Fink: “Beister wechselt nicht – das ist mal klar!”
26. März 2013
Bevor ich dem HSV hier wieder den Platz einräume, eine ebenso schöne wie wichtige Nachricht vorweg, die mich heute in den frühen Morgenstunden von Dieter, dem Moderatorenteam, Eiche und eben dem stolzesten Menschen am heutigen Tag, Dembinski, erreichte: Das zweite „Matz ab-Baby“ ist da! Joris (in Anlehnung an Mathijsen?!) erblickte am Montag um 22.30 Uhr das Licht der Welt. Herzlichen Glückwunsch von Dieter, dem Moderatorenteam und mir an die berechtigterweise stolzen Eltern und ganz herzlich willkommen, süßer Joris! Und so viel kann ich glaube ich sagen: Joris ist der mit Abstand beste Blogbeitrag von Dembinski und wird schwer bis gar nicht zu toppen sein…. Aber seht selbst:
Originaltext Dembinski: Wir sind jetzt auch nachts zu erreichen
JORIS ist seit 22:30 uhr da
2990gr und 51 cm volle Manneskraft
Mama ich und Papa sind wohl auf
![]()
Was Joris gleich mit auf den Weg bekommt ist der erste Blog nach seiner Geburt. Und der fängt – ich werte das einfach mal als gutes Omen – gleich sehr versöhnlich an. Denn Trainer Thorsten Fink hatte heute einen Termin mit Maximilian Beister. Dessen Rote Karte gegen Augsburg hatte für Aufsehen gesorgt – und zog die happige Strafe von fünf Spielen Sperre nach sich. Beister schwieg zuletzt, sagte auch heute, dass er erstmal den Ball ganz flach halten wolle und sich nicht äußern will. Einer Reaktion, die für meine Arbeit hinderlich aber für mein Verständnis vom Mannschaftssport nur logisch ist. Ebenso wie seine Entschuldigung (via HSV-Internetseite) bei den Fans. Ein wenig überrascht, allerdings durchaus positiv, war ich nur von Thorsten Finks Sicht der Dinge. Der Coach, der seinen Youngster vor und nach der Roten Karte für die mangelhafte Einstellung zum Beruf verbal nachdrücklich abgewatscht hatte, ging versöhnlich in das Gespräch. „Was Maxi falsch gemacht hat, habe ich ihm schon gesagt. Und das sehr deutlich. Das brauchen wir jetzt auch nicht mehr zu besprechen.“ Vielmehr ginge es darum, zu erfahren, was Beister veranlasst hat, auszurasten. Tiefenanalyse sozusagen. „Ich bin auch der Typ Trainer, der wissen will, wie seine Spieler denken und fühlen. Vielleicht ist Maxi ja einer, der einfach mehr Aufmerksamkeit braucht“, sagt Fink.
Eine gute Reaktion, wie ich finde. Immerhin hat Beister einige Tage mächtig auf die Ohren bekommen und dürfte jetzt wissen, was ihn bei einem zweiten derartigen Fehltritt (uups, ein Wortspiel…) erwarten dürfte. Zudem, und das zeigt die Größe Finks, gesteht auch der Trainer eigene Fehler ein. „Ich hatte Maxi mal gesagt, dass er top trainiert habe und er auf sicher in den darauf folgenden zwei Spielen schon zum Einsatz kommen würde. Das habe ich dann nicht eingehalten, weil ich taktisch einige Dinge verändert habe. Das könnte ihn verstimmt haben, aber wir haben gewonnen. Und der Erfolg gab mir Recht.“
Gesprochen hatte er seitdem nicht mit Beister. Und der Jungspund fing an zu schmollen. Fink registrierte das, ließ Beister zappeln und sah es als Lernphase für seinen Jung-Offensiven an. „Maxi lernt noch, der darf auch mal einen Fehler machen. Lernjahre sind eben keine Herrenjahre“, so Fink, der in diesem Zusammenhang gern auch den berühmten französischen Trainer Arsene Wenger (Arsenal London) zitiert: „Wenger hat mal gesagt, dass du bis 23 Jahr lernst, was es heißt, ein Profi zu sein. Erst ab dem 23. Jahr Profi bist du dann Profi. Das stimmt – und deswegen gestehen ich Maxi Fehler zu.“
Im Gespräch mit seinem aktuellen Pflegefall zog Fink also jetzt die pädagogische Karte. Vielleicht genau das richtige Stilmittel beim sichtbar angeschlagenen Beister. Der musste nach der happigen Sperre auch beim DFB-Unterbau – Dieter hat’s geschrieben – eine persönliche Pleite hinnehmen und wurde beim 2:1-Sieg der U21 gegen Israel nicht einmal eingewechselt. Harter Tobak. Verdient zwar. Aber eben hart.
Schon deshalb setzt Fink darauf, seinen frustrierten Nachwuchsstürmer aufzubauen. Etwaige Wechselgedanken erstickte Fink heute bereits im Keim. Mehr als deutlich. „Ich lasse Maxi ganz sicher nicht gehen, da könnt ihr einen drauf lassen. Ein Wechsel kommt sowas von absolut nicht in Frage. Er hat hier einen langfristigen Vertrag und wird sich hier auch durchsetzen.“ Das Gespräch soll dabei einen weiteren Lernprozess einläuten. Und er soll Maxi Beister das Vertrauen wiedergeben, was er zuletzt verlieren hatte. „Dafür werde ich Maxi meine Position noch mal klar machen. Er soll aber auch wissen, dass ich fest mit hm plane.“ Zuerst die Peitsche, jetzt ein wenig Zucker. Zumindest klingt das für mich alles nach einem sehr versöhnlichen Gespräch. Und wenn es dazu führt, dass Beister Lehren zieht – ich hätte nichts dagegen.
Nichts hätte ich auch gegen Punkte am Sonnabend beim Deutschen Rekordmeister. Zumal der HSV in München mit Rafael van der Vaart – der Niederländer wird nach überstandener Grippe am Sonnabend wieder zum Team stoßen – zuletzt immer gut ausgesehen hat. Zwei Siege bei einem Remis in drei Besuchen der bayerischen Hauptstadt. Und daran soll sich auch diesmal nichts ändern. Deshalb werden jetzt schon kleine Psychospielchen wie das von Helmer („Juve ist die größte Chance des HSV“) und Ähnliches kolportiert. Dass der FC Bayern allerdings selbst mit elf rotierenden Spielern eine Mannschaft zusammenhätte, die den HSV nominell schlagen müsste – fraglos. Vor allem vor zwei Spielern habe ich mächtig Respekt: Vor Mandzukic, der dreckig, abgewichst und unfassbar effektiv spielt. Und natürlich vor dem in meinen Augen besten Fußballer der Bundesliga: Franck Ribéry. Sollte er nicht für das wichtige Champions-League-Spiel am Dienstag gegen Juventus Turin geschont werden, ist Franck Ribéry am Sonnabend beim Nord-Süd-Klassiker der direkte Gegenspieler von Dennis Diekmeier. Wie der sich auf den wahrscheinlich besten Offensivspieler der Bundesliga (O-Ton Thorsten Fink) vorbereitet? „Kann ich gar nicht“, sagt Diekmeier, „Ribéry bekommt man nur im Verbund gebändigt.“ Soll heißen: Doppeln im Defensivbereich. „Ribéry ist von seinen technischen Möglichkeiten fast unbegrenzt, ist unglaublich schnell und trickreich“, lobt Fink, der sein System in München nicht umstellen wird.
Fink wird in München in der Viererkette nichts ändern. „Ich will nicht alle zwei Wochen die Formation ändern“, so der Coach, der dennoch personelle Veränderungen erwägt. Während er hinten links zwangsläufig Marcell Jansen (5. Gelbe) durch Petr Jiracek ersetzt und Rafael van der Vaart nach überstandener Grippe wieder in die Startelf zurückkehren. Noch offen ließ Fink, ob er mit Per Skjelbred über rechts beginnt oder dort wieder Heung Min Son auflaufen lässt. Wobei es bei Ribery durchaus Sinn macht, Diekmeier einen defensiv fähigeren Spieler vorzusetzen, der sich mit Doppeln auskennt. „Es ist eine Überlegung“, so Fink vor seiner Rückkehr zu dem Klub, mit dem er als Spieler Meisterschaften, Pokalsiege und die Champions League gewann. Fink weiter: „Ich freue mich auf das Wiedersehen mit alten Bekannten. Aber ich werde keine Geschenke mitbringen.“ Im Gegenteil: Geht es nach Fink, würde der HSV sogar die Punkte mitnehmen.
Zu hoffen bleibt, dass alle Nationalspieler gesund zurückkehren. Denn, und da stimme ich voll in Helmers Theorie ein, das Spiel gegen Juventus am kommenden Dienstag dürfte bei allen Bayern im Hinterkopf sein. Zumal die Deutsche Meisterschaft bei 20 Punkten Vorsprung entscheiden „und maximal noch Formsache ist“ (O-Ton Fink). Dafür bedarf es dennoch einer Top-Leistung des HSV mit dem bestmöglichen Personal. Zumal, und das könnte noch mal ein paar Prozente in jedem hervorkitzeln, bei einem Ausrutscher der Dortmunder der FC Bayern mit einem Sieg sieben Spieltage vor Schluss den Titel perfekt machen könnte. Dann könnte sich der Liga-Primus auch faktisch komplett auf den Traum vom Gewinn der Champions League konzentrieren…
Egal wie, ich hoffe, dass der HSV in München nach der Pleite gegen Augsburg sein zweites, hübsches Gesicht zeigt. Das, was wir spielerisch in Dortmund, taktisch in Stuttgart und von der Leidenschaft her beispielsweise in Freiburg gesehen haben. Eine Mischung aus diesen drei Spielen – das könnte der Liga die letzte Spannung erhalten. Und den HSV weiter von einem Platz ganz vorn im so genannten “Schneckenrennen um Europa” träumen lassen.
In diesem Sinne, bis morgen. Da wird aufgrund der vielen spät zurückkommenden Nationalspieler erst um 15 Uhr an der Arena trainiert. Endlich wieder trainiert, ist man geneigt zu sagen, nachdem in der Länderspielpause mit dem kleinen, hier gebliebenen Rest bislang lediglich das Kreisspiel perfektioniert werden konnte…
Bis morgen, und an dieser Stelle noch einmal meinen allerherzlichsten Glückwunsch an Jacek und Frau!! Das habt Ihr richtig gut hinbekommen!!
Scholle