Archiv für das Tag 'Ribery'

van der Vaarts leiser Abschied

12. Juni 2015

Während die Meldungen über Spielerwechsel in der Bundesliga nur so reintrudeln, gibt es vom HSV keinen Vollzug zu melden. Das ist nicht überraschend, und selbst die Personalie Süleyman Koc könnte sich noch einige Zeit hinziehen. Dessen Berater hat Druck gemacht und von einer grundsätzlichen Einigung mit dem HSV berichtet. Allerdings ist die Ablöse (zwischen 1,5 Millionen und 2 Millionen Euro) noch recht hoch. Nun also baut der Berater Druck auf den SC Paderborn auf, um von den Forderungen herunterzukommen. Ein nicht unübliches Spielchen, schließlich wollen alle Seiten Klarheit.
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Ein “Spion” und Julian Green sorgen für Unruhe

13. Februar 2015

Wenn man einen Weg umsonst macht – dann war es dieser. Während des heutigen Geheimtrainings stand neben einigen (hier) bekannten Journalisten auch ein junger Mann, den es schon gestern zum Training gezogen hatte. „Mit Kamera hat er das Training gefilmt“, so Zinnbauer über den vermeintlichen Spion, der am Donnerstag auffällig unauffällig mit der Kamera das Training aufgenommen haben soll. So, wie einst ein Kölner Spion im Trainingslager in Dubai. Wobei sich dieser noch dreister verhalten hatte und sogar an den Presserunden teilgenommen hatte…

 

Und dieser Spion? Er war zumindest schon mal das spannendste Thema dieses Geheimtrainings, das eigentlich gar nicht geheim war, da es auf dem gut einsehbaren vorderen Trainingsplatz stattfand. Und vor allem gab es tatsächlich nichts zu sehen, was in irgendeiner Form Aufschluss auf Sonnabend geben könnte. Außer der Tatsache, dass Ivo Ilicevic und Maxi Beister nicht dabei waren, weil sie bei der U23 eingesetzt werden. Ilicevic dauerhaft, Beister vorübergehend. „Ich habe mit Maxi gesprochen und er hat darum gebeten, in der U23 Spielpraxis zu sammeln.“ Deshalb trainierte der Rechtsfuß heute individuell und steht morgen um 13.30 Uhr in der Startelf gegen den VfL Wolfsburg II.

Beister spielt. Weil er sich entwickeln will. Ein anderer weigert sich, noch zumindest: Julian Green. Der Youngster hatte sich zuletzt darüber beschwert, erst aus der Presse davon erfahren zu haben, dass er in der U23 spielen soll. Peter Knäbel kündigte daraufhin Gespräche für die kommende Woche an. Und diese dürften für den Leihspieler nicht sonderlich angenehm werden.

 

Morgen hat Green auf jeden Fall spielfrei. Stattdessen muss die US-Leihgabe vom FC Bayern trainieren, weil er sich weigert, für die Regionalligamannschaft aufzulaufen. Mediendirektor Jörn Wolf: „Julian hat bislang nicht die Bereitschaft, im Nachwuchs zu spielen.“ Dabei hat der Rechtsfuß aktuell nicht einmal die Form, dort einen Platz in der Startelf einzufordern.

 

Green wird zum Missverständnis – wenn er es nicht schon längst ist. Der US-Nationalspieler sollte beim HSV die Spielpraxis sammeln, die er beim mit Weltklassespielern bestückten FC Bayern nicht bekommen würde. Beim HSV schien das wahrscheinlicher – allerdings rechnete niemand damit, dass 1.) nach drei Spieltagen der Trainer gewechselt würde, und 2.) Green sich in keiner Phase der Saison aufzudrängen wusste. Green, der es bevorzugt, über die Außen zu kommen, ist in Hamburg bis heute nicht angekommen. Das Verhältnis zu Trainer Joe Zinnbauer sei grundsätzlich intakt, sagen beide. Allerdings steht Green bei Zinnbauer nicht weiter oben auf der Liste, seit er sich weigert, für die U23 aufzulaufen. Im Gegenteil: der zweite Arslan droht. Mit dem feinen Unterschied, dass Green nicht mehr wechseln kann. Er dürfte es nach dieser Auseinandersetzung schwer haben, beim HSV überhaupt noch einmal Spielpraxis zu sammeln. Und obwohl ich gestern geschrieben habe, was ich von Profis halte, die die eigene U23 geringschätzend ablehnen – was auch für Green gilt – will ich für ein abschließendes Urteil fairerweise abwarten, wie Green die Situation darstellt.

Eine glasklare Situation findet der HSV bei seinem Gastauftritt in München vor. In keinem Spiel ist der HSV auf dem Papier deutlicher Außenseiter als in der Allianz-Arena. Im Jubiläumsspiel, dem 100. Nord-Süd-Schlager, setzt der HSV auf den Überraschungseffekt. Besser gesagt, Zinnbauer macht das intern so. Der HSV-Trainer wechselte im Laufe der Woche immer wieder seine vermeintliche A-Elf durch – und ließ das Abschlussspiel heute gänzlich aus. Noch immer ist unklar, ob Slobodan Rajkovic oder Heiko Westermann neben Johan Djourou spielt. Noch ist unklar, ob Rafael van der Vaart wirklich eine Pause bekommt und an seiner Stelle Petr Jiracek neben Marcelo Diaz aufläuft. Ebenso vakant ist die Startelfbesetzung des Linksverteidigers, wo sich Ronny Marcos und der im Training zuletzt stärker werdende Matthias Ostrzolek Konkurrenz liefern.

 

Zinnbauer selbst wollte sich heute nicht dazu äußern. Und im Training ließ er ausschließlich ein leichtes Aufwärmtraining sowie eine intensive Torabschlussübung absolvieren. Genau so, wie er vor dem Hannover-Sieg trainieren ließ. Aberglaube? Mit Sicherheit. Zinnbauer ist ein Freund der Rituale. So wird er die Startelfaufstellung tatsächlich erst unmittelbar vor der Mannschaftsbesprechung am Sonnabend in München festlegen. Zusammen mit seinem Trainerteam – genau so, wie vor Hannover…

 

„Wir werden wieder so intensiv spielen müssen wie gegen Hannover“, sagt Ivica Olic, der mit dem HSV in München noch ungeschlagen ist. Nimmt man die jüngste Statistik, ist Böses zu erahnen. 3:23 Tore in den letzten vier Spielen, zwölfmal in Folge blieb man gegen den Rekordmeister ohne Sieg und kassierte dabei den rekordverdächtigen Schnitt von 3,3 Gegentoren.

 

Aber: Bangemachen gilt nicht. Denn auch die Bayern sind noch nicht in der Verfassung der Hinrunde. Sagte Olic am Donnerstag. Und der ist ganz froh darüber, dass mit Boateng (gesperrt) der beste Verteidiger der Münchner ausfällt. Dafür soll Franck Ribéry sein Comeback feiern. Über die linke Seite des FCB würde er es – so schien es im Training – mit Ashton Götz zu tun bekommen. Ein Duell, in dem der Jungprofi eine Menge lernen und gewinnen kann. Auf der anderen Außenverteidigerseite bekommt es offenbar Matthias Ostrzolek mit dem wohl besten Spieler der Liga zu tun: Arjen Robben. Und im Zentrum? Da bekommt es der HSV mit Thomas Müller, Mario Götze oder Robert Lewandowski zu tun. Und egal wer es am Ende wird, sollte der zuletzt von Zinnbauer gelobte Rajkovic für Westermann weichen müssen – es wäre ein bitterer Nackenschlag für den Serben. Einzige Möglichkeit, dass beide spielen wäre, wenn Westermann trotz der letzten beiden Partien noch mal als Rechtsverteidiger auflaufen. Und irgendwie glaube ich, dass es so kommt…

 

Wirklich zu gefallen weiß derzeit Marcelo Diaz. Der Chilene spielt abgezockt, unaufgeregt und nahezu fehlerfrei. Er schlägt hervorragende Standards und auch heute beim Torabschluss hatte er (zusammen mit Jansen) die wahrscheinlichste höchste Erfolgsquote. Und ich hoffe, dass er mit seinen Pässen in München vielleicht den einen oder anderen Konter über Olic, Jansen oder Müller einleitet. Und wenn das nicht funktioniert – vielleicht entscheidet am Ende ja ein Standard das Spiel.

 

Ihr seht, ich bin wirklich nie hoffnungslos vor Spielen. Nicht einmal bei diesem HSV gegen diesen FC Bayern München. Aber ich gebe zu, dass ich eine relativ überschaubare Erwartungshaltung habe. Aber was heißt das schon…?!

 

In diesem Sinne, warten wir ab, wie der HSV in München auftritt. Personell wie leistungstechnisch. Ich bin gespannt. Denn so offen wie diesmal war es lange nicht. Das weiß übrigens auch der Spion, der so gar nicht Spion sein wollte. Ich habe ihn nach dem Training einfach mal angesprochen und gefragt, ob er für den FC Bayern arbeitet. Er antwortete mir, dass er ein Student aus Münster sei, der mit seiner Freundin eine Woche lang in Hamburg zu Besuch ist. Er brachte es zugegebenermaßen nicht besonders glaubhaft rüber. Aber selbst wenn, auch er hat heute nichts sehen können, womit er bei Guardiola glänzen könnte. Dafür gab es gestern viel zu sehen – zumindest viele unterschiedliche Formationen.

 

In diesem Sinne, es bleibt spannend. Bis morgen! Dann übrigens wieder mit einem Matz ab live unmittelbar nach Schlusspfiff um 17.30 Uhr aus dem Champs. Unsere Gäste sind Dennis Diekmeier und Carsten Byernetzki, der ehemalige Schiedsrichter und aktuelle Pressesprecher des Hamburger Fußball-Verbandes.

 

Scholle

So könnten sie spielen: Drobny – Westermann, Djourou, Rajkovic, Ostrzolek – Jiracek, Diaz – Müller, Stieber, Jansen – Olic.

Newcastle baggert immer noch an Lasogga

19. Januar 2015

Auf dem Trainingsplatz wurde Pierre-Michel Lasogga auch heute nicht gesehen. Ebenso wie alle schon gestern gegen Astana (0:0) geschonten Spieler war der Stürmer auch heute nicht gesund genug für eine lockere Einheit mit dem Rest der Truppe. Was am heutigen Montag auch nicht dramatisch war. Das Training war kurz, es nieselte die ganze Zeit, und nach ein paar lockeren Spielchen war auch schon wieder Feierabend. Zumindest sichtbar auf dem Rasen. In den Fitnessbereichen wurde kräftig individuell weiter gearbeitet.

Lasogga ist aber trotzdem immer wieder das Diskussions-Thema. Aktueller Anlass ist das Interesse von Newcastle United am HSV-Torjäger der vergangenen Saison. Das ist sogar soweit gegangen, dass den HSV-Verantwortlichen zuletzt konkretes Interesse aus England angezeigt wurde. Der Gedanke ist ja auch nicht von der Hand zu weisen, schließlich hatte es Lasogga selbst immer wieder als seinen Fußball-Traum bezeichnet, auf der Insel zu kicken.

In der aktuellen Transferperiode, das allerdings sind die momentanen Informationen, wird sich in dieser Hinsicht nichts tun. So unbefriedigend Lasoggas Hinrunde für den HSV und garantiert auch für den Spieler selbst lief, so gering ist das Hamburger Interesse, den ohnehin schon dünn besetzten Sturm weiter auszudünnen. Erst recht, wenn keine Verstärkung unterschrieben hat. Und das ist der Stand der Dinge: Lasogga wird nicht abgegeben, stattdessen arbeitet Manager Peter Knäbel (ich weiß: offiziell heißt er „Direktor Profi-Fußball“, aber der Begriff ist mir zu sperrig) weiter an der Verpflichtung von Josip Drmic von Bayer Leverkusen.

Heute bekam die Debatte um Drmic eine interessante Wendung. Wie die Kollegen von der „Sport-Bild“ herausgefunden haben, hat sich Bayer Leverkusen – Drmic‘ aktueller Verein – in London nach Roberto Soldado (Tottenham Hotspur) erkundigt. Der Plan könnte nun logischerweise sein: Soldado zu Bayer, dann kann Drmic zum HSV. Dass ein entsprechender Hamburger Wunsch besteht, gab Peter Knäbel unumwunden zu. „Wir haben ihn noch nicht abgeschrieben“, so Knäbel. „Wir haben mit ihm auch schon so weit, dass wir gekonnt hätten. Aber da ist ja immer auch noch der Arbeitgeber.“ Also Bayer Leverkusen. Knäbel erwartet nun, dass sich die Entscheidung hinzieht, möglicherweise bis zum Ende der Transferperiode, das diesmal wegen des Wochenendes 31. Januar/1. Februar auf Montag, den 2. Februar gelegt wurde. Knäbel: „Wenn ich wüsste, was wann passiert, wäre ich ein guter Prophet.“

Allerdings verriet Peter Knäbel anlässlich eines Journalisten-Tages mit einheimischen Reportern im Mannschaftshotel „Meydan“ auch, dass er nicht alles auf die Karte Drmic setzen kann. Gerade im Winter seien Transfers oftmals schwierig zu realisieren. „Preiswert und verfügbar, das sind entscheidende Kriterien“, so Knäbel. „Und wenn es schwierig wird, muss man halt weitergucken.“ Andere Kandidaten von der Güte eines Josip Drmic sind aber sicher auf dem Markt kaum zu ergattern.

Dass Innocent Emeghara nicht unbedingt in das Anforderungsprofil passt, ist an dieser Stelle bereits angedeutet worden. Mit Ende des Trainingslagers wird dem Schweizer Stürmer mitgeteilt, ob ihn der HSV halten möchte oder nicht. Durch die Blume kündigte Knäbel eher einen negativen Bescheid an. „Er hat einige Zeit nicht mehr auf diesem Niveau trainiert, das sieht man“, so Knäbel. „Aber wenn man 20 bis 25 Trainingseinheiten hat, dann können wir schon erkennen, über welche Qualitäten ein Spieler verfügt. Insofern ist es auch nur fair, wenn wir nach dem Trainingslager eine Entscheidung fällen.“

Generell möchte Knäbel nach der Vorbereitungsphase einen Kader von etwa 28 Spielern haben, mit denen er in die Rückrunde geht. Das heißt, dass nicht nur Emeghara auf dem Prüfstein steht, sondern auch einige andere, die hier in Dubai dabei sind. Mit der Entscheidung, Ivo Ilicevic zu Hause zu lassen, ist in dieser Personalie eine deutliche Weiche gestellt worden. Und da gibt es auch kein Zurück mehr: „Wir haben ihm rechtzeitig angekündigt, dass es lohnenswert wäre, etwas zu suchen.“ Knäbel hat allerdings noch immer kein Angebot auf dem Tisch liegen, das ihm der Kroate oder dessen Berater Volker Struth weitergereicht hätten. Im Moment hält sich Ilicevic bei der U 23 in Hamburg fit und ebenso im Athleticum des UKE. Ob es eine Option ist, dass Ilicevic – wenn er keinen Verein findet – die Rückrunde bei der U 23 des HSV verbringt? Knäbel: „Das Thema mache ich gar nicht erst auf. Ich denke, es wäre immer noch am besten, wenn er einen Verein finden würde.“ Und zwar einen anderen als den HSV.

Tolgay Arslan ist zwar hier in Dubai mit dem HSV am Start, aber die Zeichen stehen unverändert auf Trennung. Ein Angebot ist den Hamburger Verantwortlichen bereits auf den Tisch geflattert, war aber für den HSV keine Diskussionsgrundlage. Wahrscheinlich wird nach der Rückkehr nach Hamburg am Donnerstag Fahrt aufgenommen. Favorit für die Zukunft Arslans ist nach wie vor Besiktas Istanbul. „Wenn es sich konkretisiert, dann wahrscheinlich nach dem Trainingslager“, bestätigte Peter Knäbel den Zeitrahmen.

Um die Liste der „üblichen Verdächtigen“ abgearbeitet zu haben hier die Wasserstand-Aussage von Marcell Jansen, der ja auch immer mit einem anderen Verein, vornehmlich Benfica Lissabon, in Verbindung gebracht wurde: „Ich bin sehr gerne Spieler des HSV. Es gibt nach wie vor keinen konkreten Kontakt zu einem anderen Verein. Wenn einer unbedingt möchte, könnte sich vielleicht etwas ändern. Aber wenn nicht, dann freue ich mich – wie die vergangenen sechseinhalb Jahre auch, HSV-Spieler zu sein!“

So, und nun noch die unerfreulichste Nachricht des Tages. Das DFB-Sportgericht hat den HSV mit einer Geldstrafe von 55.000 Euro belegt:

Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat den Bundesligisten Hamburger SV im Einzelrichterverfahren nach Anklageerhebung durch den DFB-Kontrollausschuss wegen eines Falles von nicht ausreichendem Ordnungsdienst in Tateinheit mit einem unsportlichen Verhalten eines Anhängers und wegen dreier Fälle eines unsportlichen Verhaltens seiner Anhänger, begangen durch vier rechtlich selbständige Handlungen, mit einer Geldstrafe in Höhe von 55.000 Euro belegt.
In der Nachspielzeit des Bundesligaspiels gegen den FC Bayern München am 29. Oktober 2014 lief ein Zuschauer aus dem Hamburger Fanbereich in Richtung des Münchner Spielers Franck Ribéry, schlug mit einem Schal in seine Richtung und traf ihn leicht im Gesichts- und Schulterbereich. Zudem zeigte er ihm den ausgestreckten Mittelfinger. Er wurde vom Ordnungsdienst in Gewahrsam genommen und vom Spielfeld geführt.
In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit des Bundesligaheimspiels gegen Bayer Leverkusen am 1. November 2014 wurden während eines Spielunterbrechung mehrere Feuerzeuge aus dem Hamburger Zuschauerblock in Richtung Leverkusener Spieler auf das Spielfeld geworfen.
Beim Einlaufen der Mannschaften vor dem Bundesligaspiel beim VfL Wolfsburg am 9. November 2014 wurden im Hamburger Zuschauerbereich mehrere Bengalische Feuer abgebrannt.
In der 60. Minute des Heimspiels gegen den 1. FSV Mainz 05 am 7. Dezember 2014 wurde im Zuschauerbereich mehrmals irritierend mit einer Pfeife gepfiffen.
Der Verein hat dem Urteil zugestimmt, das Urteil ist damit rechtskräftig.

Trainer Joe Zinnbauer hatte heute netten Besuch eines alten Hamburger Bekannten. Jens Paeßlack, früherer Stürmer und Fußball-Globetrotter (als gebürtiger Hamburger kickte er für den SV Lurup, später beim TSV Pansdorf und dem VfB Lübeck, aber auch in Zypern, Schottland, Island und bei hiesigen Zwetligisten) schaute auf ein Pläuschchen vorbei. Paeßlack lebt in Dubai und hat hier zuletzt eine Fußballschule betrieben.

Morgen ist wieder übliches Trainingsprogramm in Dubai mit mehreren Einheiten täglich. Hier das kurze Round-Up der Angeschlagenen:
Pierre-Michel Lasogga (Oberschenkel) arbeitet im Grundlagen-Ausdauerbereich, es gibt noch keinen Termin für seine Rückkehr ins Mannschaftstraining. Das Köln-Spiel ist aber noch nicht abgeschrieben.
Valon Behrami (Knie) setzt nach seiner OP die Reha fort.
Dennis Diekmeier (Oberschenkel) hat es etwas überraschend getroffen. Die Muskelbeschwerden sind aber nicht zu schlimm, er hat aber noch Probleme beim Laufen.
Nicolai Müller (Oberschenkel) wurde als Vorsichtsmaßnahme geschont zuletzt. Er könnte zügig ins Training zurückkehren.
Matthias Ostrzolek (Bänderdehnung) wird in Dubai wohl nicht wieder mit der Mannschaft trainieren.
Gideon Jung (Knie) hat eine leichte Knieprellung, schnelle Rückkehr wahrscheinlich.
Lewis Holtby (Schlüsselbein) ist bekannt, Pause für zehn Wochen.

Der HSV hofft, dass sich diese Liste schnell wieder reduziert. Gearbeitet wird daran auf Hochtouren, so viel steht mal fest, denn mit Markus Günther und Sebastian Grützner sind diesmal sogar zwei Reha-Trainer im Trainingslager dabei.

Bis morgen aus Dubai
Lars
18.21 Uhr

Neuer Vertrag – jetzt muss Zinnbauer nachziehen

27. Oktober 2014

Kein Knäbel, kein Beiersdorfer auf der Empore – und mehr oder weniger am Rande vermeldete Mediendirektor Jörn Wolf, dass der Vertrag mit Josef „Joe“ Zinnbauer modifiziert worden worden ist. Das war anders als sonst, ohne großes Posieren. Einfach normal. Und ich finde den Rahmen so völlig in Ordnung. Denn an diesem Vorgang ist wirklich nichts überraschend. Gar nichts. Deshalb kann ich dieses „Hat der HSV denn gar nichts gelernt?“ auch wirklich nicht nachvollziehen.

Für Abendblatt-Blogs


Was denn ist seltsam daran, dass ein beförderter Mitarbeiter seine Bezüge angehoben bekommt? Nichts. Und mehr ist tatsächlich nicht passiert. Nicht einmal eine Verlängerung ist vorgenommen worden. Und wisst Ihr was? Weil es außergewöhnlich ehrliche Verhandlungen waren, verstehe ich die angeschobene Diskussion noch weniger. Zumal Zinnbauer dem Vernehmen nach sogar weniger für sich als für seinen Stab verhandelt haben soll. Das aber mit Erfolg. Auch Cotrainer Patrick Rahmen als Co-Trainer, Stefan Torwarttrainer Wächter und Stefan Schümann als Athletik-Trainer bekamen angepasste Verträge. „Wir bewerten die Entwicklung als eine Leistung des gesamten Trainerteams. Aus diesem Grund sind die drei weiter als fester Bestandteil des Trainerteams der Bundesligamannschaft engagiert“, argumentierte Peter Knäbel auf hsv.de. Was anderes kann der Sportdirektor nach den Unterschriften natürlich auch nicht sagen. Klar.

Zinnbauer bleibt also Trainer bei den Profis. Antizyklisch stattet der HSV ihn in einer Phase mit einem Profivertrag aus, die für den HSV schnell auch nicht schlechter aussehen kann. Gegen Bayern am Mittwoch im Pokal kann man hoffen – aber nur wenig erwarten. Danach kommt am Sonnabend Leverkusen – und danach geht es gegen Wolfsburg auswärts um dringend benötigte Punkte. Alles Spiele, in denen der HSV nominell eher der Außenseiter ist. Und gerade dieses Vertrauen imponiere ihm, sagte Zinnbauer heute. Und ich glaube bei ihm tatsächlich daran, dass er diesen Vertrauensvorschuss zurückzahlen will. Weil er ein ehrlicher Arbeiter ist. So soll er auch bei seiner Antrittsrede seinem Team um die Mannschaft herum gesagt haben, dass er auf sie setzen würde und ihnen allen vertrauen würde. Zinnbauer stattet seinen Stab mit Freiheiten aus, die motovieren sollen. Allerdings sagte er in derselben Ansprache auch ganz deutlich, dass eine mögliche Entlassung für ihn auch für den Rest Konsequenzen haben würde…

Okay, dieser Vorgang ist nicht jedermanns Sache. Zugegeben. Aber mir gefällt Zinnbauers Art an sich. Vor allem die, mit der Mannschaft zu arbeiten. Heute ließ er die Mannschaften „positiv reden“ gegen „negativ reden“ spielen. Soll heißen: Die einen durften nur positiv mit den Mitspielern kommunizieren, die anderen nur negativ. „Weil mir die Mannschaft in Berlin zu ruhig war“, so Zinnbauer, der darin auch einen gewissen Unterhaltungswert zur Stimmungshebung erkannt haben will. Soll heißen: Zinnbauer fordert mehr Eigeninitiative der Spieler ein. Genau das, was in den letzten Jahren gefehlt hat. Und er nimmt sich selbst nicht zu wichtig. Bei den Vertragsverhandlungen verzichtete er darauf, große Gehaltserhöhungen zu fordern, er regelte eine etwaige Abfindung im Vorwege und nutzte die Situation des HSV insgesamt nur in einem Punkt zu seinem Vorteil: zum verdienten Vorteil. Er bestand auf sein Team.

Zinnbauer beweist damit, dass er der Teamplayer ist, von dem man nachsagt, er sei es und den er von Spielerseite einfordert. Und das nachhaltig.

Und ich hoffe, dass Zinnbauer jetzt auch zeigt, dass er wirklich keinen übersteigerten Wert auf große Namen legt. Bei den Bayern („Das sind auch nur Gegenspieler auf dem Platz“) bekannte er sich heute schon dazu – in Sachen Rafael van der Vaart hoffe ich auf den nächsten Schritt. Damit fordere ich nicht, dass der Niederländer auf die Bank gehört. Aber ich hoffe ganz stark, dass Zinnbauer einen Plan hat. Einen kurzfristigen. Denn die letzten beiden Spiele haben wenig Anlass gegeben, an einen van der Vaart zu glauben, der dieser Mannschaft die entscheidenden Impulse geben kann. Dass durch diese Personalie auch noch der für mich bis dato wichtigste Offensivspieler draußen bleiben musste war umso schlimmer.

Zinnbauer müsse sich entscheiden. Es könne nur einer spielen, titelte die „Bild“, was vielerorts als anmaßend empfunden wird. Allerdings habe ich diese Diskussion schon verlassen, als die „Bild“ das erste Mal mit dem Slogan titelte „Bild Dir Deine Meinung“. Aber gut, das ist nebensächlich. Entscheidender ist, dass es mitnichten nur einen von beiden auf dem Platz geben kann. „Lewis kann sicher auch auf der Acht spielen“, sagte Zinnbauer heute, unmittelbar nachdem er verkündet hatte, dass es für Valon Behrami mit dessen Einsatz gegen Bayern am Mittwoch ehr nicht gut aussieht und die Frage nach dessen Vertreter gestellt wurde. Nun habe ich heute Nachmittag gehört, dass die medizinische Abteilung noch daran glaubt, den Schweizer pünktlich von dessen Muskelproblemen befreien zu können – aber wichtiger war mir, dass Zinnbauer Holtby nicht automatisch für van der Vaart opfert, wen dieser auch nur gesund ist. Denn das wäre eine Katastrophe.

Nein, Zinnbauer täte gut daran, sich weiterhin an den Trainingseindrücken zu orientieren. Und da liegen einige Meter zwischen Holtby und van der Vaart. Noch zumindest. Denn auch ich will so konsequent sein, van der Vaart eine echte Chance zu geben. Zumal ich glaube, dass es seine letzte in Hamburg ist. Und nachdem Zinnbauer sich vor einigen Wochen dazu entschlossen hatte, van der Vaart mit Hilfe 110-prozentiger Rückendeckung noch einmal zu Höchstleistungen anzutreiben, blieb und bleibt ihm nichts anderes übrig, als den angefangenen Weg fortzusetzen. Ein Abbruch desselbigen wäre auch ein vorzeitiges Ende der van-der-Vaart-Ära.

Und vielleicht ist gerade so ein Spiel wie das jetzt gegen die übermächtigen Bayern geeignet, um noch einmal etwas zu testen. Denn klar ist, das bestätigte Zinnbauer heute auf der PK, dass die Bundesliga Priorität hat. Und dort muss der HSV mächtig aufpassen, in den nächsten Wochen nicht noch tiefer in den Tabellenkeller zu rutschen. Experimente sind dort definitiv nicht mehr angebracht. Im Gegenteil: Nachdem sich der HSV bei seinem Trainer festgelegt hat und damit allen „Thomas-Tuchel-kommt-dann-eben-erst-2015“-Diskussionen ein Ende gesetzt hat, könnte, nein sollte der neue Cheftrainer nachziehen. Das gilt vielleicht noch nicht gegen Bayern – aber spätestens für danach sollte es eine klare Linie geben. Entweder dann mit einem stark verbesserten van der Vaart – oder eben ohne ihn in der Startelf. Hauptsache ohne einen besseren Spieler zu opfern.

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert.

Scholle

P.S.: Wohl erst nach dem ausverkauften Pokalspiel am Mittwoch wird Dennis Diekmeier wieder fit sein. Und ich bin gespannt, wie sich sein Vertreter, „Mr. Cool“ Ashton Götz, gegen Namen wie Thomas Müller, Robben, Ribery, Götze und Co. schlagen wird.

Jansen übernimmt die Binde von van der Vaart

21. November 2013

Auf den ersten Blick ist es vielleicht nur eine symbolische Geste. Marcell Jansen wird am Sonntag gegen Hannover 96 und auch in den Wochen danach – solange Rafael van der Vaart verletzt fehlt – die Kapitänsbinde des HSV tragen. „Mein Gefühl hat mir das gesagt“, erklärte Trainer Bert van Marwijk. „Ich brauche einen neuen Kapitän und habe kurz mit Marcell gesprochen. Dann war das auch gleich klar. Er ist erfahren, Nationalspieler und gut in Form. Das reicht eigentlich schon.“

Marcell Jansen also, 28 Jahre alt, zuletzt im Aufwind auch bei Bundestrainer Joachim Löw, ersetzt van der Vaart. Der Linksfuß ist seit 2008 beim HSV und somit der Dienstälteste im Team. Die Nominierung – auch Rene Adler hätte zur Verfügung gestanden – ist durchaus ein Zeichen seiner Wertschätzung, die sich Jansen seriös erarbeitet hat. Wie lange er Kapitän sein wird, ist nach wie vor offen. Bert van Marwijk hat heute in die gleiche Kerbe geschlagen wie Sportchef Oliver Kreuzer gestern. Die zunächst genannten vier Wochen Pause für van der Vaart sollen es bitteschön nicht sein. „Ich glaube nicht, dass es so lange dauert. Vielleicht sage ich das auch nur, weil ich mich über diese Verletzung ärgere. Aber ich habe mit Rafa gesprochen und mir den Fuß auch angesehen. Wie auch immer: ich kann es nicht ändern.“ Alles in allem, so der Trainer, sei es aber unglaublich schade, dass van der Vaart nun fehlt.

Beim Training heute fehlte außer van der Vaart nur einer, der am Sonntag gegen Hannover 96 zum Stamm gehören sollte: Heiko Westermann. Der hat nach seiner kleinen Verletzung aus dem Länderspiel (Schlag aufs Knie) noch einmal pausiert. „Wenn er am Freitag wieder trainiert, gehe ich davon aus, dass er am Sonntag spielen kann“, erklärte van Marwijk. Und so ruckelt sich die HSV-Mannschaft für das Nordderby langsam zurecht.

Worauf der Trainer großen Wert legt, war heute beim Training zu erkennen. Bei Winter-Temperaturen unter dem Gefrierpunkt gab es eine saftige Einheit von 1 ¾ Stunden Länge. 18 Feldspieler waren dabei, dazu die drei Torhüter. Weil mit Westermann ein Außenverteidiger fehlte, hat der Trainer Ashton Götz aus der U 23 dabei gehabt. Ob er eine Alternative für den Kader am Sonntag ist, ist allerdings offen.

Im Mittelpunkt des Trainings: Immer wieder Pass-Spiel und immer wieder aggressive Verteidigung. Nach dem Aufwärmen standen wie immer unter dem 61-Jährigen van Marwijk schnelle Pass- und Laufstafetten auf dem Übungsplan. Auffällig: Jeder Spieler, der einen Pass bekommen wollte, musste sich lautstark melden. Es war ein einziges Gerufe und Geschreie – jeder sollte den Ball fordern. Das sah schon sehr flott und forsch aus.

Anschließend ging es an die Spielformen. Abwechselnd mussten zwei Viererketten gegnerische Angriffe stoppen. Kette Nummer eins bestand aus Mancienne, Rincon, Sobiech und Jansen. Kette Nummer zwei bildeten die Herren Götz, Tah, Djourou und Kacar. Vor allem die Außenverteidiger hatten viel Laufarbeit zu verrichten, denn es griffen jeweils fünf Stürmer an. Sturm-Team 1: Tesche, Jiracek, Arslan, Zoua, Rudnevs. Sturm-Team 2: Calhanoglu, Badelj, Ilicevic, Lasogga, Beister.

Es war nicht einfach für die Stürmer, sich durchzuspielen. Immer wieder wurden sie abgefangen, wenn die Pässe in die Schnittstellen nicht schnell und präzise genug kamen. Einzig Pierre Michel Lasogga konnte hier treffen. Rudnevs hatte einige gefährliche Szenen, im Abschluss aber war er teilweise erstaunlich ungeschickt. Doch das sollte sich im Verlauf des Trainings noch ändern.

Van Marwijk erweiterte die Übung anschließend. Nun spielten sechs gegen sechs. Hier standen die defensiven Mittelfeldspieler im Vordergrund und es zeichnete sich – wie erwartet – ab, dass Milan Badelj und Tomas Rincon erste Wahl sein werden gegen Hannover 96. Dass er selbst viel vor hat, erläuterte der Venezolaner Rincon schon vorher auf der Pressekonferenz. „Ich will richtig Gas geben. Wir wollen dem Gegner zeigen, dass hier bei uns im Stadion nichts zu holen ist. Wir wollen die drei Punkte unbedingt.“

Im Hinterkopf schwirrt bei Rincon immer noch das bisher letzte Aufeinandertreffen mit den Niedersachsen herum. Im Februar ging der HSV in Hannover mit 1:5 unter. „Dieses Spiel kann man nicht einfach so vergessen. Wir wollen jetzt zeigen, dass wir wieder eine starke Mannschaft haben“, so Rincon. Für ihn ist es das erste Spiel seit dem Kieferbruch, den er sich in der Partie gegen Werder Bremen (0:2) zugezogen hatte.

„Ich bin richtig froh, wieder dabei zu sein. Wir haben die letzten zwei Spiele verloren, deswegen müssen wir nun umso dringender gewinnen. Um meine Verletzung mache ich mir keine Gedanken. Meine Spielweise werde ich jedenfalls nicht verändern“, versprach der stets kampfstarke Abräumer.
Zurück zum Training. Nach dem Sechs-gegen-sechs-Spiel wurde auf zehn gegen zehn erhöht. Neuhaus, Ilicevic, Jiracek, Sobiech, Jansen, Mancienne, Arslan, Lasogga, Calhanoglu und Tesche trafen auf Adler, Rudnevs, Tah, Beister, Badelj, Djourou, Kacar, Götz, Zoua und Rincon. Die zweite Mannschaft gewann mit 2:1 durch Treffer von Rudnevs (jetzt viel besser als bei der ersten Übung) und Beister. Das Gegentor schoss Tesche. Das Spiel war deswegen witzig, weil beide Mannschaften unter bestimmten Bedingungen auf beide Tore schießen konnten. Handlungsschnelligkeit und Auffassungsgabe waren gefragt. Und: das ganze förderte die gesamte Trainingseinheit über das Kurzpass-Spiel. Lange Bälle waren tabu.

Der Vollständigkeit halber: Jarsolav Drobny hat unterdessen mit Torwart-Trainer Ronny Teuber Einzeltraining durchgeführt. Zum Abschluss wurden kleine Törchen auf einem halben Platz aufgebaut, durch das die Teams den Ball möglichst oft schießen mussten. Auch hier ging es zur Sache. Mancienne, Calhanoglu und andere gingen nach Zusammenstößen zu Boden, etwas Schlimmeres ist nicht passiert. Positiv außerdem, dass der Schweizer Johan Djourou die komplette Einheit ohne Probleme mitmachen konnte. Er dürfte Sonntag neben Jonathan Tah in die Innenverteidigung des HSV zurückkehren. Also: es ging zur Sache beim Training.

Das muss es dann am Sonntag auch gegen die 96er, darauf wies Bert van Marwijk überdeutlich hin. „Es gibt noch keine Mannschaft in der Bundesliga, wo wir sagen können, dass es einfach wird“, so der Trainer. „Hannover hat auch eine schwierige Zeit, aber das macht es für uns auch nicht leichter. Wir haben die Analyse von Hannover schon hinter uns. Die sind sehr gut organisiert.“ Natürlich wollte van Marwijk nicht abschließend verraten, wer die Lücke von Rafael van der Vaart schließen soll. „Andere Spieler müssen es machen“, antwortete der lapidar auf eine entsprechende Frage. Klar, dass Hakan Calhanoglu erster Anwärter auf die van-der-Vaart-Vertretung hinter der einzigen Spitze Lasogga ist.

Nächste Frage, die mit van der Vaart zu tun hat: Wer schießt in seiner Abwesenheit eigentlich die Elfmeter? „Wichtig ist das Gefühl während eines Spiels. Es gibt ein paar Spieler, die es gut machen könnten. Am besten entscheiden die Spieler auf dem Platz selbst, wer sich gut fühlt.“

Großen Raum in der Presserunde nahm heute das Thema Verletzungen ein. Van der Vaart beim HSV, die halbe Dortmunder Verteidigung mit Hummels und Schmelzer, Bayerns Ribery und andere fallen am kommenden Wochenende nach Verletzungen aus, die sie bei ihren Nationalteams erlitten haben. „Die Spieler sind überlastet“, beschwert sich Bert van Marwijk. „Das Geld ist so wichtig im Moment, dass darauf in diesem Geschäft niemand Rücksicht nimmt.“ Als er Bondscoach war in der niederländischen Nationalmannschaft, hatte er mehrfach die Idee, die Nationalspieler nur zum Training zusammenzurufen. „Das ist besser für die Entwicklung der Mannschaft und das Risiko, sich zu verletzen, nimmt ab.“ Irgendwann, so van Marwijk, komme der Moment, an dem man Veränderungen herbei führen müsse. „Es ist schade, aber ich kann es nicht ändern.“

Das Spiel gegen Hannover ist für die Hamburger nun jedenfalls enorm wichtig. Nach zwei Niederlagen in Folge müssen Punkte her, um die Qualität des HSV auch in der Tabelle zu untermauern. Bert van Marwijk hat für die Qualität übrigens einen eigenen Parameter. „Ich gucke auch auf die Tordifferenz. Wir haben minus drei, das ist eigentlich zu gut für eine Mannschaft auf Platz 14. Aber natürlich habe ich lieber Punkte…“

Kleines Tuschelthema heute war eine Meldung aus dem „kicker“, wonach Artjoms Rudnevs nun ausgerechnet auf dem Wunschzettel von Hannover 96 stehen soll. Dort ist Ya Konan verletzt (evtl. Rückkehr in die Startelf gegen den HSV), Schlaudraff ist nicht gerade in Topform und der Vertrag von Diouf läuft am Saisonende aus. Warum also nicht Rudnevs holen? „Ich kann die Meldung nicht bestätigen.“ So nahm der Hannoveraner Sportdirektor Dirk Dufner Dampf aus dem Gerücht. Abwarten – Rudnevs wird sicher noch bei manchem Verein gespielt, so lange er in Hamburg zweite Wahl ist.

Sonntag um halb vier gilt es im Volkspark. Anschließend möchte ich Euch „Matz ab live“ ans Herz legen. Dieter wird dann gemeinsam mit Scholle moderieren, und diesmal haben Holger Hieronymus und Ditmar Jakobs als Gäste zugesagt, die ihr Struktur-Modell „HSV-PLUS“ erläutern wollen. Abgesehen davon, dass die beiden Ex-Nationalspieler ganz sicher das Nordderby aufs Allerfeinste erklären werden.

Apropos „HSV-PLUS“: Nachdem wir in der vergangenen Woche in einem langen Interview die Position des Aufsichtsrats-Vorsitzenden Manfred Ertel wiedergegeben haben, steht morgen ein großes Interview mit Otto Rieckhoff auf dem Plan, auf das ich jetzt schon gespannt bin.

Das Training morgen findet ohne Öffentlichkeit am Volkspark statt.
Ich wünsche Euch einen eisfreien Abend. Bis morgen
Lars

Fink: “Beister wechselt nicht – das ist mal klar!”

26. März 2013

Bevor ich dem HSV hier wieder den Platz einräume, eine ebenso schöne wie wichtige Nachricht vorweg, die mich heute in den frühen Morgenstunden von Dieter, dem Moderatorenteam, Eiche und eben dem stolzesten Menschen am heutigen Tag, Dembinski, erreichte: Das zweite „Matz ab-Baby“ ist da! Joris (in Anlehnung an Mathijsen?!) erblickte am Montag um 22.30 Uhr das Licht der Welt. Herzlichen Glückwunsch von Dieter, dem Moderatorenteam und mir an die berechtigterweise stolzen Eltern und ganz herzlich willkommen, süßer Joris! Und so viel kann ich glaube ich sagen: Joris ist der mit Abstand beste Blogbeitrag von Dembinski und wird schwer bis gar nicht zu toppen sein…. Aber seht selbst:

Originaltext Dembinski: Wir sind jetzt auch nachts zu erreichen :-) JORIS ist seit 22:30 uhr da :-) 2990gr und 51 cm volle Manneskraft :-) Mama ich und Papa sind wohl auf :-)

Originaltext Dembinski: Wir sind jetzt auch nachts zu erreichen :-) JORIS ist seit 22:30 uhr da
:-) 2990gr und 51 cm volle Manneskraft :-) Mama ich und Papa sind wohl auf
:-)

Was Joris gleich mit auf den Weg bekommt ist der erste Blog nach seiner Geburt. Und der fängt – ich werte das einfach mal als gutes Omen – gleich sehr versöhnlich an. Denn Trainer Thorsten Fink hatte heute einen Termin mit Maximilian Beister. Dessen Rote Karte gegen Augsburg hatte für Aufsehen gesorgt – und zog die happige Strafe von fünf Spielen Sperre nach sich. Beister schwieg zuletzt, sagte auch heute, dass er erstmal den Ball ganz flach halten wolle und sich nicht äußern will. Einer Reaktion, die für meine Arbeit hinderlich aber für mein Verständnis vom Mannschaftssport nur logisch ist. Ebenso wie seine Entschuldigung (via HSV-Internetseite) bei den Fans. Ein wenig überrascht, allerdings durchaus positiv, war ich nur von Thorsten Finks Sicht der Dinge. Der Coach, der seinen Youngster vor und nach der Roten Karte für die mangelhafte Einstellung zum Beruf verbal nachdrücklich abgewatscht hatte, ging versöhnlich in das Gespräch. „Was Maxi falsch gemacht hat, habe ich ihm schon gesagt. Und das sehr deutlich. Das brauchen wir jetzt auch nicht mehr zu besprechen.“ Vielmehr ginge es darum, zu erfahren, was Beister veranlasst hat, auszurasten. Tiefenanalyse sozusagen. „Ich bin auch der Typ Trainer, der wissen will, wie seine Spieler denken und fühlen. Vielleicht ist Maxi ja einer, der einfach mehr Aufmerksamkeit braucht“, sagt Fink.

Eine gute Reaktion, wie ich finde. Immerhin hat Beister einige Tage mächtig auf die Ohren bekommen und dürfte jetzt wissen, was ihn bei einem zweiten derartigen Fehltritt (uups, ein Wortspiel…) erwarten dürfte. Zudem, und das zeigt die Größe Finks, gesteht auch der Trainer eigene Fehler ein. „Ich hatte Maxi mal gesagt, dass er top trainiert habe und er auf sicher in den darauf folgenden zwei Spielen schon zum Einsatz kommen würde. Das habe ich dann nicht eingehalten, weil ich taktisch einige Dinge verändert habe. Das könnte ihn verstimmt haben, aber wir haben gewonnen. Und der Erfolg gab mir Recht.“

Gesprochen hatte er seitdem nicht mit Beister. Und der Jungspund fing an zu schmollen. Fink registrierte das, ließ Beister zappeln und sah es als Lernphase für seinen Jung-Offensiven an. „Maxi lernt noch, der darf auch mal einen Fehler machen. Lernjahre sind eben keine Herrenjahre“, so Fink, der in diesem Zusammenhang gern auch den berühmten französischen Trainer Arsene Wenger (Arsenal London) zitiert: „Wenger hat mal gesagt, dass du bis 23 Jahr lernst, was es heißt, ein Profi zu sein. Erst ab dem 23. Jahr Profi bist du dann Profi. Das stimmt – und deswegen gestehen ich Maxi Fehler zu.“

Im Gespräch mit seinem aktuellen Pflegefall zog Fink also jetzt die pädagogische Karte. Vielleicht genau das richtige Stilmittel beim sichtbar angeschlagenen Beister. Der musste nach der happigen Sperre auch beim DFB-Unterbau – Dieter hat’s geschrieben – eine persönliche Pleite hinnehmen und wurde beim 2:1-Sieg der U21 gegen Israel nicht einmal eingewechselt. Harter Tobak. Verdient zwar. Aber eben hart.

Schon deshalb setzt Fink darauf, seinen frustrierten Nachwuchsstürmer aufzubauen. Etwaige Wechselgedanken erstickte Fink heute bereits im Keim. Mehr als deutlich. „Ich lasse Maxi ganz sicher nicht gehen, da könnt ihr einen drauf lassen. Ein Wechsel kommt sowas von absolut nicht in Frage. Er hat hier einen langfristigen Vertrag und wird sich hier auch durchsetzen.“ Das Gespräch soll dabei einen weiteren Lernprozess einläuten. Und er soll Maxi Beister das Vertrauen wiedergeben, was er zuletzt verlieren hatte. „Dafür werde ich Maxi meine Position noch mal klar machen. Er soll aber auch wissen, dass ich fest mit hm plane.“ Zuerst die Peitsche, jetzt ein wenig Zucker. Zumindest klingt das für mich alles nach einem sehr versöhnlichen Gespräch. Und wenn es dazu führt, dass Beister Lehren zieht – ich hätte nichts dagegen.

Nichts hätte ich auch gegen Punkte am Sonnabend beim Deutschen Rekordmeister. Zumal der HSV in München mit Rafael van der Vaart – der Niederländer wird nach überstandener Grippe am Sonnabend wieder zum Team stoßen – zuletzt immer gut ausgesehen hat. Zwei Siege bei einem Remis in drei Besuchen der bayerischen Hauptstadt. Und daran soll sich auch diesmal nichts ändern. Deshalb werden jetzt schon kleine Psychospielchen wie das von Helmer („Juve ist die größte Chance des HSV“) und Ähnliches kolportiert. Dass der FC Bayern allerdings selbst mit elf rotierenden Spielern eine Mannschaft zusammenhätte, die den HSV nominell schlagen müsste – fraglos. Vor allem vor zwei Spielern habe ich mächtig Respekt: Vor Mandzukic, der dreckig, abgewichst und unfassbar effektiv spielt. Und natürlich vor dem in meinen Augen besten Fußballer der Bundesliga: Franck Ribéry. Sollte er nicht für das wichtige Champions-League-Spiel am Dienstag gegen Juventus Turin geschont werden, ist Franck Ribéry am Sonnabend beim Nord-Süd-Klassiker der direkte Gegenspieler von Dennis Diekmeier. Wie der sich auf den wahrscheinlich besten Offensivspieler der Bundesliga (O-Ton Thorsten Fink) vorbereitet? „Kann ich gar nicht“, sagt Diekmeier, „Ribéry bekommt man nur im Verbund gebändigt.“ Soll heißen: Doppeln im Defensivbereich. „Ribéry ist von seinen technischen Möglichkeiten fast unbegrenzt, ist unglaublich schnell und trickreich“, lobt Fink, der sein System in München nicht umstellen wird.

Fink wird in München in der Viererkette nichts ändern. „Ich will nicht alle zwei Wochen die Formation ändern“, so der Coach, der dennoch personelle Veränderungen erwägt. Während er hinten links zwangsläufig Marcell Jansen (5. Gelbe) durch Petr Jiracek ersetzt und Rafael van der Vaart nach überstandener Grippe wieder in die Startelf zurückkehren. Noch offen ließ Fink, ob er mit Per Skjelbred über rechts beginnt oder dort wieder Heung Min Son auflaufen lässt. Wobei es bei Ribery durchaus Sinn macht, Diekmeier einen defensiv fähigeren Spieler vorzusetzen, der sich mit Doppeln auskennt. „Es ist eine Überlegung“, so Fink vor seiner Rückkehr zu dem Klub, mit dem er als Spieler Meisterschaften, Pokalsiege und die Champions League gewann. Fink weiter: „Ich freue mich auf das Wiedersehen mit alten Bekannten. Aber ich werde keine Geschenke mitbringen.“ Im Gegenteil: Geht es nach Fink, würde der HSV sogar die Punkte mitnehmen.

Zu hoffen bleibt, dass alle Nationalspieler gesund zurückkehren. Denn, und da stimme ich voll in Helmers Theorie ein, das Spiel gegen Juventus am kommenden Dienstag dürfte bei allen Bayern im Hinterkopf sein. Zumal die Deutsche Meisterschaft bei 20 Punkten Vorsprung entscheiden „und maximal noch Formsache ist“ (O-Ton Fink). Dafür bedarf es dennoch einer Top-Leistung des HSV mit dem bestmöglichen Personal. Zumal, und das könnte noch mal ein paar Prozente in jedem hervorkitzeln, bei einem Ausrutscher der Dortmunder der FC Bayern mit einem Sieg sieben Spieltage vor Schluss den Titel perfekt machen könnte. Dann könnte sich der Liga-Primus auch faktisch komplett auf den Traum vom Gewinn der Champions League konzentrieren…

Egal wie, ich hoffe, dass der HSV in München nach der Pleite gegen Augsburg sein zweites, hübsches Gesicht zeigt. Das, was wir spielerisch in Dortmund, taktisch in Stuttgart und von der Leidenschaft her beispielsweise in Freiburg gesehen haben. Eine Mischung aus diesen drei Spielen – das könnte der Liga die letzte Spannung erhalten. Und den HSV weiter von einem Platz ganz vorn im so genannten “Schneckenrennen um Europa” träumen lassen.

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird aufgrund der vielen spät zurückkommenden Nationalspieler erst um 15 Uhr an der Arena trainiert. Endlich wieder trainiert, ist man geneigt zu sagen, nachdem in der Länderspielpause mit dem kleinen, hier gebliebenen Rest bislang lediglich das Kreisspiel perfektioniert werden konnte…

Bis morgen, und an dieser Stelle noch einmal meinen allerherzlichsten Glückwunsch an Jacek und Frau!! Das habt Ihr richtig gut hinbekommen!!

Scholle

0:3 – Bayern zwei Nummern zu groß

3. November 2012

Wunder gibt es immer wieder – aber dann doch nicht so oft, wie man es sich als HSV-Fan erhofft. Gegen Rekordmeister Bayern München ging der HSV nach guten Anfangsminute mit 0:3 unter und konnte mit diesem Resultat noch ganz zufrieden sein. Die Münchner waren für den HSV vor 57 000 Zuschauer in der ausverkauften Arena mindestens zwei Nummern zu groß, was wahrlich keine Schande ist. Der HSV wird seine Punkte woanders holen müssen, nicht gegen diesen bärenstarken FC Bayern – und der HSV wird auch seine Punkte wieder holen. Vielleicht schon am nächsten Sonnabend in Freiburg? Diesmal hat es einfach nicht gepasst, diesmal waren die Bayern die deutlich bessere und reifere Mannschaft. Die Münchner gewannen 57 Prozent aller Zweikämpfe, hatten zum Beispiel eine Passgenauigkeit von 87 Prozent! Hervorragend. Und beim HSV hatten dann doch wohl zu viele junge Spieler zu großen Respekt vor diesem Klasse-Team. Was blieb dem HSV-Fan nach Spielschluss? Trotz allem zu feiern! Und Stadionsprecher Dirk Dröge brachte es vor dem Nach-hause-Weg auf den Punkt: „Hamburg hatte an diesem Abend die besseren Fans.“ Wenigstens ein Treffer!

Es regnete, es goss, es war kalt und ungemütlich – aber die Stimmung in der Arena war trotz allem prächtig. Was heißt prächtig, sie war Weltklasse. Und ich habe zu mir immer wieder gesagt: „Bitte, bitte, lieber Fußball-Gott, lass das 1:0 für Bayern nicht zu früh fallen, damit diese Stimmung noch ein wenig anhält.“ In diesem Punkt war der liebe Fußball-Gott dann ja auch auf meiner Seite . . .

Ganz Hamburg schien aufgeregt, voller Vorfreude, unwahrscheinlich optimistisch und auch unglaublich nervös. Schon Stunden vor dem Anpfiff sagten mir viele Fans: „Man, jetzt müsste es aber auch bald mal losgehen . . .“ Und trotz allem musste bis 18.30 Uhr gewartet werden – begleitet mit einigen überraschenden Resultaten in der Ersten Bundesliga. Was ist da nur los? Außer Bayern scheint jede Mannschaft anfällig zu sein. Schalke in Hoffenheim – ohne Worte.

Aber das nur am Rande. Der HSV begann voller Selbstbewusstsein, legte in den ersten Minuten los wie die Feuerwehr. In den ersten Minuten, wohlgemerkt. Trainer Thorsten Fink hatte viel gewagt und viel riskiert. Rafael van der Vaart begann zentral in vorderster Reihe, links sollten ihm Maximilian Beister assistieren, rechts Heung Min Son. Hinter van der Vaart standen Milan Badelj und Tolgay Arslan, dahinter als dauerrennende „Sechs“ Tomas Rincon. Das schien zunächst aufzugehen, die beiden ersten Offensivaktionen des Spieles gehörten dem HSV. Aber mit zunehmender Spielzeit kamen die Bayern, sie fanden stetig immer besser ins und zu ihrem Spiel – und beim HSV funktionierte die neue Formation immer weniger . . .

An van der Vaart lief das Spiel vorbei, von den Außen kamen keine Offensivaktionen, weil dort das Zauberwort „doppeln“ hieß. Gegen Ribery und Müller mussten in der Defensive immer zwei Mann zur Stelle sein, das erfordert jede Menge Laufarbeit, Aufmerksamkeit – und Kraft. Und deswegen lief alsbald nicht mehr so viel nach vorne beim HSV. Alles das, was von Fink mit einem Hauch Offensive angedacht worden war, blieb weit hinter den Erwartungen des Trainers – und aller Fans.

Und – ganz nebenbei – dann zeigten die Bayern natürlich auch immer mehr, warum sie und keine andere Mannschaft in dieser Saison den Meistertitel holen wird. Dieses FCB-Team ist einfach nur saustark. Daran kann kein Dortmund und kein Schalke mehr klingeln. Und der HSV muss seine Punkte gegen andere Klubs holen. Dass diese Bayern aber nicht nur hervorragenden Fußball spielen können, sondern auch noch die eine oder andere nicht so astreine Sache auf Lager haben, das zeigte sich in zwei Szene vor dem Halbzeitpfiff. Erst trat Mandzukic gegen den flankenden Dennis Diekmeier ganz böse zu, der HSV-Spieler musste behandelt werden. Bevor er das konnte, spielte Torwart Neuer den Abstoß blitzschnell aus dem Strafraum (ohne auf den am Boden liegenden Diekmeier zu achten) – und Übeltäter Mandzukic schlich sich ohne Entschuldigung still und heimlich nach vorne. Die zweite Szene dieser Art: Ribery stürmte auf den HSV-Strafraum zu, spielte den Ball mit der Hand gegen die Hand von Rincon – und forderte wild gestikulierend Freistoß oder gar Elfmeter. Geht es noch?

Spätestens nach einer halben Stunde wusste jeder im Stadion, wohin der Hase laufen wird. Bayern waren am Drücker, erspielten sich viele Chancen. Und schossen folgerichtig auch das Führungstor. Nach einem Eckstoß des HSV wurde ganz Hamburg ausgekontert. Bitter. So etwas sollte eigentlich nicht passieren, passiert aber leider immer wieder. Ribery mit einem Befreiungsschlag, Michael Mancienne und „Maxi“ Beister sind sich nicht einig, wer zum Kopfball gehen soll – Bayerns Müller macht es und bedient so Kross, der auf und davon zieht. Der Nationalspieler umkurvt Rene Adler, kann danach aber nur noch flanken – und tut dieses erstklassig. Schweinsteiger, der bei dieser Kälte (?) mit einer schwarzen Strumpfhose spielte, hechtet in diesen Ball – 0:1 (40.).

Mit Beginn des zweiten Durchgangs hatte Thorsten Fink seine erste (und sicherlich auch gut gemeinte) Aufstellung korrigiert. Zurück zur Stamm-Elf: Artjoms Rudnevs kam wieder rein, und alle anderen Spieler gingen zurück auf ihre Positionen, die sie in den vergangenen Wochen bekleidet hatten; Rincon blieb in der Kabine. Und es begann verheißungsvoll, denn nach Sekunden schoss Beister aus halblinker Position auf das Bayern-Tor – aber Neuer hielt ohne Mühe.

Das nächste Tor fiel auf der Gegenseite. Zunächst hielt Rene Adler noch riesig gegen Mandzukic (das musste schon das 0:2 sein), doch dann folgte ein ganz „freches“ Ding. Ribery bediente Müller, der Jansen kurzerhand stehen ließ und frei vor Adler aufkreuzte. Der HSV-Keeper verkürzte den Winkel, Müller schien links auf der Torauslinie ohne Chance, ein Tor zu machen – aber Müller schoss. Rotzfrech. Und drin das Ding! Damit hatte Adler ganz offensichtlich nicht gerechnet – ich muss gestehen, auch ich habe nie damit kalkuliert, dass Müller von dort noch schießen würde. Aber Frechheit siegt (49.). Mit diesem Tor war das Spiel gelaufen.

Adler verhinderte später gegen Ribery noch das 0:3 (51.), aber dieser Treffer ließ trotz allem nicht lange auf sich warten. Ribery, Ribery, Ribery. Wieder war es Ribery, der Kroos in den HSV-Strafraum schickte. Offenbar rechneten alle Hamburger damit, dass der Nationalspieler den Ball zur Mitte passen würde, aber das ist ja nichts für Kroos. Der „Dr. Hammer“ der Bundesliga aktivierte kurz seinen linken Schlappen und drosch die Kugel brutal und absolut humorlos in die kurze Ecke – 0:3 (53.). Das Ende aller Hamburger Träume.

Danach plätscherte das Spiel dann in aller Ruhe in Richtung Champions League. Für die Bayern. Und der HSV? Die Stimmung blieb prächtig: „Steht auf für den HSV.“ Und: „Hey, hey, hier kommt Hamburg.“ Ganz bestimmt. Auch noch in dieser Saison. Aber diese Bayern waren dann doch noch einmal zwei Nummern zu groß. Schade, aber Realität. Und die ist eben oftmals auch ganz grausam.

Die Einzelkritik:

Rene Adler hielt das, was er halten konnte, und das war eine ganze Menge. Aber alles kann er, der Supermann, natürlich dann doch nicht abwehren. Und wenn ihm nun einige schon wieder die Schuld am 0:2 geben (oder eine Beteiligung sehen), dann muss ich sagen, dass ich ihn daran schuldlos sehe. Das war Pech. Und Müllers Können.

Dennis Diekmeier gab alles, versuchte alles, aber gegen einen Ribery haben schon sooooo viele ganz alt ausgesehen. Das ist keine Schande. Trotzdem noch Note vier.

Michael Mancienne begann sehr gut, stoppte zu Beginn einige Bayern-Angriffe, um dann mit ins Trudeln zu geraten. Trotz allem nicht so schlecht, wie man es bei einem 0:3 vermuten könnte.

Heiko Westermann war der beste Hamburger. Note zwei. Was er lief, ackerte, kämpfte, köpfte – großartig und vorbildlich.

Marcell Jansen hielt seine linke Seite eigentlich ganz gut sauber, aber nach vorne konnte er kaum etwas ausrichten. Später, als Dennis Aogo kam, rückte Jansen eine Position vor – ob das dem ehemaligen Bayern-Spieler schmecken wird? Er hat doch dort eine Chance auf eine Nominierung für die Nationalmannschaft gehofft . . . Mal sehen, wie es da weitergehen wird.

Tomas Rincon lief von Bayer zu Bayer zu Bayer. Unglaublich. Aber so richtig in den Griff bekam er weder einen Gegenspieler noch sein Spiel. Schade. Aber er wird es wohl demnächst noch einmal versuchen dürfen. Hoffentlich.

Tolgay Arslan ging unter, und zwar von Anfang an. Da war wohl doch eine Schippe zuviel Respekt mit im Spiel.

Milan Badelj begann schwach und konnte nie zu seinem Spiel finden er blieb schwach und endete schwach. Note fünf.

Heung Min Son blieb blass. Auch wohl deshalb, weil er kaum Unterstützung hatte.

Maximilian Beister fand nie in dieses Spiel und blieb ohne jede Szene. Note fünf.

Rafael van der Vaart versuchte viel, aber irgendwann sah er wohl ein, dass er allein gegen ein solches Starensemble keine Chance hat. Auf „seiner“ Position in Durchgang zwei trat er auch kaum noch in Erscheinung.

Artjoms Rudnevs kam in er 46. Minute für Rincon und blieb chancenlos und blass.
Dennis Aogo kam in der 58. Minute für Beister und ließ nichts mehr anbrennen – gegen Bayern, die auch nicht mehr so recht wollten, keine Frage.

Mund abputzen, aufstehen und weiter – HSV!

20.34 Uhr

Welche Rolle der Videowürfel spielt

16. Juni 2012

Über Waldis EM-Club lässt sich ja trefflich streiten. Mal realistisch, mal komisch-heiter-ironisch. Wer es mag, der freut sich, ich kenne einige, die sich das nicht ansehen. Wollen. Ich zappe da aber gerne mal rein, denn ich mag den Waldemar. Für alle, die es wissen wollen: Waldi ist ein Super-Typ, mit dem man Pferde stehlen kann. Wir fanden bei der EM 1996 in Manchester zusammen, da waren wir im selben Hotel – und abends (fast) immer in derselben Disco. Da hatten wir viel Spaß. Und wer jetzt denkt, da ging die Post aber so richtig ab, dem muss ich entgegnen: nix da! Spaß haben und den Ball flach halten können, das muss man auch können – und der Waldi kann das auch. Und so ganz nebenbei bemerkt: der Herr Hartmann weiß auch fix Bescheid. Über Fußball, die Nationalmannschaft, das Umfeld – und was sonst im Leben so abgeht. Er hat mir sogar einen dicken Lapsus verziehen: Als ich eine Geschichte über ihn schrieb, wurde mir in Hamburg ein ganz böser Nebensatz in den Text gemischt. Etwas, was ich noch heute als sehr böse empfinde. Wie gesagt, nicht von mir – und der Waldi hat es mir auch abgenommen und mir verziehen. In meiner ersten Wut, das gebe ich zu, wollte ich mein EM-Abenteuer beenden und abreisen. Ich wurde aber von den lieben Kollegen gebremst, was ich heute noch als sehr gut ansehe.

Aber zurück zu Waldis EM-Club in der ARD. Da saß kürzlich auch Hansi Müller. Der schöne Hansi hieß es ja früher, der Stuttgarter und ehemalige Nationalspieler war mal in der „Bravo“ auf dem Titelblatt, aber davon ist nicht mehr viel zu sehen. Na ja, Schönheit ist vergänglich . . . Also dieser Hansi Müller hat, als es bei Waldi gerade mal „real“ zuging, über einen ehemaligen HSV-Spieler, über den „kleinen Engel“, voller Entsetzen gesagt: „Hat das eigentlich jemand gesehen, wie langsam dieser Rafael van der Vaart geworden ist? Ich habe den immer sehr als Fußballer geschätzt, aber wie langsam ist der geworden. Als er einmal hinter dem mit Ball am Fuß laufenden Mesut Özil hinterher lief, drehte der Holländer ab, weil er wohl nicht wollte, dass man seine Langsamkeit so offensichtlich sah.“ Ich fühlte mich bestätigt mit dem, was ich kürzlich schrieb. Beim Länderspiel in Leipzig gegen Israel sprach ich ja mit mehreren Spielerberatern, auch über van der Vaart. Und einer dieser Berater sagte mir ja (ihr erinnert euch?): „Was will der HSV denn mit dem? Der ist doch viel zu langsam geworden, der spielt doch ohne jegliches Tempo – und das kann man sich im heutigen Spitzenfußball gar nicht mehr erlauben.“ Ja, so sehen es die Experten.
Ich würde mich trotz allem freuen, wenn er wieder zum HSV zurück käme, aber das ist ja nur meine unmaßgebliche Meinung, die kann jeder sofort wieder vergessen.

So, ihr merkt, es ist EM-Zeit. Da geht nichts beim HSV, absolut nichts. Keine Zeitung hat den „großen Kracher“, denn es gibt keinen „großen Kracher“. Noch nicht. Also ist EM. Und da hat der Unsympath des Turniers noch ein Spiel, dann fliegt er nach Hause: Zlatan Ibrahimovic. Was für ein Typ?! Mannschaftsführer der Schweden. Ausgerechnet ein solcher Mensch ist Mannschaftsführer. Habe ich mich gefreut, dass die Schweden ausgeschieden sind – obwohl ich nichts gegen Schweden habe. Nur gegen dieses Ekelpaket. Er wird ja auch Rebell genannt, oder Exzentriker. Das ist in meinen Augen alles untertrieben.

Allein wie der als schwedischer Spielführer die Hände der Gegenspieler (bei der Begrüßung vor dem Anstoß) schüttelt. Ibrahimovic, der ein begnadeter Fußballspieler ist (er schießt den Ball auch tatsächlich dorthin, wo er ihn hin haben will! Das macht in der Perfektion kaum ein Zweiter), sieht die gegnerischen Spieler nicht an, er blickt nur auf die ihm entgegengestreckte Hand, packt diese und „zerquetscht“ sie. Unmenschlich. Wie „Geier Wally“ läuft er über den Rasen. Und, hat es jemand gesehen, als das 2:1 für Schweden gegen England gefallen war: Mitten im schwedischen Torjubel giftete Ibrahimovic den geschlagenen englischen Keeper Joe Hart an. Wieso, weshalb, warum? Weiß nur er. Wenn Blicke töten könnten . . .

Apropos England. Da spielte ja so ein Schönling namens Andy Carroll mit. Ähnlich die Haare nach hinten gebunden wie Ibrahimovic. Aber dieser Carroll, der ein Super-Tor zum 1:0 geköpft hat, ist ja nicht nur Fußball-Nationalspieler. Dieser Adonis öffnete sofort seine Haare, nachdem der halbzeit- und der Schluss-Pfiff gekommen waren. Dann schüttelte er kurz seinen schönen Kopf, die schönen Haare sahen mit einem Schlag wuselig aus, und um sie noch wuseliger zu machen, fuhr er sich mehrere Male mit beiden Händen durch das Haar. Was für ein Kerl! Viel zu schön um wahr zu sein. Und:
Du hast die Haare schön, du hast die Haare schön, du hast, du hast die Haare schön.

Ja, auch ein solches Gehabe und Getue gehört wohl zum heutigen Show-Fußball dazu. Ist ja ohnehin lächerlich, wie diese Schönlinge immer sofort auf den Videowürfel im Stadion schauen, wenn sie etwas vollbracht haben. Dann wollen sie sich sehen: „Bin ich auch gut im Bild? Und bin ich nicht schön?“

Ich denke dabei immer an Uwe Seeler. Für den gab es damals keine Videowürfel, aber selbst wenn er heute noch spielen würde – „uns Uwe“ würde nicht einmal zum Bildschirm hochsehen. Weil er immer nur Fußball, Fußball, Fußball gedacht und gelebt hat, und er wollte nur eines; gewinnen. Nicht schön aussehen, nicht die Haare richten, nicht sonst etwas machen. Das heute nimmt schon groteske und lächerliche Züge an. Ganz sicher. Wobei der Ober-Schönling ja aus Portugal kommt: Cristiano Ronaldo. Der Mann ist ja tatsächlich bildschön, keine Frage, volle Anerkennung von mir, aber muss er das auch während der 90 Minuten ständig überprüfen? Ich behaupte, obwohl es darüber keine Statistik gibt, dass kein anderer EM-Spieler während der 90 Minuten so oft zum Videowürfel hochblicken, wie Ronaldo. Deswegen vergisst er in diesen EM-Tagen auch seine fußballerischen Qualitäten. Der will nur glänzen und gut aussehen. Letzteres hat er Ibrahimovic um Längen voraus – aber was soll das schon heißen?

Zwei Dinge sind mir zudem aufgefallen.

Ich finde es irgendwie ein wenig unfair, wenn eine Mannschaft, die den Ball ins Seitenaus spielt, damit ein verletzt am Boden liegender gegnerischer Spieler von der medizinischen Abteilung behandelt werden kann, den Ball dafür später, nach der Verletzungspause, zum Torwart zurückgespielt bekommt. Dabei wurde der Ball doch ursprünglich in der anderen Spielhälfte ins Aus gespielt. Die um Fairplay bemühte Mannschaft hat also einen gravierenden Nachteil hinzunehmen, denn sie muss neu und wieder von (ganz) hinten aufbauen. Und die Zuschauer klatschen dazu . . .

Und noch eine Unsitte, die ich schon vom HSV (und aus der Bundesliga) kenne, macht sich bei diesem Turnier breit: Wie die Kinder sind die Gören . . . Gibt es einen Freistoß kurz vor dem gegnerische Tor, sodass der Ball direkt auf das Gehäuse geschossen werden könnte, so fallen die Spieler teilweise wie die Hühnerhabichte über die Kugel her: „Her damit! Du gibt’s mir sofort den Ball! Den schieße ich, und nur ich.“ Ein Gezanke und Gezeter ist das, und das hat in meinen Augen nichts, aber auch absolut nichts mit Profi-Fußball zu tun. Da sind dann plötzlich nur „Hirnis“ am Werke, die nur sich und ihr Ego kennen. Wahnsinn. Da werden die besten Chancen verschenkt, nur weil den Ball ein jeder ganz persönlich nimmt. Ribery ist so einer, und bei England fiel mir Young auf. Gefoult, gefallen – aufgesprungen und den Ball „geraubt“ – das ist eine Szene. Und bevor dann geschossen wird, wird erst einmal diskutiert. Und das lenkt total vom Wesentlichen ab. Konzentration? Das ist dann ein Fremdwort. Da geht es nur noch darum, den Ball zu verteidigen, dass man auch tatsächlich selbst zum Schuss kommt.

Mich überrascht immer wieder, wie die Trainer diesem bunten Treiben tatenlos zusehen. Da müssten doch irgendwann einmal klare Ansagen kommen. Mein ehemaliger Trainer Wolfgang „Jule“ Rauert (beim Wandsbeker FC) gab vor dem Spiel immer bekannt: „Elfmeter Matz.“ Damit das geklärt war – bevor es Streitigkeiten gab oder geben konnte. Aber über die Freistöße sprach auch er nie. Doch ich bin mir sicher, dass er es heute machen würde – man kann das nicht alles dem Zufall und dem Ego der Spieler überlassen. Dazu sind die Begegnungen heutzutage viel zu eng, da entscheidet eventuell genau diese eine Standardsituation.

Also, Männer, macht euch nicht lächerlich, reißt euch endlich mal zusammen und gibt mal den Profi (der über den Dingen steht) – alles andere ist doch wirklich der reinste Amateurfußball. Obwohl, denke ich gerade, die kriegen es wahrscheinlich viel besser hin, weil es da ja nicht so viele unfehlbare Stars gibt – wie zurzeit in Polen und der Ukraine.

Apropos. Seit „einigen“ Tagen, gefühlt seit zwei Monaten, haben wir ja Sommerpause. Vom Sommer ist weit und breit nichts zu sehen, dafür von Pause umso mehr. Zum Glück haben wir aber noch die EM. Und die sollten wir deswegen auch ausgiebig genießen. Noch ist es doch herrlich, dass es jeden Abend Fußball gibt – oder?

Und dann war da noch ein kurzer Bericht von „pps“ „Mein Wechsel zu Real Madrid hat sich voll ausgezahlt“, meinte der deutsche Mittelfeld-Star Sami Khedira im Gespräch mit ZDF-Reporter Michael Steinbrecher im deutschen Quartier. „José Mourinho ist für mich der weltbeste Vereinstrainer. Er bringt Ehrlichkeit rüber, verspricht einem nichts, was er nicht so meint. Er hat mir beigebracht, noch intelligenter zu spielen.“
Das habe ich in den letzten Wochen immer häufiger gehört. Von Mourinho schwärmen sie (fast) alle. Okay, der Coach steht mit den Journalisten auf Kriegsfuß, aber das muss man auch mal ignorieren. Wenn es ums Fußballerische geht, so muss er ein ganz besonderes Exemplar seiner Zunft sein. Er soll es tatsächlich so gut können – wie kaum ein zweiter Trainer auf der Welt. Es wäre aber doch wirklich sehr, sehr schön, wenn bei ihm der eine oder andere Kollege mal in die Schule gehen könnte. Und noch schöner wäre es doch wenn zum Beispiel ein – um nicht so hoch zu greifen – Gojko Kacar am Ende der nächsten Saison sagen würde: „Thorsten Fink ist für mich der weltbeste Vereinstrainer. Er bringt Ehrlichkeit rüber, verspricht einem nichts, was er nicht so meint. Er hat mir beigebracht, noch intelligenter zu spielen.“

Das wäre dann einzigartig, ein Novum für Hamburg, denn einen solchen Satz habe ich selbst über den großen Ernst Happel nie vernommen. Obwohl der beste HSV-Trainer aller Zeiten wirklich von fast allen seinen Spielern gelobt und verehrt wurde. Hätte doch was, wenn sie so in einem Jahr alle voller Hochachtung von Fink sprechen würden.

PS: Morgen, nach dem EM-Spiel Deutschland gegen Dänemark, gibt es wieder „Matz ab live“. Unsere Gäste im „Champs“ sind HSV-Vorstands-Cheff Carl-Edgar Jarchow und der freie Journalist Oliver Wurm, bekannt und berühmt durch diverse Teilnahmen am „Sport-1-Doppelpass“. Wir freuen uns, und wir, „Scholle“ und ich, würden uns auch sehr freuen, wenn ihr wieder einschalten würdet. Obwohl, ich glaube, wir konkurrieren dann mit Waldis EM-Club . . .

18.41 Uhr

Petric: “Wir werden gegen Top-Teams punkten”

3. Februar 2012

Tymoshchuk, Gustavo oder Boateng? Wer spielt innen bei den Bayern, und wer auf der rechten Abwehrseite? Fragt man die Münchener Kollegen, erhält man unterschiedliche Antworten. Im Abschlusstraining agierten Holger Badstuber und Gustavo innen, Boateng auf der rechten Seite. Dennoch rechnen die dortigen Experten damit, dass Boateng neben Badstuber innen verteidigt und Tymoshchuk auf der rechten Außenverteidigerposition beginnt. „Ich sehe das ja eine Stunde vor Anpfiff“, sagt Mladen Petric, der allerdings betont, dass es durchaus einen Unterschied macht, gegen wen er spielen würde. „Ich nehme mir natürlich bei verschiedenen Gegenspielern auch verschiedene Aktionen vor. Bei Boateng beispielsweise weiß ich, dass er natürlich sehr kopfballstark ist.“ Entsprechend setzt der Kroate gegen seinen ehemaligen Teamkameraden weniger auf hohe Bälle sondern auf die vergleichsweise eingeschränkte Beweglichkeit Boatengs. Das wiederum ist eine Stärke bei Gustavo, der allerdings nicht besonders kopfballstark ist. Ergo: Wir müssen abwarten, wen Jupp Heynckes aufbietet. Wobei die Ansage eines meiner Kollegen auch irgendwie zutrifft: „Was interessiert denn die Innenverteidigung der Bayern bei der Offensivabteilung?“

Sehr viel, wie ich finde. Denn gerade defensiv haben die Münchener ihre größten Probleme. Wie Gladbach bewiesen hat. Und unter der Woche hatten Trainer Thorsten Fink und seine Spieler immer wieder betont, Mönchengladbach als Beispiel dafür zu nehmen, wie man die Bayern schlägt. Das wiederum dürfte schwierig werden angesichts des nicht zwingend als Sprinterduo zu bezeichnende Stürmer-Doppel Petric/Guerrero. Ebebso wenig überraschende Tempoläufe sind von Tomas Rincon und David Jarolim auf der Doppelsech sowie von Jacopo Sala auf der rechten Mittelfeldseite zu erwarten. Einzig Rechtsverteidiger Dennis Diekmeier und mit Abstrichen Marcell Jansen können mit dem hohen Tempo der Gladbach-Youngster Reus und Herrmann mithalten. Zudem fehlt für das nahezu perfekte Konterspiel der Fohlen den Hamburger ein genialer Passgeber, wie es bei der Borussia derzeit Juan Arango ist.

Nein, der HSV täte besser daran, sich nicht mit Gladbach zu vergleichen. „Wir dürfen nie versuchen, jemanden kopieren“, sagte Marcell Jansen zuletzt und fügte hinzu: „Das würde schief gehen. Aber wir dürfen von anderen lernen.“ Zum Beispiel, wie man die Mitte zumacht. Denn das hat Gladbach gegen die Bayern mit Nordtveit und Neustädter perfekt gemacht. Die Bayern waren immer wieder gezwungen, auf die Flügel auszuweichen, wo die größtenteils unauffälligen Protagonisten der Bayern Robben und Kroos hießen. Letztgenannter wird morgen durch den in meinen Augen besten Spieler der Bundesliga ersetzt: Franck Ribery. „Ich werde s wahrscheinlich mit ihm zu tun bekommen“, sagt Diekmeier, der gegen Hertha durch effektive Flankenläufe auffiel und gegen Bayern vermehrt Defensivarbeit erwartet. Zehn Flankenläufe hatte Manfred Kaltz von dem HSV-Verteidiger gefordert – gegen Bayern wäre ich schon froh, wenn Diekmeier hinten dicht macht.

Dass der HSV noch immer akute Defensivprobleme hat, wurde heute im Training mal wieder offensichtlich. In bunt gemischten Mannschaften spielten auf der einen Seite für Grün die Viererkette (Diekmeier, Westermann, Rajkovic, Aogo) und für das rote Team Rincon und Jarolim auf der Doppelsechs. Ergebnis: kurz vor Schluss stand es 6:0 für Grün. Ein klares Ergebnis, das Fink auf die Palme brachte. Er stoppte das Spiel und stellte sich vor die rote Mannschaft und fragte sie, wie es angehen könnte. Mehr als Achselzucken gab es nicht – allerdings agierten Rincon und Jarolim anschließend aggressiver.

Zuvor war es ein wenig herzlich auf dem Platz. Die Mannschaft sang für Geburtstagskind Slobodan Rajkovic (seit heute 23 Jahre alt) ein Ständchen. Und der Serbe revanchierte sich, indem er sein bislang verweigertes Einstandslied sang.

Alles andere als herzlich wird es morgen auf dem Platz. „Ein Schweinespiel“ erwartet Paolo Guerrero. Und angesichts der erwarteten Minusgrade im zweistelligen Bereich dürfte es für alle ungemütlich werden. Heute kam selbst die Stadionrasenheizung nicht ausreichend gegen den Frost an. Ergebnis: Statt wie geplant im Stadion zu trainieren, ging es auf den normalen Trainingsplatz. „Selbst Handschuhe bringen da nichts“, sagt Petric, „die Finger werden trotzdem arschkalt.“ Deshalb werde er nichts Besonderes gegen die Kälte unternehmen, außer „einfach immer in Bewegung sein“. Klingt gut, besonders bei Mladen. Fast so gut, wie: „Ein Spiel gegen den Rekordmeister ist immer etwas besonderes. Wir haben uns gegen Hertha wieder zurück in die Spur gebracht. Der Sieg war wichtig für den Kopf. Wir haben das Dortmund-Spiel damit verarbeitet.“

Ob das stimmt, wird sich morgen zeigen. Zudem wird auf die Fortsetzung von zwei Serien gehofft. Zum ersten, dass nach vier Spielen ohne Niederlage im heimischen Stadion das fünfte gegen den Rekordmeister folgt. Und zum zweiten dürfen wir auf die Serie Guerreros (in den letzten fünf Heimspielen jeweils einmal getroffen) hoffen. Wobei es sowohl dem Peruaner (sagt er zumindest) egal ist, wer trifft. Sollte s Petric sein, wäre es übrigens der 50. Bundesligatreffer des Kroaten, der die beiden letzten Heimsiege jeweils durch seine Treffer für den HSV entschied. „Ich hoffe, dass die Bayern wie in den letzten beiden Spielen noch nicht ihr Topniveau finden“, sagt Petric und betont, dass der HSV von heute fast nichts mehr mit dem aus der Hinrunde (0:5) zu tun hat. „Wir sind besser“, sagt der Linksfuß, der von einem Trauma gegen die Top-Vier nichts wissen will. „Gegen Gladbach haben wir unglücklich 0:1 verloren, gegen Schalke waren wir 70 Minuten die bessere Mannschaft. Wir haben da kein Kopfproblem. Ich bin mir sogar sicher, dass wir in der Rückrunde gegen die Top-Teams punkten werden.“

Ein gutes Omen gibt es jedenfalls schon. Schiedsrichter der Partie am Sonnabend (18.30 Uhr, Imtech-Arena) ist Knut Kircher. Als der zuletzt 2008/2009 einen Nord-Süd-Schlager in Hamburg leitete, gewann der HSV 1:0 (Petric, 44.). Und ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber mir würde das reichen. Dafür würde ich neben den Polartemperaturen auch ein unfassbar langweiliges Spiel in Kauf nehmen…

In diesem Sinne, im Abspann noch die voraussichtlichen Aufstellungen. Bis morgen,

Scholle

Hamburger SV: Drobny – Diekmeier, Westermann, Rajkovic, Aogo – Rincon, Jarolim – Jansen, Sala – Guerrero, Petric
Im Kader: Mickel, Neuhaus, Mancienne, Sternberg, Tesche, Kacar, Ingreso, Ilicevic, Son, Arslan
Nicht dabei: Bruma (Reizung am Knie), Berg (Aufbautraining), Castelen (Reha), Töre (Meniskuseinriss), Bertram, Behrens, Besic, Nagy, Stepanek, Tavares.
Gelbsperre droht: Aogo, Mancienne, Rincon (alle 4)

FC Bayern München: Neuer – Tymoshchuk, Boateng, Badstuber, Lahm – Schweinsteiger, Kroos – Robben, T. Müller, Ribery – Gomez
Weitere Kaderspieler: Butt (Tor), Alaba, Pranjic, Luiz Gustavo, Usami, Olic, Petersen. Nicht dabei: Breno (Knieprobleme), Contento (Reha nach Zehenbruch), Rafinha (5. Gelbe Karte), van Buyten (Mittelfußbruch).

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