Archiv für das Tag 'Rieger'

Die Sorgen und Nöte der Anderen ***ERGÄNZT***

19. Februar 2015

*****ERGÄNZUNG 20.14 Uhr:******

Mal was Neues: Training um 17 Uhr. Im Hellen beginnen, mit Flutlicht beenden. Es sei denn man ist einer der vielen Rekonvaleszenten und geht erst gar nicht auf den Platz oder früher wieder in die Kabine. So, wie es Ivica Olic machte. Oder auch Petr Jiracek, der sich nach ein paar Steigerungsläufen und etwas Balltraining das Trainingsspiel von außen ansah. Kein Rekonvaleszent aber dafür auch früher in die Kabine geschickt wurde Ivo Ilicevic, der gestern gegen Halstenbek länger – und das gut – gespielt hatte. Pierre Michel Lasogga, Cléber Reis und Valon Behrami fehlten dagegen ebenso wie Lewis Holtby.



Wieder dabei waren dafür Slobodan Rajkovic und Dennis Diekmeier. Und beide gleich in der vermeintlichen A-Elf. Für Rajkovic rückte Westermann und für Diekmeier Ashton Götz ins B-Team. Und es scheint, als wäre das die aktuelle Formation für das Gladbach-Spiel. Zumindest ließ Zinnbauer heute im Training das Verschieben so intensiv üben, dass alles andere wenig Sinn machte. Im Defensivverbund sollten die zwei Viererketten beim 4-4-2 (Stieber und Rudnevs vorn) schnellstmöglich vom Pressing auf kompakte Defensive mit allen elf hinter der Mittellinie umschalten. Und zumeist klappte das auch. Einzig Rudnevs wusste die Anweisungen von Zinnbauer ebenso wenig umzusetzen wie die von den Kollegen. Aber der Lette dürfte unter normalen Umständen am Sonntag gegen Mönchengladbach von Ivica Olic ersetzt werden.

 

„Es hat alles gehalten, perfekt“, freute sich heute nach dem Training Dennis Diekmeier, der nach seiner langen Verletzungspause erst seit Dienstag wieder im Mannschaftstraining steht und gestern gegen Halstenbek-Rellingen eine starke Partie ablieferte. Ob er sich die Startelf zutraut? „Klar, ich will spielen. Und wenn alles so funktioniert wie heute, dann ist das gar kein Problem.“

 

Ein Problem lösen will indes auch Julian Green. Der Leihspieler vom FC Bayern hatte gestern sein klärendes Gespräch mit Trainer Joe Zinnbauer und verständigte sich dabei darauf, bis zum Wochenende normal mitzutrainieren und dann zu sprechen. Heute im Training – das muss ich nach all der berechtigten Kritik zuletzt erwähnen – war Green gut. Er kam über die linke Seite im B-Team und sorgte für die meiste Gefahr. Ich bin auf jeden Fall gespannt, ob Green und Ilicevic „begnadigt“ werden oder weiter keine Rolle für das Bundesligateam spielen. Gleiches gilt für Maxi Beister – bei dem Rechtsfuß allerdings allein aus gesundhgeitlichen Gründen. Ob er schon wisse, wo er am Wochenende spielen soll? „Nein“, so Beister, „das entscheidet sich erst noch.“ Wieder nicht dabei sein wird Lasogga. Der Angreifer verpasst damit sein 13. Spiel seit seiner Verpflichtung vor etwas mehr als eineinhal Jahren.

 

Ebenso noch nicht wieder im Kader sein wird Behrami. Für den Schweizer rückte auch heute wieder Marcelo Diaz ins vermeintliche A-Team. Zusammen mit Rafael van der Vaart spielte der Chilene im zentralen Mittelfeld – schwach. Beide leider. Denn während van der Vaart versuchte, was er nicht gut kann (grätschen, kämpfen, Defensivzweikämpfe), war Diaz irgendwie nicht bei der Sache. Immer wieder musste er von Zinnbauer darauf hingewiesen werden, wie er den Gegner anzulaufen habe. Diaz nickte fleißig, als hätte er es verstanden. Hatte er aber nicht. Zudem spielte der Passspezialist fast jeden Pass in die Füße des B-Teams, das folgerichtig durch den 19 Jahre jungen Trainingsgast Dominik Masek mit 1:0 in Führung ging. Und als Mohamed Gouaida als Jansen-Ersatz ausglich, beendet Zinnbauer die 90-Minuten-Einheit.

 

Morgen geht es um 15.30 Uhr weiter. Dann wieder mit Olic, Ilicevic und voraussichtlich auch Jiracek. Es bleibt auf jeden Fall spannend, wer gegen Gladbach das Projekt Wiedergutmachung umsetzen darf/soll/muss. Ginge es rein nach Leistung, wären Stand jetzt mit Diekmeier rechts und Ostrzolek links hinten sowie mit Rajkovic neben Djourou und Ilicevic als Jansen-Ersatz gleich vier Neue im Team.

 

Ich würde es begrüßen.

Bis morgen!

Scholle*****

 

Das Entsetzen ist immer noch groß. Überall. Und Dietmar Beiersdorfer hat nach dem 0:8 ja auch zugegeben, dass ihm die Briefe der Fans reihenweise auf den Schreibtisch flattern. Ich könnte wetten: nicht nur ihm. Das geht wahrscheinlich allen Redaktionen so. Das mutmaße ich deswegen, weil es bei mir auch der Fall ist. Es reißt nicht ab. Die Fans machen sich nicht nur Sorgen, sie machen sich auch bezüglich der HSV-Zukunft vielerlei Gedanken. Und entweder schreiben sie es bei Matz ab als Beitrag, oder sie schicken es mir, um auf ihre Zeilen keine spöttischen Kommentare zu ernten.
Weil heute erst um 17 Uhr trainiert wird und es somit doch eine spätere „Veranstaltung“ im Blog geben wird, möchte ich schnell mal einen Querschnitt aus dem geben, was mir in diesen Tagen so zugespielt wurde. Wie gesagt, ein Querschnitt.

 

Für Abendblatt-Blogs


 

Eines möchte ich aber schnell noch einmal vorweg erwähnen. Nach dem letzten „Matz ab live“, das es bekanntlich nach dem 0:8 gab (und das bis Montagmittag bereits 13 806 Leute gesehen hatten (es läuft auf einen neuen Rekord hinaus!), wurde von einigen Usern unser Gast Dennis Diekmeier attackiert. Unfair, wie ich finde. Klasse fand ich es nämlich, dass sich der verletzte Verteidiger bereit erklärt hatte, zu uns zu kommen (viele “Alt-Internationale” kneifen nämlich, um ja nichts mehr Böses über ihren HSV sagen zu müssen!). Niemand, er vor allem Dingen nicht, konnte ahnen, was es dann für ein Debakel geben würde . . . Und mal im Ernst: Was sollte Diekmeier dann noch groß sagen? Ein 0:8 spricht für sich. Er kann doch die Kollegen, den Trainer und auch nicht den gesamten Verein „in die Pfanne hauen“. Das kann doch nun wirklich niemand ernsthaft erwarten.

 

Das war eine ganz, ganz schwierige Situation für ihn, und ich finde, das ist meine volle Überzeugung, dass er sich trotz allem noch sehr, sehr gut aus der Affäre gezogen hat. Wie schlimm ihm diese Niederlage zugesetzt hatte, das sah man ihm wohl ganz genau an, da brauchte es keine zusätzlichen Kommentare. Der Mann war ganz einfach fertig. 0:8! Was soll man da noch sagen? Deswegen bitte ich auch heute noch um Verständnis und vor allem Fairness Dennis Diekmeier gegenüber.

 

So, und nun zu meiner kleinen Auswahl an Briefen, die mich erreichten. Ich bedanke mich auf diesem Weg bei allen, die sich dazu durchgerungen haben, mal ihre Einschätzungen zur derzeitigen Situation niederzuschreiben. Mir jedenfalls spricht einiges von dem, was ich lesen konnte, aus dem Herzen.

 

Zum Verständnis für alle: Ich habe die Briefe (Mails) in ihrer Originalform gelassen, also nichts korrigiert, nichts weggelassen und schon gar nicht hinzugefügt. Das ist im Blog ja auch nicht anders. Und nun geht es los:

 

 

hallo matze….

 

mit schweren gedanken hingst du in den seilen…..kann ich nachvollziehen….
wer ist schlechter als der hsv…..
vor ca. 9 monaten war das so ungefähr hansa rostock…..
die letzten sieben spiele (incl.greu-fü) der letzten saison waren unweigerlich der
absolute tiefpunkt seit 120 jahren hsv-geschichte….
und so ging es auch in die jetzige saison nahtlos weiter….
und dann wurde (endlich) doch der hebel umgedreht….
ottmar hat das im sky-interview richtig festgehalten….no comment…
in meinem mail von anfang februar habe ich vom neandertal herumfabuliert….
denk zurück an die wm in brasil…. 7:1 gegen den favoriten…..endspiel…..glorreich spielen u. verlieren? meister der herzen? scheiße man……jogi hat eiskalt auf ergebnis gespielt……1:0 gewonnen…. hat sich einer beklagt? ob der spielerischen mängel in diesem spiel?
yes…yes…so isses….matze…. „rennen…kämpfen…glück“ (spiegel) …..aber ein plan soll das nicht sein…… mein gott… soll der hsv denn für die dritte liga planen?????
mit glanzvollen auftritten gegen asbach-uralt oder stutt II???

 

deine „nationalspieler-theorie“ wg. spielerischen momenten etc….. ist alter und bitterer senf….
glaubst du denn dass berti vogts…h. d. höttges… (dessen sohn war fünf jahre lang
joe`s co-trainer beim vfb o.) hätten (neben vielen anderen) irgendwelche
spielerischen erleuchtungen gehabt?
aber es hat so etwas gegeben…. der 3:0 sieg gegen die udssr im em-endspiel anfang der siebziger…. eine der größten fuballerischen glanztaten aller zeiten…. man kann natürlich der mannschaft von altona 93 dieses video hundertmal vorführen… allein….gegen curlslack-neuengamme klappt es (trotzdem) nicht…. joe`s plan ist ganz einfach…. erstmal erfolg….dann sind plötzlich gratulanten en masse da…..die vorher gar nicht erkennbar waren…..gott sei dank kann er mit der presse adäquat umgehen….bleibt immer (wie ottmar richtig festgestellt hat) „authentisch“

….schöne grüße…. v.

 

 

Sehr geehrter Herr Matz,

 

die Niederlage von München wurde in Ihrem Blog gut analysiert. Fehler in der Aufstellung waren nicht zu übersehen und über die Einstellung unserer Profis während der Schmach von Bayern gibt es nichts hinzuzufügen. Am Samstag war ich noch geschockt, aber in der Nachbetrachtung des Spieles stelle ich mir eine Frage – Warum bin ich geschockt? War es nicht abzusehen das sowas auf uns zukommt?

 

Doch, es war abzusehen. Viele von uns haben jedes Heimspiel live im Stadion ( dazu gehöre auch ich ) und die Auswärtsspiele live im TV und zum Teil im Stadion verfolgt. Ich hätte nicht gedacht das es möglich ist vom spielerischen her die letzte Saison im negativen Sinne zu toppen. Weit gefehlt – die Leistungen in dieser Saison sind technisch zum Wegschauen. Es ist eine Katastrophe was die Herren ” Profis ” uns bei den Heimspielen im Volksparkstadion zumuten und mit Bundesligafußball hat das nichts mehr zu tun. Kurz etwas zur Gemütslage bei den Heimspielen. Folgendes ist mir bei jeder Partie klar. Sollte die gegnerische Mannschaft das erste Tor erzielen wird unser HSV maximal einen Punkt ” erkrampfen” können. Auswärts sieht das nicht anders aus. Und das ist auch jedem Gegner klar. Ohne Struktur, ohne Zug zum Tor und völlig ideenlos präsentiert sich die Mannschaft von Joe Zinnbauer. Es gibt nicht ein Spieler, der in der Lage ist, eine halbwegs vernünftige Flanke in den Strafraum zu bekommen. Ein Trauerspiel und einer Bundesligmannschaft nicht würdig. Spieler wie Diekmeier, Jansen, van der Vaart und Westermann spreche ich jegliche Tauglichkeit ab. Sie können es einfach nicht. Und ich erwarte das auch nicht mehr von diesen Rautenträgern.

 

Was möchte ich Ihnen damit sagen? Ganz einfach – Herr Zinnbauer ist für diese Entwicklung verantwortlich. Sein System mit einer Spitze funktioniert nicht. Noch besser finde ich es, Ivica Olic zu verpflichten, und diesen doch tatsächlich in 3 Pflichtspielen als alleinige Spitze zu bringen. Geht`s noch? Westermann, Jansen, van der Vaart und Müller scheinen einen Freifahrtsschein zu haben. Er stellt angeblich nach Leistung auf. Hört sich gut an, aber spielt auch eventuell das Jahresgehalt eine Rolle dabei? Ein Schelm wer Böses dabei denkt.

 

Kurzum – ich sehe eine starke, negative Entwicklung unter Zinnbauer. Er wirkt unsicher, ideenlos und hat taktische Defizite. Er hatte im Winter die Chance das System umzustellen und hat diese verpasst. Nur mit Motivation wird unser HSV nicht überleben. Das „Gefasel“ nutzt ab und wirkt sehr schnell unglaubwürdig. In München hat er total daneben gegriffen und das Torverhältnis versaut. Na klar, wir haben einige Verletzte. Aber das kann und darf keine Ausrede sein. Ein guter Trainer ist flexibel und hat Ideen. Das spreche ich Herrn Zinnbauer ab.

 

Kurz noch was zu unserem Spielermaterial. Es ist zu lesen, dass der HSV mit Jansen das Gespräch sucht, Westermann möchte gerne wissen wie der HSV im nächsten Jahr dasteht, van der Vaart könnte sich vorstellen weiterzumachen und Diekmeier findet Hamburg auch ganz toll. Ich kann nur hoffen das all diese Spieler keine neuen Verträge beim HSV bekommen. Westermann ist das Allerletze (Unsicherheitsfaktor Nummer 1), Jansen stocksteif und langsam, van der Vaart vor dem Karriereende und Diekmeier total überbewertet. Ich mache mir Sorgen das diese Spieler weiterhin beim HSV rumturnen und den Umbruch aufhalten.

 

So, das soll es gewesen sein. Die Sorgenfalten ziehen sich über unsere Stirn und die Angst geht um. Wie gesagt – wir alle haben die Leistungen während der gesamten Saison gesehen und sollten uns nicht wundern. Dieser HSV unter Zinnbauer ist das technisch schlechteste Team der Liga. Und das liegt nicht nur am „Material“, sondern das liegt auch an der Art und Weise wie „Magic – Joe“ spielen lässt.

 

Arschbacken zusammen und durch – das wird unsere Devise für den Rest der Saison sein. Ich wünsche es mir wie alle im Blog – unser HSV muss erstklassig bleiben. Aber die gezeigten Leistungen lassen doch arge Zweifel bei mir aufkommen.

 

Es grüßt herzlichst mit einem gepflegten „Nur der HSV“,

Ihr K.

 

 

Hallo Dieter,

 

ich höre Dich immer vom HSV-Virus sprechen. Dazu würde ich gerne mal eine Veranschaulichung machen, die vielleicht für alle Beteiligten interessant ist:

 

Warum werden alle Spieler beim HSV schlecht und anderswo wieder gut?? Die Zauberwörter für diese „Blockiertheit“ heißen, wie die meisten wissen, Psychologie und Spielfreude. Was das aber genau bedeutet, muss man sich mal vor Augen halten. Ein erfolgreiches Fußballspiel hängt eben nicht nur von den Leistungsdaten und dem Können der Spieler ab, sondern kann locker über 50% auch reine Psychologie sein. Bestes Beispiel dafür sind z.B. die Vereine, die (zum ersten Mal) aus der 2. Liga aufsteigen. Wie berauscht spielen die dann auf und mischen die erste Saisonhälfte grundsätzlich oben mit (siehe Paderborn diese Saison). Nach einer gewissen Eingewöhnungszeit kommt dann aber die Realität ihrer Klasse durch und sie rutschen ins Mittelfeld oder spielen wieder gegen den Abstieg.

 

Das Gegenbeispiel dafür liefert gerade Dortmund. Sicherlich einer der stärksten Kader Europas momentan. Trotzdem stehen sie ganz unten, weil nach ein paar verlorenen Spielen eben diese Negativspirale einsetzte, die so enormen Druck auf die Spieler aufbaut (vor allem auch durch uns Fans und Medien), so dass nicht nur die unbefangene Spielfreude weg ist, sondern man plötzlich wie blockiert über das Spielfeld rennt und wie ausgewechselt über den Platz läuft. Dagegen ist übrigens kaum jemand gefeit. Das kann auch einem Messi so gehen. Deswegen ist es auch wesentlich schwieriger unten rauszukommen, als oben mitzumischen, wo man beflügelt vom Erfolg ist.

 

Der HSV ist vor einigen Jahren in diese Mühle geraten und leider durch schlechtes Management und stetig wachsendem medialen Druck bis zu solch einem Punkt gestrudelt, wie wir es letzte Saison erlebt haben. Und da immer nur einige neue Spieler kommen, die einer großen desillusionierten Mehrheit gegenüber stehen, kann der Funke durch Neue auch nur schwer überspringen. Und nach ein paar Wochen sind die dann auch dem immensen Druck erlegen, den alle ihnen auflegen. Theoretisch müsste man die komplette Mannschaft mit sämtlichen Umfeld tauschen… (geht natürlich nicht).

 

Was ist jetzt aber die Konsequenz daraus, um das Ganze zu beenden und zu durchbrechen? Spielfreude kann man leider nicht kaufen (Und wenn, hätte der HSV eh nicht genug Geld dafür…). Da liegt es jetzt zuerst vor allem am Trainer und dem ganzen Stab wieder Selbstvertrauen und Spaß in die Leute reinzupumpen. Leider sehe ich Joe immer nur rumschreien. Ich hoffe ernsthaft, dass er auch noch andere Motivationsmöglichkeiten kennt. Denn wenn ich blockiert und verkrampft über den Platz rennen würde, dann würde mich anschreien auf jeden Fall nicht besser werden lassen. Ich finde, es müsste eigentlich in jeder Mannschaft auch Psychologen und Motivationsexperten geben. Am besten für jeden Spieler einen (kleiner Scherz).

 

Am idealsten wäre sicherlich jemand, der jedem sympathisch ist, immer gut drauf ist und Leute mitreißen kann. So ne Mischung aus Hermann Rieger und Hape Kerkeling, oder so. Der würde wie ein Maskottchen dann unentwegt für gute Laune sorgen. Nee, aber mal im Ernst, dieses Ding mit Spielfreude, Psychologie und Motivation wird meines Erachtens viel zu wenig beachtet. Bei den Geldern, die im Fußball hin- und hergeschoben werden, verwundert es mich wirklich sehr, dass da nicht mehr getan wird. Könnte man doch eine eigene Forschungsabteilung zu gründen. Rechnen würde sich das für die Zukunft auf jeden Fall…

 

Ich finde aber auf jeden Fall, dass wir als Fans und Medien auch etwas tun können. Ich würde ein wenig vorsichtig sein, diese Leute jetzt negativ zu reden, ihnen ihr Können abzuschreiben, auf sie einzuhacken oder sie auszupfeifen. Eines ist sicher, dadurch wird es nur noch schlimmer. Und dann ist jeder von uns Mitschuld an der Misere oder gar dem Abstieg. Also: von außen unterstützen, motivieren, anfeuern und zeigen, dass man hinter ihnen steht. Und jetzt erst recht Party machen im Stadion!!! Das ist dann unser aller Beitrag.

 

Gruß T

 

PS: Den aktuellen Blog von “Scholle” findet Ihr natürlich immer noch hinter diesen Briefen der HSV-Anhänger.

 

14.09 Uhr

Jansen trifft zweimal für das A-Team!

8. November 2014

„Wir gewinnen! 2:0 für’n HSV, logisch. Ja ist doch logisch. Wer gegen Bayern 0:0 spielt, gegen Dortmund 1:0 gewinnt und gegen Leverkusen auch, der gewinnt doch auch in Wolfsburg. Vor Wolfsburg müssen wir nun wirklich keine Angst haben.“ Sagt wer? Das sagte mir heute vor dem Abschlusstraining im Volkspark „Helm-Peter“. Der Mann („Tschuldigung, da muss ich kurz mal dazwischen grätschen“) mit dem Bart. Und mit dem Fahrrad. Peter war einer von ganz wenigen Kiebitzen, die an diesem wunderbar sonnigen Tag den Weg zum HSV gefunden hatten. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit wurde trainiert, aber ein bisschen sehen kann man ja immer. Und festgestellt wurde schnell, dass Tolgay Arslan nicht mit von der Partie ist. Der „Pferdekuss“, den er sich im Training eingefangen hat, ließ heute kein Training zu – und morgen auch keinen Einsatz in Wolfsburg.

 

Die Sendung beginnt um 17:30 Uhr.

 

Ebenfalls fehlen wird an diesem Sonntag der ehemalige Wolfsburger Petr Jiracek, der an einer Fußprellung leidet und heute nur mit Reha-Coach Markus Günther durch den Volkspark lief. Ansonsten alles an Bord (natürlich bis auf Rene Adler und Maximilian Beister). Also auch Valon Behrami, der das gesamte Programm ohne Einschränkung absolvieren konnte.
Es wurde heute leicht und locker trainiert, nach der Aufwärmphase wurden Spielzüge über die Außen-Positionen geübt, in der Mitte wurde die jeweilige Spitze angespielt, der Ball dann nach außen weitergeleitet, Flanke – Tor. So sollte es jedenfalls im Normalfall aussehen, sah es natürlich nicht immer. Ist ja klar.

 

Nach dieser Übung ging es auf jenen Platz, der schlecht einsehbar ist – da spielte dann die A-Elf gegen das B-Team. Dieses Match ging über zwei Halbzeiten und dauerte 20 Minuten, die Stamm-Formation gewann durch zwei Treffer von Marcell Jansen 2:0. Und nach dem Spielchen applaudierte Trainer Joe Zinnbauer seinen Mannen und sparte auch nicht mit Lob: „Das war gut, Jungs, das war gut, das sah gut aus.“ Hoffentlich ernten die HSV-Profis auch morgen so viel Beifall. Apropos: Den erntete heute Artjoms Rudnevs bei der ersten Übung, als er eine Flanke knallhart und technisch super verwandelte. Da klatschten und lobten viele Mitspieler den Letten. Beifall gab es dazu auch für Pierre-Michel Lasogga, der auch einige Male sehr schön verwandelte.

 

Um Rudnevs gab es später noch einige Sorgen, denn der Lette war von Johan Djourou gefoult und zu Boden befördert worden. „Rudi“ humpelte danach einige Sekunden länger, hielt dann aber bis zum Schluss tapfer durch – um dann doch mit einem leicht schmerzverzerrtem Gesicht in die Kabine zu humpeln. Mal sehen, wie sich diese Verletzung noch am Abend „entwickelt“; kommen die Muskeln zur Ruhe (und werden kälter), könnte das durchaus noch richtig schmerzhaft werden. Das sah wie bei einem „Pferdekuss“ aus.

 

Kurz noch einmal zu Rudnevs. Beim „Matz-ab“-Treffen vor einer Woche wurden wir ja (u. a.) gefragt, warum der gute „Rudi“ zuletzt zweimal nicht mal auf der Bank saß, also keine Berücksichtigung bei Trainer Joe Zinnbauer fand. Es soll so sein, dass Artjoms Rudnevs einfach nur schlechter als die Kollegen trainiert hat, dass er im Training große Abschlussschwächen offenbart hat, und dass er die Laufwege der Mannschaft noch nicht so „kapiert“ hat, wie die anderen Mitspieler. So langsam soll es „kommen“, heute allerdings war davon nicht allzu viel zu erkennen. Ich habe, das muss ich mal sagen, Rudnevs schon besser und effektiver gesehen und erlebt. Er könnte es sicher noch besser, als er es derzeit anbietet. Aber vielleicht wird es ja demnächst noch etwas – wo er doch so von seinen Fans über den Rasen getragen wird. Das muss doch mal auf fruchtbaren Boden fallen, diese Fan-Liebe.

 

Zum Abschluss des heutigen Trainings gab es dann „Feuer frei“. Es wurde nach Herzenslust geschossen, wer immer wollte, der durfte, und die drei Torhüter (Jaroslav Drobny, Alexander Brunst und Kevin Otremba) flogen nach allen Regeln der Torwart-Kunst, weil ihnen mitunter auch gleich zwei oder sogar drei Bälle um die Ohren sausten. Das sollte Spaß machen, und es machte allen offenbar viel Spaß. Da hatte jeder einmal oder auch mehrfach das Gefühl, es ja doch noch zu können. Wäre für morgen ja gar nicht so unwichtig, mal das eine oder andere Törchen zu erzielen. Bei bislang erst vier HSV-Buden . . .

 

Apropos vier Buden. So etwas wird es wohl nie wieder geben: Der HSV spielte am 3. März 2000 in Wolfsburg und „schaffte“ nach einem 4:1-Vorsprung nur ein 4:4. Das allein ist schon denkwürdig, aber dass es im selben Jahr, und zwar am 23. September, beim erneuten Aufeinandertreffen in der Autostadt erneut ein 4:4 gab, das ist für mich immer noch sensationell. Wie oft gibt es in der Bundesliga ein 4:4? Und dann gelingt dieses Resultat zweimal hintereinander. Das ist wie ein Sechser im Lotto. Und was würden die HSV-Fans dafür geben, wenn heutzutage mal wieder vier Tore für ihre Mannschaft fallen würden!

 

Nur mal so zur Erinnerung, weil es so schön war. Das erste 4:4 erreichte für den HSV folgende Spieler: Butt, Hoogma, Hertzsch, Panadic, Hollerbach, Kovac, Fischer, Cardoso (Ernst), Mahdavikia, Yeboah (Hashemian), Präger (Dembinski). Die Tore schossen Mahdavikia (zwei) und Cardoso (zwei). Das zweite 4:4 „erspielten“ folgende Herren: Butt, Fukal, Hoogma, Hertzsch, Hollerbach, Töfting (Sandmann), Kovac, Cardoso (Ketelaer), Mahdavikia, Barbarez, Präger (Kientz). Die HSV-Tore markierten Mahdavikia, Fukal, Cardoso und Präger, der heute ja wieder ein „Wolf“ ist. Trainer der ganzen Geschichte war Frank Pagelsdorf, der offenbar Gefallen an diesem Ergebnis hatte, denn zwischendurch gab es ja noch ein 4:4 – das legendäre gegen Juventus Turin (13. September).
Wie schön, ich muss es noch einmal sagen, wären mal wieder vier HSV-„Dinger“. Und wenn es morgen ein 4:4 geben sollte – auch damit könnte ich (jetzt noch) wunderbar leben.

 

Im Moment aber ist ja Tor-Armut angesagt. Was dann ja auch zu verkraften wäre, wenn es denn – wie in Dortmund und gegen Leverkusen – einen 1:0-Sieg geben würde. Oder auf jeden Fall keine Niederlage. Ich bin gespannt, wie sich die Mannschaft kämpferisch aus der Affäre ziehen wird. Ob sie sich wieder zu reinhängt, wie zuletzt gegen die Werks-Elf aus Leverkusen, oder ob sie „halblang“ macht – wie gegen die jetzt schwer kriselnden Berliner? Ich habe immer noch eine Aussage von
Rafael van der Vaart im Ohr, der nach dem Sieg gegen Bayer bei „Sky“ gesagt hat: „Es war nicht nur für mich persönlich eine Befreiung, sondern auch für die ganze Mannschaft. So zu kämpfen, war schon geil. Für uns war es wichtig, zu zeigen, dass wir hier die Chefs sind.“ In Wolfsburg sind sie morgen ganz sicher nicht die Chefs, aber kämpfen darf man auch als nur „kleiner Angestellter“. Denn sie alle, die „kleinen Angestellten“ haben eines gezeigt: das sie es können! Also, macht’s noch einmal, Jungs!

 

Der HSV wird morgen mit jener Formation antreten, die auch zuletzt gegen Leverkusen begann – und das ist ja auch etwas Besonderes. Zweimal in Folge mit demselben Team, das gab es lange nicht (wenn ich richtig erinnere) – und zwei Siege hintereinander erst recht nicht. Morgen würde sich mal wieder die Chance dazu bieten – also fangt damit an!

 

Von Erfolg zu Erfolg eilen derweil die Regionalliga-Spieler des HSV, die ihr schweres Auswärtsspiel am Freitag in Havelse mit 2:1 gewannen. Es ist ein unglaublicher Lauf, den diese Talente da hinlegen, 16 Spiele, 14 Siege, zwei Unentschieden zu Hause, 52:11 Tore, 44 Punkte! Sensationell! Die Tore an diesem Freitag schossen Matti Steinmann und Ahmet Arslan. Super, super, großartig – weiter so! Und herzliche Glückwünsche!

 

So, ich komme zum Quiz. Es ging um die hervorragenden Illustrierten unseres Kollegen Oliver Wurm, der mit jedem deutschen WM-Helden sprach und es zu Papier gebracht hat. „Olli“ wird dafür wahrscheinlich einen Preis gewinnen, er ist für eine größere Auszeichnung nominiert. Völlig berechtigt, ganz nebenbei. Diese drei Hefte sind wahrscheinlich schon bei ihren Gewinnern. Und da ich die Postkarten in der Redaktion gelassen habe, es heute aber aufklären will, versuche ich mich zu erinnern, wohin diese Illustrierten gingen: Einmal nach Hamburg, zu Herrn Joppe. Dann nach Hille (wo immer es auch liegt) zu Herrn, und den weiß ich nun wirklich nicht mehr genau, ich tippe auf Herrn Fendel. Wir aber auf jeden Fall noch nachgereicht, damit mir kein Schmu unterstellt wird. Und der dritte Gewinner ist Carsten Hahn aus Windbergen (weiß ich auch nicht, wo das liegt). Alle drei Gewinner sind mir nicht persönlich bekannt, aber diese drei Herren haben eines gemeinsam: Sie sind die einzigen Teilnehmer an diesem Quiz, die alle zwölf Namen richtig haben.

 

Zu erraten waren: Paul Scharner, Manfred Kaltz, Harry Bähre, Holger Hieronymus, Thomas Doll, Hermann Rieger, Uwe Seeler, Lotto King Karl, Sven Neuhaus, Horst Schnoor, Klaus Neisner und Hans-Jürgen „Dittschi“ Ripp.

 
Eine Sache muss ich in diesem Zusammenhang noch erwähnen. Es gab eine Mail, auf der auch einige richtige Namen standen – und ich finde, dieses „Werk“ sollte dann auch ruhig mal Erwähnung finden, auch wenn es nicht ganz richtig ist – aber immerhin zum Schmunzeln. Allerdings, das vergaß der Absender wohl, ohne Adresse. Also wenn er gewonnen hätte, dann hätte ihn dieses WM-Heft wohl kaum erreicht. Hier nun der Text dazu:
 

sorry, der nachfolgende text passtnicht auf eine postkarte…

Ein Gewinnspiel, ein Gewinnspiel:
Ich KALTZ im Kopf nicht aus.
Was BÄHRE „Matz ab” ohne ein Gewinnspiel.
Hoffentlich gewinnt nicht ein SCHARNERtan,
sondern ein Teilnehmer, der von Zero to “HIERO” aufsteigt.
Das wäre DOLL.
Es gibt ja mehrere Gewinner, aber die entscheidende Frage lautet:
Wer wird erster RIEGER beim Promi-Quiz…?
Es heißt zwar “Geben ist SEELER denn nehmen”,
aber Preise abstauben ist letztlich wie im “LODDO” zu gewinnen.
Davon kann man sich dann ein NEUHAUS bauen
oder aber die kleinen Wünsche des Alltags erfüllen.
Das ist wie beim Durchtrennen der Nabel-SCHNOOR –
ein echtes Glücksgefühl.
Man ist zudem beliebt wie die größten STARS,
die ja auch immer diese tollen “FUMMEL” tragen.

Mit sportlichen Grüßen
WORTSPIELER

 

So, am morgigen Sonntag gibt es nach dem Spiel wie immer die immer beliebter werdende (ich muss es einfach mal wieder loswerden) HSV-Talk-Runde „Matz ab live“, diesmal mit den Gästen Stefan Schnoor und Alexander Laas sowie eventuell einem Überraschungs-Gast. „Scholle“ und ich, wir würden uns sehr freuen, wenn Ihr wieder mit von der Partie sein würdet.

 
Dann komme ich – sehr gerne übrigens – noch einmal auf das „Matz-ab“-Treffen vor einer Woche im „Anno 1887“ in Norderstedt zurück. Weil ich im Nachhinein gedacht habe, dass ich unseren „Mitstreiter“ Lars Pegelow zu wenig erwähnt habe – für einige „Neulinge“ auch nicht vorgestellt hatte. Sorry, mein Lars, das war ein Fauxpas der selten-blöden Art, ich entschuldige mich dafür. Du bist, das möchte ich sehr gerne hier erwähnen, eine sehr wertvolle Verstärkung für das „Matz-ab“-Team, Deine Texte sind immer sehr schön zu lesen und reichlich gefüllt mit Inhalt. Vielen Dank dafür. „Scholle“ hatte ich an diesem Abend gelobt, den Lars leider nicht, und deshalb hatte ich in dieser Woche doch reichlich Gewissensbisse.

Auch gegenüber unsere jungen „Mutter der Kompanie“, Eva/Hope. Sie fehlte an diesem Abend, hatte ihn aber vorher super organisiert, dafür auch an dieser Stelle und ganz offiziell herzlichen Dank für Deine großartige Hilfe, liebe Eva/Hope. Du bist in diesem Blog unersetzlich – und einfach nur toll!

 

PS: Zum „Matz-ab“-Treffen habe ich etliche Dankesschreiben (auch Fotos! Danke dafür, HSV-Lünen!) und –Anrufe erhalten, vielen dank dafür. Eine Zuschrift möchte ich schnell noch öffentlich machen, ich hoffe, dass ich das auch darf – aber sie hat mir deshalb so gut gefallen, weil sie das Niveau und die Stimmung an diesem Abend so gut widerspiegelt:

„Hallo Manfred,

kennen H. Matz und Herr Scholz eigentlich schon das schönste Garagentor in Nordrhein-Westfalen? Diese Bilder sind wirklich Klasse.
Morgen Abend schaue ich mir HSVII in Havelse an, von meiner Arbeitsstelle in Hannover ist dies nur ein Katzensprung entfernt. Am Sonntag bin ich mit Alnipe, Thomas Kerfin und Flashzbax in Wolfsburg.
Dank H. Matz kennen auch wir uns. Dadurch sind inzwischen schon richtige Freundschaften entstanden. Auch die “Nicht Plusser und Nicht Realos” sind HSVer. Deshalb halte ich Kontakte zu allen Fraktionen, u.a. Bob Dylan, Alnipe, usw., denn eines eint uns alle, die Liebe zu unserem HSV.

Gruß R.“

 

So, ich habe fertig. Ich wünsche Euch und Euren Lieben ein wunderschönes Wochenende, und dem HSV (damit uns allen) einen Auswärtssieg in Wolfsburg. Alles Gute!
Dieter

 

17.57 Uhr

Es bleibt spannend

2. Oktober 2014

Das Wichtigste zuerst: Alles, alles Gute zum Geburtstag, lieber Hermann!

Fussball

73 Jahre alt wäre der Kultmasseur und Liebmensch heute geworden. Leider verstarb er im Februar nach langer Krankheit viel zu früh. Und ich hoffe, dass es ihm da, wo auch immer er jetzt ist, richtig gut geht und er weiterhin ein waches Auge auf und eine schützende Hand über seinen HSV hat.

So, wie es jetzt auch Peter Knäbel haben soll und will. Und entgegen meiner gestrigen Erwartung war der Direktor Profifußball heute nicht beim Training. Zumindest habe ich ihn nicht entdecken können. Ansonsten hätte er gesehen, dass es in Sachen Aufstellung für die Partie in Dortmund weiter spannend bleibt. Außer auf der Torwartposition. Dort ist Drobny nach den letzten drei Spielen gesetzt. Zusätzlich verletzte sich Rene Adler jetzt auch noch an der Kapsel im linken Knie und muss vier Wochen passen. Bittere Wochen für die einstige Nummer eins Deutschlands, die zuletzt sehr bemüht war, die ungewohnte Reservistenrolle vorbildlich sportlich zu nehmen.

Für Abendblatt-Blogs

Ein Vorbild soll auch Rafael van der Vaart sein. Spielerisch in erster Linie, da er weder außerhalb noch auf dem Platz als großer Lautsprecher bekannt ist. Und der Niederländer wirkt so, als wolle er das möglichst bald. „Es hat alles geklappt, ich habe keine Probleme gehabt“, so der Linksfuß heute nach dem Training, das hauptsächlich Spielformen und eine Menge Torabschlüsse beinhaltete. Notwendigerweise, wie es die Torstatistik zeigt. Und genau dafür hofft Zinnbauer auf einen gesunden van der Vaart. Der soll nach Möglichkeit hinter der einzigen Spitze (alles deutet auf den zweifellos fitter werdenden Lasogga als Alleinunterhalter hin) für die entscheidenden Pässe sorgen, ohne dabei seine eigene Torgefahr zu vernachlässigen. „Bei Rafa warten wir ab, wie es sich nach dem Abschlusstraining fühlt und entscheiden dann“, so Zinnbauer heute nach dem Training, in dem er erneut einige Male das laufende Spiel unterbrach, um auf Stellungsfehler hinzuweisen.

Apropos Training: Seit Ricardo Moniz gab es beim HSV eigentlich kein wirkliches Sondertraining mehr – das Rehatraining ausgenommen. Zwar blieb immer wieder mal der eine oder andere Spieler draußen und machte Torschusstraining. Allerdings nahezu ausnahmslos ohne professionelle Hilfe eines Trainers. „Einzeltraining kann dabei sehr effektiv sein“, hatte Zinnbauer bei uns bei Matz ab Live gesagt und angedeutet, darauf Wert legen zu wollen – damals noch in seiner Funktion als Trainer der Regionalliga-Mannschaft. Und heute beobachtete mit Patrick Rahmen wenigstens mal ein Trainer das freiwillige Training. Und er gab Anweisungen. Immerhin ein Anfang.

Für Abendblatt-Blogs

Anweisungen kamen heute in ebenso deutlicher wie nicht jugendfreier Ausführung auch von Drobny für seine Vorderleute. Insbesondere Matti Steinmann hatte sich in einer Szene den Unmut der Tschechen zugezogen und musste sich verbal einiges gefallen lassen. Wobei, was hätte Stenmann auch sonst machen sollen? Immerhin gilt Drobny in der Mannschaft als hoch angesehener und neben van der Vaart als einer der erfahrensten Spieler im Team. Der 1,92-Meter-Hüne verkörpert aktuell zudem genau das, was zuletzt bei Adler bemängelt worden war: Er hat Ausstrahlung. Er verleiht nicht nur Sicherheit sondern treibt seine Vorderleute auch immer wieder an. Mal mehr, mal weniger jugendfrei. Aber immer im Sinne der Mannschaftsleistung.

In diese Richtung tendierte gegen Frankfurt auch Cléber, den ich trotz seines Fehlers zum 0:1 als über die gesamten 90 Minuten extrem präsent empfunden habe. Der Brasilianer wirkte bissig, zweikampfstark – und er dirigierte immer wieder seinen Nebenmann Johan Djourou, dem diese Aufgabe eigentlich aufgetragen war. Allerdings war davon im gestrigen wie heutigen Training nicht mehr viel zu sehen. Der Brasilianer wirkte ruhig, machte viele unnötige Fehler und zeigte wenig von seiner offensichtlich vorhandenen Härte im Eins gegen Eins. Mehr noch: Der alles andere als schüchterne Cléber wirkte teilweise in sich gekehrt. Womöglich, weil er gemerkt hat, dass Zinnbauer momentan ein anderes Innenverteidigerduo vorzuziehen scheint: Djourou nebst Westermann.

Cléber indes agierte heute anfänglich im vermeintlichen B-Team, das beim abschließenden Kleinfeldturnier sogar noch zusätzlich in ein vermeintliches C-Team aufgeteilt wurde – mittendrin: Cléber. Und ich glaube, dass Zinnbauer Gefahr läuft, den in meinen Augen am unbrasilianischsten spielenden Brasilianer jemals beim HSV, so zu verprellen. Zumindest wäre die Entscheidung, ihn gegen Dortmund rauszunehmen und dafür Westermann neben Djourou zu stellen, diskutabel und sicher nicht mit der ansprechenden Leistung (trotz des Bocks) Clébers gegen Frankfurt zu erklären. Aber okay, Zinnbauer hat einige Möglichkeiten, die er in seinen ersten drei Spielen noch nicht hatte. Gojko Kacar ist wieder fit und trainiert sehr ordentlich. Ebenso Rafael van der Vaart sowie Marcell Jansen und Julian Green. Und während van der Vaart spielen dürfte, wenn er gesund bleibt, dürfte sich Jansen gedulden müssen. Zumindest scheint Zinnbauer den besser werdenden Matthias Ostrzolek nicht herausnehmen zu wollen. Im Gegenteil. Zinnbauer lobte den Linksfuß ob seiner Trainingsaktionen mehrfach.

Apropos, das habe ich gestern leider vergessen: Ich möchte an dieser Stelle noch einmal meinen Kollegen Kai Schiller für dessen Cléber-Interview (http://www.abendblatt.de/sport/fussball/hsv/article132801850/Cleber-Wenn-es-schneit-schliesse-ich-mich-zu-Hause-ein.html) loben und es allen noch mal ans Herz legen, die es noch nicht gelesen haben. Es macht den Menschen Cléber auf jeden Fall noch sympathischer, als es dieser eh schon ist.

Nichts Besonderes ist für mich indes die Klage von Trainer Mirko Slomka gegen seine Entlassung. Das ist normal und das würde jeder Arbeitnehmer machen, dem fristlos gekündigt wird. Immerhin geht es hier noch um eine Abfindung im siebenstelligen Bereich, auf die wohl keiner von uns verzichten würde. Zumal dann nicht, wenn er sich wie Slomka zu Unrecht vor die Tür gesetzt sieht. Daher: Ein erwarteter juristischer Zug, der unter normalen Umständen in eine außergerichtliche Einigung münden dürfte.

Insofern: Zunächst noch harmlos und unspektakulär. So, wie der gesamte heutige Tag beim HSV. Morgen geht es übrigens unter Ausschluss der Öffentlichkeit an der Arena weiter.

Bis dahin,

Scholle

P.S.: Ach ja, und für alle, die wissen wollen, wer wann welchen Blog schreibt, ein kleiner Hinweis: Dieter ist von uns dreien hier im Blog der einzige Autor, der seinen Namen nicht unter die Artikel setzt.

Hermann in Lebensgröße – und den Sieg vor Augen ***Korrektur: Cardoso zieht Klage zurück***

3. April 2014

Das ist doch mal eine gute Nachricht: Rodolfo Cardoso ist ab sofort Fußballlehrer. Herzlichen Glückwunsch dazu, Rodolfo! Der Argentinier hat die Prüfung zusammen mit 23 anderen Kursteilnehmern bestanden. Mit dabei waren Hermann Andreev, Manuel Baum, Achim Beierlorzer, Michael Boris, Carsten Busch, Joe Enochs, Daniel Farke, Markus Feldhoff, Uwe Grauer, Sören Hartung, Sebastian Hoeneß, Stephan Howaldt, Valérien Ismaël, Jens Kiefer, Petar Kosturkov, Carsten Lakies, Sabine Loderer, André Meyer, René Müller, Christian Preußer, René Rydlewicz, Hans-Walter Thomae und: Cardosos Nachfolger beim HSV als U23-Trainer, Josef Zinnbauer. Wobei der Rechtsstreit Cardoso auf Entfristung seines Arbeitsvertarges beigelegt wurde. Beide Parteien verständigten sich darauf, sich außergerichtlich einigen zu wollen. Auch das ist gut.

Erfreulich ist ebenfalls die Idee des HSV, dem verstorbenen Kultmasseur Hermann Rieger ein Denkmal zu setzen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Angedacht ist eine lebensgroße Statue, die für jeden am Eingangsbereich Nord-Ost vor der „Rautenwelt“ zugänglich sein soll, und ihn so zeigt, wie er war: Natürlich, herzlich und bodenständig. Die genauen Planungen zur Umsetzung laufen mit Hochdruck. Wer sich daran beteiligen will, kann spenden. Genaueres findet Ihr auf www.hsv.de.

Dort steht übrigens auch, dass Günter Perl pfeift – was Dieter den ersten kleinen Tod sterben lässt. Perl zählt nicht zwingend zu seinen Lieblingsschiedsrichtern, obgleich die Gesamtbilanz des HSV (8/7/6) unter Perl zu Hause noch positiv ist. Und angesichts des HSV-Songs „Hamburg, meine Perle“ sehe ich Perl als alles andere denn als schlechtes Omen. Wobei, ich sehe es ehrlich gesagt als: GAR NICHTS. Mich interessieren keine Statistiken vor diesem Spiel gegen Leverkusen. Denn ähnlich wie im Pokal zählen auch die letzten Saisonspiele zu denen mit ihren ganz eigenen Gesetzen. Plötzlich schlagen die Kleinen die Großen. Ergebnisse wie beim Eishockey werden häufiger – kurzum: die andere Saisonphase hat begonnen.

Mirko Slomka dürfte es gefallen. Immerhin hat sich der HSV-Trainer auf die Fahnen geschrieben, beim HSV alles anderes mache zu wollen als seine Vorgänger. Und damit liegt er tendenziell nicht falsch. Auch gegen Leverkusen wird Slomka wieder etwas verändern. Zum einen, weil Milan Badelj nach seiner Gelbsperre wieder ins Team rutscht, zum anderen, weil er es will. Im Training heute mischte er noch mal leicht durch und ließ beispielsweise Westermann und Diekmeier in der B-Elf trainieren. Dafür durften sich Jiracek und Rincon der A-Elf beim Spiel zehn gegen zehn zeigen. Und den Rest der Trainingswoche, die mit einem leichten Anschwitzen am Freitagmorgen komplettiert wird. Und auch erst morgen will der Trainer seinen Spielern die Kadernominierungen offenbaren. „Die Spannung hochhalten“, nennt Slomka das. Somit bleibt offen, ob der U23-Angreifer Mattia Maggio tatsächlich seine Premiere im Bundesliga-Kader feiert oder nicht.

Ziemlich sicher ist dagegen, dass Slomka gegen Leverkusen wieder auf die altbewährte Viererkette (Diekmeier, Mancienne, Djourou, Westermann) sowie auf Arslan und Badelj als Sechser, Calhanoglu auf links, van der Vaart hinter Zoua und auf Rincon als rechten Mittelfeldspieler setzen wird, nachdem Ivo Ilicevic auch heute nicht mittrainieren konnte und somit nicht in Frage kommt. Warum Jiracek nicht zum Zuge kommt? Gute Frage. Schlecht trainiert hat der Tscheche nicht, zuletzt in Gladbach brachte seine Einwechslung noch mal etwas Schwung.

Aber letztlich muss auch das egal sein. Der Tabellenstand gibt den Takt vor, und daran müssen sich alle halten. Alle müssen verstehen, dass hier nichts anderes zählt als ein Sieg. Egal gegen wen, egal mit wem. „Wir müssen von der Tribüne bis auf den Platz als Einheit funktionieren“, sagt Heiko Westermann und Milan Badelj ergänzt: „Der Kopf kann entscheiden – was bedeutet: die Mannschaft, die sich am wenigsten schlechte Gedanken macht, kommt am weitesten. Es geht jetzt darum, keine Angst zu haben und einfach Fußball zu spielen. Und zu kämpfen.“ Na dann. Meine Bitte an Adler, Badelj, van der Vaart und Co.: Bitte nicht nachdenken – einfach machen. Denn eines haben wir nicht mehr: Zeit.

Wobei die auch für Leverkusens Trainer Sami Hyypiä zu enden droht. In der Champions League von PSG demontiert holten die Werkskicker erst elf Punkte in der Rückrunde. So viel wie Braunschweig und lediglich drei mehr als der Abstiegskandidat HSV (8). Angesprochen auf eine Trainerdiskussion antwortet Bayers Sportchef Rudi Völler den Standardsatz: „Diese Diskussion stellt sich nicht.“ Noch nicht zumindest. Dennoch rumort es bei Bayer. Denn dem Anspruch, kommende Saison Champions League zu spielen, scheinen Kießling, Son, Bender und Co. zu verspielen. Selbst die Europa League ist bei gerade einmal vier Punkten Vorsprung auf Rang sieben (könnte jedoch theoretisch reichen) noch nicht sicher. „Wir spielen nicht schlecht, wir gewinnen nur zu wenig“, sagt Son und stellt damit genau die Rechnung auf, die Slomka und Co. bei ihren Auswärtsspielen aufmachen. Gut spielen, wenig bis gar nicht punkten.

Fakt ist, dass am Freitag um 20.30 Uhr in der Imtech Arena zwei angeschlagene Teams aufeinander treffen. Das allein spricht für eine eher kampfbetonte denn spielerisch hochwertige Partie. „Wir wissen, dass wir jetzt keinen schönen Fußball erwarten können“, sagt van der Vaart, „jetzt zählen nur noch gute Ergebnisse. Wie wir die erreichen – danach fragt niemand.“

Von daher lasse ich es auch, hier irgendwelche Taktiken, Vorzüge von Aufstellungen und Statistiken hervorzukramen. Denn morgen gelten andere Regeln. Morgen geht es nur noch darum, immer einen Schritt schneller zu sein, immer einen Zentimeter höher zu springen und immer einen Zweikampf mehr als der Gegner zu gewinnen – um am Ende ein Tor mehr zu schießen. Nicht mehr – aber definitiv auch nicht einen Deut weniger. Sechs Mal geht es noch um alles. Und ich werde einen Teufel tun, im Vorfeld eine Trainerentscheidung zu diskutieren.

Ach ja, was den Sieg eigentlich eindeutig vorhersagt: Noch nie konnte Heung Min Son in einer Partei HSV – Leverkusen in der Imtech-Arena gewinnen. Mehr noch: Er traf nicht einmal. Noch Fragen?

In diesem Sinne, morgen muss der Rasen brennen. Nicht die Kurve. Lasst uns die Mannschaft bedingungslos unterstützen, egal ob sie gut oder weniger gut spielt.
Scholle

P.S. vom 4.4.: Heute Abend gibt es nach dem Spiel noch Matz-Ab-Live mit den Gästen Rodolfo Cardoso und Soner Uysal.

Augen zu und durch! Egal wie, egal mit wem!!

3. März 2014

Der Montag ist für mich immer der Tag, der sich für ein Resümee am besten eignet. Der Bundesligaspieltag – zumindest in der ersten Liga – ist mit all seinen (trügerischen) Emotionen abgeschlossen und man kann endlich klar und genau erkennen, was alles richtig und was leider falsch war. Dass man dabei durchaus unterschiedlicher Meinungen sein kann, wie es im Fußball nur zu oft vorkommt und wodurch sich selbiger eigentlich auch erst auszeichnet, ist klar.

So war vielerorts die Rede von einem Leistungsabfall des HSV – allerdings habe ich den tatsächlich nicht gesehen. Ich habe sehr wohl eine Mannschaft gesehen, die von sich nur sehr bedingt überzeugt ist und nicht auftritt wie eine Topmannschaft. Wie auch nach gerade mal einem Sieg? Dennoch, in Bremen hat die Mannschaft in meinen Augen – relativ betrachtet -deutlich besser gespielt als zuvor gegen Schalke, Bayern, Hoffenheim, Hertha und Braunschweig zusammen. Dass sie wieder mal für zu wenig Torgefahr gesorgt hat – es ist nur logisch, wenn ein Lasogga ausgeschaltet ist.




Mobile Version: Matz ab nach dem Nordderby

Und genau in diesem Punkt entzündet sich der nächste Streitpunkt. Viele haben Dieters Kritik an Rincons Position gegen Werder kritisiert und als Trainerschelte empfunden. Das kann man auch so machen. Allerdings weiß ich, dass Dieter genau das meint, was hier auch von vielen anderen gesehen wurde: Gerade durch die Kaltstellung Lasoggas wäre es umso wichtiger gewesen, dass der HSV aus dem Mittelfeld Druck entfacht. Und dafür sind auf der rechten Mittelfeldseite sicherlich andere prädestinierter als der Venezolaner, den Slomka deswegen dahinstellte, um seine Startelf aus dem Dortmund-Sieg nicht zu sehr umbauen zu müssen. Dass der BVB taktisch ein ganz anderes Spiel war wird auch Slomka klar gewesen sein. Er setzte auf den psychologischen Teil seiner Aufstellung und erhoffte sich zumindest die Null defensiv – was automatisch mindestens einen Punkt gebracht und zumindest mir gereicht hätte. Dass dieses Vorhaben durch Jansen Aufhebung der Abseitsfalle bereits früh ad absurdum geführt würde war gegen insgesamt alles andere als starke Werderaner nicht zu erwarten. Dieter hätte in Bremen anders gespielt und hatte diese Meinung längst nicht exklusiv. Im Nachhinein wäre es vielleicht auch richtig gewesen – aber wer weiß das vorher schon…

Daher – halten wir alle mal den Ball flach, denken wir lieber nach vorn und diskutieren darüber, wie der HSV seine zweifellose und mich beängstigende Offensivschwäche abbauen kann für den Fall, dass ein Lasogga eben mal abgemeldet ist. Denn die Hertha-Leihgabe ist sicherlich ein großer Hoffnungsträger – aber halt (noch) keine Garantie á la Ribery, Messi oder Ronaldo, die irgendwie immer funktionieren. Der 22-Jährige spielt seine erste richtig starke Saison ohne große Verletzungen und ist dafür schon erstaunlich konstant. Aber auch er hat Tage, an denen nicht viel geht, trotz allen Kampfes- und Siegeswillens. Wie in Bremen.

Und genau in diesem Moment müsste der Ersatz von der Bank kommen und funktionieren. Eben jener Ersatz, den der HSV nicht hat, nachdem Rudnevs verliehen wurde, sich Beister verletzte und ein Jacque Zoua noch immer den Beweis seiner einst von Trainer Thorsten Fink („Ein Typ wie Guerrero“) angepriesenen Qualität schuldig ist. Trainer Mirko Slomka hatte zuletzt immer wieder betont, dass er sich offensiv keine Sorgen mache und man glaubte, ihn nach den drei Toren gegen das Weltklasseteam vom BVB bestätigt zu sehen. Dennoch bleibe ich dabei, dass der HSV momentan nur mit einem guten Lasogga auch wirklich gut funktioniert. Ansonsten ist da zu wenig.

Oliver Kreuzer sieht das – naturgemäß – anders. „Pierre funktioniert aber auch dann erst gut, wenn er aus dem Mittelfeld ordentlich Bälle bekommt. Es ist nicht ganz so einseitig.“ Und das stimmt. Allerdings fehlte in Bremen in dieser Funktionskette der entscheidende Mann im Mittelfeld. Slomka will dieses Problem ab sofort mit Rafael van der Vaart lösen. Dem Kapitän, der gegen Bremen in der zweiten Halbzeit kam und kaum bis keine Akzente setzen konnte. „Ich setze auf die Qualitäten Rafas“, hatte Slomka am Sonntag betont und dem Niederländer, der für das Länderspiel in Paris gegen Frankreich am Mittwoch nachnominiert worden war, somit quasi eine Einsatzgarantie für die nächsten Spiele verpasst. Für die Spiele, die Sportchef Kreuzer nicht zu „Wochen der Wahrheit“ hochstilisieren will, die aber eine ähnliche Funktion haben werden. Gleich viermal, davon dreifach im eigenen Stadion, geht es gegen direkte Mitkonkurrenten aus der Abstiegszone. Frankfurt, Nürnberg, in Stuttgart und dann wieder zu Hause gegen Freiburg – vier Spiele in vier Wochen, die unbedingt gewonnen werden sollten. „Es sind wichtige und brisante Spiele in einer prekären Lage“, so Kreuzer, „da gilt vor jedem Spiel hundertprozentige Konzentration. Aber auch danach stehen Spiele an, in denen wir was holen können. Jedes Spiel – die Bayern mal leicht ausgeklammert – ist für uns machbar. Ob Leverkusen, Gladbach oder auch Augsburg und Mainz. Gerade in der Saisonschlussphase kommen die seltsamsten und unerwartetsten Ergebnisse zustande.“

Und bei aller journalistischen Sorgfaltspflicht tue ich mich seit Bremen schwerer denn je, immer das zu schreiben, was ich wirklich denke. Was würde es an dieser Stelle bringen, eine Abhandlung über Rafael van der Vaarts Leistungsvermögen aufzuschreiben? Jetzt, wo gerade er ein Hoffnungsträger sein muss, weil es an Alternativen mangelt? Es bringt mir doch viel mehr, wenn ich nach Wegen suche, wie seine vorhandenen Qualitäten helfen. „Er muss mehr zwischen den Linien spielen“, sagt beispielsweise Kreuzer und hat Recht: Denn erst in Tornähe kann van der Vaart sein Auge für den entscheidenden Pass oder auch selbst per Torschuss gefährlich werden. „Rafael muss seine volle Konzentration und Kraft im vorderen Drittel einbringen können – dann wird auch Pierre profitieren“, prophezeit Kreuzer und ich will ihm glauben.

Auch, weil die Situation jetzt so einfach ist, wie sie nur irgendwie sein kann – nämlich ohne jede Ausrede und ohne jeden Konjunktiv. Die Tabelle gibt den Weg vor. Es bleibt schlichtweg nur der Blick nach vorn und die Bereitschaft, alles in Kauf zu nehmen, um das Minimalziel Klassenerhalt zu wuppen. Denn der HSV steckt im Abstiegskampf. Tief im Abstiegskampf sogar und hat einen Kader, der den Klassenerhalt nicht garantieren kann. Diese Mannschaft ist seit einer gefühlten Ewigkeit fragil sowie finanziell und personell bis an die Grenzen der Konkurrenzfähigkeit über die Jahre hinweg geschwächt worden. Der Verein hat in den letzten Wochen und Monaten noch einmal mächtig nachgelegt und viel zerstört, hat sich über seine Gremien zerschossen und muss jetzt Schadensbegrenzung betreiben.

So, wie es zunächst van Marwijk erkannte und wie es jetzt auch Slomka erkannt haben wird. Es gibt hier wirklich nur noch ein Ziel: den Klassenerhalt schaffen. Egal wie. Egal mit wem. Es bleibt nur der Glaube und die Hoffnung, dass Lasogga weiter trifft, dass ein van der Vaart zu alter Stärke findet, dass Die Viererkette endlich sicherer wird – und das Slomka mit seinen Entscheidungen mehrheitlich richtig liegt. Irgendwie muss man trotz aller offenkundigen Fehler im Vorfeld jetzt diese Mannschaft erstklassig halten.

Der Rest kommt dann. Nicht vorher.

Denn ebenso klar wie jetzt das eine oder andere zum Wohle des HSV runterzuschlucken ist, dass dann am 25. Mai die komplette Restauration und Modernisierung des Dinos beschlossen und angegangen werden MUSS. Schonungslos und ohne Rücksicht auf Namen. Auch hier im Blog.

In diesem Sinne, morgen wird um 10 und um 15 Uhr trainiert. Bis dahin!
Scholle

P.S.: Ich stimme Dieter übrigens zu 100 Prozent zu, dass es beschämend war, nur vier Profis auf der Trauerfeier angetroffen zu haben. Denn der Verlust Hermanns war nicht nur ein persönlicher derer, die ihn kennengelernt haben, sondern einer für den gesamten HSV als Verein. Hermann war und ist eine Institution des HSV. Da kann es nicht zu viel verlangt sein, den Respekt der Angestellten für eine solche Größe in Form von einer Teilnahme an der Trauerfeier zu erwarten. Ganz im Gegenteil. Aber, auch das muss unbedingt gesagt sein, Rafael van der Vaart befand sich zur Zeit der Trauerfeier bereits auf dem Weg zur Nationalelf, für die er nachnominiert worden war. Es war nur nicht kommuniziert worden. Daher an dieser Stelle: Excuus, Rafael!

P.P.S.: Slobodan Rajkovic lässt sich voraussichtlich in Belgien am verletzten Kreuzband operieren, während Milan Badelj bereits am Mittwoch mit einer Schiene an seiner gebrochenen Hand wieder mittrainieren können soll. Hakan Calhanoglu und Petr Jiracek (beide muskuläre Probleme, leichte Zerrungen) sollen zunächst etwas kürzetreten, um einen Einsatz am Wochenende gegen Frankfurt nicht unnötig zu gefährden.

Vier Spieler kamen zur Trauerfeier . . .

2. März 2014

Trauerfeier für Hermann Rieger. Sie kamen aus nah und fern, aber es waren nicht viele. Vorher geisterten die Zahlen von 30 000 oder 20 000 Fans durch die Gazetten, die kommen sollten, und dann waren lediglich 3000 HSV-Anhänger und Herrmann-Rieger-Freunde da. Das war, auf jeden Fall für mich, schon enttäuschend. Es waren ehemalige Weggefährten wie Günter Netzer, der mit Ehefrau Elvira aus Zürich gekommen war, sowie Horst Hrubesch, Stig Töfting („Hermann war der beste Mann im HSV“), William „Jimmy“ Hartwig („Hermann war ein unglaublich anständiger Mensch“), Holger Hieronymus, Bernd Wehmeyer und Rudi Kargus dabei, und von der aktuellen HSV-Mannschaft gerade einmal vier Spieler. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: vier Spieler. Die Herren Profis hatten zuvor trainiert und sind anschließend – nach Hause. Prost Mahlzeit. Das nenne ich mal (k)eine Flagge zeigen. Aber gut, jedem war es frei gestellt, und ein jeder Profi setzt eben seine eigenen Prioritäten. Trainer Mirko Slomka war unter den Trauergästen, Sportchef Oliver Kreuzer ebenfalls, dazu aktuelle und ehemalige Vorstandsmitglieder und Aufsichtsräte, an der Spitze Udo Bandow. Um mal zu offenbaren, wer von den Spielern dabei war: Hakan Calhanoglu, Marcell Jansen, Tolgay Arslan und Dennis Diekmeier. Null Kapitän aber. Traurig.




Mobile Version: Matz ab nach dem Nordderby

Die Feierstunde im Norden der Arena war bewegend, es sprachen HSV-Chef Carl-Edgar Jarchow („Hermann ist eine Kultfigur geworden, und ich glaube, er ist der einzige Masseur, dem eine solche Gedenkfeier zuteilwird“), der frühere HSV-Präsident Dr. Wolfgang Klein sowie Superintendent Wilhelm Helmers aus Bremervörde. Musikalisch wurde die Feier vom Chor „Viddel 12“, von der Sopranistin Luise Hansen (die ein ganz hervorragendes Ave Maria sang!) und von Lotto King Karl mit seiner Band (inklusive Carsten Pape) begleitet. In den Agenturen hieß es später, dass die Fans bei Lottos „Hamburg meine Perle“ Tränen in den Augen hatten – ich hatte auch auf jeden Fall. Und zwar schon beim wunderbaren „Schlaflied“, das Lotto noch vor der „Perle“ vorgetragen hatte – einfach nur großartig. Spontan sangen die HSV-Fans dann noch gegen Ende der Feier: „Hermann Rieger, du bist der beste Mann . . .“

Wolfgang Klein, das soll nicht verschwiegen werden, erntete für seinen Vorschlag, ein Rieger-Denkmal zu errichten, riesigen Beifall von den Anhängern. Der HSV-Vorstand soll bereits Unterstützung für das Vorhaben signalisiert haben.

Zum sportlichen Teil dieses Berichts. Und da gibt es viele Horror-Nachrichten. Es ist schon unglaublich, wie sich das Pech wieder an die Hamburger heranschleicht:

Slobodan Rajkovic hat bei der Niederlage in Bremen – wie schon sofort befürchtet – tatsächlich einen Kreuz- und Innenbandriss im linken Knie erlitten. Das bedeutet mindestens ein halbes Jahr Pause. Wie bitter für „Slobo“ – und gute Besserung auf diesem Wege. Nach Maximilian Beister nun also der zweite Kreuzbandriss für einen HSV-Profi in dieser Saison. Zudem hat sich, auch das ist eine absolute Hiobsbotschaft, Mittelfeldspieler Milan Badelj einen Bruch der linken Mittelhand zugezogen. Es wird geprüft, ob er die nächsten Partien mit einer Schiene absolvieren kann.

Und nun noch die etwas andere Fußball-Nachricht:

Der Mannschaftsbus des HSV ist am Sonnabend auf der Fahrt zum Weser-Stadion von Werder-Anhängern mit Steinen, Dosen und Feuerzeugen beworfen worden. Die Dummen sterben eben niemals aus. Auf den Bus werfen – das hatte eine Woche zuvor ja auch schon in Dresden sehr gut geklappt, das muss ja unbedingt nachgemacht werden. Am nächsten Wochenende sind ist dann eben ein anderer Bus dran – wetten, dass . . ? „Das war fast kriminell, was da alles an den Bus geflogen ist“, sagte HSV-Manager Oliver Kreuzer. „Das war kein schöner Empfang, aber deshalb haben wir hier nicht verloren.“ Eine Scheibe am Bus wurde dabei zerstört.

Auch nach dem Spiel ging es – außerhalb des Stadion – wieder höchst aggressiv zu. Es ist schon eine schlechte Tradition geworden, dass beim Derby auch die Stadt mit einbezogen wird. Eine Viertelstunde nach Abpfiff nahmen Anhänger eine Kreuzung in der Innenstadt unter Beschlag und nutzten sie für ein spontanes Fußball-Spiel. Polizisten wurden mit Flaschen beworfen, ein Streifenwagen wurde leicht beschädigt. Erst nach einer halben Stunde hatte die Polizei die Lage wieder unter Kontrolle. Verletzt wurde, so die Polizei, bei den Ausschreitungen aber niemand. 17 Fans kamen in Gewahrsam. Die Polizei leitete zahlreiche Ermittlungsverfahren wegen Beleidigung, Landfriedensbruchs oder gefährlicher Körperverletzung ein. Mehr als 1000 Polizisten aus mehreren Bundesländern und von der Bundespolizei waren im Einsatz. Beim nächsten Mal, dem 101. Derby, werden es dann wohl 2000 sein, und so weiter und so weiter. Alles völlig normal.
Mein Gott . . .

Nun aber dann doch endlich zum Fußball. Ich hatte, entgegen meiner sonstigen pessimistischen neigungen, ganz zuversichtlich auf einen Auswärtssieg getippt. Knapp daneben ist leider auch vorbei. Nach vorne ging beim HSV kaum etwas, zudem haben sich einige Spieler über weite Strecken sehr gut versteckt. Das ist teilweise schon mehr als kümmerlich. Und enttäuscht war ich auch vom Trainer, dass er einen Mann wie Tomas Rincon eine Halbzeit lang (eine Halbzeit zu lang!) als verkappten Rechtsaußen durch die Weltgeschichte turnen lässt. Hat dem guten Mirko Slomka eigentlich bislang keiner gesagt, dass Rincon ein Kämpfer, ein Abräumer, ein Staubsauger – ein Sechser ist, aber kein Flankengott?

Ola John soll ja in etwa einer sein, oder könnte es vielleicht – aber der blieb ja in Hamburg. Weil er sich während der Woche wohl nicht unbedingt für einen Platz im 18-Mann-Kader aufgedrängt hatte. Das ist alles für mich absolut unfassbar. Ich muss mich wiederholen: unfassbar. Da werden zwei Spieler geholt, die nur dann geholt werden sollten, wenn sie dem HSV als Soforthilfe dienen würden, und dann das. So bleibt der HSV das Gespött der Liga. Mehr Ahnungslosigkeit geht doch gar nicht. Sportchef Oliver Kreuzer zu diesem Thema: „Dass die beiden Spieler, Ola John und Quasim Bouy, nicht dabei waren, das ist die Entscheidung. Er sieht die Truppe die ganze Woche, und er nimmt dann die 18 Spieler mit, die den besten Eindruck machen. Er wird seine Gründe haben . . .“

So weit so gut. Kreuzer sagte dann auch noch: „Da müsst ihr mit dem Trainer reden.“ Und zu dem Thema, ob beide Spieler – die als Leihgaben bis zum Saisonenden geholt wurden, schon als Enttäuschungen behandelt werden können, befand der Sportchef: „Vor allem von Ola John haben wir uns mehr erwartet, das stimmt schon, der Quasim Bouy war dazu nicht unbedingt ein Spieler, auf den wir hundertprozentig gesetzt haben, das war nur eine Zugabe, er hat uns wirtschaftlich nichts gekostet. Aber von John haben wir uns mehr versprochen, wobei sein erster Einsatz gegen Basel ja noch vielversprechend verlief. Aber danach kam natürlich zu wenig, obwohl ihm von Trainer van Marwijk das Vertrauen gegeben wurde. Aber es kam zu wenig, und offenbar waren im Training einige andere besser und engagierter, so ist das. Alle weiteren Fragen zu diesem Thema sollte der Trainer beantworten.“

Obwohl Mirko Slomka ja auch nur das sehen (und beurteilen) kann, was er vorgefunden hat. Denn der hat ja nun am wenigsten mit diesen beiden – sagen wir es mal gnädig, mit diesen beiden höchst unglücklichen – Leihgaben zu tun.

Aber seien wir mal ehrlich, diese beiden Spieler, John und Bouy, reihen sich ja ohnehin nahtlos in die vielen HSV-Verpflichtungen, die in den letzten Jahren total in die Hose gegangen sind. Es fehlen erstens Leute, die die Jungs, die geholt werden sollen, kennen und auch einschätzen können, und zweitens fehlen Leute, die denjenigen auf die Füße treten, und zwar mit aller Kraft, wenn es ansteht, solche Art von „Verstärkungen“ zu verpflichten. Und da ist es unerheblich für mich, ob die nur ausgeliehen oder fest unter Vertrag genommen werden. Wer zum HSV kommt, der muss diesem Club auch helfen können, und darf nicht nur als Mitläufer (wenn überhaupt!) auftreten.
Aufwachen, HSV, es ist so langsam an der Zeit, dass mal wieder ernsthafte und profihafte Entscheidungen getroffen werden! Sonst bleibt der „Dino“ auf ewig ein Papiertiger.

„Mindestens 35 Minuten haben wir keinen Fußball gespielt und den Kampf von Werder einfach nur mit gemacht. So hatten es sich die Bremer gewünscht“, sagte Mirko Slomka nach dem Spiel und fügte hinzu: „Wir hatten den Ausgleich nicht verdient.“ Der 46 Jahre alte Fußballlehrer hat seine vergangenen zehn Auswärtsspiele in der Bundesliga (mit Hannover 96 und nun eines mit dem HSV) allesamt verloren. Slomka sagte auch: „Es war ein sehr rassiges Derby. Uns war klar, dass Bremen mit vielen langen Bällen operieren würde, mit seinen beiden großen Stürmern da vorne drin, und dass es dann auch um das Attackieren um den zweiten Ball gehen würde. Gerade in der ersten Phase des Spiels haben wir zwar viele Luft-Duelle gewonnen, aber den zweiten Ball nicht.“

Das war der eine Punkt. Der andere war der, dass der HSV nach vorne nichts auf die Beine gestellt hat. Slomka: „In den ersten 25 Minuten der zweiten Halbzeit haben wir eine gewiss Dominanz auf dem rasen gehabt, allerdings ohne uns entscheidend vor dem Bremer Tor präsentieren zu können, wir haben uns keine Hundertprozentige herausspielen können. Wir haben uns super über die linke Seite durchgesetzt, phasenweise auch über rechts, wir haben auch gut kombiniert, aber nach der Verletzung von Boban Rajkovic war das dann wie abgeschnitten. Dann haben wir nicht mehr zielstrebig nach vorne gespielt. Dann war es auch wieder ein Kampfspiel, das wollten wir auf der einen Seite zwar gerne annehmen, aber auf der anderen Seite wollten wir uns auch mit unserer spielerischen Klasse durchsetzen.“

Oha. Wenn ein HSV-Trainer dieser Tage, Wochen und Monate über die spielerische Klasse des HSV spricht, dann läuft mir immer eine Gänsehaut von oben nach unten über den gesamten Körper – und wieder zurück. Spielerische Klasse. Aha. Dafür muss man aber auch ein ganz spezielles Auge haben. Mir fehlt das zurzeit, das gebe ich gerne zu, aber ich bin ja auch kein HSV-Trainer. Immerhin gab Slomka zu, was ich schon am Sonnabend unmittelbar nach der Niederlage geschrieben habe: „Der Werder-Sieg war verdient.“ Und wie geht es nun weiter? Mirko Slomka: „Wir müssen jetzt sehen, dass wir uns in dieser Woche gut regenerieren, um dann wieder gas zu geben. Zu Hause. Und unsere Heimspiele sind dann ja auch hoffentlich von Erfolg gekrönt.“
Das Prinzip Hoffnung. Da ist es wieder. Und es gibt ja auch noch elf Spiele, elf Spiele! Da sind ja noch 33 Punkte zu holen – keine Panik.

Nach der Niederlage von Bremen gab der künftige A-Nationalspieler Pierre-Michel Lasogga zu Protokoll: „Das Gegentor hat unsere Systematik umgeworfen. Wir haben zwar noch viel Druck gemacht, aber der entscheidende Punch hat gefehlt, um in den Sechszehner zu kommen.“

Und – fast schon die Schlussworte – heute von (Ersatz-)Kapitän Marcel Jansen: „Wir haben gefightet, wir hatten unsere Chancen, haben uns vor allem in der zweiten Halbzeit gut gewehrt. Am Ende haben wir keine klaren Torchancen rausgespielt. Für heute war das zu wenig. Die Situation war und bleibt schwierig und sehr, sehr ernst. Gegen Frankfurt und Nürnberg müssen wir unbedingt gewinnen.“
Natürlich.

Der ehemalige HSV-Manager Günter Netzer, meine absolute Nummer eins wenn es um Analysen im deutschen Profi-Fußball geht, sieht die Rothosen nach diesem 0:1 vor richtig großen Schwierigkeiten. „Es ist eine außerordentlich bedrohliche Situation“, sagte der 69-jährige Netzer und fügte an: „Das müsste jetzt auch der Letzte begriffen haben. Jetzt müssen alle Kräfte mobilisiert werden. Aber ich bin optimistisch, denn das Potenzial ist da.“
Naja. Das klingt dann so wie Slomkas „spielerische Klasse“. Immerhin befand Günter Netzer noch zum „Zehner“ des HSV: „Ich hoffe, dass Rafael van der Vaart von sich selbst enttäuscht ist. Ein Spieler mit seinen Fähigkeiten muss mehr leisten, er müsste vorangehen und darf nicht zur Belastung werden.“

Ganz klar ist, da gibt es auch nichts zu beschönigen, dass Rafael van der Vaart seiner Form meilenweit hinterher läuft. Dass er trotz allem für das Länderspiel der Niederlande gegen Frankreich (nach-)nominiert wurde, ist irgendwie schwer zu verstehen, aber der Herr van Gaal wird schon wissen, woher er die „spielerische Klasse“ seiner Mannschaft zu nehmen hat . . .

Und dann noch der etwas andere Abstiegskampf, und zwar der in der Regionalliga. Die Zweite des HSV hat heute ihr Heimspiel gegen Eintracht Norderstedt – wie schon das Hinspiel – mit 0:1 verloren. Das entscheidende Tor erzielte der Eintrachtler Nadler, als er (Profi-Leihgabe) Jonathan Tah per Doppel-Übersteiger austanzte.
Allmählich gehen auch an der Hagenbeckstraße sämtliche Lichter aus. Robert Tesche und Lennart Müller wurden in der Schlussphase vom Schiedsrichter vom Platz gestellt – das kommt erschwerend hinzu. An dieser Stelle aber nochmals unser Dank an Fabio Morena und Patrick Owomoyela, unsere beiden Gäste bei „Matz ab live“ – das war klasse, dass Ihr unsere Gäste wart. Auch wenn es am Tag danach dann nicht von einem Erfolg gekrönt war.

PS: An diesem Montag wird im Volkspark von zehn Uhr an „individuell“ trainiert. Was auch immer das zu bedeuten hat.

Werder heizt die Derby-Woche an!

24. Februar 2014

Derby-Woche im Norden! Das ewige Duell mit dem SV Werder steht vor der Tür. Es ist das 100. in der Bundesliga, und noch immer ist es möglich, dass es zunächst das letzte bleiben wird. Beide Teams stehen in der Nähe der Abstiegsränge – und ich lese die Tabelle so: gewinnt der HSV am Sonnabend im ausverkauften Weserstadion, steht er vor Werder. Ganz einfach!

In Bremen reden sie sich langsam schon heiß auf dieses Spiel. Trainer Robin Dutt sagte: „Ich bin froh, dass ich beim richtigen Nord-Verein angestellt bin.“ Cedrick Makiadi ergänzte: „Der HSV kommt mit breiter Brust, aber wir wollen die drei Punkte.“ In ganz Bremen werden derzeit Plakate geklebt: „1. März – 100. Derby – Scheiß-HSV!“ Klare Ansage aus Bremen, alles andere hätte überrascht.


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Beim HSV war heute mal wieder ein Montag in relativer Entspannung. Das gab es dieses Jahr noch gar nicht. Einige Profis haben sich trotz des trainingsfreien Tages am Stadion eingefunden, um in den Kraftraum zu gehen oder sich behandeln zu lassen. Rafael van der Vaart, Jaroslav Drobny, Zhi Gin Lam und Ivo Ilicevic nutzten das Angebot des Vereins. Gut für den HSV: Dennis Diekmeier ist nach überstandener Magen-Darm-Grippe heute schon wieder gelaufen. Er sollte in Bremen zur Verfügung stehen.

Ob er von Trainer Mirko Slomka auch eine Chance erhält, steht dann auf einem anderen Blatt. Natürlich ist er der gelernte Rechts-Verteidiger im Gegensatz zu Heiko Westermann, aber nach dem gelungenen Auftritt der gesamten Mannschaft ist es nicht ausgeschlossen, dass Coach Slomka keine Änderung vornehmen wird. So gut kennen wir den Mirko in Hamburg ja noch nicht, deswegen müssen wir uns überraschen lassen, wie er in Aufstellungsfragen denkt.

Das betrifft auch die Position des Spielgestalters. Lothar Matthäus hat ja kein gutes Haar gelassen an Rafael van der Vaart und ihn als „Zumutung“ für den HSV bezeichnet. Die Wortwahl ist sehr hart, wobei sich van der Vaart in seiner exponierten Rolle derartige Kritik gefallen lassen muss. Was ihn betrifft bleibt es aber bei der bekannten Beurteilung: Rafael van der Vaart ist kein Leader, der durch seine Persönlichkeit einer wankenden Mannschaft Halt verleiht. Das war er nie, wird er nie sein. Er blüht mit dem Team auf bzw. kann durch Einzelaktionen begeistern. Sieben Tore und sechs Assists in dieser Saison – ist diese Bilanz auch eine Zumutung? Mirko Slomka wird van der Vaart sicher bringen, sofern der Niederländer fit ist. Und dann gilt es für den „kleinen Engel“ wieder einmal, Kritikern entgegenzutreten – vielleicht schon in Bremen.

Nach einigen Wochen relativer Ruhe hat sich heute wieder Otto Rieckhoff zu Wort gemeldet mit seiner Initiative HSV-PLUS. Die entsprechende Veröffentlichung könnt Ihr unter www.hsv-plus.de nachlesen.

Aufhänger waren zum einen die sportliche Situation und der Hoffnungsschimmer, der durch das 3:0 gegen Borussia Dortmund entstanden ist. Zum anderen ist ja nun festgelegt worden, dass die entscheidende Vereins-Versammlung, auf der über HSV-PLUS abgestimmt wird, am 25. Mai abgehalten wird. Ausgerechnet am Jahrestag des Triumphs von Athen 1983.

„Wir werden auf jeden Fall am 26. Mai handlungsfähig sein“, verspricht Otto Rieckhoff für den Fall, dass sein Modell die nötigen 75 Prozent der Stimmen erhält. Das heißt: Schon am Tag der Versammlung soll – wenn HSV-PLUS beschlossen ist – ein neuer Aufsichtsrat gewählt werden. Im Hintergrund arbeitet Otto Rieckhoff mit seinem Team an der Umsetzung und auch an der personellen Planung, zu der er allerdings noch keine konkreten Angaben machen möchte.

Wie genau das Procedere eines kompletten Vereins-Umbaus hin zur Schaffung einer Fußball-AG funktionieren wird, ist ein Thema der Vorbereitung in den nächsten Monaten. „Uns schwebt auch eine Übergangsregelung in einigen Bereichen vor, die bis zu sechs Monate dauern soll“, erklärt Rieckhoff.

Beschlossen ist, dass die Versammlung am 25. Mai eine ordentliche und keine außerordentliche sein wird. Das hat unter anderem den Vorteil, dass im Juni oder Juli nicht noch einmal eine derart große Veranstaltung abgehalten werden müsste. Etwas voreilig scheint allenfalls die Ankündigung von HSV-PLUS zu sein, dass der Ausgliederungsantrag nach Vorabsprache mit dem Vorstand schon fix als Tagesordnungspunkt eins abgehandelt werden muss. Erst im April wird die endgültige Tagesordnung stehen, und die Mitgliedschaft hat auf der Versammlung selbst – wie immer – das Recht, einzelne Punkte nach vorn oder nach hinten zu schieben. Wie auch immer: Im Laufe des 25. Mai werden wir alle Klarheit erhalten, wohin der Weg des HSV strukturell führt, erste personelle Entscheidungen werden auf den Weg gebracht (auch wenn HSV-PLUS scheitert, denn dann muss ja der „alte“ Aufsichtsrat neu gewählt werden).

Idealerweise steht an diesem Tag oder kurz danach der neue Vorstand der HSV Fußball AG, damit die Aufgaben der Zukunft ohne Verzögerung angegangen werden können. „Stallgeruch“ ist hier das Zauberwort. Die Namen Thomas von Heesen und Holger Hieronymus in einer Funktion beim HSV zu nennen, geht sicher über reine Spekulation hinaus.

Aber das ist ja auch genau das, was die überwiegende Zahl der HSVer will. Vereins-Verbundenheit, die über jeden Zweifel erhaben ist, kombiniert mit Kompetenz im Fußball-Geschäft. Die jeweilige Vita der genannten Herren ist bekannt. Ich weiß, dass es viele Skeptiker gibt, die die schwächeren Seiten dieser Lebensläufe betont. Hieronymus schon einmal gescheitert als Manager des HSV, zum Beispiel. von Heesen ohne große Erfolge in seiner gesamten Karriere nach dem aktieven Profi-Fußball. Mag sein, aber im Team gemeinsam für den Erfolg des HSV – das ist ein anderer Ansatz dieser HSV-Größen. Denn ds sind sie unbestritten.

Insbesondere auf wirtschaftlicher Ebene gibt es ja erhebliche Schwierigkeiten, die bedacht werden müssen. Bis zum 15. März muss der Verein seine Lizenzanträge für die erste und für die zweite Bundesliga bei der DFL einreichen. Erhebliche Mehrarbeit ist somit garantiert. Das betrifft vor allem den Fall, dass der HSV tatsächlich absteigt. Durch den Erfolg gegen Borussia Dortmund ist der Kreis derer, die dieses Schreckenszenario befürchten, sicher etwas kleiner geworden. Aber an der Verpflichtung, sich mit dem Thema zu beschäftigen, ändert das für die Vereinsführung nichts.

„Wir müssen hart arbeiten für unsere Sponsoren“, sagt Marketing-Vorstand Joachim Hilke. Wer sich in etwa vorstellen möchte, wie die Einnahme-Situation im Unterhaus aussehen würde, für den haben die Vermarkter beim HSV eine Faustregel. Etwa 40 Prozent Mindereinnahmen hätte der Verein in der zweiten Liga. Diese Zahl kann variieren, je nach Reaktion der Sponsoren, VIP- und Logenkunden des HSV. Es gibt Verträge, die eine Staffelzahlung je nach Ligen-Zugehörigkeit vorsehen, andere Vereinbarungen sind nur für die erste Bundesliga getroffen worden.

Der Trainerwechsel und seine Kosten sowie die schlechte sportliche Situation trüben die Bilanz überdies. In diesem Zusammenhang ist die Vertragsgestaltung für Bert van Marwijk aus meiner Sicht unverantwortlich. Sie ermöglicht dem Niederländer, für fünf Monate Arbeit vier Millionen Euro zu kassieren. Das geht gar nicht – aber weil sowohl Vorstand als auch Aufsichtsrat dieses Paket abgesegnet haben dürften, müssen die Mitglieder am 25. Mai als oberste Instanz hier insistieren.

Schlecht sieht es auch bei den Zahlen aus dem aktuellen Fernsehtopf aus. In der vergangenen Saison hat der HSV laut vorliegender Bilanz 24,7 Millionen Euro eingenommen für die „Verwertung medialer Rechte“. Der überwiegende Teil daraus bezieht sich auf die Fernsehgelder. Vor dieser Saison hatte der Verein mit 28,7 Millionen Euro Einnahme geplant – das entspricht Platz sechs in der Fernsehtabelle. Zwischenzeitlich wurde diese Annahme auf Rang zehn reduziert – sollte der HSV allerdings dort bleiben, wo er heute ist, stünde er in der Fünfjahresrangliste TV-Gelder nur an zwölfter Stelle. Einnahme: lediglich 22,4 Millionen Euro. Mit anderen Worten: gegenüber der ursprünglichen Planung ergäbe sich eine Mindereinnahme von sechs Millionen Euro. Das ist ärgerlich, denn in seiner Saison-Prognose hatte der HSV noch geschrieben: „Es wird von einer positiven Umsatzentwicklung ausgegangen, die unter anderem auch von höheren Erlösen aus der Verwertung medialer Rechte in der neuen Rechteperiode beeinflusst wird.“ So wird es nun wohl nicht kommen, wobei theoretisch auch noch eine positive Entwicklung möglich ist. So könnte der HSV in der TV-Fünfjahreswertung die davor platzierten Freiburg, Stuttgart und Nürnberg noch schlucken. Drei zusätzliche Millionen würde dies bringen. Die Webseite www.fernsehgelder.de gibt eine gute Übersicht der gesamten Staffelung.

Weil von den Spielern, die abgegeben werden sollten, nur ganz wenige wirklich gingen, ist auch das Gehaltsniveau nicht so stark reduziert worden wie gewünscht – abgesehen von fehlenden Ablösesummen. Immerhin: Aogo, Rudnevs, Skjelbred und Kacar stehen nicht mehr auf der Gehaltsliste des HSV. Die Ablöse für Aogo fällt rechnerisch allerdings erst ins kommende Jahr. Und die leicht rückläufigen Zuschauerzahlen in der Bundesliga stehen der hohen Einnahme für den DFB-Pokal gegen Bayern München entgegen.

Unterm Strich wird es ziemlich sicher ziemlich eng mit der Schwarzen Null – vorsichtig ausgedrückt. Und natürlich verengt das auch jetzt schon den Spielraum für die kommende Saison. Doch weiter voraus schauen will ich jetzt nicht. Es gibt zu viele Unbekannte in der Rechnung. Kühne ja oder nein, HSV-PLUS und so weiter.

Kleiner Hinweis am Ende für Schuh-Fetischisten: der Fußball-Schlappen von Hakan Calhanoglu wird auf www.stylekicker.de verlost. Kleiner Schönheitsfehler: es handelt sich nicht um das Schuhwerk, dass Hakan beim Sensations-Tor gegen Dortmund getragen hat, sondern beim 0:5 im Pokal gegen die Bayern…. Aber auch das Spiel hatte ja irgendwie Kult-Charakter.

Zu schlechter letzt die Hohlheit des Wochenendes (sid):

Während der Schweigeminute für den verstorbenen Kult-Masseur Hermann Rieger vom Fußball-Bundesligisten Hamburger SV vor der Partie gegen Borussia Dortmund (3:0) ist es am Samstag offenbar zu einem Zwischenfall gekommen. In der stillen Andacht habe ein Mann aus dem Fanblock des BVB «Sieg Heil» gerufen. Das berichtete Spiegel online. Der Mann wurde daraufhin von Ordnungskräften des Stadions verwiesen. Bei der Aufnahme seiner Personalien soll der Mann den Vorfall bedauert und von einer Dummheit gesprochen haben. Es wurde Strafanzeige erstattet. Der mutmaßliche Täter war offenbar alkoholisiert. Dem Mann droht neben dem juristischen Ärger zudem ein bundesweites Stadionverbot.

Morgen ist wieder eine Doppel-Trainingseinheit angesetzt. Mirko Slomka macht keine Pause – um 10 und um 15 Uhr geht es rund am Stadion.

Und noch zwei TV-Hinweise für den Abend: gleich sitzt Jürgen Hunke auf dem roten Sofa bei DAS! Im NDR-Fernsehen, und Jens Meier, der Vorsitzende des Aufsichtsrates, schließt seine Medien-Tage mit einem Besuch bei „rasant“ auf Hamburg 1 ab.

Bis nächstes Mal
Lars

Kurze Ergänzung, ich hoffe Lars verzeiht es mir (DM):

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> Lieber Dieter, lieber Scholle!
>
> Ich bin ein junger Leser (15) eures Blogs und verfolge ihn regelmäßig. Eure Beiträge sind (meistens) echt erste Sahne und sprechen vielen HSV-Fans aus dem Gewissen!
>
> Ich habe hier ein Gedicht für euch, welches herrlich zu dem HSV generell und speziell zum Spiel HSV gegen Dortmund passt. Es ist von einem Freund von mir und wir sind beide HSV-Fans fürs ein Leben lang!
>
> Hier das Gedicht:
> _______________________________
>
> “Und wieder ist es nun soweit
> Die Hamburgflagge steht bereit
> Samstagmittag, Bundesliga
> Bin schon jetzt im Fussballfieber.
>
> Heut zu Gast der BVB
> Ich weiß schon jetzt gleich tut es weh
> Denn Hamburg spielt seit langen Zeiten
> Unter seinen Möglichkeiten.
>
> Mein Herz schlägt schwarz, weiß und blau
> Mein Herz schlägt für den HSV
> Auch wenn wir noch so grottig spielen
> Werd’ ich niemals anders fühlen.
>
> Doch die Hoffnung stirbt zuletzt
> Denn es zählt das hier und jetzt
> Nach den ersten zehn Minuten:
> Mein Herz beginnt schon jetzt zu bluten
>
> Dortmund ist uns überlegen
> Kann mich vor Spannung nicht bewegen
> Doch zur Pause steht’s zum Glück
> 1:0 für uns, verrückt.
>
> Der Trainerwechsel scheint’s zu bringen
> Doch ich muss nun um Fassung ringen
> 2:0 Tor durch Lasogga
> Das ist unser Dortmundschocker.
>
> Calhanoglu kurz vor Schluss
> Mit einem megageilen Schuss
> 3:0 durch Freistoßtor
> Wir rücken auf Platz 16 vor.
>
> Nach diesem hochverdienten Sieg
> Träum’ ich von der Champions League
> Der Abstieg ist kein Thema mehr
> Ich bin heut glücklich und zwar sehr.
>
> Mein Herz schlägt schwarz, weiß und blau
> Mein Herz schlägt NUR FÜR DEN HSV.
>
> Gez. Tilo Moos (Künstlername)

Vielen Dank, Thilo, man kaann erkennen, dass Ihr sehr große HSV-Fans seid.

Und kurz noch in eigener Sache:

Sehr geehrter Herr Ditschi Ripp,

Sie haben natürlich Recht, ich durfte mich nicht bei den vielen Fans, die um Hermann Rieger so beeindruckend getrauert haben, bedanken, das ist natürlich einzig der Familie von Hermann Rieger vorbehalten, es tut mir leid, dass ich hier vorgeprescht bin, das war wirklich eine große und unpassende Anmaßung – ich nehme hiermit alles zurück.

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