Archiv für das Tag 'Rohde'

Von Versprechungen, Forderungen und Altmeistern

20. Juni 2015

So eine Fußball-Sommerpause ist einfach nur schrecklich. Jahr für Jahr wieder. Zumal dann, wenn sich der HSV wieder einmal traditionell Zeit lässt, Zeit lassen muss, um neue Spieler zu verpflichten. Auch Jahr für Jahr wieder. The same procedure as every year – im Sommer, nicht zum Jahreswechsel. Still ruht der See. Es tut sich nichts. Obwohl die Herren des HSV schön unterwegs sind, um sich nach Verstärkungen umzusehen. Sogar bei der U21-Europameisterschaft waren sie in Tschechien, obwohl die Talente dort wohl allesamt eine Preisklasse zu hoch sein dürften für den HSV. Aber warten wir es ab, mehr bleibt ja nicht. Obwohl die Ungeduld wächst. Bei vielen HSV-Fans. Und eventuell auch bei manchem Angestellten des Clubs. So las ich heute beim Einkaufen die Titelseite der „Bild“, und dort stand zu lesen: „Olic fordert neue Stars“. Da dachte ich so bei mir: „Wer nicht?“
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Vierte Sprechstunde

18. Oktober 2009

Versprechen wieder nicht gehalten – fällt mir gerade ein. Als ich am Sonnabend den Boulevard las, versprach Bruno Labbadia den Lesern: „Wir sind nach dem Spiel gegen Leverkusen Erster.“ Und in einem anderen Blatt stand zu lesen, dass das auch David Jarolim den Lesern versprach. Eines versprachen diese Versprechen auf jeden Fall: Vorfreude. Aber so richtig viel brachte es den Lesern dennoch nicht, denn wer ist Bundesliga-Erster? Ich verspreche nun und hier, dass es jetzt die vierte Sprechstunde geben wird.

Was macht eigentlich Frank „Wuschi“ Rohde wollte „HSVJan“ wissen. Ja, der gute „Wuschi“ ist Trainer in Oranienburg (bei Berlin), seine Mannschaft krabbelt im Mittelfeld der Brandenburg-Liga umher, das ist eine Klasse unter der Oberliga.

„Alfred E. Neumann“ fragte danach, wie ich die „mangelnde Live-Berichterstattung des NDR“ sehe“. Muss ich ganz ehrlich gestehen, dass ich die so nicht sehe. Im Gegenteil, wenn ich mal an einem Spieltag unterwegs bin, dann höre ich nur den NDR, denn das ist für mich großartig. Ich finde Rolf-Rainer Gecks super, Michael Augustin, Jörg Tegelhütter und Jens Kluttig, aber auch das gesamte Team von Alexander Bleick. Ist mein Ernst, und ich will kein Interview vom NDR, auch keine Einladung zu irgendeiner Sendung.

Wobei mir der Gedanke kommt, dass mit der Frage auch gemeint sein könnte, wie es um die Radio-Übertragung von Wochentags-Spielen steht? Da muss ich allerdings zugeben, das ist mir denn doch zu wenig. Auch auf NDR 90,3, wo Lars Pegelow ein erstklassiger Reporter ist. Die Zeiten, die er auf Sendung sein darf, die bestimmt aber auch der so sehr geschätzte Kollege nicht, das legen die Leute fest, die Regie bei den Sendungen führen. Und da habt Ihr recht, das könnte mehr sein, was da an Sendezeit von HSV-Spielen geopfert wird. Ich denke dann auch immer daran: Warum muss jetzt Rex Gildo oder auch Renate Kern singen, obwohl die Reise, die Pegelow mit dem HSV antrat, sicher einige Dollars mehr gekostet hat. Warum steht dann nicht der Fußball im Mittelpunkt, warum ist der Sender so unflexibel, mal auf die Aktualität zu reagieren. Also, in diesem Punkt bin ich sicher auf Eurer Seite, aber sonnabends, bei der Bundesliga, ist beim NDR für mich alles in Ordnung, in bester Ordnung sogar.

„Letche“ wollte wissen, was der TV-Kommentator Alexander Jacob heute macht, der 2000 das legendäre 4:4 zwischen dem HSV und Juventus Turin übertrug. Da muss ich leider (noch) passen, aber ich werde mich weiter schlau machen. Mir ist dieser Kollege niemals über den Weg gelaufen, das weiß ich, aber andere Kollegen werden mir da sicher weiterhelfen können. Also: Fortsetzung folgt.

„Peppino“ fragt, ob der HSV am Österreicher Pelivahn (Rapid Wien) dran ist. Gehört habe ich auch einmal etwas davon, aber es sagt natürlich keiner, dass es so ist. Da nun aber Dietmar Beiersdorfer bei Red Bull Salzburg unter Vertrag steht, so denke ich, dass er wohl einen Österreicher im Lande halten wird – bevor er ihn nach Hamburg ziehen lässt. Aber im Moment hält sich Beiersdorfer in Amerika auf, so dass es schwer ist, ihn danach zu fragen. Werde ich jedoch noch tun.“ Alfred E. Neumann“ wollte noch einmal wissen, was Manfred Kaltz heute macht. So viel ich weiß, ist der „Bananenkönig“ heute in Sachen Geldanlage unterwegs. Und er hat diverse Fußballschulen, die er zu betreuen hat. So hatte er (oder hat noch) eine Schule bei Hannover 96, dort bringt er dem Nachwuchssicher auch das korrekte Flanken bei. Manfred Kaltz wohnt inzwischen nicht mehr in Hamburg, sondern in der Nähe von Lüneburg.

„Kallimero“ fragt, warum es der HSV nicht schafft, über oder mit gestaffelter Prämienregelung zu motivieren? Und er fragt nach dem Leistungsprinzip. Ja, ein wahrlich großes und schweres Thema. Prämien sind ja auch beim HSV an der Tagesordnung, gemeint ist ja wohl, warum die Spieler nicht danach bezahlt werden? Würde das der HSV tatsächlich machen, und alle anderen Vereine nicht, dann liegt auf der Hand, was passieren würde. Dann gehen die Spieler zu jenem Klub, der ihnen das Geld auf die Hand gibt, beziehungsweise das Gehalt ohne auf zuvor abgelieferte Leistungen zu pochen auf das Konto überweist. Wenn sich alle Vereine aber daran halten würden, dann wären die Fußballer wahrscheinlich gerechter bezahlt.

„Junger Schwede“ fragte schon vor einer Woche, ob Joris Mathijsen einen Sehfehler auf dem linken Auge hat? Das hatte ich ignoriert, weil es mir peinlich gewesen wäre, danach zu fragen. Und er hat es gesehen, Ihr habt es gesehen: Die langen Dinger über 80 bis 140 Meter hat er inzwischen schon (fast) abgestellt.

„PS“ fragte, warum Rudi Brückner einst als Moderator des Doppelpasses vom DSF geschasst wurde. Ein heißes Thema. Ein ganz heißes sogar. Immer noch. Ich weiß, dass es absolut nichts mit Jörg Wontorra zu tun hatte. Als Brückner einst noch beim ZDF Reporter war, hatte er schon Ärger mit einem gewissen Vorgesetzten. Brückner wurde Chefredakteur beim DSF, dann Chefreporter, dann Moderator – und eines Tages war der ehemalige ZDF-Vorgesetzte wieder sein Vorgesetzter beim DSF. Als das geschah, sagte Rudi Brückner zu mir: „Du kannst die Uhr danach stellen, am Ende des Jahres werde ich nicht mehr beim DSF sein. Garantiert, denn zwischen uns stimmt die Chemie einfach nicht.“ Genauso kam es. Was aber genau zwischen diesen beiden Herren stand, weiß ich auch nicht. Für Rudi Brückner tut es mir Leid, gebe ich zu, denn er fand keinen Anschluss-Job im Sport-Journalismus. Kurzfristig war er bei Eurosport tätig, aber das war, um es mit “Mini Me” zu sagen, dann tatsächlich nichts Halbes und nichts Ganzes mehr. Heute arbeitet der Rudi wieder in seinem ursprünglichen Beruf, er ist in München als Lehrer tätig. Kurios: Als im Winter Doppelpässe aus seiner DSF-Zeit wiederholt wurden, erkannten ihn einige seiner Schüler – sie wussten bis dahin nicht, wer da vor ihnen stand.

So, um auch diese Sprechstunde nicht zu überfrachten, beende ich nun den ersten Teil. Im Laufe des Montags wird diese Sprechstunde aber noch fortgesetzt. Und außerdem gibt es auch noch eine weitere, höchst interessante Geschichte.

23.10 Uhr

Drittes Nähkästchen

30. August 2009

Die Zeit bis zum Anpfiff der Partie gegen den 1. FC Köln möchte ich wieder mit einem kurzen Blick zurück überbrücken, ich möchte wieder mal aus dem Nähkästchen plaudern. Gedanken habe ich mir aktuell zu Bruno Labbadia gemacht. Damals, als er für den HSV stürmte, das war von 1987 bis 1989, hätte ich nie im Traum daran gedacht, dass er eines Tages einmal Trainer in Hamburg sein würde. Nicht einmal daran habe ich gedacht, dass der schöne Bruno einst ein Bundesliga-Coach werden könnte. Das war absolut unvorstellbar – warum, kann ich gar nicht mal sagen.

Wahrscheinlich liegt es daran, dass eigentlich ja Stürmer viel seltener die Trainer-Laufbahn einschlagen. Oft sind es die Regisseure, dann folgen die Abwehrspieler. Der Labbadia von 1989 als Trainer? Wahrscheinlich hätte ich damals einen hohen Betrag gesetzt, dass er nicht. . .

In der Bundesliga-Geschichte kommen denn auch „stürmende Trainer“, die später den Titel mit ihren Teams geholt haben, seltener vor. Ottmar Hitzfeld ist eine dieser Ausnahmen, Jupp Heynckes ebenfalls, Udo Lattek hat einst beim VfL Osnabrück im Sturm, aber gelegentlich auch in der Abwehr gespielt, und das war es dann auch schon. Otto Rehhagel war Verteidiger, Ernst Happel auch, Thomas Schaaf ebenfalls, Frank Pagelsdorf kam aus dem Mittelfeld, Felix Magath war Spielgestalter. Stürmer sind auch auf diesem Gebiet rar gesät.

Wobei es beim HSV ja durchaus den einen oder anderen offensiven Spieler gab, der hier Trainer wurde. Gerd-Volker Schock, der noch immer in der Torschützen-Bestenliste der Zweiten Liga weit vorne rangiert, ist da zu nennen, auch Willi Reimann und Thomas Doll. Letzterer, das gebe ich zu, liegt mir dabei besonders am Herzen. Als „Dolly“ 1990 von Dynamo Berlin kam, war ich gerade HSV-Reporter bei Bild. Doll und Rohde kamen vor der Vertragsunterzeichnung zur sporttauglichen Untersuchung nach Hamburg eingeflogen, und auch ich stand damals am Flughafen Fuhlsbüttel. Dienstlich. Ich sollte mich auf die Spuren der beiden Neuzugänge machen.

Vor dem Flughafen stand damals auch Hartmut Diekhoff, in jener Zeit eine Art „Mini-Manager“, denn einen echten Manager hatte der HSV gerade mal nicht. Wahrscheinlich aus Kostengründen, denn der Klub war klamm. Diekhoff entdeckte mich, kam zu mir und fragte: „Herr Matz, können Sie mir einen Gefallen tun? Ich habe nur eine ganz alte Klapperkiste, Sie aber einen neuen Wagen – können Sie Thomas Doll, Frank Rohde und den Berater Wolfgang Metzler nicht in die Klinik nach Henstedt-Ulzburg fahren, ich komme dann nach?“ Natürlich habe ich das gemacht, selbstverständlich. Und ganz nebenbei war ich so natürlich von der ersten Minute an, die Doll und Rohde auf Hamburger Boden verbracht haben, auf Ballhöhe. Vor der sporttauglichen Untersuchung hatten wir dazu noch eine gewisse Zeit zu überbrücken, da HSV-Arzt Dr. Uli Mann gerade noch operierte, also mussten wir uns die Zeit noch ein wenig vertreiben. Willi Witters, der damalige Bild-Fotograf, hatte einen Ball an Bord, wir gingen auf den Klinik-Rasen und spielten Fußball. Hacke, Spitze, eins, zwei, drei. Das klappte sogar bei mir ganz ansehnlich, nicht nur bei Rohde und Doll. Am Abend jedenfalls, als sie wieder zurück nach Berlin flogen (das ging damals noch), versprach mir „Dolly“: „Dieter, du bist in Ordnung, wenn ich in Hamburg bin, kannst du mich zu jeder Zeit, Tag und Nacht, anrufen, ich bin für dich da.“ Willi Witters hatte am Abend schon fertige Fotos vom Kick auf dem Rasen gebracht, ich ließ mir das Versprechen von Doll auf ein solches Foto schriftlich geben – habe es heute noch, wie sich das gehört.

Als „Dolly“ dann zu Lazio Rom wechselte, arbeitete ich wieder beim Abendblatt – und war dabei, als er sein erstes Punktspiel mit Lazio im Olympiastadion zu Rom gegen Parma bestritt (0:0). Nach dem Spiel war ich dann stolz wie Oskar: Doll, der zur Pressekonferenz gebracht wurde, schenkte mir vor versammelter Medienschar sein Trikot mit der Nummer acht.

Wir verbrachten zu jener Zeit noch einige Tage in Rom, damals schon lernte ich, dass es nicht so einfach ist, bei einem italienischen Erstliga-Klub das Training zu verfolgen. Ich musste mich vorher, bereits aus Hamburg, akkreditieren lassen. Ohne Legitimierung kam keiner auf das hermetisch abgeriegelte Gelände, und selbst mit Ausweis war man nicht unbedingt gerne gesehen. Ich erinnere, wie mich der damalige Lazio-Trainer Dino Zoff, die Torwart-Legende, von oben bis unten musterte, sich fragend, was der langhaarige Typ hier wohl zu suchen hätte. Wenn Blicke töten könnten… Ich habe es aber überlebt.

Und warum ich die Sache mit dem Trikot erzählt habe? Jahre später, als Thomas Doll beim HSV Amateur-Trainer geworden war, trafen wir uns natürlich häufiger. Auch in seinem Haus in Quickborn. Dort hingen, fein unter Glasrahmen, alle Trikots seiner Klubs, für die er einst gespielt und gezaubert hatte. Nur das Lazio-Trikot fehlte. Ich fragte, Doll sagte: „Ich habe es schlicht vergessen, mir eines mitzunehmen. Ich habe wirklich alle, nur das nicht. Aber jetzt habe ich mir eines bestellt, doch das dauert schon lange. Wer weiß, ob das überhaupt noch mal etwas wird?“ Und: Wenn es gekommen wäre, wäre es ja auch sehr wahrscheinlich kein Original mehr gewesen.

Deshalb: Zwei Tage später fuhr ich zum Amateurtraining nach Ochsenzoll und gab Thomas Doll „sein“ Trikot mit der Nummer acht zurück – auch wenn es mir sehr schwer fiel. Aber: Seine Sammlung ist jetzt komplett, das war und ist mein Trost.

Übrigens: Wenn mich 1990 jemand gefragt hätte, ob Thomas Doll einst Bundesliga-Trainer und sogar einmal HSV-Coach werden würde, dann hätte ich, genau wie bei Bruno Labbadia, unbeirrt gesagt: „Never!“ So kann Mann sich irren. Ein Tipp noch: Solltet ihr „Dolly“ einmal treffen (nun in Ankara tätig), so nennt ihn nicht „Dolly“, sondern Thomas Doll. Seinen Kosenamen hat der frühere HSV-Publikumsliebling abgelegt, er möchte, nun als Trainer, seriöser rüberkommen.

Die Reihe Nähkästchen wird fortgesetzt, viel Spaß beim und mit dem Köln-Spiel.