Archiv für das Tag 'Rincon'

Vorstand und Fans – ein Fall für die Couch

7. Mai 2014

So schwer es uns das Arbeiten auch machen mag – ich begrüße es. „Wir wollen die Spieler etwas rausnehmen“, sagte uns Mediendirektor Jörn Wolf heute. Soll heißen: Kein Interview heute, wohl auch nicht morgen, und ebenso wenig übermorgen. Alle sollen sich ausschließlich auf das Spiel am Sonnabend in Mainz konzentrieren. Und das ist in meinen Augen bitter nötig, um den schlimmsten Unfall der Vereinsgeschichte vom Totalschaden in einen Fall für die Werkstatt zu machen.

Ein Fall für den Psychiater ist jetzt schon das Verhältnis der „Chosen few“ zum HSV. Die Vorkommnisse rund um das Spiel gegen die Bayern scheinen einen immer tiefer werdenden Graben zwischen eben jene Fangruppierung und den HSV-Vorstand zu ziehen, der sich harte Vorwürfe in einem offenen Brief (http://cfhh.net/?p=4508) der „CFHH“ erwehren muss. Darin wird der Polizeieinsatz zum einen inhaltlich als unrecht dargestellt, zum anderen wird dem Vorstand vorgeworfen, den Polizeieinsatz nicht nur gebilligt, sondern ihm sogar im Vorfeld zugestimmt zu haben. Und egal wie das Ganze ausgeht, es wird zwei Verlierer haben – vor allem den HSV. Und das in einer Situation, in der die Mannschaft mehr Unterstützung denn je braucht. Nun denn, heute habe ich gehört, dass in Mainz mit neuen Pyrostrafen als Demonstration gegen den vergangenen Sonnabend gerechnet werden muss. Und das wäre ebenso albern, wie es traurig ist zu sehen, dass sich Verein und Teile der Fans gerade jetzt anfeinden. Und das alles wegen zweier alberner Plakate, die so unnütz sind wie der drohende Abstieg…

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Schön zu hören ist dagegen, dass Tolgay Arslan im Oktober Vater eines Jungen werden wird – und, dass Tomas Rincon in der Nacht zum Dienstag Vater geworden ist. Dass er dennoch beim Training um zehn Uhr aufdribbelte – nur logisch bei der Einstellung des Venezolaners. „Ich bin mächtig stolz, Vater zu sein“, so Rincon, „aber ich habe hier eine Aufgabe, die keine Pause erlaubt.“ Klingt gut!

Allerdings glaube ich, dass Rincon am Sonnabend in Mainz durchaus einer der ersten Kandidaten ist, aus dem Team zu rotieren, sofern Pierre-Michel Lasogga auflaufen kann. Dann dürfte Rafael van der Vaart hinter dem Toptorjäger auflaufen, während sich Hakan Calhanoglu und Ivo Ilicevic die Außen und Milan Badelj zusammen mit Robert Tesche die Doppelsechs teilen. Wie heute im Training, wo Slomka Wert auf schnelles Umschaltspiel legte. Kontern war angesagt und es sah teilweise sogar richtig gut aus. Lasogga traf, Ilicevic traf, und auch Calhanoglu traf.

Und das alles unter den Augen von Sportchef Oliver Kreuzer, der derzeit wohl die meisten und die größten Probleme hat. Denn abgesehen von seiner noch immer nicht geklärten Zukunft im Falle einer Wahl von HSVPlus, ist der Sportchef zum Nichtstun verdammt. Ok, nicht wenige werden das jetzt als gute Nachricht verhöhnen. Aber einmal länger darüber nachgedacht, muss man sich große Sorgen machen. „Es sind nicht nur wirtschaftliche, sondern auch sportliche Gründe, die uns in eine Art Schwebzustand versetzt haben. Wir können keine Verträge verlängern, für die neue Saison keine neuen Spieler verpflichten – und wir verkaufen niemanden.“ Zumindest noch nicht.

Denn klar ist, dass der HSV auch für die neue Saison wieder sparen muss. 42 Millionen Euro kostet die Mannschaft an Gehältern, 37 Millionen darf sie laut Budgetplan 2014/2015 kosten. Sollte es sogar …. Nein, dass eine Zweitligamannschaft sogar nur 25 Millionen Euro kosten dürfte, erwähne ich nicht, weil es nicht tatsächlich wird. Aber klar ist, dass wir auch für die neue Saison bislang – egal in welcher Liga – maximal eine Kompromisself erwarten müssen. Denn die guten Spieler unterschrieben jetzt schon ihre Verträge, etliche Kandidaten des HSV haben bereits abgesagt, weil sie nicht länger warten konnten. Was dem HSV bleiben wird sind die Spieler, die entweder nicht sonderlich begehrt sind – oder zu teuer. „Der Markt im Juni ist sicherlich nicht die optimale Grundlage. Aber das haben wir uns sportlich selbst verdorben“, sagt Kreuzer, der weiter fest davon ausgeht, dass der HSV bis zum 22. Mai alle Auflagen der DFL zur Lizenzierung erfüllt haben wird.

Anders als zuletzt behauptet, muss der HSV für die Lizenzierung keinen Transferüberschuss von zehn Millionen für die Erste (und 20 für die Zweite) Liga nachweisen. Vielmehr sind diese Zahlen interne Vorgaben, die sich der HSV selbst auferlegt hat. Soll heißen: Um neue Spieler zu holen, müssen erst mehr als zehn Millionen Euro eingenommen werden. Eine Crux, will man im neuen Jahr nicht gleich wieder von Beginn an Angst um die Klasse haben müssen.

Zumal allem möglichen Misserfolg schon jetzt Alibis mit auf den Weg gegeben werden. Oder will man ernsthaft den – falls HSVPlus dann durchkommt – neuen HSV-Vorstand an der nächsten Mannschaft messen, wenn bis jetzt nicht nur für Liga eins und zwei parallel sondern zudem auch für einen HSV mit und einen HSV ohne Kühne-Millionen geplant werden muss. Nein, es sind bislang schlichtweg unüberwindbar viele Konjunktive im Spiel. Und ich sehe zwar den Ansatz, vieles neu zu gestalten als alternativlos an. Aber auf dem Weg dahin hat der HSV schon viel Zeit verloren…

Was ich mich frage: Hat HSVPlus schon zwei Pläne? Einen für Liga eins und einen für Liga zwei? Wer plant dann den HSV-Kader der kommenden Saison? Will Herr Kühne wirklich nichts machen, wenn HSVPlus nicht durchkommt? Aber vor allem: Was sollen die avisierten 25 Millionen Euro bewirken? Zumal ich mir nur schwer vorstellen kann, dass der 76-Jährige HSV-Mäzen einen langzeitlichen Aufbau plant. Ich glaube, dass Herr Kühne schnellere Erfolge haben und selbige konservieren will. Und dafür muss deutlich mehr neu angepackt werden, als mit 25 Millionen Euro möglich ist. Denn die reichen gerade mal für die Lizenz, Campus-Rückzahlungen und mögliche Abfindungen für Vorstände mit weiterlaufenden Verträgen…

Aber auch ich weiche ab. Daher beende ich den Blog lieber. Ach ja, und Morgen wird um 15 Uhr an der Arena trainiert. Dann wird es wieder sportlich. Hoffe ich.

In diesem Sinne, bis morgen!

Scholle

1:4 – aber die Relegation ist drin!

3. Mai 2014

Der HSV verliert 1:4 gegen den FC Bayern – aber die Konkurrenz spielt wieder für den HSV! Unfassbar. Die Hoffnung stirbt zuletzt, der HSV kann die Relegation schaffen. Was für ein Jubel, als in der Arena die Ergebnisse des 33. Spieltages vorgelesen wurden. Hannovers Ersatz-Mannschaft gewinnt 2:0 beim 1: FC Nürnberg, und der FC Augsburg schafft dank Bobadilla in der 94. Minute den 1:0-Sieg in Braunschweig. Das kann ja alles nicht wahr sein, das ist ja wie ein Märchen! Es bleibt somit alles beim Alten auf den letzten drei Plätzen – unglaublich, unfassbar, sensationell – herrlich!!! Der HSV darf noch von der Ersten Liga träumen, es riecht nach Relegation. So gab es nach einer 1:4-Niederlage gegen den FC Bayern doch noch viele zufriedene Gesichter, die sich auf den Heimweg machten. Es ist noch nicht alles verloren – obwohl man mit nur 27 Punkten eigentlich nicht in der Ersten Bundesliga überlegen kann. Aber wenn es ein Wunder gibt, dann muss es ein Wunder für Hamburg und den HSV sein!
Nur, aber auch wirklich nur der HSV!


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Die Stimmung vor dem Anpfiff war schon super. Nein, großartig, sensationell. „Schreien bis der Kehlkopf kreist“, hatte Lotto King Karl im Abendblatt gefordert, und die Fans hielten sich dran. Vielleicht auch deshalb, weil sie von den Bayern gefordert wurden. Im Münchner Block wurde ein Plakat in HSV-blau präsentiert – in Anlehnung an die HSV-Uhr im Nord-Westen: „Noch in der ersten Bundesliga: 7 Tage, 1 Stunde.“ Der HSV-Konter ließ nicht lange auf sich warten – ein weißes Plakat: „In HH ticken die Uhren eh anders.“ Mag sein. In der Anfangsphase überraschte der HSV mit einer äußerst engagierten Leistung. Warum, diese Frage stellte ich mir schon, warum nicht immer so? Warum gegen die Bayern? Warum erst am vorletzten Spieltag?

Der HSV, der kurzfristig auf Marcell Jansen hatte verzichten müssen (die alte Knöchel-Geschichte hatte sich entzündet), rannte wie um sein Leben. Da war Leben zu sehen, da war Biss zu erkennen, da war auch endlich einmal so etwas wie Teamgeist zu sehen. Da lief einer für den anderen. Und ein gutes Zeichen war schon nach wenigen Minuten, dass sich Hakan Calhanoglu und Milan Badelj nach einer kleinen Unstimmigkeit angifteten. So kommt dann doch noch mehr Leben in die Bude . . . Und dazu setzte Rafael van der Vaart noch ein Zeichen: Der HSV-Kapitän trat Nationalspieler Kroos von hinten auf die Socken – Freistoß, aber kein Gelb. Und ein Achtungszeichen, dass der HSV nichts zu verschenken hat.

So oft hatte der HSV in jüngster Zeit ein frühes Gegentor gefangen, diesmal hieß es nach zehn Minuten noch 0:0. Und nach 13 Minuten hatte der HSV sogar die Chance zur Führung: Ivo Ilicevic nahm sich im Bayern-Strafraum rund eine „Viertelstunde“ Zeit, den Ball mit links auf das Gehäuse von Nationalkeeper Neuer zu dreschen – und dann ein so kümmerlicher Schuss. Wahnsinn! Mit links trümmerte die HSV-Spitze den Ball in Richtung Güterbahnhof Wandsbek. Da kann man auf der Tribüne nur zusammenbrechen. Eine runde „Viertelstunde“ Zeit, und dann ein solcher Abschluss, unbegreiflich. Aber wahr.

Auch nach 20 Minuten noch 0:0 – und Bayern schwach. Wenn ich so an das Pokal-Finale in 14 Tagen denke – oh, oh, das kann ein Dortmunder Feiertag werden . . . Und auch nach 30 Minuten hieß es 0:0. Aber nach 31 Minuten und 55 Sekunden nicht mehr. Doppelpass Robben und Götze, und der frühere Dortmunder schoss unter Rene Adler den Ball zum 0:1 in das Tornetz der Hamburger. Bitter. Ein Doppelpass am Fünfmeterraum des HSV, und das alles ungehindert, obwohl der Strafraum an sich voller Spieler war. Ja, so kann es gehen. Fast sogar noch das 2:0, als ein Kopfball von Schweinsteiger knapp am langen Eck des HSV-Tores vorbeisegelte (40.). Auf der Gegenseite die beste HSV-Tormöglichkeit: Robert Tesche spielte Rafael van der Vaart an, der schoss aus zwölf Metern aus der Drehung – aber auf Neuer. Der Torwart boxte den Ball über die Torlatte zur Ecke (42.). Und dann noch einmal Ilicevic. Diesmal versuchte er sich mit einem 15-Meter-Schlenzer aus halblinker Position, aber der Ball verfehlte deutlich sein Ziel (43.). Halbzeit. Und in die wurde der HSV mit viel, viel Beifall verabschiedet.

Während der Pause dann Jagdszenen im Volkspark. Polizei zog vor der Nordtribüne und im Nord-Westen auf. Angeblich sollen provokante Plakate die Ursache dafür gewesen sein. Es flogen Stöcke und Getränke auf die Uniformierten, zudem hatten sich die wie wild protestierenden HSV-Fans schnell ihre Fanschals ins Gesicht gezogen. Sicher ist sicher. Zum Glück beruhigte sich die bedrohliche Lage noch rechtzeitig – bis zum Wiederanpfiff jedenfalls. Was nach dem Schlusspfiff dann noch abgehen würde . . . Mal abwarten.

In der Halbzeitpause waren sich die Experten einig: Der HSV hatte ein Klasse-Spiel hingelegt, aber das Tempo war wohl zu hoch, um es bis zur 90. Minute zu halten. Der HSV wird wohl kräftemäßig noch einbrechen. Auch mal abwarten.

Aber das 0:2 fiel relativ früh. Eckstoß von Bayern, Robben von rechts. Der Niederländer entdeckt den völlig freistehenden Götze 13 Meter vor dem HSV-Tor. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Eckstoß für Bayern, und ein Münchner steht im völlig übervölkerten HSV-Strafraum mutterseelenallein. Allein. Das kann doch nicht wahr sein! Wer hat da alles gepennt? Unfassbar, welche amateurhafte Fehler sich der HSV immer und immer wieder erlaubt. Da kann man nicht gegenanspielen. Nein, das geht nicht. Und Götze schießt. Keineswegs hart, aber an allen hinter ihm noch stehenden Hamburger, und das waren immerhin acht (!), in Worten ACHT, vorbei ins Tor. Beschämend. Und das spielte sich in der 55. Minute ab. Die Vorentscheidung. Natürlich. Denn der HSV spielte ja ohne Stürmer. Wer soll da ein Tor schießen? Bei Bayern saßen noch Pizarro und Mandzukic draußen. Ein Königreich für einen Stürmer . . .

Bewundernswert allerdings, wie sehr sich der HSV weiterhin wehrte, wie sehr auch die HSV-Fans mitgingen. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Im (erweiterten) Bayern-Block im Süden hallte es: „Zweite Liga, Hamburg ist dabei.“ Pfiffe der HSV-Fans und dazu der Hinweis vom Stadionsprecher: „Liebe Münchner Gäste, haben Sie bitte dafür Verständnis, dass Sie nach Spielschluss noch etwas länger in Ihrem Block bleiben müssen, wir bitten um Verständnis.“ Das bejubelten wiederum die Hamburger. Und dieser Jubel steigerte sich noch in der 72. Minute, denn da traf Hakan Calhanoglu, wer sonst, aus 20 Metern flach ins rechte Eck zum 1:3. Hoffnung? Nein. Der vor Sekunden eingewechselte Pizarro, der HSV-„Killer“ schlechthin, kreuzte allein vor Adler auf, schoss den HSV-Keeper an – Gefahr gebannt? Mitnichten. Der Ball stieg hoch in die Luft, Adler hätte hochsteigen müssen und fausten – aber er machte nichts. Pizarro machte etwas, nämlich einen wunderbaren Fallrückzieher – 1:4 (75.). So spielt man mit Studenten . . .

Es folgte ein Spiel auf ein Tor, auf das Hamburger. Mit teilweise sehenswerten Spielzügen und Hacke, Spitze, eins, zwei, drei.

Ein Höhepunkt sollte aber noch folgen: Kerem Demirbay ging im Bayern-Strafraum zu Boden, es folgte ein Gerangel mit Boateng. Beide Streithähne standen Kopf an Kopf, Stirn an Stirn, zum Schluss gab es eine Ohrfeige des Ex-Hamburgers an den HSV-Spieler. Rote Karte für Boateng, Gelb für Demirbay (86.). Ein unrühmliches Ende.

Die Einzelkritik:

Rene Adler naja, das Gelbe vom Ei war es wieder einmal nicht. Irgendwie ist er von der Rolle, was sich besonders beim 1:4 von Pizarro zeigte – da muss er einfach nur mit hochgehen.

Dennis Diekmeier war der einzige, der im Tempo mit den Bayern mithalten konnte. Ansonsten aber fiel er nicht groß auf, wurde verletzt ausgewechselt

Michael Mancienne war am 0:1 nicht unschuldig, ansonsten aber noch der beste Hamburger – wenn man von einem „besten Mann“ überhaupt sprechen kann.

Heiko Westermann zeigte sich willig und engagiert – wie immer. Ging verletzt raus und erhielt viel Beifall – auch aus dem Norden.

Petr Jiracek ist nun einmal kein Linksverteidiger. Er wollte, aber er konnte nicht so recht.

Milan Badelj war schwach.

Tomas Rincon ist noch immer weit von einer Erstliga-Form entfernt.

Robert Tesche spielte mit, mehr nicht. Aber er spielte immerhin so mit, wie es andere zuvor in den Spielen nicht taten.

Rafael van der Vaart gab alles, hängte sich voll rein, grätschte, lief und lief, und fightete – bis er nicht mehr konnte. Aber er wollte seinen markigen Worten eben eine gute Einstellung folgen lassen, das ist gelungen – auch wenn es bei seiner Auswechslung vereinzelt Pfiffe gab.

Hakan Calhanoglu und sonst keiner. Er schießt, und er trifft, das kann keiner wie er. Leider, leider. Ihn werden wir wohl in der nächsten Saison nicht mehr im Volkspark aufdribbeln sehen, einen solchen Mann kann sich der HSV nicht mehr erlauben. Weil es auch fiel Geld für ihn geben wird.

Ivo Ilicevic istb kein Stürmer, kann auch nicht mehr schießen – er hat es einst gekonnt, aber in Hamburg alles verlernt. Grausam. Auch wenn er wollte und kämpfte und Leben zeigte. An Ende steht unter dem Strich eine glatte Null.

Ola John (ab 59. Min. für Diekmeier) sollte sich zeigen – mehr tat er auch nicht. Unterstrich einmal mehr, wie bitter und total überflüssig die beiden Winter-Transfers des HSV waren.

Kerem Demirbay (ab 67. Min. für van der Vaart) holte nur noch eine Rote Karte für Boateng heraus – mehr war da nicht.

Jonathan Tah (ab 76. Min. für Westermann) kam erstmalig seit Wochen wieder zum Zuge – für einige Minuten.

Um schnell noch auf den Vormittag zu kommen: In der Uni wurde der Delegierte der Supporters für den Aufsichtsrat gewählt. Es waren 172 Mitglieder gekommen, für den „Matz-abber“ Sven Kröger gab es 49 Stimmen, für Sven Winkelmann gab es 123 Stimmen. Und Ende. Obwohl Sven Kröger – frei nach Uli Hoeneß – sagte: „Der Weg ist hier noch nicht zu Ende.“

So, dann möchte ich noch auf unsere Sendung „Matz ab live“ hinweisen, die gleich beginnen wird. Unsere heutigen Gäste sind zwei Journalisten, die sich schon oft an Diskussionen beim Doppelpass und auf Sky beteiligt haben, es sind, von der Frankfurter Rundschau, Jan-Christian Müller, und dazu der freie Journalist Oliver Wurm. Wäre toll, wenn Ihr zusehen könntet, „Scholle“ und ich würden uns freuen.

17.35 Uhr

Keine Gnade – Bayern kommt mit der besten Elf

2. Mai 2014

Der größere Wille schlägt am Ende fast immer das Talent – zumal, wenn das Talent zu wenig Willen hat. So gesagt von Franz Beckenbauer, der einzig gültigen Instanz im deutschen Profifußball – neben dem lieben (Fußball-)Gott. Was aber passiert, wenn eine Mannschaft zu wenig Talent und zu wenig Willen hat? Antwort: Sie steigt ab. Und deshalb wundert es eigentlich auch niemanden mehr, dass der HSV da unten steht. Zumindest unter den Experten und hier im Blog nicht mehr. Und es liegt eine Trainingswoche hinter uns, die von der Intensität her nichts darauf schließen lässt, dass sich auch nur das Geringste bessern wird…
Die Sendung beginnt um 18:00 Uhr.

Dennoch, es ist noch nichts verloren. Nicht einmal die (nur noch theoretische) Chance auf den direkten Klassenerhalt. Aber dafür benötigt der HSV ein Wunder, wie Trainer Mirko Slomka einen Sieg gegen dien schier übermächtigen Bayern bezeichnete. Allerdings ist dieses Wunder längst nicht so ein Wunder wie viele denken. Denn Augsburg konnte diese Bayern nach einer Rotationswelle schlagen, Dortmund ebenso. Und sogar die talenttechnisch meiner Meinung nach limitiertesten Bundesligakicker von Eintracht Braunschweig konnten zumindest 75 Minuten ein 0:0 halten – warum also sollte das für den HSV nicht möglich sein, über 90 Minuten natürlich… „Ist es doch“, sagt Rafael van der Vaart, der sich nach überstandener Verletzung zurückmeldete und gegen Bayern in der Startelf stehen soll. „Wir müssen aber kämpfen, als ginge es um unser Leben.“

Für Abendblatt-Blogs


Und die Einstimmung darauf sieht gar nicht danach aus. Nach weniger 45 Minuten war heute das Training vorbei. Eine kurze Warmmachphase, eine Passübung und ein Abschlussspiel sollen die Spieler in letzter Instanz auf den Kick gegen den Rekordmeister vorbereiten. Nicht mit dabei war Dennis Diekmeier, der am Donnerstag leichte Probleme hatte und dafür heute pausierte. Der Rechtsverteidiger absolvierte ein Laufprogramm und soll am Sonnabend fit sein. Verpasst hat er eh nichts.

„Für den HSV geht es um alles oder nichts“, hat Bayern-Trainer Pep Guardiola heute gesagt und dem HSV im selben Atemzug sämtliche Hoffnungen genommen, morgen mit einer vergleichbaren Mannschaft anzutreten wie gegen Augsburg. Guardiola nimmt alle Topstars mit nach Hamburg, ließ nur die Verletzten Badstuber und Thiago zu Hause. Offen erscheint eigentlich nur, ob Pizarro, der gegen Bremen vor einer Woche ein überragendes Spiel machte, von Beginn an aufläuft. „Wir wollen die letzten beiden Spiele nutzen, um wieder in den Rhythmus für das Pokalfinale zu kommen“, so Guardiola. Rücksicht auf den HSV ist dabei ausgeschlossen.

Leider. Denn der HSV hat es nach meiner Meinung trotz des faktischen Gegenteils nicht mehr selbst in der Hand, für sein Glück zu sorgen. Diese Mannschaft ist nicht in der Lage, sich selbst aus dem Schlamassel zu befreien. Dafür muss morgen auf schwächelnde Bayern und zeitgleich auf schwache Braunschweiger und Nürnberger gehofft werden. Aber auch das ist alles nicht ausgeschlossen, da alle drei so ihre Probleme haben. In Nürnberg beispielsweise hadern einige Spieler mit dem jüngst vorgenommenen Trainerwechsel. Daher: Ich glaube weiter an unsere Restchance. Und ich bete, dass Sergej Barbarez mit seiner Aussage Recht behält: „Der HSV steigt nicht ab. Ich kann zwar nicht begründen, warum sie es schaffen, aber sie schaffen es irgendwie.“

Hoffentlich.

Was noch offen ist, ist die Startelf. Im Abschlusstraining war nicht viel zu erkennen. Daher kann ich mir gut vorstellen, dass entweder Ilicevic in die Spitze rückt, oder Slomka doch eher auf Kopfballstärke im Zentrum setzt und dort überraschend Robert Tesche aufbietet. Daher auch folgende drei in meinen Augen denkbare Varianten als mögliche Startaufstellungen (in absteigender Wahrscheinlichkeit):

1. Adler – Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen – Badelj, Tesche – Rincon, van der Vaart, Calhanoglu – Ilicevic
2. Adler – Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen – Badelj, Rincon – Ilicevic, van der Vaart, Calhanoglu – Tesche.
3. Adler – Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen – Badelj, Rincon – Calhanoglu, van der Vaart, Jiracek – Ilicevic.

Oder spielt (sehr, sehr, sehr, sehr extrem) überraschend (und unverdient) Ola John auf rechts von Beginn an? Nominell wäre er für die rechte Außenbahn ein Eins-zu-Eins-Ersatz. Dass der Niederländer schlichtweg noch immer keinen Bezug zur Mannschaft, zum Verein und vor allem nicht zur Lage des Klubs gefunden hat – vielleicht es egal. Vielleicht könnte ein Kick gegen den noch amtierenden Champions-League-Sieger ja mal Anreiz genug sein, trotzdem Vollgas zu geben. Und wenn’s auch nur diese 90 Minuten sind. Wobei, wenn ich schon bei Außenseiterchancen bin, dann muss hier auch Kerem Demirbay erwähnt werden, der es im Vergleich zum eben Genannten vom Engagement im Training ehr absolut verdient hätte. Denn der Linksfuß ist einer der wenigen, der noch heiß ist wie am ersten Spieltag. Zumal er ewig verletzt war, sagt er: „Ich will alles geben, um dieser Mannschaft zu helfen. Ich habe so lange zuschauen müssen, jetzt kann ich’s kaum erwarten. Aber letztlich geht es hier jetzt ganz sicher nicht um mich – es geht um das große Ganze.“ Stimmt.

Und damit ist wirklich alles gesagt. Jetzt heißt es: Hoffen, hoffen und noch mal hoffen. Auf einen Punkt – oder gar auf eine Sensation. Drücken wir alle zusammen alle vorhandenen Daumen, dass die Mannschaft noch einmal über sich hinauswächst.

Scholle

1:3 – wer glaubt noch an ein Wunder?

27. April 2014

„Der HSV wird absteigen.“

So oder so ähnlich hat es der große Franz Beckenbauer vor Saisonbeginn gesagt. Kaiser Franz als Prophet. Und (fast) alle haben ihn damals belächelt. An diesem Wochenende hat Beckenbauer dann bei „Sky“ folgendes gesagt, als er gefragt wurde, was ihn im Moment in der Liga beschäftigt: „Die Ergebnisse von Bayern und dann kommt gleich der HSV. Ich habe zwei wunderschöne Jahre erlebt, auch wenn teilweise schwierig war, weil ich verletzt war. Wenn du die Tabelle siehst, dann stimmt irgendwas nicht. Den HSV da unten zu sehen, das gibt es nicht. Der HSV gehört da oben hin. Ich glaube die Qualität ist groß genug um da unten herauszukommen. Spielerisch ist es gut, aber läuferisch nicht. Sie müssen dagegenhalten, sie müssen in die Zweikämpfe gehen. Es heißt nicht umsonst Abstiegskampf. In Augsburg muss ich alles mobilisieren. Da muss man laufen bis die Socken qualmen.“

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Habt Ihr qualmende Socken gesehen?

Ich auch nicht. Aber der Reihe nach: Der HSV hat sein vorletztes Auswärtsspiel verloren, diesmal gab es eine 1:3-Niederlage in Augsburg. Immerhin, das ist ein Trost, ein Auswärtstor. Und tröstend ist eigentlich ja auch, dass sowohl Braunschweig als auch Nürnberg ebenso verloren haben – immer schön mit verlieren. Bis zum nächsten Wochenende? Da wird der HSV auch im Volkspark gegen die aus der Champions League ausgeschiedenen Bayern nichts gewinnen – wie denn auch? Und Nürnberg könnte gegen Hannover gewinnen, Braunschweig gegen diese Augsburger, die ja wahrlich nicht gut gegen diesen HSV waren. Eher waren die Augsburger sogar schlecht, aber gegen diesen HSV lang es immer noch, selbst mit nur 30 Prozent. Es ist ein Wahnsinn, es bringt mich um, ich werde verrückt – diese grottenschlechte Mannschaft bringt mich um mindestens zwei Jahre meines Lebens. Was wurden vorher nicht alles versprochen, angesprochen, gelabert. Es sollte gekämpft werden wie nie, weil es doch ums Überleben des Clubs geht. Und dann das.

Wer glaubt jetzt noch an ein Wunder?

Im Gegensatz zu manchen Herrn, der beim HSV das Sagen hat, sind unter den Fans nur noch wenige Tagträumer. So schlecht war der HSV noch nie, und genau so wird er auch untergehen. Aufbäumen? Sie möchten vielleicht, aber sie können es nicht. Das ist das Grausame an dieser verfahrenen Kiste. Sie sind schon schlecht, wie sie stehen, eher noch ein wenig schlechter, denn die beiden Clubs, die noch schlechter stehen, die kämpfen wenigstens bis zum Abwinken. Aber hier?
Ein hoffnungsloser Fall.

Auf dem Weg ins „Champs“ erhielt ich noch einige Anrufe, einer war mein Freund Peter aus Mülheim an der Ruhr. Er sagte: „Mach dir keine Sorgen, nach fünf Minuten führt Augsburg 1:0, und am Ende steht es dann 3:0. Dieser HSV ist einfach zu schlaff.“ Recht hatte er nicht. Das 1:0 für Augsburg fiel nach sechs Minuten und zwei Sekunden. Also deutlich später als angesagt. Aber es war wieder ein typisches HSV-Tor. Die Mitte total offen, Flanke von der rechten Außenbahn der Augsburger, Altintop darf unbedrängt aus 14 Metern einschießen. Wo waren die Sechser? Keiner zu sehen. Weder Milan Badelj, noch Tolgay Arsan, noch Tomas Rincon waren zu sehen. Nein, meine Herren, das ist Schüler-Fußball in Vollendung. Und es ist unfassbar! Hinzu kommt, wo war Marcell Jansen? Hinten links nicht. Und da hätte er eigentlich sein müssen.

Jansen war auch beim 2:0 nicht dort, wo er eigentlich sein sollte. Hinten links nämlich. Und deswegen flog die Flanke auch mustergültig zur Mitte, dort erscheint – ja, wer erscheint wieder? Der alte Mann Altintop. Und wer erscheint wieder nicht? Badelj, Rincon, Arslan. Nur Dennis Diekmeier versucht zu retten, was nicht mehr zu retten ist – der Ball rauscht aus acht Metern ins Netz (32.). Am Rande schüttelt Mirko Slomka fassungslos den Kopf, und auf dem Rasen machen sich Diekmeier und Badelj an. Recht hat Diekmeier, denn wo war Badelj? Das ist ein so anfängerhafter Fußball, dass es schon weh tut. Der HSV müsste sich jetzt eigentlich von Punkt zu Punkt hangeln, aber sie spielen frisch, fromm, fröhlich, frei mit allen Gegnern dieser Welt mit. Und ich könnte wetten, dass sie es auch im Falle einer Relegation mit dem SC Paderborn machen würden. Immer nach vorne, weil dort ja sowieso nichts klappt, und dann in Schönheit sterben. Dass hinten die Null mal stehen müsste, könnte, dürfte oder wollte – so etwas hat sich bis Hamburg noch nicht herumgesprochen. Hier ist jedes Spiel ein Tag der offenen Tür. Immer hinein, meine Herren, was heißt hier Abstieg?

Dass der HSV zwischen dem 1:0 und dem 2:0 ganz ordentlich mitgespielt hat, das will ich gar nicht verschweigen. Und wenn ein Tor mal ein wenig in der Luft lag, dann war Hakan Calhanoglu mit dabei. Leider ist er, ein „Hacki“ zu wenig. Badelj stand einmal – in ungünstiger Lage – frei vor FCA-Keeper Hitz, doch der hielt (31.).

Im Gegensatz zu Rene Adler. Der faustete sich ein 20-Meter-Ding von Hahn, dem Ex-HSV-Spieler (aus der Zweiten), ins eigene Tor. Kann mal passieren, klar. Ihm aber passiert das zu oft. Auch klar. Und wenn man drei Minuten vor dem Pausenpfiff das 0:3 kassiert, dann muss nicht mehr groß gefragt werden, wer als Sieger den Rasen verlässt. Auch wenn der HSV in der 44. Minute zum 1:3 traf. Freistoß von links von Calhanoglu, den „schultert“ Heiko Westermann ins lange Eck – ein Hoffnungsschimmer? Wer dann doch noch hofft, der muss sich selbst die Antwort geben: Wer soll denn da vorne mal aus Versehen ein Tor schießen?
Eben!

In Halbzeit zwei hatte Westermann noch einmal das 2:3 auf dem Kopf, als Calhanoglu flankte. Ansonsten gefielen sich beide Mannschaften in einem fast unglaublichen Gestümpere. Das war schon mal Sommer-Fußball in Vollendung. Mir tun nur die HSV-Fans leid, die den weiten Weg in den Süden antraten, um einen guten HSV zu sehen, um endlich einmal wieder einen Grund zum Jubeln zu haben, oder nur, um ein Fünkchen Hoffnung zu erkennen – denkste! Es ist eine Schande.

Wahnsinn.

Die Einzelkritik:

Rene Adler Note fünf, denn er hielt ja einige Bälle – aber er war eben auch nur mal ein guter Torwart, er ist heute meilenweit von „brasilianischer“ Bestform entfernt. Mallorca, Südafrika oder Kuba dürfte sein realistisches Sommer-Ziel sein, schönen Urlaub.

Dennis Diekmeier war als einer der wenigen von Beginn an engagiert, er biss, mehr, viel mehr als sonst, aber die anderen machen fast alle nicht mit.

Michael Mancienne war ebenfalls griffig, er wollte, er gab alles – aber es langt eben nicht.

Heiko Westermann hatte Chancen, war vorne und hinten – und die Note dafür dürfen diejenigen geben, die ihn in dieser Mannschaft nicht mehr sehen wollen. Ich werde gleich darüber reden – bei „Matz ab live“.

Marcell Jansen will sich für die WM empfehlen, er will sich körperlich in Form bringen – dass ihm der HSV dabei behilflich ist, das finde ich toll, eine große Geste. Ob es hilfreich war? Die Frage darf auch jeder für sich beantworten, ich halte es nicht für sonderlich hilfreich, aber ich bin ja auch total unmaßgeblich. Durfte aber immerhin bis zur 68. Minute mittun.

Milan Badelj holte sich Note sechs ab, er gehörte spätestens nach 30 Minuten unter die Dusche, aber das wurde auf der Bank leider nicht so gesehen. Ist aber auch unwichtig.

Tolgay Arslan läuft seiner Bestform weiter hinterher, aber auch das erkennt auf der Bank offenbar auch keiner mehr. Unwichtig. Note sechs. Holte sich die zehnte Gelbe ab – gesperrt gegen die Bayern.

Tomas Rincon ist ebenfalls weiter von jeder Form entfernt – Note sechs. Aber wenn soll Slomka denn sonst aufstellen?

Ivo Ilicevic benötigte fast eine halbe Stunde, um ins Spiel zu kommen, dann war er halbwegs dabei. Bewegen aber kann er ja auch nichts, wieso auch?

Hakan Calhanoglu tut mir leid, denn er könnte – bei entsprechender Unterstützung – etwas bewirken, aber allein gegen einen Gegner? Das kann nicht klappen.

Mattia Maggio war nie zu sehen, aber das liegt nicht an ihm, deswegen keinerlei Vorwurf an den jungen Mann. Er kann es nicht anders. Dass er trotz allem reingeschmissen wird, das müssen andere verantworten. Wäre vielleicht mal ein ganz kurzes Nachdenken angebracht . . .

Jacques Zoua (ab 61. Min. für Maggio) durfte sich auch noch einmal vorstellen – bei ihm gebe ich aber jede Hoffnung auf. Jede.

Petr Jiracek (ab 68. Min. für Jansen) schmorte lange auf der Bank, weil man ihm offenbar nichts mehr zutraut. Die Jungs da draußen werden schon wissen, was sie tun . . .

Kerem Demirbay (ab 75. Min. für Badelj) kann Fußball, aber sie trauen es ihm noch nicht wieder zu – die Verletzung war zu schwer und zu lang. Ich hätte, das schrieb ich schon, trotz allem vorne reingestellt, denn schlimmer kann es ja gar nicht sein – oder werden.

So, das war es schriftlich vom Spiel in und gegen Augsburg. Es bleibt mir jetzt nur noch, auf unsere gleich beginnende „Matz-ab-live“-Sendung hinzuweisen, wir wollen in wenigen Minuten aus dem Restaurant „Champs“ in Schnelsen (Burgwedel) loslegen – heute sind Kult-Sänger Lotto King Karl und der ehemalige HSV-Abwehrspieler Tobias Homp (50; 114 Erstliga-Spiele für den HSV und den FC Homburg) unsere Gäste. „Scholle“ und ich würden uns freuen, wenn Ihr wieder mit dabei sein könntet – per Bildschirm.

Nur der HSV!

17.29 Uhr

Die Konkurrenz spielt für den HSV

26. April 2014

„Entscheidend ist auf’m Platz.“

Hat einst schon Otto Rehhagel erkannt und mit dieser seiner Erkenntnis für Klarheit gesorgt. Alles Gesabbel vor dem Spiel und zwischen den Spielen – unwichtig. Und was hat es in dieser Woche nicht alles an verbalen Tiefschlägen und Entgleisungen und an unwichtigem Gelaber gegeben? Die Nerven liegen blank, ganz offensichtlich. Oder die Herren wollen vom Platz ablenken, wollen ihre Spieler aus der Schusslinie nehmen, damit sie sich wirklich nur auf Rasen, Ball und Kampf konzentrieren können. Aber kurios ist es manchmal schon, was vor einem Bundesliga-Spiel so alles gesagt wird, keine Frage. Allein die gegensätzlichen „Vergangenheitsbewältigungen“ der Herren Thorsten Fink und Oliver Kreuzer waren reif für das Ohnsorg-Theater. Dass den Sportchef jetzt mal die Wut packte und er auch große Form beim „Auspacken“ von bislang verborgenen Scharmützeln zeigte – das hatte schon was. Von Schmierenkomödie.
Matz_ab_ankuendigung_1730_Uhr

Aber gut, wer denkt da dann noch an den Sonntag in Augsburg, an jene 90 Minuten, die der HSV schon siegreich gestalten sollte, wenn weiterhin noch an ein kleines Wunder glauben möchte? Kreuzer gegen Fink – das ist zwar spannend, aber der Herr Kreuzer hat ja auch zu diesem drittletzten Erstliga-Spiel des HSV – in dieser Saison – etwas Sportliches gesagt: „Es geht ums Überleben.“ Jawoll. Darum geht es . Und diese Erkenntnis ist nicht mal ganz so neu, für mich ging es darum schon während der gesamten Spielzeit. Und ganz speziell in der Winterpause. Da hätte eigentlich schon jeder, der beim HSV arbeitet, und alle, die sich um den HSV Gedanken machen, jede Menge Sorgenfalten zulegen müssen.

„Wir befinden uns auf der Zielgeraden, es sind vielleicht noch 30 Meter zu absolvieren. Jetzt muss jedem Spieler bewusst sein, was es heißt, alles aus sich rauszuholen. Sie müssen mehr als 100 Prozent geben, es geht um das Große, Ganze, um das Überleben des Vereins. Totale Hingabe, unglaublicher Siegeswillen, bedingungsloser Einsatz – das ist es, was ich fordere.“ Sagte Oliver Kreuzer in dieser Woche.

Wozu es doch zwei Dinge anzumerken gibt: Erstens kommt dieser Appell mindestens acht Spiele zu spät, und zweitens haben Thorsten Fink und Bert van Marwijk bestimmt auch einige Mal im großen Fußball-Lehrbuch nachgeschlagen und solche Sätze unter dem Kapitel „markige Worte“ gefunden. Und ich gehe mal davon aus, dass sie diese „markigen Worte“ dann auch ihren Schützlingen vorgelesen haben . . . Dass diese „markigen Worte“ irgendwann einmal von Dauer auf fruchtbaren Boden gefallen wären, ist mir nicht bekannt. Aber vielleicht ist es ja noch nicht ganz zu spät. Vielleicht. Allein mir fehlt der Glaube. Und wo ich gerade beim großen Fußball-Lehrbuch bin: An einem eventuell nicht mehr ganz so fernen Tage werden wir ganz sicher auch jene Stimmen von den Verantwortlichen vorgetischt bekommen: „Wir sind nicht heute abgestiegen, sondern schon im Februar. Oder im März. Oder irgendwann zwischendurch. Nur nicht heute.“ Wobei es anzumerken gilt, dass solche aus purer Verzweiflung ausgegrabenen Sätze ja nicht unbedingt von den HSV-Chefs gesprochen werden müssen – zu solchen Erkenntnissen ringen sich immer wieder mal diese oder auch jene durch. Nicht nur in der Bundesliga. Aber eben dort auch.

Ich kann nur hoffen, dass sie beim HSV die ganz „markigen“ Sätze nicht zu spät wiederentdeckt haben . . .

So, nun zum aktuellen Geschehen.
Es ist angerichtet. In Berlin und in Mainz haben sie dem HSV den Ball auf die Fünfmeterraum-Linie gelegt, jetzt gilt es „nur noch“, die Kugel ins Netz zu befördern. Und zwar einmal mehr als es an diesem Sonntag die Augsburger können. Diese Spiele waren sooooooooo wichtig. Hertha BSC besiegt Braunschweig 2:0, Mainz 05 besiegt Nürnberg ebenfalls 2:0 – es bleibt „unten“ also alles so wie vor diesem 32. Spieltag. Das sorgt schon mal für ein gewisses Durchatmen. Und wenn sich nun noch die Hamburger Profis die „netten“ (oder markigen) Sätze von Oliver Kreuzer zu Herzen nehmen, dann müsste es doch morgen etwas geben. Zumal Gastgeber FCA ja zurzeit auch nicht unbedingt Bäume ausreißt. In den letzten sechs Spielen gab es für die Mannschaft von Trainer Weinzierl nur einen Sieg (und zwei Unentschieden) – den aber, immerhin, gegen den FC Bayern . . .

Der HSV hat an diesem Sonnabend schon am Vormittag trainiert. Öfter mal was Neues. Sonst wird ja das Abschlusstraining möglichst zur Anstoßzeit durchgeführt. Die Mannschaft sollte aber an diesem Nachmittag komplett vor dem Fernseher sitzen, um die Konkurrenz zu beobachten. Hoffentlich hat es die Spieler „scharf und bissig“ gemacht, nicht dass diese Resultate so gut waren, dass man sich schon wieder ein wenig zurücklegen kann. Hoffentlich. Zumal ja auch die unglaubliche Auswärtsmisere bekämpft werden muss. Nur zwei Siege in der Fremde, davon ein geschenkter „Dreier“ in Freiburg (als Torwart Baumann gleich dreimal patzte), das müsste eigentlich jedem Profi zu denken geben. Wie hatte Club-Chef Carl-Edgar Jarchow (mit in diesem Ausgburger Trainingslager) nach der Niederlage in Hannover noch im NDR gesagt:
„So ein Spiel kann nicht sein. Woher es kommt, dass man auswärts so antritt wie man angetreten ist, ist uns auch noch ein Rätsel. Wenn man gerade in der jetzigen Situation nicht begreift, dass man mit einer anderen Einstellung da reingehen muss, hat man seinen Beruf verfehlt.“

Jetzt sind nur noch die Spieler gefragt. Sie müssen nun zeigen, dass sie ihren Job doch nicht verfehlt haben. Und dass sie inzwischen wissen, für welchen Club sie da ihre Buffer schnüren. Das ist kein Allerwelts-Verein, sondern der HSV, der Dino, der Club mit großer und größter Tradition. Für den muss man sich jetzt noch dreimal in der Ersten Liga den Hintern aufreißen. Und beim Training heute waren alle Spieler, die morgen zum Einsatz kommen sollen, dabei. Auch Marcell Jansen und Milan Badelj, die beide spielen werden. Ganz leise Zweifel gibt es noch um das Mitwirken von Heiko Westermann, der unter einer (leichten?) Grippe leidet. Mit von der Partie morgen ist Michael Mancienne, der sich in der Woche eine Platzwunde am Kinn zugezogen hatte (die genäht werden musste), der Engländer trainierte ohne Schwierigkeiten mit. Am Freitag hatte Trainer Mirko Slomka ja die Variante mit Hakan Calhanoglu als Stürmer geübt, davon war heute nichts zu erkennen – aber es war ohnehin nichts zu erkennen, Slomka will sich noch nicht in die Karten blicken lassen, und das ist auch richtig so.

Ich würde mich ja freuen, wenn es doch noch eine ganz andere Variante im HSV-Angriff geben würde. Statt „Hacki“ Calhanoglu ganz vorne „Neuzugang“ Kerem Demirbay. Der junge Mann wirkt zwar ein wenig zerbrechlich, aber er hat es „an den Füßen“, er könnte den Ball halten und verteilen, und er kann dribbeln. In meinen Augen wäre es ein Versuch wert. Und Jacques Zoua könnte dann von der Bank kommen, wenn es Sinn macht. Vielleicht wird dem Kameruner so ein wenig Druck genommen, den er sonst verspürt, wenn er da vorne ganz allein auf Tore-Jagd gehen muss und er weiß, dass dabei „ganz Hamburg“ auf ihn blickt. Diese Variante wäre vielleicht mal etwas ganz Überraschendes. Und für den Gegner auch eventuell Verwirrendes. So oder so, es muss ja in Augsburg was passieren – im zuletzt so harmlosen HSV-Angriff.

Mit dieser Anfangsformation könnte (!) der HSV morgen ins Spiel gehen:
Adler, Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen; Badelj, Rincon; Ilicevic, Tesche, Jiracek; Calhanoglu. Also – so denke ich – ohne Tolgay Arslan und Jacques Zoua. Schiedsrichter der Partie ist Tobias Welz (Wiesbaden).

So, nun noch etwas vom Rande. Es geht um Ex-HSVer.

Felix Magath lag mit Fulham lange 2:1 gegen Hull City in Front, dann gab es doch noch das Gegentor in der 87. Minute – weiter Abstiegsplatz. Ein Punkt zum rettenden Ufer. Thomas Doll dagegen hat in Ungarn eine Siegesserie gestartet. Der vierte „Dreier“ in Folge mit Ferencvaros Budapest, diesmal gab es einen 1:0-Erfolg gegen Kaposvari Rakoczi – weiter Tabellenplatz vier.

An diesem Sonntag gib es – nach dem Schlusspfiff in Augsburg – wieder ein „Matz ab live“, „Scholle“ und ich werden mit Lotto King Karl und dem früheren HSV-Verteidiger Tobias Homp (zu Happels Zeiten) über das Spiel sprechen und die (dann neue?) Abstiegs-Situation analysieren.

Dann gibt es weiterhin viele Zuschriften, Mails, Anrufe, sms und Beiträge bei und zu „Matz ab“. Das Moderatoren-Team hat mir dabei eine Analyse von unserem User „no mercy“ ans Herz gelegt:

„Die fehlende Qualität des HSV auf dem Platz ist hinlänglich thematisiert. Die Mentalität des gesamten Vereins wird in der Handlung auf dem Platz sichtbar. Das Gesamtsystem hat keine positive Perspektive und kein leistungsorientiertes Selbstverständnis. Der HSV hat sich vor einigen Jahren davon verabschiedet, dass nur Leistungsprinzipien und der durch alle Ebenen gelebte Wunsch permanent besser zu werden, Erfolge schaffen kann. Der Wertemaßstab des „Systems HSV“ ist verrückt und der schleichende Verfall von Erfolgsprinzipien als gemeinsame Leitschnur findet sein Ende in der heutigen Leistungsfähigkeit der Mannschaft. Sie ist nur das sichtbare Ende der Fehlerkette.
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Vor einigen Jahren gab es ehrgeizige Ziele, die den HSV unter den TOP 20 in Europa positionieren wollten und es gab in der Mannschaft den in Personen sichtbaren Anspruch Erfolge zu erreichen (Rost, Olic, van Buyten….). Leider sind auch in diesen Zeiten einzelne Personen wichtige geworden als das Gesamtziel (2 Jahren ohne sportliche Leitung) und es gab niemanden der dem Einhalt geboten hat (AR). Leider sind dadurch Grundprinzipien beliebig geworden, sofern sie denn überhaupt formuliert waren. Und die Strukturen des Systems („Kontrolle des Vereins durch Basisdemokratie und Supporters-Amateure) haben keinem der Missstände frühzeitig einen Riegel vorgeschoben oder haben dafür gesorgt, dass nicht Tagesformen, Trainerphilosophien, Zufälle, immer wieder wechselnde Nachwuchskonzepte oder fachliche Inkompetenz die Geschicke (lange) bestimmen. Es gab eine Negativspirale der akzeptierten Mittelmäßigkeit und Selbstzufriedenheit, statt einen Anspruch nach dauerhaftem Erfolg.
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Der HSV wurde in seiner Ausrichtung beliebig und nicht griffig. Statt dem nachhaltigen Leben einer durchgängigen Philosophie wurden immer wieder situativ agiert. Tagesaktualitäten bestimmen dann Entscheidungen und nicht das Umsetzen einer Philosophie, die von allen Akteuren sichtbar (!) gelebt wird. Diese Philosophie muss ein Monolith sein, der von der Führungsspitze vorgelebt wird (Positivbeispiel Dortmund nach der Fast-Insolvenz). Beim HSV regiert Wankelmütigkeit, wie in den Leistungen auf dem Platz, da die auch die Mannschaft keinen „Spirit“ hat. DAS ist der Geist des Systems HSV!
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Einzelerfolge werden viel zu hoch bewertet (Vertragsverlängerung Çalhanoğlu, Tha) und es wurde kein kritische Gesamt-Resümee über die Arbeit einzelner Personen getroffen. Das kann nur bedeuten, dass es keine verifizierbaren Ziele gab oder eine schonungslose Analyse unterlassen wurde. DAS ist dann die Mentalität, die auf eine Mannschaft abfärbt und das Handeln der einzelnen Systemmitglieder bestimmt, denn es werden Zielverfehlungen zuglassen (bei Bayern wurde Nerlinger trotz Meisterschaft u.a. wegen Zielverfehlung entlassen) und nicht sanktioniert. DAS ist dann der Geist des Systems HSV!
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Es wird immer wieder zugelassen, dass neue Akteure das System bestimmen, aber nicht das System Vorgaben macht und den Rahmen absteckt. Es muss eine Passung von neuen Akteuren zum System geben, damit Kontinuität und wohldosierte Veränderung greifen können. Ob dies Spielphilosophien sind oder Grundtendenzen bei der charakterlichen Zusammenstellung der Mannschaft. Beim HSV haben immer neue Trainer in immer kürzerer Folge ihre eigenen Vorgehensweisen und Grundhaltungen realisiert, weil es z.B. keinen klaren Rahmen gab, der von einem Sportdirektor durchgezogen wird. So haben wir heute eine bunt zusammengewürfelte Mannschaft, die auf dem Platz und außerhalb keine Balance hat und bei der ein Gönner seinen Lieblingsspieler verpflichtet (wie in der Kreisklasse 6). DAS ist dann der GEIST des Systems HSV!
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Die aktuelle Situation ist damit nur die Spitze des Eisbergs, der sich über Jahre aufgebaut hat. Der aktuelle Tabellenplatz und die Situation der Mannschaft ist eine Konstellation des Gesamtvereins. Damit ist es kein Problem von 3 oder 4 Spielen, sondern das Ergebnis eines ‚hart erarbeiteten‘ Missstandes. Es liegt nicht an der aktuellen Situation, den Verletzten oder dem „Pech im Abstiegskampf“. Und damit ist die Lage noch dramatischer . . !“

Und zum guten Schluss noch einmal, damit hatte ich begonnen, etwas zu verbalen Entgleisungen. Vor Wochen hieß es in Nürnberg immer, wochenlang, dass sie dort mit der Arbeit von Trainer Gertjan Verbeek sehr zufrieden seien – und sie mit dem Niederländer dann zur Not auch in Liga zwei gehen würden. Und dann doch die Entlassung. Die hielt ich noch irgendwie für logisch, aber was dann kam? „Der Trainer ist hier nie richtig angekommen.“ Und: „Der Trainer hat die Situation unterschätzt.“ War von den Offiziellen zu vernehmen. Da passt doch was nicht.
Aber es muss wohl auch an niederländischen Trainern liegen . . . Von wegen unterschätzt und nicht angekommen. Verbeek wollte nach der letzte Niederlage auch zwei Tage frei geben. So geht der etwas andere Abstiegskampf – in Holland. Komisch das alles.

Und zu Verbeek gab es dann auch die Reaktion von Freiburgs Trainer Christian Streich. Ihr werdet Euch erinnern, die beiden Männer waren beim Spiel gegeneinander ganz gehörig aneinander geraten. Jetzt kommentierte Streich die Entlassung Verbeek wie folgt: „Ich versuche, gegen Dinge wie Schadenfreude anzukämpfen . . .“ Oh man, Herr Streich!

Apropos Streich: Ein genialer Streich soll dem HSV morgen in Augsburg gelingen, und zwar von 15.30 Uhr bis 17.20 Uhr. Ungefähr. Genial wäre ein Sieg. Endlich mal ein Auswärtssieg. Das wäre es doch.
Drückt die Daumen!

Nur der HSV.

18.47 Uhr

1500 Fans legen eindrucksvoll vor – jetzt ist die Mannschaft in der Pflicht

18. April 2014

Das war mal ein amtlicher Auftritt! Der Supporters Club hatte gerufen, und tausende sind gefolgt. Rund 1500 Zuschauer verfolgten am heutigen Nachmittag ab 16 Uhr das Abschlusstraining der Mannschaft. Mit Applaus und HSV-Rufen wurde die Mannschaft um Trainer Mirko Slomka empfangen, während des Trainings bedacht und am Ende auch so verabschiedet. „Eine richtig geile Aktion“, freute sich Dennis Diekmeier – und sprach stellvertretend für den Rest der Mannschaft, die sich ihrerseits mit Applaus für den Support bedankte.

Die Sendung beginnt um 21:00 Uhr.

„Das war doch die perfekte Einstimmung“, freute sich auch Trainer Mirko Slomka, der in den letzten Wochen immer wieder betont hatte, wie wichtig die Fans für die Mannschaft sind. „Dass die hier so zahlreich erscheinen ist ein tolles Zeichen.“ Bleibt zu hoffen, dass die Mannschaft das Zeichen verstanden hat und in zusätzliche Energie umwandeln kann. „Wahnsinn“, sagte Heiko Westermann anschließend, „so viele Fans – und das dann noch bei so besch…. Wetter. Sowas habe ich noch nie erlebt.“


Noch wichtiger als die schöne Erkenntnis, dass in Hamburg zusammengehalten wird, war allerdings die Trainingseinheit an sich. Heiko Westermann wirkte wieder komplett mit und wird morgen Abend gegen Wolfsburg wieder die linke Seite in der Viererkette übernehmen. „Ich habe heute ohne Schmerztabletten alles mitmachen können und werde morgen mit Schmerzmittel spielen können“, so Westermann. Milan Badelj hingegen fehlte und wird auch morgen nicht zum Kader gehören.

Foto-1

Dafür aber Kerem Demirbay. Erstmals seit dem 14. September 2013. „Ich habe immer daran geglaubt und gehofft, in dieser Saison noch zurückzukehren. Jetzt fühle ich mich wieder gut“, freute sich Demirbay, der im Training zu den auffälligsten Akteuren zählte. Bissig, handlungsschnell und ballsicher spielte der 20-Jährige im vermeintlichen B-Team. Und ehrlich gesagt, abgesehen davon, dass ich neugierig bin, wie sich der kampfstarke Linksfuß in der Bundesliga machen würde, empfahl er sich heute. Er traf, er gewann seine Zweikämpfe und wirkte so, wie man sich den Rest der Mannschaft für morgen Abend erhofft: als würde er ein Endspiel spielen. „Kerem macht sich gut“, hatte Slomka zuletzt lobende Worte für den Rückkehrer. Ob Demirbay schon eine Alternative für die Startelf sei? „Mit einem Einsatz von Beginn an tue ich mich noch etwas schwer.“

Dennoch wird die Startelf von morgen das erste Mal seit langem mal wieder spannend. Denn klar ist, dass Adler im Tor steht und vor ihm die Viererkette (von rechts nach links) mit Diekmeier, Djourou, Mancienne und Westermann agiert. Davor scheint Tolgay Arslan zusammen mit Rincon eine erneute Chance zu bekommen. Zum einen, weil Badelj fehlt. Zum anderen, weil Demirbay laut Slomka noch nicht so weit ist. Und dann wird es schon spannend.

Denn offen scheint, wer auf der Zehnerposition spielen wird. Sollte Slomka Calhanoglu in die Mitte ziehen, spräche das für Jiracek auf links und Ilicevic über rechts. Möglich ist aber auch, dass Slomka erstmals den zuletzt von ihm immer wieder gelobten Robert Tesche auf die zentrale Position hinter den einzigen Angreifer, Jacques Zoua, stellt. „Es wird einige Umstellungen geben“, hatte Slomka angekündigt. Und es wird sie verletzungsbedingt schon geben müssen.

Dieter hat gestern ein sehr interessantes Telefonat geführt mit einem meiner früheren Heroen: Jan Furtok. Und der ehemalige HSV-Stürmer von 1988 – 1992 (135 Bundesligaspiele, 50 Tore) leidet mit seinem Ex-Klub. „Es ist eine schwere Situation“, so der Pole, „aber ich hoffe und glaube daran, dass der HSV es am Ende schafft. Die Bundesliga ist ohne den HSV keine Bundesliga.“

Schöner Satz zum Abschluss. Denn das soll es für heute sein. Ich hatte überlegt, an dieser Stelle noch mal die Bedeutung des Spiels morgen zu betonen. Aber ehrlich gesagt ist mir das über. Ich kann und will es nicht mehr schreiben, weil es einfach zu selbstverständlich ist. Oder sieht das hier irgendwer anders?

Nein, jetzt müssen Taten folgen. Schöne, vollmundige Ankündigungen hatten wir mehr als genug. Die Fans haben vorgelegt – jetzt ist die Mannschaft in der Pflicht.

Bis morgen.
Scholle

P.S.: Wer mehr von und über Jan Furtok lesen will, dem empfehle ich den Sportteil das Abendblattes von morgen.

Brandreden sind nicht das richtige Mittel – zumindest nicht mehr…

14. April 2014

Natürlich ist die Relegation etwas, was ich sofort unterschreiben würde. Schließlich ist man damit nicht direkt abgestiegen. Es wäre inzwischen, nach diesem grauenvoll leblosen und qualitativ beängstigenden Auftritt in Hannover, für mich schon ein echter Teilerfolg. Und dabei haben ich weniger Bedenken, dass der 1. FC Nürnberg den HSV überholt denn Braunschweig. Denn bei allem nötigen Respekt – aber wenn sich eine Mannschaft, die qualitativ so weit hinten ist, bis zum Schluss im Rennen um den Klassenerhalt nicht abhängen lässt, ist das alle Achtung wert. Und leider auch relativ leicht zu erklären. Denn die Eintracht wusste von Beginn an, worum es geht. KÄMPFEN statt zelebrieren – scheißegal wie punkten statt Gegner deklassieren zu wollen. Da werden Spiele vergeigt, weil man schlichtweg unterlegen ist. Aber im Gegensatz zu den Konkurrenten wird es nie verpasst, den nötigen Einsatz an den Tag zu legen. Im Gegenteil.


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Umso erschütterter bin ich ob der Hannover-Darbietung des HSV noch immer. Ich habe Sonntag frei gehabt und mit keinem HSVer gesprochen, um mal abzuschalten. Aber wie höchstwahrscheinlich bei Euch auch, ging und geht das nicht. Schon ein einziger Satz, wie der von Taolgay Arslan („Wir waren überrascht, das Hannover von Beginn an so viel Druck macht“) bringt meinen Puls auch jetzt noch binnen Millisekunden gen Siedepunkt.

WIE BITTE? Was denn bitte sonst?? Was erwarte ich denn bitteschön von einem Team, das in den Abstiegssumpf gezogen werden könnte, dessen Trainer zur Disposition steht (stand) und das ein Kurztrainingslager macht, um näher zusammenzurücken – und das zu Hause spielt?? Nein, so viel Verkennung ist unfassbar und schlichtweg nicht bundesligatauglich.

Deshalb habe ich heute Tolgay angerufen und ihn auf diesen alarmierenden Satz angesprochen, den ich sogar als ein weiteres Indiz für einen Abstieg bezeichnen würde. „Ich hatte mir Hannovers Aufstellung angesehen, um mich vorzubereiten. Und dabei fielen zwei, drei Umstellungen auf, die mich eine defensivere Herangehensweise der Hannoveraner vermuten ließen. Dass sie dann aber von Beginn an alles nach vorn werfen, damit hatte ich in der Wucht nicht gerechnet. Aber schon nach der zweiten Szene waren die 96-Fans wieder voll da und wir hatten noch keine Lösung.“ Daher habe er versucht, das eigene Spiel zu ordnen. „Wir mussten die Lücken kleiner machen zwischen Tomas und mir mit der Abwehrreihe sowie zum Sturm. Aber das haben wir nicht geschafft. Wir hätten allesamt tiefer stehen oder vorrücken müssen – aber wir haben weder das eine noch das andere konsequent umgesetzt und Hannover Räume geöffnet.“

Dass er selbst ein schwaches Spiel gemacht hat, sieht Arslan genauso. „Wir hatten keinen Zugriff und kamen nicht rein. Tomas und ich haben zu viele Lücken gelassen und unser ganzes Konstrukt hat gewackelt. Und ich kann nur sagen, dass es nicht mangelnder Wille war. Allerdings weiß ich auch nicht, was es war. Dabei habe ich seit Schlusspfiff über nichts anderes nachgedacht. Ich habe richtig Bauchschmerzen bekommen, weil ich es mir selbst nicht erklären konnte, weshalb ich so überhaupt nicht ins Spiel gefunden habe.“

Wahnsinn. Ehrliche Aussagen von Arslan zwar – allerdings auch beängstigende. Denn genau das habe ich immer befürchtet: Dieser Mannschaft mangelt es an „Eiern“, an Spielern, die Verantwortung übernehmen. Nicht mal jetzt kristallisieren sich echte Führungsspieler heraus – den jungen Hakan Calhanoglu sportlich mal rausgenommen. Nicht mal jetzt, in einer komplett eindeutigen und zweifellosen Situation kriegen es die elf Herren auf dem Platz – egal welche – mal länger als für ein Spiel hin, sich den Allerwertesten aufzureißen. Mehr noch: Sie lassen sich überrennen und sind „überrascht“. Dass letztlich auch ne Menge Pech dazukam und eine Abseitssituation zur Niederlage führte – es ist nur symptomatisch für diesen anhaltenden Niedergang. Wie so vieles, was in diesem Verein in dieser Saison passiert ist und noch immer passiert.

Aber dennoch, auch wenn es schwerfällt – jetzt muss wieder angefangen werden, nach vorn zu schauen. Der VfL Wolfsburg und Ivica Olic nahen und wollen seine Chancen auf einen Platz in der Champions League wahren. Und weil der Name wieder eine wichtige Rolle spielen könnte – Olic war für den HSV tatsächlich nicht zu holen. Im Winter war das Thema einmal aufgekommen und der HSV hat sich trotz anderslautender Ansagen tatsächlich mit dem Kroaten beschäftigt. Weil er vom Herzen her in der Bundesliga am ehesten Hamburger ist und ebenso gern wieder für den HSV spielen würde, wie er einst seinen ausverhandelten Vertrag hat unterschreiben wollen. Allerdings soll Olic in Wolfsburg knapp sechs Millionen Euro per annum verdienen – völlig utopisch für den HSV. Zumal Olic keine Investition ist, die man als perspektivisch bezeichnen könnte.

Allerdings tut es weh, wenn man sieht, wie sehr er hätte helfen können und wenig beim HSV geht, nur weil im Angriff nichts los ist. Insofern hätten sich weitere Schulden auf die eh schon 100 Millionen zumindest in Sachen Lizenzvergabe gelohnt. Denn die Klasse wäre mit einem Olicv inzwischen gehalten, da bin ich mir sicher. Und der Mangel an Stürmern wird nach meiner Meinung letztlich sportlich ein Hauptkriterium für die schwache Saison sein. Denn es geht zumindest dann nichts, wenn Lasogga fehlt.

Und der wird nun einmal weiterhin fehlen. Wenn ich richtig informiert bin – was ich in diesem Fall nicht hoffe – dann dürfte der Angreifer sogar bis Saisonende kaum mehr einsatzbereit sein. Denn obwohl der HSV offiziell mitteilte, man würde Lasogga schonen, gerade weil man nichts Akutes finden kann, wurde mir gesagt, dass er deutlich schwerwiegender verletzt sei. Es seien keine „Muskelprobleme“ sondern ein Muskelbündelriss, der Lasogga aussetzen lässt. Und der kann auch gut und gern mal sechs Wochen dauern. Aber ich wäre auch in diesem Fall froh, wenn ich falsch liege.

Bis dahin jedoch muss der HSV punkten – egal wie und egal mit wem auf dem Platz. Heiko Westermann soll am Mittwoch oder Donnerstag wieder ins Training einsteigen und er soll seine Leistenprobleme bis zum Sonnabend soweit in den Griff bekommen, dass er auflaufen kann. Schwieriger gestaltet sich die Situation bei Rafael van der Vaart, bei dem ein Einsatz am Sonnabend nach jetzigem Stand eher unwahrscheinlich ist. Dass Milan Badelj spielen kann wird zwar gehofft, ist aber noch lange nicht sicher. Allerdings dürfte das Hannover-Spiel einmal mehr gezeigt haben, dass Kampf und Jugend allein nicht reichen, um die Zentrale zu besetzen. „Milan ist unser Spielgestalter aus der Defensive heraus. Er kann sicher noch viel mehr, als er bisher gezeigt hat“, so Sportchef Oliver Kreuzer, „aber er ist eigentlich nicht mehr wegzudenken. Er übernimmt Verantwortung und leitet unser Spiel.“ Das stimmt. Und wie auf allen anderen Positionen in diesem unzureichend zusammengestellten Kader muss auch hier relativ gedacht werden – denn die Konkurrenz ist schlichtweg nicht besser als Badelj.

Nicht wirklich besser macht die Situation übrigens Brandrede Nummer 62. Zumindest waren es inzwischen schon so viele, dass es inflationär wirkt, wenn Oliver Kreuzer die Mannschaft mit „unterirdisch“ oder dergleichen anzählt.

Wobei, es ist mitnichten so, dass die Mannschaft das nicht verdient hätte. Ganz im Gegenteil: Wenn Trainer Mirko Slomka könnte, würde er sicher ähnliche Reden schwingen und den einen oder anderen Spieler rauswerfen und ersetzen. Aber das geht eben nicht und jetzt muss mit dem gearbeitet werden, was da ist. Die Situation ist gerade einmal vier Spieltage vor Schluss so eindeutig wie nie: Nichts, aber auch wirklich GAR NICHTS darf diese fragile Mannschaft jetzt noch ablenken.

Auch keine (noch so notwendige) Strukturdebatte. Obgleich ich für morgen befürchte, dass dann einen Tag vor der Infoveranstaltung (Mittwoch 19 Uhr im Spiegelsaal des Grand Elysée) neue Namen hinter dem Konzept HSVPlus öffentlich werden und für Diskussionen sorgen. Aber Diskussionen anzuzetteln, das muss zumindest kein Sportchef mehr machen. Zumal dieser letztlich genau diese Spieler zusammengestellt und vor allem auch für gut genug befunden hat.

In diesem Sinne, morgen wird um zehn und um 15 Uhr trainiert.

Scholle

P.S.: Jonathan Tah (Rückenprobleme) trainierte zusammen mit Milan Badelj und Marcell Jansen individuell mit Rehatrainer Markus Günther.

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