Archiv für das Tag 'Rost'

HSV macht EM-Pause – Kontrolleure beraten über Adler-Transfer

7. Mai 2012

Da wird er heute sicher den einen oder anderen Drink mehr zu sich nehmen. Zum einen aus Frust über die Nichtnominierung von Bundestrainer Joachim Löw, zum anderen auch, weil er ab heute (Quasi-)Urlaub hat. Die Testkicks beim SV Drochtersen/Assel (Freitag), den gegen Stuttgart (Sonntag) und beim Lüneburger SK (15. Mai) mal ausgenommen. Aber zumindest muss er sich nicht mehr auf ein Endturnier vorbereiten. Für das er topfit sein muss. Statt seiner reist der 24-jährige Marcel Schmelzer mit in die Ukraine und Polen. Eine Entscheidung, von der Aogo heute nicht überrascht wurde – er hatte sie bereits gestern vom Bundestrainer persönlich via Telefon mitgeteilt bekommen.

Es sei eine Entscheidung für Schmelzer gewesen umging Löw heute bei der offiziellen Pressekonferenz eine Antwort auf die Frage, warum er sich nicht für Aogo entscheiden habe. Wobei sich die Antwort vergleichsweise leicht herbeiführen lässt. Immerhin ist Schmelzer mit ziemlich konstant guten Leistungen mit seiner Mannschaft Deutscher Meister geworden, während Aogo sich zwar nach eigener und des Trainers Aussage in einer schwierigen Phase super entwickelt habe. Allerdings scheint Löw auf das Selbstvertrauen eines Siegers mehr Wert zu legen, als auf Aogo, der sich heute am Telefon nicht weiter dazu äußern wollte. Bei Sonne und 21 Grad im Schatten auch verständlich. Ich hätte da auch eine ganze Reihe Ideen, was schöner wäre, als über Fußball zu reden…

Wobei Aogo nicht allein ist. Weder auf Malle noch mit seinem Schicksal innerhalb des HSV. Der Bundesliga-Dino macht EM-Pause. Denn neben Aogo spielen auch Marcell Jansen und Heiko Westermann in Löws Planungen keine Rolle. Zudem muss Jeffrey Bruma, vor der Saison noch als DAS Abwehrtalent der Niederlande gerühmt, eine Nichtnominierung seines Bondscoaches Bert van Marwijk verkraften. Und so wenig überraschend das für mich kommt, ich bin mir ziemlich sicher, dass es für Bruma nicht annähernd so klar war, er trotz seiner insgesamt sicher enttäuschenden Saison bis zuletzt Hoffnungen hatte.

Dennoch bin ich weit davon entfernt, jetzt an dieser Stelle noch mal draufzuhauen und hier Gründe aufzuzählen, weshalb die Entscheidungen so richtig sind. Es ist für einen jungen Sportler mit Sicherheit – egal wie schlecht die vorangegangene Saison auch gelaufen ist – ein mächtig harter Schlag, wenn man letztlich erfährt, nicht dabei zu sein, nachdem jeder bis zur letzten Sekunde gehofft haben dürfte. Dafür ist eine EM einfach ein viel zu großes Ziel, da ist ein Spieler nicht nur realistisch, da darf auch meiner Meinung nach geträumt werden.

Vom HSV – zumindest ziemlich – sicher dabei ist bislang nur Jaroslav Drobny als Ersatzkeeper der Tschechen. Ansonsten könnte noch Marcus Berg auf seinen schwedischen Nationaltrainer hoffen. Ebenso Ivo Ilicevic und Mladen Petric auf Kroatiens Chefcoach Slaven Bilic. Wobei den beiden Kroaten kaum bis keine Chancen zugestanden werden.

Zwei Spieler hätte der HSV somit bei der EM – wenn überhaupt. Mehr werden es voraussichtlich nicht. In diesem Bereich nähert sich der HSV längst überwundenen Zeiten wieder an. 2004 war auch so Turnier. Damals endete es für die Deutschen bereits in der Vorrunde. Gleiches passierte 2000, als zumindest Hans-Jörg Butt bei den Deutschen als dritter Keeper dabei war. Damals war ich auch dabei – als Fan reiste ich mit meinem Vater zum letzten Vorrundenspiel gegen Portugal nach Rotterdam. Das 0:3 war einer der schwärzesten Momente meiner Fußballerzeit als Fan. Ich war unfassbar sauer über den völlig blutleeren Auftritt der DFB-Elf. Meine einzig nette Erinnerung: Nachdem die Deutschen von ihren Fans ausgepfiffen worden waren, marschierten sie teilweise lächelnd in die Kabine – was mich noch saurer machte. Und auch der Trainerstab war schnell vom Platz. Allerdings, einzig der damalige Cotrainer Horst Hrubesch hockte am Ende noch lange nach Schlusspfiff auf der in den Boden eingelassenen Reservebank der Deutsche. Erst 30 Minuten nach seinen Kollegen stand er auf und ich sah, dass er weinte. Auch er hatte offensichtlich nicht verstehen können, wie man als angeblich so stolzer Nationalspieler seines Landes so leidenschaftslos agieren konnte. Und ich glaube, beim HSV hätte er, der ja wirklich kurzzeitig als Trainer ins Gespräch gebracht worden war, in dieser Saison ähnliches auf Vereinsebene erlebt…

Apropos alte HSVer. Ich hatte die Diskussion, welche Identifikationsfigur dem HSV helfen könnte, hier bei Euch weiterverfolgt. Schon allein, weil ich wissen wollte, welcher Ex-HSVer bei Euch am höchsten gehandelt würde. Dass dabei Dietmar Beiersdorfer häufiger genannt wurde, verwunderte mich nicht. Beiersdorfer hat beim HSV (im Verbund mit Hoffmann) einen sehr guten Job gemacht, er ist – das kann ich bestätigen – mit sehr viel Herzblut dabei gewesen. Und er hat den Verein enger zusammengeführt, weil seine manchmal etwas verhaltene Art dem Image des neunmalklugen, arroganten und Millionen verdienenden HSV-Vorstandes komplett widersprach. Und er hatte Erfolg. Der Name Beiersdorfer wurde beim HSV vor einem Jahr sogar kurz mal ins Gespräch gebracht, aber im Aufsichtsrat umgehend von denen, die auch schon bei dessen Freistellung Kontrolleure waren, abgelehnt. Stattdessen kam bekanntermaßen Frank Arnesen.

Und dem obliegt es jetzt, den HSV nach einem verkorksten Jahr wieder in die Spur zu kriegen. „Einige Neue“ sollen kommen, darunter auch der ewig gesuchte kreative Mittelfeldspieler. Zudem sollen den Verein in den nächsten Wochen noch Spieler mit laufenden Verträgen verlassen – und wie im Fall Robert Tesche auch verlassen wollen. Der Mittelfeldspieler soll in einem Gespräch mit Arnesen erklärt haben, mehr Spielpraxis zu brauchen und deshalb den Verein verlassen zu wollen. Hannover 96 war bereits einmal vor 18 Monaten an Tesche interessiert – aktuell dürften es aber eher andere, weniger international orientierte Vereine (aus eventuelle anderen Ligen) sein.

Egal wie, die nächsten Wochen werden zeigen, wohin es mit dem HSV geht. Sich darauf zu verlassen, dass alle Spielerin der kommenden Saison um eine Serie gereifter und entsprechend besser werden, wäre fahrlässig. Auch, sich den kreativen Spieler aus dem vorhandenen Spielermaterial schnitzen zu wollen. Der HSV hat diese Qualität nicht im Kader. Ein Tolgay Arslan kann das nicht, ebenso wenig wie Ivo Ilicevic, Gökhan Töre, Jacopo Sala oder gar Heung Min Son. Auch von Beister, der am Donnerstag zunächst Düsseldorf in die erste Liga schießen soll, kann man in seiner ersten echten Erstligasaison eine solch tragende Rolle nicht erwarten. Nein, hier gilt es, fleißig zu sein. Oder besser: fleißiger und ideenreicher als die Konkurrenz, wie Arnesen selbst seine Vorgehensweise beim Amtsantritt beschrieb.

Aber okay, wir haben heute den 7. Mai, die Saison ist seit zwei Tagen beendet und die Transferperiode hat noch nicht einmal begonnen. Noch bleibt Zeit. Von daher sind auch einige Forderungen von Euch, Dieter und/oder ich müssten uns klar positionieren, was wir vom HSV halten, verfrüht. Noch muss sich niemand festlegen. Wir können bei Arnesen die erste Saison beurteilen. Bei Trainer Thorsten Fink geht das noch weniger, weil er mit dem vorhandenen Potenzial arbeiten musste, ohne vorher Mitspracherecht bei der Kaderzusammenstellung gehabt zu haben.

Nein, bei aller Skepsis, ich hoffe und glaube auch, dass Arnesen erkannt hat, dass die Bundesliga härter ist und mehr verlangt, als ein paar neue Talente. Es reicht nicht, Chelseas dritte Reihe zu holen, dieser HSV braucht Sofortverstärkungen. Eine unfassbar schwierige Aufgabe, angesichts des schmalen Geldbeutels, der ihm vom verein zur Verfügung gestellt wird. Andererseits muss man auch sagen, dass der HSV 2006 noch einen Mannschaftsetat hatte, der halb so hoch war wie der heutige. Insofern hoffe ich, dass Arnesen die ständige Einflechtung von Talenten mit Führungskräften garniert. Mit der Kategorie René Adler könnte er den ersten Schritt in die richtige Richtung machen. Zumindest beschwören das Adlers Wegbegleiter für den Fall, dass der Keeper gesund bleibt.

Nicht beschworen, dafür aber festlegend geäußert hatte sich Vorstandsboss Carl Jarchow zum Thema Adler. Das hakte bislang an dem Verkauf (Weggang) von Jaroslav Drobny. „Wir werden sicher nicht mit zwei hochklassigen und hoch bezahlten Torhütern in die neue Saison gehen.“ Eine Aussage, die er am Sonntag bestätigte: „Aus meiner Sicht werden wir nicht mit zwei hochbezahlten Torhütern in die neue Saison starten“, so der Vorstandschef im NDR-Sportclub. Allerdings sagte sein Vorstandskollege Arnesen parallel, dass der HSV ein Jahr zuvor auch mit Rost und Drobny gut gefahren sei. Der Däne ist anderer Meinung: „Jaroslav hat einen Vertrag, und er hat gut gehalten. Im vergangenen Jahr hatten wir mit Frank Rost und Drobny auch zwei gestandene Torhüter unter Vertrag. Ich sehe da keinen Unterschied.“

Wer Recht hat? Wessen Strategie gefahren wird? Darüber soll morgen der Aufsichtsrat diskutieren. Beim noch als „informelle Aufsichtsratssitzung“ deklarierten Zusammentreffen soll Arnesen ein Weg aufgezeigt werden, unter welchen Bedingungen er Adler endgültig unterschreiben lassen kann.

In der Hoffnung, dass zumindest dieser Transfer endlich und vernünftig abgeschlossen werden kann,

bis morgen!
Scholle

Das war Gänsehautfeeling pur

15. April 2012

„Der HSV war die agilere und bissigere Mannschaft, und wenn man kein Tor schießt, keine klare Möglichkeit herausspielt, dann kann man auch nicht gewinnen. Deswegen ist der HSV auch der verdiente Sieger.“ Sagte Hannovers Trainer Mirko Slomka fair nach der 0:1-Niederlage seiner Mannschaft im Volkspark. Eine gute Analyse. Mir hätte aber noch mehr gefallen, wenn der Coach auch das gute Spiel des HSV herausgestellt hätte, denn diesmal kämpften die „jungen Finken“ nicht nur, sie bissen auch nicht nur, so spielten phasenweise sogar recht guten Fußball. Eine solche Leistung hatte man im Volkspark schon lange, lange nicht mehr gesehen.

Und schon während des Spiel habe ich zu mir gesagt: „Von wegen. Im Abstiegskampf kann man sehr wohl guten Fußball zeigen, da muss nicht nur verkrampft gekämpft werden. Da spielen auch die Nerven nicht unbedingt eine Hauptrolle. Wenn man als Einheit auftritt, wenn alle gemeinsam wollen, dann kann man nicht nur miteinander zur Tat schreiben, dann kann man auch guten Fußball bieten.“ Und das tat der HSV diesmal. Niemand war an diesem Sonnabend nach dem HSV-Auftritt am Meckern, alle lobte unisono das gute Spiel. Des HSV. Und niemand musste hinterher auch nur einem Zuschauer erklären, dass das, was zuvor in den 90 Minuten angelaufen war, tatsächlich ein gutes Spiel gewesen ist. Alle hatten es diesmal gesehen, nicht einer war unzufrieden. Das war zuletzt, beim 1:1 daheim gegen Leverkusen, noch ganz anders. Da sagten die HSV-Verantwortlichen damals, wie toll doch dieses Spiel gewesen sei – aber das hatten lange nicht alle so gesehen . . .

Und grundsätzlich mag ich es ohnehin nicht, wenn man mir sagt, welches Spiel ich gesehen haben muss.

Aber gut, diesmal war ja alles zur besten Zufriedenheit. Und als ich nach Hause kam, da empfing mich Frau M. mit den Worten: „Warum geht das nicht immer so?“ Mein Freund Peter aus Mühlheim hat, so glaubt er, des Rätsels Lösung erkannt: „Der HSV war so gut, weil sie diesmal mit elf Mann gespielt haben. Alle waren in Bewegung, von hinten nach vorne, da stimmte das Engagement, das waren 90 Minuten voller Leidenschaft – das war zuletzt doch ganz anders. Und ich hoffe, dass das der Herr Fink auch so gesehen hat, und dass er deshalb sein Team in den letzten drei Spielen nicht mehr verändern wird.“
Abwarten.

„Diesmal war ich zufrieden. Aber wir müssen ja immer auch schauen, was die Mannschaft in der nächsten Woche für ein Gesicht zeigt. Diesmal waren wir von Anfang an da, dass war genau die Ausstrahlung, die ich von meiner Mannschaft im Abstiegskampf erwarte. Die Mannschaft hat gebrannt und genau die richtige Reaktion gezeigt, die ich nach dem 0:4 gegen Hoffenheim erwartet hatte.“ Thorsten Fink fuhr fort: „Wir standen kompakt und haben konzentriert und diszipliniert gespielt.“, sagte Thorsten Fink. Und der Trainer fand auch noch ein dickes Lob für „den zwölften Mann“: „Für meine Mannschaft war es ganz wichtig zu sehen, wie sehr sie von den Fans unterstützt wurde. So tolle Fans, und das nach einem 0:4 in Hoffenheim, das ist sensationell, deswegen macht es so viel Spaß, in Hamburg zu arbeiten – und nicht woanders.“
Lob, Lob, Lob. Und das völlig berechtigt. Aber Fink hob dennoch nicht ab, im Gegenteil, er hielt den Ball ganz flach: „Heute hat meine Mannschaft gezeigt, dass sie Abstiegskampf kann. Wenn die Mannschaft beim Spiel in Nürnberg diese Gesicht zeigt, dann werden wir auch dort punkten – aber ich bin mal gespannt.“

Weil er dem Frieden wohl auch noch (immer) nicht so recht traut.

Ein Extra-Lob des Trainers hatte sich der unermüdlich laufende, kämpfende, dribbelnden, oft sprintende und das Siegtor schießende Heung Min Son verdient, der nach sechs Monaten und 16 Partien wieder einmal das Tor getroffen hatte. „Er hat gebrannt und seine Sache toll gemacht, auch viel nach hinten gearbeitet. Mit seiner Schnelligkeit ist er für das Konterspiel prädestiniert“, sagte Fink. Für den HSV war es der erste Heimsieg seit dem 4. Dezember 2011 und erst der vierte Sieg in der Rückrunde überhaupt. „Heute haben wir richtig gut attackiert. Und die Fans haben richtig gut Stimmung gemacht, das hat viel Spaß gebracht“ sagte ein strahlender Son.

Er war ja nur deshalb zum Einsatz gekommen, weil Mladen Petric wegen eines grippalen Infekts ausgefallen war. Aber der 19-jährige Südkoreaner wurde zum Glücksfall für den HSV. Irgendwie erinnerte mich dieses Siegtor an damals, an den 9. Mai 1992, als der eingewechselte Liuz Emerson Firminho das goldene Tor (im Abstiegskampf) gegen Hansa Rostock erzielte. Diesen Emerson hatte vorher in Hamburg kein einziger Experte auf „dem Zettel“ gehabt, aber er kam, traf und trat sofort wieder ab von der Bühne. Wollen wir nicht hoffen, dass das mit Son ebenfalls so geht – aber das ist ja auch nicht zu befürchten. Son sagte noch: „Dieser Sieg war für die Mannschaft wichtig. Dass ich das entscheidende Tor gemacht habe, ist ein Traum, denn ich hatte ja lange nicht mehr von Anfang an gespielt.“

Die Erleichterung beim HSV nach diesem Dreier war riesig. Thorsten Fink umarmte beim Schlusspfiff alle Spieler, Betreuer und alle, die er auf dem Weg in die Kabine traf. Ich gebe gerne zu, dass auch mir ein „ganzes Mittelgebirge“ vom Herzen gefallen ist. Dieser Sieg war überlebensnotwendig. Und genau das jedem HSV-Spieler nach dem Schlusspfiff anzumerken. „Wir hatten sehr viel Druck, aber wir haben diese Aufgabe so angenommen, wie das gemacht werden muss. Das war Gänsehautfeeling pur, es fällt jedem von uns eine große Last ab“, sagte Dennis Aogo, der gleichzeitig aber auch warnt: „Wir stecken da unten aber immer noch mittendrin, da darf jetzt keiner von uns locker lassen.“ Das sah auch der Kapitän so. „Wir brauchen gar nicht groß zu feiern, wenn man unten steht, muss man sich Stück für Stück herausarbeiten und durchbeißen“, sagte Heiko Westermann.

In dasselbe Horn stieß auch Thorsten Fink: „Heute war ich zufrieden, aber ich betone immer wieder, heute. Weil ich ja weiß, dass wir immer wieder Formschwankungen haben – auch wenn wir nun aus vier Spielen im Abstiegskampf sieben Punkte geholt haben. Das ist zwar nicht so schlecht, aber man muss immer sehen, dass die Mannschaft auch Ziele hat. Und das Ziel ist, dass wir noch lange nicht da unten weg sind. Wir haben noch drei sehr schwierige Spiele. Und die Konkurrenz schläft nicht, die holt sich auch Punkte.“ Dann erhob Fink kurz die Stimme und forderte: „Wir müssen weiter unsere Spiele gewinnen, wir müssen weiter heiß bleiben, weiter Gas geben. Natürlich kann man sich zwei, drei Tage zurücklehnen, aber dann sollte man schleunigst wieder zeigen, dass man das gleiche Gesicht zeigt, das wir heute gesehen haben.“ Dann sagte Thorsten Fink auch noch: „Einmal verlieren – und die anderen gewinnen, dann sind wir vor dem Mainz-Spiel wieder genau dort, wo wir vor dem Hannover-Spiel waren . . .“
So ist es, ganz genau so ist es.

So, zum Schluss noch drei kleine und kleinere Personalien.

Auf dem Weg aus der Arena heraus traf ich Gerda und Horst Schnoor, den Meistertorwart von 1960. Er sprach zunächst mit Per Ciljan Skjelbred und sagte dem Norweger: „Ich hoffe, dass du demnächst mal eine richtige Chance erhältst, ich drücke dir die Daumen.“ Und zu mir sagte Schnoor: „Ich hoffe doch sehr, dass die Verantwortlichen spätestens jetzt erkannt haben, dass man den David Jarolim unbedingt halten muss. Der ist so wichtig für diese Mannschaft, das wäre jetzt der erste Punkt für mich, den es abzuarbeiten gilt: Vertragsverlängerung mit Jarolim.“
Horst, da bin ich ganz bei Dir.
Aber das ist ja auch keine große Überraschung mehr.

Dann traf ich vor dem Spiel noch einen Alten bekannten. Dietmar „Didi“ Beiersdorfer. Der ehemalige Sportchef stand ganz allein in einer langen Schlange an, die auf die Tribüne wollte. Typisch „Didi“. Andere hätten ihre Popularität genutzt und wären an allen vorbeigegangen, aber nicht so der „Didi“. Der stellt sich hintenan und wartet. Ganz brav. Und das finde ich toll! Kompliment, „Didi“. Mann kommt auch ohne große Welle ans Ziel.

Und dann war da noch Frank Rost im „Doppelpass“ auf „Sport 1“ :

Der ehemalige HSV-Torwart sagte . . .

… über die Lage beim HSV:

„Es gibt Leute, die sich wichtiger nehmen als den Verein. Mit der Demission von Dietmar Beiersdorfer ging es eigentlich immer weiter bergab. Trainer wie Huub Stevens oder Martin Jol, die sind von sich aus gegangen. Das hat sich bis jetzt fortgesetzt und man kommt wieder schrittweise auf den Abgrund zu. Wo steht der HSV in 10 Jahren? Die klare Linie fehlt mir.“

. . . über den Klub: „Man hat Lehrgeld gezahlt. Alle hoffen, dass man die richtigen Lehren daraus zieht. […] Der Nimbus des Dinos steht über allem und ist mehr belastend als befreiend. Grundsätzlich glaube ich, dass man über Jahre keine Galionsfiguren in Hamburg installiert hat, die für Fußball stehen. […] Das hat man versäumt. Man hat eigentlich nur schwache Leute geholt. Schwache Leute holen schwache Leute! Keine starken Leute, die dann auch mal auf einem Niveau hinter verschlossenen Türen diskutieren, wie das beim BVB der Fall ist. Dinge wurden über den Aufsichtsrat in der Öffentlichkeit diskutiert. Das hat dem Verein wehgetan und dafür muss man jetzt die Zeche zahlen. Man braucht Kontinuität. Man muss es erst gegen die Wand gefahren haben, bevor man dann mal umdenkt. Der HSV verfügt nicht über die Jungendabteilung wie in Dortmund. Das wird schwierig. […]

. . . über sein Ziel, im HSV zu arbeiten: „Wenn irgendwann der HSV sagt, dass er gerne mit mir reden will, dann bin ich der Letzte, der da nicht mitredet. Aber so wie die Konstellation jetzt ist, bringt das auch nicht viel. Sie müssen jetzt erst mal ihre Probleme lösen. […]
Alle haben Mitleid. Das finde ich total schräg. Es kann nicht der Anspruch des HSV sein, dass alle Mitleid haben.“

So, das war es. Abgeschlossen mit dem so wichtigen 3:0-Sieg von Borussia Mönchengladbach gegen den 1. FC Köln. Danke, MG!

Und dann noch schnell das Restprogramm der Abstiegskandidaten:

SC Freiburg (13. Platz, 41:56 Tore, 35 Punkte)

31. Spieltag, 1899 Hoffenheim (H)
32. Spieltag, Hannover 96 (A)
33. Spieltag, 1. FC Köln (H)
34. Spieltag, Borussia Dortmund (A)

HSV (14. Platz, 34:55 Tore, 34 Punkte)

32. Spieltag, 1. FC Nürnberg (A)
33. Spieltag, FSV Mainz 05 (H)
34. Spieltag, FC Augsburg (A)

FC Augsburg (15. Platz, 34:48 Tore, 33 Punkte)

32. Spieltag, Schalke 04 (H)
33. Spieltag, Borussia Mönchengladbach (A)
34. Spieltag, Hamburger SV (H)

1. FC Köln (16. Platz, 36:66 Tore, 29 Punkte)

32. Spieltag, VfB Stuttgart (H)
33. Spieltag, SC Freiburg (A)
34. Spieltag, Bayern München (H)

Hertha BSC (17. Platz, 34:57 Tore, 28 Punkte)

32. Spieltag, 1. FC Kaiserslautern (H)
33. Spieltag, Schalke 04 (A)
34. Spieltag, 1899 Hoffenheim (H)

1. FC Kaiserslautern (18. Platz, 19:46 Tore, 20 Punkte)

32. Spieltag, Hertha BSC (A)
33. Spieltag, Borussia Dortmund (H)
34. Spieltag, Hannover 96 (A)

17.43 Uhr

Töre beginnt gegen defensive Freiburger

15. März 2012

In Zeiten, in denen es nicht allzu viel Erfreuliches gibt, bewahrheitet sich der Zusammenhalt. Das ist fast überall so – und ganz sicher im Profifußball. Und das Schöne daran ist: zumindest in diesem Punkt gibt es beim HSV nur Positives zu berichten. Die Fans stehen zur Mannschaft wie lange nicht. Der Umbruch wurde anfänglich noch etwas skeptisch und mit einigen Pfiffen quittiert – allerdings hat sich dieses Blatt spätestens seit der Amtsübernahme von Trainer Thorsten Fink gewendet. „Die Fans sehen, dass sich etwas bewegt, dass diese Mannschaft will“, so Supporters-Chef Ralf Bednarek vor zwei Wochen, „und sie haben ein gutes Gespür für Stimmungen. Ich glaube, dass alle erkannt haben, dass man bei einem solchen Umbruch auch Geduld haben muss. Insbesondere mit den jungen Spielern, die vielleicht noch den einen oder anderen Fehler mehr machen.“

Stimmt. Wobei diese Nachsicht auch für die Spieler gilt, die durch besonderes Engagement auffallen. Beste Beispiele hierfür sind sicherlich Tomas Rincon, David Jarolim und auch Heiko Westermann. Der Kapitän gilt bei den Anhängern als Sinnbild für gute Einstellung. Dass er einige Stolperer in seinem Spiel hat – es wird ihm in der Regel verziehen. Zumal sich der Abwehrchef immer stellt. Den Kameras, uns Journalisten im Generellen und eben seinen Fehlern. Am besten kommt dabei an, dass sich Westermann um das Miteinander mit den Fans kümmert. Dafür besucht er selbst freiwillig Fanklubs – und er delegiert seine Teamkameraden, wirkt auf sie ein und baut Vorbehalte ab. Ebenfalls vorn mit dabei ist hierbei Dennis Aogo, der am Sonnabend gegen Freiburg leider ausfallen wird. Der Linksverteidiger erzählte uns heute von dem letzten Treffen mit den Fans – von gestern. Am Mittwochabend hatten sich Westermann, Aogo und der restliche Mannschaftsrat mit den „Chosen Few“ getroffen und über die Situation gesprochen. „Wir haben noch mal deutlich gemacht, wie wichtig unsere Fans für uns sind“, sagt Aogo, der an Johannes „Jojo“ Liebnau und Co. appellierte: „Wir haben gesagt, dass die Fans mit Geduld ins Stadion kommen sollen. Wir hoffen, dass sie auch nach 15 Minuten bei einem Rückpass zum Torwart geduldig sind – selbst wenn es dann noch 0:0 steht.“

Sollte eigentlich kein Problem sein, oder?

Denn ich finde, genau das seid Ihr, genau das sind die Fans im Stadion: geduldig. Und trotzdem finde ich die Aktion der HSV-Profis extrem gut. Schon letzte Saison führte der offene Dialog, damals unter anderem initiiert von Frank Rost, zu einem besseren Miteinander. Damals hatten Rost, Westermann und Co. die Fan-Klub-Vorsitzenden zum reinigenden Gespräch in die Kabine gerufen, nachdem es im Stadion Pfiffe gegeben hatte. Und die Ausläufer dieser damals schon lobenswerten Aktion wirken sich jetzt aus. Positiv. Sehr positiv sogar.

Letztes gilt auch für die größte Nachricht in der Pressekonferenz heute: Gökhan Töre wird von Beginn an gegen Freiburg spielen. „Er wird beginnen“, so Fink heute über Töre. Der Deutsch-Türke sei zwar noch nicht bei 100 Prozent, allerdings reicht sein Zustand, um seine Konkurrenten auf der Position (Son, Lam sowie den grippe-geschwächten Jacopo Sala) auszustechen. „Er hat Luft genug für 60 Minuten“, so Fink heute, ehe er etwas scherzhaft hinzufügte: „Die Zeit sollte reichen, um 1:0 in Führung zu gehen.“

Sollte sie. Allerdings dürfen wir uns gegen Freiburg auf ein zähes Stück Arbeit vorbereiten. Wer die Breisgauer unter ihrem neuen Trainer Christian Streich zuletzt mal gesehen hat, der weiß, dass die Freiburger den Abstiegskampf angenommen haben und sich gerade in den letzten Spielen (mit Ausnahme des 1:4 gegen Stuttgart) defensiv gefestigter sind als noch in der Hinserie. „Unter Streich spielt der SC Freiburg deutlich defensiver“, weiß Fink um die Stärke des nächsten Gegners, der für den HSV in der Hinrunde so etwas wie der verspätete Startschuss in diese Saison war – immerhin kam direkt im Anschluss an den 2:1-Erfolg unter dem Interimstrainerduo Arnesen/Cardoso der neue und heutige Trainer: Thorsten Fink.

Unterhält man sich mit den Freiburger Kollegen, bekommt man eine ähnliche Aufbruchstimmung aus dem Breisgau vermittelt. Dort ist Streich sozusagen der Fink. Und Streich erntet nur höchstes Lob. Auch vom Ex-SC-Profi Dennis Aogo. Der wird zwar wegen seiner Wadenprobleme – heute Laufband, morgen joggen und bis nächsten Freitag fit sein, das ist der Plan des Nationalspielers – nicht gegen seinen ehemaligen Klub mitwirken könne. Dennoch freut er sich. Auf Streich: „Er war mein A-Jugendtrainer und Internatsleiter in Freiburg damals“, erinnert sich Aogo an seinen sportlichen Ziehvater, „keiner kennt mich so gut wie er. Er war der entscheidende Trainer in meinem Leben. Er hat mir – und ich war damals wirklich der Chaot schlechthin – die Augen geöffnet. Ich schätze ihn sehr!“

Dass Streich den Klub noch rettet, wollte auch Aogo nicht behaupten. Aber er konnte gar nicht aufhören, seinen Ex-Trainer zu loben: „Es war mir immer klar, dass er irgendwann Cheftrainer in Freiburg wird.“ Weil der SC-Coach ein Fußballbesessener sei. Aogo: Er ist voller Leidenschaft. Er steigert sich manchmal so rein, dass er vor lauter Emotionen zu explodieren droht. Und er besitzt ein unglaubliches Fachwissen. Er ist voller Leidenschaft – ähnlich wie Moniz.“ Ricardo Moniz wohlgemerkt. Der Techniktrainer und Interimschef des HSV, den der Verein abgab, obwohl er mit die beste Innovation war, die der Klub in seinem Trainerstab zu bieten hatte. Immerhin wusste der heutige Cheftrainer von Red Bull Salzburg die Spieler für Extraeinheiten zu begeistern – und das gibt es heute kaum noch.

Dabei wäre es nötig. Gerade Aogo ist dafür ein gutes Beispiel. Immerhin hat es der Linksverteidiger bis zum Nationalspieler gebracht – um seither auf einem deutlich ausbaufähigen Level zu stagnieren, wie ich finde. Denn defensiv hat Aogo seit Jahren die gleichen Probleme. Weshalb also nimmt sich nicht einer der sechs (!!) Trainer des HSV dieser Schwachstelle an und trainiert Aogo individuell. Ein HSV-Mitarbeiter hat mir mal gesagt, er verstehe nicht, weshalb aus den Spielern nicht Projekte gemacht werden. Jeder Spieler hat seine individuellen Schwächen, die es zu verbessern gilt. Das kann ganz sicher im Mannschaftstraining verbessert werden – allerdings ist es so nicht annähernd so effektiv wie mit zusätzlichem Individualtraining. Oder wie ist es sonst zu erklären, dass ein Spieler wie Tolgay Arslan, der jede Zusatzeinheit einwirft, die ihm geboten wird, plötzlich so einen Schub macht, während Aogo und andere stagnieren?

Einheitsbrei ist Trumpf. Leider. Alle werden zusammen trainiert, kriegen in Einzelgesprächen was gesagt, und verschwinden dann nach Hause. Ist ein Spieler – und davon gibt es eine ganze Menge – nicht so pfiffig, sich selbst zu helfen, fällt er ab. Dann funktioniert er nicht mehr, wird weniger eingesetzt und irgendwann gegen einen Spieler ersetzt, bei dem sich im schlechtesten Fall nach einiger Zeit das Gleiche einstellt. „Bei Spielern ist es fast immer das Gleiche“, hatte mir Moniz damals erzählt, „sie sind irgendwann zufrieden und glauben, am Ziel angekommen zu sein, nur weil sie es bis in die besten Mannschaften geschafft haben. Wirklich gut werden nur die zwei Prozent mit überdurchschnittlichem Talent und die, die ihre Schwächen erkennen und Hilfe annehmen.“ Wahre Worte, wie ich finde. Zumal Moniz noch nachschob: „Diejenigen, die es bis in den Profibereich schaffen, haben in der Regel alle ausreichend Potenzial, um aus ihnen richtig gute Fußballer zu machen. Und dafür bedarf es nur zwei Voraussetzungen: Erstens, der Spieler muss wollen. Er muss bereit sein, mehr zu arbeiten. Und zweitens: Der Verein muss sich dem Spieler annehmen, seine Stärken und Schwächen genauestens analysieren und ihm einen Plan erarbeiten, mit dem der Spieler seine Schwächen abstellt und zugleich seine Stärken verfeinert.“

Mit Nikola Vidovic hat der HSV schon einen Co-Trainer, der seine fachliche Hilfe den ganzen Tag anbietet. Der Kroate ist für die Spieler immer erreichbar und einsatzbereit. Aber zur Fitness hinzu gesellen muss sich eben auch fußballerische Qualität. Und um die zu steigern, sollte es bei sechs Trainern im Trainerstab und zumeist nur einer 90-Minuten-Einheit am Tag auch beim HSV ausreichend Möglichkeiten geben. Ganz sicher sogar…

Apropos neue Spieler, da müssen wir uns leider von einem Namen verabschieden: Chelsea Sturmtalent Romelu Lukaku. Wir konnten heute mit dem Sportchef sprechen, der erneut das HSV-Interesse an dem 18-Jährigen bestätigte, uns aber auch gleichzeitig zu verstehen gab, dass er diesen Transfer abgeschrieben habe. Hintergrund: In einem Gespräch mit Chelsea-Macher Roman Abramowitsch soll der Milliardär Arnesen mit den eigenen Waffen erlegt haben – indem er ihn an sein eigenes Motto erinnert habe. Das besagt, dass Spieler, die zu Chelsea kommen und sich nicht gleich durchsetzen können, innerhalb der Premier League verliehen werden sollten, um sich so an die Liga zu gewöhnen. Und bei Lukaku stehen die englischen Klubs Schlange. Aktuell soll der FC Everton (Glückwunsch, Babak!!) die besten Karten haben.

Noch nicht verabschieden, auch wenn verschieden Medien das so berichten, will sich Arnesen von Granit Xhaka. Der Baseler steht weiter auf dem Wunschzettel des HSV, nimmt dort den A-Rang auf der Position des kreativen Mittelfeldspielers ein. Allerdings sei auch klar, dass der HSV für den Fall einer Absage gewappnet sei. Denn für alle neu zu besetzenden Positionen hat Arnesen einen A-, einen B- und einen C-Plan. In diesem Fall seien die Gespräche mit der Alternativlösung B schon sehr weit fortgeschritten. Es bewegt sich etwas. Und das ist gut.

In diesem Sinne, bis morgen! Da wird leider wieder unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert.

Scholle

« Vorherige Einträge - Nächste Einträge »