Archiv für das Tag 'Rieckhoff'

Beiersdorfer: “In der Krise herausragend gearbeitet”

14. Juni 2015

War toll.
Diese Mitgliederversammlung des HSV. Großartig war es sogar. Und trotz der Probleme, die es hin und wieder mal gegeben haben soll, in dieser Saison, muss festgestellt werden: „Es ist alles auf den Weg gebracht. Wir müssen nur Geduld aufbringen.“ Alles super. Oder wie es ein Redner ausdrückte. „Friede, Freude, Eierkuchen.“ Und im Prinzip: Die Experten haben schuld. Natürlich. Und mit Experten ist vornehmlich die Presse gemeint – logisch. Wenn die sich mal damit beschäftigen würden, oder beschäftigt hätten, woher der HSV 2015, Relegations-Teilnehmer, einst gekommen ist, dann würden die, nämlich diese Experten, sich mit Kritik gewaltig zurückhalten. Ganz gewaltig sogar. Es ist nämlich nicht alles so schlecht, wie es gemacht wird – oder wurde. Der HSV ist weiter erstklassig, es geht ihm gut – und, das ist mein Fazit, und nun müssen wir mal abwarten, wie es weiter bergauf geht. Die Weichen, so war heute zu vernehmen, sind dafür gestellt, nur geht das alles nicht so schnell, wie viele es erhofft hatten, wie viele gewollt hatten. Das dauert. Und das Schöne an dieser Situation ist ja das, dass wir nun alle abwarten können, wie schön und gut es tatsächlich demnächst laufen wird. Versprochen ist ja viel, und versprochen ist ja versprochen. Jetzt dürfte, muss, müsste oder sollte auch mal etwas geliefert werden . . . Zum Beispiel Platz zwölf. Oder so. Den ganzen Beitrag lesen »

Die Hoffnung des HSV? Der liebe Gott und ein Wunder

17. Mai 2015

Das, was keiner will, ist eingetreten. Der HSV hat sein Schicksal nicht mehr in der eigenen Hand. Ebenso wie das eigene 1:2 beim VfB Stuttgart waren die Siege des SC Freiburg und Hannover 96 für diese Konstellation verantwortlich. Vielleicht wirft die Haltung der Bayern im Breisgau Fragen auf, aber am Ende bekommt der HSV, was er verdient. Und das ist nach diesem desaströsen Spiel in der Mercedes-Benz-Arena der vorletzte Tabellenplatz und die Gewissheit, dass nicht einmal ein Sieg am letzten Spieltag gegen Schalke den Klassenerhalt – oder wenigstens die Relegation – aus eigener Kraft sichern würde.

Umfrage: Hält der HSV die Klasse, und was, wenn nicht?

„Wir haben eine Ausgangslage, die sich drastisch verschlechtert hat“, stellte Trainer Bruno Labbadia klar. „Dabei war uns ja von Beginn an klar, dass wir bis zum letzten Spieltag um den Klassenerhalt spielen würden. Allerdings haben wir uns die gute Position, die wir uns erarbeitet haben, kaputt gemacht.“ Und wie sie das gemacht haben. Gegen 15.45 Uhr stand der HSV mit eineinhalb Beinen in der Bundesliga, am Ende steht die Mannschaft mit eineinhalb Beinen im Unterhaus. „Es war ein Matchball, den wir vergeben haben“, setzte Vereinsboss Dietmar Beiersdorfer drauf. „Die Leistung war enttäuschend. Das war schwach und zu wenig.“ Weitere Analysen über die Hintergründe dieses Auftritts lieferten die Verantwortlichen nicht. Im Grunde war das auch schnell zu erkennen. Ich will mich auf wenige Dinge beschränken, die alle miteinander zu tun haben.

Das erste Mal hatte ich an diesem Nachmittag in Stuttgart ein ungutes Gefühl, als die HSV-Profis mit den T-Shirts zum Warmlaufen auf den Rasen marschierten. „Wir schaffen es!“ stand darauf. Allzu große Sicherheit, die Bekanntgabe einer Hoffnung als Tatsache, die die Spieler am Ende eingeholt hat. Ein Ergebnis sollte man erst nach vollbrachter Arbeit verkünden – nicht schon vorher. Besser haben es die Stuttgarter Fans gemacht, die ihre Mannschaft mit einem großen „Niemals-aufgeben“-Plakat begrüßt haben. DAS war das eigentliche Motto. Und der VfB hat es deutlich besser umgesetzt als der HSV.

Es war beängstigend mit anzusehen, wie der HSV nach 25 Minuten aufgehört hat, an dieser Partie teilzunehmen. Mit dem Stuttgarter Ausgleich, dessen Zustandekommen vielleicht glücklich war, erlahmte alles bei den Hamburgern. Rajkovic und Djourou fanden keine Anspielstationen mehr, weil sich alle Mittelfeldspieler verkrümelten. Wo war van der Vaart? Wo war Kacar? Was war mit den Flügeln Jansen und Ilicevic, die nicht zu sehen waren? Es war so viel Angst im Spiel, dass alle nur noch weggerannt sind.

Einige Spieler verdienen besondere Beachtung. Rafael van der Vaart zum Beispiel hat 90 Minuten nach einer Gelbe Karte gebettelt. Fouls, Geschimpfe, Nicklichkeiten. Immer wieder sprach Schiedsrichter Manuel Gräfe beschwichtigend mit ihm – aber in der Nachspielzeit konnte er nicht mehr anders. Nach einer weiteren Meckerei gab’s endlich die 10. Gelbe Karte und damit die Sperre gegen Schalke. Van der Vaart hat sich dazu gestern nicht mehr geäußert, aber das hatte schon schwer den Anschein, als ob er diese Verwarnung provoziert hätte. Ein schlimmes Verhalten.

Pierre Michel Lasogga durfte nach dem frühen Zusammenprall mit seinem Kollegen Ivica Olic bis zur 59. Minute weiterwurschteln. Der Bursche gehörte aber sofort ausgewechselt, er torkelte nur über den Rasen. Es war keine Kopfverletzung, sondern eine Schulterprellung, wie heute diagnostiziert wurde. Trotzdem: Bei Lasogga ging gar nichts, der HSV auch aus diesem Grund quasi eine Stunde lang nur zu zehnt. Bruno Labbadia versicherte heute nochmals, dass er seinen Angreifer immer wieder gefragt habe, ob es weitergehe. Lasogga sagte ja – eine Fehleinschätzung.

Am Ende fehlte der gesamten Mannschaft Spannkraft. Nichts war zu spüren von dem Willen, sich gegen den Abstieg zu stemmen. Die meisten Zweikämpfe gingen flöten, es war eine Selbstaufgabe. Das, was Bruno Labbadia mühsam an Streichhölzchen aufgebaut hatte in den vergangenen Wochen zu einem ansehnlichen Türmchen, fiel durch einen Windhauch zusammen. Es war nicht mehr als ein Windhauch, denn natürlich war auch Stuttgart zunächst total unsicher. Zwar stürmten sie in den ersten fünf Minuten, aber nach dem 0:1 durch Kacar schossen die Schwaben die einfachen Pässe ins Seitenaus oder die steilen Schläge ins Nirvana. Bis sie merkten, dass sie vom HSV nichts zu befürchten hatten. 10:1 Schüsse aufs Tor – so sah es am Ende aus. Die Partie hätte 5:1 ausgehen müssen, wenn Rene Adler nicht so viel gehalten hätte.

„Als wir gekommen sind, waren wir Tabellenletzter“, so Bruno Labbadia heute. „Da hätte niemand mehr einen Pfifferling auf uns gesetzt. Natürlich hatten wir nicht gedacht, dass wir diesen Rückschlag erleiden würden. Aber trotzdem haben wir noch eine Möglichkeit. Wir müssen nicht jammern, sondern an uns glauben. Wir müssen Schalke schlagen, und dann werden wir sehen, was passiert.“

Dietmar Beiersdorfer wurde heute mehrfach gefragt nach seinen Fehlern in dieser Saison. Die Ernennung von Peter Knäbel zum Cheftrainer zum Beispiel. Beiersdorfer wehrte all diese Fragen ab und verwies auf die nächste Woche, wenn die Saison vorbei ist. „Es ist unsere Aufgabe, im Management intern über alle Szenarien zu sprechen. Das tun wir schon länger. Aber unsere Aufgabe und unser Ziel ist es vorher, das Spiel gegen Schalke zu gewinnen und die Möglichkeiten zu haben, drin zu bleiben.“ Dies kann ich im Moment nachvollziehen. Beiersdorfer bringt es heute nichts, Selbstzerfleischung zu betreiben oder auch nur den nachvollziehbaren Wunsch der Öffentlichkeit nach Benennung der Schuldigen zu befriedigen. In den kommenden sechs Tagen geht es nur um das Schalke-Spiel.

Vielleicht geht es danach noch um die Relegationsspiele – das weiß der Fußballgott. Auf den wird es übrigens auch wieder ankommen. Dessen ist sich Zoltan Stieber sicher, der beim Blick auf die Konstellation keine anderen Ratschläge mehr hat: „Wir müssen alles geben gegen Schalke und gewinnen. Hoffen wir, dass der liebe Gott auch mit uns ist.“ Ähnlich formulierte es Rene Adler: „Wir haben jetzt noch ein Spiel und können die Tabelle auch lesen. Die Situation ist beschissen. Aber wir können es noch schaffen. Ich glaube, dass wir Schalke schlagen, und mit ein bisschen Hoffen und Bangen – vielleicht gibt es noch ein Wunder.“ Oder hat der HSV im vergangenen Jahr alles Glück der Welt aufgebraucht?

Und wie soll diese Truppe, die in Stuttgart offenkundig unter dem Druck zusammen gebrochen ist, den noch viel größeren Druck des kommenden Spiels meistern? Diese Frage ist nicht zu beantworten. Hoffnung gibt es nur, weil es in dieser Saison ab und an geklappt hat. Dietmar Beiersdorfer: „Wir haben schon mal ähnlichen Druck gehabt gegen Augsburg. Das war auch ‚letzte Ausfahrt Klassenerhalt‘. Das hat die Mannschaft hervorragend gemacht. Man muss das Positive sehen. Wenn man nicht dran glaubt, wird es auch nichts. Wir werden bis zum Schlusspfiff kämpfen. Das ist unsere Pflicht und unsere Leidenschaft.“ Na ja….

Als besondere Maßnahme prüft der Verein nun ein erneutes Trainingslager. Die Entscheidung, ob das kurzfristig zu realisieren ist, steht zur Stunde noch aus. Jedenfalls würde Labbadia nach dem trainingsfreien Montag ab Dienstag gern mit seinen Profis eine Luftveränderung vornehmen. Klar ist, dass es nicht erneut nach Rotenburg gehen wird, wo er den HSV bereits nach seinem Amtsantritt zusammengesammelt hatte.

Hoffnung hat übrigens auch Peter Knäbel – das sagte er gestern im ZDF-Sportstudio: „Die Relegation zu gewinnen, wäre für uns wahrscheinlich auch schon ein Erfolg. Wir haben es fast in eigener Hand. Bei den ganzen Entwicklungen dieses Spieltages sehen wir, dass es auch schnell mal in die andere Richtung gehen kann.“ Knäbel war heute übrigens zur Spielbeobachtung in Braunschweig, wo der mögliche Hamburger Relegationsgegner Karlsruher SC mit 2:0 gewann.

Und nun noch ein Wort mehr oder weniger in eigener Sache. Am vergangenen Mittwoch habe ich ein paar Absätze zu Carl Jarchow geschrieben, der aus dem HSV-Vorstand ausgeschieden ist. Die Pawlowsche Reaktion bei einigen Kommentaren hätte ich mir denken können. „Gefälligkeitsjournalismus“ hier – „die Presse ist Teil des Problems“ da.

Habe ich geschrieben, dass Jarchows Vertragsverlängerung 2012 ein Fehler war? Ja, das habe ich geschrieben. Habe ich geschrieben, dass Jarchow viele sportliche und wirtschaftliche Fehler begangen hat? Ja, das habe ich geschrieben. Habe ich geschrieben, dass der Verein nach seiner Amtszeit schlechter dastand als vorher? Komisch, das habe ich ja auch geschrieben.

Ich lasse mir ungern das Wort im Mund herum drehen und insofern waren einige der Kommentare aus meiner Sicht reichlich daneben. Ich habe hier schon vor einigen Wochen ausführlich zur Campus-Peinlichkeit Stellung bezogen. Dieses Projekt wurde damals von Jarchow/Hilke angeschoben, und dass es primär eine Geld-Beschaffungsmaßnahme war – dieser Eindruck ist wohl kaum zu leugnen. Gut verpackt mit einem neuen Nachwuchsprojekt, zugegeben, aber die Umplanungsmaßnahmen, die durch Bernhard Peters und Co. vorgenommen wurden, zeigen, dass das ursprüngliche Konzept auch inhaltlich nicht durchgetaktet war. Inhaltlich – das war nicht die Priorität. Aber: Jarchow und alle anderen im HSV waren und sind dafür rechtlich nicht zu belangen gewesen. Das ist Stand heute Tatsache.

Diese Zusammenhänge, und dass Alexander Otto den Granden den Allerwertesten gerettet hat mit seiner 10-Millionen-Euro-Zuwendung, das wurde auch hier von Scholle, Dieter und mir thematisiert. Als ich geschrieben habe, dass Jarchow gut aus seiner HSV-Vorstands-Zeit herausgekommen ist, wurde das hier ebenfalls als Medien-Problem dargestellt. Nach der Devise: Ihr habt ihn aber auch schön in Frieden gelassen.

Wer bitteschön hat Carl Jarchow, der jahrelange Minus-Zahlen als Vorstands-Vorsitzender zu verantworten hatte, denn vor allem in Frieden gelassen? Das waren die HSV-Mitglieder selbst, von denen einige mich nun hier kritisiert haben. Jarchow hat nicht eine einzige kritische Nachfrage erhalten auf der Mitgliederversammlung im Januar. Da war nicht die Rede davon, dass der Verein reihenweise Rote Zahlen geschrieben hat und die Campus-Millionen versickert sind. Von der Frage, ob die einzelnen Vorstände denn überhaupt entlastet werden – auch Joachim Hilke hätte diese Frage treffen können – war ebenfalls nichts zu hören. Gar nichts.

Was mir wichtig ist und war bei der Betrachtung Jarchows und vieler anderen, deren Wirken für den HSV am Ende in einem negativen Licht stand: Sie alle wurden auch von bestimmten Leuten, namentlich vom Aufsichtsrat, eingesetzt. Wenn Jarchow gescheitert ist, dann ist auch der alte Aufsichtsrat gescheitert. Führungskräfte in Unternehmen haben EIN wesentliches Instrument zur Steuerung der ganzen Firma, und das ist die Personalauswahl. Ist also Jarchow gescheitert, dann spricht das gegen diejenigen, die ihn ins Amt gehoben haben. Analog heute: Zeigt sich, dass Dietmar Beiersdorfer, wie von Scholle am Montag geschrieben, eigentlich kein Vorstands-Vorsitzender ist, dann geht diese Kritik in erster Linie an das Gremium, das Beiersdorfer bestellt hat. Und schon wären wir bei Karl Gernandt und seinem Team.

Zurück zu Jarchow. Zu guter letzt wurde nämlich angezweifelt, dass Jarchow für die Ausgliederung war. War er aber. Nicht als jemand, der sie initiiert hätte oder angeschoben. Das waren andere – das war die Gruppe HSV-Plus um Otto Rieckhoff. Aber dass Jarchow dessen ungeachtet dafür war, ist einfach Fakt. Das haben mir alle möglichen Menschen aus dem Verein bestätigt. Vermutlich wird mir nun auch noch weiter vorgehalten, ich habe HSV-Plus nicht gewollt. Ich verweise höflich auf eine „Matz-ab-live“-Sendung vom September 2013. Hier habe ich deutlich gesagt, die Ausgliederung muss kommen. Zu diesem Zeitpunkt war HSV-Plus gerade ein paar Tage auf dem Markt. Dass ich diese Haltung anschließend nicht marktschreierisch vor mir hergetragen habe wie andere, liegt wohl daran, dass ich Journalist bin. Aber egal, ob jemand aus meiner Sicht schlechte Arbeit geleistet hat – Kritik unter der Gürtellinie wird es von mir nicht geben.

Im übrigen: Welche Gefälligkeit sollte ich wohl von Carl Jarchow erwarten, wenn er Vize-Präsident des Hamburger Fußball Verbandes ist? VIP-Karte fürs Oddset-Pokal-Endspiel?

Noch sechs Tage bis zum Schalke-Spiel.

Lars
18.00 Uhr

Ein bisschen Rieckhoff, ein bisschen Hieronymus – und einige neue Gerüchte

17. November 2014

Oh Mann, was für ein zäher Tag. Kein Training, keine Spieler erreichbar, die Offiziellen nicht im Haus. Und das keine sieben Tage vor einem Nordderby. Ach was, vor DEM Nordderby gegen Werder Bremen immerhin. Erst morgen um zehn Uhr geht es weiter. Noch ohne die Nationalspieler, die sich heute via Twitter von ihren verschiedenen Länderspielstationen meldeten. Apropos Meldung, eine davon wurde mir just von meinem Blog-Freund Leon Heinemann zugespielt. Demnach soll im Winter das 18-jährige Sturmtalent Batuhan Altintas zum HSV wechseln. Nach Drmic und dem jungen Schweizer ist das bereits der dritte Name, der mit dem HSV in Verbindung gebracht wird. Zumindest berichtet das der türkische Radiosender „Lig Radyo“. Demnach soll sich der HSV mit Altintas’ abgebendem Klub Bursaspor auf den Wechsel verständigt haben – was durchaus Sinn ergeben würde. Denn der Verein selbst hat den Youngster wettbewerbsübergreifend bis Juni 2015 gesperrt. Der junge Mittelstürmer soll im Sommer Vertragsverhandlungen (Vertrag läuft im Sommer 2015 aus) platzen lassen haben und seither in Ungnade gefallen sein. Totes Kapital also für den türkischen Erstligisten – es sei denn, er wird noch vor seinem Vertragsende verkauft. Bei einem Marktwert von knapp 400000 Euro ein machbares Geschäft für den HSV – sofern der eine oder andere hier nicht mehr gebrauchte Spieler abgegeben werden kann.

Allerdings ist das so genannte „Tote Kapital“ etwas, was man beim HSV nur zu gut kennt. Leider. Monat für Monat überweisen die hiesigen Verantwortlichen Funktionären Millionen von Euro, obwohl diese schon lange nicht mehr tätig sind. Und in dieser Woche will man sich von wenigstens zweien dieser Angestellten endgültig trennen. Am Donnerstag hat der HSV seinen Schlichtungsgespräch in Sachen Mirko Slomka, am Freitag den Arbeitsgerichtstermin mit dem ehemaligen Fitnesstrainer Nikolai Vidovic. Beide waren telefonisch nicht zu erreichen, was eigentlich auch nur logisch ist. Dennoch dürften diese beiden Termine unmittelbar vor dem Nordderby noch mal interessant werden. Zumindest dann, wenn man sich – wie erwartet wird – nicht sofort einigen kann.

Interessant und täglich neu befeuert wird auch das Thema Präsident im e.V., der im Januar gewählt werden soll. Zuletzt wurden hier Carl Jarchow und Oliver Scheel als potenzielle Kandidaten geführt, ehe auch Otto Rieckhoffs Name genannt wurde. Zwar weniger vom bestimmenden Beirat, dafür aber von einer Entourage, die schon ziemlich weit gediehen ist. Den Schatzmeister und seinen Vizepräsidenten bringt der einstige Kopf der HSV-Plus-Bewegung gleich mit. FussballRieckhoff soll sich sein Team bereits zusammengestellt haben. Und zwar namentlich mit dem Vorzeige-Fan Axel Formeseyn sowie dem Unternehmer Dr. Konstantin Rogalla (HSV-Realos). Allein im Beirat wurde der Name Rieckhoff bislang eher beiläufig genannt. Gefragt wurde Rieckhoff noch nicht nach seiner Bereitschaft. Zwei Monate vor der wichtigen Mitgliederversammlung sicher kein Grund für den einstigen Aufsichstratsboss, nervös zu werden.

Im Gegenteil, Rieckhoff selbst lässt alles auf sich zukommen und will sich selbst gar nicht äußern. „Das behalte ich auch so lange bei, wie ich es für nötig halte“, so Rieckhoff, der sich auch über die Vorwürfe nicht ärgert, er würde sein eigenes Versprechen brechen. „Sollen die anderen doch reden“, ist Rieckhoffs einziges Statement. Wobei Rieckhoff sehr wohl weiß, dass die anderen genau das tun. Der 63-Jährige hat sich in seiner Zeit als Werbeträger von HSV-Plus nicht nur Freunde gemacht. Im Gegenteil. Selbst innerhalb der HSV-Plus-Bewegung gab es etliche Zerwürfnisse. Die einstigen 83-er-Helden, die auf Werbeveranstaltungen oft den Platz neben Rieckhoff einnahmen, stiegen mit der Wahl am 25. Mai geschlossen wieder aus.

Wobei einer von ihnen jetzt als Kandidat für den Posten des Präsidenten immer wieder genannt wird: Holger Hieronymus. Der ehemalige HSV-Sportchef und DFL-Geschäftsführer soll beim Beirat, der die zur Wahl stehenden Kandidaten letztlich zulässt, mehr als einen Befürworter haben. Fussball„Ich weiß davon nichts“, so Hieronymus heute, „und ich beschäftige mich mit dem Thema auch nicht unnötig.“ Ob er es sich anhören würde, wenn der Beirat an ihn herantritt. „Ich bin gut erzogen, von daher schon aus Respektsgründen ja. Zudem bin ich grundsätzlich an HSV-Themen immer interessiert. Aber ich kann auch sagen, dass es mir ohne Amt momentan auch sehr, sehr gut geht. Ich vermisse nichts – abgesehen vom sportlichen Erfolg des HSV.“

Und damit will ich den vereinspolitischen Sch… auch schon wieder zurücklegen. Nicht, weil er mich nicht interessiert. Nein, nur, weil ich weiß, dass das ganze Theater leider wieder früh genug und dann mit annehmbarer Sicherheit auch in Massen auf uns zukommt. Im Vorfeld der Strukturreform hat dies bei mir zu einem Overkill Vereinspolitik geführt. Ich bekam täglich neu vor Augen geführt, dass es in diesem Zusammenhang einen verschwinden geringen Anteil wirklich ehrlicher Kandidaten gibt, denen es ausschließlich um den Verein geht. Und diese Erfahrung hat meine Leidensfähigkeit mit dem HSV einst auf eine harte Probe gestellt. Und solche Phasen brauche ich nicht allzu oft…

Brauchen tue ich dagegen Fußball. Den ehrlichen Fußball auf dem Platz. Und der nimmt morgen mit der ersten Trainingseinheit in dieser Woche um 10 Uhr wieder Fahrt auf. Ich werde da sein und melde mich im Anschluss daran bei Euch. Mit Fußball. Viel Fußball hoffentlich…

Bis dahin!
Scholle

U 23 zieht die Hinrunde ungeschlagen durch

15. November 2014

Joe Zinnbauer hatte gestern nach dem 1:0 im Test gegen Eintracht Braunschweig angekündigt, verstärkt auf die Nachwuchsspieler aus der U 23 zu achten. Scholle hatte dies hier ausführlich aufgegriffen. Wie weit die Jugend wirklich ist, konnten 1.250 Zuschauer heute an der Hagenbeckstraße verfolgen. Die Partie musste wegen des großen Andrangs vor den Kassenhäuschen mit acht Minuten Verspätung erst begonnen werden.

U-23-Trainer Daniel Petrowsky setzte allein sechs Spieler ein, die tags zuvor auch einige Minuten mit den Profis gegen Braunschweig auf dem Rasen standen. Ronny Marcos in der Abwehr; Ahmet Arslan, Sven Mende und Mohamed Gouaida im Mittelfeld; Nils Brüning und Philipp Müller im Sturm. Anfangs lief alles nach Plan. Im Anschluss an einen Freistoß nutzte Francis Adomah, heute als Innenverteidiger eingesetzt, das folgende Durcheinander in der VfB-Deckung zum 1:0. Großer Jubel schon in der 8. Minute.

Doch der dauerte nicht lange an. Schon im Gegenzug gelang Andre Senger der Ausgleich (9.), wenige Minuten später fiel durch Markeineke gar das 1:2 (14.). Dieser Halbzeitstand war für den HSV noch schmeichelhaft, denn Lübecks bester, Andre Senger, traf noch einmal den Pfosten (27.). In der zweiten Halbzeit bissen sich die Petrowsky-Schützlinge lange vergebens die Zähne aus an der sicheren Gäste-Deckung. Bis eine sensationelle Kombination doch noch das Unentschieden und damit die Rettung der Serie brachte. Mohamed Gouaida spielte prächtig Doppelpass mit Ahmet Arslan und vollendete diese Aktion mit einem platzierten Schuss zum 2:2 (84.).

„Das war ein hartes Stück Arbeit“, sagte Kapitän Sven Mende. „Aber wir können natürlich auch ein bisschen stolz sein. Eine ganze Hinrunde ungeschlagen zu sein, hat noch niemand geschafft. Dennoch müssen wir für heute zufrieden sein, wenn wir kurz vor dem Schluss erst den Ausgleich schaffen. Wenn wir jetzt noch für die restlichen drei Spiele dieses Jahres konzentriert bleiben, sieht es gut aus für das neue Jahr.“ Am kommenden Sonntag tritt der HSV zunächst bei Eintracht Norderstedt an. Und in der Tat sieht es gut aus in der Tabelle: Aktuell zwölf Punkte Vorsprung sind eine sensationelle Bilanz (wobei Verfolger Werder Bremen morgen noch spielt). Da ist das Ziel natürlich, die Aufstiegsrunde zur 3. Liga zu erreichen, wo dann allerdings die Karten völlig neu gemischt werden.

So spielte der HSV: Brunst – Jordan (58. Derflinger), Jung, Adomah, Marcos – Arslan, Mende, Haut (77. Charrier), Gouaida – P. Müller, Brüning (68. Benkarit)
Tore: 1:0 Adomah (8.), 1:1 Senger (9.), 1:2 Marheineke (14.), 2:2 Gouaida (84.)
Zuschauer: 1.250

Zu einem anderen Thema. Am 25. Januar, genau acht Monate nach der historischen Mitgliederversammlung im Stadion, als die Ausgliederung der Profi-Fußball-Abteilung in eine AG beschlossen wurde, steigt die nächste große Sitzung des HSV. Es handelt sich um die erste ordentliche Mitgliederversammlung des „neuen“ HSV e.V. und um das Ende der bisherigen Übergangsregelung. Das betrifft vor allem die Besetzung des Präsidiums.

Bekanntlich sind aktuell Carl Jarchow (Präsident), Joachim Hilke (Vizepräsident) und Oliver Scheel (Schatzmeister) im Präsidium. Sie sind sozusagen das Überbleibsel aus dem alten Vereins-Vorstand vor der AG-Ausgliederung. Die Verträge von Jarchow und Hilke enden am 31. Mai kommenden Jahres. Oliver Scheel, ursprünglich von der Mitgliedschaft als deren expliziter Vertreter in den Vorstand gewählt, scheidet bereits Mitte Januar aus.

Hinter den Kulissen wird seit Monaten kräftig daran gewerkelt, ein neues e.V.-Präsidium auf die Beine zu stellen. Dafür verantwortlich ist der Beirat unter Leitung des Vorsitzenden Eckart Westphalen (er ist der Delegierte aus den Amateur-Abteilungen des HSV). Ferner sitzt ihm als Stellvertreter Andreas Peters (Vorsitzender des Ehrenrates) sowie Walter Koninski, Engelbert Wichelhausen (beide ebenfalls Mitglieder des Ehrenrates) sowie Sven Winkelmann (Förderer) zur Seite. Die fünf Herren hatten und haben die heikle Aufgabe, Kandidaten für den neuen Vorstand zu finden und letztlich der Mitgliederversammlung vorzuschlagen.

Genau genommen ist die Aufgabe schon in dem Punkt heikel geworden, als sich der Beirat auf das Wahl-Procedere einigen musste. Wie sich herausstellte, ist die neue e.V.-Satzung in einigen Punkten offenbar nicht eindeutig. Juristische Hilfe wurde in Anspruch genommen – und dies führte am Ende zu dem Ergebnis, das der Beirat auf der Internet-Seite des HSV vor einigen Tagen veröffentlichte.

Was das Verfahren am 25. Januar angeht, ist nun folgendes angedacht. Der Beirat schlägt ein Präsidium vor, also drei Personen, die er für die Geeignetsten hält. Es soll keinen Wahlkampf auf dieser Veranstaltung geben, sondern nur eine Vorstellung eines Präsidenten-, eines Vize-Präsidenten- und eines Schatzmeister-Bewerbers. Die Mitgliedschaft soll anschließend mit einfacher Mehrheit beschließen, ob der jeweilige Kandidat das Amt dann auch für drei Jahre antritt. Abgesehen davon, dass dieser Weg dann sehr dem des FC St. Pauli ähnelt, der ja morgen seinen spannenden Sitzungs-Tag hat, hatten die Satzungs-Väter des HSV eine konkrete Idee, die dahinter steckt. In den vergangenen Jahren ist der HSV nicht zuletzt deswegen immer wieder auf härteste Belastungsproben gestellt worden, weil ein unerträgliches Hauen und Stechen um Ämter die Vereins-Versammlungen und damit das Klima im Verein vergiftet hatte. Beispiele muss ich an dieser Stelle nicht aufführen. Eigentlich waren alle Veranstaltungen im CCH in den letzten 20 Jahren geprägt von verbalen Tiefschlägen, Beschimpfungen, Anfeindungen, Gepöbel. Unerträglich eben, und daher ist die Entscheidung, nur einen Kandidaten pro Amt vorzuschlagen, konsequent – und eben überdies rechtlich geboten.

Wünschenswert ist im Sinne der Befriedung des HSV und der Eindeutigkeit der Entscheidung, und auch, damit ein neues Präsidium mit möglichst großer Unterstützung ins neue Amt gehen kann, dass eine große Mehrheit für die neuen Leute gefunden wird. Aus diesem Grund kommt dem Beirat eine verantwortungsvolle Aufgabe zu, denn er muss den Kandidaten finden, der nicht nur der beste ist, sondern auch die höchste Akzeptanz in der Mitgliedschaft besitzen könnte – hier muss spekuliert werden.

Mit Namen hält sich der Beirat zurzeit zurück. Das wird in den kommenden Wochen sicher folgen, wenn die sondierenden Gespräche mit möglichen Kandidaten abgeschlossen sind. Dennoch sind drei Namen bereits als Tuschelthema in der Öffentlichkeit unterwegs, und ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage, dass keiner der drei Namen bisher für Begeisterungsstürme gesorgt hat.

Nummer eins war Oliver Scheel, der dem Beirat proaktiv sein Interesse am Präsidentenamt mitgeteilt hat. Gleichzeitig betonte Scheel, dass er nur als hauptamtlicher Präsident zur Verfügung stehe. Diese Kern-Entscheidung hat der Beirat ja auch noch zu treffen – wird der Präsident angestellt oder ehrenamtlich (mit Aufwandsentschädigungen) bestellt? Intern wird die ehrenamtliche Variante bevorzugt, was allein schon die Kandidatur von Scheel ausschließen würde. Dass der gelernte Anwalt ohnehin ein Kandidat wäre, der aufgrund seiner kritischen Position zur AG-Ausgliederung umstritten ist, kommt dazu.

Die Namen zweier weiterer Längjähriger wabern im HSV-Raum. Otto Rieckhoff, der im letzten Vierteljahrhundert so ziemlich jedes Amt im HSV bekleidet hat, ist einer von ihnen. Carl Jarchow, von 2011 bis 2014 Vorstands-Vorsitzender des Vereins, ist der andere. Offizielle Kommentare gibt es aktuell von beiden nicht. Wobei sich Rieckhoff wahrscheinlich bei jedem Gespräch, dass er in den letzten Wochen geführt hat seit einer entsprechenden Veröffentlichung im Hamburger Abendblatt, eine Frage stellen lassen muss: „Warum willst Du das jetzt doch machen – du hattest doch am 25. Mai noch ganz deutlich gesagt, kein Amt im HSV anzustreben?“

Die Beantwortung dieser Frage und damit das Schließen einer Glaubwürdigkeitslücke wird Rieckhoffs Kernaufgabe sein, wenn er eine Chance besitzen will, im Januar als Präsident anzutreten. Carl Jarchow hatte sich in bisherigen Veröffentlichungen zu seiner möglichen Zukunft (entsprechende Aussagen liegen allerdings auch schon Monate zurück) ebenfalls bedeckt gehalten was seine persönliche Motivation auf Übernahme des Präsidenten-Amtes angeht. Nun ist er also wieder im Gespräch. Der Mann also, der als Haupt-Verantwortlicher steht für die drei katastrophalsten Jahre der Hamburger Bundesliga-Geschichte. Ist dies bereits das Ausschluss-Kriterium? Oder denken die Beiräte zurück an die Gründe, die den damaligen Aufsichtsrat 2011 bewogen hatten, Jarchow als Nachfolger für Bernd Hoffmann zu bestellen. Jarchow sollte den Verein befrieden, was ihm im ersten Schritt gelungen ist. Das Drama begann mit der Verlängerung seines Vertrages, als andere, nämlich strategische und richtungsweisende Entscheidungen anstanden, die – das wissen wir heute – im Zusammenhang mit personellen, wirtschaftlichen und sportlichen Fehlentscheidungen fast der gesamten HSV-Führungsriege im Beinahe-Untergang gipfelten.

Im Kern heißt die Frage also bei diesen drei Namen: hat einer von ihnen noch eine Chance verdient oder ist es auch im HSV-e.V.-Präsidium Zeit für ganz neue Leute? Das Anforderungsprofil, das der Beirat auf der oben genannten Internet-Seite herausgegeben hat, ist nicht eben klein. Ehrlich gesagt frage ich mich, ob nicht wirklich ein hauptamtlicher Präsident gefunden werden muss bei dem gewaltigen Umfang der anstehenden Aufgaben. Abgesehen von der großen Verantwortung der Aufgabe auch für die AG. Denn immer noch ist der e.V. der Mehrheitseigner der AG – und das wird sich auch nicht ändern. Darüber hinaus sitzt der e.V.-Präsident automatisch im Aufsichtsrat der AG, was ihm zusätzliches Gewicht verleiht.

So gesehen wäre eine von weiten Teilen der HSV-Vergangenheit unbelastete Persönlichkeit gut, die trotzdem einen hohen Bezug zum HSV besitzt und ein Standing in der Stadt ohnehin. Auch wenn die ganz laute Musik des HSV im Vorstand der AG gespielt wird – das Amt des e.V.-Präsidenten ist ein ganz entscheidendes für die Zukunft des gesamten Vereins.

Zum Ablauf am 25. Januar noch eine Schluss-Bemerkung. Natürlich ist es praktisch möglich, dass einer oder mehrere der vorgeschlagenen Kandidaten für eines der Ämter durchfallen. Was geschieht dann? Bleibt der e.V. führungslos? Das soll und muss natürlich vermieden werden, deswegen würde es so sein, dass noch auf derselben Veranstaltung ein zweiter Kandidat vorgestellt werden würde, über den dann ebenfalls noch an diesem Tag abgestimmt werden soll. Erst wenn der dann auch noch durchfällt – rein theoretisch – wäre eine weitere Vereins-Versammlung fällig.

Wir dürfen gespannt sein, wen der Beirat „ausgräbt“.

Morgen ist Scholle hier wieder am Ball. Das nächste Training der Profis steigt am Dienstag um 10 Uhr.

Lars

17.43 Uhr

Vier Wochen nach dem 25. Mai – jetzt ENDLICH nach vorn gucken!

22. Juni 2014

In den vergangenen Tagen, insbesondere bei der Debatte um die Äußerungen von Klaus-Michael Kühne, waren hier in den Kommentaren heiße Diskussionen entbrannt. Wer ist wofür verantwortlich? Fehlstart von HSV-Plus oder berechtigte Kritik der neuen Macher? Welche Rolle spielen Jarchow und Co. aktuell und behindern sie den Neustart?

 

In ganz großem Maße kommt darüber hinaus immer wieder der Wunsch auf nach Abrechnung mit dem aktuellen Vorstand und Aufsichtsrat. Diese Abrechnung wird hier stark eingefordert, um wirklich einmal Ross und Reiter zu nennen, um mit dem Grundübel aufzuräumen und reinen Tisch zu machen, so dass die Basis gelegt ist und die neuen Leute um Dietmar Beiersdorfer am 1. Juli dann auch offiziell anfangen können.

 

Offensichtlich gibt es ein paar unterschiedliche Wahrnehmungen was die Inhalte des Blogs in den vergangenen Monaten angeht. Man kann es wertfrei auf den vereinfachten Nenner bringen: Wir, die Blogschreiber, sind der Ansicht, die Missstände genannt zu haben und auch die dahinter stehenden Namen; kritische Blog-Kommentierer bestreiten dies und bemängeln zu weichen Umgang mit den Protagonisten. Soweit, mehr oder weniger, der Status Quo.


 

Gerade die momentane Übergangsphase sorgt für Nervosität. Mal abgesehen von den Äußerungen des designierten Aufsichtsrats-Vorsitzenden Karl Gernandt sowie dem Interview von Klaus-Michael Kühne ist wenig an die Öffentlichkeit gedrungen. Dietmar Beiersdorfer beispielsweise hält sich komplett zurück. Ansprechpartner sind nur die alten Macher, in erster Linie der Vereins-Vorsitzende Carl Jarchow und Sportchef Oliver Kreuzer. Von ihnen hören wir, dass sie eng mit Beiersdorfer und Co. in Kontakt sind und alles abgesprochen wird. Aus dem Kühne-Interview ist eine andere Perspektive herauszulesen – demnach kleben die „Alten“ an ihren Sesseln und geben ihre Positionen nicht vorzeitig auf, obwohl sie seit dem 25. Mai faktisch einer aussterbenden Spezies angehören. Wo die Wahrheit genau liegt, enge Absprache oder Dissenz, ist im Moment nicht objektiv zu bewerten.

 

Zurück zum Thema „Abrechnung“. Am Ende haben Carl Jarchow und Oliver Kreuzer die Beinahe-Katastrophe der vergangenen Saison zu verantworten, daran führt kein Weg vorbei. Es ist einfach, sie an den Pranger zu stellen, denn sie haben dafür ja auch eine Menge Angriffsflächen geboten.

 

Aber: Die Probleme des HSV liegen viel tiefer und sind mit der Opferung zweier Verantwortlicher doch nicht behoben. Das wurde in den vergangenen Jahren auf verschiedenen Positionen immer wieder punktuell versucht.

 

Der Aufsichtsrat war schuld. Also folgte auf Udo Bandow dessen Stellvertreter Horst Becker. Die Wirtschaftsweisen kamen in das Gremium, besser wurde es nicht. Irgendwann übernahm Otto Rieckhoff das Amt, dann Alexander Otto, Manfred Ertel, Jens Meier. Die „Supporters“ schienen in der Mehrheit zu sein. Und jeder war auf seine Weise erfolglos in dem Sinn, den Niedergang des Vereins in den vergangenen Jahren nicht verhindert zu haben.

 

Auch die Vorstands-Personalien, die vom Aufsichtsrat angegangen wurden, haben keine Besserung gebracht. Das Ende von Bernd Hoffmann unter großem Tohuwabohu, der regelmäßige Wechsel auf dem Sportchef-Posten. Nach zu langer Phase der Vakanz, die durch das Ende der Ära Beiersdorfer begann, sowie den Herren Siegenthaler, Reinhardt, Sammer, Arnesen und letztlich Oliver Kreuzer, die teilweise im Amt, teilweise nur Kandidaten waren, steht der HSV immer noch nicht besser da.

 

Im Bemühen, den Verfall zu stoppen, wurde immer nur ein Mann entlassen, an dessen Stelle ein anderer kam, der sich dann wie sein Vorgänger aufrieb und verbrauchte. Natürlich waren es auch immer wieder individuelle Entscheidungen und Fehler, die die Arbeit des einen oder anderen kennzeichneten. Als Quintessenz blieb doch immer nur eins: das Scheitern.

 

Ebenso auf der Trainerposition. Stevens, Jol, Labbadia, Moniz, Veh, Oenning, Fink, van Marwijk, Slomka. Das sind die Namen seit 2007. Der jeweilige Neue würde den Laden in den Griff bekommen – diese Hoffnung blieb bis heute ebenso unsterblich wie unerfüllt. Dazu passt die stete Abwärtsentwicklung im Nachwuchs-Bereich in Norderstedt. Die U-Mannschaften des HSV hinken der Konkurrenz hinterher. Viele gute Trainer haben den Verein in den vergangenen Jahren verlassen, weil die übergeordneten Sportchefs sich diesem Bereich entweder nicht richtig widmen wollten oder konnten.

 

Im Sommer 2014 ist der HSV an einem Punkt angelangt, an dem sich endlich eine Erkenntnis durchgesetzt hat, die sich durch die Ausgliederung in eine Fußball-AG dokumentiert. Es muss ein radikaler Kurswechsel des ganzen Schiffs her, nicht nur diese ständige punktuelle Verändern dieser oder jenen misslichen Personalie. Das alte Modell der Flickschusterei, des Übeltäter-Suchens, des Messias-Verpflichtens, ehe man erkennt, dass sich hinter jedem Messias doch wieder ein gescheiterter Fehlerteufel verbarg, sollte zu einem Ende kommen. Es ging und geht HSV-Plus und sicher auch den 86,9 Prozent, die sich für die Ausgliederung ausgesprochen haben, nicht mehr um den nächsten Trainerwechsel, der die Wende zum Guten nach sich ziehen müsste. Es ging ihnen nicht um die Fortsetzung des personellen Austauschs nach altem Muster, sondern um einen grundlegenden Wandel des HSV.

 

Der alte HSV war lahm und schwach geworden. Er hat sich in inneren Kämpfen aufgerieben und produzierte keine Führungskräfte, die die Kraft und Fähigkeit besaßen, alle Lecks zu schließen. Das lag in dem einen Fall an der Schwäche des Einzelnen, im anderen Fall an der Größe des Lecks, dessen Stopfung manch erfahrenen Kapitän vor eine unlösbare Aufgabe gestellt hätte. Gleichsam gaben schwache Vorstände und Aufsichtsräte gern das Alibi an, in DIESEM HSV nicht besser arbeiten zu können und sowieso vorwiegend an den Altlasten zu leiden. Auch diese Haltung wurde zu einem Teil der Abwärtsspirale.

 

Es gibt wohl keinen anderen Bundesliga-Verein, der in den vergangenen Jahren derart viele Angriffsflächen bot und der auch derart heftig angegriffen wurde. Die Schwäche der Handelnden hat gleichsam dafür gesorgt, dass kleinste Störfeuer aus dem Umfeld für einen Schlingerkurs des gesamten Gebildes sorgen konnten. Ich erinnere mich an eine Mitgliederversammlung Anfang 2010. Der Verein hatte gerade mal wieder Schlagseite und zu diesem Zeitpunkt keinen Sportdirektor. Vereins-Boss Bernd Hoffmann war schwer angeschlagen, als plötzlich Bruno Labbadia im CCH ans Rednerpult ging. Labbadia hat dort in einer Grundsatzrede versucht, den Vereins-Vorstand zu stärken. Ein einmaliger Vorgang, soweit ich weiß. Ein Angestellter versucht seinen Vorsitzenden und damit den ganzen HSV auf Kurs zu halten, weil er die Gefahr des Auseinanderdriftens erkennt. So löblich Labbadias Versuch war, so sehr zeigte er auch damals die Schwäche der Verantwortlichen im Vorstand und Aufsichtsrat, die zu einer solchen Rettungsaktion nicht in der Lage waren.

 

Im Frühjahr dieses Jahres hat Bert van Marwijk nach wenigen Monaten im Amt seine Beobachtung in Worte gefasst: „Dieser Verein ist dabei, sich selbst zu zerstören.“ Van Marwijk erhielt für diesen Satz viel Zustimmung – und es steht auf einem anderen Blatt, dass er in seiner eigentlichen Aufgabe, gelinde gesagt, nicht gerade überzeugen konnte. Die Beobachtung jedenfalls, die saß.

 

Die Idee von den Initiatoren von HSV-Plus, allen voran Otto Rieckhoff, aus dem HSV e.V. eine HSV AG zu machen, ist an sich nicht revolutionär. Ein Dutzend anderer Bundesligisten hat vor den Hamburgern seine Struktur geändert, und sich wahlweise als AG oder KG ins Handelsregister eintragen lassen. Dies ist gewissermaßen der äußere Rahmen, der womöglich klug und zeitgemäß ist, der aber vor allem die innere Neuordnung des HSV in die Wege leitet. Ein anderes Denken, keine Klüngelei mehr, Einigkeit in den Zielen – kurz gesagt alles, was der HSV in den vergangenen Jahren in seiner Gesamtheit hat vermissen lassen. Beim HSV hat all das eine ungeheure Öffentlichkeit nach sich gezogen – viel mehr als anderswo. Oder haben die „Tagesthemen“ von der Ausgliederung bei Werder Bremen berichtet? Hat „Die Zeit“ sich Eintracht Frankfurt gewidmet? Beim HSV, so die bundesweite Einschätzung, hat die gesamte Debatte eine ganz andere Dimension – es ging und geht um das Überleben des Dinos.

 

Dahinter verschwanden Bedenken in Detailfragen. Mitglieder-Rechte, die Nutzung der Raute als Marke, einzelne Paragrafen im Übernahme-Vertrag, über die vor kurzer Zeit noch ausgiebig in der Mitgliederversammlung gestritten worden wäre, wurden von der Minderheit zwar angesprochen. Doch das Bedürfnis, und auch die Notwendigkeit, nach einer Veränderung des großen Ganzen war übermächtig.

 

Jeder Einzelne der in der Vergangenheit handelnden Personen wird übrigens Professionalität, das beste Bemühen für den HSV, personelle Verbesserung für sich beanspruchen und als Ziel gesetzt haben wollen – in seiner Gänze hat sich der Verein allerdings immer mehr zerrissen. Fehlentscheidungen summierten sich und zogen sich wie in einer Todesspirale immer weiter abwärts. Somit war aus meiner Sicht fast jeder Verantwortliche des HSV in den vergangenen Jahren gleichfalls Täter, weil natürlich nicht jeder Fehler mit den Strukturen zu entschuldigen ist, und Opfer, weil dieser gesamte Verein einfach kaum steuerbar war.

 

Welche Rolle Ihr Carl Jarchow, Joachim Hilke, Oliver Kreuzer, Oliver Scheel, Jens Meier und all die anderen in diesem Zusammenhang gebt – bitte bildet Euer eigenes Urteil. Sie alle sind hier und anderswo häufig zu Wort gekommen, ebenso wie ihre Kritiker. Die Karten liegen auf dem Tisch. In diesem Sinne waren auch die Aussagen von Klaus-Michael Kühne aus meiner Sicht „too much“. Was soll diese Ungeduld? In zehn Tagen weht ein anderer Wind, und zwar auch nach Kühnes Vorstellungen. Was die Ungeduld angeht, wird Kühne übrigens ziemlich sicher noch die eine oder andere harte Probe bestehen müssen. Geduld ist nämlich mit Sicherheit gefragt, wenn es um den HSV der Zukunft geht. Rom ist nicht an einem Tag erschaffen worden, und die Aufwärtsentwicklung des HSV, die sich alle erhoffen, ganz sicher nicht. Es wird dauern, ehe tragfähige Ergebnisse zu sehen sein werden. Dietmar Beiersdorfers Eigenschaft, für Nachhaltigkeit sorgen zu können, kann dem HSV dabei helfen. Aber mal eben husch-husch im Vorbeigehen wird hier nix besser – es ist ein langer Weg zurück für den HSV.

 

Inzwischen ist eine andere Zeitrechnung angebrochen. Und zwar die von Dietmar Beiersdorfer und Karl Gernandt. Natürlich ist es irritierend, wenn in den ersten Tagen nach der Entscheidung für die AG eine Reihe diskussionswürdiger Statements Gernandts zu lesen sind und sein Chef, Klaus-Michael Kühne, im Abendblatt vom Leder zieht. Beim Trainingsstart am Mittwoch, als die Berichte über die Krankschreibung Calhanoglus sowie das Kühne-Interview in aller Munde waren, habe ich mich mit einem langjährigen HSV-Mitarbeiter unterhalten. Wir waren uns einig, dass wir darauf keine Lust mehr haben. Dass sich die ständigen Störfeuer, die mit Fußball oder einem Aufbruch nichts zu tun haben, ohne Ende nerven. Gerade dies sollte mit dem 25. Mai beendet sein, umso größer die Verwunderung, dass durch genannte Äußerungen der neuen Macher scheinbar die alte Schablone wieder sichtbar wird.

 

Aber in den kommenden Wochen, beginnend mit dem 1. Juli, werden wir klarer sehen was die Intentionen der neuen starken Männer angeht. Die größten Hoffnungen ruhen dabei natürlich auf Beiersdorfer. Es besteht nach wie vor die große Chance, dass er mit den richtigen Weichenstellungen für den Umschwung sorgt. Und die Äußerungen von Gernandt und Kühne könnten, wenn sie auch nicht vergessen werden, in einem anderen Zusammenhang erscheinen und betrachtet werden.

 

Dass Karl Gernandt sich beispielsweise seit knapp zwei Wochen öffentlich aus dem Verkehr zieht, ist ja schon als erste Reaktion auf das Echo seiner Äußerungen zu werten. Doch halt: eine große Kritik bleibt. Trainer Mirko Slomka infrage zu stellen und dies nicht klarzustellen, ist ein Riesenfehler. Slomka geht angeschlagen in die Vorbereitung, und das ist schlecht. Dass der Coach selbst sich dann noch im ersten Interview vor den Kameras schützend hinter Kühne stellt, ähnelt vom Muster her dem Auftritt Bruno Labbadias. Und dieses Muster ist das falsche. Die HSV-Mannschaft ist nach wie vor instabil, sie hat sich ja auch gegenüber der Vorsaison bislang kaum verändert. Insofern benötigt sie dringend einen starken Trainer, der nicht von oben geschwächt werden darf. Es sei denn, man will ihn wirklich kurzfristig austauschen. Überspitzt formuliert ist Slomka bereits jetzt zum Abschuss freigegeben worden.

Zuletzt hat der ehemalige HSV-Präsident Wolfgang Klein heftige Kritik an Klaus-Michael Kühne geübt. Dessen Äußerungen seien Vereins schädigend, so Klein. Sicher gibt es nicht wenige, die Kühne deswegen am liebsten zum Mond schießen würden. Doch es ist heute wir vor dem 25. Mai: Der HSV befindet sich auch in wirtschaftlicher Abhängigkeit von seinem Gönner. So gesehen herrscht eine gewisse Hassliebe zwischen HSV und Kühne – und zwar von beiden Seiten. Auch diese Hassliebe in die richtige Richtung zu lenken, ist eine Aufgabe von Dietmar Beiersdorfer. Und es wird sicher nicht seine einfachste sein.

 

Heute Mittag ist die HSV-Mannschaft Richtung Schleswig-Holstein aufgebrochen. In Bredstedt hat um 17 Uhr ein erstes Testspiel begonnen – zur Halbzeit steht es 9:0. Nachher gibt es eine sportliche Aktualisierung dieses Fußball-Abends an der Küste.

 

Der HSV jedenfalls fährt später weiter nach Glücksburg, wo eine Woche Station gemacht wird.

 

So, und WM-technisch ruhen nachher alle deutschen Hoffnungen auf Klinsi und den USA.

Sportlicher Gruß von Lars
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Erster Test viele Tore. Das ist die Kurzfassung des HSV-Spiels in Bredstedt in Schleswig-Holstein vor 1.500 Zuschauern gegen eine Nordfriesland-Auswahl. Endergebnis: 16:0.
So spielte der HSV in der 1. Halbzeit: Drobny – Diekmeier, Tah, Westermann, Jansen – Kacar, Demirbay, Jiracek – Stieber, Rudnevs, Ilicevic
Und so in der 2. Halbzeit: Brunst – Westermann, Tah, Mancienne, Jiracek – Steinmann, Arslan – Zoua, Cigerci, Derflinger – Rudnevs
Tore: 1:0 Demirbay (4.), 2:0 Kacar (13.), 3:0 Demirbay (18.), 4:0 Demirbay (20.), 5:0 Demirbay (23.), 6:0 Stieber (29.), 7:0 Demirbay (30.), 8:0 Rudnevs (36.), 9:0 Rudnevs (37.), 10:0 Tah (47.), 11:0 Cigerci (66.), 12:0 Rudnevs (70.), 13:0 Zoua (80.), 14:0 Derflinger (84.), 15:0 Steinmann (88.), 16:0 Arslan (90.)
Trainer Mirko Slomka hat vor dem Spiel kurz sein Programm fürs Trainingslager in Glücksburg in der kommenden Woche erläutert. Zwei Einheiten pro Tag stehen an der Förde an, ehe es am kommenden Sonnabend auf der Rückreise zum zweiten Test kommt gegen den ETSV Weiche Flensburg. Was seine einschneidenden Personalien angeht, berichtete Slomka von vergeblichen Versuchen, Hakan Calhanoglu am Telefon zu erreichen. Mutmaßlich, so Slomka, habe Calhanoglu seine Handynummer gewechselt. Außerdem wusste Slomka davon zu berichten, dass Pierre Michel Lasogga einige Mal das Gespräch mit dem HSV-Trainer gesucht habe. Demnach wollte sich Lasogga erkundigen, was los sei mit seinem endgültigen Wechsel zum HSV. Eine Einigung ist bis dato noch nicht zu vermelden, aber einmal mehr dokumentiert die kleine Anekdote, dass es Lasogga offenbar kaum erwarten kann, zum HSV zurückzukehren.
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Bitte den Weg frei machen! Und: Noch keine Entscheidung bei Lasogga

9. Juni 2014

Und schon geht’s wieder los. Eine Woche Urlaub – und der war gefühlt nach anderthalb Tagen schon wieder vorbei. Vor allem, weil ich noch immer nicht abschalten kann. Diese Saison hat so viele kleine und vor allem auch größere Narben hinterlassen, dass die Pflege selbiger noch Wochen, Monate und schlimmstenfalls sogar noch Jahre dauern wird. Vor allem aber kam ich selbst auf Lanzarote nicht umhin, mir jeden Tag die verschiedenen Zeitungen und Online-Medien durchzulesen. Denn dafür ist die aktuelle Phase zu brisant. Gerade jetzt, unmittelbar nach der Wahl von 25. Mai sortiert sich der HSV neu. JETZT ist die Zeit, die für die nächsten Jahre (mit)entscheidend wird. Denn jetzt geht es darum, das Personal zu bestimmen, das diesen heruntergewirtschafteten HSV wieder in erfolgreichere, erfreulichere Gefilde führen muss.

Auch auf der Fanseite. Und es fiel mir wirklich gerade in diesem Beritt sehr schwer (und war nur durch Dieters Veto möglich), mich im Urlaub nicht in Blog-Form zu Wort zu melden, als ich las, dass die SC-Führung überlegt, sich aufzulösen.


 

Auflösen?? Bitte?? Wer ist denn der SC, wer darf etwas so weitreichendes entscheiden?

In den letzten Jahren bin ich von den führenden Supporters immer wieder dafür sensibilisiert worden, bei Pyro-Aktionen oder sonstigen Verfehlungen von HSV-Fans nicht pauschal vom SC zu sprechen. Es seien ja nur einige wenige und die seien sicher nicht stellvertretend für den gesamten Supporters Club. Und das habe ich genauso gesehen, das stimmte sicherlich auch. Warum aber die gleichen Leute heute meinen, sie seien stellvertretend für den SC und könnten anfangen, eine Schließung des SC zu diskutieren – das erschließt sich mir nicht, um es mal ganz, ganz lieb zu formulieren.

Nein. Der Supporters Club an sich ist eine gute Institution – er wurde in den letzten Jahren schlichtweg immer weiter an seinen Mitgliedern vorbei geführt. Bis er selbige verloren hatte. „Dieser SC ist eine Allegorie auf das gesamte Miteinander beim HSV, eine Allegorie auf das größte Dilemma des HSV“, formuliert es Axel Formeseyn, der sich zuletzt immer wieder darum bemüht hatte, zwischen den Fronten der „HSVPLusser“ und der aus etlichen Supporters bestehenden Opposition zu vermitteln. Das allerdings noch erfolglos, wie er selbst findet. „Ich kann verstehen, dass viele der Gründungsmitglieder des SC aus 1993 heute sagen, sie können und wollen den Supporters Club so nicht guten Gewissens führen. Sie wollen nicht nur noch Konsument sein. Und das will ich auch nicht. Aber ich will wieder mal einfach nur Fan sein. Ich will als Supporter nicht automatisch ein Fan-Politiker sein und würde mir sehr wünschen, dass der SC eine vernünftige Übergabe hinbekommt. Denn dieser Verein braucht eine gute Fan-Organisation mehr denn je. Auch, wenn es sicherlich nicht falsch sein muss, dem Kind einen neuen Namen zu geben.“

Zumal die Chancen definitiv nicht so schlecht stehen, wie es die niederschmetternde Wahl am 25. Mai auszusagen scheint. Gerade, weil mit Dietmar Beiersdorfer ein Vorstandsvorsitzender inthronisiert werden soll (und wird), der für beide Seiten unverdächtig ist. Schon bei seinem ersten Amtsantritt 2004 hatte sich der damalige Vorstand Sport immer wieder intensiv mit den Supporters (damals auch mit Formeseyn) ausgetauscht und ihren Wünschen im Vorstand zu Gehör verholfen. „Didi Beiersdorfer, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen, interessiert sich für die Fans, für die Mitglieder des HSV. Er will eine gemeinsame Philosophie aller HSVer im Verein, auch in der Rechtsform einer AG, weil er ein gutes Gespür für die Bedürfnisse innerhalb des Klubs hat. Deshalb ist dieser Neustart seine – aber eben auch unsere Kardinalsaufgabe. Eine Vereinsphilosophie funktioniert nicht ohne Fans. Aber auch innerhalb der Fangruppierungen darf ich nicht so tun, als sei der so genannte inner circle entscheidend. Und das wurde in den letzten Jahren einfach zu oft falsch gemacht“, so Formeseyn.

Stimmt!

Und genau das ist es, was ich meinte, als ich HSVPlus als alternativlos bezeichnet hatte. Ich nenne es mal „Die Opposition“, weil nicht alle Gegner von HSVPlus Supporters waren und sind, aber gerade die Opposition hätte im Sommer 2013 die Zeichen der Zeit erkennen müssen. Damals stand Otto Rieckhoff auf und formulierte den Gedanken, dass sich alles ändern müsse – und erntete massiven Applaus. Gleiches im Januar mit dem ersten Wahlsieg für HSVPlus. Formeseyn fragte im Sommer 2013 übrigens sogar einen führenden Aufsichtsrat in einem persönlichen Brief, ob ein Rücktritt nicht sinnvoll sei, wenn er sich dem Wunsch der Mehrheit entgegenstellen wolle. Formeseyn wollte so zusätzlichen Schaden vom SC abzuwenden. Erfolglos. „Damals auf der MV war durch die Reaktion der anwesenden Mitglieder schon erkennbar, dass sich auch der SC verändern muss. Dass ein Konzept her musste, wie es besser wird. Und anstatt sich hinzustellen und zu schreien, dass sich mit Rieckhoff ausgerechnet derjenige meldete, der den Karren als Aufsichtsratsboss selbst in den Dreck gefahren habe, hätte man auf seine Leute zugehen müssen. Man hätte eingestehen müssen, dass man in zu vielen Bereichen an der eigenen Masse vorbeiagiert.“

Leider blieb Formeseyn hier erfolglos.

Und so ist Formeseyn plötzlich ein ganz wichtiger Faktor auf dem Erfolgsweg von HSVPlus geworden. Nicht, weil er bedingungslos hinter dem Konzept steht oder die Art der Neuen huldigen will. Im Gegenteil: „Die offensiven Ansagen von Herrn Gernandt lange vor seinem Amtsantritt bestätigen leider Kritiker.“ Nein, Formeseyn geht es um den HSV, wie er betont. Es sei wünschenswert, wenn sich alle Verantwortlichen eine Zeitlang verbal zurückhielten und stattdessen Taten sprechen lassen würden. Er äußert sich auch nur, weil er die Mitte zwischen zwei Radikalen suche und sich der SC weiter selbst bombardieren würde.

Denn weiterhin würde weniger mit eigenen Inhalten denn mit Kritik am gegnerischen Modell agiert. Anstatt das klare Votum der Mitglieder zu erkennen und zurückzutreten, schwangen sich Ertel und andere SC-Führende wie Christian Reichert sogar zu großen Reden auf. „Es wären niemals 75 Prozent im Januar geworden, wenn es vorher einige Rücktritte gegeben und das Signal ausgesendet worden wäre, dass man aufeinander zugehen wollen würde. Es fehlte das Zeichen, dass man seine Leute versteht. Dabei war der Sommer 2013 die perfekte Vorlage und die Supporters hatten alle Trümpfe in der Hand. Aber: Stattdessen wurde Misstrauen propagiert und weniger mit eigenen Inhalten geglänzt. Und: Bei 60000 von insgesamt 70000 Mitgliedern in den eigenen Reihen nicht einmal 25 Prozent für sich und seine Überzeugung gewinnen zu können ist ebenso armselig wie ein klares Zeichen, dass hier nicht HSVPlus gewählt, sondern Verantwortungsträger abgewählt wurden.“

Stimmt. Eigentlich könnte ich an dieser Stelle einen Punkt machen. Aber das kann es nicht sein. Denn dieser SC verfügt weiterhin über das Potenzial der Mitte. Vielleicht nicht bei den Biebersteins, Ertels und Reicherts. Vielleicht nicht in der SC-Führung. Aber dafür sollten andere nachrücken und das fortführen, was den SC so wichtig macht. Denn eines ist mal ganz klar: die Fans sind und bleiben das größte Kapital des HSV. Das wissen alle. Auch die Damen und Herren von HSVPlus…

Apropos Wissen, in dieser Hinsicht hat auch ein so erfolgreicher Geschäftsmann wie Karl Gernandt in den letzten Tagen und Wochen dazugelernt. Nachdem er im Zuge des Wahlkampfes den Namen Dietmar Beiersdorfer sehr offensiv angekündigt hatte, bekommt er jetzt die Reaktion der Russen zu spüren, die sich noch immer zieren, den Auflösungsvertrag final zu unterschreiben. Aktuell weilt Beiersdorfer in Russland, führt dort die Gespräche mit seinem Noch-Arbeitsgeber. Und die Tatsache, dass russische Medien die Aussagen Gernandts aufgegriffen haben und sie so interpretiert haben, dass eine Einigung zwischen dem HSV und dem neuen Aufsichtsrat bereits besteht, erleichtert es dem designierten neuen Vorstandsboss in St. Petersburg nicht unbedingt. Dennoch, nur um hier Missverständnissen vorzubeugen: Ich zweifle nicht daran, dass Beiersdorfer kommt. Ich glaube nur, man hätte es sich deutlich leichter machen können, wenn man etwas vorsichtiger bei der Wortwahl geblieben wäre.

Aber, und auch da bin ich mir sicher, Karl Gernandt wird diesen Fehler, der zu Teilen wohl auch bewusst gemacht wurde, weil er wahlkampffördernd war, nicht wiederholen. Und damit hat er vielen Aktuellen HSVern ganz offensichtlich und hör- sowie lesbar schon einiges voraus…

Den Blick voraus gerichtet, sollte am morgigen Dienstag eine Entscheidung in Sachen Pierre Michel Lasogga fallen. Darauf angesprochen, reagierte Sportchef Oliver Kreuzer verwundert. „Ich glaube nicht, dass der Dienstag alles entscheiden wird. Es ist vielmehr ein laufender Prozess. Ich bin ständig im Austausch mit Pierre und seiner Mutter“, so Kreuzer, der weiterhin Hoffnung hat, den Publikumsliebling in Hamburg zu halten. „Pierre kommt es nicht allein aufs Geld an, er schätzt Werte sehr hoch. Und auch wenn es sicherlich schwer wird für uns, gebe ich die Hoffnung nicht auf, solange er uns nicht absagt und woanders unterschrieben hat. Pierre weiß schon sehr genau, was er an Hamburg hat.“ Zudem hegt auch Kreuzer große Hoffnungen, dass auch Lasogga die Strukturreform als Argument für einen Verbleib ansieht. Lasogga sprach vergangene Woche mit Beiersdorfer, Kreuzer tauscht sich schon seit längerer Zeit mit seinem künftigen Vorgesetzten aus. Er informiert Beiersdorfer über alles, was in Sachen Kaderplanung passiert. „Wir kommen weiter“, widerspricht Kreuzer der Meldung, ihm sei ein Transferstopp auferlegt worden, obgleich es in Sachen Matthias Ostrzolek noch keine Annäherung mit dem FC Augsburg gibt.

Und ganz ehrlich, solange es den Austausch zwischen dem aktuellen Sportchef und seinen designierten Vorgesetzten gibt, habe ich kaum bis keine Bedenken. Denn sowas wie bei Stieber darf nicht mehr vorkommen. In doppelter Hinsicht. Zum einen muss die Kaderplanung, schon um massive Spannungen mit dem neuen Vorstand zu vermeiden, mit den neuen Verantwortungsträgern abgestimmt werden. Zum anderen darf aber der neue Verantwortliche – schon gar kein Aufsichtsrat – nicht anfangen, irgendeinen Kaderspieler schlechtzureden. Nie. Oder besser noch: nie mehr. Warum auch? Denn wie viel totes Kapital man riskiert, wenn man unter Vertrag stehende Spieler kleinredet, das hat der HSV in den letzten Jahren mit Rajkovic, Tesche, Kacar usw. schmerzlich erfahren…

Fazit: Es geht darum, die großen Chancen im Neuanfang zu sehen und gemeinsam zu nutzen. Wobei die Betonung auf gemeinsam liegt. Und das auf allen Ebenen. Und bitte, wer da nicht mitmachen kann oder will – der soll doch bitte endlich und einfach den Weg freimachen. Im Sinne des HSV.

Bis morgen.
Scholle

The same procedure… **Aktualisiert**

28. Mai 2014

***Am Textende aktualisiert***

Heute ist ein toter Tag. Nichts los. Sagt man mir. Ok, Rafael van der Vaart fällt aus, kann die WM nicht spielen. Anhaltende Wadenprobleme sind Schuld daran, dass der HSV-Kapitän seine wahrscheinlich letzte WM-Chance auf eine WM nicht wahrnehmen können wird. Es sei das schlechteste halbe Jahr seiner Karriere ließ van der Vaart wenig überraschend verlauten – und ich hoffe, dass das so bleibt. Zumindest für den Fall, dass der Mittelfeldmann beim HSV bleibt. Und davon muss man hier trotz immer wieder auftauchender Türkei- und Ajax-Gerüchte noch ausgehen. „Rafa ist bei uns unter Vertrag und wir haben nichts anderes gehört, als dass er hier bleibt. Der Trainer plant mit ihm“, hatte Kreuzer noch vor einigen Tagen gesagt. Und daran hat sich nichts geändert. Ebenso wenig geändert wie an der Situation um Dietmar Beiersdorfer, auf dessen Inthronisation in Hamburg gewartet wird.

Momentan sind es mal ganz irdische Hindernisse, die überwunden werden müssen. Urlaub zum Beispiel. „Einige Beteiligte sind derzeit in ihrem wohl verdienten Urlaub“, sagt der designierte Aufsichtsratsboss Karl Gernandt, für den der Stress jetzt erst so richtig beginnt. Obgleich er noch nicht im Amt ist. „Die Zusammenarbeit mit dem alten Aufsichtsrat funktioniert aber sehr gut“, lobt der Kühne-Attaché seine Vorgänger. Am Montag wird es ein weiteres Treffen mit Noch-AR-Boss Jens Meier geben, der ja bereits angekündigt hatte, dem aktiven Handeln der Neuen nicht im Wege stehen zu wollen. Auch nicht in Sachen Beiersdorfer.


Hier hatte sich Karl Gernandt sehr weit vorgewagt. Und es deutet auch – damit hier kein falscher Zungenschlag aufkommt – alles darauf hin, dass Beiersdorfer der neue starke Mann wird. „Wenn Herr Gernandt eine Personalie kommentiert, wird er sich vorher komplett abgesichert haben, dass dem auch so ist“, hatte HSVPlus-Initiator Otto Rieckhoff zuletzt die Vertrauenswürdigkeit Gernandts unterstrichen. Muss er auch nicht. „Wir werden erst dann wieder etwas verkünden, wenn etwas unterschrieben und beschlossen ist. Wir werden aus dem Schatte der Erwartungen aber definitiv hervortreten“, sagt Gernandt.

Das gilt auch für den sportlichen Bereich. Dort wurde Zoltan Stieber verpflichtet, ein weiterer soll kommen. Für Matthias Ostrzolek hat der HSV beim FC Augsburg inzwischen ein Angebot abgegeben. Zwei Millionen Euro wäre der HSV bereit, zu zahlen. Der FCA, der mit Hahn (Gladbach) und Voigt (1. FC Köln) schon zwei Leistungsträger verloren hat, ist indes nicht bereit, den Linksverteidiger unter drei Millionen Euro abzugeben. Obgleich meine Kollegen hier von 2,5 Millionen gesprochen hatten. Aber der Ablösepoker läuft. FCA-Manager Stefan Reuter und Kreuzer stehen aktuell in Telefonkontakt. Und – gestern geschrieben – es ist wenig anders als bei Calhanoglu. Nur mit veränderten Rollen. Diesmal will der HSV einen Spieler, der bei seinem Verein auf Wechsel pocht – und der abgebende Verein sperrt sich. „Ich werde mich zu unentschiedenen Personalien schon aus Respekt den anderen Beteiligten gegenüber nicht äußern“, sagt Oliver Kreuzer. Und das ist auch richtig so. Obgleich sich der HSV mit Ostrzolek – respektive Kreuzer mit dem Spieler und dessen Berater Thomas Strunz – einig ist und der Spieler das auch dem Verein mitgeteilt hat.

Ihr seht – the same procedure as everywhere…

Kein Thema ist übrigens momentan Guy Demel, der sich selbst ins Spiel gebracht hatte. Ebenso wenig ist Mame Diouf ein Kandidat auf den Stürmerposten. Für mich kein Thema ist das, was sich mir nach meiner Kritik an dem ehemaligen HSV-Aufsichtsratsposten ergeben hat. Da stehe ich drüber….

In diesem Sinne, heute mal kurz gefasst. Gestattet mir diese Ausnahme nach den vergangenen anstrengenden Wochen ausnahmsweise, denn mehr will ich heute nicht. Oder besser: Mehr gab es heute nicht. Morgen geht es in die Analyse. Beginnend mit der ganz oberen Etage – sofern wir nicht unerwartet von der Aktualität überrollt werden…

Bis dahin,
Scholle

*Aktualisierung:* Weil ich es gefragt werde: Samaras ist beim HSV KEIN Thema und bislang gibt es auch keine Proteste gegen die Wahl. Wie auch, ohne sich lächerlich zu machen bei einer derartigen Deutlichkeit. Dafür wechselt Alexander Brunst-Zöllner in den Profikader. Der 18-Jährige ist bereits seit seiner Zeit in der U14 beim HSV. Der aus Neumünster stammende Keeper soll die Nachfolge von Sven Neuhaus antreten, der seine Profi-Karriere im Alter von 36 Jahren beenden wird. Daher auf diesem Weg noch einmal zu einem der zweifellos sympathischeren Gäste von Matz ab live: Herzlichen Dank, Sven! Und alles, alles Gute im neuen Job!!

Beiersdorfer soll der neue starke Mann werden

20. Mai 2014

Tag zwei nach dem Klassenerhalt – und die Ungewissheit beim HSV hält an. Bei mir ist sie recht einseitig inzwischen, das gebe ich gern zu. Aber es gibt sie halt noch. Denn unabhängig davon, wie viele Leute am Sonntag für HSVPlus stimmen sollten, scheint ein Ende der Diskussionen um neue Strukturen noch lange nicht in Sicht. Am Montag hatte sich die „Allianz“ darum bemüht, auf Gefahren von HSVPlus hinzuweisen. Mit prominenten Unterstützern wie Eugen Block und Manfred Kaltz – und einer gehörigen Portion Populismus im Gepäck.

Heute, also am heutigen Dienstag, war nun HSVPlus an der Reihe. Initiator Ernst Otto Rieckhoff eröffnete die Pressekonferenz in den Räumlichkeiten, in denen die Bewegung am 3. September 2013 aus der Taufe gehoben worden war. Und es wurde eine Veranstaltung, die letztlich nur noch wenige Fragen offen ließ. Aber vor allem wurde es eine klare Kampfansage in Richtung Allianz, der man eben jenen Populismus gepaart mit falschen Behauptungen unterstellte – und teilweise auch nachwies. Allerdings werde ich mich hier jetzt nicht über die Scharmützel der zwei Lager einlassen, sondern mich auf die Kernpunkte der heutigen PK beschränken, die s ebenfalls in sich hatten.

Pressekonferenz der Initiative HSVPlus


Denn nach langem Spekulieren ließ der von den sechs vorgesehenen neuen Aufsichtsräten zum Vorsitzenden bestimmte Karl Gernandt verlauten, dass es im neuen Konstrukt von HSVPlus nur noch zwei Vorstände geben würde. „Einen Sport- und einen Finanzfachmann“, so Gernandt, der auf die Frage nach Marketingvorstand Joachim Hilke für diesen Posten nachschob: „Eher kein Marketingmann, sondern einer für die Finanzen.“ Soll heißen, für Hilke könnte ebenso wie Carl Jarchow, Oliver Scheel und Sportchef Oliver Kreuzer ab Montag nicht mehr zum Vorstand gehören.

Wobei das mit dem Montag so eine Sache ist. Eine sehr komplizierte, unvorhersehbare Sache, wie ich finde. Denn nominell würde das Konzept HSVPlus erst ab dem 1. Juli greifen, also auch das neue Personale erst im Juli seine Ämter einnehmen. „Ich gehe aber in einer Hansestadt davon aus, dass mit Anstand gearbeitet wird und die Amtsträger, so sie denn von der Mitgliedschaft abgewählt werden, auch abtreten“, sagt Gernandt, der nachschiebt: „Der Verlierer verliert mit Anstand – und verlässt anschließend das Schiff.“

Nun denn, ein frommer Wunsch, da ich weiß, dass keiner der Vorstände eingeplant hat, im Falle einer Abwahl abzutreten. Und im Aufsichtsrat sitzen die Gegner von HSV, von denen sogar angekündigt worden sein soll, im Falle einer Niederlage Protest gegen die Wahl einzulegen. Rechtlich scheint es da Ansatzpunkte zu geben, moralisch aber wäre das eine verheerende Situation für den HSV, der weiter und vielleicht sogar noch schlimmer handlungsunfähig würde. Zumal die 50 eingereichten Anträge die Veranstaltung unnötig in die Länge ziehen und am Ende zu einem verzerrten Abstimmungsergebnis führen könnten. Auch Gernandt sind die taktischen Geplänkel bewusst. Und deshalb warnt er: „Wir würden am liebsten sehen, dass die Abstimmung über das, was dem verein seit einem Jahr unter den Fingern brennt, am Anfang stattfindet.“ Daher setze er auf die Verhandlungsführung, die (irgendwie auch nicht so) überraschend nicht mehr von Dr. Peters sondern von dem thematisch behafteten aktuellen Aufsichtsratsboss Jens Meier übernommen wird. „Es wäre eine Riesenschweinerei in der Verhandlungstaktik, wenn hier Anträge zur Verschleppung der Veranstaltung genutzt werden.“ Ebenso wie eine mögliche rechtliche Anfechtung im Falle eines HSVPlus-Sieges Es ist für einen Verein, für den es bereits fünf nach zwölf ist, sicher das genaue Gegenteil von dem, was er jetzt braucht. Das wäre öffentlicher Selbstmord.“


Worin ich Gernandt zu 100 Prozent zustimme. Denn Fakt ist, dass sich der HSV ohne Bürgschaft von Klaus Michael Kühne schon jetzt gefährlich nah am Rande der Insolvenz bewegt hätte. Fakt ist auch, dass außer Speditionsmilliardär Kühne und überraschenderweise HSV-Sponsor Adidas niemand beim HSV das Angebot einer Bürgschaft eingereicht hat. Also auch kein Jürgen Hunke, obgleich dieser das medienwirksam in Aussicht gestellt hatte. Fakt ist auch, dass der HSV zu den zehn Millionen, für die Kühne bürgt, noch etliche Millionen braucht, um die Kaderzusammenstellung überhaupt erst so gestalten zu können, dass man nicht sofort wieder in Abstiegsnöte gerät. „Es ist nicht genau zu beziffern, aber es ist eindeutig, dass wir sparen müssen“, sagt Kreuzer. Zum einen, um die Lizenz nicht zu gefährden, zum anderen, „um Gelder frei zu bekommen für neue Spieler“.

Die Theorie von Manfred Kaltz gestern, das Geld würde beim Erfolg automatisch kommen, ist ebenso logisch wie falsch im Moment. Das Wunschdenken vieler Traditionalisten und solcher, die es gerade geworden sind, ist sogar naiv. Denn wenn uns die abgelaufene Saison etwas gezeigt hat, dann, dass der HSV seine Basis erneuern muss. Außerhalb – aber ganz sicher auch auf dem Platz. In der Mannschaft mangelt es massiv an Qualität und Führungsspielern – nein: Es ist schlichtweg keiner vorhanden. Nun kann man sagen „Dann müssen die Verantwortlichen eben nach ablösefreien Spielern suchen“. Aber reicht das? Zum jetzigen Zeitpunkt sind die besten Spieler längst von anderen Klubs unter Vertrag genommen, es ist lediglich noch ein zweifelhafter Restposten auf dem Markt. Ergo: Wenn man tatsächlich qualitativ zulegen will, muss man mit Ablösesummen rechnen. Und dafür ist, Stand jetzt, noch lange nichts vorhanden. Im Gegenteil, erst einmal muss eingespart werden. Und, noch wichtiger: Dafür bleibt keine Zeit.

Der mal wieder vorgeschlagene „Runde Tisch“ als Mittel zu einer Einigung der streitenden Parteien ist nicht einmal mehr als nett zu bezeichnen – er ist schlichtweg eine Verarschung der Mitglieder. Auf der einen Seite zu sagen, man kämpfe „bis zum letzten Atemzug“ gegen HSVPlus und auf der anderen Seite plötzlich die Ausgliederung zu befürworten, den Rest aber abzulehnen, das ist nicht mehr als ein taktisches Geplänkel, wie es stark an all das erinnert, was den Verein in den letzten Jahren hat niedergehen lassen. Es ist nicht mehr als der Versuch einzelner, ihre persönlichen Interessen – anders getarnt – durchzusetzen. Egal, ob es dem verein erst einmal schadet oder nicht. Denn damit wird, das wissen alle, kostbare Zeit vergeudet, die dieser HSV schlichtweg nicht hat. Wann bitte soll die Struktur derart verändert werden, dass sich Sponsoren und/oder Strategische Partner wieder angesprochen fühlen? Wann bitte wissen die Geldgeber überhaupt, wer ihr Ansprechpartner ist?

Dieser HSV reibt sich mal wieder darin auf, dass Eitelkeiten bedient werden. ES scheint immer noch zu viele Leute zu geben, die nicht einmal dann merken, was sie angerichtet haben, wenn es eigentlich schon zu spät ist. Populistische Veranstaltungen wie Pressekonferenzen werden zumeist dafür genutzt, Ängste zu schüren und den Wähler des jeweils anderen Konzeptes zu verunsichern und umzustimmen. Die einen sprechen von unwiderruflichen, später schmerzhaften Verkäufen des Vereinstafelsilbers. Die anderen wiederlegen diese Ängste und bieten zumindest einen Lösungsweg an. Mit einem neuen Gesicht an vorderster Front: Dietmar Beiersdorfer.

Der für den Aufsichtsratsvorsitz vorgesehene Gernandt ließ heute keinen Zweifel daran, dass der Sportchef besserer Tage die neue Führungsfigur des HSV werden soll. Ein integrativer Typ, gegen den sich nicht einmal die Allianz ehren würde, wie ich gehört habe. Wie weit die Verhandlungen mit dem immerhin noch bis 2015 bei Zenit St. Petersburg unter Vertrag stehenden Beiersdorfer sind? „Es sieht gut aus“, so Gernandt, „er ist der einzige deutsche Fußballmanager, der international Anerkennung genießt. Davon haben wir nicht so viele, außer Didi Beiersdorfer. Es wäre fast fatal, wenn wir uns nicht mit ihm zusammensetzen würden, um zu hören, was er für Vorstellungen hat.“ Klar ist zwar, dass Beiersdorfer selbst sich aus Loyalität nicht zu einem neuen Job äußern will – aber ebenso klar ist, dass Gernandt Beiersdorfer nach Hamburg holen will. Schnell. Und das ist gut. „Didi Beiersdorfer genießt eine Hochachtung in unserer Gruppe“, fasst Gernandt die Stimmung der potenziell neuen Aufsichtsräte (Gernandt, Becker, Bönte, Nogly, von Heesen, Goedhart), „und ich wäre nicht ganz überrascht, wenn aus so einer Freundschaft auch ein personelles Umfeld werden kann. Dietmar Beisrdorfer steht ganz oben auf unserer Liste.“

Als „Carte blanche“ bezeichnete ein gut aufgelegter, kampfes- und unternehmungslustiger Gernandt den Verein, den er als „das Armenhaus der Nation“ bezeichnet. Denn bis heute hat der HSV für die neue Saison noch miesere Aussichten als in der Vorsaison. Die besten Spieler gehen (Lasogga) oder wollen weg (Calhanoglu) und es kommt wenig (Skjelbred, Rudnevs) dazu. Soll heißen: Aktuell ist der Kader schwächer als in der Vorsaison. Geld für neue Spieler fehlt. Und wo das enden könnte, muss ich nach der gerade erst abgelaufenen schlechtesten Saison der Vereinsgeschichte nicht erklären.

Daher gehe ich noch weiter: Wer jetzt nicht konzeptionell Gelder versprechen kann, kann nicht sofort helfen und gefährdet damit, die wahre „Seele des HSV“ zu verscherbeln: Den Erstligafußball. HSVPlus bietet die Möglichkeit, sofort und auf Sicht Gelder für den verein zu besorgen, ohne einen Verkauf von Anteilen als „zwingend“ zu bezeichnen. Und ausgerechnet die, die es fast geschafft hätten, dass der HSV das erste mal in der Vereinsgeschichte nicht in der ersten Bundesliga spielt, gerade wollen sich jetzt einer zweifellosen Mehrheit in den Weg stellen?

Einfach mal darüber nachdenken, liebe Leute.

Und dann wählen gehen. Viele Möglichkeiten hat dieser HSV nicht. Das haben die letzten Monate und Jahre ebenso deutlich gemacht, wie die letzten zwei Tage.

Bis morgen,
Scholle

P.S.: Weil ich es gefragt wurde: Die große Fehleranalyse beginnt in der kommenden Woche, da diese Tage noch zu sehr von der bevorstehenden Mitgliederversammlung geprägt sind. Noch werden wir von der Aktualität überholt. Ab kommender Woche werden wir dann den HSV 2013/2014 in einer tagelangen Serie sezieren und analysieren.

Tag eins nach dem Klassenerhalt: Mächtig was los im Volkspark! *** HSVPlus-Pressekonferenz im Video***

19. Mai 2014

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Pressekonferenz der Initiative HSVPlus


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Der Tag nach dem Klassenerhalt – es ist für mich eigentlich ein richtig schöner Tag, da ich jetzt erst so richtig anfange zu realisieren, welch Kelch da an uns vorbeigeschummelt wurde. Dafür reichte ein Blick in die Augen der Verantwortlichen, die wie ich erst heute zugegeben haben, dass auch sie zwischenzeitlich massive Zweifel am Klassenerhalt hatten. Dass ich es nicht zugegeben habe – logisch, oder? Das war Zweckoptimismus in Reinkultur – eben so, wie ihn Slomka in Perfektion vorgelebt hat. Und am Ende hat es seinen Zweck ja erfüllt.


Egal wie, die schonungslose Analyse der Fehler beginnt heute. Beim HSV ganz sicher, dafür haben sich Slomka und Kreuzer schon für heute verabredet. Und auch im Blog sollte es heute losgehen – dachte ich zumindest bis Hakan Calhanoglu den Mund aufmachte. „Ich würde mich freuen, wenn der Verein mir meinen Wunsch erfüllt“, so der Mittelfeldmann, der anschließend auf Nachfrage etwas genauer wurde: „Mein Wunsch steht fest. Und mein Berater hat ihn formuliert.“ Also Leverkusen? „Ja“, so Calhanoglu, der seinen Vertrag Anfang des Jahres noch bis 2018 vorzeitig verlängert hatte.

Warum dieser schnelle Sinneswandel? Geld. Und angeblich sportliche Perspektive. Es ist nicht mehr und nicht weniger als das immer üblicher werdende Verhalten immer mächtiger werdender Spieler und deren Berater – gerade dann, wenn ein verein in derartige Schieflage geraten ist wie der HSV. Dass Bayer anfängt, hier einen halbtoten HSV bereits zu fleddern – für Außenstehende mag das unmoralisch wirken. Im Bundesligageschäft heißt das dann „professionell“. Zumindest aus Sicht der Leverkusener. Die Werksklubverantwortlichen hoffen auf ein Schnäppchen, was nur jetzt noch machbar ist, wo Calhanoglu erst angedeutet hat, wozu er fähig sein könnte. Dass er – so sehe ich das sicher nicht allein – aus dem Spiel heraus noch nicht annähernd die Dominanz hat um sich jetzt schon in der Champions League zu wähnen – egal. Dass er davon träumt („Jeder Spieler möchte gern Champions League spielen und das haben wir mit dem HSV nicht geschafft“) ist legitim. Aber den „nächsten Schritt“, wie Calhanoglu hofft, kann er auch in Hamburg machen, wo er schier unantastbarer Stammspieler ist und wohl auch bleiben würde.

Am Ende, unmittelbar vor seiner Abfahrt Richtung türkische Nationalelf, sagte Calhanoglu dann auch: „Wenn der HSV mich nicht gehen lässt, bleibe ich hier.“ Klar, dafür gibt es ja einen bis 2018 gültigen Vertrag. Und Calhanoglu betonte zuletzt immer wieder, sich beim HSV richtig wohl zu fühlen. Sollte er bleiben, hoffe er sogar darauf, „nächste Saison um die Europa League zu spielen“.

Die Frage ist nur, ob der HSV dazu überhaupt im Stande ist. Nach jetzigem Stand würde ich das nicht nur bezweifeln, ich würde es sogar ausschließen. Solange es eine Restchance gibt, dass sich strukturell und dementsprechend vor allem auch personell nichts verändert, ist dieser Klub weiter auf dem Sinkflug – obgleich die Bruchlandung gerade noch gelungen schien, droht neues Ungemach. Auch Pierre-Michel Lasogga wollte (und konnte) sich heute noch nicht dazu äußern, ob er denn bleibt. „Wenn Pierre uns signalisiert, dass er bleiben möchte, bin ich sicher, dass wir eine Chance haben, ihn auch zu halten“, hatte Kreuzer auf der Pressekonferenz (siehe Video) gesagt, und somit dem Angreifer den Ball des Handelns zugespielt. Der allerdings nahm den Steilpass nicht auf. „Ich werde jetzt erst einmal alles verarbeiten und anschließend in Ruhe eine Entscheidung treffen“, sagte Lasogga unmittelbar vor seiner Abfahrt vom Stadion. Ob es sein letzter Tag beim HSV sei? „Jetzt erst einmal ja“, scherzte der Angreifer, dem aus der Bundesliga Angebote vorliegen, den sein Noch-Arbeitgeber Hertha BSC wieder zurückhaben will und der auch auf der Insel Interesse geweckt hat. Und insbesondere Letzteres scheint Lasogga zu interessieren. „Ich habe immer schon, seit ich ein kleines Kind bin, gesagt, dass ich gern einmal in der Premier League spielen will.“ Dass er mit seiner körperbetonten, kampfstarken Art in die zudem finanziell potente und sportlich hochkarätige Premier League passt – es spricht vieles für einen Wechsel des HSV-Retters nach England. Leider.

Und wie so oft zuletzt komprimieren sich bei mir mal wieder alle Hoffnungen auf den kommenden Sonntag. Leider muss ich sagen. Denn wenn auch nur die Hälfte dessen stimmt, was im Vorfeld kolportiert wird, wird es bitter. Denn, so habe ich mir von vielen Seiten inzwischen bestätigen lassen, egal wie viele Mitglieder am Sonntag HSVPlus wählen, sobald HSVPlus gewählt ist, wird die Gegenseite die Wahl anfechten. Und das kann letztlich auf rechtlicher Ebene lange dauern – und dem HSV mächtig schaden. Denn eines ist klar, dieser HSV hängt seiner Zeit hinterher. Strukturell – aber vor allem personell. Und zwar auf allen Ebenen. „Wir haben schon viel Zeit verloren und müssen jetzt mächtig Gas geben, um eine Mannschaft zu formen, die ein komplett anderes Gesicht zeigt als in dieser Saison“, sagt Sportchef Oliver Kreuzer, der sich zwar optimistisch gibt aber selbst noch nicht weiß, ob er nach Montag überhaupt noch als Sportchef eingeplant ist. Ihr seht, es hakt an allen Ecken. Während die zwei Spieler der Saison, Calhanoglu und Lasogga wegzubrechen drohen, ist noch kein Neuer da.

Trotzdem, wenn ich gefragt werde, sage ich immer, der HSV sei bei allem Dusel NICHT zu Unrecht in der Klasse geblieben – sofern er jetzt die richtigen Schlüsse zieht. Heute war die erste große Gelegenheit, damit anzufangen. Allerdings ruft Tag eins nach dem Klassenerhalt bei mir gleich erste Zweifel hervor, ob alle Verantwortlichen erkannt haben, worum es hier geht und wie knapp der HSV am größten anzunehmenden Unfall vorbeigeschrammt ist. Aber lest selbst, was Dieter zu berichten weiß:


Während im Volkspark über die sportliche Zukunft – und rückblickend über diese Saison – gesprochen wurde, fand zeitgleich im Hotel Grand Elysee eine Pressekonferenz der besonderen Art statt. Jürgen Hunke und Co stellten dabei unter dem Namen „HSV Allianz“ ein neues Konzept vor. Noch einmal ein neues Konzept, obwohl am Sonntag, bei der mit riesiger Spannung erwarteten Mitgliederversammlung in der Arena, nur über „HSVPlus“ abgestimmt werden soll. Überrascht hat dabei nicht das Konzept, überrascht haben dabei ganz besonders zwei Herren, die mit auf dem Podium saßen: Elysee-Hausherr Eugen Block und der Rekordspieler des HSV, Manfred Kaltz. Das ist erst einmal eine Ansage.

Für die Einladung zur Pressekonferenz zeichneten Rainer Ferslev, Jürgen Hunke und Dr. Andreas Costard verantwortlich: „Wir haben uns in den letzten Monaten in Form eines „Runden Tisches“ mit vielen Fragen geplanter Satzungsänderungen beschäftigt. Dieses Ergebnis möchten einige Vertreter der HSV-Allianz mitteilen. Wir haben bisher keine öffentliche Stellungsnahmen und Aktivitäten unternommen, solange die sportliche Situation des HSV nicht entschieden war.“ Nun ist sie entschieden, und deshalb stellte sich die neue HSV-Allianz auch einmal vor: „Sie besteht aus Förderern des HSV, ehemaligen Spielern des HSV, ehemaligen Präsidenten des HSV, Mitgliedern des Seniorenrates, ehemaligen Vorsitzenden des Ehrenrates, Rechnungsprüfern des HSV (immer des HSV, natürlich), dazu Initiatoren der Aktion Rautenherz und der Aktion Zukunft mit Tradition.“

Das, was sich dann im Hotel Elysee tat, konnte sich sehen und hören lassen. Das war gut strukturiert und wurde auch bestens „verkauft“. Kein Vergleich mehr mit dem letzten Auftritt Jürgen Hunkes bei der Mitgliederversammlung, als er für seine Aktion „Zukunft mit Tradition“ sprach – und nicht zu „Potte“ kam, immer um den heißen Brei herumredete. Diesmal kam Hunke auf den Punkt. Und er gab zu, dass er inzwischen umgedacht hat. Er ist nicht mehr gegen eine Ausgliederung: „Die muss sein.“ Hunke ist dagegen, dass die Raute und das Stadion verkauft werden: „Das wäre eine historische Fehlentscheidung.“ Und um die zu verhindern, reicht die HSV-Allianz der Initiative „HSVPlus“, die vom ehemaligen HSV-Aufsichtsrats-Chef Ernst-Otto Rieckhoff angeschoben wurde und wird, dem Vernehmen nach die Hand. Es soll noch einmal an einem „Runden Tisch“ nach einer gemeinsamen Lösung gesucht werden.

Denn noch gebe es drei wesentliche Probleme, die Dr. Costard nannte: „Erstens verlieren die Mitglieder ihre Rechte, zweitens werden Finanzinvestoren und Rendite-Jägern, die den HSV missbrauchen könnten, Tür und Tor geöffnet, und drittens gibt es da den geplanten Verkauf der Arena und der Raute.“ Das war und ist geraume Zeit bekannt (und wird von HSVPlus-Gegnern immer wieder als Hauptargumente genannt), aber es musste wohl doch noch einmal gesagt werden.

Letztlich kommt die „HSV-Allianz“ zwar spät zum Zuge, aber nun sind die Mitglieder dran, sie werden darüber zu befinden haben, wohin der Weg des HSV gehen soll . . . Das vom HSV-Vorstand dazu vorbereitete Papier über die Abstimmung von „HSVPlus“ nannte Rainer Ferslev „Dreck“ und „eine riesige PR-Maschinerie“. Zudem befand er: „Der Vorstand kämpft nicht um die Raute, aber die Raute ist Mythos.“ Und er legte den Machern von „HSVPlus“ nahe, die „HSV-Allianz“ mit ins Boot zu nehmen: „Umarme deinen Feind . . .“

Eugen Block sagte bei dieser PK in Richtung des amtierenden Vorstandes: „Diese Leute können nicht mit Geld umgehen, die müssen sofort weg von der Kasse…“ Zudem hieß es: „Das, was uns von HSVPlus vorliegt, ist mit heißer Nadel gestrickt worden, und das geht bei einer so großen Herz-Operation nicht. Da muss nachgebessert werden, es darf bei einem so großen und wichtigen Eingriff keinen Schnellschuss geben.“ Und Block sagte auch: „Die Finanzierung, die Ernst-Otto Rieckhoff vorhat, die ist hochbrisant und gefährlich.“ Deswegen plädiert die HSV-Allianz jetzt dafür: „Abstimmung vertagen, zusammensetzen und dann gemeinsam um eine noch bessere Lösung ringen.“

Wie der HSV künftig zu Geld für seine Profi-Abteilung kommen will, blieb noch offen, Block sagte aber in Richtung des bisherigen Geldgebers Klaus-Michael Kühne:“ Eine AG sollte breit aufgestellt sind, und dann brauchen wir das Geld des Herrn Kühne nicht unbedingt.“ Zur Unterstützung meldete sich Manfred Kaltz, der Angst hat, „dass der HSV verramscht wird“, zu Wort: „Der Verein und die Fans werden von HSVPlus nicht mitgenommen.“ Und, Kaltz weiter: „Wir haben uns früher den Arsch aufgerissen, haben Leistung gebracht und hatten Erfolge – dann kommt das Geld von ganz alleine.“

Das ist ja auch mal eine Methode.

Was noch gefordert wurde von der HSV-Allianz – ganz interessant: Alle Gremien im HSV, Vorstand und Aufsichtsrat, sollten sofort zurücktreten. Jürgen Hunke, noch Mitglied des Aufsichtsrates, ging dabei voran: „Ich bin dazu bereit.“ Aber die anderen Räte? Ganz sicher nicht. Oder? Es geht doch letztlich immer nur um die Sicherung des eigenen Pöstchens . . .

Fazit der PK: Den Allianz-Herren geht es nicht um die Verhinderung von „HSVPlus“, sondern lediglich um eine Vertagung der für Sonntag geplanten Abstimmung. Aber, wie schon geschrieben: Jetzt sind die HSV-Mitglieder gefordert. Und was die Macher von „HSVPlus“ zu all dem, was da heute im Elysee vom Stapel gelassen wurde, sagen, das werden wir am Dienstag erfahren. Denn da folgt die Pressekonferenz von Ernst-Otto-Rieckhoff und Co.

Mein persönliches Fazit: Ich glaube, dass dem HSV noch eine große Zerreißprobe bevorsteht. Und ob die immer schmerzfrei und ohne bleibende Schäden zu hinterlassen abgeschlossen wird, ist eine der Fragen, die sich vielleicht nicht einmal an diesem Sonntag klären lassen wird. Denn wenn ich allein an die 50 und mehr gestellten Satzungs-Änderungs-Anträge denke, wird mir nicht nur schlecht, dann zweifle ich daran, ob es mit dem HSV nach dem 25. Mai 2014 einträchtig weitergehen kann. Diese Anträge sind alle nur gestellt, um diese Versammlung zu torpedieren, und das allein ist in meinen Augen nur Wahnsinn. Demokratie sieht dann doch wohl etwas anders aus, aber natürlich wollen diejenigen, die bisher in Ober-, Unter, Quer, Links- und Rechts-Ausschüssen sitzen, weiterhin ein gewichtiges Wort in ihrem HSV mitsprechen, dazu natürlich auch alle anderen Gremien, die sich nun der „HSV-Allianz“ angeschlossen haben (siehe oben). Alle sehr, sehr wichtig, alle haben diesen und ihren HSV bislang so gut geführt, dass der Club nun dort steht, wo er am Sonntag in Fürth stand. Aber gut, wir werden sehen, was aus den drei großen Hamburger Buchstaben nun wird. Alle haben ihre Argumente, jetzt ist wieder einmal die Basis gefragt.

Apropos. Bei der Gelegenheit wollen wir uns von „Matz ab“ für die vielen, vielen Mails, SMSe, Anrufe und Briefe ganz herzlich bedanken. Es war an diesem Montag bei allen, bei „Scholle“, Lars Pegelow und mir die Hölle los. Mein altes, mein altertümliches Handy, konnte keine Nachrichten mehr aufnehmen (sorry bei denen, die es noch versucht haben!), das galt für Anrufe (auf der Box) und für SMS. Heute klappte das mit den Anrufen (sogar Frau Barbara Ertel-Leicht vom VfL Wolfsburg aus der Presse-Abteilung gratulierte – einfach nur toll!) wieder fast normal, aber auch nur fast. Ich werde versuchen, mich bei allen zu melden, aber das könnte noch etwas dauern.

Trotz allem noch einmal: danke, danke, danke! Ihr seid Weltklasse. Und wir haben uns am Sonntag nach dem Spiel auch darauf verständigt, dass wir „schon eine tolle Matz-ab-Familie geworden sind“. Mit „Papa Benno“ an der Spitze! Dieses Lob gilt natürlich auch für alle anderen Bilderbuch-„Matz-abber“, von denen ich am Sonnabend einen ganz besonderen vergessen habe (Asche auf mein Haupt!), nämlich Aufkleber-Uwe. Ihm haben wir Banner und Aufkleber zu verdanken, zudem lebt Uwe, der natürlich mächtig mitgezittert hat, im tiefen Westen den HSV tagtäglich pur! Herzliche Grüße – und immer wieder herzlichen Dank für Deine große Unterstützung, lieber Uwe!

So, nun bin ich am Ende, „Scholle“ wird dieses Werk zusammenführen – und dann bleibt uns nur noch, Euch einen wunderschönen Abend zu wünschen. Ohne jede Dramatik, ohne große Spannung, ohne Zitterei. Einfach nur mal wieder einen ruhigen Feierabend genießen. Ein kurzes Dankeschön noch schnell an Britta Kehrhahn, die uns heute mit Mitschnitten der “Allianz”-PK tüchtig aushalf, einen Dank auch an Sergej Barbarez und Frank “Macke” Mackerodt – ihr wart fantastische Gäste bei „Matz-ab-live“, es gab viel Lob, auch von unseren Chefs. Und kurz auch noch ein Schlenker zu Lotto King Karl (und seinen Barmbek Dreamboys), der am Sonntag gleich zweimal seine Perle im Volkspark gesungen hat (einmal vorher, einmal nachher!). Wir wünschen Dir, Lotto, und Deinen Kumpels bei der heute in München beginnenden Deutschland-Tournee alles, alles Gute. Prost, Lotto! Und Prost Loide – wie Lotto immer sagt.

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird sicher nicht weniger los sein als heute.

Scholle und Dieter

P.S.: Wie wir eben erfahren haben, wird auch Cotrainer Roger Stilz, desen Vertrag ausläuft, den HSV verlassen. “Ich bin dem HSV dankbar für das Vertrauen, das ich hier gespürt habe. Es war eine sehr intensive, lehrreiche Zeit für mich, an die ich mich immer gern erinnern werde.” Dennoch plant der ehemalige Kicker des SC Victoria seinen künftigen Weg bei einem anderen Klub, den er uns beizeiten mitteilen werde. Alles Gute, Roger!

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