“Es ist noch alles drin”
21. April 2013
Rafael van der Vaart hat 97 Bundesliga-Spiele für den HSV absolviert, dabei 33 Tore geschossen. Noch nie aber gelang ihm in der deutschen Eliteliga ein Kopfball-Tor. Fabian Giefer aber machte es nun erstmalig möglich. Ball gefangen, Ball aus den Händen verloren – Kopfballtor van der Vaart – und 1:0 für den HSV. Ein Kopfballungeheuer wird der 1,76 Meter große niederländische Nationalspieler wohl dennoch nicht mehr, dieses Tor war nur das Resultat eines krassen Torwartfehlers: „Der Keeper hatte mit meinem Schuss ein kleines Problem, das habe ich gesehen. Und dann war es am Ende ein einfacher Kopfball – dieses Tor musste ich machen.“ Kurz-Kommentar von Horst Schnoor, Meister-Torwart von 1960: “Mit vertauschten Torhütern hätte es, und zwar ganz klar, einen anderen Sieger gegeben: Düsseldorf. Rene Adler hat den HSV vor dem Schlimmsten bewahrt, er war wieder einmal überragend.”
Van der Vaart aber war natürlich der Mann des Tages im Volkspark, seine beiden Tore hatten die Weichen frühzeitig auf Sieg gestellt (oha, fünf Euro ins Phrasenschwein!). Dass sich der HSV aber nach dem Anschlusstor des ehemaligen HSV-Spielers Dani Schahin (34.) noch so aus dem Konzept bringen ließ, ist eigentlich unfassbar – und Wahnsinn. In Halbzeit zwei lief fast nichts mehr im Spiel der „Finken“ zusammen, da spielte nur noch Düsseldorf. Und ich gebe zu, mit dieser Mannschaft hatte ich zum Schluss schon etwas Mitleid, denn für einen solchen unbändigen Kampfgeist, für 90 Minuten voller Leidenschaft und Engagement, da muss man sich eigentlich belohnen. Der Fußball-Gott aber wollte es anders. Zum (dicken) Glück für den HSV.
Kurz sei zu diesem Gegentor noch angemerkt: mir, und bestimmt nicht nur mir, geht das alles viel zu leicht. Da gibt es einen Freistoß in Strafraum-Nähe, der wird zur Mitte befördert – und Tor. Es muss wirklich bei jedem Freistoß gezittert werden. Weil der HSV offenbar außer einem Heiko Westermann keinen Kopfall-Spieler hat. Dennis Aogo hat dieses Gegentor ja auf seine Kappe genommen, weil er Schahin bewachen sollte, aber er hat es in dieser Szene eben nicht getan. Diesmal war es Aogo, beim letzten Mal war es ein anderer Kollege, beim nächsten Mal ist es wieder ein ganz anderer Mitspieler. Einer “pennt” anscheinend immer. Zum Leidwesen von Rene Adler – und aller HSV-Fans.
Noch einmal zurück zu van der Vaart. „Es hat ihm gut getan, Spielführer zu werden. Letzte Woche ein Assist, heute zwei Tore. Er war überragend“, befand Sportdirektor Frank Arnesen. Und der so Gelobte urteilte: „Heute waren wir wach, keine Penner, haben die ersten 60 Minuten sehr gut gespielt.“ Nicht gepennt? Damit reagierte der „kleine Engel“ auf die Wutrede, die der Trainer am Freitag beim Abschlusstraining gehalten hatte, und die damit endete, dass Fink seine Profis als „Penner“ beschimpfte. Van der Vaart blüht in der Tat ein wenig auf, und der HSV schaffte endlich einmal wieder zwei Siege in Folge. Sogar die Champions League, auch das ist der nackte Wahnsinn, ist noch möglich. „Rafa“ sprach nach dem Spiel auch noch kurz über das E-Thema: „Es ist alles noch drin. Wir müssen so spielen wie heute und letzte Woche in Mainz. Nur dann haben wir eine Chance.“ Davon aber will und wollte Thorsten Fink nicht viel wissen, denn der Coach hatte die traurigen zweiten 45 Minuten nicht übersehen: „Es gab zwar einige gute Ansätze, aber wir sind noch nicht gefestigt.“ Die Berg- und Talfahrt des HSV ist auf jeden Fall noch nicht beendet. Mal sehen, wie es nun auf Schalke (am Sonntag) weitergehen wird. Zuzutrauen ist diesem HSV alles . . .
Einen in der Tat „wunden Punkt“ dieses Spiels möchte ich noch einmal anschneiden: Düsseldorfs „Kampfschwein“ Lambertz und sein ganz übles Foul an Marcell Jansen. Das war Rot, ich schrieb es bereits gestern und ich sage es heute noch einmal: das war klar Rot. Dass Marcell Jansen diesen Tritt (in der 18. Minute) nicht nur überstand, sondern auch für die dann noch folgenden 72 Minuten so wegsteckte, dass man ihm kaum noch etwas anmerkte, das verdient allerhöchste Anerkennung. Ein dickes Kompliment, Marcell Jansen, denn wer sich dieses geschundene Bein heute einmal ansehen würde, der würde nicht glauben, dass man damit noch so lange Fußball spielen konnte. Wie gesagt: klar Rot.
Und dann möchte ich schnell noch einmal auf den Düsseldorfer Torschützen zurückkommen: Dani Schahin, der in der 17. Minute eingewechselt worden war und 17 Minuten später traf. Der in Donezk geborene Stürmer begann in Deutschland mit dem Fußball in der Jugend von Energie Cottbus. Dann kam er 2006 zum HSV, wo er zuletzt in der „Zweiten“ spielte. Bis 2009. Von Hamburg aus ging es zur Spielvereinigung Greuther Fürth, von dort 2011 zu Dynamo Dresden, im Vorjahr dann zur Fortuna nach Düsseldorf. Viel Bewegung in der Karriere eines 23-Jährigen. Aber mir hat dieser Bursche gefallen, das gebe ich. Diesmal gefallen. In der „Zweiten“ damals ist er mir nicht so (groß) aufgefallen, als dass ich gesagt hätte: „Das ist oder wird ein Mann für die Bundesliga.“ Vielleicht aber ist dieser 1,87 Meter große Schahin ja auch („nur“) ein Spätstarter. Über sein Tor befand er: „Darüber kann ich mich nicht freuen. Würde man mir anbieten, diese Saison kein Spiel mehr zu machen und dafür den Klassenerhalt zu schaffen, würde ich das sofort unterschreiben.“
Und noch eine kurze Bemerkung zum Schahin-Tor: Zum Glück für den HSV hat nicht noch der zweite HSV-Spieler, nämlich Robert Tesche (den fand ich gar nicht mal schlecht!), getroffen. Das wäre dann ganz bitter gewesen.
Wie versprochen möchte ich jetzt noch einmal kurz auf das „Matz-ab-„Treffen vom Freitag kommen. Wir hatten eine Negativ-Besetzung, weil nur 35 HSV-Fans nach Norderstedt gekommen waren. Aber ich muss sagen, dass es wirklich ein schöner Abend war, denn wir alle haben uns ganz hervorragend unterhalten und verstanden. Dafür ein herzliches Dankeschön an alle. Ein besonderer Dank geht an HSV-Vorstandsmitglied Oliver Scheel, der sich den Fragen der Anwesenden stellte und sogar viel länger blieb, als vorher geplant – da er noch ein anderes Fan-Treffen auf dem Zettel hatte.
Und, Herr Scheel, falls Sie das hier lesen sollten: Klasse-Einsatz, Super-Vorstellung – Sie wurden von allen „Matz-abbern“ gelobt. Vielen Dank.
Und damit geht es auch weiter: Danke möchte ich an „Gobi“ sagen, sie setzt sich für „Matz ab“ immer wieder großartig ein, und ein besonderes Dankeschön an „die junge Mutter“ der Kompanie, an „Eva/Hope“. Sie hat dieses Treffen in erster Linie organisiert, sie zeigt immer einen unglaublichen Einsatz für alle „Matz-abber“ – einfach nur toll! Und nochmals danke. Auch an alle, die nicht aus Hamburg kamen, sondern von ganz weit her. Traumhaft! Ganz stark fand ich ja auch die beiden Mädels aus Elmshorn. Susanne und Anne. Zu spät gekommen, draußen überlegt, ob man dann doch noch reingehen solle, reingekommen und super mitgemacht. Bravo! Imponierend, wie beiden weiblichen Fans über den HSV und den Fußball allgemein sprachen – ich war von den Socken, was da für ein fußballerisches Wissen vorhanden ist. Das war eine überzeugende und eindrucksvolle „Vorstellung“. Nachahmenswert.
Bei „Matz-ab“-live (mit den Gästen Claus Reitmaier und Hermann Rieger – vielen Dank auch dafür nochmals!) habe ich ja gesagt, dass ich schon wieder könnte, nämlich zum nächsten Treffen zu kommen, und „HSV-Lünen“ hat ja auch gestern gleich wieder gefragt, wann es das nächste Treffen gibt – ein solcher Abend, so harmonisch und so freundschaftlich, verdient auf jeden Fall eine Wiederholung. Danke möchte ich auch an das Team des HSV-Restaurant „1887“ sagen, es hat alles bestens funktioniert, es gab weder so noch so Klagen – wir haben uns in Ochsenzoll sehr, sehr wohl gefühlt. Und: „Scholle“ hat bereits einige Fotos in Facebook reingestellt, und er hat auch ein wenig gefilmt, davon soll auch noch etwas zu sehen sein – demnächst.
Zum Thema „Matz-ab“-Treffen gab es natürlich auch einige Mails (und Anrufe), einen „Matz-abber“ der ersten Stunde möchte ich gerne zu Wort kommen lassen – auch ihm vielen Dank für diese lobenden Sätze. Ich nenne bewusst den Namen nicht – wenn er es möchte, dann kann und wird er sich schon selbst outen:
Moin Dieter,
vielen Dank für den gestrigen Abend „unter Freunden“. Inzwischen ist dieser Kreis zu einer echten Gemeinschaft geworden mit nahezu durchweg sehr angenehmen Beziehungen, sodass diese Treffen so richtig Spaß machen. Es hat sich ja auch ansonsten manche Freundschaft durch Matz ab entwickelt.
Ich freue mich auf weitere Treffen und auch den Blog mit Dir, man muss dabei auf keinen Fall immer der gleichen Auffassung sein! Negativer Begleitumstand bei derartigen Treffen ist für mich immer, dass ich mein Alter spüre. Auch ich war z.B. früher immer gern am Rothenbaum bei den HSV-Amateuren und habe noch ein volles Autogrammalbum aus den 60er Jahren, gesammelt immer nach dem Training. In den Volkspark gehe ich seit 1963, lange Jahre mit den Ehrenkarten meines Vaters, der HSV-Jugendbetreuer war. Deshalb war es gestern auch für mich eine Rückkehr an eine wichtige Stätte meiner Kindheit, auch wenn damals dort noch der alte Lindenhof stand!
Früher wie heute galt für mich „NUR DER HSV“, auch wenn es den Spruch damals wohl noch gar nicht gab…
Herzliche Grüße.
Ein ganz anderes Thema, aber das beherrschende an diesem Wochenende. Uli Hoeneß und das Konto in der Schweiz. Dazu hat die Agentur DPA eine besonders schöne Sammlung von Hoeneß-Sprüchen veröffentlicht, die ich euch nicht vorenthalten möchte:
„Ich weiß, dass das doof ist. Aber ich zahle volle Steuern.“ (Uli Hoeneß 2005 in einem Interview der „Bild“)
„Wenn die Unternehmer alle in die Schweiz gehen, ist auch keinem geholfen. Mit einer Reichensteuer geht es dem kleinen Mann kein Stück besser.“ (Hoeneß 2009 in der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“)
„In den vergangenen 20 Jahren sind in der Finanzwelt Menschen am Werk gewesen, die einen katastrophalen Job gemacht haben. Uns wurde vorgegaukelt, dass viele Finanzprodukte so unglaublich wichtig seien. Dabei hatten diese nur ein Ziel: die Taschen gewisser Leute voll zu machen.“ (Hoeneß 2012 in der Zeitung „Die Welt“)
„Unsere Spieler kicken schon jetzt eine Halbzeit fürs Finanzamt, da kommen wir nicht weiter, wenn man 60 oder 70 Prozent nimmt.“ (Hoeneß 2012 in der ARD-Talkshow „Günther Jauch“)
„Wenn früher eine Mark in der Kasse meiner Eltern fehlte, haben wir sie auf dem Boden gesucht. Die Stimmung beim Weihnachtsfest hing entscheidend davon ab, wie gut wir vorher verkauft hatten.“ (Hoeneß im Februar 2011 im „Hamburger Abendblatt“)
„Natürlich will ich Erfolg, aber nicht um jeden Preis. Wenn es um Geld geht, muss man auch mal zufrieden sein.“ (Hoeneß 2011 im Magazin „Brand Eins“)
„Die Finanzwelt zeigt keine Bereitschaft, zur Volkswirtschaft beizutragen. Eine Krankenschwester trägt mehr zur Volkswirtschaft bei als ein Spekulant. Wenn ich sehe, dass Optionsscheine für Reis steigen, sage ich zu meiner Frau: ’Das bedeutet, dass Menschen hungern müssen, weil sie sich keinen Reis mehr kaufen können.’“ (Hoeneß 2011 im Magazin „Brand Eins“)
„Ich habe für mein Schweinefleisch fünf verschiedene Lieferanten. Ich rufe an, lasse mir die Preise geben und kaufe dann. Für was aber brauchen Banker Schweinebäuche?“ (Wurstfabrikant Hoeneß über Spekulationsgeschäfte von Banken)
„Es ist vielleicht langweilig, aber es soll uns nie schlechter gehen als jetzt. Das ist mein Wunsch. Ich muss nicht nach Hawaii oder auf die Malediven. Wenn ich irgendwann mal Lust dazu habe, werde ich das machen. Aber das ist nicht mein Lebenstraum.“ (Hoeneß Anfang 2012 vor seinem 60. Geburtstag)
„Ich bin kein Besserwisser, sondern ein Bessermacher.“ (Hoeneß 2010 vor einem Auftritt als Gastredner bei der CSU-Vorstandsklausur)
„Ich habe mit meiner Meinung noch nie hinter dem Berg gehalten. Und bei der Gelegenheit habe ich festgestellt, dass man damit bei der Bundeskanzlerin landen kann. Sie will Leute, die querdenken. Sie will Leute, die ihr nicht nach dem Mund reden. Deswegen bin ich Fan von Merkel!“ (Hoeneß über Gespräche mit Bundeskanzlerin Angela Merkel)
„Uli ist der Vater Teresa vom Tegernsee, der Nelson Mandela von der Säbener Straße und die Mutter aller Manager.“ (Vorstandschef Rummenigge in seiner Festrede zum 60. Geburtstag von Hoeneß)
„Franz Beckenbauer hat einmal gesagt, wir alle müssen dem FC Bayern dienen. Uli Hoeneß war immer der größte Diener des FC Bayern.“ (Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge 2009 über Hoeneß)
„Er ist, glaub ich, schon als Manager auf die Welt gekommen.“ (Franz Beckenbauer 2009 über Uli Hoeneß)
Und dann noch einen ganz kurzen Blick zu einem Nord-Rivalen, der ein wenig in Not geraten ist. Ich gehe nicht deswegen darauf ein, weil es sich um den Club von der Weser handelt, sondern deshalb, wie dort reagiert wird. Es ist eben noch ein Trainer der „alten Schule“. In einem Auszug aus einer Agentur-Meldung heißt es:
„Ich denke, dass sich die Art der Trainingsführung und die Art generell in dieser Woche sicherlich ändern wird. Da bin ich mir ganz sicher“, kündigte Sportchef Thomas nach der 0:3-Niederlage an – und behielt recht. Am Sonntag scheuchte Schaaf entgegen der sonstigen Gepflogenheiten den gesamten Kader bei Intervallläufen über den Platz. Zudem wurde der sonst trainingsfreie Montag gestrichen.
So, ich bin schon am Ende. Beim „Aussprache“-und-fast-Grill-Tag im Volkspark waren ungefähr 600 bis 800 HSV-Fans zugegen, es gab Würstchen und Getränke, alles verlief friedlich und im Rahmen, die Profis stellten sich den Fragen des HSV-Anhanges. Gute Sache, hoffentlich gab es eine fruchtbare und dauerhafte Annäherung. Vorstandsmitglied Oliver Scheel: „Das war eine rundum gelungene Sache, ich habe nur Lob von allen Seiten gehört. Natürlich blieb es nicht nur beim Austausch von Worten, sondern es gab auch Autogramme und gemeinsame Fotos.“
PS: Die abstiegsgefährdete A-Jugend-Bundesliga-Mannschaft des HSV besiegte am Sonntag Energie Cottbus mit 3:0. Am nächsten Sonnabend steht für die Mannschaft von Fußballlehrer Otto Addo das Derby beim und gegen den FC St. Pauli an.
PSPS: Am Montag wird im Volkspark nicht trainiert.
16.48 Uhr
