Archiv für das Tag 'Romeo'

Tolgay Arslan macht es Spaß, “da vorne ein bisschen rumzudödeln!”

1. Dezember 2013

Das eine Abend-Spiel ist mit zumindest überwiegend positiven Eindrücken verarbeitet – da steht das nächste schon an für die Jungs vom HSV. Trainer Bert van Marwijk hat mit den Spielern am 1. Advent die Bundesliga-Partie in der Volkswagen Arena (1:1) besprochen und analysiert. Jetzt geht der Blick nach vorn, und das lohnt sich allemal.

Ich freue mich richtig auf diesen Pokalabend am Dienstag ab 19 Uhr. Das Stadion ist fast ausverkauft. Es kommt ein anderer Traditionsverein in den Volkspark, der 1. FC Köln. Und ich glaube, dass dieser Gegner dem HSV gerade gelegen kommt, um in die Runde der letzten acht einzuziehen. Es ist eigentlich mal wieder Zeit für ein richtiges Fußballfest.


Beim Training heute Vormittag war außerhalb nicht viel los. Ein paar Fans waren nur da – und immerhin bekamen sie Rafael van der Vaart wieder auf dem Trainingsplatz zu sehen. Beim Übungsspiel zehn gegen zehn mischte er munter mit – allerdings als neutrale Figur auf dem Rasen. Er war immer bei der Mannschaft, die gerade den Ball hatte. Freier Mann sozusagen. Probleme mit seinem lädierten rechten Fuß waren nicht zu erkennen.

Trotzdem sagte van der Vaart hinterher, dass es nicht für einen Einsatz gegen Köln reichen würde. „Mir geht es sehr gut“, so der Niederländer, „aber Köln kommt zu früh“. Das würde bedeuten, dass Rafael van der Vaart dann am Sonnabend in der Bundesliga gegen den FC Augsburg zurückkehren wird. Jedenfalls bewahrheitet sich, was Trainer und Sportchef schon unmittelbar nach der Verletzung gesagt hatten. Vier Wochen werde der Ausfall des „kleinen Engels“ nicht dauern.

Und es bewahrheitet sich auch, was wir schon über seine Verletzung im Allgemeinen berichtet haben. Der kolportierte Bänderanriss innen und außen kann es unmöglich gewesen sein – da haben sich in der Diagnose Altschäden und akute Symptome unübersichtlich vermischt.

Gegen den VfL Wolfsburg hat Tolgay Arslan die van-der-Vaart-Rolle meistens eingenommen. Im Scherz darauf angesprochen, dass sich van der Vaart nach Arslans starker zweiter Hälfte bei den Wölfen ja erst wieder ins Team spielen müsse, lachte der Deutsch-Türke: „Nein, nein. Der Rafa ist eine feste Größe. Den brauchen wir dringend. Wir freuen uns alle, dass er schneller zurückkommt, als fast alle vermutet haben.“

Seine neue offensive Rolle, die ja eigentlich eine ganz alte ist, weil Tolgay Arslan sie vor Jahren noch gespielt hat, gefällt ihm. „Das hat Spaß gemacht in Wolfsburg, da vorn ein bisschen rumzudödeln. Der Trainer gibt mir auch das Vertrauen, das ist ganz wichtig für mich. Es gibt keinen Anschiss, wenn mal etwas schief geht. Er gibt uns mit, dass wir uns in der Offensive austoben können – auch mal mit einem Dribbling.“

Was die Analyse des Wolfsburgs-Spiels angeht, bringt es Arslan auf den Punkt. „Zwei Punkte haben wir verschenkt, aber denen wollen wir jetzt nicht mehr hinterher trauern. Ein paar Sachen müssen wir taktisch verbessern, Konzentration und Einstellung von der ersten Minute an bringen, und zwar zu 100 Prozent, und dann gewinnen wir auch die nächsten Spiele.“

Wobei der nächste Gegner, der 1. FC Köln, auf keinen Fall unterschätzt werden dürfe. „Die spielen nächstes Jahr eine Liga höher, da gehören sie auch hin“, so Arslan über den Tabellenführer der Zweiten Liga. Die haben ein paar richtig gute Kicker.“ Was, so Arslan, aber nichts daran ändere, dass sein HSV Favorit ist und diese Rolle auch durchdrücken muss.

Überhaupt, der Pokal. „Das ist ein geiler Wettbewerb. Ich habe es schon erlebt damals in Aachen, als wir erst im Viertelfinale gegen die Bayern ausgeschieden sind. Aber im Pokal passieren auch außergewöhnliche Dinge – das müssen wir Dienstag verhindern.“

Was die Aufstellung angeht, deutet sich keine Veränderung an. Im Training blieb von Formation und System alles wie in Wolfsburg. Allein Heiko Westermann musste beim Training passen und brauste nach der Behandlung seines immer noch schmerzenden rechten Knies schnell davon, während die anderen noch auf dem Trainingsrasen standen.

Eine echte Alternative für Westermann gibt es ja auch nicht, selbst wenn ihn Michael Mancienne dort im Training vertrat. Aber wie Westermann ist Mancienne gelernter Innenverteidiger und hat dort seine Stärken. Es wäre gut, würde Westermann gegen Köln Unterstützung bekommen und das sogenannte „Doppeln“ häufiger praktiziert werden. Allein gegen einen dribbelstarken Außenstürmer, wie in Wolfsburg Daniel Caligiuri, sah Westermann oft alt aus. Darauf muss die gesamte Mannschaft reagieren.

Was den DFB-Pokal angeht, wird es ja langsam wieder Zeit, dass der HSV auf sich aufmerksam macht. Der letzte Pokalsieg aus dem Jahr 1987 ist mehr als ein Vierteljahrhundert her. In diesem Jahrtausend hat der HSV bei 13 Versuchen lediglich einmal das Halbfinale erreicht. Das endete dann auch noch sportlich-tragisch mit der 2:4-Niederlage nach Elfmeterschießen gegen Werder Bremen.

Maximilian Beister, damals Zuschauer, kann sich noch gut an diese Partie im Frühjahr 2009 erinnern. „Die Stimmung damals im Stadion wird niemand vergessen, der dabei gewesen ist. Ich auch nicht. Es gibt solche Pokalspiele, die können in die Geschichte eingehen. Hoffentlich schaffen wir das auch bald.“

Zurück zur Pokal-Historie. Abgesehen von 2009 hat der HSV zuletzt auch nur ein weiteres Mal das Viertelfinale erreicht. 2008 war der VfL Wolfsburg Endstation (1:2 nach Verlängerung). Weitere vier Male in diesem Jahrtausend hat der HSV überhaupt das Achtelfinale geschafft. Ansonsten war immer vorher Schluss. Und damit es sich auch gelohnt hat, dass ich mir die Statistik der vergangenen Jahre angeguckt habe, hier noch ein paar Zahlen aus den DFB-Pokalspielen des HSV seit 2000:

Es gab in diesem Zeitraum 21 Siege und 13 Niederlagen (darunter allerdings auch das verschobene Hoyzer-Spiel 2004 beim SC Paderborn). Drei Mal stand der HSV in einem Elfmeterschießen, gewann nur 2009 gegen Fortuna Düsseldorf und verlor im selben Jahr gegen den VfL Osnabrück (dazu das angesprochene Werder-Drama). Sieben Mal ging es für die Hamburger in die Verlängerung, nur zwei Mal ging der HSV anschließend als Sieger vom Platz. Erfolgreichste HSV-Pokal-Torjäger waren Mladen Petric und Ivica Olic (je 8 Tore), Rafael van der Vaart und Piotr Trochowski (je 5) sowie Ruud van Nistelrooy, Sergej Barbarez, Raphael Wicky, Mehdi Mahdavikia und Bernardo Romeo (je 3). Mangels großer Erfolge fallen in diese Zeit einige legendäre Niederlagen. Wie angesprochen Werder Bremen 2009, Paderborn einige Jahre zuvor. Dazu 2006 ein 3:4 nach Verlängerung bei den Stuttgarter Kickers, als die Mannschaft vom damaligen Trainer Thomas Doll die Partie schon im Sack hatte.

Alles in allem ist die jüngere Pokal-Geschichte wirklich keine Hamburger Erfolgsgeschichte. Vielleicht zahlt es sich eines Tages aus, dass Maximilian Beister als Jugendlicher einige Male beim DFB-Pokalfinale in Berlin als Zuschauer war. „Ehe ich als 14-Jähriger zum HSV gewechselt bin, war ich eigentlich regelmäßig zum Endspiel in Berlin“, erzählte Beister heute. „Sechs oder sieben Mal war ich da. Ich kenne die Stimmung, sie ist einfach sehr schön“, so Beister mit einem Glänzen in den Augen. Zur Partie am Dienstag gegen den 1. FC Köln sagt Beister: „Auch dieses Spiel ist so etwas wie ein Finale. Man hat an diesem Abend nur diese eine Chance. Das Stadion wird brennen, es ist fast ausverkauft, und die Leute werden bestimmt sehr euphorisch sein. Und ich hoffe, dass uns diese Stimmung auch beflügeln wird.“

Beister ist ein richtiger Pokalfan. „Wir müssen die Chance, die wir haben, nutzen. Man braucht etwas Losglück, dann kann man viel erreichen in diesem Wettbewerb. Das sollten wir beherzigen gegen den 1. FC Köln.“ Ähnlich wie Tolgay Arslan beschwört Beister die nötige hohe Konzentration. „Von der ersten Minute an müssen wir wach sein. Wir dürfen kein bisschen nachlassen, kein Prozent runtergehen. Köln ist nicht zu unterschätzen, sie sind eigentlich kein Zweitligist. Das 3:0 bei St. Pauli hat gezeigt, dass sie Qualität haben.“

Wach sein, aufmerksam sein, von Beginn an ernsthaft zur Sache gehen – diese Dinge hat Bert van Marwijk den Spielern also in der Besprechung heute Vormittag eingeimpft. Am Dienstag um 19 Uhr ist Anpfiff, und dann werden wir erleben, wie das Team diese Vorgabe umsetzen kann. Möglich sollte es doch zumindest sein.

Geht es nach Hakan Calhanoglus Selbstverständnis, dann wird es klappen. Er wurde zu Köln gefragt und seiner Einschätzung von deren Zweitliga-Sieg am Millerntor: „Wir sind nicht St. Pauli. Wir sind der HSV.“

Ein schönes Schlusswort. Bis morgen, Training dann um 15.30 Uhr.
Lars

Kacar wechselt nicht nach Frankfurt

30. Januar 2013

Schönwetter-Fußballer sind die HSV-Profis gewiss nicht. Bei Wind und Dauerregen waren sie voller Spaß bei der Sache, und selbst nach dem offiziellen Trainingsende wurde freiwillig (!) weitergemacht. Jaroslav Drobny stellte sich zwischen die Pfosten, und dann schossen sie wie die Wilddiebe um sich. Dennis Aogo, Artjoms Rudnevs, Milan Badelj, Per Ciljan Skjelbred, Marcus Berg und, und, und. Wie gesagt, freiwillig. Das ist doch wirklich ein tolles Zeichen. Und das bei diesem (Un-)Wetter. Da müsste eigentlich jeder froh sein, wenn er endlich wieder in der warmen Kabine wäre – aber denkste! Sogar der Trainer zeigte Härte. Thorsten Fink hatte nichts auf dem Kopf, während der 75 Minuten, es muss bei ihm oben rein und unten wieder raus gelaufen sein, aber er hielt tapfer durch. Und sah danach wie ein begossener Pudel aus.
Gefehlt haben heute natürlich Paul Scharner, der sich Richtung England vom Acker gemacht hat – zu Wigan Athletic. Zudem fehlten Ivo Ilicevic (Bauchmuskelprobleme), Marcell Jansen (Erkältung) und natürlich immer noch Michael Mancienne, Jacopo Sala und Zhi Gin Lam.

Zudem trainierte Gojko Kacar in der Arena. Ob das eine spezielle Vorbereitung auf Sonnabend war? Der Serbe hätte nämlich eventuell am Sonnabend schon spielen – und zwar gegen den HSV. Kein Scherz! Eintracht Frankfurt, der kommende HSV-Gegner, war an einem Leihgeschäft interessiert. Und der HSV wäre bestimmt nicht abgeneigt gewesen, aber zurzeit ist es so, dass die Sache geplatzt ist. Das kam aus der Kacar-Ecke, das kam auch aus Frankfurt. Armin Veh hätte Kacar wohl gerne gehabt, aber insgesamt war der Deal wohl doch ein wenig zu teuer. Noch ist aber ja etwas Zeit, mal sehen, ob noch einmal wieder Fahrt in diese Geschichte (bis zum Schluss der Transferliste am morgigen Donnerstag) kommen wird – aber so wie es jetzt steht, ist dieser Transfer erledigt.

Zurück noch einmal zu den freiwilligen Schützen. Im Tor, wie geschrieben, Drobny. Kein Einzelfall. Das hat er zuletzt schon oft gemacht. Alles freiwillig. Und da klingen mir noch jene Sätze in den Ohren, die es im Sommer zu hören gab. Viele Experten und Fans vermuteten und prophezeiten damals, dass sich „Jaro“ Drobny nur noch einen Lenz in Hamburg machen würde. Dass er seinen Vertrag beim HSV lediglich aussitzen würde, im Training nur noch Dienst nach Vorschrift absolvieren würde. Aber nichts, auch nicht mal ein Hauch, davon ist erkennbar. Für mich ist der tschechische Nationaltorwart ein Phänomen. Er ist, obwohl er nur noch Ersatz hinter Rene Adler ist, stets mittendrin statt nur dabei. Jüngstes Beispiel vom vergangenen Sonntag: Nach dem Sieg gegen Werder lagen sich die HSV-Profis – natürlich – in den Armen. Und voll dabei: Jaroslav Drobny. Der 33-jährige Keeper, der auch im Training immer alles gibt, lachte, jubelte, feierte mit den Kollegen, als hätte er eben mit einigen Glanzparaden für den Dreier gesorgt. Nichts zu sehen oder zu spüren von Frust, kein beleidigtes Abschalten, keine Maulerei – Drobny leidet mit, freut sich mit, ist ein richtig guter HSVer. Vorbildlich.

„Wir haben mit ihm einen erstklassigen Mann als Vertreter von Rene Adler, das wissen wir, ich habe keinerlei Bedenken, wenn Jaroslav Drobny einmal ins Tor müsste“, sagt Thorsten Fink über seine Nummer zwei. Und Adler könnte in nächster Zukunft durchaus mal eine Pause einlegen müssen, denn er hat, wie auch Milan Badelj, Dennis Diekmeier und Marcell Jansen, bereits vier Gelbe Karten eingesammelt. „Jaroslav ist ein charakterstarker Junge, der sich voll mit dem Verein identifiziert, und solche Leute brauchen wir. Er ist ja auch ein sehr guter Torwart“, lobt Thorsten Fink. Drobny hat ganz sicher auch anerkannt, dass Adler nicht nur wieder auf dem Weg zurück ins deutsche Tor ist, sondern dass er auch schon etliche Punkte für den HSV gewonnen hat. Fink sieht es ähnlich, denn er sagt: „Das Beste für eine Hierarchie in der Mannschaft ist, wenn alle elf Spieler immer beste Leistungen bringen und Punkte gewinnen. Dann werden die anderen Spieler etwas ruhiger . . .“

Der HSV ist auf jeden Fall bestrebt, den Vertrag mit Drobny noch einmal zu verlängern – natürlich zu etwas reduzierten finanziellen Bedingungen. Sollte sich der Tscheche darauf einlassen, dann wäre er auch in den nächsten ein, zwei Jahren noch ein überragender Ersatzkeeper beim HSV. Die Gespräche über eine Verlängerung ruhen allerdings zurzeit, denn es gibt wichtigere und andere Baustellen.

Eine davon dürfte Heung Min Son heißen. Der Südkoreaner wird immer besser, und beinahe jeden Tag gibt es neue Interessenten, die sich um den 20-jährigen HSV-Stürmer bemühen (sollen). Jetzt fehlen eigentlich nur noch Real Madrid und der FC Barcelona. Aber auch da könnte er wohl spielen. Er hat einen riesigen Sprung nach vorne gemacht, einen in der Art, den ich ihm nicht zugetraut habe. Son ist nicht nur torgefährlicher geworden, sondern auch robuster. Er geht nun auch – nicht immer, aber immer öfter – mal richtig und giftig zur Sache. Thorsten Fink dazu: „Er setzt sich jetzt öfter durch. Wir machen Krafttraining mit ihm. Jeder Spieler wird von uns genau durchleuchtet, wo die Stärken und Schwächen sind, bei ihm haben wir festgestellt, dass er im Oberkörperbereich Schwächen hatte – und daran arbeiten wir, vor alle Nikola Vidovic mit ihm.“ Thorsten Fink resümierend: „Es ist ja aber auch normal, dass sich ein 19-jähriger Spieler weiterentwickelt, wenn man professionell mit ihm arbeitet. Und dann setzt er sich eben häufiger durch – ich habe auch das Gefühl, dass er sich da enorm verbessert hat.“ Son ist ein Juwel (geworden). Das weiß auch der Trainer, der ihn lobt: „Er schießt mit links und mit rechts – den darf man nicht zum Schuss kommen lassen. Wenn wir es erreicht haben, dass er schießen kann, dann ist der Ball auch meistens drin. Son ist saugefährlich!“

Wie mittlerweile auch Artjoms Rudnevs. Der Lette steht in der Bundesliga im Moment an achter Stelle der Torjägerliste – mit inzwischen schon acht Toren. Wenn „Rudi“ so weitermacht, dann endet er noch bei 15 Treffern – und mehr. Und das wäre denn schon ein Hammer, denn eine solche Zahl hat in diesem Jahrtausend bislang nur ein HSV-Spieler erreicht: Sergej Barbarez. Der Bosnier erzielte in der Saison 2000/01 sagenhafte 22 Tore. Diejenigen Offensivkünstler des HSV, die Barbarez sehr nahe kamen:

Ivica Olic schaffte 2007/08 14 Treffer, Bernardo Romeo 02/03 ebenfalls 14, und dann wird es immer schlechter. Mladen Petric erzielte 08/09 zwölf Tore, 10/11 noch einmal elf. Zweistellig wurden seit 13 Jahren nur noch Rafael van der Vaart (07/08 mit zwölf), Olic (08/09 mit zehn), Barbarez (05/06 mit zehn, 04/05 mit elf und 03/04 mit zehn) und Romeo noch einmal (03/04 mit elf). Eine – wie ich finde – höchst kümmerliche Bilanz. Die noch erschreckendere Formen annimmt, wenn man die „etwas anderen“ HSV-Torjäger begutachtet.

In der Saison 06/07 traf van der Vaart mit acht Treffern von allen HSV-Profis am besten, 01/02 war es Romeo mit acht, 09/10 Petric mit acht und 11/12 lag Petric mit sogar nur sieben (!) Toren intern vorn. Unfassbar!

Mehr hat nun schon Artjoms Rudnevs auf seinem Konto. Und der Trainer lobt ihn: „Er hat eine Super-Entwicklung genommen. Es zahlt sich nun aus, dass er emsig trainiert. Und die Mannschaft akzeptiert ihn jetzt mit allen Schwächen, die er noch hat. Weil er wichtige Tore schießt für uns. Und weil er enorm arbeitet für das Team.“ Das freiwillige Training nach dem Training galt vor einigen Wochen ja nur Rudnevs. Inzwischen haben sich viele angeschlossen. Fink: „Rudi hat früher ja nur und einfach auf das Tor geballert, ohne zu gucken. Jetzt ist er angehalten, den Ball mitzunehmen und sich beim Torschuss dann eine Ecke auszusuchen. Das klappt nun schon immer besser.“ Auch heute beim freiwilligen Wettschießen zu sehen. Er und es wird immer besser. Fink lobt seinen Letten: „Er ist ehrgeizig, er hat einen guten Charakter – ich kann ihn auch mal anschreien, ihm macht das nichts. Und dann macht er das, was ich ihm sage. Er nimmt sich das zu Herzen, was ich sage, und zwar positiv, er bricht nicht innerlich zusammen, wenn er mal kritisiert wird.“

Nur eines hat Thorsten Fink an seinem Torjäger Nummer eins noch auszusetzen: „Rudi ist kein Weichei. Er geht zur Sache, und er steckt ein. Wie oft wird er gefoult oder geschubst. Und da sage ich ihm immer wieder, dass er ruhig mal fallen darf. Das wünschte ich mir von ihm, denn sonst bekommen wir ja nie einen Freistoß in Tornähe – und wir haben ja gute Schützen. Daran muss Rudi noch arbeiten – aber er ist eben ein ganzer Mann, der sich wehrt, wenn er geschubst wird.“ Zu Boden gehen aber, das ist nichts für Rudnevs. Er sagt: „Ich spüre schon den Schmerz, wenn ich gefoult werde, aber ich bin nicht der Typ, der sich dann fallen lässt. So lange es geht, bleibe ich auf den Füßen, schauspielern liegt mir nicht.“

Themenwechsel:

Morgen (Donnerstag) kommt es in der Imtech Arena zwischen 13 und 14.30 Uhr zu einer sportlichen Begegnung der ganz besonderen Art: Rafael van der Vaart, Marcell Jansen, Dennis Aogo und René Adler treffen in der Mixed Zone auf die Darts-Superstars der Professional Darts Corporation (PDC) Raymond van Barneveld und Michael van Gerwen aus den Niederlanden und Adrian Lewis und den 16-fachen Weltmeister Phil Taylor aus Großbritannien. In vier gemischten Teams messen sich die Profisportler 45 Minuten lang im Pfeile werfen. Dabei werden sie von Caller Russ Bray „The Voice“ lautstark und von Darts-Experte Elmar Paulke von Sport1 moderativ begleitet. Präsentiert wird die Veranstaltung von Schweinske.

So, und damit endet der heutige Tag auch schon – fast.

Kurz noch zum „Matz-ab“-Baby von „Scholle“ (bei der Gelegenheit: vielen Dank für die vielen und netten Gratulationen, die von euch kamen!):

Lia-Sophie ist gestern, am 29. Januar 2013, um 9.09 Uhr auf die Welt gekommen. Sie hat Haare auf dem Kopf, dunkelblonde. Und sie ist 53 Zentimeter groß, wiegt dabei 3350 Gramm. Und sie hat zwei Hobbys: trinken und schlafen…;-)
Sagt „Scholle“.

Dann möchte ich euch noch kurz sagen, dass niemand glauben muss, dass ich Per Ciljan Skjelbred nun „wie Rudnevs fertigmachen will“. Ich sehe einen Spieler, sehe seine Leistung, und diese lobe oder kritisiere ich. Das mache ich schon seit über drei Jahrzehnten so. Und dafür werde ich beim Hamburger Abendblatt noch immer bezahlt. Leider gibt es ja stets einige nette Zeitgenossen, die das System nicht so ganz verstehen. Ich lese übrigens schon seit geraumer Zeit keinen einzigen Kommentar mehr, deswegen trifft mich diese Anpöbelei auch nicht im Entferntesten – ich erfahre eben nur hin und wieder durch Mundpropaganda beim Training, was im Blog unterhalb unserer Beiträge so los ist. Obwohl ich auch darauf getrost verzichten könnte, aber die Menschen meinen es eben immer nur gut mit mir . . .

An meine Kritiker sei nochmals gesagt: Ihr meint es sicherlich nur gut mit dem HSV, wollt Schaden, den ich dem Club zufüge, von ihm wenden. Das ist auch gut so. Das trifft absolut mein Verständnis. Wer aber lesen kann ist glatt im Vorteil. Solltet ihr Zeit finden, dann blättert im Matz-ab-Blog mal ein wenig zurück. Dann werdet ihr feststellen, wie sehr ich den Per Ciljan Skjelbred schon „fertig gemacht“ habe. Seit Wochen und Monaten. Siehe auch beim Nürnberg-Spiel – fällt mir gerade ein. Und wie habe ich ihn fertig gemacht!!! So fertig, dass Thorsten Fink gar nicht mehr umhin kam, ihn endlich einmal aufzustellen . . .

Zu diesem Thema (im Groben) habe ich in jüngster Zeit natürlich auch einige private Mails erhalten – und Gespräche (auch am Telefon) geführt. Heute bekam ich eine Mail, die ich nun gerne an euch weiterreichen möchte. Wer es mag, sollte sich diese Mail antun, wer sich daran stört (auch diese User gibt es ja), der sollte nun flugs aufhören zu lesen:

Hallo Dieter,
nach solch einem, zumindest vom Ergebnis, erfreulichen Wochenende wollte ich mir es nehmen lassen, Dich einmal persönlich anzuschreiben. Sieh es mir nach , dass ich dies auf die Firmenadresse tue und mich nicht im Forum äußere. Ich lese nicht jeden Tag, und schon gar nicht das Forum, aber was dort geschrieben wird geht ja wirklich teilweise auf keine Kuhhaut. Man, man, man… Wer Deine Art des Schreibens etc nicht mag , der braucht
doch Deinen Blog nicht zu lesen. Verstehe ich alles nicht.

Die Mannschaft macht, zumindest im Moment vom Ergebnis , wieder Spaß.
Die Stellschrauben wurden teilweise offenbar so gestellt, dass ergebnisorientiert gespielt wird.
Ein Rudnevs bestätigt die Aussagen von Arnesen und darüber bin ich happy.
Dass auch ein Skjelbred (bei mir heißt er nur Ballettänzer) auf einmal „Leistung“ bringt ist ebenso verwunderlich. Die Tatsache, dass Aogo nach vorne gezogen wurde, war ein sehr kluger Schachzug.

Nichts desto trotz sollte es über eines nicht hinwegtäuschen: Am Sonntag haben zwei (unter-)durchschnittliche Mannschaften gegeneinander gespielt. Ich bleibe bei meiner Aussage: Was passiert eigentlich, wenn wir einmal gut spielen? Wir haben 75 gute Minuten in Gladbach gehabt + ein Superspiel gegen Schalke gemacht. Der Großteil der anderen Spiele und damit verbundenen Punkte basierte auf Glück oder Zufall (hat man Sonntag auch gesehen: Sons Tor kam absolut aus dem Nichts!). Es gibt immer noch sehr, sehr viel zu tun. Mir ist allerdings nicht Bange. Im nächsten Jahr kommt „Özil 2“ und somit werden die Alternativen immer besser. Dass vdv und Badelj im Moment unter ihren Möglichkeiten sind , steht außer Frage.
Auch Sie werden wieder zur Form finden.

Ich als Entscheidungsträger würde mich allerdings von Son höchstbietend trennen. Verträge in Korea hin oder her. Son ist und bleibt mehr als limitiert im Spiel. Schlechtes Zweikampfverhalten etc. Natürlich sind seine Einzelleistungen teilweise Weltklasse. Aber auch Beister hat Potenzial. Um zum Abschluss zu kommen: Mir missfällt am meisten die linke + rechte Verteidigerposition. Ich mag Marcell Jansen wirklich gerne und rede ihn selber im Bekanntenkreis immer schön ,aber um ehrlich zu sein reicht das nicht !!!!Viel zu behäbig , er schwimmt mit dem Strom …Mir kommt es nach 15 Minuten schon immer so vor als wenn er nicht mehr kann! Hast Du gesehen wie er sich von Arnautovic hat abkochen lassen???
Diekmeier ist schneller als sein Schatten, aber mehr als eine 3- ist das auch nicht.

Ich behaupte: Wenn wir nachhaltig erfolgreich sein wollen , dann muss ganz dringend auf diesen beiden Positionen was getan werden.
So , Ende mit meinen Auslassungen.
Mittagspause gleich vorbei!
Hau rein und gutes Gelingen weiterhin!

Vielen Dank dem Schreiber (den ich kenne) dieser Zeilen, er ist glühender HSV-Fan und wohnt nicht in Hamburg. Zweierlei möchte ich aber noch aus meiner Sicher hinzufügen: Son sehe ich inzwischen mit anderen Augen – deshalb auch ganz anders. Und Glück und Zufall mögen hin und wieder im Spiel gewesen sein, auf jeden Fall aber auch ein Adler. Zum Glück fliegt der gute Rene bei uns zwischen den Pfosten hin und her . . .

PS: Morgen Training im Volkspark um 10 Uhr.

17.09 Uhr

Matz ab feiert dritten Geburtstag – danke!

6. August 2012

Vielen Dank für die zahlreichen Glückwünsche zum Dreijährigen! Es gab für mich viel Post und auch Anrufe, und zwar aus aller Welt! Danke dafür, danke auch für eure Treue. Drei Jahre „Matz ab“, wie die Zeit vergeht. Und es ist auch so, als würden es schon so viele Jahre mehr sein, die wir gemeinsam auf dem Buckel haben – gefühlt sind es für mich mindestens zehn Jahre “Matz ab“. So intensiv war das alles, verlief das alles. Ich habe viele, viele großartige Menschen kennen und schätzen gelernt, es gab hervorragende Begegnungen und Erfahrungen – das war schon traumhaft. Und dafür bedanke ich mich noch einmal ausdrücklich. Natürlich gab es auch gelegentlich Ärger, aber darüber möchte ich an einem solchen Tag gar nicht erst schreiben. Mir tut es nur um jene Leute Leid, das sage ich offen und ehrlich, die zuerst ganz „große Matz-abber“ waren, die dem Blog überaus positiv gegenüber standen, die dann aber mit der Zeit abgesprungen sind. Ich trauere in dieser Hinsicht vielen Menschen nach, die ich auch persönlich kennen lernen durfte, von denen ich auch menschlich total beeindruckt und begeistert war – die es dann aber vorzogen, nicht mehr zu unserem Kreis gehören zu wollen. Schade kann ich dazu nur sagen – ich vermisse euch. Und allen anderen „Matz-abbern“ möchte ich an diesem Tag zurufen: „Auf die nächsten drei Jahre!“

Um einmal einen Glückwunsch aus der Flut der vielen Glückwünsche herauszupicken:

Von „suedstern”:

„hallo herr matz und herr scholz,
herzlichen glückwunsch zum 3jährigen. ich halte mit meinen aufkleber am
auto und auf meinem pc in ganz wuerttemberg zur stange. viele hsv fans im
sueden sprechen mich auf grund meiner aufkleber an. diese grüße ich auch
hiermit. sie sind bei weitem nicht so negativ eingestellt, wie viele hier
im blog. das ist wahrscheinlich die gnade der weiten entfernung zu ihrem
lieblingsverein.
viele grüße w.w.“

So, zurück zum Wesentlichen:

„Internet ist das Schwerste was es gibt.“ Das sagten (und bestätigten) mir am Wochenende viele Kollegen, die es von „außerhalb“ in den Volkspark gezogen hatte, um den „Liga-total-Cup“ zu verfolgen und darüber zu berichten. Recht haben sie, aber auch darüber will ich nicht groß schreiben (und reden). Hier treffen sich eben verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Auffassungen zum Fußball allgemein und zum HSV ganz speziell. Diese Leute alle unter einen Hut zu bekommen, ist nicht zu schaffen, dank des großartigen Moderatoren-Teams aber geht es „Matz ab“ heute wesentlich besser als noch vor eineinhalb Jahren. Deswegen bedanke ich mich auch an die drei Moderatoren – und zwar ganz ausdrücklich und von Herzen. Ihr macht einen tollen Job, quasi rund um die Uhr, das ist sensationell und hervorragend. Danke.

Es gab bei „Matz ab“ in diesen drei Jahren ein stets Auf und Ab. Es gab viele Höhepunkte, auch viele Tiefpunkte – aber der absolute Knüller in dieser Geschichte ist und bleibt der „Fall van Nistelrooy“, den die beiden „Matz-abber“ „Eiche Nogly und Jacek Dembinski „aufdeckten“. Das war einmalig, es wird wohl auch einmalig bleiben, aber vor allem werden wir (ich auf jeden Fall) noch in Jahrzehnten darüber sprechen. Das Zusammenspiel zwischen Fans und den HSV-Verantwortlichen war in dieser Geschichte nahezu perfekt – ich bin, das gebe ich gerne zu, noch heute davon begeistert, wie das damals alles (unter der Decke) lief. Auch dafür noch einmal vielen Dank – und (immer noch und immer wieder) meine Hochachtung, ihr Experten!

In dem Zusammenhang, und damit komme ich zum aktuellen Tagesgeschehen, gab es am Wochenende auch eine Mal, die wie folgt aussah:

„Moin Dieter,
haben wir nun unseren langersehnten Spielmacher? In Italien heißt es heute, dass Jorquera, der schon seit Wochen immer mal wieder mit uns in Verbindung gebracht wird, nun tatsächlich zu uns wechseln soll/wird. Vielleicht kannst Du/könnt Ihr Dich/Euch ja mal beim Liga-Total Cup danach umhören.

Gruß, NicNac“

Ein neuer „Fall van Nistelrooy“? Nicht ganz. Erstens wird dieser Name schon seit einiger Zeit in Hamburg gehandelt (das Abendblatt hatte ihn vor 14 Tagen gespielt), zweitens wissen auch die anderen Medien der Stadt von diesen Verhandlungen. Es soll „etwas dran sein“, aber mehr wohl auch noch nicht. Der HSV hat mit Jorquera gesprochen, aber perfekt ist noch nichts – wenn es klappen sollte, dann werden wohl auch noch einige Tage ins Land ziehen. Cristobal Andres Jorquera Torres ist vor zwei Tagen 24 Jahre alt geworden, er ist 1,74 Meter groß und aktueller Nationalspieler Chiles. Er spielt beim italienischen Erstliga-Klub FC Genua, er ist Rechtsfuß und hat laut „Transfermarkt“ einen aktuellen Marktwert von „nur“ 1,8 Millionen Euro.

Wie geschrieben, es ist „etwas dran“, aber „etwas dran“ war auch an anderen Spielern immer mal wieder etwas – deswegen abwarten. Es könnte aber immerhin sein, dass es mit dem Chilenen endlich etwas werden könnte. Ein kleiner Fortschritt.

Von noch einem Südamerikaner ist (und war?) ja auch im Zusammenhang mit dem HSV die Rede: St. Paulis Abräumer Carlos Zambrano. Soll aber nichts dran sein. Soll. Man weiß es ja aber nie so genau. Und dann taucht in den letzten Stunden immer wieder ein neuer Name auf: Der 32 Jahre alte Österreicher Paul Scharner, der sich eine Woche bei Eintracht Frankfurt auf- du fitgehalten hat. Die Hessen werden den 1, 93 Meter großen Innenverteidiger, der zuletzt in England spielte (West Bromwich Albion und Wigan), aber nicht verpflichten. Auch deshalb, weil sie Zambrano holen wollen . . . Scharner dürfte aber für den HSV so etwas wie (jetzt) erste Wahl sein, ich rechne eigentlich stündlich damit, dass er unter Vertrag genommen wird.

Dann kämen also Milan Badelj und Paul Scharner, aber wie steht es um einen Stürmer? Der HSV, das offenbarte doch der Liga-total-Cup ganz eindrucksvoll, braucht einen Angreifer. Dringend. Händeringend. Bitte, bitte. Uwe Seeler („Der HSV braucht noch einen Brecher“) hat es schon lange erkannt, der letzte HSV-Anhänger jetzt spätestens am Sonntag. Ein Stürmer muss her. So wird das nichts. Wobei ich doch gar nichts gegen Artjoms Rdnevs habe. Er soll ja bleiben und sich entwickeln. Es kann ja mit ihm noch was werden, aber der HSV benötigt trotz allem noch einen Stürmer. Wer das nicht sieht, der sollte sich später nicht wundern . . .

Ich sprach heute mit HSV-Boss Carl-Edgar Jarchow. Ich wollte von ihm wissen, ob der HSV diese Baustelle überhaupt auf dem Plan hat. Jarchow antwortete gelassen: „Wir wissen, wo wir noch etwas tun müssen, davon können Sie ausgehen. Und wir müssen sicherlich auch – alles im Rahmen unserer Möglichkeiten – etwas tun . . .“ Ein Glück. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Oder? Denn ich sage mir ja auch: „Wenn Carl-Edgar Jarchow das weiß, hoffentlich weiß es auch der Sportchef. Denn zuletzt hieß es vom HSV ja immer nur: Wir brauchen einen Zehner und einen Innenverteidiger. Von einem Stürmer war weit und breit nichts zu hören . . .“

Und wo ich gerade mit dem Vorstandsvorsitzenden gesprochen habe, da habe ich auch nach Klaus-Michael Kühne gefragt. Herr Jarchow, gibt es eigentlich noch Kontakt zum großen HSV-Gönner, Mäzen und Sponsor? Jarchow: „Gibt es, das schläft auch nicht ein, denn der alte Vertrag mit Herrn Kühne läuft ja immer noch weiter.“ Okay. Aber bezüglich eines neuen Engagements des Milliardärs? Jarchow: „Da war das Interview, das Herr Kühne zuletzt gegeben hatte, ja nicht gerade hilfreich und förderlich.“ Das mag so sein, wäre ja auch nur normal. Nach den Aussagen. Carl-Edgar Jarchow sagte aber zur „Mitarbeit“ Kühne auch noch: „Das Engagement war ja mehr oder weniger auf einen Namen reduziert, nämlich Rafael van der Vaart, und wie alle wissen, hat das nicht geklappt.“ Stimmt. Deswegen glaube ich auch, dass der Herr Kühne seinen noch immer laufenden Vertrag erfüllen wird, aber ein neues Engagement wird es wohl (so schnell) nicht wieder geben.
Schade eigentlich.

Kühne war immer mein großer und auch mein letzter Strohhalm, an den ich mich geklammert habe. Auch im Hinblick auf einen neuen Stürmer. Und wenn ich so daran denke, dass es der Herr Kühne einst ja auch schon ganz gut mit „seinem“ HSV gemeint hat, so sollte er einmal daran denken, kurz über seinen eigenen Schatten zu springen: Dieser HSV braucht dringend Soforthilfe, Herr Kühne, Sie könnten helfen, weil Sie dazu in der Lage sind – und wenn Sie und auch Ihre Frau den Verein lieben, dann helfen Sie bitte noch einmal. Trotz aller unterschiedlicher Meinungen. Es geht doch nur um den Klub.

Dieser HSV braucht Ihre Hilfe, Herr Kühne, mehr denn je!

Und wenn ich dazu noch einmal auf Zugang Artjoms Rudnevs zurückkommen darf. Dazu gibt es immer wieder Mails, zwei davon möchte ich euch einmal zu Gemüte führen:

„Hallo Herr Matz,

warum sieht man den Spieler Rudnews schon jetzt so negativ? Es war einmal, so fangen viele Märchen, bei einem Heimspiel meines HSV wurde ein neuer Spieler eingesetzt, ich hatte einen Platz auf der alten Haupttribüne in der ersten Reihe, konnte also die Spieler beim warmmachen wunderbar beobachten. Es war ein neuer großer Spieler dabei, er kam von Rot Weiss Essen.
Der Mann war nach meinem ersten Eindruck ein Antifussballer, jeder Ball sprang ihm vom Fuss. Der Spieler hieß übrigens Hrubesch, also bitte etwas Geduld.
Mfg. Peter W.“

Und von unserer treuen Seele „Nordbert” kam zum Thema die folgende Mail:

„Moin Dieter, moin Leute,

ich erinnere mich noch an einen gewissen Bernardo Romeo, der schon ein ziemlicher Knipser war. Mit dem Ball alleine auf den Torwart durfte man ihn nicht loslassen, aber im Strafraum war er großartig und hatte enormen Unterhaltungswert (zumindest, wenn man HSV-Fan war). Wenn ich es richtig erinnere, hat Dein Kumpel Thomas Doll (bitte berichtigt mich, wenn ich hier falsch liege) ihn damals nicht mehr haben wollen, weil er nicht mehr in das Spielsystem paßte. Nun finde ich, daß Toreschießen schon in ein HSV-Spielsystem passen sollte, aber Thomas Doll war da in der Tat der weitsichtigere Mensch, denn seitdem haben ja alle HSV-Trainer am System ohne Toreschießen festgehalten und soviele Fachleute können sich ja nicht irren… :roll:

Ich sehe das Problem, das Rudnevs und Berg vermutlich bekommen, eher darin, daß sie nicht mit den Vorlagen gefüttert werden, die sie brauchen, um eine gute Torquote zu erzielen. Von Marcell Jansen, der in seiner HSV-Anfangszeit irre gefährliche, flache Hereingaben von der Grundlinie aus geschlagen hat, kommt so gut wie gar nichts mehr. Dennis Diekmeyer geht vorsichtshalber kaum noch zu Grundlinie. Ecken sind traditionell seit Jahren högscht ungefährlich (gegen Barca sah das besser aus, ich habe mich echt gewundert – wäre schön, wenn das konserviert werden könnte). Ein Problem übrigens, mit dem meiner Meinung nach auch Van the Man zu kämpfen hatte. Von Laufwunder Petric ganz zu schweigen. Ich mache mir von daher weniger Sorgen wegen unserer Stürmer, sondern sehe die Probleme vor allem beim Anspiel in die Spitze.“

Dazu habe ich ja auch schon etwas geschrieben (im Abendblatt). Es gab eine Saison, in der der HSV gleich vier hochbegabte „Daddelbrüder“ (Spielmacher) in seinen Reihen wusste, die alle einen Stürmer einsetzen konnten. Rafael van der Vaart, Stefan Beinlich, Sergej Barbarez und Piotr Trochowski. Das war in der Saison 2005/06. Der HSV belegte Platz drei in der Liga und schoss dabei die viertmeisten Tore (53). Das gelang mit vier Vorlagengebern. Jetzt aber sucht der HSV einen! Und ob der es dann reißen wird? Da braucht man schon eine gehörige Portion Optimismus. Aber ich will ja nicht meckern, ich harre aus. Und warte auf die Dinge, die da noch passieren sollen – und müssen.

Noch aber sieht es doch so aus: Rudnevs ist hinter Marcus Berg bislang Stürmer Nummer zwei. Weil er sich erst noch umstellen muss. Berg aber war zuletzt meistens Stürmer Nummer drei – hinter Paolo Guerrero und Mladen Petric. Wie soll das jetzt gehen? Wir alle haben es ansatzweise gegen Dortmund und Bayern gesehen – es geht nicht. Oder auf jeden Fall nicht viel. Ich kenne keinen auswärtigen Journalisten, der am Wochenende in der Arena saß, der sich nicht große Sorgen um den HSV macht – um den Dino. Sie alle wollen, dass der HSV drin bleibt, aber sie alle wissen auch, dass das noch sehr, sehr schwer werden wird. Sie alle haben Hamburg jedenfalls äußerst nachdenklich verlassen, wenn es in ihren Gedankengängen um die sportliche Zukunft des HSV ging.

Aber gut, es geht heute und morgen ja auch noch nicht los. Und die Verantwortlichen bleiben ja noch total ruhig. Trainer Thorsten Fink jedenfalls scheint im Moment die Ruhe selbst zu sein: „Wir werden am ersten Spieltag zu 100 Prozent da sein.“ Und: „Ich sage klipp und klar, dass der HSV nicht zu den Abstiegskandidaten gehören wird. Wir sind rund um Platz zehn anzusiedeln.“

Hoffentlich. Damit wäre ich sehr, sehr zufrieden. Sehr. Aber sagen kann man ja viel. Wie ich schreiben. Nur was dann hinten dabei rumkommt, das werden wir erst in einigen Wochen erleben. Kurios ist, dass mir auf meinem Schreibtisch heute – genau in diesem Zusammenhang – die „HSV live“ vom 17. März 2012 entgegenflatterte. Der HSV erwartete den SC Freiburg zum Punktspiel. Und da steht auf Seite 34: „Wir werden dieses Spiel gewinnen!“ Gesagt hatte es damals in einem vereinseigenen Interview Trainer Fink. Er sagte ganz zum Schluss: „Wichtig ist der Sieg, nur das zählt. Wir werden dieses Spiel gewinnen. Punkt.“
Der HSV verlor 1:3.

Denn etwas sagen oder eine Prophezeiung ist das eine, und die Realität etwas ganz anderes.

Einen schönen „Matz-ab“-Geburtstag wünsche ich euch allen.

PS: Training ist morgen (Dienstag) zweimal im Volkspark. Um 10 Uhr, und dann am Nachmittag eigentlich um 15.30 Uhr. Aber meine Kollegen sprechen in diesem Fall von 18.30 Uhr. Also könnte es durchaus spät werden.

17.57 Uhr

Aufwachen! Nur der HSV!

24. April 2011

Natürlich ist der Ausgang dieser Saison enttäuschend. Total enttäuschend, da darf niemand drum herum reden. Niemand. Dieser sehr teure HSV hätte deutlich mehr schaffen müssen, steht aber wieder einmal, so wie es fast schon Tradition ist, mit leeren Hände da. Aber, mal ganz ehrlich, wer hatte schon tatsächlich an das Gelingen des Unternehmens „vier Spiele, vier Siege“ gedacht? Wer hatte fest darauf gesetzt? Das konnte doch keiner, denn vier Sieg in Folge hat der HSV in dieser Saison doch nicht ein einziges Mal geschafft. Drei Erfolge gab es einmal, das letzte Spiel der Hinrunde in Gladbach wurde 2:1 gewonnen, dann wurde auf Schalke und gegen Frankfurt zweimal 1:0 gesiegt – warum sollte es dann ausgerechnet in der Schlussphase dieser verkorksten Saison geschafft werden? Weil es den Trainerwechsel gegeben hatte? Nicht einmal gegen den Hamburger „Stadtmeister“ wurde gewonnen!

Diese beiden Spiele wurden noch unter Trainer Armin Veh absolviert. Der Coach war am Sonnabend als Experte bei LIGA total im Einsatz und befand über die Situation beim HSV:
„Ich habe schon früh gesagt, schon im September, dass sich etwas ändern muss. Da muss man aber frühzeitig anfangen und entscheidend ist immer die Personalpolitik. Man muss einen Umbruch machen, das ist sicher entscheidend! Wichtig ist, was sie machen: Es laufen viele Verträge aus – was aber kein Nachteil für den HSV ist. Dementsprechend muss man auch die neue Mannschaft zusammenstellen. Es ist letztendlich schon Ende April: Es wird Zeit, dass sie dementsprechend die Personalplanung machen!”
Armin Veh weiter: „Es ist ein toller Klub, wirklich, absolut. Ich habe mich dort unheimlich wohl gefühlt, aber du brauchst natürlich auch eine Perspektive, weil in Hamburg wird auch etwas verlangt . . .
Aber es ist vielleicht auch eine Chance: Dass man das ein bisschen auf Understatement machen kann, eine junge Mannschaft zusammenbaut und so dann nach oben kommen kann. Es ist eine Chance, aber ich hoffe, dass sie sie auch nutzen, diese Chance!”

Natürlich werden jetzt wieder einige von Euch sagen: „Was soll das? Veh hat den HSV doch erst in diese Situation gebracht.“ Es wird kommen, ist aber in meinen Augen falsch. Denn was haben denn die Vorgänger von Veh hier in Hamburg bewegt? Was haben sie erreicht? Gab es einen Titel? Nicht einmal den „Horst-Eberstein-Pokal“ wurde geholt, wenn ich da mal an den Uefa-Cup-Raus- und Rückflug von Dnepropetrovsk erinnern darf (die, die damals im HSV-Flieger saßen, werden es tun). Hier sind Trainer wie Kurt Jara, wie Thomas Doll, wie Huub Stevens, wie Martin Jol letztlich gescheitert, obwohl sie ganz gewiss nicht zu den schlechtesten Männern ihres Metiers gehören.

Wenn Veh sagt, dass er schon im September 2010 auf gewisse Umstände innerhalb des HSV hingewiesen hat, dann stimmt es erstens, und zweitens war mir damals schon klar, dass auch er kein Bein in Hamburg auf den Boden setzen wird. Wie seine Vorgänger, denn diese Mannschaft – ich habe es oft genug beschrieben – ist keine Mannschaft. Schon im Herbst 2010 habe ich gesagt, dass Veh zur unpassendsten Zeit Trainer des HSV geworden ist, denn die mannschaftliche Struktur stimmt hier schon seit Jahren nicht. Jeder kocht sein eigenes Süppchen, jeder schaltet ab, sobald er das Gelände am Volkspark verlassen hat – jeder denkt nur an sich, kaum einer an das Team – obwohl es auch Ausnahmen gibt.

Die Erfolge, die beispielsweise Dortmund und Mainz als geschlossene Einheit erreicht haben, kommen ja nicht von ungefähr. Dort steht eine Mannschaft auf dem Rasen, in der jeder für den Nebenmann eintritt. Und erinnert Euch bitte an das vorletzte Spiel, zu Hause gegen Hannover 96. Ich habe schon vor dem Anpfiff Kollegen aus Niedersachsen gefragt, wieso es zu diesem Erfolg dieser eigentlich doch namenlosen 96-Truppe kommen konnte? Die Antwort: „Seit dem Tode von Robert Enke war die Mannschaft eine Mannschaft, sind alle Spieler ganz eng zusammen gerückt. Sie haben sich auch in der Freizeit gesucht, sie haben beschlossen, viele Dinge gemeinsam zu machen – nicht nur Fußball zu spielen.“ Und, es folgte vielleicht ein noch ganz wichtigerer Satz: „Es klingt vielleicht blöde im heutigen Profi-Fußball, in dem es ja heißt, man muss keine elf Freunde mehr sein, um ein Team zu werden – aber in Hannover sind nicht nur elf Freunde am Werk, sondern viele, viele mehr.“

Nun will ich gewiss nicht auf die Sprüche von Sepp Herberger verweisen, nein, ganz gewiss nicht, aber je besser sich ein Team versteht, umso besser werden auch die Leistungen auf dem Rasen. Ich möchte nur daran erinnern, was Dennis Aogo zuletzt gesagt hat, als er von der Nationalmannschaft kam, in deren Kader fünf Dortmunder standen: „Es ist unglaublich, wie die zusammenhalten, die geben sich wie echte Freunde, die müssen Tag und Nacht miteinander verbringen . . .“

Das ist sicherlich ein Punkt. Ein zweiter, für mich viel gravierender Punkt ist aber, dass der HSV die „falschen“ Spieler hat. Thomas Doll wollte es als letzter Trainer einmal verändern, erntete damals aber Unverständnis und Kopfschütteln. Doll trennte sich von Bernardo Romeo. Der war der „große HSV-Torjäger“, hat in lockerer Reihenfolge geknipst. Aus fünf Metern. Ansonsten stand Romeo oft, zu oft im Strafraum herum und wartete auf das Zuspiel der Kollegen. Doll aber wollte Konter-Stürmer, schnelle Leute, die man auch mal schicken kann, mit denen man eine gegnerische Abwehr auch mal überfallen kann. Thomas Doll hatte ganz sicher den richtigen Ansatz, aber auch er hat es letztlich nicht geschafft.

Der HSV hat schon seit vielen Jahren keinen Stoß-Stürmer, der steil geschickt werden kann, der mit dem Kopf durch die Wand will, der dorthin geht, wo es weh tut – einen echten Windhund, ein richtig schön schnelles Schlitzohr. Der fehlt. Oder könnt Ihr mir einen nennen, den der HSV mal hatte? Mir fällt spontan nur Maximilian Beister ein, der wäre ein solcher Typ, aber der spielt nun (noch ein Jahr?) für Fortuna Düsseldorf. Wobei ich nicht sagen will, dass er sich in der Ersten Liga durchgesetzt hätte – aber einige Versuche mehr wäre es sicherlich wert gewesen.

Von Eljero Elia und Jonathan Pitroipa hatte ich mir auch ein solches Spiel vorgestellt, pfeilschnell in die Offensive. Aber was ist letztlich daraus geworden? Beide Spieler beklagen seit Jahren (mehr oder weniger konstant), dass ihnen zu wenig Vertrauen und zu wenig Respekt geschenkt worden ist. Sie suchen die Fehler bei den Trainern, nicht bei sich – auch ein HSV-Phänomen. Statt Leistungen zu bringen, und zwar über Wochen, wird sich beklagt, dass Vertrauen und Respekt fehlen. So kommt man auf keinen grünen Zweig. Ich möchte Jürgen Klopp einmal erleben, wenn seine Herren Barrios, Großkreutz, Sahin oder Götze von fehlendem Respekt und Selbstvertrauen reden würden. Klopp würde wie das HB-Männchen in die Luft gehen.

Und beim HSV in der erfolgreichsten Zeit, als Stein, Kaltz, Jakobs, Magath und beispielweise Hrubesch am Werk waren, da gab es einen gewissen Selbstreinigungsprozess. Hätten sich damals Spieler über „fehlenden Respekt oder Selbstvertrauen“ öffentlich beschwert, dann wären diese Leute schon von den Kollegen gemaßregelt worden. Aber sofort. Es gibt sogar solche Beispiele: Dieter Schatzschneider und Wolfram Wuttke, die wurden einige Male von den Mitspielern „zurechtgestutzt“ – und, das stimmt natürlich, „funktionierten“ auch dann immer noch nicht nach Wunsch.

Irgendwo hatte in diesen Tagen ein kluger „Alt-HSVer“ gesagt, dass der Verein gut beraten wäre, wenn er sich von jenen Spielern, deren Verträge nun auslaufen, auch trennen würde. Das würde ich unterstreichen. Der HSV muss endlich einmal einen klaren Schnitt machen, um mal wieder „Grund“ in dieses Team zu bekommen. Armin Veh wird auch das gemeint haben, als er am Sonnabend über den HSV sprach.

Es müssen gravierende Veränderungen her, nur dadurch können der HSV und sein Anhang darauf hoffen, dass sich endlich einmal etwas zum Guten wandelt. Hier wurde in den letzten Jahren unglaublich viel Geld „verpulvert“, immer in der Hoffnung, dass diesmal der ganz große Wurf gelingen möge – aber damit ritt sich der HSV nur noch immer tiefer nach unten. Bernd Hoffmann hat einst in Sachen „Talentschuppen Ochsenzoll“ von der „Geldvernichtungsmaschine“ gesprochen (und ich war voll auf seiner Seite), aber, seien wir doch mal ehrlich, bei den Profis lief es doch ebenso. Da ist viel, viel Geld verbrannt worden – wenn ich nur an den Namen Juan Pablo Sorin denke. Und es gäbe da sicher noch sehr, sehr viele Namen mehr zu nennen.

Der hier zuletzt sehr oft (für mich viel zu oft!) gescholtene Michael Oenning hat ganz sicher auch nur dann eine Chance, wenn es diese personellen Veränderungen gibt. Sollte der HSV weiter im eigenen Sud vor sich hin köcheln, dann dürfte die Trainerfrage schon im Dezember 2011 wieder auf der Tagesordnung stehen. Was nichts mit den Qualitäten von Oenning zu tun hat, sondern nur daran liegt, dass der neue HSV-Trainer eben noch (und immer wieder) die Altlasten des HSV übernommen hat. Dann, das sage ich so krass, wird auch Michael Oenning scheitern. Wie alle seine Vorgänger. Denn. Auch das behaupte ich, auch solche geschätzten Leute wie Mourinho, Wenger, Ferguson oder Hiddink würden aus dieser, aus der jetzigen HSV-Mannschaft nicht mehr „herausholen“ – das behaupte ich einmal so. Der HSV zahlt gut, der HSV zahlt pünktlich, die HSV-Fans lieben ihre Stars, Hamburg ist die beste Stadt der Welt, der Klub hat das beste Stadion der Nation – was will man mehr? Es geht mir und uns doch bestens hier!

Es will mir nicht in den Kopf, dass eine Mannschaft, die um ihre letzte Chance „kämpft“, so in das Spiel geht, als ginge sie das alles nichts an. Was ist das für eine Einstellung? Kein Wille, keine Leidenschaft, kein Herz! Das war nicht nur im Stuttgart-Spiel zu sehen . . .

Und immer ist es dasselbe Lied: Die Mannschaft ist läuferisch nicht in der Lage, die Räume nach hinten eng zu machen. Dazu muss die Laufbereitschaft (und natürlich auch die Denkweise!) stimmen, aber da stimmt es schon lange nicht mehr. Lange! Ab und und gab es auf diesem Sektor schon ein Umdenken (auch unter Veh), aber das sind seltene Lichtblicke gewesen. Auch in diesem Punkt ist Verantwortung und Konzentration gefordert.

Und noch eine Änderung wird es in der neuen Saison geben müssen. Ja müssen. Die Anforderungen im Training müssen hochgeschraubt werden. Ich denke da an das Frühjahr mit Bruno Labbadia, als „Matz ab“ ein halbes Jahr alt war, und als mich der „Matz-abber“ Benno Hafas einmal fragte: „Wann wird hier eigentlich mal Kondition trainiert?“ Gute Frage. Werde ich nie vergessen. Ist auch hier nachzulesen. Auch als Monate danach die lebende Amateur-Legende Holger Zippel einige Tage beim Training im Volkspark zusah und dann feststellte: „Das ist ja nicht einmal ein A-Jugend-Training.“ Fest steht, dass in diesem Punkt oftmals zu nachlässig trainiert worden. Nicht umsonst hat Michael Oenning die Zügel noch einmal angezogen, als er Chef geworden war. Ein besseres Eingeständnis kann es nicht geben . . .

Es sollen und müssen ja nicht gleich die Magath-Methoden zur Anwendung kommen. Aber etwas härter, dass die Spieler auch tatsächlich 90 Minuten (oder 95 Minuten) wie die Hasen laufen können. Auch daran hat es nämlich in einigen Spielen (und bei einigen Spielern) gemangelt – wenn ich da nur an das letzte Dortmund-Spiel denke, als viele HSV-Profis Mitte der zweiten Halbzeit in den Seilen hingen.

Ein weiterer wunder Punkt des HSV: Talentsichtung. Mein Gott, was wurden in den letzten Jahrzehnten nicht schon alles an Talenten herangeschleppt – und durchgeschleppt. Warum klappt das bei anderen Klubs, warum nicht beim HSV? Wie toll wäre es doch für den Verein und die Stadt, wenn ein Talent nicht nur für zwei, drei Spiele auf sich aufmerksam macht, sondern eine ganze Saison – und viele Spielzeiten mehr. Sicher gehört dazu auch Glück, aber beim HSV wurde diesbezüglich meistens nur Pech entwickelt. Eine Sache des Auges? Wie sagte Jürgen Klopp, der Dortmunder, noch zuletzt? „Wir können keine Spieler für Millionen kaufen, wir müssen einen neuen Typen wie Kagawa finden, der dann 250 000 Euro kostet.“ Nachmachen, HSV!

Es gibt viel zu tun, und es muss in diesen Tagen und Wochen noch sehr, sehr viel geschehen, damit der HSV für die Saison 2011/12 bestens aufgestellt ist. Bitte, bitte, Ihr Herren vom HSV, packt es an. Packt es mit der nötigen Härte, mit der nötigen Konsequenz, packt es aber vor allem mit dem nötigen Sachverstand an. Bitte, bitte – wacht endlich auf! Sonst wird aus dem Dino nicht nur eine graue Maus, sondern ein Abstiegskandidat – oder sogar ein Zweitliga-Klub!
Sachverstand ist jetzt gefragt, und der hat hier in den letzten Jahren ganz sicher oftmals gefehlt. Es wäre großartig, wenn sich alle HSVer, die sich zu diesem Thema berufen fühlen, endlich auch einmal einbringen würden. Und wenn ihnen, genau diesen Leuten mit Fußballsachverstand, auch endlich einmal Gehör geschenkt werden würde. Das klingt wie heile Fußball-Welt, aber es funktioniert. Man muss nur mal zum FC Bayern blicken.

Gemeinsam wäre der HSV stark, aber auch daran hat es schon immer gemangelt. In der Mannschaft, im Klub. Wenn aber alle nun sehr besorgt sein würden, wie dieser finanziell nicht mehr ganz so starke HSV auch künftig seine Rolle im deutschen, vielleicht sogar im europäischen Fußball spielen kann, dann müssten diese Sorgen doch automatisch zu einem befruchtenden Miteinander führen. Wie haben schon immer ganz kluge Leute gesagt: Nicht die Namen zählen, sondern nur der HSV. In diesem Sinne – packt es an. Packt es endlich einmal gut an! Nicht Ihr, die in der Führung seid, sollt glänzen, sondern der HSV. Nur der HSV!

PS: Heute, am Ostersonntag, war trainingsfrei, morgen, am Ostermontag, ist ebenfalls trainingsfrei.

18.03 Uhr

Sprechstunden-Verlängerung

19. Oktober 2009

Die Dummen sterben nicht aus. Ich meine die Herren, die in manchen Vereinen das Sagen haben. Ihr kennt das bestimmt auch aus den Amateur-Klubs bei Eich um die Ecke. Die stellen Trainer ein, die es schon bei anderen Vereinen nicht geschafft haben, aber diese Dummen hoffen immer noch darauf, dass sie das Ei erfunden haben. Ich komme da nicht mehr mit. So ein Fall ist jetzt der KFC Uerdingen. Der, inzwischen in die sechste Liga abgerutscht (warum wohl?), will doch tatsächlich den lieben, netten und so braven Herrn Ailton verpflichten. Warum nehmen die nicht mich? Ich wäre genauso effektiv, aber ich bräuchte nicht eine Extra-Bratwurst. Na ja, der Trainer könnte mich nach sämtlichen Einheiten ruhig nach Hause fahren, und der Kapitän mir die Mannschaftskasse übergeben, aber das wäre es dann auch schon. Nein, nein, die ticken nicht richtig, die Herren im Westen, es ist unfassbar, was in manchen Präsidium für eine fußballerische Armut herrscht. Vielleicht sollten die als Trainer gleich auch noch Rolf Schafstall verpflichten. So, genug gelästert, nun zur Verlängerung der vierten Sprechzeit.

„Mario“ war gleich mit zwei Fragen dabei. Ob ich einen HSV-Spieler, der erst acht Bundesliga-Spiele gemacht hat, in die Nationalmannschaft empfehlen würde? Ja, ganz eindeutig ja. Wenn ich sehe, dass einer das Talent hat, dann würde ich ihn da sofort reinschmeißen. Erinnert Ihr Euch an Uwe Seeler? Der war ein 17-jähriger Knabe, als Sepp Herberger, der große Sepp Herberger ihn holte. Okay, Seeler ist eine Ausnahme, die Zeiten haben sich geändert, aber trotzdem bleibe ich dabei – immer rein mit ihm. Auch wenn er Thomas Müller heißt. So lange er dem deutschen Fußball hilft, und das muss ja noch abgewartet werden, immer rein mit ihm. Und dann die Frage, ob Felix Magath eigentlich nach seinem Krach mit Schiedsrichter Dr. Helmut Fleischer „gelöhnt“ hat? Hat er. Aber immerhin etwas weniger, als die erst vom Sportgericht aufgerufene Summe. So lange hat der Felix Berufung eingelegt, bis er es etwas billiger bekam – aber gelöhnt hat er dann doch noch.

Für die Hesebeck Home Company schrieb Herr Langbehn und bot zwei Bochum-Karten für Caspar Memering an. Wir werden das weitergeben. Vielen Dank!

„emkei“ fragt, warum Bernardo Romeo gehen musste? Weil Thomas Doll eine etwas anders spielende HSV-Mannschaft auf die Beine stellen wollte. Ihm schwebte ein schnelles (Konter-)Spiel vor, und dafür war Romeo nicht geeignet. Der Argentinier stand doch meistens wie festgewurzelt am Fünfmeterraum und wollte bedient werden, den Ball überv die Linie zu drücken. Okay, das hat er auch gut gemacht, aber was war, wenn der HSV kaum an den Fünfmeterraum kam? Dann hing Romeo in der Luft. Der 32-jährige stürmt übrigens noch immer in der Heimat, und zwar für jenen Klub, von dem aus er einst nach Hamburg gekommen war: Club Atletico San Lorenzo de Almagro.

„Frank“ fragte, warum Reiner Calmund bei Bayer Leverkusen gehen musste? Es lag wohl nicht an einer gewissen Geldverschleuderung, sondern eher daran, dass mit Wolfgang Holzhäuser ein Mann (vom DFB) als Geschäftsführer kam, der eine etwas andere Vorstellung davon hatte, wie ein solcher Verein zu führen sei. Aus der Ferne würde ich sagen: Holzhäuser war der Beamte, Calmund der Künstler. Das passte einfach nicht, die Herren haben erst gegeneinander gearbeitet, dann knallte es richtig, es gab Hass. Und „Callis“ Ende.

„lo-king-kai“ fragte, ob Uwe Seler nicht bei der Geburtstagsfeier von Gert „Charly“ (wurde kürzlich 70) gewesen sei? Nein, er war nicht. Ich war auf der Barkasse, die mit den Gästen durch den Hafen schipperte (großartig arrangiert und organisiert, Herr Scheel!), wir warteten extra noch fünf Minuten mit dem Ablegen, weil es hieß, dass Uwe Seeler noch kommen würde – aber er kam nicht. Was „lo-king-kai“ schon vermutete, das stimmt sicher (ein bisschen): Beide Ausnahme-Stürmer sind sich noch immer nicht so richtig grün. Aber: Es war auch kein anderer Kollege aus der Meistermannschaft von 1960 mit an Bord, das sollte dem „Charly“ zu denken geben. Er machte dafür Oliver Scheel (mit-)verantwortlich, weil der es eventuell nicht geschafft hatte, die Einladungen rechtzeitig zu verschicken. Das aber muss ich an dieser Stelle eindeutig widerlegen, die Einladungen sind alle draußen gewesen, aber die angeschriebenen Herren hatten einfach keine Lust. Dafür verbürge ich mich, weil ich es nämlich von vier HSV-Meisterspielern persönlich gehört habe.

„Eifelkick“ fragte, ob der Finne Jonatan Johansson, der das 1:0-Siegtor gegen Deutschland schoss, nicht einer für den HSV sei? Sehr gute Frage! Da war ein Fachmann am Werk. Johansson ist inzwschen 34 Jahre alt – und ohne Verein. Zuletzt stürmte er (bis vor kurzem) für Hibernian FC in Schottland. Davor war er, unter anderem, bei Charlton Athletic, Malmö FF, Norwich City und den Glasgow Rangers. Johansson hat seinen Preis, aber könnte der dem HSV sofort helfen? Bruno Labbadia kennt den Finnen natürlich, der HSV-Coach bezog ihn auch mit in seine Überlegungen mit ein – aber offenbar landete Johansson genau neben Ebi Smolarek. Auch wohl deshalb, weil Bruno Labbadia sehr wohl viel von Tolgay Arslan und Tunay Torun hält und ihnen vertraut. Sauber, kann ich nur sagen, Kompliment.

„Lars“ schimpfte auf die 80-Euro-Karte für Deutschland gegen Finnland und war total verärgert über diesen Kick: „Das war eine Sauerei.“ So ist es, und da kann ich auch die Herren vom DFB nicht verstehen, die diese Vorstellung noch verharmlost haben. Ich schließe mich da voll und ganz den Worten unseres Users „Ulrich Lutkus“ an, der genau den treffenden Kommentar bei „Matz ab“ abgegeben hat. Bravo! In diesem Zusammenhang fragte „Lizarazu“, ob ich wirklich mit einem tollen Länderspiel gerechnet hatte? Ja und nein, gebe ich zu. Ja, weil ja alles schon gelaufen war, und dann fast immer ein solches Spiel dabei heraus kommt. Nein, weil ich noch immer die Worte von Joachim Löw bei der abschließenden Pressekonferenz im Ohr habe. Auf die Frage, ob die Zuschauer Spaß haben werden bei diesem Spiel, antwortete Löw: „Es geht hier nicht nur um Spaß, sondern auch um Ernst, denn es ist ein WM-Qualifikationsspiel, wir wollen die Qualifikation mit einem guten Spiel abschließen.“ Der Bundestrainer wollte, weil ich ihm diese Worte abnehme, aber die Spieler wollten eben nicht so sehr, das ist sein Dilemma.

Und noch einmal zum „Länderspiel“. „Martin“ war erstaunt, wie schnell ich den Bericht zu diesem Grottenkick fertig hatte. Natürlich geht das nur mit Laptop, auf dem Platz im Stadion geschrieben – und weg.

„Buy Emirates“ zweifelte den „filigranen Frank Pagelsdorf“ an, ich kann es nur wiederholen: Der Mann konnte richtig gut kicken, war ein Super-Techniker – und nicht immer so dick, wie er als HSV-Trainer herumlief. Und zu seinem „Abschuss“, den er sich gegen einen Kollegen der Mopo erlaubte: Es war nicht Buttje Rosenfeld, wie von „MarkusMagic“ vermutet.

Mich hat übrigens in all den Jahren weder ein Trainer noch ein sonstiger Funktionär „abgeschossen“ oder gefoult. Sie liebten mich alle. . . Nein, im Ernst („Kavennsmann“), es bestand bei den Herren kein Bedarf, mich derart vorzunehmen. Wobei es durchaus die eine oder andere Meinungsverschiedenheit (natürlich, das geht gar nicht anders!) zwischen uns gab. Aber das wurde verbal ausgeräumt. Es gibt aber in der Tat noch den einen oder anderen Fall mehr. Ich erinnere mich an ein St.-Pauli-Trainingslager auf Amrum. Da gab es etliche Strandkicks, und die waren stets hart umkämpft. Einmal trat Dietmar Demuth den Kollegen von der Welt (nicht Matthias Linnenbrügger) mit einer unglaublichen Blutgrätsche zusammen. Das war so hart, dass der Kollege in den folgenden Tagen (bis zur Abreise) nur noch hochlegen konnte. Ich hatte, übertrieben gesagt, die Angst, dass das Bein unterhalb des Knies abfallen könnte.
Mich hat es übrigens auch einmal bei einem 0:0-Spiel gegen die Mopo erwischt. Damals spielte Jörn Wolf (heute Medien-Chef des HSV) noch für die Konkurrenz, und ich beim HA Libero. Zwei, drei Minuten vor Schluss, als ich dem guten „Lobo“ (der in meinen Augen eine Fußball-Karriere leichtfertig verschenkt hat. Zuviel auf Piste?) wieder einmal den Ball vom Fuß spitzelte, zog er durch. Hei, das waren Schmerzen. Und am nächsten Tag ging es per Flieger nach München, wo die Nationalmannschaft in einigen Tagen ein WM-Qualifikationsspiel gegen die Türkei zu bestreiten hatte.

Hatte ich im Flieger Schmerzen, man oh man. So, als würde mein Bein platzen. Nach der Landung sah ich die Bescherung: Bein schwarz. Restlos schwarz, hinten, vorne, überall. Mit der Taxe ging es ins Olympiastadion, dann direkt zu Professor Kindermann. Dessen Reaktion: „Sofort in die Kabine.“ Dort machten sich DFB-Ärzte und Masseure sofort über das Bein-schwarz her. Plötzlich stand Dietmar Hamann neben mir, der das Training hatte abbrechen müssen. Sein Kommentar: „Wie hast du das denn gemacht?“ Ich erwähnte den Namen Wolf nicht, ich erzählte nur, wie es passiert war.“ Hamann: „Ich habe das in England auch schon zweimal gehabt, das waren mörderische Schmerzen beim Flug.“

Was gut an der Sache war: Bundestrainer Erich Ribbeck erlaubte mir in den folgenden Tagen, täglich ins Mannschaftsquartier zu kommen. Dort „fädelte“ ich mich zur Behandlung ein. Vor mir lag Hamann zur Pflege, nach mir warteten Christian Ziege und Lothar Matthäus. Das hatte ja auch etwas. Danke nochmals, Jörn! Die Kollegen damals haben mich jedenfalls darum beneidet, dass ich stets das „Heiligtum“ betreten durfte, während sie erst gar nicht in die Nähe des Hotels durften. Ich kannte aber vom HSV her Erich Ribbeck, obwohl wir uns zum Schluss nicht mehr grün waren. Das aber war bei der Nationalmannschaft dann mit einem kurzen Gespräch schnell ausgeräumt.

So, ganz kurz noch einmal zurück zur Sprechstunde. „Dylan1941“ fragte, wie es bei der NDR-Talkshow war? Gut. Aber ich muss dazu sagen, dass ich nicht das Bedürfnis hatte, meinen „Pfirsich“ (wie es Thomas Doll immer auszudrücken pflegte) in das Fernsehen zu halten. Vielmehr kam ich meiner Pflicht als Ehemann von Frau M. nach, die der größte Fan von Peter Maffay ist. Und so trabte ich eben mit nach Lokstedt. Gerne aber, das gebe ich zu, weil ich auch ein (kleiner) Maffay-Fan bin.

So, letzte Frage vor Grenze: „Nils“ will wissen, ob ich immer beim HSV-Training bin? Ich versuche es, und daraus wird dann eine Zahl so um die 90 Prozent. Aber es gehört zu meinen Aufgaben, vom HSV-Training zu twittern, und dem komme ich dann nach.

Fertig für diese Woche  – mit der Sprechstunde.

21.30 Uhr