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Adler: “Unsere Gegner müssen wissen, dass es bei uns weh tut”

16. Mai 2013

Was sind schon 27 Jahre Ferguson bei ManU oder 14 Jahre Schaaf in Bremen – gegen 75 Jahre Holsten beim HSV? Der Brauereiriese verlängerte heute seine Partnerschaft mit dem Bundesliga-Dino. Als hätte Marketingvorstand Joachim Hilke die Aufforderung im Blog gelesen, legte der findige 44-Jährige heute gleich mal zwei gute Geschäftsmodelle/Einnahmequellen vor. Zunächst einen Dreijahresvertrag mit der Carlsberg-Brauerei und im Speziellen Holsten. Zum anderen wurde heute eine so noch nie gesehene HSV-Bundesliga-Chronik vorgestellt, die nicht in jedem Auto ausreichend Stauraum vorfindet und die eine oder andere Ein-Zimmerwohnung komplett dicht machen würde. „70 mal 50 Zentimeter“, sei die mit 2500 Fotos bespickte Chronik der HSV-Bundesligageschichte vom ersten Tor Charly Dörfels bis heute. Erhältlich ist das gefühlt zwei Zentner schwere Schmuckstück ab August. Wobei der exklusive Kreis von 999 neuen Besitzern nicht auf den Cent angewiesen sein darf – das Buch kostet immerhin sage und schreibe 2999 Euro.

Schön, spektakulär, exklusiv, teuer – aber mir soll es egal sein. Es wird sicher ausreichend Abnehmer für das teuerste Buch der Vereinsgeschichte geben und der HSV wird ein wenig daran verdienen können. Und so soll es ja sein. Der HSV soll sich gute Geschäftsideen einfallen lassen und von mir aus Milliardenumsätze einfahren. Solange dafür nicht jedes Mal die Ticketpreise angezogen werden. Und daher kann ich dem HSV und Herrn Hilke diesbezüglich nur gratulieren und wünschen: Weiter so. Nur so.

Noch lange nicht aufhören will René Adler. Zum einen nicht mit der laufenden Saison – „Wir haben noch ein echtes Finale vor uns und brauchen dafür das Maximalmaß Konzentration“ – zum anderen nicht mit der Nationalelf, mit der er im Anschluss an die Saison am 29. Mai in Boca Raton gegen Ecuador und am 2. Juni in Washington gegen die USA antritt. Zusammen mit Dennis Aogo, Marcell Jansen und Heiko Westermann bildet Adler einen richtigen DFB-Block. Und wenn man ganz ehrlich ist, hätte es sogar sechs HSVer sein müssen, da man Sidney Sam niemals hätte ziehen lassen (er ging letztlich aufgrund eines Streits mit einem Vorstand) und Max Kruse nicht verpassen dürfen. Letztgenannter war beim HSV auf dem Beobachtungszettel und wurde letztlich als „ungeeignet“ eingestuft. Angeblich sei der Linksfuß zu faul im Spiel… Aber egal, vier sind dabei und das sind so viele wie lange nicht mehr im A-Team der Nationalelf. „Natürlich wissen wir, dass viele Stammspieler verhindert sind und wir deshalb so viele HSVer dabei haben“, sagt Adler, „aber trotzdem zeigt das doch, dass man wieder auf Hamburg schaut.“

Traurige Nachrichten gab es dafür aus dem U21-Bereich. Tolgay Arslan wurde zwar vorläufig nominiert, hat aber noch immer mit seiner Kreuzbandzerrung zu kämpfen. „Es wird schwierig für ihn“, sagt Sportchef Frank Arnesen, „wir müssen bei der schweren Verletzung sehr vorsichtig sein und es sind nur noch zehn Tage.“ Arnesen hat bereits mit Arslan gesprochen und den noch immer um seine Teilnahme kämpfenden Mittelfeldspieler auf eine wahrscheinliche Absage vorbereitet: „Es ist sehr schade für ihn, allerdings soll er das positiv nehmen. Es gibt noch einen Tag nach morgen und das weiß Tolgay. So kann er sich komplett auskurieren und fit in der Vorbereitung zur neuen Saison angreifen.“

Das gilt auch für Maxi Beister. Der Offensivmann erhielt am Mittwoch von U21-Trainer Rainer Adrion die Mitteilung, dass er nicht zum Kader gehören wird. Und das, nachdem der Linksfuß zwei Jahre lang unumstrittener Stammspieler mit vielen wichtigen Toren war. „Es ist sehr enttäuschend“, sagte uns Maxi heute, ohne näher darauf eingehen zu wollen. Es war dem Youngster anzumerken, wie tief ihn die Absage getroffen hatte. Zumal Beister teamintern bei der U21 als Führungsspieler gilt. „Ich kann und will dazu nicht viel sagen“, sagte ein sichtbar enttäuschter HSV-Trainer Thorsten Fink, „aber ich kann mir vorstellen, dass Maxi Beister der Mannschaft fehlen wird.“

So groß die Verärgerung über Adrion, Beister hat sie mit seiner Roten Karte selbst provoziert. „Der wird jetzt bis Saisonende kaum noch spielen und kaum Praxis haben“, hatte mir Horst Hrubesch damals unmittelbar nach Beisters Platzverweis gesagt, „dann wird es auch eng mit der EM. Zumindest hätte ich als Trainer so meine Bedenken.“ Und so kam es letztlich. Obgleich ich mich frage, warum Adrion sich nicht bei Fink nach Beisters Leistungsstand erkundigt hat. So etwas ist normalerweise üblich, wenn es um Stammspieler geht. Und das war Beister. Der Junge hatte wochenlang geschwiegen, um nichts Dummes zu sagen und sich voll auf den Fußball zu konzentrieren. Es war Beister deutlich anzumerken, dass er seinen Fehler erkannt hatte und dass er gewillt ist, ihn wiedergutzumachen. Zudem hat er bislang 24 Einsätze in seiner ersten Bundesligasaison gehabt – das ist allemal eine Bewerbung für eine Nachwuchs-EM.

Egal wie, Beister hat auch Zuspruch. Nicht nur von mir. Ich bin da ganz sicher nicht wichtig. Dafür aber von Sportchef Frank Arnesen. Der Däne versuchte Beister geradewegs wieder aufzubauen und fand sogar etwas Positives: „Maxi hat ein paar aufregende Tage und Wochen hinter sich. Ich habe ihm gesagt, dass er enttäuscht sein darf und vielleicht sogar muss. Aber er soll versuchen, nach ein paar Tagen auch das Positive zu sehen: So kann er nach der Saison länger Urlaub machen und mal so richtig ausspannen, um frisch in seine zweite Bundesligasaison zu gehen. So überrascht wir alle sind, auch ich – ich bin mir sicher, Maxi verdaut das Ganze.“

Am Sonnabend allemal. Da geht es auch für den Youngster noch mal um alles. Und die Aussicht auf internationale Spiele dürfte auch Beister zufriedenstellen. Obgleich die Chance darauf weiter gering ist, ist die Motivation bei Adler, Beister und Co. riesig. Egal, ob wir abhängig sind von Frankfurt – am letzten Spieltag noch um einen internationalen Platz zu kämpfen ist pure Freude und ein Höchstmaß an Motivation für jeden Spieler. Wir haben nichts zu verlieren gegen eine starke Mannschaft und wollen uns einen schönen Saisonausklang verschaffen.“ Der sei schon jetzt als Erfolg zu werten – sagt Fink. Adler scheint da höhere Ansprüche zu haben. „Wir können mit einer Europa-League-Teilnahme eine gute Saison aus der bisherigen machen.“

Gut so. Ich mag es, wenn gute Leute hohe Ansprüche haben. Vor allem, wenn sie beim HSV spielen und dafür nichts unversucht lassen. So, wie Fink es andeutet. Zwar seien alle Spieler fit und es gebe keinen Grund für eine personelle Umstellung, allerdings ließ der Trainer auch heute wieder ein 3-5-1-1-System spielen. Seine Erklärung: „Die Mannschaft muss auf Situationen reagieren können und das müssen wir üben. Auch kurze Systemumstellungen.“ Mit den Worten: „Stellt euch vor, es sind noch fünf Minuten und Leverkusen führt 1:0“, gab Fink im Abschlussspiel die Anweisung, offensiver zu agieren und die vermeintliche A-Elf gab Gas, presste und rückte hoch auf. Allerdings vergab Westermann eine Riesenchance per Kopf – erhielt aber Lob von Fink: „So soll’s sein. Ihr müsst euch die Chancen erarbeiten.“ Gewillt scheinen sie allemal. Von Adler über Beister bis hin zu Jacopo Sala und allen anderen, die wohl nur auf der Bank oder der Tribüne Platz nehmen werden. Adler kündigt seinen ehemaligen Mannschaftskameraden, für die es tabellarisch um nichts mehr geht, einen harten Gang in Hamburg an. Ob er glaubt, seine Ex-Kollegen könnten unterbewusst schon auf Urlaubsmodus geschaltet haben, sagt er: „Das liegt nur an uns. Wir wissen, wo der Schlüssel liegt. Wir müssen denen von Beginn an zeigen, dass wir gewinnen wollen, dafür alles tun. Danach ist Urlaub, danach können alle ihre Blessuren auskurieren. Nur nicht im Spiel. Es ist auch nicht verkehrt, wenn man als Gegner weiß, dass es in Hamburg durchaus mal weh tun kann.“

Das sind doch mal markige Ansagen. Genau die Art, wie ich sie gern höre und noch lieber umgesetzt sehen würde. Auch von Adler, der heute auf die Frage nach einem möglichen Wechsel in der Sommerpause etwas ausweichend antwortete: „Von Interessenten hört man immer gern, das sind Bestätigungen für einen selbst. Das motiviert mich auch. Aber ich habe in Hamburg einen langfristigen Vertrag und Ambitionen. Es gibt im Moment keinen Anlass, was anderes zu denken.“ Stimmt, zumal Klubboss Carl Jarchow auf den immer wieder kolportierten ersten Interessenten, den Premier-League-Klub Arsenal London, antwortete: „Ich kann ihnen versprechen, dass René Adler kommende Saison nicht für Arsenal spielt.“ Gut so. Zumindest für den HSV, der vor Adler erst einmal acht, neun andere Spieler abgeben sollte. „Bislang gibt es noch kein Angebot“, sagt Arnesen, darauf angesprochen. Und der Sportchef bezieht Heung Min Son mit ein. „Stand jetzt bleibt er bei uns. Ich bin da auch ganz positiv“, so Arnesen, der sich nach Saisonende mit Son und dessen Berater zusammensetzen will. Ob es auch eine ewig andauernde Verhandlung werden könne, die sich erst mit dem Schlusspfiff der Transferperiode Ende August entscheidet? Arnesen: „Nein, eigentlich nicht. Auch wir wollen planen.“

Solltet Ihr schon Euren morgigen Tag planen, macht das ohne den HSV. Der trainiert morgen unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Aber Dieter wird Euch auf dem Laufenden halten. Ganz sicher.

Apropos sicher –in Sachen Oberneuland ist da nichts sicher. Der Norddeutsche Fußballverband teilte inzwischen mit, dass er bis morgen die rechtlichen und sportlichen Folgen des Insolvenzantrages prüfen werde. Zuletzt hieß es, durch die Insolvenz stünde zwar der Abstieg Oberneulands fest, allerdings würden bei einem so späten Antrag (bis vier Spiele vor Saisonende) nicht nachträglich alle Ergebnisse aus der Wertung genommen. Als diese Meldung beim SC Victoria, der mit am meisten davon profitieren würde, die Runde machte, hieß es sofort: Dann reichen wir Protest ein. Klar aber ist nach dem 3:1 des HSV II beim SCV, dass die Mannen von Rodolfo Cardoso gerettet sind. Dazu gratuliere ich ganz herzlich und hoffe, dass der Argentinier in der neuerlichen Kaderzusammenstellung klarer interveniert, wenn er Bedenken hat. „Wir setzen uns zusammen und besprechen alles“, kündigte Arnesen heute an und fügte hinzu: „Wir wissen, dass und was wir verbessern müssen.“

Klingt doch zunächst einmal sehr gut.

In diesem Sinne, bis morgen!
Scholle

P.S.: Tomás Rincón und Heung Min Son wurden für ihre Nationalmannschaften nominiert. Son muss nach Südkorea reisen, um gegen den Libanon (4. Juni), Usbekistan (11. Juni) und den Iran (18. Juni) anzutreten. Rincón trifft in seiner Heimat Venezuela Bolivien (07. Juni) und Uruguay (12. Juni).

P.P.S.: Ein kurzes Video mit Adler, der über die Nartionalelf spricht, findet Ihr auf unserer Facebook-Seite www.facebook.com/groups/Matzab

4:1-Sieg – die Hoffnung stirbt zuletzt!

11. Mai 2013

Der HSV lebt noch. Am 33. Spieltag gab es den ersten Sieg in Sinsheim, oder besser gesagt, bei der TSG 1899 Hoffenheim, der mit 4:1 noch recht üppig ausfiel. Der HSV zeigte diesmal eine seiner besten Leistungen dieser Saison und darf noch bis zuletzt vom Weg nach Europa träumen. Weil es Eintracht Frankfurt mit dem 1:1 in Bremen noch spannend gemacht hat. Freiburg ist vom HSV aber nicht mehr einholbar, weil es in Fürth mit viel, viel Glück einen 2:1-Sieg gab. Der HSV wird seinen Chancen nachtrauern, denn den europäischen Start hat die Mannschaft von Thorsten Fink in den Heimspielen gegen Fürth, Augsburg und Freiburg vergeben. Aber, es gibt sie ja noch, die Minimal-Chance für den HSV – dank Frankfurt oder auch dank Bremen. Es lebe die Hoffnung.

Sie haben sich noch nicht aufgegeben. Das habe ich Mitte der Woche geschrieben. Und habe so bei mir gedacht: „Naja, was sollen die Spieler, was soll der Trainer und was sollen die Verantwortlichen schon sagen? Lieber eine Woche noch an einen Strohhalm klammern, an einen ganz, ganz kleinen und dünnen Strohhalm, als schon eine Woche lang erklären müssen, warum es nicht mit Europa geklappt hat. Aber die Mannschaft und ihr Chef Thorsten Fink, sie haben alle Ernst gemacht. Von Beginn an wurde im letzten Auswärtsspiel der Saison auf das Gaspedal gedrückt. Der HSV war heiß, war bissig, war aggressiv. Und hätte fast schon nach wenigen Sekunden in Führung gelegen: Eckstoß Rafael van der Vaart von rechts, Kopfball in der Mitte von Marcell Jansen – der Ball streicht am langen Eck vorbei. Fast wäre Heung Min Son noch herangekommen, aber das war schon mal ein verheißungsvoller Auftakt.

Thorsten Fink hatte seine Mannschaft doch noch einmal umgekrempelt. Dennis Aogo kam links zum Einsatz, weil Son in die Sturmmitte rückte – denn Artjoms Rudnevs blieb auf der Bank. Und im rechten Mittelfeld spielte Petr Jiracek, auf jener Position, die ihm vor dem letzten Heimspiel gegen Wolfsburg auch schon zugedacht war. Und, um es einmal, vorweg zu nehmen: Thorsten Fink hat mit dieser Aufstellung alles richtig gemacht.

Das zeigte sich schon beim ersten HSV-Tor an diesem Nachmittag. Dennis Diekmeier sprintete mit Ball von der Mittellinie recht los, rannte und rannte, zog dann von der Rechtsaußen-Position (auf Höhe Elfmeterpunkt) eine traumhafte Flanke zur Mitte, in die Son am Elfmeterpunkt stieg – und die Kugel super in die lange Ecke köpfte. Hoffenheim-Keeper Casteels rutschte zwar bei seinem Abwehrversuch aus, aber die Experten, die um mich herumsitzen, waren sich einig: „Den hätte der Torwart auch ohne auszurutschen nicht bekommen . . .“ Ich will ihnen mal glauben. Auf jeden Fall ein Tor aus dem Bilderbuch, und ein ganz wichtiges für den HSV (18.).

Zehn Minuten später hätte es schon 2:0 stehen müssen. Son bediente den mitgelaufenen Jiracek, der kreuzte völlig frei vor dem TSG-Tor auf und konnte sich die Ecke aussuchen. Der Tscheche entschied sich – völlig richtig – für die lange, für die linke Ecke, schlenzte den Ball mustergültig am Keeper vorbei – aber auch um Zentimeter am Pfosten vorbei. Das war Pech. Viel Pech sogar.

Das 2:0 fiel aber trotzdem. Rafael van der Vaart sah Son in die halbrechte Gasse starten, der Pass kam zuckermäßig, der Südkoreaner nahm den Ball mit der Brust mit, umkurvte Torwart Casteels und schoss. Und nun rätseln die Experten: War es ein Torschuss, oder war es doch eher ein kluger und sehenswerter Rückpass? Wir entschieden uns hier, im Block House Eidelstedt, mit 4:0 für Rückpass. Egal wie, es war großartig gemacht, Borussia Dortmund wird es wahrscheinlich sehr gerne sehen (warum wohl?) – und Aogo hat es auch sehr, sehr gerne gesehen, denn der Nationalspieler musste den Ball nur über die Torlinie drücken. Sein zweites Saisontor. Und natürlich lief er sofort zu Son, um sich für diesen Treffer zu bedanken (35.). Das sah schon ganz verdächtig nach großartigem Fußball aus. Der HSV war in dieser Phase eindeutig der Chef im Ring. Hoffenheim kam lediglich einmal recht gefährlich vor das HSV-Tor, als Rene Adler nach einem Freistoß etwas unfair attackiert wurde (Volland) und am Ball vorbeisprang. Die anschließende Flanke köpfte Volland dann auf das Tor, doch zum Glück war Marcell Jansen auf die Torlinie zurückgeeilt und drosch die Kugel wieder Richtung Mittellinie (43.). Gut gemacht, „Cello“! Halbzeit. Und auf dem Gang in die Kabine beschwerte sich Adler noch bei Schiedsrichter Dingert (der ansonsten sehr gut pfiff).

Mit dem Anpfiff zum zweiten Durchgang begann der Sturmlauf der Hoffenheimer. Der HSV konnte sich selten aus dieser Umklammerung lösen, aber einmal gelang es ganz entschieden: Nach einem abgewehrten Ball schoss Diekmeier aus der halblinken Position – eigentlich weit vorbei – Heiko Westermann bekam die Kugel im zweiten Versuch unter Kontrolle, überließ sie Jansen, der den Ball flach zu Mitte beförderte. Dort stand mutterseelenallein Jiracek, der ohne große Mühe zum 3:0 einschoss. Die Vorentscheidung (60.).

Einziger Schönheitsfehler an diesem Treffer – im Gegenzug schoss Volland zum 1:3 ein, unhaltbar für Adler. Noch einmal durfte dann der HSV dagegen von einem Tor träumen, als Milan Badelj seine Spitze Son schickte. Wie einst in Mainz lief der Torjäger auf das TSG-Tor zu, legte sich die Kugel dann aber etwas zu weit vor – Casteels hielt (69.). Der Rest war Abwehrkampf – und ein Konter. Badelj schickte den eingewechselten Rudnevs, und der traf mit links zum 4:1. Das zwölfte Saisontor für den Letten (88.).

Die Einzelkritik:

Rene Adler hielt großartig, auf ihn war stets Verlass – einmal sah er unglücklich aus, als er von Volland unfair attackiert wurde, aber das blieb ohne Folgen.

Dennis Diekmeier bot eine sehr engagierte Partie ab, er lief rauf und runter und machte seine rechte Seite ziemlich dicht. Nur in der 66. Minute sah er einmal schlecht aus – Schwamm drüber. Note drei.

Heiko Westermann war wieder einmal unheimlich wertvoll, denn er hatte so oft noch seinen Kopf oder auch nur die Stiefelspitze zwischen einem gut gemeinten TSG-Pass. Der Bundestrainer sah bei dieser Partie zu, er wird es mit Freude registriert haben, wie gut Westermann in Form ist. Note zwei.

Slobodan Rajkovic räumte hart, gelegentlich etwas rustikal ab, aber das zeigte Wirkung. „Slobo“ bot eine solide Partie, Note drei.

Marcell Jansen hatte wieder eine sehr gute erste Halbzeit, dann ließ er ein wenig nach. Ohne abzustürzen. Beim 1:3 aber sah er nicht sehr glücklich aus, als er nur mit der Hacke einen Pass abblocken wollte – das war eine falsche Idee, weil einfach zu simpel.

Tomas Rincon wurde oft hart und auch überhart attackiert, aber er, der sonst so austeilt, steckte alles super weg. Das war eine gute Partie, er spielte zuverlässig und konzentriert – Note drei.

Milan Badelj war ein wichtiger Mann in dieser HSV-Mannschaft, spielte viele gute Bälle, eroberte auch einige – das sah teilweise schon wie in der Hinrunde aus, als er überragend spielte.

Petr Jiracek war auch rechts ein Gewinn, er arbeitete enorm viel und vor allen Dingen ohne Pause für die Mannschaft, das war besonders wertvoll. Und er krönte diese Partie mit seinem ersten Saisontor. Note drei.

Dennis Aogo durfte – etwas überraschend – auf link ran und bedankte sich mit einer engagierten Fließleistung – und mit seinem zweiten Saisontor.

Rafael van der Vaart war der Chef in dieser HSV-Mannschaft, auch wenn die ganz großen Szenen wieder fehlten. Dennoch, und das hat in dieser Woche Trainer Fink schon gesagt: „Wenn es gefährlich nach vorne geht, dann hängt meistens van der Vaarts linker Fuß damit zusammen.“ So ist es. Note drei.

Heung Min Son schoss sein zwölftes Saisontor und legte das 2:0 vor, wirkte unternehmungslustig und wirbelte viel – das war eine gute Bewerbung für eine Mannschaft aus der Champions League. Note zwei. Ging in der 77. Minute mit einem Wadenkrampf raus.

Per Ciljan Skjelbred (ab 65. Min. für Aogo) stopfte fleißig – so wie er von Natur aus ist – noch etliche Löcher. Was gut an diesem wuseligen Norweger ist: Er braucht selten eine längere Anlaufzeit.

Artjoms Rudnevs (ab 77. Min. für Son) konnte eigentlich nur noch verteidigen, denn der HSV stand zu diesem Zeitpunkt unter Dauerdruck.

Maximilian Beister (ab 90. Min. für Jiracek) durfte die Siegprämie noch einheimsen. Mehr war nicht drin.

So, das war es mit dem letzten Auswärtsspiel des HSV in der Saison 2012/13. Gleich aber geht es noch ein wenig weiter, denn wir sind, und zwar in einigen Minuten, mit „Matz ab live“ zur Stelle und werden über das Hoffenheim-Spiel reden. Und zwar mit unserem Gast Holger Hieronymus, dem ehemaligen Nationalspieler, HSV-Profi, HSV-Trainer und HSV-Sportchef sowie DFL-Geschäftsführer. Und dazu ist „HH“ natürlich – und für mich sogar in erster Linie – einer der HSV-Helden von 1983, vom Europapokal-Sieg über Juventus Turin. Wir freuen uns. Auch auf euch.

17.29 Uhr

Arnesen: “Slomka will Kacar unbedingt” – Fink überlegt, Beister spielen zu lassen

10. Mai 2013

So dick ist er wirklich nicht, Trainer Thorsten Fink. Im Gegenteil. Dennoch glaubt er, er habe gerade eine Menge Gefühl in seinem Bauch. Gefühl für die richtige Aufstellung, und vor allem: das richtige Gefühl für den ach so unumgänglich notwendigen Sieg in Hoffenheim, der den Traum von der Europa League ein wenig weiterköcheln lassen könnte. Sofern Freiburg und/oder Frankfurt patzen. Wie sich die Mannschaft über die Spielstände in den anderen Stadien informiert? „Gar nicht“, so Fin, „wir haben eh keine Wahl und müssen uns auf uns konzentrieren.“ Dennoch, sollte der eigene Spielstand einen gewissen Motivationsanschub benötigen, würde er im entsprechenden Fall über die Ergebnisse der anderen Spiele (Freiburg in Fürth und Frankfurt in Bremen) berichten. „Wenn’s helfen kann, klar. Ansonsten sind wir gut beraten, uns auf unser Spiel zu konzentrieren.“

Und das könnte Veränderungen erfahren. Nachdem Artjoms Rudnevs zuletzt Ladehemmung hatte, könnte er durch Maximilian Beister ersetzt werden, während Heung Min Son mit großer Wahrscheinlichkeit auf der rechten Außenbahn bleibt. Wetten würde ich allerdings nicht auf diesen Wechsel, auch wenn Beister im Abschlussspiel häufiger traf als Rudnevs – immerhin blieb der Lette bei null Treffern.

Die Aussagekraft von Trainingseinheiten ist zudem hinlänglich bekannt. Genau zweimal empfanden Trainer Thorsten Fink und/oder Spieler die Trainingswoche als zu schwach – ansonsten stimmte die Einstellung stets. Herausgekommen sind dabei 45 Punkte in 32 Spielen. Keine atemberaubende Ausbeute. „Es müssen sechs dazukommen, wenn wir uns die Chance erhalten wollen“, sagt Frank Arnesen. Der Sportchef war heute mal wieder Trainingsgast und nahm sich anschließend noch Zeit für ein Gespräch mit Matz ab. Ob sich seine Arbeit massiv verändert, wenn der HSV das Unmögliche noch erreicht und in der kommenden Saison international spielt? „Finanziell nicht so sehr“, sagt der Däne, „aber emotional ist es nicht unwichtig. Es gibt schon Spieler, bei denen ein internationaler Wettbewerb den Unterschied machen kann.“ Zumal dann, wenn andere Vereine selbigen zu bieten haben.

Im Gegensatz zu den Schilderungen meiner Kollegen aus den letzten Wochen war Arnesen heute richtig entspannt. Er antwortete auf fast alle Fragen. Einzig die nach Bojan Krkic wollte er nicht näher beantworten. Klar ist aber, dass er zusammen mit Fink in Mailand war und mit Krkic sowie dessen Berater gesprochen hat. Zudem kennt er den Spanier mit doppelter Staatsbürgerschaft – er ist auch Serbe – schon seit dessen früherer Jugend. „Das stimmt“, so Arnesen auf meine Frage, ob er Krkic tatsächlich seit dessen 15. Lebensjahr auf dem Wunschzettel hat. „Ich kennen ihn seitdem, werde aber jetzt nichts weiter zu ihm sagen, weil er nicht hier ist. Es macht auch keinen Sinn, jetzt über Namen zu spekulieren.“

Und obwohl ich das in den letzten Jahren immer genau so gesehen hätte – diesmal ist es anders. Denn ich glaube sehr wohl, dass es ein sehr gutes Zeichen sein könnte. Zuletzt war immer nur zu hören, dass der HSV finanziell nichts machen könne. Das ist vielleicht realistisch – aber die trüben Aussichten schrecken auch gute Spieler ab, die ambitioniert sind. Allein die Tatsache, dass der HSV bei der Suche nach Neuen sehr wohl in die oberen Regale greifen will, dürfte ein gutes Signal sein für andere Spieler, die der HSV gern hätte.

Aber okay, Fakt ist, da beißt die Maus keinen Faden ab, es müssen Spieler verkauft werden. Das wissen alle, das kann keiner mehr leugnen. Und der erste Spieler dürfte schon sehr bald verkauft werden: Gojko Kacar. Zumindest gibt es nach dem Winter auch jetzt wieder ernsthaftes Interesse der Niedersachsen an dem Defensivallrounder. Insbesondere Hannovers Trainer Mirko Slomka scheint sehr angetan von Kacar. „Slomka will ihn scheinbar unbedingt“, sagt Arnesen, der in Sachen Ablösesumme keine Kompromisse eingehen will. Rund zwei Millionen Euro ruft der HSV für den 26 Jahre alten Serben auf, der Spieler selbst will rund 1,5 Millionen Euro verdienen. „Letztes Mal war es weniger der Spieler als sein Umfeld, woran es gescheitert ist“, erzählt Arnesen – und ich lasse das so stehen.

Nicht minder wahrscheinlich ist inzwischen der Abgang von Heung Min Son. Das sagt mir mein Bauchgefühl. Ob er geht? „Es gibt Interessenten“, sagt Arnesen und nennt die zwei Hauptverdächtigen: Tottenham Hotspur und Borussia Dortmund, wobei er bislang persönlich nur Kontakt zu Tottenhams Boss Daniel Levy hatte. „Es gibt noch keine offizielle Anfrage aus Dortmund“, so Arnesen, der allerdings von Sons Berater Thies Bliemeister über das Interesse des Champions-League-Finalisten informiert wurde. „Die beiden Klubs scheinen am hartnäckigsten zu sein“, so Arnesen, der damit zu rechnen scheint, Son zu verkaufen.

Es wäre aus meiner Sicht eh das Beste. Nicht, weil ich Son nicht schätze – im Gegenteil: der Südkoreaner hat riesiges Potenzial und kann dem HSV sicherlich weiterhelfen. So, wie er es in dieser Saison mit seinen elf Treffern bereits gemacht hat. Aber, und das ist für mich entscheidender, er stagniert in den Punkten, die ihm lange vorgeworfen werden: seinem Defensivverhalten. Da lässt er den Kopf inzwischen das eine oder andere Mal oben, okay. Aber Defensivzweikämpfe verliert er ebenso ohne Gegenwehr wie Offensivzweikämpfe, wenn sein Gegner an hm dran ist. Dann gibt’s ’nen kleinen Rempler und Son kommt aus dem Tritt. Aber vor allem geht es hierbei um Geld, und zwar um viel Geld. Rund zehn Millionen Euro stehen auf dem Plan und dürften am Ende zu rund 15 Millionen anwachsen, wenn sich Tottenham und der BVB tatsächlich weiter beide um Son bemühen. Und diese Millionen bracht der HSV, um nachzurüsten. Soll heißen: aus einem (Son) mach zwei, drei, vier Verstärkungen. Krkic inklusive, wobei ich ehrlicherweise an dessen Eignung zweifle. Wenn einer reichsten Klubs der Welt, der AC Mailand, nicht bereits ist, 13 Millionen zu zahlen, Barcelona seinen Angreifer trotz der jungen Jahre aber abgeben will und der sich im Profibereich nirgendwo richtig durchsetzen konnte, dann ist das ganz sicher kein Selbstgänger. Den wiederum sollte der HSV bei einer angedachten Investition um die zehn Millionen Euro holen. Flops in dem Ablösebereich kann sich der HSV – im Gegensatz zu Milan, Barca oder auch Bayern und Dortmund nicht erlauben. Da braucht der HSV die berühmten „besseren Augen“, die Fink bei der Auswahl Neuer angekündigt hatte. „Wir werden alles genau abstimmen und Risiken minimieren“, hatte Fink angekündigt – und Arnesen bestätigt: „Wir haben eine längere Liste interessanter Spieler, über die wir uns unterhalten werden. Dabei sind auch Namen, die man uns nicht sofort zutraut, wir greifen auch nach dem Unmöglichen. Das muss sein.“ Ansonsten hätte man nicht alles versucht…

Klingt gut,

Alles versucht hatten auch Dieter und ich, um Holger Hieronymus zu uns in die Matz-ab-Live-Sendung zu bekommen – und jetzt hat es geklappt. Morgen ist der ehemalige HSV-Abwehrchef, -Interimstrainer, -Sportchef und ehemalige DFL-Geschäftsführer im Block House Eidelstedt zu Gast. Und ich freue mich auf ein sehr interessantes, kurzweiliges Gespräch. Ebenso wie auf den ersten Sieg in Hoffenheim für den HSV.

In diesem Sinne, Daumen drücken, Augen zu – und durch. Wenn es am Ende die Europa League wird – umso schöner.

Bis morgen.

Scholle

Fink sagte heute, er würde auch noch überlegen, ob er zentral mit Aogo oder Rincon beginnt. Ich lege mich einfach mal fest, so könnte der HSV spielen: Adler – Diekmeier, Westermann, Rajkovic, Jansen – Rincon, Badelj – Son, van der Vaart, Jiracek – Rudnevs.

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