Archiv für das Tag 'Rincon'

Keine Gnade – Bayern kommt mit der besten Elf

2. Mai 2014

Der größere Wille schlägt am Ende fast immer das Talent – zumal, wenn das Talent zu wenig Willen hat. So gesagt von Franz Beckenbauer, der einzig gültigen Instanz im deutschen Profifußball – neben dem lieben (Fußball-)Gott. Was aber passiert, wenn eine Mannschaft zu wenig Talent und zu wenig Willen hat? Antwort: Sie steigt ab. Und deshalb wundert es eigentlich auch niemanden mehr, dass der HSV da unten steht. Zumindest unter den Experten und hier im Blog nicht mehr. Und es liegt eine Trainingswoche hinter uns, die von der Intensität her nichts darauf schließen lässt, dass sich auch nur das Geringste bessern wird…
Die Sendung beginnt um 18:00 Uhr.

Dennoch, es ist noch nichts verloren. Nicht einmal die (nur noch theoretische) Chance auf den direkten Klassenerhalt. Aber dafür benötigt der HSV ein Wunder, wie Trainer Mirko Slomka einen Sieg gegen dien schier übermächtigen Bayern bezeichnete. Allerdings ist dieses Wunder längst nicht so ein Wunder wie viele denken. Denn Augsburg konnte diese Bayern nach einer Rotationswelle schlagen, Dortmund ebenso. Und sogar die talenttechnisch meiner Meinung nach limitiertesten Bundesligakicker von Eintracht Braunschweig konnten zumindest 75 Minuten ein 0:0 halten – warum also sollte das für den HSV nicht möglich sein, über 90 Minuten natürlich… „Ist es doch“, sagt Rafael van der Vaart, der sich nach überstandener Verletzung zurückmeldete und gegen Bayern in der Startelf stehen soll. „Wir müssen aber kämpfen, als ginge es um unser Leben.“

Für Abendblatt-Blogs


Und die Einstimmung darauf sieht gar nicht danach aus. Nach weniger 45 Minuten war heute das Training vorbei. Eine kurze Warmmachphase, eine Passübung und ein Abschlussspiel sollen die Spieler in letzter Instanz auf den Kick gegen den Rekordmeister vorbereiten. Nicht mit dabei war Dennis Diekmeier, der am Donnerstag leichte Probleme hatte und dafür heute pausierte. Der Rechtsverteidiger absolvierte ein Laufprogramm und soll am Sonnabend fit sein. Verpasst hat er eh nichts.

„Für den HSV geht es um alles oder nichts“, hat Bayern-Trainer Pep Guardiola heute gesagt und dem HSV im selben Atemzug sämtliche Hoffnungen genommen, morgen mit einer vergleichbaren Mannschaft anzutreten wie gegen Augsburg. Guardiola nimmt alle Topstars mit nach Hamburg, ließ nur die Verletzten Badstuber und Thiago zu Hause. Offen erscheint eigentlich nur, ob Pizarro, der gegen Bremen vor einer Woche ein überragendes Spiel machte, von Beginn an aufläuft. „Wir wollen die letzten beiden Spiele nutzen, um wieder in den Rhythmus für das Pokalfinale zu kommen“, so Guardiola. Rücksicht auf den HSV ist dabei ausgeschlossen.

Leider. Denn der HSV hat es nach meiner Meinung trotz des faktischen Gegenteils nicht mehr selbst in der Hand, für sein Glück zu sorgen. Diese Mannschaft ist nicht in der Lage, sich selbst aus dem Schlamassel zu befreien. Dafür muss morgen auf schwächelnde Bayern und zeitgleich auf schwache Braunschweiger und Nürnberger gehofft werden. Aber auch das ist alles nicht ausgeschlossen, da alle drei so ihre Probleme haben. In Nürnberg beispielsweise hadern einige Spieler mit dem jüngst vorgenommenen Trainerwechsel. Daher: Ich glaube weiter an unsere Restchance. Und ich bete, dass Sergej Barbarez mit seiner Aussage Recht behält: „Der HSV steigt nicht ab. Ich kann zwar nicht begründen, warum sie es schaffen, aber sie schaffen es irgendwie.“

Hoffentlich.

Was noch offen ist, ist die Startelf. Im Abschlusstraining war nicht viel zu erkennen. Daher kann ich mir gut vorstellen, dass entweder Ilicevic in die Spitze rückt, oder Slomka doch eher auf Kopfballstärke im Zentrum setzt und dort überraschend Robert Tesche aufbietet. Daher auch folgende drei in meinen Augen denkbare Varianten als mögliche Startaufstellungen (in absteigender Wahrscheinlichkeit):

1. Adler – Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen – Badelj, Tesche – Rincon, van der Vaart, Calhanoglu – Ilicevic
2. Adler – Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen – Badelj, Rincon – Ilicevic, van der Vaart, Calhanoglu – Tesche.
3. Adler – Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen – Badelj, Rincon – Calhanoglu, van der Vaart, Jiracek – Ilicevic.

Oder spielt (sehr, sehr, sehr, sehr extrem) überraschend (und unverdient) Ola John auf rechts von Beginn an? Nominell wäre er für die rechte Außenbahn ein Eins-zu-Eins-Ersatz. Dass der Niederländer schlichtweg noch immer keinen Bezug zur Mannschaft, zum Verein und vor allem nicht zur Lage des Klubs gefunden hat – vielleicht es egal. Vielleicht könnte ein Kick gegen den noch amtierenden Champions-League-Sieger ja mal Anreiz genug sein, trotzdem Vollgas zu geben. Und wenn’s auch nur diese 90 Minuten sind. Wobei, wenn ich schon bei Außenseiterchancen bin, dann muss hier auch Kerem Demirbay erwähnt werden, der es im Vergleich zum eben Genannten vom Engagement im Training ehr absolut verdient hätte. Denn der Linksfuß ist einer der wenigen, der noch heiß ist wie am ersten Spieltag. Zumal er ewig verletzt war, sagt er: „Ich will alles geben, um dieser Mannschaft zu helfen. Ich habe so lange zuschauen müssen, jetzt kann ich’s kaum erwarten. Aber letztlich geht es hier jetzt ganz sicher nicht um mich – es geht um das große Ganze.“ Stimmt.

Und damit ist wirklich alles gesagt. Jetzt heißt es: Hoffen, hoffen und noch mal hoffen. Auf einen Punkt – oder gar auf eine Sensation. Drücken wir alle zusammen alle vorhandenen Daumen, dass die Mannschaft noch einmal über sich hinauswächst.

Scholle

1:3 – wer glaubt noch an ein Wunder?

27. April 2014

„Der HSV wird absteigen.“

So oder so ähnlich hat es der große Franz Beckenbauer vor Saisonbeginn gesagt. Kaiser Franz als Prophet. Und (fast) alle haben ihn damals belächelt. An diesem Wochenende hat Beckenbauer dann bei „Sky“ folgendes gesagt, als er gefragt wurde, was ihn im Moment in der Liga beschäftigt: „Die Ergebnisse von Bayern und dann kommt gleich der HSV. Ich habe zwei wunderschöne Jahre erlebt, auch wenn teilweise schwierig war, weil ich verletzt war. Wenn du die Tabelle siehst, dann stimmt irgendwas nicht. Den HSV da unten zu sehen, das gibt es nicht. Der HSV gehört da oben hin. Ich glaube die Qualität ist groß genug um da unten herauszukommen. Spielerisch ist es gut, aber läuferisch nicht. Sie müssen dagegenhalten, sie müssen in die Zweikämpfe gehen. Es heißt nicht umsonst Abstiegskampf. In Augsburg muss ich alles mobilisieren. Da muss man laufen bis die Socken qualmen.“

Für Abendblatt-Blogs


Habt Ihr qualmende Socken gesehen?

Ich auch nicht. Aber der Reihe nach: Der HSV hat sein vorletztes Auswärtsspiel verloren, diesmal gab es eine 1:3-Niederlage in Augsburg. Immerhin, das ist ein Trost, ein Auswärtstor. Und tröstend ist eigentlich ja auch, dass sowohl Braunschweig als auch Nürnberg ebenso verloren haben – immer schön mit verlieren. Bis zum nächsten Wochenende? Da wird der HSV auch im Volkspark gegen die aus der Champions League ausgeschiedenen Bayern nichts gewinnen – wie denn auch? Und Nürnberg könnte gegen Hannover gewinnen, Braunschweig gegen diese Augsburger, die ja wahrlich nicht gut gegen diesen HSV waren. Eher waren die Augsburger sogar schlecht, aber gegen diesen HSV lang es immer noch, selbst mit nur 30 Prozent. Es ist ein Wahnsinn, es bringt mich um, ich werde verrückt – diese grottenschlechte Mannschaft bringt mich um mindestens zwei Jahre meines Lebens. Was wurden vorher nicht alles versprochen, angesprochen, gelabert. Es sollte gekämpft werden wie nie, weil es doch ums Überleben des Clubs geht. Und dann das.

Wer glaubt jetzt noch an ein Wunder?

Im Gegensatz zu manchen Herrn, der beim HSV das Sagen hat, sind unter den Fans nur noch wenige Tagträumer. So schlecht war der HSV noch nie, und genau so wird er auch untergehen. Aufbäumen? Sie möchten vielleicht, aber sie können es nicht. Das ist das Grausame an dieser verfahrenen Kiste. Sie sind schon schlecht, wie sie stehen, eher noch ein wenig schlechter, denn die beiden Clubs, die noch schlechter stehen, die kämpfen wenigstens bis zum Abwinken. Aber hier?
Ein hoffnungsloser Fall.

Auf dem Weg ins „Champs“ erhielt ich noch einige Anrufe, einer war mein Freund Peter aus Mülheim an der Ruhr. Er sagte: „Mach dir keine Sorgen, nach fünf Minuten führt Augsburg 1:0, und am Ende steht es dann 3:0. Dieser HSV ist einfach zu schlaff.“ Recht hatte er nicht. Das 1:0 für Augsburg fiel nach sechs Minuten und zwei Sekunden. Also deutlich später als angesagt. Aber es war wieder ein typisches HSV-Tor. Die Mitte total offen, Flanke von der rechten Außenbahn der Augsburger, Altintop darf unbedrängt aus 14 Metern einschießen. Wo waren die Sechser? Keiner zu sehen. Weder Milan Badelj, noch Tolgay Arsan, noch Tomas Rincon waren zu sehen. Nein, meine Herren, das ist Schüler-Fußball in Vollendung. Und es ist unfassbar! Hinzu kommt, wo war Marcell Jansen? Hinten links nicht. Und da hätte er eigentlich sein müssen.

Jansen war auch beim 2:0 nicht dort, wo er eigentlich sein sollte. Hinten links nämlich. Und deswegen flog die Flanke auch mustergültig zur Mitte, dort erscheint – ja, wer erscheint wieder? Der alte Mann Altintop. Und wer erscheint wieder nicht? Badelj, Rincon, Arslan. Nur Dennis Diekmeier versucht zu retten, was nicht mehr zu retten ist – der Ball rauscht aus acht Metern ins Netz (32.). Am Rande schüttelt Mirko Slomka fassungslos den Kopf, und auf dem Rasen machen sich Diekmeier und Badelj an. Recht hat Diekmeier, denn wo war Badelj? Das ist ein so anfängerhafter Fußball, dass es schon weh tut. Der HSV müsste sich jetzt eigentlich von Punkt zu Punkt hangeln, aber sie spielen frisch, fromm, fröhlich, frei mit allen Gegnern dieser Welt mit. Und ich könnte wetten, dass sie es auch im Falle einer Relegation mit dem SC Paderborn machen würden. Immer nach vorne, weil dort ja sowieso nichts klappt, und dann in Schönheit sterben. Dass hinten die Null mal stehen müsste, könnte, dürfte oder wollte – so etwas hat sich bis Hamburg noch nicht herumgesprochen. Hier ist jedes Spiel ein Tag der offenen Tür. Immer hinein, meine Herren, was heißt hier Abstieg?

Dass der HSV zwischen dem 1:0 und dem 2:0 ganz ordentlich mitgespielt hat, das will ich gar nicht verschweigen. Und wenn ein Tor mal ein wenig in der Luft lag, dann war Hakan Calhanoglu mit dabei. Leider ist er, ein „Hacki“ zu wenig. Badelj stand einmal – in ungünstiger Lage – frei vor FCA-Keeper Hitz, doch der hielt (31.).

Im Gegensatz zu Rene Adler. Der faustete sich ein 20-Meter-Ding von Hahn, dem Ex-HSV-Spieler (aus der Zweiten), ins eigene Tor. Kann mal passieren, klar. Ihm aber passiert das zu oft. Auch klar. Und wenn man drei Minuten vor dem Pausenpfiff das 0:3 kassiert, dann muss nicht mehr groß gefragt werden, wer als Sieger den Rasen verlässt. Auch wenn der HSV in der 44. Minute zum 1:3 traf. Freistoß von links von Calhanoglu, den „schultert“ Heiko Westermann ins lange Eck – ein Hoffnungsschimmer? Wer dann doch noch hofft, der muss sich selbst die Antwort geben: Wer soll denn da vorne mal aus Versehen ein Tor schießen?
Eben!

In Halbzeit zwei hatte Westermann noch einmal das 2:3 auf dem Kopf, als Calhanoglu flankte. Ansonsten gefielen sich beide Mannschaften in einem fast unglaublichen Gestümpere. Das war schon mal Sommer-Fußball in Vollendung. Mir tun nur die HSV-Fans leid, die den weiten Weg in den Süden antraten, um einen guten HSV zu sehen, um endlich einmal wieder einen Grund zum Jubeln zu haben, oder nur, um ein Fünkchen Hoffnung zu erkennen – denkste! Es ist eine Schande.

Wahnsinn.

Die Einzelkritik:

Rene Adler Note fünf, denn er hielt ja einige Bälle – aber er war eben auch nur mal ein guter Torwart, er ist heute meilenweit von „brasilianischer“ Bestform entfernt. Mallorca, Südafrika oder Kuba dürfte sein realistisches Sommer-Ziel sein, schönen Urlaub.

Dennis Diekmeier war als einer der wenigen von Beginn an engagiert, er biss, mehr, viel mehr als sonst, aber die anderen machen fast alle nicht mit.

Michael Mancienne war ebenfalls griffig, er wollte, er gab alles – aber es langt eben nicht.

Heiko Westermann hatte Chancen, war vorne und hinten – und die Note dafür dürfen diejenigen geben, die ihn in dieser Mannschaft nicht mehr sehen wollen. Ich werde gleich darüber reden – bei „Matz ab live“.

Marcell Jansen will sich für die WM empfehlen, er will sich körperlich in Form bringen – dass ihm der HSV dabei behilflich ist, das finde ich toll, eine große Geste. Ob es hilfreich war? Die Frage darf auch jeder für sich beantworten, ich halte es nicht für sonderlich hilfreich, aber ich bin ja auch total unmaßgeblich. Durfte aber immerhin bis zur 68. Minute mittun.

Milan Badelj holte sich Note sechs ab, er gehörte spätestens nach 30 Minuten unter die Dusche, aber das wurde auf der Bank leider nicht so gesehen. Ist aber auch unwichtig.

Tolgay Arslan läuft seiner Bestform weiter hinterher, aber auch das erkennt auf der Bank offenbar auch keiner mehr. Unwichtig. Note sechs. Holte sich die zehnte Gelbe ab – gesperrt gegen die Bayern.

Tomas Rincon ist ebenfalls weiter von jeder Form entfernt – Note sechs. Aber wenn soll Slomka denn sonst aufstellen?

Ivo Ilicevic benötigte fast eine halbe Stunde, um ins Spiel zu kommen, dann war er halbwegs dabei. Bewegen aber kann er ja auch nichts, wieso auch?

Hakan Calhanoglu tut mir leid, denn er könnte – bei entsprechender Unterstützung – etwas bewirken, aber allein gegen einen Gegner? Das kann nicht klappen.

Mattia Maggio war nie zu sehen, aber das liegt nicht an ihm, deswegen keinerlei Vorwurf an den jungen Mann. Er kann es nicht anders. Dass er trotz allem reingeschmissen wird, das müssen andere verantworten. Wäre vielleicht mal ein ganz kurzes Nachdenken angebracht . . .

Jacques Zoua (ab 61. Min. für Maggio) durfte sich auch noch einmal vorstellen – bei ihm gebe ich aber jede Hoffnung auf. Jede.

Petr Jiracek (ab 68. Min. für Jansen) schmorte lange auf der Bank, weil man ihm offenbar nichts mehr zutraut. Die Jungs da draußen werden schon wissen, was sie tun . . .

Kerem Demirbay (ab 75. Min. für Badelj) kann Fußball, aber sie trauen es ihm noch nicht wieder zu – die Verletzung war zu schwer und zu lang. Ich hätte, das schrieb ich schon, trotz allem vorne reingestellt, denn schlimmer kann es ja gar nicht sein – oder werden.

So, das war es schriftlich vom Spiel in und gegen Augsburg. Es bleibt mir jetzt nur noch, auf unsere gleich beginnende „Matz-ab-live“-Sendung hinzuweisen, wir wollen in wenigen Minuten aus dem Restaurant „Champs“ in Schnelsen (Burgwedel) loslegen – heute sind Kult-Sänger Lotto King Karl und der ehemalige HSV-Abwehrspieler Tobias Homp (50; 114 Erstliga-Spiele für den HSV und den FC Homburg) unsere Gäste. „Scholle“ und ich würden uns freuen, wenn Ihr wieder mit dabei sein könntet – per Bildschirm.

Nur der HSV!

17.29 Uhr

Die Konkurrenz spielt für den HSV

26. April 2014

„Entscheidend ist auf’m Platz.“

Hat einst schon Otto Rehhagel erkannt und mit dieser seiner Erkenntnis für Klarheit gesorgt. Alles Gesabbel vor dem Spiel und zwischen den Spielen – unwichtig. Und was hat es in dieser Woche nicht alles an verbalen Tiefschlägen und Entgleisungen und an unwichtigem Gelaber gegeben? Die Nerven liegen blank, ganz offensichtlich. Oder die Herren wollen vom Platz ablenken, wollen ihre Spieler aus der Schusslinie nehmen, damit sie sich wirklich nur auf Rasen, Ball und Kampf konzentrieren können. Aber kurios ist es manchmal schon, was vor einem Bundesliga-Spiel so alles gesagt wird, keine Frage. Allein die gegensätzlichen „Vergangenheitsbewältigungen“ der Herren Thorsten Fink und Oliver Kreuzer waren reif für das Ohnsorg-Theater. Dass den Sportchef jetzt mal die Wut packte und er auch große Form beim „Auspacken“ von bislang verborgenen Scharmützeln zeigte – das hatte schon was. Von Schmierenkomödie.
Matz_ab_ankuendigung_1730_Uhr

Aber gut, wer denkt da dann noch an den Sonntag in Augsburg, an jene 90 Minuten, die der HSV schon siegreich gestalten sollte, wenn weiterhin noch an ein kleines Wunder glauben möchte? Kreuzer gegen Fink – das ist zwar spannend, aber der Herr Kreuzer hat ja auch zu diesem drittletzten Erstliga-Spiel des HSV – in dieser Saison – etwas Sportliches gesagt: „Es geht ums Überleben.“ Jawoll. Darum geht es . Und diese Erkenntnis ist nicht mal ganz so neu, für mich ging es darum schon während der gesamten Spielzeit. Und ganz speziell in der Winterpause. Da hätte eigentlich schon jeder, der beim HSV arbeitet, und alle, die sich um den HSV Gedanken machen, jede Menge Sorgenfalten zulegen müssen.

„Wir befinden uns auf der Zielgeraden, es sind vielleicht noch 30 Meter zu absolvieren. Jetzt muss jedem Spieler bewusst sein, was es heißt, alles aus sich rauszuholen. Sie müssen mehr als 100 Prozent geben, es geht um das Große, Ganze, um das Überleben des Vereins. Totale Hingabe, unglaublicher Siegeswillen, bedingungsloser Einsatz – das ist es, was ich fordere.“ Sagte Oliver Kreuzer in dieser Woche.

Wozu es doch zwei Dinge anzumerken gibt: Erstens kommt dieser Appell mindestens acht Spiele zu spät, und zweitens haben Thorsten Fink und Bert van Marwijk bestimmt auch einige Mal im großen Fußball-Lehrbuch nachgeschlagen und solche Sätze unter dem Kapitel „markige Worte“ gefunden. Und ich gehe mal davon aus, dass sie diese „markigen Worte“ dann auch ihren Schützlingen vorgelesen haben . . . Dass diese „markigen Worte“ irgendwann einmal von Dauer auf fruchtbaren Boden gefallen wären, ist mir nicht bekannt. Aber vielleicht ist es ja noch nicht ganz zu spät. Vielleicht. Allein mir fehlt der Glaube. Und wo ich gerade beim großen Fußball-Lehrbuch bin: An einem eventuell nicht mehr ganz so fernen Tage werden wir ganz sicher auch jene Stimmen von den Verantwortlichen vorgetischt bekommen: „Wir sind nicht heute abgestiegen, sondern schon im Februar. Oder im März. Oder irgendwann zwischendurch. Nur nicht heute.“ Wobei es anzumerken gilt, dass solche aus purer Verzweiflung ausgegrabenen Sätze ja nicht unbedingt von den HSV-Chefs gesprochen werden müssen – zu solchen Erkenntnissen ringen sich immer wieder mal diese oder auch jene durch. Nicht nur in der Bundesliga. Aber eben dort auch.

Ich kann nur hoffen, dass sie beim HSV die ganz „markigen“ Sätze nicht zu spät wiederentdeckt haben . . .

So, nun zum aktuellen Geschehen.
Es ist angerichtet. In Berlin und in Mainz haben sie dem HSV den Ball auf die Fünfmeterraum-Linie gelegt, jetzt gilt es „nur noch“, die Kugel ins Netz zu befördern. Und zwar einmal mehr als es an diesem Sonntag die Augsburger können. Diese Spiele waren sooooooooo wichtig. Hertha BSC besiegt Braunschweig 2:0, Mainz 05 besiegt Nürnberg ebenfalls 2:0 – es bleibt „unten“ also alles so wie vor diesem 32. Spieltag. Das sorgt schon mal für ein gewisses Durchatmen. Und wenn sich nun noch die Hamburger Profis die „netten“ (oder markigen) Sätze von Oliver Kreuzer zu Herzen nehmen, dann müsste es doch morgen etwas geben. Zumal Gastgeber FCA ja zurzeit auch nicht unbedingt Bäume ausreißt. In den letzten sechs Spielen gab es für die Mannschaft von Trainer Weinzierl nur einen Sieg (und zwei Unentschieden) – den aber, immerhin, gegen den FC Bayern . . .

Der HSV hat an diesem Sonnabend schon am Vormittag trainiert. Öfter mal was Neues. Sonst wird ja das Abschlusstraining möglichst zur Anstoßzeit durchgeführt. Die Mannschaft sollte aber an diesem Nachmittag komplett vor dem Fernseher sitzen, um die Konkurrenz zu beobachten. Hoffentlich hat es die Spieler „scharf und bissig“ gemacht, nicht dass diese Resultate so gut waren, dass man sich schon wieder ein wenig zurücklegen kann. Hoffentlich. Zumal ja auch die unglaubliche Auswärtsmisere bekämpft werden muss. Nur zwei Siege in der Fremde, davon ein geschenkter „Dreier“ in Freiburg (als Torwart Baumann gleich dreimal patzte), das müsste eigentlich jedem Profi zu denken geben. Wie hatte Club-Chef Carl-Edgar Jarchow (mit in diesem Ausgburger Trainingslager) nach der Niederlage in Hannover noch im NDR gesagt:
„So ein Spiel kann nicht sein. Woher es kommt, dass man auswärts so antritt wie man angetreten ist, ist uns auch noch ein Rätsel. Wenn man gerade in der jetzigen Situation nicht begreift, dass man mit einer anderen Einstellung da reingehen muss, hat man seinen Beruf verfehlt.“

Jetzt sind nur noch die Spieler gefragt. Sie müssen nun zeigen, dass sie ihren Job doch nicht verfehlt haben. Und dass sie inzwischen wissen, für welchen Club sie da ihre Buffer schnüren. Das ist kein Allerwelts-Verein, sondern der HSV, der Dino, der Club mit großer und größter Tradition. Für den muss man sich jetzt noch dreimal in der Ersten Liga den Hintern aufreißen. Und beim Training heute waren alle Spieler, die morgen zum Einsatz kommen sollen, dabei. Auch Marcell Jansen und Milan Badelj, die beide spielen werden. Ganz leise Zweifel gibt es noch um das Mitwirken von Heiko Westermann, der unter einer (leichten?) Grippe leidet. Mit von der Partie morgen ist Michael Mancienne, der sich in der Woche eine Platzwunde am Kinn zugezogen hatte (die genäht werden musste), der Engländer trainierte ohne Schwierigkeiten mit. Am Freitag hatte Trainer Mirko Slomka ja die Variante mit Hakan Calhanoglu als Stürmer geübt, davon war heute nichts zu erkennen – aber es war ohnehin nichts zu erkennen, Slomka will sich noch nicht in die Karten blicken lassen, und das ist auch richtig so.

Ich würde mich ja freuen, wenn es doch noch eine ganz andere Variante im HSV-Angriff geben würde. Statt „Hacki“ Calhanoglu ganz vorne „Neuzugang“ Kerem Demirbay. Der junge Mann wirkt zwar ein wenig zerbrechlich, aber er hat es „an den Füßen“, er könnte den Ball halten und verteilen, und er kann dribbeln. In meinen Augen wäre es ein Versuch wert. Und Jacques Zoua könnte dann von der Bank kommen, wenn es Sinn macht. Vielleicht wird dem Kameruner so ein wenig Druck genommen, den er sonst verspürt, wenn er da vorne ganz allein auf Tore-Jagd gehen muss und er weiß, dass dabei „ganz Hamburg“ auf ihn blickt. Diese Variante wäre vielleicht mal etwas ganz Überraschendes. Und für den Gegner auch eventuell Verwirrendes. So oder so, es muss ja in Augsburg was passieren – im zuletzt so harmlosen HSV-Angriff.

Mit dieser Anfangsformation könnte (!) der HSV morgen ins Spiel gehen:
Adler, Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen; Badelj, Rincon; Ilicevic, Tesche, Jiracek; Calhanoglu. Also – so denke ich – ohne Tolgay Arslan und Jacques Zoua. Schiedsrichter der Partie ist Tobias Welz (Wiesbaden).

So, nun noch etwas vom Rande. Es geht um Ex-HSVer.

Felix Magath lag mit Fulham lange 2:1 gegen Hull City in Front, dann gab es doch noch das Gegentor in der 87. Minute – weiter Abstiegsplatz. Ein Punkt zum rettenden Ufer. Thomas Doll dagegen hat in Ungarn eine Siegesserie gestartet. Der vierte „Dreier“ in Folge mit Ferencvaros Budapest, diesmal gab es einen 1:0-Erfolg gegen Kaposvari Rakoczi – weiter Tabellenplatz vier.

An diesem Sonntag gib es – nach dem Schlusspfiff in Augsburg – wieder ein „Matz ab live“, „Scholle“ und ich werden mit Lotto King Karl und dem früheren HSV-Verteidiger Tobias Homp (zu Happels Zeiten) über das Spiel sprechen und die (dann neue?) Abstiegs-Situation analysieren.

Dann gibt es weiterhin viele Zuschriften, Mails, Anrufe, sms und Beiträge bei und zu „Matz ab“. Das Moderatoren-Team hat mir dabei eine Analyse von unserem User „no mercy“ ans Herz gelegt:

„Die fehlende Qualität des HSV auf dem Platz ist hinlänglich thematisiert. Die Mentalität des gesamten Vereins wird in der Handlung auf dem Platz sichtbar. Das Gesamtsystem hat keine positive Perspektive und kein leistungsorientiertes Selbstverständnis. Der HSV hat sich vor einigen Jahren davon verabschiedet, dass nur Leistungsprinzipien und der durch alle Ebenen gelebte Wunsch permanent besser zu werden, Erfolge schaffen kann. Der Wertemaßstab des „Systems HSV“ ist verrückt und der schleichende Verfall von Erfolgsprinzipien als gemeinsame Leitschnur findet sein Ende in der heutigen Leistungsfähigkeit der Mannschaft. Sie ist nur das sichtbare Ende der Fehlerkette.
.
Vor einigen Jahren gab es ehrgeizige Ziele, die den HSV unter den TOP 20 in Europa positionieren wollten und es gab in der Mannschaft den in Personen sichtbaren Anspruch Erfolge zu erreichen (Rost, Olic, van Buyten….). Leider sind auch in diesen Zeiten einzelne Personen wichtige geworden als das Gesamtziel (2 Jahren ohne sportliche Leitung) und es gab niemanden der dem Einhalt geboten hat (AR). Leider sind dadurch Grundprinzipien beliebig geworden, sofern sie denn überhaupt formuliert waren. Und die Strukturen des Systems („Kontrolle des Vereins durch Basisdemokratie und Supporters-Amateure) haben keinem der Missstände frühzeitig einen Riegel vorgeschoben oder haben dafür gesorgt, dass nicht Tagesformen, Trainerphilosophien, Zufälle, immer wieder wechselnde Nachwuchskonzepte oder fachliche Inkompetenz die Geschicke (lange) bestimmen. Es gab eine Negativspirale der akzeptierten Mittelmäßigkeit und Selbstzufriedenheit, statt einen Anspruch nach dauerhaftem Erfolg.
.
Der HSV wurde in seiner Ausrichtung beliebig und nicht griffig. Statt dem nachhaltigen Leben einer durchgängigen Philosophie wurden immer wieder situativ agiert. Tagesaktualitäten bestimmen dann Entscheidungen und nicht das Umsetzen einer Philosophie, die von allen Akteuren sichtbar (!) gelebt wird. Diese Philosophie muss ein Monolith sein, der von der Führungsspitze vorgelebt wird (Positivbeispiel Dortmund nach der Fast-Insolvenz). Beim HSV regiert Wankelmütigkeit, wie in den Leistungen auf dem Platz, da die auch die Mannschaft keinen „Spirit“ hat. DAS ist der Geist des Systems HSV!
.
Einzelerfolge werden viel zu hoch bewertet (Vertragsverlängerung Çalhanoğlu, Tha) und es wurde kein kritische Gesamt-Resümee über die Arbeit einzelner Personen getroffen. Das kann nur bedeuten, dass es keine verifizierbaren Ziele gab oder eine schonungslose Analyse unterlassen wurde. DAS ist dann die Mentalität, die auf eine Mannschaft abfärbt und das Handeln der einzelnen Systemmitglieder bestimmt, denn es werden Zielverfehlungen zuglassen (bei Bayern wurde Nerlinger trotz Meisterschaft u.a. wegen Zielverfehlung entlassen) und nicht sanktioniert. DAS ist dann der Geist des Systems HSV!
.
Es wird immer wieder zugelassen, dass neue Akteure das System bestimmen, aber nicht das System Vorgaben macht und den Rahmen absteckt. Es muss eine Passung von neuen Akteuren zum System geben, damit Kontinuität und wohldosierte Veränderung greifen können. Ob dies Spielphilosophien sind oder Grundtendenzen bei der charakterlichen Zusammenstellung der Mannschaft. Beim HSV haben immer neue Trainer in immer kürzerer Folge ihre eigenen Vorgehensweisen und Grundhaltungen realisiert, weil es z.B. keinen klaren Rahmen gab, der von einem Sportdirektor durchgezogen wird. So haben wir heute eine bunt zusammengewürfelte Mannschaft, die auf dem Platz und außerhalb keine Balance hat und bei der ein Gönner seinen Lieblingsspieler verpflichtet (wie in der Kreisklasse 6). DAS ist dann der GEIST des Systems HSV!
.
Die aktuelle Situation ist damit nur die Spitze des Eisbergs, der sich über Jahre aufgebaut hat. Der aktuelle Tabellenplatz und die Situation der Mannschaft ist eine Konstellation des Gesamtvereins. Damit ist es kein Problem von 3 oder 4 Spielen, sondern das Ergebnis eines ‚hart erarbeiteten‘ Missstandes. Es liegt nicht an der aktuellen Situation, den Verletzten oder dem „Pech im Abstiegskampf“. Und damit ist die Lage noch dramatischer . . !“

Und zum guten Schluss noch einmal, damit hatte ich begonnen, etwas zu verbalen Entgleisungen. Vor Wochen hieß es in Nürnberg immer, wochenlang, dass sie dort mit der Arbeit von Trainer Gertjan Verbeek sehr zufrieden seien – und sie mit dem Niederländer dann zur Not auch in Liga zwei gehen würden. Und dann doch die Entlassung. Die hielt ich noch irgendwie für logisch, aber was dann kam? „Der Trainer ist hier nie richtig angekommen.“ Und: „Der Trainer hat die Situation unterschätzt.“ War von den Offiziellen zu vernehmen. Da passt doch was nicht.
Aber es muss wohl auch an niederländischen Trainern liegen . . . Von wegen unterschätzt und nicht angekommen. Verbeek wollte nach der letzte Niederlage auch zwei Tage frei geben. So geht der etwas andere Abstiegskampf – in Holland. Komisch das alles.

Und zu Verbeek gab es dann auch die Reaktion von Freiburgs Trainer Christian Streich. Ihr werdet Euch erinnern, die beiden Männer waren beim Spiel gegeneinander ganz gehörig aneinander geraten. Jetzt kommentierte Streich die Entlassung Verbeek wie folgt: „Ich versuche, gegen Dinge wie Schadenfreude anzukämpfen . . .“ Oh man, Herr Streich!

Apropos Streich: Ein genialer Streich soll dem HSV morgen in Augsburg gelingen, und zwar von 15.30 Uhr bis 17.20 Uhr. Ungefähr. Genial wäre ein Sieg. Endlich mal ein Auswärtssieg. Das wäre es doch.
Drückt die Daumen!

Nur der HSV.

18.47 Uhr

1500 Fans legen eindrucksvoll vor – jetzt ist die Mannschaft in der Pflicht

18. April 2014

Das war mal ein amtlicher Auftritt! Der Supporters Club hatte gerufen, und tausende sind gefolgt. Rund 1500 Zuschauer verfolgten am heutigen Nachmittag ab 16 Uhr das Abschlusstraining der Mannschaft. Mit Applaus und HSV-Rufen wurde die Mannschaft um Trainer Mirko Slomka empfangen, während des Trainings bedacht und am Ende auch so verabschiedet. „Eine richtig geile Aktion“, freute sich Dennis Diekmeier – und sprach stellvertretend für den Rest der Mannschaft, die sich ihrerseits mit Applaus für den Support bedankte.

Die Sendung beginnt um 21:00 Uhr.

„Das war doch die perfekte Einstimmung“, freute sich auch Trainer Mirko Slomka, der in den letzten Wochen immer wieder betont hatte, wie wichtig die Fans für die Mannschaft sind. „Dass die hier so zahlreich erscheinen ist ein tolles Zeichen.“ Bleibt zu hoffen, dass die Mannschaft das Zeichen verstanden hat und in zusätzliche Energie umwandeln kann. „Wahnsinn“, sagte Heiko Westermann anschließend, „so viele Fans – und das dann noch bei so besch…. Wetter. Sowas habe ich noch nie erlebt.“


Noch wichtiger als die schöne Erkenntnis, dass in Hamburg zusammengehalten wird, war allerdings die Trainingseinheit an sich. Heiko Westermann wirkte wieder komplett mit und wird morgen Abend gegen Wolfsburg wieder die linke Seite in der Viererkette übernehmen. „Ich habe heute ohne Schmerztabletten alles mitmachen können und werde morgen mit Schmerzmittel spielen können“, so Westermann. Milan Badelj hingegen fehlte und wird auch morgen nicht zum Kader gehören.

Foto-1

Dafür aber Kerem Demirbay. Erstmals seit dem 14. September 2013. „Ich habe immer daran geglaubt und gehofft, in dieser Saison noch zurückzukehren. Jetzt fühle ich mich wieder gut“, freute sich Demirbay, der im Training zu den auffälligsten Akteuren zählte. Bissig, handlungsschnell und ballsicher spielte der 20-Jährige im vermeintlichen B-Team. Und ehrlich gesagt, abgesehen davon, dass ich neugierig bin, wie sich der kampfstarke Linksfuß in der Bundesliga machen würde, empfahl er sich heute. Er traf, er gewann seine Zweikämpfe und wirkte so, wie man sich den Rest der Mannschaft für morgen Abend erhofft: als würde er ein Endspiel spielen. „Kerem macht sich gut“, hatte Slomka zuletzt lobende Worte für den Rückkehrer. Ob Demirbay schon eine Alternative für die Startelf sei? „Mit einem Einsatz von Beginn an tue ich mich noch etwas schwer.“

Dennoch wird die Startelf von morgen das erste Mal seit langem mal wieder spannend. Denn klar ist, dass Adler im Tor steht und vor ihm die Viererkette (von rechts nach links) mit Diekmeier, Djourou, Mancienne und Westermann agiert. Davor scheint Tolgay Arslan zusammen mit Rincon eine erneute Chance zu bekommen. Zum einen, weil Badelj fehlt. Zum anderen, weil Demirbay laut Slomka noch nicht so weit ist. Und dann wird es schon spannend.

Denn offen scheint, wer auf der Zehnerposition spielen wird. Sollte Slomka Calhanoglu in die Mitte ziehen, spräche das für Jiracek auf links und Ilicevic über rechts. Möglich ist aber auch, dass Slomka erstmals den zuletzt von ihm immer wieder gelobten Robert Tesche auf die zentrale Position hinter den einzigen Angreifer, Jacques Zoua, stellt. „Es wird einige Umstellungen geben“, hatte Slomka angekündigt. Und es wird sie verletzungsbedingt schon geben müssen.

Dieter hat gestern ein sehr interessantes Telefonat geführt mit einem meiner früheren Heroen: Jan Furtok. Und der ehemalige HSV-Stürmer von 1988 – 1992 (135 Bundesligaspiele, 50 Tore) leidet mit seinem Ex-Klub. „Es ist eine schwere Situation“, so der Pole, „aber ich hoffe und glaube daran, dass der HSV es am Ende schafft. Die Bundesliga ist ohne den HSV keine Bundesliga.“

Schöner Satz zum Abschluss. Denn das soll es für heute sein. Ich hatte überlegt, an dieser Stelle noch mal die Bedeutung des Spiels morgen zu betonen. Aber ehrlich gesagt ist mir das über. Ich kann und will es nicht mehr schreiben, weil es einfach zu selbstverständlich ist. Oder sieht das hier irgendwer anders?

Nein, jetzt müssen Taten folgen. Schöne, vollmundige Ankündigungen hatten wir mehr als genug. Die Fans haben vorgelegt – jetzt ist die Mannschaft in der Pflicht.

Bis morgen.
Scholle

P.S.: Wer mehr von und über Jan Furtok lesen will, dem empfehle ich den Sportteil das Abendblattes von morgen.

Brandreden sind nicht das richtige Mittel – zumindest nicht mehr…

14. April 2014

Natürlich ist die Relegation etwas, was ich sofort unterschreiben würde. Schließlich ist man damit nicht direkt abgestiegen. Es wäre inzwischen, nach diesem grauenvoll leblosen und qualitativ beängstigenden Auftritt in Hannover, für mich schon ein echter Teilerfolg. Und dabei haben ich weniger Bedenken, dass der 1. FC Nürnberg den HSV überholt denn Braunschweig. Denn bei allem nötigen Respekt – aber wenn sich eine Mannschaft, die qualitativ so weit hinten ist, bis zum Schluss im Rennen um den Klassenerhalt nicht abhängen lässt, ist das alle Achtung wert. Und leider auch relativ leicht zu erklären. Denn die Eintracht wusste von Beginn an, worum es geht. KÄMPFEN statt zelebrieren – scheißegal wie punkten statt Gegner deklassieren zu wollen. Da werden Spiele vergeigt, weil man schlichtweg unterlegen ist. Aber im Gegensatz zu den Konkurrenten wird es nie verpasst, den nötigen Einsatz an den Tag zu legen. Im Gegenteil.


>>> Zur Version für Iphone und Ipad

Umso erschütterter bin ich ob der Hannover-Darbietung des HSV noch immer. Ich habe Sonntag frei gehabt und mit keinem HSVer gesprochen, um mal abzuschalten. Aber wie höchstwahrscheinlich bei Euch auch, ging und geht das nicht. Schon ein einziger Satz, wie der von Taolgay Arslan („Wir waren überrascht, das Hannover von Beginn an so viel Druck macht“) bringt meinen Puls auch jetzt noch binnen Millisekunden gen Siedepunkt.

WIE BITTE? Was denn bitte sonst?? Was erwarte ich denn bitteschön von einem Team, das in den Abstiegssumpf gezogen werden könnte, dessen Trainer zur Disposition steht (stand) und das ein Kurztrainingslager macht, um näher zusammenzurücken – und das zu Hause spielt?? Nein, so viel Verkennung ist unfassbar und schlichtweg nicht bundesligatauglich.

Deshalb habe ich heute Tolgay angerufen und ihn auf diesen alarmierenden Satz angesprochen, den ich sogar als ein weiteres Indiz für einen Abstieg bezeichnen würde. „Ich hatte mir Hannovers Aufstellung angesehen, um mich vorzubereiten. Und dabei fielen zwei, drei Umstellungen auf, die mich eine defensivere Herangehensweise der Hannoveraner vermuten ließen. Dass sie dann aber von Beginn an alles nach vorn werfen, damit hatte ich in der Wucht nicht gerechnet. Aber schon nach der zweiten Szene waren die 96-Fans wieder voll da und wir hatten noch keine Lösung.“ Daher habe er versucht, das eigene Spiel zu ordnen. „Wir mussten die Lücken kleiner machen zwischen Tomas und mir mit der Abwehrreihe sowie zum Sturm. Aber das haben wir nicht geschafft. Wir hätten allesamt tiefer stehen oder vorrücken müssen – aber wir haben weder das eine noch das andere konsequent umgesetzt und Hannover Räume geöffnet.“

Dass er selbst ein schwaches Spiel gemacht hat, sieht Arslan genauso. „Wir hatten keinen Zugriff und kamen nicht rein. Tomas und ich haben zu viele Lücken gelassen und unser ganzes Konstrukt hat gewackelt. Und ich kann nur sagen, dass es nicht mangelnder Wille war. Allerdings weiß ich auch nicht, was es war. Dabei habe ich seit Schlusspfiff über nichts anderes nachgedacht. Ich habe richtig Bauchschmerzen bekommen, weil ich es mir selbst nicht erklären konnte, weshalb ich so überhaupt nicht ins Spiel gefunden habe.“

Wahnsinn. Ehrliche Aussagen von Arslan zwar – allerdings auch beängstigende. Denn genau das habe ich immer befürchtet: Dieser Mannschaft mangelt es an „Eiern“, an Spielern, die Verantwortung übernehmen. Nicht mal jetzt kristallisieren sich echte Führungsspieler heraus – den jungen Hakan Calhanoglu sportlich mal rausgenommen. Nicht mal jetzt, in einer komplett eindeutigen und zweifellosen Situation kriegen es die elf Herren auf dem Platz – egal welche – mal länger als für ein Spiel hin, sich den Allerwertesten aufzureißen. Mehr noch: Sie lassen sich überrennen und sind „überrascht“. Dass letztlich auch ne Menge Pech dazukam und eine Abseitssituation zur Niederlage führte – es ist nur symptomatisch für diesen anhaltenden Niedergang. Wie so vieles, was in diesem Verein in dieser Saison passiert ist und noch immer passiert.

Aber dennoch, auch wenn es schwerfällt – jetzt muss wieder angefangen werden, nach vorn zu schauen. Der VfL Wolfsburg und Ivica Olic nahen und wollen seine Chancen auf einen Platz in der Champions League wahren. Und weil der Name wieder eine wichtige Rolle spielen könnte – Olic war für den HSV tatsächlich nicht zu holen. Im Winter war das Thema einmal aufgekommen und der HSV hat sich trotz anderslautender Ansagen tatsächlich mit dem Kroaten beschäftigt. Weil er vom Herzen her in der Bundesliga am ehesten Hamburger ist und ebenso gern wieder für den HSV spielen würde, wie er einst seinen ausverhandelten Vertrag hat unterschreiben wollen. Allerdings soll Olic in Wolfsburg knapp sechs Millionen Euro per annum verdienen – völlig utopisch für den HSV. Zumal Olic keine Investition ist, die man als perspektivisch bezeichnen könnte.

Allerdings tut es weh, wenn man sieht, wie sehr er hätte helfen können und wenig beim HSV geht, nur weil im Angriff nichts los ist. Insofern hätten sich weitere Schulden auf die eh schon 100 Millionen zumindest in Sachen Lizenzvergabe gelohnt. Denn die Klasse wäre mit einem Olicv inzwischen gehalten, da bin ich mir sicher. Und der Mangel an Stürmern wird nach meiner Meinung letztlich sportlich ein Hauptkriterium für die schwache Saison sein. Denn es geht zumindest dann nichts, wenn Lasogga fehlt.

Und der wird nun einmal weiterhin fehlen. Wenn ich richtig informiert bin – was ich in diesem Fall nicht hoffe – dann dürfte der Angreifer sogar bis Saisonende kaum mehr einsatzbereit sein. Denn obwohl der HSV offiziell mitteilte, man würde Lasogga schonen, gerade weil man nichts Akutes finden kann, wurde mir gesagt, dass er deutlich schwerwiegender verletzt sei. Es seien keine „Muskelprobleme“ sondern ein Muskelbündelriss, der Lasogga aussetzen lässt. Und der kann auch gut und gern mal sechs Wochen dauern. Aber ich wäre auch in diesem Fall froh, wenn ich falsch liege.

Bis dahin jedoch muss der HSV punkten – egal wie und egal mit wem auf dem Platz. Heiko Westermann soll am Mittwoch oder Donnerstag wieder ins Training einsteigen und er soll seine Leistenprobleme bis zum Sonnabend soweit in den Griff bekommen, dass er auflaufen kann. Schwieriger gestaltet sich die Situation bei Rafael van der Vaart, bei dem ein Einsatz am Sonnabend nach jetzigem Stand eher unwahrscheinlich ist. Dass Milan Badelj spielen kann wird zwar gehofft, ist aber noch lange nicht sicher. Allerdings dürfte das Hannover-Spiel einmal mehr gezeigt haben, dass Kampf und Jugend allein nicht reichen, um die Zentrale zu besetzen. „Milan ist unser Spielgestalter aus der Defensive heraus. Er kann sicher noch viel mehr, als er bisher gezeigt hat“, so Sportchef Oliver Kreuzer, „aber er ist eigentlich nicht mehr wegzudenken. Er übernimmt Verantwortung und leitet unser Spiel.“ Das stimmt. Und wie auf allen anderen Positionen in diesem unzureichend zusammengestellten Kader muss auch hier relativ gedacht werden – denn die Konkurrenz ist schlichtweg nicht besser als Badelj.

Nicht wirklich besser macht die Situation übrigens Brandrede Nummer 62. Zumindest waren es inzwischen schon so viele, dass es inflationär wirkt, wenn Oliver Kreuzer die Mannschaft mit „unterirdisch“ oder dergleichen anzählt.

Wobei, es ist mitnichten so, dass die Mannschaft das nicht verdient hätte. Ganz im Gegenteil: Wenn Trainer Mirko Slomka könnte, würde er sicher ähnliche Reden schwingen und den einen oder anderen Spieler rauswerfen und ersetzen. Aber das geht eben nicht und jetzt muss mit dem gearbeitet werden, was da ist. Die Situation ist gerade einmal vier Spieltage vor Schluss so eindeutig wie nie: Nichts, aber auch wirklich GAR NICHTS darf diese fragile Mannschaft jetzt noch ablenken.

Auch keine (noch so notwendige) Strukturdebatte. Obgleich ich für morgen befürchte, dass dann einen Tag vor der Infoveranstaltung (Mittwoch 19 Uhr im Spiegelsaal des Grand Elysée) neue Namen hinter dem Konzept HSVPlus öffentlich werden und für Diskussionen sorgen. Aber Diskussionen anzuzetteln, das muss zumindest kein Sportchef mehr machen. Zumal dieser letztlich genau diese Spieler zusammengestellt und vor allem auch für gut genug befunden hat.

In diesem Sinne, morgen wird um zehn und um 15 Uhr trainiert.

Scholle

P.S.: Jonathan Tah (Rückenprobleme) trainierte zusammen mit Milan Badelj und Marcell Jansen individuell mit Rehatrainer Markus Günther.

Slomkas 100. Bundesligasieg muss her…

11. April 2014

Das hatte schon eine gewisse Situations-Komik. Der HSV trainierte vor dem so wichtigen Spiel bei und gegen Hannover 96 unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Fast jedenfalls. Denn im Osten der Anlage im Volkspark gibt es eine klitzekleine Lücke. Durch die hätte Mann sehen können, wenn die nicht von einem Ordner besetzt worden wäre. Ein Power-Ordner, der auch das Volumen hatte, diese Lücke vollständig zu verdecken. Ein Typ wie es einst Rudi Carrell gewesen ist, also lang und dünne, der hätte diese Lücke nicht ausfüllen können. Und so stand der etwas rundliche Herr (rundlicher als ich – auf jeden Fall!) dort eine Stunde und verdeckte die Lücke. Das erinnerte mich an David gegen Goliath, da hatte der Koloss ja auch eine Schwachstelle – aber die hatte der HSV eben selbst erkannt und entschlossen gehandelt.


Wenn keiner zusehen soll, dann ist es auch keiner. Der Ordner selbst verkniff sich das Zusehen dann auch – meistens jedenfalls, ab und an luscherte er schon, aber er wollte wohl nur wissen, ob das Training noch läuft – wg. Feierabend. Und dieser kam dann schon und doch nach 45 Minuten: Nach der Aufwärmphase gab es noch ein kleines Spielchen – und Ende. Es spielte dabei nicht die für 96 gedachte Mannschaft gegen die B-Elf, sondern zwei bunt durcheinander gewürfelte Mannschaften. Erkenntnisse, wer morgen spielt, gab es deshalb nicht.


Um ehrlich zu sein, riss mich dieses Spielchen auch nicht von den Socken. Eher war das Gegenteil der Fall. Da lief herzlich wenig zusammen. Ich telefonierte gerade mit einem Kollegen aus Hannover, als ich mich nach dem x-ten Fehlpass dazu hinreißen ließ zu sagen: „Wenn der HSV morgen so spielen sollte, dann . . .“ Gute Nacht. In Hannover. Nein, besonders rund lief es nicht. Das gipfelte in einem Elfmeter, den Ivo Ilicevic schießen durfte (er war im Nicht-van-der-Vaart-Team). Im Tor stand Jaroslav Drobny, und der sah den Ball gar nicht. Die Kugel stieg nicht nur über das Tor, sondern auch noch über den Zaun. Es gibt Gerüchte, nach denen die Ballholer die Pille immer noch suchen . . . Etwas zielsicherer war zuvor Rafael van der Vaart, der für das erste Tor in diesem Kick zuständig war – der Niederländer drosch die Kugel in den rechten oberen Winkel – Bing-Bong, Avon läutet schon bald auch bei Ihnen. Ansonsten aber, das muss ich auch erwähnen, war auch vom kleinen Engel nicht so viel zu sehen, eher war auch hier das Gegenteil der Fall. Aber, so mein Trost, vielleicht haben sich die Helden heute ja auch nur für morgen geschont.

Aber, auch das ist nun mal Tatsache, bei Hannover 96 läuft es ja auch nicht so, wie erwünscht. Lange nicht. Zum ersten Mal seit Jahren gab es vier Pleiten in Folge. Und deshalb ist die Luft an der Leine nicht so besonders rein, eher das Gegenteil ist der Fall. Die Mannschaft war nun drei Tage im Trainingslager in der Hotel-Residence Klosterpforte in Harsewinkel-Marienfeld, um sich auf dieses Abstiegs-Endspiel in aller Ruhe und Abgeschiedenheit vorzubereiten. Ob es hilft, werden wir alle morgen um 17.20 Uhr wissen.

Neben den gesperrten Hoffmann und Huszti wird auch Pocognoli fehlen, er hat Rücken. Und nicht zum Einsatz kommen sollen (auf jeden Fall nicht von Beginn an) die beiden Innenverteidiger Sane und Marcelo. Die beiden Spieler, einst auch von Mirko Slomka (und Sportchef Dufner) an die Leine geholt, haben bislang nicht das gebracht, was sich alle von ihnen erhofft hatten. Und zudem soll sich Sané in diesem Trainingslager mit Trainer Tayfun Korkut (der, da gibt es durchaus Parallelen zum HSV, auch und sehr wohl Trainer des eventuellen Zweitliga-Clubs Hannover 96 bleiben soll) angelegt haben – der Abwehrspieler zeigte dem Coach nicht genügend „Leben“ im Training. So kann es gehen. In der Innenverteidigung von 96 spielen deshalb zwei Leute, die eigentlich keine Innenverteidiger sind: Andreasen und Schulz. Beide werden sich wärmstens um Jacques Zoua kümmern. Und ob dazu auch um Mattia Maggio, dem Nachwuchsmann des HSV, das ist dann – etwas später als 15.30 Uhr – wahrscheinlich alles eine Frage des Spielstandes. Vor dem Spielchen heute nahm sich Mirko Slomka den Stürmer der U23 noch einmal kurz unter vier Augen zur Brust. Einstimmung für ein ganz, ganz wichtiges Spiel. Das übrigens von Schiedsrichter Robert Hartmann (Wangen) geleitet wird.

Dass morgen viel auf dem Spiel steht, muss wohl niemandem plausibel gemacht werden – oder? Es ist ja alles auch eine Art Rechenexempel. Der HSV empfängt danach den VfL Wolfsburg, die wollen noch in Richtung Champions-League-Qualifikation. Dann geht es zum FC Augsburg, und dieser Club (vor allem Trainer Weinzierl und Sportchef Reuter) ist nicht besonders gut auf den HSV zu sprechen, weil die Hamburger sich in jüngster Zeit um zwei Augsburger (Vogt und Ostrzolek) für die kommende Saison bemüht haben soll. Da wird auf jeden Fall mal nichts an Geschenken zu erwarten sein. Danach kommen dann die Bayern, die sich (wohl) kein zweites „Augsburg“ erlauben können und wollen, und danach wartet der Karnevalsverein 05 in Mainz. Mit einem Trainer namens Tuchel, der immer nur eines kennt: Vollgas. Und siegen. Deswegen ist es für den HSV wohl besser, es schon mal morgen in Hannover zu versuchen, einen oder drei Punkte mit an die Elbe zu bringen. Besser wäre es.

Leider kann dabei, es ist ja inzwischen jedem HSV-Fan bekannt, Pierre-Michel Lasogga nicht mithelfen. Der Torjäger ist ja nun für 14 Tage ausgebremst worden, und man sagt ja (aus Erfahrung): „14 Tage Pause bedeuten 14 Tage Training, um sich wieder heran zu kämpfen.“ Dann kann sich jeder wohl ausrechnen, wie oft Lasogga noch im HSV-Trikot (diese Saison) auflaufen wird. Wobei ich diejenigen, die zuletzt schon meinten, dass sich Pierre Lasogga eventuell für einen neuen Club schonen könnte, absolut nicht verstehen kann. Miroslav Klose ist verletzt, Mario Gomez ist verletzt, wer soll da eigentlich (außer einer verkappen Neun) in der Mitte stürmen? Das wäre dann doch die Chance für Lasogga. Und ich glaube, dass er von dieser Chance auch durchaus etwas weiß. Ich vermute sogar, dass diese Chance Antrieb dafür war, dass er es immer wieder versucht hat – einige Male vielleicht oder wahrscheinlich sogar zu früh. Es ist schon bitter – für ihn und den HSV.

So, dann fertig machen zum Zittern. Wobei Mirko Slomka nicht nur die beste Punktebilanz aller Trainer beim HSV in dieser saison hat, sondern auch, weil der Ex-96-Coach ein Angsgegner der Niedersachsen ist. Fünfmal ging es für Hannover gegen Slomka (immer mit Schalke) – herausgekommen sind vier Slomka-Siege und ein remis. Zudem könnte Slokmka morgen in seinem 223. Bundesligaspiel als Trainer seinen 100. Sieg feiern. Also: Alles klar, oder??

Aber im Ersnst: Morgen spielen alle Abstiegs-Kandidaten um 15.30 Uhr, und das ist auch gut so. Es kann mal wieder ein hoch emotionales Hin und Her geben – mit dem hoffentlich besten Ende für den HSV. Also für den großen HSV. Die Rechnung ist klar: Mönchengladbach besiegt den VfB Stuttgart, der VfL Wolfsburg schießt den 1. FC Nürnberg weiter in den Keller, und der SC Freiburg und Eintracht Braunschweig trennen sich unentschieden. Das wäre es doch. Und wenn es dann so gut und super (oder so ähnlich) für den HSV gelaufen ist, könnte der HSV um 17.30 Uhr auf Tabellenplatz 13 rangieren. Okay, okay, ich will da gar nicht so viel „hochsterilisieren“ (wie Bruno sagen würde), aber es könnte ja immerhin sein. Nur ein Startplatz in der Europa League, der ist wohl nicht mehr so ganz drin . . . Ein Scherz, es ist nur ein Scherz. Wirklich.

Und so könnte der große HSV spielen: Adler – Diekmeier, Djourou, Mancienne, Westermann – Arslan, Rincon – Calhanoglu, van der Vaart, Ilicevic (Jiracek) – Zoua.

Bis morgen! Dann auch wieder mit einem Matz ab live nach dem Spiel. Aus dem Champs senden wir dann mit Frank Rost sowie “Sexmachine” Andreas Fischer ab ca. 17.30 Uhr live.

Dieter und Scholle

2:1 – Westermanns Schuss ins Glück!

4. April 2014

Der HSV ist wieder im Geschäft, der HSV ist wieder da, der HSV kann wieder hoffen. War das ein Spiel, ein Match, eine Schlacht! Von diesen 90 Minuten wird man noch lange, lange sprechen. Bayer Leverkusen wurde mit 2:1 aus dem Volkspark gekämpft, das war eine hervorragende Leistung des HSV, der diesen Sieg allerdings teuer bezahlen muss, denn Milan Badelj, Rafael van der Vaart und Jacques Zoua verletzten sich, mussten ausgewechselt werden – es sah nicht gut aus. Das aber, was der HSV heute auf den Rasen „zauberte“, wie er sich aufrieb, wie er alles gab, wie er bis zur völligen Erschöpfung kämpfte, das war klasse und konnte sich sehenlassen. Genau so geht Abstiegskampf, genau so muss Abstiegskampf bewältigt werden, so muss Abstiegskampf angegangen werden – „niemals Zweite Liga“. Kein Hamburger Zuschauer verließ nach Schlusspfiff das Stadion, die Fans standen auf ihren Plätzen und applaudierten ihren Helden für diese Klasse-Leistung. Weiter so. Jetzt mit einem Auswärtssieg in Hannover. Nur der HSV! Es darf geträumt werden.

Für Abendblatt-Blogs


Die Spiele werden immer weniger, die Punkte nicht mehr – vor dem Spiel gingen die meisten HSV-Fans schon ein wenig (oder ein wenig mehr) zittrig in die Arena. Wie schon seit Wochen hieß das Motto: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Es musste endlich einmal wieder ein Dreier her. Und das schien gegen dieses Leverkusen, das in den vergangenen Monaten nicht gerade geglänzt hat, durchaus möglich. Doch so schwach, wie ich die Werks-Elf erwartet hatte, war sie dann doch nicht. Gegen Braunschweig zuletzt war das Bayer-Team deutlich schwächer, aber hier in Hamburg brannte es plötzlich wieder – warum auch immer. Vor dem Anpfiff aber erlebte Heung Min Son, der „verlorene Sohn“, sein „blaues Wunder“, denn er wurde gnadenlos ausgepfiffen. Vorher – und dann im Spiel bei jeder Ballberührung. So unbarmherzig kann Profi-Fußball sein, die pfeifenden HSV-Fans haben dem Südkoreaner einst auf die Schultern geklopft und ihm nach Toren zugejubelt . . .

Diesmal wurde gleich zu Beginn ein Tor des HSV bejubelt. Ein traumhafter Treffer, über die halbrechte Seite vorgetragen. Hakan Calhanoglu trieb den Ball nach vorne, spielte die Kugel auf Rafael van der Vaart, der am Strafraumeck lauerte, der Niederländer ließ den Ball nur kurz abtropfen – und „Calle“ schoss. Wie ein Strich sauste der Ball aus 22 Metern in die lange Ecke des Bayer-Gehäuses, ein echter „Hammer“, ein typischer Calhanoglu – der Mann kann schießen, es ist ein Traum! Bereits sein neuntes Saisontor. Und dieser Hakan Calhanoglu ist ein „Einkauf“ des ehemaligen Sportchefs Frank Arnesen, und dieser großartige Einkauf wurde mit einer Verlängerung (von und mit HSV-Sportchef Oliver Kreuzer) schon beizeiten in Hamburg festgebunden und gehalten. Sollte mal erwähnt werden, in diesen schwierigen Tagen.

Nach dem 1:0 kam Leverkusen erst auf Touren. 120 Sekunden nach dem Tor musste Rene Adler sein ganzes Können unter Beweis stellen – und er stellte. Indem er einen mächtigen 20-Meter-Schuss von Kießling großartig parierte. Eckstoß. Und dieser hätte fast schon zum Ausgleich geführt, doch zum Glück stand Rafael van der Vaart am langen Pfosten und klärte gegen den einschussbereiten Rolfes. Bitter kurz darauf die Aktion von Son, der aus 20 Metern frei zum Schuss kam, es drohte noch einmal das 1:1 – aber der ehemalige Hamburger verzog die Kugel, der Schuss endete im Seitenaus (17.)!

Bayer kam, Bayer drückte – aber zwischendurch hatte sogar der HSV die Möglichkeit zum 2:0. Nach einem Eckstoß versuchte sich Michael Mancienne mit einem Fallrückzieher aus sieben Metern, doch der Ball strich knapp am Tor vorbei. Die Fans rauften sich die Haare, das war Pech (20.). Dann aber wieder Leverkusen. Flanke Rolfes, Kopfball Kießling aus sechs Metern – auch das hätte ein Tor sein dürfen, aber der Ball strich um Zentimeter am langen Pfosten vorbei (22.). Es ging hin und her, Leverkusen schien den einen kleinen Tick stärker als der HSV zu sein, aber die Hamburger standen gut und verteidigten mit Glück und Geschick. Besonders die Innenverteidigung mit Johan Djourou und Michael Mancienne (Super-Kopfballspieler!) stand eisern und ließen selten etwas Gefährliches zu. Pech für den HSV, dass sich Milan Badelj bei einem Fernschuss verletzte – offenbar eine Zerrung im Oberschenkel. Er musste vom Platz, für ihn kam Tomas Rincon (34.), der sofort auf Betriebstemperatur war. Das war ein Spiel für „Popeye“, er ging keinen Zweikampf aus dem Wege, er hielt seinen rechten Fuß überall mit hinein.

Nach 35 Minuten glänzte erneut Rene Adler, der einen Son-Kopfball aus fünf Metern super meisterte – eine Super-Parade. Und dann kam gegen Ende des ersten Durchgangs wieder der HSV. In der Nachspielzeit schoss van der Vaart aus 20 Metern, Leno ließ den eigentlich harmlosen Schuss aus den Händen gleiten, doch Petr Jiracek fehlten zehn Millimeter, um die Kugel ins Netz zu drücken – man, man, war das Pech. Halbzeit.

Und im zweiten Durchgang zunächst auch der HSV. Calhanoglu zog aus 20 Metern ab, ein großartiger Schuss – aber Leno ebenso toll, der Bayer-Keeper lenkt die Kugel zur Ecke (54.). 60 Sekunden später eine ganz heikle Szene: Erst geht Jiracek in Abseitsstellung zum Kopfball, der hinter ihm stehende Jacques Zoua bemächtigt sich des Balles (auch mit der Hand?) – und wird vor einem Schussversuch umgeschubst. Elfmeter? Der HSV protestiert wild, aber Schiedsrichter Bastian Dankert (Rostock) bleibt ruhig und lässt weiterspielen. War wohl salomonisch . . .

Und was war dann das 1:1? Leverkusens Nachwuchsspieler Brandt riskierte einen Verzweiflungsschuss aus 22 Metern – ein harmloses „Ding“. Adler aber machte was draus, er ließ den Ball durch die Hosenträger ins Netz flutschen. Wahnsinn. Welch ein Wahnsinn. Das kann doch kein Mensch fassen. Da hält der Keeper vorher Super-Schüsse, und dann ein solches Ding. Dann fängt er sich ein solches Katastrophen-Ding. Das kann doch alles nicht wahr sein. Warum kann dieser HSV nicht einmal nur 90 Minuten Glück haben? Vor mir rief mir ein HSV-Fan zu: „Gegen so etwas kann man nicht anspielen, so steigt man ab . . .“ Bitter.

Und dann auch das noch: Rafael van der Vaart musste raus. Der Niederländer hatte sich schon unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff an den linken Oberschenkel gegriffen, jetzt ging es nicht mehr, Humpelnd verließ der Kapitän den Rasen (67.) – für ihn kam Robert Tesche. Kurz darauf war auch für Zoua das Ende gekommen, er musste – wohl ebenfalls gezerrt – vom Platz, für ihn kam mit der Nummer 33 der junge Mattia Maggio (77.). Es geht immer mehr dem letzten Aufgebot zu, aber es war Dampf und Kampf und Leidenschaft drin. Kurz vor dieser Einwechslung hatte der Schiedsrichter noch einen Elfmeter „übersehen“, als Mancienne Son von den Beinen gehot hatte – das war großes Glück. Das 1:1 hatte weiterhin Bestand, aber Leverkusen war eindeutig Herr im Hause.

Das Tor aber fiel auf der anderen Seite. Endlich einmal. Und zwar bilderbuchartig. In der 84. Minute flankte Dennis Diekmeier von rechts, und am Elfmeterpunkt (was hatte er dort eigentlich zu suchen?) nahm Heiko Westermann den Ball volley. Aus elf Metern sauste die Kugel unhaltbar ins Netz – ein Tor des Monats. Das Stadion stand Kopf. Das war eine einmalige Stimmung, das war weltmeisterlich – traumhaft. Mannschaft und Fans waren ein Einheit: „Super Hamburg – ole!“ Die meisten Spieler krochen nur noch auf dem Zahnfleisch über den Rasen – und dann noch vier Minuten Nachspielzeit! Um Gottes Willen. Nach zwei Minuten rettet Adler riesig gegen Can, alles wieder gut gemacht! Das war eigentlich das 2:2. Unfassbar. Dieses Spiel, die Parade, diese Spannung, diese Dramatik – Wahnsinn, Wahnsinn, Wahnsinn! Dann der Schlusspfiff! Herrlich, dieser Sieg – es gibt Hoffnung.

Die Einzelkritik kommt heute von „Scholle“:

Adler: Rettete in der ersten Hälfte mehrfach großartig. Und dann patzte er in der 58. Minute. Unfassbar!! Aber noch unglaublicher als der Bock war, wie er sich anschließend wieder rausarbeitete und am Ende sogar den Sieg wieder rettete!

Diekmeier: Lauf, Forest, lauf!!! Jedesmal, wenn der HSV einen Konter fährt, muss er über rechts abgehen. Und das macht er auch – leider noch nicht effizient genug.

Djourou: In seinem 21. Spiel für den HSV bot er, was er zuletzt immer bot: Zweikampfstärke. Fußballerisch ist das nicht weit her bei ihm – aber er erfüllt so seine Aufgabe. Früher hieß es immer vom Trainer: „Johan, hol Dir den Ball und spiel ihn zum Mittelfeldspieler.“ Genauso macht er es. Gut.

Mancienne: der Herr der Lüfte. Der Mann des kompromisslosen Zweikampfes. Der Engländer bietet konstant den Kampf, den es in der aktuellen Situation bedarf. Und heute war er wieder richtig gut. Ob das am Ende reicht, um sich beim HSV langfristig zu etablieren, lasse ich dahingestellt. Aber das ist in den letzten Spielen dieser Saison auch absolut zweitrangig.

Westermann: Über die linke Seite brannte nichts an – aber es ging auch zu wenig nach vorn. Und dann DAS!!! WAS FÜR EIN HAMMER!! Und vor allem, wie wichtig!!! Für ihn ganz sicher – aber noch mehr für den HSV!

Arslan: Der Deutsch-Türke hält den Rhythmus: Gutes Spiel, schwaches Spiel, gutes Spiel, schwaches Spiel. Ich kann nur hoffen, dass er diese Reihenfolge in Hannover unterbricht und wieder ein gutes Spiel abliefert. Heute jedenfalls war er stark.

Badelj (bis 32.): Anspielbar, zweikampfstark, abschlussschwach – und dann leider verletzt raus. Bleibt nur zu hoffen, dass der Kroate nicht zu lange ausfällt.

Rincon (ab 32.): Er biss sich rein und arbeitete seine Gegner weg – aber ihm fehlt es an Ideen, wenn er mal am Ball ist.

Calhanoglu: Wo stünde der HSV ohne ihn? Der Deutsch-Türke traf nach schicker Kombination mit seinem kongenial(werdend)en Partner van der Vaart und war auch ansonsten – wie so oft ohne Lasogga – der torgefährlichste Hamburger. Er kämpfte bis zur Erschöpfung.

Van der Vaart (bis 67.): Ganz starke erste Halbzeit – dann ging er angeschlagen in die zweite Hälfte und konnte nichts mehr bewegen, bis er ausgewechselt wurde. Trotzdem: Zwei solche Halbzeiten wie heute in der ersten – dann ist alles wieder ok.

Tesche (ab 67.): Er fand nicht richtig ins Spiel.

Jiracek: Der unauffälligste HSVer. Er verlor eine Vielzahl Zweikämpfe. Aber wisst Ihr was? SCHEIßEGAL!!!!

Zoua (bis 77.): Der Kameruner ackerte wie immer hervorragend, er holte einen Elfer raus – der fälschlich nicht gegeben wurde. Kurzum: Das war wieder gut. Seine Leistungssteigerung in den letzten Saisonspielen kann am Ende ein nicht unwesentlicher Faktor auf dem Weg zum Klassenerhalt gewesen sein. Wer hätte das gedacht…?

Maggio (ab 77.): Erstes Bundesligaspiel – erster Sieg. Herzlich Willkommen, Mattia!

Und dann zum Schluss noch ein Hinweis: Es gibt heute trotz des fortgeschrittenen Tages wieder ein „Matz ab live“, wir sind gleich auf Sendung, unsere Gäste sind heute Rodolfo Cardoso und Soner Uysal. Wir freuen uns auf Euch.

22.35 Uhr

Hermann in Lebensgröße – und den Sieg vor Augen ***Korrektur: Cardoso zieht Klage zurück***

3. April 2014

Das ist doch mal eine gute Nachricht: Rodolfo Cardoso ist ab sofort Fußballlehrer. Herzlichen Glückwunsch dazu, Rodolfo! Der Argentinier hat die Prüfung zusammen mit 23 anderen Kursteilnehmern bestanden. Mit dabei waren Hermann Andreev, Manuel Baum, Achim Beierlorzer, Michael Boris, Carsten Busch, Joe Enochs, Daniel Farke, Markus Feldhoff, Uwe Grauer, Sören Hartung, Sebastian Hoeneß, Stephan Howaldt, Valérien Ismaël, Jens Kiefer, Petar Kosturkov, Carsten Lakies, Sabine Loderer, André Meyer, René Müller, Christian Preußer, René Rydlewicz, Hans-Walter Thomae und: Cardosos Nachfolger beim HSV als U23-Trainer, Josef Zinnbauer. Wobei der Rechtsstreit Cardoso auf Entfristung seines Arbeitsvertarges beigelegt wurde. Beide Parteien verständigten sich darauf, sich außergerichtlich einigen zu wollen. Auch das ist gut.

Erfreulich ist ebenfalls die Idee des HSV, dem verstorbenen Kultmasseur Hermann Rieger ein Denkmal zu setzen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Angedacht ist eine lebensgroße Statue, die für jeden am Eingangsbereich Nord-Ost vor der „Rautenwelt“ zugänglich sein soll, und ihn so zeigt, wie er war: Natürlich, herzlich und bodenständig. Die genauen Planungen zur Umsetzung laufen mit Hochdruck. Wer sich daran beteiligen will, kann spenden. Genaueres findet Ihr auf www.hsv.de.

Dort steht übrigens auch, dass Günter Perl pfeift – was Dieter den ersten kleinen Tod sterben lässt. Perl zählt nicht zwingend zu seinen Lieblingsschiedsrichtern, obgleich die Gesamtbilanz des HSV (8/7/6) unter Perl zu Hause noch positiv ist. Und angesichts des HSV-Songs „Hamburg, meine Perle“ sehe ich Perl als alles andere denn als schlechtes Omen. Wobei, ich sehe es ehrlich gesagt als: GAR NICHTS. Mich interessieren keine Statistiken vor diesem Spiel gegen Leverkusen. Denn ähnlich wie im Pokal zählen auch die letzten Saisonspiele zu denen mit ihren ganz eigenen Gesetzen. Plötzlich schlagen die Kleinen die Großen. Ergebnisse wie beim Eishockey werden häufiger – kurzum: die andere Saisonphase hat begonnen.

Mirko Slomka dürfte es gefallen. Immerhin hat sich der HSV-Trainer auf die Fahnen geschrieben, beim HSV alles anderes mache zu wollen als seine Vorgänger. Und damit liegt er tendenziell nicht falsch. Auch gegen Leverkusen wird Slomka wieder etwas verändern. Zum einen, weil Milan Badelj nach seiner Gelbsperre wieder ins Team rutscht, zum anderen, weil er es will. Im Training heute mischte er noch mal leicht durch und ließ beispielsweise Westermann und Diekmeier in der B-Elf trainieren. Dafür durften sich Jiracek und Rincon der A-Elf beim Spiel zehn gegen zehn zeigen. Und den Rest der Trainingswoche, die mit einem leichten Anschwitzen am Freitagmorgen komplettiert wird. Und auch erst morgen will der Trainer seinen Spielern die Kadernominierungen offenbaren. „Die Spannung hochhalten“, nennt Slomka das. Somit bleibt offen, ob der U23-Angreifer Mattia Maggio tatsächlich seine Premiere im Bundesliga-Kader feiert oder nicht.

Ziemlich sicher ist dagegen, dass Slomka gegen Leverkusen wieder auf die altbewährte Viererkette (Diekmeier, Mancienne, Djourou, Westermann) sowie auf Arslan und Badelj als Sechser, Calhanoglu auf links, van der Vaart hinter Zoua und auf Rincon als rechten Mittelfeldspieler setzen wird, nachdem Ivo Ilicevic auch heute nicht mittrainieren konnte und somit nicht in Frage kommt. Warum Jiracek nicht zum Zuge kommt? Gute Frage. Schlecht trainiert hat der Tscheche nicht, zuletzt in Gladbach brachte seine Einwechslung noch mal etwas Schwung.

Aber letztlich muss auch das egal sein. Der Tabellenstand gibt den Takt vor, und daran müssen sich alle halten. Alle müssen verstehen, dass hier nichts anderes zählt als ein Sieg. Egal gegen wen, egal mit wem. „Wir müssen von der Tribüne bis auf den Platz als Einheit funktionieren“, sagt Heiko Westermann und Milan Badelj ergänzt: „Der Kopf kann entscheiden – was bedeutet: die Mannschaft, die sich am wenigsten schlechte Gedanken macht, kommt am weitesten. Es geht jetzt darum, keine Angst zu haben und einfach Fußball zu spielen. Und zu kämpfen.“ Na dann. Meine Bitte an Adler, Badelj, van der Vaart und Co.: Bitte nicht nachdenken – einfach machen. Denn eines haben wir nicht mehr: Zeit.

Wobei die auch für Leverkusens Trainer Sami Hyypiä zu enden droht. In der Champions League von PSG demontiert holten die Werkskicker erst elf Punkte in der Rückrunde. So viel wie Braunschweig und lediglich drei mehr als der Abstiegskandidat HSV (8). Angesprochen auf eine Trainerdiskussion antwortet Bayers Sportchef Rudi Völler den Standardsatz: „Diese Diskussion stellt sich nicht.“ Noch nicht zumindest. Dennoch rumort es bei Bayer. Denn dem Anspruch, kommende Saison Champions League zu spielen, scheinen Kießling, Son, Bender und Co. zu verspielen. Selbst die Europa League ist bei gerade einmal vier Punkten Vorsprung auf Rang sieben (könnte jedoch theoretisch reichen) noch nicht sicher. „Wir spielen nicht schlecht, wir gewinnen nur zu wenig“, sagt Son und stellt damit genau die Rechnung auf, die Slomka und Co. bei ihren Auswärtsspielen aufmachen. Gut spielen, wenig bis gar nicht punkten.

Fakt ist, dass am Freitag um 20.30 Uhr in der Imtech Arena zwei angeschlagene Teams aufeinander treffen. Das allein spricht für eine eher kampfbetonte denn spielerisch hochwertige Partie. „Wir wissen, dass wir jetzt keinen schönen Fußball erwarten können“, sagt van der Vaart, „jetzt zählen nur noch gute Ergebnisse. Wie wir die erreichen – danach fragt niemand.“

Von daher lasse ich es auch, hier irgendwelche Taktiken, Vorzüge von Aufstellungen und Statistiken hervorzukramen. Denn morgen gelten andere Regeln. Morgen geht es nur noch darum, immer einen Schritt schneller zu sein, immer einen Zentimeter höher zu springen und immer einen Zweikampf mehr als der Gegner zu gewinnen – um am Ende ein Tor mehr zu schießen. Nicht mehr – aber definitiv auch nicht einen Deut weniger. Sechs Mal geht es noch um alles. Und ich werde einen Teufel tun, im Vorfeld eine Trainerentscheidung zu diskutieren.

Ach ja, was den Sieg eigentlich eindeutig vorhersagt: Noch nie konnte Heung Min Son in einer Partei HSV – Leverkusen in der Imtech-Arena gewinnen. Mehr noch: Er traf nicht einmal. Noch Fragen?

In diesem Sinne, morgen muss der Rasen brennen. Nicht die Kurve. Lasst uns die Mannschaft bedingungslos unterstützen, egal ob sie gut oder weniger gut spielt.
Scholle

P.S. vom 4.4.: Heute Abend gibt es nach dem Spiel noch Matz-Ab-Live mit den Gästen Rodolfo Cardoso und Soner Uysal.

Slomka holt U23-Stürmer Maggio dazu

2. April 2014

Wann wird endlich wieder gespielt? Wann gibt es endlich wieder die Möglichkeit, dieses Horrorszenario mit Taten abzuwenden? Ich kann mir zwar vorstellen, dass Mirko Slomka gern ein paar Tage länger zwischen den Spielen Pause hätte, um so den einen oder anderen Verletzten genesen zu lassen – allerdings bin ich mir auch sicher, dass der HSV-Trainer mittelschwer genervt sein muss. Woche für Woche sitzt er oben auf der Empore im Presseraum der Imtech-Arena und appelliert. Er appelliert an die Mannschaft, den Glauben an sich nicht zu verlieren. An die Fans, dem Klub gerade jetzt weiter beizustehen. Und das allein ist auch noch vertretbar. Allerdings, sich jede Woche hinsetzen zu müssen und über die Schwere des Drucks und über die mentale Verfassung seiner Spieler philosophieren zu müssen – das würde mich zermürben.

Ob die Fahnen, die in der Stadt von solidarisierenden Fans aufgehängt wurden vielleicht auch Druck auf die Mannschaft ausüben? Wie viel Prozent Psychologe er jetzt auch sein müsse und dergleichen wurde Slomka heute gefragt. Auch, inwieweit der Kopf im Abstiegskampf entscheiden ist. Und obgleich er sicher gern mal sagen würde „Scheiße noch mal, wir müssen einfach mal die Eier haben, ein Spiel von der ersten Sekunde an physisch wie spielerisch zu dominieren und zu gewinnen“, formulierte es der studierte Sportlehrer gewohnt sachlich und für alle nachvollziehbar: „Wir waren sehr niedergeschlagen und es galt für uns als Trainerteam, die Vorfreude wiederzufinden und sie auf die Mannschaft zu übertragen. Jetzt sind 47000 Tickets verkauft – und wir freuen uns auf das Abendspiel am Freitag. Es ist eine brisantere Situation jetzt, weil wir auf den 17. Tabellenplatz abgerutscht sind. Und hier zu Hause ist klar, dass wir das Spiel für uns entscheiden wollen – nein, sogar müssen ob der Tabellensituation. Wir müssen vorlegen und dafür werden wir alles mobilisieren, was wir zusammen mit den Fans auf die Beine stellen können.“ Dasselbe in etwas anderen Worten hatte Slomka schon zu Amtsantritt formuliert und seither Woche für Woche aufs Neue wiederholen müssen. Das muss hart sein.

Aber Slomka jammert nicht. Er macht das sogar richtig gut, wie ich finde. Der passionierte Tennisspieler lebt vor, worauf es ankommt: Immer wieder durchziehen – bedingungslos. Egal, was man in dem Moment gerade denkt oder lieber machen würde – es zählt nur das eine Ziel, der Klassenerhalt. Punkt. Und dafür muss alles investiert werden, was man hat. Auch Geduld.

Wobei die im Fall Pierre Lasogga sicher schwer fällt. Immerhin ist der Toptorjäger des HSV nur schwer zu ersetzen. „Pierre wird am Freitag auf jeden Fall nicht dabei sein können“, so Slomka heute. Bei dem Angreifer, der wiederholt Oberschenkelprobleme hat, soll jetzt eine zahnärztliche Untersuchung neue Schlüsse auf die Ursache der dauernden Verletzungen geben. „Wir wollen nach der Verletzungsmisere, die ja schon im Januar begonnen hat, alles abprüfen, ob es da einen Entzündungsherd gibt, den wir bislang nicht gefunden haben. Er wird ausgiebig untersucht und behandelt, sodass wir ihn hoffentlich nächste Woche in Hannover wieder dabei haben.“


Besser sieht es dagegen bei Ivo Ilicevic aus. Der Kroate absolvierte heute Vormittag einen härteren, schnelleren Lauf mit Rehatrainer Markus Günther. „Es geht von Tag zu Tag besser. Ich hege die Hoffnung, dass wir ihn am Donnerstag zumindest bei Teilen des Mannschaftstrainings dabei haben können.“ Dabei soll der Außenstürmer Sprints mit und ohne Ball absolvieren und die Belastung langsam aber stetig steigern, um eventuell doch schon etwas früher als erwartet ins Team zurückzukehren. Slomka hofft: „Das wäre sehr erfreulich. Wir haben die Hoffnung, dass Ivo am Freitagabend dabei sein kann.“ Der Rechtsfuß selbst sagte heute Morgen nach seinem Waldlauf: „Der Lauf war gut, es geht irgendwie. Ich kann es noch nicht endgültig sagen, aber wir testen jetzt und dann schauen wir mal.“

Schauen und Hoffen. Denn ein gesunder Ilicevic wäre eine dringend benötigte Alternative für das bislang lahmende Offensivspiel des HSV. Obgleich Slomka ebenfalls nicht müde wurde, seine Offensivkräfte zu stützen. „Wir haben schon den einen oder anderen Spieler, an dem wir sehen können, dass wir hier eine Entwicklung nach vorne haben. Nehmen wir mal einen Jacques Zoua als Beispiel. Der ist ja gerannt für zwei, hat geackert fürs Team und endlich sein Tor gemacht. Natürlich hätten wir gern noch ein zweites gemacht mit seiner Großchance in der zweiten Halbzeit – aber es ist eine Tendenz erkennbar, die nach oben geht. Und das ist extrem wichtig in unserer Situation.“

Auch den seit Wochen seiner Form hinterherlaufenden Rafael van der Vaart lobte Slomka erneut und ausdrücklich. Wobei ich ehrlich gesagt auch fand, dass van der Vaart in Gladbach präsenter war als zuvor und nicht umsonst endlich wieder an Torchancen beteiligt war. Nach einer Lobrede auf Rene Adler („Ich kenne keinen konstanteren Torwart – Manuel Neuer vielleicht mal ausgenommen – in den letzten Wochen“) ging Slomka zu seinem Kapitän über. „Der viel und oft kritisierte van der Vaart hat auch in Gladbach eine deutliche Leistungssteigerung gezeigt. Wenn wir das jetzt stabil hinbekommen für die letzten Wochen der Saison, dann ist mir nicht bange. Dann schaue ich voller Überzeugung auf Platz 15.“

Allerdings ist sich Slomka der Offensivschwäche bewusst. „Zu Hause 8 Punkte und 8:8 Tore – das ist in Ordnung. Aber ich würde mir schon eine positive Bilanz wünschen. Auch, was das Torverhältnis angeht. Aber genau daran sieht man ja, wo unser Problem liegt.“ Und Slomka reagiert. Heute trainierte (endlich) Mattia Maggio nach zuletzt vier Toren in drei Spielen für die U23 mit. Und der Deutsch-Italiener traf für die B-Elf (mit Jiracek – in der A-Elf spielte Rincon rechtes und Calhanoglu linkes Mittelfeld) beim 4:1-Erfolg doppelt. Und das auch noch gegen Rene Adler. „Gegen ihn zu treffen ist schon was anderes als in der Regionalliga“, freute sich Maggio, dessen Zukunft in Hamburg noch offen ist. Der Vertrag des in Nürtingen geborenen Angreifers läuft im Sommer aus – und die Zukunft ist noch unbesprochen.

„Bislang habe ich noch nichts vom Verein gehört“, so Maggio, der sich umso mehr über die Möglichkeit freut, sich bei den Profis zeigen und so für einen neuen Vertrag empfehlen zu dürfen. „Ich bin momentan tatsächlich ganz gut drauf. Dass ich mich gerade jetzt das erste Mal bei den Profis zeigen darf, freut mich tierisch.“ Ob er sich auch zutrauen würde, vor knapp 50000 Zuschauern in der Imtech-Arena gegen Leverkusen aufzulaufen? „Klar!“, so die eindeutige und selbstbewusste Ansage des Rechtsfußes, „das ist gar kein Problem. Das wäre doch eine riesengroße Ehre für mich“, so Maggio, der es bislang auf ein Profispiel in Italiens zweiter Liga bringt, zudem insgesamt acht Buden in 21 Spielen für die U23 erzielen konnte.

Maggio ist das Ergebnis einer Sitzung der sportlich verantwortlichen. Slomka: „Wir haben gestern zusammengesessen und uns über unsere Stürmerproblematik unterhalten. Wir haben das Problem ja in allen Leistungsmannschaften. Wir versuchen ja dann auch die Spieler herauszupicken, die treffen und die nicht zu viel nachdenken, bevor sie zum Abschluss kommen. Und ich hatte heute bei Mattia den Eindruck, dass das so ist.“ Deshalb soll der Nachwuchsstürmer am Donnerstag auch beim geheimen Abschlusstraining wieder dabei sein. „Er ist schnell, er kann links wie rechts schießen und ist als Gegenspieler sehr unangenehm. Deshalb hat er auch die Chance verdient, sich am Donnerstag im Training auch für den Kader am Freitag zu empfehlen“, so Slomka.

Neue Kräfte also – für alte Ziele. Aber es passiert etwas. Deshalb wurde heute auch insbesondere der Torabschluss geübt. Und das alles ist mir persönlich schon tausendmal lieber, als immer wieder etwas von einem „guten Gefühl“ zu hören. Auch Slomka wünscht sich Spieler, die weniger über die Situation nachdenken. „Das hilft wenig“, sagt Slomka, „aber ich glaube, dass wir einige Spieler haben, die das können wie beispielsweise Milan Badelj, der für uns ein Stabilisator ist. Der jemand ist, der das Spiel lenken und leiten kann. Der aber auch den nötigen Biss zeigen muss, um überhaupt erst an den ball zu kommen. Ein Spieler, der sich wenig Gedanken darüber macht, ob jetzt vielleicht ein schwerwiegender Fehler passieren kann. Denn wenn ich erst darüber nachdenke, passiert es eher.“

Der Angesprochene selbst fasste seine Maxime dann auch ebenso kurz wie simpel wie auch korrekt zusammen: „Wir müssen einfach spielen und gewinnen – etwas Besseres und Wichtigeres im Abstiegskampf gibt es nicht“, so Badelj, über dessen Rückkehr ich mich freue, weil er ein Spieler ist, der sich nie versteckt und der immer den Ball haben will. Nun weiß ich auch, dass hier im Blog viele Kritiker des Kroaten unterwegs sind, die mit ihrer Kritik auch punktuell absolut immer wieder richtig liegen. Allerdings ist Badelj momentan besser als andere im Kader – was allein natürlich längst noch kein Gütezeichen ist…

Nein, bei den immer wiederkehrenden Diskussionen um einzelne Spieler und deren Berechtigung, auf dem Platz zu stehen, dürfen wir nicht vergessen, dass der HSV aktuell eben nur diese Spieler hat. Ab Sommer können wir wieder anfangen, uns über fehlende Qualität im Kader und die Notwendigkeit von Neueinkäufen zu unterhalten. Aber bis dahin gilt das, was Slomka vorlebt: Wir müssen uns mit den Gegebenheiten arrangieren und dafür notfalls auch immer wieder mal auf die Lippen beißen. Kurzum: Wir müssen noch einmal alle Kräfte bündeln, so schwer es jedem einzelnen auch fallen mag. Und wir müssen das durchziehen. Immer und immer wieder – bis der Klassenerhalt geschafft ist. Die Situation lässt schlichtweg keine Alternative zu.

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird leider nicht öffentlich trainiert.

Scholle

P.S.: Slomka freute sich natürlich über die automatische und 2,5 Millionen Euro teure Vertragsverlängerung von Johan Djourou beim HSV: „Ich habe ihn in Hannover damals schon ungern nach Hamburg gehen lassen und bin froh, dass wir jetzt wieder zusammenarbeiten können. Wir befruchten uns gegenseitig. Er ist für mich ein großer Stabilisator in der Innenverteidigung und hat bisher jedes Spiel gespielt. Ich glaube auch, dass die kleineren Fehler, die ihm unterlaufen sind als ich noch nicht da war, jetzt abgestellt sind. Und wir arbeiten daran, dass das so bleibt. Jetzt ist er ein Spieler des HSV und es liegt an uns, mit ihm einen ganz guten Weg zu beschreiten.“

« Vorherige Einträge - Nächste Einträge »

In eigener Sache
Pfeil
0  00 : 00 : 00
Tage  Std.  Min.  Sek.