Archiv für das Tag 'Ribery'

Fink: “Beister wechselt nicht – das ist mal klar!”

26. März 2013

Bevor ich dem HSV hier wieder den Platz einräume, eine ebenso schöne wie wichtige Nachricht vorweg, die mich heute in den frühen Morgenstunden von Dieter, dem Moderatorenteam, Eiche und eben dem stolzesten Menschen am heutigen Tag, Dembinski, erreichte: Das zweite „Matz ab-Baby“ ist da! Joris (in Anlehnung an Mathijsen?!) erblickte am Montag um 22.30 Uhr das Licht der Welt. Herzlichen Glückwunsch von Dieter, dem Moderatorenteam und mir an die berechtigterweise stolzen Eltern und ganz herzlich willkommen, süßer Joris! Und so viel kann ich glaube ich sagen: Joris ist der mit Abstand beste Blogbeitrag von Dembinski und wird schwer bis gar nicht zu toppen sein…. Aber seht selbst:

Originaltext Dembinski: Wir sind jetzt auch nachts zu erreichen :-) JORIS ist seit 22:30 uhr da :-) 2990gr und 51 cm volle Manneskraft :-) Mama ich und Papa sind wohl auf :-)

Originaltext Dembinski: Wir sind jetzt auch nachts zu erreichen :-) JORIS ist seit 22:30 uhr da
:-) 2990gr und 51 cm volle Manneskraft :-) Mama ich und Papa sind wohl auf
:-)

Was Joris gleich mit auf den Weg bekommt ist der erste Blog nach seiner Geburt. Und der fängt – ich werte das einfach mal als gutes Omen – gleich sehr versöhnlich an. Denn Trainer Thorsten Fink hatte heute einen Termin mit Maximilian Beister. Dessen Rote Karte gegen Augsburg hatte für Aufsehen gesorgt – und zog die happige Strafe von fünf Spielen Sperre nach sich. Beister schwieg zuletzt, sagte auch heute, dass er erstmal den Ball ganz flach halten wolle und sich nicht äußern will. Einer Reaktion, die für meine Arbeit hinderlich aber für mein Verständnis vom Mannschaftssport nur logisch ist. Ebenso wie seine Entschuldigung (via HSV-Internetseite) bei den Fans. Ein wenig überrascht, allerdings durchaus positiv, war ich nur von Thorsten Finks Sicht der Dinge. Der Coach, der seinen Youngster vor und nach der Roten Karte für die mangelhafte Einstellung zum Beruf verbal nachdrücklich abgewatscht hatte, ging versöhnlich in das Gespräch. „Was Maxi falsch gemacht hat, habe ich ihm schon gesagt. Und das sehr deutlich. Das brauchen wir jetzt auch nicht mehr zu besprechen.“ Vielmehr ginge es darum, zu erfahren, was Beister veranlasst hat, auszurasten. Tiefenanalyse sozusagen. „Ich bin auch der Typ Trainer, der wissen will, wie seine Spieler denken und fühlen. Vielleicht ist Maxi ja einer, der einfach mehr Aufmerksamkeit braucht“, sagt Fink.

Eine gute Reaktion, wie ich finde. Immerhin hat Beister einige Tage mächtig auf die Ohren bekommen und dürfte jetzt wissen, was ihn bei einem zweiten derartigen Fehltritt (uups, ein Wortspiel…) erwarten dürfte. Zudem, und das zeigt die Größe Finks, gesteht auch der Trainer eigene Fehler ein. „Ich hatte Maxi mal gesagt, dass er top trainiert habe und er auf sicher in den darauf folgenden zwei Spielen schon zum Einsatz kommen würde. Das habe ich dann nicht eingehalten, weil ich taktisch einige Dinge verändert habe. Das könnte ihn verstimmt haben, aber wir haben gewonnen. Und der Erfolg gab mir Recht.“

Gesprochen hatte er seitdem nicht mit Beister. Und der Jungspund fing an zu schmollen. Fink registrierte das, ließ Beister zappeln und sah es als Lernphase für seinen Jung-Offensiven an. „Maxi lernt noch, der darf auch mal einen Fehler machen. Lernjahre sind eben keine Herrenjahre“, so Fink, der in diesem Zusammenhang gern auch den berühmten französischen Trainer Arsene Wenger (Arsenal London) zitiert: „Wenger hat mal gesagt, dass du bis 23 Jahr lernst, was es heißt, ein Profi zu sein. Erst ab dem 23. Jahr Profi bist du dann Profi. Das stimmt – und deswegen gestehen ich Maxi Fehler zu.“

Im Gespräch mit seinem aktuellen Pflegefall zog Fink also jetzt die pädagogische Karte. Vielleicht genau das richtige Stilmittel beim sichtbar angeschlagenen Beister. Der musste nach der happigen Sperre auch beim DFB-Unterbau – Dieter hat’s geschrieben – eine persönliche Pleite hinnehmen und wurde beim 2:1-Sieg der U21 gegen Israel nicht einmal eingewechselt. Harter Tobak. Verdient zwar. Aber eben hart.

Schon deshalb setzt Fink darauf, seinen frustrierten Nachwuchsstürmer aufzubauen. Etwaige Wechselgedanken erstickte Fink heute bereits im Keim. Mehr als deutlich. „Ich lasse Maxi ganz sicher nicht gehen, da könnt ihr einen drauf lassen. Ein Wechsel kommt sowas von absolut nicht in Frage. Er hat hier einen langfristigen Vertrag und wird sich hier auch durchsetzen.“ Das Gespräch soll dabei einen weiteren Lernprozess einläuten. Und er soll Maxi Beister das Vertrauen wiedergeben, was er zuletzt verlieren hatte. „Dafür werde ich Maxi meine Position noch mal klar machen. Er soll aber auch wissen, dass ich fest mit hm plane.“ Zuerst die Peitsche, jetzt ein wenig Zucker. Zumindest klingt das für mich alles nach einem sehr versöhnlichen Gespräch. Und wenn es dazu führt, dass Beister Lehren zieht – ich hätte nichts dagegen.

Nichts hätte ich auch gegen Punkte am Sonnabend beim Deutschen Rekordmeister. Zumal der HSV in München mit Rafael van der Vaart – der Niederländer wird nach überstandener Grippe am Sonnabend wieder zum Team stoßen – zuletzt immer gut ausgesehen hat. Zwei Siege bei einem Remis in drei Besuchen der bayerischen Hauptstadt. Und daran soll sich auch diesmal nichts ändern. Deshalb werden jetzt schon kleine Psychospielchen wie das von Helmer („Juve ist die größte Chance des HSV“) und Ähnliches kolportiert. Dass der FC Bayern allerdings selbst mit elf rotierenden Spielern eine Mannschaft zusammenhätte, die den HSV nominell schlagen müsste – fraglos. Vor allem vor zwei Spielern habe ich mächtig Respekt: Vor Mandzukic, der dreckig, abgewichst und unfassbar effektiv spielt. Und natürlich vor dem in meinen Augen besten Fußballer der Bundesliga: Franck Ribéry. Sollte er nicht für das wichtige Champions-League-Spiel am Dienstag gegen Juventus Turin geschont werden, ist Franck Ribéry am Sonnabend beim Nord-Süd-Klassiker der direkte Gegenspieler von Dennis Diekmeier. Wie der sich auf den wahrscheinlich besten Offensivspieler der Bundesliga (O-Ton Thorsten Fink) vorbereitet? „Kann ich gar nicht“, sagt Diekmeier, „Ribéry bekommt man nur im Verbund gebändigt.“ Soll heißen: Doppeln im Defensivbereich. „Ribéry ist von seinen technischen Möglichkeiten fast unbegrenzt, ist unglaublich schnell und trickreich“, lobt Fink, der sein System in München nicht umstellen wird.

Fink wird in München in der Viererkette nichts ändern. „Ich will nicht alle zwei Wochen die Formation ändern“, so der Coach, der dennoch personelle Veränderungen erwägt. Während er hinten links zwangsläufig Marcell Jansen (5. Gelbe) durch Petr Jiracek ersetzt und Rafael van der Vaart nach überstandener Grippe wieder in die Startelf zurückkehren. Noch offen ließ Fink, ob er mit Per Skjelbred über rechts beginnt oder dort wieder Heung Min Son auflaufen lässt. Wobei es bei Ribery durchaus Sinn macht, Diekmeier einen defensiv fähigeren Spieler vorzusetzen, der sich mit Doppeln auskennt. „Es ist eine Überlegung“, so Fink vor seiner Rückkehr zu dem Klub, mit dem er als Spieler Meisterschaften, Pokalsiege und die Champions League gewann. Fink weiter: „Ich freue mich auf das Wiedersehen mit alten Bekannten. Aber ich werde keine Geschenke mitbringen.“ Im Gegenteil: Geht es nach Fink, würde der HSV sogar die Punkte mitnehmen.

Zu hoffen bleibt, dass alle Nationalspieler gesund zurückkehren. Denn, und da stimme ich voll in Helmers Theorie ein, das Spiel gegen Juventus am kommenden Dienstag dürfte bei allen Bayern im Hinterkopf sein. Zumal die Deutsche Meisterschaft bei 20 Punkten Vorsprung entscheiden „und maximal noch Formsache ist“ (O-Ton Fink). Dafür bedarf es dennoch einer Top-Leistung des HSV mit dem bestmöglichen Personal. Zumal, und das könnte noch mal ein paar Prozente in jedem hervorkitzeln, bei einem Ausrutscher der Dortmunder der FC Bayern mit einem Sieg sieben Spieltage vor Schluss den Titel perfekt machen könnte. Dann könnte sich der Liga-Primus auch faktisch komplett auf den Traum vom Gewinn der Champions League konzentrieren…

Egal wie, ich hoffe, dass der HSV in München nach der Pleite gegen Augsburg sein zweites, hübsches Gesicht zeigt. Das, was wir spielerisch in Dortmund, taktisch in Stuttgart und von der Leidenschaft her beispielsweise in Freiburg gesehen haben. Eine Mischung aus diesen drei Spielen – das könnte der Liga die letzte Spannung erhalten. Und den HSV weiter von einem Platz ganz vorn im so genannten “Schneckenrennen um Europa” träumen lassen.

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird aufgrund der vielen spät zurückkommenden Nationalspieler erst um 15 Uhr an der Arena trainiert. Endlich wieder trainiert, ist man geneigt zu sagen, nachdem in der Länderspielpause mit dem kleinen, hier gebliebenen Rest bislang lediglich das Kreisspiel perfektioniert werden konnte…

Bis morgen, und an dieser Stelle noch einmal meinen allerherzlichsten Glückwunsch an Jacek und Frau!! Das habt Ihr richtig gut hinbekommen!!

Scholle

0:3 – Bayern zwei Nummern zu groß

3. November 2012

Wunder gibt es immer wieder – aber dann doch nicht so oft, wie man es sich als HSV-Fan erhofft. Gegen Rekordmeister Bayern München ging der HSV nach guten Anfangsminute mit 0:3 unter und konnte mit diesem Resultat noch ganz zufrieden sein. Die Münchner waren für den HSV vor 57 000 Zuschauer in der ausverkauften Arena mindestens zwei Nummern zu groß, was wahrlich keine Schande ist. Der HSV wird seine Punkte woanders holen müssen, nicht gegen diesen bärenstarken FC Bayern – und der HSV wird auch seine Punkte wieder holen. Vielleicht schon am nächsten Sonnabend in Freiburg? Diesmal hat es einfach nicht gepasst, diesmal waren die Bayern die deutlich bessere und reifere Mannschaft. Die Münchner gewannen 57 Prozent aller Zweikämpfe, hatten zum Beispiel eine Passgenauigkeit von 87 Prozent! Hervorragend. Und beim HSV hatten dann doch wohl zu viele junge Spieler zu großen Respekt vor diesem Klasse-Team. Was blieb dem HSV-Fan nach Spielschluss? Trotz allem zu feiern! Und Stadionsprecher Dirk Dröge brachte es vor dem Nach-hause-Weg auf den Punkt: „Hamburg hatte an diesem Abend die besseren Fans.“ Wenigstens ein Treffer!

Es regnete, es goss, es war kalt und ungemütlich – aber die Stimmung in der Arena war trotz allem prächtig. Was heißt prächtig, sie war Weltklasse. Und ich habe zu mir immer wieder gesagt: „Bitte, bitte, lieber Fußball-Gott, lass das 1:0 für Bayern nicht zu früh fallen, damit diese Stimmung noch ein wenig anhält.“ In diesem Punkt war der liebe Fußball-Gott dann ja auch auf meiner Seite . . .

Ganz Hamburg schien aufgeregt, voller Vorfreude, unwahrscheinlich optimistisch und auch unglaublich nervös. Schon Stunden vor dem Anpfiff sagten mir viele Fans: „Man, jetzt müsste es aber auch bald mal losgehen . . .“ Und trotz allem musste bis 18.30 Uhr gewartet werden – begleitet mit einigen überraschenden Resultaten in der Ersten Bundesliga. Was ist da nur los? Außer Bayern scheint jede Mannschaft anfällig zu sein. Schalke in Hoffenheim – ohne Worte.

Aber das nur am Rande. Der HSV begann voller Selbstbewusstsein, legte in den ersten Minuten los wie die Feuerwehr. In den ersten Minuten, wohlgemerkt. Trainer Thorsten Fink hatte viel gewagt und viel riskiert. Rafael van der Vaart begann zentral in vorderster Reihe, links sollten ihm Maximilian Beister assistieren, rechts Heung Min Son. Hinter van der Vaart standen Milan Badelj und Tolgay Arslan, dahinter als dauerrennende „Sechs“ Tomas Rincon. Das schien zunächst aufzugehen, die beiden ersten Offensivaktionen des Spieles gehörten dem HSV. Aber mit zunehmender Spielzeit kamen die Bayern, sie fanden stetig immer besser ins und zu ihrem Spiel – und beim HSV funktionierte die neue Formation immer weniger . . .

An van der Vaart lief das Spiel vorbei, von den Außen kamen keine Offensivaktionen, weil dort das Zauberwort „doppeln“ hieß. Gegen Ribery und Müller mussten in der Defensive immer zwei Mann zur Stelle sein, das erfordert jede Menge Laufarbeit, Aufmerksamkeit – und Kraft. Und deswegen lief alsbald nicht mehr so viel nach vorne beim HSV. Alles das, was von Fink mit einem Hauch Offensive angedacht worden war, blieb weit hinter den Erwartungen des Trainers – und aller Fans.

Und – ganz nebenbei – dann zeigten die Bayern natürlich auch immer mehr, warum sie und keine andere Mannschaft in dieser Saison den Meistertitel holen wird. Dieses FCB-Team ist einfach nur saustark. Daran kann kein Dortmund und kein Schalke mehr klingeln. Und der HSV muss seine Punkte gegen andere Klubs holen. Dass diese Bayern aber nicht nur hervorragenden Fußball spielen können, sondern auch noch die eine oder andere nicht so astreine Sache auf Lager haben, das zeigte sich in zwei Szene vor dem Halbzeitpfiff. Erst trat Mandzukic gegen den flankenden Dennis Diekmeier ganz böse zu, der HSV-Spieler musste behandelt werden. Bevor er das konnte, spielte Torwart Neuer den Abstoß blitzschnell aus dem Strafraum (ohne auf den am Boden liegenden Diekmeier zu achten) – und Übeltäter Mandzukic schlich sich ohne Entschuldigung still und heimlich nach vorne. Die zweite Szene dieser Art: Ribery stürmte auf den HSV-Strafraum zu, spielte den Ball mit der Hand gegen die Hand von Rincon – und forderte wild gestikulierend Freistoß oder gar Elfmeter. Geht es noch?

Spätestens nach einer halben Stunde wusste jeder im Stadion, wohin der Hase laufen wird. Bayern waren am Drücker, erspielten sich viele Chancen. Und schossen folgerichtig auch das Führungstor. Nach einem Eckstoß des HSV wurde ganz Hamburg ausgekontert. Bitter. So etwas sollte eigentlich nicht passieren, passiert aber leider immer wieder. Ribery mit einem Befreiungsschlag, Michael Mancienne und „Maxi“ Beister sind sich nicht einig, wer zum Kopfball gehen soll – Bayerns Müller macht es und bedient so Kross, der auf und davon zieht. Der Nationalspieler umkurvt Rene Adler, kann danach aber nur noch flanken – und tut dieses erstklassig. Schweinsteiger, der bei dieser Kälte (?) mit einer schwarzen Strumpfhose spielte, hechtet in diesen Ball – 0:1 (40.).

Mit Beginn des zweiten Durchgangs hatte Thorsten Fink seine erste (und sicherlich auch gut gemeinte) Aufstellung korrigiert. Zurück zur Stamm-Elf: Artjoms Rudnevs kam wieder rein, und alle anderen Spieler gingen zurück auf ihre Positionen, die sie in den vergangenen Wochen bekleidet hatten; Rincon blieb in der Kabine. Und es begann verheißungsvoll, denn nach Sekunden schoss Beister aus halblinker Position auf das Bayern-Tor – aber Neuer hielt ohne Mühe.

Das nächste Tor fiel auf der Gegenseite. Zunächst hielt Rene Adler noch riesig gegen Mandzukic (das musste schon das 0:2 sein), doch dann folgte ein ganz „freches“ Ding. Ribery bediente Müller, der Jansen kurzerhand stehen ließ und frei vor Adler aufkreuzte. Der HSV-Keeper verkürzte den Winkel, Müller schien links auf der Torauslinie ohne Chance, ein Tor zu machen – aber Müller schoss. Rotzfrech. Und drin das Ding! Damit hatte Adler ganz offensichtlich nicht gerechnet – ich muss gestehen, auch ich habe nie damit kalkuliert, dass Müller von dort noch schießen würde. Aber Frechheit siegt (49.). Mit diesem Tor war das Spiel gelaufen.

Adler verhinderte später gegen Ribery noch das 0:3 (51.), aber dieser Treffer ließ trotz allem nicht lange auf sich warten. Ribery, Ribery, Ribery. Wieder war es Ribery, der Kroos in den HSV-Strafraum schickte. Offenbar rechneten alle Hamburger damit, dass der Nationalspieler den Ball zur Mitte passen würde, aber das ist ja nichts für Kroos. Der „Dr. Hammer“ der Bundesliga aktivierte kurz seinen linken Schlappen und drosch die Kugel brutal und absolut humorlos in die kurze Ecke – 0:3 (53.). Das Ende aller Hamburger Träume.

Danach plätscherte das Spiel dann in aller Ruhe in Richtung Champions League. Für die Bayern. Und der HSV? Die Stimmung blieb prächtig: „Steht auf für den HSV.“ Und: „Hey, hey, hier kommt Hamburg.“ Ganz bestimmt. Auch noch in dieser Saison. Aber diese Bayern waren dann doch noch einmal zwei Nummern zu groß. Schade, aber Realität. Und die ist eben oftmals auch ganz grausam.

Die Einzelkritik:

Rene Adler hielt das, was er halten konnte, und das war eine ganze Menge. Aber alles kann er, der Supermann, natürlich dann doch nicht abwehren. Und wenn ihm nun einige schon wieder die Schuld am 0:2 geben (oder eine Beteiligung sehen), dann muss ich sagen, dass ich ihn daran schuldlos sehe. Das war Pech. Und Müllers Können.

Dennis Diekmeier gab alles, versuchte alles, aber gegen einen Ribery haben schon sooooo viele ganz alt ausgesehen. Das ist keine Schande. Trotzdem noch Note vier.

Michael Mancienne begann sehr gut, stoppte zu Beginn einige Bayern-Angriffe, um dann mit ins Trudeln zu geraten. Trotz allem nicht so schlecht, wie man es bei einem 0:3 vermuten könnte.

Heiko Westermann war der beste Hamburger. Note zwei. Was er lief, ackerte, kämpfte, köpfte – großartig und vorbildlich.

Marcell Jansen hielt seine linke Seite eigentlich ganz gut sauber, aber nach vorne konnte er kaum etwas ausrichten. Später, als Dennis Aogo kam, rückte Jansen eine Position vor – ob das dem ehemaligen Bayern-Spieler schmecken wird? Er hat doch dort eine Chance auf eine Nominierung für die Nationalmannschaft gehofft . . . Mal sehen, wie es da weitergehen wird.

Tomas Rincon lief von Bayer zu Bayer zu Bayer. Unglaublich. Aber so richtig in den Griff bekam er weder einen Gegenspieler noch sein Spiel. Schade. Aber er wird es wohl demnächst noch einmal versuchen dürfen. Hoffentlich.

Tolgay Arslan ging unter, und zwar von Anfang an. Da war wohl doch eine Schippe zuviel Respekt mit im Spiel.

Milan Badelj begann schwach und konnte nie zu seinem Spiel finden er blieb schwach und endete schwach. Note fünf.

Heung Min Son blieb blass. Auch wohl deshalb, weil er kaum Unterstützung hatte.

Maximilian Beister fand nie in dieses Spiel und blieb ohne jede Szene. Note fünf.

Rafael van der Vaart versuchte viel, aber irgendwann sah er wohl ein, dass er allein gegen ein solches Starensemble keine Chance hat. Auf „seiner“ Position in Durchgang zwei trat er auch kaum noch in Erscheinung.

Artjoms Rudnevs kam in er 46. Minute für Rincon und blieb chancenlos und blass.
Dennis Aogo kam in der 58. Minute für Beister und ließ nichts mehr anbrennen – gegen Bayern, die auch nicht mehr so recht wollten, keine Frage.

Mund abputzen, aufstehen und weiter – HSV!

20.34 Uhr

Welche Rolle der Videowürfel spielt

16. Juni 2012

Über Waldis EM-Club lässt sich ja trefflich streiten. Mal realistisch, mal komisch-heiter-ironisch. Wer es mag, der freut sich, ich kenne einige, die sich das nicht ansehen. Wollen. Ich zappe da aber gerne mal rein, denn ich mag den Waldemar. Für alle, die es wissen wollen: Waldi ist ein Super-Typ, mit dem man Pferde stehlen kann. Wir fanden bei der EM 1996 in Manchester zusammen, da waren wir im selben Hotel – und abends (fast) immer in derselben Disco. Da hatten wir viel Spaß. Und wer jetzt denkt, da ging die Post aber so richtig ab, dem muss ich entgegnen: nix da! Spaß haben und den Ball flach halten können, das muss man auch können – und der Waldi kann das auch. Und so ganz nebenbei bemerkt: der Herr Hartmann weiß auch fix Bescheid. Über Fußball, die Nationalmannschaft, das Umfeld – und was sonst im Leben so abgeht. Er hat mir sogar einen dicken Lapsus verziehen: Als ich eine Geschichte über ihn schrieb, wurde mir in Hamburg ein ganz böser Nebensatz in den Text gemischt. Etwas, was ich noch heute als sehr böse empfinde. Wie gesagt, nicht von mir – und der Waldi hat es mir auch abgenommen und mir verziehen. In meiner ersten Wut, das gebe ich zu, wollte ich mein EM-Abenteuer beenden und abreisen. Ich wurde aber von den lieben Kollegen gebremst, was ich heute noch als sehr gut ansehe.

Aber zurück zu Waldis EM-Club in der ARD. Da saß kürzlich auch Hansi Müller. Der schöne Hansi hieß es ja früher, der Stuttgarter und ehemalige Nationalspieler war mal in der „Bravo“ auf dem Titelblatt, aber davon ist nicht mehr viel zu sehen. Na ja, Schönheit ist vergänglich . . . Also dieser Hansi Müller hat, als es bei Waldi gerade mal „real“ zuging, über einen ehemaligen HSV-Spieler, über den „kleinen Engel“, voller Entsetzen gesagt: „Hat das eigentlich jemand gesehen, wie langsam dieser Rafael van der Vaart geworden ist? Ich habe den immer sehr als Fußballer geschätzt, aber wie langsam ist der geworden. Als er einmal hinter dem mit Ball am Fuß laufenden Mesut Özil hinterher lief, drehte der Holländer ab, weil er wohl nicht wollte, dass man seine Langsamkeit so offensichtlich sah.“ Ich fühlte mich bestätigt mit dem, was ich kürzlich schrieb. Beim Länderspiel in Leipzig gegen Israel sprach ich ja mit mehreren Spielerberatern, auch über van der Vaart. Und einer dieser Berater sagte mir ja (ihr erinnert euch?): „Was will der HSV denn mit dem? Der ist doch viel zu langsam geworden, der spielt doch ohne jegliches Tempo – und das kann man sich im heutigen Spitzenfußball gar nicht mehr erlauben.“ Ja, so sehen es die Experten.
Ich würde mich trotz allem freuen, wenn er wieder zum HSV zurück käme, aber das ist ja nur meine unmaßgebliche Meinung, die kann jeder sofort wieder vergessen.

So, ihr merkt, es ist EM-Zeit. Da geht nichts beim HSV, absolut nichts. Keine Zeitung hat den „großen Kracher“, denn es gibt keinen „großen Kracher“. Noch nicht. Also ist EM. Und da hat der Unsympath des Turniers noch ein Spiel, dann fliegt er nach Hause: Zlatan Ibrahimovic. Was für ein Typ?! Mannschaftsführer der Schweden. Ausgerechnet ein solcher Mensch ist Mannschaftsführer. Habe ich mich gefreut, dass die Schweden ausgeschieden sind – obwohl ich nichts gegen Schweden habe. Nur gegen dieses Ekelpaket. Er wird ja auch Rebell genannt, oder Exzentriker. Das ist in meinen Augen alles untertrieben.

Allein wie der als schwedischer Spielführer die Hände der Gegenspieler (bei der Begrüßung vor dem Anstoß) schüttelt. Ibrahimovic, der ein begnadeter Fußballspieler ist (er schießt den Ball auch tatsächlich dorthin, wo er ihn hin haben will! Das macht in der Perfektion kaum ein Zweiter), sieht die gegnerischen Spieler nicht an, er blickt nur auf die ihm entgegengestreckte Hand, packt diese und „zerquetscht“ sie. Unmenschlich. Wie „Geier Wally“ läuft er über den Rasen. Und, hat es jemand gesehen, als das 2:1 für Schweden gegen England gefallen war: Mitten im schwedischen Torjubel giftete Ibrahimovic den geschlagenen englischen Keeper Joe Hart an. Wieso, weshalb, warum? Weiß nur er. Wenn Blicke töten könnten . . .

Apropos England. Da spielte ja so ein Schönling namens Andy Carroll mit. Ähnlich die Haare nach hinten gebunden wie Ibrahimovic. Aber dieser Carroll, der ein Super-Tor zum 1:0 geköpft hat, ist ja nicht nur Fußball-Nationalspieler. Dieser Adonis öffnete sofort seine Haare, nachdem der halbzeit- und der Schluss-Pfiff gekommen waren. Dann schüttelte er kurz seinen schönen Kopf, die schönen Haare sahen mit einem Schlag wuselig aus, und um sie noch wuseliger zu machen, fuhr er sich mehrere Male mit beiden Händen durch das Haar. Was für ein Kerl! Viel zu schön um wahr zu sein. Und:
Du hast die Haare schön, du hast die Haare schön, du hast, du hast die Haare schön.

Ja, auch ein solches Gehabe und Getue gehört wohl zum heutigen Show-Fußball dazu. Ist ja ohnehin lächerlich, wie diese Schönlinge immer sofort auf den Videowürfel im Stadion schauen, wenn sie etwas vollbracht haben. Dann wollen sie sich sehen: „Bin ich auch gut im Bild? Und bin ich nicht schön?“

Ich denke dabei immer an Uwe Seeler. Für den gab es damals keine Videowürfel, aber selbst wenn er heute noch spielen würde – „uns Uwe“ würde nicht einmal zum Bildschirm hochsehen. Weil er immer nur Fußball, Fußball, Fußball gedacht und gelebt hat, und er wollte nur eines; gewinnen. Nicht schön aussehen, nicht die Haare richten, nicht sonst etwas machen. Das heute nimmt schon groteske und lächerliche Züge an. Ganz sicher. Wobei der Ober-Schönling ja aus Portugal kommt: Cristiano Ronaldo. Der Mann ist ja tatsächlich bildschön, keine Frage, volle Anerkennung von mir, aber muss er das auch während der 90 Minuten ständig überprüfen? Ich behaupte, obwohl es darüber keine Statistik gibt, dass kein anderer EM-Spieler während der 90 Minuten so oft zum Videowürfel hochblicken, wie Ronaldo. Deswegen vergisst er in diesen EM-Tagen auch seine fußballerischen Qualitäten. Der will nur glänzen und gut aussehen. Letzteres hat er Ibrahimovic um Längen voraus – aber was soll das schon heißen?

Zwei Dinge sind mir zudem aufgefallen.

Ich finde es irgendwie ein wenig unfair, wenn eine Mannschaft, die den Ball ins Seitenaus spielt, damit ein verletzt am Boden liegender gegnerischer Spieler von der medizinischen Abteilung behandelt werden kann, den Ball dafür später, nach der Verletzungspause, zum Torwart zurückgespielt bekommt. Dabei wurde der Ball doch ursprünglich in der anderen Spielhälfte ins Aus gespielt. Die um Fairplay bemühte Mannschaft hat also einen gravierenden Nachteil hinzunehmen, denn sie muss neu und wieder von (ganz) hinten aufbauen. Und die Zuschauer klatschen dazu . . .

Und noch eine Unsitte, die ich schon vom HSV (und aus der Bundesliga) kenne, macht sich bei diesem Turnier breit: Wie die Kinder sind die Gören . . . Gibt es einen Freistoß kurz vor dem gegnerische Tor, sodass der Ball direkt auf das Gehäuse geschossen werden könnte, so fallen die Spieler teilweise wie die Hühnerhabichte über die Kugel her: „Her damit! Du gibt’s mir sofort den Ball! Den schieße ich, und nur ich.“ Ein Gezanke und Gezeter ist das, und das hat in meinen Augen nichts, aber auch absolut nichts mit Profi-Fußball zu tun. Da sind dann plötzlich nur „Hirnis“ am Werke, die nur sich und ihr Ego kennen. Wahnsinn. Da werden die besten Chancen verschenkt, nur weil den Ball ein jeder ganz persönlich nimmt. Ribery ist so einer, und bei England fiel mir Young auf. Gefoult, gefallen – aufgesprungen und den Ball „geraubt“ – das ist eine Szene. Und bevor dann geschossen wird, wird erst einmal diskutiert. Und das lenkt total vom Wesentlichen ab. Konzentration? Das ist dann ein Fremdwort. Da geht es nur noch darum, den Ball zu verteidigen, dass man auch tatsächlich selbst zum Schuss kommt.

Mich überrascht immer wieder, wie die Trainer diesem bunten Treiben tatenlos zusehen. Da müssten doch irgendwann einmal klare Ansagen kommen. Mein ehemaliger Trainer Wolfgang „Jule“ Rauert (beim Wandsbeker FC) gab vor dem Spiel immer bekannt: „Elfmeter Matz.“ Damit das geklärt war – bevor es Streitigkeiten gab oder geben konnte. Aber über die Freistöße sprach auch er nie. Doch ich bin mir sicher, dass er es heute machen würde – man kann das nicht alles dem Zufall und dem Ego der Spieler überlassen. Dazu sind die Begegnungen heutzutage viel zu eng, da entscheidet eventuell genau diese eine Standardsituation.

Also, Männer, macht euch nicht lächerlich, reißt euch endlich mal zusammen und gibt mal den Profi (der über den Dingen steht) – alles andere ist doch wirklich der reinste Amateurfußball. Obwohl, denke ich gerade, die kriegen es wahrscheinlich viel besser hin, weil es da ja nicht so viele unfehlbare Stars gibt – wie zurzeit in Polen und der Ukraine.

Apropos. Seit „einigen“ Tagen, gefühlt seit zwei Monaten, haben wir ja Sommerpause. Vom Sommer ist weit und breit nichts zu sehen, dafür von Pause umso mehr. Zum Glück haben wir aber noch die EM. Und die sollten wir deswegen auch ausgiebig genießen. Noch ist es doch herrlich, dass es jeden Abend Fußball gibt – oder?

Und dann war da noch ein kurzer Bericht von „pps“ „Mein Wechsel zu Real Madrid hat sich voll ausgezahlt“, meinte der deutsche Mittelfeld-Star Sami Khedira im Gespräch mit ZDF-Reporter Michael Steinbrecher im deutschen Quartier. „José Mourinho ist für mich der weltbeste Vereinstrainer. Er bringt Ehrlichkeit rüber, verspricht einem nichts, was er nicht so meint. Er hat mir beigebracht, noch intelligenter zu spielen.“
Das habe ich in den letzten Wochen immer häufiger gehört. Von Mourinho schwärmen sie (fast) alle. Okay, der Coach steht mit den Journalisten auf Kriegsfuß, aber das muss man auch mal ignorieren. Wenn es ums Fußballerische geht, so muss er ein ganz besonderes Exemplar seiner Zunft sein. Er soll es tatsächlich so gut können – wie kaum ein zweiter Trainer auf der Welt. Es wäre aber doch wirklich sehr, sehr schön, wenn bei ihm der eine oder andere Kollege mal in die Schule gehen könnte. Und noch schöner wäre es doch wenn zum Beispiel ein – um nicht so hoch zu greifen – Gojko Kacar am Ende der nächsten Saison sagen würde: „Thorsten Fink ist für mich der weltbeste Vereinstrainer. Er bringt Ehrlichkeit rüber, verspricht einem nichts, was er nicht so meint. Er hat mir beigebracht, noch intelligenter zu spielen.“

Das wäre dann einzigartig, ein Novum für Hamburg, denn einen solchen Satz habe ich selbst über den großen Ernst Happel nie vernommen. Obwohl der beste HSV-Trainer aller Zeiten wirklich von fast allen seinen Spielern gelobt und verehrt wurde. Hätte doch was, wenn sie so in einem Jahr alle voller Hochachtung von Fink sprechen würden.

PS: Morgen, nach dem EM-Spiel Deutschland gegen Dänemark, gibt es wieder „Matz ab live“. Unsere Gäste im „Champs“ sind HSV-Vorstands-Cheff Carl-Edgar Jarchow und der freie Journalist Oliver Wurm, bekannt und berühmt durch diverse Teilnahmen am „Sport-1-Doppelpass“. Wir freuen uns, und wir, „Scholle“ und ich, würden uns auch sehr freuen, wenn ihr wieder einschalten würdet. Obwohl, ich glaube, wir konkurrieren dann mit Waldis EM-Club . . .

18.41 Uhr

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