Archiv für das Tag 'Rost'

Jaro ist das beste Beispiel

20. November 2014

Es ist noch gar nicht so lange her, da schrieb ich von Topspielern des HSV, die im Unfrieden und in meinen Augen auch unter unwürdigen Umständen den Verein wechselten. Bei Calhanoglu und einigen anderen geschah dies unter mehr als fragwürdigen Umständen und wurde zu Recht kritisiert. Allerdings wurden auch bei anderen plötzlich Geschichten lanciert, die den Spieler schlecht aussehen ließen. Ob es ein Vincent Kompany war, dem man nachsagte, er habe am Ende nicht mehr alles für den HSV gegeben oder ein Frank Rost, der angeblich immer wieder Politik gegen die Vereinsführung gemacht hatte. In dem Moment, wo klar war, dass sie nicht mehr für den HSV auflaufen würden, gab’s was hinterhergeschmissen. Vergessen waren die Leistungen für den Verein. Es gab einige (zu viele) Beispiele von verdienten Spielern, denen man den Abgang leicht hätte machen können – wenn nicht gar müssen. Wäre da nicht das Hamburger Problem mit den Eitelkeiten…

Für Abendblatt-Blogs



Mit Dietmar Beiersdorfer hat der HSV seit diesem Sommer wieder einen Vereinsboss, der bekannt dafür ist, menschlich mit seinen Spielern umzugehen. Egal wer den Verein verließ – über Beiersdorfer gab es eigentlich nie etwas Negatives zu hören.

Von Chef und Angestelltem zu Freunden geworden: Dietmar Beiersdorfer (l.) und David Jarolim

Von Chef und Angestelltem zu Freunden geworden: Dietmar Beiersdorfer (l.) und David Jarolim

Und von ihm noch weniger. Genauso wenig wie von und über David Jarolim. Aber auf den komme ich am Ende des Artikels noch mal (inklusive Video), der hoffentlich der Anfang von einer ganzen Reihe vernünftiger Abschiede ist.

Aber bevor ich mich Jaro widme, möchte ich mich noch einmal der gestern überraschend verkündeten Personalie Otto Addo widmen. Wie ich jetzt erfahren habe, hatte Addo am Mittwoch vor der Meldung des HSV ein Gespräch samt Anwalt und der Personalleiterin des HSV, Daniela Schumacher. In diesem Gespräch verständigten sich alle darauf, so sagt es Addos Anwalt Tobias Andresen, „dass wir nach außen noch nichts kommunizieren, ehe grundsätzliche Fragen geklärt sind.“ Eine dieser Fragen – und die ist tatsächlich elementar – ist die nach dem Angestelltenverhältnis. Der HSV ging und geht noch immer davon aus, dass der bis Juni 2015 datierte Vertrag nicht verlängert wird und daher das Angestelltenverhältnis Addos mit seinem Vertragsende automatisch im kommenden Sommer endet. „Dem ist allerdings nach nunmehr sechs Jahren nicht so“, sagt Andresen. Das einst zeitlich begrenzte Arbeitsverhältnis habe sich inzwischen in ein unbefristetes verändert.

Am Tag der erfolglosen Schlichtung zwischen dem HSV und Mirko Slomka und einen Tag vor dem Gerichtstermin mit Fitnesstrainer Nikolai Vidovic bahnt sich offenbar der nächste Rechtsstreit an. Denn die anwaltliche Vertretung Addos weist daraufhin, dass die Möglichkeit der Befristung über den so genannten “Verschleißtatbestand” hier nicht funktioniert. In Bundesligamannschaften gilt dieser, da der Trainer sich dort abnutzen kann. Im Wortgebrauch heißt es dann immer ‚Er erreichte die Mannschaft nicht mehr’. Bei Addo gestaltet sich das allerdings etwas schwieriger, da sich die Mannschaft des U19-Trainers spätestens alle zwei Jahre durchwechselt und Addo immer neue Spieler trainiert. „Daher sind wir uns sehr sicher, dass Otto Addos Vertrag nach den Jahren beim HSV als unbefristet einzustufen ist“, so Andresen.

Die Nachfrage beim HSV, weshalb die Pressemitteilung trotz anderslautender Absprache gestern schon veröffentlicht wurde, konnte mir niemand beantworten. Der Hinweis, Addo hätte vor der Veröffentlichung den Text erhalten, dementierte Akeem Adewunmi, Addos Berater, vehement. „Wenn dem so gewesen wäre, hätten wir gestern schon alles daran gelegt, dass dieser Text nicht erscheint. Schließlich wollen wir in Otto Addos Sinn, dass hier alles reibungslos abläuft. So gern er auch bei seinem HSV geblieben wäre.“

Warum sich der HSV diese eh ungewöhnlich früh verkündete Personalentscheidung nicht verkneifen konnte, bleibt mir bis heute schleierhaft. Gewinner hat diese Verkündung jedenfalls keinen. Zumal im Verein niemand zu finden ist, der nicht daran glaubt, dass Addo seinen Abgang ohne Streit hinter sich bringen will. „Otto war als Spieler in der Jugend angeblich nicht gut genug, hat dann eine beachtliche Karriere hingelegt und ist dennoch zurückgekommen – weil er ein HSVer ist“, sagt Adewunmi, „umso trauriger sind wir, dass Vereinbarungen hier so missachtet wurden. Vor allem vor dem Hintergrund, dass ganz grundsätzliche Sachen noch zu klären sind. Otto ist der Letzte, der im Streit gehen will.“ Wobei Adewunmi und Andresen auch klar sein muss, dass sie in Sachen Entlassungen und folgenden Rechtsstreit auf einen HSV-Anwalt treffen, der sich gerade mächtig einspielen konnte…

Die Liste mit den Eingeladenen für Jarolims Abschiedsgala liest sich gut. Sehr gut sogar...

Die Liste mit den Eingeladenen für Jarolims Abschiedsgala liest sich gut. Sehr gut sogar…

Ausgespielt hat seit zweieinhalb Jahren beim HSV auch David Jarolim. Vor zweieinhalb Jahren zog es ihn vom HSV zurück nach Tschechien, wo er als Profi bis in den Sommer diesen Jahres spielte. Seither fungiert er als Sportchef des tschechischen Topklubs Boleslav – mit seinem Vater Karel als Trainer. „Wir sind Fünfter und haben zuletzt Punkte liegen lassen. Er weiß, dass er jetzt vier Punkte aus zwei Spielen holen muss, wenn er nicht entlassen werden will“, scherzt der Tscheche, der am 28. März mit einer tschechischen Auswahl gegen eine Auswahl seiner HSV-Weggefährten antreten wird.

Die Tickets, die ab Montag im Handel erhältlich sind, sollen nicht mehr als zehn Euro kosten. Die launige PK mit einem der Großen will ich hier nicht noch mal in Schriftform darstellen. Aber ich empfehle Euch das Video der launigen PK, das zeigt, wie sehr Jaro zum HSVer geworden ist. Dazu passt auch, dass er mir vor einigen Tagen erzählte, dass er ein Angebot des HSV abgelehnt habe, hier als Jugendtrainer anzufangen. „Ich mache meinen B-Schein und brauche noch Zeit. Ich will nicht einfach so und unvorbereitet ran. Ich brauche noch etwas zeit, eine Menge Lehrstunden und Erfahrung. Und wenn ich bereit bin, werde ich es wissen und mich melden. Das Gute an Didi (Beiersdorfer, Anm. d. Red.) ist, dass er mir gesagt hat, die Tür sei immer offen für mich. Das ist ein tolles Gefühl – und ich fühle die Verpflichtung, vorher das Bestmögliche gemacht zu haben, um für meinen HSV am Ende die erhoffte Verstärkung zu werden.“ Viel mehr geht einfach nicht, oder?

Hier die PK:

Für Abendblatt-Blogs

Dennoch will und muss ich heute, keine 70 Stunden vor dem Anpfiff auf das bevorstehende Nordderby eingehen. Mit Jarolims Tochter als Glücksbringer (siehe Video) kann zwar eigentlich nichts mehr schiefgehen, zumal dazu eine Atmosphäre erwartet wird, die dem Leverkusen-Spiel entspricht. Allein ob das mit Forderungen wie heute von Dietmar Beiersdorfer und anderen dann auch so kommt, wage ich zu bezweifeln. Ebenso Pierre Michel Lasogga, der heiß darauf ist, endlich wieder zu treffen. Am liebsten zum Sieg im 101. Nordderby „Ich würde das gar nicht als Ladehemmung beschreiben“, sagte Lasogga. Immerhin hätte man in den letzten Wochen das Hauptaugenmerk auf die Defensive gelegt. „Jetzt hoffen wir, dass auch das Spiel nach vorne besser wird. Vielleicht ist solch ein Derby ein Dosenöffner für die ganze Saison.“

13 Treffer in der vergangenen Saison – auch Lasogga läuft seiner Form noch hinterher. Er weiß das – aber er ignoriert es, so gut es geht. „Die Diskussionen lassen mich kalt und interessieren mich gar nicht. Ich weiß, was ich kann und auch, was die Mannschaft kann“, sagte der 22 Jahre alte Stürmer, der nur noch das Derby im Kopf hat: „Werder ist im Aufwind durch die Siege zuletzt und wir hatten eine kleine Schwächephase. Trotzdem wollen wir zu Hause gewinnen. Wir wollen an die letzten guten Spiele zu Hause anknüpfen. Dass der Nord-Schlager gegen Werder laut Klub-Kampagne zum „lautesten Nordderby aller Zeiten“ werden soll, ist ihm egal: „Das wichtigste ist nicht, ob es das lauteste oder das leiseste wird“, so Lasogga, „sondern dass wir das Spiel gewinnen und es das erfolgreichste wird.“ Und obgleich das drei Euro für Wontorras Phrasenschwein wären – Lasogga hat Recht. Und so sehr ich mich über eine Atmosphäre wie gegen Leverkusen auch freuen würde, ich finde, diesmal sollten die Spieler in Vorkasse gehen und mit Leistung auf dem Platz die Zuschauer für sich gewinnen. Denn die sind das letzte Faustpfand. Die einzige Konstante der letzten Jahre. „Darauf freue ich mich mit am meisten“, so Jarolim. Und ich freue mich darüber bzw. hoffe, dass er das beste Beispiel dafür ist, dass der HSV es doch noch kann. Also das mit dem verdienten Abschied für verdiente Spieler. Weiter so!

Diekmeier kriegt “auf die Fresse”, Rost vergaloppiert sich und Jarchow kommt zum Interview

3. Februar 2014

Oh Mann. Jetzt meldet sich Frank Rost zu Wort. Der Mann, der sicherlich einer aus der Kategorie „echter Typ“ beim HSV war, weil er gern aneckte und keiner Konfrontation aus dem Wege ging. Rost eckte immer wieder an. Auch mal heftig und sogar mit seinen Vorgesetzten. Das sogar sehr gern. „Nur durch Reibung entsteht Energie“, sagte er mir damals in einem längeren Interview über sich und nur so kann ich mir erklären, dass er tatsächlich sagt, dass nur der Abstieg diesen HSV noch retten könne. Ich hoffe einfach mal – in meinem Glauben an das Gute im Menschen-, dass er damit ganz bewusst für einen Aufschrei sorgen wollte. Denn, das ist klar (und an dieser Stelle als meine immer gültige Antwort auf die dämliche Frage „Meinst Du, der Abstieg wäre mal ganz gut für den HSV?“ zu sehen), es kann auch alles verändert werden, OHNE vorher abzusteigen. Es wäre für den Verein sogar nachweislich besser. Wozu bitte soll der Gang in die Zweite Liga nützlich sein?


Nein, wer das ernsthaft will, der hat in den letzten Wochen, Monaten und gar Jahren nicht aufgepasst. Denn inzwischen haben fast alle erkannt, dass dieser HSV mit dieser Besetzung und in dieser Form nicht zukunftsfähig ist. 80 Prozent auf der Mitgliederversammlung, die diesen kompletten Umbruch auch in der Ersten Liga haben wollen, hatten mich zumindest Besseres hoffen lassen. Daher ordne ich den Vorschlag mit dem „gesundenden Abstieg“ einfach mal in die Kategorie „Unsinn“ ein. So, wie es der Aufsichtsratsboss Jens Meier in dem großen Interview mit meinem Kollegen Kai Schiller in der Dienstagsausgabe des Abendblattes auch formuliert: „Ein Abstieg hätte fatale Folgen. Unsere ohnehin nicht einfache finanzielle Situation würde sich zusätzlich verschlechtern. Und weil das so ist, müssen wir die gesamte Kraft für den Erhalt der Klasse aufwenden. Ich bin mir sicher, dass es für Hamburg wichtig ist, dass unser HSV erstklassig bleibt.“

Stimmt.

Ebenso grotesk wie ein gewünschter Abstieg ist für mich die Frage, weshalb Carl Jarchow hier bei uns, das heißt bei Lars, Dieter und mir im Blog „Tabuthema“ sei. Denn das ist er nicht. Ganz sicher nicht. Ich weiß nicht, ob jemand von Euch mal eines der letzten „Matz ab Live“ gesehen hat, aber in fast jeder Sendung habe ich – die anderen auch, aber die können das selbst über sich sagen, ich spreche hier nur für mich – darauf hingewiesen, dass dieser Vorstand definitiv Konsequenzen ziehen muss aus seinem Handeln und den Ergebnissen. Und das schließt den Vorsitzenden des Vorstandes selbstredend und vollumfänglich mit ein.

Seit Wochen fordere ich – Dieter und Lars auch, aber die können für sich selbst sprechen – Konsequenzen. Nicht allein den Vorsitzenden persönlich treffend, klar. Immerhin hätten die Konsequenzen auch erst einmal allein die Mannschaft betreffen können.

Das allerdings hätte vorausgesetzt, der Vorstand hätte sich eingestehen müssen, dass die Mannschaft qualitativ zu schwach besetzt ist und man seine Fehlplanung korrigieren muss. Dafür hätte man personell nachbessern und Geld ausgeben müssen, womit die Zielvorgabe einer schwarzen Null so gut wie sicher verfehlt worden wäre. Das hätte dieser Mannschaft zwar aller Voraussicht nach sportlich geholfen – aber es hätte den Vorstand wieder in die Bedrängnis gebracht, sich für ein erneutes Minus im Geschäftsjahr erklären zu müssen. Und diese Traute hatte beim HSV keiner. Offensichtlich.

Das wiederum hat zur Folge, dass es sportlich weiter bergab geht und sich die Verantwortlichen nicht wegen eines korrigierbaren Minus’ auf dem Konto sondern jetzt wegen ausbleibenden Erfolges trotzdem verantworten müssen. Zumal sie sich jetzt bedingungslos, wie Jarchow heute im „kicker“, hinter den Trainer stellen. Ergo, und das ist gut daran: Es wurde kein Bauernopfer vorgeschoben, um von eigenen Fehlern abzulenken. Allerdings ist damit auch klar, dass sich sowohl Jarchow als auch seine drei Vorstandskollegen für den aktuellen Misserfolg komplett mit in die Pflicht nehmen. Die Frage ist nur, wann und mit welcher Konsequenz.

Aber das und noch vieles mehr wollen wir versuchen, zu hinterfragen. Lars und ich werden versuchen, noch vor dem Spiel gegen Hertha BSC Carl Jarchow in das von ihm vor einigen Wochen zugesagte Video-Interview zu bekommen. Der Vorstandsvorsitzende hat seine grundsätzliche Bereitschaft auch eben gerade erklärt und wird versuchen, uns in dieser Woche noch kurzfristig in seinem Terminkalender unterzubringen.

Was bleibt uns noch? Hoffen. Logisch! Dass alle endlich zusammenhalten, klar. „Gemeinsam den Bock umstoßen“ war dann auch die erste Meldung, wenn man auf die Homepage der Profis auf hsv.de klickte. „Die Fans wurden von uns in den letzten Wochen enttäuscht und haben das Recht, ihren Frust zu äußern. Aber gerade in einer so schwierigen Phase wie der unseren gilt es, seinen Worten Gehalt zu verleihen und zusammenzuhalten“, sagt Jarchow und fügt hinzu: „Und das fällt mir bei Bert van Marwijk überhaupt nicht schwer. Im Gegenteil.“

Und auch Dennis Diekmeier, der heute vor die Kameras und Mikrofone geschoben wurde, wurde nicht müde, davon zu sprechen, dass jetzt alle Kräfte gebündelt werden müssen. Vom Vorstand über die Mannschaft bis hin zu den Fans. Dass die parallel via Facebook und Twitter dazu aufrufen, dem Spiel am Sonnabend gegen Hertha BSC in den ersten 15 Minuten fernzubleiben, wusste Diekmeier zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Er wusste aber auch nicht, dass es zu dieser Anti-Bewegung wiederum eine Antibewegung gibt. Und letztere habe ich auch „geliket“, wie man so schön auf facebook-Deutsch sagt. Unter https://www.facebook.com/HSV5Gebote?sk=info&app_data findet Ihr da einen Aufruf von zwei Fans (Frederik und Gerrit), den ich nur zu gern hier unterstütze. Schaut bitte einmal rein, es lohnt sich wirklich!

Ebenso erfreulich wie dieser Aufruf ist die Tatsache, dass Rene Adler wieder ins Training einsteigt. Am heutigen Montag noch im Einzeltraining mit Markus Günther, soll der Torhüter in den nächsten Tagen auch wieder mit der Mannschaft trainieren. Gut möglich, dass Adler schon am Sonnabend gegen Hertha wieder dabei ist. Und auch bei Pierre Michel Lasogga scheint ein Ende der Auszeit in Sicht. Heute absolvierte er bereits Lauftraining. Wie wichtig der einzige Stürmer des HSV ist, muss seit dem Outing seiner so genannten Konkurrenz im Angriff nicht mehr erwähnt werden, glaube ich…

Ansonsten ist die Situation schlichtweg festgefahren. Alles reden hilft nichts, es helfen nur noch Taten – sofern sie Punkte bringen. Den Spielern bleibt gar nicht viel mehr übrig, als das zu wiederholen, was sie nach den letzten Niederlagen auch schon gesagt haben. Erstaunlich – oder besser formuliert: richtig traurig fand ich indes, dass uns Dennis Diekmeier heute erzählte, er sei zusammen mit seiner Frau und seiner Tochter angepöbelt worden ob des HSV. „Als wir im AEZ einkaufen waren, hatte ich meine Tochter an der Hand und plötzlich schrie mich ein Fan an“, erzählte Diekmeier. Geschehen ist das nach dem 2:9 in München. Aber es droht sich zu wiederholen. Auch heute wird Diekmeier des Öfteren angemacht. „Damit komme ich klar. Wenn ich allein bin und mich jemand anmacht, ist das nicht so schlimm. Manchmal stimmt die Kritik ja sogar. Aber das nach dem München-Spiel war schon grenzwertig damals. So weit darf es nicht gehen – auch wenn wir zurzeit nicht zu Unrecht auf die Fresse bekommen.“

Das stimmt. Obgleich die Formulierung etwas martialisch ist. Denn dass die Mannschaft derzeit mächtig Kritik abbekommt – von den Fans wie den Medien – ist korrekt und logisch. Allerdings wüsste ich ehrlich gesagt nicht, wie ich mich verhalten würde, wenn mich irgendein Fan so anschreien würde, dass meine Kinder und/oder meine Frau Angst bekämen. Ehrlich gesagt glaube ich, dass mich so ein Fan schnell aus nächster Nähe kennenlernen würde.

Umso erfreulicher ist es für mich, dass dieser Blog und auch die inzwischen fast 4000 Fans auf unserer Facebookseite alles so diskutieren, wie es Sinn macht: mit Respekt und Niveau. Und immer mit dem Blick fürs Wesentliche, was diesem HSV auf dem Weg zum Klassenerhalt retten kann. Auch, wenn es gerade in der schweren zeit zweifelsfrei dazugehört, mal so richtig dazwischenzuhauen und auch mal heftig zu kritisieren.

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird wieder um 14 Uhr trainiert. Dann soll auch bekanntgemacht werden, ob die Mannschaft am Freitag noch ein „Kurztrainingslager“ bezieht. Und vielleicht können Lars und ich Euch dann auch schon mehr zum Thema Video-Interview mit dem Vereinsvorsitzenden Carl Jarchow sagen/schreiben oder gar zeigen.

Bis morgen,
Scholle

“Wie geht es nun weiter?”

28. Dezember 2013

Winterpause. Fast alle sind im Urlaub, bereiten sich mental auf die Rückrunde vor. Mit nur 16 Punkten aus 17 Spielen hat der HSV mit Beginn des neuen Jahres eine Menge zu erledigen, es fehlt an allen Ecken und Enden, nichts ist bei den „Rothosen“ so in Ordnung, dass sich bequem zurückgelegt werden kann. Im Gegenteil, bei allen, bei wirklich allen müssten täglich die Alarmglocken schrillen. Und jeder müsste sich quasi rund um die Uhr die Frage stellen: „Wie kommen wir aus diesem Dilemma so schnell wie möglich wieder heraus?“ Ja, wie? Was ist zu tun? Laufen mir in diesen Tagen HSV-Fans über den Weg, dann werde auch ich immer wieder gefragt: „Wie geht es nun weiter?“ Ich bin leider auch kein Hellseher. Ich weiß nur, wenn hier nicht vom 3. Januar an eine ganz andere Gangart eingeschlagen wird, dann kann das alles doch noch ganz böse enden – denn die (Abstiegs-)Konkurrenz schläft nicht, diese Vereine haben sich schon lange mit ihrer prekären Situation auseinandergesetzt, haben die Lage erkannt und angenommen – und kämpfen dagegen mit allen Mitteln an. Und zwar miteinander.

Spreche ich mit den HSV-Anhängern über die Hinrunde, so komme ich auch immer wieder auf das Freiburg-Spiel. Da warf sich der SCF-Torwart Baumann ja gleich drei Dinger (beim 3:0-Sieg des HSV) selbst rein. Wenn diese drei Punkte nicht auf das HSV-Konto gewandert wären, was wäre dann wohl hier los? Man mag ja gar nicht daran denken . . .

Die letzte Rettung scheint für Fans des HSV einen Namen zu haben: Einkäufe. Der Club muss bessere Spieler kaufen, so wird oft gefordert. Die Antwort, die ich darauf gebe, ist immer dieselbe: „Es gibt kein Geld, um neue Spieler zu kaufen.“ Und die Antworten, die Trainer Bert van Marwijk und Sportchef Oliver Kreuzer immer wieder auf die Frage nach neuen Spieler-Einkäufen unisono gaben, war die: „Es gibt kein Geld, um neue Spieler zu kaufen.“ Obwohl das noch immer nicht alle verinnerlicht haben. Die wollen ja nichts von „einem stets klammen HSV“ wissen, die glauben immer noch an einen finanziell total gesunden HSV. Dass im vergangenen Sommer noch millionenschwere Spieler-Einkäufe getätigt wurden, das werten sie als untrügliches Zeichen dafür, dass es immer noch viel Geld im HSV gibt. Dass es aber immer Schulden oder ein immer größer werdendes Minus gibt, auch durch diese Verpflichtungen, das sehen sie nicht. Zum Ende meines Beitrags komme ich, weil ich dazu aufgefordert wurde, noch einmal auf dieses leidige Thema zu sprechen. Dass nur deswegen mit dem Vermarkter, von dem sich der Verein (HSV) eigentlich schon seit Jahren trennen wollte (ist alles nachzulesen), noch einmal verlängert wurde (das gab Millionen, die den Verein gerade noch vor einem totalen Finanz-Chaos bewahrten), das betrachten diese Finanz-Experten als völlig normal. Es ist so wie es ist . . .
Wie gesagt, am Ende kommt dieses Thema noch einmal hoch.

Zunächst aber noch einmal zu jenen Neuverpflichtungen, die nun helfen sollen – oder könnten. Das ist ein Trugschluss. Erstens wegen der fehlenden Geldmittel, zweitens wegen fehlender Angebote. Welcher Verein trennt sich jetzt von Spielern, die so gut sind, dass sie dem HSV eine Soforthilfe wären? Und selbst wenn so gute Spieler auf dem Markt wären – zu welchem Preis? Die wären (für den HSV) kaum bezahlbar. Und, wie geschrieben, sie müssten keine Ergänzungsspieler sein, sondern Profis, die dem Club sofort helfen. Von dieser Sorte aber laufen in Europa, nein, in der ganzen Welt herzlich wenige herum. Im Sommer ist das anders, aber im Winter sind solche (auch von der Konkurrenz) begehrten Exemplare wahre Raritäten.

Ich habe einmal nachgesehen, was es in diesem Jahrtausend an Winter-Transfers des HSV gegeben hat – also Einkäufe. Die Zahl derer ist, bis auf eine Saison, begrenzt. Das hat mich überrascht. So viele „Nachkäufe“ hat es gar nicht gegeben.

In der Spielzeit 2000/01 kamen in der laufenden Saison Erik Meijer, Tomas Ujfalusi und Jochen Kientz. Spieler, die nicht die ganz großen „Kracher“ waren, die aber immerhin mitgespielt haben – und zwar nicht schlecht. Wobei Ujfalusi für mich ein sehr, sehr guter Einkauf war, der Tscheche war ganz sicher überdurchschnittlich und eine sehr gute Stütze der HSV-Mannschaft.

Dann ging es weiter:

 

 

Saison 01/02: Am 1. Dezember kam Raphael Wicky, aber das blieb nicht die einzige Winter-Verpflichtung, denn es kam auch noch Bernardo Romeo (vielen Dank, Devildino!). Der HSV belegte am Ende Rang elf.

 

 

Saison 02/03: Im Winter kam Stürmer Naohiro Takahara, der es noch auf 16 Einsätze brachte, dabei aber nur drei Tore erzielte. Keine ganz so starke Bilanz. Der HSV belegte Platz vier.

 

 

Saison 03/04: Im Winter kamen Torwart Tom Starke und das Stuttgarter Talent Vjatscheslaw Hleb, beide Spieler spielten aber keine Rolle für den HSV, der am Ende Rang acht belegte.

 

 

Saison 04/05: Im Winter wurde Piotr Trochowski vom FC Bayern geholt, der Mittelfeldspieler wurde in Hamburg Nationalspieler. Der HSV belegte zum Schluss wieder Platz acht.

 

 

Saison 05/06: Im Winter gab es zwei Verpflichtungen. Eine lohnende, denn das war Nigel de Jong, und eine, die völlig daneben ging: Ailton. Der dicke Brasilianer war ein völliger Flop, aber der HSV schaffte seine beste Platzierung in diesem Jahrtausend, und zwar unter Trainer Thomas Doll: Platz drei.

 

 

Saison 06/07: Im Winter gab es drei Not-Einkäufe. Frank Rost ist bis heute der beste Winter-Einkauf des HSV aller Zeiten, denn der Torwart rettete dem HSV die Erste Bundesliga. Zudem war Ivica Olic eine überragende Verpflichtung, der Dauerläufer wurde – wie Rost – zu einer riesigen Stütze des HSV. Der „dritte Mann“ in diesem Bunde, Mathias Abel, spielte dagegen keine Rolle. Der HSV wurde am Saisonende noch (unter der Regie von Retter Huub Stevens) Tabellensiebter.

 

 

Saison 07/08: Im Winter wurden Vadis Odjidja Ofoe und Anton Putsila (in Hamburg fälschlich Putsilo genannt) unter Vertrag genommen, beide Spieler kamen über eine Mitläufer-Rolle nicht hinaus – der HSV belegte Rang vier.

 

 

Saison 08/09: Diese Spielzeit geht „in die Geschichte“ ein, weil es im Winter (unter dem Team Martin Jol/Dietmar Beiersdorfer) gleich sechs neue Leute gab – und nur einer davon mit einer großen Nachhaltigkeit aufwarten konnte: Tomas Rincon. Der Venezolaner ist bis heute dabei, alle anderen aber suchten – mehr oder weniger – schnell wieder das Weite. Oder mussten das Weite suchen: Albert Streit, Michael Gravgaard, Mickael Tavares, Marcel Ndjeng (heute bei Hertha BSC fast ein Stammspieler) und Ersatztorwart Khalid Sinouh (wer hat ihn eigentlich noch drauf?). Der HSV wurde in dieser Spielzeit Tabellenfünfter.

 

 

Saison 09/10: In diesem Winter gab es nur eine Verpflichtung, aber die hatte es auch in sich: Ruud van Nistelrooy. Marketing-technisch ein „Kracher“, sportlich nicht. Tabellenrang sieben gab es dann für den HSV.

 

 

Saison 10/11: Der HSV endete auf Rang acht, im Winter hatte es keine „Nachkäufe“ gegeben.

 

 

Saison 11/12: Der HSV hielt mit Mühe und Not die Klasse, Platz 15 war es zum Schluss – ohne Verstärkungen im Winter.

 

 

Saison 12/13: Auch in diesem Winter keine einzige Verstärkung, am Ende gab es Rang sieben für den HSV. Der wohl eingesehen hatte, dass Winter-Verpflichtungen nicht so wirklich sinnvoll sind.

 

 

Seit 13 Jahren waren im Prinzip von insgesamt 23 Einkäufen nur Rost, Olic, Trochowski, Romeo, Wicky, de Jong und Rincon wertvolle Ergänzungen – weil Soforthilfen. Nicht wirklich lohnende Geschäfte für den HSV, eher war das Gegenteil der Fall, weil zu viel Geld für viel zu wenig (einfach nur) verplempert wurde.
Daraus ist allerdings zu schließen, dass sich auch in diesem Winter der HSV nur auf sicher verlassen sollte. Einfach mal die Ärmel aufkrempeln und zur Sache gehen. Das hätte schon was . . .

Nun noch ein ganz interessanter Brief, der mich nach den Festtagen erreichte. Vielen Dank dafür, auch wenn er, das habe ich natürlich durchaus registriert, kritisch mit mir, „Matz ab“ und dem Sport-Journalismus umgeht. Ich werde dazu am Ende dieser Mail noch einmal Stellung beziehen, jetzt erst einmal die Zuschrift:

„Moin Herr Matz,

erstmal hoffe ich, dass Sie, zusammen mit Ihrer Familie, schöne und erholsame Weihnachten verbracht haben. Und wünsche Ihnen hiermit auch gleich einen guten Rutsch ins neue Jahr! Soweit, so gut. Nun gehts wieder zu unserem geliebten HSV und den, ich nenne es mal, Aufgaben, eigentlich sogar Pflichten, eines Journalisten. Seit mehr als einer Woche ist es nun auch offiziell: dem HSV geht es nicht nur sportlich, sondern auch finanziell sehr schlecht. Noch schlechter, als einige erwartet haben. Die vor kurzem veröffentlichte Bilanz lässt das nur zu gut erkennen. Nun meine Frage: Liegt es an der noch relativ knappen Zeit, dass eben über diese aktuelle (und zugleich schrecklich anzuschauende) Geschäftsbilanz der Saison 2012/2013 nur sehr oberflächlich berichtet worden ist, oder war das in der Tat schon alles, was wir dazu erwarten durften? Allgemein vermisse ich bei Ihnen und Ihren Kollegen vom Abendblatt eine detaillierte und tiefgreifende Analyse zu den aktuellen HSV-Verhältnissen. Insbesondere den Finanzen. Vieles ist so schwammig, so oberflächlich. Aber ist es nicht genau die Aufgabe eines Journalisten, eklatante Missstände klar und deutlich anzuprangern? Zum Beispiel so wie Ihre Kollegin Britta Kerhahn das vor einigen Tagen getan hat? Wobei Sie nicht mal außergewöhnliches geleistet hat, sie hat einfach nur das getan, was ein/eine Journalist/Journalistin tun muss. Nämlich Missstände aufdecken. Klar und deutlich. Darf man das zukünftig (vermehrt) auch von Ihnen und Ihren Abendblatt-Kollegen erwarten? So eine schöne, tiefgreifende Analyse der Finanzen des HSV, der aktuellen Bilanz 2012/2013? Wo z.B. ist das Geld der Fananleihe plötzlich hin?

. . .

Sehr viele HSV-Fans würden es Ihnen danken und sich mit Sicherheit sehr darüber freuen, solche detaillierte Analysen zukünftig in Ihrem, ansonsten durchaus interessanten HSV-Blog, zu lesen zu bekommen. Gerne aber auch beim Abendblatt direkt. Trauen Sie sich und lassen Sie zu diversen Themen mal “echte” Experten an die Tasten! Das würde dem Blog meiner Meinung nach sehr gut tun. PRO Gastbeiträge bzw. Expertenmeinungen.

Viele Grüße, Marcel“

 

 

Eine „schöne und tiefgreifende Analyse“ erwartet der User „Marcel“. Dazu muss ich einmal sagen, dass es solche „schönen, tiefgreifenden Analysen“ hier früher durchaus zu solchen Zahlen gegeben hat. Nur was war die Folge? Die Experten, und es gab hier tatsächlich solche Experten, die mit Zahlen im täglichen Alltag, also im Berufsleben, umzugehen hatten, diese Experten haben uns Punkt für Punkt widerlegt. Es wäre ja alles nur dummes Zeug, alles Blödsinn, es ist ohnehin alles ganz anders. Wir wurden als völlig „ahnungslos“ und als „Blinde“ hingestellt. Das ging nicht nur wochenlang, sondern monatelang und jahrelang so. Diese Herren (und auch Damen, muss ich leider sagen) wussten alles besser. Die glaubten unsere „schönen, tiefgreifenden Analysen“ nicht nur nicht, sie rechneten uns genau das Gegenteil von dem vor, was wir in unseren „schönen, tiefgreifenden Analysen“ errechnet und recherchiert hatten.

Davon, lieber „Marcel“, habe ich persönlich längst die Nase gestrichen voll. Sprechen diese Zahlen und Tatsachen, die jetzt auf dem Tisch liegen, nicht für sich? Ist das alles nicht alarmierend genug? Und bei diesem ganzen Dilemma in diesem HSV ist doch heute noch immer so, dass hier Leute glorifiziert werden, die für den finanziellen Absturz des HSV verantwortlich sind. Die Jungs, die dafür Verantwortung tragen, dass es mit diesem Club steil bergab ging, werden jetzt aber immer noch von Leuten glorifiziert, die zwar bei den HSV-Spielen auf der Tribüne dabei sind, sogar gelegentlich beim Training – die aber allein dadurch alles wissen (wollen) und die sich so den absoluten Durchblick verschafft haben. Woher dieser Durchblick dann aber auch immer kommen mag, ich habe diese Leute nie innerhalb des HSV mitarbeiten gesehen, geschweige dass sie sich HSV-intern erkundigt oder auch nur schlau gemacht haben, wie und warum alles so läuft – oder gelaufen ist?
Da wird munter drauf gemutmaßt und dann einfach rausgehauen, was ihrer Meinung nach einfach mal herausgehauen werden muss.

Vielleicht kommt eines Tages doch noch ein Mensch (des HSV), der einmal schonungslos auspackt und die Dinge offen beim Namen nennt. Das ist leider nie geschehen – aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Auch meine. Wenn eines Tages die eine oder andere Führungsperson des HSV so in die Enge getrieben worden ist, dass ihr gar nichts anderes übrig bleibt, als „auszupacken“, dann werden wir allen vielleicht doch noch einmal die ganze Wahrheit erfahren. Ich wünsche es mir.

Vieles ist „so schwammig, so oberflächlich“ – schreibt „Marcel“. In seinem vorherigen Beitrag hat „Scholle“ noch einmal – allerdings gar nicht so schwammig und oberflächlich – geschrieben, wie es um die Finanzen des HSV bestellt ist. Auch die Problematik mit dem Vermarkter, der noch einmal verpflichtet werden musste, weil sonst die schon so negativen Zahlen noch viel dramatischer gewesen wären.
Was ist daran „schwammig und oberflächlich“? Diese Bilanz wurde von allen Medien angeprangert. Das ist Tatsache. Und nun sind die HSV-Mitglieder gefordert, darauf zu reagieren. Wo es doch innerhalb des HSV noch immer (und ganz sicher) viele, viele Leute (Mitglieder) gibt, die die Zahlen ohnehin nicht als so dramatisch ansehen, als dass darauf reagiert werden müsste. Oder die diese Negativ-Zahlen einfach als “dummes Zeug” abtun.

Kurios in diesem Zusammenhang ist ja auch, dass es nun im Aufsichtsrat Personen gibt, die eine solche Kontrolle (des Vorstands) immer von ihren Vorgängern nicht nur erwartet, sondern auch stets und ständig mit Nachdruck, Vehemenz und auch mit vielen bösen Worten (oft hinter der vorgehaltene Hand) gefordert hatten, die heute aber selbst alles nur abnicken und mittragen.
Alles halb so wild? Genau, alles nur halb so wild!
Offenbar wollen es im HSV viele so „schwammig und oberflächlich“.

Allen aber, denen die Tatsache, dass die negativen HSV-Zahlen nur durch eine eigentlich nie gewollte Verschönungskur (mit dem Vermarkter) „gerettet“ wurden, zu denken gibt, die sollten sich endlich wehren. Am 19. Januar können die Weichen für eine bessere Zukunft des HSV gestellt werden, diejenigen, die dabei mithelfen wollen, die müssen dann nur Flagge zeigen, ins CCH kommen und wählen. So einfach wäre das.
In diesem Zusammenhang stelle ich mir übrigens schon seit geraumer Zeit zwei nicht ganz unwichtige Fragen:

Wieso engagieren sich eigentlich so viele ehemalige HSV-Profis für diese neuen HSV-Strukturen – wieso? Ich kenne bislang keinen „Ehemaligen“ (Spieler) des HSV, der dagegen ist.
Und warum sind so viele Leute, die nie an den Außenlinien auf- und abgelaufen sind, um dann eine halbhohe Flanke zur Mitte zu schlagen, so sehr dagegen? Weil diese Leute ganz einfach viel mehr Ahnung vom Profi-Fußball haben?

Ihr solltet vielleicht einmal darüber nachdenken.

Und nicht vergessen:
Ich bin für ein friedliches Miteinander.

17.57 Uhr

Van Marwijks Kampf gegen Windmühlen

13. Dezember 2013

Ganz schön viel Rauch heute, der abziehen musste über dem Volkspark. Es war zwar nur eine kleine „Wutrede“ gestern von Trainer Bert van Marwijk, aber doch immerhin viel größer als erwartet. Als generell von ihm erwartet, als zu diesem Zeitpunkt erwartet. Gestern hat Dieter hier schon im Wortlaut alles wieder gegeben, was der niederländische Trainer loswerden musste. Auch die Zeitungen waren voll. Kritik an der Mannschaft, an der Mentalität, Disziplin soll Einzug halten, seine erste Abrechnung und so weiter.

Klar, dass van Marwijks Worte in erster Linie auf die Mannschaft treffen. Sie setzen ja auch um, bzw. setzen eben gerade nicht um, was vorgegeben ist. Auf dem Platz ist allwöchentlich sichtbar, in Toren messbar, wie gut und schlecht sie arbeiten. Schon seit Jahren, habe ich heute wiederholt gehört, stecke ja solch eine Sch…-Mentalität in der HSV-Mannschaft, die wir dann alle vergangenen Sonnabend beim 0:1 gegen Augsburg bewundern konnten. Wohlfühlgesellschaft, Gucci hier, Gucci da. Mag sein.
Matz_ab_ankuendigung_1730_Uhr
Ich habe jetzt aber nicht schon wieder Lust, mich mit dieser oder jener Schwäche eines Spieler oder einen Trainers zu beschäftigen. Wie viele Trainer will der HSV noch verschleißen, wie viele Spieler kaufen, weil gedacht wird, hier kommt der richtige für eine goldene Zukunft, um sie dann irgendwann wieder zu verscherbeln und einen nächsten Umbruch zu starten? Ich behaupte: die Trainer und Spieler, die der HSV in den vergangenen Jahren durchgeschleust hat, sind und waren im Schnitt nicht schlechter als bei vergleichbaren Bundesliga-Vereinen. Sportlich nicht, aber auch nicht von der Einstellung und Bereitschaft, sich für den Beruf und den Verein zu opfern.


Aber: das Ganze funktioniert nicht einseitig. Nie und nimmer. Es muss immer auch eine Instanz geben, die darüber steht und entsprechende Leistung einfordert. Diese Führung muss vorhanden sein, es muss eine Leitlinie geben, einen Gedanken, für den der Verein steht. Identifikation muss geschaffen werden. Es genügt nicht, nach desaströsen Leistungen auf die Gehaltsabrechnung zu verweisen und zu meinen, mit ihren Millionen-Gagen sei den Profis Motivation genug an die Hand gegeben. Das Problem ist: fehlt die Führung, dann treten die Schwächen in den Menschen, in diesem Fall den Profis, hervor. Dann werden aus Musterprofis beim FC XY bequeme Profis beim HSV. Automatisch.

Die großen Gagen gibt es nämlich anderswo auch. Es muss mehr dazu kommen. Zumindest ein bisschen von dem, was die Fans und Anhänger des Vereins mit ins Stadion tragen, wenn sie ein Spiel des HSV sehen. Eine HSV-Identität muss mit dabei sein, ein Ziel – jenseits vom schnöden Mammon – für das sich der Einsatz lohnt. Ein Bundesligaspieler ist nicht dann besser als sein Gegenspieler, wenn er statt 1,2 nun 1,3 Millionen Euro verdient. Begeisterung, Motivation, Identifikation – das muss da sein.

Die Erfolgsgeschichte eines jeden Clubs, der gerade obenauf ist, besitzt Puzzleteile dieses Phänomens. In Freiburg war es so (auf andere Art, weil der Verein kleiner ist), in Dortmund ist es so im großen Rahmen, bei Werder war es so jahrelang, und bei den Bayern klappt es in Blockbuster-Manier.

Es ist ein jahrelanges Missverständnis beim HSV, dass immer der jeweilige Trainer verantwortlich gemacht wird, wenn die Vermittlung dieser Werte nicht gelingt. In diesen Tagen habe ich von hohen Herren auch wieder gehört, van Marwijk habe keine große Zukunft beim HSV, wenn er sich abkanzelt und im Hotel wohnt. Wenn er die Mannschaft, den Verein kritisiert wie gestern, und dadurch Distanz zeigt. Dieser Gedanke, denke ich, greift zu kurz. Auch der Trainer muss als Teil begriffen werden, in den Begeisterung von oben, von Führungsseite, vom Verein eingepflanzt wird. Pathetisch gesagt ein Ideal, für das es sich zu kämpfen lohnt, und das alle beim HSV haben müssen.

Wann hat der HSV in den letzten Jahren mal richtige Begeisterung entfacht? Mir fällt da die Zeit ein von 2004 bis 2005, als Thomas Doll das Traineramt übernommen hat. Hier war plötzlich eine Figur, die den HSV gelebt hat. Er hat den Club, die Stadt mitgerissen. Emotional war das die heißeste Phase des Clubs in den letzten 20 Jahren. Natürlich – es gab Herzkasper-Spiele zu anderen Zeiten. Es gab ein 4:4 gegen Juventus, es gab europäische Halbfinals. Aber die große Aufbruch-Stimmung, die Freude am HSV, die gab es durch begeisterte und dadurch begeisternde Figuren oben. Doll war als Trainer solch eine Figur (abgesehen davon auch noch ein sehr guter Coach), und hat damit im Prinzip eine Aufgabe übernommen, die eine Etage über ihm noch stärker hätte gelebt werden müssen. Aber: er ist auch von einer anderen HSV-Figur, Dietmar Beiersdorfer, eingesetzt worden. Mit anderen Worten: hier war die Vereins-Verbundenheit durchlässig und hat sich schließlich auf die Mannschaft übertragen.

Bert van Marwijk hat nun erkannt, dass dieser Verein eine bestimmte Krankheit hat. Er nannte es Zufriedenheit, man könnte es auch eine Schlafkrankheit nennen. Das „Erfolglos-Syndrom“. Es kommt nicht vom Trainer, und ich fürchte, auch van Marwijk könnte sich daran überheben – so wie sich Fink, Veh und andere überhoben haben. Ja aber, werden jetzt viele sagen, der Fink hat dies und das falsch gemacht. Der Veh hat doch gar kein Feuer gehabt. Der Labbadia sich nicht mit der Mannschaft verstanden.

Ich habe mit Armin Veh einmal, es war kurz vor seinem freiwilligen-unfreiwilligen Ende beim HSV, über die Situation des Clubs gesprochen. Wir sind alles durchgegangen, von oben bis unten. Vor allem oben natürlich, denn da setzen die Schwächen an. „Es ist ein Wahnsinn“, hat der Veh immer wieder gesagt, wenn es zum Aufsichtsrat kam. Unter diesen Bedingungen hat er Fehler gemacht, die Mannschaft ist ihm aus der Hand geglitten. So hat auch Thorsten Fink sein Feuer mitgebracht nach Hamburg – und als es erloschen war, sind ihm ebenfalls Fehler unterlaufen. Der HSV hat sie alle geschafft.

Zurück zu Veh. Als er dann entlassen wurde, habe ich damaligen Amtsinhabern empfohlen, einmal das Gespräch mit Veh zu suchen. Es bestand ja nun kein Anstellungsverhältnis mehr, vielleicht hätte ein unabhängiger Austausch ja mal geholfen, die Augen zu öffnen. Das Interesse von HSV-Seite war gering, denn Veh wurden immer nur und immer wieder seine Unzulänglichkeiten vorgeworfen.

Alle nicht gut genug für den HSV. Der Veh zu faul. Der Fink nur auf dem Weg zur Familie nach München. Der Jol hatte immer seine holländischen Freunde in der Kabine, und der Oenning war ja nur ein Nachwuchs-Trainer. Ich kann das alles nicht mehr hören und sehen.


Vor ein paar Monaten, es war ausgerechnet nach dem 2:9 bei den Bayern, habe ich einmal einen Kommentar zur Lage des HSV gemacht. Ein Vorschlag für eine bessere Spitze war: Beiersdorfer zum Präsident, Hoogma ins Management, Rost und Barbarez dazu, Uli Stein als Torwarttrainer – und guckt doch mal, was der Beinlich macht und wie man den Hrubesch doch noch mal endlich kriegen kann. Der Text wurde damals auch bei einer Veranstaltung der HSV-Senioren vorgelesen. Mir wurde von höhnischem Gelächter berichtet.

Klar, kann man drüber lachen – wie soll das auch gehen? Und überhaupt: dieses ewig-gestrige mit den 83ern, oder wie? Mir ging es und geht es jetzt um den Gedanken, der dahinter steckt. Um den HSV. Um Figuren, die diesen Verein verkörpern und nach außen tragen und die eine emotionale Bindung mitgeben, die – richtig vorgelebt – dann auch irgendwann mal auf dem Rasen ankommt.

Jeder kann sich selbst überlegen, ob im aktuellen Vorstand und Aufsichtsrat diese Figuren sind, und ob sie kommen würden bei den aktuellen Strukturen. Oder ob von Heesen, Hieronymus, Jakobs und andere mit ihren Verbindungen mehr davon bieten. Oder Hunke. Oder ob Ertel, Liebnau und Co. für den richtigen Weg stehen. Die Frage, ob ein strategischer Partner am 20. Januar, am Tag nach der Mitgliederversammlung, unter „HSV-PLUS“-Voraussetzungen da steht und mit einem Scheck wedelt, ist da erstmal zweitrangig. Es braucht ein Modell, in dem Leistungsfußball mit HSV-Identität gefördert wird. Mit all seinen Gesichtern und Geschichten. Alles in eine Richtung. In eine Richtung!!!

Damit nämlich Calhanoglu, Beister und Tah ihre erfolgreiche Zukunft in Hamburg haben werden, und nicht anderswo. Auch und gerade diese Jungs brauchen etwas, woran sie sich halten können – das Verbindende des HSV. Wenn sie merken, dass der Trainer – im Moment van Marwijk – wie sie selbst in dem wackeligen Boot sitzt und nach Orientierung sucht, dann sind sie so schnell verschwunden wie einige andere vor ihnen.

Zum Training heute. Personell hat sich nicht viel getan. Der Kader ist wie erwartet, so dass van Marwijk morgen in München folgende Elf aufbieten könnte:
Drobny – Rincon, Tah, Djourou, Jansen – Badelj, Arslan – Zoua, van der Vaart, Calhanoglu – Lasogga.

Jacques Zoua steht also mal wieder in der Startelf und vertritt den Gelb-gesperrten Maxi Beister. In der heutigen, kurzen Presserunde hat Zoua verraten, dass er schon zwei Mal gegen den FC Bayern gespielt hat. In der Champions-League-Saison 2011/2012 wurde er jeweils eingewechselt – beim Hinspiel in Basel (1:0) und beim Rückspiel in München (0:7). Heute sagte der Kameruner: „Ich versuche, das Spiel gegen die Bayern wie jedes andere Bundesliga-Spiel zu sehen. Natürlich wird es schwer, aber wir versuchen alles.“

Die Bayern müssen auf Boateng (fünfte Gelbe Karte) verzichten, und nach wie vor auf Robben und Schweinsteiger. Alaba, so heißt es aus München, könnte auf der linken Verteidiger-Position durch Contento ersetzt werden. Das wäre dann der Gegenspieler von Jacques Zoua.

Hoffnung für den HSV: Claudio Pizarro kommt wohl zunächst von der Ersatzbank. Im März schoss er vier Tore gegen den HSV. Insgesamt hat er in 21 Spielen gegen Hamburg 18 Tore erzielt. Eine unfassbare Quote.

Für den HSV geht es darum, sich anständig aus der Affäre zu ziehen. Das wäre völlig okay. An den Bayern haben sich dieses Jahr auch Barca und andere die Zähne ausgebissen. Dieser Fußball-Sonnabend, denke ich, bietet unabhängig vom Ausgang des Spiels keinen Anlass für Hohn und Spott.

Bei Oliver Scheel sind inzwischen die ersten Anträge eingegangen für die Mitgliederversammlung. „HSV-PLUS“ von Otto Rieckhoff, „Tradition mit Zukunft“ von Jürgen Hunke, „Rautenherz“ liegen vor. Außerdem viele Einzelanträge, unter anderem die Idee, eine Stiftung zu gründen. Die Anträge der „HSV-Reform“ werden bis zum Fristende am Sonntagabend auf der Geschäftsstelle des HSV erwartet.

Dieter und Scholle erwarten Euch nach dem Abpfiff des Bayern-Spiels zu „Matz ab live“. Ein Gast wird der Niendorfer Ex-HSV-Profi Alexander Laas sein.
Bis dahin
Lars

P.S.: Das DFB-Pokalspiel gegen Bayern München steigt am Mittwoch, 12. Februar 2014, um 20.30 Uhr und wird sowohl in der ARD als auch auf Sky gezeigt. Und: In der Vorbereitung auf die Fußball-WM in Brasilien spielt die deutsche Nationalmannschaft am 13. Mai in der imtech-Arena gegen Polen.

Fink: “Vollgas, kratzen, beißen, kämpfen”

12. September 2013

Mit den Toren von gestern gewinnen wir heute keine Spiele mehr. Sagt Dennis Diekmeier. Überall in der Stadt hängen die Plakate. Und das mit den Toren stimmt nicht nur morgen nicht, sondern stimmt auch übermorgen nicht. Besonders übermorgen. Denn „gestern“, genau in der vergangenen Saison, schoss der HSV in zwei Spielen sieben (!) Tore gegen Borussia Dortmund und gewann beide Bundesliga-Spiele gegen den BVB. Aber wie gesagt, Dennis Diekmeier hat es auf den Punkt gebracht. Wie für dieses Spiel gemacht.

Personell pfeift der HSV nicht mehr aus dem letzten Loch, Rafael van der Vaart wird nach seiner überstandenen Oberschenkel-Zerrung dabei sein, Tolgay Arslan und Marcell Jansen nach ihren Problemen mit einem „dicken Zeh“ ebenfalls, lediglich Artjoms Rudnevs, zuletzt beim 4:1-Sieg in Dortmund Doppeltorschütze, dürfte ausfallen. Der Lette hat Adduktoren-Probleme, war zuletzt aber ja auch ohnehin nicht mehr erste Wahl (bei Trainer Thorsten Fink). Die HSV-Hoffnung sitzt auf der Bank: Pierre Lasogga. Für zehn Minuten und zwei Tore ist der Ex-Berliner bestimmt gut. Im Training jedenfalls „bombt“ er schon nach Herzenslust – und trifft auch oft und meistens auch bildschön.

So wie heute. Lasogga traf zwar nicht, aber da war er in bester Gesellschaft. Keiner traf im Abschlussspielchen auf einem Viertel des Platzes. Wenn Lasogga aber schoss, dann mit Schmackes. Da steckt schon was dahinter, Rene Adler hatte mit den flatternden „Dinger“ seine Mühe. Ansonsten war nichts zu erkennen, wie Thorsten Fink in Dortmund spielen lassen will. Er ließ bunt durcheinander gewürfelt spielen, in einem Team spielten erneut drei Innenverteidiger nebeneinander: Michael Mancienne, Johan Djourou und Slobodan Rajkovic. Und davor, quasi auf der Sechs, Heiko Westermann. Rechts und links davon Dennis Diekmeier (der eine Schwalbe probierte, aber keinen Elfmeter bekam – zu durchschaubar) und Marcell Jansen.

Das sah dann doch so aus, als würde Jansen auch in Dortmund hinten links spielen, und davor Zhi Gin Lam. Das „Baueropfer“ wäre dann Petr Jiracek, der am Dienstag noch mit Tschechien in Italien (1:2 verloren) spielte – und der so recht in dieser Saison noch nicht überzeugen konnte. Und irgendeiner muss ja schließlich draußen bleiben, auch Fink darf ja nur mit elf Mann spielen lassen . . . Tomas Rincon, der heute erst um 14 Uhr vom Länderspiel in Venezuela zurückgekehrt ist, trainierte mit, machte auf mich auch keinen müden Eindruck – und könnte wohl, so ihn denn Fink wollte. Ja, bei einem so großen Kader ist es dann doch, wenn alle (fast alle) fit sind, schwer, die richtige Wahl zu treffen. Fest steht aber: Ivo Ilicevic und Artjoms Rudnevs bleiben ebenso hier wie der verletzte Milan Badelj und die Innenverteidiger Nummer fünf und Nummer sechs, Mancienne und Rajkovic.

Übrigens ist Rene Adler mein großer Hoffnungsträger, dass er dem HSV „die Bude“ rein hält. Erwischt er einen solchen Schokoladen-Tag wie den im September 2012, dann werden Dortmunds Stürmer nichts zu lachen und zu feiern haben. „Wir wissen“, sagt der Nationaltorwart, „wie wir in Dortmund bestehen und auch gewinnen können, aber wir wissen auch, wenn wir nicht, und zwar jeder einzelne, die Top-Leistung abrufen werden, dass es dann nicht reichen wird, denn Dortmund ist ja ganz klar die bessere Mannschaft. Aber dieses Spiel ist eine besondere Herausforderung, auf die wir uns freuen – ich jedenfalls freue mich sehr. Der BVB ist neben oder mit Bayern München die beste Mannschaft Deutschlands, das ist doch reizvoll, gegen ein solches Team anzutreten. Dazu dann dieses Stadion, vor 80 000 Zuschauern anzutreten – herrlich.“
Hoffentlich denkt Rene Adler auch am Sonnabend gegen 20.30 Uhr immer noch so . . .

Von den letzten beiden Erfolgserlebnissen des HSV gegen Dortmund will Thorsten Fink nichts mehr wissen: “Letztes Jahr haben wir zweimal gewonnen, aber das bringt uns ja nichts, wenn die uns jetzt mit 3:0 oder 4:0 vom Hof jagen. Wir müssen schon von Beginn an dagegenhalten, richtig Gas geben, kratzen, beißen und kämpfen, dass wir dort einen Punkt holen.” Realist, der Mann. Guter Mann.

Themenwechsel. Im Hamburger Abendblatt erschien heute ein Interview mit dem HSV-Aufsichtsrats-Vorsitzenden Manfred Ertel. Daraus hat die Agentur einen Kurz-Bericht gemacht:

Aufsichtsratschef Manfred Ertel sieht die diskutierte Strukturreform beim Fußball-Bundesligisten Hamburger SV skeptisch. Der Journalist wendet sich gegen eine Ausgliederung der Profi-Abteilung. Diese sei kein „Allheilmittel für mangelnden sportlichen oder wirtschaftlichen Erfolg“, sagte Ertel dem „Hamburger Abendblatt“ (Donnerstag) und betonte: „Die letzten Insolvenzen gab es doch gerade bei ausgegliederten Vereinen wie Alemannia Aachen, Kickers Offenbach oder MSV Duisburg. Sportlicher Erfolg hängt nicht von Strukturen ab, sondern von handelnden Personen.“
Ließe sich der HSV in dieser Frage von Stimmungen leiten, drohe ihm „so etwas wie eine feindliche Übernahme“, meinte der 62-Jährige. Aufgrund negativer Erfahrungen sei man im europäischen Ausland auf dem Weg zurück zu Mitglieder-Vereinen. „In Europa gilt der HSV e.V. deshalb vielen als Vorbild“, sagte Ertel. An dem Reformkonzept vom ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Ernst-Otto Rieckhoff störe ihn, dass es „Mitbestimmungsrechte der Mitglieder praktisch abschafft“.

Die geforderte Reduzierung des Aufsichtsrates von derzeit elf auf sechs Personen sieht Ertel nicht als vordergründig an, will sich dem Thema aber nicht verschließen. „Maulwürfe bleiben Maulwürfe, ob bei elf oder sieben Mitgliedern“, sagte der Aufsichtsratschef und meinte damit das permanente Ausplaudern von Interna.

Aachen, Offenbach und Duisburg? Welcher Club ist heute denn nicht schon ausgegliedert? Und dann das brisante Thema Vorbild? Stimmt ja wirklich. In Dortmund, bei Bayern München, beim FC Barcelona, bei Real Madrid und bei Manchester United sowie dem FC Arsenal, um nur mal ein Bruchteil jener Clubs zu erwähnen, beneiden sie alle den HSV. Bei diesen Welt-Vereinen kommt schon lange echte Wehmut auf. Sie möchten doch alle so sein, wie dieser großartige HSV. Aber leider haben sie die Chance dazu verpasst. Jetzt laufen in allen diesen Vereinen, und in vielen, vielen mehr, sämtlich Kampagnen zu Struktur-Änderungen. In allen diesen Stadien hängen Plakate, auf denen zu lesen ist: „Zurück zum Fußball! Wir wollen sein wie der HSV in Hamburg!“

Übrigens: „Matz ab“ dient, das sage ich mal so, inzwischen im weltweiten Internet auch als Vorbild aller Fußball-Blogs, und auch ich, sage ich mal so, werde schon seit Jahren als absolutes Vorbild für alle und für jeden gepriesen und hingestellt. Ist wahr. Kann sich jeder erkundigen. Ich bin ein Vorbild, sag ich jetzt mal so, jeder will so sein wie ich. Und wie „Matz ab“ natürlich.

Bis auf den Herrn „Wortspieler“. Der gute Mann ist vielleicht dann doch ein Mann für den HSV-Aufsichtsrat und nun wiederum mein ganz großes Vorbild. Wie der mit den Worten jonglieren kann – einmalig. Er kann alles, weiß alles, weiß alles auch viel besser, und er hat nun ein einzigartiges „Matz-ab-Jubiläum“ aufgedeckt. Wenn wir ihn nicht hätten – und die dicken Kartoffeln. Denn er schrieb nun:

In knapp zwei Stunden (21.00 Uhr) feiert “Matz ab” ein beachtliches Jubiläum: Es sind nunmehr exakt 200 Stunden nach der Vorstellung von “HSVplus”, in denen es der Blogvater geschafft, sich weder mit dem Konzept / Projekt auseinananderzusetzen – weitergeleitete DPA-meldungen außen vor – noch sich in irgendeiner Form zu positionieren. Diese aalglatte Berichterstattung eines Journalisten (!) und Fans sucht seines Gleichen und soll mit diesem Jubiläum Anerkennung finden.

Vielen Dank für den Hinweis auf dieses überragende Jubiläum, wir haben gerade die Sektkorken springen und hüpfen und knallen lassen. Hoch die Tassen, Konfetti und Hintern auf den Tisch.
Wer lesen kann, der ist zwar klar im Vorteil, aber Jubiläum ist Jubiläum.

Dass ich noch keine Stellung zum Thema „HSVplus“ bezogen habe, das ist mir peinlich, aber auch ich lerne ja täglich hinzu. In der Redaktion haben zwar schon einige Damen und Herren angerufen, mir auch geschrieben, ob ich denn schon der Wahl-Helfer, der Presse-Sprecher und der Berater von Ernst-Otto Rieckhoff (und dessen Initiative „HSVplus“) sei, aber die sind ja wohl fast alle wirklichkeitsfremd. Zu diesem Thema aber schrieb ich hier im Blog am 5. September („Lasogga mischt schon richtig gut mit“) – und ich schrieb es schon mehrfach, es mag dem einen oder anderen entgangen sein:

Dann gab es im Sport-Informations-Dienst heute eine Zusammenfassung des heißen Themas „Struktur-Änderungen“ beim HSV, die möchte ich Euch nicht vorenthalten. Auch deshalb schon, weil sich erneut zwei große „Alt-HSVer“ zu Wort gemeldet haben. Um das noch schnell einzufügen, weil ich gefragt worden bin, ob ich der Medienberater von Ernst-Otto Rieckhoff bin: Ich bin es nicht – und bin es doch. Ich unterstütze EOR, weil ich für neue Strukturen bin, sie sind längst überfällig. Wie Thomas von Heesen mir kürzlich sagte: „Der HSV hat den Zeitpunkt verschlafen, das hätte schon vor drei, vier Jahren gemacht werden müssen.“ Stimmt.

Deswegen unterstütze ich Rieckhoff, ich unterstütze aber auch jeden anderen, der sich für neue Strukturen im HSV stark macht. Das gilt für Jürgen Hunke genau so, und falls es den Magath-Plan tatsächlich geben sollte, dann unterstütze ich das auch. In der Hoffnung, das muss ich schon zugeben, dass sich die Herren dann eines Tages so einigen werden, dass etwas Sinnvolles für den HSV dabei herauskommen wird. Das, nur das ganz allein zählt für mich. Nicht jenes und nicht dieser Plan, sondern nur der HSV. Otto Rieckhoff hat aber mit seinem Vorstoß schon mal Maßstäbe gesetzt. Ich hätte mir ja folgende Veränderungen gewünscht:

Aufsichtsrat bleibt Aufsichtsrat – für den HSV e. V. Und für die ausgegliederte Bundesliga-Abteilung drei Vorstandsmitglieder, dazu einen fünfköpfige sportlichen Aufsichtsrat, bestehend aus Jakobs, Hieronymus, von Heesen, Horst Hrubesch und noch einem verdienten Ehemaligen. Das aber, so toll diese Vorstellung für mich auch ist, wäre gar nicht möglich. Weil ja die Mitglieder im HSV entscheiden sollen und müssen. Und in diesem Falle ist eben der Weg, den Rieckhoff nun eingeschlagen hat, der richtige. Was nicht heißen soll, dass nicht auch Hunke und Magath-Kühne einen richtigen Weg (mit den Mitgliedern) einschlagen können. Aber das kommt ja auch erst noch auf uns zu.

Damit habe ich absolut keine Stellung bezogen – das wollte ich so.
Wie oft ich aber schon darauf angesprochen worden bin, dass ich ja für neue Strukturen bin – und dass ich EOR unterstütze, das kann ich gar nicht mehr zählen. Einer der letzten war beim Tag der Legenden am Millerntor der frühere Nationalspieler und heutige Sport1-Moderator Thomas Helmer, der mich am Sonntag wie folgt ansprach: „Du mischt ja ganz schön mit bei den neuen Strukturen des HSV . . .“ Nun gut, offenbar kann man das so und auch so sehen. Der Herr Wortspieler sieht es eben so. Kann ich ihm auch nicht helfen, muss er vielleicht woanders reinschauen, da wird vielleicht kräftiger Stellung bezogen . . . Im Quickborner Tageblatt eventuell.
Ich habe ein Herz für Besserwisser.

Bei der Gelegenheit – auch solche (netten) Beiträge gibt es im Moment wirklich viele:

Hallo ihr beiden,
mit großem Interesse verfolgen wir hessischen HSVer die Entwicklung rund um HSVPLUS.
Da viele von uns mehr Informationsbedarf haben und etwas ändern wollen, haben wir von den HSV Freunden Burgwald eine Infoveranstaltung organisiert, zu der alle hessischen Fanclubs eingeladen wurden.

Vielleicht ist dieses Thema ja auch für euch interessant und ihr möchtet auch kommen und euch das anhören…Ihr seid herzlich eingeladen.
Ein Umweg ist es nicht, wenn ihr nach Frankfurt fahrt, liegt Bracht praktisch auf dem Weg.
Schaut euch doch bitte mal die Einladung an, ich freue mich über eine positive Rückmeldung.

Wir werden übrigens zur JHV im Januar eine Bus chartern und mit unseren HSV-Mitgliedern (41 im Verein) nach HH fahren

Mit blau-weiß-schwarzen Grüßen

Martin Schneider
HSV Freunde Burgwald 2002
mobil 0177 3421 836
mail: hsvfreundeburgwal@googlemail.com

Einige, fast hätte ich viele geschrieben, also einige „Matz-abber“ haben mir in der Tat berichtet, dass sie Mitglieder schon dahingehend ansprechen, zur Mitgliederversammlung im Januar zu kommen, um diese historische Chance der neuen HSV-Strukturen nicht noch einmal verstreichen zu lassen. Ein Aufsichtsrats-Mitglied wirbt bei dem Heimspielen des HSV in der Nordkurve vehement, einfühlsam und „klettig“ für genau das Gegenteil, deswegen ist es auch ratsam, dass andere „normale“ Mitglieder für einen runderneuerten HSV arbeiten. Und es wird gearbeitet, das weiß ich, nicht nur im Team Rieckhoff, nicht nur bei Jürgen Hunke und auch nicht nur bei Kühne/Magath. Es geht schon rund. Ein Freund von mir ist wieder eingetreten in „seinen“ HSV, weil er unbedingt wählen will, und ich weiß von „Matz-abbern“, die ihrerseits Freunde und Bekannte überreden wollen, (wieder) einzutreten, um so dem HSV eine bessere Zukunft zu verpassen. Ich sage ja immer: Über 25 Jahre haben es nun die versucht, die es dann doch nicht konnten, jetzt sollten andere mal auf eine neue Art zeigen dürfen, dass es sehr wohl besser geht.

Und eines dürfte doch auch wohl jedem klar denkenden HSV-Mitglied klar sein: Holger Hieronymus, Thomas von Heesen, Ditmar Jakobs, Günter Netzer, Horst Hrubesch, Manfred Kaltz, Uwe Seeler, heute dazu im „Kicker“ Willi Reimann, die setzen sich nicht nur aus Jux und Dollerei für den neuen HSV ein. Die wissen längst, was in der Bundesliga Sache ist. Auch wenn sie fern ab davon erfahren haben, dass der HSV für viele Clubs und Institutionen in Europa ein Vorbild ist.
Ach man, wenn es nicht so traurig wäre . . .

Bin übrigens gespannt, wie der neue Bild-Kolumnist Frank Rost diese neuen Strukturen demnächst sehen wird. HSV als Vorbild-Verein, oder HSV chancenlos mit diesen amateurhaften Satzungen? Dass Rost nun für Bild schreibt, ist für mich ein echter Hammer, aber man lernt im Leben ja nie aus. Das ist wie weiland Otto Rehhagel. Der hasste einst die Bild wie die Pest. Als ich, es war 1990, noch bei Bild war, bat ich den damaligen Werder-Coach bei einem Hallenturnier in Bremen um ein Interview. Er fragte mich: „Junger Mann, von welcher Zeitung kommen Sie?“ Ich: „Von Bild Hamburg.“ Er: „Dann hat sich unser Gespräch schon erledigt.“ Ich: „Wieso das denn?“ Er: „Dann hat sich unser Gespräch schon erledigt – Ende.“ Ich: „Wieso, Herr Rehhagel, leiden Sie unter Verfolgungswahn? Ich komme aus Hamburg, nicht aus Bremen . . .“ Er wollte mir daraufhin an den Kragen, aber zum Glück für alle Beteiligten mischte sich dann, weil es lauter und hitziger im Raum wurde, Werder-Manger Willi Lemke ein und zog den drohenden und knurrenden und pöbelnde Trainer weg von mir.
Und ein Jahr später? Da war dieser Otto Rehhagel dann Bayern-Trainer – und, weil es Bestandteil seines Vertrags war (auf Vermittlung von Franz Beckenbauer), auch ganz plötzlich Bild-KOLUMNIST!!!! Jawoll, Kolumnist!!! So geht es dann auch mal im Profi-Fußball der Republik. Man darf ja wohl noch mal seine Meinung ändern.

PS: Morgen um 10.40 Uhr fliegt die Mannschaft nach Düsseldorf, dann findet am Nachmittag das Abschlusstraining unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Wer es einrichten kann – es wird in Essen (nahe Dortmund) geübt.

18.29 Uhr

Dies und das an einem freien Tag

29. Juli 2013

Eigentlich ganz schön, dass es diese trainingsfreien Montage gibt – habe ich so bei mir gedacht. Und deswegen habe ich in meinem Postfach gekramt, um nach noch unbeantworteten Mails zu suchen. Und bin – natürlich – fündig geworden Bei der Gelegenheit, ich muss es jetzt noch ein, zwei Mal sagen, bitte ich um Verzeihung, wenn ich nicht alles beantworte oder aufnehme, denn es wird mir täglich einfach zu viel zugeschickt. Diesmal will ich aber, wie eine Art Sprechstunde (von früher) einige Mails aufgreifen, denn erstens gibt es beim HSV aktuell nichts zu berichten, und zweitens sind einige Fragen oder Anregungen gekommen, die wirklich erwähnenswert sind. Das soll nun und jetzt und heute geschehen. Allen, die mir geschrieben haben – und auch schreiben – sage ich auf diesem Wege aber noch einmal ein herzliches Dankeschön für das Mitmachen, für die Anregungen, für die Emotionen rund um „Matz ab“ – das ist einfach nur klasse.

Ganz am Anfang aber möchte ich noch zum Thema „Verkäufe“ kommen. Gojko Kacar steht ja bei Rubin Kazan auf der Einkaufsliste, wird deshalb sogar in Ochsenzoll beim Training mit der U 23 beobachtet, aber beim Testspiel der Zweiten in Magdeburg konnte sich Kacar nicht in den Vordergrund spielen. Eher war das Gegenteil der Fall. Rubin Kazans Deutschland-Scout Alexander Asimow: „Mit dieser Leistung wird es schwer für Gojko, er muss fit werden, muss sich neu beweisen.“ Am 10. August spielt HSV II gegen Hannover 96, dann soll Kacar noch einmal unter die Lupe genommen werden, dann dürfte sich wohl entscheiden, ob es für den 26-jährigen Serben Richtung Russland geht.

So, nun zur „Sprechstunde“. Wobei der erste „Fall“ ein Doppel-Interview ist, das mir in Auszügen von der Fußball-Illustrierten „11FREUNDE“ (Ausgabe 141) zur Verfügung gestellt worden ist. Diese Aussagen, die HSV-Sportchef Oliver Kreuzer und HSV-Trainer Thorsten Fink gaben, lasse ich einmal unkommentiert. Es sind nur, wie geschrieben, Auszüge des Interviews, aber ich finde, dass das schon einige bemerkenswerte Sätze sind, die da gesagt wurden:

Über die Aussage von Uli Hoeneß, dass der HSV der einzige Verein ist, der von den infrastrukturellen Voraussetzungen her dem FC Bayern das Wasser reichen könnte, sagte Thorsten Fink:
„Es äußern sich oft Leute zu unserem Verein, ohne Interna zu kennen. Bei allem Respekt für Uli Hoeneß wäre es manchmal auch angebracht, ruhig zu sein. […] Momentan liegen Welten zwischen uns und dem FC Bayern. Und es wird noch Jahre dauern, bis wir uns wieder annähern.“

Zur These, dass es dem Bundesliga-Urgestein mal gut tun würde, abzusteigen, um sich zu erneuern, sagte Oliver Kreuzer:

„Auf keinen Fall. Das darf und wird nicht passieren. Die Erwartungshaltung der Leute ist, dass der HSV wieder am Dienstag oder Mittwoch live im Fernsehen läuft. Und ich verstehe es als unsere Aufgabe, den Klub auch wieder dahin zu bringen. Aber es gibt gegenwärtig zehn Klubs, die diese Möglichkeiten haben, und Stand heute sind bei vielen die wirtschaftlichen Voraussetzungen deutlich besser als hier.“

Zur Aussage »Der HSV muss wieder in die Champions League« befand Kreuzer:

„Natürlich muss das unser Ziel sein. Aber wir können nun mal nicht sagen: Diese Saison schaffen wir Platz sechs, nächstes Jahr Platz drei und ab da nur noch Königsklasse. Erst mal müssen die Voraussetzungen geschaffen werden, überhaupt wieder international anzugreifen. Und ob es dann klappt, kann bei der großen Konkurrenz auch von einer Schiedsrichterentscheidung oder einem verschossenen Elfmeter abhängen.

Über Mitglieder des Aufsichtsrats, die Interna an die Presse geben, sagte Kreuzer:

„Der HSV ist ein diffiziles Konstrukt auf Führungsebene. […] Aber die Problematik, dass in Medienstädten bestimmte Funktionsträger auch enge Beziehungen zu Journalisten unterhalten, gibt es in Köln und München genauso – vielleicht sogar noch extremer. Damit müssen wir in unserer Position umgehen können. Die Leute, die Interna bewusst öffentlich machen, sollten sich darüber Gedanken machen, dass sie dem Verein großen Schaden zufügen. Was sollen Spieler denken, wenn sie beispielsweise Details aus ihren Verträgen in den Zeitungen lesen?“

Zu vorzeitigen Wechseln bei laufenden Verträgen äußerte Fink:

„Was soll ich da sagen? Ich wollte vom FC Basel weg, als der HSV mir ein Angebot machte. Aber habe ich deswegen schlechte Arbeit abgeliefert? Ich glaube nicht. Deswegen kann ich Heung Min Son verstehen, wenn er aus dem Vertrag raus will. Jeder, der gehen will, soll gehen.“

Kreuzer dazu:

„Fußball ist nicht berechenbar. Glauben Sie, ich hätte vor zehn Wochen daran gedacht, dass ich heute in Hamburg sitze und ein Interview zum HSV gebe? Da habe ich noch überlegt, ob wir mit dem Karlsruher SC den Aufstieg in die zweite Liga schaffen. Keiner weiß, was morgen ist. Dafür werden hohe Entschädigungen bezahlt, so dass am Ende alle zufrieden sein können. Eine moralische Bewertung bringt da nichts. Der Fußball ist heute anders als zu unserer aktiven Zeit. Profis wechseln einfach viel öfter.“

Dann schrieb uns „Reinhard 1954“

„Ich habe im Blog vergeblich auf ein Statement von Herrn Matz und von „Scholle“ zum Interview von Herrn Kühne im Kicker vom 22. 07. 2013 und zum Artikel im Managermagazin 8/2013 gewartet.
Die nachstehenden Aussagen von Herrn Kühne im Kicker müssten die Verantwortlichen des HSV eigentlich nachdenklich stimmen. U. a.:

Der HSV hat wieder einmal finanzielle Probleme. Haben Sie nicht mal Lust mal wieder einzugreifen, Herr Kühne?- Nein, unter den jetzigen Umständen nicht. Zunächst müssen die Strukturen im Klub verändert werden – es muss professioneller werden. Der Aufsichtsrat ist zu groß, es gibt zu viele Streitereien. Bei Transfers hatte der HSV in jüngster Vergangenheit ein nicht so glückliches Händchen. Herrn Kreuzer kenne ich nicht. Ich hätte mir Felix Magath als einflussreichen Vorstand und Sportdirektor gewünscht. Ein Investor bin ich nicht, sondern ein Sympathisant als gebürtiger Hamburger. Einer, der helfen will, den Verein in Form zu bringen. Und ein Sponsor bin ich auch nicht, weil ich keine Gegenleistung verlange. Unter anderen stellen die Werksmannschaften von Leverkusen und Wolfsburg eine Wettbewerbsverzerrung dar.

Wir haben uns dazu nicht geäußert, das stimmt, aber damit wollten wir keineswegs kneifen. Erstens war es eine Geschichte des Kickers, und diese steht schon für sich, hat klare und eindeutige Aussagen. Zweitens weiß ich ja, was hinter den Kulissen läuft – in Sachen Strukturen im HSV. Wartet ab, es wird schon noch genügend passieren – und ich glaub auch, dass darin Herr Kühne keine so ganz kleine Rolle spielen wird. Grundsätzlich bleibt festzuhalten, dass von einigen Männern viel und emsig und akribisch daran gearbeitet wird, dass der HSV professioneller auf die Beine gestellt wird. Letztlich aber sind dann doch die Mitglieder entscheidend, ob sie diesen Weg mitgehen möchten. Weiter wurschteln (bis zum Abstieg), oder neue und professionelle Strukturen, das ist dann die Frage.

Eines muss ich aber mal klar betonen, weil das aus dem HSV heraus gefragt und gesagt worden ist: Ich bin nicht derjenige, der die Struktur-Änderungen vorantreibt, bei mir laufen – auch nicht inoffiziell – keine Fäden zusammen, ich bin auch nicht der „heimliche Chef“ für den neuen HSV – aber: Ich werde das tun, was ich tun kann, damit der HSV professioneller auf die Beine gestellt wird, damit er endlich wieder einmal voll konkurrenzfähig in der Ersten Bundesliga wird. Jeder, der das auch will, wird meine Unterstützung erhalten. Wobei ich in einigen Tagen ja nur noch die Privatperson Dieter Matz bin, der auch nur das kann, was jedes HSV-Mitglied tun könnte und kann.

Dann gab es diese Mail, die uns der „Kollauer“ zukommen ließ:

Moin Dieter,

ganz gegen meine sonstige Gewohnheit ein paar Anmerkungen zu Deinem Blog und zwar hinsichtlich der Trainerausbildung. Während meiner Tätigkeit als Jugendtrainer habe ich die Lehrgänge nur als Fortbildung für die Fähigkeit zur Vermittlung des „Wie“ nie des „Was“ verstanden. Damit will ich sagen, dass von Uwe Jahn nie erwartet habe, dass er mir perfekte Trainingspläne für meine Jungs mitgibt. Welche Trainingsinhalte ich meinen Burschen vermitteln wollte, war doch sehr von dem individuellen Talent und Leistungsvermögen und –willen meiner eher breitensportorientierten Knäblein anhängig. Und damit war ich in der Pflicht.

Nun ist das mit Profis sicher eine ganz andere Geschichte, obwohl: so sehr unterscheidet sie sich vielleicht doch nicht. Es kann mir doch keiner erzählen, dass unter Berücksichtigung der „modernsten“ Trainingsmethoden und Taktiken der Kader vom FC Pep dasselbe Training machen würde wie Wolfsburg, Schalke, Braunschweig und last but not least der HSV. Auch hier muss der jeweilige Trainer die körperlichen wie mentalen Voraussetzungen seines Kaders berücksichtigen. Es wäre doch außerordentlich betrüblich, wenn den z. T. gestandenen Ex-Profis, die beim DFB ihren Fußballlehrerschein machen, noch der Aufbau eines
leistungsorientierten Trainings vermittelt werden müsste. Dass dabei Themen wie Athletik, Taktik, Regeneration, Ansprache usw. theoretisch unterfüttert wird, halte ich für selbstverständlich. Nur ist doch wohl jeder Profi-Trainer in der Verpflichtung sich ständig weiter zu entwickeln!

Ich gehe einmal davon aus, dass das bei Thorsten Fink genauso ist. Ich mag nicht glauben, dass es sich bei ihm verhalten soll, wie bei dem alten und nicht mehr aktuellen Bild von den Lehrern: nach dem Examen einen Lehrplan erstellt und diesen bis zur Pension durchgezogen. Ich fühle mich nicht in der Lage, das Training von Thorsten Fink und seines Trainerstabes zu beurteilen. Dafür fehlen mir ganz einfach die fachlichen Voraussetzungen. Was ich allerdings sehr wohl beurteilen kann, sind die Ergebnisse, die mir die Mannschaft vor die Füße wirft. Jeder kann verlieren – keine Frage -, aber dann will ich wenigstens Kampf und Einsatzbereitschaft sehen. Und eben dieser Eindruck ist mir überwiegend in den vergangenen Spielzeiten abhandengekommen. Für mich steht zunächst einmal jeder einzelne Spieler und dann die gesamte Mannschaft als TEAM in der Verantwortung. Da kann ich dann auch nichts mit dem Wehklagen über das Chaos in den Führungsetagen des Clubs anfangen. Bisher haben die Männer wohl noch immer pünktlich ihr Geld bekommen, dann sollen sie gefälligst auch Leistung liefern.

Lieber „Kollauer“, vielen Dank für diesen Beitrag – sehr schön. Eines möchte ich aber dazu sagen: Ich habe nie unterstellen wollen, dass die Trainer-Ausbildung im Hamburger Fußball-Verband und unter Verbandssportlehrer Uwe Jahn schlecht sei. Ich meinte die Fußball-Lehrer-Ausbildung (in Köln). Weil mir in den letzten Jahrzehnten (!) aufgefallen ist, dass kaum einmal individuell trainiert wird. Das war einmal eine Ausnahme unter Martin Jol, als Ricardo Moniz mit vornehmlichen jungen Leuten am Rande übte, und auch Thorsten Fink ist eine Ausnahme (eine kleine), weil er „befahl“, dass seine Assis mit Artjoms Rudnevs allein übten.

Grundsätzlich aber fordere ich (ich kann ja fordern was ich will, es muss ja keiner auf mich hören – das ist schon klar), dass viel mehr individuell trainiert wird. Jeder Bundesliga-Club hat heute bis zu zehn Trainer unter Vertrag, die sollen sich gefälligst damit beschäftigen, die Spieler besser zu machen. Im Einzeltraining, in Sonderschichten. Bei manchem Amateurverein geht es auch, deshalb muss es erst recht in Profi-Clubs möglich sein. Alles andere ist (schon seit Jahrzehnten) ein Armutszeugnis, denn für diese Trainer wird ja viele, viel Geld gezahlt – oder aus dem Fenster hinausgeschmissen.

Bei der Gelegenheit möchte ich auch auf eine Mail der „Ruhrpottraute“ eingehen:

Danke für den Beitrag, Dieter, aber ich würde mir so gerne mal wünschen, dass ein wenig mehr auf die Probleme der Mannschaft eingegangen wird und nicht so viel über das Umfeld, Finanzen und Zuschauer.
Woran liegt es zum Beispiel, dass bei uns kein Spieler mal BESSER wird als er vorher war. Im Gegenteil bei uns spielen die meisten schwächer als man sie schon gesehen hat und das hat bei keinem mit dem Alter zu tun. WARUM also???? Am Trainer kann es ja nicht immer wieder liegen oder?

Beispiele:
Westermann war auf Schalke sogar mal auf der 6 gut (keine Ahnung wie er das gemacht hat), Rincon (Spieler der COPA und hier auf der Bank), Beister (der Spieler bei Fortuna), Ilicevic ( bei Lautern überragend) , Jiracek (EM), Kacar (war doch mal ein herausragender Spieler bei Hertha). Von der Vergangenheit will ich gar nicht erst anfangen. Kompany etc… Gegenbeispiele fallen mir kaum ein. Vielleicht Son. Ansonsten Diekmeier, Jansen oder Aogo die solide bis gut spielen bei uns.

Hier wird doch immer wieder betont, dass das kein Fan-Blog ist, sondern journalistisch über den HSV berichtet wird. Dann hätte ich doch wirklich gerne mal Antworten auf die Frage, warum die Spieler beim HSV so selten ihr Potenzial ausschöpfen?

Ich sehe es nicht so, dass beim HSV keine Spieler besser werden, besser geworden sind. Heung Min Son wurde deutlich besser (auch weil er viel – gemeinsam mit Papa – nebenbei gearbeitet hat), Tolgay Arslan ebenfalls, Dennis Diekmeier hat einen Sprung gemacht, sogar Michael Mancienne war in der vergangenen Hinrunde sehr gut – bis er verletzt wurde, ausfiel und nie wieder seine Form fand. Artjoms Rudnevs ist unter Thorsten Fink deutlich verbessert worden, Marcell Jansen fand fast zu 100 Prozent zu seiner alten Stärke zurück, Per Ciljan Skjelbred wurde im Lauf der vergangenen Spielzeit besser und besser, sodass ich sagen kann, dass Thorsten Fink es in diesem Punkt schon auf eine recht gute oder beachtliche Quote bringt.

Generell aber gilt, dass erstens mehr – viel, viel mehr – individuell und in Sonderschichten trainiert werden sollte, und zweitens müssen auch die Spieler bereit sein, außer der Reihe etwas zu tun. Und daran scheitert es auch oft. Die Herren nehmen immer, aber es hapert doch gelegentlich daran, dass sie etwas geben müssten. Und auch in diesem Punkt verlange ich von den Vereinen, dass sie entschiedener fordern und dafür eintreten, dass da mehr und professioneller gearbeitet wird. Es gab mal einen HSV-Profi, der wurde trotz etlicher Defizite Nationalspieler. Weil beim HSV zwar über diese Defizite gesprochen (und geklagt) wurde, aber nichts dafür getan wurde, damit sich das ändert, empfahl ich dem guten Mann, einen Privattrainer zu nehmen. Leider passierte das nie: zu bequem! Heute spielt er in der Vierte Liga . . .

Das muss schon ein Geben und ein Nehmen sein, aber leider gibt es das zu selten. Und leider sind auch einige Trainer viel zu bequem, denn ansonsten würden sie auch dann noch auf dem Acker stehen, wenn es an einem Nachmittag mal kein Mannschaftstraining gibt. Und dabei geht es ja nicht nur um die Defizite eines Spielers, sondern zum Beispiel auch um Standardsituationen. Die ja oft (beim HSV) auch recht kümmerlich ausfallen. Weil zu wenig, viel zu wenig geübt.

Dann gab es noch diesen Beitrag:

Liebes Matz-ab Team,
vorab ein großes Lob für eure großartige Arbeit, und die tägliche HSV Dosis.
Mich würde im Zuge der Strukturdebatte mal interessieren, wie denn die äußerst erfolgreiche Handball Schwesterabteilung aufgestellt ist/ funktioniert.

Ferner würde mich interessieren, wie der Status der HSV-Fußball-Frauen ist. Nach den horrenden Summen, die in den vergangenen Jahren versenkt wurden, erscheint die letztjährige Abmeldung der Damen aus Liga eins wegen einer 100 000 € Finanzierungslücke grotesk.
Wäre schön, wenn ihr das beizeiten mal aufgreifen könntet.

Schöne Grüße, Björn D.

Dazu möchte sagen, dass ich mit dem Vorstandsmitglied Oliver Scheel über diese Punkte gesprochen habe. Zu den Handballern sagte mir Herr Scheel: „Das ist keine Schwester-Abteilung von uns, denn es gibt nur eine Lizenz-Vereinbarung zwischen dem HSV und dem HSV Hamburg Handball. Diese Bundesliga-Handballer sind völlig autark.“ Frank Rost und Co machen also ihr eigenes Ding, da wird kein HSVer mit- und reinreden wollen.

Zum Frauen-Fußball sei gesagt, dass eigentlich schon lange alles gesagt und geschrieben wurde. Oliver Scheel: „Da ist alles längst ganz ausführlich durchgekaut worden, irgendwann muss mal Ende sein.“ Denke ich auch. Nur so viel: Es ging da nicht um 100 000 Euro, sondern um Millionen, die innerhalb von einigen Jahren verpulvert wurden. Jedes Jahr wollte sich die Frauen-Bundesliga selbst tragen, für Sponsoren und Zuschauer sorgen, und, und, und – aber jedes Jahr ging es in die Hose. Und damit war der HSV absolut kein Einzelfall, viele Frauen-Vereine in der Fußball-Bundesliga klagten oder gingen baden. Selbstverständlich wurden in der Fußball-Bundesliga der Männer viele, viele Millionen versenkt (David Rozehnal und Marcus Berg sind die Top-Beispiele), aber das ist das Risiko, das jeder Club hat – selbst bei Bayern und Dortmund gibt (oder gab) es so etwas.

Dann möchte ich auf den Mittwoch hinweisen. Da pflegt der HSV die Städte-Partnerschaft zwischen Dresden und Hamburg, denn der HSV spielet bei Dynamo Dresden, um den Opfern der Hochwasser-Katastrophe zu helfen:

„Ich bin sehr stolz auf diese enge Freundschaft unserer Städte. Umso mehr freut es mich, dass nun ein Benefizspiel zwischen dem Bundesliga-Dino HSV und Dynamo diese enge Verbindung weiter untermauert”, sagt Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz. Dynamo-Geschäftsführer Christian Müller erklärte: „Wir freuen uns außerordentlich, dass der HSV als Spitzenteam der Bundesliga, gespickt mit vielen Stars, seinen Saisonauftakt mit einer Generalprobe in unserem Stadion vorbereitet. Ich erkenne über die Städtepartnerschaft hinaus auch viele Gemeinsamkeiten in der Vereinsstruktur und -philosophie. Sportlich müssen wir uns noch ein wenig strecken, um auf Augenhöhe zu kommen. Am 31. Juli wollen wir durch günstige Eintrittspreise ein möglichst ausverkauftes Stadion bieten, um mit den Betroffenen der Flut und den unzähligen aufopferungsvollen Helfern einen unvergesslichen Abend zu erleben.“

Carl-Edgar Jarchow, Vorstandsvorsitzender des HSV: „Für uns als Hamburger Sport-Verein ist es eine Selbstverständlichkeit, den Opfern der Flutkatastrophe zu helfen. So können wir einen kleinen Teil zum Wiederaufbau der Heimat der Betroffenen beitragen und hoffentlich viele andere Menschen motivieren, dies ebenfalls zu tun.“

Das Benefizspiel beginnt am Mittwoch um 18:30 Uhr. Die Tickets im Stehplatzbereich kosten sechs Euro. Außerdem werden zwei Kategorien im Sitzplatzbereich zum Preis von zwölf und 18 Euro angeboten. Kinder bis 15 Jahre zahlen jeweils die Hälfte des Eintrittspreise (VIP-Tickets sind davon ausgeschlossen).

PS: Morgen, am Dienstag, wird zweimal im Volkspark trainiert. Um 10 Uhr und um 16 Uhr.

18.39 Uhr

“Zoua hat die Bundesligatauglichkeit – absolut”

18. Juni 2013

Die Strukturveränderung wird vorangetrieben – hier wie da. Hier der eine, da der andere. Und da hinten noch ein paar Vereinzelte mehr. Letztlich aber entscheiden im Januar natürlich die Mitglieder, ob und vor allem in welcher Form der HSV künftig die Profigeschäfte vorantreibt. Und so wie Dieter es ja auch schon geschrieben hatte, gibt es momentan einen hohen Motivationsgrad bei altgedienten HSVern, sich an dieser Reform zu beteiligen. Manchmal macht es zwar den Anschein, als wolle jeder einzelne der Erste sein, um als DER Reformierer in die Vereinschronik einzugehen. Allerdings ist mir das letztlich egal, solange der HSV sich zu einer Veränderung der veralteten Vereinsstruktur durchringt. Fähig sind die Leute, ob wie einst Bernd Hoffmann oder wie heute Jürgen Hunke, Ernst-Otto Rieckhoff, Dr. Klein und wer auch sonst noch momentan mitmischt, alle. Und die Mitglieder werden es zu entscheiden wissen. Hoffentlich.

Entschieden hat sich noch nichts Weiteres in Sachen Kaderplanung. Weder bei den Abzugebenden (Kacar, und zwei aus Rajkovic, Scharner, Mancienne) noch bei möglichen Neuen. Der erste richtig Neue ist noch immer nicht da. Sportchef Oliver Kreuzer sowie die Youngster Hakan Calhanoglu und Kerem Demirbay mal ausgenommen.

Allerdings warten Kreuzer und Trainer Thorsten Fink inzwischen täglich auf den ersten Coup. Namen sind bereits genug im Spiel. Diesmal nicht von Frank Arnesens Ex-Klub FC Chelsea sondern von Finks und Kreuzers ehemaligem Arbeitgeber FC Basel. Der Innenverteidiger Aleksandar Dragovic und der Linksverteidiger Joo-Ho Park sollen interessant sein. Heißt es. Allerdings wird Park vom HSV ebenso wie vom FC Basel dementiert. Und Dragovic ist mit einer realistischen Ablösesumme von rund 8 Millionen Euro schlichtweg außer Reichweite des HSV. Einziger realistischer Kandidat bei den Schweizern ist weiterhin Jaques Zoua.

Und der 21-jährige Angreifer ist sich mit dem FC Basel über einen Vereinswechsel ebenso wie mit dem HSV weitgehend einig. Einzig die beiden Clubs haben noch letzte Details zu klären. „Die Gespräche laufen, und das sehr gut“, sagt Basels Sportdirektor Georg Heitz, der im Gegensatz zum ersten Werben des HSV um Granit Xhaka im vergangenen Winter dieses Mal nicht sauer ist auf seinen ehemaligen Cheftrainer Thorsten Fink. „Nein, diesmal ist alles hochkorrekt gelaufen“, so Heitz, „der Thorsten hatte sich schon vor einigen Wochen bei uns gemeldet und nach Zoua erkundigt. Seither haben wir intensiven Kontakt, auch jetzt zu Oliver Kreuzer.“

Dass Fink bei der Spielersuche immer wieder auch bei seinem Ex-Klub landet, dem er einst bei seinem vorzeitigen Wechsel nach Hamburg versprach, nicht in dessen Kader zu wildern, stört Heitz nicht. Nicht mehr. „Das muss man relativieren. Es ist ja nicht immer so, dass es hinter dem Rücken passiert. Im Gegenteil, diesmal war alles korrekt. Und letztlich versucht jeder für seine Mannschaft nur das Beste. Fink für den HSV, wir für den FC. Da darf man nicht sensibel sein.“

Stimmt. Aber ein Geschmäckle bleibt dann doch immer. Das ist bei Amateurtrainern, die gehen und plötzlich Ihre alten Spieler mitziehen, nicht anders als in der Bundesliga. Jeder ist sich selbst eben der Nächste. Und das gilt auch jetzt bei Zoua. Obwohl Zoua bei den Schweizern keine Chance hatte, soll er für den HSV gut genug sein. Klingt für mich zunächst komisch. Es ist eben jene Ausgangssituation, wie sie mir noch bestens bekannt ist von den Chelsea-Spielern, die Arnesen einst holte. Aber, und das ist der entscheidende Unterschied, ich bin mir sicher, dass sowohl Kreuzer als auch Fink absolut mit den Anforderungen eines Bundesligaspielers vertraut sind. Das war bei Arnesen („Ich habe die Qualität der Bundesliga am Anfang unterschätzt“) damals noch anders.

Warum Zoua sich in Basel nicht durchsetzen konnte und ob er dann wirklich gut genug ist für die Bundesliga? „Zoua ist ein Nationalspieler, der den berechtigten Anspruch hat, Stammspieler zu sein. Bei uns hatte er aber seit der Winterpause mit Raul Bobadilla und Kapitän Marco Streller gleich zwei Größen vor sich für nur eine Position. Und in der Schweiz haben wir das Problem der Ausländerregel. Es dürfen bei uns nicht mehr als fünf Ausländer zugleich auf dem, Platz stehen. Und leider haben wir in der Abwehr schon einige unverzichtbare ausländische Mitspieler.“ Stichwort Park und Dragovic… „Genau. Deshalb verstehe ich den Spieler, wenn er wechseln will“, sagt Basels Sportdirektor Georg Heitz. Und was ist mit der Bundesliga-Tauglichkeit? Für Heitz keine Frage. „Die hat er. Absolut“, sagt der gelernte Journalist. Aber was soll er auch sonst sagen, wenn er den Kameruner nicht zum Ladenhüter machen will?

Klar ist, dass der Deal in den nächsten Tagen über die Bühne gehen soll. Einen direkten Zusammenhang zum möglichen Transfer von Roque Santa Cruz besteht dem Vernehmen nach nicht. Hier werden die Chancen auf eine Verpflichtung mit 50:50 beziffert. Und ich selbst kann mich noch nicht dazu durchringen, mich für einen Wechsel des Paraguayers komplett zu begeistern. Irgendwas sträubt sich in mir. Ich halte Santa Cruz für technisch hervorragend, für einen Torjäger mit eingebauter Acht- bis Zwölf-Toregarantie in der Bundesliga. Und ich halte ihn für fußballerisch besser als alles, was der HSV in der abgelaufenen Saison vorne reingestellt hat. Aber wenn ich höre, dass der im August 32 Jahre alt werdende Angreifer rund vier Millionen Euro verdienen und mindestens so viel Ablösesumme (Handgeld für ihn und seinen Berater kommt noch obendrauf) kosten soll – ich würde zumindest noch ein zweites, drittes und auch viertes und fünftes Mal ganz genau schauen, ob ich für das Geld nicht einen Stürmer mit der gleichen Qualität aber dafür mit sechs bis zehn Lenzen weniger auf der Uhr finden kann. Zumindest aber gilt es als wahrscheinlich, dass die HSV-Verantwortlichen abwarten, was der Königstransfer kostet, um zu sehen, was letztlich für Zoua oder eben ein anderes Offensivtalent übrigbleibt.

Das soll heute jedoch noch nicht geklärt werden, dafür aber in den nächsten Tagen. Auf jeden Fall aber bis zum Trainingsauftakt am 1. Juli. Bis dahin wird auch die Zukunft von Chefscout Lee Congerton geklärt sein. Der Attaché vom suspendierten Sportchef Frank Arnesen ist dem Vernehmen nach schon jetzt weitgehend aus den Kaderplanungen genommen worden und soll demnächst sein Engagement komplett aufgeben, geht es nach Kreuzer. Das allerdings gegen eine noch zu verhandelnde Abfindung, die bei rund 600000 Euro Jahressalär nicht unerheblich sein dürfte. Geklärt ist indes, dass Ronny Teuber weiter den Torwarttrainer macht.

Der ehemalige DFB-Torwarttrainer hatte lange warten müssen. Erst vor dem letzten Saisonspiel hatte ihn Frank Arnesen angesprochen, in zwei Wochen liefe der Vertrag aus. „Ich weiß nicht, warum das so lange gedauert hatte“, sagt Teuber, der sich gerade im Urlaub aufhält. „Aber das ist jetzt auch egal. Ich hatte ein sehr gutes Gespräch mit dem neuen Sportchef Oliver Kreuzer und bin mir sicher, dass wir die letzten Kleinigkeiten nach meiner Rückkehr in der kommenden Woche klären.“ Teuber gilt als einer der besten Torwarttrainer Deutschlands. Zuletzt hatten Jaroslav Drobny und vor allem Rene Adler den Verbleib Teubers gefordert.

Apropos Torhüter: Zum Abschluss des Blogs eine kleine Exkursion zum Handball. Dort wird morgen um 14 Uhr Ex-HSV-Keeper Frank Rost als neuer Geschäftsführer vorgestellt. Von mir aus herzlichen Glückwunsch an Rost und den HSV Handball. Ich bin mir sicher, dass Rost dort einige Veränderungen herbeiführen wird. Ich bin gespannt…

So und bevor ich den Blog beende noch eine kleine Info am Rande. Wie mir Herr Heitz nebenbei mitteilte, absolviert der HSV am 18. Januar in der Imtech-Arena ein Freundschaftsspiel gegen den FC Basel. Das Spiel und deren Einnahmen sind Bestandteil des einstigen Wechsels von Fink zum HSV.

In diesem Sinne, genießt die Sonne.

Bis morgen.
Scholle

P.S.: Dem Vernehmen nach sollen Jacpo Sala (Fink hält viel von dem Allrounder) und Tomas Rincon nun doch gehalten werden, was mich für Rincon sehr freut.

Nächste Einträge »