwohl man das am Anfang nicht wissen konnte. Die Jungs brauchten schon ihre Zeit.

Ist das mit der heutigen Zeit vergleichbar?

Seeler: Das werde ich in diesen Tagen immer wieder gefragt, und ich sage immer, dass es der HSV für meine Begriffe genau richtig macht. Es ist ein Neuaufbau erforderlich. Nur: Es ist unheimlich schwierig, genau die richtige Mischung für eine neue Mannschaft zu finden, denn es besteht ja auch die Gefahr, dass es einen Rückschlag geben kann. Gerade die letzte Saison hat uns ja gezeigt, wie gefährlich das ist, wie schnell man da unten reinrutschen kann.

Jarchow: Das ist nicht ohne Risiko, keine Frage.

Was hat dem HSV denn vor allem zuletzt gefehlt, was muss dringend rein in die neue Mannschaft?

Seeler: Das war ja keine Mannschaft, das ist eigentlich der Hauptgrund. Mehr braucht man eigentlich nicht zu sagen.

Jarchow: Die Struktur fehlte.

Seeler: Man hat immer wieder geglaubt, dass sich die Spieler mal zusammenraufen. Aber das passierte nicht. Es gab nie Kontinuität in der sportlichen Leistung, die Mischung stimmt nicht. Diese braucht man aber, wenn man Erfolge haben will. Das wird auch noch in 50 oder 100 Jahren so sein. Das beste Beispiel ist doch der FC Barcelona. Die spielen nicht nur Traumfußball, da steht eine Mannschaft auf dem Platz, jeder weiß, was der Nebenmann macht, da läuft einer für den anderen. Da ist das Spiel ohne Ball perfekt.

Jarchow: Und da versteht sich jeder blind. Und das auch im Champions-League-Endspielgegen Manchester United, das ist ja wahrlich keine Dorf-Mannschaft.

Hat dieses Konzept Vorbildcharakter?

Jarchow: Das ganze Konzept des FC Barcelona basiert ja auch darauf, dass sie erst einmal eine gute Jugendarbeit haben, denn es kommen ja eine Menge talentierte Spieler nach oben, die früh langfristig an den Klub gebunden werden. Das haben wir in den vergangenen Jahren vernachlässigt bei uns.

Seit Jahrzehnten.

Jarchow: Man könnte auch Jahrzehnte sagen. Und dazu gehört auch, dass ein Spielsystem von oben bis nach ganz unten gespielt wird. Dass dementsprechend auch trainiert wird, bis hin zur letzten Jugend-Mannschaft. Wer dann oben ankommt, weiß ganz genau, was dort gespielt wird, was er zu tun hat.

Beim FC Barcelona spielen aber auch viele Spanier, oder auch viele spanisch sprechende Spieler. Der HSV geht gerade einen anderen Weg, es kamen gerade viele Spieler aus England.

Jarchow: Das stimmt. Die Neuzugänge deuten nicht darauf hin, dass wir auf elf deutsche Spieler in der Mannschaft aus sind, aber das werden wir auch nicht von heute auf morgen hinkriegen.

Seeler: Wenn ich eine Mannschaft habe, dann habe ich eine Mannschaft, egal wer dort in der Mannschaft steht. Es ist alles eine Einstellungsfrage.

Jarchow: Dortmund hat uns das ja auch gezeigt, und die haben durchaus auch unterschiedliche Nationalitäten.

Seeler: Nehmen Sie noch Mainz dazu. Unser Potenzial war doch weitaus höher anzusiedeln, aber bei diesen Mannschaften wurde marschiert und marschiert. Und das kann man nur, wenn man eine intakte Einheit auf dem Platz hat. Auch in der Mannschaft, die dahinter steht. Man muss miteinander, nicht gegeneinander a

Jarchow: Man kann nicht alle elf Monate den Trainer wechseln, Kontinuität muss schonsein.

Seeler: Völlig richtig.

Wieso kommt denn aber beim HSV kaum einer mal aus der Jungend nach oben?

Seeler: Dazu sage ich lieber nichts. Das bespreche ich mit dem Herrn Jarchow in einem kleinen Raum mal unter vier Augen . . . Ich hoffe aber, dass er es schon weiß, was da draußen passiert und was da los ist.

Aber Sie würden schon sagen, dass da noch Luft nach oben ist.

Seeler: Das würde ich unterschreiben.

Jarchow: Auch in diesem Bereich hat die Kontinuität gefehlt, die man zwingend benötigt. Wir aber haben dort im Jahresrhythmus die Leitung gewechselt, ein Konzept fehlte.

Seeler: Gut ist ja, dass wir zurzeit ja in Deutschland wieder viele gute junge Spieler haben, das muss man nutzen. Ich bin ja ein Verfechter des Handelns. Man lernt Fußball nicht vom Reden, sondern auf dem Platz.. Man muss in guten Trainern investieren, gerade in Jugendliche.

Jarchow: Eines der Grundprobleme in Ochsenzoll.

Seeler: Ich sag’ jetzt fast schon wieder zu viel, aber mit diesen Computern habe ich ein Problem. Fußball lernt man auf dem Platz, da erlernt man das Zweikampfverhalten, da erlernt man die Torschüsse und Kopfbälle. Wenn ich an meine Zeit als kleiner Bengel bei Dettmar Cramer denke. Der hat mir gezeigt, wie man einen sauberen Pass spielt. Wenn die bei Barcelona einen hätten, der nur verquatschte Pässe spielt, würde das Spiel auch leiden. Aber die spielen alle sauber, so dass der Mitspieler notfalls auch direkt weiter spielen kann. Angeschnittene Bälle? Fehlanzeige. Das ist das Geheimnis. Aber jetzt guckt nur mal, wo unsere Jugendlichen stehen . . . Mehr möchte ich zu diesem Thema nicht sagen.

Wie stellen Sie sich den HSV in zwei, drei Jahren vor?

Jarchow: Ich wünsche mir ein strukturiertes Konzept, von der Jugendarbeit bis hin zur Bundesliga. Mit einer Philosophie, einer Abstimmung untereinander. Da muss Hand in Hand gearbeitet werden. Und mittelfristig muss der HSV immer auf einem Champions-League-Platz stehen. Das Potenzial dafür haben wir, die Stadt dafür haben wir, wir haben doch alle Möglichkeiten. Wir haben sie nur in den letzten Jahren nicht genutzt.

Das Potenzial hat der HSV?

Jarchow: Als Region, als Stadt, als Wirtschaftskraft, als Stadion – vom ganzen Umfeld her. Von der Mannschaft her natürlich im Moment nicht. Aber wir müssen jetzt eine Mannschaft formen, die dort hinkommt. Als Uwe damals aufhörte, als die jungen Leute kamen, haben wir es doch auch geschafft. Mit einem Horst Heese als Retter vor dem Abstieg.

Seeler: Der hat für die bisschen weicheren Spieler die nötige Luft geschaffen.. Er hat uns geholfen, konnte die Mannschaft puschen.

Stichwort Hilfe. Beim HSV hat Kapitän Heiko Westermann angeprangert, dass niemand dem Nebenmann hilft. Ist in
Wahrheit der moderne Fußball Marke Barcelona nichts weiter als das Betonen der alten Tugenden?

Jarchow: Der Fußball hat sich ein bisschen weiterentwickelt, aber die Grundtugenden haben sich ja nicht verändert.

Seeler: Nee.

Jarchow: Tempo und Laufleistung haben sich schon verändert. Wir haben einen Vergleich mit Dortmund vorgenommen: Was laufen wir, was der BVB? Das ist schon enorm, was die körperlich leisten.

Seeler: Die Laufbereitschaft, in jeder Mannschaft müssen alle mitmachen. Auch so ein alter Spruch, der noch in 50 Jahren Gültigkeit haben wird. Lass’ es schneller geworden sein, aber die Grundprinzipien bleiben! Du musst eine Mannschaft sein, jeder muss für jeden bereit sein zu laufen, ohne Ball muss sich bewegt werden. Ja, und dann geht die Post ab. Achten Sie mal darauf bei Spielen: Wenn Bewegung in der Mannschaft ist, läuft das Spiel auch gut. Wenn aber zwei, drei schon nicht mehr mitmachen, dann läuft das nicht. Ich schaue doch auch, ob mein Mitspieler mal einen schlechten Tag erwischt hat oder er tut sich schwer, dann muss ich ihm helfen.

Jarchow: Dann musst du als Mannschaft funktionieren, das hat Heiko (Westermann, d. Red) ja gesagt damals. Er kommt rein in die Truppe, da arbeitet keiner zusammen, du kannst nicht mal abends zusammen weggehen.

Ist das nicht aber auch eine Frage der Führung, der Arbeit des Trainers? Muss ein Klub nicht mehr Geduld mitbringen?

Seeler: Da sind wir doch einer Meinung, oder? Das, was bei uns beim HSV in den vergangenen acht Jahren passiert ist, ist eine Katastrophe

Jarchow: Ja, absolut.

Seeler: Jedes Jahr ein neuer Trainer…

Jarchow: …wobei nicht jeder Trainer eine Katastrophe war.

Seeler: Ja, ja.

Jarchow: Obwohl, einige schon.

Seeler: Einfach eine Katastrophe!

Jarchow: Wir haben uns ja fest vorgenommen, nicht nach drei, vier verlorenen Spielen an den Trainer zu denken. Da sind wir als Vorstand gefordert, ein bisschen Geduld zu beweisen.

Seeler: Ich werde häufig gefragt, was ich vom HSV erwarte. Wissen Sie, was ich dann antworte? Ich würde mich riesig über einen gesicherten Mittelfeldplatz hätten.

Jarchow: Ich auch.

Seeler: Alles, was oben drauf kommt…

Jarchow: …wäre Zugabe.

Seeler: Eine Riesenfreude. Dass eine Mannschaft nicht alles gewinnen kann, wenn du sie mit Jungen umbaust, ist logisch. Dortmund hat auch zwei Jahre gebraucht.

Jarchow: Ein gesicherter Mittelfeldplatz wäre mir fast lieber, als wenn wir vier Spiele gewinnen und sofort die Erwartungen hoch schnellen und wir gleich wieder Meister werden sollen.

Seeler: Aber die vier Siege würde ich trotzdem gerne nehmen. Als Polster.

Jarchow: Sie müssen nicht direkt hintereinander kommen.

Herr Jarchow, Sie hatten angekündigt, den Rat von Uwe Seeler zu suchen. Werden Sie ihn auch mal zur Mannschaft dazu holen?

Jarchow: Ja natürlich, das ist auch geplant.

Seeler: Nee, das bringt glaube ich nix.

Jarchow: Warte, wir werden uns schon was einfallen lassen.

Wäre doch nicht schlecht, damit die Spieler wissen, für welchen Klub sie eigentlich spielen.

Seeler: Ach Gott, das wissen einige schon. Glaube ich jedenfalls.

Jarchow: Wir haben ja auch einige vernünftige Jungs dabei, das darf man nicht verkennen.

Seeler: Aber wenn du ein paar hast, die nicht mitziehen, die bringen den Haufen durcheinander.

Jarchow: Das hatten wir ja gerade.

Seeler: Früher haben wir das geregelt, wenn ein Querkopf dabei war.

Beim HSV fällt auf, dass über Jahre immer wieder neue Spieler kamen, aber immer ein Tick zum großen Erfolg fehlte. Das kann doch nicht immer an den Spielern liegen. Wie wollen Sie sich besser aufstellen?

Jarchow: Wir machen ja jetzt ganz bewusst im Umfeld ein bisschen was anders, wir wollten auch die Mentalität im Umfeld verändern, indem man neue Personen und neue Abläufe reinbringt.

Einige Personen hat Frank Arnesen mitgebracht. Wurden Sie von ihm zu diesen Wechseln gezwungen?

Jarchow: Nein, diese Idee ist schon vor seinem Dienstantritt entstanden. Was ich beim HSV vorgefunden habe , waren häufig Vielfachbesetzungen, das heißt ohne eine genaue Regelung, wer was zu sagen hat. Das haben wir geändert.

Von außen entsteht der Eindruck, der HSV hat sein Wohl in die Hände von Arnesen gelegt.

Jarchow: Im sportlichen Bereich der Bundesligateams immer so, dass sie sich sehr stark in die Hände des sportlichen Chefs begeben. Aber alles wird letztlich im Vorstand entschieden, es gibt eine Gesamtverantwortung.

Seeler: Aber wir müssen schon aufpassen. Den HSV, so wie er gestaltet ist, kennt ja nicht jeder in seinen Bestandteilen. Es wäre schon ganz gut, wenn der HSV selbst einige Vorgaben macht.

Jarchow: Das wollen wir ja auch.

Seeler: Arnesen hat ja den Nachteil , dass er Vieles aufarbeiten muss und versuchen soll, die Dinge in die richtige Bahn zu lenken.

Jarchow. Absolut. Für mich ist die Leitlinie der Verein. Ich bin seit 40 Jahren überzeugter HSVer, der Verein steht über den Personen. Der Verein darf nicht auf wenige Personen fixiert sein.

Und wer kontrolliert Arnesen?

Jarchow: Seine Vorstandskollegen und der Aufsichtsrat. Wir haben dort einen Finanzausschuss, regelmäßige Sitzungen und Budgets. Herr Arnesen kann nicht durch die Welt reisen und nach Gütdünken Geld ausgeben.

Seeler: Zu jeder Zeit hat es Bestimmungen gegeben, und an die ich mich halten muss. Bumms, aus. Auf dem Platz muss eine funktionierende Mannschaft stehen und dahinter auch. Wer Theater hat, wird seine Ziele nicht erreichen. So einfach ist das. Aber das ist zugleich ganz schwer.

Sie haben damals als Vorsitzender den Aufsichtsrat des HSV installiert. Bereuen Sie das heute?

Seeler: Wir erhofften uns damals auch ein bisschen Unterstützung, was das Finanzielle angeht. Denn man darf ja nicht vergessen: Wir waren pleite hoch drei. Wir haben ja selbst Geld in die Portokasse gelegt, und die ersten Reisen selbst bezahlt. Für das Benzin in meinem Auto habe ich ein Jahr nicht einen Cent gesehen. Es war nichts da. Dass wir mit der damaligen Mannschaft die Bundesliga gehalten haben, war alleine schon ein Wunder.

Und heute?

Seeler: Vielleicht wäre es einfacher mit nur fünf, sechs Aufsichtsräten, aufgeteilt in einen sportlichen und einen Finanz-Bereich. Aber das ist nun mal nicht. Das kriegen wir nicht hin als HSV.

Ist der HSV schwerer zu führen als andere Klubs?

Jarchow: Weiß ich nicht, ich habe noch keinem anderen Klub den Vorsitz gehabt. Mir kommt vielleicht zugute, dass ich selbst drei Jahre im Aufsichtsrat gesessen habe und diese Seite kenne. Ich glaube, dass man auch in unserer Struktur erfolgreich arbeiten kann. Man sollte sich nicht hinter Strukturen verstecken und behaupten, deshalb habe der eine oder andere Erfolg gefehlt. Das waren nicht die Strukturen.

Seeler: Glaube ich auch nicht.

Vielfach wurde auch bemängelt, dass der Verein nach Gutsherrenart geführt wurde. Von einem Herrn und einer Dame.

Jarchow: Aber das widerspricht ja dem, was man auch sagt. Nämlich, dass der HSV nicht zu führen sei, weil so viele verschiedene Gremien beteiligt seinen. Auf der anderen Seite sagt man, dass der HSV nach Gutsherren-Art geführt wurde. Von zwei Personen.

Und was ist richtig?

Jarchow: Da antworte ich allgemein: Grundsätzlich halte ich Kontrolle für wichtig.

Her Seeler, was muss passieren, dass Sie mal wieder zu einer Mitgliederversammlung kommen?

Seeler: Ich muss da nicht sein. Ob ich da sitze oder meine Großmutter wackelt mit dem Kopf. Das war nie meine Welt.

Wann wird Uwe Seeler Ehrenpräsident?

Jarchow: Ich schätze, der Antrag kommt im Januar wieder auf die Tagesordnung.

Würden Sie sich wünschen, dass Herr Seeler noch eine andere Funktion…

Seeler: ….nein. Nein!

Jarchow: Das würde ich Uwe nicht zumuten wollen, er soll schließlich entspannt ins Stadion gehen.

Seeler: Ich bitte darum.

Was hat sich in den ersten drei Monaten als Vorsitzender für Sie geändert?

Jarchow: Meine Frau würde sagen: Vieles. Geändert hat sich tatsächlich, wie man ein Spiel erlebt.

Seeler: Darauf könnte ich vielleicht besser antworten.

Jarchow: Gut, sag’ du mal.

Seeler: Die Lockerheit ist weg. Man glaubt ja gar nicht, zu welchen Gesichtsausdrücken man in der Lage ist. Da
fragst du dich: Bist du das oder nicht?

Jarchow: Man wird ja auch beobachtet. Als ich mich beim Torjubeln sah, dachte ich: Das muss ich mir noch abgewöhnen, so durfte ich früher jubeln, als ich noch drüben im Westen saß.

Fühlen Sie sich so, als ob Sie vor einem großen Berg stehen?

Jarchow: Nein. Wir haben schon in den drei Monaten gut sortiert, was wir zu bewältigen haben, da habe ich keine Sorge. Dass schwere Situationen kommen können, ist mir bewusst. Zum Beispiel, wenn man mal in der Tabelle schlecht steht.

Seeler: Das würde dich stoppen. Wer seine Spiele gewinnt, hat die nötigen Freiräume, um weiter aufzubauen.

Wie sehr ist der HSV privat ein Thema?

Jarchow: Das hat sich erhöht. Der HSV war zwar immer ein großes Thema, weil viele meiner Freunde HSVer sind. Die habe ich allerdings nicht danach ausgesucht, das hat sich so ergeben. Jetzt ist es anstrengender, weil alle die Insider-Informationen haben wollen. Jeder will wissen: Wen holt ihr, von wem trennt ihr euch? Was hat der verdient? Da muss man schon ein bisschen zurückhaltender sein.

Seeler: Ich bekomme immer diese köstliche Frage gestellt: Wann werden wir Deutscher Meister?

Gar nicht schlecht, die Frage. Hoffen Sie immer noch?

Seeler: Das gibt man nicht auf.

Jarchow: Ich habe das meinen Söhnen versprechen müssen. Die sagten: Du hast das erlebt als Jugendlicher, dass die da oben auf dem Rathaus standen, wir wollen das auch noch mal erleben. Aber das steht ja nicht unmittelbar ins Haus.

Seeler: Ich gebe den Leuten immer das Versprechen: Ja, der HSV wird deutscher Meister. Nur das Jahr kann ich Ihnen noch nicht sagen. Dann sind die zufrieden. Und dann kommt immer: siehe Dortmund. Da hat auch keiner geglaubt, dass es so schnell geht.

Jarchow: Ich finde, wir müssen mal eine Entwicklung Schritt für Schritt machen. Wir springen immer von ganz nach oben zum Abstiegsrang.

Seeler: Kontinuität ist das Zauberwort. Fußball ist im Grunde so einfach, aber auch unheimlich schwierig. Denken Sie nur an die Serie von Frankfurt.

Kontinuität ist ein gutes Stichwort, Herr Jarchow. Denken Sie gelegentlich dran, dass Sie nur kommissarisch im Amt sind?

Jarchow: Nein, der Gedanke beschäftigt mich nicht. Ich hätte es mir nie träumen lassen, Vorsitzender zu werden. Jetzt möchte ich für den HSV was leisten, den Verein in die richtige Richtung bringen. Wenn das nach drei Jahren andere machen, ist das auch in Ordnung. Ich mache das jetzt so gut ich kann, mit vollem Einsatz. Ich fühle mich unabhängig und bin nicht in einem Alter, in dem ich noch 20 Jahre Berufsleben vor mir habe. So lange Uwe nicht meinen Rücktritt fordert, bin ich im Amt.

Seeler: Das würde ich nie machen. Ich glaube, für den HSV ist es wichtig, dass mal ein Mann gekommen ist, der wirklich mit dem HSV lebt und das Beste für den Verein will und sich auch mal in den Hintergrund stellt. Er kann natürlich nicht alles machen. Aber ich glaube, es ist sehr gut, jemanden wie Carl zu haben, der den Verein, den Sport kennt und mit Finanzen umgehen kann.

Jarchow: Reicht, Uwe.

Seeler: Er macht das mit Liebe, das ist für alle HSVer beruhigend. Sicher, alles muss heute hochprofessionell sein. Aber jedes Geschäft, wenn es denn gut laufen soll, muss mit Spaß, Freude und Liebe gemacht werden. So einfach ist das. Jetzt bin ich schon wieder bei einfach. Aber ich bin ja auch ein einfacher Mann, das gebe ich ehrlich zu. Auf Dauer hast du nur mit diesen Dingen Erfolg.

So, nun wünsche Euch und Euren Lieben ein schönes Pfingstfest, alles Gute und – bleibt dem HSV gewogen.

PS: Bedanken möchte ich mich bei allen „Matz-abbern“ die mir zum Interview mit Manfred Kaltz gratulierten. Es kamen tatsächlich sehr, sehr viel Mails an, so dass ich mich auf diesem Wege dafür bedanken möchte. Tat sehr gut. Danke!

18.57 Uhr

Manfred Kaltz und “sein HSV”

8. Juni 2011

Eine schöne Trikot-Frage: Wann hat Manfred Kaltz eigentlich sein erstes Bundesliga-Spiel für den HSV bestritten? Am 20. August 1971 – er war 18 Jahre alt. 18! Beim Spiel in Dortmund, es gab ein 1:1, das Tor erzielte Uwe Seeler. Und wann hat der „alte Kaltz“ sein letztes Erstliga-Spiel für den HSV bestritten?das war am 17. april 1991, es im Volkspark dank der Tore von Jan Furtok und dreimal Nando einen runden 4:0-Sieg gegen? Borussia Dortmund! So schließt sich der Kreis. Kaltz wurde in der 82. Minute für Thomas Stratos eingewechselt. Seit dieser Zeit ist er der erfolgreichste HSV-Profi aller Zeiten. Ich traf mich mit ihm, um über die damalige Zeit und um über die Zukunft des HSV zu sprechen.

Alle diejenigen, die nun wieder damit rechnen, dass Manfred Kaltz mit „seinem HSV“ hart ins Gericht geht, dass er an „seinem HSV“ kein gutes Haar lässt, die werden nun wahrscheinlich enttäuscht sein, denn: Der gute „Manni“ Kaltz hat seinen Frieden mit „seinem HSV“ geschlossen. Ich traute erst meinen Ohren nicht, dann aber, das gebe ich gerne zu, habe ich mich tierisch gefreut. Kaltz redet immer von „wir“, wenn er über „seinen HSV“ spricht. Von „wir“! Unglaublich, aber wahr. Da wächst wieder etwas zusammen, was auch eigentlich (längst wieder) zusammen gehört.

Wie war das damals, „Manni“ Kaltz, als die drei A-Jugendspieler Kaltz (TuS Altrip), Rudi Kargus (Wormatia Worms) und Caspar Memering (Werder Bremen) nach Hamburg und zum HSV kamen? Große Rosinen im Sack gehabt? Oder eher kleinere Brötchen gebacken? „Erst war ich da, dann haben Gerhard Heid und ich Rudi Kargus geholt, dann sind wir bei Nacht und Nebel nach Bremen gefahren und haben Memering aus dem Werder-Jugendinternat nach Hamburg geholt. Wir kannten uns ja alle aus der Jugend-Nationalmannschaft“, sagt Kaltz. Und er fügt hinzu: „Wir sind gleich für die Profi-Mannschaft geholt worden, da gab es keinen langen Umweg über die Amateure. Ich wollte schon immer und auch immer gleich ganz nach oben, dafür habe ich Gas gegeben.“ Damals gehörten noch Seeler, Willi Schulz, Harry Bähre, Bubi Hönig, Jürgen Kurbjuhn, Klaus Zaczyk, Georg Volkert und andere gestandene Spieler zur Liga. Und dazu eben die junge Garde.

Kaltz spielte zwei Jahre als „Amateur“ bei den Profis, weil er mit der Olympia-Nationalmannschaft an de Olympischen Spielen teilnehmen wollte. Er hatte einen Amateur-Vertrag und war dazu Angestellter im HSV-Ochsenzoll – so wurde das damals gemacht. Trick 17. Nach zwei Jahren erhielt er dann seinen ersten Profi-Vertrag. Da hatte er nach zwei Spielzeiten schon 65 (!) Erstliga-Spiele auf dem Buckel. Er hatte es auf Anhieb geschafft, sich einen Stammplatz beim HSV zu erkämpfen. Weil er Biss hatte. Von Beginn an. Er nahm alles mit, was ihn nach oben brachte. Die Olympia-Auswahl auch: „Das war damals ja was, da konnte man sich schon in den Vordergrund spielen, deswegen wollte ich da unbedingt mitmachen.“ Auch drei B-Länderspiele hat er absolviert: „Ich wollte nach oben, deswegen habe ich nichts ausgelassen.“

Kaltz hat offenbar alles richtig gemacht, um ganz nach oben zu kommen. Beim HSV war er sofort bestens aufgenommen. Nicht nur er, auch Kargus und Memering: „Wir mussten jeden Tag trainieren, das war zuerst ganz schön hart, eine riesige Umstellung. Aber es gab für mich nur eines: Gas geben. Ohne Ende. Und das Gute daran war: Die erfahrenen Spieler haben es uns bestens vorgelebt, die hatten alle eine vorbildliche Einstellung, da ließ sich keiner hängen, die gingen immer voran.“ Und dazu gab es mit Klaus Ochs einen Trainer, der auch mit bestem Beispiel voran ging – so Kaltz.

Ein Jahr später kamen junge Leute wie Haltenhoff, Hochheimer, Krause, Nobs, Hidien, Eigl, Selke, Krobbach und andere. Die junge Garde geriet zwar mit dem HSV noch einmal (1972/73) in arge Abstiegsgefahr, aber alsbald ging es bergauf. Noch heute gilt diese Verjüngungskur als bestes Beispiel, wie sich ein Klub selbst an den Haaren aus dem Sumpf zieht, es gilt als eine Art Jugend-Wunder. Für Kaltz aber ist es kein Wunder: „Es gab den Gerhard Heid, und der hatte einen Blick für Talente, der holte nur gute Leute. So einfach war das zu erklären. Die ersten drei Jungen, die Heid geholt hatte, sind zum Beispiel alle Nationalspieler geworden.“

Und heute? Ist diese Art des Umbruchs von damals noch einmal wiederholbar? Kaltz^: „Unser Erfolg damals war ja auch damit zu begründen, dass wir nicht nur ein Jahr beim HSV geblieben sind. Wir waren ja über viele Jahre hier. Teilweise ein Jahrzehnt und mehr. Wo gibt es das heute noch? Diese Zeiten sind vorbei, und sie kommen auch nicht wieder.“ Und dann sagt er etwas Entscheidendes: „Wir sind auch deswegen als HSV aufgeblüht, weil wir eine Mannschaft waren.“ Leicht gesagt, schwer zu werden. Kaltz: „Heute hast du alle Nationalitäten im Team. Alle. Wie soll das funktionieren? Das kann nicht klappen. Die Charaktere sind doch viel zu verschieden. Wir waren uns damals alle einig, dass es nur miteinander geht. Und dazu hat sich dann auch jeder Spieler weiterentwickelt. Heute die Talente, die spielen eine halbwegs gute Saison, dann stagnieren sie – oder sie entwickeln sich zurück.“

Und was trieb ihn an? „Ich wollte immer nur spielen, spielen, spielen. Und Spaß haben beim Fußball. Mir musste auch keiner von den Alten in den Arsch treten, damit ich mal mache – ich habe von allein gemacht. Immer. Solche jungen Leute sind heute doch auch zu Raritäten geworden. Was aber nicht nur an den Jungen liegt, das sage ich auch ganz klar. Die Talente brauchen innerhalb der Mannschaft Vorbilder, die brauchen erfahrene Säcke, die mit bestem Beispiel vorangehen. Ich hatte die beim HSV immer um mich herum.“

Heute hält sich schnell ein jeder Spieler für einen Star, sobald er einmal drei Tore erzielt hat. Manfred Kaltz sagt klipp und klar: „Ich sehe schon lange keinen Star mehr beim HSV. Wer ist denn ein Star? Kevin Keegan war ein Star. Aber alle anderen, die danach kamen? Nein, nein, da ist kein Star mehr zu sehen. Ein Star ist auch nicht nur durch sein Star-Gehabe ganz vorne, sondern in erster Linie durch seine Leistungen. Und zwar in jedem Spiel. Und das ist heute beim HSV von niemandem zu sehen.“ Da spricht er einen wunden Punkt an: „Wenn ich lese, dass sich jetzt auch schon Spielerberater einschalten, um gegen den Klub Stimmung zu machen, dann fehlt mir jegliches Verständnis. Was haben die sich einzumischen? Das würde ich mir auch an Stelle des HSV verbieten. Die Spielerberater sollen ihre Spieler beraten, aber das tun sie ja auch nicht. Die halten immer nur ihre Hände auf, wenn es gilt, bei einem Wechsel Millionen zu verdienen . . . Eine schlimme Entwicklung.“

Manfred Kaltz sieht den HSV jetzt auf dem richtigen Weg. Der Umbruch musste auch für ihn kommen. Kaltz: „Ganz klar, wir müssen jetzt kleinere Brötchen backen, der Etat muss zurückgefahren werden, aber das werden wir überleben. So ist es nun einmal, denn zuletzt haben wir ja hier über unsere Verhältnisse gelebt, und nicht zu knapp. Und dabei wurde nichts gewonnen. Nun müssen wir erst einmal wieder versuchen, national nach oben zu kommen. Wenn uns das gelingt, dann wird das Internationale ganz von allein kommen. Aber erst einmal müssen wir unsere Hausaufgaben erledigen, müssen wir zwei, drei Jahre eine neue Mannschaft aufbauen.“ Das wurde allerdings auch Jahr für Jahr versucht. Und immer wieder gab es Rückschläge. Die Gründe dafür? „Manni“ Kaltz: „Jahrelang wurden Leute geholt, die nicht zum HSV passten. Es gab eine Einkaufspolitik, die war haarsträubend, da war keine klare Linie erkennbar. Und das, obwohl sich der HSV mit dem Stadion und mit dem Trainingsgelände so hervorragend entwickelt hatte.“

Jetzt plädiert er dafür, dem Trainer das Vertrauen auszusprechen, damit er in Ruhe arbeiten kann. Und dazu muss abgewartet werden, wie sich die jungen Spieler einfügen: „Es wird schon was passieren beim HSV, auch wenn wir bei Null anfangen. Aber Carl Jarchow ist ein guter Mann, ich halte auch viel von Frank Arnesen, auch von Michael Oenning – da kann sich etwas entwickeln. Dazu halte ich Hilke für den richtigen und für einen guten Mann in der Marketing-Abteilung, das scheint alles zu passen. Muss es auch, denn es muss von oben stimmen. Stimmt es da nicht, kann es auch keinen Erfolg in der Bundesliga geben. Doch ich glaube, dass der HSV da jetzt auf einem guten Weg ist.“

Hört, hört. Manfred Kaltz lobt den HSV. „Seinen HSV“. Gut zu hören, wirklich gut zu hören. Fachleute wie ihn kann der Klub bestens brauchen, und ganz offensichtlich will Kaltz das auch. Carl-Edgar Jarchow hatte ja Gespräche mit den alten Recken, mit den HSV-Legenden angekündigt, und offenbar verfehlt dieses Vorhaben nicht seine Wirkung. Es wird wohl nicht nur gequatscht, sondern auch etwas getan. Bravo! Fazit von Kaltz: „Jetzt gibt es keine Sprechblasen mehr, es wird gehandelt.“ Und er wird, davon bin ich nach diesem Gespräch überzeugt, ein Teil des Ganzen sein. Ein kleines Wunder. Obwohl er sagt: „Sauer war ich eigentlich nicht. Und das, was zwischen mir und dem HSV stand, das wurde nun ausgeräumt. Einzig wunder Punkt, der noch geblieben ist, das ist das fehlende Abschiedsspiel, aber das kann ja eventuell noch einmal nachgeholt werden – in irgendeiner Form.“ Wobei er es natürlich verdient hätte – als erfolgreichster HSV-Spieler aller Zeiten. Kommentar Kaltz: „Das lässt sich ja nun nicht leugnen, darum kommt keiner herum.“

Dabei sagt er auch: „Ich bin damals nicht angetreten, dass ich hier zehn Titel holen wollte. Das hat sich so ergeben. Aber die heutige Generation weiß doch gar nicht wie das ist, einen Titel zu holen. Titel holen aber, das will gelernt sein. Ich stand in allen Endspielen, habe alle auch einmal verloren, aber das bringt dich auch voran. Die reden heute immer alle vom Gewinnen, von Titeln, aber kaum einer ist bereit, dafür alles zu geben. Ich habe mit Felix Magath als Spieler trainiert, der hat alle und jeden mitgerissen – was ist der gelaufen im Training. Unfassbar war das. Ich glaube ja auch, dass heute zu wenig im Training getan wird.“ Er sagt weiter: „Wenn ich mich heute mit Felix darüber unterhalte, dann sagt er, dass es gar nicht möglich ist, so hart zu trainieren, denn viele Spieler kippen ja bei einer etwas größeren Belastung um wie die Fliegen. Die sind heute zu verweichtlich. Wenn ich aber im Training bis an meine körperlichen Grenzen gehen kann, dann kann ist es auch im Spiel. Siehe Dortmund, die können das. Und noch eines kam früher für mich hinzu: Ich wollte immer noch dazulernen. Selbst dann noch, als ich 28 oder 29 Jahre alt war.“

So, das war es zunächst – um nicht z lang zu werden.

Zwei Dinge noch am Rande: Der Verkauf von David Rozehnal an Frankreichs Meister (!) Lille nimmt Züge an, er wird wohl für 2,5 Millionen wechseln. Und bei Alex Silva deutet nun endlich alles auf ein Ende hin. Zum Glück.

15:25 Uhr

Jarchow setzt auf Mannschaftsgeist – nicht auf Namen

2. Mai 2011

Oha, die Erwartungshaltung hier im Blog ist deutlich höher, als an die Mannschaft, der offenbar auch von Euch keiner mehr viel zutraut. Und ich hoffe, diese Erwartungen trotz eines sich bei mir immer tiefer setzenden Frusts bedienen zu können.

Heute hatten wir das Vergnügen, uns mit unserem Interims-Vorstandsboss Carl E. Jarchow unterhalten zu können. Mehr als eine Stunde nahm sich der frisch in die Hamburger Bürgerschaft gewählte FDP-Politiker („Ich habe schon das Gefühl, dass ich das im Moment etwas vernachlässige“) für uns Zeit. Und man kann über Herrn Jarchow sagen und denken, was man will, aber er ist definitiv keiner, der keine Position bezieht. Im Gegenteil! Denn als wir heute einige Personalien ansprachen, war Jarchow durchweg auskunftsfreudig. So wie bei Mladen Petric, mit dem der Verein gesprochen und mit dessen Berater der HSV bereits erste Angebote ausgetauscht hat. „Wir haben uns unterhalten“, so Jarchow, der auf die Nachfrage, ob Verein und Spieler nicht zu weit auseinander lägen, antwortet: „Ich halte einen Kompromiss durchaus für möglich.“ Dass Mladen bleibt, ist für den HSV-Chef eh klar:_ „Er hat noch ein Jahr Vertrag – auch wenn er nicht verlängert, gehe ich davon aus, dass er nächste Saison bei uns auf dem Platz steht.“ Das soll der Kroate mit Paolo Guerrero im Angriff. „Wir planen mit Paolo und Mladen im Sturm“, verrät Jarchow, der die wichtigsten personellen Baustellen in der Innenverteidigung und dem Mittelfeld sieht.

Aber vor allem in der charakterlichen Eignung. „Unsere Aufgabe ist es, klare Zeichen dahingehend zu setzen, dass es anders weiter geht. Wir haben angekündigt, entscheidende Veränderungen in der Kaderzusammenstellung vorzunehmen und eine andere Struktur zu schaffen. In diesem Prozess befinden wir uns zurzeit. Auch der Auftritt gegen Freiburg wird mit in die Beurteilung einfließen“, so Jarchow, dessen Worte bedrohlich für die Leistungsverweigernden Akteure der 0:2-Pleite gegen den SC klingen müssen. Zumal Jarchow direkt hinterherschiebt: „Wir müssen schon sehen, dass wir darauf achten, welcher Spieler zu welchem Spieler passt“, sagt Jarchow und stellt der aktuellen Mannschaft diesbezüglich ein verheerendes Zeugnis aus. „Wir haben jetzt zwei Jahre lang auf große Namen gesetzt und es hat nicht wirklich gut funktioniert. Deshalb geht es uns jetzt nicht mehr darum, große Namen zu präsentieren, sondern eine gute Mannschaft zusammenzustellen.“

Wann das geschieht? Das ganze Geschäft kann man nicht bis zum Ende planen. In den nächsten 14 Tagen rechne ich nicht damit. Einige Transfers können sicherlich auch noch eine Kettenreaktion auf dem Markt auslösen. Das bedeutet, dass es vielleicht auch noch im August Situationen gibt, in denen Spieler angefragt werden. Uns ist bewusst, dass uns keine leichte Aufgabe erwartet. Wir haben einige spannende Ideen, wie wir das angehen wollen. Das Rad werden wir deshalb aber nicht neu erfinden. Wir stehen im Wettkampf mit anderen Vereinen.“

Erschwerend zu den nicht allzu üppigen finanziellen Mitteln geht es mal wieder um die diese Saison schon inflationär beim HSV zitierte „Charakterfrage“. Ob Jarchow glaubt, dass die aktuelle Mannschaft keine Mannschaft sei und die letzten sechs sowie die noch offenen zwei Bundesligaspiele seinem neuen Trainer Michael Oenning schon zu viel Kredit bei den Fans kosten könnten? „Die Probleme dieses Kaders waren uns bekannt“, sagt Jarchow und meint damit sowohl den Vorstand als auch den gerade frisch für zwei weitere Jahre inthronisierten Cheftrainer Michael Oenning. „Er wird von der Mannschaft aktuell im Stich gelassen“, so Jarchow, der die pessimistische Stimmung bei den Fans vernommen hat. „Aber wir werden uns davon nicht beirren lassen und an unserem grundsätzlichen Konzept, die Struktur der Mannschaft verändern, festhalten. Zusammen mit Michael Oenning!“

Allerdings ohne Guy Demel. Und wahrscheinlich auch ohne Joris Mathijsen, wie Jarchow heute andeutete: „Die Situation bei ihm ist völlig offen. Sollte uns ein Angebot vorliegen, werden wir darüber sprechen.“ Soll heißen: stimmt die Kohle, kann Joris gehen. Etwas, was auch auf Eljero Elia zutreffen dürfte. Immerhin gilt auch der Offensivspieler als „Verkaufs-Potenzial“. Wobei der Zwang, Spieler zu verkaufen, um Geld zu akquirieren, ausgerechnet durch zwei „Fehleinkäufe“ entzerrt werden könnte. So steuert der OSC Lille samt Innenverteidiger David Rozehnal auf Kurs Champions League und in Brasilien gilt Alex Silva aktuell als einer der besten Innenverteidiger. Für beide liegen dem HSV Anfragen vor, die im ersten Fall rund drei und im zweiten Fall rund fünf Millionen Euro bringen könnten/sollen. „An beiden Spieler besteht großes Interesse ihrer Klubs“, so Jarchow. Weshalb Silva nicht die Lücke in der Innenverteidigung schließen soll? „Diese Überlegung hatten wir auch, sind aber zu dem Schluss gekommen, dass Brasilien als Wohnumfeld für ihn besser geeignet ist.“ Soll heißen: der Brasilianer entspricht nicht dem charakterlichen Anforderungsprofil des „HSV 2011/2012“.

Anders Marcus Berg. Der schwedische Angreifer ist bei PSV Eindhoven nur bedingt glücklich geworden und soll im Sommer ebenso wie der zu Alemannia Aachen verliehene Tolgay Arslan sein Glück wieder in Hamburg probieren. Nachdem er am Mittwoch operiert wurde. „Er hat sehr lang mit einem Überbein am Hüftknochen gespielt“, erklärt Jarchow und führt entschuldigend für den mit elf Millionen Euro teuersten HSV-Neuzugang aller Zeiten entschuldigend hinzu: „Damit hat er sich selbst keinen Gefallen getan. Deshalb haben wir auf eine schnelle Operation gedrängt. Denn er ist ein Spieler mit Perspektive und ich gehe davon aus, dass er zu Saisonbeginn bei uns auf dem Platz steht.“ Nun denn, Berg kommt also zurück? Ich glaube, hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Ebenso wie bei Wolfgang Hesl. Der Keeper ist aktuell ausgeliehen, die Nummer eins beim SV Ried und – er will nicht nach Hamburg zurück. Zumindest nicht als Nummer zwei, die er nominell hinter Drobny in der kommenden Saison wäre. Das allerdings interessiert Jarchow nicht im Geringsten. „Der Mann hat hier einen Vertrag und muss dann einfach nur den Wettbewerb annehmen.“

Gleiches gilt für Zé Robertos immer wieder geäußerten Wunsch, einen Zweijahresvertrag zu unterschreiben. „Unsere Grundsatzentscheidung, mit ihm weiter zusammenzuarbeiten, bleibt. Wir bieten ihm einen Einjahresvertrag an.“ Trotz seines Wunsches, nach einem Zweijahresvertrag? „Ich wünsche mir auch viel“, sagt Jarchow und verleiht dem Frust über abwegige Spielerforderungen freiem Lauf: „Torun wollte ‚ne Stammplatzgarantie, Hesl will in Österreich bleiben – und ich will irgendwann mal DFB-Präsident werden. Nein, das kann es doch nicht sein. Wo kommen wir denn hin, wenn wir uns all dem unterordnen?“

Nicht gefallen lässt sich der HSV auch das Verhalten Änis Ben-Hatiras bei dessen Auswechslung (verweigerter Handschlag etc.). Am Dienstag muss der Offensivspieler deshalb bei Jarchow vorstellig werden. Aber er muss nicht allzu viel befürchten. „Ich halte nicht viel von Drohungen. Warum soll er jetzt büßen, dass früher mal Flaschen geworfen wurden? Das Verhalten von ihm war nicht akzeptabel. Das weiß er auch und hat sich dafür bei Michael Oenning und der Mannschaft entschuldigt. Er ist noch ein junger Spieler mit vielen Emotionen, den man führen muss. Das werde ich ihm morgen auch noch einmal in einem persönlichen Gespräch sagen und ihm mitteilen, was ich von ihm erwarte.“ Ergo: Ein Rüffel – Geldstrafe inklusive.

Nicht gefallen hat Jarchow im Übrigen neben der Gesamtleistung im Spiel das Verhalten der Spieler im Anschluss. Da waren große Teile der Mannschaft ohne Gruß in die Fankurve gen Kabine entschwunden, während Frank Rost samt Tochter eine Abschiedsrunde drehte. „Ich fand das alles etwas unpassend“, so Jarchow, der mit den grußlosen Spielern ebenso ein ernstes Wort sprechen will wie mit Frank Rost. „Ich fand, zu feiern hatten wir nichts.“ Dass Rost immer solche Runde dreht, egal ob Sieg oder Niederlage, wollte Jarchow nur bedingt als Erklärung hinnehmen. „Dass er seine Tochter dazuholt und so eine Runde dreht, war unpassend. Das macht man, wenn man etwas zu feiern hat. Und das war nicht der Fall.“

Leider nicht. Schon lange nicht mehr. Vielmehr droht das erste Mal seit Jahren die Situation, dass über die Sommerpause hinweg eine Frustatmosphäre bei Verein, Spielern und Fans herrscht.

Zumal, wenn wie zuletzt befürchtet, solche Transfers wie der angedachte von Nürnbergs Ilkay Gündogan nicht klappen. Ob auch Jarchow eine Frustatmosphäre fürchtet? „Wenn es nicht deutlich besser wird, ist die se Gefahr da.“ Ob Gündogan wirklich schon beim neuen Deutschen Meister Borussia Dortmund (nachträglich meinen allerherzlichsten Glückwunsch!!!) zu- und entsprechend beim HSV abgesagt hat? Jarchow: „Nein, das ist mir nicht bekannt.“ Dennoch scheint sich Jarchow keine großen Hoffnungen mehr zu machen, den hoch gelobten Mittelfeldspieler an die Elbe lotsen zu können. Anders ist die folgende Aussage jedenfalls für mich absolut nicht nachvollziehbar. Jarchow: „Er steht bei uns nicht ganz oben auf der Prioritätenliste.“ Worte, die bei Gündogan wahrscheinlich auch letzte Zweifel, ob Hamburg nicht doch besser für ihn wäre, wahrscheinlich wegwischen. Worte, die den HSV ein großes Talent kosten könnten.

Na gut – oder auch nicht – aber mit einer solchen Aussage schraubt Jarchow natürlich auch die Erwartungen der Außenstehenden an sich und sein Team beim HSV in die Höhe. Immerhin zählt Gündogan zu den absoluten Toptalenten der Liga. Und das, obwohl er, wie Jarchow anmerkt, „zuletzt nicht mehr allzu oft von Beginn an“ aufgeboten wurde.

Auf jeden Fall bin ich gespannt, ob es der Vorstand im Gegensatz zur Mannschaft schafft, den eigenen Worten auch entsprechende Taten folgen zu lassen.

In diesem Sinne, im Abspann noch ein paar letzte, interessante und kurz zusammengefasste Infos.

Bis morgen!

Scholle
(19.23 Uhr)

P.S.: Der HSV erwägt, Romeo Castelen einen stark leistungsbezogenen Einjahresvertrag anzubieten, sofern die medizinische Abteilung Grünes Licht gibt. „Seine medizinische Prognose ist sehr schwierig“, schränkt Jarchow ein, „aber ich tendiere dazu, den Leuten zu helfen. Und dabei haben wir wie in diesem Fall auch eine gewisse Sorgfaltspflicht.“

P.P.S.: Sören Bertram wird aller Voraussicht nach noch ein weiteres Jahr an den FC Augsburg ausgeliehen.

P.P.P.S.: Frank Arnesen wird aller Wahrscheinlichkeit nach erst Mitte Mai beim HSV auch vor Ort anfangen zu arbeiten, nachdem der FC Chelsea seit diesem Wochenende (ManU patzte) wieder berechtigt auf die Meisterschaft – und Arnesen dementsprechend auf ein schönes Erinnerungsfoto hoffen dürfen…

P.P.P.P.S.: Die oft zitierte Kooperation mit dem FC Chelsea wird es nicht geben. „Frank Arnesen kennt sicherlich einige tolle Talente“, so Jarchow, „zumindest setzen wir darauf. Aber eine vertragliche Zusammenarbeit der beiden Klubs spielt in unseren Gedanken keine Rolle.“

P.P.P.P.P.S.: Während für Bastian Reinhardt eine Funktion als Bindeglied zwischen der HSV-Profiabteilung und Ochsenzoll geplant ist, ist die Zukunft vom jetzigen Oenning-Assistenten Rodolfo Cardoso völligf offen. “Das entscheiden Oenning und Arnesen in den nächsten Wochen”, so Jarchow.

Schluss mit Nachtrauern

1. September 2010

Habt Ihr den gestrigen Tag und die Nachwehen des Wechselirrsinns auch so gut überstanden wie ich? Ist es nicht herrlich, wie ruhig die Telefone heute wieder sind? Ich genieße es wirklich, auch wenn es jetzt natürlich noch einiges aufzuarbeiten gibt. Angefangen bei den Transfers, die noch über die Bühne gegangen sind, bei denen ich noch einige Infos schuldig geblieben war. David Rozehnal wechselt zunächst auf Leihbasis nach Lille. Die Franzosen zahlen keine Leihgebühr, der HSV übernimmt sogar noch einen Teil seines Grundgehalts. Das stellt einmal mehr unter Beweis, welch geringen Stellenwert der Tscheche bei Trainer Armin Veh zuletzt noch hatte.

Wolfgang Hesls Abgang habe ich übrigens total verschwitzt. Der dritte Torwart wurde an den SV Ried in die österreichische Bundesliga verliehen. Für ein Jahr, meines Wissens auch ohne eine nennenswerte Leihgebühr. In Österreich soll „Wolle“ reifen und Spielpraxis sammeln, um dann möglichst zur nächsten Saison der Nummer eins in Hamburg (dann vielleicht nur Jaroslav Drobny) Dampf zu machen. In dieser Saison, das war ja eigentlich schon mit Drobnys Verpflichtung klar, hätte Hesl kaum Chancen für eine Berücksichtigung bei den Profis gehabt. Zuletzt kam er ja auch ausschließlich bei Rodolfo Cardosos Amateuren zum Einsatz.

Und nun noch einmal Rafael van der Vaart. Ja, es ist richtig, dass sich der HSV um den Niederländer bemüht hat. Ja, es ist auch richtig, dass Bernd Hoffmann den Edeltechniker und Torgaranten liebend gerne zurück an die Elbe gelotst hätte. Aber ebenso richtig ist es halt auch, dass die Chancen für einen Transfer van der Vaarts zum HSV in den vergangenen Wochen nie höher als zehn Prozent lagen. Sportchef Bastian Reinhardt hat das ja auch mehrfach angemerkt, aber hier in Hamburg mag das offenbar niemand hören. Wenn ich jetzt die vielen Kritiker höre und lese, die dem HSV-Vorstand in Bezug auf den „kleinen Engel“ Versäumnisse vorwerfen, von einer vertanen Großchance reden und mit dem Kopf schütteln, dass van der Vaart für eine Ablöse in Höhe von zehn Millionen Euro nach Tottenham gegangen ist, dann muss ich schon mächtig durchschnaufen um nicht selbst ins Kopfschütteln zu verfallen.

Van der Vaart wollte gar nicht zurück nach Hamburg. Zudem sind die besagten Kritiker leider meist auch die ersten, die nach einigen Misserfolgen und schlechteren Wirtschaftszahlen dem gleichen HSV-Vorstand Missmanagement vorwerfen würden. Uns allen, die wir (und da zähle ich mich dazu) Rafael van der Vaart liebend gerne wieder im HSV-Trikot gesehen hätten, muss immer wieder bewusst gemacht werden oder sein: Der HSV ist angesichts der aktuellen internationalen Wettbewerbsflaute finanziell keinesfalls mit rosigen Einnahmeerwartungen ausgestattet. Der aktuelle Kader ist teuer und hochwertig besetzt. Ein Van-der-Vaart-Deal hätte ein bei einem Dreijahresvertrag (Real wollte unbedingt verkaufen) mindestens 25 Millionen Euro mit allen Nebengeräuschen verschlungen, und dieses unkalkulierbare Risiko kann und will von den HSV-Machern niemand eingehen. Ganz abgesehen davon, dass Tottenham noch einige Zusatzreize (z.B. Handgeld, Sonderprämienzahlungen) in sein Vertragswerk integriert haben soll.

Ich persönlich habe mich damit abgefunden, dass die seinerzeit sensationelle Verpflichtung van der Vaarts von Dietmar Beiersdorfer ein Überraschungscoup mit anschließendem Genuss während der Spielzeiten war. Wie oft habe ich nach Toren des „kleinen Engels“ mit der Zunge geschnalzt, und wie oft habe ich mich gefragt, wie die HSV-Macher so einen Spieler überhaupt zum Wechsel an die Elbe bewegen konnten?! Nun bin ich gespannt, ob sich van der Vaart auch in der Premier League durchsetzen kann. Ich habe einige Zweifel bezüglich seiner Geschwindigkeit, aber andererseits hat ihn auch die Härte der Bundesliga nicht aus dem Tritt gebracht. Er hat mitunter genial gespielt und getroffen. Ich wünsche ihm alles Gute beim Ex-Verein von Martin Jol.

Schluss mit dem Nachtrauern, das sollten wir alle beherzigen. Schauen wir doch einfach mal auf den vorhandenen Kader. Dort sehe ich natürlich auch noch einige Baustellen und Fragezeichen, aber ich sehe keinerlei Gründe, warum wir uns nicht mit den Topvereinen der Liga messen können sollten. Die Hamburger Defensive gewinnt zunehmend an Stabilität, das Mittelfeld ist vielseitig und für alle Bedarfsfälle besetzt, und eine personell derartig hochkarätig besetzte Abteilung Attacke würde sich mancher Champions-League-Teilnehmer in Europa wünschen.
Wie fandet Ihr Petrics Reaktion auf den geplatzten Stuttgart-Wechsel? Ich habe nach seiner zum Ausdruck gebrachten Enttäuschung in den Hamburger Medien erst ein bisschen gegrollt, aber dann habe ich es auch wieder sein lassen. Lasst ihn doch eine Woche schmollen und in Ruhe, dann wird er anschließend schon wieder und umso schneller in die Spur zurückfinden. Petric ist ein Vollprofi, mit allen Wassern gewaschen. Dass er sich jetzt hinstellt und so tut, als müsse er zu einem Arbeitgeber zurückkehren, der ihn gerne abgegeben hätte, ist nur ein Teil der persönlichen Frustbewältigung.

Zumal es überhaupt nicht den Tatsachen entspricht. Ich habe schon häufiger mit Armin Veh und auch mit Bastian Reinhardt über den Kroaten gesprochen. Beide halten viel von ihm und würden seine Qualitäten nicht freiwillig aus den eigenen Reihen verbannen. Interessant und brenzlig wäre es geworden, wenn Stuttgart sieben oder mehr Millionen für Petric geboten hätte. Dann hätte es nämlich zu einigen internen Differenzen zwischen wirtschaftlichen und sportlichen Verantwortungsträgern kommen können, was eine Zustimmung oder Ablehnung in Sachen Transferfreigabe betrifft. Und mittendrin der Aufsichtsrat. Heißa, das wäre wieder hoch hergegangen. Aber zum Glück blieb und bleibt uns das vorerst erspart.

So, das war es heute von mir. Vom Training kann ich nicht viel berichten. Nach dem 5:1-Testspielsieg gegen den SC Victoria fuhr die Mannschaft zum Ausradeln in den Volkspark. Warum Paolo Guerrero alleine in den Wald joggte, konnte ich noch nicht in Erfahrung bringen, ist aber bestimmt nichts Schlimmes. Vielleicht ja Rad-Angst… Nein, Spaß beiseite. Die größte Neuigkeit vom HSV-Gelände ist wahrscheinlich die, dass die riesigen Knaack-Kräne samt Mitarbeitern in luftiger Höhe begonnen haben, die Vorarbeiten für die Buchstabenbestückung des Arena-Daches vorzunehmen. Dann wird aus der HSV-Heimstätte bald wirklich die endgültige Imtech-Arena.

12:52 Uhr

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