Archiv für das Tag 'Rieger'

“Es ist noch alles drin”

21. April 2013

Rafael van der Vaart hat 97 Bundesliga-Spiele für den HSV absolviert, dabei 33 Tore geschossen. Noch nie aber gelang ihm in der deutschen Eliteliga ein Kopfball-Tor. Fabian Giefer aber machte es nun erstmalig möglich. Ball gefangen, Ball aus den Händen verloren – Kopfballtor van der Vaart – und 1:0 für den HSV. Ein Kopfballungeheuer wird der 1,76 Meter große niederländische Nationalspieler wohl dennoch nicht mehr, dieses Tor war nur das Resultat eines krassen Torwartfehlers: „Der Keeper hatte mit meinem Schuss ein kleines Problem, das habe ich gesehen. Und dann war es am Ende ein einfacher Kopfball – dieses Tor musste ich machen.“ Kurz-Kommentar von Horst Schnoor, Meister-Torwart von 1960: “Mit vertauschten Torhütern hätte es, und zwar ganz klar, einen anderen Sieger gegeben: Düsseldorf. Rene Adler hat den HSV vor dem Schlimmsten bewahrt, er war wieder einmal überragend.”

Van der Vaart aber war natürlich der Mann des Tages im Volkspark, seine beiden Tore hatten die Weichen frühzeitig auf Sieg gestellt (oha, fünf Euro ins Phrasenschwein!). Dass sich der HSV aber nach dem Anschlusstor des ehemaligen HSV-Spielers Dani Schahin (34.) noch so aus dem Konzept bringen ließ, ist eigentlich unfassbar – und Wahnsinn. In Halbzeit zwei lief fast nichts mehr im Spiel der „Finken“ zusammen, da spielte nur noch Düsseldorf. Und ich gebe zu, mit dieser Mannschaft hatte ich zum Schluss schon etwas Mitleid, denn für einen solchen unbändigen Kampfgeist, für 90 Minuten voller Leidenschaft und Engagement, da muss man sich eigentlich belohnen. Der Fußball-Gott aber wollte es anders. Zum (dicken) Glück für den HSV.
Kurz sei zu diesem Gegentor noch angemerkt: mir, und bestimmt nicht nur mir, geht das alles viel zu leicht. Da gibt es einen Freistoß in Strafraum-Nähe, der wird zur Mitte befördert – und Tor. Es muss wirklich bei jedem Freistoß gezittert werden. Weil der HSV offenbar außer einem Heiko Westermann keinen Kopfall-Spieler hat. Dennis Aogo hat dieses Gegentor ja auf seine Kappe genommen, weil er Schahin bewachen sollte, aber er hat es in dieser Szene eben nicht getan. Diesmal war es Aogo, beim letzten Mal war es ein anderer Kollege, beim nächsten Mal ist es wieder ein ganz anderer Mitspieler. Einer “pennt” anscheinend immer. Zum Leidwesen von Rene Adler – und aller HSV-Fans.

Noch einmal zurück zu van der Vaart. „Es hat ihm gut getan, Spielführer zu werden. Letzte Woche ein Assist, heute zwei Tore. Er war überragend“, befand Sportdirektor Frank Arnesen. Und der so Gelobte urteilte: „Heute waren wir wach, keine Penner, haben die ersten 60 Minuten sehr gut gespielt.“ Nicht gepennt? Damit reagierte der „kleine Engel“ auf die Wutrede, die der Trainer am Freitag beim Abschlusstraining gehalten hatte, und die damit endete, dass Fink seine Profis als „Penner“ beschimpfte. Van der Vaart blüht in der Tat ein wenig auf, und der HSV schaffte endlich einmal wieder zwei Siege in Folge. Sogar die Champions League, auch das ist der nackte Wahnsinn, ist noch möglich. „Rafa“ sprach nach dem Spiel auch noch kurz über das E-Thema: „Es ist alles noch drin. Wir müssen so spielen wie heute und letzte Woche in Mainz. Nur dann haben wir eine Chance.“ Davon aber will und wollte Thorsten Fink nicht viel wissen, denn der Coach hatte die traurigen zweiten 45 Minuten nicht übersehen: „Es gab zwar einige gute Ansätze, aber wir sind noch nicht gefestigt.“ Die Berg- und Talfahrt des HSV ist auf jeden Fall noch nicht beendet. Mal sehen, wie es nun auf Schalke (am Sonntag) weitergehen wird. Zuzutrauen ist diesem HSV alles . . .

Einen in der Tat „wunden Punkt“ dieses Spiels möchte ich noch einmal anschneiden: Düsseldorfs „Kampfschwein“ Lambertz und sein ganz übles Foul an Marcell Jansen. Das war Rot, ich schrieb es bereits gestern und ich sage es heute noch einmal: das war klar Rot. Dass Marcell Jansen diesen Tritt (in der 18. Minute) nicht nur überstand, sondern auch für die dann noch folgenden 72 Minuten so wegsteckte, dass man ihm kaum noch etwas anmerkte, das verdient allerhöchste Anerkennung. Ein dickes Kompliment, Marcell Jansen, denn wer sich dieses geschundene Bein heute einmal ansehen würde, der würde nicht glauben, dass man damit noch so lange Fußball spielen konnte. Wie gesagt: klar Rot.

Und dann möchte ich schnell noch einmal auf den Düsseldorfer Torschützen zurückkommen: Dani Schahin, der in der 17. Minute eingewechselt worden war und 17 Minuten später traf. Der in Donezk geborene Stürmer begann in Deutschland mit dem Fußball in der Jugend von Energie Cottbus. Dann kam er 2006 zum HSV, wo er zuletzt in der „Zweiten“ spielte. Bis 2009. Von Hamburg aus ging es zur Spielvereinigung Greuther Fürth, von dort 2011 zu Dynamo Dresden, im Vorjahr dann zur Fortuna nach Düsseldorf. Viel Bewegung in der Karriere eines 23-Jährigen. Aber mir hat dieser Bursche gefallen, das gebe ich. Diesmal gefallen. In der „Zweiten“ damals ist er mir nicht so (groß) aufgefallen, als dass ich gesagt hätte: „Das ist oder wird ein Mann für die Bundesliga.“ Vielleicht aber ist dieser 1,87 Meter große Schahin ja auch („nur“) ein Spätstarter. Über sein Tor befand er: „Darüber kann ich mich nicht freuen. Würde man mir anbieten, diese Saison kein Spiel mehr zu machen und dafür den Klassenerhalt zu schaffen, würde ich das sofort unterschreiben.“
Und noch eine kurze Bemerkung zum Schahin-Tor: Zum Glück für den HSV hat nicht noch der zweite HSV-Spieler, nämlich Robert Tesche (den fand ich gar nicht mal schlecht!), getroffen. Das wäre dann ganz bitter gewesen.

Wie versprochen möchte ich jetzt noch einmal kurz auf das „Matz-ab-„Treffen vom Freitag kommen. Wir hatten eine Negativ-Besetzung, weil nur 35 HSV-Fans nach Norderstedt gekommen waren. Aber ich muss sagen, dass es wirklich ein schöner Abend war, denn wir alle haben uns ganz hervorragend unterhalten und verstanden. Dafür ein herzliches Dankeschön an alle. Ein besonderer Dank geht an HSV-Vorstandsmitglied Oliver Scheel, der sich den Fragen der Anwesenden stellte und sogar viel länger blieb, als vorher geplant – da er noch ein anderes Fan-Treffen auf dem Zettel hatte.

Und, Herr Scheel, falls Sie das hier lesen sollten: Klasse-Einsatz, Super-Vorstellung – Sie wurden von allen „Matz-abbern“ gelobt. Vielen Dank.

Und damit geht es auch weiter: Danke möchte ich an „Gobi“ sagen, sie setzt sich für „Matz ab“ immer wieder großartig ein, und ein besonderes Dankeschön an „die junge Mutter“ der Kompanie, an „Eva/Hope“. Sie hat dieses Treffen in erster Linie organisiert, sie zeigt immer einen unglaublichen Einsatz für alle „Matz-abber“ – einfach nur toll! Und nochmals danke. Auch an alle, die nicht aus Hamburg kamen, sondern von ganz weit her. Traumhaft! Ganz stark fand ich ja auch die beiden Mädels aus Elmshorn. Susanne und Anne. Zu spät gekommen, draußen überlegt, ob man dann doch noch reingehen solle, reingekommen und super mitgemacht. Bravo! Imponierend, wie beiden weiblichen Fans über den HSV und den Fußball allgemein sprachen – ich war von den Socken, was da für ein fußballerisches Wissen vorhanden ist. Das war eine überzeugende und eindrucksvolle „Vorstellung“. Nachahmenswert.

Bei „Matz-ab“-live (mit den Gästen Claus Reitmaier und Hermann Rieger – vielen Dank auch dafür nochmals!) habe ich ja gesagt, dass ich schon wieder könnte, nämlich zum nächsten Treffen zu kommen, und „HSV-Lünen“ hat ja auch gestern gleich wieder gefragt, wann es das nächste Treffen gibt – ein solcher Abend, so harmonisch und so freundschaftlich, verdient auf jeden Fall eine Wiederholung. Danke möchte ich auch an das Team des HSV-Restaurant „1887“ sagen, es hat alles bestens funktioniert, es gab weder so noch so Klagen – wir haben uns in Ochsenzoll sehr, sehr wohl gefühlt. Und: „Scholle“ hat bereits einige Fotos in Facebook reingestellt, und er hat auch ein wenig gefilmt, davon soll auch noch etwas zu sehen sein – demnächst.

Zum Thema „Matz-ab“-Treffen gab es natürlich auch einige Mails (und Anrufe), einen „Matz-abber“ der ersten Stunde möchte ich gerne zu Wort kommen lassen – auch ihm vielen Dank für diese lobenden Sätze. Ich nenne bewusst den Namen nicht – wenn er es möchte, dann kann und wird er sich schon selbst outen:

Moin Dieter,

vielen Dank für den gestrigen Abend „unter Freunden“. Inzwischen ist dieser Kreis zu einer echten Gemeinschaft geworden mit nahezu durchweg sehr angenehmen Beziehungen, sodass diese Treffen so richtig Spaß machen. Es hat sich ja auch ansonsten manche Freundschaft durch Matz ab entwickelt.

Ich freue mich auf weitere Treffen und auch den Blog mit Dir, man muss dabei auf keinen Fall immer der gleichen Auffassung sein! Negativer Begleitumstand bei derartigen Treffen ist für mich immer, dass ich mein Alter spüre. Auch ich war z.B. früher immer gern am Rothenbaum bei den HSV-Amateuren und habe noch ein volles Autogrammalbum aus den 60er Jahren, gesammelt immer nach dem Training. In den Volkspark gehe ich seit 1963, lange Jahre mit den Ehrenkarten meines Vaters, der HSV-Jugendbetreuer war. Deshalb war es gestern auch für mich eine Rückkehr an eine wichtige Stätte meiner Kindheit, auch wenn damals dort noch der alte Lindenhof stand!

Früher wie heute galt für mich „NUR DER HSV“, auch wenn es den Spruch damals wohl noch gar nicht gab…

Herzliche Grüße.

Ein ganz anderes Thema, aber das beherrschende an diesem Wochenende. Uli Hoeneß und das Konto in der Schweiz. Dazu hat die Agentur DPA eine besonders schöne Sammlung von Hoeneß-Sprüchen veröffentlicht, die ich euch nicht vorenthalten möchte:

„Ich weiß, dass das doof ist. Aber ich zahle volle Steuern.“ (Uli Hoeneß 2005 in einem Interview der „Bild“)

„Wenn die Unternehmer alle in die Schweiz gehen, ist auch keinem geholfen. Mit einer Reichensteuer geht es dem kleinen Mann kein Stück besser.“ (Hoeneß 2009 in der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“)

„In den vergangenen 20 Jahren sind in der Finanzwelt Menschen am Werk gewesen, die einen katastrophalen Job gemacht haben. Uns wurde vorgegaukelt, dass viele Finanzprodukte so unglaublich wichtig seien. Dabei hatten diese nur ein Ziel: die Taschen gewisser Leute voll zu machen.“ (Hoeneß 2012 in der Zeitung „Die Welt“)

„Unsere Spieler kicken schon jetzt eine Halbzeit fürs Finanzamt, da kommen wir nicht weiter, wenn man 60 oder 70 Prozent nimmt.“ (Hoeneß 2012 in der ARD-Talkshow „Günther Jauch“)

„Wenn früher eine Mark in der Kasse meiner Eltern fehlte, haben wir sie auf dem Boden gesucht. Die Stimmung beim Weihnachtsfest hing entscheidend davon ab, wie gut wir vorher verkauft hatten.“ (Hoeneß im Februar 2011 im „Hamburger Abendblatt“)

„Natürlich will ich Erfolg, aber nicht um jeden Preis. Wenn es um Geld geht, muss man auch mal zufrieden sein.“ (Hoeneß 2011 im Magazin „Brand Eins“)

„Die Finanzwelt zeigt keine Bereitschaft, zur Volkswirtschaft beizutragen. Eine Krankenschwester trägt mehr zur Volkswirtschaft bei als ein Spekulant. Wenn ich sehe, dass Optionsscheine für Reis steigen, sage ich zu meiner Frau: ’Das bedeutet, dass Menschen hungern müssen, weil sie sich keinen Reis mehr kaufen können.’“ (Hoeneß 2011 im Magazin „Brand Eins“)

„Ich habe für mein Schweinefleisch fünf verschiedene Lieferanten. Ich rufe an, lasse mir die Preise geben und kaufe dann. Für was aber brauchen Banker Schweinebäuche?“ (Wurstfabrikant Hoeneß über Spekulationsgeschäfte von Banken)

„Es ist vielleicht langweilig, aber es soll uns nie schlechter gehen als jetzt. Das ist mein Wunsch. Ich muss nicht nach Hawaii oder auf die Malediven. Wenn ich irgendwann mal Lust dazu habe, werde ich das machen. Aber das ist nicht mein Lebenstraum.“ (Hoeneß Anfang 2012 vor seinem 60. Geburtstag)

„Ich bin kein Besserwisser, sondern ein Bessermacher.“ (Hoeneß 2010 vor einem Auftritt als Gastredner bei der CSU-Vorstandsklausur)

„Ich habe mit meiner Meinung noch nie hinter dem Berg gehalten. Und bei der Gelegenheit habe ich festgestellt, dass man damit bei der Bundeskanzlerin landen kann. Sie will Leute, die querdenken. Sie will Leute, die ihr nicht nach dem Mund reden. Deswegen bin ich Fan von Merkel!“ (Hoeneß über Gespräche mit Bundeskanzlerin Angela Merkel)

„Uli ist der Vater Teresa vom Tegernsee, der Nelson Mandela von der Säbener Straße und die Mutter aller Manager.“ (Vorstandschef Rummenigge in seiner Festrede zum 60. Geburtstag von Hoeneß)

„Franz Beckenbauer hat einmal gesagt, wir alle müssen dem FC Bayern dienen. Uli Hoeneß war immer der größte Diener des FC Bayern.“ (Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge 2009 über Hoeneß)

„Er ist, glaub ich, schon als Manager auf die Welt gekommen.“ (Franz Beckenbauer 2009 über Uli Hoeneß)

Und dann noch einen ganz kurzen Blick zu einem Nord-Rivalen, der ein wenig in Not geraten ist. Ich gehe nicht deswegen darauf ein, weil es sich um den Club von der Weser handelt, sondern deshalb, wie dort reagiert wird. Es ist eben noch ein Trainer der „alten Schule“. In einem Auszug aus einer Agentur-Meldung heißt es:

„Ich denke, dass sich die Art der Trainingsführung und die Art generell in dieser Woche sicherlich ändern wird. Da bin ich mir ganz sicher“, kündigte Sportchef Thomas nach der 0:3-Niederlage an – und behielt recht. Am Sonntag scheuchte Schaaf entgegen der sonstigen Gepflogenheiten den gesamten Kader bei Intervallläufen über den Platz. Zudem wurde der sonst trainingsfreie Montag gestrichen.

So, ich bin schon am Ende. Beim „Aussprache“-und-fast-Grill-Tag im Volkspark waren ungefähr 600 bis 800 HSV-Fans zugegen, es gab Würstchen und Getränke, alles verlief friedlich und im Rahmen, die Profis stellten sich den Fragen des HSV-Anhanges. Gute Sache, hoffentlich gab es eine fruchtbare und dauerhafte Annäherung. Vorstandsmitglied Oliver Scheel: „Das war eine rundum gelungene Sache, ich habe nur Lob von allen Seiten gehört. Natürlich blieb es nicht nur beim Austausch von Worten, sondern es gab auch Autogramme und gemeinsame Fotos.“

PS: Die abstiegsgefährdete A-Jugend-Bundesliga-Mannschaft des HSV besiegte am Sonntag Energie Cottbus mit 3:0. Am nächsten Sonnabend steht für die Mannschaft von Fußballlehrer Otto Addo das Derby beim und gegen den FC St. Pauli an.

PSPS: Am Montag wird im Volkspark nicht trainiert.

16.48 Uhr

Wieso lässt Veh solchen Fußball spielen?

4. Februar 2013

Fix was los im Postfach. Da rappelt es im Karton. Ich bin begeistert. Zuschriften, Mails, Telefonate ohne Ende – herrlich. Fußball-Hamburg diskutiert über Levin Öztunali und die Folgen eines Wechsels. Und alles so unglaublich sachlich, das hätte ich nie für möglich gehalten. Traumhaft. Und so respektvoll – in Richtung Uwe Seeler, das hatte ich gar nicht erwartet. Toll. Es müssen das Mittelstürmer-Idol ja doch noch viele, viele „Matz-abber“ spielen, schießen, kämpfen und meckern gesehen haben. Ich habe das auch, deswegen trage ich einen Mann, der so viel, so unglaublich für den deutschen, für den Hamburger und für den HSV-Fußball getan hat, auch immer noch auf Händen. Das wird, das möchte ich jedem anderen Seeler-Fan sagen, auch bis an mein Lebensende so bleiben. Und da wäre es mir egal, ob mir der Ehrenspielführer die Freundschaft kündigen würde, oder nicht. Übrigens bin ich kein Duz-Freund von Uwe Seeler – und noch ein „übrigens“: Macht euch keine Gedanken, ich glaube alles das, was ich über Uwe Seeler geschrieben habe, es ist mein voller Ernst! Und ich glaube es nicht nur, ich bin davon restlos überzeugt. Und habe dabei null Promille im Blut. Auch keine andere Droge, bevor es einer schreibt und vermutet.

Zum Thema Öztunali erhielt ich, wie geschrieben, viele, viele Mails. So auch diese, die nun folgt. Die gab es gleich mehrfach, ich habe mich entschieden, diese Version zu veröffentlichen:

Sehr geehrter Herr Matz,

natürlich verfolge ich auch mit etwas „Trauer“ den Verlauf um den Seeler-Enkel.
Nicht nur, dass ich aus rein romantischen Gründen einen Verbleib von Levin Öztunali (LÖ) gerne gesehen hätte, sehe ich vielmehr den bevorstehenden Bruch mit „Uns Uwe“ selber als Problem an. Könnten Sie bitte, wenn Sie das nächste mal Kontakt mit Uwe haben ihm folgenden Bericht vorlegen?

Bayer verliert den Kampf um Sarr.

Enttäuschung und Frustration bei Bayer 04 Leverkusen: Das umworbene Verteidiger-Talent Marian Sarr verlässt den Werksklub und wechselt zu Borussia Dortmund. Für Geschäftsführer Holzhäuser bietet der Vorfall Anlass zur Generalkritik. Bayer 04 Leverkusen verliert eines seiner Top-Talente. Wie der Klub am Mittwoch bestätigte, wechselt Marian Sarr in der Winterpause zu Borussia Dortmund. „Es war keine einfache Entscheidung für uns. Hätte man auf Vertragserfüllung bestehen sollen, vielleicht sogar müssen? ?Leverkusen erhält für den Junioren-Nationalspieler eine Ablösesumme. Über die Höhe wollte der Klub nichts sagen. Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ ist Leverkusen außerdem an der weiteren Entwicklung des Spielers finanziell beteiligt, wenn diese positiv verlaufen sollte. So wird zum Beispiel ein weiterer Betrag fällig, wenn Sarr in der Bundesliga zum Einsatz kommen sollte …

Mod-Edit: Auch Dieter darf keine kompletten Texte zitieren ohne Einverständnis des Urhebers. Den kompletten Artikel findet ihr hier (danke auch an den Schenefelder für den Link): http://www.ksta.de/bayer-04/verteidiger-talent-bayer-verliert-den-kampf-um-sarr,15189374,21183104.html

Vielleicht beruhigt Herr Seeler sich dann ja etwas, wenn er realisiert, dass der Club, zu dem sein Enkel jetzt wechselt, genauso „armselig“ und „seelenlos“ ist!?

Vielleicht greifen Sie selber diese Geschichte in Ihrer Berichterstattung mal mit auf!?

Außerdem finde ich es ziemlich merkwürdig, wie ungescholten Mete Öztunali aus dieser Geschichte herauskommt. Man muss sich mal vor Augen halten, dass dort ein bezahlter Angestellter des HSV in der Öffentlichkeit schlecht über seinen Arbeitgeber berichtet!?
Ein Mann, dessen Aufgabe es war junge Leute zum HSV zu lotsen, ihnen zu erklären, dass der HSV für die Förderung seiner Karriere das Beste sei!

Und das sag ich, als einer, der seinerzeit mit Mete im Tor bei TuRa Harksheide den Aufstieg in die Landesliga schaffte. Ich bin sehr enttäuscht von ihm!

(Der Name des Absenders ist mir bekannt, ich möchte ihn zu seinem Schutz nicht veröffentlichen!)

Zum Thema Öztunali gab heute auch HSV-Sportchef Frank Arnesen noch folgendes Statement heraus:

Wir haben Levin Öztunali die größtmögliche sportliche Perspektive beim HSV geboten. Ab Sommer hätte er voll bei den Profis mit trainiert. Darüber hinaus haben wir ihm ein wirtschaftliches Angebot unterbreitet, dass es in dieser Form für einen Nachwuchsspieler beim HSV noch nicht gegeben hat. Dass Levin und seine Familie sich dennoch entschieden haben, in der Zukunft einen anderen Weg einzuschlagen und den HSV zu verlassen, respektieren wir. Möglicherweise lastet außerhalb Hamburgs als Uwe Seelers Enkel ein geringerer Druck auf ihm.

Es ist nicht richtig, dass Levin daraufhin vom Trainings-und Spielbetrieb des HSV suspendiert wurde. Allerdings ist es gängige Praxis und Teil unserer Ausbildungsphilosophie, dass Spieler mit weiterlaufenden Verträgen vorrangig gefördert und eingesetzt werden, was bislang nur nie öffentlich thematisiert wurde. Unser Vorgehen habe ich Levins Vater Mete Öztunali heute in einem persönlichen Gespräch erläutert, um möglicherweise entstandene Missverständnisse zu klären. Ich werde auch noch mit den betreffenden Trainern unseres Nachwuchsleistungszentrums Kontakt aufnehmen, um den weiteren Umgang mit Levin genau abzustimmen.
Nach einem Telefonat mit Levins zukünftigem Club Bayer Leverkusen, haben wir mit der Familie ebenfalls die bestehende Möglichkeit erörtert, einen sofortigen Wechsel in die Wege zu leiten. Diese Möglichkeit wurde aber von der Familie abgelehnt, da Levin bis zum Sommer in Hamburg bleiben möchte.

So, so viel für heute zum Thema Öztunali und Seeler. Die Zeitungen morgen werden wieder voll davon sein, und deswegen möchte ich euch auch nicht damit überfrachten. Alles hat ein Ende – nur die Frankfurter Wurst hat zwei . . . Um damit einen eleganten Überganz zu schaffen und noch einmal kurz auf das „Matz-ab-live“-Video hinzuweisen. Diesmal, falls es sich noch nicht herumgesprochen hat, mit Kult-Masseur Hermann Rieger und Ex-Torwart Jürgen Stars. Beiden sei an dieser Stelle noch einmal gedankt, Hermann war wegen der späten Sendung erst um kurz vor Mitternacht daheim, das nenne ich Einsatz. Und zu „Starski“ Stars möchte ich noch eines sagen: Er war Ersatztorwart beim HSV, „nur“ Ersatztorwart, aber allen diejenigen, die ihn nie zwischen den Pfosten haben fliegen sehen, sei gesagt: Stars war ein wirklich starker Keeper, ich habe zum Schluss oft auch gegen ihn gespielt, da war er stets der Beste seiner Mannschaft. Und er hat nicht umsonst noch zum Schluss seiner Karriere in Kanada und Amerika gespielt. Das möchte ich nur noch schnell anfügen, weil Ersatztorwart so „niedrig“ klingt. Schließlich hatte er einen so guten Mann wie Rudi Kargus vor sich – jahrelang.

Apropos jahrelang. Heute hat Lotto King Karl Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch unserer einzigartigen „Perle“, die ja auch schon seit Jahren für uns singt. Lotto, Du bist ein ganz Großer, Du bist auch ein ganz großer HSV-Fan, ich hoffe, dass Du noch viele Jahrzehnte auf dieser gelben Knaack-Bühne im Norden der Arena stehen wirst (gemeinsam mit Carsten Pape) und über Hamburg und den HSV singen wirst. Bleib schon gesund, alles Gute!

Noch einmal möchte ich – aus gegebenem Anlass – auf das Frankfurt-Spiel zurückkommen. Weil es etliche „Matz-abber“ gibt, die darauf hinwiesen, dass der jetzige Eintracht-Coach ja vor nicht allzu langer Zeit einmal auch HSV-Trainer war. Armin Veh. Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich. Veh ist hier einst „vom Hof gejagt“ worden. Wie so viele andere. Und nun lässt dieser Mann, dem so viele Fans vorgeworfen haben, keine Ahnung zu haben („Armin Veh-ler“), einen solchen Fußball spielen. Wie geht das? In diese Geschichte hinein soll, so einige User, auch die Vertragsverlängerung (um zwei Jahre!) von Bruno Labbadia mit dem VfB Stuttgart bestens passen. Darüber möchte ich mich aber am liebsten ein wenig ausschweigen, nur kurz und knapp sagen: Es soll ja auch Menschen geben, die aus ihren Fehlern lernen können, um dann die nötigen Konsequenzen zu ziehen . . .

Zu Armin Veh habe ich eine etwas umfassendere Meinung. Der Mann kam nach Hamburg, als hier schon längst herum war, dass er gar nicht erste Wahl gewesen sei. Da wurden viele andere Namen gehandelt – vorher. Und dann war es plötzlich Veh. Und es rankte sich genau darum auch ein Gerücht (das Veh wohl gekannt hatte): Auf dem Weg zu einem anderen Trainer (Robin Dutt?) landete die HSV-Führung in einem Hotel in Freiburg. Und dort lief ihnen der Manager von Armin Veh über den Weg. Man unterhielt sich, man tauschte sich aus – und man hatte urplötzlich einen ganz anderen Trainer, als den, der eigentlich geplant und m Visier war.

Wenn man als Coach dann unter solchen Umständen zum HSV kommt, hat man schon einen etwas anderen Start. Ich hatte aber immer das Gefühl, dass Armin Veh einen guten Job macht, und dass er sehr wohl sehr viel von seinem Job versteht. Das Training war okay, der Umgang mit der Mannschaft auch. Nur mit der „oberen Etage“ hatte Veh so seine Probleme, die langsam aber stetig zunahmen. Da ging ihm oft einiges nicht schnell genug, nicht professionell genug – und einiges ging überhaupt nicht, was er natürlich monierte. Darüber hat er oft geklagt und genörgelt, anfangs noch ziemlich leise und auch etwas versteckt, dann immer offener. Das ist aber seine Art. Mit der die HSV-Oberen jedoch nicht unbedingt so gut klar kamen. Eher war das Gegenteil der Fall.

Aber wer sich erinnert: Armin Veh hat auch zu seinen Frankfurter Zeiten (schon vor einem Jahr, schon vor dieser Saison) oft gemeckert. Hier fehlten ihm Leute, da auch. Und alles ging ihm, wie in Hamburg, nicht schnell genug. Nur schluckte man in Frankfurt diese Kritik (wohl eher zähneknirschend, wenn ich so an Heribert Bruchhagen denke), während man in Hamburg von Mal zu Mal entsetzter reagierte. Die HSV-Oberen mochten diese Ironie und auch diese gewisse Art von Pessimismus, was Veh durchaus oft ausstrahlte, überhaupt nicht. Zudem hatte der damalige HSV-Coach auch – nach Meinung der Führung (auch nach Meinung der Medien) – zu oft, viel zu oft sogar, davon gesprochen, am Ende der Saison nicht mehr HSV-Trainer sein zu wollen . . . Auch deswegen kam es zum Bruch. Weil „der“ HSV letztlich vermutete, dass Armin Veh nicht mehr mit vollem Herzen hinter dieser ganzen Sache stehen würde. Als dann dem HSV am 12. März 2011 das katastrophale 0:6 in München passierte, da musste Armin Veh dann – für keinen kam es unerwartet – gehen.

Kurios an der damaligen Situation: Co-Trainer Michael Oenning übernahm den Veh-Posten – und zog im Training sofort mächtig an (obwohl man das als trainer gegen Saisoenende eigentlich nicht machen sollte). Aber Oenning hatte da ganz offenbar die größten Defizite des HSV gesehen. In der Laufbereitschaft. Und wenn man jetzt die Frankfurter laufen sieht . . . Unfassbar ist das für mich. Unfassbar.

Wenn ich meine Meinung noch kurz dazugeben dürfte: Ich hatte mit Armin Veh ein gutes Einvernehmen, fast hätte ich ein ausgezeichnetes geschrieben. Ich mochte (und mag) den Menschen und den Trainer Veh, er hatte durchaus gute und sehr gute Ansichten über den Fußball, er war stets kooperativ, ehrlich, geradeaus und offen, er griff so gut wie nie zu einer Lüge (auch nicht in Not), und er hätte wohl, wenn man ihm die nötige Rückendeckung „von oben“ gegeben hätte, auch noch viel erreicht mit dem HSV. Vielleicht nicht so viel, wie jetzt mit der Frankfurter Eintracht, aber er hätte bestimmt schon etwas mehr „Grund in diese Mannschaft“ (von damals!) bekommen. Davon bin ich immer noch überzeugt. Dass auch ein Armin Veh nicht immer alles richtig gemacht hat (und gewiss auch nicht immer richtig lag), das ist natürlich klar. Aber: Wer macht denn keine Fehler?

Mich wurmt nur, dass er jetzt einen so tollen und großartigen Fußball in und mit Frankfurt spielen lässt. Das gebe ich zu. Wieso? Das frage ich mich schon. Wieso mit einer solchen „No-name“-Mannschaft? Oder vielleicht gerade deshalb? Armin Veh hat nun Spieler, die (noch?) keine Stars sind, die kein Star-Gehabe an sich haben, die ihrem Trainer noch glauben, wenn der ihnen sagt, dass Fußball ein Laufspiel sei. In dieser Frankfurter Mannschaft gibt es, so versicherten mir am Sonnabend einige hessische Kollegen, keinen einen bequemen Spieler, keinen Mann, der sich zu schade dafür wäre, für den Nebenmann einige Schritte mehr zu machen. Spieler solcher Art aber hatte der HSV zu Veh-Zeiten durchaus. Und sogar nicht wenige. Es ist doch so, wir kennen das alle: Wenn in Hamburg ein HSV-Profi, der so an 22. oder 23. Stelle in der Mannschafts-Hierarchie steht, nachts um drei Uhr bei Rot über die Ampel fährt, heißt es am nächsten Tag garantiert: „HSV-Star sieht Rot – auf der Flucht durch Stadt“. Wobei die Benotung auf „HSV-Star“ liegt. Hier ist jeder sofort und automatisch mit der Unterschrift unter den Profi-Vertrag ein „Star“. Und solche Spieler genießen dann schon gewisse Privilegien. Und dann wird man auch schon mal etwas bequemer. Dann muss man eben nicht jeden Lauf selbst erledigen, sondern lässt die anderen mal für sich laufen. Mann ist ja „Star“.
Ja, so versuche ich mir schon seit vielen Jahren das HSV-Spiel zu erklären. Und wenn ich jetzt an diese Frankfurter denke, wie die liefen, rannten, sprinteten, wie die Hasen, dazu mit Liebe, Lust, Spaß, Leidenschaft und Herz, dann fehlt mir in Hamburg schon seit langer Zeit sehr, sehr viel. Ich kann nur jeden (auch jeden „Matz-abber“) bitten oder raten, sich das Spiel vom Sonntag, wenn es denn technisch geht, noch einmal anzusehen. Und genau darauf zu achten, wie bei den Frankfurtern Fußball gespielt wurde – und beim HSV Fußball gearbeitet wurde. Tut euch das noch einmal an. Und achtet mal darauf, wie die Post bei Frankfurt abging, und wie sich der HSV vergeblich versuchte, das Spiel nach vorne zu quälen. Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Und wenn dazu der HSV-Kapitän Heiko Westermann (nach dem Spiel) die mangelnde Laufbereitschaft seines Team anprangerte, zudem sagte, dass man sich ja „so viel vorgenommen habe, aber nichts davon wurde in die Tat umgesetzt“, dann wissen wir, warum es so ist – wie es ist. Guckt euch dieses Frankfurt-Spiel noch einmal an, und euch wird ein Lichtlein aufgehen. Ganz sicher. Diese 90 Minuten sind ein Lehrbeispiel dafür, wie man es macht (die Eintracht), und wie man es nicht macht (der HSV). Und man weiß am Ende, dass Fußball tatsächlich ein Laufspiel ist. Laufen mit Köpfchen. Im richtigen Moment gemeinsam Gas geben, nachrücken, anbieten, hinterlaufen . . . Wollen. Ganz einfach wollen. Und zwar alle zehn Feldspieler. Beim HSV „parken“ mir einige zu viel und zu lange.

So, noch eine personelle Meldung: Artjoms Rudnevs erlitt am Sonnabend eine Muskelquetschung im Oberschenkel und muss zwei Tage Pause einlegen. Wenn die Nationalspieler wieder in Hamburg sind (Donnerstag), dann darf auch der Torjäger wieder einsteigen.

Ja, dann ist da noch dieses eine Länderspiel. Frankreich – Deutschland am Mittwoch. Mit HSV-Keeper Rene Adler im Tor (und Heiko Westermann auf der Bank). Über das Torwart-Comeback schreibt heute mein geschätzter Kollege Jens Mende von der Deutschen Presse-Agentur:

Rene Adler verzog keine Miene. Und aus der Reserve locken ließ sich der Torwart vom HSV erst recht nicht. Ein neuer Torwart-Zoff? Gewiss nicht. Ruhig, fast schon monoton beantwortete der Schlussmann die Fragen zu seiner erstaunlichen Rückkehr ins Tor der Fußball-Nationalmannschaft.

Als „sensationelle Geschichte“ empfindet Adler seinen Einsatz am Mittwoch (21 Uhr/ARD) gegen Frankreich, den ihm Bundestrainer Joachim Löw versprochen hat. Das schon. Aber aus den für ihn so wichtigen 90 Minuten eine Kampfansage an Stammkraft Manuel Neuer zu machen, hält Adler für unangemessen – trotz der gereizten Kommentare des Münchner Konkurrenten zu der vertauschten Aufgabenverteilung in Paris.

„Ich freue mich, wenn ich spielen kann. Ich denke, dass das eine Spiel nicht viel ändern wird an der Rollenverteilung. Das nehme ich mit und genieße es“, sagte Adler in Frankfurt. Neuers Nörgelei („Bei einem solchen Spiel wäre ich gerne dabei gewesen.“) und direkte Stichelei („Ich habe seine Entwicklung nicht verfolgt, weil ich bei Bayern München spiele.“) wollte Adler nicht kommentieren. „Ich habe das gar nicht mitgekriegt. Es ist sein gutes Recht. Ich bin nicht in der Position, das zu bewerten“, sagte Adler. Mit einem Typ wie ihm ist ein Torwart-Kampf wie vor der Heim-WM 2006 zwischen Oliver Kahn und Jens Lehmann nicht vom Zaun zu brechen.

Es waren die kleinen Bemerkungen in Nebensätzen, die am Montag die Bedeutung seines elften Länderspiels für ihn preisgaben. Auf Routine und „sein Schema“ habe er gesetzt, als die frohe Kunde von Löw am Freitag kam: „Um das alles nicht so hoch zu hängen“. Dennoch wurden vom HSV-Betreuerstab gleich Videosequenzen über Franck Ribéry und Karim Benzema zusammengestellt. Bei der Nationalmannschaft folgt weiteres Gegnerstudium. Nichts soll ihn am Mittwochabend im Stade de France überraschen können.

Adler hat in seinen Torwartjahren schon viel erlebt. Kurz vor der WM 2010 kam durch eine Rippenverletzung das Aus. Neuer zog an ihm vorbei. In Leverkusen ging es bergab. Erst der Wechsel zum HSV im Sommer 2012 brachte die Wende. Im deutschen Tor stand er letztmals am 17. November 2010 beim 0:0 in Göteborg gegen Schweden.

Viel hat sich für Adler in seinem Leben seither verändert. Er wirkt ungewöhnlich ruhig für das aufgeregte Fußball-Geschäft. Nur eines ist gleich geblieben. Eigene Patzer wie kürzlich im Nordderby gegen Werder Bremen kann er nicht vertragen. „Ich ärgere mich nach wie vor über Fehler. Das ist in mir, das ist der sportliche Ehrgeiz, der mich treibt.“ Das klingt dann doch ein bisschen nach Oliver Kahn.

Und noch einmal das Thema Torwart:

Der tschechische Nationaltorwart Petr Cech fehlt beim Länderspiel seines Verbandes gegen die Türkei am Mittwoch in Manisa. Die Nummer eins des FC Chelsea hatte sich bei der 2:3-Niederlage gegen Newcastle United den kleinen Finger gebrochen. Ihn wird Jan Lastuvka von Dnjepropetrowsk bei der Vorbereitung auf die Qualifikation zur Fußball-WM 2014 im Tor ersetzen, und der der Reservetorwart des HSV, Jaroslav Drobny (33), rückt in den Kader auf.

Und dann gab es heute noch diese dpa-Meldung:

Die Verluste der Fußballvereine in Europa sind auf ein Rekordniveau von insgesamt 1,7 Milliarden Euro gestiegen. Das ist das Ergebnis einer Fünf-Jahres-Analyse des europäischen Fußball-Verbandes, die die Uefa am Montag vorstellte. Der Studie zufolge sind auch die Spielergehälter in Europa im Verlauf dieser Zeit um 40 Prozent auf insgesamt 8,6 Milliarden Euro gestiegen.

„Ohne eine Verhaltensänderung steigt die Gefahr der Pleite für die Vereine“, sagte Uefa-Präsident Michel Platini. Der Franzose nannte die Einhaltung des sogenannten „Financial Fair Play“ der Uefa deshalb auch überlebensnotwendig für die europäischen Fußball-Clubs. „Eine Beschränkung der Kosten ist und bleibt die größte Herausforderung für die Vereine“, sagte Platini. Die Uefa hat mit dem „Financial Fair Play“ ein Lizenzierungsverfahren für die Europacup-Wettbewerbe beschlossen. Es soll die große Verschuldung vieler Clubs stoppen.

PS: Am Dienstag wird im Volkspark – mit natürlich dezimierten Kader – um 15 Uhr trainiert.

PSPS: Wenn alles klappt, wird hier das Moderatoren-Team demnächst noch ein, zwei Fotos vom “Matz-ab-Baby” veröffentlichen. Es ist “Scholles” Lia Sophie, die am 29. Januar geboren wurde.

18.36 Uhr

Foto

Heiko Westermann: “Die Verantwortung liegt nun auf fünf, sechs Schultern”

2. Oktober 2012

Fix was los im Volkspark – es sind ja wieder Ferien. Da strömen die Kiebitze in Massen zum HSV. Der Klub ist ja wieder in aller Munde, nicht nur wegen des 125. Geburtstages, sondern wegen der sieben Punkte. Diese sieben Punkte haben – so hat es den Anschein – die Welt eines jeden HSV-Fans verändert, haben die Fußball-Welt eines HSV-Anhängers wieder ins Lot gebracht. Es macht nach dieser sportlichen Wiederauferstehung endlich wieder Spaß, zum HSV zu gehen, mit dem Klub zu zittern, sich zu freuen, mit zu fiebern. Und zu diskutieren. Das wird am Rande des Trainings ja auch immer reichlich gemacht. Wenn die Spieler und Trainer wüssten, wie heiß und wie hoch es dabei gelegentlich zugeht, dann würden sie ganz sicher den Ball Ball sein lassen und schnell mal an den Rand kommen, um zuzuhören. In diesen Tagen allerdings wird lange nicht mehr so aggressiv miteinander gesprochen, wie noch zu jenen Zeiten, als beim HSV noch die Null eisern dort stand, wo sonst die Punkte erscheinen. Platz zehn sieht doch schon wieder mal viel freundlicher aus.

An diesem Mittwoch spielt der HSV ja bei Lech Posen (Posnan), dem ehemaligen Klub von Artjoms Rudnves. Nicht alle Spieler werden allerdings mit von der Partie sein können, denn die englische Woche hat Kraft gekostet. Marcell Jansen hat Rücken, Ivo Ilicevic hat einen Muskelfaserriss erlitten und fällt nicht nur morgen, sondern auch am Sonnabend beim Auftritt in Fürth aus. Fehlen wird auch Heiko Westermann, der bekanntlich mit einem Muskelfaserriss gegen Hannover 96 gespielt hat. Heute lief der HSV-Kapitän mit Reha-Coach Markus Günther durch den Volkspark, es dürfte als für das Spiel gegen den Aufsteiger ganz gut aussehen. Nicht mit nach Polen fliegen morgen auch Rafael van der Vaart und Milan Badelj, die beide leichte muskuläre Schwierigkeiten haben. Nichts Großes, aber der HSV will kein Risiko eingehen, denn am Wochenende soll (und muss) ja der Aufwärtstrend fortgesetzt werden. Möglichst mit einem Auswärtssieg, den dann die beste Mannschaft einfahren soll. Wie gesagt, die englische Woche war hart und kräftezehrend genug, wir alle konnten einen gewissen Verschleiß ja auch schon im zweiten Durchgang bei van der Vaart ausmachen . . .

Wieder mit im Training waren heute zwei „Spätheimkehrer“. Tomas Rincon und Gojko Kacar mischten wieder mit, und das uneingeschränkt. Wie schön, dass diese beiden Spieler bald auch wieder Alternativen sein werden – für das Posen-Spiel allerdings spielen sie natürlich noch keine Rolle. Ebenfalls mit dem Team trainiert hat Jeffrey Bruma, der zuletzt ja zweimal hatte passen müssen. Und am Montag soll dann ja auch wieder Dennis Aogo ins Mannschaftstraining einsteigen – personell geht es also auch weiter bergauf, wenn man mal von der Verletzung, die sich Ilicevic zugezogen hat, absieht.

Für Artjoms Rudnevs, der heute am Vormittag einige Tore erzielen konnte (noch mehr schoss allerdings Marcus Berg, der auch besonders schöne und wuchtige Treffer für sich verbuchen konnte – sieh an, sieh an!), ist der Trip nach Posen eine Reise in die Vergangenheit. Und darauf freut sich der Lette ganz besonders: „Es ist toll, dass es dieses Spiel gibt, denn so kann ich mich noch einmal richtig von den Lech-Fans verabschieden. Das ist mir eine Herzensangelegenheit.“ Und auch das spricht für „Rudi“, der, ich habe es schon vor Tagen erwähnt, bei allen seinen Teamkollegen sehr beliebt ist. Und er sagt über den (und seinen) „neuen“ HSV: „Die beiden Tore, die ich zuletzt geschossen habe, die taten dem Team sehr gut – und auch mir. Sie waren enorm wichtig. Ich bin sehr glücklich darüber, dass der Trainer und der Sportchef immer an mich geglaubt haben. Und mit Rafael van der Vaart sowie mit Milan Badelj sind wir nun noch viel stärker geworden als zuvor.“

Hoffentlich setzt sich dieser Trend auch am Sonnabend fort. Einige Kiebitze waren an diesem Vormittag ja schon wieder recht skeptisch, denn sie glauben, dass der HSV nach sieben Punkten nun schon wieder gedanklich zum Höhenflug ansetzt – und die Aufsteiger von Greuther Fürth unterschätzen wird. Wäre dem so, könnte es in der Tat ein böses Erwachen geben, aber ich bin fest davon überzeugt, dass die Mannschaft durch die Zugänge von van der Vaart, Badelj und Jiracek einen Crashkurs in Sachen Reife hinter sich gebracht hat. Diese Leute bürgen in meinen Augen dafür, dass kein Schlendrian aufkommen wird. Jedenfalls nicht so schnell, wie einige nun schon befürchten. Und ich hoffe sehr, dass ich mit dieser Einschätzung auch richtig liege.

Über die neue Stärke des HSV sprach auch heute ganz kurz der Kapitän. Heiko Westermann befand: „Es ist auf jeden Fall sehr gut für uns, dass die Verantwortung innerhalb der Mannschaft nun auf fünf, sechs Schultern verteilt ist. Wir sind zwar noch ganz am Anfang des Weges, aber man merkt, dass wir gestärkt sind.“

Daran hat auch zum Beispiel Milan Badelj einen großen Anteil, denn der Kroate brilliert nicht nur bei den Spielen mit seinem technischen Können, seiner Ballfertigkeit und seinem Überblick, sondern auch im Training. So richtig spektakulär ist sein Spiel zwar nicht, aber es ist von einer ganz besonderen Effizienz geprägt. Alles, fast alles, was Badelj macht, gelingt ihm und ist von Vorteil für diese HSV-Mannschaft. Und ich bin mir sicher, dass ich das auch schon sehr bald über Petr Jiracek werde schreiben können. Mit ihm sprach Trainer Thorsten Fink übrigens nach dem Training noch lange unter sechs Augen (Co-Trainer Nikola Vidovic war dabei), es ging dabei offensichtlich um gewisse Szenen im Spiel, zu denen der Coach nun seine Tipps gab.

So, kurz noch zu einem besonderen Jubilar.

Hermann Rieger wird heute 71 Jahre alt. Gestern noch zu Gast beim Fernsehsender „HH1“, heute war der Kult-Masseur ebenfalls hart auf Achse. 100 Jahre Budnikowsky, dieses Jubiläum musste gefeiert werden – uns „Hermann the german“ immer mittenmang. Und abends ging es dann in seine neue Heimat und zu seinen Freunden nach Alfstedt. Herzlichen Glückwunsch, mein Hermann, Deine Popularität ist ungebrochen, im Gegenteil, es scheint immer mehr damit zu werden – Du wirst überall dort, wo Du auftauchst, gefeiert, umjubelt und geliebt. Und alle freuen sich mit Dir, dass es Dir wieder so gut geht wie in Deinen besten Tagen. Du hast gekämpft und gewonnen, lebe und liebe jeden Tag Deines großartigen Lebens. Du bist der HSV auf zwei Beinen.

Und wo ich gerade bei „HH1“ war. Die gestrige Sendung (ein Link steht am Ende des Berichtes) war auch für mich ein echtes Highlight, denn es waren ja viele große und großartige HSVer dabei. So wohl gefühlt habe ich mich schon lange nicht mehr beim Fernsehen, und wenn mir heute einige Kiebitze (und zum Beispiel auch Thomas Doll, Horst Schnoor oder auch Richard Golz) Lob dafür aussprachen, was ich noch alles vom HSV (und den Spielern) weiß, so muss ich klar sagen: Ich bin da wie jeder anderer Fußballfan. Wer mit Herz und Leidenschaft dabei ist, der vergisst doch gewisse Szenen nie. Das geht euch doch genau so. Wäre Fußball (und der HSV) nur ein Job für mich, bei dem ich um 17.30 Uhr bis morgens um 10 Uhr strikt abschalten würde, dann könnte ich tatsächlich niemals so viele Dinge im Kopf behalten haben. Aber wer das alles zu 100 Prozent lebt, der vergisst so etwas eben nicht.

Bei der Gelegenheit – vielen Dank für die Fotos, die uns (und mir) „Fotolehrling“ und auch „Franky“ schickten. Sind ganz toll geworden – eine schöne Erinnerung an eine wirklich großartige Sendung („Diese Veranstaltung war hervorragend und sehr gelungen – sagte der Veranstalter“ – aber so ist das nicht gemeint).
Ihr könnt euch diese rasante Sendung hier ansehen (vielen Dank an „HH“ und an Tim Niemeyer – ich hoffe, dass es funktioniert):

Ich wünsche euch und euren Lieben einen wunderschönen Einheits-Tag (morgen). Genießt es (so wie ich), dass Deutschland wieder ein Land geworden ist, denn ich habe nie daran gedacht, dass ich das noch erleben werde. Dass es nun so ist, wie es ist, finde ich fantastisch, großartig, sensationell – weil ich so schon viele, viele schöne Ecken und auch besonders nette Menschen im Osten der Republik kennenlernen durfte.

18.15 Uhr

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