Archiv für das Tag 'Ronaldo'

Gernandt räumt Fehler ein: “Ich habe Dinge unterschätzt”

6. Januar 2015

Als die Profis heute morgen verschlafen und müde um 7.30 Uhr im neuen Trainingstrakt aufschlugen, war er schon lange wach. Zumal Karl Gernandt heute einen vollen Terminkalender hatte – auch unseretwegen. Um 11 Uhr stand im Nebenraum der “Raute”, dem Stadionrestaurant, eine Presserunde an. “Es gehört zu unseren Absprachen, dass wir uns nicht zu oft öffentlich äußern”, sagt der Aufsichtsratsboss, der sich seit Monaten rar gemacht hatte. er habe diese Absprachen bei Amtsantritt zusammen mit dem Vorstand in drei Bereiche unterteilt. Punkt drei beschreibt dabei die öffentliche Darstellung, die nach einigen Aufsehen erregenden Kühne-Interviews sowie der Darstellung des vorigen Aufsichtsrates arg gelitten hatte. Auch Gernandt hatte mit einigen unbedachten Aussagen für Verwirrung gesorgt – und sich deshalb zuletzt bewusst rar gemacht. “Je stabiler die Vorstandsarbeit, desto rarer kann sich der Aufsichtsrat machen. Zumindest ist das meine Maxime.”

Insgesamt, das kann man so festhalten, gab sich Gernandt heute vergleichsweise selbstkritisch. Aber was bleibt ihm angesichts der aktuellen Veränderungen auch übrig? Gernandt räumte Fehler ein und betonte sein Bedauern darüber, auf dem Weg der Umsetzung von HSVPlus etliche Mitstreiter so verärgert zu haben, dass sie absprangen. Ehemalige HSV-Ikonen wie Jakobs, Hieronymus, Hrubesch sprangen inzwischen ebenso ab wie Werbe-Ikone Rebbe, der Gernandt in einem Artikel im Sommer aufs heftigste kritisierte. “Das ist schmerzhaft”, so Gernandt, “vor allem, weil ich bis heute nicht weiß, weshalb wir diese Mitstreiter verloren haben.” Dass diese den vollmundigen Versprechungen Gernandts gefolgt waren und von der Umsetzung entsprechend enttäuscht sein würden, könnte einer der Gründe gewesen sein. Das räumte Gernandt ein, der auch die Enttäuschung vieler Anhänger verstehen kann.

Selbstkritisch - aber auch zuversichtlich: HSV-AG-Aufsichtsratsboss Karl Gernandt

Selbstkritisch – aber auch zuversichtlich: HSV-AG-Aufsichtsratsboss Karl Gernandt

“Wenn alle nur wegen des schnellen Geldes zur Entschuldung gefolgt sind, dann habe ich mich mit der Darstellung von HSVPlus falsch auseinandergesetzt. Ich gebe zu, ich habe da sicher das eine oder andere unterschätzt”, so Gernandt, der insbesondere auf die versprochenen Investoren einging. Die habe man noch nicht gefunden (“Weil wir noch kein geeignetes Investorenmodell entwickelt haben). Und hier habe man im Sommer vielleicht auch zu viel versprochen. “Die Suche nach Investoren ist ein deutlich komplexeres Thema, als es sich für uns am Anfang darstellte. Das habe ich sicherlich unterschätzt.”

Aber: Gernandt ist ein Verkäufer. Obgleich er noch keine Investoren gewinnen konnte, offenbar sogar sogar ein guter. Er weiß vor allem sich zu verkaufen und seine Fehler charmant zu verpacken. Auch deshalb folgte der Selbstkritik der – natürlich völlig ungewollte – Nebensatz, dass neben Kühne im Sommer noch ein zweiter Darlehensgeber gefunden worden war. Und das, obwohl dieser Geldgeber partout geheimgehalten werden soll(te) und bisher auch noch nicht genannt wurde. Nur ein Fauxpas oder letztlich doch ein kleiner Rettungsanker für einen Bereich, den er noch lange nicht so im Griff hat, wie er es selbst angedkündigt hatte? Man weiß es nicht. Daher: In dubio pro reo. Vorerst. Zumal er versichert: “Wir sind sorgenfrei, was unsere Cash-Situation anbelangt.” Zudem sei geplant, aus dem bis 2019 laufenden Stadionkredit zusammen mit dem Kredit für den Campus-Bau ein Konstrukt zu bilden, das den HSV jährlich weniger belastet. “Dafür stehen wir mit unseren Banken in sehr ehrlichen, guten Gesprächen.”

Wie gesagt, Gernandt verkauft sich gut und er funktioniert entsprechend erfolgreich in der freien Wirtschaft. Seit Jahrzehnten. Als rechte Hand Kühnes ist er für knapp 60000 Angestellte verantwortlich. Und jetzt auch noch für den Umbau des HSV, den er garantieren will. Insbesondere die finanzielle Situation sei seine Aufgabe, nachdem die personelle Struktur “perfekt” sei. “Wir wollten Solidität und Langfristigkeit sichern”, sagt Gernandt, “und dafür haben wir Menschen gefunden, die perfekt zusammenpassen. Mit Didi Beiersdorfer, Peter Knäbel, Joe Zinnbauer und Bernhard Peters haben wir die Organisation abgeschlossen.” Nach einigen lobenden Worten über Zinnbauers Arbeit betonte Gernandt dann noch mal, dass bei aller “auch verständlicher” Ungeduld mehr Zeit vonnöten sei.
Auch Beiersdorfer hatte es zuletzte zeitlich umrissen. So ein Projekt, das Step für Step angegangen werden muss, dauere mindestens zwei Jahre, bis es eine echte Bewertungsgrundlage geben könne. Zumal alle Zahlen, die die neue Vereinsführung vorgefunden habe, “alles andere als ermutigend” gewesen seien, so Gernandt, der von einem schweren Erbe sprach. “Was wir übernommen haben war mauer als gedacht. Wir hatten mit viel gerechnet – aber es war erschreckend, wie leer die Kassen tatsächlich waren.” Dennoch versprach er: “Ich habe noch nie eine schlechte wirtschaftliche Bilanz hinterlassen. Und das werde ich auch diesmal nicht, wobei ich hier die Ruhe ausstrahle, die ich mir in meinem bisherigen beruflichen Wirken erarbeitet habe. Von daher bitte ich ganz offen: Gebt uns noch mehr Zeit. Nach zwei Jahren wird der Zeitpunkt kommen, wo wir abrechnen können, ob wir das in uns gesetzte Vertrauen erfüllt haben.”

Dass es inzwischen Leute gibt, die ihn offiziell seines Postens entheben wollen, stört Gernandt offenbar wenig. Der Antrag von Manfred Ertel, dass der am 25. Januar gewählte Präsident des e.V. auch automatisch neuer Vorsitzender des Aufsichtsrates werden solle, sei eh nicht mit aktuellem AG-Recht vereinbar. “Nicht gesetzeskonform” nannte es Gernandt, der in dem Vorgang einen Rückfall in alte Zeiten wähnt: “Nach einem halben Jahr den Beschluss der 9000 Mitglieder rückgängig zu machen, wäre ein Rückfall in alte Zeiten, in alte Machtkämpfe.”

Dass es bei HSVPlus intern Machtkämpfe gegeben habe, die ihm einiges an Folgschaft gekostet haben, kommentierte Gernandt so nicht. Die Personalie Ernst-Otto Rieckhoff umriss er dennoch kurz. “Ich hatte ihm bei unserem ersten Treffen gesagt, dass ich gern den Frontmann fürs Operative mache. Aber nur unter der Bedingung, dass er für den Vorsitz des Aufsichtsrates kandidiert. Er selbst hat sich letztlich dagegen entschieden und wollte kein Amt mehr bekleiden.” Und dabei bleibt es – weil sich der Beirat gegen die lancierte Bewerbung Rieckhoffs und für Jens Meier als neuen Präsidentschaftskandidaten des e.V. entschied.

Wer anschließend für Meier den Aufsichtsrat verlässt, ist noch offen – aber gut vorbereitet, wie Gernandt versichert. “Wir haben in unserer ersten Sitzung im Sommer zusammen besprochen, dass wir die Kompetenzen im Aufsichtsrat beibehalten wollen.” Soll heißen: Kommt mit Meier ein Wirtschaftsmann, geht ein anderer Wirtschaftsmann aus dem aktuelle Kontrollrat. “Ich habe von einigen meiner Mitstreiter die Zusage, dass sie zurücktreten, wenn ihre Kompetenz dazukommt.” Soll heißen: Sport- und PR-Fachleute wie von Hessen, Nogly sowie Bönthe bleiben. Da Gernandt ebenso bleibt, entscheidet sich der Rücktritt offenbar zwischen Goedhart und Becken. Mit der Tendenz zu Becken. Und das, obgleich es anhaltend Gerüchte gibt, dass von Heesen von sich zurücktreten wolle.

Gernandt wollte seinen Vortrag bei uns heute aber nicht beenden, ohne vorher noch einmal einen positiven Ausblick zu geben. Mit “König Pilsener” sei man den ersten wichtigen Schritt gegangen – weitere sollen folgen. “Wichtig war auch, dass zu erkennen ist: Man reicht uns die Hand. Und das wird in den kommenden Wochen noch häufiger passieren.” Ginge es nach Gernandt, dann schon in den kommenden 14 Tagen. Denn da sollen in Dubai offiziell Gespräche mit Hauptsponsor “Emirates” erfolgen. Dass sich der HSV für seine sportlich miserable Bilanz erklären muss, sei klar. “Aber es wird kein Verteidigungskampf für uns. Es wird eine vernünftige Runde.” Wobei mir das wie wahrscheinlich allen HSVern relativ egal ist – solange das Ergebnis stimmt.

Nicht egal ist den Spielern, dass sie um 7.30 Uhr beginnen müssen und erst gegen 18 Uhr das Stadiongelände verlassen. Eine Umgewöhnung, die öffentlich mit viel Applaus bedacht wurde, die mannschaftsintern aber (naturgemäß?) kritisch gesehen wird. Vor allem der frühe Treffpunkt um 7.30 Uhr für einen gerade mal 20 Minuten andauernden Lauf wird von einigen Spielern mehr als öffentlichkeitswirksame Maßnahme denn als sportlich sinnvoll erachtet. Zumal die Mannschaft ab Sonntag im Trainingslager in Dubai eh schon für elf Tage eng auf eng hockt. Stichwort: Lagerkoller. So heißt es zumindest immer wieder hinter vorgehaltener Hand. Und ganz ehrlich, ohne hier populistisch weden zu wollen: Ich hätte als Spieler mit den sportlichen Ergebnissen im Rücken im Moment auch nicht die Traute, irgendwas gegen mehr Training zu sagen. Egal wie aktionistisch es rüberkommen mag – ich würde mich fügen und arbeiten.

Einer, der dem Lagerkoller entgehen soll und voraussichtlich auch wird ist Tolgay Arslan. Allerdings hat sich hier noch nichts Konktretes ergeben, obgleich dem HSV seit gestern Abend eine offizielle Anfrage aus Istanbul (von welchem der drei Erstligisten weiß ich nicht, es soll aber Galatasaray sein) vorliegen soll. Von daher belasse ich es für heute und verweise auf morgen, wo es wieder um 7.30 Uhr losgeht. Gefolgt von den zwei Einheiten um zehn und um 15 Uhr.

Bis dahin,
Scholle

P.S.: Ein weiteres Thema war heute natürlich auch noch Kühnes nicht wahrgenommene Option, sein Darlehen in Anteile umzuwandeln. “Herr Kühne war der Preis zu hoch”, so Gernandt, der aber zugleich betonte, dass Kühne bislang schlichtweg seine Option habe verstreichen lassen. Eine endgültige Entscheidung sei damit noch nicht gefallen. “Der Kontakt von Vorstand und Herrn Kühne ist weiter gut”, so Gernandt.

P.P.S.: Heiko Westermann und Matti Steinmann konnten heute noch nicht mit der Mannschaft trainieren, arbeiteten aber individuell auf dem Platz. Auch mit Ball. Lediglich Maxi Beister fehlte heute grippebedingt.

P.P.P.S.: Da ich gerade die Ankündigung der SportBild für morgen lesse (“Wer als Adler-Nachfolger beim HSV im Gespräch ist…”) hier noch mal: Tatsächlich soll sich der HSV mit dem Mainzer Loris Karius sowie mit Udineses Keeper Zeljko Brkic beschäftigt haben. Beide Namen würden aber zunächst hinfällig, wenn Adler bleibt – wonach es aussieht.

Wohin mit van der Vaart?

26. November 2014

Klarer Fall: Das war ein Punktsieg für die Jungs aus der U 23 heute beim Training. Es war, da sind sich alle Trainingszuschauer einig gewesen, der erste echte eisige Tag in diesem Herbst. Morgens mussten die Besucher eine dreiviertel Stunde ausharren, ehe das kurze Training draußen auf dem Platz begonnen hat. Nachmittags dann bat Joe Zinnbauer etwa 90 Minuten zum Tanz mit dem Ball. Und bei der abschließenden Spielform schließlich zeigte es sich endgültig – drei U-23-Spieler trainierten nur mit kurzer Hose (Ronny Marcos, Ashton Götz und Mohamed Gouaida), aber nur zwei Profis (Dennis Diekmeier und Lewis Holtby).

Abgesehen von diesem hochbrisanten Umstand scheint Joe Zinnbauer das Training sehr gut gefallen zu haben. Zum Abschluss klatschte er zufrieden in die Runden und schmetterte den Kickers ein „Gutes Training heute!“ entgegen. Das sollte dann das richtige Signal sein fürs schwere Auswärtsspiel am Sonnabend beim FC Augsburg, auf das es aufstellungstechnisch heute noch keine Rückschlüsse gab. Bleibt Gouaida im Team? Bleibt van der Vaart vor der Abwehr? Antworten, wenn sie es denn überhaupt geben wird vor dem Anpfiff in drei Tagen, gab es heute ganz sicher nicht.

Rafael van der Vaart ist der teuerste Spieler des HSV. Er verdient am meisten. Er ist der Kapitän. Und: Er spaltet die Fan-Gemeinde. Die einen sehen in ihm immer noch das Potential und die spielerischen Fähigkeiten von einst, die aktuell allerdings nur sporadisch aufblitzen, andere vermuten in dem 31 Jahre alten Niederländer ein Auslaufmodell. Ich muss bei van der Vaarts Entwicklung zurück denken an eine andere Rückholaktion, die damals für viel Begeisterung gesorgt, im Endeffekt aber nicht die gewünschte Wirkung hatte.


Im Juli 2001 hat der HSV einen bis dahin in dieser Größenordnung nicht gekannten Transfer getätigt. Für 10 Millionen Mark kam Jörg Albertz von den Glasgow Rangers nach Hamburg zurück. Der damalige Sportchef Holger Hieronymus wusste, dass er für „Ali“ wohl ein paar Groschen zu viel überwiesen hat. Denn Albertz, dieser gewaltige Linksfuß, der damals 30 Jahre alt war, hatte seine beste Zeit hinter sich. Von 1996 bis 2001 kickte er in Schottland. Drei Mal stand der gebürtige Mönchengladbacher für die deutsche Nationalmannschaft auf dem Rasen.

Trotz der Zweifel: Ein neuer Leader musste her. Der HSV, unter Frank Pagesldorf in der Saison zuvor glorreich in die Champions League eingezogen, war schneller auf dem Boden angekommen als geahnt. Nach dem 4:4 gegen Juventus kam nicht mehr viel. Das Team schied im UEFA-Pokal gegen den AS Rom aus und war chancenlos. Außerdem langte es in der Bundesliga nur zu Rang 13. Jörg Albertz wurde kurzerhand zum Hoffnungsträger. Mit viel Jubel und unter großem Brimborium am Hamburger Flughafen begrüßt, war er der Heilsbringer.

Die ersten Eindrücke im Training waren respektabel. Coach Pagelsdorf setzte im Trainingslager im österreichischen Leogang Torschuss-Training an. Eine Übung, wie gemalt für Albertz. Der Ball wurde kurz abgelegt – und dann Feuer frei. Keeper Martin Pieckenhagen flogen die Bälle um die Ohren. War er mal dran, brannten die Fäuste. An Schussgewalt hatte Albertz schon mal nichts eingebüßt.

Dann das erste Heimspiel im Stadion. Gegner war der VfB Stuttgart. Die Partie endete 2:0. Matchwinner: Der Rückkehrer aus Glasgow. Ein Tor geschossen, eins vorbereitet. Großer Jubel um Albertz, Holger Hieronymus hatte alles richtig gemacht.

Wie wir inzwischen wissen, hielt die Initialzündung Albertz am Ende nicht, was sich viele versprochen hatten. Der Schachzug, mit einer Schlüsselfigur den ganzen Laden nach vorn zu bringen, ging nicht auf. Mitten in der Saison wurde Trainer Pagelsdorf entlassen, wenige Monate später folgte Sportchef Hieronymus. Albertz selbst brachte es in den zwei Saisons auf 28 Bundesligaspiele und sechs Tore, er wurde später von Pagelsdorf-Nachfolger Kurt Jara aussortiert.

Parallelen zum Jahr 2012 und der Rückholaktion von Rafael van der Vaart sind unverkennbar. Vor gut zwei Jahren mangelte es nicht an mahnenden Stimmen, die auch an Albertz erinnerten. Aber van der Vaart war ein HSV-Held zwischen 2005 und 2008. Dann ging er in die große Fußball-Welt, wurde spanischer Supercupsieger mit Real Madrid und erzielte in zwei Saisons bei Tottenham Hotspur 24 Tore. In Südafrika war Rafael van der Vaart Vize-Weltmeister geworden. Sein Marktwert kletterte zwischenzeitlich auf 26 Millionen Euro. Und weil der HSV vor gut zwei Jahren mal wieder mächtig unter Druck war, starteten die Verantwortlichen – am Ende mit Erfolg – den Rückkauf des „kleinen Engels“.

14,5 Millionen Euro flossen in die englische Hauptstadt. Klaus-Michael Kühne gewährte dem Verein ein Darlehen von 13 Millionen, ansonsten wäre der Transfer nicht zu wuppen gewesen. Als van der Vaart nach tagelangem Transfer-Gerangel vor der Buseinfahrt der HSV-Arena vorgefahren wurde, brandete auch hier Riesen-Jubel auf. „Van-der-Vaart“-Sprechchöre mitten in der Woche an einem stinknormalen Arbeitstag. Der Held von einst sollte dem Dino, zuvor auf Platz 15 gestrandet, reanimieren. Warnungen, der Club könnte sich an den Rückzahlungen des Kredits an Kühne überheben, wurden zur Kenntnis genommen, aber im Abwägen mit den sportlichen Chancen für zweitrangig befunden. Dann sein erstes Heimspiel – es wurde ein berauschendes 3:2 gegen Borussia Dortmund. Man of the match: Rafael van der Vaart mit zwei prächtigen Assists. In dieser Saison sammelte sich der HSV und wurde Siebter. So weit, so gut.

Heute mehren sich die Stimmen, die Rafael van der Vaart möglichst eher sofort als später abschieben würden. Tatsächlich weisen seine persönlichen Daten nach unten. In seiner besten HSV-Saison 2007/08 hatte er noch 22 Scorerpunkte. Nach seiner Rückkehr zunächst 15, dann 16. Aktuell – durch den verwandelten Elfmeter aus dem Leverkusen-Spiel – gerade einen einzigen. Das ganze spielt sich noch auf einem anderen Niveau, auf einem höheren, ab als bei Jörg Albertz. Weil dem damals die Spritzigkeit fehlte, seinen gefürchteten Schuss einzusetzen, blieb nahezu sein komplettes Spiel harmlos. Aber ähnlich ist es bei van der Vaart doch: die Fertigkeiten mit dem Ball sind da, aber er schafft es nicht, sich in entscheidenden Positionen auf dem Rasen in vielversprechende Abschlussaktionen zu bringen. Seine 33 Torschussbeteiligungen in sieben Partien dieser Spielzeit gingen überwiegend auf das Konto von geschlagenen Ecken oder Freistößen – also ruhenden Bällen. Aus dem Spiel heraus kommt, so scheint es, immer weniger.

Und doch hat van der Vaart – und das ist der Ansatz für diese Worte – am Sonntag sein persönlich bestes Spiel gemacht in dieser Saison. Und zwar auf ungewohnter Position als Ballverteiler vor der Abwehr. Ein klassischer Abräumer auf der sechs wie Valon Behrami wird van der Vaart dabei ganz sicher nicht werden. Doch: je weiter van der Vaart auf dem Spielfeld nach hinten geht, desto mehr Räume hat er, die er ganz eindeutig braucht, um kluge Pässe zu spielen. Van der Vaarts große Stärke war es nur zum Teil, mit blitzgescheiten Zuspielen im Strafraum des Gegners für Gefahr zu sorgen. Der tödliche Pass war nie sein ganz großes Markenzeichen. Das war eher seine Torgefahr und seine bestechende Ballsicherheit. Und gerade dies hat Zinnbauer gegen einen extrem defensiv ausgerichteten Gegner wie Werder Bremen zu nutzen versucht. Das besonders gegen tief stehende Mannschaften geforderte ruhige Verteilen auf die Flügel oder zu den offensiveren Mittelfeldspielern – diese Aufgabe ist van der Vaart zumindest für dieses eine Spiel gut gelungen.

Wie oft haben wir in den vergangenen Monaten Spiele erlebt, wo der HSV sich an tief stehenden Gegnern die Zähne ausbiss? Wo den Profis nichts einfiel außer Ballgeschiebe und sich ihre Unsicherheit langsam aufs Publikum übertrug und am Ende ein Grottenkick herauskam. Mit der Variante wie gegen Bremen hat Joe Zinnbauer zumindest für solche Partien einen Lösungsansatz gefunden. Eine Variante für Augsburg wäre es auch allemal, zumal der FCA keine Mannschaft ist, die auf hohen Ballbesitz aus ist und den HSV um dessen Strafraum einschnüren wollte.

Was heißt das nun aber für die Zukunft von van der Vaart in Hamburg? Sein Vertrag läuft aus, das ist klar. Er selbst hat sich unlängst in einem Interview in den Niederlanden zu seinem persönlichen Ziel bekannt, noch einmal in Italien zu spielen. Soweit deutet also alles auf Abschied hin. Und ehrlich gesagt fällt es schwer, Szenarien zu entwerfen, in denen der Kapitän unbedingt an der Elbe gehalten werden müsste. Na klar, er müsste auf sie Hälfte seines bisherigen Gehalts verzichten (aktuell etwa 3,5 Millionen Euro jährlich), mehr als ein Einjahresvertrag plus Option käme ohnehin nicht infrage. Und dann müsste er sich auf einer Position, und da sehe ich allenfalls die Werder-Position, als Leistungsträger erweisen, der von keinem Arslan oder Demirbay ersetzt werden könnte. Im Moment ist der Star des Teams weit entfernt davon, auch nur entsprechende Gedanken bei den HSV-Verantwortlichen aufkommen zu lassen. Aber diese Saison ist noch lang, und mangelt es an Alternativ-Angeboten und stabilisiert sich die Mannschaft, könnte es zu früh sein, van der Vaart abzuschreiben.

Generell ist in der Führungsetage des HSV natürlich klar: Im kommenden Sommer kommt der große Schnitt. Es war schon Tenor des ablaufenden Jahres, dass mit den aktuellen Leistungsträgern kein Neuanfang gestartet werden kann. Das betrifft insbesondere jahrelange Kern-Figuren wie Marcell Jansen, Heiko Westermann und eben van der Vaart. Vor allem van der Vaart steht für eine recht lange zurückliegende, erfolgreiche HSV-Zeit. Ich meine nicht die beiden Europapokal-Halbfinals, die Marcell Jansen miterlebt hat. Sondern die Champions-League-Zeit unter Trainer Thomas Doll, in der der HSV den besten, attraktivsten und erfolgreichsten Fußball der vergangenen 25 Jahre gespielt hat. Da hatte van der Vaart bessere Mitspieler, ohne Frage, aber er war auch selbst besser.

Nun hat er es selbst in der Hand, nach umjubelter Begrüßung 2012 auch ein würdiges Ende zu erspielen. Den Bonus des teuersten Spielers der Vereins-Geschichte besitzt er nicht mehr. Aber ein großer Fußballer ist er so oder so, der mit den beiden teuersten Spieler der Geschichte, Ronaldo und Gareth Bale, zusammen gespielt hat. Vielleicht sehen wir sein Können ja noch mal öfter aufblitzen als in den vergangenen Monaten.

Zum Abschluss möchte ich jetzt schon einmal auf eine spannende Reportage im NDR-Fernsehen hinweisen. Am kommenden Sonntag um 23.35 Uhr läuft im Dritten ein Film mit dem Titel „Flucht aus der Kurve“. Inka Blumensaat beschäftigt sich mit ausgestiegenen Fußball-Fans – was den HSV angeht also denjenigen, die nach der Ausgliederung der Profi-Fußballer in eine AG dem Verein den Rücken gekehrt haben und mit anderen Projekten, zum Beispiel dem HFC Falke, etwas Neues wagen. Auch andere Vereine und Fans werden begleitet – sehr spannend und bestimmt sehenswert.

Morgen trainieren die Profis wieder einmal, um 15 Uhr.

Lars
18.42 Uhr

Es geht wieder los – Slomka bittet zum Training

18. Juli 2014

Morgen, genau an diesem Sonnabend, 19. Juli, beginnt die zweite Trainings-Dekade des HSV. Um 15 Uhr bittet Trainer Mirko Slomka seine Mannen im Volkspark zum zweiten Aufgalopp, und wenn ich mich nicht verhört habe, dann spricht der Coach davon, dass es noch härter wird als zum Auftakt. Und was habe ich gemacht, als ich das hörte? Einen Luftsprung! Einen? Drei, vier! Eigentlich springe ich immer noch. Endlich spricht ein Trainer von „Härte“ im Training und in der Vorbereitung. Schluss mit dem Pille-Palle-Training. Mirko Slomka, der von Beginn an die gravierenden Defizite in Sachen körperlicher Fitness seines Teams erkannt und auch sofort reagiert hatte, gibt weiter Gas. Und das ist auch gut so. Der HSV hat doch namentlich eine gute Truppe beisammen, das kann doch keiner bestreiten, diese Truppe muss nur gut oder bestens trainiert werden, um Leistungen zu bringen – und nun ist offenbar ein Trainer am Ruder, der das auch in die Tat umsetzen wird. An diesem Sonnabend werden dann auch die WM-Fahrer Johan Djourou und Milan Badelj wieder ins Training einsteigen. Fehlen eigentlich nur noch zwei, drei, vier neue Spieler, die der HSV noch dringend benötigt. Um in Richtung Mittelfeld durchstarten zu können.

Durchstarten ist das Stichwort. Das gilt ja nicht nur für die HSV-Profis, das gilt im Grunde genommen für den gesamten Verein. Es gibt viel zu tun, sehr viel aufzuholen, und es ist nun endlich mal an der Zeit, dass da vernünftig und mit Plan angepackt wird. Und da habe ich, das schrieb ich gestern bereits, ein wirklich gutes Gefühl. Deswegen werte ich es auch als sehr gutes Zeichen, dass Bernhard Peters, der beim HSV vom 1. August an als Direktor den Nachwuchsbereich unter Kontrolle bekommen soll, heute bereits einmal sein neues Umfeld inspiziert hat. Der Noch-Hoffenheimer sah sich auch die „Talentschmiede“ Ochsenzoll an. Die Meldung (der Bild), dass Peters bis Ende des Jahres noch in beratender Funktion für die TSG 1899 tätig sein wird, schockt übrigens niemand im HSV. Darunter, so die einhellige Meinung im Volkspark, wird die Arbeit von Bernhard Peters für den HSV nicht leiden. Und auch ich gehe davon aus, denn der ehemalige Hockey-Nationaltrainer ist ein Mann, der anpackt und der etwas erreichen will. Halbe Sachen sind seine Sache nicht. Geht davon aus.

Ansonsten hat sich auch heute wieder nicht so wirklich etwas im HSV getan. Die Sache mit den Neuverpflichtungen dauert noch, da müssen wir alle noch ein wenig Geduld aufbringen. Aber sind wir das nicht schon aus den letzten Jahren gewöhnt? Ich meine ja. Laut Mopo soll ja ein „alt-bekannter“ HSVer im Anmarsch sein: David Jarolim. Der Tscheche hat es in seinem Vertrag stehen, dass er irgendwann einmal als Jugendtrainer (oder in ähnlicher Funktion) beim HSV einsteigen kann. Und wird. Wann das so ist, ist allerdings noch offen. Dietmar Beiersdorfer hatte bis vor wenigen Tagen noch nicht mit „Jaro“ gesprochen, ich denke ja auch, dass das dann eher auch in den „Beritt“ von Bernhard Peters fallen dürfte. Gut finden würde ich es natürlich, wenn ein alter Fahrensmann für David Jarolim, der die Raute stets in seinem Herzen trug, wieder nach Hamburg zurückkehren würde.

Dann gab es ja noch das Gerücht, dass Slobodan Rajkovic in ein Tauschgeschäft verwickelt sein soll. Damit habe ich beim HSV nachgefragt – es ist nichts dran. Die Antwort, die ich erhielt, war eher ein wenig schroff: „Totaler Blödsinn.“ Denke ich ja auch, denn welcher verein bemüht sich jetzt um einen Spieler, der nicht vor Ende des Jahres fit ist? Dieser verein dürfte dann wohl aktuell keinerlei Sorgen haben . . . Nein, nein, ich glaube auch, dass das eine Voll-Ente ist. Dazu passend ist auch das Gerücht, das es um den Dribbelkünstler Hiroshi Kiyotake (24) vom 1. FC Nürnberg gibt. Der HSV soll dran sein, der HSV soll Interesse haben. Was ich mir sogar vorstellen könnte, denn bei seinem ersten Auftritt in Hamburg bot der Japaner eine so großartige Vorstellung, dass ich ihn am liebsten hierbehalten hätte. Ging leider nicht. Und nun soll er fünf Millionen Euro kosten, das ist schon hammerhart. Wobei, das muss ich auch zugeben, Kiyotake meiner Meinung nach nie wieder an jene Leistung herangekommen ist, die er einst im Spiel beim und gegen den HSV gezeigt hatte.

Apropos Leistung: Hakan Calhanoglu hat mal wieder etwas zum Besten gegeben. In der Bild. Der junge Mann ist das unermüdlich. Er hat sich über die HSV-Fans beklagt: „Man hat mich beschimpft und gemobbt, obwohl ich so viel für den Verein getan habe . . .“ Mir wären fast die Tränen gekommen. Ehrlich. Er hat so viel für den HSV getan. Und der HSV? Hat der nicht auch etwas für ihn getan? Immerhin pünktlich das Gehalt überwiesen. Und das dürfte mehr sein, als ein Karstadt-Verkäufer, ein Installateur, ein Versicherungsmakler, ein Maler oder ein Bäcker verdient, gewesen sein. Und all diese Leute haben auch so viel für ihren Arbeitgeber getan – weil es ihre Pflicht ist. So funktioniert das mit der Arbeit. Nur so. Und der HSV hat immerhin dafür gesorgt, dass ein Hakan Calhanoglu vom Karlsruher SC in die Erste Bundesliga kommen konnte, und dass dieser junge Mann davon träumen darf (kann ihm ja niemand verbieten), eines Tages ein so großer Fußballer wie Messi oder Cristiano Ronaldo zu sein.

Nein, irgendwann ist auch mal Schluss mit lustig. Irgendwann sollte auch ein Berater, der Millionen verdient, in beratender Funktion einschreiten und seinem Mandanten nahelegen, besser mal den Mund zu halten. Es ist doch wesentlich besser, Taten sprechen zu lassen, als sich immer nur zu beklagen. Dass die HSV-Fans sauer auf einen Spieler sind, der sogar davon sprach, bei einem Abstieg in die Zweiten Liga weiterhin für die Raute kicken zu wollen, ist doch klar. Sonnenklar. So ging es letztlich fast jedem Spieler, der es in Hamburg vorzog, das Weite zu suchen – ein Beispiel von vielen ist der Name Daniel van Buyten. Ob sich ein Jung-Millionär allerdings so weit herunterlassen kann, um sich in die Lage eines kleinen HSV-Fans, der seinen Verein ohne jeden Kompromiss liebt, zu versetzen? Da glaube ich fehlt es dann doch. An allem.

Ein anderes Thema. Der Rücktritt aus der Nationalmannschaft von Kapitän Philipp Lahm. Ich denke ja auch, dass mindetens noch ein weiterer Spieler folgen wird – wenn nicht noch mehr. Ich rechne auch mit dem Abschied von Miroslav Klose. Und dann denke ich sofort auch an den HSV. Wenn Dennis Diekmeier und Pierre-Michel Lasogga (den viele ja schon für die WM 2014 auf dem Zettel hatten) nun ordentlich Gas geben, auch ordentlich Gas geben können, weil sie bestens trainiert werden (ja, ich bohre weiter in dieser Wunde herum!), dann könnten sie doch eines Tages für Deutschland auflaufen. Könnten. Ich will da nicht zu viel hineingeheimnissen – aber möglich wäre es immerhin. Weil es ansonsten ja nicht mehr so viele Kandidaten gibt – bislang jedenfalls nicht. Aber, das stimmt natürlich auch, einige Talente sollten es nicht mehr allzu lange auf ihre Entdeckung warten, denn dann läuft man die Gefahr, als „ewiges Talent“ in die Geschichte einzugehen. Thomas von Heesen, der ja hier mitliest, weiß wovon ich spreche . . . Leider. Ich hätte ihm eine Karriere in der Nationalmannschaft gewünscht und auch zugetraut, allein sie blieb ihm versagt.

Ich komme für heute zum Schluss. Und da kommt mir noch eine wunderschöne und zudem eine etwas andere Fußball-Geschichte in den Sinn. Eine HSV-Geschichte. Die Alt-Liga der Rothosen flog kürzlich zum Saisonabschluss in die Türkei. Mit von der Partie der frühere HSV-Meisterspieler von 1960, Erwin Piechowiak. Der heute 77-Jährige Norderstedter hatte bis weit über 70 Jahre für die Alt-Liga des HSV gespielt (und für die Senioren von TuRa Harksheide), dann aber krankheitsbedingt einige Rückschläge erlitten. Erwin Piechowiak, ein fantastischer Mensch, muss mehrmals in der Woche zur Dialyse – und dann in die Türkei? Es wurde, weil „Old Erwin“ nur Freunde hat, alles von den alten HSVern gemanagt. Piechowiak flog – beinahe möchte ich schreiben natürlich – mit in die Türkei, und wurde dort dann zur Analyse gefahren, wenn es sein musste. So viel Zeit muss sein.
Und ich finde, dass das doch wirklich eine Klasse-Geschichte ist. Was Freundschaft und Kameradschaft im Fußball doch so alles bewirken kann. Herzlichen Glückwunsch allen Beteiligten, die das bewerkstelligt haben – vorbildlich.

Ganz zum Schluss noch ein ganz anderes Thema. Im Moment wohl auch ein wenig (oder ein wenig mehr) aktuell. Es geht um HSVer, die ihrem Verein den Rücken kehren. Aus dem Westen der Republik erhielten wir nun folgende Mail, die wir hier veröffentlichen möchten. Weil ich trotz allem der Meinung bin, dass man zu seinem Club stehen sollte, und dass man erst einmal abwarten sollte, wohin sich der Verein mit der neuen AG tatsächlich bewegt. Und damit meine ich nicht allein den sportlichen Erfolg (oder Misserfolg), sondern die gesamte Situation im HSV. Manche sehen das anders, einige haben es anders gesehen und haben sich davon gemacht – hier nun gibt es ein neues Beispiel davon. Obwohl ich jeden bitten möchte, nicht zu voreilig zu handeln, obwohl ich jedes Mitglied darum bitten möchte, dem neuen HSV wenigstens eine kleine Chance zu geben. In dem nun folgenden Fall ist es wohl zu spät – schade. Sehr schade.

Hier nu die Mail, die vornehmlich an den HSV gerichtet ist:

Ich leite diese Mail an Euch weiter, damit Ihr seht, warum vielleicht noch mehr HSVer austreten, damit vielleicht zu diesem Thema ein kleiner Blog veröffentlich wird. Es dreht sich mir hauptsächlich um den Umgang mit Menschen, die noch einen Vertrag haben, in diesem Fall bis 2016.
Auch Euch einen schönen Gruß aus Bocholt von Klaus W.

Sehr geehrte Herren vom Vorstand der Fußball AG HSV.

Schweren Herzens habe ich mich nach einigen Nächten “Überschlafen” entschlossen, aus ” meinem ” ehemaligen HSV auszutreten! Es kann doch nicht sein, wie man beim HSV mit Menschen umgeht. Erst wurde Herr Kreuzer, weil Er günstig war, vom Drittligisten KSC geholt um dem HSV nach besten Wissen zu dienen. Man kann doch nicht allen Ernstes verlangen, das Er bei 100 Millionen Verbindlichkeiten des HSV z. B. Messi, Ronaldo und Thomas Müller vielleicht für insgesamt 3 Mill. zum HSV holt. Der Mann hat aus Unerfahrenheit den Transfer durch T. Fink (Zoua) und durch B. v Marwijk (Bouy und noch einen Holländer) leider zugestimmt. Das war natürlich ein großer Fehler, den Er auch selber einsieht. Schade. Er hat aber auch den Vertrag mit Calhanoglu im Februar bis 2018 verlängert, sodass der HSV dadurch 14,5 Mill. eingenommen hat. Außerdem hat Er, nach Aussagen von Herrn Lasogga, durch die Verhandlungsführung mit sich und seiner Mutter, den Wunschstürmer des HSV an den Verein gebunden. Nun kommt Herr Beiersdorfer und fängt mit Herrn Kreuzer die Kaderplanung an und von Heute auf Morgen heißt es: Wir brauchen dich nicht mehr! Nee, Leute, so geht man nicht mit Menschen um!!! Im Profifußball vielleicht doch? Ich weiß es nicht. Darum möchte ich zu dem nächstmöglichen Termin meine Mitgliedschaft kündigen.
Ich bin jetzt 72 Jahre alt und war seit 56 Jahren mit ganzem Herzen HSVer. Ob im Volkspark oder im restlichen Deutschland (hauptsächlich im Westen, da ich in Bocholt wohne), Ich war sehr oft dabei. Schade! Mein Verstand sagt zum HSV nein, aber mein Herz sagt weiterhin ja zum HSV.
Mit freundlichen Grüßen aus Bocholt von Klaus W.

Das war es heute von mir, ich wünsche Euch und Euren Lieben einen schönen Feierabend und ein wunderschönes Wochenende.

Dieter

17.54 Uhr

Welche Rolle der Videowürfel spielt

16. Juni 2012

Über Waldis EM-Club lässt sich ja trefflich streiten. Mal realistisch, mal komisch-heiter-ironisch. Wer es mag, der freut sich, ich kenne einige, die sich das nicht ansehen. Wollen. Ich zappe da aber gerne mal rein, denn ich mag den Waldemar. Für alle, die es wissen wollen: Waldi ist ein Super-Typ, mit dem man Pferde stehlen kann. Wir fanden bei der EM 1996 in Manchester zusammen, da waren wir im selben Hotel – und abends (fast) immer in derselben Disco. Da hatten wir viel Spaß. Und wer jetzt denkt, da ging die Post aber so richtig ab, dem muss ich entgegnen: nix da! Spaß haben und den Ball flach halten können, das muss man auch können – und der Waldi kann das auch. Und so ganz nebenbei bemerkt: der Herr Hartmann weiß auch fix Bescheid. Über Fußball, die Nationalmannschaft, das Umfeld – und was sonst im Leben so abgeht. Er hat mir sogar einen dicken Lapsus verziehen: Als ich eine Geschichte über ihn schrieb, wurde mir in Hamburg ein ganz böser Nebensatz in den Text gemischt. Etwas, was ich noch heute als sehr böse empfinde. Wie gesagt, nicht von mir – und der Waldi hat es mir auch abgenommen und mir verziehen. In meiner ersten Wut, das gebe ich zu, wollte ich mein EM-Abenteuer beenden und abreisen. Ich wurde aber von den lieben Kollegen gebremst, was ich heute noch als sehr gut ansehe.

Aber zurück zu Waldis EM-Club in der ARD. Da saß kürzlich auch Hansi Müller. Der schöne Hansi hieß es ja früher, der Stuttgarter und ehemalige Nationalspieler war mal in der „Bravo“ auf dem Titelblatt, aber davon ist nicht mehr viel zu sehen. Na ja, Schönheit ist vergänglich . . . Also dieser Hansi Müller hat, als es bei Waldi gerade mal „real“ zuging, über einen ehemaligen HSV-Spieler, über den „kleinen Engel“, voller Entsetzen gesagt: „Hat das eigentlich jemand gesehen, wie langsam dieser Rafael van der Vaart geworden ist? Ich habe den immer sehr als Fußballer geschätzt, aber wie langsam ist der geworden. Als er einmal hinter dem mit Ball am Fuß laufenden Mesut Özil hinterher lief, drehte der Holländer ab, weil er wohl nicht wollte, dass man seine Langsamkeit so offensichtlich sah.“ Ich fühlte mich bestätigt mit dem, was ich kürzlich schrieb. Beim Länderspiel in Leipzig gegen Israel sprach ich ja mit mehreren Spielerberatern, auch über van der Vaart. Und einer dieser Berater sagte mir ja (ihr erinnert euch?): „Was will der HSV denn mit dem? Der ist doch viel zu langsam geworden, der spielt doch ohne jegliches Tempo – und das kann man sich im heutigen Spitzenfußball gar nicht mehr erlauben.“ Ja, so sehen es die Experten.
Ich würde mich trotz allem freuen, wenn er wieder zum HSV zurück käme, aber das ist ja nur meine unmaßgebliche Meinung, die kann jeder sofort wieder vergessen.

So, ihr merkt, es ist EM-Zeit. Da geht nichts beim HSV, absolut nichts. Keine Zeitung hat den „großen Kracher“, denn es gibt keinen „großen Kracher“. Noch nicht. Also ist EM. Und da hat der Unsympath des Turniers noch ein Spiel, dann fliegt er nach Hause: Zlatan Ibrahimovic. Was für ein Typ?! Mannschaftsführer der Schweden. Ausgerechnet ein solcher Mensch ist Mannschaftsführer. Habe ich mich gefreut, dass die Schweden ausgeschieden sind – obwohl ich nichts gegen Schweden habe. Nur gegen dieses Ekelpaket. Er wird ja auch Rebell genannt, oder Exzentriker. Das ist in meinen Augen alles untertrieben.

Allein wie der als schwedischer Spielführer die Hände der Gegenspieler (bei der Begrüßung vor dem Anstoß) schüttelt. Ibrahimovic, der ein begnadeter Fußballspieler ist (er schießt den Ball auch tatsächlich dorthin, wo er ihn hin haben will! Das macht in der Perfektion kaum ein Zweiter), sieht die gegnerischen Spieler nicht an, er blickt nur auf die ihm entgegengestreckte Hand, packt diese und „zerquetscht“ sie. Unmenschlich. Wie „Geier Wally“ läuft er über den Rasen. Und, hat es jemand gesehen, als das 2:1 für Schweden gegen England gefallen war: Mitten im schwedischen Torjubel giftete Ibrahimovic den geschlagenen englischen Keeper Joe Hart an. Wieso, weshalb, warum? Weiß nur er. Wenn Blicke töten könnten . . .

Apropos England. Da spielte ja so ein Schönling namens Andy Carroll mit. Ähnlich die Haare nach hinten gebunden wie Ibrahimovic. Aber dieser Carroll, der ein Super-Tor zum 1:0 geköpft hat, ist ja nicht nur Fußball-Nationalspieler. Dieser Adonis öffnete sofort seine Haare, nachdem der halbzeit- und der Schluss-Pfiff gekommen waren. Dann schüttelte er kurz seinen schönen Kopf, die schönen Haare sahen mit einem Schlag wuselig aus, und um sie noch wuseliger zu machen, fuhr er sich mehrere Male mit beiden Händen durch das Haar. Was für ein Kerl! Viel zu schön um wahr zu sein. Und:
Du hast die Haare schön, du hast die Haare schön, du hast, du hast die Haare schön.

Ja, auch ein solches Gehabe und Getue gehört wohl zum heutigen Show-Fußball dazu. Ist ja ohnehin lächerlich, wie diese Schönlinge immer sofort auf den Videowürfel im Stadion schauen, wenn sie etwas vollbracht haben. Dann wollen sie sich sehen: „Bin ich auch gut im Bild? Und bin ich nicht schön?“

Ich denke dabei immer an Uwe Seeler. Für den gab es damals keine Videowürfel, aber selbst wenn er heute noch spielen würde – „uns Uwe“ würde nicht einmal zum Bildschirm hochsehen. Weil er immer nur Fußball, Fußball, Fußball gedacht und gelebt hat, und er wollte nur eines; gewinnen. Nicht schön aussehen, nicht die Haare richten, nicht sonst etwas machen. Das heute nimmt schon groteske und lächerliche Züge an. Ganz sicher. Wobei der Ober-Schönling ja aus Portugal kommt: Cristiano Ronaldo. Der Mann ist ja tatsächlich bildschön, keine Frage, volle Anerkennung von mir, aber muss er das auch während der 90 Minuten ständig überprüfen? Ich behaupte, obwohl es darüber keine Statistik gibt, dass kein anderer EM-Spieler während der 90 Minuten so oft zum Videowürfel hochblicken, wie Ronaldo. Deswegen vergisst er in diesen EM-Tagen auch seine fußballerischen Qualitäten. Der will nur glänzen und gut aussehen. Letzteres hat er Ibrahimovic um Längen voraus – aber was soll das schon heißen?

Zwei Dinge sind mir zudem aufgefallen.

Ich finde es irgendwie ein wenig unfair, wenn eine Mannschaft, die den Ball ins Seitenaus spielt, damit ein verletzt am Boden liegender gegnerischer Spieler von der medizinischen Abteilung behandelt werden kann, den Ball dafür später, nach der Verletzungspause, zum Torwart zurückgespielt bekommt. Dabei wurde der Ball doch ursprünglich in der anderen Spielhälfte ins Aus gespielt. Die um Fairplay bemühte Mannschaft hat also einen gravierenden Nachteil hinzunehmen, denn sie muss neu und wieder von (ganz) hinten aufbauen. Und die Zuschauer klatschen dazu . . .

Und noch eine Unsitte, die ich schon vom HSV (und aus der Bundesliga) kenne, macht sich bei diesem Turnier breit: Wie die Kinder sind die Gören . . . Gibt es einen Freistoß kurz vor dem gegnerische Tor, sodass der Ball direkt auf das Gehäuse geschossen werden könnte, so fallen die Spieler teilweise wie die Hühnerhabichte über die Kugel her: „Her damit! Du gibt’s mir sofort den Ball! Den schieße ich, und nur ich.“ Ein Gezanke und Gezeter ist das, und das hat in meinen Augen nichts, aber auch absolut nichts mit Profi-Fußball zu tun. Da sind dann plötzlich nur „Hirnis“ am Werke, die nur sich und ihr Ego kennen. Wahnsinn. Da werden die besten Chancen verschenkt, nur weil den Ball ein jeder ganz persönlich nimmt. Ribery ist so einer, und bei England fiel mir Young auf. Gefoult, gefallen – aufgesprungen und den Ball „geraubt“ – das ist eine Szene. Und bevor dann geschossen wird, wird erst einmal diskutiert. Und das lenkt total vom Wesentlichen ab. Konzentration? Das ist dann ein Fremdwort. Da geht es nur noch darum, den Ball zu verteidigen, dass man auch tatsächlich selbst zum Schuss kommt.

Mich überrascht immer wieder, wie die Trainer diesem bunten Treiben tatenlos zusehen. Da müssten doch irgendwann einmal klare Ansagen kommen. Mein ehemaliger Trainer Wolfgang „Jule“ Rauert (beim Wandsbeker FC) gab vor dem Spiel immer bekannt: „Elfmeter Matz.“ Damit das geklärt war – bevor es Streitigkeiten gab oder geben konnte. Aber über die Freistöße sprach auch er nie. Doch ich bin mir sicher, dass er es heute machen würde – man kann das nicht alles dem Zufall und dem Ego der Spieler überlassen. Dazu sind die Begegnungen heutzutage viel zu eng, da entscheidet eventuell genau diese eine Standardsituation.

Also, Männer, macht euch nicht lächerlich, reißt euch endlich mal zusammen und gibt mal den Profi (der über den Dingen steht) – alles andere ist doch wirklich der reinste Amateurfußball. Obwohl, denke ich gerade, die kriegen es wahrscheinlich viel besser hin, weil es da ja nicht so viele unfehlbare Stars gibt – wie zurzeit in Polen und der Ukraine.

Apropos. Seit „einigen“ Tagen, gefühlt seit zwei Monaten, haben wir ja Sommerpause. Vom Sommer ist weit und breit nichts zu sehen, dafür von Pause umso mehr. Zum Glück haben wir aber noch die EM. Und die sollten wir deswegen auch ausgiebig genießen. Noch ist es doch herrlich, dass es jeden Abend Fußball gibt – oder?

Und dann war da noch ein kurzer Bericht von „pps“ „Mein Wechsel zu Real Madrid hat sich voll ausgezahlt“, meinte der deutsche Mittelfeld-Star Sami Khedira im Gespräch mit ZDF-Reporter Michael Steinbrecher im deutschen Quartier. „José Mourinho ist für mich der weltbeste Vereinstrainer. Er bringt Ehrlichkeit rüber, verspricht einem nichts, was er nicht so meint. Er hat mir beigebracht, noch intelligenter zu spielen.“
Das habe ich in den letzten Wochen immer häufiger gehört. Von Mourinho schwärmen sie (fast) alle. Okay, der Coach steht mit den Journalisten auf Kriegsfuß, aber das muss man auch mal ignorieren. Wenn es ums Fußballerische geht, so muss er ein ganz besonderes Exemplar seiner Zunft sein. Er soll es tatsächlich so gut können – wie kaum ein zweiter Trainer auf der Welt. Es wäre aber doch wirklich sehr, sehr schön, wenn bei ihm der eine oder andere Kollege mal in die Schule gehen könnte. Und noch schöner wäre es doch wenn zum Beispiel ein – um nicht so hoch zu greifen – Gojko Kacar am Ende der nächsten Saison sagen würde: „Thorsten Fink ist für mich der weltbeste Vereinstrainer. Er bringt Ehrlichkeit rüber, verspricht einem nichts, was er nicht so meint. Er hat mir beigebracht, noch intelligenter zu spielen.“

Das wäre dann einzigartig, ein Novum für Hamburg, denn einen solchen Satz habe ich selbst über den großen Ernst Happel nie vernommen. Obwohl der beste HSV-Trainer aller Zeiten wirklich von fast allen seinen Spielern gelobt und verehrt wurde. Hätte doch was, wenn sie so in einem Jahr alle voller Hochachtung von Fink sprechen würden.

PS: Morgen, nach dem EM-Spiel Deutschland gegen Dänemark, gibt es wieder „Matz ab live“. Unsere Gäste im „Champs“ sind HSV-Vorstands-Cheff Carl-Edgar Jarchow und der freie Journalist Oliver Wurm, bekannt und berühmt durch diverse Teilnahmen am „Sport-1-Doppelpass“. Wir freuen uns, und wir, „Scholle“ und ich, würden uns auch sehr freuen, wenn ihr wieder einschalten würdet. Obwohl, ich glaube, wir konkurrieren dann mit Waldis EM-Club . . .

18.41 Uhr

Wie Thorsten Fink über Gomez denkt

14. Juni 2012

Warte, warte noch ein Weilchen, dann . . . Ja, dann werden wir sehen, ob der HSV noch den einen oder anderen Spieler an einen anderen Verein abtreten kann. Die „Welt“ hat kürzlich von den „Ladenhütern“ des HSV geschrieben. Aber wer will schon „Ladenhüter“ haben? Zumal dann, wenn sie von einem Fast-Absteiger kommen? In der Ersten Liga dürften nur Klub Interesse haben, die unten „mitspielen“, und die haben meistens auch kein Geld. Also dürften sich die Ablösesummen in Grenzen halten, mit denen der HSV kalkulieren könnte. Ein Teufelskreis, denn: „Erst verkaufen, dann einkaufen“ – das funktioniert eigentlich ganz anders. Es wird noch eine Zeit verstreichen, ehe es Bewegungen auf dem HSV-Transfermarkt geben wird. Derweil genießen Spieler und Trainer ihren außergewöhnlich langen Sommerurlaub. Und das ist ja auch ganz gut so, gehen die Profis doch dann völlig erholt und ausgeruht wieder an ihre Arbeit.

Gestern waren ja Dennis Aogo und Jörn Wolf bei „Matz ab live“ zu Gast, und ich möchte jenen „Matz-abbern“ danken, die diese Auftritte gelobt haben. Im neuen „Studio, das „Champs“ in Schnelsen, wirkte es alles großzügiger und auch schon etwas professioneller, auch deswegen kamen diese 34 Minuten vielleicht so gut an. Wobei klar festzuhalten ist, dass unsere beiden Gäste wirklich etwa zu sagen hatten – und das auch sehr gut in die Tat umsetzten. Auch an dieser Stelle noch einmal unser Dank an beide Herren. Das lechzt nach einer Wiederholung.

Aber es ist ja EM. Zum Glück. Und da gibt es ja genügend Dinge, die zu kommentieren sind. Ich habe gerade in der „Sport Bild“ gelesen, warum der frühere niederländische Nationaltorwart Hans van Breukelen „die Deutschen nicht mag“: 1.) Die Schwalbe von Hölzenbein im WM-Finale 1974. Ich habe fast geweint. 2.) Die Arroganz der Deutschen. Die meisten grüßen nicht mal. 3.) Deutsche machen sich über uns lustig mit Witzen wie diesem: Holländische Kinder haben so große Ohren, weil ihre Eltern sie daran hochziehen und sagen: „Schau mal, da drüben wohnen die Weltmeister.“

Okay, ich kann ja verstehen, dass der Stachel immer noch tief sitzt. Aber ich möchte mal die drei Gründe aufschlüsseln. Punkt eins: Selbst wenn Hölzenbein zum 1:1-Eöfmeter ein Schwalbe produziert haben sollte, später, als der Frankfurter im WM-Finale von Jansen tatsächlich umgegrätscht wurde, gab es keinen Strafstoß. Also ausgleichende Gerechtigkeit. Punkt zwei, die Arroganz. Soll ich Hans van Breukelen grüßen, wenn ich ihn sehe? Oder Frau Antje? Oder Harry Wijnvoord? Oder Ruud van Nistelrooy? Natürlich, den würde ich grüßen, aber ich würde doch keinen Menschen grüßen, den ich nicht kenne. Es sei denn, dieser Mensch grüßt mich. Dann grüße ich natürlich zurück. Weil mir Arroganz fremd ist. Und Punkt drei? Ich kenne Niederländer, habe aber die großen Ohren nicht gesehen Und Witze über Holland und Holländer? Ich glaube, das gleicht sich auch alles aus, denn auch die Niederländer machen (nicht gerade freundliche) Witze über die Deutschen.

Und bei der Gelegenheit. 26. April 1989, WM-Qualifikationsspiel in Rotterdam, Niederlande gegen Deutschland. Da wurde in der Stadt am Tag vor dem Spiel und am tag des Spiels alles attackiert, was Deutsch sprach. Und an deutschen Autos wurden Scheiben eingeschlagen und Spiegel abgetreten. Und unser riesiges Hotel, ein Glaskasten mitten in der Stadt, wurde mit schweren Seiten beworfen. Ich sehe noch heute unseren früheren Nationaltorwart Hans Tilkowski mit eingezogenem Kopf von der Rezeption in Richtung Fahrstühle flüchten, weil er richtig viel Angst hatte. Aber der eigentliche Höhepunkt folgte erst im Stadion. Wir waren fünf Kollegen, drei aus Hamburg, einer aus Lübeck, einer aus Frankfurt. Wir waren im inneren Ring des Stadions, kurz vor den Aufgängen zu unseren Plätzen. Draußen tobte eine Schlacht, wie ich sie so noch nie erlebt habe – das war wie Krieg. Und wir hatten die Treppe vor Augen, alles schien bestens, als plötzlich ein niederländischer Polizist mit seinem Pferd auf uns von hinten zuritt. Und ohne Vorwarnung zog dieser ältere Herr (Rundschnitt in Augenbrauenhöhe) seinen Gummiknüppel und drosch damit auf unseren ältesten Kollegen, der bundesweit bekannte Hartmut Scherzer, ein. Wir waren fassungslos. Niemand von uns hatte etwas getan oder gesagt, es war einfach nur ein feiger Angriff von hinten, total unbegründet. Da wollte sich ein älterer Niederländern mal kurz an einem älteren Deutschen „rächen“. Ich habe das damals – mehr aus Zufall – fotografiert, Jahre später erschien dieses Foto (oder Fotos) auch in der „Sport Bild“ – im Zusammenhang mit der „deutsch-niederländischen Freundschaft“. Dieser Vorgang ist mir unvergessen, aber er zeigt auch, dass die Dummen eben noch lange nicht aussterben. Siehe Hans van Breukelen. Manche lernen es nie.

Zum Fußball. Mein Freund Peter, ein Freund der Nationalmannschaft (FdN), rief ich heute an und sagte: „Dass Deutschland auch zu zehnt gegen die Niederländer gewinnt, das ist eine ganz wichtige Erkenntnis für mich.“ Wie, zu zehnt? Er: „Na ja, hat der Karnevalsprinz hat doch nun wirklich nicht teilgenommen.“ Aha, es geht also um Podolski. Haut den Lukas. Recht hat er ja, mein Freund, ich habe Podolski ja auch nicht gesehen. Wir haben uns dann aber gefragt, ob es Jogi Löw nicht auch so ergangen ist? Zweite Halbzeit zumindest. Da turnte der Ex-Kölner, den sie am Rein immer mit der Sänfte ins Stadion und zum Training getragen haben, ja auf der gegenüberliegenden Seite der Trainerbank herum. Deswegen, so schlossen wir daraus, konnte in Löw nicht sehen, folglich auch nicht auswechseln. Wer nicht mitspielt, der kann nicht vom Platz geholt werden. Logisch. Deswegen musste erst Mesut Özil (der dann oft vor der Trainerbank aufkreuzte) runter, dann auch noch Thomas Müller. Rechtsdraußen.

An Müller scheiden sich ja die Geister. Ich gebe zu, dass der Bayern-Profi nicht in Bestform zur EM gekommen ist. Aber er ist auch nicht in absolut schlechter Verfassung. Mir gefällt dieser Müller immer noch, gebe ich zu. Weil er viele gute Dinge mit dem Ball anstellt, weil er den Ball auch bestens unter Kontrolle hat – und weil er fleißig nach hinten arbeitet. Das ist vielleicht der Punkt, der bei Podolski zum springenden Punkt wird. Ihm hat man ja oft vorgeworfen, dass er kaum oder nicht nach hinten arbeitet. Jetzt arbeitet er nach hinten, aber er arbeitet kaum noch nach vorne. Wir er vorne geschickt, geht er kurz ab – bis zu jenem Punkt, an dem er den Ball hat. Früher wäre er dann mit dem Kopf durch die Wand Richtung Tor des Gegners marschiert, hätte alles um und dumm gelaufen und geschubst – heute spielt er den Ball gleich wieder zurück, oder er läuft mit der Kugel am Fuß wieder Richtung eigener Hälfte. Völlig harmlos. Und total wirkungslos. Ein Ausfall.

Apropos. Cristiano Ronaldo. Oliver Kahn spricht ja nur die Wahrheit aus: so schlecht wie nie. Zwei Super-Chancen, kein Tor. Der gute „John-Wayne“-Verschnitt (weil er vor seinen Freistößen immer so breitbeinig steht wie die Hollywood-Legende, bevor er aus der Hüfte schoss) läuft in dieser portugiesischen Mannschaft wie ein Fremdkörper herum. Wie einer, der um Liebe bettelt, den aber keiner wirklich lieb hat. Im Gegenteil. Oft habe ich bislang den Eindruck, als würden ihn seine „Kollegen“ ganz bewusst „außen vor“ lassen. Wenn sie ihm den Ball geben, ist er weg – so oder so. Das will keiner so richtig.

Im Gegensatz dazu Mario Gomez. Zwei Chancen, zwei Tore. Das ist der wahre „John Wayne“. Eiskalt. Auch ohne breitbeinig vor dem Ball zu stehen, ohne auf die Anzeigentafel im Stadion zu blicken, ob auch die Frisur noch gut sitzt. Mich würde ein Typ wie Ronaldo in meiner Mannschaft nerven – wenn er keine Leistung bringt und keine Tore schießt. Nur dann, natürlich. Aber an guten Tagen kann er es ja. Ausgerechnet bei dieser EM kann er es aber (noch) nicht. Zurück zu Gomez. „Ich kann die Kritik an ihm nicht verstehen, jund jetzt hat er mit seinen nunmehr drei Toren den Kritikern das Maul gestopft“, sagt HSV-Trainer Thorsten Fink (mit dem „Scholle“ sprach) über den deutschen Torjäger. Und in der Castrol-Analyse werden die Stärken des Münchner Stürmers noch einmal bestens „entlarvt“:

In der Form seines Lebens? Allerdings. Mit Killerinstinkt vor dem gegnerischen Tor? Keine Frage. Aber lauffaul? In diesem Punkt scheiden sich bei Mario Gomez die Geister. Die Analysen von Castrol, offizieller Partner der „UEFA EURO 2012 Statistik“, belegen, dass die Kritik an Deutschlands Torgarant mit der Nummer 23 nicht auf Fakten, sondern auf subjektiven Eindrücken beruht.

Beim 1:0-Sieg der DFB-Elf gegen Portugal hatte Gomez in 80 Spielminuten 8 797 Meter absolviert und gegen die Niederlande waren es bei seiner Auswechslung in der 72. Minute bereits 8 826 Meter. Hochgerechnet auf die volle Spieldauer käme Gomez auf eine Gesamtlaufleistung von knapp 9 896 Metern (gegen Portugal) bis 11 032 Metern (gegen die Niederlande) – und muss so den Vergleich mit anderen Goalgettern nicht scheuen: Der Ukrainer Andrij Schewtschenko brachte es im Spiel gegen Schweden in 81 Minuten Spielzeit auf 8 826 Meter und Zlatan Ibrahimovic in Diensten der Schweden kam über die volle Distanz auf ganze 9 362 Meter. Beide Angreifer stehen in ihrem Land übrigens außerhalb jeder Kritik.

Deswegen war Gomez im Spiel gegen die Niederlande auch der herausragende Akteur mit einer Wertung von 9,43 Punkten. An seiner Effektivität gibt es keinen Zweifel: seine beiden Treffer erzielte der Münchener mit nur drei Schüssen auf das Tor. Als offizielle Analyse der „UEFA EURO 2012 Statistik“ erfasst der Castrol alle Ballkontakte und Aktionen eines Spielers und bewertet, ob sie die Wahrscheinlichkeit eines eigenen Tores erhöhen oder senken. In gleicher Weise werden Punkte für Defensivaktionen vergeben. Aus den gewonnen Daten ergibt sich eine Rangliste mit einer Bewertung von bis zu zehn Punkten – je höher die Punktzahl, desto besser die Leistung.

Auf Rang zwei der Liste landet Holger Badstuber (9,13 Punkte), der vor allem durch seine Balleroberungen auf sich aufmerksam machte. Der stärkste Niederländer war Robin van Persie mit einer Wertung von 9,08. Er überzeugte als Torschütze und Störfaktor im deutschen Spielaufbau. Er war außerdem der lauffreudigste Akteur seines Teams mit einem Pensum von 10 843 Metern. Beim Sieger war die Doppel-Sechs im Mittelfeld wieder fleißig unterwegs: Bastian Schweinsteiger setzte die Bestmarke mit 11 952 Metern vor Sami Khedira mit 11 336 Metern. Insgesamt absolvierte die deutsche Elf rund 106 Kilometer, Holland dagegen nur 104 Kilometer.

Khedira und Schweinsteiger – das waren zwei riesige Stützen in der Sieger-Mannschaft, die ihren Gegenspieler Mark van Bommel und Nigel de Jong (unser Nigel!) klar an die Wand spielten. Real-Spieler Khedira war in der Balleroberung Weltklasse, Schweinsteiger war Lenker, Denker und Kämpfer – wie (fast) zu seinen besten Tagen. Ich würde es ihm und der deutschen Mannschaft (und auch mir) wünschen, dass er noch während dieser EM zur alten Stärke zurückfindet, gegen die Niederlande war er fast schon wieder an jenem Punkt. Oftmals sieht es nicht sonderlich spektakulär aus, wie er etwas macht, aber fast alles ist enorm wirkungsvoll. Wie bei Khedira. Zwei große Trümpfe auf dem Weg zum Titel? Ich hatte ja vorher auf die Niederländer (Egoland) und als Außenseiter auf die Polen getippt, aber die Sache mit dem Tippen ist so eine Sache. Meistens liegt man daneben – ich total. Deswegen sage ich jetzt: unterschätzt mir die Italiener nicht. Die spielen bislang so gut, wie ich sie kaum zuvor mal gesehen habe. Die laufen, die rennen, die spielen kreativ, die kämpfen, die stehen gut, die treten als Einheit auf – da passt alles. Hätte ich vorher nie geglaubt, aber der Wettskandal scheint null Spuren hinterlassen zu haben. Kompliment!

18.59 Uhr

Neun Tore für einen guten Zweck

13. Dezember 2011

„Bist du verrückt?“ Das war die Antwort, die mir Jörg „Ali“ Albertz gegeben hat. Welche Frage habe ich gestellt? Dreimal dürft Ihr raten. Sie lautete: „Na, Ali, bist du fit? Hast du dich schön vorbereitet auf dieses Spiel?“ Dafür sah das Spiel des „Bombers“ aber ganz gut aus. Apropos: Fast alle sahen ja noch ganz gut aus. Okay, Stig Töfting ist ein wenig rundlicher geworden, auch Sergej Barbarez hat inzwischen einige Gramm zugenommen, aber Ronaldo sah wie zwei „Ronaldos“ aus. Was zur Folge hatte, dass der 35-Jährige immer auch zwei Leute an sich „kettete“. Der Welttorjäger stand vorne bei der Weltauswahl einsam und verlassen – oftmals im Abseits. Aber zu einer ganz normalen Laufarbeit am frühen Dienstagabend ist er eben nicht mehr ganz so fähig. Dabei erinnere ich mich noch daran, dass ich vor einigen Monaten noch irgendwo gelesen hatte, dass Ronaldo in Brasilien verkündet hatte, „noch einmal angreifen zu wollen“. Was? Das ist die Frage. Der HSV verlor dieses Benefizspiel „Match against poverty“ vor 24 000 Zuschauern mit 4:5. Die erste Niederlage für Thorsten Fink – nein, ein Scherz.

Um es noch schnell aufzuklären: Nico Hoogma war, das hatte ich vorhin falsch angekündigt, nicht nur am Rande dabei, sondern spielte mit. Vielleicht auch deswegen, weil Altmeister Manfred „Manni“ Kaltz kurzfristig ausgefallen war. „Ich hatte fast eine Lungenentzündung, ich hätte keine Luft gehabt, das hat es keinen Zweck. Leider.“ Er musste trotz allem, wie alle an diesem Abend, zahlreiche Hände schütteln. Glücklich war einmal mehr und einmal wieder: Hermann Rieger. Der Kult-Masseur freute sich: „Ich darf dabei sein, darf wieder einmal Masseur sein – ein Traum! Das ist wie in alten Zeiten, ich freue mich tierisch.“ Hermann sah, das möchte ich allen, die sich sorgen, einmal mitteilen, sehr, sehr gut aus. Typisch Hermann: Als er Spielerberater und Spiele-Vermittler Wolfgang Kuhlmann traf, lagen sich beide in den Armen. Rieger standen dabei fast Tränen in den Augen, und er sagte: „Kuhli, was haben wir früher mit dem HSV für Reisen gemacht. Um die ganze Welt sind wir geflogen – und du hast alles organisiert. Das war super, super, super. Ich danke dir noch heute dafür, auch durch dich habe ich so viele tolle Sachen erlebt und gesehen.“ Ja, so ist er, „uns Hermann“.

Der HSV begann dieses Spiel mit: Richard Golz, Michael Gravgaard, Bastian Reinhardt, Slobodan Rajkovic, Dennis Aogo, Nigel de Jong, Ze Roberto, Mehdi Mahdavikia, Jörg Albertz, Paolo Guerrero, Mladen Petric. Später kamen noch: Jaroslav Drobny, Stig Töfting, Ivica Olic, Sergej Barbarez, Heung Min Son, Ivo Ilicevic, Stefan Schnoor, Nico Hoogma, Heiko Westermann, Tomas Rincon, Rodolfo Cardoso, David Jarolim, Collin Benjamin und Marcell Jansen.

Die Weltauswahl trat an mit: Fabien Barthez, Gheorge Pupescu, Claude Makelele, Edgar Davids, Luis Figo, Michel Salgado, Joan Capdavila, Fabio Cannavaro, Didier Drogba, Ronaldo sowie Jens Lehmann, Dida, Lucas Radebe, Ferando Couto, Rabah Madjer, Thomas Berthold, Robert Pires, Nuno Maniche, Gheorge Hagi, Steve McManaman, Christian Karambeu, Sami Al-Jaber und Serginho. Trainer waren Bora Milutinovic und Marcello Lippi.

Irgendwie war es wie früher. Klasse Namen, Super-Fußballer, und mittendrin er: „Meeeeeeehhhhhhhddddiiiiiiiiiii“.Mahdavikia ging wie einst steil, ab wie Schmidts Katze. Und wurde aufgenommen, als sei er gestern noch für den HSV am Start gewesen: „Meeeeeeehhhhhhhddddiiiiiiiiiii“. Er schoss auch die Eckstöße wie einst. Einmal durfte er drei hintereinander. Der erste kam halbhoch, der zweite nur etwas höher, der dritte flog richtig hoch und eigentlich auch ganz schön zur Mitte, aber er war in der Luft schon im Toraus: „Meeeeeeehhhhhhhddddiiiiiiiiiii“.

Bei diesem Kick fehlte zwar mitunter das Tempo, aber es war sogar in der Pause was los. Jens Lehmann zum Beispiel schoss, natürlich unabsichtlich, seinem Trainer Milutinovic die Brille von der Nase, der Coach pflegte dann während der zweiten 45 Minuten sein blaues Auge. Und als Collin Benjamin (jetzt 1860 München) eingewechselt wurde, da begrüßte ihn Stadionsprecher Lotto King Karl launig: „Schön dass du da bist, Digger.“

Schön dass alle da waren. Für einen guten Zweck. Und es gab auch ein paar Tore mehr als sonst. Der HSV führte schnell mit 2:0. Mladen Petric traf mit einem Volleyschuss nach einer Flanke von „Meeeeeeehhhhhhhddddiiiiiiiiiii“ (8.), dann erzielte Ze Roberto nach Zuspiel von Petric mit einem zauberhaften Heber über Barthez das 2:0 (18.). Damit war das Spiel gelaufen. Fast.

Die Stars aber wollten sich nicht verprügeln lassen. Drogba (22.), Ronaldo (ja ja, 27.) und Capdevila (39.) sorgten für den 2:3-Halbzeitstand. Als Salgado auf 4:2 erhöhte (60.) war die Welt wieder ein Stück mehr in Ordnung, doch Tomas Rincon hielt den HSV mit einem Traum-Hammer aus 22 Metern (in den oberen linken Winkel) noch im Spiel (64.). Bis zur 72. Minute: Figo ließ Hoogma stehen, ein „Tunnel“ für Jaroslav Drobny – 3:5.

Das war ein großer Fußball-Tag für Hamburg, und ein wenig Geld im Kampf gegen die Armut ist sicher auch eingenommen worden – vielen Dank an alle, die dabei waren und Geld für dieses Spiel ausgegeben haben.

Morgen, am Mittwoch, gibt es noch einen großen Tag für den HSV. Ich darf nicht zu viel verraten, aber wer Lust und Zeit hat, der sollte um 20 Uhr (vielleicht auch schon eine Viertelstunde eher) „HH1“ einschalten, da wird der „Hamburger des Jahres“ 2011 geehrt –Laudator ist Felix Magath.

Übrigens, einen Höhepunkt hatte diese Partie noch kurz vor dem Schlusspfiff: Hermann Rieger kam auf das Spielfeld, um Drobny zu pflegen. Er umarmte ihn herzlich, umarmte dann auch Bastian Reinhardt – und ging wieder vom Rasen. Ohne Pflege. Aber unter riesigem Beifall. Der Masseur wurde groß gefeiert: „Ohne Hermann, wär’ hier gar nichts los . . .“ Naja, so kann man das auch nicht singen.

Heung Min Son traf Sekunden vor dem Schlusspfiff noch zum 4:5-Endstand.
Und auch das muss ich schnell noch loswerden: Richard Golz hielt an diesem Abend noch einige “Unhaltbare”, er war der mit Abstand der beste Hamburger. Großartig, Richie!

PS: Eine missglückte Generalprobe (gegen Augsburg will ich mit dem Spielende den Artikel direkt hier online gestellt haben) . . . Der Artikel war mit dem Schlusspfiff fertig, aber senden konnte ich nicht. Erst in der Arena (Umzug von der Tribüne in den Presseraum) ließ sich dieses Ding “erweichen” – hoffentlich wird das am Sonnabend besser. Und nicht nur das muss dann besser werden, auch das Resultat.

(leider erst um) 21.17 Uhr

Feuer im Stadion – bitte nur auf dem Rasen!

12. Dezember 2011

Heute einmal, weil es ein Ruhetag beim HSV gibt, die etwas andere Eröffnung.
Der Sport-Informations-Dienst berichtet (auch) über einige Fußball-Fans, die es nicht lassen können:

Das Entzünden von Bengalos beim Ostderby gegen Energie Cottbus könnte Fußball-Drittligist Dynamo Dresden im Kampf gegen den Pokalausschluss um die letzte Chance bringen. Der DFB ermittelt. Dunkler Qualm stieg im Dresdner Block auf. Vermummte Anhänger wedelten freudig erregt mit brennenden Bengalos umher. Sicherheitskräfte versuchten vom Rasen aus, mit Wasserwerfern zu löschen – doch der Eklat war nicht mehr zu stoppen. Der Einsatz von Pyrotechnik einiger unverbesserlicher Rowdys kurz vor dem Ostderby gegen Energie Cottbus sorgte bei Dynamo Dresden trotz des 2:1-Sieges für Entsetzen. „Der DFB-Kontrollausschuss ist informiert“, bestätigte Sprecher Jens Grittner.

„Da haben uns wieder einige einen Bärendienst erwiesen“, sagte Dresdens Präsident Andreas Ritter und ergänzte ziemlich verbittert: „Jeder, der normalen Menschenverstand besitzt, weiß doch, wie sehr uns diese Vorfälle jetzt schaden. Sollten wir wegen dieser Vorfälle eine Geldstrafe erhalten, werden wir uns das Geld von den Verursachern zurückholen.“ Der Klub-Boss befürchtet – wohl zu Recht – einen negativen Einfluss auf das Berufungsverfahren, mit dem sich der Klub derzeit gegen den Pokalausschluss für die kommende Saison wehrt.

Warum ich das veröffentliche? In Mainz waren einige HSV-Fans auch mit viel Feuer bei der Sache. Wie immer. Aber, und das sollte sich jeder jetzt einmal vor Augen führen: Dresden ist hart bestraft worden. Und deswegen geht Dresden auf die Barrikaden. Ost und West wird ungleich behandelt – so das Motto der Dynamos. Und weil es dafür auch Unterstützung aus dem Osten gibt, wird es nicht lange dauern, bis der erste West-Klub nicht zur zur Kasse gebeten wird (das wird er ohnehin schon immer), sondern auch aus irgendeinem Wettbewerb ausgeschlossen wird. Oder, wie jetzt Hansa Rostock, vor leeren Rängen ein Heimspiel austragen muss.
Alles kein Problem?
Okay, dann weiter so!
Der Verein, in diesem Fall der HSV, muss doch kaputt zu kriegen sein . . . Indem ihm ein klein wenig Feuer gemacht wird. Ich sage aber: Feuer im Stadion? Bitte nur auf dem Rasen!

Um noch einmal auf den morgigen Dienstag zu kommen. Fußballgrößen wie Zinedine Zidane, Ronaldo und Luis Figo sind die Topstars beim neunten „Spiel gegen die Armut“ im Volkspark. Bei dieser von den Vereinten Nationen unterstützten Partie soll Geld für hungernde Menschen am Horn von Afrika gesammelt werden. Das Spiel beginnt um 19.05 Uhr, wird live auf „Sport 1“ übertragen – aber sollte auch immer noch – einige Zuschauer in die Arena ziehen. Der HSV tritt gegen „Ronaldo, Zidane und Friends“ mit seinen Nationalspielern an – und dazu kommen einige Altstars zum Einsatz.

Das „Spiel gegen die Armut“ ist für Zidane, mittlerweile Sportdirektor bei Real Madrid und ehrenamtlich UNO-Goodwillbotschafter, eine echte Herzensangelegenheit. „Wir wollen nicht nur Geld sammeln, sondern auch sensibilisieren für die Not der Menschen in dieser Region. Die Botschaft muss heißen, dass wir uns um bedürftige Menschen kümmern müssen“, sagt der Franzose voller Engagement.

Nach UNO-Schätzungen leben rund 13 Millionen Menschen in Dschibuti, Somalia, Äthiopien und Kenia in bitterster Armut und sind vom Hungertod bedroht. Und so kommen auch noch aktive Fußballstars wie Didier Drogba in die Hansestadt, um zu helfen. Der Torjäger des FC Chelsea ist selbst in der Elfenbeinküste in schwierigen Verhältnissen aufgewachsen: „Deshalb ist es mir eine Ehre, diese Menschen zu unterstützen.“

Das Publikum erwartet eine Fußballshow der Extraklasse, denn die „Freunde“ von Ronaldo und Zidane sind durchaus prominent. Jens Lehmann wird das Tor hüten, die Fußballschuhe schnüren werden weiterhin Fabio Cannavaro, Fernando Hierro und Gheorghe Hagi. Zum Team der HSV-Allstars gehören unter anderem die Ex-Rothosen Ze Roberto, Mehdi Mahdavikia, Sergej Barbarez, Stefan Beinlich und Jörg Albertz. Und selbst die „Pfeife“ ist ein Star: Pierluigi Collina, zwischen 1998 und 2003 sechsmal in Folge Welt-Schiedsrichter des Jahres, leitet die Partie. Als Trainer der Gäste fungieren Marcello Lippi und Bora Milutinovic. Und damit auch Deutschlands Tennisheld Boris Beck in offizieller Funktion irgendwie dazugehört, hat man den „Bobbele“ zum Team-Manager gemacht.

Und nicht vergessen: Es geht hier ums Helfen.

Noch nicht vergessen ist, jedenfalls bei mir, dass sich unmittelbar vor der Erstansetzung des Bundesliga-Spiels 1. FC Köln gegen Mainz 05 der angesetzte Unparteiische Babak Rafati in einem Kölner Hotel das Leben nehmen wollte (19. November). Der ehemalige Berliner Bundesliga-Schiedsrichter Lutz Michael Fröhlich, Abteilungsleiter Schiedsrichter beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), nimmt nun wegen exakt dieses Suizidversuchs den eigenen Verband in die Pflicht. „Ein kleines Trainer- und Coaching-Team, ergänzt um den Rat und die individuelle Unterstützung von Fachexperten, das ist wohl der richtige Weg auch für unsere Schiedsrichter. Da brauchen wir in der Schiedsrichterführung auch mehr Ruhe für den Blick und das Ohr für den Schiedsrichter als Menschen“, sagte Fröhlich.

Morgen wird das Bundesligaspiel zwischen dem 1. FC Köln und dem FSV Mainz 05 nachgeholt. Fröhlich untermauerte, dass auch die medizinische und sportliche Betreuung der Schiedsrichter besser werden müsse. „Wir müssen dranbleiben, können an internationalen Vorgaben nicht einfach vorbeigucken. Das Thema Support und Impulse zur Verbesserung der Fitness werden wir kurzfristig aufgreifen. Dazu gehören auch die Themen Regeneration und medizinische Betreuung“, sagte Fröhlich.

Zu abstrakt ist für Fröhlich auch die Forderung von Fifa-Präsident Joseph S. Blatter angestoßene Diskussion über Profi-Schiedsrichter: „Das ist in dieser Form nur eine leere Hülle, die manchmal etwas zu populistisch auf den Markt geworfen wird. Inhalte sind wichtig, wie zum Beispiel: Welche Einstellungen haben die Schiedsrichter zu ihrer Tätigkeit? Wie arbeiten Schiedsrichter, und wie wird mit Schiedsrichtern gearbeitet? Und: Wie sind die Rahmenbedingungen ausgestaltet?“, sagte Fröhlich.

Bei der Gelegenheit ist mir am Wochenende eine Szene übel aufgestoßen. Es war beim Spiel Köln gegen Freiburg. Vor dem 1:0 wurde Lukas Podolski steil geschickt. In der Fernseh-Wiederholung, nur eine von unzähligen an diesem Tag, wurde der Fuß des Kölners farbig eingekreist – weil der Fuß im Abseits stand. Ich frage mich aber, ob es wirklich der Fuß war, oder nur der große Zeh? Oder nur der Fußnagel des großen Zehs? Nein, nein, das ist schon pervers. Wird in dieser Szene auf eine Abseitsstellung entschieden, wird im Fernsehen sicher gesagt: „Schade, ursprünglich sollte es ja so ausgelegt werden: Im Zweifel für den Stürmer.“ Und wenn nicht so entschieden wird, dann heißt es: „Abseits, dieser Treffer hätte eigentlich nicht zählen dürfen.“

Welche Chance haben da eigentlich noch die Schiedsrichter? Die können doch gar nicht gegen 30 Kameras und mehr (?) anpfeifen, die müssten doch Woche für Woche wahre Wunder vollbringen, wenn sie ohne große Fehlentscheidungen über die 90 Minuten kommen wollten. Und trotzdem, fast unglaublich, schaffen es immer viele – oder welche. So wie am Sonntag Manuel Gräfe aus Berlin, der Stuttgart gegen Bayern wieder einmal super geleitet hat. Auch wenn die Schwaben noch immer Gift und Galle spucken. Ich sage: Kompliment, Herr Gräfe!

So, ich möchte auch noch einmal explizit auf den HSV kommen. Ich denke mit einem leicht mulmigen Gefühl an das letzte Heimspiel des Jahres, am Sonnabend, tatsächlich noch einmal um 15.30 Uhr (womit hat der HSV das verdient?), gegen den zuletzt sehr aufmüpfigen Aufsteiger FC Augsburg. Dazu hat HSV-Nationalspieler Dennis Aogo nach dem 0:0 in Mainz einiges gesagt, und das möchte ich Euch nicht vorenthalten: „Es wäre sehr wichtig für uns, wenn wir mit einem Heimsieg in die Winterpause gehen könnten, es wäre der krönende Abschluss der letzten Wochen, wir wollen uns unbedingt belohnen für die gute Arbeit. Es wäre für jeden Spieler ideal, mit einem guten Gefühl in die Winterpause zu gehen, und es wäre zudem auch in der Tabelle ein entscheidender Schritt.“

Generell befand Aogo zum letzten halben Jahr: „Der Knackpunkt für uns war der Trainerwechsel, Thorsten Fink hat der Mannschaft Selbstvertrauen, Sicherheit und eine Spielidee gegeben, die wir umsetzen. Man hat in Mainz deutlich gesehen, dass sich die Mainzer in dieser Woche sehr viele Gedanken um uns gemacht haben. Sie waren auf der Suche nach Lösungen, um unser Konzept zu stören, das ist ihnen sicherlich auch ganz gut gelungen, aber es zeigt mir auch, dass wir uns den Respekt der Liga zurück erarbeitet haben.“

Um noch einmal auf das Feuer im Spiel zurück zu kommen. Dazu gab es zahlreiche Beiträge bei „Matz ab“, hier nur einige wenige Ausschnitte:

„UnsUwe“: „Ich bin einfach gegen Bengalos in Stadien und denke auch, dass man dies auch ohne „Schande” vertreten kann. Ich habe noch bei keinem Stadionbesuch erlebt, dass es Pyros die Stimmung verbessern, sondern eher negativ anheizen und wirklich gesund ist es auch nicht. Wenn wenigstens nur die „Zünder” von dem Rauch betroffen wären, ok, aber solche „intelligenten Pyros”, welche keine Kollateralschäden verursachen, wurden vermutlich noch nicht erfunden… Schwieriges Thema, aber wenn man sagt, dass man solche Dinge in “allen Stadien” nicht sehen möchte, dann kann man wohl kaum von einer heuchlerischen Debatte sprechen. Finde ich.
.
Noch etwas: Ich wundere mich etwas über den so plötzlich sachlichen und umgänglichen Ton hier im Blog, nein, eigentlich ich freue mich drüber. Weiter so.“

„Mladenhüter“: „Ich habe mich in über zwanzig Jahren bei keinem meiner zahlreichen Stadionbesuche durch Pyrotechnik belästigt gefühlt.“

„PeVo“: „Ich werde auf jeden Fall am 15.01.12 zur Mitgliederversammlung gehen. Und wenn Oliver Scheel sich nicht klar und deutlich gegen diesen Unsinn ausspricht, ist er für mich nicht wählbar.“

„Kollauer“: „Ich sehe immer noch alle Vereine in der Pflicht, diese objektiv potenzielle Gefahr für die Stadionbesucher nicht mehr zuzulassen.“

So, ich bin am Ende. Für heute. Und bitte an morgen denken: 19.05 Uhr in der Arena, der HSV gegen den Rest der Welt – für einen guten, guten Zweck.

16.59 Uhr

PS: Morgen (Dienstag) Training um 10 Uhr im Volkspark.

Und noch eine Ergänzung. Ich sprach eben mit Supporters-Chef Ralf Bednarek, der gestern in einem Beitrag bei “Matz ab” genannt wurde. Weil er die Bengalos legalisieren möchte. Bednarek sagte mir: “Ich setze mich für die Legalisierung ein, nicht dafür, wie damit im Moment umgegangen wird. So wie es jetzt gehändelt wird, so ist es natürlich sehr gefährlich. Ich möchte aber extra freie Zonen dafür, ungefährlichere Materialien, die sich nicht so sehr erhitzen, ich möchte, dass dann mindestens ein Feuerwehrmann dabei ist – und derjenige, der die Bengalos abbrennt, der müsste als Bühnen-Pyrotechniker ausgebildet sein. Ich kenne einige Fans, die sich dazu ausbilden lassen würden.” Ralf Bednarek weiter: “Mit Verboten werden wir, davon bin ich überzeugt, das Problem kaum lösen können. Zum Beispiel Mainz. Da waren die Kontrollen so scharf wie nie. Und trotzdem ist es gelungen, diese Sachen einzuschleusen. Wenn aber Bengalos genehmigt sind, dann wissen alle, DFB, Verein und die Behörden, wer damit am Werk ist.” Zum Schluss sagt der Supporters-Chef noch: “Ganz klar sage ich: Wir wollen keine Böller im Stadion, keine Rauchbomben, die auf die Augen gehen, die auch die Atemwege reizen. Leute, die damit erwischt werden, wenn sie so etwas abbrennen, die müssen mit Strafen rechnen. So wie schon in der Vergangenheit immer.”
Ergänzt um 17.41 Uhr

Fink: “Jeder sollte auf dem Teppich bleiben”

11. Dezember 2011

Nur 0:0 gegen Mainz. Wieso das denn? Nur ein Unentschieden beim Tabellen-13. – in meinem Umfeld machte sich am Sonnabend sofort Unmut breit. Nur ein Punkt in Mainz? Ich habe alle spontan gefragt: „Wieso sagt ihr nur?“ Hatte Mainz daheim zuletzt nicht gerade die Bayern besiegt? Mainz ist sicher nicht so schlecht, wie Tabellenplatz 13 aussagt. Aber viel wichtiger ist: Der HSV stand zu Beginn dieser Saison im Umbruch. Jeder konnte eine schwere Saison erwarten, die meisten haben davon auch Gebrauch gemacht. Nur wenige Fantasten konnten davon träumen, dass es auch mit dieser neuen Mannschaft wieder bergauf gehen würde. Und nun „nur“? Es ist so grausam. In meinen Augen jedenfalls. Ich wäre vorher mit einem Punkt in Mainz zufrieden gewesen, und ich bin es jetzt erst recht. Denn der HSV hat ganz sicher nicht gut gespielt gegen die Tuchel-Truppe. Aber ich behaupte mal kühn: Vor sieben Wochen noch hätte der HSV dieses Spiel in Mainz verloren, denn: Vor dem 22. Oktober 2011, vor dem ersten Spiel von Trainer Thorsten Fink mit dem HSV, stand diese Mannschaft auf dem letzten Tabellenplatz. Vier Spiele, und ein grandioser Punkt auf der Habenseite. Ein ganzes Pünktchen. Aber: Nur eines! Alles schon vergessen? „Ein guter Dirigent kann aus einer Dorf-Kapelle kein Orchester machen“, sagt Fink immer.
Ich sage: Wunder dauern ein wenig länger. Auch beim HSV, selbst mit Thorsten Fink. Für mich aber hilft jeder Punktgewinn, die prekäre Lage, die weiterhin sehr prekäre Lage zu verbessern.

Ich möchte erst einmal vor Augsburg warnen, auch das Spiel am Sonnabend gegen den Vorletzten wird nicht zum Selbstgänger. Ganz im Gegenteil. Augsburg ließ zuletzt aufhorchen, besiegte Wolfsburg (der VfL hatte vorher 4:1 gegen Hannover gewonnen!), besiegte nun auch Borussia Mönchengladbach. Das wird unangenehm, das wird auch harte Arbeit. Und im neuen Jahr? Da möchte ich an den Start erinnern: Daheim gegen Borussia Dortmund, dann geht es zur Hertha nach Berlin, dann kommen die Bayern, es geht nach Köln und es kommt Werder. Die Dauer-Optimisten werden natürlich alles was kommt „weghauen“, aber wie sehen es die Realisten?

Zum Beispiel Thorsten Fink. Der ordnete die Partie in Mainz wie folgt ein: „Wir habend die ersten 20 Minuten gut gespielt, dann das Heft aus der Hand gegeben – bis zur 60. Minute. Dann haben wir das wieder bis zur 80. Minute sehr gut gemacht. Insgesamt aber war es kein überragendes Spiel für uns, es gab viele Fehlpässe – allerdings auf beiden Seiten. Dennoch sage ich: Wir sind weiter auf dem Weg ins gesicherte Mittelfeld. Und das ist unser Ziel in dieser Saison.“

Nur, würden jetzt einige sofort fragen, nur Mittelfeld? Kein internationaler Startplatz? Thorsten Fink: „Ich kann ja nicht zaubern, ich bin ja nicht David Copperfield. Man kann nicht erwarten, dass wir in jedem Spiel auftreten wie eine Spitzenmannschaft. Wir sind auf dem Weg, uns da unten zu verabschieden, wir sind dabei, das Abstiegsgespenst endgültig zu verscheuchen – das war genau meine Aufgabe, als ich hier angetreten bin. Dieses Ziel werden wir auch erreichen, aber jeder sollte jetzt auch auf dem Teppich bleiben Niemand konnte doch erwarten, dass wir Mainz auswärts einfach mal wegfegen. Wir haben noch einiges zu verbessern. Spielerisch geht es sicher noch besser.“ Und: „Im Winter schauen wir mal, was wir in dieser Saison dann noch erreichen können – aber wichtig ist, dass wir uns da unten jetzt verabschieden. Die Entwicklung der Mannschaft kann und muss man nur positiv bewerten, wenn ich langfristig mit diesen Spielern arbeite, dann ist einiges möglich, dann wir die Mannschaft immer besser werden, davon bin ich überzeugt.“

So wird es auch der Sportchef sehen. Frank Arnesen sagte nach der Nullnummer in Mainz: „Das Positive an diesem Spiel ist, dass wir unter der Regie von Thorsten Fink weiterhin ungeschlagen sind. Vor zwei Monaten hätte doch niemand damit gerechnet, dass wir mit einem Sieg über den FC Augsburg auf 21 Punkte kommen können.“ Insgesamt befand Arnesen: „Wir sind müde geworden in den letzten Minuten, dadurch haben sich einige Räume für Mainz geöffnet. Aber das ist völlig normal, wir haben sehr viel gearbeitet in den vergangenen Wochen – viele Spieler sind sehr viel gelaufen.“ Wobei ich noch einmal einhaken möchte: Meine ganze Hoffnung ruht ja auf der Vorbereitung auf die Rückrunde. Dafür ist Thorsten Fink und sein Team verantwortlich, und ich denke, diese Männer werden erkannt haben, wo hier die Hebel anzusetzen sind. Dementsprechend dürfte es schon im spanischen Trainingslager zur Sache gehen – damit der HSV auch dann noch fit ist, wenn (dann) die anderen Mannschaften müde werden.

Beide, Fink und Arnesen, lobten – natürlich – auch Jaroslav Drobny. Der Tscheche hielt wieder einmal fehlerlos, erinnert mich jetzt an den früheren Frank Rost, wenn er souverän, ruhig und konzentriert zwischen den Pfosten stand. Und ausgerechnet jetzt, wo Drobny so großartig hält, hält sich auch ein Gerücht. Der HSV soll mit Rene Adler (noch Leverkusen) verhandeln, verhandelt haben, auf jeden Fall Interesse haben. Dazu sagte Thorsten Fink bei „Liga total“: „Ich kommentiere hier nicht andauernd alle Namen, die in der Zeitung öffentlich gemacht werden. […] Wir sind im Moment sehr zufrieden mit unserem Torhüter.“ Auch einen möglichen Wechsel von Basels Granit Xhaka schon in der Winterpause wollte er nicht kommentieren, sagte nur so viel: „Granit Xhaka ist ein guter Spieler. Aber im Moment kommentieren wir keine Namen von Spielern aus anderen Vereinen.“

Ich möchte noch einmal zu Drobny sagen: Es war völlig normal, dass er zu Beginn der Saison noch nicht in jener Form war, die er jetzt hat. Schließlich hatte er ein Jahr nicht gespielt. Ich erinnere mich an Rudi Kargus, der hier gesagt hat: „Jeder Torwart wird nicht auf Anhieb wieder in Bestform sein, wenn er so lange pausiert hat. Jeder Torwart.“ Recht hatte er damit. Nun hat Drobny wieder genügend Spielpraxis, und nun präsentiert er sich so, wie er einst für Bochum und Hertha BSC gespielt und gehalten hat – sehr gut.

Zwei Dinge brennen mir noch unter den Nägeln. Dass der HSV kein Geld hat (oder nur sehr, sehr wenig), wissen fast alle. Nur jene HSV-Fans anscheinend nicht, die in Mainz wieder für ein wenig Feuer im Stadion sorgten. Ich dachte so bei mir: „Schön, dass diese HSV-Anhänger wieder dafür sorgen, dass der HSV wieder einmal zur Kasse gebeten wird. Ist ja „in“ im Moment. Aber gut, das werden die Jungs schon wissen, die so etwas inszenieren . . . Es gab bei „Matz ab“ dazu eine Mail, die ich gerne veröffentlichen möchte. „Reinhard 1954“ schrieb: „Mit meinem Sohn komme ich gerade aus Mainz zurück. Ich bin sehr sauer auf einige Idioten im HSV Block. Dreimal wurde von Poptown, in der Mitte vom Stehplatzblock J, diese verfluchte Pyrotechnik, abgefackelt. Ich stand ca. 10 Meter links daneben und war minutenlang diesem scheußlichem Gestank und Qualm ausgesetzt. Ausweichen konnte man im vollbesetzten Block nicht. Der HSV-Schal diente als Mund -und Nasenschutz. Mein Sohn stand direkt unten bei Liebnau und hat Gott sei Dank nichts abbekommen.
Für Leute mit Atemwegsproblemen kann dies u.U. fatale Folgen haben. Wann hört dieser Blödsinn endlich auf?

Bald wird der HSV wohl eine saftige Strafe vom DFB bekommen. Unser Supporters-Chef Bednarek möchte Pyrotechnik legalisieren. Dies ist einfach unglaublich. Die Täter müssen dingfest gemacht werden und ein Stadionverbot bekommen.

Zum Spiel ist folgendes zu sagen: Das Spiel des HSV war nicht berauschend. Dank Drobny und dem Unvermögen von Choupo M. konnte der HSV einen Punkt mitnehmen.“

So, das zweite Thema:

Am Dienstag ist die Fußballwelt zu Gast in Hamburg. Beim „Match Against Poverty” tritt eine Weltauswahl um
Ronaldo und Zinédine Zidane gegen den HSV, verstärkt um einige Allstars und Alt-Stars, an. Die beiden Goodwill-Botschafter sammeln mit dem Spiel Spenden für das Entwicklungsprogramm der UN (UNDP) für
humanitäre Hilfe am Horn von Afrika. In ihrer Mannschaft laufen u. a. Stars wie Jens Lehmann und Luis Figo auf, Boris Becker führt die Weltauswahl als Teammanager an. Der HSV verstärkt seine aktuelle Mannschaft mit ehemaligen Profis wie Rodolfo Cardoso, Sergej Barbarez und Anthony Yeboah.

Ich möchte alle Fußball-Fans bitten: Macht diese Veranstaltung nicht zu einem Trauerspiel. Eine solche Partie vor leeren Rängen – es wäre ein Armutszeugnis für uns alle. Bitte, bitte, ich möchte wirklich alle eindringlich bitten, bitte geht am Dienstag in die Arena, zeigt, dass Hamburg eine solche Begegnung nicht nur ausrichten, sondern auch gleichzeitig ein Fest daraus machen kann. Es ist doch für einen guten, einen sehr, sehr guten Zweck.

Zum Abschluss noch ein Bericht aus „Matz ab“, den ich deswegen hier hinein stelle, weil dort ja langte nicht alle lesen. Es soll Euch allen zeigen, wie HSV-Fans ticken, was sie fühlen, wie sie die Lage beurteilen. Deswegen hier einer von uns.
„Piependreier“ schrieb: „Wir waren wohl alle, die einen klaren Sieg tippten, mit zu hohen Erwartungen in die Begegnung gegangen. Der heutige Blog von DM entspricht dem Spielverlauf. Mit dem einen Punkt kann der HSV hoch zufrieden sein. Bei besserer Torausbeute der Mainzer Stürmer hätte es genauso gut wieder eine Schlappe geben können Wichtig ist, dass es wieder ohne Gegentor endete. Unsere Viererkette hatte heute nicht ihren besten Tag. Besonders die Innenverteidigung spielte manchmal konfus. Ohne besonders heraus zu ragen spielte Drobny wieder eine sichere Partie. Der unterstreicht immer mehr das an ihm kein Weg als Nr. 1 im HSV Tor vorbei geht.

Augsburg gab am heutigen Spieltag auch zur rechten Zeit für unsere Mannschaft einen Warnschuss ab.

Wie ich im gestrigen Blog schon an Störzenhofegger schrieb, wird das nächste Spiel gegen Augsburg ein schweres, kampfbetontes Spiel. Das wird ganz bestimmt kein Selbstgänger. Da wird Tho.F. sich wieder etwas einfallen lassen um die zu besiegen.

Der Sportdirektor Arnesen hängt nichts an die große Glocke. Bei dem laufen schon die Vorbereitungen in seinem Büro für die Saison 2012/13. Da wird auch kaum etwas an die Öffentlichkeit dringen. Das ist auch gut so, wenn der nichts sagt, dann glüht die Gerüchteküche. Es ist davon auszugehen, das zum Beginn der Spielzeit 2012/13 ein paar Verstärkungen im HSV Kader stehen. Ziel von F.A. und Tho.F. wird dann wieder ein Platz im internationalen Geschäft sein. Um das Ziel zu erreichen wird ein richtiger Mittelfeldstratege erforderlich sein. Gehandelt werden zu gegebener Zeit viele Namen. Die gewünschten Spieler müssen bezahlbar sein.

Eigentlich können wir HSV Anhänger mit dem erreichten Tabellenplatz trotz der Verjüngung der Mannschaft zufrieden sein. Nach der Winterpause werden die Karten neu gemischt.“

Ich wünsche allen Matz-abbern und Ihren Lieben noch einen schönen Rest vom dritten Advent – und am Montag einen erfolgreichen, dynamischen Start in die neue Woche.

17.43 Uhr

Fink: “Alles geht, nur der Frosch hüpft”

8. Dezember 2011

Es gibt eine gute und eine nicht so gute Nachricht vom HSV. Zuerst die gute: Mladen Petric ist wieder fit, er wird auch beim Spiel am Sonnabend (15.30 Uhr!) in Mainz wieder dabei sein. Dann die schlechte: Petric wird nur auf der Bank sitzen. Und das ist eigentlich auch nur logisch. Der Torjäger hat nun fünf Wochen nicht mit der Mannschaft trainiert, hat ganz sicher noch einiges an Nachholbedarf – aber ganz sicher ist es erfreulich, dass er wieder mit von der Partie ist. Und quasi als Drohung – mehr für den Gegner – draußen sitzt und kommen könnte, wenn dann Not am Mann ist.

Beim heutigen Training hat Mladen Petric (fast) alles mitgemacht. Nur die kurzen Sprünge über die kleinen Hürden ließ er aus, in dieser Zeit „daddelte“ er mit Co-Trainer Frank Heinemann und dem ebenfalls um Abschluss bemühten Marcus Berg mit dem Ball herum. „Das war eine reine Vorsichtsmaßnahme, ich habe keine Schmerzen gehabt, aber nach einer so langen Pause ist es besser, nicht sofort alles mitzumachen.“ Aber wenn es hart auf hart käme, könnte er es jetzt wieder. Im Hinblick auf das Mainz-Spiel sagte Petric: „Die Stimmung in der Mannschaft ist ganz gut, alle sind sehr fokussiert, alle wollen wieder ein besseres Spiel abliefern als zuletzt.“ Obwohl er auch generell feststellte: „Es läuft jetzt wesentlich besser bei uns, als noch vor Wochen, die Art und Weise, wie wir Fußball spielen, ist deutlich besser geworden. Und ich bin sehr zuversichtlich, dass wir das auch noch weiter steigern werden.“ Zudem hofft Mladen Petric auf die Winterpause: „Wenn wir dann mit dem Trainingslager beginnen, dann werden wir uns noch besser mit dem Trainer abstimmen könne, dann kann auch an den taktischen Vorgaben noch mehr gefeilt werden.“

Darauf setzten ja nicht wenige HSVer in und um Hamburg herum. Wohl auch der Trainer selbst. Über den sich Petric – auch aus der Entfernung (wegen der Verletzungspause) – schon ein eigenes Bild gemacht hat: „In dieser kurzen Zeit, in der er jetzt da ist, spielen jetzt besser, man konnte ja deutlich den Unterschied zu vorher erkennen. Unser Spiel ist komplett anders geworden, wir spielen selbstbewusster, wir dominieren die meisten Spiele auch – das hat Thorsten Fink der Mannschaft schnell beigebracht. Es läuft zwar noch nicht alles perfekt, aber darauf kann man schon aufbauen.“ Petric über sein sportliches Ziel bis zum Jahresende: „Mindestens vier Punkte in der Bundesliga holen, und dazu das Pokalsspiel in Stuttgart gewinnen.“ Schön wäre es ja.

Wer etwas Neues in Sachen Vertragsverlängerung wissen möchte – es gibt nichts. Im März soll gesprochen werden. Weitere Kommentare wollte Mladen Petric zu diesem Thema nicht abgeben.

Noch einmal zurück zum heutigen Training. Da spielten, neben dem genesenen Jefferey Bruma (Schulterprellung), Ivo Ilicevic und Robert Tesche in der A-Elf, Heung Min Son und Gojko Kacar dafür in der B-Elf. Ein Fingerzeig für Sonnabend? Thorsten Fink verriet nur so viel: „Ivo wird am Sonnabend spielen. Er hat es sich verdient. Als er gegen Nürnberg kam, da hat er sofort für Schwung gesorgt, hat das zweite Tor mit vorbereitet – mit ihm wurden wir gleich spielerisch besser. Er hat es verdient, und er wird somit zum ersten Mal von Anfang an in die Mannschaft rücken.“

Fast hätte er es nicht ganz geschafft, denn Ilicevic wurde im Training heute von David Jarolim recht unsanft zu Boden befördert. Der Pfiff des „Schiedsrichters“ blieb zwar aus, aber es tat dem Ex-Pfälzer dennoch sehr weh. Er hielt sich danach noch einige Zeit die Schulter, den Arm und die Hand. Aber er blieb leise, er muckte nach dieser Szene nicht auf, sondern schluckte sie wie ein Profi – ja, ich weiß, ist er ja auch. Gleiches gilt für Tomas Rincon, der von „Jaro“ gleich zweimal recht hart „bearbeitet“ worden ist und dabei unsanft zu Boden ging. Einmal tat es allen Kiebitzen sogar beim Zusehen weh – aber auch Rincon rappelte sich gleich wieder auf, zeigte keinerlei Reaktion und mischte sofort wieder mit. Großartige Einstellung – von Rincon und Ilicevic. Übrigens: Auch bei den Jarolim-Szenen gegen Rincon schwieg die Pfeife des „Unparteiischen“ (der Trainer) . . .

Zum kommenden Sonnabend befand Thorsten Fink heute: „Ich will auch in Mainz gewinnen, erwarte ein ähnliches Spiel wie in Hannover, genau das ist die Messlatte. Die nächsten zwei Bundesliga-Spiele sind für uns richtungsweisend, wenn wir die gewinnen, könnten wir die unteren Ränge verlassen und könnten wirklich mal höher schauen. Aber wir müssen uns immer noch damit abfinden, dass wir immer noch mit einem Auge nach unten schauen müssen, und das möchten wir ja vermeiden. Im Moment sieht die Tabelle ja ganz gut aus, elfter Platz, aber der Schein trügt. Wir haben zwar gut gearbeitet und Punkte geholt, aber einige Niederlagen und man ist wieder unten mit drin. Man darf sich jetzt nicht ausruhen, wir müssen weiter Vollgas geben.“ Genau so ist es.

Um noch einmal zurück auf den „Neuen“ zu kommen: Zum Thema Ilicevic schrieb mir „HSven“: „Für Ilicevic müsste Fink sein 4-4-2 verändern. So ähnlich hatte er sich ja auch vor dem letzten Spiel geäussert. Also vermute ich eher, dass Petric wirklich die besseren Karten haben wird. Und im Gegensatz zu der hiesigen Blog-Folklore, hoffe ich auch darauf.“

Fink wird eine Antwort darauf finden. Einer seiner Lieblingssprüche scheint dabei der zu sein: “Alles geht, nur der Frosch hüpft.”

Ich glaube allerdings nicht, dass Fink etwas Gravierendes verändern wird. Ilicevic spielte heute hinter Paolo Guerrero, also genau jene Rolle, die zuletzt auch Son innehatte.

Noch einmal, wo ich gerade bei Guerrero bin, zurück zum Vormittag im Volkspark: Nach dem Training blieben vor einem Tor, das von Nachwuchsmann Tino Dehmelt (19, kommt aus der Regionalliga-Mannschaft von Rodolfo Cardoso) gehütet wurde, noch David Jarolim, Marcus Berg, Per Ciljan Skjelbred und Heung Min Son auf dem Rasen, um noch ein wenig freiwilliges Schusstraining zu absolvieren. Und vor dem anderen Tor, in dem Sven Neuhaus stand, übten Dennis Aogo (der flankte) und Paolo Guerrero, der schoss und köpfte, freiwillig schon ein wenig für Sonnabend. Gute Einstellung!

Da ich gerade beim Abarbeiten bin. Beim Training wurde ich heute gefragt, was eigentlich mit Tolgay Arslan ist? Medien-Direktor Jörn Wolf klärte mich auf. Arslan, der im Sommer vom Wolfsburger Dejagah (beim Testspiel in Flensburg) so böse und brutal gefoult worden war, hatte versucht, seine Knöchelverletzung konservativ heilen zu lassen, aber dann musste der HSV-Profi doch noch operiert werden. Die Folge jetzt: erneutes Reha-Training. Arslan ist jeden Tag im Kraftraum – und zwar in der Arena. Er ist also in Hamburg, kämpft sich hier wieder heran. Aber das wird erst im nächsten Jahr etwas werden. Ihm wurde am Knöchel ein Knochenstückchen operativ entfernt.

So, einen kleinen Sprung nach Frankfurt habe ich noch vor:

Zum Thema Wolfgang Niersbach, der bekanntlich im nächsten Jahr (oktober) Theo Zwanziger als DFB-Präsident beerben soll und wird, schrieb der User „Frank Aschwasser“: „Schlecht für uns.” Aber: „Holliwutt” sagt zu diesem Thema: „Gegenfrage: Wer wäre denn gut für uns gewesen?“

Ich kann nur sagen, dass ich Wolfgang Niersbach schon seit Jahrzehnten kenne, schon immer eine hohe Meinung von ihm gehabt habe (ihm sogar vor langer, langer Zeit – auch öffentlich in einer NDR-Radio-Sendung prophezeit habe, dass er eines Tages DFB-Präsident werden würde!) und nicht glaube, dass er etwas Böses gegen den HSV hat. Niersbach ist ein Vollblut-Fußballer, er hat unheimlich viel Ahnung von diesem Geschäft – und er genießt weltweit höchste Anerkennung, ich habe es oft genug miterleben dürfen. Nein, nein, Niersbach ist absolut okay und die beste Wahl für den deutschen Fußball.

Und noch einmal DFB: „HSVFlex“ schrieb sich seinen Frust von der Seele: „Ich muss hier mal ganz stark den DFB kritisieren. Wie kann das sein, dass ein Hunt für so ein Brutalofoul 3 Spiele Sperre bekommt und Rajkovic für sein angebliche Tätigkeit auch??? Sag mal schielen die da beim DFB??? Wenn ich nur diese beiden Fouls vergleiche…….unfassbar. Das zeigt mal wieder, dass dort entweder eine starke Antisympathie gegenüber dem HSV herrscht oder sogar eine Form von Korruption vorliegt! Wieso wird ein Pizarro für eine glasklare Tätigkeit nicht nachträglich noch bestraft??? Selbst das Foul war schlimmer als das von Rajkovic! Ich begreife das nicht…“

Um ehrlich zu sein, das mit Hunt verstehe ich auch nicht, und das geht vielen Kollegen und Freunden von mir ebenso. Das ist ein Witz. Doch das haben wir ja schon mehrfach in der Bundesliga-Geschichte erfahren, dass da nicht immer mit demselben Maß gemessen wird. Nicht nur für den HSV nicht, aber oft genug hat auch der HSV unter dieser ungleichen Bestrafung zu leiden gehabt. Dass aber ein Pizarro nicht noch nachträglich gesperrt wird (oder wurde), das ist okay, denn der Schiedsrichter (Florian Meyer) hatte in dieser Szene gepfiffen und auf Freistoß für den FC Bayern entschieden. Damit ist dieses Foul geklärt und geahndet – auch wenn da Rot durchaus vertretbar gewesen wäre, ganz klar. Regeltechnisch aber nachträglich nicht mehr machbar.

Und noch zu einem anderen Thema: „hsv_forever“ denkt schon an die Winter-Pause, und damit an Verstärkungen: „Lakic und Helmes sollen WOB wohl im Winter verlassen und ich denke Helmes ist eine Option…” Zu Helmes entbrannte dann eine Diskussion, ob er besser als Petric ist. „Dino1887“: „Vor dem Tor ist Helmes eiskalt, man muss ihn nur richtig einsetzen. Ich persönlich wünsche mir einen anderen Typ als Stürmer.“ Dazu auch „Magath-Fan“: „Statistik hin oder her, zu meinem tatsächlichen Bedauern hatte Helmes einen Kreuzbandriss, und von dem hat er sich mMn nicht mehr richtig erholt. Helmes soll man wieder zum FC gehen, wenn es Poldi ins Ausland zieht, da passt er besser hin.“

Letzteres finde ich auch besser. Vor vielen, vielen Jahren, als Helmes noch für die Sportfreunde Siegen (und die U-21-Nationalmannschaft) stürmte, da gab ich dem HSV mal einen Tipp, aber die Herren wollten ihn nicht. Damals war er in meinen Augen ein Super-Stürmer, heute ist, tut mir leid, wenn ich das sage, der Lack bei ihm ab. Da kommt nicht mehr so viel. Ob das an der schweren Verletzung liegt, die er hatte? Ich weiß es nicht. Aber ich sehe es auch nicht, dass Helmes vor dem Tor ein „Killer“ ist. Was hat der zuletzt, wenn er mal spielen durfte (auch in Leverkusen schon) frei vor dem Tor „verballert“? Das war nicht erstliga-reif. Deswegen rate ich heute von Helmes ab, ganz klar.

So, nun zum Schluss noch eine andere Sache, die mir am Herzen liegt. Der HSV schrieb uns heute:
30 internationale Fußballgrößen sind mit von der Partie bei der UNDP-Hungerhilfe zugunsten des Horns von Afrika

Didier Drogba sagt Teilnahme an Ronaldos & Zinedine Zidanes neuntem Spiel gegen die Armut zu, das am Dienstag, 13. Dezember in Hamburg ab 19.05 Uhr beginnt.

Fußball-Superstar Didier Drogba schließt sich einer starbesetzten Auswahl von 30 internationalen aktiven bzw. ehemaligen Spielern an, die kommenden Dienstag in Hamburg beim deutschen Fußballklub und Gastgeber des Spiels gegen die Armut, dem Hamburger Sport-Verein (HSV), auf die Hungerhilfe am Horn von Afrika aufmerksam machen und zu Spenden aufrufen.

In ihrer Funktion als Goodwill-Botschafter des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) haben Ronaldo, Zinédine Zidane und Drogba die Spieler – darunter u. a. Luís Figo,
Pavel Nedved, Serginho und Christian Karembeu, dazu Ze Roberto, Sergej Barbarez, Jörg Albertz und viele mehr – zusammengebracht. Anpfiff des Spiels ist um 19.05 Uhr Ortszeit in der Imtech-Arena des HSV.

„Es ist mir eine Ehre, die Menschen am Horn von Afrika zu unterstützen, die unter Dürre und Hunger leiden, und ich möchte alle dazu ermuntern, an einem Strang zu ziehen, damit die Krise überwunden wird”, so Drogba, der zum ersten Mal an dem Freundschaftsspiel teilnimmt. „Und es begeistert mich, gemeinsam mit Ronaldo, Zidane und allen anderen Spielern im Kampf gegen die Armut etwas bewegen zu können.”

In diesem Jahr gerieten über 13 Millionen Menschen durch Hunger, Dürre, Konflikte und hohe Nahrungsmittelpreise in Not. Gemeinsam mit Partnern in Dschibuti, Äthiopien, Kenia und Somalia arbeiten die Vereinten Nationen dafür, den Menschen einen besseren Zugang zu Wasser, Nahrungsmitteln, Märkten und Gesundheitsfürsorge zu ermöglichen.

Zwar konnte das Leben von Tausenden Menschen durch Hilfsmaßnahmen gerettet werden – trotzdem ist die Situation, insbesondere in ganz Somalia, weiterhin kritisch. Noch immer sind vier Millionen Menschen von der Krise betroffen, und 250.000 leiden Hunger.

Das jährlich stattfindende Spiel gegen Armut, das mittlerweile zum neunten Mal ausgetragen wird, unterstützt Maßnahmen im Rahmen der Millennium-Entwicklungsziele (Millennium Development Goals, kurz: MDGs) – acht international verabschiedete Zielvorgaben zur Ausrottung extremer Armut bis zum Jahr 2015. Das Match wird von über 20 nationalen und internationalen Fernsehsendern live übertragen.

Zwei Drittel der Spieleinnahmen kommen UN-Maßnahmen zur Bekämpfung der fortdauernden Nahrungsmittelkrise zugute. Den verbleibenden Erlös wird der HSV verschiedenen kommunalen Entwicklungsprojekten spenden, deren Schwerpunkte auf Sport, Jugend, Bildung, Umweltschutz und der sozialen Verantwortung von Unternehmen liegen.

Informationen zum Ticketverkauf finden Sie hier: www.hsv.de/ticket. Spenden für das Horn von Afrika können Sie unter www.undp.org.

Es wäre toll, wenn möglichst viele Zuschauer zu diesem Spiel in den Volkspark kommen würden. Erstens ist es für eine sehr, sehr gute Sache, zweitens darf sich Hamburg nicht mit einem halbleeren Stadion blamieren, denn es geht doch um eine gute Sache. Ich bitte alle, die sich bis jetzt noch nicht dazu entschlossen haben, zu diesem Spiel zu kommen, doch dabei zu sein.
Wir müssen helfen. Danke.

PS: Morgen, am Freitag, ist um 11 Uhr im Volkspark Training.

17.47 Uhr

Nächste Einträge »

In eigener Sache
Pfeil
0  00 : 00 : 00
Tage  Std.  Min.  Sek.