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Tschechien: kein Super-Team, aber weiter

17. Juni 2012

Es ging doch nur um die Höhe der Siege. Mit welchen Experten ich auch sprach, mit welchen Fans ich auch immer über die Gruppe A diskutierte, eines war allen klar: Polen kommt weiter, weil Tschechien klar besiegt wird, und Russland kommt sowieso weiter, weil die in etwa 4:0, 5:0 gegen Griechenland gewinnen. Ja, und dann das! Wer kann das schon ahnen? Die Griechen gewinnen, die Tschechen gewinnen. Und beide Sieger kommen weiter. Trotz allem, egal wie groß diese Überraschungen waren – jetzt muss doch im Viertelfinale das Ende für diese beiden krassen Außenseiter kommen, oder? Aber man hat ja schon Pferde vor der Apotheke . . . Wenn ich dann aber an die deutsche Mannschaft denke, dann ist es doch irgendwie ein Freilos für Jogis Löwen – Griechenland oder Tschechien. Allerdings muss es heute ja auch erst einmal perfekt gemacht werden, und da habe ich dann doch noch einige kleine Zweifel, denn immerhin hat Dänemark ja die Niederländer besiegt. Und auch da sage ich: egal wie. Sie haben sie geschlagen, und warum sollte den Dänen ein ähnliches Husarenstück nicht noch einmal gelingen? Im Fußball ist alles möglich. Eine Phrase, aber sie stimmt immer wieder.

Über das Erfolgsgeheimnis der Tschechen befand übrigens (der zurzeit verletzte) Tomas Rosicky: „Wir wissen, dass wir nicht das Superteam sind. Aber wir haben einen großen Teamgeist, damit kann man weit kommen.“ Einen Seitenhieb auf die Niederlande konnte sich der Mittelfeldspieler vom FC Arsenal nicht verkneifen: „Sehen Sie sich Holland an. Großartige Fußballer, aber zu viel Egoismus.“

In der Tat hatten sich die Tschechen gegen Co-Gastgeber Polen und gegen knapp 30 000 fanatische polnische Fans als Mannschaft präsentiert. Da wurden bei Rosicky Erinnerungen an eigentlich längst vergessene Zeiten wach. „Der Teamgeist ist ähnlich wie 2004, auch wenn in dem Team damals die besseren Einzelspieler waren“, sagt der Dribbler (nicht zu verwechseln mit dem „kleinen Dribbelkünstler“). Die EM vor acht Jahren gilt als letztes Aufbäumen der einstmals goldenen Generation, als Rosicky und Co. erst im Halbfinale am späteren Europameister Griechenland scheiterten.

„Wir wissen, dass wir nicht das Super-Team sind.“ Passt irgendwie auch auf den HSV. Dem HSV vergangener Jahre. Und auch dem HSV der Zukunft? Dennis Aogo hat ja bei „Matz ab live“ gesagt, dass er die HSV-Mannschaft der vergangenen Saison schon auf einem guten Weg sah, eine echte Einheit zu werden. Das habe ich, ehrlich gesagt, nicht ganz so gesehen, aber vielleicht war da ja doch ein kleiner Fortschritt, weil doch einige Stars (u. a. Rost, van Nistelrooy, Ze Roberto, Mathijsen) gegangen waren, die ganz sicher nicht ganz so pflegeleicht waren. Aber als Einheit aufzutreten, dass ist ganz sicher auch eine Chance für den dann hoffentlich „runderneuerten“ HSV, um wieder mal bessere Tage erleben zu können. Und dabei hilft eventuell ja auch das Überlebens-Camp in Schweden. Ein bisschen. In erster Linie aber muss es auch jeder einzelne Spieler wollen – und sich dementsprechend ein- und unterordnen. Und wenn es dafür künftig einige Spieler mehr von der „Sorte Aogo“ geben würde, so würde ich auch denken, dass es in der kommenden Saison durchaus gelingen könnte.

Aber erst einmal ist ja EM. Und da ist Polen meine erste riesige Enttäuschung. Draußen, Ende. Aus. Hätte ich nie gedacht. Mit „halb Dortmund“, so meine Gedanken, kommen die mindestens ins Halbfinale. Denkste. Wobei die Polen ja immer super begannen, aber nach 30 Minuten war die Luft stets schon raus . . . Und die Dortmunder Größen Lewandowski und Blaszczykowski waren in Halbzeit zwei gar nicht mehr zu sehen. Wobei: total hinter meinen Erwatungen blieb ja der Lukasz Piszczek. Von dem kam nichts. Dabei war der für mich in der abgelaufenen Saison der beste Verteidiger in der Bundesliga. Aber „halb Dortmund“ reicht dann wohl doch nicht ganz aus.

Apropos aus. Ich werde mich nun vom Acker machen, um in Ruhe „Matz ab live“ vorzubereiten. Das findet heute ja wieder nach dem Schlusspfiff des Deutschland-Spiels gegen Dänemark (im „Champs“ in Schnelsen) statt. Hoffentlich wird das kein dänischer Käse. Sowohl die Sendung als auch das Spiel.

Zuvor möchte ich noch einmal kurz – und ohne zu jammern – auf die heutige Nacht im Blog eingehen. Es nützt ja nichts, wenn man immer die anderen User anprangert, dass die den größten Mist schreiben (abgesehen von mir und meinem beknackten Opa), sondern man sollte schon mal auf sich selbst schauen. Und anfangen, sich zu ändern. Denn es nützt ja auch nichts, wenn man die Bibel „verfasst“, sie hier reinstellt – und dann vor allen Dingen auch dadurch auffällt, dass man andere (HSV-)Personen beleidigt. Egal, ob man sich hinterher entschuldigt oder nicht. Das alles muss nicht sein! Aber das schreibe ich ja doch nur in den Wind . . . Im anonymen Internet muss es wohl so brutal und rustikal zur Sache gehen, sonst fühlt man (Mann) sich wohl nicht ganz so wohl.
Für mich ist und bleibt das trotz allem enttäuschend.

Einen wunderschönen EM-Sonntag noch für euch.

Und dann bis nach dem Spiel, mit HSV-Chef Carl-Edgar Jarchow und dem freien Journalist Oliver Wurm, der, wenn ich ihn richtig verstanden hat, etwas unter die Leute bringen will. Was, wenn oder wie viel – ich weiß es nicht. Ich lasse mich überraschen.

PS: Beim HSV gibt es heute nicht den Hauch einer Bewegung. Nicht mal in Sachen Vertragsverlängerung von Marcell Jansen und Tolgay Arslan. Es sollten ja nur noch Kleinigkeiten zu klären sein, aber irgendwo scheint es noch zu haken.

16.12

Und noch ein PS: Der HSV feiert eine Meisterschaft! Tatsächlich. Die Ü-50-Herren sind an diesem Sonntag Hamburger Meister, weil sie im Endturnier dreimal gewonnen haben:
1:0 gegen Post SV, 3:2 gegen den SC Victoria und 4:0 gegen Dassendorf. Da dieser Titel erstmalig ausgespeilt wurde, ist der HSV sogar Premieren-Meister! Jetzt geht es im August um die norddeutsche Meisterschaft.

HSV macht EM-Pause – Kontrolleure beraten über Adler-Transfer

7. Mai 2012

Da wird er heute sicher den einen oder anderen Drink mehr zu sich nehmen. Zum einen aus Frust über die Nichtnominierung von Bundestrainer Joachim Löw, zum anderen auch, weil er ab heute (Quasi-)Urlaub hat. Die Testkicks beim SV Drochtersen/Assel (Freitag), den gegen Stuttgart (Sonntag) und beim Lüneburger SK (15. Mai) mal ausgenommen. Aber zumindest muss er sich nicht mehr auf ein Endturnier vorbereiten. Für das er topfit sein muss. Statt seiner reist der 24-jährige Marcel Schmelzer mit in die Ukraine und Polen. Eine Entscheidung, von der Aogo heute nicht überrascht wurde – er hatte sie bereits gestern vom Bundestrainer persönlich via Telefon mitgeteilt bekommen.

Es sei eine Entscheidung für Schmelzer gewesen umging Löw heute bei der offiziellen Pressekonferenz eine Antwort auf die Frage, warum er sich nicht für Aogo entscheiden habe. Wobei sich die Antwort vergleichsweise leicht herbeiführen lässt. Immerhin ist Schmelzer mit ziemlich konstant guten Leistungen mit seiner Mannschaft Deutscher Meister geworden, während Aogo sich zwar nach eigener und des Trainers Aussage in einer schwierigen Phase super entwickelt habe. Allerdings scheint Löw auf das Selbstvertrauen eines Siegers mehr Wert zu legen, als auf Aogo, der sich heute am Telefon nicht weiter dazu äußern wollte. Bei Sonne und 21 Grad im Schatten auch verständlich. Ich hätte da auch eine ganze Reihe Ideen, was schöner wäre, als über Fußball zu reden…

Wobei Aogo nicht allein ist. Weder auf Malle noch mit seinem Schicksal innerhalb des HSV. Der Bundesliga-Dino macht EM-Pause. Denn neben Aogo spielen auch Marcell Jansen und Heiko Westermann in Löws Planungen keine Rolle. Zudem muss Jeffrey Bruma, vor der Saison noch als DAS Abwehrtalent der Niederlande gerühmt, eine Nichtnominierung seines Bondscoaches Bert van Marwijk verkraften. Und so wenig überraschend das für mich kommt, ich bin mir ziemlich sicher, dass es für Bruma nicht annähernd so klar war, er trotz seiner insgesamt sicher enttäuschenden Saison bis zuletzt Hoffnungen hatte.

Dennoch bin ich weit davon entfernt, jetzt an dieser Stelle noch mal draufzuhauen und hier Gründe aufzuzählen, weshalb die Entscheidungen so richtig sind. Es ist für einen jungen Sportler mit Sicherheit – egal wie schlecht die vorangegangene Saison auch gelaufen ist – ein mächtig harter Schlag, wenn man letztlich erfährt, nicht dabei zu sein, nachdem jeder bis zur letzten Sekunde gehofft haben dürfte. Dafür ist eine EM einfach ein viel zu großes Ziel, da ist ein Spieler nicht nur realistisch, da darf auch meiner Meinung nach geträumt werden.

Vom HSV – zumindest ziemlich – sicher dabei ist bislang nur Jaroslav Drobny als Ersatzkeeper der Tschechen. Ansonsten könnte noch Marcus Berg auf seinen schwedischen Nationaltrainer hoffen. Ebenso Ivo Ilicevic und Mladen Petric auf Kroatiens Chefcoach Slaven Bilic. Wobei den beiden Kroaten kaum bis keine Chancen zugestanden werden.

Zwei Spieler hätte der HSV somit bei der EM – wenn überhaupt. Mehr werden es voraussichtlich nicht. In diesem Bereich nähert sich der HSV längst überwundenen Zeiten wieder an. 2004 war auch so Turnier. Damals endete es für die Deutschen bereits in der Vorrunde. Gleiches passierte 2000, als zumindest Hans-Jörg Butt bei den Deutschen als dritter Keeper dabei war. Damals war ich auch dabei – als Fan reiste ich mit meinem Vater zum letzten Vorrundenspiel gegen Portugal nach Rotterdam. Das 0:3 war einer der schwärzesten Momente meiner Fußballerzeit als Fan. Ich war unfassbar sauer über den völlig blutleeren Auftritt der DFB-Elf. Meine einzig nette Erinnerung: Nachdem die Deutschen von ihren Fans ausgepfiffen worden waren, marschierten sie teilweise lächelnd in die Kabine – was mich noch saurer machte. Und auch der Trainerstab war schnell vom Platz. Allerdings, einzig der damalige Cotrainer Horst Hrubesch hockte am Ende noch lange nach Schlusspfiff auf der in den Boden eingelassenen Reservebank der Deutsche. Erst 30 Minuten nach seinen Kollegen stand er auf und ich sah, dass er weinte. Auch er hatte offensichtlich nicht verstehen können, wie man als angeblich so stolzer Nationalspieler seines Landes so leidenschaftslos agieren konnte. Und ich glaube, beim HSV hätte er, der ja wirklich kurzzeitig als Trainer ins Gespräch gebracht worden war, in dieser Saison ähnliches auf Vereinsebene erlebt…

Apropos alte HSVer. Ich hatte die Diskussion, welche Identifikationsfigur dem HSV helfen könnte, hier bei Euch weiterverfolgt. Schon allein, weil ich wissen wollte, welcher Ex-HSVer bei Euch am höchsten gehandelt würde. Dass dabei Dietmar Beiersdorfer häufiger genannt wurde, verwunderte mich nicht. Beiersdorfer hat beim HSV (im Verbund mit Hoffmann) einen sehr guten Job gemacht, er ist – das kann ich bestätigen – mit sehr viel Herzblut dabei gewesen. Und er hat den Verein enger zusammengeführt, weil seine manchmal etwas verhaltene Art dem Image des neunmalklugen, arroganten und Millionen verdienenden HSV-Vorstandes komplett widersprach. Und er hatte Erfolg. Der Name Beiersdorfer wurde beim HSV vor einem Jahr sogar kurz mal ins Gespräch gebracht, aber im Aufsichtsrat umgehend von denen, die auch schon bei dessen Freistellung Kontrolleure waren, abgelehnt. Stattdessen kam bekanntermaßen Frank Arnesen.

Und dem obliegt es jetzt, den HSV nach einem verkorksten Jahr wieder in die Spur zu kriegen. „Einige Neue“ sollen kommen, darunter auch der ewig gesuchte kreative Mittelfeldspieler. Zudem sollen den Verein in den nächsten Wochen noch Spieler mit laufenden Verträgen verlassen – und wie im Fall Robert Tesche auch verlassen wollen. Der Mittelfeldspieler soll in einem Gespräch mit Arnesen erklärt haben, mehr Spielpraxis zu brauchen und deshalb den Verein verlassen zu wollen. Hannover 96 war bereits einmal vor 18 Monaten an Tesche interessiert – aktuell dürften es aber eher andere, weniger international orientierte Vereine (aus eventuelle anderen Ligen) sein.

Egal wie, die nächsten Wochen werden zeigen, wohin es mit dem HSV geht. Sich darauf zu verlassen, dass alle Spielerin der kommenden Saison um eine Serie gereifter und entsprechend besser werden, wäre fahrlässig. Auch, sich den kreativen Spieler aus dem vorhandenen Spielermaterial schnitzen zu wollen. Der HSV hat diese Qualität nicht im Kader. Ein Tolgay Arslan kann das nicht, ebenso wenig wie Ivo Ilicevic, Gökhan Töre, Jacopo Sala oder gar Heung Min Son. Auch von Beister, der am Donnerstag zunächst Düsseldorf in die erste Liga schießen soll, kann man in seiner ersten echten Erstligasaison eine solch tragende Rolle nicht erwarten. Nein, hier gilt es, fleißig zu sein. Oder besser: fleißiger und ideenreicher als die Konkurrenz, wie Arnesen selbst seine Vorgehensweise beim Amtsantritt beschrieb.

Aber okay, wir haben heute den 7. Mai, die Saison ist seit zwei Tagen beendet und die Transferperiode hat noch nicht einmal begonnen. Noch bleibt Zeit. Von daher sind auch einige Forderungen von Euch, Dieter und/oder ich müssten uns klar positionieren, was wir vom HSV halten, verfrüht. Noch muss sich niemand festlegen. Wir können bei Arnesen die erste Saison beurteilen. Bei Trainer Thorsten Fink geht das noch weniger, weil er mit dem vorhandenen Potenzial arbeiten musste, ohne vorher Mitspracherecht bei der Kaderzusammenstellung gehabt zu haben.

Nein, bei aller Skepsis, ich hoffe und glaube auch, dass Arnesen erkannt hat, dass die Bundesliga härter ist und mehr verlangt, als ein paar neue Talente. Es reicht nicht, Chelseas dritte Reihe zu holen, dieser HSV braucht Sofortverstärkungen. Eine unfassbar schwierige Aufgabe, angesichts des schmalen Geldbeutels, der ihm vom verein zur Verfügung gestellt wird. Andererseits muss man auch sagen, dass der HSV 2006 noch einen Mannschaftsetat hatte, der halb so hoch war wie der heutige. Insofern hoffe ich, dass Arnesen die ständige Einflechtung von Talenten mit Führungskräften garniert. Mit der Kategorie René Adler könnte er den ersten Schritt in die richtige Richtung machen. Zumindest beschwören das Adlers Wegbegleiter für den Fall, dass der Keeper gesund bleibt.

Nicht beschworen, dafür aber festlegend geäußert hatte sich Vorstandsboss Carl Jarchow zum Thema Adler. Das hakte bislang an dem Verkauf (Weggang) von Jaroslav Drobny. „Wir werden sicher nicht mit zwei hochklassigen und hoch bezahlten Torhütern in die neue Saison gehen.“ Eine Aussage, die er am Sonntag bestätigte: „Aus meiner Sicht werden wir nicht mit zwei hochbezahlten Torhütern in die neue Saison starten“, so der Vorstandschef im NDR-Sportclub. Allerdings sagte sein Vorstandskollege Arnesen parallel, dass der HSV ein Jahr zuvor auch mit Rost und Drobny gut gefahren sei. Der Däne ist anderer Meinung: „Jaroslav hat einen Vertrag, und er hat gut gehalten. Im vergangenen Jahr hatten wir mit Frank Rost und Drobny auch zwei gestandene Torhüter unter Vertrag. Ich sehe da keinen Unterschied.“

Wer Recht hat? Wessen Strategie gefahren wird? Darüber soll morgen der Aufsichtsrat diskutieren. Beim noch als „informelle Aufsichtsratssitzung“ deklarierten Zusammentreffen soll Arnesen ein Weg aufgezeigt werden, unter welchen Bedingungen er Adler endgültig unterschreiben lassen kann.

In der Hoffnung, dass zumindest dieser Transfer endlich und vernünftig abgeschlossen werden kann,

bis morgen!
Scholle

Das war Gänsehautfeeling pur

15. April 2012

„Der HSV war die agilere und bissigere Mannschaft, und wenn man kein Tor schießt, keine klare Möglichkeit herausspielt, dann kann man auch nicht gewinnen. Deswegen ist der HSV auch der verdiente Sieger.“ Sagte Hannovers Trainer Mirko Slomka fair nach der 0:1-Niederlage seiner Mannschaft im Volkspark. Eine gute Analyse. Mir hätte aber noch mehr gefallen, wenn der Coach auch das gute Spiel des HSV herausgestellt hätte, denn diesmal kämpften die „jungen Finken“ nicht nur, sie bissen auch nicht nur, so spielten phasenweise sogar recht guten Fußball. Eine solche Leistung hatte man im Volkspark schon lange, lange nicht mehr gesehen.

Und schon während des Spiel habe ich zu mir gesagt: „Von wegen. Im Abstiegskampf kann man sehr wohl guten Fußball zeigen, da muss nicht nur verkrampft gekämpft werden. Da spielen auch die Nerven nicht unbedingt eine Hauptrolle. Wenn man als Einheit auftritt, wenn alle gemeinsam wollen, dann kann man nicht nur miteinander zur Tat schreiben, dann kann man auch guten Fußball bieten.“ Und das tat der HSV diesmal. Niemand war an diesem Sonnabend nach dem HSV-Auftritt am Meckern, alle lobte unisono das gute Spiel. Des HSV. Und niemand musste hinterher auch nur einem Zuschauer erklären, dass das, was zuvor in den 90 Minuten angelaufen war, tatsächlich ein gutes Spiel gewesen ist. Alle hatten es diesmal gesehen, nicht einer war unzufrieden. Das war zuletzt, beim 1:1 daheim gegen Leverkusen, noch ganz anders. Da sagten die HSV-Verantwortlichen damals, wie toll doch dieses Spiel gewesen sei – aber das hatten lange nicht alle so gesehen . . .

Und grundsätzlich mag ich es ohnehin nicht, wenn man mir sagt, welches Spiel ich gesehen haben muss.

Aber gut, diesmal war ja alles zur besten Zufriedenheit. Und als ich nach Hause kam, da empfing mich Frau M. mit den Worten: „Warum geht das nicht immer so?“ Mein Freund Peter aus Mühlheim hat, so glaubt er, des Rätsels Lösung erkannt: „Der HSV war so gut, weil sie diesmal mit elf Mann gespielt haben. Alle waren in Bewegung, von hinten nach vorne, da stimmte das Engagement, das waren 90 Minuten voller Leidenschaft – das war zuletzt doch ganz anders. Und ich hoffe, dass das der Herr Fink auch so gesehen hat, und dass er deshalb sein Team in den letzten drei Spielen nicht mehr verändern wird.“
Abwarten.

„Diesmal war ich zufrieden. Aber wir müssen ja immer auch schauen, was die Mannschaft in der nächsten Woche für ein Gesicht zeigt. Diesmal waren wir von Anfang an da, dass war genau die Ausstrahlung, die ich von meiner Mannschaft im Abstiegskampf erwarte. Die Mannschaft hat gebrannt und genau die richtige Reaktion gezeigt, die ich nach dem 0:4 gegen Hoffenheim erwartet hatte.“ Thorsten Fink fuhr fort: „Wir standen kompakt und haben konzentriert und diszipliniert gespielt.“, sagte Thorsten Fink. Und der Trainer fand auch noch ein dickes Lob für „den zwölften Mann“: „Für meine Mannschaft war es ganz wichtig zu sehen, wie sehr sie von den Fans unterstützt wurde. So tolle Fans, und das nach einem 0:4 in Hoffenheim, das ist sensationell, deswegen macht es so viel Spaß, in Hamburg zu arbeiten – und nicht woanders.“
Lob, Lob, Lob. Und das völlig berechtigt. Aber Fink hob dennoch nicht ab, im Gegenteil, er hielt den Ball ganz flach: „Heute hat meine Mannschaft gezeigt, dass sie Abstiegskampf kann. Wenn die Mannschaft beim Spiel in Nürnberg diese Gesicht zeigt, dann werden wir auch dort punkten – aber ich bin mal gespannt.“

Weil er dem Frieden wohl auch noch (immer) nicht so recht traut.

Ein Extra-Lob des Trainers hatte sich der unermüdlich laufende, kämpfende, dribbelnden, oft sprintende und das Siegtor schießende Heung Min Son verdient, der nach sechs Monaten und 16 Partien wieder einmal das Tor getroffen hatte. „Er hat gebrannt und seine Sache toll gemacht, auch viel nach hinten gearbeitet. Mit seiner Schnelligkeit ist er für das Konterspiel prädestiniert“, sagte Fink. Für den HSV war es der erste Heimsieg seit dem 4. Dezember 2011 und erst der vierte Sieg in der Rückrunde überhaupt. „Heute haben wir richtig gut attackiert. Und die Fans haben richtig gut Stimmung gemacht, das hat viel Spaß gebracht“ sagte ein strahlender Son.

Er war ja nur deshalb zum Einsatz gekommen, weil Mladen Petric wegen eines grippalen Infekts ausgefallen war. Aber der 19-jährige Südkoreaner wurde zum Glücksfall für den HSV. Irgendwie erinnerte mich dieses Siegtor an damals, an den 9. Mai 1992, als der eingewechselte Liuz Emerson Firminho das goldene Tor (im Abstiegskampf) gegen Hansa Rostock erzielte. Diesen Emerson hatte vorher in Hamburg kein einziger Experte auf „dem Zettel“ gehabt, aber er kam, traf und trat sofort wieder ab von der Bühne. Wollen wir nicht hoffen, dass das mit Son ebenfalls so geht – aber das ist ja auch nicht zu befürchten. Son sagte noch: „Dieser Sieg war für die Mannschaft wichtig. Dass ich das entscheidende Tor gemacht habe, ist ein Traum, denn ich hatte ja lange nicht mehr von Anfang an gespielt.“

Die Erleichterung beim HSV nach diesem Dreier war riesig. Thorsten Fink umarmte beim Schlusspfiff alle Spieler, Betreuer und alle, die er auf dem Weg in die Kabine traf. Ich gebe gerne zu, dass auch mir ein „ganzes Mittelgebirge“ vom Herzen gefallen ist. Dieser Sieg war überlebensnotwendig. Und genau das jedem HSV-Spieler nach dem Schlusspfiff anzumerken. „Wir hatten sehr viel Druck, aber wir haben diese Aufgabe so angenommen, wie das gemacht werden muss. Das war Gänsehautfeeling pur, es fällt jedem von uns eine große Last ab“, sagte Dennis Aogo, der gleichzeitig aber auch warnt: „Wir stecken da unten aber immer noch mittendrin, da darf jetzt keiner von uns locker lassen.“ Das sah auch der Kapitän so. „Wir brauchen gar nicht groß zu feiern, wenn man unten steht, muss man sich Stück für Stück herausarbeiten und durchbeißen“, sagte Heiko Westermann.

In dasselbe Horn stieß auch Thorsten Fink: „Heute war ich zufrieden, aber ich betone immer wieder, heute. Weil ich ja weiß, dass wir immer wieder Formschwankungen haben – auch wenn wir nun aus vier Spielen im Abstiegskampf sieben Punkte geholt haben. Das ist zwar nicht so schlecht, aber man muss immer sehen, dass die Mannschaft auch Ziele hat. Und das Ziel ist, dass wir noch lange nicht da unten weg sind. Wir haben noch drei sehr schwierige Spiele. Und die Konkurrenz schläft nicht, die holt sich auch Punkte.“ Dann erhob Fink kurz die Stimme und forderte: „Wir müssen weiter unsere Spiele gewinnen, wir müssen weiter heiß bleiben, weiter Gas geben. Natürlich kann man sich zwei, drei Tage zurücklehnen, aber dann sollte man schleunigst wieder zeigen, dass man das gleiche Gesicht zeigt, das wir heute gesehen haben.“ Dann sagte Thorsten Fink auch noch: „Einmal verlieren – und die anderen gewinnen, dann sind wir vor dem Mainz-Spiel wieder genau dort, wo wir vor dem Hannover-Spiel waren . . .“
So ist es, ganz genau so ist es.

So, zum Schluss noch drei kleine und kleinere Personalien.

Auf dem Weg aus der Arena heraus traf ich Gerda und Horst Schnoor, den Meistertorwart von 1960. Er sprach zunächst mit Per Ciljan Skjelbred und sagte dem Norweger: „Ich hoffe, dass du demnächst mal eine richtige Chance erhältst, ich drücke dir die Daumen.“ Und zu mir sagte Schnoor: „Ich hoffe doch sehr, dass die Verantwortlichen spätestens jetzt erkannt haben, dass man den David Jarolim unbedingt halten muss. Der ist so wichtig für diese Mannschaft, das wäre jetzt der erste Punkt für mich, den es abzuarbeiten gilt: Vertragsverlängerung mit Jarolim.“
Horst, da bin ich ganz bei Dir.
Aber das ist ja auch keine große Überraschung mehr.

Dann traf ich vor dem Spiel noch einen Alten bekannten. Dietmar „Didi“ Beiersdorfer. Der ehemalige Sportchef stand ganz allein in einer langen Schlange an, die auf die Tribüne wollte. Typisch „Didi“. Andere hätten ihre Popularität genutzt und wären an allen vorbeigegangen, aber nicht so der „Didi“. Der stellt sich hintenan und wartet. Ganz brav. Und das finde ich toll! Kompliment, „Didi“. Mann kommt auch ohne große Welle ans Ziel.

Und dann war da noch Frank Rost im „Doppelpass“ auf „Sport 1“ :

Der ehemalige HSV-Torwart sagte . . .

… über die Lage beim HSV:

„Es gibt Leute, die sich wichtiger nehmen als den Verein. Mit der Demission von Dietmar Beiersdorfer ging es eigentlich immer weiter bergab. Trainer wie Huub Stevens oder Martin Jol, die sind von sich aus gegangen. Das hat sich bis jetzt fortgesetzt und man kommt wieder schrittweise auf den Abgrund zu. Wo steht der HSV in 10 Jahren? Die klare Linie fehlt mir.“

. . . über den Klub: „Man hat Lehrgeld gezahlt. Alle hoffen, dass man die richtigen Lehren daraus zieht. […] Der Nimbus des Dinos steht über allem und ist mehr belastend als befreiend. Grundsätzlich glaube ich, dass man über Jahre keine Galionsfiguren in Hamburg installiert hat, die für Fußball stehen. […] Das hat man versäumt. Man hat eigentlich nur schwache Leute geholt. Schwache Leute holen schwache Leute! Keine starken Leute, die dann auch mal auf einem Niveau hinter verschlossenen Türen diskutieren, wie das beim BVB der Fall ist. Dinge wurden über den Aufsichtsrat in der Öffentlichkeit diskutiert. Das hat dem Verein wehgetan und dafür muss man jetzt die Zeche zahlen. Man braucht Kontinuität. Man muss es erst gegen die Wand gefahren haben, bevor man dann mal umdenkt. Der HSV verfügt nicht über die Jungendabteilung wie in Dortmund. Das wird schwierig. […]

. . . über sein Ziel, im HSV zu arbeiten: „Wenn irgendwann der HSV sagt, dass er gerne mit mir reden will, dann bin ich der Letzte, der da nicht mitredet. Aber so wie die Konstellation jetzt ist, bringt das auch nicht viel. Sie müssen jetzt erst mal ihre Probleme lösen. […]
Alle haben Mitleid. Das finde ich total schräg. Es kann nicht der Anspruch des HSV sein, dass alle Mitleid haben.“

So, das war es. Abgeschlossen mit dem so wichtigen 3:0-Sieg von Borussia Mönchengladbach gegen den 1. FC Köln. Danke, MG!

Und dann noch schnell das Restprogramm der Abstiegskandidaten:

SC Freiburg (13. Platz, 41:56 Tore, 35 Punkte)

31. Spieltag, 1899 Hoffenheim (H)
32. Spieltag, Hannover 96 (A)
33. Spieltag, 1. FC Köln (H)
34. Spieltag, Borussia Dortmund (A)

HSV (14. Platz, 34:55 Tore, 34 Punkte)

32. Spieltag, 1. FC Nürnberg (A)
33. Spieltag, FSV Mainz 05 (H)
34. Spieltag, FC Augsburg (A)

FC Augsburg (15. Platz, 34:48 Tore, 33 Punkte)

32. Spieltag, Schalke 04 (H)
33. Spieltag, Borussia Mönchengladbach (A)
34. Spieltag, Hamburger SV (H)

1. FC Köln (16. Platz, 36:66 Tore, 29 Punkte)

32. Spieltag, VfB Stuttgart (H)
33. Spieltag, SC Freiburg (A)
34. Spieltag, Bayern München (H)

Hertha BSC (17. Platz, 34:57 Tore, 28 Punkte)

32. Spieltag, 1. FC Kaiserslautern (H)
33. Spieltag, Schalke 04 (A)
34. Spieltag, 1899 Hoffenheim (H)

1. FC Kaiserslautern (18. Platz, 19:46 Tore, 20 Punkte)

32. Spieltag, Hertha BSC (A)
33. Spieltag, Borussia Dortmund (H)
34. Spieltag, Hannover 96 (A)

17.43 Uhr

Töre beginnt gegen defensive Freiburger

15. März 2012

In Zeiten, in denen es nicht allzu viel Erfreuliches gibt, bewahrheitet sich der Zusammenhalt. Das ist fast überall so – und ganz sicher im Profifußball. Und das Schöne daran ist: zumindest in diesem Punkt gibt es beim HSV nur Positives zu berichten. Die Fans stehen zur Mannschaft wie lange nicht. Der Umbruch wurde anfänglich noch etwas skeptisch und mit einigen Pfiffen quittiert – allerdings hat sich dieses Blatt spätestens seit der Amtsübernahme von Trainer Thorsten Fink gewendet. „Die Fans sehen, dass sich etwas bewegt, dass diese Mannschaft will“, so Supporters-Chef Ralf Bednarek vor zwei Wochen, „und sie haben ein gutes Gespür für Stimmungen. Ich glaube, dass alle erkannt haben, dass man bei einem solchen Umbruch auch Geduld haben muss. Insbesondere mit den jungen Spielern, die vielleicht noch den einen oder anderen Fehler mehr machen.“

Stimmt. Wobei diese Nachsicht auch für die Spieler gilt, die durch besonderes Engagement auffallen. Beste Beispiele hierfür sind sicherlich Tomas Rincon, David Jarolim und auch Heiko Westermann. Der Kapitän gilt bei den Anhängern als Sinnbild für gute Einstellung. Dass er einige Stolperer in seinem Spiel hat – es wird ihm in der Regel verziehen. Zumal sich der Abwehrchef immer stellt. Den Kameras, uns Journalisten im Generellen und eben seinen Fehlern. Am besten kommt dabei an, dass sich Westermann um das Miteinander mit den Fans kümmert. Dafür besucht er selbst freiwillig Fanklubs – und er delegiert seine Teamkameraden, wirkt auf sie ein und baut Vorbehalte ab. Ebenfalls vorn mit dabei ist hierbei Dennis Aogo, der am Sonnabend gegen Freiburg leider ausfallen wird. Der Linksverteidiger erzählte uns heute von dem letzten Treffen mit den Fans – von gestern. Am Mittwochabend hatten sich Westermann, Aogo und der restliche Mannschaftsrat mit den „Chosen Few“ getroffen und über die Situation gesprochen. „Wir haben noch mal deutlich gemacht, wie wichtig unsere Fans für uns sind“, sagt Aogo, der an Johannes „Jojo“ Liebnau und Co. appellierte: „Wir haben gesagt, dass die Fans mit Geduld ins Stadion kommen sollen. Wir hoffen, dass sie auch nach 15 Minuten bei einem Rückpass zum Torwart geduldig sind – selbst wenn es dann noch 0:0 steht.“

Sollte eigentlich kein Problem sein, oder?

Denn ich finde, genau das seid Ihr, genau das sind die Fans im Stadion: geduldig. Und trotzdem finde ich die Aktion der HSV-Profis extrem gut. Schon letzte Saison führte der offene Dialog, damals unter anderem initiiert von Frank Rost, zu einem besseren Miteinander. Damals hatten Rost, Westermann und Co. die Fan-Klub-Vorsitzenden zum reinigenden Gespräch in die Kabine gerufen, nachdem es im Stadion Pfiffe gegeben hatte. Und die Ausläufer dieser damals schon lobenswerten Aktion wirken sich jetzt aus. Positiv. Sehr positiv sogar.

Letztes gilt auch für die größte Nachricht in der Pressekonferenz heute: Gökhan Töre wird von Beginn an gegen Freiburg spielen. „Er wird beginnen“, so Fink heute über Töre. Der Deutsch-Türke sei zwar noch nicht bei 100 Prozent, allerdings reicht sein Zustand, um seine Konkurrenten auf der Position (Son, Lam sowie den grippe-geschwächten Jacopo Sala) auszustechen. „Er hat Luft genug für 60 Minuten“, so Fink heute, ehe er etwas scherzhaft hinzufügte: „Die Zeit sollte reichen, um 1:0 in Führung zu gehen.“

Sollte sie. Allerdings dürfen wir uns gegen Freiburg auf ein zähes Stück Arbeit vorbereiten. Wer die Breisgauer unter ihrem neuen Trainer Christian Streich zuletzt mal gesehen hat, der weiß, dass die Freiburger den Abstiegskampf angenommen haben und sich gerade in den letzten Spielen (mit Ausnahme des 1:4 gegen Stuttgart) defensiv gefestigter sind als noch in der Hinserie. „Unter Streich spielt der SC Freiburg deutlich defensiver“, weiß Fink um die Stärke des nächsten Gegners, der für den HSV in der Hinrunde so etwas wie der verspätete Startschuss in diese Saison war – immerhin kam direkt im Anschluss an den 2:1-Erfolg unter dem Interimstrainerduo Arnesen/Cardoso der neue und heutige Trainer: Thorsten Fink.

Unterhält man sich mit den Freiburger Kollegen, bekommt man eine ähnliche Aufbruchstimmung aus dem Breisgau vermittelt. Dort ist Streich sozusagen der Fink. Und Streich erntet nur höchstes Lob. Auch vom Ex-SC-Profi Dennis Aogo. Der wird zwar wegen seiner Wadenprobleme – heute Laufband, morgen joggen und bis nächsten Freitag fit sein, das ist der Plan des Nationalspielers – nicht gegen seinen ehemaligen Klub mitwirken könne. Dennoch freut er sich. Auf Streich: „Er war mein A-Jugendtrainer und Internatsleiter in Freiburg damals“, erinnert sich Aogo an seinen sportlichen Ziehvater, „keiner kennt mich so gut wie er. Er war der entscheidende Trainer in meinem Leben. Er hat mir – und ich war damals wirklich der Chaot schlechthin – die Augen geöffnet. Ich schätze ihn sehr!“

Dass Streich den Klub noch rettet, wollte auch Aogo nicht behaupten. Aber er konnte gar nicht aufhören, seinen Ex-Trainer zu loben: „Es war mir immer klar, dass er irgendwann Cheftrainer in Freiburg wird.“ Weil der SC-Coach ein Fußballbesessener sei. Aogo: Er ist voller Leidenschaft. Er steigert sich manchmal so rein, dass er vor lauter Emotionen zu explodieren droht. Und er besitzt ein unglaubliches Fachwissen. Er ist voller Leidenschaft – ähnlich wie Moniz.“ Ricardo Moniz wohlgemerkt. Der Techniktrainer und Interimschef des HSV, den der Verein abgab, obwohl er mit die beste Innovation war, die der Klub in seinem Trainerstab zu bieten hatte. Immerhin wusste der heutige Cheftrainer von Red Bull Salzburg die Spieler für Extraeinheiten zu begeistern – und das gibt es heute kaum noch.

Dabei wäre es nötig. Gerade Aogo ist dafür ein gutes Beispiel. Immerhin hat es der Linksverteidiger bis zum Nationalspieler gebracht – um seither auf einem deutlich ausbaufähigen Level zu stagnieren, wie ich finde. Denn defensiv hat Aogo seit Jahren die gleichen Probleme. Weshalb also nimmt sich nicht einer der sechs (!!) Trainer des HSV dieser Schwachstelle an und trainiert Aogo individuell. Ein HSV-Mitarbeiter hat mir mal gesagt, er verstehe nicht, weshalb aus den Spielern nicht Projekte gemacht werden. Jeder Spieler hat seine individuellen Schwächen, die es zu verbessern gilt. Das kann ganz sicher im Mannschaftstraining verbessert werden – allerdings ist es so nicht annähernd so effektiv wie mit zusätzlichem Individualtraining. Oder wie ist es sonst zu erklären, dass ein Spieler wie Tolgay Arslan, der jede Zusatzeinheit einwirft, die ihm geboten wird, plötzlich so einen Schub macht, während Aogo und andere stagnieren?

Einheitsbrei ist Trumpf. Leider. Alle werden zusammen trainiert, kriegen in Einzelgesprächen was gesagt, und verschwinden dann nach Hause. Ist ein Spieler – und davon gibt es eine ganze Menge – nicht so pfiffig, sich selbst zu helfen, fällt er ab. Dann funktioniert er nicht mehr, wird weniger eingesetzt und irgendwann gegen einen Spieler ersetzt, bei dem sich im schlechtesten Fall nach einiger Zeit das Gleiche einstellt. „Bei Spielern ist es fast immer das Gleiche“, hatte mir Moniz damals erzählt, „sie sind irgendwann zufrieden und glauben, am Ziel angekommen zu sein, nur weil sie es bis in die besten Mannschaften geschafft haben. Wirklich gut werden nur die zwei Prozent mit überdurchschnittlichem Talent und die, die ihre Schwächen erkennen und Hilfe annehmen.“ Wahre Worte, wie ich finde. Zumal Moniz noch nachschob: „Diejenigen, die es bis in den Profibereich schaffen, haben in der Regel alle ausreichend Potenzial, um aus ihnen richtig gute Fußballer zu machen. Und dafür bedarf es nur zwei Voraussetzungen: Erstens, der Spieler muss wollen. Er muss bereit sein, mehr zu arbeiten. Und zweitens: Der Verein muss sich dem Spieler annehmen, seine Stärken und Schwächen genauestens analysieren und ihm einen Plan erarbeiten, mit dem der Spieler seine Schwächen abstellt und zugleich seine Stärken verfeinert.“

Mit Nikola Vidovic hat der HSV schon einen Co-Trainer, der seine fachliche Hilfe den ganzen Tag anbietet. Der Kroate ist für die Spieler immer erreichbar und einsatzbereit. Aber zur Fitness hinzu gesellen muss sich eben auch fußballerische Qualität. Und um die zu steigern, sollte es bei sechs Trainern im Trainerstab und zumeist nur einer 90-Minuten-Einheit am Tag auch beim HSV ausreichend Möglichkeiten geben. Ganz sicher sogar…

Apropos neue Spieler, da müssen wir uns leider von einem Namen verabschieden: Chelsea Sturmtalent Romelu Lukaku. Wir konnten heute mit dem Sportchef sprechen, der erneut das HSV-Interesse an dem 18-Jährigen bestätigte, uns aber auch gleichzeitig zu verstehen gab, dass er diesen Transfer abgeschrieben habe. Hintergrund: In einem Gespräch mit Chelsea-Macher Roman Abramowitsch soll der Milliardär Arnesen mit den eigenen Waffen erlegt haben – indem er ihn an sein eigenes Motto erinnert habe. Das besagt, dass Spieler, die zu Chelsea kommen und sich nicht gleich durchsetzen können, innerhalb der Premier League verliehen werden sollten, um sich so an die Liga zu gewöhnen. Und bei Lukaku stehen die englischen Klubs Schlange. Aktuell soll der FC Everton (Glückwunsch, Babak!!) die besten Karten haben.

Noch nicht verabschieden, auch wenn verschieden Medien das so berichten, will sich Arnesen von Granit Xhaka. Der Baseler steht weiter auf dem Wunschzettel des HSV, nimmt dort den A-Rang auf der Position des kreativen Mittelfeldspielers ein. Allerdings sei auch klar, dass der HSV für den Fall einer Absage gewappnet sei. Denn für alle neu zu besetzenden Positionen hat Arnesen einen A-, einen B- und einen C-Plan. In diesem Fall seien die Gespräche mit der Alternativlösung B schon sehr weit fortgeschritten. Es bewegt sich etwas. Und das ist gut.

In diesem Sinne, bis morgen! Da wird leider wieder unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert.

Scholle

Feuer mit Feuer bekämpfen

4. November 2011

Mehr geht nicht. Das sagt zumindest Heiko Westermann und meint damit das bevorstehende Spiel bei Bayer Leverkusen morgen Abend in der BayArena (18.30 Uhr). „Unter Flutlicht um 18.30 Uhr das Topspiel spielen – das ist doch das Beste, was man haben kann“, so der Mannschaftskapitän, der eine offensiv ausgerichtete Werkself erwarten dürfte. Zumindest, wenn man der vorläufigen Aufstellung im „kicker“ Glauben schenken darf. Da stehen mit Kießling und Derdiyok zwei Angreifer auf dem Platz, die von den offensiven Sam und Schürrle auf den Außenbahnen ebenso wie von dem wieder erstarkten Ballack aus dem Mittelfeldzentrum heraus unterstütz werden (voraussichtliche Bayer-Startelf: Leno – Castro, M. Friedrich, Toprak, Kadlec – Sam, L. Bender, Ballack, Schürrle – Kießling, Derdiyok). „Dann liegen unsere Chancen auch in unserer Offensive“, so Westermann völlig unbeeindruckt.

Und auch wenn meine meist sehr gut informierten Bild-Kollegen von Bayer davon ausgehen, dass statt Derdiyok mit Rolfes ein zweiter Sechser aufgestellt wird, kümmert es beim HSV niemanden. Im Gegenteil: Feuer wird beim HSV inzwischen mit Feuer bekämpft. Endlich. Die Mannschaft versteckt sich nicht mehr hinter starken Gegnern wie noch zu Beginn der Saison. Der Glaube an die eigene Stärke ist zurück. Ein Indiz: für den gesperrten Defensivmann Rajkovic rückte Stürmer Jacopo Sala in den Kader.

Und der neue Mut wird auch noch mit besser werdenden Spielen untermauert. Es wird wieder laut gesprochen. Und das nicht nur im übertragenen Sinne sondern auch auf dem Platz. „Die Kommunikation muss sich noch verbessern“, hatte Fink seit seinem Amtsantritt unermüdlich gefordert. Und zumindest im Training schienen alle Spieler bemüht, mehr miteinander zu reden – was teilweise schon komödiantisches Kauderwelsch erzeugte. Dennoch, zumindest der versuch ist da. „Es wird auch besser“, sagt Westermann, der selbst einer der Wortführer auf dem Platz ist. „Ich versuche immer von hinten heraus lautstark zu organisieren“, sagt Westermann, „daran ändert sich auch nichts.“

Wobei er diesmal einen neuen Partner in der Innenverteidigung hat. Michael Mancienne rückt für den gesperrten Slobodan Rajkovic und den verletzten Jeffrey Bruma in die Innenverteidigung. „Ich werde ihn unterstützen, wo ich nur kann“, sagt Westermann, betont aber zugleich: „Michael und ich trainieren oft zusammen, er haut sich immer voll rein, ist zu 100 Prozent motiviert. Er ist charakterlich top und wird sich reinhauen ohne Ende. Er kennt die Abläufe, und er weiß, was der Trainer will. Ich bin mir sicher, dass wir ein gutes Spiel machen werden.“ Zudem, das betonte Westermann heute noch mal – ganz im Stile des neuen Trainer: „Wir haben einen großen Kader mit vielen guten Spielern. Wie wichtig das ist, zeigt sich jetzt. Verletzungssituationen sind immer auch die Chance für die Spieler, die dann reinkommen.“ Westermann will sich auch gar nicht in Ausreden versuchen: „Im Gegenteil: wir brauchen keine Ausreden. Das wäre Schwachsinn.“

So sieht es Mancienne naturgemäß auch. „Ich will, dass die Abwehr mit mir Stabilität bekommt. Ich muss mich jetzt beweisen und hoffe, dass ich die neue Chance ergreife.“ Im Trainingsspiel heute wirkte noch nicht alles so flüssig, wie es sein soll. Mancienne antizipierte wie immer gut, vertändelte allerdings als letzter Mann einen Ball – und hatte Glück, dass Trainer Thorsten Fink just in dem Moment abpfiff, als der gegnerische Angreifer (ich glaube, es war Berg) allein aufs Tor von dem auch heute in dem kurzen Abschlussspiel überragenden Jaroslav Drobny. Der Tscheche parierte bei den Torschussübungen wie zuletzt gewohnt stark und hatte im Abschlussspiel eine Riesenszene gegen Romeo Castelen, der aus zehn Metern einen gut platzierten und hart geschossenen Ball nicht an den Fingerspitzen Drobnys vorbeibekam. Sehr zur Freude des lautstark applaudierenden Rests auf dem Platz. „Am wichtigsten war für ihn selbst, zu erkennen, dass er gute Leistung zeigt. Dadurch hat er wieder richtig Selbstvertrauen und ist eine große Stütze“, so Westermann, der ebenso wie Marcell Jansen und im Gegenteil zu Dennis Aogo nicht für die Länderspiele gegen die Ukraine und die Niederlande nominiert wurde.

Auf eine Nominierung für die Startelf hatte auch Marcus Berg gehofft. Allerdings wirkte der Schwede nach seiner leichten Grippe noch immer nicht zu 100 Prozent auskuriert, spielte heute dick eingepackt und mit Mütze im Training. Und musste so mit ansehen, wie Heung Min Son neben Paolo Guerrero – zu dem Peruaner erzähle ich Euch am Ende noch etwas – in der vermeintlichen Startelf aufgestellt wurde und auch noch traf – Son wirkte frisch.

Das konnte man gegen Kaiserslautern eher bedingt über Gojko Kacar sagen. Der Serbe wirkte schwerfällig, durfte heute aber wieder in der vermeintlichen A-Elf trainieren. Und obwohl er i Spiel zum Ende hin mit David Jarolim das Leibchen tauschte, glaube ich, dass er erneut zusammen mit Rincon das Mittelfeldzentrum bilden wird. Zumal mit Bruma und Rajkovic schon zwei kopfballstarke Spieler wegbrechen. Noch einen verkraftet der HSV eher nicht.

Einen herben Schlag – und damit komme ich auf Guerrero – musste ich heute hinnehmen. Vor knapp zwei Jahren hatte ich mich zu einem Interview mit Paolo getroffen. Wir saßen unten im Kabinentrakt und kamen von einem zum nächsten Punkt. Auch auf ihn persönlich. Vorweg: es war ein sensationell nettes Gespräch, in dem mir Paolo letztlich auch sehr viel über sich erzählte. Unter anderem auch, dass er depressiv sei. Wir unterhielten uns über seine Familiensituation, über seine Vertragssituation und viele andere Dinge – und sprachen genau ab, was ich davon für die Geschichte nehmen würde und was nicht. Ich fragte zweimal nach, ob ich seine Depression erwähnen dürfte, schließlich wollte ich damit vorsichtig umgehen. Ich weiß noch genau, was er sagte: „Es ist kein Problem, wenn du das schreibst. Es ist ja wahr.“ Womit er grundsätzlich Recht hat. Und wenn es für ihn okay ist, ist es so. Er allein entscheidet.

Dachte ich zumindest.

Denn nachdem ich die Geschichte aufgeschrieben hatte, noch mal Paolo angerufen und über alle Inhalte informiert hatte (ich wollte auf Nummer sicher gehen und lieber einmal mehr als einmal zu wenig fragen), rief mich ein damaliges Vorstandsmitglied an. Zunächst bat man mich darum, dass ich den Umstand mit der Depression unerwähnt lasse. Als ich sagte, es sei mit Paolo alles doppelt und dreifach abgesprochen, wurde die Bitte dringlicher. Paolo selbst hätte darum gebeten, dass der Vorstand mich doch überredet. Zudem solle ich mir überlegen, was ich mit einer solchen Geschichte anstellen würde. Ich sagte, dass ich mich auf Paolos Meinung verlassen würde und rief Paolo noch mal an. Allerdings konnte ich ihn jetzt nicht mehr erreichen.

Kurzum: am Ende erschien die Geschichte nicht in seiner ursprünglichen Form. Der Depressions-Part war raus, was der Geschichte seinen ursprünglichen Mittelpunkt nahm. Trotzdem konnte ich ruhig schlafen. Ich wollte nicht derjenige sein, der Paolo – zumal nach einem so netten und ehrlichen Vier-Augen-Gespräch – Probleme bereitet. Aber als ich Paolo einige Tage später darauf ansprach, sagte er, dass er die Geschichte so gut fand. Und, dass auch er am besagten Abend vom Vorstand angerufen worden war. Man hatte ihn überredet, dass es besser sei, den Fakt Depression unerwähnt zu lassen. Er selbst habe zwar nicht genau gewusst, warum. Aber er habe keinen Ärger mit dem Vorstand gewollt.

So viel dazu. Möge jeder die Geschichte interpretieren wie er will. Ich jedenfalls weiß – oder besser: ich glaube es seit dem Gespräch zu wissen –, dass Paolo bei aller Naivität in der einen oder anderen Geschichte ein wirklich lieber, netter Mensch ist, der auch Tiefgang haben kann. Er hat nie viel gesprochen, nie viel über sein Privatleben erzählt – aber seit heute wissen alle, warum das so ist/war. Und ich freue mich für ihn, dass es raus ist. Denn, dass er den Wunsch hatte, darüber zu sprechen, wusste ich spätestens seit meinem Interview…

Vielleicht erklärt das Ganze auch, weshalb ich mich immer dafür ausgesprochen habe, Paolo zu halten und zu stützen. Zumal immer unstreitig war, dass der Angreifer ein absoluter Top-Spieler ist. Wie zuletzt gegen Kaiserslautern – und hoffentlich am Sonnabend bei Bayer Leverkusen bewiesen.

Ihr seht: Drobny, Westermann, Guerrero – einstige Problemfälle, die zu absoluten Leistungsträgern gewachsen sind. Der HSV präsentiert sich nach außen stark – „und das werden wir auch auf den Platz übertragen. Wenn wir weiter so arbeiten wie in den letzten Wochen, kommen die Ergebnisse von allein. Warum nicht schon in Leverkusen?“, fragt Westermann – und ich vermag ihm keinen Grund zu nennen. Im Gegenteil.

In diesem Sinne, bis morgen! Da melde ich mich nach dem Spiel bei Bayer, in das wir alle berechtigt große Hoffnungen legen dürfen.

Scholle (18.05 Uhr)

Kurz notiert:

Grüße: Frank Rost ist mit seinen Red Bulls New York gegen LA Galayy im Viertelfinale der Playoffs der Major League gescheitert. Rost, dessen Vertrag noch bis Dezember läuft und der noch an einer Freundschaftsspieltour durch Indien und Mexiko mit den Red Bulls teilnehmen wird, wollte es sich dennoch nicht nehmen lassen, einen Gruß an den Blog, aber vor allem an Uwe Seeler auszurichten: „Ich wünsche Uwe alles, alles Gute zum 75. Geburtstag. Es war und wird für mich immer wieder ein freudiges Erlebnis sein, ihn zu treffen. Ich wünsche ihm nicht nur ein tolles Fest mit seiner Familie und seinen Freunden, sondern vor allem, dass er gesund und der positive Mensch bleibt, der er immer war. Herzlichen Glückwunsch aus New York, Uwe!“

Nicht Stevens, van Gaal oder van Basten – Cardoso soll es weiterhin richten

26. September 2011

So, jetzt also weiter mit Rodolfo. Vorerst. Und wenigstens noch gegen Schalke. Aber vielleicht auch länger? Frank Arnesen wollte sich heute nicht so recht festlegen, wich immer wieder aus. „Wir werden erst mal den Sonntag gegen Schalke abwarten und dann weitersehene.“ Klar sei jedoch, dass der Verein schon im Vorfeld der Partie einen Brief an den DFB und die DFL schicken würde, wie sich der Klub verhalten kann und darf. „Rodolfo fehlt der Fußballlehrerschein – und ich war immer ein Freund von geraden Wegen. Wir werden uns bei der DFB und dem DFB, die ich beide sehr ernst nehme, erst erkundigen, bevor wir weiter planen.“

Der HSV spielt auf Zeit. Er hat sie auch, Cardoso sei dank. „Wir wollen alle so schnell wie möglich eine Entscheidung – aber wir müssen nichts.“ Nichts erzwingen, meint Arnesen und kann und will noch nicht einmal mehr ausschließen, dass der HSV auch nach dem Schalke-Spiel weiter mit Rodolfo Cardoso arbeitet. Danach ist Länderspielpause – wobei auch die eine oder andere Entscheidung fallen könnte, wer sich für die EM qualifiziert und wer nicht. Wie bei Dänemark mit Arnesens Freund Morten Olsen…. Arnesen: „Wir haben jetzt am Sonntag das Spiel und danach 14 Tage bis zum nächsten Spiel. Und Rodolfo hat das 100-prozentige Vertrauen und volle Rückendeckung. Danach sehen wir weiter.“

Ein Vorgehen, das ausgerechnet der seit Sonntagabend Nicht-Mehr-Kandidat Huub Stevens lobt: „Wenn der HSV jetzt mit Rodolfo arbeiten will, viel Glück! Rodolfo ist ein echter Kerl, mit dem ich sehr gern zusammengearbeitet hätte. Und die zweite Halbzeit gegen Stuttgart war auch wirklich gut, das muss jeder gesehen haben.“ Dennoch glaubt der Niederländer, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist: „Sich jetzt ganz für ihn zu entscheiden, wäre ein schmaler Grat. Da kommt noch was.“

Für ihn allerdings nicht mehr. Obgleich Stevens noch immer nicht klar ist, warum ihm der HSV abgesagt hat. „Ich bin nicht nur überrascht von der Absage, ich bin enttäuscht über die Art. Ich hatte mit Frank ein sehr gutes Gespräch, in dem wir mit komplett offenen Karten gespielt haben. Der Verein hat mir ganz offen erklärt, dass er außer mit mir noch mit andern Kandidaten spricht. Und ich habe – das bin ich dem HSV schuldig – ganz ehrlich gesagt, dass ich eine lockere Anfrage von Schalke 04 habe. Wenn man mir das zum Vorwurf macht – na dann gute Nacht. Dann hätte ich wahrscheinlich einfach nur nicht ehrlich sein dürfen. Ich hätte wahrscheinlich lügen müssen, um HSV-Trainer zu werden.“

Nein, ich persönlich glaube auch, der HSV wollte gar nicht wirklich. Trotz der Mühen, Stevens in Eindhoven zu besuchen und stundenlang zu sprechen. Und ich glaube, auch Stevens wird das langsam klar. „Der HSV wusste, dass ich frei bin. Hätte sich der Klub etwas früher gemeldet, wäre ich sofort gekommen. Als dann Schalke kam, war zumindest klar, dass ich mir alles erst mal anhören muss, bevor ich meine Entscheidung treffe. Denn, und das hatte Frank verstanden, beide Klubs sind in meinem Herzen. Das ist nur fair.“ Selbst ein Entgegenkommen Stevens’ half nichts. „Ich habe Frank auch gesagt, dass ich es völlig korrekt finde, wenn sich der Klub bei der Suche Zeit lassen will. Ich habe nie gedrängt, weil alle Seiten überzeugt sein müssen, um anschließend zusammen zu funktionieren.“

Dennoch hegt Stevens keine Gräuel. Im Gegenteil, so hart er zu seinen Spielern ist, so hart ist er auch im Nehmen. „Huub war einer der härtesten Verteidiger überhaupt“, macht sich auch Arnesen keine Sorgen um nachhaltige zwischenmenschliche Irritationen, „und er ist ein erfolgreicher Trainer.“ Allerdings nicht mehr beim HSV, so viel ist klar. „Das ist sehr schade. Aber so ist das Geschäft. Und so enttäuscht ich auch bin, ich nehme es Frank auch nicht persönlich übel. Ich weiß nur einfach nicht, was in Hamburg dazwischengekommen sein kann. Die Gespräche mit Frank davor waren für eine solche Absage einfach zu gut.“

Und sie werden fortgeführt. Gut zehn Kandidaten habe er bislang gesprochen, so Arnesen, der eine Verpflichtung von van Gaal ausschloss. „Seine Situation ist eindeutig: van Gaal will ein Jahr lang gar nichts machen.“ Selbst Marco van Basten scheint aus dem Rennen: „Ich habe bislang noch nicht die perfekte Lösung gefunden“, so Arnesen. Komplett ausschließen, dass es einer der bereits genannten Kandidaten wird, wollte Arnesen dann aber auch nicht. Es seien auch Gespräche dabei gewesen, die nicht zum Ende geführt werden konnten, wo teilweise terminliche Probleme herrschten.

Arnesen wirkte aufgeräumt, entspannt nach dem ersteh Saisonsieg, den er nicht überinterpretiert sehen will. „Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, unsere Situation ist noch zu ernst. Wir wissen, dass das ein sehr wichtiges Erfolgserlebnis war. Aber der Weg ist noch weit.“ Und dafür braucht Arnesen einen treuen Wegbegleiter, der ihm treu zur Seite steht. Zumal er selbst ab sofort dauerhaft bei den Spielen auf der Bank sitzen will. „Der HSV hatte sehr viele Trainer in den letzten acht Jahren. Und das wollen wir so nicht weitermachen.“ Und dafür hat Arnesen das Anforderungsprofil justiert: „Es muss einer sein, der auch unbedingt will“, leistet er sich einen kleinen Hieb in Richtung Stevens, „und es muss einer sein, der unsere junge, offensive Spielweise vertritt. Wir haben Spieler, die nach vorn spielen können. Und ich habe am Freitag sogar eine Mannschaft gesehen, die das kann und gleichzeitig gut steht.“

Dazu zählte Arnesen auch Drobny, der beim Gegentor nicht ganz glücklich aussah. „Drobny ist kein Diskussionsthema“, unterstützt der Sportchef die Nummer eins des HSV, „ich habe im September auch gesagt, dass die se Mannschaft stark genug ist, dass wir in dieser Zusammenstellung bis Januar auf jeden Fall weiterspielen.“ Soll heißen, kein Frank Rost. Zumal: Der Ex-Keeper hatte dem „kicker“ ein Interview gegeben und seine Rückkehr als Aktiver ausgeschlossen. Einzig in anderer Funktion, beispielsweise als Sportchef, könne er sich ein Comeback beim HSV vorstellen.

Ihr seht also, es ist wieder viel los beim HSV, ohne dass wirklich viel passiert. Mit einer Nachricht, die ich gut verkraften kann: Cardoso bleibt vorerst Trainer. Gut möglich sogar, dass der Argentinier mit dem guten Bauchgefühl anschließend als Cotrainer des neuen Chefcoaches bleibt. „Wir haben allen Kandidaten gesagt, dass wir keine großen Trainerteams einstellen können.“ Aus finanziellen Gründen. Dennoch sei der HSV in der Lage, dem Neuen die Sache auch finanziell schmackhaft machen zu können. Mit der Zugabe Cardoso als Co., wie Arnesen befürworten würde: „Ich bin sehr zufrieden mit den ersten fünf Tagen von Rodolfo. Er spricht sehr logisch über Fußball, ist in Stuttgart immer ruhig und er selbst geblieben, was ich besonders wichtig finde. Rodolfo redet nicht viel, aber was er sagt, ist logisch und gut.“

Und auf so einen kann man setzen. Zumindest hat so einer eine echte Chance verdient. Dass parallel Gespräche mit potenziellen Kandidaten weiterlaufen, ist klar. In diesem Sinne, vielleicht findet Arnesen ja die perfekte Lösung.

Euch noch einen schönen Restmontag. Bis morgen! Dann wieder mit Dieter.

Scholle (18.58 Uhr)

Kurz notiert:

Training: Am Dienstag wird zweimal trainiert, um zehn und um 15 Uhr.

Gute Tat: Der HSV ist Gastgeber des Spiels gegen
die Armut 2011.
Bei der neunten Ausgabe des Spiels treten Ronaldo,
Zidane und Freunde am 13. Dezember 2011 in der Imtech Arena in
Hamburg gegen den Hamburger Sport-Verein an. Das gaben die Fußballstars Ronaldo und Zinédine Zidane heute bekannt. Zwei Drittel der Einnahmen wird der Bekämpfung der anhaltenden
Hungerkatastrophe am Horn von Afrika zufließen. Als Goodwill-Botschafter des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) werden Ronaldo und Zidane gemeinsam mit anderen berühmten Fußballspielern ein Freundschaftsspiel gegen eine
starbesetzte Mannschaft des HSV bestreiten.

Hat der HSV ein Torwart-Problem?

5. September 2011

In der Ruhe liegt die Kraft. Und da der HSV heute, an diesem noch schönen Montag, einen Frei-Tag genießen konnte, war wohl auch Kraft tanken angesagt. Muss ja nichts Schlechtes im Hinblick auf das Werder-Spiel bedeuten . . . Für alle, die sich über diesen freien Tag aufregen sei gesagt, es ist der einzige freie Tag in dieser Woche. Und einen Tag mit der Familie sei den Jungs ja wohl zu gönnen. Obwohl ich, das gebe ich zu, auch eher einer bin, der bei einer besonderen Situation auch besondere Maßnahmen ergreifen würde. Okay, ich habe nur einmal die B-Lizenz des Deutschen Fußball-Bundes erworben (gemacht, nicht gekauft), aber wenn ich jetzt Trainer des HSV wäre, dann würde ich alle Register ziehen, damit der Klub aus der Misere kommt. Ich habe es kürzlich schon in einem Interview mit HH1 gesagt, ich würde es so machen: „Trainieren, trainieren, trainieren, trainieren.“ Felix Magath würde es wohl auch so machen, aber da ist eben jeder Trainer anders. Und bevor es hier wieder heißt, dass ich auf Michael Oenning losgehe: Der jetzige HSV-Coach lässt nicht mehr und nicht weniger trainieren, als alle seine Vorgänger in diesem Jahrtausend. Und auch als fast alle im alte Jahrtausend.

Themawechsel. Noch immer beschäftigt die angespannte Lage des Tabellenletzten die HSV-Fans. Ich bekomme täglich viele Anrufe und Mails, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Eine Mail möchte ich – auszugsweise – einmal veröffentlichen. Sie dreht sich um ein ganz spezielles Thema:

„Nach den letzten Ergebnissen werden meine Sorgen immer größer. Zumal
der HSV offenbar nun ein massives Torwartproblem hat.
Ich bin ja sehr von dem australischen Torwart angetan, der bei Dortmund auf
der Bank sitzt. Der hat letzte Saison seine Sache beim Spiel gegen die
Bayern in München sehr gut gemacht. Mitchell Langerak. Wer von der Bank
kommt und in der Allianz Arena gegen die Bayern so die Nerven behält, der
kann auch was.“

Nun ist es ja so, dass die Transferliste geschlossen ist. Es ist also müßig, über Langerak nachzudenken. Was mich bei diesem Thema aber bewegt: Ich kann es immer noch nicht fassen, warum sich der HSV von Wolfgang Hesl getrennt hat. Aber das ist wohl ein ganz anderes Thema.

Die Frage aber, ob der HSV nun ein Torwart-Problem hat oder auch nicht, die stellen sich in diesen Tagen viele Fans. Und nicht nur sie. Ich habe deshalb mit drei „Altmeistern“ gesprochen: Horst Schnoor (77), Jupp Koitka (59) und Rudi Kargus (59). Sie alle verfolgen den HSV, ihren HSV noch immer ganz genau, und sie achten dabei naturgemäß auch immer (ganz besonders) auf ihre Nach-Nachfolger.

Und? Hat der HSV nun ein Torwart-Problem, Horst Schnoor? Der Mann, der über 15 Jahre (!) die Nummer eins des HSV war, der 1960 mithalf, den Meistertitel nach Hamburg zu holen (und den Pokalsieg 1963), sagt: „Wenn man das betrachtet, was bisher passiert ist, dann muss man feststellen, dass das nicht allzu gut aussieht. Ob sich das aber zu einem Problem entwickeln wird, das weiß ich noch nicht, das will ich erst noch abwarten.“ Schnoor, ein großer Befürworter von Frank Rost, sagt aber auch: „Ich will gar nichts gegen Torhüter sagen, denn die haben es besonders schwer. Beim HSV zum Beispiel kann es doch nicht angehen, dass man gegen den 1. FC Köln vier Gegentreffer in einem Heimspiel kassiert. Das liegt auch an der Abwehr, das liegt gewiss nicht nur an Jaroslav Drobny.“

Von HSV-Torhüter Nummer zwei, Tom Mickel, war Horst Schnoor in der Vorbereitungsphase begeistert: „Da hat er mir gefallen, gar keine Frage. Da habe ich auch gedacht, dass das ein junger Mann ist, den man bedenkenlos zwischen die Pfosten stellen kann. Wenn ich aber nun lese, dass er beide Gegentore in Luzern verursacht hat, dann werde ich vorsichtig.“

Wobei Schnoor von der heutigen Torwart-Generation beeindruckt ist, tief beeindruckt sogar: „Der Neuer ist inzwischen ja schon ein alter Hase, aber es kommen ja schon viele gute Leute nach. Hannovers Zieler zum Beispiel, ter Stegen aus Mönchengladbach, Stuttgarts Ulreich, Kaiserslauterns Trapp, der Leno aus Leverkusen – super Leute. Die spielen mit, die stehen weit vor ihrem Tor, sind fußballerisch stark, gehen mutig raus bei Flanken – Hut ab.“

Ähnlich sieht das Rudi Kargus, der von 1971 bis 1980 HSV-Keeper war: „Die jungen Leute von heute sind schon stark, die interpretieren das Torwartspiel völlig neu, sind damit aufgewachsen, das ist schon gut anzusehen. Nur das hilft dem HSV nicht großartig weiter, wenn man die jungen Leute der anderen Klubs hervorhebt.“ Und? Hat der HSV ein Torwart-Problem? Kargus windet sich, möchte nichts Schlechtes sagen. Dann aber entfährt es ihm: „Ich sage das aus weiter Entfernung, denn ich sehe ja auch kein Training. Das aber, was da bislang in den Spielen gelaufen ist, hat nicht gerade gut ausgesehen.“ Der frühere Nationaltorwart weiter: „Da kann man nur – auch für den HSV – hoffen, dass sich Jaroslav Drobny schnell findet und die Kurve kriegt. Es liegt wohl auch daran, dass er ein Jahr nicht gespielt hat. Wenn er nun immer eingesetzt wird, dann wird er sich wohl fangen. Ich hoffe es jedenfalls für ihn, denn ich habe ihn kürzlich kennen gelernt, er ist ein sehr netter Kerl.“

Dass Drobny „schon“ 31 Jahre alt ist, das spielt für Rudi Kargus keine Rolle: „31 ist ja kein Alter für einen Torwart, da hat man genügend Erfahrungen gesammelt, dafür gibt es doch auch in der Bundesliga genügend gute Beispiele.“

Macht sich Rudi Kargus generell Sorgen um den HSV? „Ja, das kann man schon sagen. Dieser Start gibt Anlass zur Sorge, keine Frage. Die Situation ist sehr schwierig, für mich entscheiden die nächsten Wochen darüber, wohin es mit dem HSV gehen wird. Es müssen jetzt Punkte her, dafür muss alles getan werden.“ Um den erstmaligen Abstieg zu vermeiden.

Es wäre der Super-GAU. Obwohl es den, ich weiß, gar nicht gibt. Aber mit diesem GAU beschäftigt sich auch Jupp Koitka, der zweimal (1980 – 82 und 1987 bis 90) HSV-Torwart war. Macht er sich Sorgen um seinen HSV? „Ich habe neulich, als meine Frau und ich den HSV im Fernsehen verlieren sahen, zu ihr gesagt: Diesmal schaffen sie es, diesmal gehen sie runter . . .“ Obwohl er es sich wünschen würde, dass er Unrecht hat.

Und? Hat der HSV ein Torwart-Problem? Jupp Koitka diplomatisch: „Dazu sage ich nichts.“ Dann beurteilt er Jaroslav Drobny doch: „Er war in Bochum und bei Hertha BSC ja ein erstklassiger Mann zwischen den Pfosten, er kann es doch nicht verlernt haben . . .“ Es liegt wohl auch an der einjährigen (Zwangs-)Pause, die Drobny hinter Frank Rost verbringen musste. Koitka: „Ohne Spielpraxis verliert ein jeder seine hundertprozentige Stärke. Wer das nicht wahrhaben will, wer das nicht sehen will, der hat keine Ahnung vom Torwartspiel.“ Für Koitka steht fest, dass Drobny auch deswegen in der Kritik steht, weil der HSV eine völlig neue Mannschaft aufbauen muss: „Da ist ja nicht nur die Abwehr neu, sondern gleich alles. Das muss sich erst noch finden. Dann wird auch Drobny wieder besser. Obwohl ich sagen muss: Es passt beim HSV im Moment vieles nicht, das gesamte Drumherum stimmt einfach nicht.“

Auf jeden Fall aber rät Koitka Trainer Michael Oenning, jetzt weiter an Jaroslav Drobny festzuhalten: „Der Coach hat sich für ihn als Nummer eins entschieden, da kann er sich nicht nach vier Spieltagen schon wieder anders entscheiden, dann muss er das auch durchziehen. Alles andere wäre falsch. Es sei denn, Drobny leistet sich nun in den nächsten Spielen Klops auf Klops.“

Das aber will niemand hoffen.

Übrigens: Jupp Koitka war lange Jahre DFB-Trainer für alle Nachwuchstorhüter. Er kennt sie alle, die Schlussleute in Liga eins und zwei, denn alle sind durch seine Hände gegangen. Und er ist HSVer. Zwar nicht in Hamburg lebend, aber immer noch mit der Raute im Herzen. Wenn nun alles schieflaufen sollte, dann dürfte sich der HSV ruhig einmal an Koitka halten, er könnte nicht nur entsprechende Tipps geben, er hätte sicherlich auch die eine oder andere Telefonnummer . . . Wie gesagt, wenn es nicht nach Wunsch laufen sollte. Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute ist so nah? Mit Horst Hrubesch verhält es sich ja ähnlich. Auch er HSVer durch und durch, auch er kennt jeden jungen Knaben, der in diesen Monaten und Jahren von unten nach oben will. Und die Telefonnummern von diesen beiden HSV-Urgesteinen hat zwar nicht jeder im HSV, aber einer ganz sicher: Bernd Wehmeyer. Wäre mal ein Versuch wert.

Übrigens: Nicht nur mit Horst Schnoor, Jupp Koitka und Rudi Kargus sprach ich heute, sondern auch mit Radio-Supermann und –Legende Manfred „Manni“ Breuckmann. Nicht nur über die Bundesliga allgemein, sondern auch speziell über den HSV. Der gute „Manni“ sagte zum Abschluss: „Macht in Hamburg keinen Mist, entlasst den Michael Oenning bloß jetzt nicht. Gebt ihm Zeit, denn die gesamte Mannschaft ist im Umbruch, da hätte es jeder Trainer schwer. Und wer sollte es dann, wenn Oenning gehen müsste, richten? Funkel? Stevens? Ich kann nur jedem in Hamburg raten: haltet durch.“ Und er hat auch gleich ein Beispiel aus seiner näheren Umgebung parat: „Vor einem Jahr hatte Fortuna Düsseldorf sechs Spiele in Folge verloren. Sechs Spiele. Trotz allem hielt der Klub an Trainer Norbert Meier fest. Und nun? Wo steht die Fortuna heute? Genau. Die schicken sich an, in die Erste Bundesliga aufzusteigen. Mit Meier. Als ist meine Empfehlung: Haltet länger an euren Trainern fest, denn wer weiß, wie es mit einem neuen Mann laufen wird?“

Richtig, „Manni“. Der HSV hat ja auch versprochen, Geduld zu bewahren.

So, ich bin am Ende. Am Dienstag wird im Volkspark zweimal (10 und 15 Uhr) geübt – alles für Bremen. In diesem Sinne, ich wünsche allen einen wunderschönen Feierabend. Mit viiiiiiiiiiiiiel Geduld.

18.06 Uhr

Diesmal scheint es ernster zu sein . . .

1. September 2011

Endlich herrscht Ruhe. Endlich sind die Fronten geklärt, wer bleibt, wer geht, mit wem kann geplant werden. Die Transferzeit ist mir entschieden zu lang, aber das ist nur mein persönliches und total unwichtiges Empfinden. Für den HSV finde ich es gut, dass es jetzt die Länderspielpause gibt, denn die Herren im Volkspark können sich nun erholen, neu sammeln und vermehrt daran arbeiten, dass es wieder bergauf geht. Das ist die erste HSV-Pflicht. Nicht auszudenken, wenn die nächsten beiden Bundesliga-Spiele, das in Bremen und das gegen Mönchengladbach, nicht erfolgreich bestanden werden. Aber gut, ich will nicht groß unken, ich werde, wir Ihr auch, abwarten (müssen). Heute am Vormittag wurde beim Training Fußballtennis gespielt – und die Stimmung war ganz sicher nicht so, wie man es für einen Tabellenletzten annehmen würde. Das macht mir zum Beispiel Hoffnung, muss aber nicht von allen übernommen werden.

Ja, ich hatte nun drei Wochen und drei Tage Urlaub. Abschalten vom Thema HSV konnte ich nie. Durch „Matz ab“ schon nicht, durch Freunde, Bekannte und durch die Medien ebenfalls. Mir wird angst und bange hatte ich einst geschrieben, bevor ich weg war, für diesen Artikel habe ich viel um und auf die Ohren bekommen – vielleicht hat der eine oder andere User mal daran gedacht? Ich habe es immerhin vorher geschrieben.

Aber egal, dieses Thema möchte ich auch nicht wieder aufwärmen. Zum Schluss dieses Beitrags möchte ich nur einen Artikel veröffentlichen, den mir ein (bekannter) Kollege privat geschrieben hat – aus Sorge um seinen HSV. Ich habe den Verfasser dieser Zeilen gefragt (und gebeten), dass ich seine Zeilen veröffentlichen darf – und ich durfte. Eventuell spricht dieser Freund und „Matz abber“ ja dem einen oder anderen von Euch aus der Seele.

Wie gesagt, dem Thema HSV konnte ich auch während des Urlaubs nicht ausweichen, zumal der Urlaub hier verbracht wurde (also nicht im Ausland). Ich war während der drei Wochen in Hamburg, ich habe mich mit etlichen HSV-Persönlichkeiten getroffen und unterhalten, ich war auch auf der (großartigen) Fußball-Gala des Hamburger Fußball-Verbandes im Hotel Elysee. Auch dort traf ich viele große HSVer, die allesamt in großer Sorge um ihren Klub sind. Fast hätte ich geschrieben, dass NATÜRLICH niemand seinen Namen erwähnt haben möchte, wenn mit den drei großen Buchstaben das Thema Abstieg verbunden wurde, aber es gab mir schon zu denken, was der eine oder andere HSVer zur Situation zu sagen hatte . . .

Es gab schon oft sehr prekäre Situationen, mit denen sich der „Dino“ konfrontiert sah. Das war immer wieder zu hören. Doch diesmal scheint es noch ernster zu sein.1996/97 war die Rettung vor allem deshalb möglich, weil Borussia Dortmund vier Tage später das Endspiel der Champions League zu bestreiten hatte. 2000/01 retteten 22 Tore von Sergej Barbarez die Klasse, so rechnete mir ein Alt-HSVer vor, un 2006/07 hießen die Retter Huub Stevens, Frank Rost und Ivica Olic, die im Winter geholt worden waren, als der HSV nach 20 Spielen gerade einmal 15 Punkte hatte. Es war also schon einige Male ganz, ganz eng, aber – wie schon geschrieben – in dieser Spielzeit scheint es noch einmal eine Nuance enger zu werden.

Obwohl es auch HSVer gibt, die in der Verantwortung stehen und jetzt zu mir sagten: „Nur keine Panik. Wir haben erst vier von 34 Spielen absolviert. Wir jedenfalls sind ruhig.“

Was ich aber immer und überall gehört habe, ist jenes Argument: „Es sind viele erfahrene Profis abgegeben worden, und viele, viele unerfahrene Jünglinge geholt worden. Spieler, die zwar talentiert sind, die aber kaum Erstliga-Erfahrung haben. „Und die sollen nun den HSV retten? Die sollen den HSV nach vorne bringen?“ Das war immer zu hören, die Angst ist da.

Mein Argument dafür, dass der HSV ja durchaus noch Spieler mit Bundesliga-Erfahrung habe, wurde kaum gehört. Angst essen Glaube auf, möchte ich das beschreiben. Den Glauben an die Wende. Doch jetzt ist es ohnehin zu spät. Nun steht der HSV bis zur Winterpause, die erste Elf muss sich finden und gefunden werden – und dann Augen zu und durch. Im Januar könnte dann ja, wenn der Bedarf da sein sollte, noch nachgebessert werden. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Wenn ich mir aber mal eine Elf vor Augen führe, dann sieht es doch gar nicht so schlecht aus. Der HSV mit Drobny (Mickel), Diekmeier, Rajkovic, Westermann, Aogo; Jarolim, Kacar; Ilicevic, Jansen; Guerrero, Petric zum Beispiel, dazu noch Leute wie Tesche, Skjelbred, Son und zum Beispiel Bruma muss doch die Bundesliga halten können. Und einen Namen trage ich in mir, dem ich eine großartige Zukunft prophezeihe: Gökhan Töre. Der junge Mann kann viel, der hat mehr als viele seiner (jungen) Kollegen, der zeigt mir auf dem Rasen Herz und Leidenschaft, der will – den sehe ich langfristig in der ersten Elf des HSV. Aber zum Glück habe ich das ja nicht zu entscheiden . . .

„Die Mannschaft ist intakt.“ So hat es, ich habe es mir genau gemerkt, Mladen Petric nach dem 3:4 gegen den 1. FC Köln in die Mikrofone gesagt. Schön wäre es ja, allein mir fehlt der Glaube. Von einer Einheit erwarte ich, dass sie sich selbst aus dem Sumpf zieht, wenn es schlecht läuft. Auch während der 90 Minuten. Und das passierte mir in den bisherigen fünf Spielen (inklusive Pokal beim VfB Oldenburg) bislang viel zu wenig – bis gar nicht. Und daran muss (auch jetzt) stetig gearbeitet werden. Nur zu sagen, dass diese Mannschaft intakt sei, das genügt nicht. Über eine intakte Mannschaft hat in den letzten zwei, drei, vier Jahren stets und ständig jeder HSV-Profi Auskunft gegeben, nur waren das immer nur Lippenbekenntnisse. Wir alle wissen es inzwischen doch viel besser – es war ja ohne Ende schlechter, es gab nie eine intakte Mannschaft.

Nun aber „steht“ der Kader, nun muss sich arrangiert werden. Und vielleicht erinnert sich ja der eine oder andere HSV-Spieler auch daran, dass dieser HSV noch nie in der Geschichte abgestiegen ist. Und dass genau diese Tatsache Ansporn sein sollte, sein könnte, sich mit allen Kräften gegen den Misserfolg zu wehren – damit genau sein Name nicht mit einem ersten Desaster für immer verbunden ist. Aber vielleicht ist das auch nur ein wenig blauäugig von mir, so etwas zu glauben.

Ein Eljero Elia zum Beispiel, der nun für Juventus Turin kicken wird, dürfte sich mit dieser Art der HSV-Geschichte kaum oder nur unwesentlich auseinander gesetzt haben. Ich gebe zu, dass ich froh bin, dass der HSV diesen Spieler noch in letzter Sekunde los geworden ist. Früher wäre zwar besser gewesen, weil der Klub dann noch zwei statt nur einem Neuzugang (in aller Ruhe) hätte verpflichten können, aber auch so ist dieser Transfer in meinen Augen sehr gut gelaufen. Elia ist in Hamburg nie wieder zu jener Form gekommen, die ihn am Anfang seiner HSV-Zeit ausgezeichnet hatte. Viele machen dafür das böse Foul des Mainzers Noveski verantwortlich, ich aber glaube ganz einfach, dass Elia noch viel zu unreif war (ist). Er hat es nicht begriffen, um was es hier ging. Ob er es nun in Turin begreifen wird? Ich habe meine Zweifel.

Elias Scheitern beim HSV ist auch ein Scheitern des Beraters. Da gibt es ein Juwel, dem alle Experten ein riesiges Talent bescheinigen, doch konnte dieses Talent sein Potenzial nie abrufen. Erkenne ich das als Berater, dann miete ich mir für ein halbes Jahr ein Zimmer in Hamburg – und spiele wirklich mal den Berater in allen Lebenslagen, um diesen Jungen in die richtige Spur zu bringen. Zum Profi-Dasein gehören nicht nur Autogramme, Länderspiele und flotte Flitzer, da gehört auch jede Menge Verantwortung gegenüber seinem Arbeitgeber, der Mannschaft und den Fans. All das aber hatte Elia nicht begriffen.

Ähnlich verhält es sich mit Guy Demel. Er sollte weg, er wollte weg – das stand ja schon am Ende der vergangenen Saison fest. Für alle Seiten. Der gute „Giiiiiiee“ hatte es ja auch schon abgelehnt, mit einem Trainingsplan, der für die Sommerpause galt (erhielt ein jeder Spieler), in den Urlaub zu gehen. Weil für ihn das Thema HSV zu 100 Prozent beendet war. Dass er nun nicht zu einem großen Klub ging, dass er nun bei einem Erstliga-Absteiger anheuerte, das ist seiner Pokerei zu verdanken. Demel hatte bis zuletzt versucht, so billig wie möglich gehen zu können, möglichst ohne Ablöse – verpokert.

Dass Änis Ben-Hatira auch noch ging, das sehe ich auf der einen Seite als schade an, auf er anderen Seite aber begrüße ich es auch. Weil Änis zuletzt stagnierte. Der Bursche hat ohne Zweifel Talent, aber er rief es, ähnlich wie Elia, viel zu selten ab. Vielleicht sorgt eine neue Umgebung (und ein neuer Trainer) dafür, dass er es doch noch lernt. Er wird sich den Hintern aufreißen müssen, etwas, was er hier nicht mehr konnte. Leider nicht mehr konnte. Änis war zu sehr von sich und seinem Talent überzeugt, er sah die Kollegen neben ich und befand sich oftmals (im stillen Kämmerlein) als besser – das ist (noch) sein großer Fehler. Ich hoffe für ihn, dass Markus Babbel das in den Griff bekommen wird.

Zurück zum HSV. Marcus Berg schoss zwei Tore beim 8:0 gegen Bremerhaven. Endlich mal wieder Tore für den Schweden, endlich mal wieder Erfolgserlebnisse. Er sagt dazu: „Mein erstes Spiel in dieser Saison, das hat Spaß gemacht, auch wenn es nur 30 Minuten waren. Ich hätte gerne länger gespielt, aber es war auch so ein schönes Erlebnis.“ Berg ist ohne Schmerzen, aber 90 Minuten traut er sich noch nicht zu: „Ich habe nun vier Wochen mit der Mannschaft trainiert, alles lief gut, nun hoffe ich darauf, dass ich gegen Bremen im Kader bin – und dann über die Bank ins Spiel komme.“

Dass der HSV jetzt an letzter Stelle steht, das hätte er sich „natürlich niemals vorstellen können“, aber er sagt auch: „Es sind erst vier Spiele absolviert, wir bleiben nicht dort unten. Gegen Köln zuletzt haben wir gut gespielt, da hätten wir gewinnen müssen.“, meint Berg und mahnt auch zugleich: „Wir dürfen nicht in jedem Spiel drei, vier Gegentore bekommen, denn dann wird es schwer, zu siegen . . .“ Wohl wahr. Hoffentlich hat das schon bald jeder HSV-Profi für sich verinnerlicht.

Kurz noch einmal zurück zum heutigen HSV-Training. Reha-Coach Markus Günther war am Vormittag erst mit Muhamed Besic und Miroslav Stepanek auf dem Rasen, später noch mit Tolgay Arslan, der jetzt auch leicht mit dem Ball trainierte. Im Mannschafts-Training standen 16 Spieler: Neuhaus, Mickel, Mancienne, Westermann, Berg, Aogo, Jansen, Guerrero, Petric, Kacar, Castelen, Tesche, Jarolim, Skjelbred, Sternberg und Behrens.
Am Freitag wird um 10 und um 15 Uhr im Volkspark geübt.

Während des heutigen Trainings wurde ich auch zur „Sache“ Koo, Magath und Frank Arnesen gefragt. Der Wechsel, der nicht zustande kam, weil Felix Magath sich wohl „quer stellte“. Ich habe deswegen nicht mit dem Wolfsburger Trainer gesprochen, aber meine Gedanken sind die: Magath hat nun die „Altmeister“ Hitzlsperger, Chris, Salihamidzic und Kyrgiakos geholt, in meinen Augen ein Wagnis. Sollte dann ein junger Mann wie Koo zum HSV gewechselt sein und dort sogar Karriere gemacht haben, würde sich das wohl nicht ganz so gut machen. Deswegen, so könnte ich mir vorstellen, ist dieser Wechsel doch noch geplatzt. Schade für den HSV.

So, nun zu jenem Schreiben, das ich während meines Urlaub erhielt. Es gab einige Beiträge dieser Art, ich mache einen öffentlich, weil er eventuell vielen Fans aus dem Herzen spricht. Wie geschrieben, es ist ein Freund und Kollege (vom Fernsehen), der mir seine Gedanken zum HSV zukommen ließ:

Hallo Didi,
man macht sich ja so seine Gedanken über den HSV. Ich habe die mal kurz festgehalten.
Wie siehst Du das?

Zu viele Gegentore

Der HSV hat in vier Spielen 14 Tore kassiert. Macht 3,5 Tore pro Spiel. Jeder
weiß, dass das nicht bundesligatauglich ist.

Zu viele Gegentore pro Spiel, dieses Problem hatte Gladbach in der letzten
Saison. Trainer Lucien Favre sagt in der FAS vom 28. August: „Wir hatten
2,7 Gegentore pro Spiel bekommen. Das ist zu viel. So bist du in der Liga
ohne Chance.“ Gladbach verbesserte den Schnitt auf 1,9 Gegentreffer und
konnte sich grade eben noch retten.

Man kann aber auch mit weniger Gegentoren absteigen. So wie 2010 Hertha
BSC. 1,6 Gegentreffer pro Spiel. Vorletzter Bochum kassierte 1,8 Gegentore.
Der HSV liegt jetzt bei fast doppelt so vielen Gegentoren pro Spiel!

Einziger Trost, Hannover 96 kassierte in der vorletzten Saison mit 67 Toren
die meisten Gegentreffer aller Bundesligaklubs. Macht 1,97 Tore pro Spiel.
Hannover wurde 15. und blieb drin. Im Jahr darauf wurden sie Vierter und
spielen jetzt international.

Trainer- oder Torwartproblem?

Als Mirko Slomka in Hannover Trainer wurde, hat er die ersten sechs Spiele
verloren. Michael Oennings Bilanz ist noch verheerender: von 29 Spielen
als Cheftrainer konnte er nur vier gewinnen.

Die Frage ist aber nicht, wie lange bleibt Oenning noch Trainer beim HSV.
Die Frage ist, wie geht der Trainer mit Westermann, Diekmeier und Torwart
Drobny um? Vor allem der Torwart hat mit seinen Fehlern maßgeblich dazu
beigetragen, dass der HSV in den letzten Minuten gegen Hertha und jetzt
gegen Köln wichtige Punkte verloren hat.

Dzeko und Grafite

Soll Oenning also weiter zu seinem Torwart halten, oder soll er es machen,
wie einst Felix Magath in Wolfsburg? Der hat im Dezember 2007 Torhüter
Simon Jentzsch in der Halbzeit beim Spiel gegen Eintracht Frankfurt
ausgewechselt und holte in der Rückrunde Diego Benaglio. Die Wolfsburger
wurden am Ende 5ter. Und das in einem Jahr des Umbruchs. 14 neue Spieler.
Darunter der noch völlig unbekannte Edin Dzeko und Grafite.

Und noch mal zu den Gegentoren. In jener Saison hießen die Absteiger
Nürnberg, Rostock und Duisburg. Mit 1,6 bzw. 1,5 Gegentoren pro Spiel.
Sollte Oenning sich also zu einem Torwartwechsel entscheiden, könnte das
die Rettung sein. Fragt sich nur – wer beim HSV ist Dzeko und wer Grafite?

Ich wünsche allen “Matz abbern” einen schönen Feierabend, eine gute Nacht und einen stressfreien Freitag.

18.29 Uhr

Warten auf DAS Angebot – und auf den nächsten Neuen

29. August 2011

Dieser Blog kommt spät. Entschuldigt bitte! Aber es ist erklärbar. Denn, so hatte ich gestern gehört, heute sollte eigentlich ein erster Transfer verkündet werden. Den wollte ich unbedingt noch mitnehmen, darauf habe ich bis jetzt gewartet. Es sollte einer werden, „der Dich zwar nicht vom Hocker hauen wird, der aber durchaus sinnvoll ist“, so die Ankündigung. Wobei mich das nicht verwunderte – also das mit dem „nicht-vom-Hocker-hauen“. Denn auch mir war klar, dass für spektakuläre, sprich für arrivierte Verstärkungen zunächst ein Spieler verkauft werden muss. Vorzugsweise, so hatten es die HSV-Oberen ja wiederholt formuliert, Eljero Elia.

Und bei dem war gestern Highlife in Tüten. Gerade zur niederländischen Nationalelf abgereist, hatte der Außenstürmer einen Termin nach dem anderen. Oder besser: sein Berater. Galatasaray, Arsenal London, Juventus Turin – um nur die bekanntesten Namen zu nennen, hatten sich bei Elia angekündigt. Eine Entscheidung war allerdings auch bis Ende dieses Blogs noch nicht gefällt.

Im Gegenteil, stattdessen gab es ein Gerücht, dass Paolo Guerrero ein Angebot vom FC Genua vorliegen haben soll. Vom HSV wollte das jedoch keiner bestätigen, im Gegenteil. Ein Wechsel des Peruaners gilt als ausgeschlossen. Schon allein, weil der HSV niemals Elia und Guerrero abgibt. Und als sicher gilt: Elia geht.

Unklar ist allerdings weiterhin, wer dafür kommt. „Ich habe mehrere Namen auf dem Zettel“, hatte Sportchef Frank Arnesen nach dem Köln-Spiel angekündigt. Kein Wunder, denn in tagelangen Sitzungen hatten Oenning und Sportchef Frank Arnesen schon vor Wochen etliche Pläne für den Verkauf des damals bereits umworbenen Niederländers entworfen. Pläne, die in der Zwischenzeit sogar noch um die Namen Michael Ballack und Diego erweitert wurden, wobei der Leverkusener Ex-Nationalspieler als eher unwahrscheinlich, weil vom Trainer nicht gewollt, gilt. Diego würde taktisch besser in das eher offensiv ausgerichtete System Oennings passen – allerdings mag beim HSV niemand ein etwaiges Interesse bestätigen. Nicht mal hinter vorgehaltener Hand. Deswegen belasse ich es auch dabei, erst dann Namen von potenziellen Zugängen zu vermelden, wenn sie zumindest ein wenig gestützt sind. Manchmal ist weniger eben doch mehr.

Das wiederum gilt nicht für Jaroslav Drobny. Der hatte zuletzt wenig glückliche Aktionen, die ihm nicht nur hier im Blog massiv um die Ohren gehauen wurden und werden. Wobei sich für mich ganz klar eine Frage stellt: wie konnte man ernsthaft erwarten, dass der Tscheche gleich durchstartet, nachdem er in der vergangenen Saison nicht nur nahezu die gesamte Spielzeit über auf der Bank saß. Nein, wenn Drobny spielen durfte, gab es für ihn auch meistens noch auf die Augen. Sein einziges „Zu-null-Spiel“ hatte er beim 0:0 gegen Bayern München, wo er den verletzten Rost kurz vor der Halbzeit ersetzte. Seitdem kassierte er 29 Gegentreffer in elf Pflichtspielen. Nein, so etwas verkraftet kein Spieler, der es zuvor gewohnt war, als Stammspieler geführt zu werden. Und dann ist es auch egal, wie viel Größe demjenigen von Außenstehenden angedichtet wird.

Apropos Größe, die zeigt sich auch darin, auf Schadenfreude zu verzichten. Eben so, wie es Frank Rost macht, der ehemalige HSV-Keeper in Diensten Red Bull New Yorks. Der hatte schon nach dem ersten Patzer Jaroslav Drobnys Anfragen verschiedener Medien. Entgegen dem offensichtlichen Trend, als Ex-HSV-Profi zur Schelte auszuholen und seine Befürchtungen zu äußern, verzichtete Rost. Genau wie jetzt. „Ich will nicht zu denen gehören, die aus der Ecke kommen, wenn es nicht so läuft. Warum auch? Ich freue mich nicht über Fehler anderer und am allerwenigsten darüber, wenn der HSV verliert oder nur Probleme hat. Nein, das können andere machen.“ Klare Worte des Mannes, den sich in Hamburg nach Drobnys erneutem Patzer einige zurückwünschen, die ihn letzte Serie noch weggewünscht hatten.

Aber damit sollte es das auch sein. Ich kenne Frank als echten Sportsmann, der zweifellos seinen eigenen Kopf hat und den auch mannschaftsintern durchsetzt. Frank ist ehrlich. Nicht immer diplomatisch, aber eben dem Erfolg verschrieben. Deshalb zuckte er nicht eine Sekunde, als er in der vergangenen Serie darauf angesprochen wurde, wie er es an Drobnys Stelle sehen würde, dem bei seiner Verpflichtung mehr versprochen als letztlich eingehalten wurde. „Sportlich“, so seine Antwort damals. Eben so, wie er es in der Sommervorbereitung nahm, als er sich sportlich gegen den Neuen durchsetzte. Schon deshalb wäre Rost eigentlich über jeden Zweifel erhaben. Aber okay, dass er sich sorgenvolle Gedanken macht ob der aktuellen Situation, das muss er nicht explizit sagen. Rost leidet mit. Das ist klar.

Ebenso – nein, deutlich mehr leidet Drobny. Der reiste heute nach etwas mehr als einem Jahr Länderspielpause wieder zur tschechischen Nationalmannschaft, wo er sich auf andere Gedanken bringen will. Das muss er auch. Nach seinen Fehlern steht der 31-Jährige vermehrt im Mittelpunkt der Kritik. Und wer ihn nicht auch außerhalb des Platzes erlebt, könnte meinen, da steht jemand komplett ohne Selbstvertrauen. Ich habe auch ehrlich gesagt das Gefühl, dass sich hier eine Schraube in die falsche Richtung dreht. Leider. Denn sie dreht sich nach unten, nahezu egal was Drobny macht. Und noch mehr, wenn er es so macht, wie er es im Moment macht. Drobny steht in einer Bringschuld, die sich auch daraus begründet, dass er sich letzte Serie nicht gegen Rost durchsetzen konnte und jetzt erst beweisen muss, dass er den Routinier gleichwertig ersetzen kann. „Jeder, der Fehler macht, gerät in den Fokus der Öffentlichkeit weiß Trainer Michael Oenning aus eigener sehr aktueller Erfahrung zu berichten. Umso lobenswerter, dass sich Rost jeden Kommentar verkneift. Motivation hätte er genug, nachdem er von der damaligen HSV-Führung entgegen eigener Wünsche zum Aufhören bewegt wurde. „Ich trete nicht nach“, sagt Rost.

Nicht nachtreten, dafür nachlegen würde ich gern. Und das werde ich auch, sobald sich transfertechnisch etwas tut. Dann melde ich mich noch mal.

Ansonsten bis morgen. Dann sprechen wir mit Michael Oenning, dem heute schon eine Schonfrist von nur noch zwei Spielen angedichtet wurde. Ich bin gespannt, wie der Cheftrainer selbst seine Situation einschätzt. Vielleicht das dann ja schon vor dem Hintergrund einer oder gar zwei neuer Personalien.

In diesem Sinne, bis bald!

Scholle

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