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Tolgay Arslan macht es Spaß, “da vorne ein bisschen rumzudödeln!”

1. Dezember 2013

Das eine Abend-Spiel ist mit zumindest überwiegend positiven Eindrücken verarbeitet – da steht das nächste schon an für die Jungs vom HSV. Trainer Bert van Marwijk hat mit den Spielern am 1. Advent die Bundesliga-Partie in der Volkswagen Arena (1:1) besprochen und analysiert. Jetzt geht der Blick nach vorn, und das lohnt sich allemal.

Ich freue mich richtig auf diesen Pokalabend am Dienstag ab 19 Uhr. Das Stadion ist fast ausverkauft. Es kommt ein anderer Traditionsverein in den Volkspark, der 1. FC Köln. Und ich glaube, dass dieser Gegner dem HSV gerade gelegen kommt, um in die Runde der letzten acht einzuziehen. Es ist eigentlich mal wieder Zeit für ein richtiges Fußballfest.


Beim Training heute Vormittag war außerhalb nicht viel los. Ein paar Fans waren nur da – und immerhin bekamen sie Rafael van der Vaart wieder auf dem Trainingsplatz zu sehen. Beim Übungsspiel zehn gegen zehn mischte er munter mit – allerdings als neutrale Figur auf dem Rasen. Er war immer bei der Mannschaft, die gerade den Ball hatte. Freier Mann sozusagen. Probleme mit seinem lädierten rechten Fuß waren nicht zu erkennen.

Trotzdem sagte van der Vaart hinterher, dass es nicht für einen Einsatz gegen Köln reichen würde. „Mir geht es sehr gut“, so der Niederländer, „aber Köln kommt zu früh“. Das würde bedeuten, dass Rafael van der Vaart dann am Sonnabend in der Bundesliga gegen den FC Augsburg zurückkehren wird. Jedenfalls bewahrheitet sich, was Trainer und Sportchef schon unmittelbar nach der Verletzung gesagt hatten. Vier Wochen werde der Ausfall des „kleinen Engels“ nicht dauern.

Und es bewahrheitet sich auch, was wir schon über seine Verletzung im Allgemeinen berichtet haben. Der kolportierte Bänderanriss innen und außen kann es unmöglich gewesen sein – da haben sich in der Diagnose Altschäden und akute Symptome unübersichtlich vermischt.

Gegen den VfL Wolfsburg hat Tolgay Arslan die van-der-Vaart-Rolle meistens eingenommen. Im Scherz darauf angesprochen, dass sich van der Vaart nach Arslans starker zweiter Hälfte bei den Wölfen ja erst wieder ins Team spielen müsse, lachte der Deutsch-Türke: „Nein, nein. Der Rafa ist eine feste Größe. Den brauchen wir dringend. Wir freuen uns alle, dass er schneller zurückkommt, als fast alle vermutet haben.“

Seine neue offensive Rolle, die ja eigentlich eine ganz alte ist, weil Tolgay Arslan sie vor Jahren noch gespielt hat, gefällt ihm. „Das hat Spaß gemacht in Wolfsburg, da vorn ein bisschen rumzudödeln. Der Trainer gibt mir auch das Vertrauen, das ist ganz wichtig für mich. Es gibt keinen Anschiss, wenn mal etwas schief geht. Er gibt uns mit, dass wir uns in der Offensive austoben können – auch mal mit einem Dribbling.“

Was die Analyse des Wolfsburgs-Spiels angeht, bringt es Arslan auf den Punkt. „Zwei Punkte haben wir verschenkt, aber denen wollen wir jetzt nicht mehr hinterher trauern. Ein paar Sachen müssen wir taktisch verbessern, Konzentration und Einstellung von der ersten Minute an bringen, und zwar zu 100 Prozent, und dann gewinnen wir auch die nächsten Spiele.“

Wobei der nächste Gegner, der 1. FC Köln, auf keinen Fall unterschätzt werden dürfe. „Die spielen nächstes Jahr eine Liga höher, da gehören sie auch hin“, so Arslan über den Tabellenführer der Zweiten Liga. Die haben ein paar richtig gute Kicker.“ Was, so Arslan, aber nichts daran ändere, dass sein HSV Favorit ist und diese Rolle auch durchdrücken muss.

Überhaupt, der Pokal. „Das ist ein geiler Wettbewerb. Ich habe es schon erlebt damals in Aachen, als wir erst im Viertelfinale gegen die Bayern ausgeschieden sind. Aber im Pokal passieren auch außergewöhnliche Dinge – das müssen wir Dienstag verhindern.“

Was die Aufstellung angeht, deutet sich keine Veränderung an. Im Training blieb von Formation und System alles wie in Wolfsburg. Allein Heiko Westermann musste beim Training passen und brauste nach der Behandlung seines immer noch schmerzenden rechten Knies schnell davon, während die anderen noch auf dem Trainingsrasen standen.

Eine echte Alternative für Westermann gibt es ja auch nicht, selbst wenn ihn Michael Mancienne dort im Training vertrat. Aber wie Westermann ist Mancienne gelernter Innenverteidiger und hat dort seine Stärken. Es wäre gut, würde Westermann gegen Köln Unterstützung bekommen und das sogenannte „Doppeln“ häufiger praktiziert werden. Allein gegen einen dribbelstarken Außenstürmer, wie in Wolfsburg Daniel Caligiuri, sah Westermann oft alt aus. Darauf muss die gesamte Mannschaft reagieren.

Was den DFB-Pokal angeht, wird es ja langsam wieder Zeit, dass der HSV auf sich aufmerksam macht. Der letzte Pokalsieg aus dem Jahr 1987 ist mehr als ein Vierteljahrhundert her. In diesem Jahrtausend hat der HSV bei 13 Versuchen lediglich einmal das Halbfinale erreicht. Das endete dann auch noch sportlich-tragisch mit der 2:4-Niederlage nach Elfmeterschießen gegen Werder Bremen.

Maximilian Beister, damals Zuschauer, kann sich noch gut an diese Partie im Frühjahr 2009 erinnern. „Die Stimmung damals im Stadion wird niemand vergessen, der dabei gewesen ist. Ich auch nicht. Es gibt solche Pokalspiele, die können in die Geschichte eingehen. Hoffentlich schaffen wir das auch bald.“

Zurück zur Pokal-Historie. Abgesehen von 2009 hat der HSV zuletzt auch nur ein weiteres Mal das Viertelfinale erreicht. 2008 war der VfL Wolfsburg Endstation (1:2 nach Verlängerung). Weitere vier Male in diesem Jahrtausend hat der HSV überhaupt das Achtelfinale geschafft. Ansonsten war immer vorher Schluss. Und damit es sich auch gelohnt hat, dass ich mir die Statistik der vergangenen Jahre angeguckt habe, hier noch ein paar Zahlen aus den DFB-Pokalspielen des HSV seit 2000:

Es gab in diesem Zeitraum 21 Siege und 13 Niederlagen (darunter allerdings auch das verschobene Hoyzer-Spiel 2004 beim SC Paderborn). Drei Mal stand der HSV in einem Elfmeterschießen, gewann nur 2009 gegen Fortuna Düsseldorf und verlor im selben Jahr gegen den VfL Osnabrück (dazu das angesprochene Werder-Drama). Sieben Mal ging es für die Hamburger in die Verlängerung, nur zwei Mal ging der HSV anschließend als Sieger vom Platz. Erfolgreichste HSV-Pokal-Torjäger waren Mladen Petric und Ivica Olic (je 8 Tore), Rafael van der Vaart und Piotr Trochowski (je 5) sowie Ruud van Nistelrooy, Sergej Barbarez, Raphael Wicky, Mehdi Mahdavikia und Bernardo Romeo (je 3). Mangels großer Erfolge fallen in diese Zeit einige legendäre Niederlagen. Wie angesprochen Werder Bremen 2009, Paderborn einige Jahre zuvor. Dazu 2006 ein 3:4 nach Verlängerung bei den Stuttgarter Kickers, als die Mannschaft vom damaligen Trainer Thomas Doll die Partie schon im Sack hatte.

Alles in allem ist die jüngere Pokal-Geschichte wirklich keine Hamburger Erfolgsgeschichte. Vielleicht zahlt es sich eines Tages aus, dass Maximilian Beister als Jugendlicher einige Male beim DFB-Pokalfinale in Berlin als Zuschauer war. „Ehe ich als 14-Jähriger zum HSV gewechselt bin, war ich eigentlich regelmäßig zum Endspiel in Berlin“, erzählte Beister heute. „Sechs oder sieben Mal war ich da. Ich kenne die Stimmung, sie ist einfach sehr schön“, so Beister mit einem Glänzen in den Augen. Zur Partie am Dienstag gegen den 1. FC Köln sagt Beister: „Auch dieses Spiel ist so etwas wie ein Finale. Man hat an diesem Abend nur diese eine Chance. Das Stadion wird brennen, es ist fast ausverkauft, und die Leute werden bestimmt sehr euphorisch sein. Und ich hoffe, dass uns diese Stimmung auch beflügeln wird.“

Beister ist ein richtiger Pokalfan. „Wir müssen die Chance, die wir haben, nutzen. Man braucht etwas Losglück, dann kann man viel erreichen in diesem Wettbewerb. Das sollten wir beherzigen gegen den 1. FC Köln.“ Ähnlich wie Tolgay Arslan beschwört Beister die nötige hohe Konzentration. „Von der ersten Minute an müssen wir wach sein. Wir dürfen kein bisschen nachlassen, kein Prozent runtergehen. Köln ist nicht zu unterschätzen, sie sind eigentlich kein Zweitligist. Das 3:0 bei St. Pauli hat gezeigt, dass sie Qualität haben.“

Wach sein, aufmerksam sein, von Beginn an ernsthaft zur Sache gehen – diese Dinge hat Bert van Marwijk den Spielern also in der Besprechung heute Vormittag eingeimpft. Am Dienstag um 19 Uhr ist Anpfiff, und dann werden wir erleben, wie das Team diese Vorgabe umsetzen kann. Möglich sollte es doch zumindest sein.

Geht es nach Hakan Calhanoglus Selbstverständnis, dann wird es klappen. Er wurde zu Köln gefragt und seiner Einschätzung von deren Zweitliga-Sieg am Millerntor: „Wir sind nicht St. Pauli. Wir sind der HSV.“

Ein schönes Schlusswort. Bis morgen, Training dann um 15.30 Uhr.
Lars

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